Reflections on Contemporary History II
The Karma of Untruthfulness
GA 173b
6 January 1917, Dornach
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Zeitgeschichtliche Betrachtungen Band III
Vierzehnter Vortrag
Vierzehnter Vortrag
[ 1 ] Ich habe in den letzten Betrachtungen wiederholt darauf hingewiesen, daß man gerade im Zusammenhang mit den Bestrebungen der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft erkennen muß, daß für eine heutige Weltenbetrachtung, überhaupt für eine heutige Weltanschauung weitere Horizonte notwendig sind, als sie der Menschheit in dem von uns von verschiedenen Gesichtspunkten aus charakterisierten materialistischen Zeitalter zugänglich waren. Weitere Horizonte, das heißt, man muß, will man heute die Welt, insbesondere das Menschengeschehen, verstehen, seine Zuflucht nehmen zu Begriffen, die aus der geistigen Wissenschaft stammen. Und es hängt mit dem ganzen Karma unserer Zeit zusammen, daß der größte Teil der Menschheit bis heute solche weiteren Begriffshorizonte für alle Gebiete des Lebens und des Erkennens ablehnte.
[ 1 ] Ich habe in den letzten Betrachtungen wiederholt darauf hingewiesen, daß man gerade im Zusammenhang mit den Bestrebungen der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft erkennen muß, daß für eine heutige Weltenbetrachtung, überhaupt für eine heutige Weltanschauung weitere Horizonte notwendig sind, als sie der Menschheit in dem von uns von verschiedenen Gesichtspunkten aus charakterisierten materialistischen Zeitalter zugänglich waren. Weitere Horizonte, das heißt, man muß, will man heute die Welt, insbesondere das Menschengeschehen, verstehen, seine Zuflucht nehmen zu Begriffen, die aus der geistigen Wissenschaft stammen. Und es hängt mit dem ganzen Karma unserer Zeit zusammen, daß der größte Teil der Menschheit bis heute solche weiteren Begriffshorizonte für alle Gebiete des Lebens und des Erkennens ablehnte.
[ 2 ] Will man mit diesen Gesichtspunkten im Hintergrunde eine Seite unseres Lebens besonders charakterisieren, so kann man sagen, die objektive Entwickelung ist den Menschen des 19. und 20. Jahrhunderts, so weit dieses bisher gekommen ist, über den Kopf gewachsen. Und die Zeiterscheinungen zeigen dieses Über-den-Kopf-Wachsen in allerintensivster Weise. Zu den hervorstechendsten Ereignissen des materialistischen Zeitalters gehört ja der materialistische Fortschritt, der Fortschritt in bezug auf dasjenige, was durch materielle Mittel in der Welt, man könnte sagen, inszeniert wird. Diesem materialistischen Fortschritt dient ja auch die Wissenschaft des materialistischen Zeitalters. Und besonders charakteristisch für diese Wissenschaft ist es, daß sie immer weniger und weniger Interesse entwickelt für die geistige Welt, daß sie mehr und mehr nur sein will eine Summe von Begriffen und Ideen, welche anwendbar sind im äußeren materiellen Geschehen.
[ 2 ] Will man mit diesen Gesichtspunkten im Hintergrunde eine Seite unseres Lebens besonders charakterisieren, so kann man sagen, die objektive Entwickelung ist den Menschen des 19. und 20. Jahrhunderts, so weit dieses bisher gekommen ist, über den Kopf gewachsen. Und die Zeiterscheinungen zeigen dieses Über-den-Kopf-Wachsen in allerintensivster Weise. Zu den hervorstechendsten Ereignissen des materialistischen Zeitalters gehört ja der materialistische Fortschritt, der Fortschritt in bezug auf dasjenige, was durch materielle Mittel in der Welt, man könnte sagen, inszeniert wird. Diesem materialistischen Fortschritt dient ja auch die Wissenschaft des materialistischen Zeitalters. Und besonders charakteristisch für diese Wissenschaft ist es, daß sie immer weniger und weniger Interesse entwickelt für die geistige Welt, daß sie mehr und mehr nur sein will eine Summe von Begriffen und Ideen, welche anwendbar sind im äußeren materiellen Geschehen.
[ 3 ] Dieser Gang der Entwickelung drückt sich ja insbesondere im alleräußersten materiellen Geschehen aus: im mechanischen Geschehen. Dasjenige, was wir Fabrikwesen, Industriewesen, Maschinenwesen nennen können, hat ja in diesem materialistischen Zeitalter bisher seine größte Vollkommenheit erlangt. Und ganz naturgemäß ist der Fortschritt auf diesem Gebiete ein anationaler, man könnte auch sagen ein internationaler, ein Weltfortschritt. Denn ob eine Eisenbahn oder eine ähnliche Einrichtung in England, in Rußland, in China oder in Japan gebaut wird, die Gesetze, nach denen dies geschieht, die Kenntnisse, die man dazu braucht, sind überall dieselben, weil alles dies nur nach mechanischen, vom Menschen losgelösten Gesichtspunkten bewerkstelligt wird; so daß in der Tat ein internationales Prinzip auf diesem Gebiete in allerumfänglichster Weise Platz gegriffen hat. Und es wurde oftmals in bezug auf diesen oder jenen Gesichtspunkt im Laufe unserer geisteswissenschaftlichen Betrachtungen gesagt: Damit, daß dies geschehen ist, haben wir auf der Erde gewissermaßen einen Körper vor uns, einen über die ganze Erde sich hinziehenden Leib. Dieser Leib braucht eine Seele, und diese Seele sollte ebenso international sein. Und als solche Seele wurde gerade die Geisteswissenschaft in Anspruch genommen, weil sie in der Tat, so wie sie es sein muß, eine Erkenntnis ist, die nicht mit irgendeinem Individuellen oder Gruppenhaften auf der Erde zusammenhängt, und die die Möglichkeit bietet, von jedem, wo er auch sei, so verstanden zu werden, wie das Körperhafte in der äußeren materiellen Kultur im Bau einer Eisenbahn, einer Lokomotive oder dergleichen von ihm verstanden werden kann. Und es wurde oftmals betont, daß ein Segen, ein Heil für die menschliche Entwickelung nur eintreten kann, wenn zu der Entwickelung des Körperhaften im angedeuteten Sinne die Entwickelung des Seelisch-Geistigen hinzukommt. Aber dazu wäre notwendig, daß die Menschen sich ebensoviel Mühe geben würden, geistige Zusammenhänge zu verstehen, wie sie sich durch den Zwang der äußeren Verhältnisse, durch die sie sich ja viel lieber zwingen lassen als durch das, was in ihre Freiheit gestellt ist, dazu bequemen, auf die Erfordernisse des materiellen Fortschritts einzugehen. Das ist bis jetzt nicht geschehen, muß sich aber selbstverständlich im Laufe der Menschheitsentwickelung ergeben; auch wenn es noch so lange verzögert wird, so muß es sich doch ergeben. Wenn auch noch so viel Unheilkarma heraufbeschworen wird dadurch, daß die Menschen sich zu so etwas nicht bequemen wollen, so muß es sich dennoch ergeben. Denn was geschehen soll, das wird auch geschehen.
[ 3 ] Dieser Gang der Entwickelung drückt sich ja insbesondere im alleräußersten materiellen Geschehen aus: im mechanischen Geschehen. Dasjenige, was wir Fabrikwesen, Industriewesen, Maschinenwesen nennen können, hat ja in diesem materialistischen Zeitalter bisher seine größte Vollkommenheit erlangt. Und ganz naturgemäß ist der Fortschritt auf diesem Gebiete ein anationaler, man könnte auch sagen ein internationaler, ein Weltfortschritt. Denn ob eine Eisenbahn oder eine ähnliche Einrichtung in England, in Rußland, in China oder in Japan gebaut wird, die Gesetze, nach denen dies geschieht, die Kenntnisse, die man dazu braucht, sind überall dieselben, weil alles dies nur nach mechanischen, vom Menschen losgelösten Gesichtspunkten bewerkstelligt wird; so daß in der Tat ein internationales Prinzip auf diesem Gebiete in allerumfänglichster Weise Platz gegriffen hat. Und es wurde oftmals in bezug auf diesen oder jenen Gesichtspunkt im Laufe unserer geisteswissenschaftlichen Betrachtungen gesagt: Damit, daß dies geschehen ist, haben wir auf der Erde gewissermaßen einen Körper vor uns, einen über die ganze Erde sich hinziehenden Leib. Dieser Leib braucht eine Seele, und diese Seele sollte ebenso international sein. Und als solche Seele wurde gerade die Geisteswissenschaft in Anspruch genommen, weil sie in der Tat, so wie sie es sein muß, eine Erkenntnis ist, die nicht mit irgendeinem Individuellen oder Gruppenhaften auf der Erde zusammenhängt, und die die Möglichkeit bietet, von jedem, wo er auch sei, so verstanden zu werden, wie das Körperhafte in der äußeren materiellen Kultur im Bau einer Eisenbahn, einer Lokomotive oder dergleichen von ihm verstanden werden kann. Und es wurde oftmals betont, daß ein Segen, ein Heil für die menschliche Entwickelung nur eintreten kann, wenn zu der Entwickelung des Körperhaften im angedeuteten Sinne die Entwickelung des Seelisch-Geistigen hinzukommt. Aber dazu wäre notwendig, daß die Menschen sich ebensoviel Mühe geben würden, geistige Zusammenhänge zu verstehen, wie sie sich durch den Zwang der äußeren Verhältnisse, durch die sie sich ja viel lieber zwingen lassen als durch das, was in ihre Freiheit gestellt ist, dazu bequemen, auf die Erfordernisse des materiellen Fortschritts einzugehen. Das ist bis jetzt nicht geschehen, muß sich aber selbstverständlich im Laufe der Menschheitsentwickelung ergeben; auch wenn es noch so lange verzögert wird, so muß es sich doch ergeben. Wenn auch noch so viel Unheilkarma heraufbeschworen wird dadurch, daß die Menschen sich zu so etwas nicht bequemen wollen, so muß es sich dennoch ergeben. Denn was geschehen soll, das wird auch geschehen.
[ 4 ] Weil der materielle Fortschritt gewissermaßen vorausgeeilt ist dem guten Willen zur geistigen Erkenntnis, so ist dem Menschen dieser materielle Fortschritt, und namentlich alles, was aus diesem Fortschritt an Leidenschaften, an Impulsen in den Seelen sich ergibt, über den Kopf gewachsen. Es zeigt sich dies ja äußerlich am eindringlichsten dadurch, daß nicht diejenigen Ideen, welche auf harmonisches Zusammenleben der Menschen auf Erden hinzielen, daß mit andern Worten nicht die christlichen Ideen die Oberhand gewonnen haben, sondern, bis zur Exaltation, solche, welche die Menschheit spalten und sie in Kulturepochen zurückführen, von denen man glauben konnte, daß sie längst überwunden seien. Daß im 19. Jahrhundert innerhalb der miteinander lebenden Nationalitäten der Nationalismus solche Blüten treiben konnte, wie er sie getrieben hat, das ist die starke, große Anomalie, und sie zeigt, daß die Menschen mit ihrer Seelenentwickelung der materiellen Entwickelung nicht nachgekommen sind.
[ 4 ] Weil der materielle Fortschritt gewissermaßen vorausgeeilt ist dem guten Willen zur geistigen Erkenntnis, so ist dem Menschen dieser materielle Fortschritt, und namentlich alles, was aus diesem Fortschritt an Leidenschaften, an Impulsen in den Seelen sich ergibt, über den Kopf gewachsen. Es zeigt sich dies ja äußerlich am eindringlichsten dadurch, daß nicht diejenigen Ideen, welche auf harmonisches Zusammenleben der Menschen auf Erden hinzielen, daß mit andern Worten nicht die christlichen Ideen die Oberhand gewonnen haben, sondern, bis zur Exaltation, solche, welche die Menschheit spalten und sie in Kulturepochen zurückführen, von denen man glauben konnte, daß sie längst überwunden seien. Daß im 19. Jahrhundert innerhalb der miteinander lebenden Nationalitäten der Nationalismus solche Blüten treiben konnte, wie er sie getrieben hat, das ist die starke, große Anomalie, und sie zeigt, daß die Menschen mit ihrer Seelenentwickelung der materiellen Entwickelung nicht nachgekommen sind.
[ 5 ] Wenn die Menschen im weiteren Umfange Geisteswissenschaft annehmen werden, Geisteswissenschaft nicht bloß als Theorie, sondern als Erfüllung des Gesamtseelischen, dann werden sie notwendigerweise andere Begriffe bekommen müssen. Und durch solche andern Begriffe werden sie Zusammenhänge überschauen, die für das materialistische Denken der Gegenwart ganz unmöglich zu durchschauen sind. Gewisse Zusammenhänge überschaut man nur, wenn man die rechten Ideen dafür hat. Aber Ideen müssen ebenso lebendig wachsen wie irgend etwas anderes, das heißt, sie müssen einen Boden haben, auf dem sie gedeihen können. Der Boden, auf dem Ideen gedeihen, kann aber nur jene Gesinnung der Seele sein, die von Geisteswissenschaft zubereitet wird. Würde die materialistische Entwickelung weitergehen, so wie sie sich im Laufe des 19. Jahrhunderts ergeben hat, so würden die Menschen immer ideenärmer werden. Trivial ausgedrückt: den Menschen würde nichts einfallen, das geeignet ist, die Welt zu begreifen. Sie würden darauf angewiesen sein, sich alles, was sie über die Welt denken, nur vom Experiment, von dem anregen zu lassen, was sich vor ihren Augen entwickelt. Das Pochen auf das Experiment in neuerer Zeit ist nur ein Ergebnis der Ideenarmut. So würde, wenn die Entwickelung so fortginge, die Menschheit immer ideenärmer werden. Da aber eine gewisse Intensität des Geisteslebens doch notwendig ist, da der Mensch gewisse Impulse bis zu einer gewissen Stärke entwickeln muß, so muß er diese Impulse anderswoher nehmen, wenn sie ihm nicht aus dem Material der Ideen zufließen.
[ 5 ] Wenn die Menschen im weiteren Umfange Geisteswissenschaft annehmen werden, Geisteswissenschaft nicht bloß als Theorie, sondern als Erfüllung des Gesamtseelischen, dann werden sie notwendigerweise andere Begriffe bekommen müssen. Und durch solche andern Begriffe werden sie Zusammenhänge überschauen, die für das materialistische Denken der Gegenwart ganz unmöglich zu durchschauen sind. Gewisse Zusammenhänge überschaut man nur, wenn man die rechten Ideen dafür hat. Aber Ideen müssen ebenso lebendig wachsen wie irgend etwas anderes, das heißt, sie müssen einen Boden haben, auf dem sie gedeihen können. Der Boden, auf dem Ideen gedeihen, kann aber nur jene Gesinnung der Seele sein, die von Geisteswissenschaft zubereitet wird. Würde die materialistische Entwickelung weitergehen, so wie sie sich im Laufe des 19. Jahrhunderts ergeben hat, so würden die Menschen immer ideenärmer werden. Trivial ausgedrückt: den Menschen würde nichts einfallen, das geeignet ist, die Welt zu begreifen. Sie würden darauf angewiesen sein, sich alles, was sie über die Welt denken, nur vom Experiment, von dem anregen zu lassen, was sich vor ihren Augen entwickelt. Das Pochen auf das Experiment in neuerer Zeit ist nur ein Ergebnis der Ideenarmut. So würde, wenn die Entwickelung so fortginge, die Menschheit immer ideenärmer werden. Da aber eine gewisse Intensität des Geisteslebens doch notwendig ist, da der Mensch gewisse Impulse bis zu einer gewissen Stärke entwickeln muß, so muß er diese Impulse anderswoher nehmen, wenn sie ihm nicht aus dem Material der Ideen zufließen.
[ 6 ] Wenn Sie ein Zeitalter aufsuchen wollen, wo die Ideen nur so sprudelten, wo die wirklichen Ideen wuchsen, so ist ein solches besonders charakteristisches, fruchtbares Zeitalter dasjenige, das etwa die Zeit von Lessing bis zur deutschen Romantik, bis zu Novalis, oder auch weiter bis zur idealistischen Philosophie umfaßt, zu der wir neben Hegel, Schelling auch Schopenhauer rechnen können, sowie diejenigen, die ich in meinem Buch «Vom Menschenrätsel» als die Philosophen eines heute im materialistischen Zeitalter verklungenen Weltentones angeführt habe. Da ist wirklicher Reichtum an Ideen vorhanden. Daher die große Verachtung, die man gerade diesem Zeitalter in der Gegenwart angedeihen läßt! Aber sehen Sie sich dieses Zeitalter an, das so reich ist und fruchtbar an Ideen, die darauf ausgehen, die Natur und die menschliche geschichtliche Entwickelung zu begreifen! Ich will nur erinnern daran, wie nahe kommt demjenigen, was wir heute aus der geistigen Welt herausholen können über die Menschheitsevolution, über die verschiedenen nachatlantischen Epochen mit ihren charakteristischen Impulsen — was ja allerdings erst für unser heutiges Zeitalter das Angemessene ist —, wie nahe dem kommt jene fruchtbare Idee, die bei Schelling, Hegel, Novalis, bei Franz von Baader hervorgetreten ist, die aber ihren Ursprung eigentlich schon hatte in Jakob Böhme: daß die Menschheitsevolution in dem Zeitabschnitt, den man ohne die geisteswissenschaftlichen Mittel übersehen kann, eine erste Epoche durchmachte, in welcher gewissermaßen das Gottvaterprinzip herrschte, die Epoche, die in der Bibel durch das Alte Testament und die heidnischen Religionen charakterisiert wird. Diejenigen, die ich eben angeführt habe, nannten es das Vater-Zeitalter. Es wurde abgelöst von dem Zeitalter des Sohnes, in welchem sich die Idee des Mysteriums von Golgatha in die Menschheit einleben sollte. Und sie schauten wie ein Ideal für die Zukunft das Zeitalter des Geistes, des Heiligen Geistes, das sie auch das Johanneische Zeitalter nannten. Sie glaubten, daß sich erst dann die großen Impulse des Johannes-Evangeliums verwirklichen können.
[ 6 ] Wenn Sie ein Zeitalter aufsuchen wollen, wo die Ideen nur so sprudelten, wo die wirklichen Ideen wuchsen, so ist ein solches besonders charakteristisches, fruchtbares Zeitalter dasjenige, das etwa die Zeit von Lessing bis zur deutschen Romantik, bis zu Novalis, oder auch weiter bis zur idealistischen Philosophie umfaßt, zu der wir neben Hegel, Schelling auch Schopenhauer rechnen können, sowie diejenigen, die ich in meinem Buch «Vom Menschenrätsel» als die Philosophen eines heute im materialistischen Zeitalter verklungenen Weltentones angeführt habe. Da ist wirklicher Reichtum an Ideen vorhanden. Daher die große Verachtung, die man gerade diesem Zeitalter in der Gegenwart angedeihen läßt! Aber sehen Sie sich dieses Zeitalter an, das so reich ist und fruchtbar an Ideen, die darauf ausgehen, die Natur und die menschliche geschichtliche Entwickelung zu begreifen! Ich will nur erinnern daran, wie nahe kommt demjenigen, was wir heute aus der geistigen Welt herausholen können über die Menschheitsevolution, über die verschiedenen nachatlantischen Epochen mit ihren charakteristischen Impulsen — was ja allerdings erst für unser heutiges Zeitalter das Angemessene ist —, wie nahe dem kommt jene fruchtbare Idee, die bei Schelling, Hegel, Novalis, bei Franz von Baader hervorgetreten ist, die aber ihren Ursprung eigentlich schon hatte in Jakob Böhme: daß die Menschheitsevolution in dem Zeitabschnitt, den man ohne die geisteswissenschaftlichen Mittel übersehen kann, eine erste Epoche durchmachte, in welcher gewissermaßen das Gottvaterprinzip herrschte, die Epoche, die in der Bibel durch das Alte Testament und die heidnischen Religionen charakterisiert wird. Diejenigen, die ich eben angeführt habe, nannten es das Vater-Zeitalter. Es wurde abgelöst von dem Zeitalter des Sohnes, in welchem sich die Idee des Mysteriums von Golgatha in die Menschheit einleben sollte. Und sie schauten wie ein Ideal für die Zukunft das Zeitalter des Geistes, des Heiligen Geistes, das sie auch das Johanneische Zeitalter nannten. Sie glaubten, daß sich erst dann die großen Impulse des Johannes-Evangeliums verwirklichen können.
[ 7 ] Wie unendlich bedeutsam ist solch eine Idee gegenüber der öden, unfruchtbaren Rederei von einer allgemeinen Evolution der Menschheit, was ja nur eine abstrakte Idee ist, die nur dasjenige, was nachkommt, wie ein nächstes Kettenglied an das Vorangegangene angliedert. Wie unendlich tief ist doch, was Schelling, wiederum anknüpfend an Jakob Böhme, als seine «Theosophie» entwickelt hat! Diese «Theosophie» Schellings ringt sich hinauf zu einer Höhe, demgegenüber das später von der Theologie Gedachte einen tiefen Abstieg darstellt. Schelling ringt sich durch zu der Anschauung, daß es im Christentum nicht so sehr ankommt auf die Lehre, die ja gerade von der neuesten, fortschrittlichen Theologie in Anspruch genommen wird, als ob der Christus Jesus bloß ein Lehrer gewesen wäre, sondern daß das Mysterium von Golgatha vor allen Dingen als eine Tatsache aufzufassen ist, daß man hinaufzuschauen hat zu dem, was geschehen ist, hinzuschauen hat darauf, daß sich mit dem Leben, dem Sterben, dem Auferstehen des Christus Jesus eine Tatsache vollzogen hat.
[ 7 ] Wie unendlich bedeutsam ist solch eine Idee gegenüber der öden, unfruchtbaren Rederei von einer allgemeinen Evolution der Menschheit, was ja nur eine abstrakte Idee ist, die nur dasjenige, was nachkommt, wie ein nächstes Kettenglied an das Vorangegangene angliedert. Wie unendlich tief ist doch, was Schelling, wiederum anknüpfend an Jakob Böhme, als seine «Theosophie» entwickelt hat! Diese «Theosophie» Schellings ringt sich hinauf zu einer Höhe, demgegenüber das später von der Theologie Gedachte einen tiefen Abstieg darstellt. Schelling ringt sich durch zu der Anschauung, daß es im Christentum nicht so sehr ankommt auf die Lehre, die ja gerade von der neuesten, fortschrittlichen Theologie in Anspruch genommen wird, als ob der Christus Jesus bloß ein Lehrer gewesen wäre, sondern daß das Mysterium von Golgatha vor allen Dingen als eine Tatsache aufzufassen ist, daß man hinaufzuschauen hat zu dem, was geschehen ist, hinzuschauen hat darauf, daß sich mit dem Leben, dem Sterben, dem Auferstehen des Christus Jesus eine Tatsache vollzogen hat.
[ 8 ] Und so könnte man eine ganze Summe von überragenden, weitreichenden Ideen für jenes Zeitalter anführen. Aber womit ist dieses Vorhandensein von weitreichenden Ideen verbunden? Bei denjenigen, bei denen solche Ideen auftreten, finden Sie eines nicht: nationale Beschränktheit. Sie finden überall dasjenige, was man dazumal in jenen Kreisen nannte — ob das Wort heute noch verstanden werden kann, nachdem so viele Worte zu Phrasen geworden sind, ist eine andere Frage — den «weltbürgerlichen» Standpunkt. Wie fern von aller nationalen Beschränktheit ist zum Beispiel ein Geist wie Goethe! Wie fern jeder nationalen Beschränktheit ist eine Dichtung wie der «Faust». Da kommt es nicht auf den Ursprung an. Selbstverständlich kann der «Faust» nur gedacht werden aus der Kultur Mitteleuropas heraus, aber gegenüber dem, was «Faust» in der Goetheschen Dichtung geworden ist, nach dem Geburtsscheine Fausts zu fragen, wäre selbstverständlich eine Absurdität. Aber diese Absurdität ist ja in unserer Zeit Realität, ist Tatsache geworden. Im Grunde genommen ist alles, was in der Gegenwart geschieht, einfach eine Verleugnung dessen, wozu die Menschheit zum Beispiel durch die Faust-Dichtung emporgestiegen ist. Daraus aber sehen wir schon, daß in der Menschheit alle Anlagen vorhanden sind, weiter zu sein, als sie heute ist, und erst recht als sie in der nächsten Zeit sein wird.
[ 8 ] Und so könnte man eine ganze Summe von überragenden, weitreichenden Ideen für jenes Zeitalter anführen. Aber womit ist dieses Vorhandensein von weitreichenden Ideen verbunden? Bei denjenigen, bei denen solche Ideen auftreten, finden Sie eines nicht: nationale Beschränktheit. Sie finden überall dasjenige, was man dazumal in jenen Kreisen nannte — ob das Wort heute noch verstanden werden kann, nachdem so viele Worte zu Phrasen geworden sind, ist eine andere Frage — den «weltbürgerlichen» Standpunkt. Wie fern von aller nationalen Beschränktheit ist zum Beispiel ein Geist wie Goethe! Wie fern jeder nationalen Beschränktheit ist eine Dichtung wie der «Faust». Da kommt es nicht auf den Ursprung an. Selbstverständlich kann der «Faust» nur gedacht werden aus der Kultur Mitteleuropas heraus, aber gegenüber dem, was «Faust» in der Goetheschen Dichtung geworden ist, nach dem Geburtsscheine Fausts zu fragen, wäre selbstverständlich eine Absurdität. Aber diese Absurdität ist ja in unserer Zeit Realität, ist Tatsache geworden. Im Grunde genommen ist alles, was in der Gegenwart geschieht, einfach eine Verleugnung dessen, wozu die Menschheit zum Beispiel durch die Faust-Dichtung emporgestiegen ist. Daraus aber sehen wir schon, daß in der Menschheit alle Anlagen vorhanden sind, weiter zu sein, als sie heute ist, und erst recht als sie in der nächsten Zeit sein wird.
[ 9 ] Aber ich sagte, die menschliche Seele braucht eine gewisse Intensität in ihren Impulsen. Wenn sie sich nicht zu Ideen erheben kann, so nimmt sie diese Intensität anderswo her; sie nimmt sie aus den dunklen, unterbewußten Kräften der Seele, aus dem, was aus dem Geiste des Blutes heraufpulsiert. Und im Grunde genommen ist der Nationalismus nichts anderes als ein Ergebnis der Ideenlosigkeit. Das erste, was die Menschheit brauchte, wäre eben der Wille, sich zu den Ideen zu erheben. Aber man kann schon sagen: Es gehört zum Gelingen des eben Angedeuteten ein Verständnis für das, was man, gegenüber der geistigen Welt, die Gnade nennen kann. Denn die geistige Welt läßt sich nicht erringen, wenn man von einer gewissen engumgrenzten Summe vorgefaßter Meinungen ausgeht, sondern sie läßt sich nur erringen, wenn man die Seele offen hält für dasjenige, was in sie eindringen kann, wenn man nicht nur urteilen will, sondern seine Urteilsfähigkeit jeden Tag bereichern will.
[ 9 ] Aber ich sagte, die menschliche Seele braucht eine gewisse Intensität in ihren Impulsen. Wenn sie sich nicht zu Ideen erheben kann, so nimmt sie diese Intensität anderswo her; sie nimmt sie aus den dunklen, unterbewußten Kräften der Seele, aus dem, was aus dem Geiste des Blutes heraufpulsiert. Und im Grunde genommen ist der Nationalismus nichts anderes als ein Ergebnis der Ideenlosigkeit. Das erste, was die Menschheit brauchte, wäre eben der Wille, sich zu den Ideen zu erheben. Aber man kann schon sagen: Es gehört zum Gelingen des eben Angedeuteten ein Verständnis für das, was man, gegenüber der geistigen Welt, die Gnade nennen kann. Denn die geistige Welt läßt sich nicht erringen, wenn man von einer gewissen engumgrenzten Summe vorgefaßter Meinungen ausgeht, sondern sie läßt sich nur erringen, wenn man die Seele offen hält für dasjenige, was in sie eindringen kann, wenn man nicht nur urteilen will, sondern seine Urteilsfähigkeit jeden Tag bereichern will.
[ 10 ] Und so ist es notwendig, daß zunächst vor allen Dingen Einsicht die Menschen ergreift. Wir sind nun einmal in dem Zeitalter, das die Bewußtseinsseele ergreifen soll. Dieses Zeitalter muß nach Einsicht streben. Einsicht wird aber nur in weltumspannenden Ideen, in dem Durchdringen der Wirklichkeit mit Ideen. Gerade mit Bezug auf die allernächsten Ereignisse ist unsere Zeit nun ganz und gar nicht geneigt, Ideen aufzufassen. Ein abstrakter Begriff, er mag noch so logisch, noch so einleuchtend sein, ist keine Idee. Eine Idee muß herausgeboren sein aus der lebendigen Wirklichkeit. Ideen sehen wir in unserer Zeit kaum entstehen, desto mehr aber finden wir das Pochen auf abstrakte Begriffe. Ideen können ja allerdings auch zu Schlagworten werden, aber in diesem Falle werden sie keinen besonderen Schaden anrichten, weil die Menschenseele in Schlagworten, wenn sie das Korrelat für Ideen sind, sich nicht besonders gut betätigen kann; die Absurdität wird klar hervortreten. Nicht so ist es bei abstrakten Begriffen. Abstrakte Begriffe können mit großer Intensität zu Schlagworten werden, und sie sind so einleuchtend, weil sie im Grunde genommen aufs Allernächste gehen und von den Menschen bei ihrer Scheu, Weiteres zu umfassen, mit Begierde ergriffen werden. Aber abstrakte Begriffe fußen nicht in der Wirklichkeit. Wir sehen zwar heute die abstrakten Begriffe überall in großer Zahl, aber für den, der die Dinge durchschaut, mit um so größerer Ohnmächtigkeit hervortreten.
[ 10 ] Und so ist es notwendig, daß zunächst vor allen Dingen Einsicht die Menschen ergreift. Wir sind nun einmal in dem Zeitalter, das die Bewußtseinsseele ergreifen soll. Dieses Zeitalter muß nach Einsicht streben. Einsicht wird aber nur in weltumspannenden Ideen, in dem Durchdringen der Wirklichkeit mit Ideen. Gerade mit Bezug auf die allernächsten Ereignisse ist unsere Zeit nun ganz und gar nicht geneigt, Ideen aufzufassen. Ein abstrakter Begriff, er mag noch so logisch, noch so einleuchtend sein, ist keine Idee. Eine Idee muß herausgeboren sein aus der lebendigen Wirklichkeit. Ideen sehen wir in unserer Zeit kaum entstehen, desto mehr aber finden wir das Pochen auf abstrakte Begriffe. Ideen können ja allerdings auch zu Schlagworten werden, aber in diesem Falle werden sie keinen besonderen Schaden anrichten, weil die Menschenseele in Schlagworten, wenn sie das Korrelat für Ideen sind, sich nicht besonders gut betätigen kann; die Absurdität wird klar hervortreten. Nicht so ist es bei abstrakten Begriffen. Abstrakte Begriffe können mit großer Intensität zu Schlagworten werden, und sie sind so einleuchtend, weil sie im Grunde genommen aufs Allernächste gehen und von den Menschen bei ihrer Scheu, Weiteres zu umfassen, mit Begierde ergriffen werden. Aber abstrakte Begriffe fußen nicht in der Wirklichkeit. Wir sehen zwar heute die abstrakten Begriffe überall in großer Zahl, aber für den, der die Dinge durchschaut, mit um so größerer Ohnmächtigkeit hervortreten.
[ 11 ] Nehmen wir irgendeine der vielen abstrakten Ideen, die heute herrschen, heraus. Eine solche abstrakte Idee ist zum Beispiel die Idee des ewigen Friedens. So, wie man das heute behandelt, ist es ein ganz abstrakter Begriff, der nicht dem lebendigen Ergreifen der Wirklichkeit entspringt, jedoch denjenigen Menschen, die nicht weitere Horizonte wollen, wie eine Selbstverständlichkeit einleuchtet. Es wird gesagt: Die verschiedenen Staaten — man denkt dabei nicht nach, ob dieses Wort «die verschiedenen Staaten» überhaupt eine Realität hat — sollen eine zwischenstaatliche Organisation bilden, etwas, das über die ganze Welt reicht und nach dem Müster des einzelnen Staates aufgebaut ist, und es soll ein, wie man sagt, «zwischenstaatliches Recht» organisiert werden. — Die Idee ist schön, daher leuchtet sie jedem ein. Die verschiedenen Staaten sollen sich verpflichten, Frieden zu halten, sollen ihre gegenseitigen Interessen auf gewisse Rechtsnormen begründen. Alles sehr schön! Aber zweifellos wäre es auch schön, wenn wir, um ein warmes Zimmer zu haben, nicht einzuheizen brauchten, sondern nur den abstrakten Begriff der Wärme zu entwickeln brauchten. Es handelt sich bei einer Idee nicht darum, ob sie schön ist, nicht darum, ob sie einleuchtend ist; denn was könnte einleuchtender sein als der Gedanke, daß es doch eigentlich eine furchtbare Despotie der Natur bedeutet, daß man Ofen oder Ähnliches benötigt!
[ 11 ] Nehmen wir irgendeine der vielen abstrakten Ideen, die heute herrschen, heraus. Eine solche abstrakte Idee ist zum Beispiel die Idee des ewigen Friedens. So, wie man das heute behandelt, ist es ein ganz abstrakter Begriff, der nicht dem lebendigen Ergreifen der Wirklichkeit entspringt, jedoch denjenigen Menschen, die nicht weitere Horizonte wollen, wie eine Selbstverständlichkeit einleuchtet. Es wird gesagt: Die verschiedenen Staaten — man denkt dabei nicht nach, ob dieses Wort «die verschiedenen Staaten» überhaupt eine Realität hat — sollen eine zwischenstaatliche Organisation bilden, etwas, das über die ganze Welt reicht und nach dem Müster des einzelnen Staates aufgebaut ist, und es soll ein, wie man sagt, «zwischenstaatliches Recht» organisiert werden. — Die Idee ist schön, daher leuchtet sie jedem ein. Die verschiedenen Staaten sollen sich verpflichten, Frieden zu halten, sollen ihre gegenseitigen Interessen auf gewisse Rechtsnormen begründen. Alles sehr schön! Aber zweifellos wäre es auch schön, wenn wir, um ein warmes Zimmer zu haben, nicht einzuheizen brauchten, sondern nur den abstrakten Begriff der Wärme zu entwickeln brauchten. Es handelt sich bei einer Idee nicht darum, ob sie schön ist, nicht darum, ob sie einleuchtend ist; denn was könnte einleuchtender sein als der Gedanke, daß es doch eigentlich eine furchtbare Despotie der Natur bedeutet, daß man Ofen oder Ähnliches benötigt!
[ 12 ] Nicht darauf kommt es an, daß eine Idee dem Gefühle entspricht, welches die Leute mit Worten bezeichnen wie: Es ist eine schöne, eine humane Idee —, oder wie man dann schon sagt, sondern darauf, ob eine Idee aus der Wirklichkeit herauswächst. Würde man auf Ideen ausgehen, die aus der Wirklichkeit herauswachsen, dann würde man allerdings erst die Wirklichkeit studieren müssen. Schöne Programme aufstellen, wie es die Staaten in der Zukunft machen sollen, damit Frieden herrscht, kann jeder beschränkte Kopf — verzeihen Sie den Ausdruck —; ein solcher kann aber nicht zu Ideen kommen, die der lebendigen Wirklichkeit entsprechen, die aus der Wirklichkeit herausgeboren sind. Man hat der geistigen Welt gegenüber nicht einmal das Gefühl, daß da eine Wirklichkeit mit ihren Gesetzen vorliegt, wie man es der materiellen Welt gegenüber selbstverständlich hat; sondern man glaubt, mit ein paar Sätzen die ganze Welt regeln zu können, ohne ein Gefühl dafür, daß die Welt eine Realität ist, in der lauter reale Impulse sich gegenseitig kontrastieren. Dadurch aber, daß man sich berauscht an Programmen, die in abstrakten Ideen bestehen, hält man die Welt davon ab, auf die Wirklichkeiten einzugehen.
[ 12 ] Nicht darauf kommt es an, daß eine Idee dem Gefühle entspricht, welches die Leute mit Worten bezeichnen wie: Es ist eine schöne, eine humane Idee —, oder wie man dann schon sagt, sondern darauf, ob eine Idee aus der Wirklichkeit herauswächst. Würde man auf Ideen ausgehen, die aus der Wirklichkeit herauswachsen, dann würde man allerdings erst die Wirklichkeit studieren müssen. Schöne Programme aufstellen, wie es die Staaten in der Zukunft machen sollen, damit Frieden herrscht, kann jeder beschränkte Kopf — verzeihen Sie den Ausdruck —; ein solcher kann aber nicht zu Ideen kommen, die der lebendigen Wirklichkeit entsprechen, die aus der Wirklichkeit herausgeboren sind. Man hat der geistigen Welt gegenüber nicht einmal das Gefühl, daß da eine Wirklichkeit mit ihren Gesetzen vorliegt, wie man es der materiellen Welt gegenüber selbstverständlich hat; sondern man glaubt, mit ein paar Sätzen die ganze Welt regeln zu können, ohne ein Gefühl dafür, daß die Welt eine Realität ist, in der lauter reale Impulse sich gegenseitig kontrastieren. Dadurch aber, daß man sich berauscht an Programmen, die in abstrakten Ideen bestehen, hält man die Welt davon ab, auf die Wirklichkeiten einzugehen.
[ 13 ] Manchmal ist die fruchtbare, die wirkliche Idee den Worten nach ganz gleichlautend mit der lebendigen Idee, es handelt sich nur darum, daß man von der Lebendigkeit ergriffen werde. Aber heute ist es so, daß die Lebendigkeit den Menschen oftmals als das Allerparadoxeste erscheint. So kam man im Laufe des 19. Jahrhunderts und im 20. Jahrhundert an verschiedenen Stellen der Welt auf die sogenannte Abrüstungsidee, auf die Idee, den Militarismus einzuschränken. Das ist eine schöne Idee, aber sie darf nicht abstrakt bleiben, wenn sie fruchtbar werden soll! Sie muß mit den Wirklichkeiten rechnen. Dazu muß man aber die Wirklichkeiten studieren. Sich irgendwo zusammensetzen und bestimmen: Die Staaten sollen abrüsten —, das kann man; es ist auch eine einleuchtende Idee. Aber entweder werden sie es alle nicht tun, oder einzelne von ihnen werden es nicht tun; aber selbst wenn es alle täten, so würden sie bald wieder anfangen zu rüsten, wenn die Sache nicht von einem wirklich fruchtbaren Impulse ausgeht. Weist man aber heute nur auf die fruchtbaren Impulse hin, dann setzt man sich schon der Gefahr aus, etwas für die meisten Menschen furchtbar Törichtes zu sagen, denn das Vernünftige wird heute geradezu für das Törichteste gehalten. — Mit «vernünftig» meine ich in diesem Zusammenhange dasjenige, was wirklichkeitsgemäß ist.
[ 13 ] Manchmal ist die fruchtbare, die wirkliche Idee den Worten nach ganz gleichlautend mit der lebendigen Idee, es handelt sich nur darum, daß man von der Lebendigkeit ergriffen werde. Aber heute ist es so, daß die Lebendigkeit den Menschen oftmals als das Allerparadoxeste erscheint. So kam man im Laufe des 19. Jahrhunderts und im 20. Jahrhundert an verschiedenen Stellen der Welt auf die sogenannte Abrüstungsidee, auf die Idee, den Militarismus einzuschränken. Das ist eine schöne Idee, aber sie darf nicht abstrakt bleiben, wenn sie fruchtbar werden soll! Sie muß mit den Wirklichkeiten rechnen. Dazu muß man aber die Wirklichkeiten studieren. Sich irgendwo zusammensetzen und bestimmen: Die Staaten sollen abrüsten —, das kann man; es ist auch eine einleuchtende Idee. Aber entweder werden sie es alle nicht tun, oder einzelne von ihnen werden es nicht tun; aber selbst wenn es alle täten, so würden sie bald wieder anfangen zu rüsten, wenn die Sache nicht von einem wirklich fruchtbaren Impulse ausgeht. Weist man aber heute nur auf die fruchtbaren Impulse hin, dann setzt man sich schon der Gefahr aus, etwas für die meisten Menschen furchtbar Törichtes zu sagen, denn das Vernünftige wird heute geradezu für das Törichteste gehalten. — Mit «vernünftig» meine ich in diesem Zusammenhange dasjenige, was wirklichkeitsgemäß ist.
[ 14 ] Ich sagte: Gewiß ist der Abrüstungsgedanke, der Gedanke des allmählichen Abbauens desMilitarismus eine schöne Idee. Aber sie könnte niemals dadurch verwirklicht werden, daß man die Abrüstung in irgendeinem Ausschuß der Staaten beschließt. Wirklich werden kann sie nur, wenn sie von irgendeiner entsprechenden Wirklichkeit ergriffen wird. Was heißt das aber? Wie kann man zur Abrüstung kommen? Ja, da muß man schon sehr konkret sprechen. Es hätte in der Tat im Laufe des 19. Jahrhunderts zu den verschiedensten Zeiten die Möglichkeit gegeben, dem Abrüstungsgedanken näherzutreten, ihn zu einer wirklichen Idee zu machen. Wie zum Beispiel?
[ 14 ] Ich sagte: Gewiß ist der Abrüstungsgedanke, der Gedanke des allmählichen Abbauens desMilitarismus eine schöne Idee. Aber sie könnte niemals dadurch verwirklicht werden, daß man die Abrüstung in irgendeinem Ausschuß der Staaten beschließt. Wirklich werden kann sie nur, wenn sie von irgendeiner entsprechenden Wirklichkeit ergriffen wird. Was heißt das aber? Wie kann man zur Abrüstung kommen? Ja, da muß man schon sehr konkret sprechen. Es hätte in der Tat im Laufe des 19. Jahrhunderts zu den verschiedensten Zeiten die Möglichkeit gegeben, dem Abrüstungsgedanken näherzutreten, ihn zu einer wirklichen Idee zu machen. Wie zum Beispiel?
[ 15 ] Nun, sagen wir, es hätte jemand die Idee vor dem Jahre 1870 gehabt. Wie hätte sie verwirklicht werden können? Es hätte nämlich vor dem Jahre 1870 ein Schritt gemacht werden können im Abrüstungsgedanken, der sehr fruchtbar gewesen wäre für die Menschheit. Aber jetzt kommt eben dasjenige, was selbstverständlich der heutigen Zeit als das Törichteste gelten muß: Niemals hätte man durch eine Übereinkunft unter den Staaten dem Abrüstungsgedanken nähertreten können! Das ist ganz unfruchtbar, so schön es auch ist. Aber fruchtbar wäre es gewesen, wenn ein Staat, und zwar gerade derjenige, der es gekonnt hätte, mit der Abrüstung angefangen hätte, wenn er für sich die Abrüstung verwirklicht hätte. Da hätte man aber imstande sein müssen, mit Wirklichkeiten zu rechnen.
[ 15 ] Nun, sagen wir, es hätte jemand die Idee vor dem Jahre 1870 gehabt. Wie hätte sie verwirklicht werden können? Es hätte nämlich vor dem Jahre 1870 ein Schritt gemacht werden können im Abrüstungsgedanken, der sehr fruchtbar gewesen wäre für die Menschheit. Aber jetzt kommt eben dasjenige, was selbstverständlich der heutigen Zeit als das Törichteste gelten muß: Niemals hätte man durch eine Übereinkunft unter den Staaten dem Abrüstungsgedanken nähertreten können! Das ist ganz unfruchtbar, so schön es auch ist. Aber fruchtbar wäre es gewesen, wenn ein Staat, und zwar gerade derjenige, der es gekonnt hätte, mit der Abrüstung angefangen hätte, wenn er für sich die Abrüstung verwirklicht hätte. Da hätte man aber imstande sein müssen, mit Wirklichkeiten zu rechnen.
[ 16 ] Nehmen wir nun ein paar Staaten in Europa, nur um auf die Wirklichkeit hinzudeuten. Rußland — kann es abrüsten? Sicherlich nicht ohne weiteres, denn hinter ihm ist Asien, und würde es abrüsten, so würde es niemals einen Wall haben gegen die anstürmenden Völkerschaften Asiens, die ganz gewiß nicht mitabrüsten würden; davon kann also keine Rede sein. — Dasjenige, was in Mitteleuropa damals vorhanden war — ein Deutsches Reich gab es ja noch nicht vor dem Jahre 1870 —, konnte es abrüsten? Nun, es wäre mindestens im Osten von einem Staat, der nicht abrüsten konnte, begrenzt gewesen; folglich konnte es nicht abrüsten, es ist ausgeschlossen gewesen. — Aber ein Staat, der hätte abrüsten können, der ein schönes Beispiel hätte geben und dadurch in der neueren Zeit im wesentlichen dasjenige hätte verwirklichen können, was er mit Worten immer in die Welt hinausposaunt, das ist Frankreich. Frankreich hätte vor dem Jahre 1870 ganz gut abrüsten können, und die Folge davon wäre gewesen, daß der Krieg von 1870 niemals stattgefunden hätte. Und Frankreich war seither mit Bezug auf europäische Angelegenheiten — nicht koloniale Angelegenheiten — jederzeit in der Lage, voranzugehen mit der Abrüstung. Dann wäre ein Anfang gemacht gewesen, und die Sache hätte gegen Osten fortschreiten können.
[ 16 ] Nehmen wir nun ein paar Staaten in Europa, nur um auf die Wirklichkeit hinzudeuten. Rußland — kann es abrüsten? Sicherlich nicht ohne weiteres, denn hinter ihm ist Asien, und würde es abrüsten, so würde es niemals einen Wall haben gegen die anstürmenden Völkerschaften Asiens, die ganz gewiß nicht mitabrüsten würden; davon kann also keine Rede sein. — Dasjenige, was in Mitteleuropa damals vorhanden war — ein Deutsches Reich gab es ja noch nicht vor dem Jahre 1870 —, konnte es abrüsten? Nun, es wäre mindestens im Osten von einem Staat, der nicht abrüsten konnte, begrenzt gewesen; folglich konnte es nicht abrüsten, es ist ausgeschlossen gewesen. — Aber ein Staat, der hätte abrüsten können, der ein schönes Beispiel hätte geben und dadurch in der neueren Zeit im wesentlichen dasjenige hätte verwirklichen können, was er mit Worten immer in die Welt hinausposaunt, das ist Frankreich. Frankreich hätte vor dem Jahre 1870 ganz gut abrüsten können, und die Folge davon wäre gewesen, daß der Krieg von 1870 niemals stattgefunden hätte. Und Frankreich war seither mit Bezug auf europäische Angelegenheiten — nicht koloniale Angelegenheiten — jederzeit in der Lage, voranzugehen mit der Abrüstung. Dann wäre ein Anfang gemacht gewesen, und die Sache hätte gegen Osten fortschreiten können.
[ 17 ] Selbstverständlich wird jeder, der abstrakt denkt, einwenden: Ja, hätte sich Frankreich der Gefahr aussetzen sollen, von Deutschland überfallen zu werden? Dieser Gefahr hätte es sich niemals ausgesetzt; denn die Ursache, wegen der ein Land in einen Krieg gerät, ist immer nur diese, daß es Krieg haben kann, das heißt, daß es einen Militarismus hat. Es kann ihn haben müssen; aber kein Land, welches keinen Militarismus hätte, würde überfallen werden, wenn die Verhältnisse so sind, daß die Nachbarländer nicht das geringste Interesse haben, das betreffende Land zu überfallen. Selbstverständlich ist zum Beispiel die Schweiz in keinem Augenblick noch in der Lage gewesen, sich den Militarismus zu ersparen. Es darf also nicht das eine auf das andere übertragen werden. Man darf auch nicht abstrakt einwenden, Deutschland hätte unter allen Umständen Elsaß-Lothringen gewollt. Das ist ein Unsinn. Warum hätte es denn Elsaß-Lothringen unter allen Umständen wollen sollen? Deswegen Elsaß-Lothringen zu erwerben, weil im Elsaß Deutsche wohnen, das hat der Bismarck eine vertrackte Professorenwahnidee genannt! — Es handelte sich immer bloß darum, militärische Sicherheit zu schaffen; denn solange Frankreich Militärmacht ist und das Elsaß hat, kann man jederzeit eher von Frankreich aus in Stuttgart sein, als von Berlin aus. Keinen andern Grund gab es, Elsaß dem Deutschen Reiche anzufügen, als diesen: einen militärischen Schutz zu haben nach Westen. Das erscheint zunächst als eine ganz paradoxe Idee, aber die Realitäten sind eben heute für unser abstraktes Denken, das ein Zwillingsbruder ist des Materialismus, paradox.
[ 17 ] Selbstverständlich wird jeder, der abstrakt denkt, einwenden: Ja, hätte sich Frankreich der Gefahr aussetzen sollen, von Deutschland überfallen zu werden? Dieser Gefahr hätte es sich niemals ausgesetzt; denn die Ursache, wegen der ein Land in einen Krieg gerät, ist immer nur diese, daß es Krieg haben kann, das heißt, daß es einen Militarismus hat. Es kann ihn haben müssen; aber kein Land, welches keinen Militarismus hätte, würde überfallen werden, wenn die Verhältnisse so sind, daß die Nachbarländer nicht das geringste Interesse haben, das betreffende Land zu überfallen. Selbstverständlich ist zum Beispiel die Schweiz in keinem Augenblick noch in der Lage gewesen, sich den Militarismus zu ersparen. Es darf also nicht das eine auf das andere übertragen werden. Man darf auch nicht abstrakt einwenden, Deutschland hätte unter allen Umständen Elsaß-Lothringen gewollt. Das ist ein Unsinn. Warum hätte es denn Elsaß-Lothringen unter allen Umständen wollen sollen? Deswegen Elsaß-Lothringen zu erwerben, weil im Elsaß Deutsche wohnen, das hat der Bismarck eine vertrackte Professorenwahnidee genannt! — Es handelte sich immer bloß darum, militärische Sicherheit zu schaffen; denn solange Frankreich Militärmacht ist und das Elsaß hat, kann man jederzeit eher von Frankreich aus in Stuttgart sein, als von Berlin aus. Keinen andern Grund gab es, Elsaß dem Deutschen Reiche anzufügen, als diesen: einen militärischen Schutz zu haben nach Westen. Das erscheint zunächst als eine ganz paradoxe Idee, aber die Realitäten sind eben heute für unser abstraktes Denken, das ein Zwillingsbruder ist des Materialismus, paradox.
[ 18 ] Wenn Sie sich das ausmalen, daß Frankreich schon vor dem Jahre 1870 vorangegangen wäre mit der Abrüstung, dann werden Sie zu einem Begriff kommen, was alles hätte hintangehalten werden können, wenn man da wirklichkeitsgemäß gedacht hätte, und so könnte mit Bezug auf solche Ideen das wirklichkeitsgemäße Denken sehr, sehr ausgedehnt werden. Gewiß, wirklichkeitsgemäße Ideen verwirklichen sich nicht immer, aus dem einfachen Grunde, weil ihnen andere Impulse entgegenstehen. Aber das spricht nicht gegen die Wirklichkeit. Wenn ein Blümchen ganz nach den Gesetzen seiner Wirklichkeit wächst, so sind das seine wahren Gesetze, nach denen es wächst; aber wenn ein Wagenrad darüber hinweggeht, so entwickelt es sich nicht. Das Wahr AS heitsgemäße muß in unserem Denken vorhanden sein, und es ist kein Beweis gegen die Wirklichkeit einer Idee, daß sie sich in irgendeinem Zeitalter nicht verwirklicht hat.
[ 18 ] Wenn Sie sich das ausmalen, daß Frankreich schon vor dem Jahre 1870 vorangegangen wäre mit der Abrüstung, dann werden Sie zu einem Begriff kommen, was alles hätte hintangehalten werden können, wenn man da wirklichkeitsgemäß gedacht hätte, und so könnte mit Bezug auf solche Ideen das wirklichkeitsgemäße Denken sehr, sehr ausgedehnt werden. Gewiß, wirklichkeitsgemäße Ideen verwirklichen sich nicht immer, aus dem einfachen Grunde, weil ihnen andere Impulse entgegenstehen. Aber das spricht nicht gegen die Wirklichkeit. Wenn ein Blümchen ganz nach den Gesetzen seiner Wirklichkeit wächst, so sind das seine wahren Gesetze, nach denen es wächst; aber wenn ein Wagenrad darüber hinweggeht, so entwickelt es sich nicht. Das Wahr AS heitsgemäße muß in unserem Denken vorhanden sein, und es ist kein Beweis gegen die Wirklichkeit einer Idee, daß sie sich in irgendeinem Zeitalter nicht verwirklicht hat.
[ 19 ] Das in bezug auf die Sättigung der Idee mit Wirklichkeit. So wie es keinen Sinn hat, eine schöne Idee zu haben von irgendeiner Maschine, wenn man nicht mechanische Kenntnisse besitzt und die Maschine auch konstruieren kann, so hat es keinen Sinn, allerlei Staats- und sonstige Ideen aufzustellen, wenn man nicht die realen Impulse ins Auge zu fassen vermag, die in diesem Fall nur durch die Beherrschung des Geistigen, der geistigen Welt, zu erhalten sind. Und so haben wir zunächst das eine, auf das wir haben aufmerksam machen können: die Sättigung der Idee mit Wirklichkeit.
[ 19 ] Das in bezug auf die Sättigung der Idee mit Wirklichkeit. So wie es keinen Sinn hat, eine schöne Idee zu haben von irgendeiner Maschine, wenn man nicht mechanische Kenntnisse besitzt und die Maschine auch konstruieren kann, so hat es keinen Sinn, allerlei Staats- und sonstige Ideen aufzustellen, wenn man nicht die realen Impulse ins Auge zu fassen vermag, die in diesem Fall nur durch die Beherrschung des Geistigen, der geistigen Welt, zu erhalten sind. Und so haben wir zunächst das eine, auf das wir haben aufmerksam machen können: die Sättigung der Idee mit Wirklichkeit.
[ 20 ] Das andere ist die Weite des Horizontes, der Wille, größere Horizonte zu überschauen. Ich habe Ihnen das letzte Mal einige Urteile eines ja allerdings bedeutenden Menschen vorgelesen über deutsches Volkswesen, aus einem umfangreichen Roman der Gegenwart, der viel, viel Aufsehen gemacht hat. Aber alle diese Urteile entspringen den engen Horizonten, entspringen der Gesinnung, die nicht weitersehen will als ein paar Dezimeter über die Nase hinaus. Mit solchen engen Horizonten zu leben, erzeugt aber Disharmonie in der Welt. Und man kann dann die schönsten Ideen von friedlichem Zusammenwirken der Völker verbreiten, — wenn man so denkt, so hat es nur zur Folge, daß die schönen Ideen nichts sind, höchstens zerstörerisch wirken; denn das, was man wirklich denkt, das bewirkt das Gegenteil von dem, was man mit seinen schönen Ideen sagt. Auf die Wirklichkeit losgehen, darauf kommt es an. Eine Wirklichkeit, die wir bis jetzt vor uns haben, ist das, was man aus einer gewissen Lässigkeit der Wortbezeichnung heraus den gegenwärtigen Krieg nennt. Denn ein Krieg ist es ja in Wirklichkeit nicht mehr, aber es läßt sich in einer gewissen Weise noch vergleichen mit Ereignissen, die man in der Vergangenheit als Kriege bezeichnet hat. Es gibt selbstverständlich die verschiedensten Impulse, aus denen heraus sich dieser Krieg entwickelt hat, aber auch da muß man, wenn man Einsichten gewinnen will, zu wirklichkeitsgemäßen Begriffen kommen.
[ 20 ] Das andere ist die Weite des Horizontes, der Wille, größere Horizonte zu überschauen. Ich habe Ihnen das letzte Mal einige Urteile eines ja allerdings bedeutenden Menschen vorgelesen über deutsches Volkswesen, aus einem umfangreichen Roman der Gegenwart, der viel, viel Aufsehen gemacht hat. Aber alle diese Urteile entspringen den engen Horizonten, entspringen der Gesinnung, die nicht weitersehen will als ein paar Dezimeter über die Nase hinaus. Mit solchen engen Horizonten zu leben, erzeugt aber Disharmonie in der Welt. Und man kann dann die schönsten Ideen von friedlichem Zusammenwirken der Völker verbreiten, — wenn man so denkt, so hat es nur zur Folge, daß die schönen Ideen nichts sind, höchstens zerstörerisch wirken; denn das, was man wirklich denkt, das bewirkt das Gegenteil von dem, was man mit seinen schönen Ideen sagt. Auf die Wirklichkeit losgehen, darauf kommt es an. Eine Wirklichkeit, die wir bis jetzt vor uns haben, ist das, was man aus einer gewissen Lässigkeit der Wortbezeichnung heraus den gegenwärtigen Krieg nennt. Denn ein Krieg ist es ja in Wirklichkeit nicht mehr, aber es läßt sich in einer gewissen Weise noch vergleichen mit Ereignissen, die man in der Vergangenheit als Kriege bezeichnet hat. Es gibt selbstverständlich die verschiedensten Impulse, aus denen heraus sich dieser Krieg entwickelt hat, aber auch da muß man, wenn man Einsichten gewinnen will, zu wirklichkeitsgemäßen Begriffen kommen.
[ 21 ] Die Welt vertreibt sich heute die Zeit, die sie anwenden sollte, um zu wirklichkeitsgemäßen Ideen zu kommen, damit, zu zeigen, daß sie alles, was in der Menschheitsgeschichte vorgekommen ist, bevor diese traurigen Ereignisse der Gegenwart eingetreten sind, auch in der allerletzten Zeit vergessen hat. Denn das ist selbstverständlich billig, wenn solch ein Ereignis da ist, von allen möglichen Greueln, Grausamkeiten und dergleichen zu sprechen. Das sollte eine Selbstverständlichkeit sein nach den Erfahrungen, die man in der Menschheitsgeschichte machen kann. Damit sollte man sich wirklich nicht gegenüber den tieferen Dingen betäuben, die vorliegen, und deren Erkenntnis allein die Menschen heute einigermaßen auf einen Stand bringen könnte, der fruchtbar ist.
[ 21 ] Die Welt vertreibt sich heute die Zeit, die sie anwenden sollte, um zu wirklichkeitsgemäßen Ideen zu kommen, damit, zu zeigen, daß sie alles, was in der Menschheitsgeschichte vorgekommen ist, bevor diese traurigen Ereignisse der Gegenwart eingetreten sind, auch in der allerletzten Zeit vergessen hat. Denn das ist selbstverständlich billig, wenn solch ein Ereignis da ist, von allen möglichen Greueln, Grausamkeiten und dergleichen zu sprechen. Das sollte eine Selbstverständlichkeit sein nach den Erfahrungen, die man in der Menschheitsgeschichte machen kann. Damit sollte man sich wirklich nicht gegenüber den tieferen Dingen betäuben, die vorliegen, und deren Erkenntnis allein die Menschen heute einigermaßen auf einen Stand bringen könnte, der fruchtbar ist.
[ 22 ] Lassen Sie uns heute etwas herausheben, was schon von jedem erkannt werden kann, der die Zusammenhänge auf dem physischen Plan äußerlich erfaßt, jedoch in ein noch helleres Licht tritt, wenn man es zusammenhält mit den Ideen, die wir in dem Zyklus über die Volksseelen haben. Unter den mancherlei Ursachen, die zu diesen schmerzlichen Ereignissen geführt haben, gehören Dinge, die jetzt immer mehr und mehr auch der äußeren Welt klarwerden könnten, wenn man nur wirklich weitere Horizonte gewinnen wollte. Von der gesamten trockenen, bewohnbaren Erde besitzt das Britische Reich ein Viertel, das Britische Reich mit Frankreich und Rußland zusammen die Hälfte. Käme eine Koalition zustande zwischen Rußland, Frankreich, dem Britischen Reich und Amerika, so wären das ungefähr Dreiviertel der bewohnten Erde; es bliebe noch ein Viertel übrig. Diese Zahl an sich muß schon für denjenigen, der auf Wirklichkeiten sieht, etwas Vielsagendes sein. Doch betrachten wir nun das eine Viertel Erde, das im britischen Weltreich vereinigt ist.
[ 22 ] Lassen Sie uns heute etwas herausheben, was schon von jedem erkannt werden kann, der die Zusammenhänge auf dem physischen Plan äußerlich erfaßt, jedoch in ein noch helleres Licht tritt, wenn man es zusammenhält mit den Ideen, die wir in dem Zyklus über die Volksseelen haben. Unter den mancherlei Ursachen, die zu diesen schmerzlichen Ereignissen geführt haben, gehören Dinge, die jetzt immer mehr und mehr auch der äußeren Welt klarwerden könnten, wenn man nur wirklich weitere Horizonte gewinnen wollte. Von der gesamten trockenen, bewohnbaren Erde besitzt das Britische Reich ein Viertel, das Britische Reich mit Frankreich und Rußland zusammen die Hälfte. Käme eine Koalition zustande zwischen Rußland, Frankreich, dem Britischen Reich und Amerika, so wären das ungefähr Dreiviertel der bewohnten Erde; es bliebe noch ein Viertel übrig. Diese Zahl an sich muß schon für denjenigen, der auf Wirklichkeiten sieht, etwas Vielsagendes sein. Doch betrachten wir nun das eine Viertel Erde, das im britischen Weltreich vereinigt ist.
[ 23 ] Da haben wir zunächst — verhältnismäßig klein — die drei Gebiete: England, Schottland, Irland. Nun, sobald man von England, Schottland, Irland als solchen spricht, trifft man heute überhaupt nicht dasjenige, was Britisches Reich ist. Man trifft vielmehr, wenn man von England, Schottland, Irland spricht, jenes Gebiet der Welt, das den großen Shakespeare hervorgebracht hat, das unvergleichliche Denker und in früheren Zeiten große Staatsmänner hervorgebracht hat. Man trifft nur Gutes. Man trifft auf dasjenige, was wirklich in hervorragendem Maße bestimmt ist, eine große Rolle zu spielen in der fünften nachatlantischen Zeit. Aber man trifft nicht dasjenige, was heute Britisches Reich ist, denn dieses Britische Reich heute ist: diese drei Inselgebiete, die Europa angegliedert sind, und dasjenige, was im weitesten Umfange seine Kolonien genannt werden kann. Und insbesondere in jüngster Zeit steht die ganze Entwickelung dieses britischen Reiches unter dem Impuls, der bestimmt wird durch das Verhältnis des Mutterlandes zu den Kolonien. Man kann verfolgen, wie in der jüngsten Zeit versucht wird, das Verhältnis zwischen dem Mutterlande und den Kolonien in entsprechender Weise herzustellen.
[ 23 ] Da haben wir zunächst — verhältnismäßig klein — die drei Gebiete: England, Schottland, Irland. Nun, sobald man von England, Schottland, Irland als solchen spricht, trifft man heute überhaupt nicht dasjenige, was Britisches Reich ist. Man trifft vielmehr, wenn man von England, Schottland, Irland spricht, jenes Gebiet der Welt, das den großen Shakespeare hervorgebracht hat, das unvergleichliche Denker und in früheren Zeiten große Staatsmänner hervorgebracht hat. Man trifft nur Gutes. Man trifft auf dasjenige, was wirklich in hervorragendem Maße bestimmt ist, eine große Rolle zu spielen in der fünften nachatlantischen Zeit. Aber man trifft nicht dasjenige, was heute Britisches Reich ist, denn dieses Britische Reich heute ist: diese drei Inselgebiete, die Europa angegliedert sind, und dasjenige, was im weitesten Umfange seine Kolonien genannt werden kann. Und insbesondere in jüngster Zeit steht die ganze Entwickelung dieses britischen Reiches unter dem Impuls, der bestimmt wird durch das Verhältnis des Mutterlandes zu den Kolonien. Man kann verfolgen, wie in der jüngsten Zeit versucht wird, das Verhältnis zwischen dem Mutterlande und den Kolonien in entsprechender Weise herzustellen.
[ 24 ] Wonach das Britische Reich strebt, das ist: In engerem Verbande das Mutterland und die Kolonien zusammenzuhalten. Und wenn ich Ihnen von der Anwendung okkulter Kräfte gesprochen habe, so besteht das gerade darin, daß man solche Kräfte dazu benutzt, um dieses Ziel zu erreichen. Würde man diese okkulten Kräfte in ihrem eigenen Gebiet wirken lassen, so könnten sie niemals schädlich werden. Wird aber etwas Egoistisches, sei es für einen einzelnen, sei es für Gruppen, angestrebt, können diese Kräfte nur schädlich wirken. Dieses Verhältnis zwischen dem Mutterlande und den Kolonien läßt sich eben nicht leicht herstellen. Wer heute glaubt, man könne mit Programmen den Weltfrieden durch eine zwischenstaatliche Organisation herstellen, der hat natürlich gar keinen Begriff davon, wie die Wirklichkeit gehandhabt werden muß, wenn so etwas zustande kommen soll, wie: das britische Mutterland mit den Kolonien zu einem für das Britische Reich selber wünschenswerten Ganzen zusammenzuschweißen. Dieses Bestreben liegt zugrunde dem, was man dort Imperialismus nennt. Das ist das, was in der jüngsten Zeit immer angestrebt worden ist, allerdings aus durch und durch materiellen Impulsen heraus; aber es ist angestrebt worden. Und alle Mittel, die in den Dienst dieser Idee gestellt werden konnten, fand man von einem gewissen Gesichtspunkte aus richtig. Das Britische Reich mußte dazu kommen, ein engeres Verhältnis zu seinen Kolonien zu gewinnen. Dazu brauchte es einen Impuls, der gewissermaßen in die Menschenherzen sich hineinstahl, damit sie auf das, was sie sonst nicht zugeben würden, eingingen. Und damit hängt nun zusammen, daß in Europa Krieg geführt werden muß, damit aus der Stimmung dieses Krieges dasjenige herauskommt, was an Impulsen notwendig ist für das Britische Reich, um seine Kolonien mit dem Mutterlande zu vereinheitlichen. Es ist für das Studium der Vorgänge auf dem physischen Plan nicht bloß interessant, sondern im höchsten Grade bedeutsam, zu studieren, wie sich alle Abstraktlinge gerade in bezug auf dasjenige, was ich jetzt sage, geirrt haben.
[ 24 ] Wonach das Britische Reich strebt, das ist: In engerem Verbande das Mutterland und die Kolonien zusammenzuhalten. Und wenn ich Ihnen von der Anwendung okkulter Kräfte gesprochen habe, so besteht das gerade darin, daß man solche Kräfte dazu benutzt, um dieses Ziel zu erreichen. Würde man diese okkulten Kräfte in ihrem eigenen Gebiet wirken lassen, so könnten sie niemals schädlich werden. Wird aber etwas Egoistisches, sei es für einen einzelnen, sei es für Gruppen, angestrebt, können diese Kräfte nur schädlich wirken. Dieses Verhältnis zwischen dem Mutterlande und den Kolonien läßt sich eben nicht leicht herstellen. Wer heute glaubt, man könne mit Programmen den Weltfrieden durch eine zwischenstaatliche Organisation herstellen, der hat natürlich gar keinen Begriff davon, wie die Wirklichkeit gehandhabt werden muß, wenn so etwas zustande kommen soll, wie: das britische Mutterland mit den Kolonien zu einem für das Britische Reich selber wünschenswerten Ganzen zusammenzuschweißen. Dieses Bestreben liegt zugrunde dem, was man dort Imperialismus nennt. Das ist das, was in der jüngsten Zeit immer angestrebt worden ist, allerdings aus durch und durch materiellen Impulsen heraus; aber es ist angestrebt worden. Und alle Mittel, die in den Dienst dieser Idee gestellt werden konnten, fand man von einem gewissen Gesichtspunkte aus richtig. Das Britische Reich mußte dazu kommen, ein engeres Verhältnis zu seinen Kolonien zu gewinnen. Dazu brauchte es einen Impuls, der gewissermaßen in die Menschenherzen sich hineinstahl, damit sie auf das, was sie sonst nicht zugeben würden, eingingen. Und damit hängt nun zusammen, daß in Europa Krieg geführt werden muß, damit aus der Stimmung dieses Krieges dasjenige herauskommt, was an Impulsen notwendig ist für das Britische Reich, um seine Kolonien mit dem Mutterlande zu vereinheitlichen. Es ist für das Studium der Vorgänge auf dem physischen Plan nicht bloß interessant, sondern im höchsten Grade bedeutsam, zu studieren, wie sich alle Abstraktlinge gerade in bezug auf dasjenige, was ich jetzt sage, geirrt haben.
[ 25 ] Lesen Sie bitte die Literatur, welche die «gescheiten» Leute — gescheit in dem Sinne, wie ich das Wort oftmals gebrauche — geschrieben haben, besonders als dieser Krieg herannahte. Alle haben sie gerechnet: Das wird abfallen, das wird abfallen, das wird abfallen, wenn ein Krieg kommt. — Nichts davon, sondern das genaue Gegenteil ist eingetreten. Hätte man wirklichkeitsgemäß gedacht, so hätte man sagen müssen: Will das Britische Reich seine Kolonien näher an sich bringen, will es dort Impulse erzeugen, die geeignet sind, mit dem Mutterlande zusammenzugehen, dann braucht es den Krieg, dann ist dieser Krieg das Mittel zu dem höheren, sogenannten Staatszweck. Und überall, wo man so denkt, heiligen die Zwecke die Mittel.
[ 25 ] Lesen Sie bitte die Literatur, welche die «gescheiten» Leute — gescheit in dem Sinne, wie ich das Wort oftmals gebrauche — geschrieben haben, besonders als dieser Krieg herannahte. Alle haben sie gerechnet: Das wird abfallen, das wird abfallen, das wird abfallen, wenn ein Krieg kommt. — Nichts davon, sondern das genaue Gegenteil ist eingetreten. Hätte man wirklichkeitsgemäß gedacht, so hätte man sagen müssen: Will das Britische Reich seine Kolonien näher an sich bringen, will es dort Impulse erzeugen, die geeignet sind, mit dem Mutterlande zusammenzugehen, dann braucht es den Krieg, dann ist dieser Krieg das Mittel zu dem höheren, sogenannten Staatszweck. Und überall, wo man so denkt, heiligen die Zwecke die Mittel.
[ 26 ] Jetzt ist ein Zeitpunkt, wo die Menschen ganz besonders auf diese Tatsache gestoßen werden. Wenn wir die Evolution des Britischen Reiches ins Auge fassen, so müssen wir immer auf zwei Strömungen — ich rede für die Gegenwart — Rücksicht nehmen, die bedeutsam sind: Die eine ist die mehr oder weniger puritanische — es wird nur eine gewisse Seite derselben damit bezeichnet, aber vielleicht doch richtig bezeichnet —, die in alledem zur Geltung kommt, was das Vortreffliche des britischen Volkstums ist. Diese puritanische Strömung beherrschte auch bis in die neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts weitgehend die britische Politik. In den neunziger Jahren wurde das anders; da wurde größer und bedeutender als die puritanische Strömung die imperialistische Strömung.
[ 26 ] Jetzt ist ein Zeitpunkt, wo die Menschen ganz besonders auf diese Tatsache gestoßen werden. Wenn wir die Evolution des Britischen Reiches ins Auge fassen, so müssen wir immer auf zwei Strömungen — ich rede für die Gegenwart — Rücksicht nehmen, die bedeutsam sind: Die eine ist die mehr oder weniger puritanische — es wird nur eine gewisse Seite derselben damit bezeichnet, aber vielleicht doch richtig bezeichnet —, die in alledem zur Geltung kommt, was das Vortreffliche des britischen Volkstums ist. Diese puritanische Strömung beherrschte auch bis in die neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts weitgehend die britische Politik. In den neunziger Jahren wurde das anders; da wurde größer und bedeutender als die puritanische Strömung die imperialistische Strömung.
[ 27 ] Für das Herankommen des Imperialismus hatte man einen guten Instinkt. Es ist merkwürdig, wie gut dieser Instinkt war. Ich will Sie, weil sie so recht zeigt, wie die Dinge zusammenhängen, auf eine kuriose Erscheinung aufmerksam machen. Als wir, etwas vor der Begründung der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft, in London waren, war Mrs. Besant noch lange nicht diejenige, die sie später geworden ist. Sie ist ja immer diejenige gewesen, die sie sein mußte je nach den Einflüssen, die auf sie stattfanden. Sie war außerordentlich beliebt in den Kreisen, die man dazumal in London die Theosophen nannte. Nun, sie hat verschiedene Seiten. Damals, es war am Anfang des Jahrhunderts, hat sie einen Vortrag gehalten über Theosophie und Imperialismus. Die imperialistischen Instinkte haben sich ja sehr rasch dort entwickelt. Mrs. Besant sprach eigentlich gegen den Imperialismus, und man konnte sehen: von da ab war sie unten durch in London, selbst bei denen, die dazumal Theosophen waren. Einige persönliche Freunde hielten zu ihr, aber sie war unten durch, weil sie wagte, etwas gegen den Imperialismus zu sagen. In solchen Dingen zeigen sich die Kräfte, die, wenn man sie durchdringt, einen wirklich dahin bringen, die großen Zusammenhänge zu erkennen.
[ 27 ] Für das Herankommen des Imperialismus hatte man einen guten Instinkt. Es ist merkwürdig, wie gut dieser Instinkt war. Ich will Sie, weil sie so recht zeigt, wie die Dinge zusammenhängen, auf eine kuriose Erscheinung aufmerksam machen. Als wir, etwas vor der Begründung der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft, in London waren, war Mrs. Besant noch lange nicht diejenige, die sie später geworden ist. Sie ist ja immer diejenige gewesen, die sie sein mußte je nach den Einflüssen, die auf sie stattfanden. Sie war außerordentlich beliebt in den Kreisen, die man dazumal in London die Theosophen nannte. Nun, sie hat verschiedene Seiten. Damals, es war am Anfang des Jahrhunderts, hat sie einen Vortrag gehalten über Theosophie und Imperialismus. Die imperialistischen Instinkte haben sich ja sehr rasch dort entwickelt. Mrs. Besant sprach eigentlich gegen den Imperialismus, und man konnte sehen: von da ab war sie unten durch in London, selbst bei denen, die dazumal Theosophen waren. Einige persönliche Freunde hielten zu ihr, aber sie war unten durch, weil sie wagte, etwas gegen den Imperialismus zu sagen. In solchen Dingen zeigen sich die Kräfte, die, wenn man sie durchdringt, einen wirklich dahin bringen, die großen Zusammenhänge zu erkennen.
[ 28 ] Bis vor ganz kurzer Zeit war noch etwas Puritanisches in England wirksam. Zwar führten Hampelmänner, Marionetten, die Politik, es war aber in diesen Marionetten — in Asquith, in Grey — noch etwas Puritanisches. Das mußte fort, um den Impulsen gerecht zu werden, von denen ich ja gesprochen habe, und was nun nachkam, ist für all das, was ich Ihnen charakterisiert habe, die allerwilligste Marionette. Aber alles Puritanische ist fort. Nun sehen wir auf der einen Seite das Negative: die zynische Ablehnung des Friedensgedankens mit der heuchlerischen Motivierung, daß man ihn deswegen ablehne, weil man den Frieden wolle. Aber heute darf man ja ungestraft die närrischsten Dinge sagen, ohne daß es weiter übelgenommen wird. Das ist das Negative. Das Positive ist ein Ereignis von der denkbar größten Wichtigkeit: die Zusammenrufung der Minister der Kolonien, die zu den ersten Taten dieses Mannes gehört, der durch ein negatives Wunder auf einen ersten Posten der Welt kommen konnte. Jetzt merkt man es schon in der Öffentlichkeit. Aber die Öffentlichkeit mußte eben erst auf das, was zugrunde liegt, mit der Nase gestoßen werden, während es dem, der in wirklichen Ideen lebt, schon lange klar sein konnte. Aber man kann sich nicht in der Wirklichkeit zurechtfinden, wenn man nicht die Neigung hat, wirkliche Ideen zu ergreifen. Denn dann nur wird man auch die Außenwelt so ansehen: Man sieht etwas, man hält es für bedeutungslos; man sieht es nochmal und nochmal, man hält es noch immer nicht für wichtig; beim vierten, beim fünften Mal hält man es für wichtig, weil es ein bedeutungsvolles Symptom ist, das kommende Dinge ankündigt. Nicht alles ist von gleicher Wichtigkeit, aber für dasjenige, was wichtig ist, muß man einen Sinn haben, und den erwirbt man sich nur dadurch, daß man jene Impulse in die Seele bekommt, die nur auf geisteswissenschaftlicher Grundlage sich ergeben.
[ 28 ] Bis vor ganz kurzer Zeit war noch etwas Puritanisches in England wirksam. Zwar führten Hampelmänner, Marionetten, die Politik, es war aber in diesen Marionetten — in Asquith, in Grey — noch etwas Puritanisches. Das mußte fort, um den Impulsen gerecht zu werden, von denen ich ja gesprochen habe, und was nun nachkam, ist für all das, was ich Ihnen charakterisiert habe, die allerwilligste Marionette. Aber alles Puritanische ist fort. Nun sehen wir auf der einen Seite das Negative: die zynische Ablehnung des Friedensgedankens mit der heuchlerischen Motivierung, daß man ihn deswegen ablehne, weil man den Frieden wolle. Aber heute darf man ja ungestraft die närrischsten Dinge sagen, ohne daß es weiter übelgenommen wird. Das ist das Negative. Das Positive ist ein Ereignis von der denkbar größten Wichtigkeit: die Zusammenrufung der Minister der Kolonien, die zu den ersten Taten dieses Mannes gehört, der durch ein negatives Wunder auf einen ersten Posten der Welt kommen konnte. Jetzt merkt man es schon in der Öffentlichkeit. Aber die Öffentlichkeit mußte eben erst auf das, was zugrunde liegt, mit der Nase gestoßen werden, während es dem, der in wirklichen Ideen lebt, schon lange klar sein konnte. Aber man kann sich nicht in der Wirklichkeit zurechtfinden, wenn man nicht die Neigung hat, wirkliche Ideen zu ergreifen. Denn dann nur wird man auch die Außenwelt so ansehen: Man sieht etwas, man hält es für bedeutungslos; man sieht es nochmal und nochmal, man hält es noch immer nicht für wichtig; beim vierten, beim fünften Mal hält man es für wichtig, weil es ein bedeutungsvolles Symptom ist, das kommende Dinge ankündigt. Nicht alles ist von gleicher Wichtigkeit, aber für dasjenige, was wichtig ist, muß man einen Sinn haben, und den erwirbt man sich nur dadurch, daß man jene Impulse in die Seele bekommt, die nur auf geisteswissenschaftlicher Grundlage sich ergeben.
[ 29 ] Übrigens wurde mir in diesen Tagen ein sehr interessanter Aufsatz eines vielbeliebten britischen Schriftstellers, der jetzt Journalist ist, gegeben, der auch im Militär ist, und nach alledem, was er schreibt, zeigt, wie er zusammenhängt mit den Fäden, die gesponnen werden. Dasjenige, was er vor kurzem im «London Magazine» geschrieben hat, ist bedeutend genug. Es wurde mir eben, wie man sagt, durch Zufall, übergeben. Darinnen liegt kein Zufall. Es ist immerhin interessant, was dieser Militärschriftsteller, der aber, wie gesagt, mit den Fäden zusammenhängt, die die Ereignisse lenken, über die jetzige Lage schreibt:
[ 29 ] Übrigens wurde mir in diesen Tagen ein sehr interessanter Aufsatz eines vielbeliebten britischen Schriftstellers, der jetzt Journalist ist, gegeben, der auch im Militär ist, und nach alledem, was er schreibt, zeigt, wie er zusammenhängt mit den Fäden, die gesponnen werden. Dasjenige, was er vor kurzem im «London Magazine» geschrieben hat, ist bedeutend genug. Es wurde mir eben, wie man sagt, durch Zufall, übergeben. Darinnen liegt kein Zufall. Es ist immerhin interessant, was dieser Militärschriftsteller, der aber, wie gesagt, mit den Fäden zusammenhängt, die die Ereignisse lenken, über die jetzige Lage schreibt:
[ 30 ] «Das englische Volk hat immer den Willen zum Erobern gehabt (the will to conquer) und hat ihn auch jetzt noch. In dieser hohen Auffassung wird der Krieg von uns zu Ende gekämpft. Der Gedanke an unsere unerschütterliche Entschlossenheit, zu siegen, ist das Edelste, was wir unseren Nachkommen, den Söhnen und Töchtern Englands und seinen ruhmreichen überseeischen Gebieten hinterlassen können... Wir werden bei Friedensschluß eine Million Quadratmeilen deutsches Kolonialgebiet in Händen haben. Wir werden dann über Millionen im Kriege geübte Männer verfügen. Unsere Übermacht zur See wird größer sein denn je. Wir liefern der Welt unwiderlegliche Beweise, daß unser Weltreich einig und unteilbar, unser Geist unbezähmbar ist, und daß die kriegerischen Eigenschaften unseres Landes denjenigen unserer ruhmreichen Vergangenheit würdig sind. Auf England ist gegenwärtig in einem bis jetzt niemals geträumten Maße der moralische und materielle Stempel der Macht gedrückt. Wie werden wir beim Friedensschlusse dastehen? Nimmt man Armee, Flotte und Hilfsquellen zusammen, so werden wir die erste militärische Macht der Welt sein.»
[ 30 ] «Das englische Volk hat immer den Willen zum Erobern gehabt (the will to conquer) und hat ihn auch jetzt noch. In dieser hohen Auffassung wird der Krieg von uns zu Ende gekämpft. Der Gedanke an unsere unerschütterliche Entschlossenheit, zu siegen, ist das Edelste, was wir unseren Nachkommen, den Söhnen und Töchtern Englands und seinen ruhmreichen überseeischen Gebieten hinterlassen können... Wir werden bei Friedensschluß eine Million Quadratmeilen deutsches Kolonialgebiet in Händen haben. Wir werden dann über Millionen im Kriege geübte Männer verfügen. Unsere Übermacht zur See wird größer sein denn je. Wir liefern der Welt unwiderlegliche Beweise, daß unser Weltreich einig und unteilbar, unser Geist unbezähmbar ist, und daß die kriegerischen Eigenschaften unseres Landes denjenigen unserer ruhmreichen Vergangenheit würdig sind. Auf England ist gegenwärtig in einem bis jetzt niemals geträumten Maße der moralische und materielle Stempel der Macht gedrückt. Wie werden wir beim Friedensschlusse dastehen? Nimmt man Armee, Flotte und Hilfsquellen zusammen, so werden wir die erste militärische Macht der Welt sein.»
[ 31 ] Es wirkt etwas eigentümlich, wenn man den «Militarismus» so dringend bekämpfen zu müssen glaubt, und nun als hohes Ideal aufstellt, die erste militärische Macht der Welt zu sein!
[ 31 ] Es wirkt etwas eigentümlich, wenn man den «Militarismus» so dringend bekämpfen zu müssen glaubt, und nun als hohes Ideal aufstellt, die erste militärische Macht der Welt zu sein!
«Man wird uns als das Rückgrat der Alliierten anerkennen.»
«Man wird uns als das Rückgrat der Alliierten anerkennen.»
[ 32 ] Das ist etwas, was in Frankreich wohl gelesen werden sollte.
[ 32 ] Das ist etwas, was in Frankreich wohl gelesen werden sollte.
«Uns ist die führende Rolle bei den Alliierten zugeteilt, und die Führung von Europa kommt uns von Rechts wegen zu.»
«Uns ist die führende Rolle bei den Alliierten zugeteilt, und die Führung von Europa kommt uns von Rechts wegen zu.»
[ 33 ] Nun macht er die Worte Kiplings zu seinen eigenen, die da heißen: «Wir haben die Menschen, die Schiffe und das Geld.»
[ 33 ] Nun macht er die Worte Kiplings zu seinen eigenen, die da heißen: «Wir haben die Menschen, die Schiffe und das Geld.»
«Das Parlament müßte jetzt den Bedarf der militärischen Maschine für eine Anzahl von Jahren im Vorhinein bewilligen, und dann für unbestimmte Zeit vertagt werden.»
«Das Parlament müßte jetzt den Bedarf der militärischen Maschine für eine Anzahl von Jahren im Vorhinein bewilligen, und dann für unbestimmte Zeit vertagt werden.»
[ 34 ] In solchen Dingen sprechen sich allerdings die Impulse, die Instinkte aus, die zusammenhängen mit den Drähten, die gezogen werden. Diese Dinge kann man mit voller Objektivität ansehen, ohne Partei zu nehmen in dem Sinne, wie gewiß gutwillige, aber wenig weitsichtige Patrioten Partei nehmen. Warum soll man denn solche Dinge nicht sehen? Sie sind ja objektive Tatsachen! Denn das, was in den Impulsen der Menschheit lebt, sind eben objektive Tatsachen, welche die geschichtlichen Ereignisse hervorbringen.
[ 34 ] In solchen Dingen sprechen sich allerdings die Impulse, die Instinkte aus, die zusammenhängen mit den Drähten, die gezogen werden. Diese Dinge kann man mit voller Objektivität ansehen, ohne Partei zu nehmen in dem Sinne, wie gewiß gutwillige, aber wenig weitsichtige Patrioten Partei nehmen. Warum soll man denn solche Dinge nicht sehen? Sie sind ja objektive Tatsachen! Denn das, was in den Impulsen der Menschheit lebt, sind eben objektive Tatsachen, welche die geschichtlichen Ereignisse hervorbringen.
[ 35 ] So weit entfernt wir hier sein müssen von der Parteinahme für das eine oder das andere, so wichtig ist es, wenn wir schon in Vorträgen sprechen, daß wir mit voller Objektivität über die Dinge zu sprechen versuchen. Und Sie werden sehen, sobald man mit voller Objektivität spricht, liefern die Tatsachen selber Beweise.
[ 35 ] So weit entfernt wir hier sein müssen von der Parteinahme für das eine oder das andere, so wichtig ist es, wenn wir schon in Vorträgen sprechen, daß wir mit voller Objektivität über die Dinge zu sprechen versuchen. Und Sie werden sehen, sobald man mit voller Objektivität spricht, liefern die Tatsachen selber Beweise.
[ 36 ] Ein Weltverständnis kann man ja nicht erwerben, wenn man nicht willig ist, auf die Tatsachen einzugehen. Denn diese sogenannte Antwortnote der Entente, dieses Silvestergeschenk an die Erde — ja, meine lieben Freunde, ein Schriftstück, das so verfaßt wurde, wird es wohl kaum geben, wie weit man auch in der geschichtlichen Entwickelung sich umschaut, sowohl seiner Grundlage wie auch der ganzen Zusammensetzung, der ganzen Komposition nach. Und man muß sagen, was da geschrieben ist und was die allerschwerwiegendsten Folgen haben wird, das liest man am besten, wenn man über jeden einzelnen Satz hinweggeht und sich klar darüber ist: Auf das, was da geschrieben ist, kommt es überhaupt nicht an! — Es kommt darauf an, daß das von mir Charakterisierte dahintersteht, daß man das will. Das in einer Note zu sagen, wird man sich selbstverständlich hüten. Wenn man aber frägt: Ist das durch Verhandlungen zu erreichen? — so muß man natürlich mit Nein antworten. Das läßt sich selbstverständlich nicht erreichen durch Friedensverhandlungen. Das läßt sich nur erreichen, indem man sich wirklich Garantien schafft, und Garantien liegen in der Herrschaft; die Garantien bestehen darin, daß derjenige, der die Garantien haben will, allein zu bestimmen hat, und alle andern nichts mehr, und daß dies durch die Machtverhältnisse herbeigeführt wird. Das ist natürlich noch lange nicht erreicht. Aber sich Illusionen darüber hinzugeben, daß dies angestrebt werde, wäre gegenüber dem, was der Mensch als Wahrheitsgefühl haben muß, recht unverantwortlich.
[ 36 ] Ein Weltverständnis kann man ja nicht erwerben, wenn man nicht willig ist, auf die Tatsachen einzugehen. Denn diese sogenannte Antwortnote der Entente, dieses Silvestergeschenk an die Erde — ja, meine lieben Freunde, ein Schriftstück, das so verfaßt wurde, wird es wohl kaum geben, wie weit man auch in der geschichtlichen Entwickelung sich umschaut, sowohl seiner Grundlage wie auch der ganzen Zusammensetzung, der ganzen Komposition nach. Und man muß sagen, was da geschrieben ist und was die allerschwerwiegendsten Folgen haben wird, das liest man am besten, wenn man über jeden einzelnen Satz hinweggeht und sich klar darüber ist: Auf das, was da geschrieben ist, kommt es überhaupt nicht an! — Es kommt darauf an, daß das von mir Charakterisierte dahintersteht, daß man das will. Das in einer Note zu sagen, wird man sich selbstverständlich hüten. Wenn man aber frägt: Ist das durch Verhandlungen zu erreichen? — so muß man natürlich mit Nein antworten. Das läßt sich selbstverständlich nicht erreichen durch Friedensverhandlungen. Das läßt sich nur erreichen, indem man sich wirklich Garantien schafft, und Garantien liegen in der Herrschaft; die Garantien bestehen darin, daß derjenige, der die Garantien haben will, allein zu bestimmen hat, und alle andern nichts mehr, und daß dies durch die Machtverhältnisse herbeigeführt wird. Das ist natürlich noch lange nicht erreicht. Aber sich Illusionen darüber hinzugeben, daß dies angestrebt werde, wäre gegenüber dem, was der Mensch als Wahrheitsgefühl haben muß, recht unverantwortlich.
[ 37 ] Niemand wird voraussetzen, daß das, was ich sage, gegen das britische Volk gerichtet ist, denn ich wollte unterscheiden zwischen diesem britischen Volke und denen, die ich mit einem trivialen Ausdrucke «Drahtzieher» nenne, und die hinter dem, was geschieht, stehen, wie ja genügend charakterisiert worden ist. Es ist auch nicht notwendig, daß man sich mit solchen Impulsen identifiziert, obwohl es selbstverständlich nicht meine Aufgabe sein kann, jemanden von der Identifizierung mit solchen Impulsen abzuhalten. Ich werde auch niemandem, auch nicht in Gedanken und in der Empfindung, verwehren, sich innerhalb unserer Bewegung mit diesen Impulsen zu identifizieren. Nur soll er sagen, was wahr ist, und nicht sagen, daß er sich identifiziert mit dem Ideale vom Recht der kleinen Nationen und dergleichen; sondern er soll sich klar sein, daß sein Wille ist, die Welt zu beherrschen. Dann versteht man sich in der Wahrheit, und das ist es, worauf es ankommt. Dann kommen wir schon weiter, wenn die Menschen wahr sind. Wenn sie sagen, was wirklich ist, dann kommen wir schon weiter. Dann mag dieses, was wahr ist, noch so schlimm sein — man kommt weiter als mit dem Unwahren. Und das ist es, was wir uns besonders ins Herz schreiben sollen: Man kommt damit weiter als mit dem Unwahren.
[ 37 ] Niemand wird voraussetzen, daß das, was ich sage, gegen das britische Volk gerichtet ist, denn ich wollte unterscheiden zwischen diesem britischen Volke und denen, die ich mit einem trivialen Ausdrucke «Drahtzieher» nenne, und die hinter dem, was geschieht, stehen, wie ja genügend charakterisiert worden ist. Es ist auch nicht notwendig, daß man sich mit solchen Impulsen identifiziert, obwohl es selbstverständlich nicht meine Aufgabe sein kann, jemanden von der Identifizierung mit solchen Impulsen abzuhalten. Ich werde auch niemandem, auch nicht in Gedanken und in der Empfindung, verwehren, sich innerhalb unserer Bewegung mit diesen Impulsen zu identifizieren. Nur soll er sagen, was wahr ist, und nicht sagen, daß er sich identifiziert mit dem Ideale vom Recht der kleinen Nationen und dergleichen; sondern er soll sich klar sein, daß sein Wille ist, die Welt zu beherrschen. Dann versteht man sich in der Wahrheit, und das ist es, worauf es ankommt. Dann kommen wir schon weiter, wenn die Menschen wahr sind. Wenn sie sagen, was wirklich ist, dann kommen wir schon weiter. Dann mag dieses, was wahr ist, noch so schlimm sein — man kommt weiter als mit dem Unwahren. Und das ist es, was wir uns besonders ins Herz schreiben sollen: Man kommt damit weiter als mit dem Unwahren.
[ 38 ] Gewiß wäre es töricht, zu glauben, daß man durch allerlei gutes Zureden oder durch allerlei Propositionen irgendein Weltreich davon abhalten kann, seine Ziele zu verfolgen. Gewiß wäre es töricht, moralinsauer zu werden und allerlei moralische Maßstäbe anzulegen. Ich habe Ihnen deshalb gerade die Geschichte des Opiumkrieges vorgetragen, um Sie von diesen moralischen Maßstäben abzulenken. Aber darauf kommt es an: das Wahre zu sagen, die Wahrheit zu sagen. Und viel besser wäre für die Welt — wenn auch nicht für diejenigen, die da in Betracht kommen als die Drahtzieher —, wenn trocken und zynisch gesagt würde: Das wird gewollt.
[ 38 ] Gewiß wäre es töricht, zu glauben, daß man durch allerlei gutes Zureden oder durch allerlei Propositionen irgendein Weltreich davon abhalten kann, seine Ziele zu verfolgen. Gewiß wäre es töricht, moralinsauer zu werden und allerlei moralische Maßstäbe anzulegen. Ich habe Ihnen deshalb gerade die Geschichte des Opiumkrieges vorgetragen, um Sie von diesen moralischen Maßstäben abzulenken. Aber darauf kommt es an: das Wahre zu sagen, die Wahrheit zu sagen. Und viel besser wäre für die Welt — wenn auch nicht für diejenigen, die da in Betracht kommen als die Drahtzieher —, wenn trocken und zynisch gesagt würde: Das wird gewollt.
[ 39 ] Nun, so nimmt sich auf diesem speziellen Gebiete dasjenige aus, was uns Richtschnur und Ziel sein muß: «Die Weisheit liegt nur in der Wahrheit.»
[ 39 ] Nun, so nimmt sich auf diesem speziellen Gebiete dasjenige aus, was uns Richtschnur und Ziel sein muß: «Die Weisheit liegt nur in der Wahrheit.»
