Building Stones for an Understanding
of the Mystery of Golgotha
GA 175
27 February 1917, Berlin
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Cosmic and Human Metamorphoses, tr. Collison
Vierter Vortrag
4. Morality, As A Germinating Force
[ 1 ] Ich habe Ihnen das vorige Mal gesprochen von den drei Begegnungen, welche die menschliche Seele mit den Regionen der geistigen Welt hat. Ich werde über diesen Gegenstand noch einiges mehr zu sagen haben, und bei dieser Gelegenheit wird sich dann auch die Möglichkeit ergeben, eine Frage zu beantworten, welche von unseren Freunden gestellt worden ist im Anschluß an den letzten öffentlichen Vortrag im Architektenhaus bezüglich der Kräfte, welche zur Verwirklichung des Karma, des Schicksals, des äußeren Schicksals, aus einer früheren Inkarnation führen. Es ist mir gesagt worden, daß dies eine schwer verständliche Sache sei. Ich will also im Laufe der Vorträge auf dieses Thema zurückkommen. Allein es wird sich empfehlen, das erst zu tun, nachdem wir einiges besprochen haben, wodurch vielleicht dann das volle Verständnis dieser Sache herbeigeführt werden kann. Heute will ich aber, damit die Besprechung der drei Begegnungen in der geistigen Welt noch viel klarer werden kann, gewissermaßen episodisch etwas einfügen, das mir besonders wichtig erscheinen muß, gerade in dieser unmittelbar gegenwärtigen Zeit zu Ihnen gesprochen zu werden.
[ 1 ] On the occasion of our last lecture, I spoke to you of the three meetings which the human soul has with the regions pertaining to the Spiritual world. I shall have to say a few more things as to these, which will give me the opportunity of answering a question asked at the end of the last public lecture at the Architectural Hall, regarding the forces which bring over the karma, the external destiny, from a former incarnation. I have been told that this is very difficult to understand. In the course of these lectures I will return to this subject; but it is preferable to do so after having discussed a few points which may perhaps help to make the question better understood. Today, however, in order to make the question of the three meetings with the Spiritual world still clearer, I intend to insert, by way of episode, something that it seems to me important to discuss just at the present time.
[ 2 ] Wenn wir überblicken, welche Ideen, welche Vorstellungen sich besonders in die Seelen aller Menschen, der Menschen aller Bildungsgrade, durch die geistige Entwickelung der letzten Jahrhunderte eingeschlichen haben, so müssen wir aufmerksam machen darauf, wie diese geistige Erziehung der letzten Jahrhunderte mächtig hingedrängt hat, die Weltentwickelung und das Hineingestelltsein des Menschen in diese Weltentwickelung nur nach Maßgabe naturwissenschaftlicher Vorstellungen zu bilden. Gewiß, es gibt heute sehr viele Menschen noch, welche der Meinung sind, daß sie ihr Gemüt, ihre Seele nicht nach naturwissenschaftlichen Vorstellungen gebildet haben. Aber diese Menschen bemerken nicht die tieferen Grundlagen ihrer Gemütsbildung; sie wissen nicht, wie eben naturwissenschaftliche Vorstellungen in einseitiger Weise sich eingeschlichen haben in die Gemüter und nicht nur alles Denken, sondern namentlich alles Fühlen in einer gewissen Weise bestimmen. Wer heute nämlich nachdenkt nach den gangbaren Begriffen, die jeder Mensch in denjenigen Gegenden hat, welche allgemeine Schulbildung haben, wer sein Gemüt bildet im Zusammenhang mit diesen Begriffen, ausgehend von diesen Begriffen, der kommt heute gar nicht dazu, das rechte, das wahre Verhältnis zu fühlen zwischen dem, was wir die moralische Welt, die Welt der moralischen Empfindungen nennen, und der Welt der äußeren Tatsachen. Wenn wir heute im Sinne unserer Zeit nachdenken, wie sich die Erde, ja, wie sich das ganze Himmelsgebäude entwickelt haben kann, und wie es zu einem gewissen Endzustand kommen könnte, so denken wir im Sinne rein äußerer sinnenfälliger Tatsachen nach. Denken Sie nur, wie tief bedeutsam es für die Seelen ist, wenn sie sich das auch nicht immer klar machen, daß es die sogenannte Kant-Laplacesche Theorie von der Weltentstehung gibt: Aus einem rein materiellen Weltennebel — denn rein materiell wird er vorgestellt — habe sich nach rein physikalischen und auch chemischen Gesetzen die Erde, ja das Weltengebäude gebildet, habe sich im Sinne dieser Gesetze entwickelt und wird, so denken die Menschen, nach diesen Gesetzen auch sein Ende finden. Es wird einmal ein Zustand kommen, in dem dieses Weltengebäude gerade so mechanisch schließen wird, wie es mechanisch entstanden ist.
[ 2 ] When we consider the ideas and concepts which have found their way into the souls of people of all grades of education as the result of the Spiritual development of the last century, we observe how strongly its influence tended to cause people to consider the evolution of the world and man's place in it, solely according to the standard of Natural Science and its ideas. There are of course plenty of people still living today who do not believe their attitude of mind and soul to have been formed by the concepts of Natural Science. These people do not however observe the deeper foundations upon which their minds were formed; they do not know that the ideas of Natural Science have just slipped in a one-sided way, not only determining their thoughts but even in a certain way their feelings. A man who today reflects along the lines laid down for everyone in the ordinary educational centres, whose mind and disposition have been formed in accordance with them, and whose ideas are based upon what is taught there, cannot possibly feel the true connection between what we call the world of morality, of moral feeling, and the world of external facts. If, in accordance with the ideas of our times, we ponder on the way in which the earth and indeed the whole firmament is supposed to have developed and may come to its final end, we are thinking along the lines of purely external facts, perceptible to the senses. Just think of the deep significance to the souls of men, of the existence of the so-called Kant-Laplace theory of the creation of the world, according to which the earth and the whole heavens arose from a purely material cosmic mist (for it is represented as purely material) and were then formed in accordance with purely earthly physical and chemical laws, developed further according to these laws, and, so it is believed, will also come to an end through these same laws. A condition will some day come about in which the whole world will mechanically come to an end, just as it came into being.
[ 3 ] Gewiß, ich wiederhole es noch einmal: Es gibt viele Menschen, die wehren sich heute dagegen, die Sache nur gerade so zu denken. Aber darauf kommt es nicht an; denn es kommt ja nie auf die Vorstellungen an, die wir uns bilden, sondern auf die Impulse des Gemüts, aus denen diese Vorstellungen gebildet sind. Die Vorstellung, die ich eben entwickelt habe, ist eine rein materialistische; sie ist eine solche, von der Herman Grimm sagt, daß ein Stück Aasknochen, um das ein hungriger Hund seine Kreise herummacht, ein appetitlicherer Anblick ist als dieses Weltengebäude nach Kant-Laplaceschen Begriffen. Aber es hat entstehen können, es hat sich bilden können. Und nicht nur, daß es sich hat bilden können, sondern es ist für die weitaus größte Zahl der Menschen, an die es herandringt, etwas Einleuchtendes. Und nur wenige Menschen gibt es, die so fragen wie Herman Grimm, wie sich künftige Gelehrten-Generationen damit abfinden werden, nachzudenken darüber, wie überhaupt, wie er meint, dieser Wahnsinn in unserer Zeit hat entstehen können; wie es möglich war, daß in irgendeiner Epoche dieser Wahnsinn über die Weltentstehung hat einleuchtend sein können für viele Menschen. Es gibt eben wirklich wenige Persönlichkeiten, welche so fragen, aus einer gesunden Gemütslage der Seele heraus so fragen. Und diejenigen, die so fragen, nun, die werden halt angesehen wenigstens auf diesen Gebieten — als eine Art verschrobener Köpfe. Aber wie gesagt, auf die Vorstellungen, die so gebildet sind, kommt es nicht an; auf die Gemütsimpulse kommt es an. Aus gewissen Gemütstendenzen heraus haben sich Vorstellungen ergeben, und wenn sie auch von Gelehrten ausgegangen sind und heute so an die Menschen herangebracht werden, daß die meisten Menschen doch noch glauben, daß nicht allein durch solche mechanischen Impulse die Welt entstanden ist, sondern daß da allerlei göttliche Impulse noch mitgespielt haben, so ist es doch eben möglich gewesen, daß solche Vorstellungen sich gebildet haben. Und es ist möglich gewesen, daß das Gemüt der Menschen, die Seelenverfassung der Menschen eine solche Gestalt angenommen hat, daß eben über die Weltentstehung eine rein mechanische Vorstellung sich hat bilden können. Das heißt: Auf dem Grunde der menschlichen Seelen ist die Neigung, materialistisch geartete Vorstellungen sich zu bilden. Und diese Neigung, die ist nun nicht nur bei den wenigen Gelehrten und anderen Menschen vorhanden, die daran glauben, sondern sie ist in breitem Umkreis bei allen möglichen Menschen vorhanden. Nur daß die meisten Menschen heute noch eine zu große Scheu haben, mutig, nun, ich möchte sagen, Haeckelianer zu werden und alles Geistige nur unter der Form des Materiellen vorzustellen. Die Menschen haben nicht den Mut. Sie lassen ja so etwas daneben noch gelten, was geistig ist; denken nicht nach.
[ 3 ] Of course, as I said before, there are people today who do not allow themselves to think of it in this way. That, however, is not the point; it is not the ideas that we form that signify, but the attitude of mind which gives rise to these ideas. The conception I have just alluded to is a purely materialistic one; one of those of which Hermann Grimm says, that a piece of carrion round which circles a hungry dog is a more attractive sight than the construction of the world according to the Kant-Laplace theory. Yet it arose and developed; nay, more: to the great majority of men who study it, it even appears illuminating. Few there are who, like Hermann Grimm, ask how future generations will be able to account for the arising of this mad idea in our age; they will wonder that such a delusion could have ever seemed illuminating to so many. There are but a few people who have the soundness of mind to put the question thus, and those who do are simply considered more or less wrong-headed. But, as I said, the point is not so much the ideas in themselves, as the impulse and frame of mind which made them possible. These conceptions came as the result of certain attitudes of mind; yet, though they came from learned men and were given out by them, most people still believe that the world did not originate in any such mechanical impulse, but that Divine impulses must have played a part in its creation. Still it remains a fact that such conceptions were possible. It was possible for the attitude of men's minds, their disposition of soul, to take on such a form that a purely mechanical idea of the origin of the world was conceived. That signifies that at the bottom of men's souls there is the tendency to form conceptions of a materialistic nature. This tendency is not only to be found among the unlearned, and others who believe in this idea, it exists in the widest circles among all kinds of people, yet most people today are still rather shy of becoming followers of Haeckel, picturing everything Spiritual in a material form. They lack the necessary courage for this. They still admit of something Spiritual; but do not give the matter further thought.
[ 4 ] Wenn diese Vorstellung gilt, die charakterisiert worden ist, dann ist nur in einer gewissen Weise Platz für das Geistige, namentlich nur in einer gewissen Weise Platz für das Moralische. Denn denken Sie nur einmal nach: Wenn die Welt wirklich so entstanden wäre, wie die Kant-Laplacesche Theorie sich das vorstellt, und wenn die Welt nur durch physikalische Kräfte ihr Grab fände und in diesem Grabe eben begraben wären alle Menschen mit ihren Ideen, Empfindungen, Willensimpulsen, was wäre dann zum Beispiel, ich will von allem übrigen absehen, die ganze moralische Weltordnung? Was wäre aus ihr geworden? Was bedeutete es dann, wenn wir einmal gesagt hätten — nehmen wir einmal an, der Zustand des allgemeinen Grabes wäre gekommen —: Das ist gut, das ist böse; das ist recht, das ist unrecht? Vergessene Vorstellungen bedeutete es, hinweggeweht als etwas, was vielleicht nicht einmal, ja, wenn diese Weltordnung richtig ist, nicht einmal in irgendeiner Seelenerinnerung fortleben könnte. Das heißt, die Sache würde so liegen: Durch rein mechanische Ursachen, durch physikalische, vielleicht durch chemische Kräfte ist die Welt entstanden, geht sie zugrunde. Aus diesen Kräften treiben sich wie Blasen Erscheinungen auf, welche Menschen darstellen. Innerhalb dieser Menschen entstehen moralische Begriffe von Recht und Unrecht, Gut und Böse. Aber die ganze Welt geht wieder in Grabesstille über. Das ganze Recht und Unrecht, "Gut und Böse ist eben eine Illusion der Menschen gewesen, vergessen und versunken, wenn die Welt «Grab» geworden ist. Das einzige, was dann für die moralische Weltordnung bleibt, es ist doch das, daß die Menschen fühlen, solange wie die Episode währt, die da verläuft vom Anfangszustand bis zum Endzustand: sie brauchen solche Begriffe zum Zusammenleben, sie müssen sich eben moralische Begriffe ausbilden, aber diese moralischen Begriffe können in einer rein mechanischen Weltordnung nirgends verankert sein. Nicht wahr, eine natürliche Kraft, die Wärme, die Elektrizität, die greift ein in den Naturzusammenhang, die macht sich darin geltend; die moralische Kraft, die wäre, wenn die mechanische Weltenordnung richtig wäre, nur in der VorstelJung der Menschen da, die würde nicht eingreifen in die Naturordnung. Sie wäre nicht etwas wie die Wärme, welche die Körper ausdehnt, oder das Licht, welches die Körper erleuchtet, sichtbar macht, die Welt, den Raum durchdringt; sondern sie ist da, diese moralische Kraft, sie schwebt gewissermaßen als eine große Illusion über der mechanischen Weltordnung und vergeht, verweht, wenn die Welt ins Grab sich verwandelt.
[ 4 ] If the above mentioned concept holds good, there can then only be room for the Spiritual and especially for the moral, in a certain sense. For just consider:—If the world really came into being as the Kant-Laplace theory believes, and only comes to its end through physical forces, dragging all men down to the grave with it, together with all their ideas, feelings and impulses of will, what then, apart from all else, would become of the whole moral order of the world? Suppose for a moment that the condition of the burial of all things came about: what good would it have been to have ever pronounced some things good and others evil? What would it avail to say this is right, and that is wrong? These would be nothing but forgotten ethical concepts, swept away as something which, if this idea of the world-order were correct, would not perhaps survive even in one single soul. In fact, the matter would stand thus: from purely mechanical causes, by physical and possibly chemical forces, the world came into being and by like means it will come to an end. By means of these forces phenomena appear like bubbles, produced by men. Among men themselves arise the moral ideas of right and wrong, of good and evil; but the whole world passes over into the stillness of the grave. All right and wrong, good and evil, is merely an illusion of man, and is forgotten and vanishes away when the world becomes ‘the grave.’ Thus the only thing that stands for the moral world-order is the feeling one has as long as the episode lasts, which extends from the first state to the last, that man requires such ideas for his common life; that man must form these moral ideals, though they can never take root in a purely mechanical world-order. The forces of nature—heat, electricity, and so on—intervene in the plan of nature, they make themselves felt therein; but the force of morality would, if the mechanical plan of the world were correct, only exist in the mind of man; it would not intervene in the natural order. It would not be like heat which expands bodies, or like light which illuminates them and makes them visible and permeates the world of space. For this moral force is present and soars as a great illusion over the mechanical world-order, and vanishes, dissolves away, when the world is transformed into the grave.
[ 5 ] Man denkt diesen Gedanken nur nicht genügend durch. Daher wehrt man sich nicht gegen eine mechanische Weltordnung, sondern läßt sie, ich will nicht sagen aus Gutmütigkeit, aber aus Bequemlichkeit eben bestehen. Und wenn man ein gewisses Gemütsbedürfnis hat, so sagt man dann: Ja, das Wissen, das macht halt, daß wir eine solche mechanische Weltordnung ausdenken müssen; der Glaube fordert von uns etwas anderes, also stellen wir den Glauben neben das Wissen, glauben wir außer der mechanischen Natur noch an irgend etwas, woran zu glauben wir eben ein gewisses inneres Gemütsbedürfnis haben. — Das ist bequem. Man braucht sich nicht aufzulehnen gegen das, was zum Beispiel Herman Grimm wie einen Wahnsinn der gegenwärtigen Wissenschaft empfindet, man braucht sich nicht aufzulehnen. Aber es hat wirklich keine innere Berechtigung für denjenigen, der seine Gedanken zu Ende denken will, der wirklich mit seinen Gedanken zu Ende kommen will.
[ 5 ] People do not sufficiently carry these thoughts to their logical conclusion. Hence they are not on their guard against a mechanical world-order, but allow it to remain—not from kindness of heart, but rather from laziness. If they have a certain want in their hearts, they simply say: ‘Science does not demand that we should think deeply about this mechanical world-order, faith demands something else of us; so we put our faith side by side with science and just believe in something more than mechanical nature, we just believe what a certain inner demand of our hearts compels.’ That is very convenient! There is thus no need to rebel against what Herman Grimm, for instance, felt to be a mad idea of modern science. There need be no rebellion. But this attitude cannot be justified by one who really wishes to think his thoughts out to their conclusion.
[ 6 ] Und wenn man sich frägt, woher es denn kommt, daß die Menschen heute so blind in einer gedanklichen Unmöglichkeit leben, daß sie eine solche gedankliche Unmöglichkeit hinnehmen, so liegt es — so sonderbar dies, wenn man zum erstenmal sich mit dem Gedanken vertraut machen soll, auch klingt — darin, daß die Menschen mehr oder weniger im Laufe der letzten Jahrhunderte schon verlernt haben, das ChristusMysterium, welches im Zentrum des neuzeitlichen Lebens stehen müßte, in seinem wahren, realen Sinne zu denken. Denn die Art, wie der Mensch der neueren Zeit über das Christus-Mysterium denkt, die ist so, daß sie auf sein ganzes übriges Denken und Fühlen ausstrahlt. Und es ist nun einmal so — wir werden ja vielleicht gerade über diese Tatsache in der nächsten Zukunft noch zu sprechen haben —, daß die Art, wie sich der Mensch zu dem Christus-Mysterium stellt seit dem Mysterium von Golgatha, eine Art, ich möchte sagen, Wertmesser ist für seine gesamte Begriffs- und Empfindungswelt. Kann er das Christus-Mysterium nicht als ein wirklich Reales auffassen, dann kann er auch mit Bezug auf die übrige Weltanschauung keine Vorstellungen und Begriffe entwickeln, welche von Wirklichkeit getränkt sind, welche wahrhaftig in die Wirklichkeit eingreifen.
[ 6 ] It may be asked: What is the reason that people today live thus blindly in an impossible position, in which it is impossible to think logically? Why do they accept such a position? The reason is, strange as this may sound if one is not familiar with the thought and hears it for the first time,—the reason is that people have more or less forgotten, in the course of the last century, how to think truly of the Christ Mystery which must take its place in the very centre of the life of the age; they have forgotten how to think of it in its real, true sense. The way in which man thinks of the Christ Mystery in the newer age should be such that it rays into his whole thinking and feeling. The position which man has assumed to the Christ since the Mystery of Golgotha represents the standard of his whole collective ideas and sentiments. (I may perhaps have more to say on this subject in the near future). If he cannot look upon the Mystery of Christ as a true reality, he is unable to develop ideas and conceptions by which to gauge the views of the world held by others, ideas permeated by reality, and really capable of penetrating the truth.
[ 7 ] Dies ist es, was wir uns vor allen Dingen heute einmal ganz klar vor die Seele stellen wollen. Wenn der Mensch wirklich so denkt, wie ich es dargestellt habe und wie eigentlich mehr oder weniger unbewußt die meisten Menschen der Gegenwart denken, dann zerfällt die Welt auf der einen Seite in die mechanische Naturordnung, auf der anderen Seite in die moralische Weltordnung. Nun wird von zaghaften Seelen, die sich aber oftmals sehr mutig dünken, das Christus-Mysterium in die rein moralische Weltordnung hereingenommen; und es wird von allen in die rein moralische Weltordnung hineingenommen, welche in diesem Christus-Mysterium nichts anderes sehen, als daß zu einer bestimmten Zeit ein großer, sagen wir sogar auch der größte Lehrer der Erdenwelt aufgetreten ist, und daß es zunächst auf seine Lehre ankommt. Wenn man aber den Christus bloß als den, sei es auch größten Lehrer der Menschheit ansieht, so ist diese Anschauung in einer gewissen Weise durchaus vereinbar mit dieser Zweispaltung der Welt in Naturordnung und moralische Weltordnung. Denn natürlich könnte, auch wenn die Erde sich so gebildet hat, wie die mechanische Weltordnung das darstellt, und so zugrunde gehen würde, daß sie einmal ein allgemeines Grab wäre, einmal doch ein großer Lehrer auftreten, der ja wirklich viel wirken könnte, die Menschen zu bessern und zu belehren. Seine Lehre könnte erhaben sein, aber es würde nichts daran ändern, daß einmal, nach dem Ende der Dinge, das Ganze ein Grab wäre, und auch die Lehre Christi eben verweht und verwischt wäre, nicht einmal als Erinnerung in irgendeiner Wesenheit vorhanden wäre. Daß man das nicht denken will, das macht die Sache nicht aus. Wenn man sich nur überhaupt bekennt zur bloßen mechanischen Weltordnung, dann müßte man das so denken.
[ 7 ] That is what I wanted above all to make clear to you today. If a man really thinks in the way I have just illustrated, as most people of the present day do, whether consciously or not, the world is then divided on the one hand into the mechanical natural order, and on the other into the moral world order. Now to timid souls, who often believe themselves to be very courageous, the Christ-Mystery forms part of the purely moral world-order. This applies chiefly to those who see nothing more in the Christ-Mystery than the fact that at a particular time, a great, perhaps even the greatest Teacher of the Earth-world appeared, and that His teaching is the thing of greatest importance. Now, if Christ is only considered as the greatest Teacher of humanity, this view is in a sense quite compatible with the twofold division of the world into a natural order and a moral order. For, of course, even if the earth had formed itself as the mechanical world order represented, and is eventually to become the common grave of all things, it might still be possible for a great Teacher to arise who might accomplish much to make men better and to convert them. His teachings might have been sublime, but they would avail nothing when, at the end of all things, everything would be a grave; when even the teachings of Christ Himself would have disappeared, and there would not even be a remembrance of Him remaining in any living being. People do not like to think that; but their dislike would not alter the fact. If it be desired to believe absolutely in a merely mechanical world-order it would be impossible to avoid such thoughts as these.
[ 8 ] Nun kommt alles darauf an, daß man einsieht, daß mit dem Mysterium von Golgatha etwas sich vollzogen hat, was nicht allein der moralischen Weltordnung, sondern der ganzen, gesamten Weltordnung angehört; was nicht allein der moralischen Wirklichkeit, die es ja im Sinne der mechanischen Weltordnung gar nicht geben kann, sondern der gesamten intensiven Wirklichkeit angehört.
[ 8 ] Everything depends upon the fact being realised that in the Mystery of Golgotha something was accomplished which does not merely belong to the moral world-order, but to the whole collective cosmic order; something which belongs, not merely to the moral reality—which according to the mechanical world-order must be non-existent—but to the whole intensive reality.
[ 9 ] Sehen Sie, am besten werden wir dazu kommen, einzusehen, um was es sich da handelt, wenn wir nunmehr an die drei Begegnungen, die ich das letztemal erwähnt habe, ein wenig denken, aber in anderem Sinne, als ich das neulich ausgeführt habe. Jedesmal, sagte ich, wenn der Mensch schläft, in dem Zustand zwischen Einschlafen und Aufwachen, begegnet er Wesen der geistigen Welt; Wesen der geistigen Welt, die mit seinem Geistselbst, wie wir es gewohnt sind zu nennen, substantiell gleichartig sind. Das heißt: Der Mensch kommt aus dem Schlafe, wenn er aufwacht, so heraus, daß er geistigen Wesen begegnet ist und die Nachwirkung der Begegnung, wenn es ihm auch unbewußt bleibt, in das äußere physische Leben hineinträgt. Sehen Sie, was sich da in der Seele abspielt, während wir diese alltägliche Begegnung haben, das bezieht sich in einer gewissen Weise durchaus auf die menschliche Zukunft. Der Mensch, der sich nicht mit Geisteswissenschaft befaßt, weiß heute ja noch wenig über dasjenige, was eigentlich in den Tiefen der Seele vorgeht, wenn der Mensch schläft. Die Träume, die für das gewöhnliche Leben etwas verraten könnten von diesen Vorgängen im Schlafe, sie verraten zwar etwas, aber sie verraten es auf eine solche Weise, daß die Wahrheit doch nicht so leicht an den Tag treten kann. Wenn der Mensch im Traum oder aus Träumen heraus aufwacht oder sich an Träume erinnert, so hängen diese Träume doch meist zusammen mit irgendwelchen Vorstellungen, die er sich schon im Leben angeeignet hat, mit Reminiszenzen. Das aber ist doch nur das Gewand desjenigen, was im Traume eigentlich lebt, respektive im Schlafzustand lebt. Wenn Sie sich den Traum in solche Vorstellungen kleiden, die aus Ihrem Leben sind, so sind diese Vorstellungen nur das Gewand; denn im Traume kommt umkleidet das zum Vorschein, was während des Schlafes eigentlich in der Seele vorgeht. Und was während des Schlafes in der Seele vorgeht, das bezieht sich weder auf die Vergangenheit noch sogar auf die Gegenwart, sondern das bezieht sich auf die Zukunft. Im Schlafe werden die Kräfte ausgebildet, die sich für die menschliche Wesenheit vergleichen lassen mit den Keimeskräften, die sich in der Pflanze entwickeln für eine nächste Pflanze. Wenn die Pflanze so heranwächst, dann entwickeln sich ja in der Pflanze immer schon für die nächste Pflanze die Keimeskräfte für das nächste Jahr. Diese Keimeskräfte gipfeln dann in der Samenbildung; da werden sie sichtbar. Aber wenn die Pflanze so wächst, heranwächst, sind schon die Keimeskräfte für die nächste Pflanze vorhanden. So sind die Keimeskräfte, sei es für die nächste Inkarnation, sei es aber auch für die Jupiter-Periode, im Menschen, und der Mensch bildet sie vorzugsweise aus im Schlafzustand. Was er da an Kräften ausbildet, das bezieht sich nicht gleich auf einzelne Ereignisse, es bezieht sich mehr auf die Grundkräfte der nächsten Inkarnation zum Beispiel, aber doch eben auf diese Kräfte der nächsten Inkarnation. Also im Schlafe arbeitet der Mensch an seinen Keimen für die nächste Inkarnation, überhaupt in die Zukunft hinüber. So daß der Mensch, wenn er schläft, schon in der Zukunft ist.
[ 9 ] We shall be able to grasp what is really in question if we turn our thoughts once more to the Three Meetings which I mentioned in the last lecture, taking them in a different sense from that to which I then referred. I told you that every time a person sleeps, in the intermediate state between his going to sleep and waking he meets Beings belonging to the Spiritual world, Beings of a like nature to his Spirit Self as we are accustomed to call it, Beings of the same substance and kind. This means that when a man wakes from sleep, he has had a meeting with a Spiritual being, and though he may be quite unconscious of having had this experience, yet he carries the after-effects into his outer physical life. Now what takes place in our soul during this daily meeting is in a certain way connected with the future of man. A man of today, unless he busies himself with Spiritual Science, knows very little as yet of what goes on in the depth of his soul during sleep. Dreams, which in ordinary life betray something of this, do indeed reveal something, but reveal it in such a way that the truth does not easily come to light. When a man wakes in a dream or out of a dream, or remembers a dream, this is mostly connected with ideas he had already acquired in his life, with reminiscences. These are however only the garments of what really lives in the dream or during sleep. When our dreams clothe themselves in pictures taken from our daily life, these are but the garments; for in dreams is revealed what actually takes place in the soul during sleep, and that is neither related to the past nor to the present, it is related to the future. In sleep are found the forces which in a human being can be compared to the germinal forces which develop in the plant for the production of a new one. As the plant grows it always develops the germinal forces for the new plant in the following year. These forces reach their height in forming the seed, in which they become visible. But as the plant grows, while it is growing, the germinal forces for the next plant are already there. In the same way the germinal forces;—whether for the next incarnation or even for the Jupiter-period -are present in man, and he chiefly forms these during his sleeping state. The forces then formed, my dear friends, are not immediately related to individual experiences, but rather to the basic forces of the next incarnation: they relate to the forces of the next incarnation. In sleep, a man works upon his germs for his next incarnation into the future. So that while he is asleep, he already lives in the future.
[ 10 ] Ich möchte doch in bezug auf diese Sache keine allzu große Unklarheit in Ihrer Seele lassen, deshalb sage ich zunächst: Es ist mit der nächsten Inkarnation für diesen Schlafzustand so, wie es mit dem Wissen des nächsten Tages ist. Wir wissen vom nächsten Tag, einfach aus der Erfahrung, daß die Sonne wieder aufgehen wird, auch ungefähr wie er verlaufen wird, wenn wir auch nicht wissen werden, welches Wetter wird, oder wie einzelne Ereignisse in unser Leben eingreifen. So ist die Seele zwar ein Prophet im Schlafe, aber wie ein Prophet, der nur auf das Große, Kosmische sieht, und nicht auf das Wetter. Also wer gar so sehr die Vorstellung hätte, daß die Einzelheiten der kommenden Inkarnation der Seele im Schlafe sich vorstellig machen, der würde in den Fehler verfallen, den derjenige macht, der glauben würde, er könnte, weil er ganz gewiß weiß, daß am nächsten Sonntag die Sonne aufgehen und untergehen wird, und weil er gewisse allgemeine Dinge weiß, auch wissen, wie das Wetter ist. Das alles aber ändert doch nichts daran, daß wir es während des Schlafes mit unserer Zukunft zu tun haben. So daß an unserer Zukunftsgestaltung die Kräfte arbeiten, die substantiell gleichartig unserem Geistselbst, uns begegnen in der Mitte der Schlafenszeit.
[ 10 ] I do not wish to leave a too hazy impression in your minds in respect to this, so will at once say that in the sleeping state, the next incarnation is as the knowledge of the next day. We know from experience that when tomorrow comes the sun will rise and we know more or less how it will run its course, although we may not know what the weather will be or what separate events may affect our lives. In like way the soul is a prophet during our sleep, but a prophet who only knows of what is great and cosmic; not of the weather. If one were to suppose that the soul during sleep becomes aware of the details of the next incarnation, one would be falling into the same error as one who thought that because he knew that next Sunday the sun will surely rise and set, and knew certain universal facts as well, he could therefore predict the weather. This does not alter the fact that while we are asleep we do have to concern ourselves with the future. The forces which are of like nature with our Spirit-Self and that work on the forming of our future, meet us during our time of sleep.
[ 11 ] Eine andere, weitere Begegnung — wenn ich die zweite Begegnung auslasse — ist dann die dritte Begegnung, von der ich das letztemal gesagt habe, daß sie einmal eintritt im ganzen Verlauf des menschlichen Lebens, in der Lebensmitte. Wenn der Mensch in den Dreißigerjahren ist, dann begegnet er dem, sagte ich, was man das Vater-Prinzip nennen kann, während er jede Nacht dem Geist-Prinzip begegnet. Dieses Begegnen mit dem Vater-Prinzip, das hat eine sehr große Bedeutung aus dem Grunde, weil — und Sie wissen, denn ich habe es erklärt, daß es auch für denjenigen eintreten muß, der vor dem dreißigsten Jahre stirbt; nur wenn man die Dreißigerjahre erlebt, tritt es im Laufe des Lebens ein, sonst tritt es mit einem frühzeitigen Tode eben vorher ein —, weil durch dieses Zusammentreffen der Mensch in die Lage kommt, sich die Erlebnisse des gegenwärtigen Lebens so tief einzuprägen, daß sie in die nächste Inkarnation hinüberwirken können. Also das, was Begegnung mit dem Vater-Prinzip ist, das hat es zu tun gerade wiederum mit dem Erdenleben der nächsten Inkarnation, während unser Begegnen mit dem Geist-Prinzip für die ganze Zukunft, über das ganze zukünftige Leben ausstrahlt, auch über dasjenige Leben, das sich zwischen Tod und neuer Geburt abspielt.
[ 11 ] Another, a further meeting—if I leave out the second—is the third meeting, of which I said in the last lecture that it only takes place once in the whole course of a man's life—in the middle of it. I said that when a man is in his thirties he meets with what may be called the Father-Principle, while he meets the Spirit-Principle every night. This meeting with the Father-Principle is of very great significance, for it must occur. You will remember I explained that even those who die before the age of thirty have this experience, only, if they live through the thirties it comes in the course of life, while when death is premature it occurs sooner. You know that, as the result of that meeting, man is enabled to impress the experiences of the present life so deeply into himself that they are able to work over into the next incarnation. Thus, that which is the meeting with the Father-Principle is connected with the earth-life of the next incarnation, whilst our meeting with the Spirit-Principle is for the whole future; it radiates over the whole of our future life, as well as over the life experienced between birth and a new birth.
[ 12 ] Die Sache ist so, daß die Gesetze, in welche eingesponnen ist diese Begegnung, die wir einmal im Leben haben, nicht irdische Gesetze sind, sondern Gesetze, die innerhalb der Erdenentwickelung so geblieben sind, wie sie in der Mondenentwickelung waren. Und diese Gesetze hängen zusammen nach der physischen Seite hin mit unserer physischen Abstammung, überhaupt mit alledem, was die physische Vererbung bedeutet. Diese physische Vererbung ist ja nur die eine Seite der Sache; ihr liegen geistige Gesetze zugrunde, wie ich das hinlänglich schon angedeutet habe. So daß all dasjenige, was sich abspielt so, daß es die Begegnung mit dem Vater-Prinzip nötig hat, in die Vergangenheit zurückweist. Das ist Erbstück der Vergangenheit; das weist in die Mondenentwickelung zurück, in die früheren Inkarnationen zurück, wie in die Zukunft weist dasjenige, was bei jedem Schlaf sich abspielt. Wie das, was sich im Schlafe abspielt, den Keim ausbildet für die Zukunft, so ist das, was sich abspielt, indem die Menschen als Nachkommen ihrer Vorfahren geboren werden und auch hinübertragen aus früheren Inkarnationen dasjenige, was aus diesen früheren Inkarnationen eben herübergetragen werden muß, etwas, was von der Vergangenheit geblieben ist. Beides nun, dasjenige, was sich auf die Zukunft bezieht, und dasjenige, was sich auf die Vergangenheit bezieht, strebt gewissermaßen aus der Naturordnung heraus. Der Bauer geht noch mit Sonnenuntergang schlafen und steht mit Sonnenaufgang auf. Aber indern der Mensch weiterschreitet in der sogenannten Kultur, macht er sich los von der Naturordnung. Und in den Städten lernt man auch schon Leute kennen — wenn das auch nicht häufig ist —, die morgens sich schlafen legen und abends aufstehen. Der Mensch macht sich los von dieser bloßen Naturordnung; das liegt schon in der Möglichkeit seiner Freiheitsentwickelung. Da ist also der Mensch gewissermaßen, weil er eine Zukunft vorbereitet, die noch nicht da ist, herausgerissen aus der Naturordnung. Auch indem er die Vergangenheit, namentlich die Mondenvergangenheit, in die Gegenwart hereinträgt, ist er herausgerissen aus der Naturordnung. Denn niemand kann aus allgemeinen Naturgesetzen heraus irgendeine Notwendigkeit angeben dafür, daß Hans Müller gerade, sagen wir im Jahre 1914 geboren wird; da herrscht nicht eine solche Notwendigkeit wie beim Aufgang der Sonne oder bei sonstigen Naturvorgängen, weil darin die Naturordnung des Mondes herrscht. Da war alles so wie die Ordnung unseres Geborenwerdens auf Erden; während der Mondenzeit war alles so.
[ 12 ] Now the laws with which this meeting, that we experience only once in a life, are interwoven, they do not pertain to the earth: they are laws which have remained in the earth-evolution just as they were at the time of the moon-evolution. On the physical side they are connected with our physical descent, and with everything which physical heredity signifies. This physical heredity is indeed only one side of the matter; there are Spiritual laws behind, as I have already explained. So that everything that comes to pass regarding the meeting with the Father Principle, points back to the past; it is the legacy of the past; it points back to the moon-evolution, to earlier incarnations, while that which takes place during sleep points to the future. Just as what takes place during sleep forms the germ for the future, so that which comes about as a result of men being born as the descendants of their ancestors, carrying over from former incarnations what is necessary should be brought over; all that has remained over from the past. Both these—what relates to the future and to the past—are in a sense striving outside the natural order. The peasant still goes to sleep at sunset and rises at dawn; but as man progresses in so-called civilisation, he tears himself free from the order of nature. One meets persons in cities—though they may not be very numerous—who go to bed in the morning and arise at night. Man is freeing himself from the mere order of nature, the development of his free will makes it possible for him to do so. Thus in a sense, because he is preparing for a future which is not yet here, he is torn away from the order of nature. When he carries the past into the present, especially the past connected with the moon, he is also torn loose from the order of nature. Nobody can prove the necessity according to the universal laws of nature, that John Smith should be born in 1914; such an event is not ruled by necessity as is the rising of the sun or other natural occurrences, but by the natural order of the moon. During the moon-period everything was like the order of our birth on earth.
[ 13 ] Aber so recht in die Naturordnung hineingestellt ist der Mensch in bezug auf das, was für seine Gegenwart unmittelbar Bedeutung hat, was sich unmittelbar auf sein Erdendasein bezieht. Während er in bezug auf das Vater-Prinzip und in bezug auf das Geist-Prinzip Vergangenheit und Zukunft in sich trägt, ist er in bezug auf jene Begegnung, von der ich gesagt habe, daß sie sich im Jahreslauf vollzieht und noch zusammenhängt auch nun mit der Begegnung mit dem Christus, an die Naturordnung gebunden. Wäre er nicht an die Naturordnung gebunden, so würde die Folge sein, daß der eine Weihnachten im Dezember, der andere Weihnachten im März feierte und so weiter. Aber trotzdem sich die Völker in verschiedener Weise unterscheiden, schon mit Bezug darauf, wie sie das Weihnachtsfest begehen, irgend etwas von einer Festlichkeit, die immer irgendwie einen Bezug hat auf diese Begegnung, auf das, was ich meinte, fällt doch in die letzten Dezembertage. In bezug auf diese Begegnung, die in den Jahreslauf eingefügt ist, steht also der Mensch, und zwar weil dieses seine Gegenwart ist, in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Naturlaufe; da fügt er sich dem Naturlaufe, während er mit Bezug auf Vergangenheit und Zukunft aus dem Naturlauf herausgetreten ist, seit Jahrtausenden schon herausgetreten ist.
[ 13 ] Man is however entirely subject to the order of nature as regards what is of immediate significance to the present, to his earth existence. Whereas, as regards the Father-Principle he bears the past within him, and as regards the Spirit-Principle the future—with respect to that meeting of which I have said that it occurs in the course of the year and which is now connected with the meeting with Christ—man is connected with the order of nature. If he were not, the consequence would be that Christmas might by one person be celebrated in December and by another in March, and so on; but although different nations have different designations for the Festival of Christmas, there is everywhere some kind of festivity in the latter days of December which always bears some relation to the meeting I referred to. Thus with respect to this meeting which is inserted into the course of the year, man, for the very reason that this is his present, is in direct connection with the order of nature; while with respect to the past and the future he has become free from it, and has indeed been free from it for thousands of years.
[ 14 ] In alten Zeiten fügte sich der Mensch allerdings auch in bezug auf Vergangenheit und Zukunft dem Naturlaufe. So war nach dem Naturlaufe in alten Zeiten zum Beispiel in den germanischen Ländern die Geburt geregelt. Denn die Geburt durfte nur stattfinden, weil sie von den Mysterien aus geregelt wurde, zu einer ganz bestimmten Jahreszeit. Da war sie eingefügt in die Jahreszeit. Und geregelt wurde Empfängnis und Geburt in alten Zeiten, in weit zurückliegenden vorchristlichen Zeiten, in den germanischen Ländern durch dasjenige, was sich nur in schwachen Nachklängen erhalten hat als Mythe, durch den Hertha-Dienst. Der Hertha-Dienst umfaßte nämlich nichts Geringeres in alten Zeiten, als daß nur zu der Zeit, als die Hertha mit ihrem Wagen sich den Menschen näherte, die Tage der Empfängnis da waren; und wenn sie sich wieder zurückgezogen hatte, dann durften sie nicht mehr sein. Das bewirkte allerdings, daß dazumal als ehrlos galt — weil er aus dem Naturlauf herausfiel in bezug auf sein Menschendasein — derjenige, der nicht innerhalb einer gewissen Jahreszeit geboren war. Das war geradeso in alten Zeiten dem Naturlaufe angepaßt, wie angepaßt war diesem Naturlaufe das Schlafen und Wachen. Man ging eben, wenn die Sonne unterging, schlafen und wachte auf mit der Morgenröte. Aber diese Dinge haben sich verschoben. Nicht verschieben aber kann sich das Mittlere, die Anpassung an den Jahreslauf. Durch diese Anpassung an den Jahreslauf soll nämlich und muß im menschlichen Gemüt etwas erhalten bleiben.
[ 14 ] In the olden times man joined in the order of nature both as regards the past and the future. In the Germanic countries, for instance, birth was regulated in olden times in accordance with the order of nature. Birth, which was then regulated by the Mysteries, might only take place at a stated time of the year. Thus it was inserted into the order of nature. In olden times, long before the Christian Era, conception and birth were regulated in the Germanic countries by that of which only a faint echo has been preserved in the Myth of the worship of Hertha. In those days her worship comprised no less than the following. When Hertha descended in her chariot and drew near to men, that was the time of conception; after she had withdrawn, this might no longer take place. This was so strictly adhered to that anyone not born within the appointed season was considered lacking in honour, because his human existence was not in harmony with the order of nature. Birth and conception were just as much adapted to the course of nature in olden times as sleeping and waking, for in those days people slept when the sun had set and woke at dawn. These things have now become displaced; but the central event which is adapted to the course of the year cannot be displaced. By means of this, through its harmony with the order of nature, something is retained and must be so retained in the human soul.
[ 15 ] Was ist denn der ganze Sinn der menschlichen Erdenentwickelung? Das ist der ganze Sinn der menschlichen Erdenentwickelung, daß sich der Mensch an die Erde anpaßt, daß er die Bedingungen der Erdenentwickelung in sich aufnimmt; daß er hineinträgt in die Zukunft seiner Entwickelung dasjenige, was die Erde ihm geben kann — ich meine jetzt nicht bloß in einer Inkarnation, sondern durch alle Inkarnationen hindurch —, für die spätere Entwickelung ihm geben kann. Das ist der Sinn der Erdenentwickelung. Dieser Sinn der Erdenentwickelung, er kann nur verwirklicht werden dadurch, daß der Mensch gewissermaßen auf der Erde nach und nach vergessen lernte seinen Zusammenhang mit den kosmischen, mit den himmlischen Mächten. Der Mensch lernte vergessen seinen Zusammenhang mit den himmlischen Mächten. Wir wissen ja, daß in alten Zeiten die Menschen ein atavistisches Hellsehen hatten, aber gerade innerhalb dieses atavistischen Hellsehens wirkten ja die himmlischen Mächte in die Menschen hinein. Da hatte der Mensch noch seinen Zusammenhang mit den himmlischen Mächten; da ragte gewissermaßen das Himmelreich in das menschliche Gemüt hinein. Das mußte anders werden, damit der Mensch seine Freiheit entwickeln kann. Der Mensch mußte in seiner Anschauung, in seiner unmittelbaren Wahrnehmung nichts mehr haben von dem himmlischen Reich, damit er der Erde verwandt werde. Aus diesem Grunde aber ist auch die Möglichkeit allein gegeben gewesen, daß der Mensch in der extremsten Zeit der Erdenverwandtschaft eben materialistisch wurde, im fünften Zeitraum, in dem wir selber drinnenstehen. Der Materialismus ist nur der radikalste, extremste Ausdruck der Verwandtschaft des Menschen mit der Erde. Das aber würde bedingen, daß der Mensch wirklich der Erde verfiele, wenn nichts anderes eintreten würde. Der Mensch müßte der Erde verwandt werden, nach und nach ganz das Schicksal der Erde teilen. Er müßte die Wege nehmen, die die Erde selber nimmt, er müßte sich ganz einfügen der Erdenentwickelung, wenn nichts anderes eintreten würde. Er müßte gleichsam mit der Erde sich losreißen vom ganzen Kosmos und sein Schicksal ganz mit dem Schicksal der Erde verbinden.
[ 15 ] What then is the whole purpose of man's earthly evolution? That man should adapt himself to the earth and take the earth-conditions into himself; that he should carry into his future evolution what the earth has been able to give him, not in any one incarnation alone, but in the whole sum of his incarnations on earth. That then is the purpose of the earth evolution. This purpose can however only be fulfilled through man's to some extent forgetting during his sojourn on earth, his connection with the cosmic and heavenly powers. This he has learnt to do. We know indeed that in olden times man possessed an atavistic clairvoyance, and into that the heavenly powers could work; man was still connected with them; the kingdom of heaven in a sense extended into the human heart. This had to become different so that man might develop his free will. In order that he might become related to the earth he had to have nothing more of the kingdom of heaven in his vision, in his direct perception. This however is the reason that at the time of his closest relation to the earth, in the fifth epoch in which we are living now man became materialistic. Materialism is only the most complete, the most extreme expression of man's relation to the earth, and if nothing else had happened this would have brought about his complete and utter subjection to the earth. He would have had to become related to it and gradually share in its destiny; he would have had to follow the same path as the earth is herself pursuing; he would have been entirely dovetailed into the earth's evolution,—unless something else had occurred. He would have been obliged to tear himself away, as it were, from the cosmos together with the earth, and to unite his destiny completely with that of the earth. That however was not planned for mankind, something else was intended. On the one hand man was to unite himself in the proper way with the earth.
[ 16 ] Das war aber nicht so gemeint für die Menschheit, sondern es war für die Menschheit anders gemeint. Der Mensch sollte auf der einen Seite sich richtig mit der Erde verbinden, aber es sollte Botschaft aus der himmlischen, geistigen Welt herunterkommen, die ihn, trotzdem er “ durch seine Natur erdenverwandt wird, wiederum hinwegträgt über diese Erdenverwandtschaft. Und dieses Herunterbringen der Himmelsbotschaft, das geschah durch das Mysterium von Golgatha. Daher mußte auf der einen Seite das Wesen, das durch das Mysterium von Golgatha ging, Menschenwesenheit annehmen, aber auf der anderen Seite in sich Himmelswesenheit tragen. Das heißt aber: Wir dürfen uns den Christus Jesus nicht bloß so vorstellen, daß er innerhalb der Menschheitsentwickelung nicht als auch einer sich entwickelt, und sei er auch der Höchste, sondern daß er sich als einer entwickelt, der aufnimmt himmlische Wesenheit, der nicht bloß eine Lehre verbreitet, sondern der in die Erde hereinträgt dasjenige, was aus dem Himmel kommt. Daher ist es wichtig, zu verstehen, was eigentlich die JohannesTaufe im Jordan ist: daß das nicht bloß eine moralische Handlung ist — ich sage nicht «nicht» eine moralische Handlung ist, sondern «nicht bloß» eine moralische Handlung ist —, sondern eine reale Handlung ist; daß da etwas geschieht, das so wirklich ist, wie die Naturereignisse wirklich sind, das so wirklich ist, wie wenn ich mit irgendeinem Wärmequell etwas erwärme und die Wärme übergeht in das Erwärmte, daß die Christus-Wesenheit übergeht in den Menschen Jesus von Nazareth bei der Johannes-Taufe. Das ist gewiß im höchsten Grade ein Moralisches, aber auch im Naturlaufe ein Wirkliches, wie die Naturerscheinungen wirklich sind. Und darauf kommt es an, daß das verstanden wird, daß man es nicht nur mit irgend etwas zu tun hat, was aus rationalistischen menschlichen Begriffen heraus stammt, die immer nur übereinstimmen mit dem mechanischen, dem physischen oder chemischen Naturlaufe, sondern daß es etwas ist, was als Idee zu gleicher Zeit so in der realen Wirklichkeit drinnensteht, wie die Naturgesetze in der realen Wirklichkeit oder eigentlich die Naturkräfte in der realen Wirklichkeit drinnenstehen,
[ 16 ] On the other, although through his nature he was to become related to the earth, yet messages were to come down to him from the Spiritual world which would raise him once again above the earth. This bringing down of the Heavenly Message came about through the Mystery of Golgotha. Therefore the Being Who went through the Mystery of Golgotha had to take on human nature as well as that of a Heavenly Being. This means that we must think of Christ Jesus not merely as One, who although the Highest, entered human evolution and developed therein; but as One Who possessed a heavenly nature, Who not only taught and propagated doctrine but brought into the earth that which came from Heaven. That is why it is important to understand what the Baptism in Jordan really is; it is not merely a moral action—I do not say it is not a moral action, but it is not that alone. It is also a real action. Something took place then which is just as much a reality as the happenings of nature. If I warm a thing by some warmth-giving means, the warmth passes over into that which is warmed. In like manner did the Christ-Being pass into Jesus of Nazareth at the Baptism by John. That is most certainly in the highest degree a moral action; but it is also a reality in the course of nature, just as real as the phenomena of nature. The important thing is that it should be understood that this is nothing originating in rationalistic conceptions, which always accord merely with the mechanical, physical or chemical course of nature; but something which as idea, is just as much an actual fact as the laws of nature, or indeed the forces of nature.
[ 17 ] Von da aus, wenn man das erfaßt, werden dann auch andere Begriffe viel realer werden, als sie in der Gegenwart sind. Sehen Sie, der alte Alchimist — wir wollen uns jetzt nicht über Alchimie unterhalten, aber wir wollen auf das, was der Alchimist im Auge hatte, blicken; ob das berechtigt oder unberechtigt ist, darüber wollen wir uns nicht unterhalten, das kann vielleicht Gegenstand einer anderen Betrachtung sein —, er hatte im Auge, daß durch seine Vorstellungen nicht bloß etwas vorgestellt wird, sondern etwas geschieht. Sagen wir: Er räucherte. Und hatte er dann die Vorstellung oder sprach sie aus, so versuchte er, in diese Vorstellung eine solche Kraft hineinzubringen, daß die Räuchersubstanz wirklich Formen annahm. Er suchte solche Begriffe, die die Macht haben, in die äußere Naturrealität einzugreifen, nicht bloß innerhalb des Egoistischen des Menschen zu bleiben, sondern in die Naturrealität einzugreifen. Warum? Weil er auch noch von dem Mysterium von Golgatha die Vorstellung hatte, daß da etwas geschah, was in den Naturlauf der Erde eingreift, das ebenso eine Tatsache ist, wie ein Naturvorgang eine Naturtatsache ist.
[ 17 ] Once this has been grasped, other ideas will become more real than they are at present. We will not now enter into a discussion on alchemy, but remember that what the old alchemist had in view was that his conceptions should not remain mere ideas, but that they should result in something. (Whether he was justified or not is a not the point for the moment, that may perhaps be the subject of another lecture.) When he burnt incense while holding his conception in mind or giving voice to it, he tried to put sufficient force into it to compel the smoke of the incense to take on form. He sought for such ideas as have the power of affecting the external realities of nature, ideas that do not merely remain within the egoistic part of man but can intervene in the realities of nature. Why did he do this? Because he still had the idea that something occurred at the Mystery of Golgotha which intervened in the course of nature: that was just as real a fact to him as a fact of nature.
[ 18 ] Sehen Sie, auf diesem beruht ein bedeutungsvoller Unterschied, der in der zweiten Hälfte des Mittelalters und gegen die neuere Zeit, gegen unsere fünfte, auf die griechisch-lateinische folgende Weltenperiode eintrat. In der Kreuzzugszeit, der Zeit des 12., 13., 14., 15., ja 16. Jahrhunderts gab es insbesondere Frauennaturen, welche ihr Gemüt in eine solche Mystik brachten, daß sie dieses innere Erlebnis, das ihnen die Mystik brachte, wie eine Hochzeit empfanden mit dem Geistigen, sei es mit dem Christus, oder sonst etwas. Mystische Hochzeiten feierten zahlreiche asketische Nonnen und so weiter. Ich will mich heute nicht über das Wesen dieser innerlichen mystischen Vereinigungen ergehen; aber es war eben ein innerhalb des Gemüts Verlaufendes, das dann nur mit Worten ausgesprochen werden konnte, das gewissermaßen innerhalb der Vorstellungen, der Empfindungen und noch des Wortes, in das die Empfindungen gekleidet werden können, verlief. Dem setzte dann aus gewissen Vorstellungen und geisteswissenschaftlichen Zusammenhängen heraus Valentin Andreae seine «Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreutz» entgegen. Diese chymische Hochzeit, wir würden heute sagen chemische Hochzeit, sie ist auch ein menschliches Erlebnis. Aber wenn Sie sie durchlesen, diese Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreutz, so werden Sie sehen, daß es sich da nicht bloß um ein Gemütserlebnis handelt, sondern um etwas, was den ganzen Menschen ergreift, nicht bloß sich in Worten ausspricht; was nicht bloß hereingestellt ist wie ein Gemütserlebnis in die Welt, sondern wie ein realer Vorgang, ein Naturvorgang, wo der Mensch mit sich etwas macht, das wie ein Naturvorgang wird. Also etwas, was mehr von Wirklichkeit durchtränkt ist, meint Valentin Andreae mit seiner «Chymischen Hochzeit des Christian Rosenkreutz», als eine bloß mystische Hochzeit etwa der Mechthild von Magdeburg, die eine Mystikerin war. Durch die mystische Hochzeit der Nonnen wurde nur etwas getan für die Subjektivität des Menschen; durch die chymische Hochzeit gab sich der Mensch der Welt hin, durch ihn sollte etwas für die ganze Welt geleistet werden, so wie durch die Naturvorgänge etwas für die ganze Welt geleistet wird. Dies ist nun wiederum im eminent christlichen Sinne gedacht. Begriffe wollten die Menschen, die realer dachten — sei es nun selbst in dem einseitigen Sinne der alten Alchimisten —, Begriffe wollten sie, durch die sie die Wirklichkeit in richtiger Art meistern könnten, durch die sie in die Wirklichkeit richtiger eingreifen könnten, solche Begriffe, die nun wirklich etwas mit der Wirklichkeit zu tun haben. Die materialistische Zeit hat zunächst über solche Begriffe einen Schleier geworfen. Und die Menschen, während sie heute meinen, gerade recht über die Wirklichkeit zu denken, leben viel mehr in Illusionen als die von ihnen verachteten Menschen zum Beispiel der Alchimistenzeit, welche Begriffe anstrebten, durch die die Wirklichkeit gemeistert werden kann.
[ 18 ] You see upon this rests a very significant difference which began in the second half of the Middle Ages, towards our own fifth age which followed the Graeco-Latin epoch. At the time of the crusades, in the twelfth, thirteenth, fourteenth and fifteenth, and indeed in the sixteenth century, there were some special natures, principally women, who devoted themselves so deeply to mysticism, that the inner experience resulting therefrom was felt by them as a spiritual marriage, whether with Christ or another. Many ascetic nuns celebrated mystical marriages. I will not enter into the nature of these inner mystic unions today; but something took place in their inner being which could afterwards only be expressed in words. In a sense it was something that subsisted in the ideas, feelings and also the words in which these were clothed. In contrast to this, Valentine Andrea, as the result of certain conceptions and Spiritual connections, wrote his Chymical Marriage of Christian Rosenkreuz. This chymical—or, as we should say today, chemical-marriage is also a human experience, but when you go into the matter you find that this does not only apply to a soul-experience but to something not merely expressed in words, but which grips the whole man; it is not merely put into the world as a soul experience, for it was a real occurrence, an event of nature, in which a man accomplishes something like a natural process. Valentine Andrea in The Chymical Marriage of Christian Rosenkreuz, meant to express something that was more permeated with reality than the merely mystical marriage of Mechthild of Magdeburg, who was a mystic. The mystical marriage of the nuns only accomplished something for the subjective nature of man; by the chymical marriage a man gave himself to the world. Through this, something was accomplished for the whole world; just as something is accomplished for the whole world by the processes of nature. This is again to be taken in a truly Christian sense. Those who thought more real thoughts, longed for concepts through which they could better lay hold of reality, even if only in the one-sided way of the old alchemists—concepts through which they could better grasp reality, ideas in fact which were really connected with reality. The age of materialism has at present thrown a veil over such concepts; and those who today believe they think aright about reality are living in greater illusion than these despised men at the time of the old alchemists, who strove for concepts which should help them to master it.
[ 19 ] Was können denn heute die Menschen mit ihren Begriffen? Das erleben wir ja gerade in unserem Zeitalter, was die Menschen mit ihren Begriffen erreichen können: Illusionen, Begriffshülsen. Das ist dasjenige, dem die Menschen heute wie Götzen nachjagen: Begriffshülsen, die nichts zu tun haben mit der Wirklichkeit. Denn die Wirklichkeit erlangt man nur dadurch, daß man untertaucht eben in die Wirklichkeit, aber nicht dadurch, daß man sich in beliebiger Weise Begriffe ausbildet. Und doch, an den gewöhnlichsten Dingen des Tages kann man den Unterschied von wirklichkeitsgesättigten Begriffen und unwirklichen Begriffen erkennen. Nur erkennen das die meisten Menschen heute nicht. Sie sind so unendlich befriedigt von bloßen Begriffsschatten, die keine Wirklichkeit haben. Denken Sie sich zum Beispiel, daß heute jemand sich hinstellt und eine Rede hält, in der er sagt, nun, nehmen wir an, es sagte jemand: Es müsse eine neue Zeit kommen, sie kündige sich schon an, eine ganz neue Zeit, in welcher der Mensch nur nach seinem eigenen Werte gemessen werden müsse, wo jeder Mensch kraft dessen, was er leisten kann, gewertet wird! — Nun, wer würde heute nicht sagen: Das ist einmal etwas, das nun aus dem tiefsten Verständnis unserer Zeit heraus gesprochen ist! Aber solange die Begriffe Hülsen bleiben, kann es noch so schön sein, es ist eben nicht wirklichkeitsdurchtränkt. Denn es kommt nicht darauf an, daß jemand dem Prinzip nachjagt, daß jeder Mensch nach seinen Kräften an den betreffenden Ort gestellt werden soll, wenn er nachher davon überzeugt ist, daß gerade sein Neffe derjenige ist, der der Tüchtigste ist. Es kommt nicht darauf an, was man für Begriffe, für Vorstellungen hat, sondern daß man vermag, in die Wirklichkeit mit seinen Begriffen hineinzudringen, Wirklichkeit zu erkennen! Prinzipien haben, Ideale haben, das tut sehr wohl, ist eine große Wollust, und sie auszusprechen, ist oftmals eine noch größere Wollust. Aber das, was not tut, ist: wirklich untertauchen in die Wirklichkeit, die Wirklichkeit erkennen und durchdringen das Wirkliche. Wir kommen immer tiefer hinein in dasjenige, was unsere unendlich traurige Zeit herbeigeführt hat, wenn wir diesen Götzendienst gegenüber den Begriffshülsen und Begriffsschatten immer weitertreiben, wenn wir nicht uns hineinfinden in die Anschauung, daß schöne Begriffe haben und schöne Vorstellungen haben, schöne Begriffe aussprechen und schöne Vorstellungen aussprechen, nicht einen Schuß Pulver wert ist, wenn es nicht verbunden ist mit dem Willen, in die Wirklichkeit unterzutauchen, die Wirklichkeit zu erkennen. Und taucht man in die Wirklichkeit unter, dann findet man in dieser Wirklichkeit nicht bloß das Materielle, sondern dann findet man eben auch den Geist. Das bringt allein vom Geiste ab, daß man mit Begriffsschatten, mit Begriffshülsen heute Götzendienst treibt. Das ist aber auch das unermeßliche Unglück unserer Zeit, daß die Menschen an schönen Worten sich berauschen. Und das ist zugleich das Unchristliche; denn das Grundprinzip des Christentums ist, daß der Christus in den Jesus von Nazareth nicht nur Lehren hineingegossen hat, sondern selber in ihn hineingezogen ist, das heißt, sich mit der irdischen Wirklichkeit so verbunden hat, in diese irdische Wirklichkeit eingezogen ist, und dadurch die lebendige Botschaft aus dem Kosmos geworden ist.
[ 19 ] For what can men accomplish today with their concepts? In our age in particular we have some experience of what they can attain through these empty illusions; the husks of ideas are idols worshipped today, they have nothing to do with reality. For reality is only reached by man plunging down into it, not by forming any sort of ideas at will; yet the difference between unreal concepts and those which are permeated with reality, can be perceived in the ordinary things of the day, but most people do not recognise this. They are so absolutely satisfied with the mere shadow of ideas, having no reality. Suppose, for instance, someone today gets up and makes a speech in which perhaps he may say that a new age must come which is already manifesting, a completely new age in which every man will be measured according to his own worth alone, when he will be valued according to what he can do! Anyone today would admit that such words are in complete understanding with the times! But, my dear friends, as long as ideas are nothing but husks, however beautiful they may be, they are not permeated with reality. For it is not the point that one who is convinced that his own nephew happens to be the best man for the job should admit the principle that every man should be put in the place to which his powers are best adapted. It is not the ideas and concepts one may have that signify: what is required is that with those ideas one should penetrate the reality, and recognise it! It is very pleasant to have ideals and fine principles and often still pleasanter to give expression to them. But what is needed is that we should really plunge down into the reality, recognise it, and penetrate it. We are plunging more and more deeply into that which has brought about these sad times, if we continue to carry on this worshipping of the idols of the husks and shadows of ideas, if we do not learn to see that it is not of the slightest value to have ‘such beautiful ideas and conceptions,’ and to talk about them unless there is the will to get right down to the realities and recognise them. If we do that, we shall not only find the substance, but also the Spirit therein. It is the worshipping of idols, of the mere shadows and husks of ideas, which lead us away from the Spirit. It is the great misfortune of our age, that people are intoxicated with fine words. It is unchristian too; for the true basic principle of Christianity is that the Christ did not pour His teaching into Jesus of Nazareth but poured Himself in; which means that He so united Himself with earthly reality, was so drawn into the reality of the earth, that He thereby became the Living Message from the Cosmos.
[ 20 ] Dasjenige Buch, welches, wenn es richtig gelesen wird, das wunderbarste Erziehungsmittel für die Wirklichkeit ist, das ist nun doch das Neue Testament. Nur muß nach und nach dieses Neue Testament in unsere Sprache übertragen werden. Die heutigen Übersetzungen sind nicht mehr so, daß sie den ursprünglichen Sinn völlig geben, aber wenn in die unmittelbare Sprache des Tages der alte Sinn übertragen wird, dann ist das Evangelium das allerbeste Mittel, die Menschen zu wirklichkeitsdurchtränktem Denken zu bringen, weil dieses Evangelium in jeder Zeile selber nicht solche Gedankenformen hat, welche zu Begriffsschatten und Begriffshülsen führen. Man muß nur die Dinge in ihrer tieferen Realität heute fassen. Es könnte schon fast trivial klingen, wenn man vom Sich-Berauschen an Begriffen spricht, aber dieses Berauschen an Begriffen ist nun eben einmal heute so ungeheuer verbreitet, daß es weniger auf die Vorstellungen, auf die Ideen, und wenn sie noch so schön klingen, ankommt, sondern darauf, daß der, der die Vorstellungen und Ideen ausspricht, in der Wirklichkeit steht. Das kann man so unendlich schwer heute begreifen. Man beurteilt ja fast alles, was in die Öffentlichkeit tritt, heute bloß nach dem Inhalt, und zwar nach dem Begriffsinhalt. Sonst würde man nicht die ideenleersten Dokumente — ich will nur sagen zum Beispiel die sogenannte Friedensnote des Professor Wilson, ich will sagen des Präsidenten Wilson, eine Hülse, eine bloße Zusammenstoppelung von Begriffsschatten —, man würde sie nicht für irgend etwas gehalten haben, was Tragkraft hat für die Realität. Wer Empfindung hat für Begriffsschattigkeit, der konnte aus dieser Zusammenstellung von bloßen Begriffsschatten wissen, daß das höchstens als Absurdität wirken könnte, die dann eine gewisse Realität sein könnte. Denn das, was not tut, ist heute eben: wirklichkeitsgesättigte Begriffe sich zu holen, zu suchen. Das aber setzt voraus, daß die Menschen tief, tief verwandt werden können mit der Wirklichkeit, daß sie selbstlos genug sind, sich mit dem, was in der Wirklichkeit lebt und webt, zu verbinden. Denn man kann vieles sehen in der Gegenwart, das gerade von diesem Suchen nach der Wirklichkeit abführt, ganz hinwegführt, und man merkt diese Dinge nicht.
[ 20 ] The New Testament, my dear friends, if read aright, is the most wonderful means of education concerning reality; only the New Testament must little by little be put into our own language. The present translations do not now completely give the original meaning; but when the old meaning is put into the direct language of our day, the gospels will then be the very best means of bringing man ‘that power of thinking that is permeated with reality.’ For nowhere can thought-forms be found in them that could lead to the husks and shadows of ideas. We need but to grasp these things today in their deeper reality. It may sound almost trivial to speak of the intoxication of ideas, but this is so enormously prevalent today that the ideas and concepts themselves, however beautiful they may sound, are no longer the real point at issue: what is important is that the man who utters them should take his stand on reality. People find that difficult to understand today. Everything that comes out into the open is judged today by its content, and indeed by what is understood of that content. If this were not so, such documents, for instance, as the so-called Peace-Programme of President Wilson—which is entirely void of ideas, a husk, a mere conglomeration of the shadows of ideas—would never be taken as based on reality. Anyone having the power of discerning the reflections of ideas would know that this combination could at most only work by means of a certain absurdity, which might become a sort of reality. What is really needed is that people should try to find ideas and concepts really permeated with reality; this however pre-supposes in the seekers that they themselves should be profoundly imbued with reality and be selfless enough to connect themselves with that which lives and moves in reality. There is a great deal in the present day well calculated to lead people entirely away from the search for reality, but these things are not observed.
[ 21 ] Mancherlei für den Kenner traurigste Dinge gehen vor sich. Zum Beispiel ist es in der Gegenwart möglich, daß die Menschen ergriffen werden, rein durch die Wortzusammenstellung, von einer Anzahl von Reden, die auch gedruckt worden sind; einer Anzahl von Reden, welche für denjenigen, der nicht auf die Worte, sondern auf die Wirklichkeiten geht, geradezu grauenvoll sind. Da sind Reden gehalten worden von einer sehr angesehenen Persönlichkeit der Gegenwart, die gleich in einer der ersten Reden den Standpunkt vertritt: Ja, mit Bezug auf die eine Seite des Menschen gehört der Mensch durchaus der Naturordnung an, und die Theologen tun nicht gut, wenn sie nicht die Naturordnung den reinen Naturforschern überlassen. — Dann führt der Redner weiter aus: In bezug auf die Naturordnung ist der Mensch rein ein Mechanismus; aber von diesem Mechanismus hängen auch die Verrichtungen der Seele ab. — Und was er nun als Verrichtungen der Seele angibt, das ist ungefähr alles, was die Seele überhaupt an Verrichtungen hat. Das soll nun auch den Naturforschern überlassen werden. Und für die Theologie bleibt dann nichts anderes als der Trost: Es ist alles an die Naturwissenschaft abgetreten, aber wir sollen nur noch reden! Dann kann man allerdings nur noch in Worthülsen reden. Dabei sind die Reden so gefaßt, daß sie Diskontinuitäten haben — ich werde auf das ganze Faktum in den nächsten Vorträgen noch einmal zurückkommen und darauf näher eingehen —, daß der nächste Gedanke, wenn er wirklich durchschaut wird, mit dem vorhergehenden Gedanken, mit dem er in Zusammenhang gebracht wird, nicht einmal irgendwie zusammen gedacht werden kann. Aber das Ganze klingt wunderschön. Und in der Vorrede zu diesen Vorträgen über sogenannte «Lebensgestaltung» steht, daß diese Vorträge vor Tausenden von Menschen vor kurzer Zeit gehalten worden sind, und daß jedenfalls noch viele Tausende das Bedürfnis haben werden, sich an diesen Vorträgen einen Seelentrost in ernster Zeit zu suchen. Diese Vorträge sind von dem berühmten Theologen Hunzinger und sind in der Quelle- und Meyer-Sammlung, ich glaube «Wissenschaft und Bildung» heißt sie, erschienen und sind geradezu etwas, was zu dem Gefährlichsten in der Gegenwart gehört, weil es bei einem schön klingenden Inhalt, bei einem berauschend klingenden Inhalt, das Gedankenleben der Menschen geradezu verwirrt, weil die Gedanken keinen Zusammenhang haben, und weil das Ganze eigentlich, sobald man es der berauschenden Worte entkleidet, nichts anderes ist als ein Nonsens, Dennoch, die Lobrednereien über diese Dinge erfüllen ungeheuer weite Kreise — ich werde Ihnen in einem der nächsten Vorträge im einzelnen nachweisen, welche Gedankenkonfusiionen darinnen sind — und niemand läßt sich darauf ein, die Gedankenformen zu prüfen, sondern jeder bleibt stehen bei den Wortschatten.
[ 21 ] He who knows sees many sad things going on. For instance, that it should be possible at the present day for people to be impressed simply by a combination of words, by a number of speeches, which indeed are printed, but which, to one who does not go by mere words but by realities, are absolutely appalling. Speeches have been delivered by a highly honoured person of our day, who in his very first speech immediately takes up the attitude that man on one side of his nature, is absolutely related to the order of nature, and that the theologians are not acting aright if they do not leave the order of nature to the scientists who investigate it. The speeches go on to say that as regards the order of nature, man is simply a piece of machinery; but on this machinery depend the functions of the soul; what are then specified as functions include practically all the functions belonging to the soul. All these are then to be left to the Nature investigators! Nothing is left to comfort theology but the thought that all this has now been given over to Natural Science, and all we have to do is to make speeches—to talk! After that, of course one can only live on husks of words. Furthermore, the speeches are so composed that they lack continuity. (I shall come back to this subject in the coming lectures and go into it more fully.) If you look closely into the thought that is supposed to be connected with the one immediately preceding it, you will find that it cannot possibly be thought of as connected. The whole thing sounds very well, however! In the preface to certain lectures “On the Moulding of Life,” it is stated that they have been lately attended by thousands of people, and that certainly many thousands more feel the need to comfort their souls at this serious time by perusing them. These lectures were given by the celebrated theologian Hunzinger, and I believe are in the ‘Quelle-Meyer’ Library, under the name of Knowledge and Education. They are among the most dangerous literature of the day, because, although they sound enchanting, one's thought-life becomes simply confused, for the thoughts are disconnected and, if one strips off the fascinating words, are nothing but nonsense. Yet these lectures were very much praised, and no one noticed the confused thoughts in them or stopped to test them; everyone was charmed by the shadow-words.
[ 22 ] Ja, dasjenige, was äußere Wirklichkeit ist, hängt durchaus zusammen mit demjenigen, was der Mensch innerlich entwickelt. Entwickelt er wirklichkeitsfremde Begriffe, dann muß die Wirklichkeit in Verwirrung kommen, und dann entstehen Zustände wie die heutigen. An dem, was als äußere Zustände einem entgegentritt, kann man nicht mehr die $ache beurteilen, sondern an dem muß man es beurteilen, was sich oftmals nicht nur Jahre, sondern Jahrzehnte, vielleicht noch länger vorher in den menschlichen Gemütern entwickelt. Da liegt es, was die Ursache ist. Da hinein muß man schauen. Alles aber hängt daran, daß der Christus nicht bloß seinem Lehrinhalt nach genommen werde, sondern daß das Mysterium von Golgatha in seiner Realität, in seiner Wirklichkeit geschaut wird, daß geschaut wird, daß da tatsächlich etwas Überirdisches durch die Person des Jesus von Nazareth sich mit dem Irdischen verbunden hat. Denn dann wird man darauf kommen, daß das Moralische nicht bloß dasjenige ist, was verweht und vergeht, wenn die Erde oder selbst das Himmelsgebäude ein Grab geworden ist, sondern daß die gegenwärtige Erde und das gegenwärtige Himmelsgebäude ein Grab werden kann, wie die gegenwärtige Pflanze zu Staub wird. Aber wie in der gegenwärtigen Pflanze der Keim zu der nächsten darinnensteckt, so steckt in der gegenwärtigen Welt der Keim zu der nächsten darinnen. Und die Menschen sind mit diesem Keim verbunden. Nur bedarf dieser Keim des Zusammenhanges mit dem Christus, damit er nicht, wie etwa der Pflanzenkeim, wenn er nicht befruchtet wird, mit dem Staub der Pflanze zerfällt, so mit dem Grabe der Erde zerfällt. Daß die moralische Weltenordnung in der Gegenwart die Keimkraft künftiger Naturordnung ist, das ist der realste Gedanke, den es geben kann. Das Moralische ist nicht bloß etwas Ausgedachtes; das Moralische ist jetzt, wenn es wirklichkeitsgetränkt ist, als Keim vorhanden für spätere äußere Realitäten.
[ 22 ] Yes, the external reality entirely hangs together with that which man is ever developing. If he develops concepts void of reality, the reality itself becomes confused and then follow conditions such as we have today. It is no longer possible to judge things by what meets us today externally; we must form our opinions by studying what has been developing in the minds of men for years, or decades, perhaps even longer still. That is what must be gone into. The whole thing depends upon our not accepting the Christ from His teaching alone, but that we should look at the Mystery of Golgotha in its actuality, in its reality; that we should see that it was a Fact that Something super-earthly united itself with the earth in the person of Jesus of Nazareth. We shall then come to realise that morality is not merely something which fades and dies away, when the earth, and even the fabric of the heavens, shall become a grave; but that even though the present earth and the present heavens become a grave, yet, just as the present plants will become mere dust while in the present plant there is the germ of the next one, so there is the germ of the next world in this world of ours, and man is connected with this germ. Only this germ requires the connection with Christ that it may not fall into the grave with the earth, as a plant germ that has not been fructified falls into dust with the plant. The most real thought it is possible to hold, is that the present moral order of the world is the germinal force for the future order of nature. Morality is no mere worked-out thought; if permeated with reality it exists in the present as a germ for later external realities.
[ 23 ] Zu diesem Gedanken kommt keine solche Weltanschauung, von der Herman Grimm sagte, daß ein Stück Aasknochen, um den ein hungriger Hund herumschleicht, ein appetitlicherer Anblick sei als die KantLaplacesche Weltordnung. Zu diesem Gedanken, daß das Moralische in sich die Kraft hat, ein Natürliches zu werden, daß es der Keim des Natürlichen ist, des Natürlichen der Zukunft, zu dem dringt die mechanische Weltenordnung niemals. Und warum nicht? Ja, sie muß ja in der Täuschung leben. Denn stellen Sie sich vor, das Mysterium von Golgatha hätte nicht stattgefunden, dann wäre es so, wie die Kant-Laplacesche Theorie es sich vorstellt. Sie brauchen bloß das Mysterium von Golgatha von der Erde wegzudenken, dann wäre diese Theorie richtig. Denn die Erde mußte in einen Zustand einmal kommen, der, wenn er, sich selbst überlassen, weiterlaufen würde, das Menschliche in der Grabesöde enden ließe. Das mußte so geschehen, damit der Mensch durch Erdenverwandtheit die Freiheit erringen könne. Er findet dieses Grab nicht, weil die Erde in dem Augenblick, in dem die Krisis war, befruchtet wurde durch den Christus, weil der Christus heruntergestiegen ist — und weil der Christus die umgekehrte Kraft ist gegenüber der zum Grabesende führenden, das nämlich, was Keimeskraft ist —, hinaufzutragen den Menschen in die geistige Welt; das heißt, wenn die Erde Grab wird, wenn sie ihrem Schicksal nach der Kant-Laplaceschen Theorie folgt, das nicht mit zugrunde gehen zu lassen, was als Keim in ihr liegt, sondern es hinüberzutragen in die Zukunft. So daß die christlich-moralische Weltordnung dasjenige denkt, was Goethe die «höhere Natur in der Natur» nennt, und man sagen kann: Wer das Mysterium von Golgatha in der richtigen Weise als eine Realität denken kann, der kann auch real denken, der kann sich auch wirklichkeitsgesättigte Begriffe machen.
[ 23 ] But a conception of the world such as that of Kant-Laplace, of which Hermann Grimm says that a piece of carrion which attracts a hungry dog is a more appetising aspect, does not belong to that order of thought. The mechanical plan of the world can never penetrate to the thought that morality contains within it a force which is the germ of the natural, of the nature of the future. Why can it not do this? Because it must live in illusion. For just imagine, my dear friends: if the Mystery of Golgotha had not taken place, all would have been as in the Kant-Laplace theory. If you think away the Mystery of Golgotha from the earth, that theory would be correct. The earth had to reach such a condition that, left to itself, it must inevitably lead the human race into the desolation of the grave. Things had to take place as they have, that man might attain freedom through his relation to the earth. He will not sink into the grave, because at the critical moment the earth was fructified by Christ, because Christ descended, and because in Christ lies the opposing force to that which leads to the grave, namely, the germinal force whereby man can be borne up once more into the Spiritual world. That means that when the earth becomes a grave, when it fulfils its destiny according to the Kant-Laplace theory, the germ which is concealed within it must not be allowed to fall into decay, but must be carried on into the future. So that the Christian-moral plan of the world presupposes what Goethe calls ‘the higher nature in nature.’ We might say: A man who is able to think in the right way of the Mystery of Golgotha, as a reality, is also able to think thoughts and form concepts permeated with reality.
[ 24 ] Das aber ist notwendig, und das ist auch dasjenige, was die Menschen vor allen Dingen lernen müssen. Denn die Menschen haben in dieses fünfte nachatlantische Zeitalter herein entweder Begriffe sich bilden wollen, welche sie berauschen, oder Begriffe sich bilden wollen, welche sie blind machen. Begriffe, welche berauschen, sind vielfach auf religiösen Gebieten gemacht worden; Begriffe, welche blind machen, sind vielfach auf naturwissenschaftlichem Gebiet gemacht worden. Berauschen muß ein Begriff, welcher, indem er gelten läßt auf der anderen Seite die rein natürliche Ordnung, bloß an irgend etwas Moralisches denkt, wie Kant, der diese zwei Welten nebeneinanderstellt, die eine dem Wissen, die andere dem Glauben auslieferte. Solche Begriffe, die man dann ausbildet auf moralischem Gebiete, können berauschen, und durch den Rausch merkt man dann nicht, daß man dann eigentlich unweigerlich verfallen ist der Grabesstille der Welt, mit der verklungen und versunken ist all dasjenige, was moralische Weltenordnung ist. Oder Begriffe können blind machen, wie es die naturwissenschaftlichen, die nationalökonomischen und — verzeihen Sie, es schluckt sich schwer — die politischen Begriffe der Gegenwart sind. Blind machen diese Begriffe, wenn sie nicht gebildet werden so, daß sie in Zusammenhang stehen mit der geistig begriffenen Welt, sondern nur aus den Fetzen der äußeren sogenannten tatsächlichen, das heißt sinnlich-tatsächlichen Wirklichkeit heraus gebildet sind. So daß jeder nur so weit sieht, als seine Nase reicht, das heißt blind nur aus dem heraus urteilt, was er zwischen Geburt und Tod mit seinen Augen sehen und mit angelernten Begriffen umfassen kann, ohne daß er sich Begriffe ausbildet, die deshalb wirklichkeitsgetränkt sind, weil sie durchtränkt sind vom Geistigen, von Erfassung der geistigen Wirklichkeit.
[ 24 ] This is necessary, this is what people must learn before all else. For in this fifth Post-Atlantean age they have either desired to form concepts which intoxicate them, or such as create blindness in them. The concepts which intoxicate are chiefly formed in the realms of religion; those which cause blindness chiefly in the domain of Natural Science. A conception like that of Kant, which, while admitting the purely natural ordering, placing the two worlds of knowledge and of faith side by side, has yet only the moral in view,—must result in intoxication. Concepts based on moral grounds are able to intoxicate, and the intoxication prevents one from seeing that one thus simply succumbs to the stillness of the grave, into which all the moral plans of the world have fallen, and perished. Or, again, such concepts as those of present-day Natural Science, National Economy, and—forgive the expression, which may be rather hard to swallow—even the political concepts of the day, may create blindness; for they are not formed in connection with a Spiritual conception of the world, but from the shreds of what are called actual (that is, actual in the physical sense), actual reality. Thus each man sees only as far as the end of his own nose, and blindly forms opinions upon what he can see with his eyes and grasp with mechanically acquired ideas, between birth and death; without having formed any concepts permeated with reality through being permeated by the Spiritual, by a grasp of Spiritual reality.
[ 25 ] Man muß immer wieder und wiederum auf dasjenige hinweisen, was unserer Zeit so ganz besonders not tut, wirklich not tut. Denn selbst das Historische wirkt in unserer Zeit oftmals nur mehr wie Begriffsschatten. Wieviel wird deklamiert heute, ich will sagen, von dem, was Fichte zum deutschen Volk gesprochen hat! Was Fichte zum deutschen Volk gesprochen hat, begreift man erst, wenn man das ganze Leben Fichtes, dieses so tief in der Wirklichkeit stehende Leben Fichtes sich ansieht. Deshalb habe ich versucht, in meinem Buch «Vom Menschenrätsel» die Persönlichkeit Fichtes hinzustellen, wie sie geworden ist, wie sie schon von Kindheit auf verknüpft war mit der Wirklichkeit. Und man möchte so gerne, daß gerade solche Worte wie diese von dem Durchtränktsein der Vorstellungen und Ideen mit Wirklichkeiten, daß gerade diese heute nicht oberflächlich nur angehört werden, sondern tief innerlich genommen werden; wirklich tief innerlich genommen werden. Nur dann wird man sich ein freies, offenes Auge, ich meine Seelenauge, aneignen für dasjenige, was unserer Zeit so sehr not tut. Und jedem Menschen tut not ein solches freies, offenes Seelenauge. Derjenige, der es sich nicht besonders zur Aufgabe machte, gerade über diese hiermit berührten Fakten nachzudenken, der achtet viel zu wenig darauf, wie in unserer Zeit mit Begriffsschatten, mit Worthülsen gewirtschaftet wird, und wie alles darauf angelegt ist, den Menschen entweder in die berauschenden oder in die blind machenden Begriffe zu führen.
[ 25 ] It is necessary over and over again to point out what it is that our age so desperately needs. For even history itself in our age is often no more than the mere shadow of ideas. How frequently what Fichte said to the German people is proclaimed abroad today! What he really said, however, can only be understood if one studies his whole life, that life so profoundly rooted in reality! That is why I tried in my book, The Riddle of Man, to represent the personality of Fichte, as he afterwards became, showing how closely from his childhood up he was connected with reality. I should indeed be glad if such words as these—as to the need for our thoughts and concepts to be permeated with reality—were not only listened to superficially but profoundly grasped, taken in, and really absorbed. Then only will a free and open vision, a psychic vision, be acquired for what our age so badly needs. Everyone of us should have this open soul-vision. If we do not each make it a duty to think over the facts touched upon here, we are not paying sufficient attention to the traffic going on today in the shadows and husks of words, nor to the fact that everything tends to lead people either into intoxicating concepts or to such as make them blind.
[ 26 ] Nehmen Sie so etwas, wie ich es heute gesagt habe, nicht in dem Sinne eines Agitatorischen, sondern in dem Sinne von etwas, das aussprechen will, was ist. Der Mensch muß gewiß mit seiner Zeit leben, und soll mit seiner Zeit leben, und er soll nicht, wenn irgend etwas charakterisiert wird, das so auffassen, als ob man damit meinte, daß alles und alles damit abgewiesen werde. Aber es soll das Gegengewicht geschaffen werden. Es ist heute nur natürlich, daß die Welt vor Impulsen steht, die ganz in den Materialismus hineinführen. Das kann nicht aufgehalten werden, denn dieses Hineinführen in den Materialismus, das hängt zusammen mit dem tiefen Bedürfnis unserer Zeit. Aber ein Gegengewicht muß geschaffen werden. Ich möchte sagen, alle Mächte stellen es darauf ab, den Menschen ganz fest in den Materialismus einzuführen. Das kann nicht aufgehalten werden; es gehört zum Wesen des fünften nachatlantischen Zeitraumes. Aber das Gegengewicht muß geschaffen werden. Ein besonders hervorragendes Mittel, den Menschen in den Materialismus hineinzujagen, ist das, was von diesem Gesichtspunkte aus kaum bemerkt wird: der Kinematograph. Es gibt kein besseres Erziehungsmittel zum Materialismus als den Kinematographen. Denn das, was man in dem Kinematographen schaut, das ist nicht Wirklichkeit, wie sie der Mensch sieht. Nur eine Zeit, welche so wenig Begriff hat von der Wirklichkeit wie diejenige, welche die Wirklichkeit als Götzen im Sinne des Materialismus anbetet, kann glauben, daß der Kinematograph eine Wirklichkeit bietet. Eine andere Zeit würde darüber nachdenken, ob der Mensch auf der Straße so geht wie im Kinematographen; und dann, wenn er sich fragt: Was hast du gesehen? — ob er wirklich das so im Bilde hatte, wie der Kinematograph es ihm vorstellt. Fragen Sie sich einmal ehrlich, aber tief ehrlich: Ist dasjenige, was Sie gesehen haben auf der Straße, näher dem Bilde, das sich nicht bewegt, das ein Maler Ihnen macht, oder dem schauderhaften funkelnden Bilde des Kinematographen? Wenn Sie sich ehrlich fragen, so werden Sie sich sagen: Das, was der Maler in Ruhe gibt, das gleicht viel mehr dem, was Sie selber auf der Straße sehen. Daher aber auch nistet sich, während der Mensch vor dem Kinematographen sitzt, das, was ihm der Kinematograph bietet, nicht in das gewöhnliche Wahrnehmungsvermögen ein, sondern in eine tiefere materielle Schicht, als wir sonst im Wahrnehmen haben. Der Mensch wird ätherisch glotzäugig. Er bekommt Augen wie ein Seehund, nur viel größer, wenn er sich dem Kinematographen hingibt. Ätherisch meine ich das. Da wirkt man nicht nur auf dasjenige, was der Mensch im Bewußtsein hat, sondern auf sein tiefstes Unterbewußtes wirkt man materialisierend. Fassen Sie das nicht auf wie eine Brandrede gegen den Kinematographen. Es soll ausdrücklich noch einmal gesagt werden: Es ist ganz natürlich, daß es Kinematographen gibt; die Kinematographenkunst wird noch immer mehr und mehr ausgebildet werden. Das wird der Weg in den Materialismus sein. Ein Gegengewicht muß geschaffen werden. Das kann nur darin bestehen, daß der Mensch mit der Sucht nach der Wirklichkeit, die im Kinematographen entwickelt wird, etwas verbindet. Wie er da mit der Sucht entwickelt ein Heruntersteigen unter die sinnliche Wahrnehmung, so muß er ein Heraufsteigen über die sinnliche Wahrnehmung, das heißt in die geistige Wirklichkeit, entwickeln. Dann wird ihm der Kinematograph nichts schaden; da mag er sich dann die kinematographischen Bilder ansehen, wie er will. Aber gerade durch solche Dinge wird der Mensch dahin geführt — indem kein Gegengewicht geschaffen wird —, nicht so, wie es notwendig ist, erdenverwandt zu werden, sondern immer erdenverwandter, erdenverwandter zu werden und zuletzt völlig abgeschnürt zu werden von der geistigen Welt.
[ 26 ] I hope you will not take what has been said today as propagandism of any sort, but look upon it as expressing existing facts. A man certainly must and ought to live with his times and when anything is described, he should not look upon it as all that is to be said on the subject; he should learn to strike the balance. It is quite natural that the world today should be confronted with impulses leading entirely to materialism. That cannot be prevented, it is connected with the deep needs of the age. But a counterbalance must be established. One very prominent means of driving man into materialism is the cinematograph. It has not been observed from this standpoint; but there is no better school for materialism than the cinema. For what one sees there is not reality as men see it. Only an age which has so little idea of reality as this age of ours, which worships reality as an idol in a material sense, could believe that the cinema represents reality. Any other age would consider whether men really walk along the street as seen at the cinema; people would ask themselves whether what they saw at such a performance really corresponded to reality. Ask yourselves frankly and honourably, what is really most like what you see in the street: a picture painted by an artist, an immobile picture, or the dreadful sparkling pictures of the cinematograph. If you put the question to yourselves quite honourably, you will admit that what the artist reproduces in a state of rest is much more like what you see. Hence, while people are sitting at the cinema, what they see there does not make its way into the ordinary faculty of perception, it enters a deeper, more material stratum than we usually employ for our perception. A man becomes etherically goggle-eyed at the cinema; he develops eyes like those of a seal, only much larger, I mean larger etherically. This works in a materialising way, not only upon what he has in his consciousness, but upon his deepest sub-consciousness. Do not think I am abusing the cinematograph; I should like to say once more that it is quite natural it should exist, and it will attain far greater perfection as time goes on. That will be the road leading to materialism. But a counterbalance must be established, and that can only be created in the following way. With the search for reality which is being developed in the cinema, with this descent below sense-perception, man must at the same time develop an ascent above it, an ascent into Spiritual reality. Then the cinema will do him no harm, and he can see it as often as he likes. But unless the counterbalance is there, people will be led by such things as these, not to have their proper relation to the earth, but to become more and more closely related to it, until at last, they are entirely shut off from the Spiritual world.
