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The Rudolf Steiner Archive

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The Spiritual Backgrounds of the Outer World
The Fall of the Spirits of Darkness
GA 177

6 October 1917, Dornach

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Vierter Vortrag

Fourth Lecture

[ 1 ] Ich sagte in den vorangegangenen Betrachtungen, daß es der Menschheit von unserer Zeit an notwendig wird, gewisse Wahrheiten über spirituelle Hintergründe der äußeren Welt kennenzulernen. Werden sich die Menschen nicht dazu herbeilassen, diese Wahrheiten, man möchte sagen gutwillig entgegenzunehmen, so werden sie eben durch die Gewalt der fürchterlichen Ereignisse im Laufe der Zeiten gezwungen werden, aus diesen Ereignissen selbst zu lernen.

[ 1 ] In my previous reflections, I stated that, from this time forward, it will become necessary for humanity to come to know certain truths about the spiritual underpinnings of the external world. If people are not willing to accept these truths—one might say, of their own free will—they will simply be compelled, through the force of terrible events over the course of time, to learn from these events themselves.

[ 2 ] Nun kann die Frage entstehen: Warum wird es denn von der Gegenwart ab der Menschheit notwendig, sich mit solchen zum Teil erschütternden Wahrheiten bekanntzumachen, da ja diese Wahrheiten selbstverständlich seit alten Zeiten bestanden haben und die Menschheit in ihrem weiteren Umkreise davor behütet worden ist, diese Wahrheiten entgegenzunehmen? In den Mysterien wurden ja viele solche Wahrheiten in der Ihnen bekannten Art sorgsam behütet, weil die Menschen im weiteren Umkreise nicht dem Erschütternden dieser Wahrheiten ausgesetzt werden konnten. Nun haben wir ja oftmals gesagt: Die Furcht vor den großen Wahrheiten ist es, die die Menschen heute davon abhält, sie entgegenzunehmen. — Diejenigen, die in der Gegenwart diese Furcht haben — und die sind sehr zahlreich —, könnten natürlich sagen: Warum soll denn die Menschheit nicht weiter gewissermaßen in einer Art von Schlafzustand erhalten werden gegenüber diesen Wahrheiten? Warum soll denn gerade diese im Lauf der letzten Zeit so nervös gewordene Menschheit den großen, erschütternden Wahrheiten ausgesetzt werden?

[ 2 ] Now the question may arise: Why is it necessary for humanity today to become acquainted with such truths—some of which are deeply unsettling—since these truths have, of course, existed since ancient times and humanity at large has been shielded from accepting them? In the Mysteries, many such truths were carefully guarded in the manner familiar to you, because people in the wider world could not be exposed to the jarring nature of these truths. Now, as we have often said: It is the fear of the great truths that prevents people today from accepting them. — Those who harbor this fear today—and they are very numerous—might naturally ask: Why shouldn’t humanity continue to be kept, so to speak, in a kind of slumber with regard to these truths? Why should humanity, which has become so nervous in recent times, be exposed to these great, shattering truths?

[ 3 ] Wir wollen uns gerade mit dieser Frage ein wenig befassen, wollen zunächst einmal das Augenmerk darauf lenken, wie es denn kommt, daß von jetzt ab die Menschheit aus der geistigen Welt heraus gewissermaßen anders behandelt werden muß als im bisherigen Verlauf der nachatlantischen Zeit.

[ 3 ] We would like to address this question briefly; first, let us focus on how it is that, from now on, humanity must, so to speak, be treated differently from the spiritual world than it has been throughout the post-Atlantean era thus far.

[ 4 ] Ich habe in den vorangehenden Betrachtungen schon gesprochen von dem Grenzgebiet, von derjenigen geistigen Welt nämlich, die unmittelbar angrenzt an unsere physisch-sinnliche Welt. Diese geistige Welt, die ist es hauptsächlich, von welcher der Menschheit Kenntnis werden muß in der allernächsten Zeit. Nun, sobald man die Gebiete einer geistigen Welt betritt, sieht es ja da anders aus als hier in der physisch-sinnlichen Welt. Man macht Bekanntschaft mit gewissen Wesenheiten, vor allen Dingen mit Wesenheiten, deren Anblick der schwachen Menschheit entzogen wird — ich meine jenen Anblick auch, der in Erkenntnissen, in Begriffen vermittelt wird. Warum wurde denn der Blick der Menschen in der nachatlantischen Zeit auch von dieser nächsten Welt bisher abgelenkt?

[ 4 ] In my previous reflections, I have already spoken of the border region—namely, that spiritual world which directly adjoins our physical-sensory world. It is this spiritual world, above all, that humanity must come to know in the very near future. Now, as soon as one enters the realms of a spiritual world, things look quite different there than they do here in the physical-sensory world. One encounters certain beings, above all beings whose sight is hidden from frail humanity—and by “sight” I also mean that which is conveyed through knowledge and concepts. Why, then, has human attention been diverted from this nearest world in the post-Atlantean era?

[ 5 ] Das ist aus dem Grunde, weil schon in diesem Grenzlande, jenseits dessen dann die andern höheren geistigen Welten liegen, sich Wesen finden, welche bisher nur unter gewissen Bedingungen eigentlich den Menschen bekanntgemacht werden durften — Wesen, welche eine bestimmte Aufgabe haben im gesamten Weltenall, welche namentlich bei der Entwickelung des Menschen selber eine Aufgabe haben. Es gibt da die verschiedensten Grenzwesenheiten.

[ 5 ] This is because even in this borderland—beyond which lie the other higher spiritual worlds—there are beings who, until now, were only permitted to be revealed to human beings under certain conditions—beings who have a specific task within the entire universe, and who, in particular, play a role in the development of humanity itself. There are a wide variety of border beings there.

[ 6 ] Ich will heute von einer Klasse dieser Wesenheiten zu Ihnen sprechen, und zwar von derjenigen Klasse, welche im Weltenzusammenhange ihre Aufgabe hat bei der Geburt und bei dem Tode des Menschen. Man soll nur ja nicht glauben, daß Geburt und Tod des Menschen das sind, als was sie sich der äußeren sinnlichen Beobachtung darstellen. Wenn der Mensch hereintritt aus der geistigen Welt in diese physische Welt und wenn er wiederum heraustritt aus dieser physischen Welt in die geistige Welt, dann wirken bei diesen Vorgängen geistige Wesenheiten mit. Nennen wir sie heute, um Namen zu haben, die Elementargeister der Geburt und des Todes. Es war wirklich so, daß diejenigen Persönlichkeiten, die bisher in die Mysterien eingeweiht waren, es als ihre strengste Aufgabe betrachtet haben, in weiterem Umkreise den Menschen gerade von diesen Elementarwesen der Geburt und des Todes nicht zu sprechen. Denn spricht man von ihnen, von der ganzen Art und Weise, wie diese Elementargeister der Geburt und des Todes leben, dann spricht man von einem Gebiete, das dem Menschen, so wie er sich nun einmal geistig-seelisch entwickelt hat bisher in der nachatlantischen Zeit, doch vorkommt wie glühende Kohle. Man könnte auch einen andern Vergleich wählen. Lernt der Mensch genauer und mit vollem Bewußtsein das Wesen dieser Elementargeister der Geburt und des Todes kennen, so lernt er eigentlich Kräfte kennen in diesen Wesen, die dem Leben hier auf dem physischen Plan feindlich sind. Schon das muß für eine einigermaßen normal empfindende Seele eine erschütternde Wahrheit sein, wenn sie hört, daß die die Weltengeschikke lenkenden göttlich-geistigen Wesenheiten, um Geburt und Tod des Menschen in der physischen Welt zustandezubringen, sich solcher Elementargeister bedienen müssen, die eigentlich feindlich gesinnt sind allem, was hier auf dem physischen Plan der Mensch als sein Wohlergehen, als seine Wohlfahrt sucht und begehrt. Würde nur alles das bewirkt werden, was der Mensch gerne mag: daß es ihm hier bequem gehe auf dem physischen Plan, daß er gesund wachen und schlafen, gesund seine Arbeit verrichten kann, würde es nur Wesen geben, die diesem bequemen Verlauf des Lebens vorstehen, so würden Geburt und Tod nicht zustandekommen können. Die Götter brauchen schon einmal, um Geburt und Tod zustandezubringen, solche Wesenheiten, die eigentlich in ihrer ganzen Gesinnung und ihrer ganzen Weltauffassung einen Drang haben, dasjenige zu zerstören, zu verwüsten, was dem Menschen seine Wohlfahrt hier auf dem physischen Plan bewirkt.

[ 6 ] Today I would like to speak to you about one class of these beings—namely, the class that, within the context of the universe, has a role to play in the birth and death of human beings. One must not, however, believe that the birth and death of human beings are exactly what they appear to be to external sensory observation. When a human being enters this physical world from the spiritual world, and when he or she again departs from this physical world into the spiritual world, spiritual beings are at work in these processes. Let us call them today—for the sake of having names—the elemental spirits of birth and death. It was indeed the case that those individuals who had previously been initiated into the Mysteries regarded it as their most sacred duty to refrain from speaking to the wider public about these very elemental beings of birth and death. For when one speaks of them—of the entire way in which these elemental spirits of birth and death live—one speaks of a realm that, to human beings as they have developed spiritually and psychologically thus far in the post-Atlantean era, seems like a glowing coal. One could also choose another comparison. If a person comes to know the nature of these elemental spirits of birth and death more precisely and with full consciousness, they actually come to know forces within these beings that are hostile to life here on the physical plane. This alone must be a shattering truth for a soul with even a modicum of normal sensitivity when it hears that the divine spiritual beings—in order to bring about human birth and death in the physical world—must make use of such elemental spirits, which are in fact hostile to everything that human beings seek and desire here on the physical plane as their well-being and prosperity. If only everything that humans desire were brought about—that they might live comfortably here on the physical plane, that they might wake and sleep in good health, and perform their work in good health—if only there were beings presiding over this comfortable course of life, then birth and death could not take place. In order to bring about birth and death, the gods need beings who, in their entire mindset and worldview, are driven to destroy and devastate precisely that which brings humans their well-being here on the physical plane.

[ 7 ] Man muß sich schon mit der Idee bekanntmachen, daß die Welt nicht so eingerichtet ist, wie sie die Menschen gern haben möchten, sondern daß es in der Welt das gibt, was in den ägyptischen Mysterien die eherne Notwendigkeit genannt wurde. Und zu dieser ehernen Notwendigkeit gehört es, daß die Götter sich solcher, dem physischen Weltengange feindlicher Wesenheiten bedienen, damit Geburt und Tod des Menschen zustandekommen können. Da blicken wir hin auf eine Welt, die unmittelbar an die unsere angrenzt, die auch täglich, stündlich mit der unsrigen zu tun hat, denn auf der Erde geschehen täglich, stündlich die Vorgänge der Geburt und des Todes. Und in dem Augenblick, wo der Mensch die Schwelle überschreitet zu dieser Welt, da kommt er in eine Regsamkeit, in ein Leben von Wesen hinein, die zerstörerisch für das gewöhnliche physische Leben des Menschen in ihrem ganzen Gebaren, in ihrem Begehren und in ihrer Weltanschauung sind. Hätte man bisher außerhalb der Mysterien die Menschen im weitesten Umfange bekanntgemacht damit, daß es solche Wesenheiten gibt, hätte man dem Menschen Begriffe beigebracht von diesen Wesenhetten, es würde ganz gewiß das folgende geschehen sein. Die Menschen, die durchaus nicht zurechtkommen mit ihren Instinkten und ihren Trieben, mit ihren Leidenschaften, die würden, wenn sie gewußt hätten: fortwährend sind um uns zerstörerische Wesenheiten —, die würden sich der Kräfte dieser zerstörerischen Wesenheiten bedient haben — nun nicht wie die Götter sich ihrer bedienen bei Geburt und Tod, sondern innerhalb des physischen Lebens. Wenn die Menschen Lust gehabt hätten, auf diesem oder jenem Gebiete zerstörerisch zu wirken, wäre ihnen reichlich Gelegenheit geboten gewesen, diese Wesenheiten zu ihren Dienern zu nehmen, denn man kann leicht diese Wesenheiten zu seinen Dienern nehmen. Damit das gewöhnliche Leben bewahrt bleibt vor den zerstörerischen Wesen der Elementargeister der Geburt und des Todes, wurde geschwiegen von dieser Weisheit.

[ 7 ] One must come to terms with the idea that the world is not arranged the way people would like it to be, but that there exists in the world what was called “iron necessity” in the Egyptian mysteries. And part of this iron necessity is that the gods make use of such beings—who are hostile to the physical course of the world—so that human birth and death can take place. Here we look toward a world that borders directly on our own, one that interacts with ours daily, hourly, for on Earth the processes of birth and death occur daily, hourly. And the moment a human being crosses the threshold into this world, he enters into an activity, into a life of beings who, in their entire conduct, in their desires, and in their worldview, are destructive to the ordinary physical life of human beings. If, outside the context of the Mysteries, people had been made aware to the greatest possible extent that such beings exist—if they had been taught concepts regarding these beings—the following would most certainly have happened. People who are completely unable to cope with their instincts and drives, with their passions—if they had known that destructive beings are constantly around us—would have made use of the powers of these destructive beings—not in the way the gods make use of them at birth and death, but within physical life. If people had felt the urge to act destructively in this or that area, they would have been offered ample opportunity to take these beings as their servants, for it is easy to take these beings as one’s servants. To protect ordinary life from the destructive beings of the elemental spirits of birth and death, this wisdom was kept secret.

[ 8 ] Nun ist die Frage: Soll denn nicht vielleicht auch weiter davon geschwiegen werden? — Das geht nicht, das geht aus gewissen Gründen nicht. Es geht aus einem Grunde nicht, der mit einem großen, bedeutsamen Weltengesetz zusammenhängt. Besser als durch eine allgemeine Formel kann ich Ihnen dieses Weltengesetz durch seine konkrete Erscheinungsform in unserer Zeit und in der nächsten Zukunft klarmachen. Sie wissen: Seit gar nicht langer Zeit sind in die Menschheitsentwickelung immer mehr und mehr Kulturimpulse hereingezogen, die früher nicht da waren, die aber gerade für die Kultur der Gegenwart charakteristisch sind. Versuchen Sie nur einmal, sich in Gedanken zurückzuversetzen in Zeiten, die verhältnismäßig noch gar nicht weit hinter uns liegen. Da werden Sie Zeiten finden, in denen noch keine Dampflokomotiven gefahren sind, Zeiten, in denen man noch nicht sich der Elektrizität bedient hat wie in unserer Zeit, Zeiten, in denen höchstens Denker wie Leonardo da Vinci im Gedanken und im Experiment sich Vorstellungen gemacht haben, wie man durch menschliche Instrumente in die Luft fliegen kann. Das alles ist in verhältnismäßig kurzer Zeit realisiert worden. Bedenken Sie, wieviel heute abhängt von der Verwendung des Dampfes, von der Verwendung der Elektrizität, von der Verwendung jener Luftdichtigkeitsverteilung, die zu der Luftschiffahrt geführt hat oder zu jener Statik, die zum Fliegerwesen geführt hat. Denken wir einmal an all das, was da in der letzten Zeit in die Menschheitsentwickelung eingezogen ist. Denken Sie an so zerstörerische Kräfte wie das Dynamit und so weiter, und Sie werden sich leicht ausmalen können, nach der Schnelligkeit, mit der das alles gegangen ist, daß für die Zukunft noch ganz andere fabelhafte Dinge nach dieser Richtung von der Menschheit erstrebt werden. Sie werden sich leicht ein Bild davon machen können, daß es nicht dem Ideal der Menschheit für die nächste Zukunft entspricht, daß die Goethes immer häufiger werden, dagegen entspricht es dem Ideal, daß die Edisons immer häufiger werden. Das ist nun schon einmal das Ideal der gegenwärtigen Menschheit.

[ 8 ] Now the question is: Shouldn’t we perhaps continue to keep this a secret? — That is not possible; for certain reasons, it is not possible. It is not possible for a reason connected to a great and significant universal law. I can explain this universal law to you more clearly—rather than through a general formula—by pointing to its concrete manifestation in our time and in the near future. As you know, in recent times, more and more cultural impulses have entered the course of human development—impulses that were not present before but are characteristic of contemporary culture. Just try, for a moment, to transport yourself in your thoughts back to times that are, relatively speaking, not very far behind us. You will find times when steam locomotives had not yet been introduced, times when electricity was not yet used as it is today, times when, at most, thinkers like Leonardo da Vinci had conceived ideas—through thought and experimentation—of how to fly through the air using human-made instruments. All of this has been realized in a relatively short time. Consider how much depends today on the use of steam, on the use of electricity, on the use of that distribution of air pressure that led to airship travel, or on that aerodynamics that led to aviation. Let us consider for a moment all that has recently entered into the development of humanity. Think of such destructive forces as dynamite and so on, and you will easily be able to imagine, given the speed with which all this has happened, that humanity will strive for entirely different, fabulous things in this direction in the future. You can easily picture that it does not correspond to humanity’s ideal for the near future for there to be more and more Goethes; rather, it corresponds to the ideal for there to be more and more Edisons. That, for now, is the ideal of present-day humanity.

[ 9 ] Nun glaubt ja allerdings der Gegenwartsmensch, daß sich das alles — Telegraph, Telephon, Dampfkraftverwendung und so weiter ohne das Mittun von geistigen Wesenheiten vollzieht. Das ist aber nicht der Fall. Die Fortentwickelung der Menschheitskultur, auch wenn der Mensch nichts davon weiß, geschieht auch unter dem Mittun von Elementargeistern. Und es ist nicht etwa — wie es sich die moderne materialistische Menschheit vorstellt — bloß das, was der Mensch als Gedanke von seinem Gehirn ausgeschwitzt hat, was ihn dazu geführt hat, Telefon und Telegraf zu konstruieren, Dampfmaschinen über die Erde zu treiben und über den Acker, sondern all das, was der Mensch in dieser Weise tut, steht unter dem Einfluß von elementargeistigen Wesenheiten. Die wirken und helfen überall mit. Auf diesem Gebiete führt der Mensch nicht allein, sondern er wird geführt. In den Laboratorien, in den Werkstätten, namentlich überall da, wo erfinderischer Geist waltet, da sind die Inspiratoren gewisse elementargeistige Wesenheiten.

[ 9 ] Now, modern people do believe that all of this—the telegraph, the telephone, the use of steam power, and so on—takes place without the involvement of spiritual beings. But that is not the case. The further development of human civilization, even if people are unaware of it, also occurs with the involvement of elemental spirits. And it is not—as modern, materialistic humanity imagines—merely the ideas that humans have “sweated out” of their brains that have led them to construct the telephone and the telegraph, to drive steam engines across the earth and through the fields; rather, everything humans do in this way is under the influence of elemental spirits. They are at work and lending a hand everywhere. In this realm, human beings do not lead alone; rather, they are guided. In laboratories, in workshops—and especially wherever an inventive spirit prevails—the sources of inspiration are certain elemental spirit beings.

[ 10 ] Nun sind diejenigen Elementargeister, welche seit dem 18. Jahrhundert unserer Kultur die Impulse geben, von derselben Art wie die, welcher sich die Götter bedienen, um Geburt und Tod herbeizuführen. Das ist eines der Geheimnisse, mit denen sich der Mensch in der Gegenwart bekanntmachen muß. Und das weltgeschichtliche Gesetz, wie ich es genannt habe, besteht darin, daß die Entwickelung so vor sich geht, daß immer auf einem gewissen Gebiete von elementargeistigen Wesenheiten zuerst die Götter herrschend sind, und nachher kommen die Menschen selbst in dieses Gebiet hinein und bedienen sich dieser elementargeistigen Wesenheiten. Während also in älteren Zeiten die Elementargeister der Geburt und des Todes im wesentlichen Diener der göttlich-geistigen Weltenlenker waren, werden von unserer Zeit an — es ist ja schon einige Zeit her, daß das im Gange ist — diese Elementargeister der Geburt und des Todes die Diener von Technik, Industrie, von kommerziellem Menschenwesen. Das ist wichtig, daß wir diese erschütternde Wahrheit in aller Stärke und Intensität auf unsere Seele wirken lassen.

[ 10 ] Now, those elemental spirits that have been providing the impetus for our culture since the 18th century are of the same kind as those the gods use to bring about birth and death. This is one of the mysteries with which human beings must become acquainted in the present. And the law of world history, as I have called it, consists in the fact that development proceeds in such a way that, in a certain realm of elemental spirit beings, the gods are always the first to reign, and afterward human beings themselves enter this realm and make use of these elemental spirit beings. So while in earlier times the elemental spirits of birth and death were essentially servants of the divine-spiritual rulers of the world, from our time onward—and this has indeed been underway for some time now—these elemental spirits of birth and death have become the servants of technology, industry, and commercial human activity. It is important that we allow this shattering truth to take effect upon our souls with all its strength and intensity.

[ 11 ] Da spielt sich etwas ab, von der Zeit der fünften nachatlantischen Kulturperiode an, in der wir drinnenstehen, was ähnlich ist einer Sache, auf die ich öfter aufmerksam gemacht habe, die sich während der atlantischen Zeit abspielte; nur spielte sie sich damals während der vierten atlantischen Kulturperiode ab. Damals nämlich, in der atlantischen Zeit, bedienten sich die göttlich-geistigen Wesen, welche die Menschheitsentwickelung lenkten, bis zur vierten atlantischen Kulturepoche gewisser Elementarwesen. Dieser Elementarwesen mußten sie sich bedienen, weil damals nicht nur so wie jetzt Geburt und Tod gelenkt werden mußten, sondern weil damals, ich möchte sagen der Erde näher, etwas anderes noch gelenkt werden mußte. Erinnern Sie sich an manche Schilderungen, die ich in bezug auf die atlantische Zeit gegeben habe, wie da der Mensch noch beweglich war in seinem ganzen materiellen Wesen, wie er durch die Seele groß wachsen konnte und ein Zwerg bleiben konnte, wie sich das Äußere richtete nach dem Seelenwesen. Erinnern Sie sich an das alles. Während heute nach außen hin der Dienst, den gewisse Elementarwesen bei Geburt und Tod den göttlich-geistigen Wesen leisten, deutlich sichtbar ist, war es dazumal so, daß auch durch das menschliche Leben hindurch, wenn sich so das Äußere dem Inneren konform gestaltete, gewisse Elementarwesenheiten den Göttern dienten. Als nun die atlantische Zeit in ihre vierte Kulturperiode getreten war, da wurden gewissermaßen die Menschen wieder Herrscher über diese selben Elementarwesenheiten, welche die Götter früher gebraucht haben zum Wachstum und zur physiognomischen Ausgestaltung der Menschen im großen. Die Menschen wurden Herrscher über gewisse Götterkräfte, und sie bedienten sich dieser Götterkräfte. Die Folge davon war, daß von einem gewissen Zeitpunkt der atlantischen Zeit ab — so in der Mitte der atlantischen Zeit etwa — es im Begehren des einzelnen Menschen liegen konnte, seine Mitmenschen dadurch zu schädigen, daß er ihnen allerlei anschuf: daß er sie während des Wachstums in der Zwerghaftigkeit hielt oder zu Riesen machte, daß er den physischen Organismus sich so entwickeln ließ, daß der Betreffende ein gescheiter Mensch oder ein Idiot wurde. Das ergab in der Mitte der atlantischen Zeit etwas, was eine furchtbare Macht in den Händen der Menschen war. Und Sie wissen, ich habe darauf aufmerksam gemacht, es wurde dieses Geheimnis nicht gehütet. Aber das liegt nicht daran, daß etwa durch eine Schlechtigkeit dieses Geheimnis nicht gehütet worden ist, sondern es mußte eben nach einem gewissen welthistorischen Gesetz dasjenige, was vorher bloße Götterarbeit war, Menschenarbeit werden. Das alles aber hat innerhalb der atlantischen Zeit zu jenem großen Unfug geführt — zu allen möglichen Gewalttätigkeiten hat das geführt; Sie brauchen sich jetzt nur zu erinnern an das, was ja in der atlantischen Zeit eintrat und was hier öfter geschildert worden ist —, zu jenem Unfug, der notwendig machte, die ganze atlantische Kultur im Verlaufe der letzten vier beziehungsweise drei atlantischen Kulturperioden dem Untergang entgegenzuführen. Und von der Atlantis her ist unsere Kultur so gerettet worden, so herübergebracht worden, wie das öfter dargestellt worden ist.

[ 11 ] Something is taking place—beginning with the fifth post-Atlantean cultural epoch, in which we now find ourselves—that is similar to a phenomenon I have often drawn attention to, one that occurred during the Atlantean era; only, at that time, it took place during the fourth Atlantean cultural epoch. For back then, during the Atlantean era, the divine-spiritual beings who guided human evolution made use of certain elemental beings up until the fourth Atlantean cultural epoch. They had to make use of these elemental beings because, at that time, it was not only birth and death that had to be guided—as is the case now—but also, I might say, something else that was closer to the Earth that had to be guided. Recall some of the descriptions I have given regarding the Atlantean era—how human beings were still malleable in their entire material being, how they could grow to great stature through the soul or remain dwarfs, and how their outward form was shaped by the nature of the soul. Remember all of this. Whereas today the service that certain elemental beings render to the divine-spiritual beings at birth and death is clearly visible outwardly, it was the case back then that, even throughout human life—when the outer form was shaped in accordance with the inner being—certain elemental beings served the gods. When the Atlantean era entered its fourth cultural period, human beings, so to speak, once again became rulers over these very same elemental beings whom the gods had previously used for the growth and physiognomic development of humanity as a whole. Human beings became rulers over certain divine powers, and they made use of these divine powers. The consequence of this was that, from a certain point in the Atlantean era onward—roughly in the middle of the Atlantean era—it became possible for an individual to desire to harm his fellow human beings by inflicting all manner of things upon them: by keeping them stunted during their growth or turning them into giants, or by allowing their physical organism to develop in such a way that the person in question became either a clever individual or an idiot. This resulted, in the middle of the Atlantean epoch, in something that was a terrible power in the hands of human beings. And as you know, I have pointed out that this secret was not kept. But this is not because the secret was not kept out of any kind of malice; rather, according to a certain law of world history, what had previously been the work of the gods alone had to become the work of human beings. All of this, however, led to that great folly during the Atlantean epoch—it led to all manner of acts of violence; You need only recall what indeed occurred during the Atlantean era and has been described here on several occasions—that chaos which made it necessary to lead the entire Atlantean culture toward its downfall over the course of the last four or three Atlantean cultural periods. And it was from Atlantis that our culture was saved and brought over, as has often been described.

[ 12 ] In einer ähnlichen Weise wird Götterdienst der Menschheit überwiesen von unserer fünften nachatlantischen Zeit ab für die drei beziehungsweise zwei letzten Kulturperioden der nachatlantischen Kultur der fünften Erdenentwickelungswelt. Wir stehen erst am Anfange jener Tätigkeit der Technik, der Industrie, des Kommerziums, in die hinein die Elementargeister der Geburt und des Todes ihre Wirkung treiben. Das wird immer stärker und stärker werden, das wird immer einschneidender sein. Davor kann man die Menschheit nicht behüten, denn die Kultur muß fortschreiten. Und die Kultur unseres Zeitalters und der Zukunft muß eine solche sein, daß die Elementargeister der Geburt und des Todes, während sie bis zu einem gewissen Zeitpunkt, bisher eben nur beim physischen Entstehen und Vergehen des Menschen gewirkt haben unter der Direktion der Götter, daß diese Elementargeister mit denselben Kräften, mit denen sie bei Geburt und Tod wirken, innerhalb von Technik, Industrie, Kommerzium und so weiter wirken. Damit ist aber etwas ganz Bestimmtes verknüpft.

[ 12 ] In a similar way, the worship of the gods is entrusted to humanity, starting with our fifth post-Atlantean epoch, for the last three or two cultural periods, respectively, of the post-Atlantean culture of the fifth world of Earth’s evolution. We are only at the beginning of that activity of technology, industry, and commerce into which the elemental spirits of birth and death are exerting their influence. This will become stronger and stronger; it will have an ever more decisive impact. Humanity cannot be shielded from this, for culture must progress. And the culture of our age and the future must be such that the elemental spirits of birth and death—who, up to a certain point, have so far acted only in the physical coming into being and passing away of human beings under the direction of the gods—will act within technology, industry, commerce, and so on with the same forces with which they act at birth and death. But this is linked to something very specific.

[ 13 ] Ich habe Ihnen ja geschildert, diese Elementargeister sind solche, die eigentlich der Wohlfahrt der Menschheit feindlich, zerstörerisch gesinnt sind. Also fassen wir die Sache nur im richtigen Sinne auf, geben wir uns, wenn wir sie im richtigen Sinne auffassen, keiner Täuschung hin über das Bedeutsame, tief Einschneidende, das da eigentlich vorliegt. Die Kultur muß vorwärtsschreiten im technischen, industriellen und kommerziellen Sinne. Aber die Kultur, die auf diese Weise vorwärtsschreitet, kann ihrem Wesen nach nicht zur Wohlfahrt der Menschen auf dem physischen Plane dienen, sondern sie kann ihrem Wesen nach nur etwas Zerstörerisches für diese Wohlfahrt in sich schließen.

[ 13 ] As I have already explained to you, these elemental spirits are beings that are, in fact, hostile to the welfare of humanity and have a destructive disposition. So let us simply understand the matter correctly; and if we do understand it correctly, let us not delude ourselves about the significance and profound impact of what is actually at stake here. Civilization must advance in the technical, industrial, and commercial sense. But civilization that advances in this way cannot, by its very nature, serve the well-being of human beings on the physical plane; rather, by its very nature, it can only contain something destructive to that well-being.

[ 14 ] Solch eine Wahrheit ist unbequem für diejenigen Menschen, welche nicht müde werden, immer in Deklamationen zu verfallen, wenn sie über die großen, gewaltigen Fortschritte der Kultur reden, weil sie Abstraktlinge sind und nichts wissen vom auf- und absteigenden Gang der Menschheitsentwickelung. Und geradeso wie das, was ich Ihnen angedeutet habe in bezug auf die atlantische Zeit, zum Untergang der atlantischen Zeit führte, damit eine andere Menschheit kommen konnte, so enthält dasjenige, was sich jetzt inauguriert als kaufmännische, industrielle, technische Kultur, die Elemente, welche zum Untergang der fünften Erdperiode führen. Und nur derjenige sieht klar, nur der sieht die Dinge, wie sie sind, der sich gesteht: Damit beginnen wir an dem zu arbeiten, was die Katastrophe herbeiführen muß.

[ 14 ] Such a truth is uncomfortable for those people who never tire of resorting to grandiloquent speeches when they talk about the great, tremendous advances of civilization, because they are abstract thinkers and know nothing of the ebb and flow of human development. And just as what I have hinted at regarding the Atlantean era led to its downfall so that a new humanity could emerge, so too does what is now emerging as a commercial, industrial, and technical culture contain the elements that will lead to the downfall of the fifth Earth period. And only those who admit to themselves: “With this, we are beginning to work toward what must bring about the catastrophe”—only they see clearly, only they see things as they are.

[ 15 ] Das ist das Sich-Hineinversetzen in die ehernen Notwendigkeiten. Menschliche Bequemlichkeit könnte sagen: Also fahre ich nicht auf einer elektrischen Bahn —, könnte eventuell noch so weit gehen, obwohl so weit sich nicht einmal die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft versteigen werden, nicht Eisenbahnen zu besteigen und so weiter. Aber das alles wäre Unsinn, wäre richtiger Unsinn. Denn es handelt sich nicht darum, irgend etwas zu meiden, sondern sich Klarheit, Einsicht in die ehernen Notwendigkeiten des Menschheitsganges zu verschaffen. Die Kultur kann nicht in einer stetig aufsteigenden Linie verlaufen, sondern sie kann nur in immer wieder auf- und absteigenden Wogen verlaufen.

[ 15 ] This is what it means to immerse oneself in the ironclad necessities. Human convenience might say: “Well, then I won’t ride an electric train”—and might even go so far as to refuse to board trains at all, though not even the members of the Anthroposophical Society would go that far. But all that would be nonsense, pure nonsense. For it is not a matter of avoiding anything, but of gaining clarity and insight into the iron necessities of humanity’s progress. Culture cannot follow a steadily ascending line; rather, it can only proceed in waves that rise and fall again and again.

[ 16 ] Aber etwas anderes kann eintreten, etwas, wovon allerdings die Menschheit der Gegenwart auch noch nicht viel wissen will, aber worin eben gerade dasjenige besteht, womit sich die Menschheit der Gegenwart bekanntmachen muß: Einsicht, klares Hineinschauen in das, was eben notwendig ist — das ist es, was sich über die Menschengemüter ausbreiten muß. Dazu wird aber notwendig sein vieles, was die Gemütsverfassung, die Weltanschauungsverfassung der Seelen wesentlich ändert. Mit inneren Impulsen wird sich die Menschheit durchdringen müssen, die man heute noch gern abweist, weghaben will vom behaglichen Leben. Solche Begriffe, solche inneren Impulse, die man gern weghaben will vom behaglichen Leben, können ja viele angeführt werden. Lassen Sie mich nur ein Beispiel dafür anführen.

[ 16 ] But something else may come to pass—something about which, admittedly, present-day humanity does not yet wish to know much, but which consists precisely of that with which present-day humanity must become acquainted: Insight, a clear look into what is truly necessary—that is what must take hold of people’s minds. But this will necessarily require many things that will fundamentally change the state of mind and the worldview of souls. Humanity will have to allow itself to be permeated by inner impulses that people today still tend to reject, wanting to keep them out of their comfortable lives. Many such concepts and inner impulses—which people would gladly do without in their comfortable lives—can be cited. Let me give just one example.

[ 17 ] Der Mensch der Gegenwart, gerade wenn er ein recht guter Mensch sein will, ein Mensch, der nichts für sich will, sondern immer nur selbstlos für andere will, der strebt selbstverständlich nach gewissen Tugenden. Das sind auch eherne Notwendigkeiten. Nun wird hier selbstverständlich nicht etwa gegen das Streben nach der Tugend gesprochen, aber die Menschen streben eben nicht bloß nach der Tugend. Nach der Tugend streben ist ja schon ganz gut, aber die Menschen streben nicht bloß nach der Tugend; und für die Gegenwart ist die Sache noch meistens so, daß das eigentliche Streben nach der Tugend den Menschen ziemlich einerlei ist, wenn man auf die tieferen Untergründe, auf die unterbewußten Untergründe des Gemütes eingeht. Viel wichtiger ist den Menschen das Gefühl, tugendhaft zu sein, sich so recht hineinzuleben in die Stimmung: Ich bin ein selbstloser Mensch, wie tue ich alles nicht um meinetwillen! Ich bin ein vollkommener Mensch, ein wohlwollender Mensch, ich bin ein Mensch, der an keine Autorität glaubt. — Nachher rennt er allerdings allen möglichen Autoritäten nach. Aber sich gewissermaßen so recht wohlig zu ergehen in dem Bewußtsein, man habe diese oder jene Tugend, das ist für die Menschen heute unendlich wichtiger, als die Tugend wirklich eigentlich zu haben. Die Wollust, sich mit der Tugend ausgestattet zu wissen, das ist es, worauf es den Menschen viel mehr ankommt, als diese Tugend zu üben.

[ 17 ] People today—especially if they want to be truly good people, people who want nothing for themselves but always act selflessly for others—naturally strive for certain virtues. These are also ironclad necessities. Now, of course, this is not meant to speak against the pursuit of virtue, but people do not merely strive for virtue. Striving for virtue is certainly a good thing, but people do not strive merely for virtue; and in the present day, the situation is still mostly such that the actual pursuit of virtue is of little concern to people, if one delves into the deeper, subconscious layers of the mind. What is far more important to people is the feeling of being virtuous, of really immersing themselves in the mindset: “I am a selfless person—how I do everything not for my own sake! I am a perfect person, a benevolent person; I am a person who believes in no authority.”—Afterward, however, they run after all kinds of authorities. But to revel, so to speak, in the comforting awareness that one possesses this or that virtue—that is infinitely more important to people today than actually possessing the virtue itself. The pleasure of knowing oneself to be endowed with virtue—that is what matters far more to people than practicing that virtue.

[ 18 ] Das hält dann die Menschen ab von gewissen Geheimnissen, die mit den Tugenden zusammenhängen. Von diesen Geheimnissen wollen die Menschen instinktiv nicht viel wissen, insbesondere dann nicht, wenn sie so recht aus dieser eben geschilderten Wollust heraus Idealisten der Gegenwart sind. Alle möglichen Ideale werden ja heute gesellschaftsmäßig vertreten. Man macht Programme und so weiter, stellt Gesellschaftsprinzipien auf, daß man dies oder jenes erstrebt. Alle diese Dinge, die man da erstrebt, mögen recht schön sein. Aber mit dem abstrakten Schönfinden ist es nicht getan. Die Menschen müssen lernen, wirklichkeitsgemäß zu denken. Und da kann man auch mit Bezug auf die Tugendhaftigkeit einmal auf das Wirklichkeitsgemäße aufmerksam machen. Vollkommenheit, Wohlwollen, schöne Tugenden, Recht: das alles ist etwas Schönes für das äußere menschliche Zusammenleben. Aber wenn jemand sagt: Wir streben programmäßig diese oder jene Vollkommenheit an, diese oder jene Richtung des Wohlwollens an, wir versuchen dieses oder jenes Recht zu realisieren —, so sagt er das in der Regel mit der Idee, daß dies etwas Absolutes ist und daß dies nun als etwas Absolutes realisiert werden könne. Nun ja, warum sollte das denn nicht auch schön sein — sagt der Mensch der Gegenwart —, immer vollkommener und vollkommener zu werden! — Und was könnte es denn Idealeres geben, als sich zum Programm zu machen, immer vollkommener und vollkommener zu werden! Aber mit dem Gesetz der Wirklichkeit stimmt das nicht. Es ist ja richtig und gut, immer vollkommener zu werden oder wenigstens werden zu wollen, aber wenn man konkret nach einer bestimmten Richtung der Vollkommenheit strebt, so schlägt nach einiger Zeit dieses Vollkommenheitsstreben um und wird zur Unvollkommenheitswirklichkeit. Das Vollkommenheitsstreben wird nach einiger Zeit durch Umschlag zur Schwäche. Wohlwollen wird nach einiger Zeit zum vorurteilsvollen Verhalten. Und realisieren Sie, welches Recht Sie wollen, es kann noch so gut sein: im Laufe der Zeit wird es zum Unrecht. Es gibt nichts Absolutes auf dieser Welt. Das ist die Realität. Man strebe irgendein Gutes an — durch den Gang der Welt wird es ein Schlechtes. Daher muß immer neu und neu gestrebt werden, in immer neuen Gestaltungen gestrebt werden. Das ist es, worauf es ankommt. In bezug auf solches Streben der Menschen besteht eine Oszillation, ein Hin- und Herpendeln. Und nichts ist der Menschheit schädlicher als der Glaube an absolute Ideale, weil die dem realen Gang der Weltenentwickelung widersprechen.

[ 18 ] This then deters people from certain mysteries related to the virtues. People instinctively do not want to know much about these mysteries, especially when—driven by the very lust just described—they are idealists of the present. All kinds of ideals are, after all, espoused in society today. People create programs and so on, establishing social principles that call for striving for this or that. All these things that people strive for may well be quite beautiful. But abstract appreciation of beauty is not enough. People must learn to think in a way that is grounded in reality. And here, with regard to virtue, one can also draw attention to what is grounded in reality. Perfection, benevolence, noble virtues, justice: all of these are beautiful things for outward human coexistence. But when someone says: “We systematically strive for this or that perfection, this or that form of benevolence; we try to realize this or that justice”—then they usually say this with the idea that this is something absolute and that it can now be realized as something absolute. Well, why shouldn’t that also be beautiful—says the person of the present—to become more and more perfect! — And what could be more ideal than making it one’s program to become more and more perfect! But this does not accord with the law of reality. It is, of course, right and good to become more and more perfect—or at least to want to become so—but if one specifically strives toward a particular direction of perfection, after a while this striving for perfection turns around and becomes the reality of imperfection. After a while, the pursuit of perfection turns into weakness. Goodwill turns into prejudiced behavior after a while. And no matter what right you may have—no matter how good it may be—over time it becomes wrong. There is nothing absolute in this world. That is reality. No matter what good you strive for—through the course of the world, it becomes evil. Therefore, one must strive anew again and again, in ever-changing forms. That is what matters. With regard to such human striving, there is an oscillation, a back-and-forth swing. And nothing is more harmful to humanity than the belief in absolute ideals, because they contradict the actual course of world development.

[ 19 ] Man gebraucht gerne, wenn man so etwas darlegen will, nicht um etwas zu beweisen, sondern nur um es zu veranschaulichen, gewisse Begriffe. In gewisser Beziehung können naturwissenschaftliche Begriffe symbolisch auch geistige Begriffe veranschaulichen. Denken Sie sich: Wir haben hier ein Pendel befestigt (es wird gezeichnet). Nicht wahr, wenn dieses Pendel hier herausgeht, so daß es hier ist nach der einen Seite ausschlagend —, und man läßt es dann herunterfallen, so kommt es hier in seine Gleichgewichtslage. Es macht diesen Weg durch.

[ 19 ] When one wants to explain something like this—not to prove anything, but simply to illustrate it—one often uses certain concepts. In a certain sense, scientific concepts can also symbolically illustrate intellectual concepts. Imagine this: We have a pendulum attached here (it is drawn). Isn’t it true that when this pendulum swings out here—so that it swings to one side—and you then let it fall, it returns to its equilibrium position here? It travels this path.

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[ 20 ] Warum macht das Pendel diesen Weg durch? Weil die Schwerkraft auf das Pendel wirkt — so sagt man. Es fällt herunter, aber wenn es da unten angekommen ist, da bleibt es nicht stehen. Es hat durch das Herunterfallen ein gewisses Beharrungsvermögen in sich aufgenommen, und es schlägt dadurch gerade nach der entgegengesetzten Richtung aus. Dann fällt es wieder herunter. Das heißt, während das Pendel diesen Weg durchmacht, nimmt es so viel Kraft auf durch das Herunterfallen, daß es durch diese seine eigene Kraft nach der andern Seite hin ausschlägt, geradeso hoch wie es vorher war. Um nachträglich dies oder jenes zu verdeutlichen, braucht man solch einen Vergleich. Man kann sagen: Irgendeine Tugend — Vollkommenheit, Wohlwollen — macht ganz richtig diesen Weg, aber schlägt dann nach der andern Seite aus. Vollkommenheit wird Schwäche, Wohlwollen wird vorurteilsvolle Afterliebe, Recht wird Unrecht im Verlaufe der Entwickelung.

[ 20 ] Why does the pendulum follow this path? Because gravity acts on the pendulum—or so they say. It falls down, but once it reaches the bottom, it does not stop there. As it falls, it gains a certain amount of momentum, and this causes it to swing off in the exact opposite direction. Then it falls back down again. That is to say, as the pendulum follows this path, it absorbs so much energy from the fall that, driven by this energy of its own, it swings to the other side, just as high as it was before. To clarify this or that point afterward, one needs such a comparison. One might say: Any virtue—perfection, benevolence—follows this path quite correctly, but then swings off in the opposite direction. Perfection becomes weakness, benevolence becomes prejudiced flattery, and right becomes wrong in the course of development.

[ 21 ] Mit solchen Begriffen will sich die Menschheit heute nicht gern tragen. Denn denken Sie doch nur einmal, wenn man dem biederen Spießbürger der Gegenwart, der seinen Verein gründet auf gewisse Ideale hin, klarmachen wollte: Mit dem, was du jetzt als Ideal aufstellst, wirst du, wenn du es dem Gang der Entwickelung einfügst, nach verhältnismäßig gar nicht so langer Zeit das Gegenteil bewirken —, ja, der würde glauben, man wäre nicht nur kein Idealist, sondern ein richtiger Teufel. Denn wie soll das Streben nach Vollkommenheit nicht immer weiter ins Vollkommene hinsteuern und Recht nicht immer weiter und weiter Recht bleiben! An die Stelle der einseitigen, abstrakten Begriffe die Begriffe der Wirklichkeit zu setzen, das wird der gegenwärtigen Menschheit ganz besonders schwer. Das muß aber die gegenwärtige Menschheit lernen, sonst wird sie nicht weiterkommen. Und so muß sie sich auch damit bekanntmachen, daß die Kulturentwickelung selber das Hantieren mit den Elementargeistern der Geburt und des Todes nach und nach notwendig macht. Und damit muß die Menschheit die Einfügung eines zerstörerischen Elementes in die Menschheitsentwickelung kennenlernen.

[ 21 ] People today are reluctant to accept such concepts. Just think for a moment: if one were to explain to the staid, narrow-minded citizen of today—who founds his club on the basis of certain ideals—that “What you now hold up as an ideal will, if you integrate it into the course of development, bring about the opposite in a relatively short time”—yes, he would believe that one were not only not an idealist, but a veritable devil. For how could the striving for perfection not lead ever further toward perfection, and how could what is right not remain right further and further on! Replacing one-sided, abstract concepts with the concepts of reality is particularly difficult for present-day humanity. But present-day humanity must learn this; otherwise, it will not make any progress. And so it must also come to terms with the fact that cultural development itself gradually makes it necessary to deal with the elemental spirits of birth and death. And in doing so, humanity must come to understand the introduction of a destructive element into human development.

[ 22 ] An einzelnen Stellen kommen instinktiv auf diese Dinge auch solche Menschen, die es ablehnen, sich in weiterem Umfang mit der Geisteswissenschaft bekanntzumachen, die ja das einzige Mittel ist, zu diesen Dingen die rechte Stellung zu finden. Was bedeutet denn eigentlich dasjenige, was ich Ihnen jetzt gesagt habe? Es sind natürlich Sendboten des Ahriman, diese Elementargeister der Geburt und des Todes. Die Götter müssen sich, aus der ehernen Notwendigkeit der Weltenentwickelung heraus, der Sendboten des Ahriman bedienen, um Geburt und Tod zu regeln. Sie lassen für ihre Taten die Kräfte dieser Sendboten nicht herein auf den physischen Plan. Aber in der absteigenden Kulturentwickelung, von der fünften nachatlantischen Periode ab, muß wiederum, damit die Katastrophe kommen kann, gerade in die Kulturentwickelung das hereinkommen. Der Mensch selbst muß mit diesen Kräften hantieren. Sendboten des Ahriman also sind notwendig, ehern notwendig, um jene Zerstörung hervorzurufen, die der nächste Kulturfortschritt sein wird. Das ist eine furchtbare Wahrheit, aber es ist so. Und es hilft gegenüber dieser Wahrheit nichts anderes, als sich mit ihr bekanntzumachen, klar in sie hineinzuschauen. Wir werden schon weiter davon sprechen. Sie werden schon sehen, was alles die richtige Stellung zu diesen Wahrheiten erfordert.

[ 22 ] In certain instances, even those who refuse to familiarize themselves more extensively with spiritual science—which is, after all, the only means of arriving at the correct understanding of these matters—instinctively come to realize these things. What, then, does what I have just told you actually mean? These elemental spirits of birth and death are, of course, messengers of Ahriman. Out of the iron necessity of world evolution, the gods must make use of Ahriman’s messengers to regulate birth and death. They do not allow the forces of these messengers to enter the physical plane for the purpose of their actions. But in the descending phase of cultural development, beginning with the fifth post-Atlantean epoch, these forces must once again enter into cultural development itself—precisely so that the catastrophe can occur. Human beings themselves must work with these forces. Thus, the messengers of Ahriman are necessary—absolutely necessary—to bring about the destruction that will be the next step in cultural progress. This is a terrible truth, but it is so. And in the face of this truth, nothing helps but to familiarize oneself with it and look clearly into it. We will speak more about this later. You will see what the proper attitude toward these truths requires.

[ 23 ] Instinktiv, sage ich, kommen manche Menschen darauf, daß so etwas notwendig ist. Instinktiv ist zum Beispiel darauf gekommen eine Persönlichkeit, die manches gute Buch in der Gegenwart geschrieben hat — allerdings kein Buch, das irgendwie an Geisteswissenschaft ernsthaft anklingt —, ich meine Ricarda Huch. Und ganz bemerkenswert ist wegen des Instinktes, nicht wegen der Einsicht, aber wegen des Instinktes, der in diesem Buch waltet, das neueste Buch über «Luthers Glaube». Wenn Sie die ersten Kapitel dieses Buches lesen, so finden Sie darin einen merkwürdigen Schrei — könnte man sagen —, den Schrei danach, daß die Menschheit wiederum etwas kennenlernen müßte, was eigentlich seit Luthers Zeiten, bis zu welchen noch atavistisches Hellsehen auf diesem Gebiete gereicht hat, der Menschheit verlorengegangen ist. Ricarda Huch sagt, daß eigentlich das Notwendigste für die gegenwärtige Menschheit sei, den Teufel kennenzulernen. Sie betrachtet es nicht als so notwendig, sich mit Gott bekanntzumachen; als viel notwendiger betrachtet sie es für die gegenwärtige Menschheit, sich mit dem Teufel bekanntzumachen.

[ 23 ] Instinctively, I say, some people realize that something like this is necessary. For example, one writer who has authored many fine contemporary books—though none that seriously touches on spiritual science—came to this realization instinctively; I am referring to Ricarda Huch. And what is truly remarkable—not because of insight, but because of the instinct that prevails in this book—is her latest work on “Luther’s Faith.” If you read the first chapters of this book, you will find in them a strange cry—one might say—a cry for humanity to once again come to know something that has actually been lost to humanity since Luther’s time, up to which point atavistic clairvoyance in this field still extended. Ricarda Huch says that what is actually most necessary for humanity today is to get to know the devil. She does not consider it so necessary to become acquainted with God; she considers it far more necessary for humanity today to become acquainted with the devil.

[ 24 ] Warum das notwendig ist, weiß natürlich Ricarda Huch nicht. Aber instinktiv fühlt sie, daß es notwendig ist. Daher dieser eindringliche Schrei nach der Erkenntnis des Teufels in den ersten Kapiteln dieses Buches, der sehr symptomatisch, bedeutsam ist für die Gegenwart. Sie denkt sich: Mit Gott werden die Menschen schon wieder bekanntwerden, wenn sie nur wissen, daß der Teufel um sie herum umgeht. — Natürlich, solche Menschen, die doch nicht an die Geisteswissenschaft heran wollen, die finden dann immer, suchen immer Entschuldigungsgründe für so etwas. Daß der Teufel als reales Wesen wiederum von den Menschen erkannt werden soll, das fühlt Ricarda Huch; aber sie entschuldigt es gleich damit, daß das doch selbstverständlich nicht so ist, daß man sich vorstellen soll, daß er mit Schwanz und Hörnern auf der Straße herumlaufe. — Nun, er läuft schon herum! «Den Teufel merkt das Völkchen nie, und wenn er es auch schon am Kragen hätte.» Der Abstraktling der Gegenwart braucht eben gleich eine Entschuldigung, wenn er auch instinktiv das, was dringend notwendig ist, einsieht. Aber ein guter, ein richtiger Instinkt für die Gegenwart liegt diesem Schrei nach dem Teufel zugrunde. Die Menschen sollen nicht einfach blind, schlafend hineinwachsen in dasjenige, was eine eherne Notwendigkeit für die nächste Zeit von ihnen verlangt: sich im Laboratorium, in der Werkstätte, in der Bank, überall mit den Sendlingen des Teufels zu tun zu machen. Das müssen die Menschen zum Kulturfortschritt tun; aber kennen müssen sie den Teufel, wissen müssen sie, daß in dem Augenblicke, wo sie, sagen wir, die Stahlkammern aufschließen, in der Kraft des Schlüssels die Kraft des Teufels steckt. Das ahnt instinktiv Ricarda Huch. Das müssen die Menschen wissen, denn allein das Wissen führt in der richtigen Weise in die Zukunft hinein. Und schon das ist von ungeheuer großer Bedeutung, daß sich Menschen finden, die instinktiv die Notwendigkeit betonen, daß die Menschen nicht schlafend an dem immer mächtiger werdenden Teufel vorbeigehen.

[ 24 ] Of course, Ricarda Huch does not know why this is necessary. But she instinctively feels that it is necessary. Hence this urgent cry for the recognition of the Devil in the first chapters of this book, which is very symptomatic and significant for the present day. She thinks to herself: People will become acquainted with God again if only they knew that the Devil is prowling around them. — Of course, people who aren’t willing to engage with spiritual science will always find, will always seek excuses for such things. Ricarda Huch senses that the Devil, as a real being, should once again be recognized by people; but she immediately excuses this by saying that, of course, it isn’t as if one should imagine him running around the streets with a tail and horns. — Well, he is running around! “The little people never notice the Devil, even if he’s already got them by the collar.” The abstract-minded person of the present simply needs an excuse right away, even when they instinctively recognize what is urgently necessary. But a good, genuine instinct for the present underlies this cry for the devil. People should not simply grow into—blindly, sleepily—what an iron necessity demands of them for the time to come: to deal with the devil’s emissaries in the laboratory, in the workshop, in the bank, everywhere. People must do this for the sake of cultural progress; but they must know the devil; they must know that the moment they, say, unlock the steel chambers, the power of the devil lies in the power of the key. Ricarda Huch senses this instinctively. People must know this, for knowledge alone leads the way into the future. And it is already of immense significance that there are people who instinctively emphasize the necessity of not passing by the ever-more-powerful devil while asleep.

[ 25 ] Vielleicht ist auch das charakteristisch — das sage ich nur in Parenthese: Im Paradiese war es ja auch eine Frau, welche die Funktionen des Teufels instinktiv hereingeführt hat in dieses Paradies. Es ist, wie ich glaube, in der äußeren Kultur ja kein besonderes Renommee für die Männer, daß sie diesen Aberglauben noch weit abweisen und es vorläufig wiederum der Frau überlassen haben; es ist vielleicht charakteristisch, daß Ricarda Huch als Frau nach dem Teufel ruft, wie einstmals die Eva im Paradies den Teufel hereingelassen hat. Doch das sage ich nur in Parenthese.

[ 25 ] Perhaps this, too, is characteristic—I say this only as an aside: In Paradise, after all, it was also a woman who instinctively introduced the devil’s role into that Paradise. I believe that, in secular culture, it does not particularly reflect well on men that they still largely reject this superstition and have, for the time being, left it to women once again; it is perhaps characteristic that Ricarda Huch, as a woman, calls out to the devil, just as Eve once let the devil into Paradise. But I say this only as an aside.

[ 26 ] Aber dieser Teufel ist schon dasjenige Wesen, das der Träger der Kultur der Zukunft sein wird und sein muß. Es ist eine herbe, aber eine wichtige Wahrheit. Diese Wahrheit hängt innig zusammen damit, daß sich in diesen Kulturgang in die Zukunft hinein zerstörerische Kräfte mischen müssen. Insbesondere — und davon werde ich morgen reden — müssen sich zerstörerische Kräfte, wenn die Sache nicht in weiser Art geleitet wird, in alles Erziehungswesen, namentlich in die Kindererziehung mischen. Aber auch in das ganze soziale Zusammenleben der Menschen werden sich immer mehr und mehr wegen der allgemeinen Kultur, wegen der Usancen, wegen der Emotionen der Menschen zerstörende Kräfte mischen, Kräfte, welche vor allen Dingen die Verhältnisse unter den Menschen selber immer mehr zerstören werden.

[ 26 ] But this devil is precisely the being that will—and must—be the bearer of the culture of the future. It is a bitter but important truth. This truth is intimately connected with the fact that destructive forces must intermingle with this cultural journey into the future. In particular—and I will speak about this tomorrow—if the matter is not guided wisely, destructive forces must intermingle with the entire educational system, especially in the upbringing of children. But destructive forces will also increasingly infiltrate the entire social life of human beings—due to general culture, social customs, and human emotions—forces that, above all, will increasingly undermine the relationships among human beings themselves.

[ 27 ] Streben soll der Mensch danach, das Wort Christi zu realisieren: «Wo zwei in meinem Namen vereint sind, bin ich mitten unter ihnen.» Aber die technische, die kommerzielle Kultur macht nicht dieses zur Wahrheit, sondern das andere: Wo zwei oder mehrere in meinem Namen sich zanken und streiten und bekämpfen wollen, da bin ich mitten unter ihnen. — Und das wird immer mehr in das soziale Menschenleben hineinkommen. Das führt aber dazu, daß überhaupt die Schwierigkeit besteht, heute in die Menschheit verbindende Wahrheiten hineinzuführen.

[ 27 ] People should strive to put Christ’s words into practice: “Where two are united in my name, I am there among them.” But our technical, commercial culture does not make this the truth, but rather the opposite: Where two or more are united in my name to quarrel, argue, and fight, there I am in their midst. — And this will increasingly permeate social life. This, however, makes it difficult to introduce truths that unite humanity today.

[ 28 ] Und machen wir uns jetzt zum Schlusse wenigstens vorläufig klar — wir werden morgen und übermorgen über die Dinge weiter reden —, wie die Gemütsverfassung der Menschen in bezug auf das Entgegennehmen von Wahrheiten überhaupt ist. Der Mensch nimmt heute nicht gern Wahrheiten entgegen, weil er gar nicht glaubt, daß Wahrheiten etwas sein könnten, was unmittelbar aus der geistigen Welt hereintritt und an die Menschen herankommt. Der Mensch der Gegenwart glaubt, Wahrheit kann nur etwas sein, was absolut auf seinem Grund und Boden wächst. Wenn man heute so in den Zwanzigerjahren ist, dann hat man seinen Standpunkt, dann braucht man nicht erst von der Wahrheit überzeugt zu werden, dann braucht einem die Wahrheit nicht erst geoffenbart zu werden, dann hat man seinen Standpunkt. Und es kann jemand kommen, der mit all seinem Eifer um die Wahrheit gerungen hat — der vierundzwanzigjährige Dachs, der eben die Universität absolviert und vielleicht noch Vorlesungen gehört hat über die Philosophie, der hat seinen Standpunkt, über den er dann diskutiert mit dem andern, der mit allem Eifer um die Wahrheit gerungen hat. Heute hat jeder seinen Standpunkt, und jeder glaubt, daß auch auf dem unvorbereiteten Boden die absolute, allein sichere Wahrheit wächst. Die Menschen sind nicht geneigt, Wahrheiten entgegenzunehmen, sondern sie ernennen sich zum Besitzer der Wahrheit. Das ist ja das Charakteristikon der Gegenwart.

[ 28 ] And now, to conclude—at least for the time being; we will continue discussing these matters tomorrow and the day after—let us clarify what people’s state of mind is, in general, when it comes to receiving truths. People today are reluctant to accept truths because they do not believe at all that truths could be something that enters directly from the spiritual world and reaches people. People today believe that truth can only be something that grows entirely from within themselves. If you’re in your twenties today, you have your own point of view; you don’t need to be convinced of the truth first; the truth doesn’t need to be revealed to you first—you already have your own point of view. And someone may come along who has struggled with all his zeal for the truth—the twenty-four-year-old Dachs, who has just graduated from university and perhaps still attended lectures on philosophy; he has his own point of view, which he then discusses with the other person who has also struggled with all his zeal for the truth. Today, everyone has their own point of view, and everyone believes that absolute, uniquely certain truth grows even on unprepared ground. People are not inclined to accept truths; rather, they appoint themselves as the owners of the truth. That, after all, is the defining characteristic of the present.

[ 29 ] Auch darüber hat Ricarda Huch ein sehr schönes Wort gesprochen. Sie hat darauf aufmerksam gemacht, wie unserer jetzigen Weltauffassung — oder wie man es nennen will —, die überall im Chauvinismus schwimmt, vorangegangen ist bei den aufgeklärten Europäern der Nietzscheanismus, der über alle Vaterländer und über allen Chauvinismus weit erhaben war. Die Menschen sind Anhänger Nietzsches geworden. Wie viele sind Anhänger Nietzsches geworden! Nietzsche hat das Ideal der «blonden Bestie» aufgestellt. Verstanden haben die Menschen wenig davon. Aber Ricarda Huch sagt: Ein jeder, der nicht einmal die Anlage hat, ein respektables Meerschweinchen zu werden, hat sich eingebildet, selber nun die «blonde Bestie» zu sein im Sinne Nietzsches. — Ja, das ist nämlich heute der Standpunkt des Spießbürgertums. Man hat wirklich nicht die Anlage, ein respektables Meerschweinchen zu sein, aber wenn irgendwo ein noch so hohes Ideal aufgestellt wird, da ist man es! Man ist es einfach, weil man findet, man ist es, ohne daß man irgend etwas dazu tut, weil man ja nicht anstrebt, sich zu entwickeln, weil man es nicht erträgt, erst etwas zu werden, weil man nur etwas sein will. Das aber zerspaltet die Menschen in Menschheitsatome. Ein jeder hat seinen Standpunkt. Keiner kann mehr den andern verstehen.

[ 29 ] Ricarda Huch also had some very beautiful words to say about this. She pointed out how our current worldview—or whatever one wishes to call it—which is steeped in chauvinism, was preceded among enlightened Europeans by Nietzscheanism, which stood far above all fatherlands and all chauvinism. People have become followers of Nietzsche. How many have become followers of Nietzsche! Nietzsche established the ideal of the “blond beast.” People understood very little of it. But Ricarda Huch says: Anyone who doesn’t even have the potential to become a respectable guinea pig has imagined himself to be the “blond beast” in Nietzsche’s sense. — Yes, that is, in fact, the standpoint of the petty bourgeoisie today. One really doesn’t have the potential to be a respectable guinea pig, but if an ideal—no matter how lofty—is set forth somewhere, then one is it! One is simply that because one thinks one is, without doing anything to achieve it, because one does not strive to develop, because one cannot bear to first become something, because one merely wants to be something. But this splits people into atoms of humanity. Everyone has their own point of view. No one can understand the others anymore.

[ 30 ] Da sehen Sie — gerade in dieser Stimmung, daß keiner mehr den andern verstehen kann — das Walten der zerstörerischen Kräfte in der menschlichen Gesellschaftsordnung selber. Das treibt die Menschen auseinander. Es war schon der Teufel, der den Menschen die Versuchung eingegeben hat, als Nietzsche- Anhänger selber «blonde Bestien» zu sein. Sie sind es nicht geworden. Aber wenn die Menschen auch keine «blonden Bestien» im Sinne Nietzsches geworden sind — es ist doch schon etwas geworden aus diesen die Sozialität zerstörenden Impulsen des 19. Jahrhunderts in diesem 20. Jahrhundert. Das wollen wir dann morgen weiter besprechen.

[ 30 ] There you see—precisely in this atmosphere, where no one can understand anyone else anymore—the reign of destructive forces within the human social order itself. This drives people apart. It was the devil himself who tempted people, as followers of Nietzsche, to become “blond beasts.” They did not become so. But even if people have not become “blond beasts” in Nietzsche’s sense—something has nonetheless come of these 19th-century impulses that destroy sociality in the 20th century. We will discuss this further tomorrow.