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Central Europe between East and West
GA 174a

2 May 1918, Munich

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Mitteleuropa zwischen Ost und West
  1. Central Europe between East and West, tr. SOL

Elfter Vortrag

Elfter Vortrag

[ 1 ] Heute, am ersten Tage unserer Zweigbetrachtungen, wollen wir, wie es den Zeitverhältnissen angemessen ist, eine Betrachtung anstellen, die sich auf dasjenige erstreckt, was von unserer geisteswissenschaftlichen Bestrebung als Licht fallen kann auf manches, das dem Menschen in unserer Zeit entgegentritt, fragend, fordernd entgegentritt, und ihn mit Aufgaben wenigstens erfüllen sollte, Aufgaben, die ja im eminentesten Sinn durch den Geist der Zeit gestellt werden und von deren Erfassung durch jeden einzelnen vielleicht vieles von dem Schicksal der Menschheit in der nächsten Zukunft abhängen könnte. Gehen wir von etwas aus, was uns ja naheliegen kann. Sie werden wohl bemerkt haben, daß schon seit längerer Zeit in gewissem Sinn eine Änderung in der Stimmung der Außenwelt gegenüber unserer anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft eingetreten ist, eine Änderung der Stimmung dahingehend, daß man mit einer wachsenden Feindseligkeit da und dort auf diese Geisteswissenschaft blickt. Nur derjenige, der die Geschichte von geistigen Bewegungen nicht in der richtigen Weise würdigt, kann überrascht sein davon, daß solcher Stimmungswechsel, solche Stimmungsänderung einmal gekommen ist; sie wird noch in größerer Intensität kommen. Solange sich eine solche Bewegung wie diese in ihrer Hauptsache innerhalb eines gewissen sektiererischen Betriebes hält, solange sie sich so hält, daß da oder dort in den verschiedenen Städten ein paar Leute zusammenkommen, sektenartig sich in Vorder- oder Hinterhäusern vereinigen, um dieses oder jenes sektenartig zu treiben, so lange betrachtet man solche aufstrebenden Bewegungen mit einem gewissen nachsichtigen Wohlwollen, das sich gewiß da oder dort auch in etwas anderes verwandelt, das aber dabei stehen bleibt, man habe nicht nötig, im Ernst einzugehen auf solche Bewegungen; sie werden schon wieder verschwinden, und die Räume in den Vorder- und Hinterhäusern, in denen sektiererisch, in mehr familienhafter Art solche Dinge getrieben werden, die werden schon wiederum durch etwas anderes in Anspruch genommen werden. Solche Stimmung war ja durch viele Jahre hindurch in der Außenwelt unserer Bewegung gegenüber vorhanden, und was als Feindseligkeit aufgetreten ist, hob sich mehr oder weniger nur oasenhaft aus dieser allgemeinen Stimmung heraus. Aber die Sachen haben sich ja ein klein wenig geändert dadurch, daß wenigstens von einer Seite her immer mehr und mehr gestrebt worden ist, den sektiererischen Charakter der Bewegung abzustreifen. Obwohl gerade aus den Reihen unserer Gesellschaft selber heraus immer wieder und wiederum Widerstände erwachsen gegen das Abstreifen dieses Sektiererischen, gegen das Sich-Vereinigen mit der allgemeinen Kultur der Gegenwart, so muß doch in energischer Weise der Versuch gemacht werden, gegen alle Widerstände und gegen alle Feindseligkeiten sich zusammenzufinden mit dem, was sonst in der Kultur der Gegenwart strebt. Man wird ferner nicht sich nur zusammensetzen und in behaglicher Weise Vorträge vorlesen können und dergleichen — obwohl das selbstverständlich eine schöne familiäre Aufgabe sein kann —, man wird genötigt sein, sich mit dem auseinanderzusetzen, was Menschen da und dort wollen, anzuknüpfen an das, was da und dort gewollt wird, um gerade durch das Wechselverhältnis mit den vielleicht widerstrebenden Bewegungen der Außenwelt dasjenige zu finden, was für die Gegenwart gerade durch die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft gefunden werden muß.

[ 1 ] Heute, am ersten Tage unserer Zweigbetrachtungen, wollen wir, wie es den Zeitverhältnissen angemessen ist, eine Betrachtung anstellen, die sich auf dasjenige erstreckt, was von unserer geisteswissenschaftlichen Bestrebung als Licht fallen kann auf manches, das dem Menschen in unserer Zeit entgegentritt, fragend, fordernd entgegentritt, und ihn mit Aufgaben wenigstens erfüllen sollte, Aufgaben, die ja im eminentesten Sinn durch den Geist der Zeit gestellt werden und von deren Erfassung durch jeden einzelnen vielleicht vieles von dem Schicksal der Menschheit in der nächsten Zukunft abhängen könnte. Gehen wir von etwas aus, was uns ja naheliegen kann. Sie werden wohl bemerkt haben, daß schon seit längerer Zeit in gewissem Sinn eine Änderung in der Stimmung der Außenwelt gegenüber unserer anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft eingetreten ist, eine Änderung der Stimmung dahingehend, daß man mit einer wachsenden Feindseligkeit da und dort auf diese Geisteswissenschaft blickt. Nur derjenige, der die Geschichte von geistigen Bewegungen nicht in der richtigen Weise würdigt, kann überrascht sein davon, daß solcher Stimmungswechsel, solche Stimmungsänderung einmal gekommen ist; sie wird noch in größerer Intensität kommen. Solange sich eine solche Bewegung wie diese in ihrer Hauptsache innerhalb eines gewissen sektiererischen Betriebes hält, solange sie sich so hält, daß da oder dort in den verschiedenen Städten ein paar Leute zusammenkommen, sektenartig sich in Vorder- oder Hinterhäusern vereinigen, um dieses oder jenes sektenartig zu treiben, so lange betrachtet man solche aufstrebenden Bewegungen mit einem gewissen nachsichtigen Wohlwollen, das sich gewiß da oder dort auch in etwas anderes verwandelt, das aber dabei stehen bleibt, man habe nicht nötig, im Ernst einzugehen auf solche Bewegungen; sie werden schon wieder verschwinden, und die Räume in den Vorder- und Hinterhäusern, in denen sektiererisch, in mehr familienhafter Art solche Dinge getrieben werden, die werden schon wiederum durch etwas anderes in Anspruch genommen werden. Solche Stimmung war ja durch viele Jahre hindurch in der Außenwelt unserer Bewegung gegenüber vorhanden, und was als Feindseligkeit aufgetreten ist, hob sich mehr oder weniger nur oasenhaft aus dieser allgemeinen Stimmung heraus. Aber die Sachen haben sich ja ein klein wenig geändert dadurch, daß wenigstens von einer Seite her immer mehr und mehr gestrebt worden ist, den sektiererischen Charakter der Bewegung abzustreifen. Obwohl gerade aus den Reihen unserer Gesellschaft selber heraus immer wieder und wiederum Widerstände erwachsen gegen das Abstreifen dieses Sektiererischen, gegen das Sich-Vereinigen mit der allgemeinen Kultur der Gegenwart, so muß doch in energischer Weise der Versuch gemacht werden, gegen alle Widerstände und gegen alle Feindseligkeiten sich zusammenzufinden mit dem, was sonst in der Kultur der Gegenwart strebt. Man wird ferner nicht sich nur zusammensetzen und in behaglicher Weise Vorträge vorlesen können und dergleichen — obwohl das selbstverständlich eine schöne familiäre Aufgabe sein kann —, man wird genötigt sein, sich mit dem auseinanderzusetzen, was Menschen da und dort wollen, anzuknüpfen an das, was da und dort gewollt wird, um gerade durch das Wechselverhältnis mit den vielleicht widerstrebenden Bewegungen der Außenwelt dasjenige zu finden, was für die Gegenwart gerade durch die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft gefunden werden muß.

[ 2 ] Und eine sehr bedeutsame Aufgabe unserer Freunde wird es sein, die notwendige Beweglichkeit des Geistes zu entfalten, die etwa dazu gehören wird, um dieses Herausgehen aus dem Behaglichen, Sicheren, Warmen, Familienhaften wirklich zu finden. Notwendig ist es, aber empfunden wird die Notwendigkeit noch nicht überall. Dies führt aber direkt dazu, sich zu fragen: Wie wird sich denn in der Zukunft das eine oder das andere aus den Impulsen unserer geistigen Bewegung auseinanderzusetzen haben mit demjenigen, was althergebracht oder auch neu erstehend ist, oder mit dem Glauben ausgerüstet, daß es vielleicht etwas Neues sei, wie wird sich das, was von uns kommt, mit solchen Bewegungen auseinanderzusetzen haben? Wie wird sich das gestalten?

[ 2 ] Und eine sehr bedeutsame Aufgabe unserer Freunde wird es sein, die notwendige Beweglichkeit des Geistes zu entfalten, die etwa dazu gehören wird, um dieses Herausgehen aus dem Behaglichen, Sicheren, Warmen, Familienhaften wirklich zu finden. Notwendig ist es, aber empfunden wird die Notwendigkeit noch nicht überall. Dies führt aber direkt dazu, sich zu fragen: Wie wird sich denn in der Zukunft das eine oder das andere aus den Impulsen unserer geistigen Bewegung auseinanderzusetzen haben mit demjenigen, was althergebracht oder auch neu erstehend ist, oder mit dem Glauben ausgerüstet, daß es vielleicht etwas Neues sei, wie wird sich das, was von uns kommt, mit solchen Bewegungen auseinanderzusetzen haben? Wie wird sich das gestalten?

[ 3 ] Nun, vor allen Dingen, trotz aller scheinbaren da und dort auftretenden Zustimmungen von dieser oder jener Seite, wird der Widerstand insbesondere groß werden von seiten der offiziellen Vertreter religiöser, konfessioneller Weltanschauungen. Diese religiösen, konfessionellen Vertreter von Weltanschauungen, aus deren Reihen ja gewiß musterhafte Bekenner unserer Bewegung hervorgehen werden, sie werden doch in ihrer Mehrzahl immer wieder und wiederum dasjenige betonen, was sie gerade auflesen können aus dem ererbten Gute ihrer Anschauungen, und werden bei der Masse der Menschen der heutigen Zeit, die ja selbstverständlich nicht autoritätsgläubig sind, aber auf jede Autorität hineinfallen, reichlich Zustimmung finden. Insbesondere wird es schwer werden, gegen eine Stimmung das geisteswissenschaftliche Gut durchzubringen, und diese eine Stimmung, die ruht in einer gewissen außerordentlich bequemen Art und Weise, wie die Menschenseelen gewohnt worden sind, ihr Verhältnis zu der geistigen Welt zu finden. Wie viele Menschen in der Gegenwart sind doch eigentlich vorhanden, die da sagen: Ach, da kommen solche Geistesforscher, die eine ganze Etagenwelt von Hierarchien konstruieren! Man soll durch die Hierarchien der Angeloi, Archangeloi und so weiter erst hinaufkommen zu einem höchsten Geistigen, zu einem höchsten Göttlichen. — Das alles finden solche Menschen viel zu «intellektuell», um mitzugehen, und sie weisen hin auf das einfache, wie sie es nennen, naive Verhältnis, in das durch inneres starkes Erleben die Seele kommen kann zu dem Gott oder auch zu Christus und dergleichen. Das ist ja heute dasjenige, was man von den Bessermeinenden immer wieder und wiederum hören kann: Unmittelbares Erleben des höchsten Göttlichen! Warum sollte der Mensch erst so und so vieler hierarchischer Vermittlungen brauchen, um zu einer geistigen Erkenntnis zu kommen? Er kann in seinem kindlich einfachen Erleben den Zusammenschluß mit dem höchsten Göttlichen ja finden.

[ 3 ] Nun, vor allen Dingen, trotz aller scheinbaren da und dort auftretenden Zustimmungen von dieser oder jener Seite, wird der Widerstand insbesondere groß werden von seiten der offiziellen Vertreter religiöser, konfessioneller Weltanschauungen. Diese religiösen, konfessionellen Vertreter von Weltanschauungen, aus deren Reihen ja gewiß musterhafte Bekenner unserer Bewegung hervorgehen werden, sie werden doch in ihrer Mehrzahl immer wieder und wiederum dasjenige betonen, was sie gerade auflesen können aus dem ererbten Gute ihrer Anschauungen, und werden bei der Masse der Menschen der heutigen Zeit, die ja selbstverständlich nicht autoritätsgläubig sind, aber auf jede Autorität hineinfallen, reichlich Zustimmung finden. Insbesondere wird es schwer werden, gegen eine Stimmung das geisteswissenschaftliche Gut durchzubringen, und diese eine Stimmung, die ruht in einer gewissen außerordentlich bequemen Art und Weise, wie die Menschenseelen gewohnt worden sind, ihr Verhältnis zu der geistigen Welt zu finden. Wie viele Menschen in der Gegenwart sind doch eigentlich vorhanden, die da sagen: Ach, da kommen solche Geistesforscher, die eine ganze Etagenwelt von Hierarchien konstruieren! Man soll durch die Hierarchien der Angeloi, Archangeloi und so weiter erst hinaufkommen zu einem höchsten Geistigen, zu einem höchsten Göttlichen. — Das alles finden solche Menschen viel zu «intellektuell», um mitzugehen, und sie weisen hin auf das einfache, wie sie es nennen, naive Verhältnis, in das durch inneres starkes Erleben die Seele kommen kann zu dem Gott oder auch zu Christus und dergleichen. Das ist ja heute dasjenige, was man von den Bessermeinenden immer wieder und wiederum hören kann: Unmittelbares Erleben des höchsten Göttlichen! Warum sollte der Mensch erst so und so vieler hierarchischer Vermittlungen brauchen, um zu einer geistigen Erkenntnis zu kommen? Er kann in seinem kindlich einfachen Erleben den Zusammenschluß mit dem höchsten Göttlichen ja finden.

[ 4 ] Da müssen wir uns nun aber fragen: Was geschieht denn in den Seelen derjenigen, die, wirklich mit einer gewissen Ehrlichkeit, wenn auch diese Ehrlichkeit eine bequeme ist, ihr Streben so charakterisieren: Sie reden von dem Göttlichen, das sie erleben. Es gibt ja Menschen, die durchaus einen gewissen Umschwung in ihrem Seelenleben erfahren haben, durch den ihnen alles das, was sie das Göttliche, das Geistige nennen, anders erscheint, als es ihnen früher erschienen ist. Die einen nennen es Evangelisation, die anderen anders, darauf kommt es schon nicht an. Es ist der Glaube, daß diese Menschen einen Zugang gefunden haben auf kindliche, naive Weise zu dem höchsten Göttlichen. Das stellen sich manche Menschen recht einfach vor, den Christus im Inneren zu erleben. Was erleben sie aber wirklich?

[ 4 ] Da müssen wir uns nun aber fragen: Was geschieht denn in den Seelen derjenigen, die, wirklich mit einer gewissen Ehrlichkeit, wenn auch diese Ehrlichkeit eine bequeme ist, ihr Streben so charakterisieren: Sie reden von dem Göttlichen, das sie erleben. Es gibt ja Menschen, die durchaus einen gewissen Umschwung in ihrem Seelenleben erfahren haben, durch den ihnen alles das, was sie das Göttliche, das Geistige nennen, anders erscheint, als es ihnen früher erschienen ist. Die einen nennen es Evangelisation, die anderen anders, darauf kommt es schon nicht an. Es ist der Glaube, daß diese Menschen einen Zugang gefunden haben auf kindliche, naive Weise zu dem höchsten Göttlichen. Das stellen sich manche Menschen recht einfach vor, den Christus im Inneren zu erleben. Was erleben sie aber wirklich?

[ 5 ] Nun, ich gehe davon aus, daß die Erlebnisse, welche hier gemeint sind, echt und ehrlich sind, daß die Leute wirklich etwas erleben, daß sie wirklich einen Umschwung in ihrem Seelenleben erfahren haben. Ich gehe von einer ganz ehrlichen Überzeugung aus. Ich gehe auch aus von einer gewissen Vorurteilslosigkeit gegenüber den hergebrachten konfessionellen Glaubensrichtungen. Dasjenige, was diese Menschen erleben, ist dann höchstens das nächste Geistige, das der Mensch erleben kann. Und was ist dieses nächste Geistige? Dieses nächste Geistige ist jenes Wesen aus der Hierarchie der Angeloi, das jedem Menschen zu seiner Führung zugeteilt ist, das man taufen kann, wie man will: Christus, den höchsten Gott, wenn man will! — Darauf, wie man es benennt, kommt es nicht an, sondern darauf, was das wirklich ist, was sich da der Seele nähert, wenn man ein ehrliches, wirkliches Erlebnis hat: Es ist der Angelos, der Engel, und diesen Engel sieht man nur als den höchsten Gott an. Man ist zu bequem, zu etwas anderem fortzuschreiten, und das Nächste, das man erlebt, bezeichnet man als seinen Gott und konstruiert sich damit — ja, was denn eigentlich? — die egoistischste Religion, die man sich nur konstruieren kann! Daß da alle Menschen sich verständigen, indem sie die Sache einheitlich benennen, darauf kommt es nicht an, denn indem die Menschen nichts anderes erleben wollen als das Angedeutete, erlebt eben jeder nur seinen Engel, jeder betet nur seinen Engel an. Und wenn noch so viele Prediger von dem einheitlichen Gott reden, von dem scheinbar monotheistischen Gott, in Wahrheit sprechen sie nur von den Millionen Engeln, welche die Menschen anbeten und denen sie den gleichen Namen geben, so die Menschen in die Konfusion hineintreibend, daß diese Millionen von Wesen nur ein Wesen seien. Das ist die Wirklichkeit, und das deutet zugleich auf die Illusion hin, in die man sich begibt, wenn man sich in dieser Weise mit dem egoistischsten Gott vereinen will. |

[ 5 ] Nun, ich gehe davon aus, daß die Erlebnisse, welche hier gemeint sind, echt und ehrlich sind, daß die Leute wirklich etwas erleben, daß sie wirklich einen Umschwung in ihrem Seelenleben erfahren haben. Ich gehe von einer ganz ehrlichen Überzeugung aus. Ich gehe auch aus von einer gewissen Vorurteilslosigkeit gegenüber den hergebrachten konfessionellen Glaubensrichtungen. Dasjenige, was diese Menschen erleben, ist dann höchstens das nächste Geistige, das der Mensch erleben kann. Und was ist dieses nächste Geistige? Dieses nächste Geistige ist jenes Wesen aus der Hierarchie der Angeloi, das jedem Menschen zu seiner Führung zugeteilt ist, das man taufen kann, wie man will: Christus, den höchsten Gott, wenn man will! — Darauf, wie man es benennt, kommt es nicht an, sondern darauf, was das wirklich ist, was sich da der Seele nähert, wenn man ein ehrliches, wirkliches Erlebnis hat: Es ist der Angelos, der Engel, und diesen Engel sieht man nur als den höchsten Gott an. Man ist zu bequem, zu etwas anderem fortzuschreiten, und das Nächste, das man erlebt, bezeichnet man als seinen Gott und konstruiert sich damit — ja, was denn eigentlich? — die egoistischste Religion, die man sich nur konstruieren kann! Daß da alle Menschen sich verständigen, indem sie die Sache einheitlich benennen, darauf kommt es nicht an, denn indem die Menschen nichts anderes erleben wollen als das Angedeutete, erlebt eben jeder nur seinen Engel, jeder betet nur seinen Engel an. Und wenn noch so viele Prediger von dem einheitlichen Gott reden, von dem scheinbar monotheistischen Gott, in Wahrheit sprechen sie nur von den Millionen Engeln, welche die Menschen anbeten und denen sie den gleichen Namen geben, so die Menschen in die Konfusion hineintreibend, daß diese Millionen von Wesen nur ein Wesen seien. Das ist die Wirklichkeit, und das deutet zugleich auf die Illusion hin, in die man sich begibt, wenn man sich in dieser Weise mit dem egoistischsten Gott vereinen will. |

[ 6 ] Schon ein äußeres Kennzeichen gibt es für das, was ich eben ausgesprochen habe. Versuchen Sie einmal Ihre Zuflucht zu nehmen zu den gelehrten Hilfsmitteln, die bei solcher Gelegenheit auch benützt werden können, dann werden Sie etwas Sonderbares erfahren können: Nehmen Sie die heute gelehrtesten Dinge auf diesem Gebiete zur Hand und versuchen Sie, sich eine Kenntnis davon zu verschaffen, welches der Ursprung eines sehr gebräuchlichen Wortes ist. Sie werden namentlich ein Wort finden, von dem Ihnen alle Gelehrten innerhalb des deutschen Sprachgebietes sagen werden: Den Ursprung davon kann man nicht ergründen. — Das ist das Wort Gott und sein Adjektiv göttlich. Nehmen Sie das Deutsche Wörterbuch: Der Artikel «Geist» im Wörterbuch ist auch recht wenig befriedigend, aber doch noch befriedigender als der Artikel «Gott». Da kommt man überhaupt nur dazu, zu wissen: Man weiß nicht, woher das Wort Gott kommt. — Es gibt ja alle möglichen Hypothesen, aber man weiß nicht, woher es kommt. Wird man gegenüber einem solchen gelehrten Resultat noch zurückschrecken können vor der Behauptung, daß zahlreiche Menschen, die von Gott und dem Göttlichen sprechen, gar nicht wissen, wovon sie reden? Ganz selbstverständlich, weil sie ein Wort unbekannten Ursprungs zu irgend etwas verwenden, nun, wozu sie es eben gerade gerne verwenden möchten. Die Dinge liegen eben ernster, als sie sich gestehen möchten. Aber man will diesen Dingen nicht zu Leibe gehen. Man weiß gar nicht, wie stark man in der Phrase lebt und wie glücklich man sich fühlt, in dieser Phrase leben zu können. Das ist das eine. Man kann aber auch noch etwas anderes finden.

[ 6 ] Schon ein äußeres Kennzeichen gibt es für das, was ich eben ausgesprochen habe. Versuchen Sie einmal Ihre Zuflucht zu nehmen zu den gelehrten Hilfsmitteln, die bei solcher Gelegenheit auch benützt werden können, dann werden Sie etwas Sonderbares erfahren können: Nehmen Sie die heute gelehrtesten Dinge auf diesem Gebiete zur Hand und versuchen Sie, sich eine Kenntnis davon zu verschaffen, welches der Ursprung eines sehr gebräuchlichen Wortes ist. Sie werden namentlich ein Wort finden, von dem Ihnen alle Gelehrten innerhalb des deutschen Sprachgebietes sagen werden: Den Ursprung davon kann man nicht ergründen. — Das ist das Wort Gott und sein Adjektiv göttlich. Nehmen Sie das Deutsche Wörterbuch: Der Artikel «Geist» im Wörterbuch ist auch recht wenig befriedigend, aber doch noch befriedigender als der Artikel «Gott». Da kommt man überhaupt nur dazu, zu wissen: Man weiß nicht, woher das Wort Gott kommt. — Es gibt ja alle möglichen Hypothesen, aber man weiß nicht, woher es kommt. Wird man gegenüber einem solchen gelehrten Resultat noch zurückschrecken können vor der Behauptung, daß zahlreiche Menschen, die von Gott und dem Göttlichen sprechen, gar nicht wissen, wovon sie reden? Ganz selbstverständlich, weil sie ein Wort unbekannten Ursprungs zu irgend etwas verwenden, nun, wozu sie es eben gerade gerne verwenden möchten. Die Dinge liegen eben ernster, als sie sich gestehen möchten. Aber man will diesen Dingen nicht zu Leibe gehen. Man weiß gar nicht, wie stark man in der Phrase lebt und wie glücklich man sich fühlt, in dieser Phrase leben zu können. Das ist das eine. Man kann aber auch noch etwas anderes finden.

[ 7 ] Wenn man auf das Reale losgeht, das die Leute dann erleben, wenn sie heute, sogar über das Konfessionelle hinausschreitend, von ihrem Gott sprechen, den sie in ihrem eigenen Inneren erleben, mögen sie es mystisch nennen oder theosophisch, kann man unendlich oft erfahren, daß die Leute sagen: Es kommt nur darauf an, den Gott in seinem Inneren zu erleben, mit dem Gott in seinem Inneren eins zu werden! Mit was wird man denn da eigentlich eins? Geht man der Sache nach, mit der dann der Mensch eins wird, ohne daß er es erkennt, so ist das nichts anderes als die eigene Seele, wie sie war, bevor sie durch die Empfängnis beziehungsweise Geburt in das physische Dasein getreten ist, wie diese Seele gelebt hat zwischen dem letzten Tod und dieser. Geburt. Entweder betet heute der Mensch, auch wenn er aufrichtig religiös sein will, seinen Engel an oder sein eigenes Ich, wie es war vor der Geburt oder Empfängnis. Er nennt es seinen Gott und belegt es mit dem Worte unbekannten Ursprungs; aber dasjenige, was er in Wirklichkeit heraufdämmern fühlt aus dem Unbewußten, das ist er selbst. Und das Kuriose tritt zutage für denjenigen, der die Wirklichkeit durchschaut, daß von allen Kanzeln fortwährend geredet wird von der Prädestination, und da man diese nicht denken kann ohne die wiederholten Erdenleben, so wird in Wahrheit geredet von diesen Erdenleben, nämlich von dem eigenen Selbst, das durch diese geht, und es wird gleichzeitig verleugnet die Tatsache dieser wiederholten Erdenleben. In Wahrheit wird von nichts mehr geredet als von dem, was Anthroposophie zum bewußten Erkennen der Menschen bringen will.

[ 7 ] Wenn man auf das Reale losgeht, das die Leute dann erleben, wenn sie heute, sogar über das Konfessionelle hinausschreitend, von ihrem Gott sprechen, den sie in ihrem eigenen Inneren erleben, mögen sie es mystisch nennen oder theosophisch, kann man unendlich oft erfahren, daß die Leute sagen: Es kommt nur darauf an, den Gott in seinem Inneren zu erleben, mit dem Gott in seinem Inneren eins zu werden! Mit was wird man denn da eigentlich eins? Geht man der Sache nach, mit der dann der Mensch eins wird, ohne daß er es erkennt, so ist das nichts anderes als die eigene Seele, wie sie war, bevor sie durch die Empfängnis beziehungsweise Geburt in das physische Dasein getreten ist, wie diese Seele gelebt hat zwischen dem letzten Tod und dieser. Geburt. Entweder betet heute der Mensch, auch wenn er aufrichtig religiös sein will, seinen Engel an oder sein eigenes Ich, wie es war vor der Geburt oder Empfängnis. Er nennt es seinen Gott und belegt es mit dem Worte unbekannten Ursprungs; aber dasjenige, was er in Wirklichkeit heraufdämmern fühlt aus dem Unbewußten, das ist er selbst. Und das Kuriose tritt zutage für denjenigen, der die Wirklichkeit durchschaut, daß von allen Kanzeln fortwährend geredet wird von der Prädestination, und da man diese nicht denken kann ohne die wiederholten Erdenleben, so wird in Wahrheit geredet von diesen Erdenleben, nämlich von dem eigenen Selbst, das durch diese geht, und es wird gleichzeitig verleugnet die Tatsache dieser wiederholten Erdenleben. In Wahrheit wird von nichts mehr geredet als von dem, was Anthroposophie zum bewußten Erkennen der Menschen bringen will.

[ 8 ] Nun finden die Menschen, daß es notwendig ist, der Sache einen Namen unbekannten Ursprungs beizulegen. Sie reden eigentlich davon, daß aus dem Unterbewußten etwas heraufdämmere, was man erfahren kann im mystischen Erleben. Sie nennen es das Zusammensein des Menschen mit Gott. In Wirklichkeit ist es das Zusammensein des Menschen mit sich selbst, mit seinem Selbst, wie es war vor der Geburt. Nennt man es Gott und fordert die Menschen auf, es anzubeten, so fordert man die Menschen auf, sich selber anzubeten. Götzendienst mit sich selbst ist heute vielfach dasjenige, was als Religion gefeiert wird. Das auszusprechen ist heute notwendig, weil es den ganzen Ernst der Wirklichkeit bezeichnet. Aber es ist zu gleicher Zeit unbequem, weil es ja hinweist auf die ungeheuer tiefgehende Lebenslüge, die unser Leben durchzieht.

[ 8 ] Nun finden die Menschen, daß es notwendig ist, der Sache einen Namen unbekannten Ursprungs beizulegen. Sie reden eigentlich davon, daß aus dem Unterbewußten etwas heraufdämmere, was man erfahren kann im mystischen Erleben. Sie nennen es das Zusammensein des Menschen mit Gott. In Wirklichkeit ist es das Zusammensein des Menschen mit sich selbst, mit seinem Selbst, wie es war vor der Geburt. Nennt man es Gott und fordert die Menschen auf, es anzubeten, so fordert man die Menschen auf, sich selber anzubeten. Götzendienst mit sich selbst ist heute vielfach dasjenige, was als Religion gefeiert wird. Das auszusprechen ist heute notwendig, weil es den ganzen Ernst der Wirklichkeit bezeichnet. Aber es ist zu gleicher Zeit unbequem, weil es ja hinweist auf die ungeheuer tiefgehende Lebenslüge, die unser Leben durchzieht.

[ 9 ] Zu dieser Lebenslüge hat im wesentlichen dasjenige geführt, was ich schon hier erwähnt habe: daß im Jahre 869 auf dem achten allgemeinen ökumenischen Konzil von Konstantinopel der Geist abgeschafft worden ist. Ich habe erwähnt, daß die philosophischen, vorurteilslosen Leute, die von der sogenannten voraussetzungslosen Wissenschaft ausgehen, heute davon sprechen, der Mensch bestehe aus Leib und Seele. In Wahrheit besteht er aus Leib, Seele und Geist. Aber im Jahr 869 ist verboten worden, vom Geist zu sprechen. Und es ist ja nichts, nichts so sehr vermieden von den christlichen Philosophen des Mittelalters, als von der sogenannten Trichotomie, von dem Geist zu sprechen. Sobald man aber die Trichotomie verließ, von welcher zum Beispiel noch ausgegangen war Dionysios der Areopagite, von dem noch Abschriften angefertigt worden sind im 6. Jahrhundert, die noch alle von den höheren Hierarchien sprechen, sobald man Abschied nahm von dem, was man auch in der heutigen Zeit so eifrig bekämpft, von der alten Gnosis, die ja heute natürlich in einer anderen Form uns entgegentreten muß, die aber eben für ihre Zeit ein ungeheuer Hohes war, sobald man von ihr Abschied nahm und Rücksicht nahm auf die Bequemlichkeit des Intellekts, war man auch dazu verurteilt, allmählich von etwas zu sprechen, was eigentlich seelisch in eine furchtbare Lebenslüge hineinführt. Kein Wunder, daß, weil Geisteswissenschaft die Wahrheit sagen muß über diese Dinge, sie heute die heftigste Gegnerschaft erweckt. Und man läßt sich ja heute vielfach nicht ein auf das, was eigentlich die Menschen in ihrem Inneren zum Ausdruck bringen wollen, sondern es ist wirklich so, daß die Menschen zum großen Teile heute das seelische Zuhören vollständig verlernt haben.

[ 9 ] Zu dieser Lebenslüge hat im wesentlichen dasjenige geführt, was ich schon hier erwähnt habe: daß im Jahre 869 auf dem achten allgemeinen ökumenischen Konzil von Konstantinopel der Geist abgeschafft worden ist. Ich habe erwähnt, daß die philosophischen, vorurteilslosen Leute, die von der sogenannten voraussetzungslosen Wissenschaft ausgehen, heute davon sprechen, der Mensch bestehe aus Leib und Seele. In Wahrheit besteht er aus Leib, Seele und Geist. Aber im Jahr 869 ist verboten worden, vom Geist zu sprechen. Und es ist ja nichts, nichts so sehr vermieden von den christlichen Philosophen des Mittelalters, als von der sogenannten Trichotomie, von dem Geist zu sprechen. Sobald man aber die Trichotomie verließ, von welcher zum Beispiel noch ausgegangen war Dionysios der Areopagite, von dem noch Abschriften angefertigt worden sind im 6. Jahrhundert, die noch alle von den höheren Hierarchien sprechen, sobald man Abschied nahm von dem, was man auch in der heutigen Zeit so eifrig bekämpft, von der alten Gnosis, die ja heute natürlich in einer anderen Form uns entgegentreten muß, die aber eben für ihre Zeit ein ungeheuer Hohes war, sobald man von ihr Abschied nahm und Rücksicht nahm auf die Bequemlichkeit des Intellekts, war man auch dazu verurteilt, allmählich von etwas zu sprechen, was eigentlich seelisch in eine furchtbare Lebenslüge hineinführt. Kein Wunder, daß, weil Geisteswissenschaft die Wahrheit sagen muß über diese Dinge, sie heute die heftigste Gegnerschaft erweckt. Und man läßt sich ja heute vielfach nicht ein auf das, was eigentlich die Menschen in ihrem Inneren zum Ausdruck bringen wollen, sondern es ist wirklich so, daß die Menschen zum großen Teile heute das seelische Zuhören vollständig verlernt haben.

[ 10 ] Das tritt ja manchmal in grotesken Beispielen an die Oberfläche. Den Leuten kommt es gar nicht mehr darauf an, was in Wirklichkeit gesagt wird, sondern darauf, irgend etwas selber zu sagen, ganz gleichgültig, ob es trifft oder nicht trifft. Das ist nicht eine vereinzelte Erscheinung, das ist typisch, das geschieht überall auf Schritt und Tritt. Beispiele dafür könnte ich Ihnen nicht in hundert-, sondern in tausendfältiger Weise erzählen. So geht es zu auf literarischen Gebieten, so geht es auch zu auf dem großen Welttableau.

[ 10 ] Das tritt ja manchmal in grotesken Beispielen an die Oberfläche. Den Leuten kommt es gar nicht mehr darauf an, was in Wirklichkeit gesagt wird, sondern darauf, irgend etwas selber zu sagen, ganz gleichgültig, ob es trifft oder nicht trifft. Das ist nicht eine vereinzelte Erscheinung, das ist typisch, das geschieht überall auf Schritt und Tritt. Beispiele dafür könnte ich Ihnen nicht in hundert-, sondern in tausendfältiger Weise erzählen. So geht es zu auf literarischen Gebieten, so geht es auch zu auf dem großen Welttableau.

[ 11 ] Mit solchen Dingen, mit solcher geistigen Verfassung der Gegenwart hängt aber innig zusammen, was in der Gegenwart überhaupt impulsierend ist, was die Gegenwart treibt und schließlich in eine solche Katastrophe hineingeführt hat. Darauf muß man immer und immer wiederum hinweisen. Es finden sich ja immer noch heute Leute gedrängt, von Nächstenliebe zu sprechen, davon zu sprechen, daß man verständnisvoll, daß man liebevoll auf den anderen einzugehen hat. Aber in Wirklichkeit ist das alles nicht vorhanden, sondern in Wirklichkeit ist die Grundstimmung die, welche bei Fritz Mauthner sich ausspricht, in dem Ihnen bekannten Falle Boll, wo er fürchterlich losschimpft auf einen, der eigentlich ganz mit ihm einverstanden ist.

[ 11 ] Mit solchen Dingen, mit solcher geistigen Verfassung der Gegenwart hängt aber innig zusammen, was in der Gegenwart überhaupt impulsierend ist, was die Gegenwart treibt und schließlich in eine solche Katastrophe hineingeführt hat. Darauf muß man immer und immer wiederum hinweisen. Es finden sich ja immer noch heute Leute gedrängt, von Nächstenliebe zu sprechen, davon zu sprechen, daß man verständnisvoll, daß man liebevoll auf den anderen einzugehen hat. Aber in Wirklichkeit ist das alles nicht vorhanden, sondern in Wirklichkeit ist die Grundstimmung die, welche bei Fritz Mauthner sich ausspricht, in dem Ihnen bekannten Falle Boll, wo er fürchterlich losschimpft auf einen, der eigentlich ganz mit ihm einverstanden ist.

[ 12 ] In solchen Dingen drückt sich charakteristisch und typisch das aus, was man in der Gegenwart klar und scharf ins Auge zu fassen hat. Nur wenn man den Willen dazu entwickelt, einzugehen auf solche Dinge, wird man den Standpunkt finden, der notwendig ist, um heute irgendwie an einem Ort, auf den man durch sein Karma gestellt ist, im Sinne der Menschheitsentwickelung vorwärts zu kommen.

[ 12 ] In solchen Dingen drückt sich charakteristisch und typisch das aus, was man in der Gegenwart klar und scharf ins Auge zu fassen hat. Nur wenn man den Willen dazu entwickelt, einzugehen auf solche Dinge, wird man den Standpunkt finden, der notwendig ist, um heute irgendwie an einem Ort, auf den man durch sein Karma gestellt ist, im Sinne der Menschheitsentwickelung vorwärts zu kommen.

[ 13 ] Erkennen müssen wird man heute vor allen Dingen folgendes: Man wird wirklich hinschauen müssen auf dasjenige, was sich im Menschenwesen entwickelt hat vom letzten Tod bis zu der jetzigen Geburt. Man wird nicht mehr weiter sich täuschen können, sich Illusionen vormachen können durch Selbstvergötterung, durch Selbstanbetung, indem man dasjenige, was man eigentlich in sich findet als sein wirkliches Ich, Gott nennt. Man wird sich nicht mehr solchen Täuschungen hingeben können, sondern wird hinschauen müssen auf das, was wie ein Erbgut aus geistigen Welten jeder durch seine Geburt in sein physisches Dasein hereinbringt. Wo steckt das eigentlich? Ja, meine lieben Freunde, wir bringen es alle mit herein, wir bringen ein ungeheures Weisheits- und Geistesgut durch unsere Geburt ins physische Dasein herein. Wo steckt es denn? Wir sind, indem wir geboren werden, alle so weise, daß wir es gar nicht glauben können, wie weise wir sind. Aber wo steckt diese Weisheit? Auf der einen Seite steckt sie verzaubert in unserer Leiblichkeit und ihren Anlagen, mit denen sie sich vereinigt hat, und auf der anderen Seite in unserem Schicksal. Daraus will sie erlöst werden. Und im heutigen Zeitenzyklus der Menschheit liegt es, daß dieses Erbgut durch die freie Betätigung des Menschen erlöst werde, heraufgeholt werde als höhere Ich-Erkenntnis dessen, was verzaubert in uns selber und unserem Schicksal liegt. Wir können dadurch, daß wir uns klarmachen: Der heutige Mensch lebt anders als der Mensch verflossener Kulturepochen —, über solche Dinge auch zu einiger Einsicht . kommen.

[ 13 ] Erkennen müssen wird man heute vor allen Dingen folgendes: Man wird wirklich hinschauen müssen auf dasjenige, was sich im Menschenwesen entwickelt hat vom letzten Tod bis zu der jetzigen Geburt. Man wird nicht mehr weiter sich täuschen können, sich Illusionen vormachen können durch Selbstvergötterung, durch Selbstanbetung, indem man dasjenige, was man eigentlich in sich findet als sein wirkliches Ich, Gott nennt. Man wird sich nicht mehr solchen Täuschungen hingeben können, sondern wird hinschauen müssen auf das, was wie ein Erbgut aus geistigen Welten jeder durch seine Geburt in sein physisches Dasein hereinbringt. Wo steckt das eigentlich? Ja, meine lieben Freunde, wir bringen es alle mit herein, wir bringen ein ungeheures Weisheits- und Geistesgut durch unsere Geburt ins physische Dasein herein. Wo steckt es denn? Wir sind, indem wir geboren werden, alle so weise, daß wir es gar nicht glauben können, wie weise wir sind. Aber wo steckt diese Weisheit? Auf der einen Seite steckt sie verzaubert in unserer Leiblichkeit und ihren Anlagen, mit denen sie sich vereinigt hat, und auf der anderen Seite in unserem Schicksal. Daraus will sie erlöst werden. Und im heutigen Zeitenzyklus der Menschheit liegt es, daß dieses Erbgut durch die freie Betätigung des Menschen erlöst werde, heraufgeholt werde als höhere Ich-Erkenntnis dessen, was verzaubert in uns selber und unserem Schicksal liegt. Wir können dadurch, daß wir uns klarmachen: Der heutige Mensch lebt anders als der Mensch verflossener Kulturepochen —, über solche Dinge auch zu einiger Einsicht . kommen.

[ 14 ] Ich will Sie an etwas erinnern, was ich auch hier schon erwähnt habe. Ich habe erwähnt, daß im ersten Kulturzeitraum der nachatlantischen Epoche der Mensch in anderer Weise lebte als heute. Er lebte geistig-seelisch das mit, was körperlich sich in ihm darlebte. So wie wir als Kinder heute den Zahnwechsel als einen besonderen Umschwung miterleben, die Geschlechtsreife auch im Seelischen als Umschwung erleben, so erlebte bis in die Fünfzigerjahre hinein der Mensch der ersten nachatlantischen Kulturperiode sein leibliches Werden. Dann kam die Zeit, wo man das nur bis in die Vierzigerjahre hinein erlebte, dann bis in die Dreißigerjahre. Wir erleben heute diese Dinge nur bis in die Zwanzigerjahre hinein. Bis in die Zwanzigerjahre hinein erlebt der Mensch heute dasjenige, was leiblich, körperlich in ihm vorgeht; dann wird er gewissermaßen emanzipiert. Er kann nicht mehr das, was in der absteigenden Lebensentwickelung lebt, von selbst erleben; er muß es dadurch erleben, daß er sich seelisch von dem Geistigen anregen läßt. Die Geisteswissenschaft muß den Impuls geben, um das zu erlösen, was in unserem Leibe oder in unserem Schicksal verzaubert liegt. Dazu ist unsere heutige Erziehung lange noch nicht einmal herangedrungen, geschweige denn vorgedrungen. Das wird man einsehen müssen, daß in frühester Jugend in den Menschen ein Impuls gelegt werden muß, damit der Mensch verstehen lerne, älter zu werden. Die Menschen verstehen heute nicht, alt zu werden. Sie verstehen höchstens, daß sie graue Haare bekommen oder — heute besonders häufig — frühe Glatzen oder ähnliche Alterszeichen, aber es ist nicht dasjenige da, was da sein kann in den Menschen: die Erwartung, die hoffnungsvolle Erwartung auf jedes neue Jahr, mit der Gewißheit: Man erlebt, indem man älter wird, jedes Jahr etwas, was man gar nicht früher erleben kann. Jedes Jahr bringt ein Neues, jedes Jahr bringt eine neue Offenbarung, wenn man es zu nützen versteht.

[ 14 ] Ich will Sie an etwas erinnern, was ich auch hier schon erwähnt habe. Ich habe erwähnt, daß im ersten Kulturzeitraum der nachatlantischen Epoche der Mensch in anderer Weise lebte als heute. Er lebte geistig-seelisch das mit, was körperlich sich in ihm darlebte. So wie wir als Kinder heute den Zahnwechsel als einen besonderen Umschwung miterleben, die Geschlechtsreife auch im Seelischen als Umschwung erleben, so erlebte bis in die Fünfzigerjahre hinein der Mensch der ersten nachatlantischen Kulturperiode sein leibliches Werden. Dann kam die Zeit, wo man das nur bis in die Vierzigerjahre hinein erlebte, dann bis in die Dreißigerjahre. Wir erleben heute diese Dinge nur bis in die Zwanzigerjahre hinein. Bis in die Zwanzigerjahre hinein erlebt der Mensch heute dasjenige, was leiblich, körperlich in ihm vorgeht; dann wird er gewissermaßen emanzipiert. Er kann nicht mehr das, was in der absteigenden Lebensentwickelung lebt, von selbst erleben; er muß es dadurch erleben, daß er sich seelisch von dem Geistigen anregen läßt. Die Geisteswissenschaft muß den Impuls geben, um das zu erlösen, was in unserem Leibe oder in unserem Schicksal verzaubert liegt. Dazu ist unsere heutige Erziehung lange noch nicht einmal herangedrungen, geschweige denn vorgedrungen. Das wird man einsehen müssen, daß in frühester Jugend in den Menschen ein Impuls gelegt werden muß, damit der Mensch verstehen lerne, älter zu werden. Die Menschen verstehen heute nicht, alt zu werden. Sie verstehen höchstens, daß sie graue Haare bekommen oder — heute besonders häufig — frühe Glatzen oder ähnliche Alterszeichen, aber es ist nicht dasjenige da, was da sein kann in den Menschen: die Erwartung, die hoffnungsvolle Erwartung auf jedes neue Jahr, mit der Gewißheit: Man erlebt, indem man älter wird, jedes Jahr etwas, was man gar nicht früher erleben kann. Jedes Jahr bringt ein Neues, jedes Jahr bringt eine neue Offenbarung, wenn man es zu nützen versteht.

[ 15 ] Die Stimmung freilich muß über die Menschen dann kommen, durch die sie sich sagen: Jetzt werde ich zwanzig Jahre alt, der Dreißig- bis Vierzigjährige hat etwas erlebt, was ich heute noch nicht erleben kann. Ich muß warten, dann wird sich mir das offenbaren. — Bedenken Sie nur einmal ganz im Ernste in allen Teilen, was das eigentlich bedeuten würde, wenn die Erziehung dahin wirken würde, daß man hoffnungsvoll erwartend das Herankommen seines Lebens erschaut. Die gegenteilige Stimmung wird heute großgezogen. In die Staatsparlamente und in die anderen Parlamente wollen die Leute in frühester Jugend gewählt werden, weil sie. glauben, man ist in frühester Jugend fertig, man hat das schon alles. Was trifft man heute öfter, als daß die jüngsten Dachse und Dachsinnen bei jeder Gelegenheit sagen: Das ist mein Standpunkt! — Jeder hat heute schon einen Standpunkt in der allerfrühesten Lebensjugend. Es ist den Menschen vollständig unbekannt, daß erwartungsvoll die Hoffnung lebt, das Leben berge Geheimnisse, die sich nach und nach offenbaren. Es würde aber viel bedeuten, wenn das in unsere Erziehung hineinkäme. Dann würde man den Willen haben, nach und nach dasjenige zu erlösen, was in unseren Leib und in unser Schicksal hineinverzaubert ist.

[ 15 ] Die Stimmung freilich muß über die Menschen dann kommen, durch die sie sich sagen: Jetzt werde ich zwanzig Jahre alt, der Dreißig- bis Vierzigjährige hat etwas erlebt, was ich heute noch nicht erleben kann. Ich muß warten, dann wird sich mir das offenbaren. — Bedenken Sie nur einmal ganz im Ernste in allen Teilen, was das eigentlich bedeuten würde, wenn die Erziehung dahin wirken würde, daß man hoffnungsvoll erwartend das Herankommen seines Lebens erschaut. Die gegenteilige Stimmung wird heute großgezogen. In die Staatsparlamente und in die anderen Parlamente wollen die Leute in frühester Jugend gewählt werden, weil sie. glauben, man ist in frühester Jugend fertig, man hat das schon alles. Was trifft man heute öfter, als daß die jüngsten Dachse und Dachsinnen bei jeder Gelegenheit sagen: Das ist mein Standpunkt! — Jeder hat heute schon einen Standpunkt in der allerfrühesten Lebensjugend. Es ist den Menschen vollständig unbekannt, daß erwartungsvoll die Hoffnung lebt, das Leben berge Geheimnisse, die sich nach und nach offenbaren. Es würde aber viel bedeuten, wenn das in unsere Erziehung hineinkäme. Dann würde man den Willen haben, nach und nach dasjenige zu erlösen, was in unseren Leib und in unser Schicksal hineinverzaubert ist.

[ 16 ] Allerdings, man wird die Kultur, wie sie sich allmählich entwickelt hat, in einem ganz besonderen Lichte sehen müssen, wenn man sich über solche Dinge wird aufklären wollen. Man wird sich fragen müssen: Wie findet man eigentlich den richtigen Standpunkt, um das, was in uns verzaubert liegt, nach und nach zu erlösen? — Ja, man wird sich vielleicht sogar etwas anderes noch als Frage vorlegen müssen: Warum soll man denn das, was man in Verzauberung in sich hat, erlösen? Ist es nicht viel bequemer, das da unten dem Fleisch und den Nerven und dem Blut zu überlassen? Da kann es ja ruhen, bis man stirbt, und in die andere Welt hineinkommen; da kann es ja sein Dasein fristen. Man überläßt den Nerven, den Muskeln, dem Schicksal, was in einem verzaubert liegt. Warum soll man denn das erlösen? — Man soll und muß es aus dem Grund erlösen, weil der Geist auf seinem Wege ganz bestimmten Gesetzen unterliegt. Dasjenige, was uns mitgegeben wird als Erbgut aus geistigen Welten, das will heraus, will aus seiner Gefangenschaft befreit sein. Und das tritt ein, indem es aufgenommen wird in das Bewußtsein. Was im Leib und im Schicksale liegt, will heraufwandern in unser Bewußtsein. Es hat seinen richtigen Hort in unserem Bewußtsein. Es soll in unserem Bewußtsein leben, nicht verzaubert in unserem Nervensystem und Blutsystem, in unseren Muskeln oder in unseren Knochen. Denn bleibt es in den Nerven, Muskeln, Knochen oder in dem unbestimmten, nur erlittenen Schicksal, dann verwandelt sich dieses Geistige in etwas anderes: in schlechte Kräfte. Es ist dazu bestimmt, durch das Bewußtsein ins Leben getragen zu werden. Bleibt es außer dem Bewußtsein mit dem Menschen vereint, so verwandelt es sich entweder in luziferische oder in ahrimanische Kräfte, es wird Ahriman oder Luzifer nach und nach übergeben.

[ 16 ] Allerdings, man wird die Kultur, wie sie sich allmählich entwickelt hat, in einem ganz besonderen Lichte sehen müssen, wenn man sich über solche Dinge wird aufklären wollen. Man wird sich fragen müssen: Wie findet man eigentlich den richtigen Standpunkt, um das, was in uns verzaubert liegt, nach und nach zu erlösen? — Ja, man wird sich vielleicht sogar etwas anderes noch als Frage vorlegen müssen: Warum soll man denn das, was man in Verzauberung in sich hat, erlösen? Ist es nicht viel bequemer, das da unten dem Fleisch und den Nerven und dem Blut zu überlassen? Da kann es ja ruhen, bis man stirbt, und in die andere Welt hineinkommen; da kann es ja sein Dasein fristen. Man überläßt den Nerven, den Muskeln, dem Schicksal, was in einem verzaubert liegt. Warum soll man denn das erlösen? — Man soll und muß es aus dem Grund erlösen, weil der Geist auf seinem Wege ganz bestimmten Gesetzen unterliegt. Dasjenige, was uns mitgegeben wird als Erbgut aus geistigen Welten, das will heraus, will aus seiner Gefangenschaft befreit sein. Und das tritt ein, indem es aufgenommen wird in das Bewußtsein. Was im Leib und im Schicksale liegt, will heraufwandern in unser Bewußtsein. Es hat seinen richtigen Hort in unserem Bewußtsein. Es soll in unserem Bewußtsein leben, nicht verzaubert in unserem Nervensystem und Blutsystem, in unseren Muskeln oder in unseren Knochen. Denn bleibt es in den Nerven, Muskeln, Knochen oder in dem unbestimmten, nur erlittenen Schicksal, dann verwandelt sich dieses Geistige in etwas anderes: in schlechte Kräfte. Es ist dazu bestimmt, durch das Bewußtsein ins Leben getragen zu werden. Bleibt es außer dem Bewußtsein mit dem Menschen vereint, so verwandelt es sich entweder in luziferische oder in ahrimanische Kräfte, es wird Ahriman oder Luzifer nach und nach übergeben.

[ 17 ] Aber man hat eine lange Zeit mit luziferischen Kräften in unserer abendländischen Kulturentwickelung gerechnet und schickt sich eben jetzt an, durch eine ganz besonders angesehene geistige Strömung mit ahrimanischen Kräften zu rechnen, mit ihnen weiter zu leben. Der Mensch soll ja hineingestellt werden in das Leben, soll seinen Platz finden im Leben: daraufhin erzieht man ihn. Man züchtet gewisse Impulse, gewisse Empfindungen, gewisse Gefühle. Was hat man denn insbesondere für Impulse, für Gefühle benützt? Sehen Sie sich um in der Welt, jetzt ist es im Abnehmen, wird sehr bald sehr wenig bedeuten, aber es hat durch Jahrhunderte viel, viel bedeutet: Orden, Ehrenzeichen, Titel, Würden. Aber was steckt hinter all dem? Gefühle, Empfindungen, die einen darnach streben lassen, Triebe, Begierden, Luziferisches in der Menschheit zu entwickeln. Denken Sie nach, wieviel Luziferisches in der Menschennatur angestrebt wurde, angezüchtet wurde, um auf dem Umweg durch dieses Luziferische den Menschen hinzustellen auf den Platz, auf den man ihn eben stellen wollte. Das war die luziferische Periode. Sie ist im Abfluten. Man braucht heute über sie kaum mehr zu reden, denn dasjenige, was auf diesem Gebiete geschieht, ist im Abfluten. Wenn auch die Menschen noch nicht glauben, wie sehr dies der Fall ist, sie werden es schon sehen. Man redet von etwas, was im Abfluten ist, wenn man von den eigentlich luziferischen Kulturimpulsen redet.

[ 17 ] Aber man hat eine lange Zeit mit luziferischen Kräften in unserer abendländischen Kulturentwickelung gerechnet und schickt sich eben jetzt an, durch eine ganz besonders angesehene geistige Strömung mit ahrimanischen Kräften zu rechnen, mit ihnen weiter zu leben. Der Mensch soll ja hineingestellt werden in das Leben, soll seinen Platz finden im Leben: daraufhin erzieht man ihn. Man züchtet gewisse Impulse, gewisse Empfindungen, gewisse Gefühle. Was hat man denn insbesondere für Impulse, für Gefühle benützt? Sehen Sie sich um in der Welt, jetzt ist es im Abnehmen, wird sehr bald sehr wenig bedeuten, aber es hat durch Jahrhunderte viel, viel bedeutet: Orden, Ehrenzeichen, Titel, Würden. Aber was steckt hinter all dem? Gefühle, Empfindungen, die einen darnach streben lassen, Triebe, Begierden, Luziferisches in der Menschheit zu entwickeln. Denken Sie nach, wieviel Luziferisches in der Menschennatur angestrebt wurde, angezüchtet wurde, um auf dem Umweg durch dieses Luziferische den Menschen hinzustellen auf den Platz, auf den man ihn eben stellen wollte. Das war die luziferische Periode. Sie ist im Abfluten. Man braucht heute über sie kaum mehr zu reden, denn dasjenige, was auf diesem Gebiete geschieht, ist im Abfluten. Wenn auch die Menschen noch nicht glauben, wie sehr dies der Fall ist, sie werden es schon sehen. Man redet von etwas, was im Abfluten ist, wenn man von den eigentlich luziferischen Kulturimpulsen redet.

[ 18 ] Aber die ahrimanischen ziehen in bedrohlicher Form herauf. Ein Beispiel dafür: Jetzt eben geht — ja, wie nennt man es? — durch den deutschen und durch den anderen kulturellen «Gelehrtenwald» gerade in ruhmvoller Vertretung dasjenige, wovon man sich so ungeheuer viel verspricht für die Kultivierung der Menschheit in der Zukunft, dasjenige, was man die Begabtenprüfung nennt, das Prüfen der menschlichen Begabungen. Es haben sich ja innerhalb der Gelehrtenwelt in der neuesten Zeit ganz besondere Pflanzen ergeben: das sind gewisse Psychologen, gewisse Seelenkenner. Sie treiben Experimentalpsychologie, sie experimentieren an den Menschen herum, um das Seelische zu erforschen. Nun, in der allerletzten Zeit haben sich diese Menschen auch über die Jugend hergemacht. Weil man eigentlich nicht mehr zurechtkommt mit dem alten Examenwesen und der alten sozialen Ordnung, macht man sich über die Jugend her und prüft die Begabungen, damit, wie man sagt — das ist ja an hervorragenden Stellen schon gesagt worden —, der rechte Mann an den rechten Platz gestellt wird. Da muß man selbstverständlich schon beim Kinde anfangen, um zu prüfen, wie man den Rechten findet. Man prüft zunächst die Auffassungsfähigkeit, indem man allerlei Experimente anstellt: wie schnell ein Kind das oder jenes errät, was irgendein unbestimmtes Zeug ist, in das es einen Sinn hineinlegen soll. Man prüft dann die Intelligenz, man prüft das Gedächtnis. Die Intelligenz zum Beispiel dadurch, daß man zwei möglichst unzusammenhängende Worte dem Kinde oder dem jungen Menschen vorlegt, sagen wir zum Beispiel «Spiegel» und «Räuber». Und dann weist man so eine Anzahl von jungen Leuten, deren Intelligenz man prüfen will, an, diese Worte sinnvoll zu verbinden, zu sagen, was sie zwischen diese Worte Spiegel und Räuber hineinsetzen wollen. Der eine setzt hinein: Auch ein Räuber kann sich, wenn er sich im Spiegel sieht, selber begucken. — Den betrachtet man als den Unintelligentesten. Ein anderer denkt sich aus: Derjenige, der von dem Räuber bestohlen oder gar getötet werden soll, hat einen Spiegel; da sieht er von weitem den Räuber herankommen und er kann sich retten. — Das ist ein intelligenterer Knabe oder ein intelligenteres Mädchen.

[ 18 ] Aber die ahrimanischen ziehen in bedrohlicher Form herauf. Ein Beispiel dafür: Jetzt eben geht — ja, wie nennt man es? — durch den deutschen und durch den anderen kulturellen «Gelehrtenwald» gerade in ruhmvoller Vertretung dasjenige, wovon man sich so ungeheuer viel verspricht für die Kultivierung der Menschheit in der Zukunft, dasjenige, was man die Begabtenprüfung nennt, das Prüfen der menschlichen Begabungen. Es haben sich ja innerhalb der Gelehrtenwelt in der neuesten Zeit ganz besondere Pflanzen ergeben: das sind gewisse Psychologen, gewisse Seelenkenner. Sie treiben Experimentalpsychologie, sie experimentieren an den Menschen herum, um das Seelische zu erforschen. Nun, in der allerletzten Zeit haben sich diese Menschen auch über die Jugend hergemacht. Weil man eigentlich nicht mehr zurechtkommt mit dem alten Examenwesen und der alten sozialen Ordnung, macht man sich über die Jugend her und prüft die Begabungen, damit, wie man sagt — das ist ja an hervorragenden Stellen schon gesagt worden —, der rechte Mann an den rechten Platz gestellt wird. Da muß man selbstverständlich schon beim Kinde anfangen, um zu prüfen, wie man den Rechten findet. Man prüft zunächst die Auffassungsfähigkeit, indem man allerlei Experimente anstellt: wie schnell ein Kind das oder jenes errät, was irgendein unbestimmtes Zeug ist, in das es einen Sinn hineinlegen soll. Man prüft dann die Intelligenz, man prüft das Gedächtnis. Die Intelligenz zum Beispiel dadurch, daß man zwei möglichst unzusammenhängende Worte dem Kinde oder dem jungen Menschen vorlegt, sagen wir zum Beispiel «Spiegel» und «Räuber». Und dann weist man so eine Anzahl von jungen Leuten, deren Intelligenz man prüfen will, an, diese Worte sinnvoll zu verbinden, zu sagen, was sie zwischen diese Worte Spiegel und Räuber hineinsetzen wollen. Der eine setzt hinein: Auch ein Räuber kann sich, wenn er sich im Spiegel sieht, selber begucken. — Den betrachtet man als den Unintelligentesten. Ein anderer denkt sich aus: Derjenige, der von dem Räuber bestohlen oder gar getötet werden soll, hat einen Spiegel; da sieht er von weitem den Räuber herankommen und er kann sich retten. — Das ist ein intelligenterer Knabe oder ein intelligenteres Mädchen.

[ 19 ] Es liegen jetzt Zeitschriften auf, in denen man diese haarsträubenden Methoden, die Intelligenz zu prüfen, geschildert findet; sie werden als eine besondere Errungenschaft der Gegenwart entwickelt und analysiert. Auf diese Weise wird das Gedächtnis, wird die Intelligenz geprüft. Man geht da statistisch vor. Derjenige, der am meisten erzählt hat von dem, was zum Beispiel zwischen Räuber und Spiegel sich ereignen kann, bei dem werden zwei oder mehr Zeichen gemacht, wie bei der Zensur, und wer dann die meisten Strichelchen hat, wer am meisten geistvolle Zusammenhänge hat finden können, der ist der Intelligenteste. Das ist der Mann oder die Frau, die irgendwie an besonderen Hochschulen durch alle möglichen Unterstützungen zu fördern sind, und dergleichen mehr. Das Charakteristische bei diesen Dingen, die heute wirklich als eine besondere Errungenschaft der Menschheit gerühmt werden — und die wackersten Pädagogen setzen sich mit all ihrer Energie für diese Begabtenprüfungen ein —, ist, daß man überhaupt auf diese Weise an das Seelische nicht herankommt, sondern nur im Menschen prüft, was ahrimanisch in seiner Körperlichkeit ruht, daß man auf diese Weise nur prüft, wie stark Ahriman sich entwickeln kann durch den einen oder anderen jungen Menschen. Was man einführen wird auf diese Weise in die menschliche Kultur, das werden die ahrimanischen Impulse sein. Aber solchen Illusionen, solchen Täuschungen gibt man sich heute hin.

[ 19 ] Es liegen jetzt Zeitschriften auf, in denen man diese haarsträubenden Methoden, die Intelligenz zu prüfen, geschildert findet; sie werden als eine besondere Errungenschaft der Gegenwart entwickelt und analysiert. Auf diese Weise wird das Gedächtnis, wird die Intelligenz geprüft. Man geht da statistisch vor. Derjenige, der am meisten erzählt hat von dem, was zum Beispiel zwischen Räuber und Spiegel sich ereignen kann, bei dem werden zwei oder mehr Zeichen gemacht, wie bei der Zensur, und wer dann die meisten Strichelchen hat, wer am meisten geistvolle Zusammenhänge hat finden können, der ist der Intelligenteste. Das ist der Mann oder die Frau, die irgendwie an besonderen Hochschulen durch alle möglichen Unterstützungen zu fördern sind, und dergleichen mehr. Das Charakteristische bei diesen Dingen, die heute wirklich als eine besondere Errungenschaft der Menschheit gerühmt werden — und die wackersten Pädagogen setzen sich mit all ihrer Energie für diese Begabtenprüfungen ein —, ist, daß man überhaupt auf diese Weise an das Seelische nicht herankommt, sondern nur im Menschen prüft, was ahrimanisch in seiner Körperlichkeit ruht, daß man auf diese Weise nur prüft, wie stark Ahriman sich entwickeln kann durch den einen oder anderen jungen Menschen. Was man einführen wird auf diese Weise in die menschliche Kultur, das werden die ahrimanischen Impulse sein. Aber solchen Illusionen, solchen Täuschungen gibt man sich heute hin.

[ 20 ] Das muß aber das Bedeutsame in unserer geisteswissenschaftlichen Entwickelung sein, daß deren Ernst erkannt wird. Gewiß, in kleinen Konventikeln kann man sich zusammensetzen und, wie ich gesagt habe, in familienartiger Behaglichkeit Vorträge vorlesen: Das tut nicht weh, beziehungsweise dasjenige, was von außen kommt, tut dann nicht weh. Aber indem sich diese Geisteswissenschaft allmählich auszubreiten beginnt, beginnt auch der Ernst, und dieser Ernst kann nur darin bestehen, daß man sich rückhaltlos einläßt auf das, was aufzunehmen ist im Zusammenhang mit dem, was um uns herum sich entwickelt. Es ist notwendig, daß man diese Dinge versteht, und sie so tief versteht, als sie zu verstehen sind; notwendig, daß man die Beweglichkeit des Geistes entwickle, die es ermöglicht, aus dem Sektiererischen herauszukommen zu einer weltmännischen Erfassung dessen, was in unserer geisteswissenschaftlichen Strömung darinnen sein soll. Denn aus dieser Geisteswissenschaft müssen verschiedene Impulse kommen, die gesunde Impulse sind gegenüber mancherlei, das in unserer Zeit in der Gestalt auftaucht, die eine dekadente, eine niedergehende ist. Vor allen Dingen ist innerhalb derer, die in diese geisteswissenschaftliche Strömung eintreten wollen, Freiheit, Auf-sich-Gestelltheit des Geistes notwendig.

[ 20 ] Das muß aber das Bedeutsame in unserer geisteswissenschaftlichen Entwickelung sein, daß deren Ernst erkannt wird. Gewiß, in kleinen Konventikeln kann man sich zusammensetzen und, wie ich gesagt habe, in familienartiger Behaglichkeit Vorträge vorlesen: Das tut nicht weh, beziehungsweise dasjenige, was von außen kommt, tut dann nicht weh. Aber indem sich diese Geisteswissenschaft allmählich auszubreiten beginnt, beginnt auch der Ernst, und dieser Ernst kann nur darin bestehen, daß man sich rückhaltlos einläßt auf das, was aufzunehmen ist im Zusammenhang mit dem, was um uns herum sich entwickelt. Es ist notwendig, daß man diese Dinge versteht, und sie so tief versteht, als sie zu verstehen sind; notwendig, daß man die Beweglichkeit des Geistes entwickle, die es ermöglicht, aus dem Sektiererischen herauszukommen zu einer weltmännischen Erfassung dessen, was in unserer geisteswissenschaftlichen Strömung darinnen sein soll. Denn aus dieser Geisteswissenschaft müssen verschiedene Impulse kommen, die gesunde Impulse sind gegenüber mancherlei, das in unserer Zeit in der Gestalt auftaucht, die eine dekadente, eine niedergehende ist. Vor allen Dingen ist innerhalb derer, die in diese geisteswissenschaftliche Strömung eintreten wollen, Freiheit, Auf-sich-Gestelltheit des Geistes notwendig.

[ 21 ] Mit dem Autoritätsglauben geht es bei uns gar nicht, nur mit dem Aneignen eines freien, selbständigen Urteils. Denn nichts von dem, was gesagt wird auf geisteswissenschaftlichem Gebiet, kann generalisiert, verallgemeinert werden; alles gilt individuell, alles gilt im Konkreten für den besonderen Fall. Es ist zwar eine gewisse Bequemlichkeit, daß der menschliche Geist so vielfach die Dinge zu verallgemeinern sucht, aber das kann nicht geschehen, sobald man auf geistige Gebiete kommt. Heute hat man es notwendig, wirklich richtig notwendig, auch auf solche Erkenntnisse sich einzulassen, welche nicht beim bloßen Unbestimmten, Abstrakten, Mystischen stehen bleiben, sondern vom Erfassen des Geistigen aus in die Wirklichkeit eindringen. Man kann glauben, ein großer Mystiker zu sein, unberührt von den Weltereignissen seinen einsamen Weg durch die Welt gehend, in seinem Inneren den Gott zu erleben glauben. Aber das ist alles dünnes geistiges Leben, so dünn, daß es nicht herandringt an das, was draußen in der Welt als Wirklichkeit vorhanden ist. Solche Mystiker fordert die Gegenwart nicht. Der einzelne kann solche Mystik fordern, weil es ihn in den behaglichen Glauben einlullen kann, sehr Erhabenes in seiner Seele zu erleben. Aber die Gegenwart fordert starke Geistigkeit, die eindringt in die unmittelbare Wirklichkeit. Sie fordert sogar nicht bloß ein Reden von den höheren Hierarchien, sondern ein solches Eindringen in das Wesen der höheren Hierarchien, daß man, von diesem Erkennen des Wesens der Hierarchien ausgehend, Einsicht gewinnen kann in das, was uns auf der Erde umgibt. Denn jetzt beginnt die Zeit, wo man die menschliche Ordnung nicht anders mehr finden kann als aus den wirklichen Einsichten in das Wesen dessen, was sich hier auf der Erde entwickelt, wenn es auch unbequem ist, es zu erkennen.

[ 21 ] Mit dem Autoritätsglauben geht es bei uns gar nicht, nur mit dem Aneignen eines freien, selbständigen Urteils. Denn nichts von dem, was gesagt wird auf geisteswissenschaftlichem Gebiet, kann generalisiert, verallgemeinert werden; alles gilt individuell, alles gilt im Konkreten für den besonderen Fall. Es ist zwar eine gewisse Bequemlichkeit, daß der menschliche Geist so vielfach die Dinge zu verallgemeinern sucht, aber das kann nicht geschehen, sobald man auf geistige Gebiete kommt. Heute hat man es notwendig, wirklich richtig notwendig, auch auf solche Erkenntnisse sich einzulassen, welche nicht beim bloßen Unbestimmten, Abstrakten, Mystischen stehen bleiben, sondern vom Erfassen des Geistigen aus in die Wirklichkeit eindringen. Man kann glauben, ein großer Mystiker zu sein, unberührt von den Weltereignissen seinen einsamen Weg durch die Welt gehend, in seinem Inneren den Gott zu erleben glauben. Aber das ist alles dünnes geistiges Leben, so dünn, daß es nicht herandringt an das, was draußen in der Welt als Wirklichkeit vorhanden ist. Solche Mystiker fordert die Gegenwart nicht. Der einzelne kann solche Mystik fordern, weil es ihn in den behaglichen Glauben einlullen kann, sehr Erhabenes in seiner Seele zu erleben. Aber die Gegenwart fordert starke Geistigkeit, die eindringt in die unmittelbare Wirklichkeit. Sie fordert sogar nicht bloß ein Reden von den höheren Hierarchien, sondern ein solches Eindringen in das Wesen der höheren Hierarchien, daß man, von diesem Erkennen des Wesens der Hierarchien ausgehend, Einsicht gewinnen kann in das, was uns auf der Erde umgibt. Denn jetzt beginnt die Zeit, wo man die menschliche Ordnung nicht anders mehr finden kann als aus den wirklichen Einsichten in das Wesen dessen, was sich hier auf der Erde entwickelt, wenn es auch unbequem ist, es zu erkennen.

[ 22 ] Lesen Sie den Zyklus, den ich längere Zeit vor dem Krieg, um auf die heutige Zeit vorzubereiten, in Kristiania gehalten habe über die einzelnen Völkerseelen, über den Zusammenhang der Struktur der einzelnen Völker. Da werden Sie sehen, daß man ernst nehmen kann dasjenige, was in den höheren Hierarchien erkannt wird, daß man es anwenden kann auf die Konfiguration der Erde. Solche Erkenntnis ist für die Gegenwart notwendig. Denn solche Erkenntnis muß die praktische Grundlage abgeben für dasjenige, was unternommen werden soll in der Zukunft. Man wird das, was zu tun ist, erkennen müssen, nicht aus den phrasenhaften Schreibereien und Redereien der Menschen, die heute über die europäischen Völkerschaften aus dem heraus reden, was sie ihre Beobachtungen nennen, sondern man wird wirklich eindringen müssen in das, was auf der Erde lebt an Impulsen aus dem Gebiet des Geistigen.

[ 22 ] Lesen Sie den Zyklus, den ich längere Zeit vor dem Krieg, um auf die heutige Zeit vorzubereiten, in Kristiania gehalten habe über die einzelnen Völkerseelen, über den Zusammenhang der Struktur der einzelnen Völker. Da werden Sie sehen, daß man ernst nehmen kann dasjenige, was in den höheren Hierarchien erkannt wird, daß man es anwenden kann auf die Konfiguration der Erde. Solche Erkenntnis ist für die Gegenwart notwendig. Denn solche Erkenntnis muß die praktische Grundlage abgeben für dasjenige, was unternommen werden soll in der Zukunft. Man wird das, was zu tun ist, erkennen müssen, nicht aus den phrasenhaften Schreibereien und Redereien der Menschen, die heute über die europäischen Völkerschaften aus dem heraus reden, was sie ihre Beobachtungen nennen, sondern man wird wirklich eindringen müssen in das, was auf der Erde lebt an Impulsen aus dem Gebiet des Geistigen.

[ 23 ] Freilich, man denkt heute, derjenige habe unter allen Umständen etwas zu sagen, der etwas erlebt hat. Ja, glauben Sie, daß jeder über die Französische Revolution etwas sehr Gescheites zu sagen wußte, der in irgendeinem Dorf der Provence von 1789 bis 1800 ein stumpfes Dasein lebte? Er hat die Sache miterlebt; er braucht deshalb doch nichts Erhebliches darüber zu sagen zu wissen! Ebenso können Unzählige nach Amerika, nach Italien reisen, und können, wie man heute sagt, Land und Leute beurteilen. Aber das, was sie sagen, das braucht nicht sehr wertvoll zu sein für die Beurteilung dessen, was notwendig ist. Dies hängt davon ab, daß man die Möglichkeit hat, in die Untergründe des Daseins hineinzukommen, und dazu ist heute notwendig, daß man nicht auf der einen Seite meinetwillen den Materialismus annimmt oder ablehnt, oder den Spiritualismus annimmt oder ablehnt, nein, dem Wirklichkeitsforscher, dem Geistesforscher in unserem Sinn muß es ganz einerlei sein, ob einer seinen Ausgangspunkt davon nimmt, daß er Materialist ist oder Spiritualist. Wir haben auch nicht notwendig, die Materialisten unter allen Umständen zu verachten, denn darauf kommt es nicht an, ob man von der Materie oder von dem Geist ausgeht, wenn man bloß zu Ende geht! Wer in der wirklichen Betrachtung der Materie zu Ende geht, der findet in dem, was materiell um uns herum geschieht, den Geist, und wer sich auf den Geist stützen will und immer sagt: Geist, Geist, Geist —, der soll vor allen Dingen sehen, daß er den Weg findet von der abstrakten Erfassung des Geistes zu der konkreten Erfassung dessen, was materiell geschieht. Denn das, was materiell geschieht, ist Offenbarung des Geistes, aber man muß den rechten Glauben an das Geistige entwickeln. Derjenige, der nicht das erwartungsvolle Leben hat, daß jedes neue Jahr neue Geheimnisse in uns hineinstrahlen können, indem wir älter werden, der glaubt in Wirklichkeit, wenn er noch so sehr von Gott und dem Geiste spricht, nicht an Gott und den Geist. Denn er glaubt, in alledem, was den Menschen urteilsfähig macht, mit fünfundzwanzig Jahren reif zu sein. Dann ist aber das übrige Leben für die Seele nutzlos, wertlos; da offenbart die Gottheit nicht mehr etwas anderes.

[ 23 ] Freilich, man denkt heute, derjenige habe unter allen Umständen etwas zu sagen, der etwas erlebt hat. Ja, glauben Sie, daß jeder über die Französische Revolution etwas sehr Gescheites zu sagen wußte, der in irgendeinem Dorf der Provence von 1789 bis 1800 ein stumpfes Dasein lebte? Er hat die Sache miterlebt; er braucht deshalb doch nichts Erhebliches darüber zu sagen zu wissen! Ebenso können Unzählige nach Amerika, nach Italien reisen, und können, wie man heute sagt, Land und Leute beurteilen. Aber das, was sie sagen, das braucht nicht sehr wertvoll zu sein für die Beurteilung dessen, was notwendig ist. Dies hängt davon ab, daß man die Möglichkeit hat, in die Untergründe des Daseins hineinzukommen, und dazu ist heute notwendig, daß man nicht auf der einen Seite meinetwillen den Materialismus annimmt oder ablehnt, oder den Spiritualismus annimmt oder ablehnt, nein, dem Wirklichkeitsforscher, dem Geistesforscher in unserem Sinn muß es ganz einerlei sein, ob einer seinen Ausgangspunkt davon nimmt, daß er Materialist ist oder Spiritualist. Wir haben auch nicht notwendig, die Materialisten unter allen Umständen zu verachten, denn darauf kommt es nicht an, ob man von der Materie oder von dem Geist ausgeht, wenn man bloß zu Ende geht! Wer in der wirklichen Betrachtung der Materie zu Ende geht, der findet in dem, was materiell um uns herum geschieht, den Geist, und wer sich auf den Geist stützen will und immer sagt: Geist, Geist, Geist —, der soll vor allen Dingen sehen, daß er den Weg findet von der abstrakten Erfassung des Geistes zu der konkreten Erfassung dessen, was materiell geschieht. Denn das, was materiell geschieht, ist Offenbarung des Geistes, aber man muß den rechten Glauben an das Geistige entwickeln. Derjenige, der nicht das erwartungsvolle Leben hat, daß jedes neue Jahr neue Geheimnisse in uns hineinstrahlen können, indem wir älter werden, der glaubt in Wirklichkeit, wenn er noch so sehr von Gott und dem Geiste spricht, nicht an Gott und den Geist. Denn er glaubt, in alledem, was den Menschen urteilsfähig macht, mit fünfundzwanzig Jahren reif zu sein. Dann ist aber das übrige Leben für die Seele nutzlos, wertlos; da offenbart die Gottheit nicht mehr etwas anderes.

[ 24 ] Man muß mit dem Geist bis zu dem Materiellen vordringen, es begreifen. Das Geistige muß so verdichtet werden, daß es das Materielle finden kann. Wenn wir das, was sonst draußen in der Welt vorgeht an materiellen Erscheinungen, nur an demjenigen, was in uns ist, erfassen, so müssen wir sagen: Ein Abgrund ist zwischen dem Äußeren und demjenigen, was in uns vorgeht. — Allein die Geisteswissenschaft ist berufen, das Äußere an uns heranzunähern und uns an das Äußere so anzunähern, daß beides sich begegnet. Das können wir für den einzelnen Menschen, das können wir für die Erdenevolution. Solche Dinge müssen begriffen werden. Die Naturwissenschaft ist, wie ich es gestern angeführt habe, am allerwenigsten geeignet, zu begreifen, daß das Haupt in Rückentwickelung ist und die Extremitäten in Überentwickelung begriffen sind. Diese Dinge zu begreifen, ist besonders notwendig. Wie begreift man sie? Man begreift sie dadurch, daß man über das gewöhnliche Vorstellen, über die Abstraktheit hinauskommt und ein imaginatives Anschauen von unserem eigenen Vorstellen sich bildet. Man kann nicht das eigene Vorstellen anschauen, ohne zugleich sich an dasjenige anzunähern, was in unserem Haupt materiell vorgeht, indem wir vorstellen. Wenn man das gewöhnliche Vorstellen des gewöhnlichen Bewußtseins hat, merkt man nicht, was im Haupt vorgeht. Das merkt man erst, wenn man zum imaginativen Denken aufsteigt; man erlebt den materiellen Prozeß mit.

[ 24 ] Man muß mit dem Geist bis zu dem Materiellen vordringen, es begreifen. Das Geistige muß so verdichtet werden, daß es das Materielle finden kann. Wenn wir das, was sonst draußen in der Welt vorgeht an materiellen Erscheinungen, nur an demjenigen, was in uns ist, erfassen, so müssen wir sagen: Ein Abgrund ist zwischen dem Äußeren und demjenigen, was in uns vorgeht. — Allein die Geisteswissenschaft ist berufen, das Äußere an uns heranzunähern und uns an das Äußere so anzunähern, daß beides sich begegnet. Das können wir für den einzelnen Menschen, das können wir für die Erdenevolution. Solche Dinge müssen begriffen werden. Die Naturwissenschaft ist, wie ich es gestern angeführt habe, am allerwenigsten geeignet, zu begreifen, daß das Haupt in Rückentwickelung ist und die Extremitäten in Überentwickelung begriffen sind. Diese Dinge zu begreifen, ist besonders notwendig. Wie begreift man sie? Man begreift sie dadurch, daß man über das gewöhnliche Vorstellen, über die Abstraktheit hinauskommt und ein imaginatives Anschauen von unserem eigenen Vorstellen sich bildet. Man kann nicht das eigene Vorstellen anschauen, ohne zugleich sich an dasjenige anzunähern, was in unserem Haupt materiell vorgeht, indem wir vorstellen. Wenn man das gewöhnliche Vorstellen des gewöhnlichen Bewußtseins hat, merkt man nicht, was im Haupt vorgeht. Das merkt man erst, wenn man zum imaginativen Denken aufsteigt; man erlebt den materiellen Prozeß mit.

[ 25 ] Und wissen Sie, was vorgeht im Haupt, im Kopfe, während wir das gewöhnliche Bewußtsein entwickeln? Ein Hungerprozeß geht vor. Darin besteht das wache Vorstellungsleben, daß unser Haupt hungert. Die falschen Asketen und falschen Mystiker haben das instinktiv eingesehen. Daher haben sie den ganzen Leib hungern lassen. Normal ist das aber nicht, daß geistige Erlebnisse dadurch auftreten, daß der ganze Leib hungert. Das ist immer falsch. Die Hungeraskese, die zu mystischen Verzückungen führen soll, ist eine Einseitigkeit, eine ungesunde Richtung. Aber normalerweise ist das Gleichgewichtsverhältnis unseres Leibes so eingerichtet, daß vom Morgen bis zum Abend, vom äußeren Aufwachen bis zum Einschlafen, nicht der ganze Leib, aber das Haupt in einem fortwährenden Hungerprozeß ist. Es ist immer das Haupt unterernährt. Das ist so etwas, was zur Rückentwickelung gehört. Und durch die Unterernährung des Hauptes sind wir imstande, Platz zu machen für das vorstellende Geistesleben. Und derjenige, der das vorstellende Geistesleben als Imagination kennenlernt, der lernt auch kennen, was andere nur in etwas unteren Regionen kennen, wenn sie das Knurren des Magens verspüren, der lernt erkennen, daß er vom Morgen bis zum Abend, bis zum Einschlafen, im Haupt Magenknurren hat. Da findet statt, was man nennen kann Annäherung des Geistes an das Materielle in unserem eigenen Leibe. Einseitige Mystik ist ein behagliches Sich-Versenken in das Innere, wo man doch nicht viel mehr erlebt, als etwas verdichteter dasjenige, was man sonst auch erlebt. Wahre geisteswissenschaftliche Entwickelung ist eine solche Erstarkung, eine solche Erkraftung des Geisteslebens, daß, wenn man es auf das eigene Erleben anwendet, man sich genauer kennenlernt, aber nun wirklich genauer kennenlernt. Man lernt dann auch das Leibliche genauer kennen, weil man das Leibliche an sich so heranrückt, daß man mit dem Leiblichen in das Geistige heraufrückt, daß man den Abgrund überbrückt, der sonst immer da ist zwischen dem Geistigen und dem Leiblichen.

[ 25 ] Und wissen Sie, was vorgeht im Haupt, im Kopfe, während wir das gewöhnliche Bewußtsein entwickeln? Ein Hungerprozeß geht vor. Darin besteht das wache Vorstellungsleben, daß unser Haupt hungert. Die falschen Asketen und falschen Mystiker haben das instinktiv eingesehen. Daher haben sie den ganzen Leib hungern lassen. Normal ist das aber nicht, daß geistige Erlebnisse dadurch auftreten, daß der ganze Leib hungert. Das ist immer falsch. Die Hungeraskese, die zu mystischen Verzückungen führen soll, ist eine Einseitigkeit, eine ungesunde Richtung. Aber normalerweise ist das Gleichgewichtsverhältnis unseres Leibes so eingerichtet, daß vom Morgen bis zum Abend, vom äußeren Aufwachen bis zum Einschlafen, nicht der ganze Leib, aber das Haupt in einem fortwährenden Hungerprozeß ist. Es ist immer das Haupt unterernährt. Das ist so etwas, was zur Rückentwickelung gehört. Und durch die Unterernährung des Hauptes sind wir imstande, Platz zu machen für das vorstellende Geistesleben. Und derjenige, der das vorstellende Geistesleben als Imagination kennenlernt, der lernt auch kennen, was andere nur in etwas unteren Regionen kennen, wenn sie das Knurren des Magens verspüren, der lernt erkennen, daß er vom Morgen bis zum Abend, bis zum Einschlafen, im Haupt Magenknurren hat. Da findet statt, was man nennen kann Annäherung des Geistes an das Materielle in unserem eigenen Leibe. Einseitige Mystik ist ein behagliches Sich-Versenken in das Innere, wo man doch nicht viel mehr erlebt, als etwas verdichteter dasjenige, was man sonst auch erlebt. Wahre geisteswissenschaftliche Entwickelung ist eine solche Erstarkung, eine solche Erkraftung des Geisteslebens, daß, wenn man es auf das eigene Erleben anwendet, man sich genauer kennenlernt, aber nun wirklich genauer kennenlernt. Man lernt dann auch das Leibliche genauer kennen, weil man das Leibliche an sich so heranrückt, daß man mit dem Leiblichen in das Geistige heraufrückt, daß man den Abgrund überbrückt, der sonst immer da ist zwischen dem Geistigen und dem Leiblichen.

[ 26 ] Und so überbrückt man den Abgrund, der zwischen dem Leiblichen und Geistigen da ist, auch draußen im Völkerleben. Man sehe sich darauf hin einmal die europäischen Völkerseelen an, einige wenigstens. Sie wissen: Die führenden Wesenheiten aus den höheren Hierarchien gegenüber den Völkern — Sie wissen das aus dem Zyklus über die Völkerseelen — sind die Wesen der Erzengelhierarchie, die Archangeloi. Aber wie wirken sie? Damit ist natürlich zunächst nur die Abstraktion gesagt, daß man irgendeinen Erzengel als den Dirigenten dieses oder jenes Volkes ansieht. Da hat man nicht mehr, als wenn man von der menschlichen Seele redet, die zwischen Geburt und Tod nur dadurch da sein kann, daß sie an einem Materiellen, nämlich in unserem Leib sich herausentwickelt. So ist auch der Erzengel, indem er ein Volk leitet, an das äußere Materielle gebunden. Die Brücke zwischen dem rein geistigen Wesen des Erzengels und dem Volkswesen ist eine materielle, wenn auch nicht eine so festumrissene, scharf konturierte wie unser Leib. Wir fragen zum Beispiel: Wie ist das bei dem Volk, das die apenninische Halbinsel bewohnt, wie ist das bei dem Volk, das früher die Römer waren, das heute die italienisch gewordenen Germanen sind? Denn im Grunde genommen ist dort die Mehrzahl der Bewohner von heute nur umgewandeltes Germanenvolk, aber ihre Konfiguration, ihre Volksbestimmtheit bekommen sie durch etwas anderes, bekommen sie dadurch, daß in ihrem Atmungsprozeß, in die Luft ihres Atmungsprozesses, der Erzengel sich hinein, man kann nicht sagen, inkarniert, aber sich hinein, nun, sagen wir, verluftet. Und indem sie mit der Luft atmen, stehen die Bewohner der italienischen Halbinsel mit ihrem Erzengel in Verbindung. Und wer richtig studieren will, so daß er wirklich etwas erkennt von dem, was da eigentlich wirkt, der muß den eigentümlichen Zusammenhang der Bewohner dieser Halbinsel — auch der spanischen Halbinsel, aber da schon weniger — mit der Atmung, mit der Luft studieren. Er muß wissen, wie die Luft und der besondere Atmungsprozeß sich hineinleben in das menschliche Innenwesen.

[ 26 ] Und so überbrückt man den Abgrund, der zwischen dem Leiblichen und Geistigen da ist, auch draußen im Völkerleben. Man sehe sich darauf hin einmal die europäischen Völkerseelen an, einige wenigstens. Sie wissen: Die führenden Wesenheiten aus den höheren Hierarchien gegenüber den Völkern — Sie wissen das aus dem Zyklus über die Völkerseelen — sind die Wesen der Erzengelhierarchie, die Archangeloi. Aber wie wirken sie? Damit ist natürlich zunächst nur die Abstraktion gesagt, daß man irgendeinen Erzengel als den Dirigenten dieses oder jenes Volkes ansieht. Da hat man nicht mehr, als wenn man von der menschlichen Seele redet, die zwischen Geburt und Tod nur dadurch da sein kann, daß sie an einem Materiellen, nämlich in unserem Leib sich herausentwickelt. So ist auch der Erzengel, indem er ein Volk leitet, an das äußere Materielle gebunden. Die Brücke zwischen dem rein geistigen Wesen des Erzengels und dem Volkswesen ist eine materielle, wenn auch nicht eine so festumrissene, scharf konturierte wie unser Leib. Wir fragen zum Beispiel: Wie ist das bei dem Volk, das die apenninische Halbinsel bewohnt, wie ist das bei dem Volk, das früher die Römer waren, das heute die italienisch gewordenen Germanen sind? Denn im Grunde genommen ist dort die Mehrzahl der Bewohner von heute nur umgewandeltes Germanenvolk, aber ihre Konfiguration, ihre Volksbestimmtheit bekommen sie durch etwas anderes, bekommen sie dadurch, daß in ihrem Atmungsprozeß, in die Luft ihres Atmungsprozesses, der Erzengel sich hinein, man kann nicht sagen, inkarniert, aber sich hinein, nun, sagen wir, verluftet. Und indem sie mit der Luft atmen, stehen die Bewohner der italienischen Halbinsel mit ihrem Erzengel in Verbindung. Und wer richtig studieren will, so daß er wirklich etwas erkennt von dem, was da eigentlich wirkt, der muß den eigentümlichen Zusammenhang der Bewohner dieser Halbinsel — auch der spanischen Halbinsel, aber da schon weniger — mit der Atmung, mit der Luft studieren. Er muß wissen, wie die Luft und der besondere Atmungsprozeß sich hineinleben in das menschliche Innenwesen.

[ 27 ] Anders ist das bei denjenigen, die das heutige Frankreich bevölkern. Da schlägt der Erzengel eine andere Brücke, da wirkt er auf den Menschen durch alles dasjenige, was in des Menschen Naturentwickelung flüssig ist. Die Franzosen trinken vielfach ihren Volkscharakter mit ihren Weinen, aber auch noch mit anderem, was in dem Organismus als flüssiges Element figuriert. Sie sehen, auf diesem Wege kommt man nicht bloß zu abstrakten Schilderungen des Zusammenhanges der geistigen Welt mit der physischen. Es ist da ein Schildern, das gleichsam den Erzengel nur andeutet, und unten wimmeln die Völker, die Menschen, und der Erzengel führt die Menschen. Durch wahre Geisteswissenschaft kann man den Prozeß in seiner ganzen Konkretheit begreifen.

[ 27 ] Anders ist das bei denjenigen, die das heutige Frankreich bevölkern. Da schlägt der Erzengel eine andere Brücke, da wirkt er auf den Menschen durch alles dasjenige, was in des Menschen Naturentwickelung flüssig ist. Die Franzosen trinken vielfach ihren Volkscharakter mit ihren Weinen, aber auch noch mit anderem, was in dem Organismus als flüssiges Element figuriert. Sie sehen, auf diesem Wege kommt man nicht bloß zu abstrakten Schilderungen des Zusammenhanges der geistigen Welt mit der physischen. Es ist da ein Schildern, das gleichsam den Erzengel nur andeutet, und unten wimmeln die Völker, die Menschen, und der Erzengel führt die Menschen. Durch wahre Geisteswissenschaft kann man den Prozeß in seiner ganzen Konkretheit begreifen.

[ 28 ] Die Bewohner der britischen Insel, sie empfangen mit dem im Leibe sich entwickelnden Festen dasjenige, was ihnen der Erzengel zu geben hat. Sie nehmen es auf, indem sich die festen Bestandteile in ihrem Leibe bilden, mit der festen Organisation. Es ist natürlich nur auf einem Gebiet, wo es sich radikal ausdrückt, aber es ist trotzdem nicht bloß eine bissige Wahrheit, sondern eine geist&swissenschaftliche Wahrheit: Indem der Engländer sein Beefsteak ißt, wirkt der Erzengel an ihm. Natürlich kann das nicht — denn die einzelne Individualität sondert sich davon aus — in chauvinistischem Sinn ausgedeutet werden. Der Mensch gehört ja nur mit einem Teil seines Wesens dieser Sache an, aber insofern der Mensch dem Volk angehört, ist das in ihm wirksam. Man lernt sich über die Erde nur dadurch auskennen, daß man sich in der Zukunft nicht scheuen wird, auf diese Dinge einzugehen. Der Mensch hat eine heillose Angst vor der Wahrheit, weil durch die Wahrheit natürlich unbequeme Sachen herauskommen. Aber sobald Ernst gemacht wird mit der Wahrheit, ist es notwendig, daß man vor dieser Unbequemlichkeit nicht zurückschreckt. |

[ 28 ] Die Bewohner der britischen Insel, sie empfangen mit dem im Leibe sich entwickelnden Festen dasjenige, was ihnen der Erzengel zu geben hat. Sie nehmen es auf, indem sich die festen Bestandteile in ihrem Leibe bilden, mit der festen Organisation. Es ist natürlich nur auf einem Gebiet, wo es sich radikal ausdrückt, aber es ist trotzdem nicht bloß eine bissige Wahrheit, sondern eine geist&swissenschaftliche Wahrheit: Indem der Engländer sein Beefsteak ißt, wirkt der Erzengel an ihm. Natürlich kann das nicht — denn die einzelne Individualität sondert sich davon aus — in chauvinistischem Sinn ausgedeutet werden. Der Mensch gehört ja nur mit einem Teil seines Wesens dieser Sache an, aber insofern der Mensch dem Volk angehört, ist das in ihm wirksam. Man lernt sich über die Erde nur dadurch auskennen, daß man sich in der Zukunft nicht scheuen wird, auf diese Dinge einzugehen. Der Mensch hat eine heillose Angst vor der Wahrheit, weil durch die Wahrheit natürlich unbequeme Sachen herauskommen. Aber sobald Ernst gemacht wird mit der Wahrheit, ist es notwendig, daß man vor dieser Unbequemlichkeit nicht zurückschreckt. |

[ 29 ] Gehen wir hinüber nach Amerika: schon äußerlich, in der äußerlichen Konfiguration, zeigt sich ja da, wie abhängig die Menschen werden von dem, was aus dem Boden ausstrahlt! In Italien aus der Luft, in Frankreich aus dem Wasser, in England aus dem, was bestimmt ist, als feste Ingredienzien in den Leib hineinzugehen, oder in ihm fest zu werden. In Amerika ist das noch anders.

[ 29 ] Gehen wir hinüber nach Amerika: schon äußerlich, in der äußerlichen Konfiguration, zeigt sich ja da, wie abhängig die Menschen werden von dem, was aus dem Boden ausstrahlt! In Italien aus der Luft, in Frankreich aus dem Wasser, in England aus dem, was bestimmt ist, als feste Ingredienzien in den Leib hineinzugehen, oder in ihm fest zu werden. In Amerika ist das noch anders.

[ 30 ] Sie werden überhaupt sehen, daß die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten, an der Wirklichkeit gemessen, überall ihre Bestätigung finden. Man sucht nur heute diese Bestätigung noch nicht. Ich habe in früheren Jahren einmal angeführt, daß die Entwickelung der Bewußtseinsseele, die die Egoität des Menschen besonders heraushebt, äußerlich materiell durch den Zucker gehoben wird. Ich habe damals darauf hingewiesen, wie unendlich größer der Zuckergenuß auf den britischen Inseln ist als zum Beispiel bei dem selbstlosen russischen Volk, wo der Zuckergenuß unendlich viel geringer ist. Aber wenn man schildert, daß erst mit dem 15. Jahrhundert die Bewußtseinsseele heraufkommt, um sich zu entwickeln, so sehe man nur in der Geschichte der Zuckerproduktion nach: Sie beginnt erst mit dem 15. Jahrhundert. Woher stammt denn eigentlich unsere Zuckerproduktion? Die Menschen fangen erst mit dem 15. Jahrhundert an, auf den Zucker angewiesen zu werden. Alles, was geisteswissenschaftlich wirklich aus den geistigen Welten hervorgerufen wird, wird voll bekräftigt gerade dann, wenn es so stark geistig sich entwickelt, daß es untertauchen kann in das Materielle, wo es lebt und deshalb erkannt werden muß. Sobald man hinübergeht nach Amerika, findet man nicht bloß äußerlich, daß die Europäer, die nach Amerika hinüberkommen, nach und nach andere Arme und Hände bekommen: es nähert sich die Arm- und Handbildung derjenigen der alten Indianer an, des alten Indianervolks, das in Amerika ausgerottet worden ist. Und das gilt auch von der Konfiguration der Gesichtsbildung, wenn es auch leise und erst in der dritten, vierten Generation auftritt, und natürlich darf man sich das nicht so vorstellen, daß da in der dritten, vierten Generation ein biederer britischer Spießer nun gleich ein Indianer werden könnte, sondern es zeigt sich nur in den feineren Gesichtszügen; aber es tritt schon hervor. Diesen Dingen muß man ins Gesicht sehen, denn nur dadurch wird es möglich sein, durch die Erkenntnis richtige Liebe über die Erde hin zu entwickeln. Liebe läßt sich nur dadurch entwickeln, daß man sich wirklich in die anderen Menschen hineinfindet. Dazu ist aber notwendig, daß man sie kennenlernt. Der Volksgeist wirkt auf das amerikanische Volk durch die Untergründe von der Erde herauf, durch die in der Erde schlummernden magnetischen und elektrischen Kräfte. Das Unterirdische ist es, das da heraufstrahlt und das da in Amerika das Medium abgibt, durch das der Volksgeist das Volk dirigiert.

[ 30 ] Sie werden überhaupt sehen, daß die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten, an der Wirklichkeit gemessen, überall ihre Bestätigung finden. Man sucht nur heute diese Bestätigung noch nicht. Ich habe in früheren Jahren einmal angeführt, daß die Entwickelung der Bewußtseinsseele, die die Egoität des Menschen besonders heraushebt, äußerlich materiell durch den Zucker gehoben wird. Ich habe damals darauf hingewiesen, wie unendlich größer der Zuckergenuß auf den britischen Inseln ist als zum Beispiel bei dem selbstlosen russischen Volk, wo der Zuckergenuß unendlich viel geringer ist. Aber wenn man schildert, daß erst mit dem 15. Jahrhundert die Bewußtseinsseele heraufkommt, um sich zu entwickeln, so sehe man nur in der Geschichte der Zuckerproduktion nach: Sie beginnt erst mit dem 15. Jahrhundert. Woher stammt denn eigentlich unsere Zuckerproduktion? Die Menschen fangen erst mit dem 15. Jahrhundert an, auf den Zucker angewiesen zu werden. Alles, was geisteswissenschaftlich wirklich aus den geistigen Welten hervorgerufen wird, wird voll bekräftigt gerade dann, wenn es so stark geistig sich entwickelt, daß es untertauchen kann in das Materielle, wo es lebt und deshalb erkannt werden muß. Sobald man hinübergeht nach Amerika, findet man nicht bloß äußerlich, daß die Europäer, die nach Amerika hinüberkommen, nach und nach andere Arme und Hände bekommen: es nähert sich die Arm- und Handbildung derjenigen der alten Indianer an, des alten Indianervolks, das in Amerika ausgerottet worden ist. Und das gilt auch von der Konfiguration der Gesichtsbildung, wenn es auch leise und erst in der dritten, vierten Generation auftritt, und natürlich darf man sich das nicht so vorstellen, daß da in der dritten, vierten Generation ein biederer britischer Spießer nun gleich ein Indianer werden könnte, sondern es zeigt sich nur in den feineren Gesichtszügen; aber es tritt schon hervor. Diesen Dingen muß man ins Gesicht sehen, denn nur dadurch wird es möglich sein, durch die Erkenntnis richtige Liebe über die Erde hin zu entwickeln. Liebe läßt sich nur dadurch entwickeln, daß man sich wirklich in die anderen Menschen hineinfindet. Dazu ist aber notwendig, daß man sie kennenlernt. Der Volksgeist wirkt auf das amerikanische Volk durch die Untergründe von der Erde herauf, durch die in der Erde schlummernden magnetischen und elektrischen Kräfte. Das Unterirdische ist es, das da heraufstrahlt und das da in Amerika das Medium abgibt, durch das der Volksgeist das Volk dirigiert.

[ 31 ] Und gehen wir nach Mitteleuropa; da ist es gut, die Menschen selbst nachdenken zu lassen. Aber einiges kann doch gesagt werden: Da ist eigentlich etwas stark Labiles, etwas sehr stark Intimes, was mit der materiellen Ausgestaltung des Volksgeistes, mit der materiellen Auswirkung des Volksgeistes zusammenhängt. Da ist es im wesentlichen die Wirkung von Wärme auf Wärme. Die Wärmedifferenzen, die auftreten zwischen äußerem Warmsein und innerem Warmsein, Wärme des Winters, des Frühlings, des Sommers, kurz alles, was sich in den Wärmeverhältnissen ausdrückt, das ist das Medium, durch das der Volksgeist in Mitteleuropa wirkt. Alles das, was ausden Wärmeverhältnissen heraus auf die Blutzirkulation und die Atmung wirkt, das ist der Umweg, durch den der Volksgeist hier wirkt. Sie können das auch im Seelischen verfolgen. Wir haben noch die Möglichkeit — wenn wir nicht gerade Fritz Mauthner sind —, im Element der Sprache etwas von der Nachwirkung, ich möchte sagen, des Durchwärmtseins zu fühlen. Wenn man nicht von allen guten Geistern der Sprache verlassen ist, so ist man soch im Deutschen zum Beispiel imstande, in die Sprache sich hineinzufühlen, nicht bloß beim abstrakten Element stehenzubleiben, sondern sich hineinzufühlen in den Geist der Sprache, weil Wärme in Wärme physisch verwandt dem Seelischen ist. Nichts ist physisch so verwandt mit dem Seelischen als die Seelenwärme und Seelenkälte mit der physischen Wärme und physischen Kälte. Dasjenige, was in der Empfindungsseele lebt, ist schon viel fremder der Luft; dasjenige, was in der Verstandes- oder Gemütsseele lebt, ist viel fremder dem Element des Wassers, und gar dasjenige, was in der Bewußtseinsseele lebt, ist fremd dem Beefsteak, will sagen der Erde. Und gar furchtbar fremd ist, was in der menschlichen Seele zum Ausdruck kommt, demjenigen, was an magnetischen und elektrischen Kräften vom Unterirdischen hereinstrahlt in die menschliche Entwickelung im amerikanischen Volkscharakter. Daher ist so vieles da, was im amerikanischen Volkscharakter so aussieht, als ob der Amerikaner von dem, was er treibt, besessen ist, im Gegensatz zum Mitteleuropäer, der bei allem, was er treibt, mit dem Seelischen dabei sein muß, der daher auch mystische Wärme entwickeln kann, während der Amerikaner so leicht spiritistische Gesinnung entwickeln, besessen sein kann von irgendeinem Geistigen, wie man auch besessen wird von dem, was nicht mehr unmittelbar in den Menschen hereinströmt, wie Luft, Wasser, Erde, sondern nur vom Unterirdischen der Erde aus heraufwirkt, um die Volksstrukturen zu bilden.

[ 31 ] Und gehen wir nach Mitteleuropa; da ist es gut, die Menschen selbst nachdenken zu lassen. Aber einiges kann doch gesagt werden: Da ist eigentlich etwas stark Labiles, etwas sehr stark Intimes, was mit der materiellen Ausgestaltung des Volksgeistes, mit der materiellen Auswirkung des Volksgeistes zusammenhängt. Da ist es im wesentlichen die Wirkung von Wärme auf Wärme. Die Wärmedifferenzen, die auftreten zwischen äußerem Warmsein und innerem Warmsein, Wärme des Winters, des Frühlings, des Sommers, kurz alles, was sich in den Wärmeverhältnissen ausdrückt, das ist das Medium, durch das der Volksgeist in Mitteleuropa wirkt. Alles das, was ausden Wärmeverhältnissen heraus auf die Blutzirkulation und die Atmung wirkt, das ist der Umweg, durch den der Volksgeist hier wirkt. Sie können das auch im Seelischen verfolgen. Wir haben noch die Möglichkeit — wenn wir nicht gerade Fritz Mauthner sind —, im Element der Sprache etwas von der Nachwirkung, ich möchte sagen, des Durchwärmtseins zu fühlen. Wenn man nicht von allen guten Geistern der Sprache verlassen ist, so ist man soch im Deutschen zum Beispiel imstande, in die Sprache sich hineinzufühlen, nicht bloß beim abstrakten Element stehenzubleiben, sondern sich hineinzufühlen in den Geist der Sprache, weil Wärme in Wärme physisch verwandt dem Seelischen ist. Nichts ist physisch so verwandt mit dem Seelischen als die Seelenwärme und Seelenkälte mit der physischen Wärme und physischen Kälte. Dasjenige, was in der Empfindungsseele lebt, ist schon viel fremder der Luft; dasjenige, was in der Verstandes- oder Gemütsseele lebt, ist viel fremder dem Element des Wassers, und gar dasjenige, was in der Bewußtseinsseele lebt, ist fremd dem Beefsteak, will sagen der Erde. Und gar furchtbar fremd ist, was in der menschlichen Seele zum Ausdruck kommt, demjenigen, was an magnetischen und elektrischen Kräften vom Unterirdischen hereinstrahlt in die menschliche Entwickelung im amerikanischen Volkscharakter. Daher ist so vieles da, was im amerikanischen Volkscharakter so aussieht, als ob der Amerikaner von dem, was er treibt, besessen ist, im Gegensatz zum Mitteleuropäer, der bei allem, was er treibt, mit dem Seelischen dabei sein muß, der daher auch mystische Wärme entwickeln kann, während der Amerikaner so leicht spiritistische Gesinnung entwickeln, besessen sein kann von irgendeinem Geistigen, wie man auch besessen wird von dem, was nicht mehr unmittelbar in den Menschen hereinströmt, wie Luft, Wasser, Erde, sondern nur vom Unterirdischen der Erde aus heraufwirkt, um die Volksstrukturen zu bilden.

[ 32 ] Im russischen Volkscharakter, in dem, was sich im Osten vorbereitet — wir werden über solche Dinge noch übermorgen weiterreden —, da wirkt der Volksgeist, der aber erst berufen ist in der Zukunft, durch sein Volk eine besondere Rolle zu spielen, da wirkt der Volksgeist durch das Licht, und zwar so durch das Licht, daß er nicht durch das unmittelbar von der Sonne herstrahlende Licht wirkt, sondern durch das Licht, das sich erst einsaugt in die Vegetation und in die Erde selbst und wieder zurückstrahlt. Die von der Erde, namentlich von der Vegetation zurückgestrahlte Sonnenkraft, die vom Boden aus wirkende Sonnenkraft ist dasjenige, was der russische Volksgeist benützt als sein Medium, um die Volksstruktur, die Volksorganisation zu bewirken.

[ 32 ] Im russischen Volkscharakter, in dem, was sich im Osten vorbereitet — wir werden über solche Dinge noch übermorgen weiterreden —, da wirkt der Volksgeist, der aber erst berufen ist in der Zukunft, durch sein Volk eine besondere Rolle zu spielen, da wirkt der Volksgeist durch das Licht, und zwar so durch das Licht, daß er nicht durch das unmittelbar von der Sonne herstrahlende Licht wirkt, sondern durch das Licht, das sich erst einsaugt in die Vegetation und in die Erde selbst und wieder zurückstrahlt. Die von der Erde, namentlich von der Vegetation zurückgestrahlte Sonnenkraft, die vom Boden aus wirkende Sonnenkraft ist dasjenige, was der russische Volksgeist benützt als sein Medium, um die Volksstruktur, die Volksorganisation zu bewirken.

[ 33 ] Man sehe sich auf diese Dinge hin alle Einzelheiten an — ich werde davon übermorgen noch mehr sprechen —, dann wird man sehen, wie die Gegenwart und nächste Zukunft nötig haben, nicht eine allgemeine, verschwommene, phrasenhafte Mystik, sondern ein geistig wirklich so starkes Geist-Erkennen, daß es untertauchen kann, daß es sich hineinversetzen kann in das materielle Dasein, mit dem man zu leben hat. So daß das materielle Dasein, wenn es in seiner Verwandtschaft mit dem Geiste beschaut werden kann, nicht, wie man es durch Irrtum getan hat, als etwas betrachtet wird, aus dem man am liebsten herausfahren möchte wie aus seiner Haut, um zum Geist zu kommen, sondern das gerade betrachtet werden muß als eine Offenbarung des Geistes. Der hat noch nicht zum Geiste das richtige Verhältnis, der nicht einzusehen vermag, daß dasjenige, was physisch ist, in Wahrheit eine Offenbarung des Geistes ist. Alles, was um uns ist, ist Körper des Geistes. Und erst wenn man den Geist so begreift, daß man die Natur als einen Körper des Geistes anzusehen vermag, erst dann ist man imstande, eine wirkliche Geist-Erkenntnis zu bekommen. Das sind aber die Dinge, die als konkrete Geist-Erkenntnis angestrebt werden müssen. Aber liegt es nicht eigentlich in diesen Dingen, sobald man nur mit vollem Ernst an sie herantritt, daß sie den Menschen unbequem werden, diesen Menschen der Gegenwart, die ja natürlich solche Wahrheiten nicht lieben, die am liebsten nur hören möchten: Die Menschen müssen sich über die Erde hinüber lieben! — Ja, gewiß, aber sie müssen sich zuerst erkennen. Und es muß die Liebe unabhängig werden von dem, was in der Erkenntnis einem entgegentritt, aber sie kann nur unabhängig werden, wenn einem das in der Erkenntnis entgegentritt. Denn dasjenige, was ich geschildert habe, auch das, was ich über die Völkerseelen geschildert habe, Sie wissen es alle, Ihre Nerven, Ihre Muskeln, Ihr Blut weiß es: darin ist es verzaubert, daraus muß es geholt werden; und wird es dies nicht in der nächsten Zeit, so wird es in den Nerven, in den Muskeln, im Blut rumoren, und es wird als Disharmonie, als Impuls zu Streit und Krieg über die Erde hingehen. Daß dies nicht geschehe, kann nur dadurch eintreten, daß der Geist, der sonst in sein ahrimanisches oder luziferisches Gegenbild sich verwandelt, erlöst wird aus Nerven und Muskeln und Blut und in das Bewußtsein geführt wird, denn nur im Bewußtsein will er leben hier auf Erden. Nur wenn er im Bewußtsein lebt, ist er in sein richtiges Dasein eingesetzt und führt die Menschen zu dem, wozu sie in Zukunft kommen müssen. Er darf nicht da unten gelassen werden im ahrimanischen und luziferischen Gebiet, weil er sich verwandelt, wenn er seinen Platz nicht finden kann. Diese Verwandlungsfähigkeit des Geistes, die muß man einsehen, denn ihrer Einsicht ergeben sich die Aufgaben für die Zukunft. Nicht leichten Sinns kann man sich erheben zu demjenigen, was von der Menschheit gefordert ist für die Zukunft, sondern es ist notwendig, tief zu schürfen mit der Erkenntnis, damit die Aufgaben der Zukunft gelöst werden können. Dazu ist notwendig, daß die Menschen manche Unbequemlichkeiten überwinden. Und weil sie sie nicht überwinden wollen, werden sie noch vielfach Feinde einer geistigen Entwickelung werden. Damit wird zu rechnen sein, gerade wenn sich die Geisteswissenschaft ausbreitet. Um so mehr wird damit zu rechnen sein, je stärker so etwas da ist, und je mehr an Sie alle die Aufforderung ergeht, den Übergang zu gewinnen von dem behaglichen Sektierern zu dem weltmännischen Blick, zu dem Wirken auf dem Weltenplan, zum Heraustragen dieser Geisteswissenschaft aus den vorderen und hinteren guten Stuben auf jene Plätze hinaus, auf denen man glaubt, die Angelegenheiten der Menschheit verhandeln zu müssen. Davon wollte ich heute sprechen; übermorgen dann weiter.

[ 33 ] Man sehe sich auf diese Dinge hin alle Einzelheiten an — ich werde davon übermorgen noch mehr sprechen —, dann wird man sehen, wie die Gegenwart und nächste Zukunft nötig haben, nicht eine allgemeine, verschwommene, phrasenhafte Mystik, sondern ein geistig wirklich so starkes Geist-Erkennen, daß es untertauchen kann, daß es sich hineinversetzen kann in das materielle Dasein, mit dem man zu leben hat. So daß das materielle Dasein, wenn es in seiner Verwandtschaft mit dem Geiste beschaut werden kann, nicht, wie man es durch Irrtum getan hat, als etwas betrachtet wird, aus dem man am liebsten herausfahren möchte wie aus seiner Haut, um zum Geist zu kommen, sondern das gerade betrachtet werden muß als eine Offenbarung des Geistes. Der hat noch nicht zum Geiste das richtige Verhältnis, der nicht einzusehen vermag, daß dasjenige, was physisch ist, in Wahrheit eine Offenbarung des Geistes ist. Alles, was um uns ist, ist Körper des Geistes. Und erst wenn man den Geist so begreift, daß man die Natur als einen Körper des Geistes anzusehen vermag, erst dann ist man imstande, eine wirkliche Geist-Erkenntnis zu bekommen. Das sind aber die Dinge, die als konkrete Geist-Erkenntnis angestrebt werden müssen. Aber liegt es nicht eigentlich in diesen Dingen, sobald man nur mit vollem Ernst an sie herantritt, daß sie den Menschen unbequem werden, diesen Menschen der Gegenwart, die ja natürlich solche Wahrheiten nicht lieben, die am liebsten nur hören möchten: Die Menschen müssen sich über die Erde hinüber lieben! — Ja, gewiß, aber sie müssen sich zuerst erkennen. Und es muß die Liebe unabhängig werden von dem, was in der Erkenntnis einem entgegentritt, aber sie kann nur unabhängig werden, wenn einem das in der Erkenntnis entgegentritt. Denn dasjenige, was ich geschildert habe, auch das, was ich über die Völkerseelen geschildert habe, Sie wissen es alle, Ihre Nerven, Ihre Muskeln, Ihr Blut weiß es: darin ist es verzaubert, daraus muß es geholt werden; und wird es dies nicht in der nächsten Zeit, so wird es in den Nerven, in den Muskeln, im Blut rumoren, und es wird als Disharmonie, als Impuls zu Streit und Krieg über die Erde hingehen. Daß dies nicht geschehe, kann nur dadurch eintreten, daß der Geist, der sonst in sein ahrimanisches oder luziferisches Gegenbild sich verwandelt, erlöst wird aus Nerven und Muskeln und Blut und in das Bewußtsein geführt wird, denn nur im Bewußtsein will er leben hier auf Erden. Nur wenn er im Bewußtsein lebt, ist er in sein richtiges Dasein eingesetzt und führt die Menschen zu dem, wozu sie in Zukunft kommen müssen. Er darf nicht da unten gelassen werden im ahrimanischen und luziferischen Gebiet, weil er sich verwandelt, wenn er seinen Platz nicht finden kann. Diese Verwandlungsfähigkeit des Geistes, die muß man einsehen, denn ihrer Einsicht ergeben sich die Aufgaben für die Zukunft. Nicht leichten Sinns kann man sich erheben zu demjenigen, was von der Menschheit gefordert ist für die Zukunft, sondern es ist notwendig, tief zu schürfen mit der Erkenntnis, damit die Aufgaben der Zukunft gelöst werden können. Dazu ist notwendig, daß die Menschen manche Unbequemlichkeiten überwinden. Und weil sie sie nicht überwinden wollen, werden sie noch vielfach Feinde einer geistigen Entwickelung werden. Damit wird zu rechnen sein, gerade wenn sich die Geisteswissenschaft ausbreitet. Um so mehr wird damit zu rechnen sein, je stärker so etwas da ist, und je mehr an Sie alle die Aufforderung ergeht, den Übergang zu gewinnen von dem behaglichen Sektierern zu dem weltmännischen Blick, zu dem Wirken auf dem Weltenplan, zum Heraustragen dieser Geisteswissenschaft aus den vorderen und hinteren guten Stuben auf jene Plätze hinaus, auf denen man glaubt, die Angelegenheiten der Menschheit verhandeln zu müssen. Davon wollte ich heute sprechen; übermorgen dann weiter.