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The Rudolf Steiner Archive

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The Spiritual Backgrounds of the Outer World
The Fall of the Spirits of Darkness
GA 177

12 October 1917, Dornach

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Siebenter Vortrag

Seventh Lecture

[ 1 ] Um den Problemen, die wir in diesen Betrachtungen angeschlagen haben, immer näherzukommen, wollen wir heute noch einige Zwischenbetrachtungen einschieben. Sie alle kennen gewiß ein scherzhaftes Experiment, welches von Prestidigitateuren sehr häufig gemacht wird: Die Betreffenden zeigen Gewichte, schwere Gewichte, und zeigen die Anstrengungen, die sie aufwenden müssen, um diese Gewichte zu heben. Auf den Gewichten stehen dann gewöhnlich, damit die Sache noch glaubhafter erscheint, Zahlen, so und so viele Zentner oder Kilogramm oder dergleichen. Nachdem sich der Betreffende dann eine Weile angestrengt hat, um diese Gewichte langsam zu heben und das Publikum seine Muskelkraft bewundert hat, hebt der Betreffende im Flug die Gewichte oder läßt sogar einen kleinen Knaben herein, und der läuft dann davon, indem er mit den Gewichten irgendwie herumpendelt, weil das Ganze aus Papiermaché ist und nur durch die Nachahmung der Form und durch die Zahlen darauf den Eindruck macht, als ob es wirkliche Gewichte seien.

[ 1 ] To get closer and closer to the problems we have touched upon in these reflections, let us insert a few interim observations today. You are all surely familiar with a playful experiment that magicians perform very frequently: They display weights—heavy weights—and demonstrate the effort they must exert to lift them. To make the whole thing seem even more believable, the weights usually have numbers on them—so many hundredweight or kilograms or the like. After the performer has strained for a while to slowly lift these weights and the audience has marveled at his muscular strength, he suddenly lifts the weights in a single motion or even lets a little boy come up on stage, who then runs off, swinging the weights around as he goes, because the whole thing is made of papier-mâché and only gives the impression of being real weights by imitating their shape and the numbers on them.

[ 2 ] An dieses Experiment kann man heute sehr häufig erinnert werden, wenn man ein wenig mit geisteswissenschaftlicher Bildung ausgerüstet ist und dann vernimmt, was unsere Zeitgenossen, auch die geistvolleren, über geschichtliche Ereignisse oder geschichtliche Persönlichkeiten sagen und schreiben. Es geht uns selbst so bei denjenigen Biographen und Geschichtsschreibern, welche im Sinne der heutigen Zeit ihre Aufgabe ganz vorzüglich erledigen. Mit geisteswissenschaftlicher Bildung kann man eine Zeitlang eine starke Befriedigung haben von der Schilderung, die man da bekommt. Aber dann, wenn man zuletzt das Ganze noch einmal auf seine Seele wirken läßt, dann kommt es einem so vor, als wenn mit dem ganzen geschilderten Kram irgendein kleines Kind davonlaufen und es schüttelnd schwingen würde.

[ 2 ] One is often reminded of this experiment today if one has even a modest background in the humanities and then hears what our contemporaries—even the more witty ones—say and write about historical events or historical figures. We ourselves feel this way even about those biographers and historians who, in keeping with the spirit of our times, perform their task exceptionally well. With a background in the humanities, one can derive great satisfaction for a time from the accounts one encounters. But then, when one finally allows the whole thing to sink in once more, it seems as if a small child were running off with all the described nonsense, shaking it about as it goes.

[ 3 ] Das ist eine Empfindung, die vielleicht nicht gerade viele Menschen haben, obwohl ich instinktive Anklänge doch schon bei einer größeren Anzahl von Menschen gefunden habe gegenüber geschichtlichen Beschreibungen der heutigen Zeit. Die ganze römische Geschichte und namentlich die griechische Geschichte, wie sie heute geschildert werden, gehören eigentlich auf das Gebiet, das in dieser Weise charakterisiert werden kann. Und ich muß zum Beispiel sagen, daß Geschichtsschreiber eines gewissen Gebietes, die ich außerordentlich hoch verehre, trotzdem diesen Eindruck auf mich machen. Ich verehre zum Beispiel ganz außerordentlich Herman Grimm als Geschichtsschreiber, wie ja aus manchen meiner Vorträge Ihnen hervorgehen kann. Allein, wenn ich sein Buch über Goethe oder über Michelangelo oder Raffael nehme, dann erscheinen mir diese Gestalten ganz so, wie wenn sie — ich will jetzt vergleichsweise sprechen — kein Schwergewicht hätten oder wie wenn sie bloß hinhuschende Schatten wären. Der ganze Goethe des Herman Grimm, der ganze Michelangelo des Herman Grimm sind schließlich Figuren aus der «Laterna magica», die auch keine Schwere haben. Woher kommt denn dieses? Das kommt davon her, daß diejenigen Menschen, die heute nur ausgerüstet sind mit der Bildung, mit dem Geistgehalt der Gegenwart, trotzdem sie zumeist meinen, die Wirklichkeit zu schildern, keine rechte Ahnung von der wahren Wirklichkeit haben. Die Menschen stehen heute so unendlich fern der wahren Wirklichkeit, weil sie dasjenige, was auch immer um uns herum ist und was den Gestalten allerdings keine physische Schwere, aber geistiges Gewicht gibt, weil sie das nicht kennen. Bedenken Sie, daß gerade in diesen Wochen ja gewiß hunderrtfältig, vielleicht tausendfältig Luther geschildert wird. Sehr geistvoll selbstverständlich; geistvoll sind ja die Menschen meistens, die heute schreiben. Das meine ich ganz aufrichtig. Aber dieser Luther, der von unseren Zeitgenossen beschrieben wird, der wird so beschrieben, wie das Bild ist, das wir von einem solchen Gewicht aus Papiermaché haben, weil der Schilderung gerade dasjenige fehlt, was den Gestalten die Schwere gibt. Man kann sagen: Wenn man hier auf einem Stuhl sitzt und den Mann vor sich hat, der die Gewichte hebt, so sieht man doch ganz dasselbe, ob es nun Gewichte aus Papiermaché oder ob es wirkliche Gewichte sind. Sogar wenn man malen würde, was man sieht: es käme auf dasselbe heraus. Das Gemälde könnte ganz wahr sein, trotzdem es von Gewichten aus Papiermaché genommen ist. So können Persönlichkeiten der Geschichte im eminentesten Sinne wahr geschildert sein, zum Beispiel Luther, und es kann den Zeitgenossen, die sich so viel zugute tun auf ihren Realismus, außerordentlich gut gelungen sein, zahlreiche Einzelheiten, zahlreiche charakteristische, signifikante Dinge zu sagen, die ein geistvolles Bild geben, aber das Bild braucht nicht der Wirklichkeit zu entsprechen, weil das geistige Gewicht fehlt.

[ 3 ] This is a feeling that perhaps not many people share, although I have found that a significant number of people do have an instinctive response to historical accounts of the present day. The entire history of Rome, and especially the history of Greece, as they are portrayed today, actually fall into the category that can be characterized in this way. And I must say, for example, that historians of a certain field, whom I hold in the highest esteem, nevertheless give me this impression. For example, I have the utmost admiration for Herman Grimm as a historian, as you may have gathered from some of my lectures. Yet when I pick up his book on Goethe, or on Michelangelo, or on Raphael, these figures appear to me as if—to speak in relative terms—they had no weight, or as if they were merely fleeting shadows. Herman Grimm’s entire Goethe, his entire Michelangelo, are ultimately figures from the “Laterna magica,” which also lack any weight. Where does this come from? It stems from the fact that those people who today are equipped only with the education and intellectual content of the present—even though they mostly believe they are depicting reality—have no real sense of true reality. People today are so infinitely far removed from true reality because they do not know that which surrounds us—that which, while it may not give the figures physical weight, does give them spiritual weight. Consider that, especially in these weeks, Luther is certainly being portrayed a hundredfold, perhaps a thousandfold. Very witty, of course; after all, most of the people writing today are witty. I mean that quite sincerely. But this Luther, as described by our contemporaries, is portrayed just like the image we have of a papier-mâché weight, because the portrayal lacks precisely that which gives figures their weight. One might say: If you’re sitting here on a chair and have the man in front of you lifting weights, you see exactly the same thing, whether the weights are made of papier-mâché or are real weights. Even if you were to paint what you see, it would amount to the same thing. The painting could be entirely true, even though it’s based on papier-mâché weights. Thus, historical figures can be portrayed truthfully in the most eminent sense—Luther, for example—and contemporaries, who pride themselves so much on their realism, may have succeeded exceptionally well in conveying numerous details, numerous characteristic and significant elements that paint a vivid picture; yet the picture need not correspond to reality, because the spiritual weight is lacking.

[ 4 ] Wann versteht man heute Luther wirklich? Man versteht ihn dann wirklich, wenn man weiß, wie die innere Beschaffenheit, die von unseren Anschauungen ganz unabhängige innere Beschaffenheit der Luther-Persönlichkeit war, wenn man weiß, daß Luther kurze Zeit nach dem Aufgang der fünften nachatlantischen Zeit aufgetreten ist, und wenn man weiß, daß in seinem Gemüt, in seiner Seele alles an Impulsen eines Menschen der vierten nachatlantischen Zeit lebte. Er war deplaciert in der fünften nachatlantischen Zeit; er fühlte, dachte, empfand wie ein Mensch der vierten nachatlantischen Zeit, aber er hatte vor sich die Aufgabe der fünften, denn er stand gerade am Anfang der fünften nachatlantischen Zeitrechnung. $o ist in den Anfang der fünften nachatlantischen Zeit, in den Horizont der fünften nachatlantischen Zeit, ein Mensch hineingestellt, der eigentlich alle Eigenschaften der vierten nachatlantischen Zeitperiode als Impulse in seinem Gemüt hatte. Und unbewußt, instinktiv lebte in dieser Luther-Seele der Aspekt, der Hinblick auf dasjenige, was die fünfte nachatlantische Periode bringen sollte.

[ 4 ] How can we truly understand Luther today? One truly understands him when one knows what the inner nature of Luther’s personality was—an inner nature entirely independent of our own views—when one knows that Luther appeared shortly after the dawn of the fifth post-Atlantean epoch, and when one knows that in his mind and soul, all the impulses of a human being of the fourth post-Atlantean epoch were alive. He was out of place in the fifth post-Atlantean epoch; he felt, thought, and sensed like a person of the fourth post-Atlantean epoch, but he faced the task of the fifth, for he stood precisely at the beginning of the fifth post-Atlantean epoch. Thus, at the beginning of the fifth post-Atlantean epoch, on the horizon of the fifth post-Atlantean epoch, a human being was placed who actually possessed all the characteristics of the fourth post-Atlantean epoch as impulses within his soul. And unconsciously, instinctively, the aspect—the outlook—toward what the fifth post-Atlantean epoch was to bring lived within this soul of Luther.

[ 5 ] Was sollte sie denn bringen? Den gesamten Materialismus, den nur überhaupt die nachatlantische Zeit der Menschheit bringen kann. Der Materialismus sollte auf allen Gebieten nach und nach in die Menschheit eindringen. Paradox ausgedrückt — Paradoxa geben natürlich niemals ganz genau den Tatsachenbestand, aber man kann sich schon den Tatbestand aus ihnen herausnehmen —, könnte man sagen: Weil Luther in seinen Gemüts- und Gefühlsimpulsen ganz und gar in der vierten nachatlantischen Zeitepoche wurzelte, verstand er eigentlich nicht, was die materialistischen Menschen der fünften nachatlantischen Zeitepoche in ihrem Innersten in der Seele trugen. Vor seiner Seele stand wohl instinktiv, mehr oder weniger unbewußt, die Art der Konflikte, wie die Menschen der fünften nachatlantischen Zeitperiode zu der äußeren Welt stehen würden, wie sie handeln würden in der äußeren Welt, wie sie verknüpft sein würden mit den Werken der äußeren Welt; aber das alles ging ihn eigentlich nichts an als einen Menschen, der im Sinne der vierten nachatlantischen Zeitperiode fühlte. Daher sein entschiedenes Betonen: Aus all dem Verkehr mit der Außenwelt, aus all dem Werkzusammenhang mit der Außenwelt kann nichts Gutes kommen. Ihr müßt euch lösen von diesem Werkzusammenhang, lösen von all dem, was die Außenwelt gibt, und müßt allein in eurem Gemüt den Zusammenhang mit der geistigen Welt finden. Nicht aus dem, was ihr wissen könnt, sondern aus dem, was ihr glauben könnt als herauswachsend aus eurem Gemüt, aus eurer Seele, müßt ihr die Brücke bauen zwischen der geistigen Welt und der irdischen. Aus diesem Nicht-Verbundensein mit der Umwelt entsprang das Betonen Luthers eines nur inneren Glaubenszusammenhangs mit der geistigen Welt.

[ 5 ] What was it supposed to bring? All the materialism that only the post-Atlantean era of humanity can bring. Materialism was to gradually permeate humanity in all areas. To put it paradoxically—paradoxes, of course, never quite capture the facts exactly, but one can still glean the facts from them—one could say: Because Luther was, in his emotional and intuitive impulses, entirely rooted in the fourth post-Atlantean epoch, he did not really understand what the materialistic people of the fifth post-Atlantean epoch carried deep within their souls. Instinctively, more or less unconsciously, his soul was confronted with the nature of the conflicts that would arise regarding how people of the fifth post-Atlantean epoch would relate to the outer world, how they would act in the outer world, and how they would be connected to the works of the outer world; but all of this was, in truth, of no concern to him as a person who felt in the spirit of the fourth post-Atlantean epoch. Hence his emphatic statement: Nothing good can come from all this interaction with the external world, from all this connection to the external world through one’s work. You must detach yourselves from this connection to the external world, detach yourselves from all that the external world offers, and find the connection to the spiritual world solely within your own hearts. Not from what you can know, but from what you can believe to be springing from your mind, from your soul, you must build the bridge between the spiritual world and the earthly world. It was from this lack of connection with the external world that Luther’s emphasis on an exclusively inner connection of faith with the spiritual world arose.

[ 6 ] Oder nehmen Sie ein anderes: Vor Luthers geistigem Auge war in gewisser Beziehung die geistige Welt offen. Seine Teufelserscheinungen haben nicht nötig, entschuldigt zu werden, wie das Ricarda Huch tut, die aber sonst in ihrem Buch sehr verdienstvoll über Luther geschrieben hat. Aber seine Teufelserscheinungen haben nicht nötig, heute so entschuldigt zu werden, daß man sagt: Er glaubte nicht an den Teufel mit dem Schwanz und Hörnern, der auf der Straße herumlaufe. — Er hatte die wirkliche Erscheinung des Teufels. Er wußte, was diese ahrimanische Natur für eine Wesenheit ist; das wußte er gut. Vor seinem geistigen Auge war noch, wie beim Menschen der vierten nachatlantischen Periode, die geistige Welt bis zu einem gewissen Grade offen, gerade für diejenigen Erscheinungen offen, die natürlich wiederum die wesentlichsten der fünften nachatlantischen Zeit sind. Und die wesentlichsten geistigen Kräfte der fünften nachatlantischen Zeit sind die ahrimanischen. Die sah er daher. Die Menschen der fünften nachatlantischen Periode dagegen haben die Eigentümlichkeit, daß sie unter dem Einfluß dieser Mächte stehen, aber sie nicht sehen. Weil aber Luther gewissermaßen aus der vierten nachatlantischen Zeitperiode hereinversetzt war, sah er die Mächte und betonte sie entsprechend. Und wenn man das nicht ins Auge faßt, dieses konkrete Zusammenhängen mit der geistigen Welt, versteht man ihn eben nicht.

[ 6 ] Or take another example: In a certain sense, the spiritual world was open to Luther’s mind’s eye. His visions of the devil do not need to be excused, as Ricarda Huch does—though she has otherwise written very commendably about Luther in her book. But there is no need to excuse his visions of the devil today by saying: He did not believe in a devil with a tail and horns running around in the streets. — He had a real vision of the devil. He knew what kind of being this Ahrimanic nature is; he knew that very well. Before his inner eye, as was the case with people of the fourth post-Atlantean period, the spiritual world was still open to a certain degree—open precisely to those manifestations that are, of course, the most essential of the fifth post-Atlantean period. And the most essential spiritual forces of the fifth post-Atlantean period are the Ahrimanic ones. That is why he saw them. The people of the fifth post-Atlantean period, on the other hand, have the peculiarity that they are under the influence of these forces but do not see them. But because Luther was, so to speak, transported from the fourth post-Atlantean period, he saw the forces and emphasized them accordingly. And if one does not take this concrete connection with the spiritual world into account, one simply does not understand him.

[ 7 ] Wenn Sie ins 15., 14., 13., 12. Jahrhundert zurückgehen: Sie finden überall die Einsicht in die Verwandlungen des Materiellen. Was später geschrieben worden ist, ist ja zum größten Teil Schwindelliteratur, weil die eigentlichen einschlägigen Geheimnisse mit dem Ablauf der vierten nachatlantischen Zeit verlorengegangen sind. Aber alles ist ja nicht Schwindelliteratur, und es ergoß sich manches Richtige hinein, was schwer aufzufinden ist; nur ist es eben nicht gerade hervorragend, namentlich was in späterer Zeit gedruckt worden ist. Die entsprechenden Geheimnisse waren eben verlorengegangen. In der Zeit aber, in der die Geheimnisse von der Alchimie bekannt waren, in der Zeit des vierten nachatlantischen Zeitraums, da konnte man sehr gut auf kirchlichem Gebiete von der Transsubstantiation, von der Verwandlung des Brotes und des Weines in den Leib und in das Blut sprechen, denn man konnte mit diesen Worten noch bestimmte Begriffe verbinden. Luther war verwoben mit der Denkweise, mit der Empfindungsweise der vierten nachatlantischen Zeit, aber hineingestellt war er in die fünfte nachatlantische Zeit. Er mußte daher die Transsubstantiation herausheben aus dem physischen, materiellen Verwandlungszusammenhang. Und was wurde für ihn das Sakrament, die Transsubstantiation? Ein bloß im Geistigen vor sich gehender Prozeß. Es wird nichts verwandelt, so sagt er, sondern nur, indem das Abendmahl gereicht wird, geht in den Gläubigen der Leib und das Blut Jesu Christi über. — Alles, was Luther sagt, alles, was Luther denkt und empfindet, das ist deshalb gesagt, gedacht und empfunden, weil er ein Mensch mit der Gemütsverfassung der Menschen des vierten nachatlantischen Zeitraums ist: der rettet sich den Zusammenhang, den geistigen Zusammenhang, den die Menschen des vierten nachatlantischen Zeitraums mit den Göttern gehabt haben, in das fünfte, gottlose Zeitalter herein, in das materialistische, in das geistig leere, glaubenslose, wissensleere Zeitalter herein.

[ 7 ] If you go back to the 15th, 14th, 13th, and 12th centuries, you will find an understanding of the transformations of the material world everywhere. What was written later is, for the most part, pseudoscience, because the actual relevant secrets were lost with the passing of the fourth post-Atlantean epoch. But not everything is pseudoscience, and some truth found its way into it, though it is difficult to find; it’s just that it isn’t exactly outstanding, especially what was printed in later times. The relevant mysteries had simply been lost. But in the time when the mysteries of alchemy were known—during the fourth post-Atlantean epoch—it was perfectly possible to speak in ecclesiastical contexts of transubstantiation, of the transformation of bread and wine into the Body and Blood, for these words could still be associated with specific concepts. Luther was steeped in the way of thinking and feeling of the fourth post-Atlantean epoch, but he was situated within the fifth post-Atlantean epoch. He therefore had to remove transubstantiation from the context of physical, material transformation. And what did the sacrament, transubstantiation, become for him? A process taking place solely in the spiritual realm. Nothing is transformed, he says; rather, simply by the administration of the Lord’s Supper, the body and blood of Jesus Christ pass into the believer. — Everything Luther says, everything he thinks and feels, is said, thought, and felt precisely because he is a person with the mindset of the people of the fourth post-Atlantean epoch: he carries over the connection—the spiritual connection—that the people of the fourth post-Atlantean epoch had with the gods into the fifth, godless age, into the materialistic, spiritually empty, faithless, and knowledgeless age.

[ 8 ] Sehen Sie, da bekommt Luther geistiges Gewicht, da weiß man, warum er dies oder jenes sagt, ganz unabhängig von dem Eindruck, den er heute auf uns macht. Da steht er drinnen in der Außenwelt wie das Gewicht, das wirkliche Schwere hat. Und da können nun Hunderte und Tausende von gegenwärtigen Theologen oder Geschichtsschreibern kommen und können ihre Eindrücke schildern: die Persönlichkeit, die gewichtige Persönlichkeit gibt das nicht, sondern nur das, was einer auch machen kann, der nicht ein wirkliches Gewicht hält, sondern eines, das nur aus Papiermaché besteht.

[ 8 ] You see, that’s where Luther gains intellectual weight; that’s where one understands why he says this or that, quite apart from the impression he makes on us today. There he stands within the outside world like a weight that has real substance. And now hundreds and thousands of contemporary theologians or historians can come along and describe their impressions: the personality—the weighty personality—does not convey that; rather, it conveys only what someone who does not possess real weight can convey—one made merely of papier-mâché.

[ 9 ] Sie sehen, worauf es ankommt für die gegenwärtige Zeit. Es kommt darauf an, ein Bewußtsein zu erringen von den Faktoren, die der Umwelt geistiges Gewicht geben, ein Bewußtsein davon, daß Geist in allem lebt und daß man diesen Geist nur findet, wenn man ihm mit Geisteswissenschaft beizukommen versucht. Sie können natürlich noch so viele Dokumente sammeln und Notizen aufkritzeln über Luther, Sie können ein im äußeren Sinne genaues Bild geben: er bleibt, vergleichsweise, die Gestalt aus Papiermaché, wenn Sie nicht wirklich auf das losgehen können, was der Gestalt geistiges Gewicht gibt. Nun kann wieder gesagt werden: Hart ist es doch, daß die geistvollsten Menschen Schilderungen geben, die vergleichsweise als Gewichte aus Papiermaché bezeichnet werden können. Und wenn das so war — die Schilderungen waren doch wahrhaft schöne, vielfach befriedigende —, soll das jetzt auf einmal anders werden? Könnte man sich denn nicht auch weiter erfreuen an solchen Schilderungen?

[ 9 ] You see what is important for the present time. What matters is gaining an awareness of the factors that give the environment spiritual significance—an awareness that spirit lives in everything and that one can find this spirit only by attempting to approach it through spiritual science. Of course, you can collect as many documents as you like and jot down notes about Luther; you can present a picture that is accurate in an external sense: yet he remains, comparatively speaking, a papier-mâché figure if you cannot truly get to the heart of what gives the figure spiritual weight. Now one might say again: It is a harsh reality that even the most spiritually profound people offer descriptions that, by comparison, can be described as papier-mâché weights. And even if that were the case—the descriptions were, after all, truly beautiful and in many ways satisfying—should that suddenly change now? Couldn’t we continue to take pleasure in such descriptions?

[ 10 ] Sie sehen, zwei Fragen springen da für unseren Bewußtseinszustand hervor, die uns recht sehr bewegen können. Warum hat denn die geistige Welt von den Menschen solche Instinkte verlangt, die zu diesen Schilderungen führen? Nun, es ist ja eigentlich mit diesen Dingen nur auf eine sehr, sehr allgemeine Erscheinung hingedeutet, die innig zusammenhängt mit der Menschennatur. Ich habe in diesen Betrachtungen darauf hingewiesen, daß wir schon einmal in der Zeit leben, in der gewisse Wahrheiten herauskommen müssen, die den Menschen nicht bequem sind. Wenn man aber die Zeichen der Zeit versteht, so weiß man, daß diese Wahrheiten herauskommen müssen.

[ 10 ] As you can see, two questions stand out here regarding our state of consciousness, questions that can move us quite deeply. Why, then, has the spiritual world demanded from human beings the very instincts that lead to these descriptions? Well, these things actually point only to a very, very general phenomenon that is intimately connected with human nature. In these reflections, I have pointed out that we are living in a time when certain truths must come to light—truths that are uncomfortable for people. But if one understands the signs of the times, one knows that these truths must come to light.

[ 11 ] Ich habe für das nächste Heft der Zeitschrift «Das Reich» den ersten Teil meiner Abhandlung über «Die Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreutz» geschrieben. Da habe ich auf einzelne solche Wahrheiten leise hingedeutet. Es war noch vor ganz kurzer Zeit verpönt bei denen, die von diesen Dingen wußten, öffentlich davon zu sprechen. Heute muß von diesen Dingen gesprochen werden, was es auch für Unbequemlichkeiten bringen kann. Und gerade mit dem, was ich jetzt hier andeuten will, hängt eine kurze Stelle in diesem Aufsatz, der demnächst im «Reich» erscheinen wird, zusammen.

[ 11 ] I have written the first part of my treatise on “The Chemical Wedding of Christian Rosenkreutz” for the next issue of the journal Das Reich. In it, I have gently alluded to certain such truths. Until very recently, it was frowned upon among those who knew about these things to speak of them publicly. Today, these matters must be discussed, no matter what inconveniences that may entail. And a brief passage in this essay—which will soon appear in Das Reich—is directly related to what I now wish to allude to here.

[ 12 ] Gehen wir Menschen denn nicht überhaupt so durch die Welt, daß wir über die uns unmittelbar umgebenden Dinge zunächst kein vollgewichtiges Wissen haben? Ich denke, davon kann sich jeder bald überzeugen. Wir gehen ja zumeist durch die Welt, indem wir uns hauptsächlich des Sinnes unserer Augen bedienen; und wenn wir nicht andere Erfahrungen hinzumachen würden, könnten wir niemals eigentlich mit vollständiger Sicherheit wissen, ob irgend etwas, was wir sehen, ein großes oder geringes Gewicht hat. Wir müssen es erst aufheben und probieren. Denken Sie, bei wieviel Dingen Sie gar nicht wissen können, ob es gewichtig ist oder ob, wenn Sie es aufheben, es ganz luftig ist. Und schließlich, wenn Sie wissen, daß es nicht luftig ist, so rührt das auch nicht vom Anschauen her, sondern es rührt davon her — Sie denken nur nicht darüber nach, es bleibt im Unterbewußten —, daß Sie so etwas schon einmal gehoben haben und den ganz unbewußten instinktiven Schluß machen: Wenn das so aussieht, wie immer so etwas ausgeschaut hat, das so und so schwer ist, so wird das hier auch so sein. Das Anschauen allein liefert Ihnen gar nichts.

[ 12 ] Don’t we humans, after all, go through life in such a way that we initially have no fully reliable knowledge of the things immediately surrounding us? I think everyone can soon see this for themselves. After all, we usually go through life relying primarily on our sense of sight; and if we did not have other experiences to draw upon, we could never actually know with complete certainty whether anything we see is heavy or light. We must first pick it up and test it. Think of how many things there are where you cannot possibly know whether they are heavy or whether, when you pick them up, it’s as light as air. And finally, even if you know it isn’t light as air, that knowledge doesn’t come from looking at it, but rather—though you don’t think about it, it remains in your subconscious—from the fact that you’ve lifted something like this before and draw the completely unconscious, instinctive conclusion: If this looks like everything else that’s been this or that heavy has always looked, then this one will be the same. Looking at it alone tells you absolutely nothing.

[ 13 ] Was liefert Ihnen das Anschauen eigentlich? Die Täuschung. Indem Sie nur durch einen Sinn die Welt anschauen, sind Sie überall der Täuschung unterworfen. Täuschung ringsherum! Und nur dadurch entgehen Sie der Täuschung, daß Sie unbewußt, instinktiv Ihre Erfahrung zu Rate ziehen. Also ist eigentlich die Welt ganz darauf aus, uns zunächst zu täuschen, schon in der äußeren Sinneswelt. Wir leben im Grunde genommen in einer Welt, die uns fortwährend täuscht, die geradezu darauf ausgeht, uns zu täuschen. Die Täuschung kann heute recht naturalistisch sein. Maler, Bildhauer, die gehen darauf aus, für einen Sinn irgend etwas hinzustellen. Sie bedenken dabei nicht, daß sie damit nur die Maja, nur die Täuschung hinstellen, denn gerade wenn man versucht, recht realistisch für einen Sinn die Sache hinzustellen, stellt man nur die Täuschung, nur die Maja hin. Aber das ist notwendig, denn wenn diese Täuschung nicht da wäre, so könnten wir nicht im Bewußtsein vorwärtsschreiten. Dieser Täuschung verdanken wir das Vorwärtsschreiten im Bewußtsein. Wenn ich bei meinem Beispiel von der äußeren Sinneswelt verbleibe: Würden alle Dinge, auch wenn sie nur dem Auge erscheinen würden, in ihrem wahren Gewicht erscheinen, würde ich stets, indem ich mit dem Auge herumschaue, die Last empfinden all der Gegenstände, die ich anschaue, könnte ich doch nicht ein Bewußtsein von der Außenwelt entwickeln, ganz selbstverständlich nicht. Wir verdanken unser Bewußtsein der Täuschung. Auf dem Grund der Dinge, die unser Bewußtsein ausmachen, ruht die Täuschung. Wir müssen getäuscht werden, um vorwärtszukommen, um das Bewußtsein vorwärtszubringen, denn das Bewußtsein ist ein Kind der Täuschung. Die Täuschung darf nur zunächst nicht hereindringen in den Menschen, sonst wird er beirrt. Die Täuschung bleibt jenseits der Schwelle des Bewußtseins. Der Hüter bewahrt uns davor, daß wir bei jedem Schritt und Tritt sogleich sehen, daß die Umwelt uns täuscht. Wir ringen uns empor, indem uns die Welt ihr Gewicht nicht zeigt und uns dadurch über sich erheben läßt, bewußt sein läßt. Das Bewußtsein hängt noch von manchen andern Dingen ab; aber es hängt vor allem davon ab, daß die Welt, die uns umgibt, durchsetzt ist von der Täuschung.

[ 13 ] What does looking actually give you? Deception. By viewing the world through only one sense, you are subject to deception everywhere. Deception all around! And the only way to escape deception is by unconsciously, instinctively drawing on your experience. So, in fact, the world is entirely intent on deceiving us from the very beginning, even in the external sensory world. We live, in essence, in a world that constantly deceives us, a world that is downright intent on deceiving us. Deception can be quite naturalistic today. Painters and sculptors set out to represent something for the sake of meaning. In doing so, they do not consider that they are thereby representing only Maya, only deception; for precisely when one tries to represent a thing quite realistically for the sake of meaning, one represents only deception, only Maya. But this is necessary, for if this illusion were not there, we could not progress in consciousness. It is to this illusion that we owe our progress in consciousness. If I stick with my example of the external sensory world: If all things—even if they appeared only to the eye—were to appear in their true weight, I would constantly, as I looked around with my eyes, feel the burden of all the objects I was looking at, and I could not develop an awareness of the external world—not at all, of course. We owe our consciousness to illusion. At the very foundation of the things that constitute our consciousness lies illusion. We must be deceived in order to move forward, to advance consciousness, for consciousness is a child of illusion. Illusion must simply not penetrate the human being at first; otherwise, he will be led astray. Illusion remains beyond the threshold of consciousness. The guardian protects us from immediately seeing, at every turn, that the world around us is deceiving us. We struggle upward because the world does not reveal its weight to us, thereby allowing us to rise above it and remain conscious. Consciousness depends on many other things as well; but above all, it depends on the fact that the world around us is permeated by illusion.

[ 14 ] Aber, so notwendig es ist, daß eine gewisse Zeit hindurch die Täuschung walte, damit das Bewußtsein erzeugt wird, so notwendig ist es auch, daß man, wenn das Bewußtsein erzeugt wird, auch wiederum über die Täuschung hinauskommt, namentlich auf bestimmten Gebieten. Denn da das Bewußtsein auf der Maja, auf der Täuschung beruht, so kann es nicht an die wahre Wirklichkeit herankommen; es müßte immer wieder solchen Verwechslungen unterworfen sein, wie ich sie angedeutet habe. Also, es müssen Perioden abwechseln: Perioden der Schilderung gewichtsloser Verhältnisse und Persönlichkeiten und Perioden, wo wiederum die Gewichte, die geistigen Gewichte, gesehen werden. Jetzt stehen wir mit Bezug auf die großen Weltereignisse vor einer solchen Periode, und wir stehen auch mit Bezug auf die alltäglichen Erscheinungen vor einer solchen Periode: Wir sind jetzt darauf angewiesen, die Dinge zu durchschauen, die auf diesem Gebiete ernstlich in Betracht kommen.

[ 14 ] But just as it is necessary for illusion to prevail for a certain time in order for consciousness to be generated, so too is it necessary that, once consciousness is generated, one must in turn transcend the illusion—particularly in certain areas. For since consciousness is based on maya, on illusion, it cannot approach true reality; it would have to be subjected time and again to such confusions as I have indicated. Thus, periods must alternate: periods of describing weightless circumstances and personalities, and periods in which, in turn, the weights—the spiritual weights—are perceived. We are now facing such a period with regard to major world events, and we are also facing such a period with regard to everyday phenomena: We are now called upon to see through the things that are seriously at stake in this realm.

[ 15 ] Eine Sache ist nun von ganz besonderer Gewichtigkeit. Wenn heute die Welt den Blick nach dem Osten richtet, nach dem, was da eigentlich lebt im europäischen Osten, dann sieht die europäische Welt, die mitteleuropäische Welt, dann sieht Amerika diese Welt des europäischen Ostens geradeso, wie einer, der Gewichte sieht, die aus Papiermaché sind: er sieht nicht das, was an geistiger Schwere eigentlich darin liegt. Ja, es ist durchaus so, daß die Menschen, die im europäischen Osten selber leben, auch nicht eine rechte Ahnung haben von dem, was geistig in diesem europäischen Osten lebt. Geradeso, wie man Luther kennen kann, der als Mensch in seinem Inneren der vierten nachatlantischen Zeit angehört, aber hereingestellt ist in den Ausgangspunkt der fünften nachatlantischen Zeit, so muß die Welt kennenlernen, wie die Geistigkeit dieses europäischen Ostens sich eigentlich verhält, weil das der Art entspricht, wie man sich betätigen muß in der fünften nachatlantischen Zeit. Nehmen Sie alles das, was in den verschiedenen Vorträgen und Vortragszyklen über diesen europäischen Osten gesagt worden ist, wie sich da das Geistselbst heraufarbeitet, wie es sich verbinden muß mit der Bewußtseinsseele des Westens, und nehmen Sie dazu, daß sich da vorbereiten die Impulse für den sechsten nachatlantischen Zeitraum, dann haben Sie dasjenige, was dem europäischen Osten als gewichtgebend entspricht. Und nehmen Sie dagegen alles das, was an noch so geistvollen Schilderungen Ihnen die Leute heute sagen, dann haben Sie jene Gewichte, die ebensogut aus Papiermaché gemacht werden können. Aber handeln kann man nicht mit dem, was in der Maja, in der Täuschung, vorhanden ist; handeln kann man nur mit dem, was in der Wirklichkeit vorhanden ist. Sie würden sich selbstverständlich bedanken, wenn Ihnen der Kaufmann statt wirklicher Gewichte Gewichte aus Papiermaché auf die Waage legte. Da verlangen Sie schon, daß das nicht nur so aussieht, sondern daß es ein wirkliches Gewicht hat. Alle politischen Grundsätze, alle politischen Impulse, über die im Zusammenhang mit Rußland geredet wird, werden nichts sein, werden Nullitäten sein, wenn sie nicht aus dem Bewußtsein heraus kommen, das sich durch die Erkenntnis der geistigen Gewichtigkeit ergibt. Was die Leute heute reden, kommt einem wirklich so vor, wie wenn sie auf die Waage der Weltgeschichte Gewichte aus Papiermaché legen würden. Weil Bewußtsein sich entwickeln muß, muß Täuschung in einer gewissen Periode herrschen. Dann aber, wenn das Bewußtsein sich entwickelt hat, dann darf es nicht durch Schlendrian und Bequemlichkeit weiter angewendet werden in der alten Weise, sondern dann muß es sich auf die Wirklichkeit richten, nicht bloß auf die äußere Täuschung. Ein Übergang wird stattfinden müssen von Anschauungen, welche die Menschheit liebt, weil sie ihr heute bequem sind, zu Anschauungen, die eine viel größere Lebendigkeit der Begriffe haben, die nur unbequemer sind, weil sie auch aufrütteln. Es läßt sich nicht so bequem leben mit den Anschauungen der Zukunft wie mit den bisherigen Anschauungen. Warum denn nicht? Das möchte ich Ihnen durch einen Vergleich sagen, der Sie wiederum wahrscheinlich frappieren wird. Aber ich will nicht davor zurückschrecken, auch solche Dinge zu sagen, ganz gleichgültig, was der eine oder der andere über die entsprechenden Wahrheiten empfindet.

[ 15 ] One thing, however, is of particular importance. When the world today turns its gaze to the East—to what actually lives in Eastern Europe—then the European world, the Central European world, and America see this world of Eastern Europe just as someone who sees weights made of papier-mâché would: they do not see the spiritual weight that actually lies within it. Indeed, it is certainly the case that even the people who live in Eastern Europe themselves have no real sense of what lives spiritually in this part of Europe. Just as one can understand Luther—who, as a human being, belongs inwardly to the fourth post-Atlantean epoch but is situated at the starting point of the fifth post-Atlantean epoch—so must the world come to understand the true nature of the spirituality of Eastern Europe, because this corresponds to the way one must act in the fifth post-Atlantean epoch. Take everything that has been said in the various lectures and lecture series about this Eastern Europe—how the spiritual self is working its way up there, how it must connect with the consciousness-soul of the West—and add to that the fact that the impulses for the sixth post-Atlantean epoch are being prepared there; then you have what gives Eastern Europe its true significance. And if, on the other hand, you take everything people tell you today—no matter how spirited their descriptions may be—then you have those “weights” that might just as well be made of papier-mâché. But one cannot act on what exists in Maya, in illusion; one can act only on what exists in reality. You would, of course, protest if a merchant were to place paper-mâché weights on the scale instead of real ones. In that case, you would demand not only that it look the part, but that it actually have real weight. All political principles, all political impulses discussed in connection with Russia, will amount to nothing—will be nullities—if they do not spring from the consciousness that arises from the recognition of spiritual weight. What people are saying today really does seem as if they were placing papier-mâché weights on the scales of world history. Because consciousness must develop, delusion must prevail for a certain period. But once consciousness has developed, it must not continue to be applied in the old way out of sloppiness and complacency; rather, it must be directed toward reality, not merely toward outward delusion. A transition will have to take place from views that humanity loves because they are comfortable for it today, to views that possess a much greater vitality of concepts—views that are only more uncomfortable because they also shake things up. It is not as easy to live with the views of the future as it is with the views of the past. Why is that? I would like to explain this to you through a comparison that will likely strike you as surprising. But I will not shy away from saying such things, regardless of what one person or another may feel about the truths in question.

[ 16 ] Ich habe ja schon darauf hingedeutet, daß in früheren Zeiträumen, noch im vierten nachatlantischen Zeitraum, für die Menschen Kräfte vorhanden waren, die eben heute verwandelt sind, die andere geworden sind. Ich sagte Ja, selbst das Hellsehen ist heute ein anderes geworden, beruht auf andern Dingen. Gewisse Dinge können sich nicht mehr so vollziehen, wie sie sich zum Beispiel noch im vierten nachatlantischen Zeitalter vollzogen haben, wie etwa unter mancherlei anderem das folgende.

[ 16 ] I have already pointed out that in earlier epochs—even in the fourth post-Atlantean epoch—human beings possessed powers that have since been transformed and have become something else. I said, yes, even clairvoyance has become something different today; it is based on different things. Certain things can no longer take place in the same way as they did, for example, in the fourth post-Atlantean epoch—such as, among many other things, the following.

[ 17 ] Im vierten nachatlantischen Zeitraum — die Menschen wissen heute davon nur durch Erzählungen, die sie selbstverständlich nicht glauben —, da gab es Feuerproben. Sie bestanden darin, daß man versuchte, die Schuld oder Unschuld dieses oder jenes Menschen dadurch herauszubekommen, daß man ihn über einen glühenden Rost gehen ließ. Verbrannte er sich, so sah man ihn für schuldig an, verbrannte er sich nicht, ging er ungefährdet über die Glut, so hielt man ihn für unschuldig. Für die heutigen Menschen ist das selbstverständlich alter Aberglaube, aber wahr ist es. Es ist nur eine von denjenigen Eigenschaften, die früher die Menschen gehabt haben, die sie jetzt nicht mehr haben können. Die Menschennatur hatte früher diese Eigenschaft: Wenn ein Unschuldiger in dem feierlichen Moment, der sich da bot, so durchdrungen war von seiner Unschuld, so sich wußte im Schoße der göttlichen Geister, so fest in seinem Bewußtsein zusammenhing mit der geistigen Welt, daß sein Astralleib herausgeholt wurde aus dem physischen Leib, dann konnte er mit dem physischen Leib über Gluten gehen. Das war schon so in früheren Zeiten. Das ist Wahrheit. Es ist ganz gut, wenn Sie sich einmal in der bestimmtesten Weise klarmachen, daß dieser alte Aberglaube auf einer Wahrheit beruht — wenn es auch nicht gerade vorteilhaft ist, daß Sie diese intimeren Wahrheiten gleich morgen dem Pfarrer erzählen.

[ 17 ] In the fourth post-Atlantean epoch—which people today know about only through stories they naturally do not believe—there were trials by fire. These consisted of attempting to determine the guilt or innocence of a particular person by making them walk across a bed of hot coals. If he was burned, he was deemed guilty; if he was not burned and walked safely across the embers, he was considered innocent. To people today, this is of course an old superstition, but it is true. It is just one of those qualities that people used to have but can no longer possess. Human nature used to possess this quality: When an innocent person, in that solemn moment, was so imbued with his innocence, felt himself to be in the bosom of the divine spirits, and was so firmly connected in his consciousness with the spiritual world that his astral body was drawn out of his physical body, then he could walk over hot coals with his physical body. That was indeed the case in earlier times. That is the truth. It would be quite good if you were to make it absolutely clear to yourself that this old superstition is based on a truth—even if it is not exactly advantageous for you to tell the pastor about these more intimate truths tomorrow.

[ 18 ] Ja, diese Dinge sind aber verwandelt. Solch ein Mensch, der seine Unschuld in einer gewissen Weise zu beweisen hatte, der konnte unter Umständen über Gluten geführt werden. Aber Sie können ganz sicher sein, im allgemeinen haben sich die Menschen auch damals vor dem Feuer gefürchtet, sind nicht gern über glühende Roste gewandelt. Das war auch schon dazumal so, daß ihnen das im allgemeinen Schaudern erregte, nur eben denen nicht, die damit ihre Unschuld beweisen konnten. Aber etwas von der Kraft, die die Menschen früher durch die Gluten geführt hat, ist jetzt innerlicher geworden, innerlicher in dem Sinne, wie ich von der Verinnerlichung überhaupt das letzte Mal gesprochen habe. Und gerade das Hellsehertum der fünften nachatlantischen Zeitperiode, das Zusammenhängen mit der geistigen Welt beruht auf denselben, nun aber verwandelten Kräften, auf denen früher das Durchgehen durch das Feuer beruhte. Es sind diese Kräfte nur innerlicher geworden.

[ 18 ] Yes, but these things have changed. A person who had to prove his innocence in a certain way might, under certain circumstances, have been made to walk over coals. But you can be quite certain that, in general, people even back then were afraid of fire and did not like to walk over red-hot grates. That was already the case back then—it generally sent a shudder through them, except for those who could prove their innocence by doing so. But some of the power that once led people across the embers has now become more inner—more inner in the sense I spoke of last time regarding internalization in general. And it is precisely the clairvoyance of the fifth post-Atlantean epoch—the connection with the spiritual world—that is based on the same, now transformed, forces upon which walking through fire was once based. These forces have simply become more internal.

[ 19 ] Will man heute mit gewissen Faktoren der geistigen Welt zusammenkommen, so muß man eine ähnliche Scheu überwinden, wie man sie in früheren Zeiten zu überwinden hatte, wenn man durch das Feuer ging. Das ist der Grund, warum sich heute viele Menschen vor der geistigen Welt fürchten wie vor dem Feuer. Man kann gar nicht einmal sagen, daß es bloß bildlich ist, daß sie das Verbrennen fürchten; sie fürchten wirklich, sich zu verbrennen. Darauf beruht die Gegnerschaft gegen Geisteswissenschaft: die Leute fürchten, sich zu verbrennen. Aber der Zeitenfortschritt verlangt von uns, daß wir an das Feuer allmählich herankommen, daß wir die Wirklichkeit nicht scheuen. Denn das verinnerlichte Leben, wie ich es in den letzten Betrachtungen dargestellt habe, verlangt in vielen Faktoren, zunächst wenigstens — im weiteren Verlaufe wird es ja immer stärker werden —, ein leises Herandrängen an die geistige Welt, ein SichNähern der geistigen Welt auf allen Gebieten, insbesondere eben auf dem Gebiete des Erziehungswesens.

[ 19 ] If one wishes to come into contact with certain aspects of the spiritual world today, one must overcome a fear similar to the one one had to overcome in earlier times when passing through fire. That is why many people today fear the spiritual world as they would fire. One cannot even say that their fear of being burned is merely figurative; they truly fear being burned. This is the basis of the opposition to spiritual science: people fear being burned. But the progress of the times demands that we gradually approach the fire, that we not shy away from reality. For the inner life, as I have described it in my recent reflections, requires in many respects—at least initially, though this will grow stronger as time goes on—a gentle drawing near to the spiritual world, an approach to the spiritual world in all areas, especially in the field of education.

[ 20 ] Auf dem Gebiete des Erziehungswesens wird man sich überzeugen müssen, daß ganz andere Faktoren werden in Betracht kommen müssen, als man aus dem größten Aufschwung des materialistischen Zeitalters heraus gewinnen kann. Man wird sich überzeugen müssen, daß vieles von dem, was man eigentlich im eminentesten Sinne für richtig halten muß aus der materialistischen Lebensauffassung heraus — die ja aber auf den Sinnen beruht und insofern auf der Maja, der Täuschung —, daß vieles von dem geradezu verleugnet und durch das Entgegengesetzte ersetzt werden muß. Heute stellt man sich ja gerade auf dem Erziehungsgebiet so ungeheuer stark vor, daß es wichtig ist, dem Erzieher, dem Lehrer möglichst viel von der Methodik beizubringen. Überall weist man darauf hin: Das muß so gemacht werden, und das muß so gemacht werden. — Man strebt danach, recht fest geregelte Begriffe darüber zu entwickeln, wie man erziehen soll. Die Schablone schwebt ja überhaupt den heutigen Menschen vor. Es wäre ihnen am liebsten, das Bild so eines idealen Erziehers aufzustellen, das sie dann jederzeit haben könnten. Aber das einfachste Nachdenken über sich selbst könnte einen eigentlich über diese Frage aufklären. Fragen Sie sich einmal mit dem Grade von Selbsterkenntnis, dessen Sie fähig sind, was aus Ihnen geworden ist — bis zu einem gewissen Grade geht es schon, daß man sich vorhält, was aus einem geworden ist —, dann fragen Sie sich, wie die Lehrer, die Erzieher ausgesehen haben, die in Ihrer Jugend auf Sie gewirkt haben. Oder wenn das vielleicht schlecht geht, versuchen Sie einmal, eine bekannte, bedeutendere Persönlichkeit ins Auge zu fassen und dann zu deren Erziehern vorzurücken, ob Sie die Bedeutung dieser Erzieher in irgendwelchen Einklang bringen können mit dem, was diese Persönlichkeit geleistet hat.

[ 20 ] In the field of education, we will have to recognize that factors quite different from those derived from the greatest upsurge of the materialistic age will have to be taken into account. We will have to recognize that much of what we must actually consider correct in the most eminent sense—based on the materialistic view of life, which, however, is grounded in the senses and, in that respect, in Maya, or illusion—must be outright rejected and replaced by its opposite. Today, particularly in the field of education, there is such a strong emphasis on the importance of teaching educators and teachers as much as possible about methodology. Everywhere, people point out: This must be done this way, and that must be done that way. — People strive to develop very strictly defined concepts of how one should educate. The template is, after all, ever-present in the minds of people today. They would most like to create an image of such an ideal educator that they could then have at their disposal at any time. But even the simplest reflection on oneself could actually shed light on this question. Ask yourself, with whatever degree of self-knowledge you are capable of, what has become of you—to a certain extent, it is indeed possible to reflect on what has become of oneself—and then ask yourself what the teachers and educators who influenced you in your youth were like. Or if that doesn’t work, try focusing on a well-known, significant figure and then consider their educators—see if you can reconcile the significance of these educators with what that figure has accomplished.

[ 21 ] Es wäre ganz interessant, wenn man in Biographien mehr von den Erziehern redete; da käme manches Interessante heraus. Nur würde man wenig Aufschluß darüber gewinnen, was durch die Erzieher geleistet worden ist, damit diese Persönlichkeiten gerade so geworden sind, wie sie sind. Meistens würde es da so gehen, wie zum Beispiel bei Herder, der ein bedeutender Mensch geworden ist und von dem einer seiner bekanntesten Lehrer ein gewisser Rektor Grimm war: Der hat die Buben immer furchtbar durchgehauen. Nun, von diesem Durchhauen ist Herders Tüchtigkeit nicht gekommen; er war ein braver Junge und ist wenig verprügelt worden. Also die allgemeine Eigenschaft des Lehrers hat bei Herder nicht einmal gewirkt! Von diesem Rektor Grimm wird ein nettes Geschichtchen erzählt, das wahr ist: Da hat er einmal einen Jungen, der ein Klassengenosse von Herder war, furchtbar durchgehauen. Als der dann auf die Straße ging, begegnete ihm ein Mann, der vom Lande Kalbsfelle und Schaffelle hereinbrachte. Der fragte den Jungen: Sag einmal, mein Junge, wo finde ich denn hier jemand, der mir meine Felle rotgerben kann? Ich will meine Kalbs- und Schaffelle rotgerben lassen. — Da sagte der Junge: Ach, da gehen Sie nur zum Rektor Grimm, der kann gut gerben; der wird Ihnen die Felle sicher rotgerben, der kann das! — Da ging der Mann wirklich hin und klingelte beim Rektor Grimm; es war das eine Lektion für den Rektor. Aber, nicht wahr, durch diese Eigenschaft des Erziehers ist Herder nicht groß geworden. Und so werden Sie manches finden, wenn Sie in das Erziehungssystem hineinschauen von Menschen, die später bekanntere Persönlichkeiten geworden sind.

[ 21 ] It would be quite interesting if biographies talked more about the educators; that would bring to light many interesting facts. However, it would shed little light on what the educators actually did to help these individuals become exactly who they are. Most of the time, it would go something like this, as in the case of Herder, for example, who became a significant figure and whose most famous teacher was a certain Principal Grimm: He used to beat the boys terribly. Well, Herder’s competence did not come from this beating; he was a well-behaved boy and was rarely beaten. So the teacher’s typical behavior didn’t even have an effect on Herder! There’s a nice little story told about this Principal Grimm, and it’s true: Once he gave a boy—who was a classmate of Herder’s—a terrible beating. When the boy then went out onto the street, he met a man who was bringing calf and sheep hides in from the countryside. The man asked the boy: “Tell me, my boy, where can I find someone around here who can red-tan my hides? I want to have my calf and sheep hides red-tanned.” — Then the boy said: “Oh, just go to Principal Grimm; he’s good at tanning. He’ll definitely red-tan your hides for you—he knows how!” — So the man actually went there and rang Principal Grimm’s doorbell; it was a lesson for the principal. But, you see, it wasn’t this aspect of the educator’s character that made Herder great. And so you’ll find many such examples if you look into the educational backgrounds of people who later became well-known figures.

[ 22 ] Dagegen wird etwas wichtig sein, was auf einer viel intimeren Sache beruht. Es wird wichtig sein, daß besonders in bezug auf das Erziehungs- und Unterrichtssystem die Karma-, die Schicksalsfrage, die Schicksalsidee Platz greift. Das ist schon wichtig, mit welchen Persönlichkeiten mich mein Karma als Kind oder als jungen Menschen zusammengeführt hat. Und unter dem Eindruck, unter dieser Gesinnung des Zusammengeführtseins erziehen, davon hängt ungeheuer viel ab. Sie sehen, auf einer Eigenschaft des Gemütes, auf einer Gesinnungseigenschaft beruht sehr viel.

[ 22 ] On the other hand, something based on a much more intimate matter will be important. It will be important that—especially with regard to the educational and teaching system—the question of karma, the question of destiny, and the idea of destiny take root. It is indeed important to consider the kinds of people with whom my karma brought me into contact as a child or as a young person. And educating under the influence of this sense of having been brought together—an immense amount depends on that. You see, a great deal rests on a quality of the mind, on a disposition.

[ 23 ] Nehmen Sie dasjenige, was wir heute schon vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus über Erziehung sagen können, so werden Sie das durchaus damit im Einklang finden. Wir müssen heute besonders betonen: Wichtig ist für die ersten sieben Jahre, bis zum Zahnwechsel, daß das Kind alles nachahmen will und daß es dann für die zweiten sieben Jahre, bis zur Geschlechtsreife, sich der Autorität fügen muß. Wir müssen daher dem Kinde so etwas vormachen, daß es in der richtigen Weise nachahmen kann. Nun ahmt ja das Kind alle Leute nach, aber es wird insbesondere seine Erzieher nachahmen. Es glaubt ja auch vom siebenten bis vierzehnten Jahre allen Leuten, soll aber insbesondere denen gegenüber glauben, die seine Erzieher und seine Lehrer sein sollen. Das richtige Verhalten werden wir nur unter dem ständigen Eindruck der Karma-Idee haben können, nur wenn wir wirklich mit dieser Karma-Idee innerlich verbunden sind. Ob wir etwas besser oder schlechter lehren, darauf kommt es faktisch nicht an. Es können sogar ungeschickte Lehrer sein, ganz ungeschickte Lehrer, und sie können unter Umständen einen großen Einfluß haben. Wovon hängt denn das ab? Gerade in der Zeit der Verinnerlichung, wie ich sie geschildert habe, hängt das, ob wir der richtige Lehrer oder der richtige Erzieher sind, davon ab, wie wir schon mit der betreffenden Kindesseele verbunden waren, bevor wir — Erzieher und Kind — beide geboren waren. Denn der Unterschied ist nur der, daß wir als Lehrer, als Erzieher um soundsoviel Jahre früher auf die Welt gekommen sind als die Kinder. Vorher waren wir mit den Kindern zusammen in der geistigen Welt. Woher haben wir denn die Nachahmungssucht, die Nachahmungstendenz, wenn wir geboren werden? Nun, wir bringen sie uns aus der geistigen Welt mit. Wir sind deshalb in den ersten Lebensjahren Nachahmer, weil wir die Nachahmungstendenz aus der geistigen Welt heraus mitbringen. Und wen werden wir am liebsten nachahmen? Denjenigen, der uns unsere Eigenschaften gegeben hat in der geistigen Welt, von dem wir in der geistigen Welt etwas entnommen haben, sei es auf diesem, sei es auf jenem Gebiete. Die Seele des Kindes war verbunden mit der Seele des Erziehers, des Lehrers, vor der Geburt. Da war ein intimer Zusammenhang; und nachher soll sich nur das äußere Leibliche, das auf dem physischen Plan Lebende, danach richten.

[ 23 ] If you consider what we can already say today about education from the perspective of the humanities, you will find that it is entirely consistent with this. We must emphasize this in particular today: It is important during the first seven years, until the teeth begin to fall out, that the child wants to imitate everything, and that during the second seven years, until puberty, the child must submit to authority. We must therefore set an example for the child so that it can imitate in the right way. Now, the child imitates everyone, but it will imitate its educators in particular. From the ages of seven to fourteen, children believe everything people say, but they should especially trust those who are meant to be their educators and teachers. We will only be able to behave correctly if we are constantly mindful of the concept of karma—only if we are truly connected to this concept of karma within ourselves. Whether we teach something better or worse is, in fact, irrelevant. They may even be unskilled teachers—very unskilled teachers—and yet, under certain circumstances, they can have a great influence. What does this depend on? Especially during the period of internalization, as I have described it, whether we are the right teacher or the right educator depends on how we were already connected to the child’s soul in question before we—educator and child—were both born. For the only difference is that we, as teachers and educators, came into the world so many years earlier than the children. Before that, we were together with the children in the spiritual world. Where, then, do we get this urge to imitate, this tendency to imitate, when we are born? Well, we bring it with us from the spiritual world. We are imitators in the first years of life precisely because we bring this tendency to imitate with us from the spiritual world. And whom do we most like to imitate? The one who gave us our characteristics in the spiritual world—from whom we have drawn something in the spiritual world, whether in this or that area. The child’s soul was connected to the soul of the educator, the teacher, before birth. There was an intimate connection; and afterward, only the outer, physical aspect—that which lives on the physical plane—is to be guided by it.

[ 24 ] Wenn Sie so etwas, wie ich jetzt gerade gesagt habe, nicht als abstrakte Wahrheit auffassen, sondern mit ganzer Seele ergreifen, so werden Sie bemerken, daß ungeheuer Bedeutungsvolles damit gesagt ist. Denken Sie nur, welch heiliger Ernst, welche unendliche Tiefe die Menschenseelen ergreifen würde auf dem Gebiete des Unterrichts, wenn sie unter dem Eindruck leben würden: Du machst jetzt dem Kinde dasjenige vor, was es vor der Geburt von dir angenommen hat in der geistigen Welt —, wenn das ein richtiger innerer Impuls würde! Darauf kommt es viel mehr an, daß solche Gesinnung, solche Gemütsverfassung hineingetragen werde, als den Leuten beizubringen, es soll das eine oder das andere so oder so gemacht werden. Das gibt sich dann schon, wenn die richtige Stimmung ist zwischen Erzieher, Lehrer und Schüler, wenn die aus dem heiligen Ernst ihrer großen Lebensaufgabe heraus diese Stimmung und diese Gesinnung haben. Aber dieser heilige Ernst, der muß vor allen Dingen vorhanden sein. Gerade auf diesem Gebiete ist das so ungeheuer wichtig. Gift ist es, wenn heute vielfach verlangt wird, das Kind soll alles verstehen. Ich habe schon öfter darauf aufmerksam gemacht, daß das Kind nicht alles verstehen kann. Vom ersten bis siebenten Jahre kann man überhaupt nichts verstehen; da macht man alles nach. Und wenn man nicht genügend nachmacht, hat man später nicht genügend aus seinem Inneren herauszuholen. Vom siebenten bis vierzehnten Jahre muß man glauben, muß man unter dem Eindruck von Autorität stehen, wenn man eine gesunde Entwickelung durchmachen will. Diese Dinge dem Leben einzuverleiben, darauf kommt es an.

[ 24 ] If you do not regard something like what I have just said as an abstract truth, but embrace it with your whole soul, you will realize that it conveys something immensely significant. Just think what sacred seriousness, what infinite depth would take hold of human souls in the realm of education if they lived under the impression: “You are now demonstrating to the child what it received from you in the spiritual world before birth”—if that were to become a genuine inner impulse! What matters far more is that such an attitude, such a state of mind, be instilled than teaching people that one thing or another must be done in a certain way. That will follow naturally when the right atmosphere prevails between educator, teacher, and student—when they possess this atmosphere and this attitude out of the sacred seriousness of their great life’s task. But this sacred seriousness must be present above all else. It is precisely in this area that this is so immensely important. It is poisonous when, as is often demanded today, the child is expected to understand everything. I have pointed out many times that a child cannot understand everything. From the first to the seventh year, a child cannot understand anything at all; during this time, the child simply imitates everything. And if one does not imitate enough, one will not have enough to draw upon from within later on. From the ages of seven to fourteen, one must believe; one must be under the influence of authority if one is to undergo healthy development. Incorporating these things into one’s life—that is what matters.

[ 25 ] Wenn gerade heute sehr viel darauf gesehen wird, daß alles verstanden werden soll, daß man gewissermaßen nicht einmal das Einmaleins den Kindern beibringen soll, ohne daß sie überall verstehen sollen — sie verstehen es ja doch nicht! —, dann macht man die Kinder statt zu verständigen Menschen zu Rechenmaschinen. Man prägt ihnen den in der elementaren Umwelt gelegenen Verstand ein, von dem ich letzthin gesprochen habe, statt daß man ihren eigenen Verstand entwickelt. Und das geschieht nämlich heute sehr häufig. Die Leute bemühen sich geradezu, das Ideal aufzustellen, nicht aus den Menschen den Verstand herauszuholen, sondern den Elementarverstand heranzutragen, der in der Umwelt ist, so daß das Kind eingewoben wird, eingesponnen wird in die elementarische Welt. Das zeigt sich auch an vielen zeitgenössischen Fällen. Vielem gegenüber können wir heute geradezu sagen: Die Menschen denken doch gar nicht selber, sondern sie denken sozusagen in einer allgemeinen Denkatmosphäre. Und soll etwas Individuelles herauskommen, so rührt das von ganz anderem her als von dem, was in der Menschennatur als Göttliches aufgefaßt wird.

[ 25 ] If, especially today, so much emphasis is placed on the idea that everything must be understood—that, as it were, one shouldn’t even teach children the basics of arithmetic without expecting them to understand every single aspect of it—after all, they don’t understand it anyway!—then, instead of raising children to be thinking human beings, we are turning them into calculating machines. We instill in them the kind of understanding found in the elementary environment—the one I spoke of recently—instead of developing their own understanding. And this, in fact, happens very frequently today. People are practically striving to establish the ideal not of drawing the intellect out of human beings, but of bringing in the elemental intellect that exists in the environment, so that the child is woven into, spun into, the elemental world. This is also evident in many contemporary cases. In many respects, we can say today that people do not think for themselves at all, but rather think, so to speak, within a general atmosphere of thought. And if something individual is to emerge, it stems from something entirely different than what is understood as the divine in human nature.

[ 26 ] Die Natur und das Wesen des Lebendigen, auch in der Erfassung der Welt, muß die Menschen wieder ergreifen. Wie gesagt, das ist unbequemer, als mit den bloßen Begriffsleichen zu hantieren. Das Lebendige muß die Menschen wieder erfassen. Und die Menschen müssen sich damit bekanntmachen, daß nicht tote Wahrheiten das Leben regieren können, sondern nur lebendige Wahrheiten. Eine tote Wahrheit ist die folgende.

[ 26 ] The nature and essence of life—including in our understanding of the world—must once again take hold of people. As I said, this is more uncomfortable than simply dealing with dead concepts. Life must once again take hold of people. And people must come to realize that it is not dead truths that can govern life, but only living truths. The following is a dead truth.

[ 27 ] Wir sollen die Menschen zu verständigen Menschen erziehen; das sollen wir. Also — so zeigt die tote Wahrheit — kultivieren wir den Verstand möglichst früh, dann werden die Menschen verständige Menschen. Das ist aber ein richtiger Unsinn. Es ist derselbe Unsinn, wie wenn einer bestimmen würde, ein einjähriges Kind schon zum Schuster zu erziehen. Der Mensch wird gerade dann ein verständtger Mensch, wenn er nicht zu früh mit dem Verstand kultiviert wird. Man muß oftmals das Gegenteil von dem tun im Leben, was man eigentlich bewirken will. Die Speisen kann man ja auch nicht gleich essen; man muß sie zuerst kochen. Und wenn man dasselbe verrichten will beim Kochen, was man beim Essen verrichtet, so wird man das Essen wahrscheinlich ersparen. So kann man die Menschen nicht dadurch verständig machen, daß man ihren Verstand möglichst früh kultiviert, sondern dadurch, daß man in der frühen Jugend dasjenige kultiviert, was sie dann bereit macht, später verständig zu werden. Die abstrakte Wahrheit ist diese: Den Verstand kultiviert man durch den Verstand. Die Lebenswahrheit ist diese: Den Verstand kultiviert man durch ein gesundes Glauben an eine berechtigte Autorität. Vordersatz und Nachsatz im lebendigen Satz haben einen ganz andern Inhalt als Vordersatz und Nachsatz im toten, abstrakten Satz. Das ist etwas, womit sich die Menschheit allmählich immer mehr und mehr bekanntmachen muß.

[ 27 ] We are supposed to educate people to become rational beings; that is what we are supposed to do. So—as this dead truth shows—if we cultivate the intellect as early as possible, then people will become rational beings. But that is utter nonsense. It is the same nonsense as if someone were to decide to train a one-year-old child to be a shoemaker. A person becomes a rational being precisely when their intellect is not cultivated too early. In life, one often has to do the opposite of what one actually wants to achieve. After all, you can’t eat food right away; you have to cook it first. And if you try to do the same thing while cooking as you do while eating, you’ll probably end up skipping the meal altogether. So you cannot make people sensible by cultivating their intellect as early as possible, but rather by cultivating in early youth that which prepares them to become sensible later on. The abstract truth is this: The intellect is cultivated through the intellect. The truth of life is this: The mind is cultivated through a healthy belief in a legitimate authority. The subject and predicate in a living sentence have a completely different meaning than the subject and predicate in a dead, abstract sentence. This is something with which humanity must gradually become more and more familiar.

[ 28 ] Das ist unbequem. Denken Sie, wie bequem es ist, wenn man sich ein Ziel setzt und der Meinung ist, dieses Ziel könne man unmittelbar erreichen, indem man dasselbe tut, was das Ziel dem Begriffe nach enthält. Im Leben muß man das Gegenteil tun. Das ist natürlich unbequem. Aber das Sich-Hineinfinden in die Wirklichkeit und in das Leben, das ist es, was Aufgabe der Zeit ist und wovon wir uns im eminentesten Sinne durchdringen müssen. Den großen wie den alltäglichen Aufgaben gegenüber ist das notwendig. Man wird die Zeit nicht verstehen, wird das Verkehrteste tun, was man tun kann, wenn man auf diese Dinge nicht eingeht. Man ahnt heute gar nicht, wie abstrakt, wie unendlich abstrakt man eigentlich ist, weil man alles nach einer gewissen Schablone pressen will. Aber die Wirklichkeit ist nicht in Schablonen gepreßt, die Wirklichkeit ist in Metamorphose begriffen. Unser Kopf, unsere Kopfwirbel sind Umgestaltungen unserer Rückenwirbel, aber beide sehen ganz verschieden aus. Lassen Sie mich ein Beispiel aus dem praktischen Leben anführen. Denken Sie sich: An irgendeiner Hochschule würde ein Lehrer wirken, welcher etwas vertritt, das ich oder ein anderer im eminentesten Sinne bekämpfen muß. Ich werde mir selbstverständlich alle Mühe geben zu zeigen, daß der Betreffende Unrichtiges vertritt, werde keine Mühe scheuen, wenn ich meine Pflicht tun will, zu zeigen, daß er unrecht hat, wie alles — meinetwillen, um es grotesk zu sagen — Blech ist, was er sagt. Das ist eine Seite der Sache.

[ 28 ] That is inconvenient. Think how convenient it is when you set a goal and believe you can achieve it immediately by doing exactly what the goal implies. In life, one must do the opposite. That is, of course, inconvenient. But finding one’s way into reality and into life—that is the task of our time, and it is what we must let permeate us in the most profound sense. This is necessary when facing both great and everyday tasks. One will not understand the times and will do the most wrong thing possible if one does not engage with these matters. Today, one has no inkling of how abstract—how infinitely abstract—one actually is, because one wants to force everything into a certain mold. But reality is not pressed into molds; reality is in the midst of metamorphosis. Our skull, our cranial vertebrae, are transformations of our spinal vertebrae, yet the two look entirely different. Let me give an example from practical life. Imagine this: At some university, there is a professor who advocates something that I—or someone else—must oppose in the most emphatic sense. I will, of course, make every effort to show that the person in question is advocating something incorrect; I will spare no effort, if I am to do my duty, to show that he is wrong, that everything he says is—to put it grotesquely—mere drivel. That is one side of the matter.

[ 29 ] Nehmen Sie an, der betreffende Hochschullehrer käme in den Fall, daß ihn die Behörde absetzen will aus irgendeinem Grunde oder daß ihn die Behörde disziplinieren will. Was werde ich dann tun? Selbstverständlich für ihn eintreten im eminentesten Sinne, gegen seine Absetzung und gegen die Disziplinierung, weil es doch nicht darauf ankommt, ein Gegner seiner Lehre zu sein, wenn es sich um Verwirklichung freier Institutionen handelt. Solange man auf theoretischem Boden steht, kämpft man. Der Kampf hört auf, kann sich sogar in Verteidigung verwandeln, wenn es sich um eine äußere Institution handelt. Und man muß einsehen, daß der verwerflich denkt, der durch eine Gegnerschaft zum Beispiel sich verleiten lassen würde, mitzutun für die Disziplinierung des Betreffenden. Aber nehmen wir an, der betreffende Hochschullehrer wäre gerade ein Hochschullehrer für Nationalökonomie oder Politik und er würde zum Staatsmann berufen, und nun würde es sich darum handeln, ihn als Staatsmann zu haben oder nicht. Wie würde man sich da verhalten? Da würde man sich so zu verhalten haben, daß man selbstverständlich ihn so rasch wie möglich von seinem Staatsmannsamt wegbringt, denn da wird seine Lehre praktisch schädlich.

[ 29 ] Suppose the university professor in question were to find himself in a situation where the authorities wanted to remove him from office for any reason, or where the authorities wanted to discipline him. What would I do then? Of course, I would stand up for him in the most emphatic sense—against his dismissal and against disciplinary action—because it does not matter whether one is an opponent of his teachings when it comes to the realization of free institutions. As long as one remains on theoretical ground, one fights. The struggle ceases—and may even turn into defense—when it comes to an external institution. And one must recognize that anyone who, for example, allows themselves to be led by opposition to the point of participating in the disciplinary action against the person in question is thinking reprehensibly. But let’s suppose the university professor in question were a professor of economics or political science and were appointed to a position as a statesman, and the question now were whether or not to have him serve as a statesman. How would one act in that situation? One would have to act in such a way as to, of course, remove him from his position as a statesman as quickly as possible, for there his teaching would be practically harmful.

[ 30 ] Beim Handeln geht es immer darum, in der Wirklichkeit zu leben, in der unmittelbar lebendigen Wirklichkeit, nicht sich von seinen Begriffen beherrschen zu lassen. Im begrifflichen Leben handelt es sich darum, gerade scharf seine Begriffe ins Auge zu fassen. Ich habe dieses Beispiel gebraucht, um begreiflich zu machen, was für ein Unterschied zwischen dem Verhalten in der Wirklichkeit ist und dem Verhalten in seinen Begriffen. Und der Mensch, der das nicht unterscheidet, der ist kein Mensch, der mit den Aufgaben der nächsten Zukunft irgendwie leben kann. Der Mensch, der das nicht unterscheidet, ist höchstens ein Wilsonianer, aber kein Mensch, der mit den Aufgaben der nächsten Zukunft leben kann, der mit ihnen rechnet. Darauf kommt es an, genau in Erwägung zu ziehen das, was in der Wirklichkeit lebt, und dasjenige, wovon man in seiner Begriffswelt überzeugt sein muß.

[ 30 ] Action is always about living in reality—in the immediately living reality—and not allowing oneself to be dominated by one’s concepts. In conceptual life, the point is precisely to focus sharply on one’s concepts. I used this example to illustrate the difference between behaving in reality and behaving within one’s concepts. And anyone who fails to distinguish between the two is not someone who can in any way cope with the challenges of the near future. A person who fails to make this distinction is, at best, a Wilsonian, but not someone who can cope with the challenges of the near future or take them into account. What matters is to carefully weigh what exists in reality against what one must be convinced of within one’s conceptual world.

[ 31 ] Und insbesondere muß die Erziehung der Jugend auf solche Dinge schauen. Heute beschwert man diejenigen, die Erzieher werden sollen, ganz besonders damit, daß man ihnen allerlei Grundsätze beibringt, wie sie unterrichten, wie sie erziehen sollen. Das wird in der nächsten Zukunft das viel weniger Wichtige sein. Dagegen wird das Wichtige sein, daß sie die Menschennatur in ihren verschiedenen Äußerungen kennenlernen, daß sie Psychologen im intimsten Sinne werden, daß sie richtige Seelenkenner werden, denn die Beziehung des Erziehers, des Unterrichters, zu dem Zögling muß eine dem Hellsehen analoge werden. Wenn sich auch der Erzieher dessen nicht voll bewußt ist, sondern es instinktiv in seiner Seele lebt, so muß es doch so sein, daß er instinktiv, speziell als Lehrer, bis zur Prophetie ein Bild dessen bekommt, was aus dem zu Erziehenden heraus will. Und dann wird das Merkwürdige sich ergeben, so sonderbar es heute klingt: Die Erzieher der Zukunft werden viel von ihren Zöglingen träumen, denn in die Träume verhüllen sich die Prophetien. Die Bilder, die wir in den Träumen haben, die haben wir nur aus dem Grunde, weil wir ungewohnt sind, den Traum mit der Zukunft zusammenzubringen; wir werfen wie ein Kleid über einen Leib die Reminiszenzen aus der Vergangenheit darüber. Das, was eigentlich im Traume lebt, weist immer auf die Zukunft hin. Es ist schon so, daß das innere Leben gerade bei den Jugenderziehern umgestaltet werden muß. Das ist das Wichtige. Allerdings, da mehr oder weniger in irgendeiner Weise alle Menschen Jugendbildner sind, mit Ausnahme einer geringen Minderzahl, so wird das, was ich angedeutet habe — Verständnis für die karmischen Zusammenhänge beim Menschen —, allgemeineren Sinn haben müssen. Davon wird ungeheuer viel abhängen, daß dies allgemeines Wissen werde.

[ 31 ] And the education of young people, in particular, must focus on such things. Today, those who are to become educators are burdened especially by being taught all sorts of principles about how they should teach and how they should educate. In the near future, that will be far less important. What will be important, on the other hand, is that they come to know human nature in its various manifestations, that they become psychologists in the most intimate sense, that they become true connoisseurs of the soul; for the relationship between the educator, the teacher, and the pupil must become analogous to clairvoyance. Even if the educator is not fully conscious of this, but it lives instinctively within his soul, it must nevertheless be the case that he—instinctively, especially as a teacher—gains a vision, bordering on prophecy, of what is striving to emerge from the one being educated. And then something remarkable will come to pass, however strange it may sound today: The educators of the future will dream a great deal about their pupils, for prophecies are veiled within dreams. The images we have in our dreams exist only because we are unaccustomed to connecting the dream with the future; we cast the reminiscences of the past over it like a garment over a body. What actually lives in the dream always points to the future. It is indeed the case that the inner life must be transformed, especially among those who educate young people. That is what is important. However, since more or less all people are, in one way or another, educators of young people—with the exception of a small minority—what I have alluded to—an understanding of the karmic connections within human beings—must have a more general significance. An immense amount will depend on this becoming common knowledge.

[ 32 ] Das gegenwärtige Geschlecht ist vor allen Dingen nur für das abstrakte Denken erzogen; es verwechselt immer das abstrakte Denken mit dem lebendigen Denken. Daher kann es so selten vorkommen, daß einer mit glühender Begeisterung heute für jemanden eintreten kann, dessen Begriffe er eigentlich in seinen Begriffen verabscheut, und es kommt ihm ganz gelegen, wenn äußere Gewalten den Betreffenden unschädlich machen. Gerade an solchen Dingen wird man aber lernen müssen. Und nichts wird besser die Menschen erziehen, als wenn sie darauf kommen, immer mehr und mehr für Gegner enthusiastisch einzutreten. Das darf man natürlich wiederum nicht pressen. Heute ist man aus seiner Abstraktion heraus Freund oder Gegner. Aber das hat keinen Sinn. Einen Sinn haben nur die wirklichen Lebensverhältnisse. Die aber werden durch das Leben selbst gegeben, nicht durch unsere Sympathien und Antipathien. Aber unsere Sympathien und Antipathien müssen wir trotzdem entwickeln, wir müssen sie trotzdem haben. Das Pendel muß nicht bloß hinaufgehen auf die eine Seite, sondern auch hinaufgehen nach der andern Seite. Aber so in der Zweiheit, im Dualismus zu leben, sich zu vertiefen in tiefem Denken, sich auszugießen über die Wirklichkeit, in dem, was die Wirklichkeit fordert, das muß die Menschheit lernen. Heute möchte sie, wenn sie in die Wirklichkeit hinausgeht, ihre Denkformen überall hintragen, und die Wirklichkeit will sie auch nur ertragen, wenn sie gerade zu ihren Denkformen paßt. Sie will Uniformität haben, die gegenwärtige Menschheit. Ja, vor einer geistigen Weltauffassung läßt sich die Uniformität nicht rechtfertigen. Das geht nicht. Die Welt kann nicht, wie sie wirklich ist, uns bequem sein. Nicht jeder Mensch kann ein Gesicht haben, das uns sympathisch ist, das uns gefällt. Aber deshalb sich so gegen ihn verhalten, wie es unseren Sympathien und Antipathien entspricht, ist eben falsch. Es müssen andere Impulse da sein. Daher kommen die Menschen heute so wenig zurecht; sie sehen hinaus in die Welt, und wenn sie diese nicht ihren Sympathien und Antipathien entsprechend finden, dann geht ihnen alles in ihren Begriffen schief und krumm und verkehrt, und sie werden dann nur von dem einzigen Impuls beherrscht, daß die Welt anders sein sollte.

[ 32 ] The current generation is, above all, educated only in abstract thinking; it constantly confuses abstract thinking with living thinking. That is why it is so rare today for someone to be able to stand up with fervent enthusiasm for a person whose ideas they actually detest in their own mind, and it suits them just fine when external forces render that person harmless. But it is precisely from such things that we will have to learn. And nothing will educate people better than when they come to defend their opponents with ever-increasing enthusiasm. Of course, this must not be forced. Today, people are friends or foes based on their abstractions. But that makes no sense. Only real-life circumstances make sense. And these are determined by life itself, not by our sympathies and antipathies. Nevertheless, we must still develop our sympathies and antipathies; we must still have them. The pendulum must not swing only to one side, but also to the other. But to live in this way within duality, to immerse oneself in deep thought, to pour oneself out over reality—in accordance with what reality demands—that is what humanity must learn. Today, when it goes out into reality, humanity wants to impose its thought patterns everywhere, and it is willing to tolerate reality only if it happens to fit its thought patterns. Contemporary humanity wants uniformity. Yes, uniformity cannot be justified in the face of a spiritual worldview. That is not possible. The world, as it truly is, cannot be convenient for us. Not every person can have a face that we find likable, that pleases us. But to behave toward them in a way that corresponds to our likes and dislikes is simply wrong. There must be other impulses at work. That is why people today have such a hard time getting along; they look out into the world, and if they do not find it to be in accordance with their likes and dislikes, then everything in their minds seems wrong, twisted, and upside down, and they are then dominated by the single impulse that the world ought to be different.

[ 33 ] Das muß man auf der einen Seite so sagen. Auf der andern Seite darf man sich aber dadurch nicht wiederum zur entgegengesetzten Bequemlichkeit führen lassen und sagen, daß man nun immer fünf gerade sein lassen soll, daß man nun die Welt so hinnehmen soll, wie sie ist. Das ist wiederum ganz falsch. Es gibt eben Fälle in der Wirklichkeit, wo die herbste, die strammste Kritik notwendig ist, und da muß sie auch einsetzen, das heißt, die Wirklichkeit muß anerkannt werden. Der Pendelschlag zwischen dem klaren Verinnerlichen in fest umrissenen Begriffen und dem liebevollem Verbreiten über die Erscheinungen der Welt, auf den kommt es an.

[ 33 ] On the one hand, that is certainly true. On the other hand, however, we must not allow ourselves to be led into the opposite kind of complacency and say that we should always let things slide, that we should simply accept the world as it is. That, in turn, is completely wrong. There are indeed cases in reality where the harshest, most rigorous criticism is necessary, and that is where it must come into play—that is to say, reality must be acknowledged. The balance between clear internalization in clearly defined concepts and the loving contemplation of the phenomena of the world—that is what matters.

[ 34 ] Geisteswissenschaft kann uns dazu eine gute Anleitung sein, wenn wir uns ihr gegenüber wirklich so verhalten, wie es ihr gemäß ist. Das müssen wir aber auch erst im richtigen Sinne lernen. Was aus der geistigen Welt gewonnen wird als Wahrheit, ist wie eine Mitteilung, kommt an den hellsichtigen Menschen selbst wie eine Mitteilung heran. Wenn wir dann diese Wahrheiten nicht wie Mitteilungen behandeln, sondern so behandeln, wie wir die äußeren, grobsinnlichen Tatsachen behandeln, so verhalten wir uns unrichtig zu der Geisteswissenschaft. Verstanden kann alles werden von der Geisteswissenschaft. Aber wenn wir bei jedem, was der Geisteswissenschafter sagt, fragen: Ja, warum, warum? — so ist das falsch, denn er bekommt das eben als Mitteilung von den geistigen Welten. Ebensowenig kann jemand, dem ich sage: der Hans Müller hat mir dies oder jenes gesagt —, mich fragen: Ja, warum hat er dir das gesagt? — Er hat es mir halt eben gesagt, das Warum kommt doch da in sehr geringem Maße in Betracht. Es ist eine Mitteilung. Und so sind die Dinge aus der geistigen Welt als Mitteilungen anzusehen! Das muß verstanden werden. Und daß das verstanden werden kann, was wir für die Zukunft wollen für die Wirklichkeit, dazu kann uns Geisteswissenschaft wirklich helfen.

[ 34 ] Spiritual science can serve as a good guide for us if we truly approach it in the manner it deserves. But we must first learn to do so in the proper sense. What is gained from the spiritual world as truth is like a message; it comes to the clairvoyant person as a message. If we then do not treat these truths as messages, but instead treat them the same way we treat external, grossly sensory facts, we are approaching spiritual science incorrectly. Everything can be understood through spiritual science. But if, with everything the spiritual scientist says, we ask, “Yes, why, why?”—that is wrong, because he receives it precisely as a message from the spiritual worlds. Just as little can someone to whom I say, “Hans Müller told me this or that,” ask me, “Yes, why did he tell you that?” — “He just told me that; the ‘why’ is of very little consequence here. It is a message. And so things from the spiritual world must be regarded as messages! This must be understood. And spiritual science can truly help us understand what we want for the future and for reality.”

[ 35 ] Doch, meine lieben Freunde, davon wollen wir dann morgen weiter sprechen.

[ 35 ] But, my dear friends, let's talk more about that tomorrow.