Reflections on Contemporary History II
The Karma of Untruthfulness
GA 173b
6 January 1917, Dornach
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Reflections on Contemporary History, Volume III, tr. SOL
Vierzehnter Vortrag
Fourteenth Lecture
[ 1 ] Ich habe in den letzten Betrachtungen wiederholt darauf hingewiesen, daß man gerade im Zusammenhang mit den Bestrebungen der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft erkennen muß, daß für eine heutige Weltenbetrachtung, überhaupt für eine heutige Weltanschauung weitere Horizonte notwendig sind, als sie der Menschheit in dem von uns von verschiedenen Gesichtspunkten aus charakterisierten materialistischen Zeitalter zugänglich waren. Weitere Horizonte, das heißt, man muß, will man heute die Welt, insbesondere das Menschengeschehen, verstehen, seine Zuflucht nehmen zu Begriffen, die aus der geistigen Wissenschaft stammen. Und es hängt mit dem ganzen Karma unserer Zeit zusammen, daß der größte Teil der Menschheit bis heute solche weiteren Begriffshorizonte für alle Gebiete des Lebens und des Erkennens ablehnte.
[ 1 ] In my recent reflections, I have repeatedly pointed out that, particularly in connection with the endeavors of anthroposophically oriented spiritual science, one must recognize that a contemporary view of the world—indeed, any contemporary worldview—requires broader horizons than those accessible to humanity in the materialistic age we have characterized from various perspectives. Broader horizons—that is to say, if one wishes to understand the world today, and human events in particular, one must turn to concepts derived from spiritual science. And it is connected to the overall karma of our time that, until now, the majority of humanity has rejected such broader conceptual horizons for all areas of life and knowledge.
[ 2 ] Will man mit diesen Gesichtspunkten im Hintergrunde eine Seite unseres Lebens besonders charakterisieren, so kann man sagen, die objektive Entwickelung ist den Menschen des 19. und 20. Jahrhunderts, so weit dieses bisher gekommen ist, über den Kopf gewachsen. Und die Zeiterscheinungen zeigen dieses Über-den-Kopf-Wachsen in allerintensivster Weise. Zu den hervorstechendsten Ereignissen des materialistischen Zeitalters gehört ja der materialistische Fortschritt, der Fortschritt in bezug auf dasjenige, was durch materielle Mittel in der Welt, man könnte sagen, inszeniert wird. Diesem materialistischen Fortschritt dient ja auch die Wissenschaft des materialistischen Zeitalters. Und besonders charakteristisch für diese Wissenschaft ist es, daß sie immer weniger und weniger Interesse entwickelt für die geistige Welt, daß sie mehr und mehr nur sein will eine Summe von Begriffen und Ideen, welche anwendbar sind im äußeren materiellen Geschehen.
[ 2 ] If, with these considerations in mind, one wishes to characterize a particular aspect of our lives, one might say that objective development—as far as it has progressed to date—has grown beyond the comprehension of the people of the 19th and 20th centuries. And contemporary phenomena demonstrate this outpacing in the most intense way possible. Among the most striking events of the materialistic age is, of course, materialistic progress—progress with regard to what is, so to speak, “staged” in the world through material means. The science of the materialistic age also serves this materialistic progress. And what is particularly characteristic of this science is that it shows less and less interest in the spiritual world, that it increasingly seeks only to be a collection of concepts and ideas applicable to external material events.
[ 3 ] Dieser Gang der Entwickelung drückt sich ja insbesondere im alleräußersten materiellen Geschehen aus: im mechanischen Geschehen. Dasjenige, was wir Fabrikwesen, Industriewesen, Maschinenwesen nennen können, hat ja in diesem materialistischen Zeitalter bisher seine größte Vollkommenheit erlangt. Und ganz naturgemäß ist der Fortschritt auf diesem Gebiete ein anationaler, man könnte auch sagen ein internationaler, ein Weltfortschritt. Denn ob eine Eisenbahn oder eine ähnliche Einrichtung in England, in Rußland, in China oder in Japan gebaut wird, die Gesetze, nach denen dies geschieht, die Kenntnisse, die man dazu braucht, sind überall dieselben, weil alles dies nur nach mechanischen, vom Menschen losgelösten Gesichtspunkten bewerkstelligt wird; so daß in der Tat ein internationales Prinzip auf diesem Gebiete in allerumfänglichster Weise Platz gegriffen hat. Und es wurde oftmals in bezug auf diesen oder jenen Gesichtspunkt im Laufe unserer geisteswissenschaftlichen Betrachtungen gesagt: Damit, daß dies geschehen ist, haben wir auf der Erde gewissermaßen einen Körper vor uns, einen über die ganze Erde sich hinziehenden Leib. Dieser Leib braucht eine Seele, und diese Seele sollte ebenso international sein. Und als solche Seele wurde gerade die Geisteswissenschaft in Anspruch genommen, weil sie in der Tat, so wie sie es sein muß, eine Erkenntnis ist, die nicht mit irgendeinem Individuellen oder Gruppenhaften auf der Erde zusammenhängt, und die die Möglichkeit bietet, von jedem, wo er auch sei, so verstanden zu werden, wie das Körperhafte in der äußeren materiellen Kultur im Bau einer Eisenbahn, einer Lokomotive oder dergleichen von ihm verstanden werden kann. Und es wurde oftmals betont, daß ein Segen, ein Heil für die menschliche Entwickelung nur eintreten kann, wenn zu der Entwickelung des Körperhaften im angedeuteten Sinne die Entwickelung des Seelisch-Geistigen hinzukommt. Aber dazu wäre notwendig, daß die Menschen sich ebensoviel Mühe geben würden, geistige Zusammenhänge zu verstehen, wie sie sich durch den Zwang der äußeren Verhältnisse, durch die sie sich ja viel lieber zwingen lassen als durch das, was in ihre Freiheit gestellt ist, dazu bequemen, auf die Erfordernisse des materiellen Fortschritts einzugehen. Das ist bis jetzt nicht geschehen, muß sich aber selbstverständlich im Laufe der Menschheitsentwickelung ergeben; auch wenn es noch so lange verzögert wird, so muß es sich doch ergeben. Wenn auch noch so viel Unheilkarma heraufbeschworen wird dadurch, daß die Menschen sich zu so etwas nicht bequemen wollen, so muß es sich dennoch ergeben. Denn was geschehen soll, das wird auch geschehen.
[ 3 ] This course of development is expressed, in particular, in the most extreme form of material activity: in mechanical activity. What we might call factory systems, industrial systems, and mechanical systems has, after all, attained its greatest perfection to date in this materialistic age. And quite naturally, progress in this field is transnational—one might even say international, or global. For whether a railroad or a similar facility is built in England, Russia, China, or Japan, the laws governing its construction and the knowledge required for it are the same everywhere, because all of this is accomplished solely according to mechanical principles detached from human agency; thus, in fact, an international principle has taken hold in this field in the most comprehensive way. And it has often been said, in connection with this or that aspect in the course of our spiritual scientific reflections: Since this has come to pass, we have, so to speak, a body before us on Earth—a body stretching across the entire Earth. This body needs a soul, and this soul should be just as international. And spiritual science was specifically chosen as this soul because it is, in fact—just as it must be—a form of knowledge that is not connected to any individual or group on Earth, and which offers the possibility of being just as the physical aspect of outer material culture—in the construction of a railroad, a locomotive, or the like—can be understood by them. And it has often been emphasized that a blessing, a salvation for human development, can only come about when the development of the soul-spiritual is added to the development of the physical in the sense indicated. But for this to happen, it would be necessary for people to make just as much effort to understand spiritual connections as they do—compelled by external circumstances, by which they much prefer to be constrained rather than by what is left to their freedom—to adapt to the demands of material progress. This has not happened yet, but it must, of course, come about in the course of human development; even if it is delayed for a very long time, it must still come about. Even if a great deal of karmic misfortune is brought about by people’s unwillingness to adapt to such things, it must nevertheless come about. For what is meant to happen will happen.
[ 4 ] Weil der materielle Fortschritt gewissermaßen vorausgeeilt ist dem guten Willen zur geistigen Erkenntnis, so ist dem Menschen dieser materielle Fortschritt, und namentlich alles, was aus diesem Fortschritt an Leidenschaften, an Impulsen in den Seelen sich ergibt, über den Kopf gewachsen. Es zeigt sich dies ja äußerlich am eindringlichsten dadurch, daß nicht diejenigen Ideen, welche auf harmonisches Zusammenleben der Menschen auf Erden hinzielen, daß mit andern Worten nicht die christlichen Ideen die Oberhand gewonnen haben, sondern, bis zur Exaltation, solche, welche die Menschheit spalten und sie in Kulturepochen zurückführen, von denen man glauben konnte, daß sie längst überwunden seien. Daß im 19. Jahrhundert innerhalb der miteinander lebenden Nationalitäten der Nationalismus solche Blüten treiben konnte, wie er sie getrieben hat, das ist die starke, große Anomalie, und sie zeigt, daß die Menschen mit ihrer Seelenentwickelung der materiellen Entwickelung nicht nachgekommen sind.
[ 4 ] Because material progress has, in a sense, outpaced the will to spiritual knowledge, this material progress—and especially all the passions and impulses it gives rise to in people’s souls—has become too much for humanity to handle. This is most strikingly evident externally in the fact that it is not those ideas aimed at the harmonious coexistence of people on earth—in other words, not Christian ideas—that have gained the upper hand, but rather, to the point of excess, those that divide humanity and drag it back to cultural eras one might have believed had long since been overcome. The fact that nationalism was able to flourish to such an extent in the 19th century among nationalities living side by side is a profound and significant anomaly, and it shows that human beings have not kept pace with material development in the development of their souls.
[ 5 ] Wenn die Menschen im weiteren Umfange Geisteswissenschaft annehmen werden, Geisteswissenschaft nicht bloß als Theorie, sondern als Erfüllung des Gesamtseelischen, dann werden sie notwendigerweise andere Begriffe bekommen müssen. Und durch solche andern Begriffe werden sie Zusammenhänge überschauen, die für das materialistische Denken der Gegenwart ganz unmöglich zu durchschauen sind. Gewisse Zusammenhänge überschaut man nur, wenn man die rechten Ideen dafür hat. Aber Ideen müssen ebenso lebendig wachsen wie irgend etwas anderes, das heißt, sie müssen einen Boden haben, auf dem sie gedeihen können. Der Boden, auf dem Ideen gedeihen, kann aber nur jene Gesinnung der Seele sein, die von Geisteswissenschaft zubereitet wird. Würde die materialistische Entwickelung weitergehen, so wie sie sich im Laufe des 19. Jahrhunderts ergeben hat, so würden die Menschen immer ideenärmer werden. Trivial ausgedrückt: den Menschen würde nichts einfallen, das geeignet ist, die Welt zu begreifen. Sie würden darauf angewiesen sein, sich alles, was sie über die Welt denken, nur vom Experiment, von dem anregen zu lassen, was sich vor ihren Augen entwickelt. Das Pochen auf das Experiment in neuerer Zeit ist nur ein Ergebnis der Ideenarmut. So würde, wenn die Entwickelung so fortginge, die Menschheit immer ideenärmer werden. Da aber eine gewisse Intensität des Geisteslebens doch notwendig ist, da der Mensch gewisse Impulse bis zu einer gewissen Stärke entwickeln muß, so muß er diese Impulse anderswoher nehmen, wenn sie ihm nicht aus dem Material der Ideen zufließen.
[ 5 ] When people come to accept spiritual science on a broader scale—not merely as a theory, but as the fulfillment of the entire soul—they will necessarily have to adopt different concepts. And through these different concepts, they will be able to grasp connections that are completely impossible for contemporary materialistic thinking to comprehend. Certain connections can only be grasped if one has the right ideas for them. But ideas must grow just as vividly as anything else; that is, they must have a foundation on which they can flourish. The foundation on which ideas flourish, however, can only be that disposition of the soul which is prepared by spiritual science. If materialistic development were to continue as it has unfolded over the course of the 19th century, people would become increasingly impoverished in ideas. To put it simply: people would be unable to conceive of anything suitable for understanding the world. They would be forced to derive everything they think about the world solely from experimentation—from being inspired by what unfolds before their eyes. The recent insistence on experimentation is merely a result of this poverty of ideas. Thus, if this trend were to continue, humanity would become increasingly devoid of ideas. But since a certain intensity of spiritual life is necessary, and since human beings must develop certain impulses to a certain degree of strength, they must draw these impulses from elsewhere if they do not flow to them from the realm of ideas.
[ 6 ] Wenn Sie ein Zeitalter aufsuchen wollen, wo die Ideen nur so sprudelten, wo die wirklichen Ideen wuchsen, so ist ein solches besonders charakteristisches, fruchtbares Zeitalter dasjenige, das etwa die Zeit von Lessing bis zur deutschen Romantik, bis zu Novalis, oder auch weiter bis zur idealistischen Philosophie umfaßt, zu der wir neben Hegel, Schelling auch Schopenhauer rechnen können, sowie diejenigen, die ich in meinem Buch «Vom Menschenrätsel» als die Philosophen eines heute im materialistischen Zeitalter verklungenen Weltentones angeführt habe. Da ist wirklicher Reichtum an Ideen vorhanden. Daher die große Verachtung, die man gerade diesem Zeitalter in der Gegenwart angedeihen läßt! Aber sehen Sie sich dieses Zeitalter an, das so reich ist und fruchtbar an Ideen, die darauf ausgehen, die Natur und die menschliche geschichtliche Entwickelung zu begreifen! Ich will nur erinnern daran, wie nahe kommt demjenigen, was wir heute aus der geistigen Welt herausholen können über die Menschheitsevolution, über die verschiedenen nachatlantischen Epochen mit ihren charakteristischen Impulsen — was ja allerdings erst für unser heutiges Zeitalter das Angemessene ist —, wie nahe dem kommt jene fruchtbare Idee, die bei Schelling, Hegel, Novalis, bei Franz von Baader hervorgetreten ist, die aber ihren Ursprung eigentlich schon hatte in Jakob Böhme: daß die Menschheitsevolution in dem Zeitabschnitt, den man ohne die geisteswissenschaftlichen Mittel übersehen kann, eine erste Epoche durchmachte, in welcher gewissermaßen das Gottvaterprinzip herrschte, die Epoche, die in der Bibel durch das Alte Testament und die heidnischen Religionen charakterisiert wird. Diejenigen, die ich eben angeführt habe, nannten es das Vater-Zeitalter. Es wurde abgelöst von dem Zeitalter des Sohnes, in welchem sich die Idee des Mysteriums von Golgatha in die Menschheit einleben sollte. Und sie schauten wie ein Ideal für die Zukunft das Zeitalter des Geistes, des Heiligen Geistes, das sie auch das Johanneische Zeitalter nannten. Sie glaubten, daß sich erst dann die großen Impulse des Johannes-Evangeliums verwirklichen können.
[ 6 ] If you wish to explore an era in which ideas were bubbling up, in which genuine ideas flourished, then one such particularly distinctive and fruitful era is the period spanning roughly from Lessing to German Romanticism, up to Novalis, or even further to the idealist philosophy to which, alongside Hegel, Schelling, and Schopenhauer, as well as those whom I have cited in my book The Enigma of Man as the philosophers of a worldview that has now faded away in this materialistic age. There is a true wealth of ideas to be found there. Hence the great contempt with which this very era is treated today! But look at this era, so rich and fruitful in ideas aimed at understanding nature and the historical development of humanity! I would simply like to remind you how closely that fruitful idea—which emerged in the works of Schelling, Hegel, Novalis, Franz von Baader, but which actually had its origins in Jakob Böhme: that in the period of human evolution that cannot be grasped without the tools of spiritual science, humanity underwent an initial epoch in which, so to speak, the principle of God the Father prevailed—the epoch characterized in the Bible by the Old Testament and the pagan religions. Those I have just mentioned called it the Age of the Father. It was succeeded by the Age of the Son, in which the idea of the Mystery of Golgotha was to take root in humanity. And they viewed the Age of the Spirit, the Holy Spirit—which they also called the Johannine Age—as an ideal for the future. They believed that only then could the great impulses of the Gospel of John be realized.
[ 7 ] Wie unendlich bedeutsam ist solch eine Idee gegenüber der öden, unfruchtbaren Rederei von einer allgemeinen Evolution der Menschheit, was ja nur eine abstrakte Idee ist, die nur dasjenige, was nachkommt, wie ein nächstes Kettenglied an das Vorangegangene angliedert. Wie unendlich tief ist doch, was Schelling, wiederum anknüpfend an Jakob Böhme, als seine «Theosophie» entwickelt hat! Diese «Theosophie» Schellings ringt sich hinauf zu einer Höhe, demgegenüber das später von der Theologie Gedachte einen tiefen Abstieg darstellt. Schelling ringt sich durch zu der Anschauung, daß es im Christentum nicht so sehr ankommt auf die Lehre, die ja gerade von der neuesten, fortschrittlichen Theologie in Anspruch genommen wird, als ob der Christus Jesus bloß ein Lehrer gewesen wäre, sondern daß das Mysterium von Golgatha vor allen Dingen als eine Tatsache aufzufassen ist, daß man hinaufzuschauen hat zu dem, was geschehen ist, hinzuschauen hat darauf, daß sich mit dem Leben, dem Sterben, dem Auferstehen des Christus Jesus eine Tatsache vollzogen hat.
[ 7 ] How infinitely significant is such an idea compared to the dreary, fruitless talk of a general evolution of humanity—which is, after all, merely an abstract idea that simply links what comes after to what came before, like the next link in a chain. How infinitely profound is what Schelling—in turn drawing on Jakob Böhme—has developed as his “theosophy”! Schelling’s “theosophy” struggles upward to a height in contrast to which what theology later conceived represents a profound descent. Schelling struggles to arrive at the insight that in Christianity what matters is not so much the doctrine—which is precisely what the latest, progressive theology claims, as if Christ Jesus had been merely a teacher—but rather that the Mystery of Golgotha must above all be understood as a fact; that one must look up to what has happened, to look upon the fact that, with the life, death, and resurrection of Christ Jesus, a reality has been accomplished.
[ 8 ] Und so könnte man eine ganze Summe von überragenden, weitreichenden Ideen für jenes Zeitalter anführen. Aber womit ist dieses Vorhandensein von weitreichenden Ideen verbunden? Bei denjenigen, bei denen solche Ideen auftreten, finden Sie eines nicht: nationale Beschränktheit. Sie finden überall dasjenige, was man dazumal in jenen Kreisen nannte — ob das Wort heute noch verstanden werden kann, nachdem so viele Worte zu Phrasen geworden sind, ist eine andere Frage — den «weltbürgerlichen» Standpunkt. Wie fern von aller nationalen Beschränktheit ist zum Beispiel ein Geist wie Goethe! Wie fern jeder nationalen Beschränktheit ist eine Dichtung wie der «Faust». Da kommt es nicht auf den Ursprung an. Selbstverständlich kann der «Faust» nur gedacht werden aus der Kultur Mitteleuropas heraus, aber gegenüber dem, was «Faust» in der Goetheschen Dichtung geworden ist, nach dem Geburtsscheine Fausts zu fragen, wäre selbstverständlich eine Absurdität. Aber diese Absurdität ist ja in unserer Zeit Realität, ist Tatsache geworden. Im Grunde genommen ist alles, was in der Gegenwart geschieht, einfach eine Verleugnung dessen, wozu die Menschheit zum Beispiel durch die Faust-Dichtung emporgestiegen ist. Daraus aber sehen wir schon, daß in der Menschheit alle Anlagen vorhanden sind, weiter zu sein, als sie heute ist, und erst recht als sie in der nächsten Zeit sein wird.
[ 8 ] And so one could cite a whole host of outstanding, far-reaching ideas from that era. But what is the source of these far-reaching ideas? In those in whom such ideas arise, you will find one thing missing: national narrow-mindedness. Everywhere you will find what was called in those circles at the time—whether the term can still be understood today, now that so many words have become mere clichés, is another question—the “cosmopolitan” viewpoint. How far removed from all national narrow-mindedness is, for example, a mind like Goethe’s! How far removed from any national narrow-mindedness is a work of poetry like Faust. Origin is irrelevant here. Of course, Faust can only be conceived within the culture of Central Europe, but given what Faust has become in Goethe’s poetry, to ask about Faust’s birth certificate would, of course, be an absurdity. But this absurdity has, in fact, become a reality in our time; it has become a fact. Fundamentally, everything that is happening in the present is simply a denial of what humanity has risen to, for example, through the “Faust” epic. From this, however, we can already see that humanity possesses all the potential to be more advanced than it is today—and certainly more so than it will be in the near future.
[ 9 ] Aber ich sagte, die menschliche Seele braucht eine gewisse Intensität in ihren Impulsen. Wenn sie sich nicht zu Ideen erheben kann, so nimmt sie diese Intensität anderswo her; sie nimmt sie aus den dunklen, unterbewußten Kräften der Seele, aus dem, was aus dem Geiste des Blutes heraufpulsiert. Und im Grunde genommen ist der Nationalismus nichts anderes als ein Ergebnis der Ideenlosigkeit. Das erste, was die Menschheit brauchte, wäre eben der Wille, sich zu den Ideen zu erheben. Aber man kann schon sagen: Es gehört zum Gelingen des eben Angedeuteten ein Verständnis für das, was man, gegenüber der geistigen Welt, die Gnade nennen kann. Denn die geistige Welt läßt sich nicht erringen, wenn man von einer gewissen engumgrenzten Summe vorgefaßter Meinungen ausgeht, sondern sie läßt sich nur erringen, wenn man die Seele offen hält für dasjenige, was in sie eindringen kann, wenn man nicht nur urteilen will, sondern seine Urteilsfähigkeit jeden Tag bereichern will.
[ 9 ] But I said that the human soul needs a certain intensity in its impulses. If it cannot rise to ideas, it draws this intensity from elsewhere; it draws it from the dark, subconscious forces of the soul, from what pulses up from the spirit of the blood. And, fundamentally speaking, nationalism is nothing other than a result of a lack of ideas. The first thing humanity needed was precisely the will to rise to the level of ideas. But one can certainly say: Part of the success of what has just been suggested is an understanding of what, in relation to the spiritual world, can be called grace. For the spiritual world cannot be attained by starting from a certain narrowly defined set of preconceived opinions; rather, it can only be attained by keeping the soul open to whatever may enter it—by seeking not merely to judge, but to enrich one’s capacity for judgment every day.
[ 10 ] Und so ist es notwendig, daß zunächst vor allen Dingen Einsicht die Menschen ergreift. Wir sind nun einmal in dem Zeitalter, das die Bewußtseinsseele ergreifen soll. Dieses Zeitalter muß nach Einsicht streben. Einsicht wird aber nur in weltumspannenden Ideen, in dem Durchdringen der Wirklichkeit mit Ideen. Gerade mit Bezug auf die allernächsten Ereignisse ist unsere Zeit nun ganz und gar nicht geneigt, Ideen aufzufassen. Ein abstrakter Begriff, er mag noch so logisch, noch so einleuchtend sein, ist keine Idee. Eine Idee muß herausgeboren sein aus der lebendigen Wirklichkeit. Ideen sehen wir in unserer Zeit kaum entstehen, desto mehr aber finden wir das Pochen auf abstrakte Begriffe. Ideen können ja allerdings auch zu Schlagworten werden, aber in diesem Falle werden sie keinen besonderen Schaden anrichten, weil die Menschenseele in Schlagworten, wenn sie das Korrelat für Ideen sind, sich nicht besonders gut betätigen kann; die Absurdität wird klar hervortreten. Nicht so ist es bei abstrakten Begriffen. Abstrakte Begriffe können mit großer Intensität zu Schlagworten werden, und sie sind so einleuchtend, weil sie im Grunde genommen aufs Allernächste gehen und von den Menschen bei ihrer Scheu, Weiteres zu umfassen, mit Begierde ergriffen werden. Aber abstrakte Begriffe fußen nicht in der Wirklichkeit. Wir sehen zwar heute die abstrakten Begriffe überall in großer Zahl, aber für den, der die Dinge durchschaut, mit um so größerer Ohnmächtigkeit hervortreten.
[ 10 ] And so it is necessary that, first and foremost, insight take hold of people. We are, after all, in the age that is meant to be gripped by the conscious soul. This age must strive for insight. But insight comes only through universal ideas, through the permeation of reality with ideas. Precisely with regard to the events immediately before us, our time is now completely unwilling to grasp ideas. An abstract concept, no matter how logical or plausible it may be, is not an idea. An idea must be born out of living reality. We hardly see ideas emerging in our time, but all the more we find an insistence on abstract concepts. Ideas can, of course, also become catchphrases, but in this case they will do no particular harm, because the human soul cannot function particularly well with catchphrases—when they serve as the correlate for ideas—and the absurdity will become clearly apparent. This is not the case with abstract concepts. Abstract concepts can become catchphrases with great intensity, and they are so compelling because they essentially address what is most immediate and are eagerly embraced by people in their reluctance to grasp anything beyond that. But abstract concepts are not grounded in reality. Although we see abstract concepts everywhere in great numbers today, they stand out with all the greater powerlessness to those who see through them.
[ 11 ] Nehmen wir irgendeine der vielen abstrakten Ideen, die heute herrschen, heraus. Eine solche abstrakte Idee ist zum Beispiel die Idee des ewigen Friedens. So, wie man das heute behandelt, ist es ein ganz abstrakter Begriff, der nicht dem lebendigen Ergreifen der Wirklichkeit entspringt, jedoch denjenigen Menschen, die nicht weitere Horizonte wollen, wie eine Selbstverständlichkeit einleuchtet. Es wird gesagt: Die verschiedenen Staaten — man denkt dabei nicht nach, ob dieses Wort «die verschiedenen Staaten» überhaupt eine Realität hat — sollen eine zwischenstaatliche Organisation bilden, etwas, das über die ganze Welt reicht und nach dem Müster des einzelnen Staates aufgebaut ist, und es soll ein, wie man sagt, «zwischenstaatliches Recht» organisiert werden. — Die Idee ist schön, daher leuchtet sie jedem ein. Die verschiedenen Staaten sollen sich verpflichten, Frieden zu halten, sollen ihre gegenseitigen Interessen auf gewisse Rechtsnormen begründen. Alles sehr schön! Aber zweifellos wäre es auch schön, wenn wir, um ein warmes Zimmer zu haben, nicht einzuheizen brauchten, sondern nur den abstrakten Begriff der Wärme zu entwickeln brauchten. Es handelt sich bei einer Idee nicht darum, ob sie schön ist, nicht darum, ob sie einleuchtend ist; denn was könnte einleuchtender sein als der Gedanke, daß es doch eigentlich eine furchtbare Despotie der Natur bedeutet, daß man Ofen oder Ähnliches benötigt!
[ 11 ] Let’s take any one of the many abstract ideas that prevail today. One such abstract idea, for example, is the idea of eternal peace. As it is treated today, it is a completely abstract concept that does not spring from a living grasp of reality, yet seems self-evident to those who do not seek broader horizons. It is said: The various states—without pausing to consider whether the phrase “the various states” even corresponds to reality—are to form an intergovernmental organization, something that spans the entire world and is structured along the lines of the individual state, and what is referred to as “international law” is to be established. — The idea is beautiful, which is why it strikes everyone as obvious. The various states are to commit themselves to maintaining peace and to base their mutual interests on certain legal norms. All very nice! But no doubt it would also be nice if, in order to have a warm room, we did not need to heat it, but only needed to develop the abstract concept of warmth. An idea is not about whether it is beautiful, nor about whether it is self-evident; for what could be more self-evident than the thought that needing a stove or something similar actually amounts to a terrible despotism of nature!
[ 12 ] Nicht darauf kommt es an, daß eine Idee dem Gefühle entspricht, welches die Leute mit Worten bezeichnen wie: Es ist eine schöne, eine humane Idee —, oder wie man dann schon sagt, sondern darauf, ob eine Idee aus der Wirklichkeit herauswächst. Würde man auf Ideen ausgehen, die aus der Wirklichkeit herauswachsen, dann würde man allerdings erst die Wirklichkeit studieren müssen. Schöne Programme aufstellen, wie es die Staaten in der Zukunft machen sollen, damit Frieden herrscht, kann jeder beschränkte Kopf — verzeihen Sie den Ausdruck —; ein solcher kann aber nicht zu Ideen kommen, die der lebendigen Wirklichkeit entsprechen, die aus der Wirklichkeit herausgeboren sind. Man hat der geistigen Welt gegenüber nicht einmal das Gefühl, daß da eine Wirklichkeit mit ihren Gesetzen vorliegt, wie man es der materiellen Welt gegenüber selbstverständlich hat; sondern man glaubt, mit ein paar Sätzen die ganze Welt regeln zu können, ohne ein Gefühl dafür, daß die Welt eine Realität ist, in der lauter reale Impulse sich gegenseitig kontrastieren. Dadurch aber, daß man sich berauscht an Programmen, die in abstrakten Ideen bestehen, hält man die Welt davon ab, auf die Wirklichkeiten einzugehen.
[ 12 ] What matters is not whether an idea corresponds to the feeling that people describe with words such as: “It is a beautiful, humane idea”—or whatever else they might say—but whether an idea grows out of reality. If one were to proceed from ideas that grow out of reality, then one would, of course, first have to study reality. Any narrow-minded person—pardon the expression—can draw up beautiful plans for how states should act in the future so that peace may reign; but such a person cannot arrive at ideas that correspond to living reality, that are born out of reality. When it comes to the spiritual world, one does not even have the sense that there is a reality with its own laws, as one naturally does with the material world; rather, one believes one can regulate the entire world with a few sentences, without any sense that the world is a reality in which all manner of real impulses contrast with one another. But by becoming intoxicated with programs consisting of abstract ideas, one prevents the world from engaging with these realities.
[ 13 ] Manchmal ist die fruchtbare, die wirkliche Idee den Worten nach ganz gleichlautend mit der lebendigen Idee, es handelt sich nur darum, daß man von der Lebendigkeit ergriffen werde. Aber heute ist es so, daß die Lebendigkeit den Menschen oftmals als das Allerparadoxeste erscheint. So kam man im Laufe des 19. Jahrhunderts und im 20. Jahrhundert an verschiedenen Stellen der Welt auf die sogenannte Abrüstungsidee, auf die Idee, den Militarismus einzuschränken. Das ist eine schöne Idee, aber sie darf nicht abstrakt bleiben, wenn sie fruchtbar werden soll! Sie muß mit den Wirklichkeiten rechnen. Dazu muß man aber die Wirklichkeiten studieren. Sich irgendwo zusammensetzen und bestimmen: Die Staaten sollen abrüsten —, das kann man; es ist auch eine einleuchtende Idee. Aber entweder werden sie es alle nicht tun, oder einzelne von ihnen werden es nicht tun; aber selbst wenn es alle täten, so würden sie bald wieder anfangen zu rüsten, wenn die Sache nicht von einem wirklich fruchtbaren Impulse ausgeht. Weist man aber heute nur auf die fruchtbaren Impulse hin, dann setzt man sich schon der Gefahr aus, etwas für die meisten Menschen furchtbar Törichtes zu sagen, denn das Vernünftige wird heute geradezu für das Törichteste gehalten. — Mit «vernünftig» meine ich in diesem Zusammenhange dasjenige, was wirklichkeitsgemäß ist.
[ 13 ] Sometimes the fruitful, the true idea is, in terms of words, exactly the same as the living idea; it is simply a matter of being seized by that liveliness. But today, liveliness often appears to people as the most paradoxical thing of all. Thus, during the 19th and 20th centuries, the so-called idea of disarmament—the idea of curbing militarism—emerged in various parts of the world. This is a fine idea, but it must not remain abstract if it is to bear fruit! It must take reality into account. To do so, however, one must study reality. Sitting down somewhere and deciding that nations should disarm—that is possible; it is also a plausible idea. But either none of them will do so, or some of them will not; and even if they all did, they would soon begin rearming unless the initiative stems from a truly fruitful impulse. But if one points out only the fruitful impulses today, one already runs the risk of saying something that most people would consider terribly foolish, for what is reasonable is today regarded as the very height of folly. — By “reasonable” I mean, in this context, that which is in keeping with reality.
[ 14 ] Ich sagte: Gewiß ist der Abrüstungsgedanke, der Gedanke des allmählichen Abbauens desMilitarismus eine schöne Idee. Aber sie könnte niemals dadurch verwirklicht werden, daß man die Abrüstung in irgendeinem Ausschuß der Staaten beschließt. Wirklich werden kann sie nur, wenn sie von irgendeiner entsprechenden Wirklichkeit ergriffen wird. Was heißt das aber? Wie kann man zur Abrüstung kommen? Ja, da muß man schon sehr konkret sprechen. Es hätte in der Tat im Laufe des 19. Jahrhunderts zu den verschiedensten Zeiten die Möglichkeit gegeben, dem Abrüstungsgedanken näherzutreten, ihn zu einer wirklichen Idee zu machen. Wie zum Beispiel?
[ 14 ] I said: Certainly, the idea of disarmament—the idea of gradually dismantling militarism—is a noble one. But it could never be realized simply by a decision to disarm made by some committee of nations. It can only become a reality if it is taken up by some corresponding reality. But what does that mean? How can we achieve disarmament? Yes, we really have to speak in very concrete terms here. In fact, there were opportunities at various times throughout the 19th century to move closer to the idea of disarmament, to turn it into a real idea. How, for example?
[ 15 ] Nun, sagen wir, es hätte jemand die Idee vor dem Jahre 1870 gehabt. Wie hätte sie verwirklicht werden können? Es hätte nämlich vor dem Jahre 1870 ein Schritt gemacht werden können im Abrüstungsgedanken, der sehr fruchtbar gewesen wäre für die Menschheit. Aber jetzt kommt eben dasjenige, was selbstverständlich der heutigen Zeit als das Törichteste gelten muß: Niemals hätte man durch eine Übereinkunft unter den Staaten dem Abrüstungsgedanken nähertreten können! Das ist ganz unfruchtbar, so schön es auch ist. Aber fruchtbar wäre es gewesen, wenn ein Staat, und zwar gerade derjenige, der es gekonnt hätte, mit der Abrüstung angefangen hätte, wenn er für sich die Abrüstung verwirklicht hätte. Da hätte man aber imstande sein müssen, mit Wirklichkeiten zu rechnen.
[ 15 ] Well, let’s say someone had come up with the idea before 1870. How could it have been put into practice? In fact, a step could have been taken before 1870 in the direction of disarmament that would have been very fruitful for humanity. But here comes the very thing that, of course, must be considered the most foolish in today’s world: An agreement among states could never have brought us any closer to the idea of disarmament! That is completely fruitless, no matter how appealing it may be. But it would have been fruitful if one state—specifically the one that was capable of doing so—had initiated disarmament by implementing it on its own. To do so, however, one would have had to be prepared to reckon with reality.
[ 16 ] Nehmen wir nun ein paar Staaten in Europa, nur um auf die Wirklichkeit hinzudeuten. Rußland — kann es abrüsten? Sicherlich nicht ohne weiteres, denn hinter ihm ist Asien, und würde es abrüsten, so würde es niemals einen Wall haben gegen die anstürmenden Völkerschaften Asiens, die ganz gewiß nicht mitabrüsten würden; davon kann also keine Rede sein. — Dasjenige, was in Mitteleuropa damals vorhanden war — ein Deutsches Reich gab es ja noch nicht vor dem Jahre 1870 —, konnte es abrüsten? Nun, es wäre mindestens im Osten von einem Staat, der nicht abrüsten konnte, begrenzt gewesen; folglich konnte es nicht abrüsten, es ist ausgeschlossen gewesen. — Aber ein Staat, der hätte abrüsten können, der ein schönes Beispiel hätte geben und dadurch in der neueren Zeit im wesentlichen dasjenige hätte verwirklichen können, was er mit Worten immer in die Welt hinausposaunt, das ist Frankreich. Frankreich hätte vor dem Jahre 1870 ganz gut abrüsten können, und die Folge davon wäre gewesen, daß der Krieg von 1870 niemals stattgefunden hätte. Und Frankreich war seither mit Bezug auf europäische Angelegenheiten — nicht koloniale Angelegenheiten — jederzeit in der Lage, voranzugehen mit der Abrüstung. Dann wäre ein Anfang gemacht gewesen, und die Sache hätte gegen Osten fortschreiten können.
[ 16 ] Let’s now consider a few countries in Europe, just to illustrate the reality. Russia—can it disarm? Certainly not without further ado, for Asia lies behind it, and if it were to disarm, it would never have a bulwark against the advancing peoples of Asia, who would most certainly not disarm along with it; so that is out of the question. — Could what existed in Central Europe at that time—since there was no German Empire before 1870—have disarmed? Well, it would at least have been bordered on the east by a state that could not disarm; consequently, it could not disarm—it was out of the question. — But there is one state that could have disarmed, that could have set a fine example, and thereby, in modern times, essentially brought to fruition what it has always been trumpeting to the world in words: France. France could very well have disarmed before 1870, and the result would have been that the war of 1870 would never have taken place. And since then, with regard to European affairs—not colonial affairs—France has always been in a position to take the lead in disarmament. Then a start would have been made, and the process could have spread eastward.
[ 17 ] Selbstverständlich wird jeder, der abstrakt denkt, einwenden: Ja, hätte sich Frankreich der Gefahr aussetzen sollen, von Deutschland überfallen zu werden? Dieser Gefahr hätte es sich niemals ausgesetzt; denn die Ursache, wegen der ein Land in einen Krieg gerät, ist immer nur diese, daß es Krieg haben kann, das heißt, daß es einen Militarismus hat. Es kann ihn haben müssen; aber kein Land, welches keinen Militarismus hätte, würde überfallen werden, wenn die Verhältnisse so sind, daß die Nachbarländer nicht das geringste Interesse haben, das betreffende Land zu überfallen. Selbstverständlich ist zum Beispiel die Schweiz in keinem Augenblick noch in der Lage gewesen, sich den Militarismus zu ersparen. Es darf also nicht das eine auf das andere übertragen werden. Man darf auch nicht abstrakt einwenden, Deutschland hätte unter allen Umständen Elsaß-Lothringen gewollt. Das ist ein Unsinn. Warum hätte es denn Elsaß-Lothringen unter allen Umständen wollen sollen? Deswegen Elsaß-Lothringen zu erwerben, weil im Elsaß Deutsche wohnen, das hat der Bismarck eine vertrackte Professorenwahnidee genannt! — Es handelte sich immer bloß darum, militärische Sicherheit zu schaffen; denn solange Frankreich Militärmacht ist und das Elsaß hat, kann man jederzeit eher von Frankreich aus in Stuttgart sein, als von Berlin aus. Keinen andern Grund gab es, Elsaß dem Deutschen Reiche anzufügen, als diesen: einen militärischen Schutz zu haben nach Westen. Das erscheint zunächst als eine ganz paradoxe Idee, aber die Realitäten sind eben heute für unser abstraktes Denken, das ein Zwillingsbruder ist des Materialismus, paradox.
[ 17 ] Of course, anyone who thinks abstractly will object: Yes, should France have exposed itself to the danger of being invaded by Germany? It would never have exposed itself to that danger; for the sole reason a country goes to war is that it is capable of waging war—that is, that it has militarism. It must have it; but no country that lacked militarism would be invaded if conditions were such that its neighbors had not the slightest interest in invading it. Of course, Switzerland, for example, has never been in a position to do without militarism. One must not, therefore, draw a parallel between the two. Nor should one object in the abstract that Germany would have wanted Alsace-Lorraine under any circumstances. That is nonsense. Why on earth would it have wanted Alsace-Lorraine under any circumstances? To acquire Alsace-Lorraine simply because Germans live there—Bismarck called that a “crazy academic delusion”! — It was always simply a matter of ensuring military security; for as long as France is a military power and holds Alsace, it is always faster to reach Stuttgart from France than from Berlin. There was no other reason to annex Alsace to the German Empire than this one: to have military protection to the west. At first glance, this seems like a completely paradoxical idea, but the realities of today are indeed paradoxical to our abstract thinking, which is the twin brother of materialism.
[ 18 ] Wenn Sie sich das ausmalen, daß Frankreich schon vor dem Jahre 1870 vorangegangen wäre mit der Abrüstung, dann werden Sie zu einem Begriff kommen, was alles hätte hintangehalten werden können, wenn man da wirklichkeitsgemäß gedacht hätte, und so könnte mit Bezug auf solche Ideen das wirklichkeitsgemäße Denken sehr, sehr ausgedehnt werden. Gewiß, wirklichkeitsgemäße Ideen verwirklichen sich nicht immer, aus dem einfachen Grunde, weil ihnen andere Impulse entgegenstehen. Aber das spricht nicht gegen die Wirklichkeit. Wenn ein Blümchen ganz nach den Gesetzen seiner Wirklichkeit wächst, so sind das seine wahren Gesetze, nach denen es wächst; aber wenn ein Wagenrad darüber hinweggeht, so entwickelt es sich nicht. Das Wahr AS heitsgemäße muß in unserem Denken vorhanden sein, und es ist kein Beweis gegen die Wirklichkeit einer Idee, daß sie sich in irgendeinem Zeitalter nicht verwirklicht hat.
[ 18 ] If you imagine that France had already taken the lead in disarmament before 1870, you will come to realize what could have been prevented if people had thought realistically at the time; and with regard to such ideas, realistic thinking could be expanded very, very far. Certainly, ideas grounded in reality do not always come to fruition, for the simple reason that other forces stand in their way. But that does not speak against reality. If a little flower grows entirely according to the laws of its reality, those are the true laws by which it grows; but if a wagon wheel rolls over it, it does not develop. What is true to reality must be present in our thinking, and the fact that an idea has not been realized in any given age is no proof against the reality of that idea.
[ 19 ] Das in bezug auf die Sättigung der Idee mit Wirklichkeit. So wie es keinen Sinn hat, eine schöne Idee zu haben von irgendeiner Maschine, wenn man nicht mechanische Kenntnisse besitzt und die Maschine auch konstruieren kann, so hat es keinen Sinn, allerlei Staats- und sonstige Ideen aufzustellen, wenn man nicht die realen Impulse ins Auge zu fassen vermag, die in diesem Fall nur durch die Beherrschung des Geistigen, der geistigen Welt, zu erhalten sind. Und so haben wir zunächst das eine, auf das wir haben aufmerksam machen können: die Sättigung der Idee mit Wirklichkeit.
[ 19 ] This refers to the idea being imbued with reality. Just as it makes no sense to have a beautiful idea about some kind of machine if one lacks mechanical knowledge and the ability to construct the machine, so it makes no sense to propose all sorts of political and other ideas if one is unable to grasp the real impulses, which in this case can only be obtained through mastery of the spiritual, of the spiritual world. And so we have, for the time being, one thing to which we can draw attention: the saturation of the idea with reality.
[ 20 ] Das andere ist die Weite des Horizontes, der Wille, größere Horizonte zu überschauen. Ich habe Ihnen das letzte Mal einige Urteile eines ja allerdings bedeutenden Menschen vorgelesen über deutsches Volkswesen, aus einem umfangreichen Roman der Gegenwart, der viel, viel Aufsehen gemacht hat. Aber alle diese Urteile entspringen den engen Horizonten, entspringen der Gesinnung, die nicht weitersehen will als ein paar Dezimeter über die Nase hinaus. Mit solchen engen Horizonten zu leben, erzeugt aber Disharmonie in der Welt. Und man kann dann die schönsten Ideen von friedlichem Zusammenwirken der Völker verbreiten, — wenn man so denkt, so hat es nur zur Folge, daß die schönen Ideen nichts sind, höchstens zerstörerisch wirken; denn das, was man wirklich denkt, das bewirkt das Gegenteil von dem, was man mit seinen schönen Ideen sagt. Auf die Wirklichkeit losgehen, darauf kommt es an. Eine Wirklichkeit, die wir bis jetzt vor uns haben, ist das, was man aus einer gewissen Lässigkeit der Wortbezeichnung heraus den gegenwärtigen Krieg nennt. Denn ein Krieg ist es ja in Wirklichkeit nicht mehr, aber es läßt sich in einer gewissen Weise noch vergleichen mit Ereignissen, die man in der Vergangenheit als Kriege bezeichnet hat. Es gibt selbstverständlich die verschiedensten Impulse, aus denen heraus sich dieser Krieg entwickelt hat, aber auch da muß man, wenn man Einsichten gewinnen will, zu wirklichkeitsgemäßen Begriffen kommen.
[ 20 ] The other is the breadth of the horizon, the will to survey broader horizons. Last time, I read to you some judgments—made by a person who is, admittedly, significant—regarding the German national character, taken from a lengthy contemporary novel that caused quite a stir. But all these judgments stem from narrow horizons, from a mindset that refuses to see further than a few decimeters beyond one’s own nose. Living with such narrow horizons, however, creates disharmony in the world. And one can then spread the most beautiful ideas of peaceful cooperation among peoples—but if one thinks this way, the only result is that these beautiful ideas amount to nothing, or at best have a destructive effect; for what one truly thinks brings about the opposite of what one expresses with one’s beautiful ideas. Confronting reality—that is what matters. One reality we face at present is what, out of a certain casual use of terminology, is called the current war. For in reality it is no longer a war, but in a certain sense it can still be compared to events that were designated as wars in the past. There are, of course, a wide variety of factors from which this war has developed, but here too, if one wishes to gain insight, one must arrive at concepts that correspond to reality.
[ 21 ] Die Welt vertreibt sich heute die Zeit, die sie anwenden sollte, um zu wirklichkeitsgemäßen Ideen zu kommen, damit, zu zeigen, daß sie alles, was in der Menschheitsgeschichte vorgekommen ist, bevor diese traurigen Ereignisse der Gegenwart eingetreten sind, auch in der allerletzten Zeit vergessen hat. Denn das ist selbstverständlich billig, wenn solch ein Ereignis da ist, von allen möglichen Greueln, Grausamkeiten und dergleichen zu sprechen. Das sollte eine Selbstverständlichkeit sein nach den Erfahrungen, die man in der Menschheitsgeschichte machen kann. Damit sollte man sich wirklich nicht gegenüber den tieferen Dingen betäuben, die vorliegen, und deren Erkenntnis allein die Menschen heute einigermaßen auf einen Stand bringen könnte, der fruchtbar ist.
[ 21 ] Today, the world spends the time it should be using to arrive at realistic ideas on demonstrating that it has forgotten everything that occurred in human history—even in the very recent past—before these sad current events took place. For it is, of course, all too easy, when such an event occurs, to speak of all manner of atrocities, cruelties, and the like. That should go without saying, given the experiences one can draw from human history. One really ought not to use this to numb oneself to the deeper issues at hand, the understanding of which alone could bring people today to a level that is, to some extent, fruitful.
[ 22 ] Lassen Sie uns heute etwas herausheben, was schon von jedem erkannt werden kann, der die Zusammenhänge auf dem physischen Plan äußerlich erfaßt, jedoch in ein noch helleres Licht tritt, wenn man es zusammenhält mit den Ideen, die wir in dem Zyklus über die Volksseelen haben. Unter den mancherlei Ursachen, die zu diesen schmerzlichen Ereignissen geführt haben, gehören Dinge, die jetzt immer mehr und mehr auch der äußeren Welt klarwerden könnten, wenn man nur wirklich weitere Horizonte gewinnen wollte. Von der gesamten trockenen, bewohnbaren Erde besitzt das Britische Reich ein Viertel, das Britische Reich mit Frankreich und Rußland zusammen die Hälfte. Käme eine Koalition zustande zwischen Rußland, Frankreich, dem Britischen Reich und Amerika, so wären das ungefähr Dreiviertel der bewohnten Erde; es bliebe noch ein Viertel übrig. Diese Zahl an sich muß schon für denjenigen, der auf Wirklichkeiten sieht, etwas Vielsagendes sein. Doch betrachten wir nun das eine Viertel Erde, das im britischen Weltreich vereinigt ist.
[ 22 ] Let us highlight today something that can already be recognized by anyone who perceives the interrelationships on the physical plane from the outside, but which comes into even clearer focus when considered in conjunction with the ideas we have presented in the series on national souls. Among the various causes that have led to these painful events are factors that could now become increasingly clear to the outer world as well, if only there were a genuine desire to broaden one’s horizons. The British Empire possesses one-quarter of the total dry, habitable land on Earth; together with France and Russia, the British Empire accounts for half. If a coalition were to be formed between Russia, France, the British Empire, and America, that would amount to approximately three-quarters of the inhabited earth; one-quarter would still remain. This figure in itself must surely be telling to anyone who looks at reality. But let us now consider the one-quarter of the earth that is united within the British Empire.
[ 23 ] Da haben wir zunächst — verhältnismäßig klein — die drei Gebiete: England, Schottland, Irland. Nun, sobald man von England, Schottland, Irland als solchen spricht, trifft man heute überhaupt nicht dasjenige, was Britisches Reich ist. Man trifft vielmehr, wenn man von England, Schottland, Irland spricht, jenes Gebiet der Welt, das den großen Shakespeare hervorgebracht hat, das unvergleichliche Denker und in früheren Zeiten große Staatsmänner hervorgebracht hat. Man trifft nur Gutes. Man trifft auf dasjenige, was wirklich in hervorragendem Maße bestimmt ist, eine große Rolle zu spielen in der fünften nachatlantischen Zeit. Aber man trifft nicht dasjenige, was heute Britisches Reich ist, denn dieses Britische Reich heute ist: diese drei Inselgebiete, die Europa angegliedert sind, und dasjenige, was im weitesten Umfange seine Kolonien genannt werden kann. Und insbesondere in jüngster Zeit steht die ganze Entwickelung dieses britischen Reiches unter dem Impuls, der bestimmt wird durch das Verhältnis des Mutterlandes zu den Kolonien. Man kann verfolgen, wie in der jüngsten Zeit versucht wird, das Verhältnis zwischen dem Mutterlande und den Kolonien in entsprechender Weise herzustellen.
[ 23 ] First, we have—relatively small—the three regions: England, Scotland, and Ireland. Now, when one speaks of England, Scotland, and Ireland as such, one is not referring at all to what the British Empire is today. Rather, when one speaks of England, Scotland, and Ireland, one is referring to that part of the world that produced the great Shakespeare, that produced incomparable thinkers and, in earlier times, great statesmen. One encounters only good things. One encounters that which is truly destined, to an outstanding degree, to play a major role in the fifth post-Atlantic epoch. But one does not encounter what the British Empire is today, for this British Empire today consists of these three island territories, which are affiliated with Europe, and what, in the broadest sense, can be called its colonies. And particularly in recent times, the entire development of this British Empire has been driven by the relationship between the mother country and the colonies. One can observe how, in recent times, attempts have been made to establish an appropriate relationship between the mother country and the colonies.
[ 24 ] Wonach das Britische Reich strebt, das ist: In engerem Verbande das Mutterland und die Kolonien zusammenzuhalten. Und wenn ich Ihnen von der Anwendung okkulter Kräfte gesprochen habe, so besteht das gerade darin, daß man solche Kräfte dazu benutzt, um dieses Ziel zu erreichen. Würde man diese okkulten Kräfte in ihrem eigenen Gebiet wirken lassen, so könnten sie niemals schädlich werden. Wird aber etwas Egoistisches, sei es für einen einzelnen, sei es für Gruppen, angestrebt, können diese Kräfte nur schädlich wirken. Dieses Verhältnis zwischen dem Mutterlande und den Kolonien läßt sich eben nicht leicht herstellen. Wer heute glaubt, man könne mit Programmen den Weltfrieden durch eine zwischenstaatliche Organisation herstellen, der hat natürlich gar keinen Begriff davon, wie die Wirklichkeit gehandhabt werden muß, wenn so etwas zustande kommen soll, wie: das britische Mutterland mit den Kolonien zu einem für das Britische Reich selber wünschenswerten Ganzen zusammenzuschweißen. Dieses Bestreben liegt zugrunde dem, was man dort Imperialismus nennt. Das ist das, was in der jüngsten Zeit immer angestrebt worden ist, allerdings aus durch und durch materiellen Impulsen heraus; aber es ist angestrebt worden. Und alle Mittel, die in den Dienst dieser Idee gestellt werden konnten, fand man von einem gewissen Gesichtspunkte aus richtig. Das Britische Reich mußte dazu kommen, ein engeres Verhältnis zu seinen Kolonien zu gewinnen. Dazu brauchte es einen Impuls, der gewissermaßen in die Menschenherzen sich hineinstahl, damit sie auf das, was sie sonst nicht zugeben würden, eingingen. Und damit hängt nun zusammen, daß in Europa Krieg geführt werden muß, damit aus der Stimmung dieses Krieges dasjenige herauskommt, was an Impulsen notwendig ist für das Britische Reich, um seine Kolonien mit dem Mutterlande zu vereinheitlichen. Es ist für das Studium der Vorgänge auf dem physischen Plan nicht bloß interessant, sondern im höchsten Grade bedeutsam, zu studieren, wie sich alle Abstraktlinge gerade in bezug auf dasjenige, was ich jetzt sage, geirrt haben.
[ 24 ] What the British Empire strives for is to hold the mother country and the colonies together in a closer union. And when I spoke to you about the use of occult forces, that is precisely what it entails: using such forces to achieve this goal. If these occult forces were allowed to operate within their own sphere, they could never be harmful. But if something selfish is pursued—whether for an individual or for groups—these forces can only have a harmful effect. This relationship between the mother country and the colonies is simply not easy to establish. Anyone who believes today that world peace can be achieved through programs implemented by an intergovernmental organization naturally has no idea whatsoever of how reality must be handled if something like this is to come about: fusing the British mother country with the colonies into a unified whole that is desirable for the British Empire itself. This endeavor underlies what is called imperialism there. This is what has been consistently strived for in recent times, albeit driven by thoroughly materialistic motives; but it has been strived for. And all the means that could be put at the service of this idea were considered appropriate from a certain point of view. The British Empire had to come to establish a closer relationship with its colonies. This required an impulse that, so to speak, would work its way into people’s hearts, so that they would respond to what they would otherwise not admit. And connected to this is the fact that war must be waged in Europe, so that the mood of this war might produce the impulses necessary for the British Empire to unify its colonies with the mother country. It is not merely interesting for the study of events on the physical plane, but of the utmost significance, to examine how all the abstract thinkers have erred precisely with regard to what I am now saying.
[ 25 ] Lesen Sie bitte die Literatur, welche die «gescheiten» Leute — gescheit in dem Sinne, wie ich das Wort oftmals gebrauche — geschrieben haben, besonders als dieser Krieg herannahte. Alle haben sie gerechnet: Das wird abfallen, das wird abfallen, das wird abfallen, wenn ein Krieg kommt. — Nichts davon, sondern das genaue Gegenteil ist eingetreten. Hätte man wirklichkeitsgemäß gedacht, so hätte man sagen müssen: Will das Britische Reich seine Kolonien näher an sich bringen, will es dort Impulse erzeugen, die geeignet sind, mit dem Mutterlande zusammenzugehen, dann braucht es den Krieg, dann ist dieser Krieg das Mittel zu dem höheren, sogenannten Staatszweck. Und überall, wo man so denkt, heiligen die Zwecke die Mittel.
[ 25 ] Please read the literature written by the “smart” people—smart in the sense that I often use the word—especially as this war was approaching. They all predicted: This will decline, that will decline, the other will decline if a war breaks out. — None of that happened; rather, the exact opposite occurred. If one had thought realistically, one would have had to say: If the British Empire wants to bring its colonies closer to itself, if it wants to generate impulses there that are conducive to uniting with the mother country, then it needs war; then this war is the means to the higher, so-called national end. And wherever people think this way, the ends justify the means.
[ 26 ] Jetzt ist ein Zeitpunkt, wo die Menschen ganz besonders auf diese Tatsache gestoßen werden. Wenn wir die Evolution des Britischen Reiches ins Auge fassen, so müssen wir immer auf zwei Strömungen — ich rede für die Gegenwart — Rücksicht nehmen, die bedeutsam sind: Die eine ist die mehr oder weniger puritanische — es wird nur eine gewisse Seite derselben damit bezeichnet, aber vielleicht doch richtig bezeichnet —, die in alledem zur Geltung kommt, was das Vortreffliche des britischen Volkstums ist. Diese puritanische Strömung beherrschte auch bis in die neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts weitgehend die britische Politik. In den neunziger Jahren wurde das anders; da wurde größer und bedeutender als die puritanische Strömung die imperialistische Strömung.
[ 26 ] Now is a time when people are being made particularly aware of this fact. When we consider the evolution of the British Empire, we must always take into account two significant currents—I am speaking of the present—that are of great importance: One is the more or less Puritan current—this term refers only to a certain aspect of it, but perhaps correctly so—which is evident in all that constitutes the excellence of the British national character. This Puritan current also largely dominated British politics until the 1890s. In the 1890s, things changed; the imperialist current became larger and more significant than the Puritan current.
[ 27 ] Für das Herankommen des Imperialismus hatte man einen guten Instinkt. Es ist merkwürdig, wie gut dieser Instinkt war. Ich will Sie, weil sie so recht zeigt, wie die Dinge zusammenhängen, auf eine kuriose Erscheinung aufmerksam machen. Als wir, etwas vor der Begründung der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft, in London waren, war Mrs. Besant noch lange nicht diejenige, die sie später geworden ist. Sie ist ja immer diejenige gewesen, die sie sein mußte je nach den Einflüssen, die auf sie stattfanden. Sie war außerordentlich beliebt in den Kreisen, die man dazumal in London die Theosophen nannte. Nun, sie hat verschiedene Seiten. Damals, es war am Anfang des Jahrhunderts, hat sie einen Vortrag gehalten über Theosophie und Imperialismus. Die imperialistischen Instinkte haben sich ja sehr rasch dort entwickelt. Mrs. Besant sprach eigentlich gegen den Imperialismus, und man konnte sehen: von da ab war sie unten durch in London, selbst bei denen, die dazumal Theosophen waren. Einige persönliche Freunde hielten zu ihr, aber sie war unten durch, weil sie wagte, etwas gegen den Imperialismus zu sagen. In solchen Dingen zeigen sich die Kräfte, die, wenn man sie durchdringt, einen wirklich dahin bringen, die großen Zusammenhänge zu erkennen.
[ 27 ] People had a keen instinct for the rise of imperialism. It is remarkable just how keen that instinct was. I would like to draw your attention to a curious phenomenon, because it so clearly illustrates how things are connected. When we were in London, shortly before the founding of the German Section of the Theosophical Society, Mrs. Besant was still far from being the person she later became. She has, after all, always been the person she had to be, depending on the influences acting upon her. She was extremely popular in the circles that were known as the Theosophists in London at that time. Well, she has many sides to her. Back then—it was at the beginning of the century—she gave a lecture on theosophy and imperialism. Imperialist instincts had, after all, developed very rapidly there. Mrs. Besant actually spoke out against imperialism, and it was clear that from that point on, she was finished in London, even among those who were theosophists at the time. A few personal friends stood by her, but she was ostracized because she dared to speak out against imperialism. It is in such matters that the forces reveal themselves which, when one penetrates them, truly lead one to recognize the greater connections.
[ 28 ] Bis vor ganz kurzer Zeit war noch etwas Puritanisches in England wirksam. Zwar führten Hampelmänner, Marionetten, die Politik, es war aber in diesen Marionetten — in Asquith, in Grey — noch etwas Puritanisches. Das mußte fort, um den Impulsen gerecht zu werden, von denen ich ja gesprochen habe, und was nun nachkam, ist für all das, was ich Ihnen charakterisiert habe, die allerwilligste Marionette. Aber alles Puritanische ist fort. Nun sehen wir auf der einen Seite das Negative: die zynische Ablehnung des Friedensgedankens mit der heuchlerischen Motivierung, daß man ihn deswegen ablehne, weil man den Frieden wolle. Aber heute darf man ja ungestraft die närrischsten Dinge sagen, ohne daß es weiter übelgenommen wird. Das ist das Negative. Das Positive ist ein Ereignis von der denkbar größten Wichtigkeit: die Zusammenrufung der Minister der Kolonien, die zu den ersten Taten dieses Mannes gehört, der durch ein negatives Wunder auf einen ersten Posten der Welt kommen konnte. Jetzt merkt man es schon in der Öffentlichkeit. Aber die Öffentlichkeit mußte eben erst auf das, was zugrunde liegt, mit der Nase gestoßen werden, während es dem, der in wirklichen Ideen lebt, schon lange klar sein konnte. Aber man kann sich nicht in der Wirklichkeit zurechtfinden, wenn man nicht die Neigung hat, wirkliche Ideen zu ergreifen. Denn dann nur wird man auch die Außenwelt so ansehen: Man sieht etwas, man hält es für bedeutungslos; man sieht es nochmal und nochmal, man hält es noch immer nicht für wichtig; beim vierten, beim fünften Mal hält man es für wichtig, weil es ein bedeutungsvolles Symptom ist, das kommende Dinge ankündigt. Nicht alles ist von gleicher Wichtigkeit, aber für dasjenige, was wichtig ist, muß man einen Sinn haben, und den erwirbt man sich nur dadurch, daß man jene Impulse in die Seele bekommt, die nur auf geisteswissenschaftlicher Grundlage sich ergeben.
[ 28 ] Until very recently, there was still something Puritanical at work in England. Although puppets and marionettes were running the show, there was still something Puritanical about these marionettes—in Asquith, in Grey. That had to go in order to do justice to the impulses I have spoken of, and what has now taken its place is the most willing puppet of all for everything I have described to you. But everything Puritan is gone. Now we see, on the one hand, the negative aspect: the cynical rejection of the idea of peace, with the hypocritical justification that one rejects it precisely because one wants peace. But today, after all, one can say the most absurd things with impunity, without anyone taking offense. That is the negative aspect. The positive aspect is an event of the greatest conceivable importance: the convening of the colonial ministers, which is one of the first acts of this man who, through a negative miracle, was able to rise to a leading position in the world. Now the public is beginning to take notice. But the public first had to be confronted with the underlying reality, whereas it has long been clear to those who live by genuine ideas. Yet one cannot find one’s bearings in reality unless one has a disposition to grasp genuine ideas. For only then will one view the external world in this way: One sees something and considers it insignificant; one sees it again and again and still does not consider it important; by the fourth or fifth time, one considers it important because it is a significant symptom that heralds things to come. Not everything is of equal importance, but for that which is important, one must have an understanding, and this is acquired only by allowing those impulses to enter the soul that arise solely on a spiritual-scientific foundation.
[ 29 ] Übrigens wurde mir in diesen Tagen ein sehr interessanter Aufsatz eines vielbeliebten britischen Schriftstellers, der jetzt Journalist ist, gegeben, der auch im Militär ist, und nach alledem, was er schreibt, zeigt, wie er zusammenhängt mit den Fäden, die gesponnen werden. Dasjenige, was er vor kurzem im «London Magazine» geschrieben hat, ist bedeutend genug. Es wurde mir eben, wie man sagt, durch Zufall, übergeben. Darinnen liegt kein Zufall. Es ist immerhin interessant, was dieser Militärschriftsteller, der aber, wie gesagt, mit den Fäden zusammenhängt, die die Ereignisse lenken, über die jetzige Lage schreibt:
[ 29 ] Incidentally, I was recently given a very interesting essay by a much-loved British writer—who is now a journalist and is also in the military—and, judging by everything he writes, it shows how he is connected to the threads that are being woven. What he recently wrote in the London Magazine is significant enough. It was handed to me, as they say, by chance. Yet there is no chance involved. It is, after all, interesting what this military writer—who, as I said, is connected to the threads that steer events—writes about the current situation:
[ 30 ] «Das englische Volk hat immer den Willen zum Erobern gehabt (the will to conquer) und hat ihn auch jetzt noch. In dieser hohen Auffassung wird der Krieg von uns zu Ende gekämpft. Der Gedanke an unsere unerschütterliche Entschlossenheit, zu siegen, ist das Edelste, was wir unseren Nachkommen, den Söhnen und Töchtern Englands und seinen ruhmreichen überseeischen Gebieten hinterlassen können... Wir werden bei Friedensschluß eine Million Quadratmeilen deutsches Kolonialgebiet in Händen haben. Wir werden dann über Millionen im Kriege geübte Männer verfügen. Unsere Übermacht zur See wird größer sein denn je. Wir liefern der Welt unwiderlegliche Beweise, daß unser Weltreich einig und unteilbar, unser Geist unbezähmbar ist, und daß die kriegerischen Eigenschaften unseres Landes denjenigen unserer ruhmreichen Vergangenheit würdig sind. Auf England ist gegenwärtig in einem bis jetzt niemals geträumten Maße der moralische und materielle Stempel der Macht gedrückt. Wie werden wir beim Friedensschlusse dastehen? Nimmt man Armee, Flotte und Hilfsquellen zusammen, so werden wir die erste militärische Macht der Welt sein.»
[ 30 ] “The English people have always had the will to conquer, and they still have it today. It is with this lofty conviction that we will fight this war to the end. The thought of our unshakable determination to win is the noblest thing we can leave to our descendants, the sons and daughters of England and its glorious overseas territories... When peace is concluded, we will hold one million square miles of German colonial territory. We will then have at our disposal millions of men seasoned in war. Our naval supremacy will be greater than ever. We are providing the world with irrefutable proof that our empire is united and indivisible, that our spirit is indomitable, and that the martial qualities of our country are worthy of those of our glorious past. England is currently bearing the moral and material stamp of power to an extent never before imagined. How will we stand at the conclusion of the peace? Taking the army, the fleet, and our resources together, we will be the world’s leading military power.”
[ 31 ] Es wirkt etwas eigentümlich, wenn man den «Militarismus» so dringend bekämpfen zu müssen glaubt, und nun als hohes Ideal aufstellt, die erste militärische Macht der Welt zu sein!
[ 31 ] It seems a bit peculiar to believe that one must fight “militarism” so urgently, and yet now hold up the goal of being the world’s leading military power as a lofty ideal!
«Man wird uns als das Rückgrat der Alliierten anerkennen.»
“We will be recognized as the backbone of the Allies.”
[ 32 ] Das ist etwas, was in Frankreich wohl gelesen werden sollte.
[ 32 ] This is something that people in France should probably read.
«Uns ist die führende Rolle bei den Alliierten zugeteilt, und die Führung von Europa kommt uns von Rechts wegen zu.»
“We have been assigned the leading role among the Allies, and leadership of Europe rightfully belongs to us.”
[ 33 ] Nun macht er die Worte Kiplings zu seinen eigenen, die da heißen: «Wir haben die Menschen, die Schiffe und das Geld.»
[ 33 ] Now he makes Kipling's words his own, which are: “We have the men, the ships, and the money.”
«Das Parlament müßte jetzt den Bedarf der militärischen Maschine für eine Anzahl von Jahren im Vorhinein bewilligen, und dann für unbestimmte Zeit vertagt werden.»
“Parliament would now have to approve the military’s funding needs for a number of years in advance, and then the matter would be deferred indefinitely.”
[ 34 ] In solchen Dingen sprechen sich allerdings die Impulse, die Instinkte aus, die zusammenhängen mit den Drähten, die gezogen werden. Diese Dinge kann man mit voller Objektivität ansehen, ohne Partei zu nehmen in dem Sinne, wie gewiß gutwillige, aber wenig weitsichtige Patrioten Partei nehmen. Warum soll man denn solche Dinge nicht sehen? Sie sind ja objektive Tatsachen! Denn das, was in den Impulsen der Menschheit lebt, sind eben objektive Tatsachen, welche die geschichtlichen Ereignisse hervorbringen.
[ 34 ] In such matters, however, the impulses and instincts associated with the strings being pulled come to the fore. One can view these things with complete objectivity, without taking sides in the sense that certain well-meaning but short-sighted patriots do. Why shouldn’t one see such things? They are, after all, objective facts! For what lives in the impulses of humanity are precisely objective facts that give rise to historical events.
[ 35 ] So weit entfernt wir hier sein müssen von der Parteinahme für das eine oder das andere, so wichtig ist es, wenn wir schon in Vorträgen sprechen, daß wir mit voller Objektivität über die Dinge zu sprechen versuchen. Und Sie werden sehen, sobald man mit voller Objektivität spricht, liefern die Tatsachen selber Beweise.
[ 35 ] As far as we must stay from taking sides with one or the other, it is all the more important—especially when we are speaking in lectures—that we try to discuss matters with complete objectivity. And you will see that as soon as one speaks with complete objectivity, the facts themselves provide the evidence.
[ 36 ] Ein Weltverständnis kann man ja nicht erwerben, wenn man nicht willig ist, auf die Tatsachen einzugehen. Denn diese sogenannte Antwortnote der Entente, dieses Silvestergeschenk an die Erde — ja, meine lieben Freunde, ein Schriftstück, das so verfaßt wurde, wird es wohl kaum geben, wie weit man auch in der geschichtlichen Entwickelung sich umschaut, sowohl seiner Grundlage wie auch der ganzen Zusammensetzung, der ganzen Komposition nach. Und man muß sagen, was da geschrieben ist und was die allerschwerwiegendsten Folgen haben wird, das liest man am besten, wenn man über jeden einzelnen Satz hinweggeht und sich klar darüber ist: Auf das, was da geschrieben ist, kommt es überhaupt nicht an! — Es kommt darauf an, daß das von mir Charakterisierte dahintersteht, daß man das will. Das in einer Note zu sagen, wird man sich selbstverständlich hüten. Wenn man aber frägt: Ist das durch Verhandlungen zu erreichen? — so muß man natürlich mit Nein antworten. Das läßt sich selbstverständlich nicht erreichen durch Friedensverhandlungen. Das läßt sich nur erreichen, indem man sich wirklich Garantien schafft, und Garantien liegen in der Herrschaft; die Garantien bestehen darin, daß derjenige, der die Garantien haben will, allein zu bestimmen hat, und alle andern nichts mehr, und daß dies durch die Machtverhältnisse herbeigeführt wird. Das ist natürlich noch lange nicht erreicht. Aber sich Illusionen darüber hinzugeben, daß dies angestrebt werde, wäre gegenüber dem, was der Mensch als Wahrheitsgefühl haben muß, recht unverantwortlich.
[ 36 ] After all, one cannot gain an understanding of the world if one is not willing to engage with the facts. For this so-called reply from the Entente, this New Year’s Eve gift to the world—yes, my dear friends, a document drafted in this manner is unlikely to exist anywhere, no matter how far back one looks in the course of history, both in terms of its foundation and its entire structure and composition. And one must say that what is written there—and what will have the most grave consequences—is best understood by going over every single sentence and being clear about this: What is written there is completely irrelevant! — What matters is that what I have described lies behind it, that this is what is intended. One would, of course, be careful not to state this explicitly. But if one asks: Can this be achieved through negotiations? — then one must, of course, answer no. This cannot, of course, be achieved through peace negotiations. It can only be achieved by truly securing guarantees, and guarantees lie in power; the guarantees consist in the fact that the one who wants the guarantees has sole authority to decide, while all others have none, and that this is brought about by the balance of power. Of course, this is still far from being achieved. But to harbor illusions that this is being strived for would be quite irresponsible in light of the sense of truth that a person must possess.
[ 37 ] Niemand wird voraussetzen, daß das, was ich sage, gegen das britische Volk gerichtet ist, denn ich wollte unterscheiden zwischen diesem britischen Volke und denen, die ich mit einem trivialen Ausdrucke «Drahtzieher» nenne, und die hinter dem, was geschieht, stehen, wie ja genügend charakterisiert worden ist. Es ist auch nicht notwendig, daß man sich mit solchen Impulsen identifiziert, obwohl es selbstverständlich nicht meine Aufgabe sein kann, jemanden von der Identifizierung mit solchen Impulsen abzuhalten. Ich werde auch niemandem, auch nicht in Gedanken und in der Empfindung, verwehren, sich innerhalb unserer Bewegung mit diesen Impulsen zu identifizieren. Nur soll er sagen, was wahr ist, und nicht sagen, daß er sich identifiziert mit dem Ideale vom Recht der kleinen Nationen und dergleichen; sondern er soll sich klar sein, daß sein Wille ist, die Welt zu beherrschen. Dann versteht man sich in der Wahrheit, und das ist es, worauf es ankommt. Dann kommen wir schon weiter, wenn die Menschen wahr sind. Wenn sie sagen, was wirklich ist, dann kommen wir schon weiter. Dann mag dieses, was wahr ist, noch so schlimm sein — man kommt weiter als mit dem Unwahren. Und das ist es, was wir uns besonders ins Herz schreiben sollen: Man kommt damit weiter als mit dem Unwahren.
[ 37 ] No one will assume that what I am saying is directed against the British people, for I wanted to distinguish between the British people and those whom I refer to, using a trivial expression, as “puppet masters”—those who are behind what is happening, as has been sufficiently characterized. Nor is it necessary to identify with such impulses, although it certainly cannot be my task to prevent anyone from identifying with them. Nor will I prevent anyone—not even in thought or feeling—from identifying with these impulses within our movement. But they must speak the truth and not claim that they identify with the ideal of the rights of small nations and the like; rather, they must be clear that their will is to rule the world. Then we understand one another in truth, and that is what matters. Then we will make progress if people are truthful. If they say what is truly the case, then we will make progress. Then, no matter how bad this truth may be—we will make more progress than with falsehood. And that is what we should take particularly to heart: We make more progress with it than with falsehood.
[ 38 ] Gewiß wäre es töricht, zu glauben, daß man durch allerlei gutes Zureden oder durch allerlei Propositionen irgendein Weltreich davon abhalten kann, seine Ziele zu verfolgen. Gewiß wäre es töricht, moralinsauer zu werden und allerlei moralische Maßstäbe anzulegen. Ich habe Ihnen deshalb gerade die Geschichte des Opiumkrieges vorgetragen, um Sie von diesen moralischen Maßstäben abzulenken. Aber darauf kommt es an: das Wahre zu sagen, die Wahrheit zu sagen. Und viel besser wäre für die Welt — wenn auch nicht für diejenigen, die da in Betracht kommen als die Drahtzieher —, wenn trocken und zynisch gesagt würde: Das wird gewollt.
[ 38 ] Certainly, it would be foolish to believe that one can prevent any world empire from pursuing its goals through all sorts of persuasive arguments or proposals. Certainly, it would be foolish to become moralistic and apply all sorts of moral standards. That is precisely why I recounted the history of the Opium War to you—to distract you from these moral standards. But this is what matters: to speak the truth, to tell the truth. And it would be much better for the world—though not for those who are considered the masterminds behind it all—if it were stated bluntly and cynically: This is what is intended.
[ 39 ] Nun, so nimmt sich auf diesem speziellen Gebiete dasjenige aus, was uns Richtschnur und Ziel sein muß: «Die Weisheit liegt nur in der Wahrheit.»
[ 39 ] Well, in this particular area, what must serve as our guiding principle and goal is this: “Wisdom lies only in truth.”
