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Truths Regarding Humans Development
The Karma of Materialism
GA 176

25 September 1917, Berlin

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Das Karma des Materialismus IX

Das Karma des Materialismus IX

[ 1 ] Es ist ja jetzt die Zeit für die Menschheit eingetreten, in welcher die Rätsel des Menschenlebens bedeutungsvoll an die Seelen der Menschen herankommen. Man sieht ja auch, daß der oder jener diese Rätsel wohl bemerkt; allein wenig Geneigtheit ist vorhanden, nach Mitteln und Wegen zu suchen, um hinter die Geheimnisse dieser Rätsel zu kommen. Ich möchte heute zunächst auf eines dieser Rätsel — Rätsel des unmittelbaren Lebens — hinweisen, auf das mancher in der Gegenwart stößt. Es fragt sich heute der oder jener: Wie kommt es, daß eine solche Disharmonie besteht zwischen der intellektuellen und der moralischen Entwickelung der Menschen über die Erde hin? — Die intellektuelle Entwickelung, die sich in dem auslebt, was man — nun, sagen wir, mit mehr oder weniger Recht — in der neueren Zeit auch die wissenschaftliche Entwickelung nennt, die ja der Weltanschauung der meisten Menschen doch zugrunde liegt, diese intellektuelle Entwickelung, was hat sie nicht alles hervorgebracht! Sie hat hervorgebracht all die äußeren materiellen Kulturmittel, die ich ja nicht im einzelnen aufzuzählen brauche. Wenn wir da an all dasjenige denken, was diese intellektuelle Entwickelung bis jetzt an die Oberfläche gebracht hat, damit sich die Menschen gegenseitig vernichten können, was sie an die Oberfläche gebracht hat an allen möglichen großartig ausgedachten Mitteln zur Menschenvernichtung, so kann, wenn man absieht von allem moralisch dabei zugrunde liegenden, nicht anders gesagt werden, als daß diese intellektuelle Entwickelung bei einem Höhepunkt angelangt ist. Denken Sie sich, welche Wissenschaft dazu notwendig war, um all die Mordinstrumente zuwege zu bringen, unter denen die Menschheit gegenwärtig leidet, mit denen sie sich zerfleischt. Man kann an manches Günstige, man kann an vieles Ungünstige der intellektuellen Entwickelung denken, man wird eben wirklich nicht anders sagen können, als: diese intellektuelle Entwickelung ist in einer aufsteigenden Linie ohnegleichen, insbesondere in den letzten Jahrhunderten, vorgeschritten. Daß damit in einer schreienden Disharmonie dasjenige steht, was man die moralische Entwickelung des Menschentums nennt, das haben einige bemerkt, und man trifft da und dort Aussagen von Menschen der Gegenwart, die auf diese Disharmonie hinweisen. Schon vor Jahren hat Ernst Haeckel in seinem berüchtigten Buch über die Welträtsel darauf hingewiesen, wie die Menschheit intellektuell aufwärts geschritten ist, wie sie aber in bezug auf moralische Begriffe in vieler Beziehung über den urältesten Standpunkt nicht hinausgekommen ist, und jetzt machen eben manche wiederum auf diese Diskrepanz zwischen dem einen und dem anderen aufmerksam. Diese Dinge drängen sich dem Menschengemüte auf, wenn dieses Menschengemüt die Gegenwart, wie ich öfter auseinandergesetzt habe, nicht verschläft. Aber daß auf solche schwerwiegenden, auf solche in die Tiefe des Menschenwesens gehenden Fragen doch nur Geisteswissenschaft eine Antwort geben kann, darauf lassen sich die Menschen der Gegenwart aus der Ihnen ja öfter geschilderten seelisch-geistigen Bequemlichkeit nicht ein. Und dennoch, eine Möglichkeit, sich in den so verworrenen Verhältnissen der Gegenwart zurechtzufinden, wird nur dann gegeben sein, wenn sich die Menschen auf solche Dinge einlassen werden, einlassen werden von den Gesichtspunkten, die nur durch eine geistige Erkenntnis erreicht werden können. Nicht wahr, wie schneidend wirkt es auf eine mit gesunder Empfindung ausgestattete Seele, wenn sie sich gestehen muß, was jetzt über den ganzen Erdball hin sich geltend macht an Unbehaglichkeit, an Nichtwillen den Dingen gegenüber, die sich abspielen oder die sich unter der Oberfläche der sich abspielenden Dinge befinden, mit klarem, wahrem Sinn ins Auge zu schauen. Man darf sagen: Welches Mißverhältnis besteht zwischen der Art, wie man sich lange Zeit aufgehalten hat über so manche unmoralisch erscheinenden Maßnahmen alter Zeiten; wie merkwürdig erscheint das, wenn man es gegenüberstellt dem, was jetzt von den Menschen geurteilt oder nicht geurteilt wird, trotzdem das Maß desjenigen, was heute über die Erde hin spielt, furchtbarer ist als je etwas, was sich im Laufe der Menschheitsentwickelung zugetragen hat. Sehen wir uns einmal das Verhältnis intellektueller Menschheitsentwickelung und moralischer Menschheitsentwickelung von dem Gesichtspunkte, der durch die Geisteswissenschaft gewonnen werden kann, an.

[ 1 ] Es ist ja jetzt die Zeit für die Menschheit eingetreten, in welcher die Rätsel des Menschenlebens bedeutungsvoll an die Seelen der Menschen herankommen. Man sieht ja auch, daß der oder jener diese Rätsel wohl bemerkt; allein wenig Geneigtheit ist vorhanden, nach Mitteln und Wegen zu suchen, um hinter die Geheimnisse dieser Rätsel zu kommen. Ich möchte heute zunächst auf eines dieser Rätsel — Rätsel des unmittelbaren Lebens — hinweisen, auf das mancher in der Gegenwart stößt. Es fragt sich heute der oder jener: Wie kommt es, daß eine solche Disharmonie besteht zwischen der intellektuellen und der moralischen Entwickelung der Menschen über die Erde hin? — Die intellektuelle Entwickelung, die sich in dem auslebt, was man — nun, sagen wir, mit mehr oder weniger Recht — in der neueren Zeit auch die wissenschaftliche Entwickelung nennt, die ja der Weltanschauung der meisten Menschen doch zugrunde liegt, diese intellektuelle Entwickelung, was hat sie nicht alles hervorgebracht! Sie hat hervorgebracht all die äußeren materiellen Kulturmittel, die ich ja nicht im einzelnen aufzuzählen brauche. Wenn wir da an all dasjenige denken, was diese intellektuelle Entwickelung bis jetzt an die Oberfläche gebracht hat, damit sich die Menschen gegenseitig vernichten können, was sie an die Oberfläche gebracht hat an allen möglichen großartig ausgedachten Mitteln zur Menschenvernichtung, so kann, wenn man absieht von allem moralisch dabei zugrunde liegenden, nicht anders gesagt werden, als daß diese intellektuelle Entwickelung bei einem Höhepunkt angelangt ist. Denken Sie sich, welche Wissenschaft dazu notwendig war, um all die Mordinstrumente zuwege zu bringen, unter denen die Menschheit gegenwärtig leidet, mit denen sie sich zerfleischt. Man kann an manches Günstige, man kann an vieles Ungünstige der intellektuellen Entwickelung denken, man wird eben wirklich nicht anders sagen können, als: diese intellektuelle Entwickelung ist in einer aufsteigenden Linie ohnegleichen, insbesondere in den letzten Jahrhunderten, vorgeschritten. Daß damit in einer schreienden Disharmonie dasjenige steht, was man die moralische Entwickelung des Menschentums nennt, das haben einige bemerkt, und man trifft da und dort Aussagen von Menschen der Gegenwart, die auf diese Disharmonie hinweisen. Schon vor Jahren hat Ernst Haeckel in seinem berüchtigten Buch über die Welträtsel darauf hingewiesen, wie die Menschheit intellektuell aufwärts geschritten ist, wie sie aber in bezug auf moralische Begriffe in vieler Beziehung über den urältesten Standpunkt nicht hinausgekommen ist, und jetzt machen eben manche wiederum auf diese Diskrepanz zwischen dem einen und dem anderen aufmerksam. Diese Dinge drängen sich dem Menschengemüte auf, wenn dieses Menschengemüt die Gegenwart, wie ich öfter auseinandergesetzt habe, nicht verschläft. Aber daß auf solche schwerwiegenden, auf solche in die Tiefe des Menschenwesens gehenden Fragen doch nur Geisteswissenschaft eine Antwort geben kann, darauf lassen sich die Menschen der Gegenwart aus der Ihnen ja öfter geschilderten seelisch-geistigen Bequemlichkeit nicht ein. Und dennoch, eine Möglichkeit, sich in den so verworrenen Verhältnissen der Gegenwart zurechtzufinden, wird nur dann gegeben sein, wenn sich die Menschen auf solche Dinge einlassen werden, einlassen werden von den Gesichtspunkten, die nur durch eine geistige Erkenntnis erreicht werden können. Nicht wahr, wie schneidend wirkt es auf eine mit gesunder Empfindung ausgestattete Seele, wenn sie sich gestehen muß, was jetzt über den ganzen Erdball hin sich geltend macht an Unbehaglichkeit, an Nichtwillen den Dingen gegenüber, die sich abspielen oder die sich unter der Oberfläche der sich abspielenden Dinge befinden, mit klarem, wahrem Sinn ins Auge zu schauen. Man darf sagen: Welches Mißverhältnis besteht zwischen der Art, wie man sich lange Zeit aufgehalten hat über so manche unmoralisch erscheinenden Maßnahmen alter Zeiten; wie merkwürdig erscheint das, wenn man es gegenüberstellt dem, was jetzt von den Menschen geurteilt oder nicht geurteilt wird, trotzdem das Maß desjenigen, was heute über die Erde hin spielt, furchtbarer ist als je etwas, was sich im Laufe der Menschheitsentwickelung zugetragen hat. Sehen wir uns einmal das Verhältnis intellektueller Menschheitsentwickelung und moralischer Menschheitsentwickelung von dem Gesichtspunkte, der durch die Geisteswissenschaft gewonnen werden kann, an.

[ 2 ] Da müssen wir zunächst die Frage aufwerfen: An was im Menschen hängt denn eigentlich die intellektuelle Entwickelung, was betätigt sich denn, wenn wir im wissenschaftlichen Sinne denken, wenn wir denken, um uns die Natur zu erklären, wenn wir nachdenken, um die Gesetze der Natur zu schildern und uns Vorstellungen über die Welt zu bilden im Sinne der Naturgesetze, was betätigt sich denn da eigentlich in uns? Nun, da betätigen sich in uns die ältesten Teile der Menschennatur, auf die wir blicken können, wenn wir bei der uns bekannten Saturnentwickelung beginnen, und durch die Sonnenentwickelung, die Mondenentwickelung bis zur Erdenentwickelung gehen, wenn wir auf dasjenige blicken, was da der Menschheit an- und eingebildet worden ist. Das bildet heute die Werkzeuge der intellektuellen Entwickelung. Wenn wir es dagegen mit der moralischen Entwickelung zu tun haben wollen, erkenntnismäßig, so können wir nicht auf diese alten Bestandteile des Menschen hinweisen, sondern in bezug auf die moralische Entwickelung haben wir es mit verhältnismäßig viel jüngeren Gliedern der Menschennatur zu tun, ja, im echtesten Sinne moralisch kann nur das Ich selbst betrachtet werden. Aber wie oft habe ich gesagt, das Ich ist das Baby unter den Menschengliedern; nicht einmal beim Astralleibe, der der Menschenwesenheit eingegliedert worden ist während der Mondenentwickelung, kann man schon von moralischen Impulsen reden. Man kann beim Astralleibe nur insofern von moralischen Impulsen reden, als das Ich während des Lebens im innigen Zusammenhang mit diesem Astralleibe ist und sich dadurch die Impulse der Moralität, die sich im Ich geltend machen, auf den Astralleib übertragen. Aber bedenken Sie nur, daß das Ich und der Astralleib eine verhältnismäßig große Selbständigkeit haben und sich jede Nacht beim Schlaf loslösen vom physischen Leib und Ätherleib, dann aber in vollständiger Unbewußtheit leben. Sie können in dieser Unbewußtheit noch nicht moralische Impulse aufnehmen.

[ 2 ] Da müssen wir zunächst die Frage aufwerfen: An was im Menschen hängt denn eigentlich die intellektuelle Entwickelung, was betätigt sich denn, wenn wir im wissenschaftlichen Sinne denken, wenn wir denken, um uns die Natur zu erklären, wenn wir nachdenken, um die Gesetze der Natur zu schildern und uns Vorstellungen über die Welt zu bilden im Sinne der Naturgesetze, was betätigt sich denn da eigentlich in uns? Nun, da betätigen sich in uns die ältesten Teile der Menschennatur, auf die wir blicken können, wenn wir bei der uns bekannten Saturnentwickelung beginnen, und durch die Sonnenentwickelung, die Mondenentwickelung bis zur Erdenentwickelung gehen, wenn wir auf dasjenige blicken, was da der Menschheit an- und eingebildet worden ist. Das bildet heute die Werkzeuge der intellektuellen Entwickelung. Wenn wir es dagegen mit der moralischen Entwickelung zu tun haben wollen, erkenntnismäßig, so können wir nicht auf diese alten Bestandteile des Menschen hinweisen, sondern in bezug auf die moralische Entwickelung haben wir es mit verhältnismäßig viel jüngeren Gliedern der Menschennatur zu tun, ja, im echtesten Sinne moralisch kann nur das Ich selbst betrachtet werden. Aber wie oft habe ich gesagt, das Ich ist das Baby unter den Menschengliedern; nicht einmal beim Astralleibe, der der Menschenwesenheit eingegliedert worden ist während der Mondenentwickelung, kann man schon von moralischen Impulsen reden. Man kann beim Astralleibe nur insofern von moralischen Impulsen reden, als das Ich während des Lebens im innigen Zusammenhang mit diesem Astralleibe ist und sich dadurch die Impulse der Moralität, die sich im Ich geltend machen, auf den Astralleib übertragen. Aber bedenken Sie nur, daß das Ich und der Astralleib eine verhältnismäßig große Selbständigkeit haben und sich jede Nacht beim Schlaf loslösen vom physischen Leib und Ätherleib, dann aber in vollständiger Unbewußtheit leben. Sie können in dieser Unbewußtheit noch nicht moralische Impulse aufnehmen.

[ 3 ] Nun bedenken Sie das Folgende, das wichtig ist, wenn es auch dem heutigen Menschen noch einigermaßen schwierig ist, es zu begreifen. Wir kommen bei jedem Aufwachen mit unserem Ich und unserem Astralleib in unsern physischen Leib und Ätherleib hinein, die die ältesten Glieder der menschlichen Entwickelung sind, die durch ihre Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung vorzugsweise zum Werkzeuge der intellektuellen Entwickelung geworden sind und in dieser Beziehung bis zu einem gewissen Grade von Vollkommenheit gediehen sind. Dieser Grad von Vollkommenheit ist ihnen allerdings eingeboren, und was ihnen eingeboren ist, das stellt sich eben als intellektuelle Entwickelung dar. Wir würden in einer gewissen Beziehung Denkmaschinen, Wissenschaftsmaschinen sein, wenn zu unserem physischen und Ätherleib nicht das Ich und der Astralleib käme. Aber so wie unser physischer Leib und unser Ätherleib sind, sind sie auch in gewisser Beziehung automatisch. Sie sind im Grunde genommen als solche nur dadurch auf der Erde noch entwickelungsfähig, daß sie vom Ich bewohnt werden. Aber dieses Ich würde wenig zur Vervollkommnung auch der intellektuellen Fähigkeiten des physischen und Ätherleibes tun können, wenn es nicht jede Nacht in den Schlaf überführt würde. Die besten Kräfte, auch für die intellektuelle Entwickelung, erhalten wir während des Schlafes. Das, was wir während des Schlafes empfangen, tragen wir dann hinein in physischen und Ätherleib, und weil diese gewissermaßen ausgebildete, vollkommene Werkzeuge sind, daher kommt es, daß, wenn beim Aufwachen das Ich untertaucht in Ätherleib und physischen Leib, die eingefahrenen Geleise der Intellektualität durch dieses Ich aus der geistigen Welt heraus weiter gebildet werden können. Da kommt während des Tages das nötige Bewußtsein dazu, das Bewußtsein, das ja durch physischen und Ätherleib erlangt wird. In bezug auf das eigentliche Ich und den Astralleib haben wir aber in der gegenwärtigen Zeit noch nicht ein gleiches Bewußtsein. Ich bitte Sie, das ganz besonders zu berücksichtigen. Der Mensch glaubt sein Ich zu kennen, aber wie kennt er sein Ich? Wenn Sie eine rote Fläche haben und dahinein ein Loch machen, der Hintergrund aber finster ist, also gar nichts ist, so sehen Sie rot und Sie sehen das Loch als schwarzen Kreis; das Nichts nehmen Sie wahr, wo der schwarze Kreis ist, da ist nichts. So wie das umliegende Rot, so sehen Sie in Ihrem Seelenleben auch das Ich. In Wahrheit ist das, was der Mensch glaubt als Wahrnehmung seines Ich zu haben, nur ein Loch in seinem Seelenleben. Weil dort noch nichts ist, oder wenigstens nicht viel ist, so glaubt der Mensch, daß er da sein Ich wahrnimmt, während er ringsherum nur dasjenige wahrnimmt, was ihm sein Gehirn durch seinen physischen und Ätherleib zeigt. Mit der Ich-Wahrnehmung ist es nämlich in der gegenwärtigen Entwickelung des Menschen, während er im physischen Leib zwischen Geburt und Tod weilt, noch nicht sehr weit her. Während des Schlafes sind wir bewußtlos. Aber in bezug auf das Ich sind wir auch während des Tages, während des Wachens bewußtlos, und doch muß dem Ich das Moralische eingepflanzt werden. Sie sehen also, in bezug auf die Einpflanzung des Moralischen ist der Mensch im Verhältnis zu seiner Intellektualität noch recht babyhaft. Das ist der tiefere Grund, warum der Mensch während der Erdenentwickelung so außerordentlich schwierig im Moralischen vorwärtskommt, während die intellektuelle Entwickelung verhältnismäßig leicht vorangeht.

[ 3 ] Nun bedenken Sie das Folgende, das wichtig ist, wenn es auch dem heutigen Menschen noch einigermaßen schwierig ist, es zu begreifen. Wir kommen bei jedem Aufwachen mit unserem Ich und unserem Astralleib in unsern physischen Leib und Ätherleib hinein, die die ältesten Glieder der menschlichen Entwickelung sind, die durch ihre Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung vorzugsweise zum Werkzeuge der intellektuellen Entwickelung geworden sind und in dieser Beziehung bis zu einem gewissen Grade von Vollkommenheit gediehen sind. Dieser Grad von Vollkommenheit ist ihnen allerdings eingeboren, und was ihnen eingeboren ist, das stellt sich eben als intellektuelle Entwickelung dar. Wir würden in einer gewissen Beziehung Denkmaschinen, Wissenschaftsmaschinen sein, wenn zu unserem physischen und Ätherleib nicht das Ich und der Astralleib käme. Aber so wie unser physischer Leib und unser Ätherleib sind, sind sie auch in gewisser Beziehung automatisch. Sie sind im Grunde genommen als solche nur dadurch auf der Erde noch entwickelungsfähig, daß sie vom Ich bewohnt werden. Aber dieses Ich würde wenig zur Vervollkommnung auch der intellektuellen Fähigkeiten des physischen und Ätherleibes tun können, wenn es nicht jede Nacht in den Schlaf überführt würde. Die besten Kräfte, auch für die intellektuelle Entwickelung, erhalten wir während des Schlafes. Das, was wir während des Schlafes empfangen, tragen wir dann hinein in physischen und Ätherleib, und weil diese gewissermaßen ausgebildete, vollkommene Werkzeuge sind, daher kommt es, daß, wenn beim Aufwachen das Ich untertaucht in Ätherleib und physischen Leib, die eingefahrenen Geleise der Intellektualität durch dieses Ich aus der geistigen Welt heraus weiter gebildet werden können. Da kommt während des Tages das nötige Bewußtsein dazu, das Bewußtsein, das ja durch physischen und Ätherleib erlangt wird. In bezug auf das eigentliche Ich und den Astralleib haben wir aber in der gegenwärtigen Zeit noch nicht ein gleiches Bewußtsein. Ich bitte Sie, das ganz besonders zu berücksichtigen. Der Mensch glaubt sein Ich zu kennen, aber wie kennt er sein Ich? Wenn Sie eine rote Fläche haben und dahinein ein Loch machen, der Hintergrund aber finster ist, also gar nichts ist, so sehen Sie rot und Sie sehen das Loch als schwarzen Kreis; das Nichts nehmen Sie wahr, wo der schwarze Kreis ist, da ist nichts. So wie das umliegende Rot, so sehen Sie in Ihrem Seelenleben auch das Ich. In Wahrheit ist das, was der Mensch glaubt als Wahrnehmung seines Ich zu haben, nur ein Loch in seinem Seelenleben. Weil dort noch nichts ist, oder wenigstens nicht viel ist, so glaubt der Mensch, daß er da sein Ich wahrnimmt, während er ringsherum nur dasjenige wahrnimmt, was ihm sein Gehirn durch seinen physischen und Ätherleib zeigt. Mit der Ich-Wahrnehmung ist es nämlich in der gegenwärtigen Entwickelung des Menschen, während er im physischen Leib zwischen Geburt und Tod weilt, noch nicht sehr weit her. Während des Schlafes sind wir bewußtlos. Aber in bezug auf das Ich sind wir auch während des Tages, während des Wachens bewußtlos, und doch muß dem Ich das Moralische eingepflanzt werden. Sie sehen also, in bezug auf die Einpflanzung des Moralischen ist der Mensch im Verhältnis zu seiner Intellektualität noch recht babyhaft. Das ist der tiefere Grund, warum der Mensch während der Erdenentwickelung so außerordentlich schwierig im Moralischen vorwärtskommt, während die intellektuelle Entwickelung verhältnismäßig leicht vorangeht.

[ 4 ] Nun ist neulich in einer Zeitschrift, die zwar «Die Glocke» heißt, aber manchmal auch nicht sehr gescheit tönt, die jetzt während des Krieges begründet worden ist, gerade über diese Diskrepanz zwischen der intellektuellen und der moralischen Entwickelung ein Aufsatz erschienen. Da wird nach der Gesinnung dieser tönenden Glocke alles, was an Diskrepanz herrscht zwischen der intellektuellen und der moralischen Entwickelung, darauf zurückgeführt, daß die intellektuelle Entwickelung bisher abgelaufen wäre im Zeichen des Kapitalismus, im Zeichen des Herrschertums einzelner, und daß die moralische Entwickelung erst kommen könne, wenn der Sozialismus eintrete. Nun, Idealisten gründen Weltanschauungen, um sie gipfeln zu lassen in dem Dogma: Auf der Erde wird ein Paradies sein, wenn einmal der Idealismus überhand nimmt. Materialisten gründen Weltanschauungen, die in dem Dogma gipfeln: Auf der Erde wird ein Paradies sein, wenn einmal der Materialismus allgemein herrschen wird. Im Zeitalter des Liberalismus hat man Weltanschauungen gegründet, die das Paradies in der allgemeinen Verwirklichung des Liberalismus versprochen haben; der Sozialismus sieht selbstverständlich das Paradies in der Verwirklichung des Sozialismus. Diese Dinge sind ja außerordentlich einfach, aber sie sind natürlich ebensoviele banale Illusionen; sie zeigen, daß zwar die Menschen heute mit der Nase auf die Probleme gestoßen werden, daß sie aber nicht in der Lage sind, die Unbequemlichkeit auf sich zu nehmen, wirklich durch Denken, und um Denken handelt es sich zunächst, in das Gebiet des geistigen Erlebens einzudringen. Wer wirklich denken will, kann nämlich schon eindringen in das Gebiet des geistigen Erlebens.

[ 4 ] Nun ist neulich in einer Zeitschrift, die zwar «Die Glocke» heißt, aber manchmal auch nicht sehr gescheit tönt, die jetzt während des Krieges begründet worden ist, gerade über diese Diskrepanz zwischen der intellektuellen und der moralischen Entwickelung ein Aufsatz erschienen. Da wird nach der Gesinnung dieser tönenden Glocke alles, was an Diskrepanz herrscht zwischen der intellektuellen und der moralischen Entwickelung, darauf zurückgeführt, daß die intellektuelle Entwickelung bisher abgelaufen wäre im Zeichen des Kapitalismus, im Zeichen des Herrschertums einzelner, und daß die moralische Entwickelung erst kommen könne, wenn der Sozialismus eintrete. Nun, Idealisten gründen Weltanschauungen, um sie gipfeln zu lassen in dem Dogma: Auf der Erde wird ein Paradies sein, wenn einmal der Idealismus überhand nimmt. Materialisten gründen Weltanschauungen, die in dem Dogma gipfeln: Auf der Erde wird ein Paradies sein, wenn einmal der Materialismus allgemein herrschen wird. Im Zeitalter des Liberalismus hat man Weltanschauungen gegründet, die das Paradies in der allgemeinen Verwirklichung des Liberalismus versprochen haben; der Sozialismus sieht selbstverständlich das Paradies in der Verwirklichung des Sozialismus. Diese Dinge sind ja außerordentlich einfach, aber sie sind natürlich ebensoviele banale Illusionen; sie zeigen, daß zwar die Menschen heute mit der Nase auf die Probleme gestoßen werden, daß sie aber nicht in der Lage sind, die Unbequemlichkeit auf sich zu nehmen, wirklich durch Denken, und um Denken handelt es sich zunächst, in das Gebiet des geistigen Erlebens einzudringen. Wer wirklich denken will, kann nämlich schon eindringen in das Gebiet des geistigen Erlebens.

[ 5 ] Unsere Zeit, die so stolz ist auf ihr Denken, kennt gerade das Denken am allerwenigsten. Die Frage aber nach der Diskrepanz zwischen intellektueller und moralischer Entwickelung läßt sich nur nach den ganz großen Gesichtspunkten beantworten, die wir soeben berührt haben. Aber jene Glocke, die so tönt, als wenn man sie eben läuten gehört hätte, aber nicht zusammenschlagen, findet, daß das intellektuelle Leben schon vor sich gehen kann, wenn einzelne Menschen intellektuell sind, daß aber das moralische Leben nur dann eine entsprechende Entwickelung erlangen kann, wenn eine sozialistische Einrichtung alle Menschen ergreift. Günstig wäre die individuell-kapitalistische Entwickelung dem wissenschaftlich Intellektuellen gewesen, günstig wird der moralischen Entwickelung die soziale Ordnung sein.

[ 5 ] Unsere Zeit, die so stolz ist auf ihr Denken, kennt gerade das Denken am allerwenigsten. Die Frage aber nach der Diskrepanz zwischen intellektueller und moralischer Entwickelung läßt sich nur nach den ganz großen Gesichtspunkten beantworten, die wir soeben berührt haben. Aber jene Glocke, die so tönt, als wenn man sie eben läuten gehört hätte, aber nicht zusammenschlagen, findet, daß das intellektuelle Leben schon vor sich gehen kann, wenn einzelne Menschen intellektuell sind, daß aber das moralische Leben nur dann eine entsprechende Entwickelung erlangen kann, wenn eine sozialistische Einrichtung alle Menschen ergreift. Günstig wäre die individuell-kapitalistische Entwickelung dem wissenschaftlich Intellektuellen gewesen, günstig wird der moralischen Entwickelung die soziale Ordnung sein.

[ 6 ] Um was es sich wirklich handelt, das ist, daß, wenn die moralische Ordnung wirklich in demselben Maße sich in der Welt entwickeln soll, wie sich das Intellektuelle entwickelt hat, ein Hinblicken der Menschen auf die geistige Welt Platz greifen muß. Dann muß es möglich sein, daß die Menschen wirklich aufschauen zu dem, was an geistigen Impulsen und Kräften die Welt durchwallt und durchlebt. Das ist heute den Menschen noch etwas durchaus Unbequemes. Unbequem aus mancherleii Gründen. Derjenige, der sich darauf einläßt, sein Denken in der Art auszubilden, wie ich es oftmals hier geschildert habe, so daß ihn dieses Denken befähigt, zu leben in der geistigen Welt, die geistige Welt als Wirklichkeit zu erfahren, der muß innerlich etwas ausbilden, was unter der materialistischen Entwickelung der neueren Zeit gar sehr abgenommen hat. Ja, ich möchte sagen, es bildet sich von selbst innerlich aus, dieses der neueren Zeit so sehr fehlende innere Verantwortlichkeitsgefühl. Die Menschen, die nur aus ihrer naturwissenschaftlichen Beobachtung sich eine Weltanschauung bilden wollen, die werden ja in ihrer Begriffsbildung durch die äußeren Tatsachen geführt, und sie lassen sich dann am Gängelbande der äußeren Tatsachen leicht führen. Da bekommen sie gewisse Begriffe, die bis zu einem gewissen Grade auch hinreichen, das oder jenes in der Natur zu verstehen, die aber durchaus nicht hinreichen, um in der moralischen und sozialen Menschenordnung Zusammenhänge zu schaffen, um die moralische und soziale Menschenordnung auch ihrer Wirklichkeitnach zu durchschauen. Um sie zu durchschauen, dazu gehört eben das Verbundensein mit der geistigen Wirklichkeit. Das aber erzeugt im Innern der Seele ein starkes Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber dem Gedanken, so daß man sich nicht gestattet, jede beliebige Gedankenverbindung zu bilden, sondern nur diejenigen Gedankenverbindungen, die man gewissermaßen in seiner Seele sehen lassen kann vor den’ Wesenheiten der höheren Hierarchien. Mit Begriffen, wie sie die heutige Menschheit hat über den einzelnen Menschen und seine Beziehungen zum Volk, kann man sich vor den Wesen der geistigen Welten nicht sehen lassen. Mit all den Deklamationen über Völkerfreiheit kann man vor den geistigen Welten keinen Staat machen, denn Freiheit, das erkennt man aus der Geisteswissenschaft heraus, ist ein Begriff, nur anwendbar auf den einzelnen Menschen als Individuum, nicht aber auf die Volkheit mit ihrer Gruppenseele. Da gelten andere Begriffe als Freiheit. Dennoch deklamiert man heute über die Welt hin in den siebenundzwanzigjährigen Begriffen Woodrow Wilsons von Freiheit der Völker und dergleichen, und man nimmt diese Dinge ernst. Man nimmt sie selbst ernst in demjenigen Kulturgebiete, in dem wir selber leben, in dem man nach alledem, was wir durchgemacht haben durch Jahrhunderte, geklärtere Begriffe haben könnte, die sich schon zu einigem Verständnis des Geisteswissenschaftlichen auf diesem Gebiete aufschwingen könnten. Verantwortung nicht nur gegenüber anderen Menschen, sondern auch gegenüber Begriffen, die ja, wenn sie moralische Begriffe sind, in unser Ich und höchstens in unseren Astralleib hineinkommen, die also ganz in der geistigen Welt, wenn ich so sagen darf, schwimmen und leben. Diese Verantwortung kann man nicht haben, wenn man nur in äußeren materialistischen Vorstellungen lebt, und in materialistischen Vorstellungen lebt man ja, auch wenn man oftmals gar nicht meint, man lebe darinnen. Dadurch, daß man sagt, Gott habe uns für unsere Fehler diesen Krieg geschickt, dadurch, daß man solch eine Phrase vorbringt, ist man ja noch nicht ein Geist-Erkenner, dadurch ist man ja noch nicht über die materialistischen Begriffe hinaus. Über die materialistischen Begriffe ist man erst dann hinaus, wenn man sich Vorstellungen machen kann, wie es in der geistigen Welt aussieht, wie es in der geistigen Welt zugeht.

[ 6 ] Um was es sich wirklich handelt, das ist, daß, wenn die moralische Ordnung wirklich in demselben Maße sich in der Welt entwickeln soll, wie sich das Intellektuelle entwickelt hat, ein Hinblicken der Menschen auf die geistige Welt Platz greifen muß. Dann muß es möglich sein, daß die Menschen wirklich aufschauen zu dem, was an geistigen Impulsen und Kräften die Welt durchwallt und durchlebt. Das ist heute den Menschen noch etwas durchaus Unbequemes. Unbequem aus mancherleii Gründen. Derjenige, der sich darauf einläßt, sein Denken in der Art auszubilden, wie ich es oftmals hier geschildert habe, so daß ihn dieses Denken befähigt, zu leben in der geistigen Welt, die geistige Welt als Wirklichkeit zu erfahren, der muß innerlich etwas ausbilden, was unter der materialistischen Entwickelung der neueren Zeit gar sehr abgenommen hat. Ja, ich möchte sagen, es bildet sich von selbst innerlich aus, dieses der neueren Zeit so sehr fehlende innere Verantwortlichkeitsgefühl. Die Menschen, die nur aus ihrer naturwissenschaftlichen Beobachtung sich eine Weltanschauung bilden wollen, die werden ja in ihrer Begriffsbildung durch die äußeren Tatsachen geführt, und sie lassen sich dann am Gängelbande der äußeren Tatsachen leicht führen. Da bekommen sie gewisse Begriffe, die bis zu einem gewissen Grade auch hinreichen, das oder jenes in der Natur zu verstehen, die aber durchaus nicht hinreichen, um in der moralischen und sozialen Menschenordnung Zusammenhänge zu schaffen, um die moralische und soziale Menschenordnung auch ihrer Wirklichkeitnach zu durchschauen. Um sie zu durchschauen, dazu gehört eben das Verbundensein mit der geistigen Wirklichkeit. Das aber erzeugt im Innern der Seele ein starkes Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber dem Gedanken, so daß man sich nicht gestattet, jede beliebige Gedankenverbindung zu bilden, sondern nur diejenigen Gedankenverbindungen, die man gewissermaßen in seiner Seele sehen lassen kann vor den’ Wesenheiten der höheren Hierarchien. Mit Begriffen, wie sie die heutige Menschheit hat über den einzelnen Menschen und seine Beziehungen zum Volk, kann man sich vor den Wesen der geistigen Welten nicht sehen lassen. Mit all den Deklamationen über Völkerfreiheit kann man vor den geistigen Welten keinen Staat machen, denn Freiheit, das erkennt man aus der Geisteswissenschaft heraus, ist ein Begriff, nur anwendbar auf den einzelnen Menschen als Individuum, nicht aber auf die Volkheit mit ihrer Gruppenseele. Da gelten andere Begriffe als Freiheit. Dennoch deklamiert man heute über die Welt hin in den siebenundzwanzigjährigen Begriffen Woodrow Wilsons von Freiheit der Völker und dergleichen, und man nimmt diese Dinge ernst. Man nimmt sie selbst ernst in demjenigen Kulturgebiete, in dem wir selber leben, in dem man nach alledem, was wir durchgemacht haben durch Jahrhunderte, geklärtere Begriffe haben könnte, die sich schon zu einigem Verständnis des Geisteswissenschaftlichen auf diesem Gebiete aufschwingen könnten. Verantwortung nicht nur gegenüber anderen Menschen, sondern auch gegenüber Begriffen, die ja, wenn sie moralische Begriffe sind, in unser Ich und höchstens in unseren Astralleib hineinkommen, die also ganz in der geistigen Welt, wenn ich so sagen darf, schwimmen und leben. Diese Verantwortung kann man nicht haben, wenn man nur in äußeren materialistischen Vorstellungen lebt, und in materialistischen Vorstellungen lebt man ja, auch wenn man oftmals gar nicht meint, man lebe darinnen. Dadurch, daß man sagt, Gott habe uns für unsere Fehler diesen Krieg geschickt, dadurch, daß man solch eine Phrase vorbringt, ist man ja noch nicht ein Geist-Erkenner, dadurch ist man ja noch nicht über die materialistischen Begriffe hinaus. Über die materialistischen Begriffe ist man erst dann hinaus, wenn man sich Vorstellungen machen kann, wie es in der geistigen Welt aussieht, wie es in der geistigen Welt zugeht.

[ 7 ] Wortzusammenstellungen, die nicht in den Realitäten wurzeln, trifft man ja heute in Hülle und Fülle an. Insbesondere dann trifft man sie in Hülle und Fülle an, wenn versucht wird, die oder jene politische Kundgebung zu beantworten. Dadurch, daß man bei solchen Gelegenheiten vom neuen Geist spricht, dadurch verrät man noch nicht, daß man die Spur einer Ahnung vom Geiste überhaupt hat.

[ 7 ] Wortzusammenstellungen, die nicht in den Realitäten wurzeln, trifft man ja heute in Hülle und Fülle an. Insbesondere dann trifft man sie in Hülle und Fülle an, wenn versucht wird, die oder jene politische Kundgebung zu beantworten. Dadurch, daß man bei solchen Gelegenheiten vom neuen Geist spricht, dadurch verrät man noch nicht, daß man die Spur einer Ahnung vom Geiste überhaupt hat.

[ 8 ] Der Geist muß in seiner Konkretheit, in seiner Wirklichkeit erfaßt werden, er darf kein Abstraktum bleiben, sonst kommen wir aus den verheerenden Verhältnissen in der Gegenwart nicht hinaus. Wie gesagt, die eine oder die andere Naturerscheinung läßt sich begreifen mit den Begriffen, die man sich erwirbt, wenn man sich am Gängelbande des äußeren Wahrnehmens fortführen läßt. Aber eingreifen in das Getriebe des Menschenlebens selbst, das kann man nur, wenn man Begriffe aus der geistigen Welt hat. Sie könnten fragen, wie kommt es denn, daß doch da oder dort noch eingegriffen wird in das Menschenleben. Es sind das alte, uralte Begriffe, die die Menschen jetzt auswalzen, aber diese uralten Begriffe taugen nichts mehr für die Zeit. Die Zeit verlangt neue Begriffe, neue Vorstellungen, neu natürlich nur in dem Sinne, daß sie der Menschheit neu sind. Diese neuen Vorstellungen sind aber eben zuweilen den Menschen recht unbequem. So sind insbesondere unbequem die Gedanken, die sich ergeben, wenn man in wirklich geisteswissenschaftlichem Sinne die menschliche Moralität ansieht. Nicht wahr, es ist so unendlich bequem, sich zu sagen, Wohlwollen ist eine Tugend, deshalb muß man sich das Wohlwollen erwerben; Recht ist etwas Moralisches, deshalb muß das Recht begründet werden. Dann kann man Gesetzgeber sein und Veranstaltungen treffen, durch die das Wohlwollen, das Recht geregelt wird. Man kann auch Parlamente wählen, wo die gescheiten Leute zusammenkommen, um allerlei Einrichtungen im Sinne einer wohlwollenden und rechtlichen Ordnung und dergleichen zu treffen. Aber herauskommen kann, wenn die Dinge so gehandhabt werden, wie sie bisher gehandhabt wurden, nur dasjenige, was wir jetzt über die Erde sich ausbreiten sehen. Wenn die Menschen doch den Mut hätten, den Zusammenhang zu erkennen zwischen dem Vorstellungswesen, das sich nach und nach herausgebildet hat, und den furchtbaren Ereignissen der Gegenwart! Wohlwollen ist eine Tugend, und man kann sich sehr wollüstig dabei befinden, der Wohlwollen nachzuleben, gewissermaßen in einen Katechismus zu schreiben: Du sollst wohlwollend sein, du sollst rechtlich sein und so weiter; — dann hat man es, aber man hat keine Erkenntnis!

[ 8 ] Der Geist muß in seiner Konkretheit, in seiner Wirklichkeit erfaßt werden, er darf kein Abstraktum bleiben, sonst kommen wir aus den verheerenden Verhältnissen in der Gegenwart nicht hinaus. Wie gesagt, die eine oder die andere Naturerscheinung läßt sich begreifen mit den Begriffen, die man sich erwirbt, wenn man sich am Gängelbande des äußeren Wahrnehmens fortführen läßt. Aber eingreifen in das Getriebe des Menschenlebens selbst, das kann man nur, wenn man Begriffe aus der geistigen Welt hat. Sie könnten fragen, wie kommt es denn, daß doch da oder dort noch eingegriffen wird in das Menschenleben. Es sind das alte, uralte Begriffe, die die Menschen jetzt auswalzen, aber diese uralten Begriffe taugen nichts mehr für die Zeit. Die Zeit verlangt neue Begriffe, neue Vorstellungen, neu natürlich nur in dem Sinne, daß sie der Menschheit neu sind. Diese neuen Vorstellungen sind aber eben zuweilen den Menschen recht unbequem. So sind insbesondere unbequem die Gedanken, die sich ergeben, wenn man in wirklich geisteswissenschaftlichem Sinne die menschliche Moralität ansieht. Nicht wahr, es ist so unendlich bequem, sich zu sagen, Wohlwollen ist eine Tugend, deshalb muß man sich das Wohlwollen erwerben; Recht ist etwas Moralisches, deshalb muß das Recht begründet werden. Dann kann man Gesetzgeber sein und Veranstaltungen treffen, durch die das Wohlwollen, das Recht geregelt wird. Man kann auch Parlamente wählen, wo die gescheiten Leute zusammenkommen, um allerlei Einrichtungen im Sinne einer wohlwollenden und rechtlichen Ordnung und dergleichen zu treffen. Aber herauskommen kann, wenn die Dinge so gehandhabt werden, wie sie bisher gehandhabt wurden, nur dasjenige, was wir jetzt über die Erde sich ausbreiten sehen. Wenn die Menschen doch den Mut hätten, den Zusammenhang zu erkennen zwischen dem Vorstellungswesen, das sich nach und nach herausgebildet hat, und den furchtbaren Ereignissen der Gegenwart! Wohlwollen ist eine Tugend, und man kann sich sehr wollüstig dabei befinden, der Wohlwollen nachzuleben, gewissermaßen in einen Katechismus zu schreiben: Du sollst wohlwollend sein, du sollst rechtlich sein und so weiter; — dann hat man es, aber man hat keine Erkenntnis!

[ 9 ] Man hat ebensowenig eine Erkenntnis, wie man eine Erkenntnis vom Pendel hat, wenn man nur weiß: wenn es oben ist, so wird es durch die Schwerkraft heruntergeführt bis zum tiefsten Punkt, und nicht bedenkt, daß, wenn es unten angekommen ist, es gerade durch die Kraft, die sich im Herunterfallen angesammelt hat, geneigt ist, ebensoweit nach der anderen Seite auszuschlagen. Im Physischen drängen sich diese Dinge von selbst auf, im Moralischen fällt es den Menschen gar nicht ein, in derselben Weise eindringlich zu denken, wie sie im Physischen am Gängelbande der Naturkräfte denken müssen. Wenn der Mensch Wohlwollen entwickelt, so ist das gewiß gut. Aber gerade so, wie sich im Pendel, wenn es herunterfällt, die Kraft zum Aufwärtsgehen entwickelt, so entwickelt sich unter der Kraft des Wohlwollens die Kraft von Vorurteilen, die Kraft von unangebrachter Vorliebe für das und alles mögliche. Keine Tugend kann sich entwickeln, ohne daß unter der Entwickelung der Tugend die Anlage zu den entgegengesetzten Lastern in der menschlichen Seele als Neigung entsteht. Sehen Sie, diese Wahrheiten sind unbequem, aber sie sind eben Wahrheiten. Der einzelne wird es weniger bemerken, aber in der sozialen Ordnung tritt als Tatsache hervor, was eben angedeutet worden ist. Wenn die Menschen sich gar zu sehr darauf zugute tun, eine Zeitlang diese oder jene Tugend einseitig auszubilden, dann muß das nächste Zeitalter notwendig die entsprechenden Laster zum Vorschein bringen, wenn der Zusammenhang nicht erkannt wird. Denn hier kommen wir, wenn wir die Sachen im rechten Lichte besehen wollen, zu einer tiefen Wahrheit des Christus Jesus, die sich aber die Menschen durchaus nicht gestehen wollen.

[ 9 ] Man hat ebensowenig eine Erkenntnis, wie man eine Erkenntnis vom Pendel hat, wenn man nur weiß: wenn es oben ist, so wird es durch die Schwerkraft heruntergeführt bis zum tiefsten Punkt, und nicht bedenkt, daß, wenn es unten angekommen ist, es gerade durch die Kraft, die sich im Herunterfallen angesammelt hat, geneigt ist, ebensoweit nach der anderen Seite auszuschlagen. Im Physischen drängen sich diese Dinge von selbst auf, im Moralischen fällt es den Menschen gar nicht ein, in derselben Weise eindringlich zu denken, wie sie im Physischen am Gängelbande der Naturkräfte denken müssen. Wenn der Mensch Wohlwollen entwickelt, so ist das gewiß gut. Aber gerade so, wie sich im Pendel, wenn es herunterfällt, die Kraft zum Aufwärtsgehen entwickelt, so entwickelt sich unter der Kraft des Wohlwollens die Kraft von Vorurteilen, die Kraft von unangebrachter Vorliebe für das und alles mögliche. Keine Tugend kann sich entwickeln, ohne daß unter der Entwickelung der Tugend die Anlage zu den entgegengesetzten Lastern in der menschlichen Seele als Neigung entsteht. Sehen Sie, diese Wahrheiten sind unbequem, aber sie sind eben Wahrheiten. Der einzelne wird es weniger bemerken, aber in der sozialen Ordnung tritt als Tatsache hervor, was eben angedeutet worden ist. Wenn die Menschen sich gar zu sehr darauf zugute tun, eine Zeitlang diese oder jene Tugend einseitig auszubilden, dann muß das nächste Zeitalter notwendig die entsprechenden Laster zum Vorschein bringen, wenn der Zusammenhang nicht erkannt wird. Denn hier kommen wir, wenn wir die Sachen im rechten Lichte besehen wollen, zu einer tiefen Wahrheit des Christus Jesus, die sich aber die Menschen durchaus nicht gestehen wollen.

[ 10 ] Es geht jetzt eine merkwürdige Strömung durch die Welt, die nach und nach epidemisch die Seelen ergreift. Man sollte eigentlich nicht glauben, daß die Menschen zu dieser Anschauung haben kommen können, aber sie ist einmal da. Die Menschen scheinen nämlich den Beschluß gefaßt zu haben, diesen Krieg so lange fortzusetzen, bis ein ewiger Friede erkämpft ist, bis durch diesen Krieg die ganz sichere Garantie geboten wird, daß niemals mehr ein Krieg kommt. Es ist das nämlich das beste Mittel, diesen Krieg niemals zu Ende gehen zu lassen, dann wird man selbstverständlich durch ihn den ewigen Frieden erkämpfen. Man braucht bloß dieses Ideal des sogenannten Dauerfriedens anzustreben, so wie man es heute tut, dann wird man ganz gewiß diesen Krieg niemals zu Ende bringen können. Denn wir leben im physischen Menschenleib auf dem physischen Plan und der physische Plan kann nicht vollkommen sein, ist nicht vollkommen; und wenn Sie das Vollkommenste begründen würden auf dem physischen Plan, das zu irgendeiner Zeit begründet werden kann, so müßte es nach einigen Jahrhunderten etwas ganz Unvollkommenes sein, weil die Fortentwickelung sich nicht in aufsteigender Linie, sondern im Oszillieren bewegt. Wie das Pendel auf und ab geht, so bewegt sich die Entwickelung in auf- und absteigender Linie, und wenn ein Zeitalter etwas Vollkommenes entwickelt hat, so bleibt ihm nichts anderes übrig, als auf Menschen zu warten, die ein Vollkommeneres in einem anderen Zeitalter wissen werden. Auf die Freiheit der Menschen kommt es an, nicht auf die Vollkommenheit der Einrichtungen auf dem physischen Plan, die eine Unmöglichkeit, ein Phantasiegebilde, eine Illusion ist. Der Liberalismus, der Sozialismus, der Konser vativismus, sie alle wollen das Paradies auf Erden gründen, das heißt, in den Einrichtungen des physischen Planes ein Vollkommenes verwirklichen. Der Christus hat aber gesagt, das Reich des Gottes ist überall in euch. — Will man die physische Welt als ein vollkommenes Paradies gestalten, so will man etwas ganz Unmögliches, denn die besteht in fortwährendem Oszillieren. Nur dadurch, daß man diese physische Welt mit Geistigem durchtränkt und der Mensch sich als Teilnehmer weiß des Reiches der Götter, des Reiches des Geistigen, nur dadurch wird man dem Christus-Prinzip gerecht. Wer da will die physische Welt, sei es im sozialistischen, sei es im anderen Sinne, zu einem Paradiese machen, versteht nichts von der Wirklichkeit. Sie sehen, was in die Menschenseelen sich hineinbegeben muß, wenn die unwirklichen Begriffe der Gegenwart wirklichen Begriffen Platz machen sollen. Man kann aber nicht zu wirklichen Begriffen kommen, wenn man nicht den Blick aufwärts wendet zu den großen geistigen Zusammenhängen. Wie spotten die Menschen der Gegenwart über die großen Gesichtspunkte, die durch die Saturn-, Sonnen-, Monden-, Erden-, Jupiter- und so weiter -entwickelung geltend gemacht werden! Wozu braucht man das alles? Man braucht es, um auch nur im kleinsten Erkenntnis für das Leben gewinnen zu können, denn der Mensch ist wirklich ein Mikrokosmos. In ihm leben Saturn-, Sonnen-, Mondenentwickelung und so weiter, und wenn er nichts wissen will von diesen Vorstellungen, so wäre das gerade so, wie wenn Sie dem Kinde im ersten Lebensjahre die Hände für die Dauer seines Lebens anbinden wollten, so daß es sie nie gebrauchen kann. So gebraucht der Mensch seine Fähigkeiten nicht, wenn er nicht den Blick aufwärts nach dem Geistigen wenden will. Daran hat es aber gefehlt, gar sehr gefehlt, und gerade gefehlt, wo es am wenigsten hätte fehlen sollen.

[ 10 ] Es geht jetzt eine merkwürdige Strömung durch die Welt, die nach und nach epidemisch die Seelen ergreift. Man sollte eigentlich nicht glauben, daß die Menschen zu dieser Anschauung haben kommen können, aber sie ist einmal da. Die Menschen scheinen nämlich den Beschluß gefaßt zu haben, diesen Krieg so lange fortzusetzen, bis ein ewiger Friede erkämpft ist, bis durch diesen Krieg die ganz sichere Garantie geboten wird, daß niemals mehr ein Krieg kommt. Es ist das nämlich das beste Mittel, diesen Krieg niemals zu Ende gehen zu lassen, dann wird man selbstverständlich durch ihn den ewigen Frieden erkämpfen. Man braucht bloß dieses Ideal des sogenannten Dauerfriedens anzustreben, so wie man es heute tut, dann wird man ganz gewiß diesen Krieg niemals zu Ende bringen können. Denn wir leben im physischen Menschenleib auf dem physischen Plan und der physische Plan kann nicht vollkommen sein, ist nicht vollkommen; und wenn Sie das Vollkommenste begründen würden auf dem physischen Plan, das zu irgendeiner Zeit begründet werden kann, so müßte es nach einigen Jahrhunderten etwas ganz Unvollkommenes sein, weil die Fortentwickelung sich nicht in aufsteigender Linie, sondern im Oszillieren bewegt. Wie das Pendel auf und ab geht, so bewegt sich die Entwickelung in auf- und absteigender Linie, und wenn ein Zeitalter etwas Vollkommenes entwickelt hat, so bleibt ihm nichts anderes übrig, als auf Menschen zu warten, die ein Vollkommeneres in einem anderen Zeitalter wissen werden. Auf die Freiheit der Menschen kommt es an, nicht auf die Vollkommenheit der Einrichtungen auf dem physischen Plan, die eine Unmöglichkeit, ein Phantasiegebilde, eine Illusion ist. Der Liberalismus, der Sozialismus, der Konser vativismus, sie alle wollen das Paradies auf Erden gründen, das heißt, in den Einrichtungen des physischen Planes ein Vollkommenes verwirklichen. Der Christus hat aber gesagt, das Reich des Gottes ist überall in euch. — Will man die physische Welt als ein vollkommenes Paradies gestalten, so will man etwas ganz Unmögliches, denn die besteht in fortwährendem Oszillieren. Nur dadurch, daß man diese physische Welt mit Geistigem durchtränkt und der Mensch sich als Teilnehmer weiß des Reiches der Götter, des Reiches des Geistigen, nur dadurch wird man dem Christus-Prinzip gerecht. Wer da will die physische Welt, sei es im sozialistischen, sei es im anderen Sinne, zu einem Paradiese machen, versteht nichts von der Wirklichkeit. Sie sehen, was in die Menschenseelen sich hineinbegeben muß, wenn die unwirklichen Begriffe der Gegenwart wirklichen Begriffen Platz machen sollen. Man kann aber nicht zu wirklichen Begriffen kommen, wenn man nicht den Blick aufwärts wendet zu den großen geistigen Zusammenhängen. Wie spotten die Menschen der Gegenwart über die großen Gesichtspunkte, die durch die Saturn-, Sonnen-, Monden-, Erden-, Jupiter- und so weiter -entwickelung geltend gemacht werden! Wozu braucht man das alles? Man braucht es, um auch nur im kleinsten Erkenntnis für das Leben gewinnen zu können, denn der Mensch ist wirklich ein Mikrokosmos. In ihm leben Saturn-, Sonnen-, Mondenentwickelung und so weiter, und wenn er nichts wissen will von diesen Vorstellungen, so wäre das gerade so, wie wenn Sie dem Kinde im ersten Lebensjahre die Hände für die Dauer seines Lebens anbinden wollten, so daß es sie nie gebrauchen kann. So gebraucht der Mensch seine Fähigkeiten nicht, wenn er nicht den Blick aufwärts nach dem Geistigen wenden will. Daran hat es aber gefehlt, gar sehr gefehlt, und gerade gefehlt, wo es am wenigsten hätte fehlen sollen.

[ 11 ] Ich möchte auf ein Beispiel hindeuten, das manche vielleicht sonderbar finden werden, das Ihnen aber doch vielleicht genauer sagen kann, was ich mit all den Dingen meine, die ich heute nur antippend berühre. Ich habe mit verschiedenen Menschen in der letzten Zeit über Dinge gesprochen, die der heutigen Menschheit notwendig wären, wenn sie aus den Kalamitäten, aus den verschiedenen Sackgassen herauskommen will; Dinge, die einfach in einer gewissen Summe von praktischen Begriffen bestehen, durch die man heute sein Denken auffrischen müßte, wenn man — es ist schwer, über die Einzelheiten heute zu reden —, ich will einmal sagen, Papstnoten beantworten will. Diese Begriffe aber, so sehr sie auf dem unmittelbarsten praktischen Standpunkt des Lebens stehen, können nur gewonnen, nur verstanden werden, wenn man Impulse durch die Geisteswissenschaft hat. Denn diese Begriffe beziehen sich auf die Art und Weise, wie man heute denken muß, wenn man aus dem Wirrwarr herauskommen soll, über das Zusammenleben der Völker und Staaten, über die Einrichtungen, die die Völker und Staaten treffen müssen, wenn sie nicht in illusionären, abstrakten Begriffen von Völkerfreiheit und friedlichem Zusammenleben der kleinen Nationen und wie all das Zeug heißt, in Unwirklichkeiten deklamieren wollen. Man kann sehr intensiv praktische Begriffe ausbilden, die allein imstande sein würden, aus der Misere des heutigen Tages herauszukommen. Was aber erlebt man? Sie haben vielleicht in den Zeitungen gelesen, daß heute die Rektor-Inauguration an der Berliner Universität war. Der neuantretende Rektor, Geheimrat Penck, hat aus geologischen Begriffen heraus über politische Grenzbegriffe gesprochen. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie schwer es einem ums Herz wird, wenn “man so etwas erlebt. Warum denn? Weil an den erleuchtetsten Stellen des gegenwärtigen geistigen Strebens die ungeklärtesten elementarsten Vorstellungen auftauchen, zu denen, wenn man sich auf Geisteswissenschaft einlassen würde, die für das Leben brauchbaren höheren Begriffe sich ergeben würden. Denken Sie sich, man erlebt: Geisteswissenschaft könnte entwickelte Begriffe für die gegenwärtige umfassende Lebenspraxis geben — diese entwickelten Begriffe würden aber eben höhere Zusammenhänge darstellen — und die anerkannte offizielle Wissenschaft bewegt sich da noch tastend im Abc der Sache und kann nicht aus diesem Abc heraus. Das ist es, was heute gerade bei solchen Gelegenheiten schwer machen kann, sich auch nur zum Verständnis zu bringen, was eigentlich gemeint ist. Denn weit entfernt ist das, worauf heute die Menschen achten, was heute die Menschen als höchste Autorität ansehen müssen, von dem, was so bitter not täte, und was nur aus der Geisteswissenschaft gewonnen werden könnte. Da, wo offizielle Wissenschaft sich auslebt, da erleben wir das ungeschickte Abc, aber das Lesen könnte da sein, wenn nicht Geisteswissenschaft von denjenigen, die sie nicht verstehen wollen, für eine phantastische Sache gehalten würde. Da muß man allerdings immer wieder und wiederum ohne alle Überhebung, ohne alle Verletzung der gebührenden Menschendemut, auf die ersten Zeiten des Christentums hindeuten, wie unten in den Katakomben unter der Erde in der ersten Römerzeit Christen ihren Gottesdienst verrichtet haben und oben die alte Welt ihre soziale Ordnung entfaltet hat. Was war einige Jahrhunderte später diese alte Welt, die für dieses werdende Christentum nichts anderes gehabt hat, als was man im alten Rom aus der Geschichte kennenlernen kann! Diese alte Welt war weggelöscht in wenigen Jahrhunderten, und was unten in den Katakomben war, das verbreitete sich oben. Könnte nur eine genügend große Anzahl von Menschen verstehen, daß heute schon etwas ähnliches notwendig ist, wenn auch nicht für etwas so Weltgroßes, wie das Christentum selber es ist. Das kann nicht bleiben, was heute als offizielle Wissenschaft, als offizielles Denken und Vorstellen waltet. Das verhält sich zu dem, was die Jahrhunderte brauchen, wie sich das alte Römertum zum Christentum verhielt, das sich unten in den Katakomben entwickelt hat. Aber man muß seine Gefühle und seine Empfindungen einstellen auf diesen weltgeschichtlichen Gegensatz, man muß sie so einstellen, daß man durchschaut, den Willen hat zu durchschauen, was alles Ungenügendes ist in den heutigen Deklamationen über den neuen Geist, oder Garantien in allen möglichen unfaßbaren Begriffen von zwischenstaatlichen Organisationen, von Schiedsgerichten und dergleichen, wobei man nur niemals wissen kann, wer Schiedsrichter sein soll. Es ist heute die Zeit, wo in das unmittelbarste Alltagsleben die großen Begriffe hineingehören, wo es der Menschheit nicht gestattet ist, zu sagen: Ja, diese Begriffe sind gewiß sehr schön zum Begreifen der Welt, aber man kann sie doch nicht in alltägliche Manifestationen hineinbringen! — Entweder wird man siehineinbringen, oder diese alltäglichen Manifestationen werden Nullitäten sein und keine Bedeutung haben für das praktische Leben, das nicht dasjenige von nach Jahrzehnten, sondern von heute und morgen ist. Überall, wo man heute verschiedene Meinungen hat, findet man verhältnismäßig Objektivität, bis zu einem gewissen Grade wenigstens. Suchen Sie aber unter den Bekämpfungen der Geisteswissenschaft, der Anthroposophie, etwas Objektives! Wenn solch ein Mensch, wie das Individuum Max Dessoir, der Professor an der Berliner Universität ist, sich über Geisteswissenschaft hermacht, so tischt er seinen Lesern Entstellungen, Fälschungen auf, wie ich in meinem Buche, das jetzt auch gedruckt ist und demnächst erscheinen wird, nachgewiesen habe. Immer wird das, was ehrlicher objektiver Kampf sein soll, übergeführt auf das persönliche Gebiet, auf das Gebiet der persönlichen Verunglimpfung, gerade wenn es sich um Geisteswissenschaft handelt. Warum? Nicht weil es die Menschen widerlegen können, sondern weil sie die Menschen nicht haben wollen, weil die Menschen es in der Gegenwart ablehnen, das eigentliche Menschenwesen in sich selber zu suchen. Denn das ist unbequem. Die Menschen wollen zum Beispiel die moralischen Begriffe haben, an denen sie sich delektieren können. Dazu taugen aber die Begriffe nicht, die zum Beispiel besagen, daß die Tugenden sich nach einiger Zeit von selbst in die Anlagen zum entsprechenden Laster wandeln, wenn die Menschen nicht auf Wache stehen gegenüber ihrer eigenen Seele. Wie oft habe ich aufmerksam gemacht auf den Begriff der Selbstlosigkeit. In einem öffentlichen Vortrage habe ich einmal hypothetisch als Beispiel gewählt, eine Gesellschaft habe sich gegründet zur Pflege der Selbstlosigkeit. Es habe sich in ihr die Gewohnheit herausgebildet, daß zu demjenigen, der die Gesellschaft leitet, Mitglieder kommen und sagen: Ich möchte das und das, aber nicht etwa für mich, sondern für einen andern — sie haben sich nämlich versprochen, daß der andere auch nicht für sich, sondern für den ersteren das Entsprechende will. Jeder will nichts für sich. Aber darauf kommt es nicht an, ob man für sich oder einen anderen etwas will, sondern darauf, ob es eine an sich selbstlose Forderung ist. Das Wesentliche dabei ist, daß die Menschen, wenn sie sich bemühen, selbstlos zu werden, durch die innere Kraft der Selbstlosigkeit nach einiger Zeit recht egoistisch werden. Das Streben nach Selbstlosigkeit macht egoistisch. Man muß dann wachen, damit das Pendel wieder heruntergeht, man muß sich nicht delektieren an seiner eigenen Selbstlosigkeit.

[ 11 ] Ich möchte auf ein Beispiel hindeuten, das manche vielleicht sonderbar finden werden, das Ihnen aber doch vielleicht genauer sagen kann, was ich mit all den Dingen meine, die ich heute nur antippend berühre. Ich habe mit verschiedenen Menschen in der letzten Zeit über Dinge gesprochen, die der heutigen Menschheit notwendig wären, wenn sie aus den Kalamitäten, aus den verschiedenen Sackgassen herauskommen will; Dinge, die einfach in einer gewissen Summe von praktischen Begriffen bestehen, durch die man heute sein Denken auffrischen müßte, wenn man — es ist schwer, über die Einzelheiten heute zu reden —, ich will einmal sagen, Papstnoten beantworten will. Diese Begriffe aber, so sehr sie auf dem unmittelbarsten praktischen Standpunkt des Lebens stehen, können nur gewonnen, nur verstanden werden, wenn man Impulse durch die Geisteswissenschaft hat. Denn diese Begriffe beziehen sich auf die Art und Weise, wie man heute denken muß, wenn man aus dem Wirrwarr herauskommen soll, über das Zusammenleben der Völker und Staaten, über die Einrichtungen, die die Völker und Staaten treffen müssen, wenn sie nicht in illusionären, abstrakten Begriffen von Völkerfreiheit und friedlichem Zusammenleben der kleinen Nationen und wie all das Zeug heißt, in Unwirklichkeiten deklamieren wollen. Man kann sehr intensiv praktische Begriffe ausbilden, die allein imstande sein würden, aus der Misere des heutigen Tages herauszukommen. Was aber erlebt man? Sie haben vielleicht in den Zeitungen gelesen, daß heute die Rektor-Inauguration an der Berliner Universität war. Der neuantretende Rektor, Geheimrat Penck, hat aus geologischen Begriffen heraus über politische Grenzbegriffe gesprochen. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie schwer es einem ums Herz wird, wenn “man so etwas erlebt. Warum denn? Weil an den erleuchtetsten Stellen des gegenwärtigen geistigen Strebens die ungeklärtesten elementarsten Vorstellungen auftauchen, zu denen, wenn man sich auf Geisteswissenschaft einlassen würde, die für das Leben brauchbaren höheren Begriffe sich ergeben würden. Denken Sie sich, man erlebt: Geisteswissenschaft könnte entwickelte Begriffe für die gegenwärtige umfassende Lebenspraxis geben — diese entwickelten Begriffe würden aber eben höhere Zusammenhänge darstellen — und die anerkannte offizielle Wissenschaft bewegt sich da noch tastend im Abc der Sache und kann nicht aus diesem Abc heraus. Das ist es, was heute gerade bei solchen Gelegenheiten schwer machen kann, sich auch nur zum Verständnis zu bringen, was eigentlich gemeint ist. Denn weit entfernt ist das, worauf heute die Menschen achten, was heute die Menschen als höchste Autorität ansehen müssen, von dem, was so bitter not täte, und was nur aus der Geisteswissenschaft gewonnen werden könnte. Da, wo offizielle Wissenschaft sich auslebt, da erleben wir das ungeschickte Abc, aber das Lesen könnte da sein, wenn nicht Geisteswissenschaft von denjenigen, die sie nicht verstehen wollen, für eine phantastische Sache gehalten würde. Da muß man allerdings immer wieder und wiederum ohne alle Überhebung, ohne alle Verletzung der gebührenden Menschendemut, auf die ersten Zeiten des Christentums hindeuten, wie unten in den Katakomben unter der Erde in der ersten Römerzeit Christen ihren Gottesdienst verrichtet haben und oben die alte Welt ihre soziale Ordnung entfaltet hat. Was war einige Jahrhunderte später diese alte Welt, die für dieses werdende Christentum nichts anderes gehabt hat, als was man im alten Rom aus der Geschichte kennenlernen kann! Diese alte Welt war weggelöscht in wenigen Jahrhunderten, und was unten in den Katakomben war, das verbreitete sich oben. Könnte nur eine genügend große Anzahl von Menschen verstehen, daß heute schon etwas ähnliches notwendig ist, wenn auch nicht für etwas so Weltgroßes, wie das Christentum selber es ist. Das kann nicht bleiben, was heute als offizielle Wissenschaft, als offizielles Denken und Vorstellen waltet. Das verhält sich zu dem, was die Jahrhunderte brauchen, wie sich das alte Römertum zum Christentum verhielt, das sich unten in den Katakomben entwickelt hat. Aber man muß seine Gefühle und seine Empfindungen einstellen auf diesen weltgeschichtlichen Gegensatz, man muß sie so einstellen, daß man durchschaut, den Willen hat zu durchschauen, was alles Ungenügendes ist in den heutigen Deklamationen über den neuen Geist, oder Garantien in allen möglichen unfaßbaren Begriffen von zwischenstaatlichen Organisationen, von Schiedsgerichten und dergleichen, wobei man nur niemals wissen kann, wer Schiedsrichter sein soll. Es ist heute die Zeit, wo in das unmittelbarste Alltagsleben die großen Begriffe hineingehören, wo es der Menschheit nicht gestattet ist, zu sagen: Ja, diese Begriffe sind gewiß sehr schön zum Begreifen der Welt, aber man kann sie doch nicht in alltägliche Manifestationen hineinbringen! — Entweder wird man siehineinbringen, oder diese alltäglichen Manifestationen werden Nullitäten sein und keine Bedeutung haben für das praktische Leben, das nicht dasjenige von nach Jahrzehnten, sondern von heute und morgen ist. Überall, wo man heute verschiedene Meinungen hat, findet man verhältnismäßig Objektivität, bis zu einem gewissen Grade wenigstens. Suchen Sie aber unter den Bekämpfungen der Geisteswissenschaft, der Anthroposophie, etwas Objektives! Wenn solch ein Mensch, wie das Individuum Max Dessoir, der Professor an der Berliner Universität ist, sich über Geisteswissenschaft hermacht, so tischt er seinen Lesern Entstellungen, Fälschungen auf, wie ich in meinem Buche, das jetzt auch gedruckt ist und demnächst erscheinen wird, nachgewiesen habe. Immer wird das, was ehrlicher objektiver Kampf sein soll, übergeführt auf das persönliche Gebiet, auf das Gebiet der persönlichen Verunglimpfung, gerade wenn es sich um Geisteswissenschaft handelt. Warum? Nicht weil es die Menschen widerlegen können, sondern weil sie die Menschen nicht haben wollen, weil die Menschen es in der Gegenwart ablehnen, das eigentliche Menschenwesen in sich selber zu suchen. Denn das ist unbequem. Die Menschen wollen zum Beispiel die moralischen Begriffe haben, an denen sie sich delektieren können. Dazu taugen aber die Begriffe nicht, die zum Beispiel besagen, daß die Tugenden sich nach einiger Zeit von selbst in die Anlagen zum entsprechenden Laster wandeln, wenn die Menschen nicht auf Wache stehen gegenüber ihrer eigenen Seele. Wie oft habe ich aufmerksam gemacht auf den Begriff der Selbstlosigkeit. In einem öffentlichen Vortrage habe ich einmal hypothetisch als Beispiel gewählt, eine Gesellschaft habe sich gegründet zur Pflege der Selbstlosigkeit. Es habe sich in ihr die Gewohnheit herausgebildet, daß zu demjenigen, der die Gesellschaft leitet, Mitglieder kommen und sagen: Ich möchte das und das, aber nicht etwa für mich, sondern für einen andern — sie haben sich nämlich versprochen, daß der andere auch nicht für sich, sondern für den ersteren das Entsprechende will. Jeder will nichts für sich. Aber darauf kommt es nicht an, ob man für sich oder einen anderen etwas will, sondern darauf, ob es eine an sich selbstlose Forderung ist. Das Wesentliche dabei ist, daß die Menschen, wenn sie sich bemühen, selbstlos zu werden, durch die innere Kraft der Selbstlosigkeit nach einiger Zeit recht egoistisch werden. Das Streben nach Selbstlosigkeit macht egoistisch. Man muß dann wachen, damit das Pendel wieder heruntergeht, man muß sich nicht delektieren an seiner eigenen Selbstlosigkeit.

[ 12 ] Solche Dinge standen schon Luther nah. Daher finden wir viele Stellen in Luthers Schriften, worinnen er ziemlich wenig Respekt zeigt vor solchen Tugenden wie Selbstlosigkeit und dergleichen, weil er weiß, daß Selbstlosigkeit in der Regel Maske ist, hinter der das Pharisäertum sitzt. Manchmal wird Luther in solchen Sachen derb; wie er einmal Melanchthon geraten hat, er solle ja nicht versuchen, so furchtbar selbstlos zu sein, sondern wenn er aufgelegt sei zu etwas Schlechtem, solle er dieses Schlechte auch tun, denn es sei besser, wenn man zu etwas Schlechtem aufgelegt sei, dieses Schlechte zu tun, als unaufrichtig Pharisäer zu werden, und scheinbar das Gute zu tun, während man in seiner Seele das Böse tun möchte. Luther hatte eben durch jene geistige Erfahrungsmöglichkeit, von der ich Ihnen schon gesprochen habe, sehr viel Einsicht in diese Polarität des menschlichen Lebens. Im Jahre 1510 war er in Rom. Damals galt es dort als ein verdienstliches Werk, wenn man eine Treppe hoch hinaufrutschte; ich weiß nicht, wie man es mit dem richtigen katholischen Terminus technicus nennt. Jedesmal wenn man eine Stufe hinaufgerutscht war, so waren eine gewisse Anzahl Tage im Fegefeuer nachgesehen, wenn man die ganze Treppe auf den Knien ohne aufzustehen hinaufrutschte, so gab das viele Tage Nachsicht für das Fegefeuer. Luther hat das mitgemacht, denn er war dazumal durchaus auf dem Standpunkt, daß man durch solche Dinge sein Seelenheil fördern könnte. Aber während er die Treppe hinaufrutschte, hatte er eine Imagination, die ihm sagte: Die Gerechtigkeit suche im Glauben! — Gerade durch solche Dinge wurde er zu dem Luther. Der polarische Gegensatz desjenigen, was er tat, tat sich in seiner Seele auf. Er hatte Erfahrungen über solche polarische Gegensätze.

[ 12 ] Solche Dinge standen schon Luther nah. Daher finden wir viele Stellen in Luthers Schriften, worinnen er ziemlich wenig Respekt zeigt vor solchen Tugenden wie Selbstlosigkeit und dergleichen, weil er weiß, daß Selbstlosigkeit in der Regel Maske ist, hinter der das Pharisäertum sitzt. Manchmal wird Luther in solchen Sachen derb; wie er einmal Melanchthon geraten hat, er solle ja nicht versuchen, so furchtbar selbstlos zu sein, sondern wenn er aufgelegt sei zu etwas Schlechtem, solle er dieses Schlechte auch tun, denn es sei besser, wenn man zu etwas Schlechtem aufgelegt sei, dieses Schlechte zu tun, als unaufrichtig Pharisäer zu werden, und scheinbar das Gute zu tun, während man in seiner Seele das Böse tun möchte. Luther hatte eben durch jene geistige Erfahrungsmöglichkeit, von der ich Ihnen schon gesprochen habe, sehr viel Einsicht in diese Polarität des menschlichen Lebens. Im Jahre 1510 war er in Rom. Damals galt es dort als ein verdienstliches Werk, wenn man eine Treppe hoch hinaufrutschte; ich weiß nicht, wie man es mit dem richtigen katholischen Terminus technicus nennt. Jedesmal wenn man eine Stufe hinaufgerutscht war, so waren eine gewisse Anzahl Tage im Fegefeuer nachgesehen, wenn man die ganze Treppe auf den Knien ohne aufzustehen hinaufrutschte, so gab das viele Tage Nachsicht für das Fegefeuer. Luther hat das mitgemacht, denn er war dazumal durchaus auf dem Standpunkt, daß man durch solche Dinge sein Seelenheil fördern könnte. Aber während er die Treppe hinaufrutschte, hatte er eine Imagination, die ihm sagte: Die Gerechtigkeit suche im Glauben! — Gerade durch solche Dinge wurde er zu dem Luther. Der polarische Gegensatz desjenigen, was er tat, tat sich in seiner Seele auf. Er hatte Erfahrungen über solche polarische Gegensätze.

[ 13 ] Tiefer hineinsehen in das Menschenleben, das ist dasjenige, was unsere Zeit vor allen Dingen vonnöten hat. Zu diesem Hineinsehen gehört schon, daß man durchschaut, daß ein Wort noch kein Ding ist. Das Wort Geist sprechen heute viele Leute aus, aber man kann viel über Geist sprechen und vom Geiste keine Spur haben. Die Menschen brauchen das gar nicht zu bemerken. Es gibt zum Beispiel einen Mann in der Gegenwart, der hat eine ganze Bibliothek geschrieben, und ich möchte nicht zählen, wie häufig das Wort Geist in dieser Bibliothek vorkommt. Die Leute glauben auch, daß der Mann wirklich vom Geiste spricht, er heißt nämlich Rudolf Eucken. Das ist es gerade, worauf es ankommt, die Wirklichkeit vom Schein auf diesem Gebiete zu unterscheiden. Das ist freilich unbequem. Das erzeugt vor allen Dingen die Furcht vor dem geistigen Leben, das erzeugt sogar die Furcht vor dem Denken. Fluchtartig bewegen sich heute die Menschen von dem Denken weg und möchten mit allem möglichen Ungedachten das Heil auf seelischem, auf sozialem, auf politischem Gebiete finden. Die Zeit ist zuernst, um über solche Dinge nicht ernst zu werden. Der Tag würde etwas Gutes bringen, wo Menschen in größerer Anzahl solches einsehen würden, wie es heute wieder angedeutet worden ist; leider nur angedeutet. Wollte man auf die Dinge eingehen, so müßte man ja in Formen sprechen, in denen man heute nicht sprechen darf. Deshalb wäre es gut, wenn insbesondere auch Sie sich zuweilen nach diesen Vorträgen aufs Denken verlegen würden, denn das Denken ist ja vorläufig noch nicht zensiert. Ich habe schon das letzte Mal gesagt: zerreißen würden die Menschen der Gegenwart noch vielfach den, der mit einem Blick, der da kommt durch die Einweihung, sich über die unmittelbaren Ereignisse der Gegenwart offen aussprechen möchte. Nicht einmal gesagt dürfen gewisse Dinge werden, geschweige denn getan. So gehen denn mancherlei Gelegenheiten in der Gegenwart vorüber, die darauf hinweisen könnten, wie sehr Vertiefung, Durchkraftung der menschlichen Seele notwendig ist. Man denke sich nur einmal, was aus der lutherischen Bewegung geworden wäre, wenn Luther nur die Kräfte von manchen führenden Menschen der Gegenwart besessen hätte, und nicht größere, stärkere, eindringlichere. Man kann die Frage aufwerfen: Warum wollen denn die Menschen der Gegenwart so wenig hören von wirklicher geistiger Erkenntnis? Die richtigste Antwort ist doch die, die ich ja schon wiederholt und auch heute angedeutet habe: daß diese geistige Erkenntnis den Menschen unbequem ist. Die neuere naturwissenschaftliche Weltanschauung gibt diese Begriffe in bequemerer Weise. Gewiß, sie ist bewunderungswürdig; aber man braucht sich nur der Welt gegenüberzustellen und sich am Gängelbande der äußeren Tatsachen führen zu lassen, man braucht sich nicht aufzuraffen, man braucht nicht die Tiefen der Seele heraufzuholen, um weiterzukommen. Diese Anforderung allerdings stellt Geisteswissenschaft an die Menschen. Außerdem kann sie nicht umhin, den Menschen zu sagen, daß, wer solche Anstrengung nicht macht, gar nicht in Wirklichkeit Mensch ist. Das aber wiederum hört insbesondere derjenige, der heute vermöge der Verhältnisse als Autorität gilt, nicht gern. Daß zum Beispiel ein Professor, ein Geheimrat nicht ganz Mensch sein sollte, das zu verstehen ist natürlich den Menschen der Gegenwart außerordentlich schwierig. Aber sie werden es begreifen müssen, wenn wir aus der Misere der Gegenwart herauskommen wollen.

[ 13 ] Tiefer hineinsehen in das Menschenleben, das ist dasjenige, was unsere Zeit vor allen Dingen vonnöten hat. Zu diesem Hineinsehen gehört schon, daß man durchschaut, daß ein Wort noch kein Ding ist. Das Wort Geist sprechen heute viele Leute aus, aber man kann viel über Geist sprechen und vom Geiste keine Spur haben. Die Menschen brauchen das gar nicht zu bemerken. Es gibt zum Beispiel einen Mann in der Gegenwart, der hat eine ganze Bibliothek geschrieben, und ich möchte nicht zählen, wie häufig das Wort Geist in dieser Bibliothek vorkommt. Die Leute glauben auch, daß der Mann wirklich vom Geiste spricht, er heißt nämlich Rudolf Eucken. Das ist es gerade, worauf es ankommt, die Wirklichkeit vom Schein auf diesem Gebiete zu unterscheiden. Das ist freilich unbequem. Das erzeugt vor allen Dingen die Furcht vor dem geistigen Leben, das erzeugt sogar die Furcht vor dem Denken. Fluchtartig bewegen sich heute die Menschen von dem Denken weg und möchten mit allem möglichen Ungedachten das Heil auf seelischem, auf sozialem, auf politischem Gebiete finden. Die Zeit ist zuernst, um über solche Dinge nicht ernst zu werden. Der Tag würde etwas Gutes bringen, wo Menschen in größerer Anzahl solches einsehen würden, wie es heute wieder angedeutet worden ist; leider nur angedeutet. Wollte man auf die Dinge eingehen, so müßte man ja in Formen sprechen, in denen man heute nicht sprechen darf. Deshalb wäre es gut, wenn insbesondere auch Sie sich zuweilen nach diesen Vorträgen aufs Denken verlegen würden, denn das Denken ist ja vorläufig noch nicht zensiert. Ich habe schon das letzte Mal gesagt: zerreißen würden die Menschen der Gegenwart noch vielfach den, der mit einem Blick, der da kommt durch die Einweihung, sich über die unmittelbaren Ereignisse der Gegenwart offen aussprechen möchte. Nicht einmal gesagt dürfen gewisse Dinge werden, geschweige denn getan. So gehen denn mancherlei Gelegenheiten in der Gegenwart vorüber, die darauf hinweisen könnten, wie sehr Vertiefung, Durchkraftung der menschlichen Seele notwendig ist. Man denke sich nur einmal, was aus der lutherischen Bewegung geworden wäre, wenn Luther nur die Kräfte von manchen führenden Menschen der Gegenwart besessen hätte, und nicht größere, stärkere, eindringlichere. Man kann die Frage aufwerfen: Warum wollen denn die Menschen der Gegenwart so wenig hören von wirklicher geistiger Erkenntnis? Die richtigste Antwort ist doch die, die ich ja schon wiederholt und auch heute angedeutet habe: daß diese geistige Erkenntnis den Menschen unbequem ist. Die neuere naturwissenschaftliche Weltanschauung gibt diese Begriffe in bequemerer Weise. Gewiß, sie ist bewunderungswürdig; aber man braucht sich nur der Welt gegenüberzustellen und sich am Gängelbande der äußeren Tatsachen führen zu lassen, man braucht sich nicht aufzuraffen, man braucht nicht die Tiefen der Seele heraufzuholen, um weiterzukommen. Diese Anforderung allerdings stellt Geisteswissenschaft an die Menschen. Außerdem kann sie nicht umhin, den Menschen zu sagen, daß, wer solche Anstrengung nicht macht, gar nicht in Wirklichkeit Mensch ist. Das aber wiederum hört insbesondere derjenige, der heute vermöge der Verhältnisse als Autorität gilt, nicht gern. Daß zum Beispiel ein Professor, ein Geheimrat nicht ganz Mensch sein sollte, das zu verstehen ist natürlich den Menschen der Gegenwart außerordentlich schwierig. Aber sie werden es begreifen müssen, wenn wir aus der Misere der Gegenwart herauskommen wollen.

[ 14 ] Im Jahre 1613 hat Johann Valentin Andreae die Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreutz geschrieben. Das Buch ist dann im Jahre 1616 erschienen. Ich werde in der nächsten Nummer der Zeitschrift «Das Reich» mit einem Aufsatze beginnen, der gerade über diese Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreutz handelt. Jener Valentin Andreae hat in den Jahren 1614 bis 1617 auch noch andere Schriften verfaßt, die aus der damaligen Zeit heraus gedacht und empfunden waren. Eine Schrift trägt den Untertitel: «An die Fürsten und Oberhäupter aller Staaten.» Andreae wollte den Menschen zeigen, daß das, was sie von sich selber glauben, und was sie von anderen glauben, auch nur eine Maja ist, eine große Täuschung, er wollte den Menschen die Möglichkeit geben, sich selbst und andere kennenzulernen. Eine große geistige Bewegung hatte Johann Valentin Andreae im Sinne. Sie war herausgedacht, herausempfunden aus langer Vorbereitung. Zwei Dinge gab es in der damaligen Zeit: dasjenige, was Valentin Andreae wollte, und dasjenige, was zum Dreißigjährigen Krieg geführt hat, der 1618 begann und bis 1648 dauerte. Dasjenige aber, was zum Dreißigjährigen Krieg geführt hat, hat die Bewegung unmöglich gemacht, die Johann Valentin Andreae einleiten wollte. Es wäre viel zu sagen, wenn man das Scheitern des damaligen Versuches in seinen Ursachen charakterisieren wollte. Manche Versuche werden ja gemacht, scheitern, sollen aber später gelingen. Nun wohl, damals gab es eine Möglichkeit weiterzukommen. Wieder ist heute die Notwendigkeit gegeben, in zwei Strömungen drinnen zu stehen, die aufeinander wirken müssen: auf der einen Seite das, was Anthroposophie aus den Impulsen der Menschheitsentwickelung heraus will, auf der anderen Seite dasjenige, was zu einem ähnlichen Ereignisse wie der Dreißigjährige Krieg geführt hart. Es wird an der Menschheit sein, daß dasjenige, was geschehen soll, nicht wiederum ungeschehen gemacht wird. Bequemlichkeit, Unwachsamkeit könnten sehr leicht den gegenwärtigen Versuch wiederum paralysieren. Ob aber die Dinge wiederum so ausgehen würden, wie bei der Paralysierung des Versuchs von Valentin Andreae, ist eine andere Frage.

[ 14 ] Im Jahre 1613 hat Johann Valentin Andreae die Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreutz geschrieben. Das Buch ist dann im Jahre 1616 erschienen. Ich werde in der nächsten Nummer der Zeitschrift «Das Reich» mit einem Aufsatze beginnen, der gerade über diese Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreutz handelt. Jener Valentin Andreae hat in den Jahren 1614 bis 1617 auch noch andere Schriften verfaßt, die aus der damaligen Zeit heraus gedacht und empfunden waren. Eine Schrift trägt den Untertitel: «An die Fürsten und Oberhäupter aller Staaten.» Andreae wollte den Menschen zeigen, daß das, was sie von sich selber glauben, und was sie von anderen glauben, auch nur eine Maja ist, eine große Täuschung, er wollte den Menschen die Möglichkeit geben, sich selbst und andere kennenzulernen. Eine große geistige Bewegung hatte Johann Valentin Andreae im Sinne. Sie war herausgedacht, herausempfunden aus langer Vorbereitung. Zwei Dinge gab es in der damaligen Zeit: dasjenige, was Valentin Andreae wollte, und dasjenige, was zum Dreißigjährigen Krieg geführt hat, der 1618 begann und bis 1648 dauerte. Dasjenige aber, was zum Dreißigjährigen Krieg geführt hat, hat die Bewegung unmöglich gemacht, die Johann Valentin Andreae einleiten wollte. Es wäre viel zu sagen, wenn man das Scheitern des damaligen Versuches in seinen Ursachen charakterisieren wollte. Manche Versuche werden ja gemacht, scheitern, sollen aber später gelingen. Nun wohl, damals gab es eine Möglichkeit weiterzukommen. Wieder ist heute die Notwendigkeit gegeben, in zwei Strömungen drinnen zu stehen, die aufeinander wirken müssen: auf der einen Seite das, was Anthroposophie aus den Impulsen der Menschheitsentwickelung heraus will, auf der anderen Seite dasjenige, was zu einem ähnlichen Ereignisse wie der Dreißigjährige Krieg geführt hart. Es wird an der Menschheit sein, daß dasjenige, was geschehen soll, nicht wiederum ungeschehen gemacht wird. Bequemlichkeit, Unwachsamkeit könnten sehr leicht den gegenwärtigen Versuch wiederum paralysieren. Ob aber die Dinge wiederum so ausgehen würden, wie bei der Paralysierung des Versuchs von Valentin Andreae, ist eine andere Frage.

[ 15 ] Jedenfalls darf heute niemand so fragen: Ja, wie kommt es denn, daß die geistigen Mächte sich nicht hineinmischen in die Verhältnisse des physischen Planes und Ordnung schaffen? — So darf man nicht fragen, denn was die Menschen tun, ist vielfach Auflehnung gegen diese geistigen Mächte, ist vielfach gegen die geistigen Mächte selbst gerichtet. Dieser Kampf gegen den Geist wird oftmals am meisten von denjenigen Menschen geführt, die immerfort reden von Geist, Geist und Geist. Ich habe neulich auf dem Umschlage einer Zeitschrift — ich weiß nicht genau, ob es eine Monatsschrift oder eine Halbmonatsschrift war — so etwas wie eine annoncenartige Sache gelesen, wo immerfort von Geist, Geist geredet wird, der Geist soll die gegenwärtigen Ereignisse beherrschen. Man greift sich an den Kopf. Geist soll die Kanonen, die Gasmasken und so weiter fabrizieren; alles wird da Geist genannt. Es fragt sich nur, ob die Menschen einsehen, welcher Art dieser Geist ist. Sie wissen, wir unterscheiden den Geist der normalen Fortentwickelung und den luziferischen und ahrimanischen Geist. Ich habe Sie neulich aufmerksam gemacht, wie Ricarda Huch in ihrem Buche über Luther den Teufel geradezu herbeisehnte, sie meinte eigentlich die Erkenntnis des Teufels. Gegenüber manchen Geist-Deklamationen kann man schon sagen: den Teufel merkt das Völkchen nie, und wenn es ihn auch schon auf dem Umschlag von Zeitschriften hätte.

[ 15 ] Jedenfalls darf heute niemand so fragen: Ja, wie kommt es denn, daß die geistigen Mächte sich nicht hineinmischen in die Verhältnisse des physischen Planes und Ordnung schaffen? — So darf man nicht fragen, denn was die Menschen tun, ist vielfach Auflehnung gegen diese geistigen Mächte, ist vielfach gegen die geistigen Mächte selbst gerichtet. Dieser Kampf gegen den Geist wird oftmals am meisten von denjenigen Menschen geführt, die immerfort reden von Geist, Geist und Geist. Ich habe neulich auf dem Umschlage einer Zeitschrift — ich weiß nicht genau, ob es eine Monatsschrift oder eine Halbmonatsschrift war — so etwas wie eine annoncenartige Sache gelesen, wo immerfort von Geist, Geist geredet wird, der Geist soll die gegenwärtigen Ereignisse beherrschen. Man greift sich an den Kopf. Geist soll die Kanonen, die Gasmasken und so weiter fabrizieren; alles wird da Geist genannt. Es fragt sich nur, ob die Menschen einsehen, welcher Art dieser Geist ist. Sie wissen, wir unterscheiden den Geist der normalen Fortentwickelung und den luziferischen und ahrimanischen Geist. Ich habe Sie neulich aufmerksam gemacht, wie Ricarda Huch in ihrem Buche über Luther den Teufel geradezu herbeisehnte, sie meinte eigentlich die Erkenntnis des Teufels. Gegenüber manchen Geist-Deklamationen kann man schon sagen: den Teufel merkt das Völkchen nie, und wenn es ihn auch schon auf dem Umschlag von Zeitschriften hätte.

[ 16 ] Ich konnte heute auf manches nur hinweisen und mußte manches verhüllen, das aber in Ihrer Seele, wenn Sie über das heute Gesagte nachdenken, sich enthüllen wird. Jedenfalls das eine werden Sie bemerkt haben, daß ich in ernster Weise, in recht bitterernster Weise sprechen wollte, und in dieser Weise möchte ich diese Vorträge vorläufig beschlossen haben.

[ 16 ] Ich konnte heute auf manches nur hinweisen und mußte manches verhüllen, das aber in Ihrer Seele, wenn Sie über das heute Gesagte nachdenken, sich enthüllen wird. Jedenfalls das eine werden Sie bemerkt haben, daß ich in ernster Weise, in recht bitterernster Weise sprechen wollte, und in dieser Weise möchte ich diese Vorträge vorläufig beschlossen haben.