The Spiritual Backgrounds of the Outer World
The Fall of the Spirits of Darkness
GA 177
12 October 1917, Dornach
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Die spirituellen Hintergründe der äußeren Welt
Siebenter Vortrag
Siebenter Vortrag
[ 1 ] Um den Problemen, die wir in diesen Betrachtungen angeschlagen haben, immer näherzukommen, wollen wir heute noch einige Zwischenbetrachtungen einschieben. Sie alle kennen gewiß ein scherzhaftes Experiment, welches von Prestidigitateuren sehr häufig gemacht wird: Die Betreffenden zeigen Gewichte, schwere Gewichte, und zeigen die Anstrengungen, die sie aufwenden müssen, um diese Gewichte zu heben. Auf den Gewichten stehen dann gewöhnlich, damit die Sache noch glaubhafter erscheint, Zahlen, so und so viele Zentner oder Kilogramm oder dergleichen. Nachdem sich der Betreffende dann eine Weile angestrengt hat, um diese Gewichte langsam zu heben und das Publikum seine Muskelkraft bewundert hat, hebt der Betreffende im Flug die Gewichte oder läßt sogar einen kleinen Knaben herein, und der läuft dann davon, indem er mit den Gewichten irgendwie herumpendelt, weil das Ganze aus Papiermaché ist und nur durch die Nachahmung der Form und durch die Zahlen darauf den Eindruck macht, als ob es wirkliche Gewichte seien.
[ 1 ] Um den Problemen, die wir in diesen Betrachtungen angeschlagen haben, immer näherzukommen, wollen wir heute noch einige Zwischenbetrachtungen einschieben. Sie alle kennen gewiß ein scherzhaftes Experiment, welches von Prestidigitateuren sehr häufig gemacht wird: Die Betreffenden zeigen Gewichte, schwere Gewichte, und zeigen die Anstrengungen, die sie aufwenden müssen, um diese Gewichte zu heben. Auf den Gewichten stehen dann gewöhnlich, damit die Sache noch glaubhafter erscheint, Zahlen, so und so viele Zentner oder Kilogramm oder dergleichen. Nachdem sich der Betreffende dann eine Weile angestrengt hat, um diese Gewichte langsam zu heben und das Publikum seine Muskelkraft bewundert hat, hebt der Betreffende im Flug die Gewichte oder läßt sogar einen kleinen Knaben herein, und der läuft dann davon, indem er mit den Gewichten irgendwie herumpendelt, weil das Ganze aus Papiermaché ist und nur durch die Nachahmung der Form und durch die Zahlen darauf den Eindruck macht, als ob es wirkliche Gewichte seien.
[ 2 ] An dieses Experiment kann man heute sehr häufig erinnert werden, wenn man ein wenig mit geisteswissenschaftlicher Bildung ausgerüstet ist und dann vernimmt, was unsere Zeitgenossen, auch die geistvolleren, über geschichtliche Ereignisse oder geschichtliche Persönlichkeiten sagen und schreiben. Es geht uns selbst so bei denjenigen Biographen und Geschichtsschreibern, welche im Sinne der heutigen Zeit ihre Aufgabe ganz vorzüglich erledigen. Mit geisteswissenschaftlicher Bildung kann man eine Zeitlang eine starke Befriedigung haben von der Schilderung, die man da bekommt. Aber dann, wenn man zuletzt das Ganze noch einmal auf seine Seele wirken läßt, dann kommt es einem so vor, als wenn mit dem ganzen geschilderten Kram irgendein kleines Kind davonlaufen und es schüttelnd schwingen würde.
[ 2 ] An dieses Experiment kann man heute sehr häufig erinnert werden, wenn man ein wenig mit geisteswissenschaftlicher Bildung ausgerüstet ist und dann vernimmt, was unsere Zeitgenossen, auch die geistvolleren, über geschichtliche Ereignisse oder geschichtliche Persönlichkeiten sagen und schreiben. Es geht uns selbst so bei denjenigen Biographen und Geschichtsschreibern, welche im Sinne der heutigen Zeit ihre Aufgabe ganz vorzüglich erledigen. Mit geisteswissenschaftlicher Bildung kann man eine Zeitlang eine starke Befriedigung haben von der Schilderung, die man da bekommt. Aber dann, wenn man zuletzt das Ganze noch einmal auf seine Seele wirken läßt, dann kommt es einem so vor, als wenn mit dem ganzen geschilderten Kram irgendein kleines Kind davonlaufen und es schüttelnd schwingen würde.
[ 3 ] Das ist eine Empfindung, die vielleicht nicht gerade viele Menschen haben, obwohl ich instinktive Anklänge doch schon bei einer größeren Anzahl von Menschen gefunden habe gegenüber geschichtlichen Beschreibungen der heutigen Zeit. Die ganze römische Geschichte und namentlich die griechische Geschichte, wie sie heute geschildert werden, gehören eigentlich auf das Gebiet, das in dieser Weise charakterisiert werden kann. Und ich muß zum Beispiel sagen, daß Geschichtsschreiber eines gewissen Gebietes, die ich außerordentlich hoch verehre, trotzdem diesen Eindruck auf mich machen. Ich verehre zum Beispiel ganz außerordentlich Herman Grimm als Geschichtsschreiber, wie ja aus manchen meiner Vorträge Ihnen hervorgehen kann. Allein, wenn ich sein Buch über Goethe oder über Michelangelo oder Raffael nehme, dann erscheinen mir diese Gestalten ganz so, wie wenn sie — ich will jetzt vergleichsweise sprechen — kein Schwergewicht hätten oder wie wenn sie bloß hinhuschende Schatten wären. Der ganze Goethe des Herman Grimm, der ganze Michelangelo des Herman Grimm sind schließlich Figuren aus der «Laterna magica», die auch keine Schwere haben. Woher kommt denn dieses? Das kommt davon her, daß diejenigen Menschen, die heute nur ausgerüstet sind mit der Bildung, mit dem Geistgehalt der Gegenwart, trotzdem sie zumeist meinen, die Wirklichkeit zu schildern, keine rechte Ahnung von der wahren Wirklichkeit haben. Die Menschen stehen heute so unendlich fern der wahren Wirklichkeit, weil sie dasjenige, was auch immer um uns herum ist und was den Gestalten allerdings keine physische Schwere, aber geistiges Gewicht gibt, weil sie das nicht kennen. Bedenken Sie, daß gerade in diesen Wochen ja gewiß hunderrtfältig, vielleicht tausendfältig Luther geschildert wird. Sehr geistvoll selbstverständlich; geistvoll sind ja die Menschen meistens, die heute schreiben. Das meine ich ganz aufrichtig. Aber dieser Luther, der von unseren Zeitgenossen beschrieben wird, der wird so beschrieben, wie das Bild ist, das wir von einem solchen Gewicht aus Papiermaché haben, weil der Schilderung gerade dasjenige fehlt, was den Gestalten die Schwere gibt. Man kann sagen: Wenn man hier auf einem Stuhl sitzt und den Mann vor sich hat, der die Gewichte hebt, so sieht man doch ganz dasselbe, ob es nun Gewichte aus Papiermaché oder ob es wirkliche Gewichte sind. Sogar wenn man malen würde, was man sieht: es käme auf dasselbe heraus. Das Gemälde könnte ganz wahr sein, trotzdem es von Gewichten aus Papiermaché genommen ist. So können Persönlichkeiten der Geschichte im eminentesten Sinne wahr geschildert sein, zum Beispiel Luther, und es kann den Zeitgenossen, die sich so viel zugute tun auf ihren Realismus, außerordentlich gut gelungen sein, zahlreiche Einzelheiten, zahlreiche charakteristische, signifikante Dinge zu sagen, die ein geistvolles Bild geben, aber das Bild braucht nicht der Wirklichkeit zu entsprechen, weil das geistige Gewicht fehlt.
[ 3 ] Das ist eine Empfindung, die vielleicht nicht gerade viele Menschen haben, obwohl ich instinktive Anklänge doch schon bei einer größeren Anzahl von Menschen gefunden habe gegenüber geschichtlichen Beschreibungen der heutigen Zeit. Die ganze römische Geschichte und namentlich die griechische Geschichte, wie sie heute geschildert werden, gehören eigentlich auf das Gebiet, das in dieser Weise charakterisiert werden kann. Und ich muß zum Beispiel sagen, daß Geschichtsschreiber eines gewissen Gebietes, die ich außerordentlich hoch verehre, trotzdem diesen Eindruck auf mich machen. Ich verehre zum Beispiel ganz außerordentlich Herman Grimm als Geschichtsschreiber, wie ja aus manchen meiner Vorträge Ihnen hervorgehen kann. Allein, wenn ich sein Buch über Goethe oder über Michelangelo oder Raffael nehme, dann erscheinen mir diese Gestalten ganz so, wie wenn sie — ich will jetzt vergleichsweise sprechen — kein Schwergewicht hätten oder wie wenn sie bloß hinhuschende Schatten wären. Der ganze Goethe des Herman Grimm, der ganze Michelangelo des Herman Grimm sind schließlich Figuren aus der «Laterna magica», die auch keine Schwere haben. Woher kommt denn dieses? Das kommt davon her, daß diejenigen Menschen, die heute nur ausgerüstet sind mit der Bildung, mit dem Geistgehalt der Gegenwart, trotzdem sie zumeist meinen, die Wirklichkeit zu schildern, keine rechte Ahnung von der wahren Wirklichkeit haben. Die Menschen stehen heute so unendlich fern der wahren Wirklichkeit, weil sie dasjenige, was auch immer um uns herum ist und was den Gestalten allerdings keine physische Schwere, aber geistiges Gewicht gibt, weil sie das nicht kennen. Bedenken Sie, daß gerade in diesen Wochen ja gewiß hunderrtfältig, vielleicht tausendfältig Luther geschildert wird. Sehr geistvoll selbstverständlich; geistvoll sind ja die Menschen meistens, die heute schreiben. Das meine ich ganz aufrichtig. Aber dieser Luther, der von unseren Zeitgenossen beschrieben wird, der wird so beschrieben, wie das Bild ist, das wir von einem solchen Gewicht aus Papiermaché haben, weil der Schilderung gerade dasjenige fehlt, was den Gestalten die Schwere gibt. Man kann sagen: Wenn man hier auf einem Stuhl sitzt und den Mann vor sich hat, der die Gewichte hebt, so sieht man doch ganz dasselbe, ob es nun Gewichte aus Papiermaché oder ob es wirkliche Gewichte sind. Sogar wenn man malen würde, was man sieht: es käme auf dasselbe heraus. Das Gemälde könnte ganz wahr sein, trotzdem es von Gewichten aus Papiermaché genommen ist. So können Persönlichkeiten der Geschichte im eminentesten Sinne wahr geschildert sein, zum Beispiel Luther, und es kann den Zeitgenossen, die sich so viel zugute tun auf ihren Realismus, außerordentlich gut gelungen sein, zahlreiche Einzelheiten, zahlreiche charakteristische, signifikante Dinge zu sagen, die ein geistvolles Bild geben, aber das Bild braucht nicht der Wirklichkeit zu entsprechen, weil das geistige Gewicht fehlt.
[ 4 ] Wann versteht man heute Luther wirklich? Man versteht ihn dann wirklich, wenn man weiß, wie die innere Beschaffenheit, die von unseren Anschauungen ganz unabhängige innere Beschaffenheit der Luther-Persönlichkeit war, wenn man weiß, daß Luther kurze Zeit nach dem Aufgang der fünften nachatlantischen Zeit aufgetreten ist, und wenn man weiß, daß in seinem Gemüt, in seiner Seele alles an Impulsen eines Menschen der vierten nachatlantischen Zeit lebte. Er war deplaciert in der fünften nachatlantischen Zeit; er fühlte, dachte, empfand wie ein Mensch der vierten nachatlantischen Zeit, aber er hatte vor sich die Aufgabe der fünften, denn er stand gerade am Anfang der fünften nachatlantischen Zeitrechnung. $o ist in den Anfang der fünften nachatlantischen Zeit, in den Horizont der fünften nachatlantischen Zeit, ein Mensch hineingestellt, der eigentlich alle Eigenschaften der vierten nachatlantischen Zeitperiode als Impulse in seinem Gemüt hatte. Und unbewußt, instinktiv lebte in dieser Luther-Seele der Aspekt, der Hinblick auf dasjenige, was die fünfte nachatlantische Periode bringen sollte.
[ 4 ] Wann versteht man heute Luther wirklich? Man versteht ihn dann wirklich, wenn man weiß, wie die innere Beschaffenheit, die von unseren Anschauungen ganz unabhängige innere Beschaffenheit der Luther-Persönlichkeit war, wenn man weiß, daß Luther kurze Zeit nach dem Aufgang der fünften nachatlantischen Zeit aufgetreten ist, und wenn man weiß, daß in seinem Gemüt, in seiner Seele alles an Impulsen eines Menschen der vierten nachatlantischen Zeit lebte. Er war deplaciert in der fünften nachatlantischen Zeit; er fühlte, dachte, empfand wie ein Mensch der vierten nachatlantischen Zeit, aber er hatte vor sich die Aufgabe der fünften, denn er stand gerade am Anfang der fünften nachatlantischen Zeitrechnung. $o ist in den Anfang der fünften nachatlantischen Zeit, in den Horizont der fünften nachatlantischen Zeit, ein Mensch hineingestellt, der eigentlich alle Eigenschaften der vierten nachatlantischen Zeitperiode als Impulse in seinem Gemüt hatte. Und unbewußt, instinktiv lebte in dieser Luther-Seele der Aspekt, der Hinblick auf dasjenige, was die fünfte nachatlantische Periode bringen sollte.
[ 5 ] Was sollte sie denn bringen? Den gesamten Materialismus, den nur überhaupt die nachatlantische Zeit der Menschheit bringen kann. Der Materialismus sollte auf allen Gebieten nach und nach in die Menschheit eindringen. Paradox ausgedrückt — Paradoxa geben natürlich niemals ganz genau den Tatsachenbestand, aber man kann sich schon den Tatbestand aus ihnen herausnehmen —, könnte man sagen: Weil Luther in seinen Gemüts- und Gefühlsimpulsen ganz und gar in der vierten nachatlantischen Zeitepoche wurzelte, verstand er eigentlich nicht, was die materialistischen Menschen der fünften nachatlantischen Zeitepoche in ihrem Innersten in der Seele trugen. Vor seiner Seele stand wohl instinktiv, mehr oder weniger unbewußt, die Art der Konflikte, wie die Menschen der fünften nachatlantischen Zeitperiode zu der äußeren Welt stehen würden, wie sie handeln würden in der äußeren Welt, wie sie verknüpft sein würden mit den Werken der äußeren Welt; aber das alles ging ihn eigentlich nichts an als einen Menschen, der im Sinne der vierten nachatlantischen Zeitperiode fühlte. Daher sein entschiedenes Betonen: Aus all dem Verkehr mit der Außenwelt, aus all dem Werkzusammenhang mit der Außenwelt kann nichts Gutes kommen. Ihr müßt euch lösen von diesem Werkzusammenhang, lösen von all dem, was die Außenwelt gibt, und müßt allein in eurem Gemüt den Zusammenhang mit der geistigen Welt finden. Nicht aus dem, was ihr wissen könnt, sondern aus dem, was ihr glauben könnt als herauswachsend aus eurem Gemüt, aus eurer Seele, müßt ihr die Brücke bauen zwischen der geistigen Welt und der irdischen. Aus diesem Nicht-Verbundensein mit der Umwelt entsprang das Betonen Luthers eines nur inneren Glaubenszusammenhangs mit der geistigen Welt.
[ 5 ] Was sollte sie denn bringen? Den gesamten Materialismus, den nur überhaupt die nachatlantische Zeit der Menschheit bringen kann. Der Materialismus sollte auf allen Gebieten nach und nach in die Menschheit eindringen. Paradox ausgedrückt — Paradoxa geben natürlich niemals ganz genau den Tatsachenbestand, aber man kann sich schon den Tatbestand aus ihnen herausnehmen —, könnte man sagen: Weil Luther in seinen Gemüts- und Gefühlsimpulsen ganz und gar in der vierten nachatlantischen Zeitepoche wurzelte, verstand er eigentlich nicht, was die materialistischen Menschen der fünften nachatlantischen Zeitepoche in ihrem Innersten in der Seele trugen. Vor seiner Seele stand wohl instinktiv, mehr oder weniger unbewußt, die Art der Konflikte, wie die Menschen der fünften nachatlantischen Zeitperiode zu der äußeren Welt stehen würden, wie sie handeln würden in der äußeren Welt, wie sie verknüpft sein würden mit den Werken der äußeren Welt; aber das alles ging ihn eigentlich nichts an als einen Menschen, der im Sinne der vierten nachatlantischen Zeitperiode fühlte. Daher sein entschiedenes Betonen: Aus all dem Verkehr mit der Außenwelt, aus all dem Werkzusammenhang mit der Außenwelt kann nichts Gutes kommen. Ihr müßt euch lösen von diesem Werkzusammenhang, lösen von all dem, was die Außenwelt gibt, und müßt allein in eurem Gemüt den Zusammenhang mit der geistigen Welt finden. Nicht aus dem, was ihr wissen könnt, sondern aus dem, was ihr glauben könnt als herauswachsend aus eurem Gemüt, aus eurer Seele, müßt ihr die Brücke bauen zwischen der geistigen Welt und der irdischen. Aus diesem Nicht-Verbundensein mit der Umwelt entsprang das Betonen Luthers eines nur inneren Glaubenszusammenhangs mit der geistigen Welt.
[ 6 ] Oder nehmen Sie ein anderes: Vor Luthers geistigem Auge war in gewisser Beziehung die geistige Welt offen. Seine Teufelserscheinungen haben nicht nötig, entschuldigt zu werden, wie das Ricarda Huch tut, die aber sonst in ihrem Buch sehr verdienstvoll über Luther geschrieben hat. Aber seine Teufelserscheinungen haben nicht nötig, heute so entschuldigt zu werden, daß man sagt: Er glaubte nicht an den Teufel mit dem Schwanz und Hörnern, der auf der Straße herumlaufe. — Er hatte die wirkliche Erscheinung des Teufels. Er wußte, was diese ahrimanische Natur für eine Wesenheit ist; das wußte er gut. Vor seinem geistigen Auge war noch, wie beim Menschen der vierten nachatlantischen Periode, die geistige Welt bis zu einem gewissen Grade offen, gerade für diejenigen Erscheinungen offen, die natürlich wiederum die wesentlichsten der fünften nachatlantischen Zeit sind. Und die wesentlichsten geistigen Kräfte der fünften nachatlantischen Zeit sind die ahrimanischen. Die sah er daher. Die Menschen der fünften nachatlantischen Periode dagegen haben die Eigentümlichkeit, daß sie unter dem Einfluß dieser Mächte stehen, aber sie nicht sehen. Weil aber Luther gewissermaßen aus der vierten nachatlantischen Zeitperiode hereinversetzt war, sah er die Mächte und betonte sie entsprechend. Und wenn man das nicht ins Auge faßt, dieses konkrete Zusammenhängen mit der geistigen Welt, versteht man ihn eben nicht.
[ 6 ] Oder nehmen Sie ein anderes: Vor Luthers geistigem Auge war in gewisser Beziehung die geistige Welt offen. Seine Teufelserscheinungen haben nicht nötig, entschuldigt zu werden, wie das Ricarda Huch tut, die aber sonst in ihrem Buch sehr verdienstvoll über Luther geschrieben hat. Aber seine Teufelserscheinungen haben nicht nötig, heute so entschuldigt zu werden, daß man sagt: Er glaubte nicht an den Teufel mit dem Schwanz und Hörnern, der auf der Straße herumlaufe. — Er hatte die wirkliche Erscheinung des Teufels. Er wußte, was diese ahrimanische Natur für eine Wesenheit ist; das wußte er gut. Vor seinem geistigen Auge war noch, wie beim Menschen der vierten nachatlantischen Periode, die geistige Welt bis zu einem gewissen Grade offen, gerade für diejenigen Erscheinungen offen, die natürlich wiederum die wesentlichsten der fünften nachatlantischen Zeit sind. Und die wesentlichsten geistigen Kräfte der fünften nachatlantischen Zeit sind die ahrimanischen. Die sah er daher. Die Menschen der fünften nachatlantischen Periode dagegen haben die Eigentümlichkeit, daß sie unter dem Einfluß dieser Mächte stehen, aber sie nicht sehen. Weil aber Luther gewissermaßen aus der vierten nachatlantischen Zeitperiode hereinversetzt war, sah er die Mächte und betonte sie entsprechend. Und wenn man das nicht ins Auge faßt, dieses konkrete Zusammenhängen mit der geistigen Welt, versteht man ihn eben nicht.
[ 7 ] Wenn Sie ins 15., 14., 13., 12. Jahrhundert zurückgehen: Sie finden überall die Einsicht in die Verwandlungen des Materiellen. Was später geschrieben worden ist, ist ja zum größten Teil Schwindelliteratur, weil die eigentlichen einschlägigen Geheimnisse mit dem Ablauf der vierten nachatlantischen Zeit verlorengegangen sind. Aber alles ist ja nicht Schwindelliteratur, und es ergoß sich manches Richtige hinein, was schwer aufzufinden ist; nur ist es eben nicht gerade hervorragend, namentlich was in späterer Zeit gedruckt worden ist. Die entsprechenden Geheimnisse waren eben verlorengegangen. In der Zeit aber, in der die Geheimnisse von der Alchimie bekannt waren, in der Zeit des vierten nachatlantischen Zeitraums, da konnte man sehr gut auf kirchlichem Gebiete von der Transsubstantiation, von der Verwandlung des Brotes und des Weines in den Leib und in das Blut sprechen, denn man konnte mit diesen Worten noch bestimmte Begriffe verbinden. Luther war verwoben mit der Denkweise, mit der Empfindungsweise der vierten nachatlantischen Zeit, aber hineingestellt war er in die fünfte nachatlantische Zeit. Er mußte daher die Transsubstantiation herausheben aus dem physischen, materiellen Verwandlungszusammenhang. Und was wurde für ihn das Sakrament, die Transsubstantiation? Ein bloß im Geistigen vor sich gehender Prozeß. Es wird nichts verwandelt, so sagt er, sondern nur, indem das Abendmahl gereicht wird, geht in den Gläubigen der Leib und das Blut Jesu Christi über. — Alles, was Luther sagt, alles, was Luther denkt und empfindet, das ist deshalb gesagt, gedacht und empfunden, weil er ein Mensch mit der Gemütsverfassung der Menschen des vierten nachatlantischen Zeitraums ist: der rettet sich den Zusammenhang, den geistigen Zusammenhang, den die Menschen des vierten nachatlantischen Zeitraums mit den Göttern gehabt haben, in das fünfte, gottlose Zeitalter herein, in das materialistische, in das geistig leere, glaubenslose, wissensleere Zeitalter herein.
[ 7 ] Wenn Sie ins 15., 14., 13., 12. Jahrhundert zurückgehen: Sie finden überall die Einsicht in die Verwandlungen des Materiellen. Was später geschrieben worden ist, ist ja zum größten Teil Schwindelliteratur, weil die eigentlichen einschlägigen Geheimnisse mit dem Ablauf der vierten nachatlantischen Zeit verlorengegangen sind. Aber alles ist ja nicht Schwindelliteratur, und es ergoß sich manches Richtige hinein, was schwer aufzufinden ist; nur ist es eben nicht gerade hervorragend, namentlich was in späterer Zeit gedruckt worden ist. Die entsprechenden Geheimnisse waren eben verlorengegangen. In der Zeit aber, in der die Geheimnisse von der Alchimie bekannt waren, in der Zeit des vierten nachatlantischen Zeitraums, da konnte man sehr gut auf kirchlichem Gebiete von der Transsubstantiation, von der Verwandlung des Brotes und des Weines in den Leib und in das Blut sprechen, denn man konnte mit diesen Worten noch bestimmte Begriffe verbinden. Luther war verwoben mit der Denkweise, mit der Empfindungsweise der vierten nachatlantischen Zeit, aber hineingestellt war er in die fünfte nachatlantische Zeit. Er mußte daher die Transsubstantiation herausheben aus dem physischen, materiellen Verwandlungszusammenhang. Und was wurde für ihn das Sakrament, die Transsubstantiation? Ein bloß im Geistigen vor sich gehender Prozeß. Es wird nichts verwandelt, so sagt er, sondern nur, indem das Abendmahl gereicht wird, geht in den Gläubigen der Leib und das Blut Jesu Christi über. — Alles, was Luther sagt, alles, was Luther denkt und empfindet, das ist deshalb gesagt, gedacht und empfunden, weil er ein Mensch mit der Gemütsverfassung der Menschen des vierten nachatlantischen Zeitraums ist: der rettet sich den Zusammenhang, den geistigen Zusammenhang, den die Menschen des vierten nachatlantischen Zeitraums mit den Göttern gehabt haben, in das fünfte, gottlose Zeitalter herein, in das materialistische, in das geistig leere, glaubenslose, wissensleere Zeitalter herein.
[ 8 ] Sehen Sie, da bekommt Luther geistiges Gewicht, da weiß man, warum er dies oder jenes sagt, ganz unabhängig von dem Eindruck, den er heute auf uns macht. Da steht er drinnen in der Außenwelt wie das Gewicht, das wirkliche Schwere hat. Und da können nun Hunderte und Tausende von gegenwärtigen Theologen oder Geschichtsschreibern kommen und können ihre Eindrücke schildern: die Persönlichkeit, die gewichtige Persönlichkeit gibt das nicht, sondern nur das, was einer auch machen kann, der nicht ein wirkliches Gewicht hält, sondern eines, das nur aus Papiermaché besteht.
[ 8 ] Sehen Sie, da bekommt Luther geistiges Gewicht, da weiß man, warum er dies oder jenes sagt, ganz unabhängig von dem Eindruck, den er heute auf uns macht. Da steht er drinnen in der Außenwelt wie das Gewicht, das wirkliche Schwere hat. Und da können nun Hunderte und Tausende von gegenwärtigen Theologen oder Geschichtsschreibern kommen und können ihre Eindrücke schildern: die Persönlichkeit, die gewichtige Persönlichkeit gibt das nicht, sondern nur das, was einer auch machen kann, der nicht ein wirkliches Gewicht hält, sondern eines, das nur aus Papiermaché besteht.
[ 9 ] Sie sehen, worauf es ankommt für die gegenwärtige Zeit. Es kommt darauf an, ein Bewußtsein zu erringen von den Faktoren, die der Umwelt geistiges Gewicht geben, ein Bewußtsein davon, daß Geist in allem lebt und daß man diesen Geist nur findet, wenn man ihm mit Geisteswissenschaft beizukommen versucht. Sie können natürlich noch so viele Dokumente sammeln und Notizen aufkritzeln über Luther, Sie können ein im äußeren Sinne genaues Bild geben: er bleibt, vergleichsweise, die Gestalt aus Papiermaché, wenn Sie nicht wirklich auf das losgehen können, was der Gestalt geistiges Gewicht gibt. Nun kann wieder gesagt werden: Hart ist es doch, daß die geistvollsten Menschen Schilderungen geben, die vergleichsweise als Gewichte aus Papiermaché bezeichnet werden können. Und wenn das so war — die Schilderungen waren doch wahrhaft schöne, vielfach befriedigende —, soll das jetzt auf einmal anders werden? Könnte man sich denn nicht auch weiter erfreuen an solchen Schilderungen?
[ 9 ] Sie sehen, worauf es ankommt für die gegenwärtige Zeit. Es kommt darauf an, ein Bewußtsein zu erringen von den Faktoren, die der Umwelt geistiges Gewicht geben, ein Bewußtsein davon, daß Geist in allem lebt und daß man diesen Geist nur findet, wenn man ihm mit Geisteswissenschaft beizukommen versucht. Sie können natürlich noch so viele Dokumente sammeln und Notizen aufkritzeln über Luther, Sie können ein im äußeren Sinne genaues Bild geben: er bleibt, vergleichsweise, die Gestalt aus Papiermaché, wenn Sie nicht wirklich auf das losgehen können, was der Gestalt geistiges Gewicht gibt. Nun kann wieder gesagt werden: Hart ist es doch, daß die geistvollsten Menschen Schilderungen geben, die vergleichsweise als Gewichte aus Papiermaché bezeichnet werden können. Und wenn das so war — die Schilderungen waren doch wahrhaft schöne, vielfach befriedigende —, soll das jetzt auf einmal anders werden? Könnte man sich denn nicht auch weiter erfreuen an solchen Schilderungen?
[ 10 ] Sie sehen, zwei Fragen springen da für unseren Bewußtseinszustand hervor, die uns recht sehr bewegen können. Warum hat denn die geistige Welt von den Menschen solche Instinkte verlangt, die zu diesen Schilderungen führen? Nun, es ist ja eigentlich mit diesen Dingen nur auf eine sehr, sehr allgemeine Erscheinung hingedeutet, die innig zusammenhängt mit der Menschennatur. Ich habe in diesen Betrachtungen darauf hingewiesen, daß wir schon einmal in der Zeit leben, in der gewisse Wahrheiten herauskommen müssen, die den Menschen nicht bequem sind. Wenn man aber die Zeichen der Zeit versteht, so weiß man, daß diese Wahrheiten herauskommen müssen.
[ 10 ] Sie sehen, zwei Fragen springen da für unseren Bewußtseinszustand hervor, die uns recht sehr bewegen können. Warum hat denn die geistige Welt von den Menschen solche Instinkte verlangt, die zu diesen Schilderungen führen? Nun, es ist ja eigentlich mit diesen Dingen nur auf eine sehr, sehr allgemeine Erscheinung hingedeutet, die innig zusammenhängt mit der Menschennatur. Ich habe in diesen Betrachtungen darauf hingewiesen, daß wir schon einmal in der Zeit leben, in der gewisse Wahrheiten herauskommen müssen, die den Menschen nicht bequem sind. Wenn man aber die Zeichen der Zeit versteht, so weiß man, daß diese Wahrheiten herauskommen müssen.
[ 11 ] Ich habe für das nächste Heft der Zeitschrift «Das Reich» den ersten Teil meiner Abhandlung über «Die Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreutz» geschrieben. Da habe ich auf einzelne solche Wahrheiten leise hingedeutet. Es war noch vor ganz kurzer Zeit verpönt bei denen, die von diesen Dingen wußten, öffentlich davon zu sprechen. Heute muß von diesen Dingen gesprochen werden, was es auch für Unbequemlichkeiten bringen kann. Und gerade mit dem, was ich jetzt hier andeuten will, hängt eine kurze Stelle in diesem Aufsatz, der demnächst im «Reich» erscheinen wird, zusammen.
[ 11 ] Ich habe für das nächste Heft der Zeitschrift «Das Reich» den ersten Teil meiner Abhandlung über «Die Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreutz» geschrieben. Da habe ich auf einzelne solche Wahrheiten leise hingedeutet. Es war noch vor ganz kurzer Zeit verpönt bei denen, die von diesen Dingen wußten, öffentlich davon zu sprechen. Heute muß von diesen Dingen gesprochen werden, was es auch für Unbequemlichkeiten bringen kann. Und gerade mit dem, was ich jetzt hier andeuten will, hängt eine kurze Stelle in diesem Aufsatz, der demnächst im «Reich» erscheinen wird, zusammen.
[ 12 ] Gehen wir Menschen denn nicht überhaupt so durch die Welt, daß wir über die uns unmittelbar umgebenden Dinge zunächst kein vollgewichtiges Wissen haben? Ich denke, davon kann sich jeder bald überzeugen. Wir gehen ja zumeist durch die Welt, indem wir uns hauptsächlich des Sinnes unserer Augen bedienen; und wenn wir nicht andere Erfahrungen hinzumachen würden, könnten wir niemals eigentlich mit vollständiger Sicherheit wissen, ob irgend etwas, was wir sehen, ein großes oder geringes Gewicht hat. Wir müssen es erst aufheben und probieren. Denken Sie, bei wieviel Dingen Sie gar nicht wissen können, ob es gewichtig ist oder ob, wenn Sie es aufheben, es ganz luftig ist. Und schließlich, wenn Sie wissen, daß es nicht luftig ist, so rührt das auch nicht vom Anschauen her, sondern es rührt davon her — Sie denken nur nicht darüber nach, es bleibt im Unterbewußten —, daß Sie so etwas schon einmal gehoben haben und den ganz unbewußten instinktiven Schluß machen: Wenn das so aussieht, wie immer so etwas ausgeschaut hat, das so und so schwer ist, so wird das hier auch so sein. Das Anschauen allein liefert Ihnen gar nichts.
[ 12 ] Gehen wir Menschen denn nicht überhaupt so durch die Welt, daß wir über die uns unmittelbar umgebenden Dinge zunächst kein vollgewichtiges Wissen haben? Ich denke, davon kann sich jeder bald überzeugen. Wir gehen ja zumeist durch die Welt, indem wir uns hauptsächlich des Sinnes unserer Augen bedienen; und wenn wir nicht andere Erfahrungen hinzumachen würden, könnten wir niemals eigentlich mit vollständiger Sicherheit wissen, ob irgend etwas, was wir sehen, ein großes oder geringes Gewicht hat. Wir müssen es erst aufheben und probieren. Denken Sie, bei wieviel Dingen Sie gar nicht wissen können, ob es gewichtig ist oder ob, wenn Sie es aufheben, es ganz luftig ist. Und schließlich, wenn Sie wissen, daß es nicht luftig ist, so rührt das auch nicht vom Anschauen her, sondern es rührt davon her — Sie denken nur nicht darüber nach, es bleibt im Unterbewußten —, daß Sie so etwas schon einmal gehoben haben und den ganz unbewußten instinktiven Schluß machen: Wenn das so aussieht, wie immer so etwas ausgeschaut hat, das so und so schwer ist, so wird das hier auch so sein. Das Anschauen allein liefert Ihnen gar nichts.
[ 13 ] Was liefert Ihnen das Anschauen eigentlich? Die Täuschung. Indem Sie nur durch einen Sinn die Welt anschauen, sind Sie überall der Täuschung unterworfen. Täuschung ringsherum! Und nur dadurch entgehen Sie der Täuschung, daß Sie unbewußt, instinktiv Ihre Erfahrung zu Rate ziehen. Also ist eigentlich die Welt ganz darauf aus, uns zunächst zu täuschen, schon in der äußeren Sinneswelt. Wir leben im Grunde genommen in einer Welt, die uns fortwährend täuscht, die geradezu darauf ausgeht, uns zu täuschen. Die Täuschung kann heute recht naturalistisch sein. Maler, Bildhauer, die gehen darauf aus, für einen Sinn irgend etwas hinzustellen. Sie bedenken dabei nicht, daß sie damit nur die Maja, nur die Täuschung hinstellen, denn gerade wenn man versucht, recht realistisch für einen Sinn die Sache hinzustellen, stellt man nur die Täuschung, nur die Maja hin. Aber das ist notwendig, denn wenn diese Täuschung nicht da wäre, so könnten wir nicht im Bewußtsein vorwärtsschreiten. Dieser Täuschung verdanken wir das Vorwärtsschreiten im Bewußtsein. Wenn ich bei meinem Beispiel von der äußeren Sinneswelt verbleibe: Würden alle Dinge, auch wenn sie nur dem Auge erscheinen würden, in ihrem wahren Gewicht erscheinen, würde ich stets, indem ich mit dem Auge herumschaue, die Last empfinden all der Gegenstände, die ich anschaue, könnte ich doch nicht ein Bewußtsein von der Außenwelt entwickeln, ganz selbstverständlich nicht. Wir verdanken unser Bewußtsein der Täuschung. Auf dem Grund der Dinge, die unser Bewußtsein ausmachen, ruht die Täuschung. Wir müssen getäuscht werden, um vorwärtszukommen, um das Bewußtsein vorwärtszubringen, denn das Bewußtsein ist ein Kind der Täuschung. Die Täuschung darf nur zunächst nicht hereindringen in den Menschen, sonst wird er beirrt. Die Täuschung bleibt jenseits der Schwelle des Bewußtseins. Der Hüter bewahrt uns davor, daß wir bei jedem Schritt und Tritt sogleich sehen, daß die Umwelt uns täuscht. Wir ringen uns empor, indem uns die Welt ihr Gewicht nicht zeigt und uns dadurch über sich erheben läßt, bewußt sein läßt. Das Bewußtsein hängt noch von manchen andern Dingen ab; aber es hängt vor allem davon ab, daß die Welt, die uns umgibt, durchsetzt ist von der Täuschung.
[ 13 ] Was liefert Ihnen das Anschauen eigentlich? Die Täuschung. Indem Sie nur durch einen Sinn die Welt anschauen, sind Sie überall der Täuschung unterworfen. Täuschung ringsherum! Und nur dadurch entgehen Sie der Täuschung, daß Sie unbewußt, instinktiv Ihre Erfahrung zu Rate ziehen. Also ist eigentlich die Welt ganz darauf aus, uns zunächst zu täuschen, schon in der äußeren Sinneswelt. Wir leben im Grunde genommen in einer Welt, die uns fortwährend täuscht, die geradezu darauf ausgeht, uns zu täuschen. Die Täuschung kann heute recht naturalistisch sein. Maler, Bildhauer, die gehen darauf aus, für einen Sinn irgend etwas hinzustellen. Sie bedenken dabei nicht, daß sie damit nur die Maja, nur die Täuschung hinstellen, denn gerade wenn man versucht, recht realistisch für einen Sinn die Sache hinzustellen, stellt man nur die Täuschung, nur die Maja hin. Aber das ist notwendig, denn wenn diese Täuschung nicht da wäre, so könnten wir nicht im Bewußtsein vorwärtsschreiten. Dieser Täuschung verdanken wir das Vorwärtsschreiten im Bewußtsein. Wenn ich bei meinem Beispiel von der äußeren Sinneswelt verbleibe: Würden alle Dinge, auch wenn sie nur dem Auge erscheinen würden, in ihrem wahren Gewicht erscheinen, würde ich stets, indem ich mit dem Auge herumschaue, die Last empfinden all der Gegenstände, die ich anschaue, könnte ich doch nicht ein Bewußtsein von der Außenwelt entwickeln, ganz selbstverständlich nicht. Wir verdanken unser Bewußtsein der Täuschung. Auf dem Grund der Dinge, die unser Bewußtsein ausmachen, ruht die Täuschung. Wir müssen getäuscht werden, um vorwärtszukommen, um das Bewußtsein vorwärtszubringen, denn das Bewußtsein ist ein Kind der Täuschung. Die Täuschung darf nur zunächst nicht hereindringen in den Menschen, sonst wird er beirrt. Die Täuschung bleibt jenseits der Schwelle des Bewußtseins. Der Hüter bewahrt uns davor, daß wir bei jedem Schritt und Tritt sogleich sehen, daß die Umwelt uns täuscht. Wir ringen uns empor, indem uns die Welt ihr Gewicht nicht zeigt und uns dadurch über sich erheben läßt, bewußt sein läßt. Das Bewußtsein hängt noch von manchen andern Dingen ab; aber es hängt vor allem davon ab, daß die Welt, die uns umgibt, durchsetzt ist von der Täuschung.
[ 14 ] Aber, so notwendig es ist, daß eine gewisse Zeit hindurch die Täuschung walte, damit das Bewußtsein erzeugt wird, so notwendig ist es auch, daß man, wenn das Bewußtsein erzeugt wird, auch wiederum über die Täuschung hinauskommt, namentlich auf bestimmten Gebieten. Denn da das Bewußtsein auf der Maja, auf der Täuschung beruht, so kann es nicht an die wahre Wirklichkeit herankommen; es müßte immer wieder solchen Verwechslungen unterworfen sein, wie ich sie angedeutet habe. Also, es müssen Perioden abwechseln: Perioden der Schilderung gewichtsloser Verhältnisse und Persönlichkeiten und Perioden, wo wiederum die Gewichte, die geistigen Gewichte, gesehen werden. Jetzt stehen wir mit Bezug auf die großen Weltereignisse vor einer solchen Periode, und wir stehen auch mit Bezug auf die alltäglichen Erscheinungen vor einer solchen Periode: Wir sind jetzt darauf angewiesen, die Dinge zu durchschauen, die auf diesem Gebiete ernstlich in Betracht kommen.
[ 14 ] Aber, so notwendig es ist, daß eine gewisse Zeit hindurch die Täuschung walte, damit das Bewußtsein erzeugt wird, so notwendig ist es auch, daß man, wenn das Bewußtsein erzeugt wird, auch wiederum über die Täuschung hinauskommt, namentlich auf bestimmten Gebieten. Denn da das Bewußtsein auf der Maja, auf der Täuschung beruht, so kann es nicht an die wahre Wirklichkeit herankommen; es müßte immer wieder solchen Verwechslungen unterworfen sein, wie ich sie angedeutet habe. Also, es müssen Perioden abwechseln: Perioden der Schilderung gewichtsloser Verhältnisse und Persönlichkeiten und Perioden, wo wiederum die Gewichte, die geistigen Gewichte, gesehen werden. Jetzt stehen wir mit Bezug auf die großen Weltereignisse vor einer solchen Periode, und wir stehen auch mit Bezug auf die alltäglichen Erscheinungen vor einer solchen Periode: Wir sind jetzt darauf angewiesen, die Dinge zu durchschauen, die auf diesem Gebiete ernstlich in Betracht kommen.
[ 15 ] Eine Sache ist nun von ganz besonderer Gewichtigkeit. Wenn heute die Welt den Blick nach dem Osten richtet, nach dem, was da eigentlich lebt im europäischen Osten, dann sieht die europäische Welt, die mitteleuropäische Welt, dann sieht Amerika diese Welt des europäischen Ostens geradeso, wie einer, der Gewichte sieht, die aus Papiermaché sind: er sieht nicht das, was an geistiger Schwere eigentlich darin liegt. Ja, es ist durchaus so, daß die Menschen, die im europäischen Osten selber leben, auch nicht eine rechte Ahnung haben von dem, was geistig in diesem europäischen Osten lebt. Geradeso, wie man Luther kennen kann, der als Mensch in seinem Inneren der vierten nachatlantischen Zeit angehört, aber hereingestellt ist in den Ausgangspunkt der fünften nachatlantischen Zeit, so muß die Welt kennenlernen, wie die Geistigkeit dieses europäischen Ostens sich eigentlich verhält, weil das der Art entspricht, wie man sich betätigen muß in der fünften nachatlantischen Zeit. Nehmen Sie alles das, was in den verschiedenen Vorträgen und Vortragszyklen über diesen europäischen Osten gesagt worden ist, wie sich da das Geistselbst heraufarbeitet, wie es sich verbinden muß mit der Bewußtseinsseele des Westens, und nehmen Sie dazu, daß sich da vorbereiten die Impulse für den sechsten nachatlantischen Zeitraum, dann haben Sie dasjenige, was dem europäischen Osten als gewichtgebend entspricht. Und nehmen Sie dagegen alles das, was an noch so geistvollen Schilderungen Ihnen die Leute heute sagen, dann haben Sie jene Gewichte, die ebensogut aus Papiermaché gemacht werden können. Aber handeln kann man nicht mit dem, was in der Maja, in der Täuschung, vorhanden ist; handeln kann man nur mit dem, was in der Wirklichkeit vorhanden ist. Sie würden sich selbstverständlich bedanken, wenn Ihnen der Kaufmann statt wirklicher Gewichte Gewichte aus Papiermaché auf die Waage legte. Da verlangen Sie schon, daß das nicht nur so aussieht, sondern daß es ein wirkliches Gewicht hat. Alle politischen Grundsätze, alle politischen Impulse, über die im Zusammenhang mit Rußland geredet wird, werden nichts sein, werden Nullitäten sein, wenn sie nicht aus dem Bewußtsein heraus kommen, das sich durch die Erkenntnis der geistigen Gewichtigkeit ergibt. Was die Leute heute reden, kommt einem wirklich so vor, wie wenn sie auf die Waage der Weltgeschichte Gewichte aus Papiermaché legen würden. Weil Bewußtsein sich entwickeln muß, muß Täuschung in einer gewissen Periode herrschen. Dann aber, wenn das Bewußtsein sich entwickelt hat, dann darf es nicht durch Schlendrian und Bequemlichkeit weiter angewendet werden in der alten Weise, sondern dann muß es sich auf die Wirklichkeit richten, nicht bloß auf die äußere Täuschung. Ein Übergang wird stattfinden müssen von Anschauungen, welche die Menschheit liebt, weil sie ihr heute bequem sind, zu Anschauungen, die eine viel größere Lebendigkeit der Begriffe haben, die nur unbequemer sind, weil sie auch aufrütteln. Es läßt sich nicht so bequem leben mit den Anschauungen der Zukunft wie mit den bisherigen Anschauungen. Warum denn nicht? Das möchte ich Ihnen durch einen Vergleich sagen, der Sie wiederum wahrscheinlich frappieren wird. Aber ich will nicht davor zurückschrecken, auch solche Dinge zu sagen, ganz gleichgültig, was der eine oder der andere über die entsprechenden Wahrheiten empfindet.
[ 15 ] Eine Sache ist nun von ganz besonderer Gewichtigkeit. Wenn heute die Welt den Blick nach dem Osten richtet, nach dem, was da eigentlich lebt im europäischen Osten, dann sieht die europäische Welt, die mitteleuropäische Welt, dann sieht Amerika diese Welt des europäischen Ostens geradeso, wie einer, der Gewichte sieht, die aus Papiermaché sind: er sieht nicht das, was an geistiger Schwere eigentlich darin liegt. Ja, es ist durchaus so, daß die Menschen, die im europäischen Osten selber leben, auch nicht eine rechte Ahnung haben von dem, was geistig in diesem europäischen Osten lebt. Geradeso, wie man Luther kennen kann, der als Mensch in seinem Inneren der vierten nachatlantischen Zeit angehört, aber hereingestellt ist in den Ausgangspunkt der fünften nachatlantischen Zeit, so muß die Welt kennenlernen, wie die Geistigkeit dieses europäischen Ostens sich eigentlich verhält, weil das der Art entspricht, wie man sich betätigen muß in der fünften nachatlantischen Zeit. Nehmen Sie alles das, was in den verschiedenen Vorträgen und Vortragszyklen über diesen europäischen Osten gesagt worden ist, wie sich da das Geistselbst heraufarbeitet, wie es sich verbinden muß mit der Bewußtseinsseele des Westens, und nehmen Sie dazu, daß sich da vorbereiten die Impulse für den sechsten nachatlantischen Zeitraum, dann haben Sie dasjenige, was dem europäischen Osten als gewichtgebend entspricht. Und nehmen Sie dagegen alles das, was an noch so geistvollen Schilderungen Ihnen die Leute heute sagen, dann haben Sie jene Gewichte, die ebensogut aus Papiermaché gemacht werden können. Aber handeln kann man nicht mit dem, was in der Maja, in der Täuschung, vorhanden ist; handeln kann man nur mit dem, was in der Wirklichkeit vorhanden ist. Sie würden sich selbstverständlich bedanken, wenn Ihnen der Kaufmann statt wirklicher Gewichte Gewichte aus Papiermaché auf die Waage legte. Da verlangen Sie schon, daß das nicht nur so aussieht, sondern daß es ein wirkliches Gewicht hat. Alle politischen Grundsätze, alle politischen Impulse, über die im Zusammenhang mit Rußland geredet wird, werden nichts sein, werden Nullitäten sein, wenn sie nicht aus dem Bewußtsein heraus kommen, das sich durch die Erkenntnis der geistigen Gewichtigkeit ergibt. Was die Leute heute reden, kommt einem wirklich so vor, wie wenn sie auf die Waage der Weltgeschichte Gewichte aus Papiermaché legen würden. Weil Bewußtsein sich entwickeln muß, muß Täuschung in einer gewissen Periode herrschen. Dann aber, wenn das Bewußtsein sich entwickelt hat, dann darf es nicht durch Schlendrian und Bequemlichkeit weiter angewendet werden in der alten Weise, sondern dann muß es sich auf die Wirklichkeit richten, nicht bloß auf die äußere Täuschung. Ein Übergang wird stattfinden müssen von Anschauungen, welche die Menschheit liebt, weil sie ihr heute bequem sind, zu Anschauungen, die eine viel größere Lebendigkeit der Begriffe haben, die nur unbequemer sind, weil sie auch aufrütteln. Es läßt sich nicht so bequem leben mit den Anschauungen der Zukunft wie mit den bisherigen Anschauungen. Warum denn nicht? Das möchte ich Ihnen durch einen Vergleich sagen, der Sie wiederum wahrscheinlich frappieren wird. Aber ich will nicht davor zurückschrecken, auch solche Dinge zu sagen, ganz gleichgültig, was der eine oder der andere über die entsprechenden Wahrheiten empfindet.
[ 16 ] Ich habe ja schon darauf hingedeutet, daß in früheren Zeiträumen, noch im vierten nachatlantischen Zeitraum, für die Menschen Kräfte vorhanden waren, die eben heute verwandelt sind, die andere geworden sind. Ich sagte Ja, selbst das Hellsehen ist heute ein anderes geworden, beruht auf andern Dingen. Gewisse Dinge können sich nicht mehr so vollziehen, wie sie sich zum Beispiel noch im vierten nachatlantischen Zeitalter vollzogen haben, wie etwa unter mancherlei anderem das folgende.
[ 16 ] Ich habe ja schon darauf hingedeutet, daß in früheren Zeiträumen, noch im vierten nachatlantischen Zeitraum, für die Menschen Kräfte vorhanden waren, die eben heute verwandelt sind, die andere geworden sind. Ich sagte Ja, selbst das Hellsehen ist heute ein anderes geworden, beruht auf andern Dingen. Gewisse Dinge können sich nicht mehr so vollziehen, wie sie sich zum Beispiel noch im vierten nachatlantischen Zeitalter vollzogen haben, wie etwa unter mancherlei anderem das folgende.
[ 17 ] Im vierten nachatlantischen Zeitraum — die Menschen wissen heute davon nur durch Erzählungen, die sie selbstverständlich nicht glauben —, da gab es Feuerproben. Sie bestanden darin, daß man versuchte, die Schuld oder Unschuld dieses oder jenes Menschen dadurch herauszubekommen, daß man ihn über einen glühenden Rost gehen ließ. Verbrannte er sich, so sah man ihn für schuldig an, verbrannte er sich nicht, ging er ungefährdet über die Glut, so hielt man ihn für unschuldig. Für die heutigen Menschen ist das selbstverständlich alter Aberglaube, aber wahr ist es. Es ist nur eine von denjenigen Eigenschaften, die früher die Menschen gehabt haben, die sie jetzt nicht mehr haben können. Die Menschennatur hatte früher diese Eigenschaft: Wenn ein Unschuldiger in dem feierlichen Moment, der sich da bot, so durchdrungen war von seiner Unschuld, so sich wußte im Schoße der göttlichen Geister, so fest in seinem Bewußtsein zusammenhing mit der geistigen Welt, daß sein Astralleib herausgeholt wurde aus dem physischen Leib, dann konnte er mit dem physischen Leib über Gluten gehen. Das war schon so in früheren Zeiten. Das ist Wahrheit. Es ist ganz gut, wenn Sie sich einmal in der bestimmtesten Weise klarmachen, daß dieser alte Aberglaube auf einer Wahrheit beruht — wenn es auch nicht gerade vorteilhaft ist, daß Sie diese intimeren Wahrheiten gleich morgen dem Pfarrer erzählen.
[ 17 ] Im vierten nachatlantischen Zeitraum — die Menschen wissen heute davon nur durch Erzählungen, die sie selbstverständlich nicht glauben —, da gab es Feuerproben. Sie bestanden darin, daß man versuchte, die Schuld oder Unschuld dieses oder jenes Menschen dadurch herauszubekommen, daß man ihn über einen glühenden Rost gehen ließ. Verbrannte er sich, so sah man ihn für schuldig an, verbrannte er sich nicht, ging er ungefährdet über die Glut, so hielt man ihn für unschuldig. Für die heutigen Menschen ist das selbstverständlich alter Aberglaube, aber wahr ist es. Es ist nur eine von denjenigen Eigenschaften, die früher die Menschen gehabt haben, die sie jetzt nicht mehr haben können. Die Menschennatur hatte früher diese Eigenschaft: Wenn ein Unschuldiger in dem feierlichen Moment, der sich da bot, so durchdrungen war von seiner Unschuld, so sich wußte im Schoße der göttlichen Geister, so fest in seinem Bewußtsein zusammenhing mit der geistigen Welt, daß sein Astralleib herausgeholt wurde aus dem physischen Leib, dann konnte er mit dem physischen Leib über Gluten gehen. Das war schon so in früheren Zeiten. Das ist Wahrheit. Es ist ganz gut, wenn Sie sich einmal in der bestimmtesten Weise klarmachen, daß dieser alte Aberglaube auf einer Wahrheit beruht — wenn es auch nicht gerade vorteilhaft ist, daß Sie diese intimeren Wahrheiten gleich morgen dem Pfarrer erzählen.
[ 18 ] Ja, diese Dinge sind aber verwandelt. Solch ein Mensch, der seine Unschuld in einer gewissen Weise zu beweisen hatte, der konnte unter Umständen über Gluten geführt werden. Aber Sie können ganz sicher sein, im allgemeinen haben sich die Menschen auch damals vor dem Feuer gefürchtet, sind nicht gern über glühende Roste gewandelt. Das war auch schon dazumal so, daß ihnen das im allgemeinen Schaudern erregte, nur eben denen nicht, die damit ihre Unschuld beweisen konnten. Aber etwas von der Kraft, die die Menschen früher durch die Gluten geführt hat, ist jetzt innerlicher geworden, innerlicher in dem Sinne, wie ich von der Verinnerlichung überhaupt das letzte Mal gesprochen habe. Und gerade das Hellsehertum der fünften nachatlantischen Zeitperiode, das Zusammenhängen mit der geistigen Welt beruht auf denselben, nun aber verwandelten Kräften, auf denen früher das Durchgehen durch das Feuer beruhte. Es sind diese Kräfte nur innerlicher geworden.
[ 18 ] Ja, diese Dinge sind aber verwandelt. Solch ein Mensch, der seine Unschuld in einer gewissen Weise zu beweisen hatte, der konnte unter Umständen über Gluten geführt werden. Aber Sie können ganz sicher sein, im allgemeinen haben sich die Menschen auch damals vor dem Feuer gefürchtet, sind nicht gern über glühende Roste gewandelt. Das war auch schon dazumal so, daß ihnen das im allgemeinen Schaudern erregte, nur eben denen nicht, die damit ihre Unschuld beweisen konnten. Aber etwas von der Kraft, die die Menschen früher durch die Gluten geführt hat, ist jetzt innerlicher geworden, innerlicher in dem Sinne, wie ich von der Verinnerlichung überhaupt das letzte Mal gesprochen habe. Und gerade das Hellsehertum der fünften nachatlantischen Zeitperiode, das Zusammenhängen mit der geistigen Welt beruht auf denselben, nun aber verwandelten Kräften, auf denen früher das Durchgehen durch das Feuer beruhte. Es sind diese Kräfte nur innerlicher geworden.
[ 19 ] Will man heute mit gewissen Faktoren der geistigen Welt zusammenkommen, so muß man eine ähnliche Scheu überwinden, wie man sie in früheren Zeiten zu überwinden hatte, wenn man durch das Feuer ging. Das ist der Grund, warum sich heute viele Menschen vor der geistigen Welt fürchten wie vor dem Feuer. Man kann gar nicht einmal sagen, daß es bloß bildlich ist, daß sie das Verbrennen fürchten; sie fürchten wirklich, sich zu verbrennen. Darauf beruht die Gegnerschaft gegen Geisteswissenschaft: die Leute fürchten, sich zu verbrennen. Aber der Zeitenfortschritt verlangt von uns, daß wir an das Feuer allmählich herankommen, daß wir die Wirklichkeit nicht scheuen. Denn das verinnerlichte Leben, wie ich es in den letzten Betrachtungen dargestellt habe, verlangt in vielen Faktoren, zunächst wenigstens — im weiteren Verlaufe wird es ja immer stärker werden —, ein leises Herandrängen an die geistige Welt, ein SichNähern der geistigen Welt auf allen Gebieten, insbesondere eben auf dem Gebiete des Erziehungswesens.
[ 19 ] Will man heute mit gewissen Faktoren der geistigen Welt zusammenkommen, so muß man eine ähnliche Scheu überwinden, wie man sie in früheren Zeiten zu überwinden hatte, wenn man durch das Feuer ging. Das ist der Grund, warum sich heute viele Menschen vor der geistigen Welt fürchten wie vor dem Feuer. Man kann gar nicht einmal sagen, daß es bloß bildlich ist, daß sie das Verbrennen fürchten; sie fürchten wirklich, sich zu verbrennen. Darauf beruht die Gegnerschaft gegen Geisteswissenschaft: die Leute fürchten, sich zu verbrennen. Aber der Zeitenfortschritt verlangt von uns, daß wir an das Feuer allmählich herankommen, daß wir die Wirklichkeit nicht scheuen. Denn das verinnerlichte Leben, wie ich es in den letzten Betrachtungen dargestellt habe, verlangt in vielen Faktoren, zunächst wenigstens — im weiteren Verlaufe wird es ja immer stärker werden —, ein leises Herandrängen an die geistige Welt, ein SichNähern der geistigen Welt auf allen Gebieten, insbesondere eben auf dem Gebiete des Erziehungswesens.
[ 20 ] Auf dem Gebiete des Erziehungswesens wird man sich überzeugen müssen, daß ganz andere Faktoren werden in Betracht kommen müssen, als man aus dem größten Aufschwung des materialistischen Zeitalters heraus gewinnen kann. Man wird sich überzeugen müssen, daß vieles von dem, was man eigentlich im eminentesten Sinne für richtig halten muß aus der materialistischen Lebensauffassung heraus — die ja aber auf den Sinnen beruht und insofern auf der Maja, der Täuschung —, daß vieles von dem geradezu verleugnet und durch das Entgegengesetzte ersetzt werden muß. Heute stellt man sich ja gerade auf dem Erziehungsgebiet so ungeheuer stark vor, daß es wichtig ist, dem Erzieher, dem Lehrer möglichst viel von der Methodik beizubringen. Überall weist man darauf hin: Das muß so gemacht werden, und das muß so gemacht werden. — Man strebt danach, recht fest geregelte Begriffe darüber zu entwickeln, wie man erziehen soll. Die Schablone schwebt ja überhaupt den heutigen Menschen vor. Es wäre ihnen am liebsten, das Bild so eines idealen Erziehers aufzustellen, das sie dann jederzeit haben könnten. Aber das einfachste Nachdenken über sich selbst könnte einen eigentlich über diese Frage aufklären. Fragen Sie sich einmal mit dem Grade von Selbsterkenntnis, dessen Sie fähig sind, was aus Ihnen geworden ist — bis zu einem gewissen Grade geht es schon, daß man sich vorhält, was aus einem geworden ist —, dann fragen Sie sich, wie die Lehrer, die Erzieher ausgesehen haben, die in Ihrer Jugend auf Sie gewirkt haben. Oder wenn das vielleicht schlecht geht, versuchen Sie einmal, eine bekannte, bedeutendere Persönlichkeit ins Auge zu fassen und dann zu deren Erziehern vorzurücken, ob Sie die Bedeutung dieser Erzieher in irgendwelchen Einklang bringen können mit dem, was diese Persönlichkeit geleistet hat.
[ 20 ] Auf dem Gebiete des Erziehungswesens wird man sich überzeugen müssen, daß ganz andere Faktoren werden in Betracht kommen müssen, als man aus dem größten Aufschwung des materialistischen Zeitalters heraus gewinnen kann. Man wird sich überzeugen müssen, daß vieles von dem, was man eigentlich im eminentesten Sinne für richtig halten muß aus der materialistischen Lebensauffassung heraus — die ja aber auf den Sinnen beruht und insofern auf der Maja, der Täuschung —, daß vieles von dem geradezu verleugnet und durch das Entgegengesetzte ersetzt werden muß. Heute stellt man sich ja gerade auf dem Erziehungsgebiet so ungeheuer stark vor, daß es wichtig ist, dem Erzieher, dem Lehrer möglichst viel von der Methodik beizubringen. Überall weist man darauf hin: Das muß so gemacht werden, und das muß so gemacht werden. — Man strebt danach, recht fest geregelte Begriffe darüber zu entwickeln, wie man erziehen soll. Die Schablone schwebt ja überhaupt den heutigen Menschen vor. Es wäre ihnen am liebsten, das Bild so eines idealen Erziehers aufzustellen, das sie dann jederzeit haben könnten. Aber das einfachste Nachdenken über sich selbst könnte einen eigentlich über diese Frage aufklären. Fragen Sie sich einmal mit dem Grade von Selbsterkenntnis, dessen Sie fähig sind, was aus Ihnen geworden ist — bis zu einem gewissen Grade geht es schon, daß man sich vorhält, was aus einem geworden ist —, dann fragen Sie sich, wie die Lehrer, die Erzieher ausgesehen haben, die in Ihrer Jugend auf Sie gewirkt haben. Oder wenn das vielleicht schlecht geht, versuchen Sie einmal, eine bekannte, bedeutendere Persönlichkeit ins Auge zu fassen und dann zu deren Erziehern vorzurücken, ob Sie die Bedeutung dieser Erzieher in irgendwelchen Einklang bringen können mit dem, was diese Persönlichkeit geleistet hat.
[ 21 ] Es wäre ganz interessant, wenn man in Biographien mehr von den Erziehern redete; da käme manches Interessante heraus. Nur würde man wenig Aufschluß darüber gewinnen, was durch die Erzieher geleistet worden ist, damit diese Persönlichkeiten gerade so geworden sind, wie sie sind. Meistens würde es da so gehen, wie zum Beispiel bei Herder, der ein bedeutender Mensch geworden ist und von dem einer seiner bekanntesten Lehrer ein gewisser Rektor Grimm war: Der hat die Buben immer furchtbar durchgehauen. Nun, von diesem Durchhauen ist Herders Tüchtigkeit nicht gekommen; er war ein braver Junge und ist wenig verprügelt worden. Also die allgemeine Eigenschaft des Lehrers hat bei Herder nicht einmal gewirkt! Von diesem Rektor Grimm wird ein nettes Geschichtchen erzählt, das wahr ist: Da hat er einmal einen Jungen, der ein Klassengenosse von Herder war, furchtbar durchgehauen. Als der dann auf die Straße ging, begegnete ihm ein Mann, der vom Lande Kalbsfelle und Schaffelle hereinbrachte. Der fragte den Jungen: Sag einmal, mein Junge, wo finde ich denn hier jemand, der mir meine Felle rotgerben kann? Ich will meine Kalbs- und Schaffelle rotgerben lassen. — Da sagte der Junge: Ach, da gehen Sie nur zum Rektor Grimm, der kann gut gerben; der wird Ihnen die Felle sicher rotgerben, der kann das! — Da ging der Mann wirklich hin und klingelte beim Rektor Grimm; es war das eine Lektion für den Rektor. Aber, nicht wahr, durch diese Eigenschaft des Erziehers ist Herder nicht groß geworden. Und so werden Sie manches finden, wenn Sie in das Erziehungssystem hineinschauen von Menschen, die später bekanntere Persönlichkeiten geworden sind.
[ 21 ] Es wäre ganz interessant, wenn man in Biographien mehr von den Erziehern redete; da käme manches Interessante heraus. Nur würde man wenig Aufschluß darüber gewinnen, was durch die Erzieher geleistet worden ist, damit diese Persönlichkeiten gerade so geworden sind, wie sie sind. Meistens würde es da so gehen, wie zum Beispiel bei Herder, der ein bedeutender Mensch geworden ist und von dem einer seiner bekanntesten Lehrer ein gewisser Rektor Grimm war: Der hat die Buben immer furchtbar durchgehauen. Nun, von diesem Durchhauen ist Herders Tüchtigkeit nicht gekommen; er war ein braver Junge und ist wenig verprügelt worden. Also die allgemeine Eigenschaft des Lehrers hat bei Herder nicht einmal gewirkt! Von diesem Rektor Grimm wird ein nettes Geschichtchen erzählt, das wahr ist: Da hat er einmal einen Jungen, der ein Klassengenosse von Herder war, furchtbar durchgehauen. Als der dann auf die Straße ging, begegnete ihm ein Mann, der vom Lande Kalbsfelle und Schaffelle hereinbrachte. Der fragte den Jungen: Sag einmal, mein Junge, wo finde ich denn hier jemand, der mir meine Felle rotgerben kann? Ich will meine Kalbs- und Schaffelle rotgerben lassen. — Da sagte der Junge: Ach, da gehen Sie nur zum Rektor Grimm, der kann gut gerben; der wird Ihnen die Felle sicher rotgerben, der kann das! — Da ging der Mann wirklich hin und klingelte beim Rektor Grimm; es war das eine Lektion für den Rektor. Aber, nicht wahr, durch diese Eigenschaft des Erziehers ist Herder nicht groß geworden. Und so werden Sie manches finden, wenn Sie in das Erziehungssystem hineinschauen von Menschen, die später bekanntere Persönlichkeiten geworden sind.
[ 22 ] Dagegen wird etwas wichtig sein, was auf einer viel intimeren Sache beruht. Es wird wichtig sein, daß besonders in bezug auf das Erziehungs- und Unterrichtssystem die Karma-, die Schicksalsfrage, die Schicksalsidee Platz greift. Das ist schon wichtig, mit welchen Persönlichkeiten mich mein Karma als Kind oder als jungen Menschen zusammengeführt hat. Und unter dem Eindruck, unter dieser Gesinnung des Zusammengeführtseins erziehen, davon hängt ungeheuer viel ab. Sie sehen, auf einer Eigenschaft des Gemütes, auf einer Gesinnungseigenschaft beruht sehr viel.
[ 22 ] Dagegen wird etwas wichtig sein, was auf einer viel intimeren Sache beruht. Es wird wichtig sein, daß besonders in bezug auf das Erziehungs- und Unterrichtssystem die Karma-, die Schicksalsfrage, die Schicksalsidee Platz greift. Das ist schon wichtig, mit welchen Persönlichkeiten mich mein Karma als Kind oder als jungen Menschen zusammengeführt hat. Und unter dem Eindruck, unter dieser Gesinnung des Zusammengeführtseins erziehen, davon hängt ungeheuer viel ab. Sie sehen, auf einer Eigenschaft des Gemütes, auf einer Gesinnungseigenschaft beruht sehr viel.
[ 23 ] Nehmen Sie dasjenige, was wir heute schon vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus über Erziehung sagen können, so werden Sie das durchaus damit im Einklang finden. Wir müssen heute besonders betonen: Wichtig ist für die ersten sieben Jahre, bis zum Zahnwechsel, daß das Kind alles nachahmen will und daß es dann für die zweiten sieben Jahre, bis zur Geschlechtsreife, sich der Autorität fügen muß. Wir müssen daher dem Kinde so etwas vormachen, daß es in der richtigen Weise nachahmen kann. Nun ahmt ja das Kind alle Leute nach, aber es wird insbesondere seine Erzieher nachahmen. Es glaubt ja auch vom siebenten bis vierzehnten Jahre allen Leuten, soll aber insbesondere denen gegenüber glauben, die seine Erzieher und seine Lehrer sein sollen. Das richtige Verhalten werden wir nur unter dem ständigen Eindruck der Karma-Idee haben können, nur wenn wir wirklich mit dieser Karma-Idee innerlich verbunden sind. Ob wir etwas besser oder schlechter lehren, darauf kommt es faktisch nicht an. Es können sogar ungeschickte Lehrer sein, ganz ungeschickte Lehrer, und sie können unter Umständen einen großen Einfluß haben. Wovon hängt denn das ab? Gerade in der Zeit der Verinnerlichung, wie ich sie geschildert habe, hängt das, ob wir der richtige Lehrer oder der richtige Erzieher sind, davon ab, wie wir schon mit der betreffenden Kindesseele verbunden waren, bevor wir — Erzieher und Kind — beide geboren waren. Denn der Unterschied ist nur der, daß wir als Lehrer, als Erzieher um soundsoviel Jahre früher auf die Welt gekommen sind als die Kinder. Vorher waren wir mit den Kindern zusammen in der geistigen Welt. Woher haben wir denn die Nachahmungssucht, die Nachahmungstendenz, wenn wir geboren werden? Nun, wir bringen sie uns aus der geistigen Welt mit. Wir sind deshalb in den ersten Lebensjahren Nachahmer, weil wir die Nachahmungstendenz aus der geistigen Welt heraus mitbringen. Und wen werden wir am liebsten nachahmen? Denjenigen, der uns unsere Eigenschaften gegeben hat in der geistigen Welt, von dem wir in der geistigen Welt etwas entnommen haben, sei es auf diesem, sei es auf jenem Gebiete. Die Seele des Kindes war verbunden mit der Seele des Erziehers, des Lehrers, vor der Geburt. Da war ein intimer Zusammenhang; und nachher soll sich nur das äußere Leibliche, das auf dem physischen Plan Lebende, danach richten.
[ 23 ] Nehmen Sie dasjenige, was wir heute schon vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus über Erziehung sagen können, so werden Sie das durchaus damit im Einklang finden. Wir müssen heute besonders betonen: Wichtig ist für die ersten sieben Jahre, bis zum Zahnwechsel, daß das Kind alles nachahmen will und daß es dann für die zweiten sieben Jahre, bis zur Geschlechtsreife, sich der Autorität fügen muß. Wir müssen daher dem Kinde so etwas vormachen, daß es in der richtigen Weise nachahmen kann. Nun ahmt ja das Kind alle Leute nach, aber es wird insbesondere seine Erzieher nachahmen. Es glaubt ja auch vom siebenten bis vierzehnten Jahre allen Leuten, soll aber insbesondere denen gegenüber glauben, die seine Erzieher und seine Lehrer sein sollen. Das richtige Verhalten werden wir nur unter dem ständigen Eindruck der Karma-Idee haben können, nur wenn wir wirklich mit dieser Karma-Idee innerlich verbunden sind. Ob wir etwas besser oder schlechter lehren, darauf kommt es faktisch nicht an. Es können sogar ungeschickte Lehrer sein, ganz ungeschickte Lehrer, und sie können unter Umständen einen großen Einfluß haben. Wovon hängt denn das ab? Gerade in der Zeit der Verinnerlichung, wie ich sie geschildert habe, hängt das, ob wir der richtige Lehrer oder der richtige Erzieher sind, davon ab, wie wir schon mit der betreffenden Kindesseele verbunden waren, bevor wir — Erzieher und Kind — beide geboren waren. Denn der Unterschied ist nur der, daß wir als Lehrer, als Erzieher um soundsoviel Jahre früher auf die Welt gekommen sind als die Kinder. Vorher waren wir mit den Kindern zusammen in der geistigen Welt. Woher haben wir denn die Nachahmungssucht, die Nachahmungstendenz, wenn wir geboren werden? Nun, wir bringen sie uns aus der geistigen Welt mit. Wir sind deshalb in den ersten Lebensjahren Nachahmer, weil wir die Nachahmungstendenz aus der geistigen Welt heraus mitbringen. Und wen werden wir am liebsten nachahmen? Denjenigen, der uns unsere Eigenschaften gegeben hat in der geistigen Welt, von dem wir in der geistigen Welt etwas entnommen haben, sei es auf diesem, sei es auf jenem Gebiete. Die Seele des Kindes war verbunden mit der Seele des Erziehers, des Lehrers, vor der Geburt. Da war ein intimer Zusammenhang; und nachher soll sich nur das äußere Leibliche, das auf dem physischen Plan Lebende, danach richten.
[ 24 ] Wenn Sie so etwas, wie ich jetzt gerade gesagt habe, nicht als abstrakte Wahrheit auffassen, sondern mit ganzer Seele ergreifen, so werden Sie bemerken, daß ungeheuer Bedeutungsvolles damit gesagt ist. Denken Sie nur, welch heiliger Ernst, welche unendliche Tiefe die Menschenseelen ergreifen würde auf dem Gebiete des Unterrichts, wenn sie unter dem Eindruck leben würden: Du machst jetzt dem Kinde dasjenige vor, was es vor der Geburt von dir angenommen hat in der geistigen Welt —, wenn das ein richtiger innerer Impuls würde! Darauf kommt es viel mehr an, daß solche Gesinnung, solche Gemütsverfassung hineingetragen werde, als den Leuten beizubringen, es soll das eine oder das andere so oder so gemacht werden. Das gibt sich dann schon, wenn die richtige Stimmung ist zwischen Erzieher, Lehrer und Schüler, wenn die aus dem heiligen Ernst ihrer großen Lebensaufgabe heraus diese Stimmung und diese Gesinnung haben. Aber dieser heilige Ernst, der muß vor allen Dingen vorhanden sein. Gerade auf diesem Gebiete ist das so ungeheuer wichtig. Gift ist es, wenn heute vielfach verlangt wird, das Kind soll alles verstehen. Ich habe schon öfter darauf aufmerksam gemacht, daß das Kind nicht alles verstehen kann. Vom ersten bis siebenten Jahre kann man überhaupt nichts verstehen; da macht man alles nach. Und wenn man nicht genügend nachmacht, hat man später nicht genügend aus seinem Inneren herauszuholen. Vom siebenten bis vierzehnten Jahre muß man glauben, muß man unter dem Eindruck von Autorität stehen, wenn man eine gesunde Entwickelung durchmachen will. Diese Dinge dem Leben einzuverleiben, darauf kommt es an.
[ 24 ] Wenn Sie so etwas, wie ich jetzt gerade gesagt habe, nicht als abstrakte Wahrheit auffassen, sondern mit ganzer Seele ergreifen, so werden Sie bemerken, daß ungeheuer Bedeutungsvolles damit gesagt ist. Denken Sie nur, welch heiliger Ernst, welche unendliche Tiefe die Menschenseelen ergreifen würde auf dem Gebiete des Unterrichts, wenn sie unter dem Eindruck leben würden: Du machst jetzt dem Kinde dasjenige vor, was es vor der Geburt von dir angenommen hat in der geistigen Welt —, wenn das ein richtiger innerer Impuls würde! Darauf kommt es viel mehr an, daß solche Gesinnung, solche Gemütsverfassung hineingetragen werde, als den Leuten beizubringen, es soll das eine oder das andere so oder so gemacht werden. Das gibt sich dann schon, wenn die richtige Stimmung ist zwischen Erzieher, Lehrer und Schüler, wenn die aus dem heiligen Ernst ihrer großen Lebensaufgabe heraus diese Stimmung und diese Gesinnung haben. Aber dieser heilige Ernst, der muß vor allen Dingen vorhanden sein. Gerade auf diesem Gebiete ist das so ungeheuer wichtig. Gift ist es, wenn heute vielfach verlangt wird, das Kind soll alles verstehen. Ich habe schon öfter darauf aufmerksam gemacht, daß das Kind nicht alles verstehen kann. Vom ersten bis siebenten Jahre kann man überhaupt nichts verstehen; da macht man alles nach. Und wenn man nicht genügend nachmacht, hat man später nicht genügend aus seinem Inneren herauszuholen. Vom siebenten bis vierzehnten Jahre muß man glauben, muß man unter dem Eindruck von Autorität stehen, wenn man eine gesunde Entwickelung durchmachen will. Diese Dinge dem Leben einzuverleiben, darauf kommt es an.
[ 25 ] Wenn gerade heute sehr viel darauf gesehen wird, daß alles verstanden werden soll, daß man gewissermaßen nicht einmal das Einmaleins den Kindern beibringen soll, ohne daß sie überall verstehen sollen — sie verstehen es ja doch nicht! —, dann macht man die Kinder statt zu verständigen Menschen zu Rechenmaschinen. Man prägt ihnen den in der elementaren Umwelt gelegenen Verstand ein, von dem ich letzthin gesprochen habe, statt daß man ihren eigenen Verstand entwickelt. Und das geschieht nämlich heute sehr häufig. Die Leute bemühen sich geradezu, das Ideal aufzustellen, nicht aus den Menschen den Verstand herauszuholen, sondern den Elementarverstand heranzutragen, der in der Umwelt ist, so daß das Kind eingewoben wird, eingesponnen wird in die elementarische Welt. Das zeigt sich auch an vielen zeitgenössischen Fällen. Vielem gegenüber können wir heute geradezu sagen: Die Menschen denken doch gar nicht selber, sondern sie denken sozusagen in einer allgemeinen Denkatmosphäre. Und soll etwas Individuelles herauskommen, so rührt das von ganz anderem her als von dem, was in der Menschennatur als Göttliches aufgefaßt wird.
[ 25 ] Wenn gerade heute sehr viel darauf gesehen wird, daß alles verstanden werden soll, daß man gewissermaßen nicht einmal das Einmaleins den Kindern beibringen soll, ohne daß sie überall verstehen sollen — sie verstehen es ja doch nicht! —, dann macht man die Kinder statt zu verständigen Menschen zu Rechenmaschinen. Man prägt ihnen den in der elementaren Umwelt gelegenen Verstand ein, von dem ich letzthin gesprochen habe, statt daß man ihren eigenen Verstand entwickelt. Und das geschieht nämlich heute sehr häufig. Die Leute bemühen sich geradezu, das Ideal aufzustellen, nicht aus den Menschen den Verstand herauszuholen, sondern den Elementarverstand heranzutragen, der in der Umwelt ist, so daß das Kind eingewoben wird, eingesponnen wird in die elementarische Welt. Das zeigt sich auch an vielen zeitgenössischen Fällen. Vielem gegenüber können wir heute geradezu sagen: Die Menschen denken doch gar nicht selber, sondern sie denken sozusagen in einer allgemeinen Denkatmosphäre. Und soll etwas Individuelles herauskommen, so rührt das von ganz anderem her als von dem, was in der Menschennatur als Göttliches aufgefaßt wird.
[ 26 ] Die Natur und das Wesen des Lebendigen, auch in der Erfassung der Welt, muß die Menschen wieder ergreifen. Wie gesagt, das ist unbequemer, als mit den bloßen Begriffsleichen zu hantieren. Das Lebendige muß die Menschen wieder erfassen. Und die Menschen müssen sich damit bekanntmachen, daß nicht tote Wahrheiten das Leben regieren können, sondern nur lebendige Wahrheiten. Eine tote Wahrheit ist die folgende.
[ 26 ] Die Natur und das Wesen des Lebendigen, auch in der Erfassung der Welt, muß die Menschen wieder ergreifen. Wie gesagt, das ist unbequemer, als mit den bloßen Begriffsleichen zu hantieren. Das Lebendige muß die Menschen wieder erfassen. Und die Menschen müssen sich damit bekanntmachen, daß nicht tote Wahrheiten das Leben regieren können, sondern nur lebendige Wahrheiten. Eine tote Wahrheit ist die folgende.
[ 27 ] Wir sollen die Menschen zu verständigen Menschen erziehen; das sollen wir. Also — so zeigt die tote Wahrheit — kultivieren wir den Verstand möglichst früh, dann werden die Menschen verständige Menschen. Das ist aber ein richtiger Unsinn. Es ist derselbe Unsinn, wie wenn einer bestimmen würde, ein einjähriges Kind schon zum Schuster zu erziehen. Der Mensch wird gerade dann ein verständtger Mensch, wenn er nicht zu früh mit dem Verstand kultiviert wird. Man muß oftmals das Gegenteil von dem tun im Leben, was man eigentlich bewirken will. Die Speisen kann man ja auch nicht gleich essen; man muß sie zuerst kochen. Und wenn man dasselbe verrichten will beim Kochen, was man beim Essen verrichtet, so wird man das Essen wahrscheinlich ersparen. So kann man die Menschen nicht dadurch verständig machen, daß man ihren Verstand möglichst früh kultiviert, sondern dadurch, daß man in der frühen Jugend dasjenige kultiviert, was sie dann bereit macht, später verständig zu werden. Die abstrakte Wahrheit ist diese: Den Verstand kultiviert man durch den Verstand. Die Lebenswahrheit ist diese: Den Verstand kultiviert man durch ein gesundes Glauben an eine berechtigte Autorität. Vordersatz und Nachsatz im lebendigen Satz haben einen ganz andern Inhalt als Vordersatz und Nachsatz im toten, abstrakten Satz. Das ist etwas, womit sich die Menschheit allmählich immer mehr und mehr bekanntmachen muß.
[ 27 ] Wir sollen die Menschen zu verständigen Menschen erziehen; das sollen wir. Also — so zeigt die tote Wahrheit — kultivieren wir den Verstand möglichst früh, dann werden die Menschen verständige Menschen. Das ist aber ein richtiger Unsinn. Es ist derselbe Unsinn, wie wenn einer bestimmen würde, ein einjähriges Kind schon zum Schuster zu erziehen. Der Mensch wird gerade dann ein verständtger Mensch, wenn er nicht zu früh mit dem Verstand kultiviert wird. Man muß oftmals das Gegenteil von dem tun im Leben, was man eigentlich bewirken will. Die Speisen kann man ja auch nicht gleich essen; man muß sie zuerst kochen. Und wenn man dasselbe verrichten will beim Kochen, was man beim Essen verrichtet, so wird man das Essen wahrscheinlich ersparen. So kann man die Menschen nicht dadurch verständig machen, daß man ihren Verstand möglichst früh kultiviert, sondern dadurch, daß man in der frühen Jugend dasjenige kultiviert, was sie dann bereit macht, später verständig zu werden. Die abstrakte Wahrheit ist diese: Den Verstand kultiviert man durch den Verstand. Die Lebenswahrheit ist diese: Den Verstand kultiviert man durch ein gesundes Glauben an eine berechtigte Autorität. Vordersatz und Nachsatz im lebendigen Satz haben einen ganz andern Inhalt als Vordersatz und Nachsatz im toten, abstrakten Satz. Das ist etwas, womit sich die Menschheit allmählich immer mehr und mehr bekanntmachen muß.
[ 28 ] Das ist unbequem. Denken Sie, wie bequem es ist, wenn man sich ein Ziel setzt und der Meinung ist, dieses Ziel könne man unmittelbar erreichen, indem man dasselbe tut, was das Ziel dem Begriffe nach enthält. Im Leben muß man das Gegenteil tun. Das ist natürlich unbequem. Aber das Sich-Hineinfinden in die Wirklichkeit und in das Leben, das ist es, was Aufgabe der Zeit ist und wovon wir uns im eminentesten Sinne durchdringen müssen. Den großen wie den alltäglichen Aufgaben gegenüber ist das notwendig. Man wird die Zeit nicht verstehen, wird das Verkehrteste tun, was man tun kann, wenn man auf diese Dinge nicht eingeht. Man ahnt heute gar nicht, wie abstrakt, wie unendlich abstrakt man eigentlich ist, weil man alles nach einer gewissen Schablone pressen will. Aber die Wirklichkeit ist nicht in Schablonen gepreßt, die Wirklichkeit ist in Metamorphose begriffen. Unser Kopf, unsere Kopfwirbel sind Umgestaltungen unserer Rückenwirbel, aber beide sehen ganz verschieden aus. Lassen Sie mich ein Beispiel aus dem praktischen Leben anführen. Denken Sie sich: An irgendeiner Hochschule würde ein Lehrer wirken, welcher etwas vertritt, das ich oder ein anderer im eminentesten Sinne bekämpfen muß. Ich werde mir selbstverständlich alle Mühe geben zu zeigen, daß der Betreffende Unrichtiges vertritt, werde keine Mühe scheuen, wenn ich meine Pflicht tun will, zu zeigen, daß er unrecht hat, wie alles — meinetwillen, um es grotesk zu sagen — Blech ist, was er sagt. Das ist eine Seite der Sache.
[ 28 ] Das ist unbequem. Denken Sie, wie bequem es ist, wenn man sich ein Ziel setzt und der Meinung ist, dieses Ziel könne man unmittelbar erreichen, indem man dasselbe tut, was das Ziel dem Begriffe nach enthält. Im Leben muß man das Gegenteil tun. Das ist natürlich unbequem. Aber das Sich-Hineinfinden in die Wirklichkeit und in das Leben, das ist es, was Aufgabe der Zeit ist und wovon wir uns im eminentesten Sinne durchdringen müssen. Den großen wie den alltäglichen Aufgaben gegenüber ist das notwendig. Man wird die Zeit nicht verstehen, wird das Verkehrteste tun, was man tun kann, wenn man auf diese Dinge nicht eingeht. Man ahnt heute gar nicht, wie abstrakt, wie unendlich abstrakt man eigentlich ist, weil man alles nach einer gewissen Schablone pressen will. Aber die Wirklichkeit ist nicht in Schablonen gepreßt, die Wirklichkeit ist in Metamorphose begriffen. Unser Kopf, unsere Kopfwirbel sind Umgestaltungen unserer Rückenwirbel, aber beide sehen ganz verschieden aus. Lassen Sie mich ein Beispiel aus dem praktischen Leben anführen. Denken Sie sich: An irgendeiner Hochschule würde ein Lehrer wirken, welcher etwas vertritt, das ich oder ein anderer im eminentesten Sinne bekämpfen muß. Ich werde mir selbstverständlich alle Mühe geben zu zeigen, daß der Betreffende Unrichtiges vertritt, werde keine Mühe scheuen, wenn ich meine Pflicht tun will, zu zeigen, daß er unrecht hat, wie alles — meinetwillen, um es grotesk zu sagen — Blech ist, was er sagt. Das ist eine Seite der Sache.
[ 29 ] Nehmen Sie an, der betreffende Hochschullehrer käme in den Fall, daß ihn die Behörde absetzen will aus irgendeinem Grunde oder daß ihn die Behörde disziplinieren will. Was werde ich dann tun? Selbstverständlich für ihn eintreten im eminentesten Sinne, gegen seine Absetzung und gegen die Disziplinierung, weil es doch nicht darauf ankommt, ein Gegner seiner Lehre zu sein, wenn es sich um Verwirklichung freier Institutionen handelt. Solange man auf theoretischem Boden steht, kämpft man. Der Kampf hört auf, kann sich sogar in Verteidigung verwandeln, wenn es sich um eine äußere Institution handelt. Und man muß einsehen, daß der verwerflich denkt, der durch eine Gegnerschaft zum Beispiel sich verleiten lassen würde, mitzutun für die Disziplinierung des Betreffenden. Aber nehmen wir an, der betreffende Hochschullehrer wäre gerade ein Hochschullehrer für Nationalökonomie oder Politik und er würde zum Staatsmann berufen, und nun würde es sich darum handeln, ihn als Staatsmann zu haben oder nicht. Wie würde man sich da verhalten? Da würde man sich so zu verhalten haben, daß man selbstverständlich ihn so rasch wie möglich von seinem Staatsmannsamt wegbringt, denn da wird seine Lehre praktisch schädlich.
[ 29 ] Nehmen Sie an, der betreffende Hochschullehrer käme in den Fall, daß ihn die Behörde absetzen will aus irgendeinem Grunde oder daß ihn die Behörde disziplinieren will. Was werde ich dann tun? Selbstverständlich für ihn eintreten im eminentesten Sinne, gegen seine Absetzung und gegen die Disziplinierung, weil es doch nicht darauf ankommt, ein Gegner seiner Lehre zu sein, wenn es sich um Verwirklichung freier Institutionen handelt. Solange man auf theoretischem Boden steht, kämpft man. Der Kampf hört auf, kann sich sogar in Verteidigung verwandeln, wenn es sich um eine äußere Institution handelt. Und man muß einsehen, daß der verwerflich denkt, der durch eine Gegnerschaft zum Beispiel sich verleiten lassen würde, mitzutun für die Disziplinierung des Betreffenden. Aber nehmen wir an, der betreffende Hochschullehrer wäre gerade ein Hochschullehrer für Nationalökonomie oder Politik und er würde zum Staatsmann berufen, und nun würde es sich darum handeln, ihn als Staatsmann zu haben oder nicht. Wie würde man sich da verhalten? Da würde man sich so zu verhalten haben, daß man selbstverständlich ihn so rasch wie möglich von seinem Staatsmannsamt wegbringt, denn da wird seine Lehre praktisch schädlich.
[ 30 ] Beim Handeln geht es immer darum, in der Wirklichkeit zu leben, in der unmittelbar lebendigen Wirklichkeit, nicht sich von seinen Begriffen beherrschen zu lassen. Im begrifflichen Leben handelt es sich darum, gerade scharf seine Begriffe ins Auge zu fassen. Ich habe dieses Beispiel gebraucht, um begreiflich zu machen, was für ein Unterschied zwischen dem Verhalten in der Wirklichkeit ist und dem Verhalten in seinen Begriffen. Und der Mensch, der das nicht unterscheidet, der ist kein Mensch, der mit den Aufgaben der nächsten Zukunft irgendwie leben kann. Der Mensch, der das nicht unterscheidet, ist höchstens ein Wilsonianer, aber kein Mensch, der mit den Aufgaben der nächsten Zukunft leben kann, der mit ihnen rechnet. Darauf kommt es an, genau in Erwägung zu ziehen das, was in der Wirklichkeit lebt, und dasjenige, wovon man in seiner Begriffswelt überzeugt sein muß.
[ 30 ] Beim Handeln geht es immer darum, in der Wirklichkeit zu leben, in der unmittelbar lebendigen Wirklichkeit, nicht sich von seinen Begriffen beherrschen zu lassen. Im begrifflichen Leben handelt es sich darum, gerade scharf seine Begriffe ins Auge zu fassen. Ich habe dieses Beispiel gebraucht, um begreiflich zu machen, was für ein Unterschied zwischen dem Verhalten in der Wirklichkeit ist und dem Verhalten in seinen Begriffen. Und der Mensch, der das nicht unterscheidet, der ist kein Mensch, der mit den Aufgaben der nächsten Zukunft irgendwie leben kann. Der Mensch, der das nicht unterscheidet, ist höchstens ein Wilsonianer, aber kein Mensch, der mit den Aufgaben der nächsten Zukunft leben kann, der mit ihnen rechnet. Darauf kommt es an, genau in Erwägung zu ziehen das, was in der Wirklichkeit lebt, und dasjenige, wovon man in seiner Begriffswelt überzeugt sein muß.
[ 31 ] Und insbesondere muß die Erziehung der Jugend auf solche Dinge schauen. Heute beschwert man diejenigen, die Erzieher werden sollen, ganz besonders damit, daß man ihnen allerlei Grundsätze beibringt, wie sie unterrichten, wie sie erziehen sollen. Das wird in der nächsten Zukunft das viel weniger Wichtige sein. Dagegen wird das Wichtige sein, daß sie die Menschennatur in ihren verschiedenen Äußerungen kennenlernen, daß sie Psychologen im intimsten Sinne werden, daß sie richtige Seelenkenner werden, denn die Beziehung des Erziehers, des Unterrichters, zu dem Zögling muß eine dem Hellsehen analoge werden. Wenn sich auch der Erzieher dessen nicht voll bewußt ist, sondern es instinktiv in seiner Seele lebt, so muß es doch so sein, daß er instinktiv, speziell als Lehrer, bis zur Prophetie ein Bild dessen bekommt, was aus dem zu Erziehenden heraus will. Und dann wird das Merkwürdige sich ergeben, so sonderbar es heute klingt: Die Erzieher der Zukunft werden viel von ihren Zöglingen träumen, denn in die Träume verhüllen sich die Prophetien. Die Bilder, die wir in den Träumen haben, die haben wir nur aus dem Grunde, weil wir ungewohnt sind, den Traum mit der Zukunft zusammenzubringen; wir werfen wie ein Kleid über einen Leib die Reminiszenzen aus der Vergangenheit darüber. Das, was eigentlich im Traume lebt, weist immer auf die Zukunft hin. Es ist schon so, daß das innere Leben gerade bei den Jugenderziehern umgestaltet werden muß. Das ist das Wichtige. Allerdings, da mehr oder weniger in irgendeiner Weise alle Menschen Jugendbildner sind, mit Ausnahme einer geringen Minderzahl, so wird das, was ich angedeutet habe — Verständnis für die karmischen Zusammenhänge beim Menschen —, allgemeineren Sinn haben müssen. Davon wird ungeheuer viel abhängen, daß dies allgemeines Wissen werde.
[ 31 ] Und insbesondere muß die Erziehung der Jugend auf solche Dinge schauen. Heute beschwert man diejenigen, die Erzieher werden sollen, ganz besonders damit, daß man ihnen allerlei Grundsätze beibringt, wie sie unterrichten, wie sie erziehen sollen. Das wird in der nächsten Zukunft das viel weniger Wichtige sein. Dagegen wird das Wichtige sein, daß sie die Menschennatur in ihren verschiedenen Äußerungen kennenlernen, daß sie Psychologen im intimsten Sinne werden, daß sie richtige Seelenkenner werden, denn die Beziehung des Erziehers, des Unterrichters, zu dem Zögling muß eine dem Hellsehen analoge werden. Wenn sich auch der Erzieher dessen nicht voll bewußt ist, sondern es instinktiv in seiner Seele lebt, so muß es doch so sein, daß er instinktiv, speziell als Lehrer, bis zur Prophetie ein Bild dessen bekommt, was aus dem zu Erziehenden heraus will. Und dann wird das Merkwürdige sich ergeben, so sonderbar es heute klingt: Die Erzieher der Zukunft werden viel von ihren Zöglingen träumen, denn in die Träume verhüllen sich die Prophetien. Die Bilder, die wir in den Träumen haben, die haben wir nur aus dem Grunde, weil wir ungewohnt sind, den Traum mit der Zukunft zusammenzubringen; wir werfen wie ein Kleid über einen Leib die Reminiszenzen aus der Vergangenheit darüber. Das, was eigentlich im Traume lebt, weist immer auf die Zukunft hin. Es ist schon so, daß das innere Leben gerade bei den Jugenderziehern umgestaltet werden muß. Das ist das Wichtige. Allerdings, da mehr oder weniger in irgendeiner Weise alle Menschen Jugendbildner sind, mit Ausnahme einer geringen Minderzahl, so wird das, was ich angedeutet habe — Verständnis für die karmischen Zusammenhänge beim Menschen —, allgemeineren Sinn haben müssen. Davon wird ungeheuer viel abhängen, daß dies allgemeines Wissen werde.
[ 32 ] Das gegenwärtige Geschlecht ist vor allen Dingen nur für das abstrakte Denken erzogen; es verwechselt immer das abstrakte Denken mit dem lebendigen Denken. Daher kann es so selten vorkommen, daß einer mit glühender Begeisterung heute für jemanden eintreten kann, dessen Begriffe er eigentlich in seinen Begriffen verabscheut, und es kommt ihm ganz gelegen, wenn äußere Gewalten den Betreffenden unschädlich machen. Gerade an solchen Dingen wird man aber lernen müssen. Und nichts wird besser die Menschen erziehen, als wenn sie darauf kommen, immer mehr und mehr für Gegner enthusiastisch einzutreten. Das darf man natürlich wiederum nicht pressen. Heute ist man aus seiner Abstraktion heraus Freund oder Gegner. Aber das hat keinen Sinn. Einen Sinn haben nur die wirklichen Lebensverhältnisse. Die aber werden durch das Leben selbst gegeben, nicht durch unsere Sympathien und Antipathien. Aber unsere Sympathien und Antipathien müssen wir trotzdem entwickeln, wir müssen sie trotzdem haben. Das Pendel muß nicht bloß hinaufgehen auf die eine Seite, sondern auch hinaufgehen nach der andern Seite. Aber so in der Zweiheit, im Dualismus zu leben, sich zu vertiefen in tiefem Denken, sich auszugießen über die Wirklichkeit, in dem, was die Wirklichkeit fordert, das muß die Menschheit lernen. Heute möchte sie, wenn sie in die Wirklichkeit hinausgeht, ihre Denkformen überall hintragen, und die Wirklichkeit will sie auch nur ertragen, wenn sie gerade zu ihren Denkformen paßt. Sie will Uniformität haben, die gegenwärtige Menschheit. Ja, vor einer geistigen Weltauffassung läßt sich die Uniformität nicht rechtfertigen. Das geht nicht. Die Welt kann nicht, wie sie wirklich ist, uns bequem sein. Nicht jeder Mensch kann ein Gesicht haben, das uns sympathisch ist, das uns gefällt. Aber deshalb sich so gegen ihn verhalten, wie es unseren Sympathien und Antipathien entspricht, ist eben falsch. Es müssen andere Impulse da sein. Daher kommen die Menschen heute so wenig zurecht; sie sehen hinaus in die Welt, und wenn sie diese nicht ihren Sympathien und Antipathien entsprechend finden, dann geht ihnen alles in ihren Begriffen schief und krumm und verkehrt, und sie werden dann nur von dem einzigen Impuls beherrscht, daß die Welt anders sein sollte.
[ 32 ] Das gegenwärtige Geschlecht ist vor allen Dingen nur für das abstrakte Denken erzogen; es verwechselt immer das abstrakte Denken mit dem lebendigen Denken. Daher kann es so selten vorkommen, daß einer mit glühender Begeisterung heute für jemanden eintreten kann, dessen Begriffe er eigentlich in seinen Begriffen verabscheut, und es kommt ihm ganz gelegen, wenn äußere Gewalten den Betreffenden unschädlich machen. Gerade an solchen Dingen wird man aber lernen müssen. Und nichts wird besser die Menschen erziehen, als wenn sie darauf kommen, immer mehr und mehr für Gegner enthusiastisch einzutreten. Das darf man natürlich wiederum nicht pressen. Heute ist man aus seiner Abstraktion heraus Freund oder Gegner. Aber das hat keinen Sinn. Einen Sinn haben nur die wirklichen Lebensverhältnisse. Die aber werden durch das Leben selbst gegeben, nicht durch unsere Sympathien und Antipathien. Aber unsere Sympathien und Antipathien müssen wir trotzdem entwickeln, wir müssen sie trotzdem haben. Das Pendel muß nicht bloß hinaufgehen auf die eine Seite, sondern auch hinaufgehen nach der andern Seite. Aber so in der Zweiheit, im Dualismus zu leben, sich zu vertiefen in tiefem Denken, sich auszugießen über die Wirklichkeit, in dem, was die Wirklichkeit fordert, das muß die Menschheit lernen. Heute möchte sie, wenn sie in die Wirklichkeit hinausgeht, ihre Denkformen überall hintragen, und die Wirklichkeit will sie auch nur ertragen, wenn sie gerade zu ihren Denkformen paßt. Sie will Uniformität haben, die gegenwärtige Menschheit. Ja, vor einer geistigen Weltauffassung läßt sich die Uniformität nicht rechtfertigen. Das geht nicht. Die Welt kann nicht, wie sie wirklich ist, uns bequem sein. Nicht jeder Mensch kann ein Gesicht haben, das uns sympathisch ist, das uns gefällt. Aber deshalb sich so gegen ihn verhalten, wie es unseren Sympathien und Antipathien entspricht, ist eben falsch. Es müssen andere Impulse da sein. Daher kommen die Menschen heute so wenig zurecht; sie sehen hinaus in die Welt, und wenn sie diese nicht ihren Sympathien und Antipathien entsprechend finden, dann geht ihnen alles in ihren Begriffen schief und krumm und verkehrt, und sie werden dann nur von dem einzigen Impuls beherrscht, daß die Welt anders sein sollte.
[ 33 ] Das muß man auf der einen Seite so sagen. Auf der andern Seite darf man sich aber dadurch nicht wiederum zur entgegengesetzten Bequemlichkeit führen lassen und sagen, daß man nun immer fünf gerade sein lassen soll, daß man nun die Welt so hinnehmen soll, wie sie ist. Das ist wiederum ganz falsch. Es gibt eben Fälle in der Wirklichkeit, wo die herbste, die strammste Kritik notwendig ist, und da muß sie auch einsetzen, das heißt, die Wirklichkeit muß anerkannt werden. Der Pendelschlag zwischen dem klaren Verinnerlichen in fest umrissenen Begriffen und dem liebevollem Verbreiten über die Erscheinungen der Welt, auf den kommt es an.
[ 33 ] Das muß man auf der einen Seite so sagen. Auf der andern Seite darf man sich aber dadurch nicht wiederum zur entgegengesetzten Bequemlichkeit führen lassen und sagen, daß man nun immer fünf gerade sein lassen soll, daß man nun die Welt so hinnehmen soll, wie sie ist. Das ist wiederum ganz falsch. Es gibt eben Fälle in der Wirklichkeit, wo die herbste, die strammste Kritik notwendig ist, und da muß sie auch einsetzen, das heißt, die Wirklichkeit muß anerkannt werden. Der Pendelschlag zwischen dem klaren Verinnerlichen in fest umrissenen Begriffen und dem liebevollem Verbreiten über die Erscheinungen der Welt, auf den kommt es an.
[ 34 ] Geisteswissenschaft kann uns dazu eine gute Anleitung sein, wenn wir uns ihr gegenüber wirklich so verhalten, wie es ihr gemäß ist. Das müssen wir aber auch erst im richtigen Sinne lernen. Was aus der geistigen Welt gewonnen wird als Wahrheit, ist wie eine Mitteilung, kommt an den hellsichtigen Menschen selbst wie eine Mitteilung heran. Wenn wir dann diese Wahrheiten nicht wie Mitteilungen behandeln, sondern so behandeln, wie wir die äußeren, grobsinnlichen Tatsachen behandeln, so verhalten wir uns unrichtig zu der Geisteswissenschaft. Verstanden kann alles werden von der Geisteswissenschaft. Aber wenn wir bei jedem, was der Geisteswissenschafter sagt, fragen: Ja, warum, warum? — so ist das falsch, denn er bekommt das eben als Mitteilung von den geistigen Welten. Ebensowenig kann jemand, dem ich sage: der Hans Müller hat mir dies oder jenes gesagt —, mich fragen: Ja, warum hat er dir das gesagt? — Er hat es mir halt eben gesagt, das Warum kommt doch da in sehr geringem Maße in Betracht. Es ist eine Mitteilung. Und so sind die Dinge aus der geistigen Welt als Mitteilungen anzusehen! Das muß verstanden werden. Und daß das verstanden werden kann, was wir für die Zukunft wollen für die Wirklichkeit, dazu kann uns Geisteswissenschaft wirklich helfen.
[ 34 ] Geisteswissenschaft kann uns dazu eine gute Anleitung sein, wenn wir uns ihr gegenüber wirklich so verhalten, wie es ihr gemäß ist. Das müssen wir aber auch erst im richtigen Sinne lernen. Was aus der geistigen Welt gewonnen wird als Wahrheit, ist wie eine Mitteilung, kommt an den hellsichtigen Menschen selbst wie eine Mitteilung heran. Wenn wir dann diese Wahrheiten nicht wie Mitteilungen behandeln, sondern so behandeln, wie wir die äußeren, grobsinnlichen Tatsachen behandeln, so verhalten wir uns unrichtig zu der Geisteswissenschaft. Verstanden kann alles werden von der Geisteswissenschaft. Aber wenn wir bei jedem, was der Geisteswissenschafter sagt, fragen: Ja, warum, warum? — so ist das falsch, denn er bekommt das eben als Mitteilung von den geistigen Welten. Ebensowenig kann jemand, dem ich sage: der Hans Müller hat mir dies oder jenes gesagt —, mich fragen: Ja, warum hat er dir das gesagt? — Er hat es mir halt eben gesagt, das Warum kommt doch da in sehr geringem Maße in Betracht. Es ist eine Mitteilung. Und so sind die Dinge aus der geistigen Welt als Mitteilungen anzusehen! Das muß verstanden werden. Und daß das verstanden werden kann, was wir für die Zukunft wollen für die Wirklichkeit, dazu kann uns Geisteswissenschaft wirklich helfen.
[ 35 ] Doch, meine lieben Freunde, davon wollen wir dann morgen weiter sprechen.
[ 35 ] Doch, meine lieben Freunde, davon wollen wir dann morgen weiter sprechen.
