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The Rudolf Steiner Archive

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The Spiritual Backgrounds of the Outer World
The Fall of the Spirits of Darkness
GA 177

7 October 1917, Dornach

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Fünfter Vortrag

Fifth Lecture

[ 1 ] Vor dem Vortrag sprach Rudolf Steiner einleitend Gedenkworte für die verstorbenen Mitglieder Heinrich Mitscher und Olga von Sivers. Diese Gedenkworte sind abgedruckt in «Unsere Toten», GA 261.

[ 1 ] Before the lecture, Rudolf Steiner offered introductory remarks in memory of the deceased members Heinrich Mitscher and Olga von Sivers. These remarks are printed in “Unsere Toten,” GA 261.

[ 2 ] Es ist bedingt durch die geistige Konstitution der Gegenwart, daß wir uns bekanntmachen mit, wie Sie ja schon gesehen haben, schwerwiegenden Einsichten und mit schwerwiegenden Wahrheiten der geistigen Welt. Denn ich mußte ja betonen: Mit solchen Einsichten, wie sie die Menschheit nach den Gegenwartsgewohnheiten bequem findet, reicht man für die Zukunft nicht aus. Aber man muß die Gründe kennen, warum man nicht ausreicht. Nur dann kann man in vollem Ernst und in voller Würde sich verbinden mit diesen Impulsen, die für die Entwickelung der Menschheit nun einmal in der Gegenwart gegeben werden müssen. Das, was ich heute sagen will, wird vielleicht am besten verständlich sein, wenn ich den Ausgangspunkt nehme von der Tatsache, daß innerhalb der vierten nachatlantischen Kulturperiode, die, wie Sie wissen, im 8. Jahrhundert vor dem Mysterium von Golgatha begonnen hat und im 15. Jahrhundert nach dem Mysterium von Golgatha zu Ende gegangen ist, im wesentlichen der Mensch zu der Umwelt, zu der Außenwelt in ganz anderem Verhältnis stand, als er jetzt in der fünften nachatlantischen Kulturperiode stehen muß. Ich habe ja oftmals betont: Man muß die Entwickelung der Menschheit ernstnehmen. Die Seelen ändern sich viel mehr, als man glaubt, und es ist nur eine bequeme Gegenwartsvorstellung, wenn man der Meinung ist: In den Seelen der Menschen war alles so beschaffen — meinetwillen zur Griechenzeit — wie heute. Aber ich will von dieser Seelenbeschaffenheit heute nur ins Auge fassen das Verhältnis der Seelen zur umliegenden Welt.

[ 2 ] It is due to the spiritual constitution of the present age that we must familiarize ourselves—as you have already seen—with profound insights and profound truths of the spiritual world. For I had to emphasize: Insights of the kind that humanity finds convenient according to present-day habits are not sufficient for the future. But one must know the reasons why they are insufficient. Only then can one connect, in all seriousness and with full dignity, to these impulses that must now be given in the present for the development of humanity. What I wish to say today will perhaps be best understood if I take as my starting point the fact that within the fourth post-Atlantean cultural epoch—which, as you know, began in the 8th century before the Mystery of Golgotha and ended in the 15th century after the Mystery of Golgotha, human beings essentially had a very different relationship to their environment—to the external world—than they must have now in the fifth post-Atlantean cultural epoch. I have often emphasized: One must take the development of humanity seriously. Souls change far more than people realize, and it is merely a convenient modern notion to believe that everything in human souls—say, in Greek times—was the same as it is today. But today I wish to focus, with regard to this nature of the soul, solely on the relationship of the soul to the surrounding world.

[ 3 ] Da wird der Bequemling sagen: Die Griechen, die Römer haben die Sinnenwelt um sich herum wahrgenommen, wir nehmen auch die Sinnenwelt um uns herum wahr; also ist kein so beträchtlicher Unterschied vorhanden. — Aber ein solcher beträchtlicher Unterschied ist da. Man kann geradezu sagen: Der heutige Mensch, der erst im Anfang der fünften nachatlantischen Kulturperiode steht, nimmt diese Umwelt, auch die sinnliche Umwelt, ganz anders wahr als zum Beispiel der Grieche. Farben sah der Grieche auch, Töne hörte der Grieche auch, aber er sah durch die Farben noch geistige Wesenheiten. Er dachte nicht bloß geistige Wesenheiten, es kündeten sich ihm durch das, was die Farbe war, noch geistige Wesenheiten an.

[ 3 ] The complacent person will say: The Greeks and the Romans perceived the sensory world around them, and we, too, perceive the sensory world around us; therefore, there is no significant difference. — But such a significant difference does exist. One might even say: People today, who are only at the beginning of the fifth post-Atlantean cultural period, perceive this environment—including the sensory environment—in a completely different way than, for example, the Greeks did. The Greeks also saw colors and heard sounds, but through the colors they still perceived spiritual beings. They did not merely think of spiritual beings; spiritual beings were revealed to them through the very nature of the colors themselves.

[ 4 ] Ich habe versucht, gerade diese Eigentümlichkeit der griechischen Anschauung wie einen roten Faden durchzuspinnen durch meine Darstellungen in «Die Rätsel der Philosophie». Der neuzeitliche Mensch denkt Gedanken. Der Grieche dachte nicht in dem Maße wie der neuzeitliche Mensch Gedanken, denn er sah Gedanken. Sie kamen ihm entgegen aus dem, was er in der Umwelt wahrnahm. Die Umwelt selber war nicht bloß blau und rot, sondern das Blaue und das Rote sagten ihm die Gedanken, die er dann dachte. Das gibt ein intimes Verhältnis zur Umwelt. Das gibt auch noch ein Gefühl, ein intensives Gefühl davon, daß man mit der Umwelt als mit etwas Geistigem in Zusammenhang steht. Und das hängt wiiederum zusammen mit der ganzen Art und Weise, wie die menschliche Konstitution im allgemeinen in diesem vierten nachatlantischen Zeitraum war.

[ 4 ] I have tried to weave this very peculiarity of the Greek worldview like a common thread through my discussions in The Riddles of Philosophy. Modern people think thoughts. The Greeks did not think thoughts to the same extent as modern people, for they saw thoughts. These thoughts came to them from what they perceived in their environment. The environment itself was not merely blue and red; rather, the blue and the red conveyed to them the thoughts that they then thought. This creates an intimate relationship with the environment. It also gives rise to a feeling—an intense feeling—that one is connected to the environment as something spiritual. And this, in turn, is related to the entire nature of the human constitution in general during this fourth post-Atlantean epoch.

[ 5 ] Wir müssen ja unterscheiden in unserer Erdenentwickelung — Sie wissen das aus der allgemeinen Darstellung der «Geheimwissenschaft im Umriß» — große Perioden: erste, zweite Zeit, lemurische Zeit, atlantische Zeit, unsere Zeit, die nachatlantische, und zwei darauf folgende. Man kann sagen, während der atlantischen Zeit ist sowohl die Erde wie auch der Mensch innerhalb der Erdenentwikkelung in der Mitte angelangt gewesen. Bis dahin war alles, man möchte sagen, Wachstumsentwickelung. In einer gewissen Beziehung ist das seit der atlantischen Zeit nicht mehr der Fall. Es ist schon bei der Erde nicht mehr der Fall. Wenn wir heute über die Erdschollen gehen — ich habe das öfter schon angedeutet —, dann gehen wir über etwas Sich-Zerbröckelndes, über etwas, was sich gegenüber dem Wachstumsverhältnis der Vorzeit nicht wie ein Fortwachsendes verhält, sondern wie ein Abbröckelndes. Die Erde war viel mehr ein wachsender, sprossender Organismus vor der atlantischen Zeit, bis zur Mitte der atlantischen Zeit. Dann fing sie an, ich möchte sagen, Risse und Sprünge zu bekommen, und dann erst entstanden diese mit Rissen und Sprüngen versehenen Gesteinsarten der Gegenwart. Das weiß heute nicht nur die Geisteswissenschaft. Daß unsere Gegenwartserde eine reißende, zerspringende ist, eine solche, die ihrer Auflösung entgegengeht, das finden Sie von der äußeren Wissenschaft schön dargestellt in dem großen, bedeutungsvollen Werk von Sueß, «Das Antlitz der Erde.» Diese einschneidende Schrift von Sueß faßt in großen Linien zusammen, was aus der gegenwärtigen Beschaffenheit der Gesteine, der Felsarten, der verschiedenen Formationen auf und in der Erde, der organischen Wesen innerhalb des Erdenseins, über den Bau der Erde nach außen hin, also gewissermaßen über das Antlitz der Erde, zu sagen ist. Und wie gesagt, ganz nur von den Tatsachen der äußeren Wissenschaft ausgehend, kommt Sueß zu der Erkenntnis, daß wir es jetzt mit einer verendenden, mit einer zerbröckelnden Welt zu tun haben. So ist es aber auch mit allen Geschöpfen, insofern sie als physische Geschöpfe diese Erde bewohnen. Sie sind in absteigender Entwickelung, und sie sind es im Grunde genommen seit der Mitte der atlantischen Zeit. Nur geht alles in einer gewissen Wellenbewegung innerhalb der Entwickelung vor sich. Man kann sagen: In der vierten nachatlantischen Periode, in der griechisch-lateinischen Zeit, war gewissermaßen eine Art Wiederholung desjenigen da, was in der atlantischen Zeit war, so daß man bis zum Griechentum hin noch nicht am Menschen in so entschiedener Weise bemerken konnte, daß er in absteigender Entwickelung ist. Das Griechentum — das habe ich öfter betont — hat noch die Eigentümlichkeit, daß das Seelische in einer völligen Harmonie mit dem Leiblichen steht. Die Harmonie war natürlich am größten in der Mitte der atlantischen Zeit. Aber im Griechentum wiederholt sich diese Harmonie. Von der gesamtmenschlichen Konstitution, die der Grieche hatte, haben wir ja bei verschiedenen Gelegenheiten, namentlich bei der Charakterisierung der griechischen Kunst, gesprochen, von der wir wissen, daß sie aus ganz andern Impulsen hervorgegangen ist als die Kunst späterer Völker. Der Grieche fühlte zum Beispiel in sich noch das Ätherisch-Formhafte, Gestalthafte des Menschen, brauchte nicht wie der heutige Mensch Modelle, weil er in sich die Form fühlte. So daß man sagen kann: Bis in die Griechenzeit hinein war in gewisser Beziehung das Menschlich-Leibliche durch die unmittelbar räumliche Aufßenwelt bedingt und gehalten. Es war ein intimes Verhältnis zwischen dem Menschen und seiner räumlichen Umgebung. Das ist mit dem Beginn der fünften nachatlantischen Zeit anders. So sonderbar es Ihnen klingen wird, es ist doch wahr: Wir sind eigentlich heute gar nicht mehr auf der Welt, um für unsere eigene Organisation zu sorgen. Wir verkörpern uns zwar noch, aber das hat nicht mehr den Sinn, für die eigene Organisation zu sorgen, denn diese eigene Organisation war in einer aufsteigenden Entwickelung bis in die Mitte der atlantischen Zeit oder bis zum Griechentum. Da waren die Körper der Menschen so vollkommen, wie sie während der Erdenzeit sein können. Eine höhere Vollkommenheitsstufe als Körperlichkeit wird die Menschheit erst wiederum während der Jupiterepoche erfahren. Wir sind eigentlich dazu da, um einer abklingenden Entwickelung nunmehr anzugehören, um uns so zu verkörpern, daß wir allerlei erleben, erfahren dadurch, daß wir in absterbenden, in immer mehr und mehr abbröckelnden, verdorrenden Leibern sind. Die Ausdrücke sind natürlich sehr radikal. Aber das, was wir seelenhaft entwickeln, was wir innerlich sind, das geht nicht mehr in demselben Maße wie früher in die äußere Leiblichkeit über. Das aber wird mancherlei Veränderungen bedingen in der Entwickelung. Im März dieses Jahres ist in Zürich ein sehr bedeutender Mensch gestorben: Franz Brentano. Sie werden einen Nachruf für Franz Brentano in meinem demnächst erscheinenden Buche «Von Seelenrätseln» finden. Das Buch wird in drei Teile und einen Anhang zerfallen: in dem ersten werde ich die Beziehung erörtern zwischen Anthropologie und Anthroposophie; im zweiten Teil werde ich an einem Beispiel zeigen, wie die gegenwärtige sogenannte Gelehrsamkeit der Anthroposophie entgegenkommt, an dem Beispiel des Individuums Dessoir; und im dritten werde ich zeigen, wie ein feiner Geist wie Franz Brentano zwar in den Fesseln der gegenwärtigen Wissenschaft gehalten worden ist, aber so nahe wie möglich an Anthroposophie mit seiner Psychologie herankommt. Dazu werde ich dann einen Anhang geben, der manches von dem kurz bringt, was jetzt unter den gegenwärtigen Verhältnissen eigentlich nur kurz gebracht werden kann, was aber vielleicht sogar Gegenstand mehrerer Bücher sein könnte. Ich habe es in einzelnen, kurzen Kapiteln in dieser neueren Schrift zusammengefaßt, weil eben die Verhältnisse in unserer immer schwerer und schwerer werdenden Zeit einem nicht gestatten, daß es in längerer Weise ausgeführt wird. Man hat schon bei manchem, was in dieser Art für die Gegenwart geschrieben wird, das Gefühl, man schreibe in gewisser Beziehung etwas Testamentarisches. Wer das ganze Gewicht der gegenwärtigen Ereignisse in sich verspürt, der wird solches schon nachfühlen können.

[ 5 ] In the evolution of the Earth—as you know from the general overview in Outlines of Esoteric Science—we must distinguish between major periods: the First Age, the Second Age, the Lemurian Age, the Atlantean Age, our own age (the Post-Atlantean Age), and the two ages that follow. One could say that during the Atlantean epoch, both the Earth and humanity had reached the midpoint of Earth’s evolution. Up to that point, everything had been, one might say, a process of growth and development. In a certain sense, this has no longer been the case since the Atlantean epoch. This is already no longer the case with the Earth itself. When we walk over the Earth’s crust today—as I have often hinted at—we are walking over something that is crumbling, over something that, in contrast to the growth patterns of earlier times, does not behave as if it were continuing to grow, but rather as if it were crumbling away. The Earth was much more of a growing, sprouting organism before the Atlantean epoch, up until the middle of the Atlantean epoch. Then it began, I would say, to develop cracks and fissures, and only then did the present-day rock types, marked by these cracks and fissures, come into being. This is not known today only to spiritual science. That our present-day Earth is one that is cracking and shattering—one that is heading toward its dissolution—is beautifully illustrated by the external sciences in Süss’s great and significant work, The Face of the Earth. This groundbreaking work by Sueß summarizes in broad strokes what can be said about the Earth’s structure—based on the current nature of the rocks, the types of rock, the various formations on and within the Earth, the organic beings within the Earth, and the Earth’s external structure—that is, in a sense, about the face of the Earth. And as mentioned, proceeding solely from the facts of external science, Sueß arrives at the realization that we are now dealing with a world that is dying, a world that is crumbling. But this is also true of all creatures, insofar as they inhabit this Earth as physical beings. They are in a state of descending evolution, and have essentially been so since the middle of the Atlantean epoch. It’s just that everything proceeds in a certain wave-like motion within the course of evolution. One could say: In the fourth post-Atlantean period, the Greco-Latin era, there was, so to speak, a kind of repetition of what had occurred in the Atlantean era, so that even up to the time of the Greeks, one could not yet observe in such a decisive way that human beings were in a state of descending evolution. Greek civilization—as I have often emphasized—still has the distinctive feature that the soul is in complete harmony with the body. This harmony was, of course, greatest in the middle of the Atlantean epoch. But in Greek civilization, this harmony is repeated. We have, after all, spoken on various occasions—notably in our characterization of Greek art—about the overall human constitution that the Greeks possessed, an art we know arose from impulses entirely different from those of later peoples. The Greeks, for example, still felt within themselves the ethereal, formative, and figurative aspects of the human being; they did not need models, as modern people do, because they felt the form within themselves. So one can say: Up until the Greek era, in a certain sense, the human-physical was conditioned and sustained by the immediate spatial external world. There was an intimate relationship between human beings and their spatial surroundings. This changed with the beginning of the fifth post-Atlantean epoch. As strange as it may sound to you, it is nevertheless true: we are actually no longer in the world today to care for our own physical organization. We do still incarnate, but this no longer serves the purpose of ensuring our own organization, for this organization was part of an ascending development that lasted until the middle of the Atlantean era or up to the time of the Greeks. At that time, human bodies were as perfect as they can be during the Earth era. Humanity will not experience a higher level of perfection than physicality again until the Jupiter epoch. We are actually here to belong to a development that is now waning, to incarnate in such a way that we experience all manner of things through the fact that we are in bodies that are dying off, crumbling more and more, and withering away. These expressions are, of course, very radical. But what we develop in our souls—what we are inwardly—no longer translates into outward physicality to the same extent as before. This, however, will bring about various changes in our development. In March of this year, a very significant figure passed away in Zurich: Franz Brentano. You will find an obituary for Franz Brentano in my forthcoming book On the Mysteries of the Soul. The book will be divided into three parts and an appendix: in the first, I will discuss the relationship between anthropology and anthroposophy; in the second part, I will use the example of the individual Dessoir to show how contemporary so-called scholarship aligns with anthroposophy; and in the third, I will demonstrate how a refined mind like Franz Brentano, though held in the shackles of contemporary science, nevertheless comes as close as possible to anthroposophy through his psychology. I will then include an appendix that briefly touches on some of what, under current circumstances, can really only be addressed briefly, but which could perhaps even be the subject of several books. I have summarized it in individual, short chapters in this recent work precisely because the circumstances of our increasingly difficult times do not allow for a more extensive treatment. One already has the feeling, with much of what is written in this vein for the present, that the author is, in a certain sense, writing something akin to a testament. Anyone who feels the full weight of current events within themselves will be able to sense this.

[ 6 ] Franz Brentano hat unter dem vielen, das er aus feinsinnigem Geiste heraus gesprochen hat, auch eine Abhandlung geschrieben über das Genie. Das Eigentümliche dieser Abhandlung liegt darin, daß Brentano eigentlich den Begriff des Genies hinwegdiskutiert, daß er überall zeigt, wie das Genie nicht andere Seelenqualitäten und Seelenimpulse hat als andere Menschen auch, wie das Gedächtnis beim Genie, die Kombinationsfähigkeit nur beweglicher, umfassender ist und so weiter. Franz Brentano zeichnet einen Begriff des Genies, der sich sehr unterscheidet von dem Begriff, den man sehr häufig hat. Aber dieser Begriff vom Genie, den man gewöhnlich hat, der enthält ja, wie die begriffsbequemen Schablonen der Gegenwart überhaupt, ohnedies viel Nebuloses. Man kann im allgemeinen sagen: Wie Brentano das Genie charakterisiert, so stimmt das nicht mit dem, was das Genie bisher war, aber es stimmt mit dem, was das Genie werden wird! In dem Sinne, wie das Genie bisher bestanden hat, wird es nicht in die Zukunft hinein sich fortpflanzen. Denn worauf beruhten die Genies der Vergangenheit? Sie beruhten darauf, daß eben die Seelen noch die Gewalt hatten, aus der Vererbung heraus oder durch die Erziehungskräfte Impulse in die Körperlichkeit hineinzusenden, so daß aus dem Körperlichen heraus die Intuitionen, die Inspirationen, die Imaginationen des Genies in unbewußter Art kamen. Mit der aufsteigenden Körperlichkeit war geniale Kraft vorhanden. Mit der abbröckelnden Körperlichkeit der Zukunft wird das nicht der Fall sein. Wo etwas dem Genie Ähnliches in der Zukunft auftreten wird, wird es darauf beruhen, daß die betreffenden Seelen, die man ja auch dann genial nennen mag, eben tiefer hineinsehen in das Leben der geistigen Umgebung, daß also nicht aus dem unbewußten Körperlichen die Impulse heraufsteigen, sondern daß die Betreffenden tiefer hineinsehen in die geistige Welt. Gerade an so etwas wie der Umwandelung des Genies sehen wir den tiefen Einschnitt, der da ist zwischen dem, was Entwickelung in der Vorzeit war und was Entwickelung in der Zukunft sein wird. Man möchte sagen: Aus der Körperlichkeit kam das Genie der Vorzeit, aus dem Hineinschauen der Seele in die Geistigkeit wird das kommen, was an die Stelle des Genies in der Zukunft treten wird. Das fühlt nun solch ein Geist, der mit der Entwickelung der Gegenwart empfindet, wie Brentano, geradeso wie Sueß der Erde es abgesehen hat, daß sie in einer Art Ersterben ist.

[ 6 ] Among the many insights he offered from his subtle mind, Franz Brentano also wrote a treatise on genius. What is peculiar about this treatise is that Brentano actually argues the concept of genius away, showing throughout how genius possesses no different qualities or impulses of the soul than other people do, how the genius’s memory and capacity for combination are merely more agile, more comprehensive, and so on. Franz Brentano outlines a concept of genius that differs greatly from the one commonly held. But this conventional concept of genius—like the convenient conceptual templates of the present day in general—contains a great deal of vagueness anyway. In general, one can say: The way Brentano characterizes genius does not correspond to what genius has been up to now, but it does correspond to what genius will become! In the sense that genius has existed up to now, it will not continue into the future. For what were the geniuses of the past based on? They were based on the fact that souls still possessed the power to send impulses into physicality—whether through heredity or through the forces of upbringing—so that the intuitions, inspirations, and imaginations of genius arose unconsciously from the physical realm. With the rise of physicality, genius was present. With the crumbling physicality of the future, this will no longer be the case. Where something resembling genius appears in the future, it will be based on the fact that the souls in question—who may well still be called geniuses—will look more deeply into the life of the spiritual environment; that is, the impulses will not rise from the unconscious physical realm, but rather these individuals will look more deeply into the spiritual world. It is precisely in something like the transformation of genius that we see the profound divide between what development was in the past and what development will be in the future. One might say: The genius of the past arose from the physical realm; what will take the place of genius in the future will arise from the soul’s insight into the spiritual realm. This is what a spirit such as Brentano—who feels in tune with the development of the present—perceives, just as Süss observes that the earth is, in a sense, dying out.

[ 7 ] Aber worauf beruht denn das Ganze? Es beruht darauf, daß eben das Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt gegenüber früher ein anderes geworden ist. Die räumliche Umwelt spricht heute nicht mehr zum Menschen, so wie sie gesprochen hat, als sein Körper, sagen wir, frisch war. Sie gibt nicht mehr mit ihrem Räumlichen auch das Geistige her. Farben sprechen nicht mehr als geisterfüllte Elemente, Töne tönen nicht mehr als geisterfüllte Elemente; sie tönen als Materialien. Dasjenige, was im Menschen ist, ist innerlicher geworden. Das ist ein merkwürdiger Satz, nicht wahr, daß man sagen muß: Der oberflächliche Mensch der Gegenwart ist eigentlich innerlicher geworden. Aber er :st innerlicher geworden. Es ist das schon das Eigentümliche, daß man dem Oberflächling der Gegenwart gegenüber sagen kann: Er ist deshalb so oberflächlich, weil er, so wie er in der Verkörperung da ist, gar nicht vordringen kann zu seinem eigentlichen Innenwesen. Er wird gar nicht aufmerksam auf sein eigentliches Innenwesen, er entwickelt nicht die Kraft, sich selbst zu kennen, er kommt nicht darauf, was er eigentlich ist.

[ 7 ] But what is the basis for all this? It is based on the fact that the relationship between human beings and their environment has changed compared to the past. Today, the spatial environment no longer speaks to human beings the way it did when their bodies were, shall we say, fresh. It no longer conveys the spiritual through its spatial qualities. Colors no longer speak as spirit-filled elements; sounds no longer resonate as spirit-filled elements; they resonate as mere materials. That which is within the human being has become more inward. That is a strange statement, isn’t it—that one must say: The superficial human being of the present has actually become more inward. But he has indeed become more inward. It is indeed peculiar that one can say of the superficial person of the present: He is so superficial because, as he exists in his physical form, he cannot at all penetrate to his true inner being. He does not become aware of his true inner being at all; he does not develop the power to know himself; he does not realize what he actually is.

[ 8 ] So sieht derjenige, der geistig die Welt anschaut, gar manche Menschen herumgehen, die eigentlich gar nicht sie selbst sind. Das ist wieder radikal gesprochen. Es sind wandelnde Leiber, und die Seele ist nicht ganz darinnen. Warum? Ja, weil diese Seele eben nicht mehr die Aufgabe hat, ganz den Körper zu durchdringen, der schon abbröckelt, sondern weil sie die Aufgabe hat, sich vorzubereiten für das, was auf dem Jupiter vorgehen wird. Unsere Seele ist schon eine für die Zukunft Vorbereitungen treffende.

[ 8 ] Thus, the one who views the world spiritually sees quite a few people walking around who are not really themselves at all. That, again, is putting it in radical terms. They are walking bodies, and the soul is not fully within them. Why? Well, because this soul no longer has the task of fully permeating the body, which is already crumbling, but rather because its task is to prepare itself for what will take place on Jupiter. Our soul is already making preparations for the future.

[ 9 ] Und in diese Situation muß man sich nur hinein-erkennen und hinein-wissen. Wir sind ganz dazu veranlagt, daß ein umfassendes Wesen zu uns spricht: «Mein Reich ist nicht von dieser Welt.» Nur werden sich die Menschen zum Verständnis dieser Wahrheit nur langsam und allmählich entschließen. Wir sind wirklich, trotz der äußeren Oberflächlichkeit, immer weniger und weniger von dieser Welt, was man aber nicht verwechseln darf mit etwas anderem. Wenn man jetzt glauben würde, man kann nun herumgehen, wie die Anhänger Nietzsches, die sich «blonde Bestien» genannt haben, und kann sagen: Wir sind eben in der geistigen Welt, wir gehören nicht der physischen Welt an —, so müßte erwidert werden: Ja, dasjenige, wovon du selber weißt von dir, das gehört schon der physischen Welt an; das andere ist ein Okkultes, ein Verborgenes. — Aber wir haben doch die Aufgabe, mit aller Einsicht, mit aller innerlichen Stärke dieses in uns befindliche Wesenhafte gewahr zu werden, das nicht mehr ganz in dem Körper aufgehen kann, das nicht mehr ganz den Körper durchdringen kann. Wir haben uns zu fühlen als die Kandidaten der Jupiterzeit. Aber das geschieht langsam und allmählich. Die Menschen verbleiben vorderhand noch in dem, was ihnen die Umwelt gibt, das heißt, sie verbleiben in dem, was unter ihnen ist. Aber mit jeder Inkarnation ziehen wir uns eigentlich mehr aus der Körperlichkeit heraus und schweben mehr über der Körperlichkeit drüber.

[ 9 ] And one need only recognize and understand this situation. We are entirely predisposed to hear a comprehensive being speak to us: “My kingdom is not of this world.” Yet people will only slowly and gradually resolve to understand this truth. Despite outward superficiality, we are indeed less and less of this world—but this must not be confused with anything else. If one were now to believe that one could go about, like Nietzsche’s followers who called themselves “blonde beasts,” and say: “We are simply in the spiritual world; we do not belong to the physical world”—then one would have to reply: Yes, that which you yourself know about yourself already belongs to the physical world; the other is occult, hidden. — But we do have the task, with all our insight and all our inner strength, of becoming aware of this essential being within us that can no longer be fully absorbed into the body, that can no longer fully permeate the body. We must see ourselves as the candidates of the Jupiter era. But this happens slowly and gradually. For the time being, people still remain within what their environment provides them—that is, they remain within what is among them. But with each incarnation, we actually withdraw further from physicality and hover more and more above it.

[ 10 ] Wenn das nicht so wäre, so würde es ohnedies um die Fortentwickelung der Menschheit schlimm stehen. Wenn der Mensch ganz darauf angewiesen bliebe, das nur zu sein, was die Griechen waren, dann würde es schlecht stehen um die Menschheitsentwickelung. Denn, so sonderbar das heute klingt, eine gewissenhafte okkulte Forschung, die versucht, die Entwickelungsgesetze des Menschengeschlechts zu durchdringen, die zeigt uns eine vielleicht zunächst bestürzend wirkende Wahrheit, zeigt uns, daß in gar nicht so ferner Zeit, vielleicht schon im 7. Jahrtausend, sämtliche Erdenfrauen unfruchtbar werden. So weit geht es mit der Vertrocknung, mit der Zerbröckelung der Leiber: Im 7. Jahrtausend werden die Erdenfrauen unfruchtbar! Denken Sie sich, wenn nun die Beziehungen bleiben sollten, die sich nur zwischen dem Menschlich-Seelischen und den menschlichen physischen Leibern ausleben können, dann könnten ja nachher die Menschen überhaupt sich nichts mehr zu tun machen auf der Erde. Es werden noch nicht alle Erdenperioden abgelaufen sein, wenn die Menschenfrauen keine Kinder mehr bekommen können. Da muß denn der Mensch ein anderes Verhältnis finden zu dem Erdendasein. Die letzten Epochen der Erdenentwickelung werden den Menschen in die Notwendigkeit versetzen, überhaupt auf eine physische Leiblichkeit zu verzichten und dennoch auf der Erde anwesend zu sein. Das Dasein ist eben doch geheimnisvoller, als man nach den plumpen naturwissenschaftlichen Begriffen der Gegenwart gern annehmen möchte.

[ 10 ] If this were not the case, the future of human development would be in dire straits. If human beings were entirely limited to being only what the Greeks were, then the future of human development would be bleak. For, as strange as it may sound today, conscientious occult research that seeks to penetrate the laws of human evolution reveals a truth that may at first seem disturbing—it shows us that in the not-too-distant future, perhaps as early as the 7th millennium, all women on Earth will become infertile. That is how far the withering and crumbling of the bodies will go: in the 7th millennium, the women of Earth will become infertile! Just imagine: if the relationships that can only be lived out between the human soul and the human physical body were to remain, then eventually human beings would have nothing left to do on Earth at all. Not all Earth periods will have run their course by the time human women can no longer bear children. Human beings will then have to find a different relationship to earthly existence. The final epochs of Earth’s development will compel human beings to renounce physical embodiment altogether while still being present on Earth. Existence is, after all, more mysterious than one might like to assume based on the crude scientific concepts of the present day.

[ 11 ] Auch diese Sache ist instinktiv gefühlt, empfunden worden in der Abend- und in der Morgendämmerung des vierten beziehungsweise fünften nachatlantischen Zeitalters. Manche Leute haben da Dinge gesagt, die schon zusammenhängen mit der Entwickelung dieses unseres Zeitalters. Aber sie konnten nicht richtig verstanden werden; sie haben sich oftmals selbst nicht richtig verstanden. Denken Sie doch einmal an solche grausam erscheinende Lehren wie die des Augustinus, sogar die des Calvin: daß von vornherein der eine Teil der Menschen bestimmt wäre zum Seligwerden, die andern zum Verdammtwerden, die einen zum Guten, die andern zum Bösen. Solche Lehren hat es gegeben. Sie erscheinen grausam. Und dennoch: für eine richtige Einsicht erscheinen diese Lehren nicht ganz unrichtig, wie überhaupt manches, was unrichtig erscheint, eine gewisse relative Richtigkeit hat. Was im Zeitalter des Augustinus und den nachfolgenden Jahrhunderten über den Menschen gewußt werden konnte, bezieht sich eigentlich gar nicht richtig auf die Menschenseelen und auf den Menschengeist — Sie wissen ja, der Menschengeist wurde sogar auf dem Konzil in Konstantinopel abgeschafft —, sondern es bezieht sich auf den auf der Erde herumwandelnden Menschen. Ich will versuchen, möglichst deutlich zu sprechen über das, worauf es ankommt.

[ 11 ] This matter, too, was instinctively sensed and felt during the twilight of the fourth and the dawn of the fifth post-Atlantean epoch, respectively. Some people said things back then that are already connected to the development of our own age. But they could not be properly understood; often, they did not even understand themselves correctly. Just think of such seemingly cruel teachings as those of Augustine, and even those of Calvin: that from the very beginning, one part of humanity was destined for salvation, the other for damnation; some for good, others for evil. Such teachings have existed. They seem cruel. And yet: from a proper perspective, these teachings do not appear entirely incorrect, just as many things that seem incorrect actually possess a certain relative truth. What could be known about human beings in Augustine’s time and the centuries that followed does not actually pertain to human souls or the human spirit—as you know, the human spirit was even abolished at the Council of Constantinople—but rather to the human being walking the earth. I will try to speak as clearly as possible about what really matters.

[ 12 ] Es kann Ihnen ein Mensch begegnen und ein anderer, und im Sinne der Augustinischen Lehre könnte man sagen: Der ist zum Guten, der ist zum Bösen bestimmt, aber nur seine äußere Körperlichkeit, nicht die Individualität! — Über die wirkliche Individualität hat das Augustinische Zeitalter überhaupt nicht gesprochen. Wenn man nun eine Anzahl von Menschen vor sich hat, so kann man sagen — aber das hat erst einen Sinn von der neueren Zeit an, bei den Griechen hätte es keinen Sinn gehabt —: Da sind die Menschenseelen; die sind natürlich die Schmiede ihres eigenen Schicksals. Da gibt es keine Prädestinationsimpulse. Aber die wohnen in Leibern, die zum Guten oder zum Bösen bestimmt sind. — Und immer weniger werden in der Erdenentwickelung die Menschen in der Lage sein, ihre Seelenentwickelung ganz parallel der Leibesentwickelung zu nehmen. Warum sollte es nicht sein können, daß eine Individualität sich verleiblicht in einem Körper, der nach seiner ganzen Konstitution zum Bösen bestimmt ist? Der Mensch kann ja trotzdem drinnen gut sein, weil die Individualität nicht mehr in einem intimen Zusammenhang mit der Körperlichkeit ist. Das ist wieder keine bequeme Wahrheit, aber eine Wahrheit, mit der man sich bekanntmachen muß.

[ 12 ] You may encounter one person and then another, and in the spirit of Augustinian teaching, one might say: This one is destined for good, that one for evil—but only in terms of their outward physicality, not their individuality! — The Augustinian era did not speak at all of true individuality. If one now has a number of people before one, one can say—though this has only made sense since more recent times; it would have made no sense to the Greeks—: There are human souls; they are, of course, the architects of their own destiny. There are no impulses of predestination. But they dwell in bodies that are destined for good or for evil. — And as Earth’s evolution progresses, people will be less and less able to align the development of their souls entirely with that of their bodies. Why should it not be possible for an individuality to incarnate in a body that, by its very constitution, is destined for evil? After all, the person can still be good on the inside, because the individuality is no longer in an intimate connection with the physical body. Again, this is not a comfortable truth, but it is a truth one must come to terms with.

[ 13 ] Kurz, die Verinnerlichung des Menschen nimmt immer mehr und mehr zu. Immer mehr müssen wir Rücksicht nehmen bei dem, was für den Menschen in Betracht kommt, daß sich der Mensch zurückzieht von der äußeren Leiblichkeit in den letzten Epochen der Erdenentwickelung. Die Menschen können sich aber nur langsam und allmählich — wie ich schon öfter betonte — durch die Gewalt der Tatsachen an diese Dinge gewöhnen. Aber die Tatsachen werden die Erkenntnis dieser Dinge aufdrängen. Wenn man heute die Menschen betrachtet nach dem, wie sie äußerlich sind, hat man ein Bild. Wenn man die Menschen nach dem betrachtet, was sie nicht unmittelbar äußerlich sind, hat man das andere Bild. Diese Bilder stimmen heute schon nicht miteinander überein und werden immer weniger miteinander übereinstimmen. Dem Menschen von heute ist es daher schon durchaus notwendig, sich nicht bloß auf das zu verlassen, was die äußere Welt hergibt, wenn er sich Begriffe bilden will, sondern sich Begriffe zu bilden nach Maßgabe desjenigen, was nur aus dem Geiste auf den Menschen wirken kann.

[ 13 ] In short, the process of internalization in human beings is increasing more and more. As we consider what is relevant to human beings, we must take into account more and more the fact that, in the final epochs of Earth’s evolution, human beings are withdrawing from their external physicality. However, as I have often emphasized, people can only slowly and gradually accustom themselves to these things through the force of facts. But the facts will compel an understanding of these things. If one observes people today based on their outward appearance, one has one picture. If one observes people based on what they are not immediately apparent to be, one has another picture. These images already differ from one another today and will increasingly diverge. It is therefore absolutely necessary for people today not to rely solely on what the external world provides when they wish to form concepts, but rather to form concepts in accordance with that which can only act upon human beings from the spirit.

[ 14 ] Insbesondere werden solche Begriffe für die Zukunft in all dem notwendig sein, was Politik und Sozialistik ist und so weiter, und namentlich auch im Erziehungswesen. Die Begriffe, die die Umgebung hergibt, die nicht aus dem Spirituellen kommen, reichen nicht mehr aus für das, was der Mensch braucht. Daher die ungenügenden politischen und sozialistischen Theorien der Gegenwart. Die Menschen wollen da nur nach dem urteilen, was in der Umgebung ist, wollen sich nicht inspirieren lassen von etwas Geistigem. Daher sind diese Theorien und auch die politischen Programme so ungenügend. Wir leben nicht mehr in der Zeit, wo man solche Programme machen kann, wie Woodrow Wilson sie jetzt macht, sondern unsere Zeit erfordert, daß aus andern Tiefen heraus Weltenprogramme gemacht werden. Der Geist muß schon Beistand leisten, wenn heute Weltenprogramme gemacht werden.

[ 14 ] In particular, such concepts will be necessary for the future in all areas of politics, socialism, and so on, and especially in the field of education. The concepts provided by the environment—those that do not originate from the spiritual realm—are no longer sufficient for what human beings need. Hence the inadequacy of contemporary political and socialist theories. People want to judge things solely based on what is in their immediate surroundings; they do not want to be inspired by anything spiritual. That is why these theories—and political programs as well—are so inadequate. We no longer live in an age when one can devise programs such as those Woodrow Wilson is currently devising; rather, our time demands that world programs be devised from other, deeper sources. The spirit must provide support when world programs are devised today.

[ 15 ] Aber die Menschen sind noch nicht dazu gelangt, die innere Wahrheit all dessen, was ich Ihnen jetzt auseinandergesetzt habe, wirklich zu ihrem Bewußtsein zu bringen. Sie tapsen nach. Sie sind längst Menschen der fünften nachatlantischen Periode geworden und wollen immer noch urteilen wie die Menschen der vierten nachatlantischen Periode. Ja, damals in der Griechenzeit war das richtig, war das etwas Großes, etwas Harmonisches. Heute zu urteilen wie ein Grieche, ist ein Unding, weil dem Griechen eben die Umgebung alles gegeben hat, was er gebraucht hat. Heute gibt es diese Umgebung nicht mehr. Zunächst macht sich in vielen Beziehungen, ich möchte sagen, ein gewisser Haß fühlbar, eine Abneigung — was nur eine andere Seite der Furcht ist — vor dem innerlichen Betrachten des Menschen. Man will beim Äußerlichen stehenbleiben. Und so treten Reminiszenzen auf, die eben nur Reminiszenzen sind, wo sich die Menschen nicht voll in ihrer Gewalt haben.

[ 15 ] But people have not yet managed to truly bring to their consciousness the inner truth of everything I have just explained to you. They are stumbling along. They have long since become people of the fifth post-Atlantean period, yet they still want to judge things as people of the fourth post-Atlantean period did. Yes, back in the time of the Greeks, that was right; it was something great, something harmonious. To judge today as a Greek would is absurd, because the Greeks’ environment provided them with everything they needed. Today, that environment no longer exists. To begin with, in many respects, I would say a certain hatred is palpable, an aversion—which is merely another aspect of fear—toward the inner contemplation of the human being. People want to remain at the level of the external. And so reminiscences arise that are merely reminiscences, in which people do not have full control over themselves.

[ 16 ] Eine sehr interessante Erscheinung, die ich Sie nur bitte, ganz gehörig ins Auge zu fassen, ist diese: Nehmen Sie einmal an, wir hätten es hier zu tun mit einer Anzahl von Köpfen, die vielleicht eine Versammlung bilden — erleuchtete Versammlungen gibt es ja heute überall. Ja, das eigentliche Geistige hat sich schon gelöst, das ist eigentlich nicht mehr so recht bei den Köpfen der Menschen, das ist verinnerlicht. Selbst wenn Oberflächlinge bei einer Versammlung sind, so sind eigentlich die andern, die richtigen, die eigentlich geistigen Köpfe, verborgen da; aber jene, die dasitzen, wissen nichts davon. So kann es sein, daß Versammlungen sind oder auch einzelne Menschen, in denen, wie in einem Uhrräderwerk, alte Ideen ablaufen: In den sichtbaren, in den physischen Köpfen, da rumort es drin von alten Ideen, da rollen alte Ideen ab. Von dem, was zeitgemäß ist, von dem wissen diese Menschen nichts. Diese automatisch wirkenden Gehirne können allerlei nachklingen lassen. Das ist interessant, daß gerade solche Dinge zuweilen auftreten.

[ 16 ] Here is a very interesting phenomenon that I would simply ask you to consider very carefully: Suppose we are dealing here with a number of minds that perhaps form an assembly—after all, enlightened assemblies exist everywhere today. Yes, the true spiritual essence has already broken free; it is no longer really present in people’s minds—it has been internalized. Even if superficial people are present at a gathering, the others—the true, genuinely spiritual minds—are actually hidden there; but those who are sitting there know nothing of it. So it may be that there are gatherings—or even individual people—in whom, like the gears of a clock, old ideas run their course: in the visible, physical minds, old ideas rumble about inside, old ideas roll on. These people know nothing of what is relevant to the times. These automatically functioning brains can allow all sorts of things to linger. It is interesting that precisely such things occur from time to time.

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[ 17 ] Da hat es einen Kongreß gegeben, der im Jahre 1912 in London stattgefunden hat über eine ganz neue Wissenschaft: Eugenetik. Man hat ja gewöhnlich hochtrabende Namen gerade für das, was an sich am dümmsten ist. Die Ideen dieser Eugenetik, die gingen eigentlich aus den Gehirnen, nicht aus den Seelen der Menschen hervor. Was will diese Eugenetik? Sie will Einrichtungen treffen, so daß künftighin nur ein gesundes menschliches Geschlecht gezeugt wird, daß nicht minderwertige Individuen gezeugt werden; sie will nach und nach durch die Verbindung von Nationalökonomie und Anthropologie Gesetze finden, um Männer und Frauen durch Gesetze so zusammenzubringen, daß ein möglichst starkes Geschlecht zustandekommt.

[ 17 ] There was a conference held in London in 1912 on a completely new science: eugenics. People usually give grandiose names to precisely those things that are, in and of themselves, the most foolish. The ideas behind this eugenics actually sprang from people’s minds, not from their souls. What does eugenics aim to achieve? It seeks to establish institutions so that, in the future, only a healthy human race will be produced—and no inferior individuals will be conceived; it aims, step by step, through the combination of economics and anthropology, to devise laws that will bring men and women together in such a way as to produce the strongest possible race.

[ 18 ] Ja, über diese Dinge fängt man schon an durchaus nachzudenken. Das Ideal dieses Kongresses, dem der Sohn Darwins vorgesessen hat, bestand darin, verschiedene Gesellschaftsklassen daraufhin zu untersuchen, wie groß der Schädel ist bei den Reichen, wie groß der Schädel ist bei den Armen, die weniger lernen können, wie groß die Empfindungsfähigkeit bei den Reichen, wie groß die Empfindungsfähigkeit bei den Armen ist, wie stark der Widerstand ist, den die Reichen der Ermüdung entgegenbringen können, wie stark der Widerstand ist, den die Armen der Ermüdung entgegenbringen können und dergleichen mehr. Und nun versucht man, auf diese Weise Ansichten zu gewinnen über die menschliche Körperlichkeit, die vielleicht einmal in der Zukunft dazu führen können, daß man genau aufstellt: so muß er aussehen, so muß sie aussehen, wenn es einen richtigen Zukunftsmenschen geben soll; solch einen Grad von Ermüdungsfähigkeit muß er haben, solch einen Grad von Ermüdungsfähigkeit muß sie haben, solch eine Schädelgröße bei ihm, dazu eine passende Schädelgröße bei ihr und so weiter.

[ 18 ] Yes, one does indeed begin to think about these things. The ideal of this congress, presided over by Darwin’s son, was to examine different social classes to determine how large the skulls are among the rich, how large the skulls are among the poor, who have fewer educational opportunities, how great the capacity for sensation is among the rich, how great it is among the poor, how strong the resistance to fatigue is among the rich, how strong it is among the poor, and so on. And now, in this way, attempts are being made to gain insights into human physicality that might one day in the future lead to the precise determination of: this is how he must look, this is how she must look, if there is to be a true human being of the future; he must have such a degree of fatigue tolerance, she must have such a degree of fatigue tolerance, he must have a skull of this size, and she a skull of a corresponding size, and so on.

[ 19 ] Das ist ein Rumoren, ein natürliches Rumoren in den von den Seelen leer gewordenen Gehirnen, ein Rumoren derjenigen Ideen, die eine Realität in der atlantischen Zeit hatten. Da war es wirklich so, daß es gewisse Gesetze gab, durch welche die Menschen Größe, Wachstum und alles mögliche durch Kreuzen, Überkreuzen und dergleichen bewirken konnten. Das war dazumal eine Art von Wissenschaft, eine ausgebreitete Wissenschaft, die — wie ich Ihnen gestern wieder angedeutet habe — gerade im atlantischen Zeitalter so sehr mißbraucht worden ist. Diese Wissenschaft, die aus der Verwandtschaft der Körperlichkeit heraus arbeitete, wußte: Wenn man solch einen Mann mit solch einer Frau — und Mann und Frau waren in der damaligen Zeit wesentlich verschiedener als heute — zusammenbringt, entsteht ein solches Wesen, und dann kann man wiederum, so wie es heute der Pflanzer macht, variieren. Die Mysterien haben dann aus diesem Sich-Kreuzen, aus diesem Zusammenbringen des Verwandten und Verschiedenen Ordnung gemacht; sie haben Gruppen gebildet und der Menschheit entzogen, was ihr entzogen werden mußte. Es entstand aber wirklich schwärzest-magischer Unfug durch das, was da im atlantischen Zeitalter getrieben worden ist, und Ordnung ist erst dadurch eingetreten, daß man Klassen gebildet hat, daß man diese Dinge den Menschen entzogen hat. Und auf diese Weise sind die Nationen entstanden, die heutigen Rassen entstanden. Das hat mitgewirkt bei der Bildung der heutigen Rassen. Und auch die Nationenfrage rumort wieder im gegenwärtigen Zeitalter als Nachklang der seelenlosen Gehirne aus der atlantischen Zeit. Wieviel spricht man heute von Nationenfragen. Aber es spricht nur die Körperlichkeit. Die zurückgezogene Geistigkeit gehört heute schon einer ganz andern Welt an. Das ist die Diskrepanz zwischen der Wirklichkeit und all den Deklamationen, die sich heute auf das sogenannte Nationalprinzip beziehen. Das kann niemals deshalb zu einem Heil führen, sondern muß immer und immer wieder in das Chaos hineinführen, wenn man die Politik auf die Nationenfragen stellen will, die nicht mehr Fragen der Gegenwart sind, weil die Seele ganz andern Ordnungen und ganz andern Zusammenhängen angehört, als diejenigen sind, die sich im leiblichen Wesen ausdrücken. Das sind alles Dinge, die gewußt werden müssen, die aber nur durch die Geisteswissenschaft gewußt werden können. Dieses Rumoren in den von den Seelen leer gewordenen Gehirnen, das ist die Ursache davon, daß in der heutigen Zeit solche Bestrebungen auftauchen, die den Menschen nach gewissen Gesetzen gestalten wollen.

[ 19 ] This is a rumbling, a natural rumbling in the brains that have been emptied of souls, a rumbling of those ideas that were a reality in the Atlantean era. It was indeed the case back then that there were certain laws through which people could bring about size, growth, and all manner of things through crossbreeding, backcrossing, and the like. That was, at the time, a kind of science, a widespread science, which—as I hinted to you again yesterday—was so greatly abused, especially during the Atlantean era. This science, which operated on the basis of physical kinship, knew that if one brought together such a man with such a woman—and men and women were fundamentally different in those days than they are today—a certain kind of being would result, and then one could, in turn, vary the results, just as plant breeders do today. The Mysteries then established order out of this interbreeding, out of this bringing together of the related and the different; they formed groups and withdrew from humanity what had to be withdrawn from it. But truly the blackest magical nonsense arose from what was carried out during the Atlantean Age, and order was only established by forming classes, by withholding these things from humanity. And in this way the nations arose, the races of today arose. This contributed to the formation of today’s races. And the question of nations is also stirring up trouble again in the present age as an echo of the soulless minds of the Atlantean era. How much is spoken today about national issues! But it is only the physical aspect that speaks. The withdrawn spiritual realm already belongs to a completely different world today. This is the discrepancy between reality and all the declamations that refer today to the so-called national principle. This can never lead to salvation; rather, it must lead time and again into chaos if one seeks to base politics on national issues that are no longer matters of the present, because the soul belongs to entirely different orders and contexts than those expressed in the physical being. These are all things that must be known, but which can only be known through spiritual science. This turmoil in brains that have been emptied of their souls is the reason why, in the present day, such endeavors arise that seek to shape human beings according to certain laws.

[ 20 ] Und noch in etwas anderem spricht sich solch ein Rumoren verbrauchter Ideen aus, die wohl noch in den vertrocknenden Gehirnen wirken können, aber nicht mehr aus der Seele kommen. Die Seele muß erkraftet werden, so daß die Geisteswissenschaft in sie dringen kann. Dann wird wiederum aus der Individualität der Menschen gesprochen. Sie haben ja gewiß auch schon Bekanntschaft gemacht mit all dem Zeug, das heute nach der Richtung erscheint, daß die verschiedensten Menschen vom Standpunkt der Psychopathologie erklärt werden. Eigentlich darf heute einer nur ein gutes Gedicht schreiben, dann kommt sofort der Arzt und erklärt, welche Krankheit er hat. So haben wir ja die verschiedensten Abhandlungen: Viktor Scheffel vom psychiatrischen Standpunkt, Nietzsche vom psychiatrischen Standpunkt, Goethe vom psychiatrischen Standpunkt, Conrad Ferdinand Meyer vom psychiatrischen Standpunkt. Man kann es all diesen Schriften, wenn man zwischen den Zeilen lesen will, anfühlen, daß eigentlich ihre Autoren gesagt haben: Schade, daß er nicht zur rechten Zeit kuriert worden ist. Wäre er zur rechten Zeit kuriert worden, dann hätte er nicht solche Dinge geschrieben wie zum Beispiel Conrad Ferdinand Meyer, die nur aus dem Kranksein heraus geschrieben werden. — Das ist aber etwas durchaus in diesem Sinne Zeitgemäßes, daß eben nicht geachtet wird auf die Verinnerlichung des Menschen, die manchmal gerade bei solchen Menschen wie Conrad Ferdinand Meyer so wirken muß, daß ihr äußeres Körperliches diese oder jene Krankheitserscheinung aufweisen muß, damit das Innerliche, unabhängig vom Körperlichen, künstlerisch zu höchster Geistigkeit kommen kann.

[ 20 ] And such a clamour of worn-out ideas manifests itself in yet another way—ideas that may still have an effect in withering minds, but no longer spring from the soul. The soul must be strengthened so that spiritual science can penetrate it. Then, once again, the individuality of human beings will speak for itself. You have certainly already become acquainted with all the material that appears today, which seeks to explain the most diverse kinds of people from the standpoint of psychopathology. In fact, these days, all one has to do is write a good poem, and immediately the doctor comes along and explains what illness the author has. Thus we have the most diverse treatises: Viktor Scheffel from a psychiatric standpoint, Nietzsche from a psychiatric standpoint, Goethe from a psychiatric standpoint, Conrad Ferdinand Meyer from a psychiatric standpoint. If one reads between the lines of all these writings, one can sense that their authors are actually saying: It’s a shame he wasn’t treated at the right time. Had he been treated at the right time, he wouldn’t have written things like those by Conrad Ferdinand Meyer, for example, which can only be written from a state of illness. — But this is something thoroughly contemporary in this sense: that no attention is paid to the inner life of the human being, which sometimes—precisely in people like Conrad Ferdinand Meyer—must manifest itself in such a way that their outward physical form must exhibit this or that symptom of illness, so that the inner life, independent of the physical, can attain the highest spiritual level artistically.

[ 21 ] Diese Dinge werden hier nicht in dem Sinne besprochen, um Stellung dagegen zu nehmen. Vom rein medizinischen Standpunkt aus sind die Sachen selbstverständlich richtig; es ist gar nichts dagegen einzuwenden. Vom rein medizinischen Standpunkt aus kann man ja auch noch etwas anderes machen, was auch gemacht worden ist: Man kann die Evangelien durchnehmen und kann aus verschiedenen Dingen in den Evangelien zeigen, wie durch den Zusammenfluß ganz besonderer Krankheitsursachen dieses merkwürdige Individuum Christus Jesus entstanden ist. Solch ein Buch ist auch geschrieben worden und kann von jedem gelesen werden: «Jesus Christus vom Standpunkte des Psychiaters.» Es gibt also auch ein Buch, wo gezeigt wird, daß all das, was von der Person Jesu ausgeht, nur dadurch von ihr ausgehen konnte, daß eben diese Person so und so krank war.

[ 21 ] These matters are not being discussed here with the intention of taking a stand against them. From a purely medical standpoint, the facts are, of course, correct; there is absolutely nothing to object to. From a purely medical standpoint, one can also do something else, which has in fact been done: One can go through the Gospels and, based on various passages in them, demonstrate how this remarkable individual, Jesus Christ, came into being through the convergence of very specific causes of illness. Such a book has also been written and can be read by anyone: Jesus Christ from the Psychiatrist’s Point of View. So there is also a book that demonstrates that everything that emanates from the person of Jesus could only have emanated from him because this very person was ill in such and such a way.

[ 22 ] Alle diese Dinge muß man verstehen, muß man durchdringen, wenn man sich mit Verständnis in die gegenwärtige Entwickelung hineinstellen will. Ich werde in diesem Zusammenhang insbesondere auch noch das Erziehungsproblem gerade besprechen, um Ihnen zu zeigen, wie die Gegenwart das heranwachsende Kind nicht mehr so betrachten darf, als würde man nur auf das zu sehen haben, was sich äußerlich heute ausleben kann. Da würde man ja manchmal daneben vorbeierziehen an dem, was sich gerade in das Innerlichste heute zurückzieht. Weil man auf solche Dinge nicht achtet, gibt es heute so wenig Menschenkenntnis und so viel Philisterei. In gewisser Beziehung ist ja das Philistertum der Gegensatz einer wirklichen Menschenkenntnis, denn der Philister mag gern irgendwie das Bild eines Normalmenschen vor seiner Seele haben. Was davon abweicht, ist eben unnormal. Aber mit solchem Grundsatz kommt man zu keinem Verstehen der Umwelt, vor allen Dingen nicht zu einem Verstehen des Menschen. Es gehört schon zu den Dingen, die gepflegt werden sollten innerhalb einer solchen Gesellschaft, wie es die Anthroposophische ist, daß man Menschenverständnis lernt, um eingehen zu können auf die Individualität des Menschen; denn die einzelnen Individualitäten sind viel verschiedener als man denkt, weil dadurch, daß der Mensch nicht mehr ganz zusammenstimmt in seinem Seelischen mit seinem äußerlich Leiblichen, ja wirklich der Mensch heute etwas Kompliziertes ist.

[ 22 ] One must understand all these things, one must grasp them thoroughly, if one wishes to approach current developments with understanding. In this context, I will also discuss the problem of education in particular, to show you how society today must no longer view the growing child as if the only thing that matters is what can be expressed outwardly today. For then one would sometimes miss the very things that are retreating into the innermost depths of the child’s being. Because people pay no attention to such things, there is so little understanding of human nature today and so much philistinism. In a certain sense, philistinism is the antithesis of a genuine understanding of human nature, for the philistine likes to have, in some way, the image of a “normal” person before his soul. Anything that deviates from this is simply “abnormal.” But with such a principle, one cannot arrive at an understanding of the world around us—and above all, not at an understanding of human beings. It is indeed one of the things that should be cultivated within a society such as the Anthroposophical Society: learning to understand people so that one can respond to the individuality of each person; for individual personalities are far more diverse than one might think, because—since the human being is no longer fully in harmony in his or her soul life with his or her outer physical being—the human being today is truly a complex being.

[ 23 ] Aber damit ist natürlich anderes im Gefolge, das allerdings heute seiner Natur nach nur mit plumpen Händen angefaßt wird, aber wovon man hoffen kann, daß Geisteswissenschaft es dazu bringt, daß die Menschen es nicht mehr mit so plumpen Händen anfassen. Denken Sie nur einmal, daß, wenn wir ins Griechentum zurückgehen, man möchte sagen, der volle Leib ja von der vollen Menschenseele ausgefüllt wird, daß das eine sich mit dem andern vollständig deckt und daß das heute nicht mehr der Fall ist. Es bleiben die Leiber bis zu einem gewissen Grade leer. Ich will nicht im abträglichen Sinne von den leeren Köpfen sprechen; die bleiben leer, das ist einmal so in der Entwickelung. Aber leer bleibt in Wirklichkeit nichts in der Welt. Es bleibt etwas nur leer von einem gewissen Etwas, das in anderer Zeit zur Ausfüllung bestimmt war. Ganz leer bleibt eigentlich nichts. Und indem der Mensch immer mehr und mehr seine Seele von dem Leiblichen zurückzieht, wird dieses Leibliche immer mehr und mehr der Gefahr ausgesetzt, von anderem angefüllt zu werden. Und wenn sich die Seelen nicht dazu bequemen wollen, Impulse aufzunehmen, die nur aus dem spirituellen Wissen kommen können, dann wird der Leib angefüllt von dämonischen Gewalten. Diesem Schicksal geht die Menschheit entgegen, daß die Leiber angefüllt werden können von dämonischen Gewalten, von ahrimanisch-dämonischen Gewalten. Denken Sie, daß zu dem, was ich gestern über die Zukunftsentwickelung gesagt habe, hinzukommt, daß man in der Zukunft Menschen wird erleben können: sie sind der Hans Kunz äußerlich im bürgerlichen Leben, weil die sozialen Zusammenhänge es so ergeben, aber der Leib ist so weit leer, daß ein starkes ahrimanisches Wesen drinnen wohnen kann. Man wird begegnen können ahrimanisch-dämonischen Wesenheiten. Der Mensch wird nur scheinbar der Mensch sein, der er ist. Die Individualität, die ist sehr, sehr innerlich, und äußerlich tritt einem ein ganz anderes Bild entgegen.

[ 23 ] But this, of course, brings other things in its wake—things that, by their very nature, are currently handled only with clumsy hands, but which we can hope that spiritual science will lead people to no longer handle with such clumsy hands. Just consider that, if we go back to Greek culture, one might say that the full body is indeed filled by the full human soul, that the one corresponds completely to the other—and that this is no longer the case today. To a certain extent, bodies remain empty. I do not mean to speak in a derogatory sense of “empty heads”; they remain empty—that is simply a fact of development. But in reality, nothing in the world remains empty. Something remains empty only of a certain quality that was once destined to fill it. Nothing actually remains completely empty. And as human beings increasingly withdraw their souls from the physical body, that physical body becomes increasingly exposed to the danger of being filled by something else. And if souls are unwilling to receive impulses that can come only from spiritual knowledge, then the body will be filled by demonic forces. Humanity is heading toward this fate: that bodies may be filled by demonic forces, by Ahrimanic-demonic forces. Consider that, in addition to what I said yesterday about future developments, we will in the future encounter people who, outwardly in everyday life, are Hans Kunz—because social circumstances dictate it—but whose bodies are so empty that a powerful Ahrimanic being can dwell within them. We will encounter Ahrimanic-demonic beings. A person will only appear to be the person they are. Individuality lies very, very deep within, while outwardly a completely different image presents itself.

[ 24 ] So kompliziert wird in der Zukunft das Leben. Man kann schon sagen: Es wird in der Zukunft Verhältnisse geben, bei denen man nicht recht wissen wird, mit wem man es zu tun hat. Und daß Ricarda Huch solche Sehnsucht nach dem Teufel empfindet, das hängt wirklich zusammen mit dem, was da herankommt. Die Institutionen, die Begriffe, die sozialen Ideen, die sich die Menschen heute machen, sind abstrakt und roh, sind plump gegenüber dem, was an komplizierten Verhältnissen herankommt. Und weil die Menschen nicht imstande sind, das, was in der Wirklichkeit da ist, mit ihren Begriffen, mit ihren Vorstellungen zu umfassen, geschieht es, daß sie immer mehr und mehr ins Chaos hineinkommen, wie es sich ja durch diese Kriegsereignisse schon hinlänglich anzeigt. Dieses Chaos kommt eben davon, daß die Wirklichkeit eine andere ist, eine reicher werdende ist, als das, was die Menschen erdenken können, was die Menschen sich ausbilden können in ihren Köpfen. Und man wird sich klarmachen müssen, daß man vor die Wahl gestellt ist: Entweder, weil man die Welt nicht zu ordnen versteht, weiterzumachen mit dem Zusammenhauen, mit dem gegenwärtigen Aufeinanderschießen, oder zu beginnen mit dem Ausbilden solcher Begriffe, solcher Vorstellungen, die den komplizierten Verhältnissen gewachsen sind. Es muß eine geistige Strömung in der Menschheit geben, welche darauf ausgeht, Begriffe auszubilden, die den realen Verhältnissen gewachsen sind. Denn diejenigen, die kleben bleiben wollen an dem, was von alter Zeit weiterrumort, die werden sehr zahlreich sein — heute sind sie ja noch in der Minderzahl —, und die werden aus der äußerlichen Betrachtung heraus und schon auch dadurch, daß die Leiber ausgefüllt werden von ahrimanischer Geistigkeit, welche darauf ausgeht, aus der äußeren Räumlichkeit heraus Begriffe und Vorstellungen und Taten zu prägen, die werden aus dem Äußeren heraus Begriffe und Vorstellungen prägen. Man soll sich nur nichts vormachen. Man steht vor einer ganz bestimmten Bewegung. Wie damals auf jenem Konzil in Konstantinopel der Geist abgeschafft worden ist, das heißt wie man dogmatisch bestimmt hat: Der Mensch besteht nur aus Leib und Seele, von einem Geist zu sprechen ist ketzerisch —, so wird man in einer andern Form anstreben, die Seele abzuschaffen, das Seelenleben. Und die Zeit wird kommen, vielleicht gar nicht in so ferner Zukunft, wo sich auf solch einem Kongreß wie dem, welcher 1912 stattgefunden hat, noch ganz anderes entwickeln wird, wo noch ganz andere Tendenzen auftreten werden, wo man sagen wird: Es ist schon krankhaft beim Menschen, wenn er überhaupt an Geist und Seele denkt. Gesund sind nur diejenigen Menschen, die überhaupt nur vom Leibe reden. — Man wird es als ein Krankheitssymptom ansehen, wenn der Mensch sich so entwickelt, daß er auf den Begriff kommen kann: Es gibt einen Geist oder eine Seele. — Das werden kranke Menschen sein. Und man wird finden — da können Sie ganz sicher sein — das entsprechende Arzneimittel, durch das man wirken wird. Damals schaffte man den Geist ab. Die Seele wird man abschaffen durch ein Arzneimittel. Man wird aus einer «gesunden Anschauung» heraus einen Impfstoff finden, durch den der Organismus so bearbeitet wird in möglichst früher Jugend, möglichst gleich bei der Geburt, daß dieser menschliche Leib nicht zu dem Gedanken kommt: Es gibt eine Seele und einen Geist. — So scharf werden sich die beiden Weltanschauungsströmungen gegenübertreten. Die eine wird nachzudenken haben, wie Begriffe und Vorstellungen auszubilden sind, damit sie der realen Wirklichkeit, der Geist- und Seelenwirklichkeit gewachsen sind. Die andern, die Nachfolger der heutigen Materialisten, werden den Impfstoff suchen, der den Körper «gesund» macht, das heißt so macht, daß dieser Körper durch seine Konstitution nicht mehr von solch albernen Dingen redet wie von Seele und Geist, sondern «gesund» redet von den Kräften, die in Maschinen und Chemie leben, die im Weltennebel Planeten und Sonnen konstituieren. Das wird man durch körperliche Prozeduren herbeiführen. Den materialistischen Medizinern wird man es übergeben, die Seelen auszutreiben aus der Menschheit.

[ 24 ] Life will become that complicated in the future. One can already say: There will be situations in the future where one won’t really know who one is dealing with. And the fact that Ricarda Huch feels such a longing for the devil is truly connected to what is coming. The institutions, the concepts, and the social ideas that people form today are abstract and crude; they are clumsy in the face of the complex circumstances that are approaching. And because people are unable to grasp what actually exists in reality with their concepts and their ideas, they find themselves sinking deeper and deeper into chaos—as is already amply evident from these wartime events. This chaos stems precisely from the fact that reality is different—and ever more complex—than what people can conceive of or construct in their minds. And we will have to realize that we are faced with a choice: either, because we do not know how to bring order to the world, to continue with the fighting, with the current shooting at one another; or to begin developing concepts and ideas that are capable of coping with these complex circumstances. There must be a spiritual current within humanity that is directed toward developing concepts capable of coping with real circumstances. For those who wish to cling to what has been rumbling on from ancient times will be very numerous—today they are still in the minority— and they will shape concepts and ideas from the outside—not only through external observation but also because their bodies are filled with Ahrimanic spirituality, which seeks to shape concepts, ideas, and actions from the realm of external space—they will shape concepts and ideas from the outside. We must not delude ourselves. We are facing a very specific movement. Just as the spirit was abolished at that Council of Constantinople—that is, just as it was dogmatically decreed that “human beings consist only of body and soul, and to speak of a spirit is heretical”—so will efforts be made, in a different form, to abolish the soul, the life of the soul. And the time will come—perhaps not so far in the future—when, at a congress such as the one that took place in 1912, something entirely different will develop, when entirely different tendencies will emerge, and when people will say: It is already a sign of mental illness in a human being to think of spirit and soul at all. Only those people who speak exclusively of the body will be considered healthy. — It will be regarded as a symptom of illness if a person develops to the point where they can conceive of the idea that there is a spirit or a soul. — Such people will be considered sick. And people will find—of that you can be quite certain—the appropriate remedy through which to act. Back then, they abolished the spirit. The soul will be abolished by means of a remedy. Based on a “healthy worldview,” a vaccine will be developed that treats the organism as early as possible in youth—ideally right at birth—so that this human body never arrives at the thought: “There is a soul and a spirit.” — The two worldviews will clash with such intensity. One will have to consider how concepts and ideas should be developed so that they are capable of addressing real reality—the reality of the spirit and the soul. The others—the successors of today’s materialists—will seek a “vaccine” that makes the body “healthy,” that is, one that ensures this body, by virtue of its constitution, no longer speaks of such silly things as soul and spirit, but speaks “healthily” of the forces that live in machines and chemistry, which constitute planets and suns in the cosmic nebula. This will be brought about through physical procedures. It will be entrusted to the materialist physicians to drive the souls out of humanity.

[ 25 ] Ja, diejenigen, die glauben, daß man mit spielerischen Begriffen in die Zukunft sehen kann, die irren gar sehr. Mit ernsten, gründlichen, tiefen Begriffen muß man in die Zukunft sehen. Geisteswissenschaft ist nicht eine Spielerei, ist nicht bloß eine Theorie, sondern Geisteswissenschaft ist gegenüber der Entwickelung der Menschheit eine wirkliche Pflicht.

[ 25 ] Yes, those who believe that one can look into the future using frivolous concepts are very much mistaken. One must look into the future using serious, thorough, and profound concepts. Spiritual science is not a game; it is not merely a theory; rather, spiritual science is a genuine duty toward the development of humanity.

[ 26 ] Davon wollen wir dann morgen weiter sprechen.

[ 26 ] We'll talk more about that tomorrow.