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The Rudolf Steiner Archive

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The Spiritual Backgrounds of the Outer World
The Fall of the Spirits of Darkness
GA 177

8 October 1917, Dornach

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Sechster Vortrag

Sixth Lecture

[ 1 ] Heute müssen wir, wenn wir in der richtigen Art in diesen Betrachtungen fortfahren wollen, etwas vom Wesen des Menschen und seinem Hineingestelltsein in die geschichtliche Entwickelung ins Auge fassen. Zuerst lenken wir unseren Blick darauf, daß der Mensch eine intellektuelle Kraft in sich hat, eine intellektuelle Begabung. Worin besteht diese intellektuelle Begabung? Nun, darin, daß wir Gedanken fassen können. Wir brauchen zunächst nicht darüber nachzusinnen, woher diese Gedanken kommen, wenn wir dies oder jenes uns vorstellungsgemäß zurechtlegen. Dieses Gedankenleben begleitet uns ja während des ganzen wachen Bewußtseins; und wir haben zum Beispiel auch das Gefühl, wenn wir gehen, stehen oder irgend etwas anderes ausführen, daß unsere Gedanken es sind, die uns leiten, daß wir dem folgen, was zuerst in unseren Gedanken vorliegt. Nun, ob das wirklich so ist, darüber wollen wir im Verlauf dieser Vorträge dann noch sprechen. Ich will jetzt nur konstatieren, was wir so im gewöhnlichen, alltäglichen Bewußtsein haben: Das sind unsere Gedanken. Aber mit der Gedankenwelt als solcher ist es doch noch etwas ganz anderes. Und man versteht auch des Menschen Verhältnis zu seinen Gedanken nicht, wenn man nicht ins Auge faßt, was es mit der Gedankenwelt als solcher eigentlich auf sich hat.

[ 1 ] Today, if we are to proceed properly with these reflections, we must consider the nature of the human being and his place within historical development. First, let us turn our attention to the fact that human beings possess an intellectual power, an intellectual gift. What does this intellectual gift consist of? Well, it consists in our ability to form thoughts. For the time being, we need not ponder where these thoughts come from when we arrange this or that in our imagination. This life of thought accompanies us throughout our entire waking consciousness; and we also have the feeling, for example, when we walk, stand, or perform any other action, that it is our thoughts that guide us, that we follow what first presents itself in our thoughts. Well, whether that is really the case is something we will discuss later in the course of these lectures. For now, I simply want to state what we have in our ordinary, everyday consciousness: these are our thoughts. But the world of thought as such is something entirely different. And one cannot understand a person’s relationship to their thoughts unless one takes into account what the world of thought as such is actually all about.

[ 2 ] Wir sind nämlich in Wirklichkeit überall, wo wir stehen, gehen und liegen, nicht nur in der Welt von Luft und Licht und so weiter, sondern wir sind immer in einer flutenden Gedankenwelt. Sie können sich das am besten vorstellen, indem Sie sich die Sache so zurechtlegen: Wenn Sie durch den Raum gehen als gewöhnlicher, physischer Mensch, gehen Sie atmend hindurch, Sie gehen durch den lufterfüllten Raum. So aber bewegen Sie sich gewissermaßen auch durch den gedankenerfüllten Raum. Die Gedankensubstanz, die erfüllt den Raum um Sie herum. Und diese Gedankensubstanz ist nicht ein unbestimmtes Gedankenmeer. Das ist nicht so etwas wie ein nebuloser Äther, wie man es sich zuweilen gern vorstellen möchte, sondern diese Gedankensubstanz ist eigentlich das, was wir die elementarische Welt nennen. Wenn wir von Wesen der elementarischen Welt sprechen im weitesten Sinne des Wortes, dann bestehen diese Wesen der elementarischen Welt aus dieser Gedankensubstanz, richtig aus dieser Gedankensubstanz. Es ist nur ein gewisser Unterschied zwischen den Gedanken, die da draußen herumschwirren, die eigentlich lebendige Wesen sind, und den Gedanken, die wir in uns haben. Ich habe hier schon öfter darauf hingewiesen, was da für ein Unterschied ist. In meinem demnächst erscheinenden Buch, das ich gestern schon erwähnt habe, werden Sie wiederum Hinweise finden auf diesen Unterschied.

[ 2 ] In reality, wherever we stand, walk, or lie down, we are not only in the world of air and light and so on, but we are always in a surging world of thought. The best way to imagine this is to think of it this way: When you walk through a room as an ordinary, physical human being, you walk through it while breathing; you walk through a space filled with air. But in a sense, you are also moving through a space filled with thought. The substance of thought fills the space around you. And this substance of thought is not some vague sea of thoughts. It is not something like a nebulous ether, as people sometimes like to imagine, but this substance of thought is actually what we call the elemental world. When we speak of beings of the elemental world in the broadest sense of the word, these beings of the elemental world consist of this substance of thought—precisely this substance of thought. There is simply a certain difference between the thoughts that flit about out there—which are actually living beings—and the thoughts we have within us. I have pointed out this difference here on several occasions. In my forthcoming book, which I mentioned yesterday, you will again find references to this difference.

[ 3 ] Sie können sich nämlich die Frage vorlegen: Wenn wir da draußen im Gedankenraum irgendso ein Wesen, ein elementarisches Wesen haben und in mir ich doch auch Gedanken habe — wie verhalten sich meine Gedanken zu den Gedankenwesen, die da draußen im Gedankenraum sind? Sie bekommen eine richtige Vorstellung von diesem Verhältnis der eigenen Gedanken zu den Gedankenwesen draußen im Raum, wenn Sie sich das Verhältnis vorstellen eines menschlichen Leichnams, der, nachdem der Mensch gestorben ist, zurückgeblieben ist, zu dem lebendigen Menschen, der herumwandelt. Dabei müssen Sie allerdings solche Gedanken ins Auge fassen, die Sie an der äußeren Sinneswelt im wachen Bewußtsein gewinnen. Unsere Gedanken sind nämlich Gedankenleichen. Das ist das Wesentliche. Die Gedanken, die wir von der äußeren Sinneswelt so durch das wache Bewußtsein mit uns schleppen, das sind eigentlich Gedankenleichen, sind abgelähmte, abgetötete Gedanken; draußen sind sie lebendig. Das ist der Unterschied.

[ 3 ] You can ask yourself this question: If we have some kind of being—an elemental being—out there in the realm of thought, and I, too, have thoughts within me—how do my thoughts relate to the thought-beings that are out there in the realm of thought? You will gain a true understanding of this relationship between your own thoughts and the thought-beings out there in space if you imagine the relationship between a human corpse—which remains behind after a person has died—and the living human being who walks about. In doing so, however, you must consider the thoughts you gain from the external sensory world in waking consciousness. For our thoughts are, in fact, thought-corpses. That is the essential point. The thoughts that we carry with us from the external sensory world through our waking consciousness are actually thought-corpses—they are paralyzed, dead thoughts; out there, they are alive. That is the difference.

[ 4 ] Nun sind wir also eigentlich dadurch in die Gedankenelementarwelt eingespannt, daß wir, indem wir aus der Umwelt unsere Wahrnehmungen aufnehmen und diese Wahrnehmungen zu Gedanken verarbeiten, die lebendigen Gedanken töten. Und indem wir sie dann in uns haben, diese Gedankenleichen, denken wir. Daher sind unsere Gedanken abstrakt. Unsere Gedanken bleiben gerade aus dem Grunde abstrakt, weil wir die lebendigen Gedanken töten. Wir gehen wirklich mit unserem Bewußtsein eigentlich so herum, daß wir Gedankenleichen in uns tragen und diese Gedankenleichen unsere Gedanken, unsere Vorstellungen nennen. So ist es in der Wirklichkeit.

[ 4 ] So we are actually bound to the world of thought-elementals by the fact that, as we take in our perceptions from the environment and process these perceptions into thoughts, we kill the living thoughts. And by holding these thought-corpses within us, we think. That is why our thoughts are abstract. Our thoughts remain abstract precisely because we kill living thoughts. We actually go about with our consciousness in such a way that we carry thought corpses within us and call these thought corpses our thoughts, our ideas. That is how it is in reality.

[ 5 ] Diese lebendigen Gedanken aber, die draußen sind, die sind nun durchaus nicht ohne Verhältnis, ohne Beziehung zu uns; sie haben eine lebendige Beziehung zu uns. Das kann ich Ihnen gleich klarmachen. Aber Sie müssen nicht erschrecken vor dem Grotesken dieser ungewohnten Vorstellung. Denken Sie sich, Sie liegen morgens im Bett; Sie können auf zweierlei Arten aufstehen. Im gewöhnlichen Leben merken Sie den Unterschied zwischen diesen beiden Arten des Aufstehens nicht, weil Sie die beiden Arten meist durcheinandermischen und weil Sie überhaupt nicht achtgeben gerade auf den Moment des Aufstehens. Aber Sie können auf zweierlei Arten aufstehen. Sie können so aufstehen, daß Sie eigentlich gar nicht darüber nachdenken, sondern aus Gewohnheit aufstehen oder indem Sie sich genau den Gedanken bilden: Ich werde jetzt aufstehen. - Ich sage, Sie mischen das durcheinander; «halb zog es ihn, halb sank er hin». Es geschieht bei manchem Menschen im gewöhnlichen Leben eben doch so, daß er, der Gewohnheit, der Notwendigkeit folgend, sich aufstehen läßt, und dann auch leise anklingend den Gedanken hat: Ich werde jetzt aufstehen. — Wie gesagt, mancher mischt das durcheinander, aber man kann es in abstracto unterscheiden. Das sind die extremen Fälle, welche man unterscheiden kann. Gedankenlos, ganz gedankenlos, ohne daß Sie selbst etwas dazu denken, können Sie aufstehen oder aber vollbewußt. Zwischen diesen zwei Arten des Aufstehens ist ein großer Unterschied. Wenn Sie ganz gedankenlos aufstehen, bloß der anerzogenen Gewohnheit nach, dann folgen Sie den Impulsen der Geister der Form, der Elohim, so wie diese im Beginne des Erdenwerdens den Menschen als Erdenmenschen gebildet haben. Also denken Sie sich, Sie würden Ihr eigenes Denken ausschalten und immer so aufstehen wie eine Maschine, dann stehen Sie nicht ohne Gedanken auf, nur ohne Ihre eigenen Gedanken. Aber daß Sie aufstehen können, in dieser ganzen Bewegungsform, darin liegen Gedanken, objektive, nicht subjektive, innere Gedanken; und diese Gedanken sind nicht Ihre Gedanken, sondern die Gedanken der Geister der Form.

[ 5 ] But these living thoughts that exist out there are by no means without a connection or relationship to us; they have a living relationship with us. I can make that clear to you right away. But you must not be alarmed by the grotesqueness of this unfamiliar idea. Imagine you’re lying in bed in the morning; there are two ways you can get up. In everyday life, you don’t notice the difference between these two ways of getting up, because you usually mix the two together and because you don’t pay any attention at all to the very moment of getting up. But there are two ways to get out of bed. You can get up without really thinking about it at all—simply out of habit—or by forming the precise thought: “I am going to get up now.”—I say you mix the two together; “half he was drawn up, half he sank down.” In everyday life, it does happen to some people that, following habit or necessity, they allow themselves to get up, and at the same time have the thought faintly surfacing: “I am going to get up now.” — As I said, some people confuse the two, but one can distinguish between them in the abstract. These are the extreme cases that can be distinguished. You can get up thoughtlessly, completely without thought—without thinking anything about it yourself—or you can do so fully consciously. There is a great difference between these two ways of getting up. If you get up completely thoughtlessly, merely out of ingrained habit, then you are following the impulses of the spirits of form, the Elohim, just as they shaped human beings as earthly beings at the beginning of the Earth’s creation. So imagine that you were to switch off your own thinking and always get up like a machine; in that case, you would not be getting up without thoughts, but merely without your own thoughts. But the very fact that you can get up, in this entire sequence of movements, involves thoughts—objective, not subjective, inner thoughts; and these thoughts are not your own, but the thoughts of the Spirits of Form.

[ 6 ] Wenn Sie ganz entsetzlich faul wären und eigentlich gar nicht aufstehen möchten, wenn es gar nicht in Ihrer Natur läge aufzustehen und Sie nur aus Überlegung aufstehen würden, wenn Sie aufstehen würden gegen Ihre Natur, aus dem bloßen subjektiven Gedanken heraus, dann würden Sie ahrimanischer Geistigkeit folgen, Sie würden nur Ihrem Kopf folgen; Sie würden in diesem Falle Ahriman folgen. Im gewöhnlichen Leben mischt man, wie gesagt, die Dinge durcheinander. Wie es da beim Aufstehen ist, so ist es eigentlich bei allem, was der Mensch tut. Denn der Mensch besteht wirklich aus diesen zwei Wesenheiten, die äußerlich, physisch sich unterscheiden nach dem Kopf und der andern Körperlichkeit. Der Kopf des Menschen ist ja ein außerordentlich bedeutungsvolles, weit älteres Instrument als die übrige Körperlichkeit. So wie der Kopf des Menschen konstruiert ist — ich habe darüber schon im vorigen Jahre gesprochen —, ist er eigentlich in seiner Grundform schon das Ergebnis der Mondenentwickelung. Er ist da schon herübergekommen von der Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung. Aber wenn der Mensch so sich auf der Erde ausgebildet hätte, wie er von der Mondenentwickelung herübergekommen ist, dann wäre er nicht so geworden, wie er jetzt ist, da würde der Mensch anders ausschauen. Wenn die Menschen einander sehen würden, so würden sie einander anders sehen, als sie sich jetzt sehen.

[ 6 ] If you were terribly lazy and didn’t really want to get up at all, if it were completely against your nature to get up and you were to get up only out of a sense of duty—if you were to get up against your nature, out of a mere subjective thought—then you would be following Ahrimanic spirituality; you would be following only your head; in that case, you would be following Ahriman. In everyday life, as I said, people confuse these things. What applies to getting out of bed applies, in fact, to everything a person does. For a human being truly consists of these two entities, which are externally and physically distinct: the head and the rest of the physical body. The human head is, after all, an extraordinarily significant instrument, far older than the rest of the physical body. Just as the human head is constructed—I spoke about this last year—it is, in its basic form, already the result of the lunar evolution. It has already come through the Saturn, Sun, and Moon evolutions. But if human beings had developed on Earth in the same way they had come over from the lunar evolution, they would not have become what they are today; they would look different. If people were to see one another, they would see one another differently than they do now.

[ 7 ] Schematisch könnte man sagen (es wird gezeichnet, Zeichnung links): Der Mensch wäre eine Art Gespenst, aus dem nur etwas deutlicher die Kopfesform herausragen würde. Dazu war eigentlich der Mensch bestimmt. Die übrige Körperlichkeit sollte gar nicht so sichtbar sein, wie sie jetzt sichtbar ist. Man muß diese Dinge einmal ins Auge fassen, weil man sonst eigentlich die Entwickelung des Menschen auf der Erde nicht versteht. Die übrige Körperlichkeit würde elementarische Wesenheit sein, bloße elementarische Wesenheit; und es würde dann wirksam sein in seinem Haupte alles dasjenige — ich nenne es «a» —, was Erbstück ist des von der Erde verwandelten Mondenseins. Also das, was ich da «a» nenne, das Erbstück des von der Erde verwandelten Mondenseins, das ist eigentlich der Mensch. Der Mensch in Wirklichkeit ist eigentlich das Haupt mit nur einem ganz geringen Ansatz.

[ 7 ] Schematically, one could say (see illustration on the left): Human beings would be a kind of ghost, from which only the shape of the head would protrude somewhat more clearly. That was actually what human beings were meant to be. The rest of the physical body was not supposed to be as visible as it is now. One must take these things into account, because otherwise one cannot truly understand the development of the human being on Earth. The rest of the physical body would be elemental essence, mere elemental essence; and everything—I call it “a”—that is the legacy of the lunar existence transformed by the Earth would then be active in the head. So what I call “a” here—the legacy of the lunar being transformed by the Earth—is actually the human being. The human being, in reality, is actually the head with only a very slight base.

[ 8 ] Das andere, was der Mensch noch hat — nennen wir es «b» und betrachten wir es zunächst jetzt nur als dieses elementare, luftartige Wesen —, ist nicht in Wirklichkeit der Mensch, sondern dieses andere, «b», ist die Erscheinung der Geister der höheren Hierarchien, von den Geistern der Form nach abwärts. «b» können wir nennen: die Gestaltung der kosmischen Hierarchien. Richtig stellen Sie sich den Menschen vor, wenn Sie sich ihn so vorstellen, daß die kosmischen Hierarchien das geschaffen haben, was ich hier als «b» zusammengefaßt habe. Und wie aus dem Schoße der kosmischen Hierarchien ragt der Mensch, dasjenige, was von ihm seit der Saturnzeit geworden ist, heraus. Wenn Sie sich also die außerkopfliche Natur des Menschen vergeistigt denken — aber Sie müssen sie sich vergeistigt denken, wenigstens verluftigt —, haben Sie eigentlich den Körper kosmischer Hierarchien.

[ 8 ] The other thing that human beings still possess—let us call it “b” and, for now, consider it merely as this elementary, air-like entity—is not, in reality, the human being; rather, this other entity, “b,” is the manifestation of the spirits of the higher hierarchies, from the spirits of form downward. We can call “b” the configuration of the cosmic hierarchies. You are imagining the human being correctly if you picture him in such a way that the cosmic hierarchies have created what I have summarized here as “b.” And just as from the bosom of the cosmic hierarchies, the human being—that which has become of him since the Saturnic Age—emerges. So if you conceive of the human being’s extra-cranial nature in a spiritualized way—but you must conceive of it in a spiritualized way, at least in an etherealized way—you actually have the body of the cosmic hierarchies.

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[ 9 ] Nun kam in diese ganze Entwickelung hinein die luziferische Verführung (es wird weiter gezeichnet, Zeichnung rechts), die bewirkte, daß diese ganze mehr elementarische Leiblichkeit verdichtet wurde zum übrigen Menschenkörper. Das hat natürlich auch seine Wirkung für das Haupt gehabt. Daraus bekommen Sie eine Vorstellung, was der Mensch eigentlich in Wirklichkeit ist. Der Mensch, wenn wir von seinem Haupte absehen, das sein Eigentum aus der früheren Entwickelung ist, der Mensch wäre eigentlich, wenn sein Körper nicht ins sinnliche Fleisch geschossen wäre, die äußere Erscheinung der Elohim. Und nur durch die luziferische Versuchung hat sich hineinverdichtet in diese äußere Erscheinung der Elohim seine Fleischlichkeit.

[ 9 ] Now, in the midst of this entire development, the Luciferic temptation intervened (as illustrated below; see drawing on the right), which caused this entire, more elemental physicality to condense into the rest of the human body. This, of course, also had an effect on the head. From this, you can gain an idea of what the human being actually is in reality. The human being—if we disregard the head, which is a remnant from earlier development—would actually be, if his body had not become entrenched in physical flesh, the outer manifestation of the Elohim. And it is only through the Luciferic temptation that his physicality has become condensed into this outer manifestation of the Elohim.

[ 10 ] Dadurch ist aber etwas sehr Merkwürdiges zustandegekommen worauf ich öfter als ein wichtiges Geheimnis hingedeutet habe —, dadurch ist zustande gekommen, daß der Mensch gerade in den Organen, die man gewöhnlich die Organe seiner niederen Natur nennt, das Ebenbild der Götter ist. Nur ist dieses Ebenbild der Götter, so wie der Mensch auf der Erde ist, verdorben. Gerade das, was das Höhere ist am Menschen, was geistig sein sollte vom Kosmos aus, gerade das ist seine niedere Natur geworden. Bitte vergessen Sie nicht, daß das ein wichtiges Geheimnis der menschlichen Natur ist. Dasjenige, was des Menschen niedere Natur jetzt ist, ist niedrig durch den luziferischen Einschlag; es ist eigentlich bestimmt, seine höhere Natur zu sein. Das ist das Widerspruchsvolle im Wesen des Menschen. Das ist etwas, das unzählige Welten- und Lebensrätsel löst, wenn man es in der richtigen Weise erfaßt.

[ 10 ] This, however, has given rise to something very strange—something I have often alluded to as an important mystery—namely, that human beings are the very image of the gods precisely in those organs that are usually called the organs of their lower nature. Only this image of the gods, as the human being exists on Earth, is corrupted. Precisely that which is the higher aspect of the human being—that which, from the cosmos, should be spiritual—has become his lower nature. Please do not forget that this is an important mystery of human nature. What is now the human being’s lower nature is low because of the Luciferic influence; it is actually destined to be his higher nature. This is the contradiction inherent in the human being. It is something that solves countless mysteries of the world and of life when grasped in the right way.

[ 11 ] Man kann also sagen: Die Entwickelung des Menschen ging so vor sich, daß der Mensch durch den luziferischen Einschlag dasjenige, was ihm fortwährend auftauchen sollte aus dem Kosmos, zu seiner niederen Natur gemacht hat. Sogar viele geschichtliche Erscheinungen werden Ihnen erklärlich sein, wenn Sie das ins Auge fassen, was die Leiter der alten Mysterien gewußt haben, die noch nicht so frivol, so zynisch und so philiströs waren wie die heutigen Menschen. Gewisse Symbole der alten Völker, die man heute nur im sexuellen Sinne auffaßt, Symbole, die von der niederen Natur genommen sind, die werden erklärlich dadurch, daß diejenigen alten Mysterienpriester, die sie eingesetzt haben, eigentlich in diesen Symbolen das Höhere der niederen Natur des Menschen zum Ausdruck bringen wollten.

[ 11 ] One can therefore say: Human evolution proceeded in such a way that, through the Luciferic intervention, human beings turned that which was meant to continually emerge from the cosmos into their lower nature. Even many historical phenomena will become clear to you if you consider what the leaders of the ancient mysteries knew—people who were not yet as frivolous, cynical, and philistine as people are today. Certain symbols of the ancient peoples—which today are understood only in a sexual sense, symbols drawn from the lower nature—become understandable when we realize that the ancient mystery priests who instituted them actually intended these symbols to express the higher aspect of humanity’s lower nature.

[ 12 ] Sie sehen, wie fein diese Dinge angefaßt werden müssen, die in den Symbolen enthalten sind, wenn man nicht ins Frivole verfallen will, in das natürlich der heutige Mensch leicht verfällt, denn der kann sich ja gar nicht denken, daß am Menschen noch etwas anderes ist als die Versinnlichung, die aber eigentlich das Luziferische der höheren Natur ist. Daher kann es ihm sehr leicht passieren, daß er auf diesem Gebiete die historischen Symbole ganz falsch deutet. Es gehört ein gewisser vornehmer Sinn dazu, die alten Symbole nicht in niederem Sinne zu deuten, trotzdem sie häufig so gedeutet werden können. Dadurch aber wird Ihnen auch klar, daß, wenn Gedanken aus der Elementarwelt, also die lebendigen, nicht die abstrakten, toten Gedanken, die im Kopfe entstehen, sondern wenn lebendige Gedanken dem Menschen kommen, dann diese lebendigen Gedanken aus dem ganzen Menschen kommen müssen. Und das geschieht nicht durch bloßes Nachdenken. Heute glaubt man: Man kann überhaupt durch bloßes Nachdenken immer zu Gedanken kommen. Heute glaubt man: Wenn der Mensch nur nachdenkt, dann kann er über alles denken, wenn ihm nur die Dinge zugänglich sind, über die er denken will. Das ist aber ein Unsinn. Die Wahrheit ist vielmehr, daß das Menschengeschlecht in einer Entwickelung ist und daß zum Beispiel die Gedanken, die Kopernikus gefaßt hat, die Galilei gefaßt hat in einer bestimmten Zeit, vorher nicht durch bloßes Nachdenken gefunden werden konnten. Warum? Weil durch Nachdenken der Mensch die Gedanken fabriziert, die im Kopfe walten. Wenn aber solch ein Gedanke weltgeschichtlich auftaucht, wenn er so auftaucht, daß er als Einschlag kommt in die ganze menschliche Entwickelung hinein, dann wird er von den Göttern gegeben durch den ganzen Menschen hindurch. Dann wallt er zuerst, indem er das Luziferische überwindet, durch den ganzen Menschen und vom ganzen Menschen aus erst in den Kopf. Ich glaube, es ist das schon zu verstehen. Daher können bestimmte Gedanken in bestimmten Zeitaltern nur erwartet werden, wenn nicht der Mensch bloß nachdenkt, wenn dem Menschen nicht bloß durch seine Augen, seine Ohren etwas vermittelt wird, sondern wenn ihm durch sein ganzes Wesen, das ein Abbild der Hierarchien ist, etwas hereininspiriert wird aus der hierarchischen Welt.

[ 12 ] You can see how delicately these matters—which are contained in the symbols—must be handled if one is to avoid falling into frivolity, a trap into which modern people naturally fall all too easily, for they cannot even conceive that there is anything in human beings other than sensuality, which is, in fact, the Luciferic aspect of the higher nature. Consequently, it can very easily happen that people misinterpret historical symbols in this area. It requires a certain refined sensibility not to interpret the ancient symbols in a base sense, even though they can often be interpreted that way. But this also makes it clear to you that when thoughts from the elemental world—that is, living thoughts, not the abstract, dead thoughts that arise in the mind—come to a person, these living thoughts must come from the whole human being. And this does not happen through mere thinking. Today people believe that one can always arrive at thoughts simply by thinking. Today people believe that if a person simply thinks, they can think about anything, provided only that the things they wish to think about are accessible to them. But that is nonsense. The truth is rather that the human race is in a process of development, and that, for example, the thoughts conceived by Copernicus and by Galileo at a certain time could not have been arrived at beforehand through mere thinking. Why? Because through thinking, human beings fabricate the thoughts that prevail in their minds. But when such a thought emerges in the course of world history—when it emerges in such a way that it makes a profound impact on the entire course of human development—then it is given by the gods through the whole human being. Then it first surges through the whole human being—overcoming the Luciferic—and only then, from the whole human being, into the mind. I believe this can already be understood. Therefore, certain thoughts can only be expected in certain historical eras if human beings do not merely think, if something is not merely conveyed to them through their eyes and ears, but if something is inspired into them from the hierarchical world through their entire being, which is a reflection of the hierarchies.

[ 13 ] Wenn Sie dies bedenken, dann werden Sie auch finden, daß viel gesagt ist mit dem, was gestern angedeutet worden ist. Wir leben in diesem Zeitalter, von der fünften nachatlantischen Zeit an, eben viel mehr innerlich als früher, als zum Beispiel im griechischen Zeitalter, wo die äußere Umwelt viel mehr Spirituelles hergab. Das innerliche Leben bezieht sich auf dieses Heraufkommen der Gedanken durch den ganzen Menschen. Der Umgang des Menschen mit den Göttern war in früheren Zeiten, im vierten nachatlantischen Zeitalter, viel äußerlicher, als er jetzt ist. Er ist jetzt viel intimer geworden. Der Mensch geht immer mit den Göttern um; nur sein Kopf weiß in der Regel nichts davon, weil der Kopf eben nur die menschlichen Gedanken faßt, eigentlich nur die Gedankenleichen. Als ganzer Mensch pflegt der Mensch immer den Umgang mit den Göttern. Aber dieser Umgang ist intimer geworden in der neueren Zeit. Daher ist sogar die Natur des Hellsehens heute von einer andern Beziehung zu den Göttern und zu den entkörperten Geistern überhaupt, als das früher der Fall war. Wenn heute die Menschenseele mit Geistern oder mit Toten verkehrt, so ist der Verkehr ein sehr subtiler. Man verkehrt mit geistigen Wesenheiten etwa so, ich möchte sagen, wie der eigene Gedanke mit dem eigenen Willen in der Seele verkehrt. Das ist sehr intim. Und diese Intimität entspricht der heutigen Zeit. Sie entspricht sowohl dem Wesen des Menschen hier auf der Erde wie auch dem Wesen der Toten, die heute durch die Pforte des Todes in die geistige Welt gehen. Damit dieser intime Verkehr eintreten konnte, mußten gewisse Beziehungen des Menschen zum Kosmos eine andere Gestalt annehmen, als sie früher hatten. Jetzt gibt es Menschen, welche ein Verhältnis haben zur geistigen Welt, das sich in viel intimerer Weise heute ausdrückt, wenn es bewußt wird, als es sich früher ausgedrückt hat. Gewisse Fähigkeiten mußten verlorengehen, damit dieser intimere Verkehr mit den Göttern sich entwickle. Daher kam es, daß während der griechisch-lateinischen Epoche und sogar noch tief ins Mittelalter herein die Menschen, wie gesagt, noch aus der äußeren Umwelt unmittelbar Spirituelles wahrnahmen, nicht bloß wie wir heute materielle Farben sehen, materielle Töne hören, sondern in Farben und Tönen noch Spirituelles wahrnahmen. Und es war ihnen auch noch die Möglichkeit gegeben, das, was heute zum chaotischen Traum geworden ist, als Mittel zu benutzen, um in einer viel weniger subtilen Weise in die geistige Welt hineinzukommen, als das heute der Fall ist. Ich möchte sagen: Der Verkehr mit der geistigen Welt war in früheren Zeiten ein gröberer als heute; heute ist er ein feinerer geworden. Früher war verhältnismäßig leicht heranzukommen an die Geister und an die Toten. Heute haben die gewöhnlichen Träume nicht mehr denselben Wert; aber sie hatten ihn noch bis tief ins Mittelalter hinein. Manche Menschen bewahrten sich die Fähigkeit noch lange fort. Auch alles Geschehen ringsumher in der Ihnen geschilderten gedanklichen Elementarwelt nahmen daher die früheren Menschen traumhaft wahr. Der Mensch war nicht so abgeschlossen von der umliegenden geistigen Welt, sondern er ragte noch mit seinem Wesen hinein. Und er war sich dessen bewußt und handelte danach, verhielt sich danach.

[ 13 ] If you consider this, you will also find that much is implied in what was suggested yesterday. We live in this age—beginning with the fifth post-Atlantean epoch—in a far more inner way than in the past, than, for example, in the Greek era, when the external environment provided much more of a spiritual dimension. Inner life refers to this emergence of thoughts through the whole human being. In earlier times, during the fourth post-Atlantean epoch, humanity’s relationship with the gods was much more external than it is now. It has now become much more intimate. Human beings are always in contact with the gods; it is just that their heads are generally unaware of this, because the head grasps only human thoughts—in fact, only the “corpses” of thoughts. As a whole human being, a person is always in communion with the gods. But this communion has become more intimate in more recent times. Therefore, even the nature of clairvoyance today involves a different relationship to the gods and to disembodied spirits in general than was the case in the past. When the human soul communicates with spirits or with the dead today, that communication is very subtle. One interacts with spiritual beings in much the same way, I might say, as one’s own thought interacts with one’s own will within the soul. This is very intimate. And this intimacy corresponds to the present age. It corresponds both to the nature of human beings here on Earth and to the nature of the dead who today pass through the gate of death into the spiritual world. In order for this intimate communion to come about, certain aspects of humanity’s relationship with the cosmos had to take on a different form than they had in the past. Today there are people who have a relationship with the spiritual world that, when it becomes conscious, expresses itself in a far more intimate way than it did in the past. Certain abilities had to be lost so that this more intimate communion with the gods could develop. This is why, during the Greco-Roman era and even well into the Middle Ages, people—as I said—still perceived the spiritual directly from their external environment, not merely seeing material colors or hearing material sounds as we do today, but perceiving the spiritual within those very colors and sounds. And they were also still given the opportunity to use what has today become a chaotic dream as a means of entering the spiritual world in a far less subtle way than is the case today. I would like to say: Communication with the spiritual world was coarser in earlier times than it is today; today it has become more subtle. In the past, it was relatively easy to make contact with spirits and the dead. Today, ordinary dreams no longer have the same value; but they did have it well into the Middle Ages. Some people retained this ability for a long time. Consequently, people in earlier times also perceived everything happening around them in the elemental world of thought described to you as if in a dream. Human beings were not so cut off from the surrounding spiritual world; rather, their very being still extended into it. And they were aware of this and acted and behaved accordingly.

[ 14 ] Jetzt glaubt man natürlich an diese Dinge nur in dem Sinne, daß man sie als einen alten Aberglauben betrachtet. Aber wenn innerhalb dieses «alten Aberglaubens» etwas Bedeutsames auftritt, dann kommt die heutige Wissenschaft mit der Sache nicht mehr zurecht. Ich will nur ein Beispiel dafür anführen: Die bekannte historische Persönlichkeit Kimon hatte einen Freund Astyphilos; Astyphilos war einer, der sich auf die Deutung, auf die richtige intellektuelle Deutung von Träumen verstand, und er verkündigte dem Kimon, der vor dem ägyptischen Feldzuge von einem bösen, kläffenden Hunde geträumt hatte, seinen Tod, indem er sagte: Du hast von einem bösen, kläffenden Hund geträumt, du wirst bei diesem Feldzug den Tod erleiden. — Das erzählt Horaz.

[ 14 ] Of course, people today believe in these things only in the sense that they regard them as old superstitions. But when something significant emerges within this “old superstition,” modern science is no longer able to make sense of it. I’ll give just one example: The well-known historical figure Kimon had a friend named Astyphilos; Astyphilos was an expert in the interpretation—the correct intellectual interpretation—of dreams, and he foretold Kimon’s death—who, before the Egyptian campaign, had dreamed of a vicious, yapping dog—by saying: “You dreamed of a vicious, yapping dog; you will meet your death on this campaign.” — This is recounted by Horace.

[ 15 ] Ein weiser Mensch der Gegenwart, der über Träume geschrieben hat, aber im materialistischen Sinn, der glaubt natürlich: Das war ein gewöhnlicher Traum des Kimon, und Astyphilos war ein Gaukler, der Träume gedeutet hat. — Aber dieser moderne Gelehrte macht allerdings den merkwürdigen Zusatz: Und der Zufall hat es gewollt, daß seine Prophezeiung eintrat. — Ich könnte Ihnen Bücher vorweisen, aus denen unwiderlegbar hervorgeht, daß die Prophezerungen eingetroffen sind. Dann sagt man: Der Zufall hat es gewollt. — Das ist nur ein Beispiel für viele. Die Menschen denken heute eben, daß die Seelen immer so waren, wie sie heute sind, und daß eigentlich eine wirkliche Entwickelung der Seelen gar nicht vorhanden sei.

[ 15 ] A wise man of our time who has written about dreams—but from a materialistic perspective—naturally believes: That was just an ordinary dream of Kimon’s, and Astyphilos was a charlatan who interpreted dreams. — But this modern scholar does, however, make the curious addition: “And as chance would have it, his prophecy came true.” — I could show you books from which it irrefutably follows that the prophecies have come true. Then people say: “As chance would have it.” — That is just one example among many. People today simply think that souls have always been as they are today, and that there is actually no real development of the soul at all.

[ 16 ] Wie also die äußere Sinnesanschauung noch spiritueller war, so war gewissermaßen auch der Zusammenhang mit der umliegenden Gedankenelementarwelt noch imaginativer. Die Träume hatten noch den Wert von Imaginationen, die in die Zukunft verweisen. So wie das Gedächtnis auf die Vergangenheit verweist, so verwiesen die Imaginationen auf die Zukunft, natürlich nicht in derselben Weise. Wir müssen uns also die Konstitution der Seelen in früheren Zeiten ganz anders denken: Gewissermaßen durchsetzt war das gewöhnliche sinnliche Anschauen des Tagwachens von verschwimmenden Traumgebilden, die aber auf Realitäten im Gang der elementaren Welt hinwiesen. Man möchte sagen: Die materielle Welt der Sinneswahrnehmungen war noch nicht so fest mineralisch verdichtet. Da sprühte noch überall aus Farben und Tönen Spirituelles heraus. Dafür war aber auch noch die menschliche Fähigkeit vorhanden, gewissermaßen wachend zu träumen, und dieses wachende Träumen war Realität in der elementaren, objektiven Gedankenwelt. Zur Begründung und zur Erkräftigung der Freiheit des Menschen wurde cben der Mensch aus diesem Zusammenhang mit der äußeren Welt herausgesetzt, und es wurde sein inneres Leben intimer, so wie ich es Ihnen charakterisiert habe.

[ 16 ] Just as external sensory perception was even more spiritual, so too was the connection with the surrounding world of thought-elementals, in a sense, even more imaginative. Dreams still had the value of imaginations that pointed toward the future. Just as memory points to the past, so these imaginations pointed to the future—though not, of course, in the same way. We must therefore conceive of the constitution of souls in earlier times quite differently: the ordinary sensory perception of waking life was, so to speak, interwoven with blurred dream images that nevertheless pointed to realities in the workings of the elemental world. One might say: The material world of sensory perceptions was not yet so firmly condensed into a mineral state. Spiritual elements still radiated everywhere from colors and sounds. But in return, the human capacity to dream while awake, so to speak, was still present, and this waking dreaming was reality in the elemental, objective world of thought. To establish and affirm human freedom, human beings were removed from this connection with the external world, and their inner life became more intimate, just as I have described it to you.

[ 17 ] Nun aber müssen wir eines ins Auge fassen, das sehr wichtig ist. Man kann über die Naturerscheinungen mit Hilfe der gewöhnlichen Intellektualität nachdenken, aber man kann nicht über soziale Erscheinungen mit Hilfe der gewöhnlichen Intellektualität nachdenken; das kann man nicht. Heute glaubt der Mensch: Das Denken, das ihn befähigt, über den äußeren Verlauf der Sinnenwelt nachzudenken, das kann er auch anwenden, um soziale Gesetze, um politische Impulse zu finden. Er tut es auch vorläufig, aber sie sind auch danach. So etwas, wie Sie es noch in der römischen Geschichte lesen und Sie könnten solche Dinge später auch noch verfolgen, wenn die Geschichte nicht gar zu sehr zu einer Legende gemacht worden wäre —, daß Numa Pompilius sich von der Nymphe Egeria zu seiner Staatseinrichtung inspirieren ließ, weist Sie darauf hin, daß man dazumal, wenn man Staatseinrichtungen machen wollte, an die Götter appellierte. Bloß durch Nachdenken politische Strukturen auszubilden, das hielt man nicht für möglich. Heute meint man, daß der einzelne allerdings nicht fähig ist, politische Strukturen auszudenken, aber wenn man den einzelnen soundso viel mal multiplizieren würde, dann würde er schon fähig. Wenn also die erleuchteten Parlamente zusammenkommen in den modernen Demokratien, dann wären dreihundert Köpfe durch Nachdenken zu dem fähig, zu dem natürlich einer nicht fähig ist. Es widerspricht das zwar einem Satz von Rosegger, den ich schon öfter angeführt habe: «Oaner is a Mensch, mehre san Leut, un viele san Viecher!», aber praktisch wird man so etwas doch nicht anwenden, nicht wahr! Und denken Sie sich einmal, was die moderne, aufgeklärte Welt ungefähr dazu sagen würde, wenn — nicht in der alten, aber in einer neuen Form — etwa die Mitteilung eines Tages durch die Welt ginge, daß Woodrow Wilson sich von einer Nymphe zu irgendeinem Ukas hätte inspirieren lassen.

[ 17 ] But now we must consider something that is very important. One can reflect on natural phenomena using ordinary intellectual faculties, but one cannot reflect on social phenomena using ordinary intellectual faculties; that is simply not possible. Today, people believe that the kind of thinking that enables them to reflect on the external workings of the sensory world can also be applied to discover social laws and political impulses. They do this for the time being, but these are merely superficial. Something like what you still read about in Roman history—and you could trace such things later as well, if history hadn’t been turned too much into legend—namely, that Numa Pompilius drew inspiration for his state institutions from the nymph Egeria, points out to you that in those days, when people wanted to establish state institutions, they appealed to the gods. It was not considered possible to develop political structures through reflection alone. Today, it is believed that the individual is indeed incapable of devising political structures, but if one were to multiply the individual by a certain number, then he would indeed be capable. So when the enlightened parliaments convene in modern democracies, three hundred minds, through reflection, would be capable of what one person, of course, is not capable of. This does contradict a saying by Rosegger that I have often quoted: “One is a human being, several are people, and many are beasts!” but in practice, one wouldn’t actually apply something like that, would one! And just imagine what the modern, enlightened world would say if—not in the old form, but in a new one—the news were to spread one day that Woodrow Wilson had been inspired by a nymph to issue some decree.

[ 18 ] Also diese Dinge sind zunächst anders, wenn auch nicht gerade gescheiter geworden. Es wird das allerdings schwer zu verstehen sein, aber man muß sich bekanntmachen damit, daß wirkliche, richtige Gedanken für soziale Strukturen erst dann wiederum herauskommen, wenn die Menschen an den Geist appellieren. Es braucht das nicht in der alten Form zu sein, und es wird auch nicht in der alten Form sein, aber dieses Appellieren an den Geist muß wieder stattfinden, sonst werden die Menschen an politischen Grundsätzen, an sozialen Strukturen und Ideen bloß Nichtiges zutagefördern. Es muß das lebendige Bewußtsein entstehen, daß man in der gedankenelementaren Welt darinnen lebt und aus dieser heraus sich inspirieren lassen muß.

[ 18 ] So these things are different at first, even if they haven’t exactly become any smarter. This will be difficult to understand, of course, but one must come to terms with the fact that genuine, sound ideas for social structures will only emerge again when people appeal to the spirit. This need not take the old form—and indeed, it will not—but this appeal to the spirit must take place again; otherwise, people will bring forth nothing but trivialities regarding political principles, social structures, and ideas. A living awareness must arise that we live within the world of thought-elements and must draw inspiration from it.

[ 19 ] Heute kann man noch über diese Dinge lachen. Aber die Menschheit wird sich in Schmerzen und Leiden das Bewußtsein erringen müssen von der Inspiration auf dem schöpferischen Gebiete der sozialen Ordnung. Und damit deuten wir in einer noch intimeren Weise auf etwas hin, was von heute ab immer mehr und mehr der Menschheit notwendig sein wird.

[ 19 ] Today, we can still laugh about these things. But humanity will have to gain, through pain and suffering, an awareness of inspiration in the creative realm of social order. And in doing so, we are pointing, in an even more intimate way, to something that will become increasingly necessary for humanity from this day forward.

[ 20 ] Wenn der Mensch einsehen wird, daß er sich jetzt vorzubereiten hat, wiederum einen Anschluß zu suchen an die geistige Welt, um in das Reich von dieser Welt ein Reich hineinzubringen, das nicht von dieser Welt ist, das aber das Reich von dieser Welt überall durchdringt, dann erst wird Heil in die chaotische soziale Menschheitsstruktur hineinkommen.

[ 20 ] Only when human beings come to realize that they must prepare themselves now to seek a connection once again with the spiritual world—in order to bring into the realm of this world a realm that is not of this world, yet which permeates the realm of this world everywhere—will salvation come to the chaotic social structure of humanity.

[ 21 ] Dazu wird allerdings notwendig sein, daß der Mensch die Unbequemlichkeit überwindet, sich mit dem intimen Verhältnis des Menschen zur umliegenden Welt zu befassen. Für die bedeutungsvolleren Zweige des Menschenwirkens wird eintreten müssen eine Vertiefung in die Art, wie das menschliche Verhältnis zur Umwelt war im vierten nachatlantischen Zeitraum, um sich daran zu orientieren, um wirklich zu erkennen, daß der Mensch einmal anders zu der Umwelt stand, als er jetzt steht. Man kann das noch studieren. Es muß nur diese Legende — im schlechten Sinne Legende — einmal überwunden werden, die man heute Geschichtswissenschaft nennt. Man muß in die historische Wirklichkeit, wenigstens bis zum Mysterium von Golgatha zurückgehen. Das kann dann geschehen, wenn die äußere geschichtliche Forschung befruchtet wird von der geisteswissenschaftlichen Forschung. Da müssen sich aber die Menschen eben bequemen, sich in die geisteswissenschaftliche Forschung etwas einzuleben. Nur sind die Begriffe heute so, daß es dem Menschen manchmal ganz grotesk erscheint, wenn er anfängt, in die geistige Welt hineinzukommen, weil er eigentlich die instinktive Vorstellung hat, in der geistigen Welt müsse es geradeso aussehen wie in der sinnlichen Welt. Er will ja gar nichts anderes, als da nur eine verfeinerte sinnliche Welt finden. Daß ihm da etwas ganz anderes entgegentritt, was ihn selbst bei den kleinsten Einzelheiten überrascht, das kann der Mensch heute nicht begreifen. Ich sage Ihnen eine ganz wahre Sache, meine lieben Freunde. Aber denken Sie einmal, wie wenig glaubhaft dies der heute nur an den physischen Plan gewöhnte Philosoph finden wird.

[ 21 ] To achieve this, however, it will be necessary for people to overcome their reluctance to engage with the intimate relationship between humans and the surrounding world. For the more significant branches of human endeavor, it will be necessary to delve deeper into the nature of the human relationship to the environment during the fourth post-Atlantean epoch, in order to orient oneself to it and to truly recognize that humanity once had a different relationship to the environment than it does now. This can still be studied. We simply need to overcome this “legend”—in the pejorative sense of the word—which is called historical science today. We must go back to historical reality, at least as far as the Mystery of Golgotha. This can happen when external historical research is enriched by research in the spiritual sciences. But people will have to make the effort to familiarize themselves with research in the spiritual sciences. The problem is that concepts today are such that it sometimes seems quite grotesque to a person when they begin to enter the spiritual world, because they actually have the instinctive notion that the spiritual world must look exactly like the sensory world. They want nothing more than to find a refined sensory world there. That they encounter something entirely different there—something that surprises them even in the smallest details—is something people today cannot comprehend. I am telling you something that is absolutely true, my dear friends. But just think how implausible this will seem to the philosopher of today, who is accustomed only to the physical plane.

[ 22 ] Nehmen wir an, ein heutiger Philosoph, so ein normaler Universitätsprofessor, würde — es wäre ja ein kleines Wunder, aber nehmen wir an, daß das Wunder geschehen würde — fünf Minuten durch irgendeine Inspiration dazu kommen, an die geistige Welt die Frage zu stellen, ob er ein wirklicher Philosoph durch inneren Beruf sei. Was glauben Sie, wie diese Antwort ungefähr aussehen würde? Er würde eine Imagination haben, und diese Imagination würde die richtige Antwort sein, nur muß man Imaginationen im richtigen Sinne deuten. Wirklich, ich erzähle Ihnen nichts, was nicht in unzähligen Fällen da war. Solch ein Philosoph würde nämlich die Antwort dadurch bekommen, daß ihm Eselsohren aufgesetzt würden. Und aus dieser Imagination würde er sich zu deuten haben: Also bin ich ein richtiger Philosoph. — Das ist kein Scherz, sondern das beruht darauf, daß gewisse Vorstellungen, die auf diesem physischen Plane so und so beschaffen sind, auf dem geistigen Plane die gerade entgegengesetzten sind. Eselsohren zu haben, ist auf dem physischen Plan keine Auszeichnung; in der geistigen Welt ist Eselsohren zu haben als Imagination viel mehr wert als der höchste Orden auf dem physischen Plan für irgendeinen Philosophieprofessor.

[ 22 ] Let’s suppose that a philosopher today—a typical university professor—were—it would be something of a miracle, but let’s suppose that miracle were to happen—to be inspired for five minutes to ask the spiritual world whether he is a true philosopher by inner calling. What do you think the answer would be, roughly speaking? He would have a vision, and that vision would be the correct answer—but one must interpret visions in the proper sense. Really, I’m not telling you anything that hasn’t happened in countless cases. Such a philosopher would, in fact, receive the answer by having dog-ears placed on his ears. And from this vision, he would have to conclude: “So I am a true philosopher.”—This is no joke, but rather it is based on the fact that certain concepts, which are of a certain nature on this physical plane, are exactly the opposite on the spiritual plane. Having dog-ears is no distinction on the physical plane; in the spiritual world, having dog-ears as an imagination is worth far more than the highest order on the physical plane for any professor of philosophy.

[ 23 ] Aber nun denken Sie sich jemand, der nur an den physischen Plan gewöhnt ist und der plötzlich — wie gesagt, durch ein Wunder — hellsichtig würde und sich mit Eselsohren sähe: er würde glauben, daß er verhöhnt würde, er würde glauben, daß er getäuscht würde. Schon deshalb würde er das für eine bloße Illusion erklären. Selbst in Einzelheiten sieht es eben ganz anders aus in der geistigen Welt als hier in der physischen Welt, und man hat schon nötig, das, was man in der geistigen Welt erlebt, sich zu übersetzen, wenn man das Entsprechende in der physischen Welt richtig deuten will. Ich wollte mit den Eselsohren nicht bloß einen Witz machen. Lesen Sie in alten Schriften nach, so werden Sie finden: Dort sind diese Träume, die die Philosophen gehabt haben, um sich von ihrem inneren philosophischen Beruf zu überzeugen, angeführt. Das ist eine typische Darstellung, ein typischer Traum, den ich Ihnen angeführt habe. Die Philosophen haben sich dadurch, daß sie sich selber mit Eselsohren gesehen haben, davon überzeugt, daß sie wirklich den philosophischen Beruf haben.

[ 23 ] But now imagine someone who is accustomed only to the physical plane and who suddenly—as I said, through a miracle—became clairvoyant and saw himself with donkey ears: he would believe he was being mocked; he would believe he was being deceived. For that reason alone, he would dismiss it as a mere illusion. Even in the details, things look quite different in the spiritual world than they do here in the physical world, and one really needs to interpret what one experiences in the spiritual world in order to correctly interpret the corresponding phenomena in the physical world. I didn’t just want to make a joke with the donkey ears. If you look in ancient writings, you will find that the dreams the philosophers had to convince themselves of their inner philosophical calling are cited there. What I have described to you is a typical depiction, a typical dream. By seeing themselves with donkey ears, the philosophers convinced themselves that they truly had a philosophical calling.

[ 24 ] Einiges Überraschende, Frappierende werden die Menschen daher schon erleben müssen, wenn sie wiederum mit den Eigentümlichkeiten der geistigen Welt bekannt werden wollen. Wenn Sie «Die Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreutz anno 1459» lesen, so werden Sie auch manchmal das Gefühl haben: Über die grotesken Dinge darin müßten Sie lachen. — Dennoch sind sie sehr tief bedeutsam, weil der Weg, der dort angedeutet wird, eben nicht bloß mit sentimentalem Gesicht aufgefaßt werden muß, sondern mit einem gewissen überlegenen Humor.

[ 24 ] People will therefore have to experience some surprising and startling things if they wish to become acquainted once again with the peculiarities of the spiritual world. When you read The Chemical Wedding of Christian Rosenkreutz in the Year 1459, you will sometimes feel that you ought to laugh at the grotesque things in it. — Nevertheless, they are deeply significant, because the path hinted at there must not be viewed merely with sentimentality, but with a certain superior sense of humor.

[ 25 ] Ich sagte, man könne auch in späteren Zeiten Analoges finden für das, was in der römischen Geschichte von der Belehrung des Numa Pompilius durch die Nymphe Egeria erzählt wurde. Die Dinge werden heute den Menschen nicht mehr mitgeteilt; aber deshalb kennt man ja auch Geschichte wirklich nur als eine Fable convenue. Bedenken Sie, daß am Ende des 16., am Beginn des 17. Jahrhunderts Jakob Böhme noch mit seinen tiefen Intuitionen auftaucht, die wirklich in großen, gewaltigen Überschauungen Intuitionen einer älteren Zeit hereinragen lassen. Zu den Schülern des Jakob Böhme gehörten viele Menschen der späteren Zeit; und einer der letzten bewußten Schüler Jakob Böhmes war Saint-Martin. Saint Martin, insbesondere in seinem Buche «Des erreurs et de la vérité», fußt ja ganz auf Jakob Böhme, nur ist es schon ein etwas verflüchtigter Jakob Böhme. Aber so viel hat er noch von dem, was aus früheren Zeiten herüberragt, daß er weiß: Will man Gedanken haben über soziale Strukturen, will man wirkliche, wirksame politische Gedanken haben, dann darf man sie nicht bloß ausdenken, dann müssen diese Gedanken aus der spirituellen Welt hereingeflossen sein. — Und Saint-Martin gibt ja in seinem Buche «Des erreurs et de la vérité» nicht bloß Gedanken über die äußere Natur und ihren Verlauf, über die Historie und ihren Verlauf, sondern er gibt auch politische Ideen, ganz bestimmte politische Ideen. Heute, wo die Staaten die einzige politische Struktur sind, würde man sie Staatsideen nennen. Aber innerhalb dieser Auseinandersetzungen findet sich eine ganz bestimmte, bedeutungsvolle Vorstellung, und es ist bezeichnend, daß sich solch eine Vorstellung gerade an der Spitze der Politik des Saint-Martin befindet. Da spricht er von dem «ursprünglichen menschlichen Ehebruch». Dieser Ehebruch habe einmal stattgefunden in der Zeit, in welcher ein Verkehr zwischen Mann und Weib in sexueller Beziehung auf der Erde noch nicht stattgefunden hat. Also einen gewöhnlichen Ehebruch meint er nicht; er meint etwas ganz anderes, er meint etwas, worüber er einen sehr starken, dichten Schleier webt, etwas, worauf etwa die Bibel deutet, indem sie sagt: «Und die Söhne der Götter fanden, daß die Töchter der Menschen schön waren, und verbanden sich mit ihnen.» Es ist ja dasjenige Ereignis, durch das dann die ganze Verwirrung in der atlantischen Welt stattfindet, das auch in einem geheimnisvollen Zusammenhang steht damit, daß der Mensch seine elementargeistige Natur versinnlicht hat. Man kann dieses Ereignis, das Saint-Martin «den ursprünglichen Ehebruch» nennt, eben nur andeuten; er deutet es auch nur an.

[ 25 ] I said that one could also find analogies in later times for what is recounted in Roman history regarding Numa Pompilius’s instruction by the nymph Egeria. Such things are no longer revealed to people today; but that is precisely why history is really known only as a fable convenue. Consider that at the end of the 16th and the beginning of the 17th centuries, Jakob Böhme still appeared with his profound intuitions, which truly allow the intuitions of an earlier time to shine through in grand, powerful insights. Among Jakob Böhme’s students were many people from later times; and one of Jakob Böhme’s last conscious students was Saint-Martin. Saint-Martin, especially in his book Des erreurs et de la vérité, is entirely based on Jakob Böhme, though it is already a somewhat diluted version of Jakob Böhme. But he still retains enough of what has come down from earlier times to know this: If one wishes to have thoughts about social structures, if one wishes to have genuine, effective political ideas, then one must not merely devise them; rather, these ideas must have flowed in from the spiritual world. — And in his book Des erreurs et de la vérité, Saint-Martin does not merely offer thoughts on external nature and its course, on history and its course, but he also presents political ideas—very specific political ideas. Today, when states are the sole political structure, one would call them ideas about the state. But within these discussions there is a very specific, significant concept, and it is telling that such a concept is found precisely at the forefront of Saint-Martin’s political thought. There he speaks of the “original human adultery.” This adultery is said to have taken place at a time when sexual intercourse between a man and a woman had not yet occurred on Earth. So he does not mean ordinary adultery; he means something entirely different—something over which he weaves a very thick, dense veil, something to which the Bible alludes when it says: “And the sons of the gods saw that the daughters of men were beautiful, and they took them as wives.” It is, after all, the very event that gave rise to all the confusion in the Atlantean world, an event that is also mysteriously connected to the fact that human beings have materialized their elemental-spiritual nature. One can only allude to this event, which Saint-Martin calls “the original adultery”; he, too, merely alludes to it.

[ 26 ] Aber das sieht man bei Saint-Martin, daß er die Notwendigkeit ins Auge faßt: Will man über Politik nachdenken, so darf man nicht bloß die äußeren Menschenzusammenhänge ins Auge fassen, wie man es heute tut, sondern da muß man in die Lage kommen, zurückzugehen bis in jene Zeiten, wo man über den Menschen nur etwas wissen kann, wenn man über die Sinnenwelt hinaus in die spirituelle Welt geht. Man muß eben von der spirituellen Welt aus die Grundlagen politischen Nachdenkens hinstellen. Das hat noch Saint-Martin am Ende des 18. Jahrhunderts gewußt — denn er ist ja erst 1804 gestorben —, und was er in «Des erreurs et de la vérité» sagt, ist auch schon ins Deutsche übersetzt worden. Das Buch gibt es auch im Deutschen. Es ist ja nicht uninteressant, das zu sagen, weil ein gewisser Pfarrer gegen uns, die wir wiederum das spirituelle Leben hier pflegen wollen, ganz in der Nähe hier gesagt hat, gegen diese Tollheiten müsse man sich erinnern an den einfachen, biederen Matthias Claudius. Und dann hat er eine Strophe von Matthias Claudius zitiert, um uns zu widerlegen. Nun ist es aber just Matthias Claudius, der das Buch von Saint-Martin «Des erreurs et de la vérité» übersetzt hat, um dasjenige, was der spirituellen Wissenschaft in der damaligen Zeit entsprach, auch seinem Volke zugänglich zu machen. Der betreffende Herr bezeugte also damit nur seine kolossale Ignoranz über Matthias Claudius, abgesehen davon, daß er nur eine Strophe des Gedichts zitiert hat, denn wenn er die vorhergehende Strophe zitiert hätte, dann hätte er sich gleich selber widerlegt, aber es genügte ihm die eine Strophe, von der er glaubte, daß sie paßte, um sie gegen die Anthroposophie zu zitieren.

[ 26 ] But one can see in Saint-Martin that he recognizes this necessity: If one wishes to reflect on politics, one must not merely consider the external relationships among human beings, as is done today, but one must be able to go back to those times when one could know anything about human beings only by going beyond the sensory world into the spiritual world. One must, in fact, lay the foundations of political thought from the spiritual world. Saint-Martin already knew this at the end of the 18th century—for he did not die until 1804—and what he says in Des erreurs et de la vérité has already been translated into German. The book is also available in German. It is, after all, not uninteresting to mention this, because a certain pastor—speaking here quite nearby against us, who in turn wish to cultivate the spiritual life here—said that in the face of such follies, one must remember the simple, down-to-earth Matthias Claudius. And then he quoted a stanza by Matthias Claudius to refute us. But it is precisely Matthias Claudius who translated Saint-Martin’s book Des erreurs et de la vérité in order to make accessible to his people what corresponded to spiritual science at that time. The gentleman in question thus merely demonstrated his colossal ignorance regarding Matthias Claudius—not to mention that he quoted only a single stanza of the poem; for if he had quoted the preceding stanza, he would have immediately contradicted himself. But that one stanza, which he believed was appropriate, was enough for him to cite it against anthroposophy.

[ 27 ] Also Saint-Martin weiß noch im 18. Jahrhundert, daß eine Brücke da sein muß zwischen den Gedanken der Menschen und dem spirituellen Wissen, den spirituellen Einwirkungen von höheren Welten, wenn man fruchtbare politische Gedanken haben will. So gottverlassen wie das 19. Jahrhundert, wie der Beginn des 20. Jahrhunderts, war eigentlich kein früheres Jahrhundert. Es ist wichtig, daß man das ins Auge faßt. Aber auch so eitel auf seine Gottverlassenheit war kein früheres Jahrhundert. Allerdings wenn die Menschen heute die Staatskunst, die Saint-Martin vertritt, lesen würden — ich glaube, allen, die jetzt als die Gescheiten zusammensitzen und die Geschicke der Welt lenken wollen, würde sich der Magen umdrehen. Denn es besteht einmal heute die Tendenz, sich möglichst wenig bekanntzumachen mit dem, was rings um uns herum wirklich ist. Nun kann man allerdings aus dem Bewußtsein die spirituell-lebendigen Gedanken streichen, man kann beschließen, nur mit Gedankenleichen zu operieren, aber das Tun der Menschen richtet sich nicht danach. Das, was die Menschen tun, das wird eingesponnen in die lebendigen Gedanken. Und wenn dann die Menschen mit ihren Gedankenleichen den lebendigen Gedanken gar nicht nachleben wollen, dann kommt eben das Chaos heraus. Dieses Chaos muß überwunden werden. Dazu sind jene klaren Einsichten notwendig, von denen ich jetzt auch in diesen Vorträgen wiederholt gesprochen habe. Dazu ist aber in mancher Beziehung eine völlige Umkehr nötig von dem, was gerade heute als das Richtige, als das Idealste angesehen wird.

[ 27 ] Even in the 18th century, Saint-Martin recognized that a bridge must exist between human thought and spiritual knowledge—the spiritual influences of higher worlds—if one is to have fruitful political ideas. No earlier century was as godforsaken as the 19th century or the beginning of the 20th century. It is important to bear this in mind. Yet no earlier century was as vain about its godforsakenness. However, if people today were to read the political philosophy advocated by Saint-Martin—I believe it would turn the stomachs of all those who now sit together as the “wise ones” and seek to steer the fate of the world. For there is a tendency today to familiarize oneself as little as possible with what truly exists all around us. Now, one can certainly banish spiritually alive thoughts from one’s consciousness; one can decide to operate solely with dead ideas, but human action is not governed by that. What people do becomes woven into living thoughts. And when people, with their dead thoughts, refuse to live out the living thoughts at all, chaos is the result. This chaos must be overcome. To do so requires those clear insights I have repeatedly spoken of in these lectures. But in some respects, this also requires a complete reversal of what is currently regarded as right and ideal.

[ 28 ] Vor allen Dingen wird eine solche Umkehr recht bald notwendig sein, ja am besten wäre es, wenn diese Umkehr in der unmittelbaren Gegenwart im weitesten Umkreise da eintreten würde, wo es sich darum handelt, die Erzieher der Menschen — für die jüngsten und auch für die älteren Menschen — zu bestimmen. Denn auf keinem Gebiete ist die Menschheit so materialistisch geworden wie gerade auf dem Gebiete des Erziehungswesens.

[ 28 ] Above all, such a change of course will be necessary very soon; indeed, it would be best if this change were to take place in the immediate present, on the broadest possible scale, in the very areas where the task of appointing educators—for both the youngest and the older members of society—is at stake. For in no other field has humanity become as materialistic as in the field of education.

[ 29 ] Lassen Sie mich zum Schluß den Gedanken hinstellen, der uns in der nächsten Zeit beschäftigen wird, denn er ist für alle Menschen sehr interessant und sehr wichtig. Lassen Sie mich aber ihn so hinstellen, daß Sie ihn zunächst einmal ein paar Tage, ich möchte sagen, in Ihrer eigenen Seele umwenden können, damit Sie dann besser vorbereitet zu der Betrachtung dieses Gedankens sind.

[ 29 ] In closing, let me present the idea that will occupy us in the coming days, for it is very interesting and very important for everyone. But let me present it in such a way that you can first reflect on it for a few days—I would say, within your own soul—so that you will then be better prepared to contemplate this idea.

[ 30 ] Die Kinder, wie sie heute ins Leben treten, wir müssen sie Ja so betrachten, daß wir eigentlich wissen: Es ist ein vertrocknendes, ein sich zersplitterndes Äußeres, wie ich es in diesen Tagen auseinandergesetzt habe; aber tief im Innern ist etwas, was erst der wahre Mensch ist, was sich nicht mehr so wie bis ins 15. Jahrhundert herein im Äußeren zum Ausdruck bringt. Bekanntmachen wird man sich immer mehr und mehr müssen damit, daß gerade beim Kinde aus der Art, wie es sich darlebt, aus der Art, wie es denkt und spricht und Gesten macht, nicht voll der innere Mensch äußerlich erschlossen werden kann. Es kommt eben nicht mehr der innere Mensch im Äußeren ganz zum Ausdruck, und am ersten zeigt sich das am Kinde. Das Kind ist vielfach heute schon etwas ganz anderes, als was es äußerlich zum Ausdruck bringt. Man hat sogar schon extreme Fälle. Kinder können äußerlich aussehen wie die ungezogensten Rangen, und in ihnen kann ein so guter Kern stecken, daß sie die wertvollsten Menschen später werden, während man zahlreiche brave Kinder finden kann, die nicht ein bißchen ungezogen sind, die nicht einen Finger in den Mund stecken und auch nicht lange Nasen machen, die auch gut lernen, die vielleicht einmal gute Bankdirektoren werden, gute Schullehrer nach heutigen Begriffen, namentlich auch gute Juristen, die aber halt keine brauchbaren Menschen werden — verzeihen Sie das harte Wort —, weil sie nicht die innere Harmonie mit sich selber und der umgebenden wahren Welt finden. Gerade auf pädagogisch-erzieherischem Gebiete muß zuerst der Grundsatz Platz greifen, daß der Mensch heute innerlich etwas wesentlich anderes ist, als was äußerlich zum Ausdruck kommt. Das aber bedingt, daß man zukünftig die Pädagogen, die Erzieher nicht so bestimmt, wie man sie jetzt bestimmt, sondern nach ganz andern Grundsätzen, denn das Hineinsehen in ein Inneres, das sich nicht im Äußeren ausdrückt, erfordert ja etwas prophetische Gabe. Also wird es notwendig sein, die Examina für die Pädagogen so einzurichten, daß man diejenigen Menschen, die intuitive, prophetische Gaben haben, besonders gut durchkommen läßt und diejenigen, die nicht solche intuitive, prophetische Gaben haben, durchplumpsen läßt durchs Examen, so viel sie auch sonst wissen.

[ 30 ] The children, as they enter life today—we must view them in such a way that we truly understand: Their outward appearance is withering and fragmenting, as I have discussed in recent days; but deep within there is something that is the true human being—something that no longer expresses itself outwardly as it did up until the 15th century. We will have to become increasingly aware that, especially in the case of children, the inner human being cannot be fully discerned from the outside based on the way they behave, the way they think and speak, and the gestures they make. The inner human being is simply no longer fully expressed in the outer appearance, and this is most evident in children. In many ways, the child today is already something quite different from what is expressed outwardly. There are even extreme cases. Children may outwardly look like the most unruly rascals, yet they may have such a good core within them that they will later become the most valuable people, while one can find numerous well-behaved children who are not the least bit unruly—who do not put a finger in their mouths or pull their noses—who study well and who may one day become good bank directors, good schoolteachers by today’s standards, and indeed good lawyers, but who simply do not become useful human beings—forgive the harsh word—because they do not find inner harmony with themselves and the true world around them. Precisely in the field of pedagogy and education, the principle must first take hold that human beings today are, inwardly, something fundamentally different from what is expressed outwardly. But this means that in the future, educators and teachers must not be selected in the same way they are now, but according to entirely different principles; for looking into an inner world that is not expressed outwardly requires a certain prophetic gift. It will therefore be necessary to structure the examinations for educators in such a way that those who possess intuitive, prophetic gifts are allowed to pass with particular ease, while those who lack such intuitive, prophetic gifts are made to fail the exam, no matter how much else they may know.

[ 31 ] Man ist heute weit davon entfernt, auf die prophetischen Gaben der Menschen zu sehen, wenn man sie für den Erzieherberuf erzieht. Aber man ist eben von vielem, das eintreten muß, heute recht weit entfernt. Dennoch wird man sich durch den Zwang der Menschheitsentwickelung dazu entschließen müssen, solchen Grundsätzen allmählich zu huldigen. Allerdings mancher materialistisch Denkende der heutigen Zeit würde es als einen ganz verrückten Gedanken betrachten, wenn gesagt wird: Die Pädagogen sollen Propheten werden. — Aber es wird nicht immer so bleiben. Die Menschen werden gezwungen werden, gerade solche Dinge anzuerkennen.

[ 31 ] Today, we are far from taking into account people’s prophetic gifts when training them for the teaching profession. But then again, we are quite far removed from many things that are bound to happen. Nevertheless, the imperative of human development will force us to gradually embrace such principles. Admittedly, many materialistic thinkers of our time would consider it a completely crazy idea to say that educators should become prophets. — But it will not always remain that way. People will be compelled to acknowledge precisely such things.

[ 32 ] Dann wollen wir das nächste Mal, von diesem Punkte ausgehend, die Verhältnisse weiter beleuchten.

[ 32 ] Next time, starting from this point, let’s take a closer look at the circumstances.

[ 33 ] Von unseren Zürcher Freunden bin ich gebeten worden, damit diese besser zurechtkommen, nicht am Sonnabend, Sonntag und Montag zu sprechen, sondern Freitag, Sonnabend und Sonntag. Wir werden uns also am Freitag um 7 Uhr, Sonnabend um 7 Uhr und Sonntag um 4 Uhr wieder treffen. Den Vortrag künstlerischer Art werde ich dann am Montag halten; der steht ja für sich da.

[ 33 ] Our friends in Zurich have asked me—so that they can better accommodate the schedule—not to speak on Saturday, Sunday, and Monday, but rather on Friday, Saturday, and Sunday. So we will meet again on Friday at 7 a.m., Saturday at 7 a.m., and Sunday at 4 p.m. I will then give the lecture on art on Monday; that stands on its own.