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The Rudolf Steiner Archive

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The Spiritual Backgrounds of the Outer World
The Fall of the Spirits of Darkness
GA 177

1 October 1917, Dornach

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Dritter Vortrag

Third Lecture

[ 1 ] Ich werde versuchen, in der Reihe von Vorträgen, die ich nun halten werde, Ihnen etwas Zusammenhängendes zu geben, das Ihnen die Möglichkeit bieten soll, die Gegenwart und die nächste Zukunft wenigstens von einigen Gesichtspunkten aus zu verstehen. Ich werde aber in manchem weiter ausholen müssen. Daher wird schon berücksichtigt werden müssen, daß ich eine Art roten Faden, wie man sagt, durch diese Vorträge ziehen lasse und daß das Einzelne im Zusammenhange mit dem Ganzen wird genommen werden müssen. Ich werde nach den verschiedensten Seiten hin weiter ausholen, Bausteine herbeitragen, manchmal scheinbar entfernt liegende Bausteine, die Sie aber brauchen zum Verständnis der Gegenwart.

[ 1 ] In the series of lectures I am about to give, I will try to present you with a coherent overview that will enable you to understand the present and the near future, at least from a few different perspectives. However, I will need to go into greater detail on some points. Therefore, you will need to bear in mind that I will be weaving a sort of common thread—as they say—through these lectures, and that individual points will need to be considered in the context of the whole. I will explore a wide variety of angles, bringing in building blocks—sometimes ones that may seem distant—but which you will need to understand the present.

[ 2 ] Eines muß jetzt in dieser Zeit — und mit dieser Zeit verstehe ich eigentlich einen größeren Zeitraum, der sich nach Jahrzehnten zurück und nach Jahrzehnten vorwärts ausdehnt — ganz besonders berücksichtigt werden. Es müssen Wahrheiten ausgesprochen werden, welche in vieler Beziehung im schroffen Gegensatz stehen zu demjenigen, was die Menschheit in der Gegenwart nicht nur glaubt, sondern mehr oder weniger für selbstverständlich hält, so daß sich die Lage zwischen der Geisteswissenschaft und der heute in der Welt gebräuchlichen Meinung etwa in der folgenden Art stellen wird: Geisteswissenschaft wird dies oder jenes zu sagen haben; in der Welt hat man aber nicht nur eine abweichende, sondern eine in vieler Beziehung geradezu entgegengesetzte Meinung von dem, was Geisteswissenschaft als Wahrheit zu verkünden hat. Dadurch ist es ja selbstverständlich, daß die Menschen die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten als etwas empfangen, das ihnen unglaublich, das ihnen verdreht, das ihnen töricht erscheint.

[ 2 ] There is one thing that must be given special consideration at this time—and by “this time” I actually mean a broader period that extends decades into the past and decades into the future. Truths must be spoken that, in many respects, stand in stark contrast to what humanity today not only believes but also takes more or less for granted, so that the situation between spiritual science and the opinions prevalent in the world today will be roughly as follows: Spiritual science will have this or that to say; but in the world, people hold not only a divergent view but, in many respects, a view that is downright opposed to what spiritual science has to proclaim as truth. Consequently, it goes without saying that people will receive the truths of spiritual science as something that seems unbelievable to them, something that seems twisted to them, something that seems foolish to them.

[ 3 ] Aber man muß schon sagen: Wenn auch zu andern Zeiten die Wahrheit, die da verkündet werden mußte, um Zukünfte einzuleiten, sich unterschied von den landläufigen Meinungen, welche die Menschen damals hatten, wenn auch zu allen Zeiten ein gewisser Unterschied war zwischen der fortschreitenden Wahrheit und der landes- oder weltüblichen Meinung — so groß, so einschneidend, wie er gerade in unserer Zeit sein muß, war dieser Unterschied eigentlich in vergangenen Zeiten wohl niemals. Vielleicht gilt das weniger im absoluten Sinn, aber in diesem relativen Sinne gilt es, daß die Menschen heute innerlich ungeheuer intolerant sind und daher weniger Meinungen, die von den ihrigen abweichen, vertragen.

[ 3 ] But it must be said: Even if, in other times, the truth that had to be proclaimed in order to usher in new eras differed from the prevailing opinions held by people at the time, and even if there has always been a certain difference between progressive truth and the opinions customary in a country or throughout the world—as great as it may be, as drastic as it must be in our time—this difference was probably never actually as great in past times. Perhaps this is less true in an absolute sense, but in this relative sense, it is true that people today are inwardly immensely intolerant and therefore less tolerant of opinions that differ from their own.

[ 4 ] Also das subjektive Gefühl des Phantastischen gegenüber den neu auftauchenden Meinungen werden die Menschen der Gegenwart viel mehr haben in der nächsten Zukunft, als es auf diesem Gebiete in früheren Zeiten der Fall war. Dennoch, die Verhältnisse liegen so, daß Wahrheiten, die man bis zu unserer Gegenwart strenge behütet hat in engen Kreisen, über welche man jenen, denen man sie mitteilte, strengstes Schweigen auferlegte gegenüber allen, denen man sie nicht mitteilen konnte, solche Wahrheiten müssen in unserer Zeit immer mehr und mehr öffentlich gemacht werden, ganz gleichgültig, wie die allgemeine Meinung und ihre "Träger diesen Wahrheiten entgegenkommen, ganz gleichgültig, was für Vorurteile und was für Gegenströmungen diese Wahrheiten hervorrufen.

[ 4 ] Thus, people today will have a much stronger subjective sense of the fantastical when confronted with newly emerging opinions in the near future than was the case in this area in earlier times. Nevertheless, the situation is such that truths which, up to the present, have been strictly guarded within close-knit circles—and regarding which those to whom they were communicated were required to maintain the strictest silence toward all those to whom they could not be disclosed—such truths must, in our time, be made public more and more, regardless of how public opinion and its “champions” respond to these truths, and regardless of what prejudices and countercurrents these truths may provoke.

[ 5 ] Warum das so ist, davon werden wir auch im Laufe dieser Vorträge noch zu sprechen haben. Auf einige Eigentümlichkeiten im Aufnehmen von Wahrheiten seitens der Gegenwartsmenschen und der nächsten Zukunftsmenschen werde ich zunächst hinzuweisen haben. In mancher Beziehung sind diese Menschen der Gegenwart, trotzdem sie glauben, daß sie über die Illusionen der vergangenen Zeit, über den Aberglauben der vergangenen Zeit ungeheuer weit hinaus wären, durch und durch illusionär, neigen mehr, als das zu andern Zeiten der Fall war, dazu, sich über gewisse wesentliche und wichtige Dinge der Weltenordnung Illusionen hinzugeben, und zwar in einem solchen Grade, daß diese Illusionen weltbeherrschende, völkerbeherrschende, erdenbeherrschende Mächte werden. Das ist sehr wichtig, denn in dem ganzen Chaos der Gegenwart walten — und deswegen ist es ja ein Chaos — gerade Illusionen, illusionäre Vorstellungen.

[ 5 ] We will discuss why this is so in the course of these lectures. To begin with, I will point out some peculiarities in the way people of the present and the near future perceive truths. In many respects, these people of the present—even though they believe they have moved far beyond the illusions and superstitions of the past—are thoroughly deluded; they are more prone than people in other eras to succumb to illusions about certain essential and important aspects of the world order, and to such an extent that these illusions become powers that dominate the world, dominate nations, and dominate the earth. This is very important, for in all the chaos of the present—and that is precisely why it is chaos—it is illusions, illusory notions, that reign.

[ 6 ] Wir wollen gleich auf eine, ich möchte sagen, Grundillusion, auf eine prinzipielle Illusion der Gegenwart hinweisen, auf eine Illusion, die innig zusammenhängt mit den materialistischen Zeittendenzen, mit der Neigung der Menschen zum Materialismus. Diese Illusion charakterisiert sich darin, daß die Menschen immer mehr geneigt werden, sich eine ganz falsche Ansicht zu bilden über das, was wir im Zusammenhange der geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse den physischen Plan nennen. Und immer weniger wird ein Wort des Neuen Testamentes, das in dieser Beziehung grundlegend ist, verstanden, immer weniger wird das Wort verstanden: «Mein Reich ist nicht von dieser Welt.» Mißverstanden wird dieses Wort insofern in der Gegenwart, als gerade die äußerlich tonangebenden Persönlichkeiten, die führenden Individualitäten der Gegenwart sich der Illusion hingeben, daß in jeder Beziehung ihr Reich von dieser Welt werden müsse, ihr Reich Platz greifen müsse auf dem physischen Plane.

[ 6 ] We would like to point out right away what I would call a fundamental illusion, a fundamental illusion of the present—an illusion that is intimately connected with the materialistic trends of our time and with people’s inclination toward materialism. This illusion is characterized by the fact that people are becoming increasingly inclined to form a completely false view of what we, in the context of spiritual scientific insights, call the physical plane. And a phrase from the New Testament that is fundamental in this regard is understood less and less; the phrase “My kingdom is not of this world” is understood less and less. This saying is misunderstood in the present to the extent that precisely those personalities who set the tone outwardly—the leading figures of the present—succumb to the illusion that, in every respect, their kingdom must be of this world, that their kingdom must take hold on the physical plane.

[ 7 ] Was meine ich damit? Wer real zu sehen vermag, wer die Wirklichkeit zu durchschauen vermag, der weiß, daß die Welt des physischen Planes niemals eine Vollkommenheit haben kann. Wer aber materialistisch denkt, der gibt sich der Illusion hin, daß auf dem physischen Plan etwas Vollkommenes erreicht werden müsse. Daher entspringen dann alle die Illusionen, von denen eine ganz besonders charakteristisch ist: die sozialistische Illusion der Gegenwart.

[ 7 ] What do I mean by this? Anyone who is able to see reality, anyone who is able to penetrate reality, knows that the world of the physical plane can never be perfect. But those who think materialistically succumb to the illusion that something perfect must be achieved on the physical plane. This is the source of all these illusions, one of which is particularly characteristic: the socialist illusion of the present.

[ 8 ] Ulusionen machen sich ja jetzt geradezu die Menschen aller Meinungsnuancen, aller Parteischattierungen — auch die Menschen von liberaler Weltanschauung, liberaler Lebensauffassung haben sich eine gewisse Einrichtung des physischen Planes konstruiert und haben gedacht, wenn sie diese Einrichtung verwirklichen können, dann wird das Paradies auf Erden sein. Die Sozialisten wieder denken nach gar nichts anderem hin, als wie man die Welt dieses physischen Planes einrichten solle, damit alles auf diesem physischen Plane hier gut sei, damit jeder ein besonders behagliches Dasein, wie man sich es vorstellt, habe, jeder in der gleichen Weise und so weiter. Und wenn solche Menschen anfangen, sich die Zukunftsgestaltung des physischen Planes auszumalen, dann ist das immer eine sehr schöne, paradiesische Welt. Versuchen Sie nur einmal, die Pläne derjenigen, die sich heute zu den verschiedensten sozialistischen Parteien rechnen, nach dieser Richtung hin zu prüfen!

[ 8 ] People of every political persuasion and every party affiliation are now harboring illusions—even those with a liberal worldview and a liberal outlook on life have constructed a certain system for the physical plane and believe that if they can bring this system to fruition, it will be paradise on earth. The socialists, on the other hand, think of nothing else but how to organize the world of this physical plane so that everything here on this physical plane will be good, so that everyone will have a particularly comfortable existence, as they imagine it, everyone in the same way, and so on. And when such people begin to envision the future shape of the physical plane, it is always a very beautiful, paradisiacal world. Just try examining the plans of those who today identify with the various socialist parties from this perspective!

[ 9 ] Aber nicht nur auf dieser Seite finden Sie solche Anschauungen und Meinungen, sondern auch bei andern. Nehmen Sie die Pädagogen. Selbstverständlich ist heute jeder pädagogische Agitator oder Schriftsteller davon überzeugt, er müsse ein solches Erziehungssystem, solche Erziehungsprinzipien begründen, die die besten sind, die man sich nur denken kann, und die auch im absoluten Sinn die allerbesten sind, über die hinaus man sich nicht bessere denken kann.

[ 9 ] But you’ll find such views and opinions not only on this site, but on others as well. Take educators, for example. Of course, every educational activist or writer today is convinced that they must establish an educational system and principles that are the best imaginable—and that are, in an absolute sense, the very best, beyond which no better can be conceived.

[ 10 ] Es ist dieses ein Streben, gegen das sich aufzulehnen doch den Menschen geradezu wie eine Narrheit erscheinen muß. Denn so, wie die Dinge heute liegen, können ja kaum die Menschen etwas anderes sagen als: Wer nicht will, daß in der Welt alles aufs beste eingerichtet wird, der muß ganz bösartigen Charakters sein. — Man kann es begreifen, daß die Menschen so denken müssen. Aber, wenn nicht Bösartigkeit es ist, die verhindert, so zu denken, sondern die klare, echte Anschauung der Wirklichkeit, wenn diese echte Anschauung der Wirklichkeit uns sagt: es ist einfach eine Illusion zu glauben, daß man solche Grade von Vollkommenheiten auf dem physischen Plan erreichen kann —, wenn es ebenso ein Gesetz wäre, daß es auf dem physischen Plan niemals vollkommen zugehen kann, wie es ein Gesetz ist, daß die drei Winkel eines Dreiecks eben 180 Grad sind, dann muß man halt einer solchen Wahrheit kühn und ohne Feigheit ins Gesicht schauen.

[ 10 ] It is this very aspiration that must seem downright foolish to people when they rebel against it. For as things stand today, people can hardly say anything other than: Anyone who does not want everything in the world to be arranged for the best must be of a thoroughly malicious character. — One can understand why people must think this way. But if it is not malice that prevents us from thinking this way, but rather a clear, genuine perception of reality—if this genuine perception of reality tells us: it is simply an illusion to believe that such degrees of perfection can be achieved on the physical plane—if it were just as much a law that things can never be perfect on the physical plane as it is a law that the three angles of a triangle add up to exactly 180 degrees, then one must simply look such a truth in the face boldly and without cowardice.

[ 11 ] Das ist es, was aus durchaus materialistischen Voraussetzungen heraus als solche Illusionen auftritt. Wenn auch heute viele Menschen sagen, sie glauben an eine geistige Welt — es bleibt Wort; bei vielen Menschen bleibt es ein bloßes Wort, ein leerer Schall. In den Empfindungen, in den Gefühlen, in den unterbewußten Impulsen der Menschen sitzt doch etwas anderes, sitzt die Neigung, materialistisch zu denken. Diese Neigung, die verführt die Menschen dazu — wenn sie auch sich vormachen, an etwas anderes zu glauben —, eigentlich doch nur an den physischen Plan zu glauben. Ja, wer nur an den physischen Plan glaubt, wer nicht glaubt, etwas anderes noch zu haben in seiner Umgebung als den physischen Plan, der kann ja gar nicht anders, als anzuerkennen als einziges Ideal, alles auf dem physischen Plan so herbeizuführen, daß aus diesem physischen Plan ein Paradies wird, sonst wäre ja überhaupt die ganze Welt ein Unsinn. Für den Materialisten gibt es gar keine andere Möglichkeit, wenn er nicht die Welt für Unsinn halten will, als sich der Illusion hinzugeben, daß es zwar jetzt noch recht unvollkommen zugeht auf dem physischen Plan, aber daß man doch Zustände herbeiführen könne, welche dieser Unvollkommenheit ein Ende machen und die Vollkommenheit an ihre Stelle setzen.

[ 11 ] This is what appears as such illusions when viewed from a thoroughly materialistic perspective. Even though many people today say they believe in a spiritual world—it remains mere words; for many people, it remains a mere word, an empty sound. Yet there is something else at work in people’s perceptions, feelings, and subconscious impulses: the tendency to think materialistically. This tendency leads people—even if they delude themselves into believing in something else—to actually believe only in the physical plane. Indeed, anyone who believes only in the physical plane—who does not believe there is anything else in their surroundings besides the physical plane—cannot help but recognize as their sole ideal the task of bringing about everything on the physical plane in such a way that this physical plane becomes a paradise; otherwise, the whole world would be utter nonsense. For the materialist, if he does not want to consider the world nonsense, there is no other option but to succumb to the illusion that, although things are still quite imperfect on the physical plane, it is nevertheless possible to bring about conditions that will put an end to this imperfection and replace it with perfection.

[ 12 ] Alles, was auf diesem Gebiete sich heute geltend macht — sei es im allgemeinen, über das sich alle möglichen politischen, sozialen und sonstige Agitatoren in Worten ergehen, sei es im einzelnen, sagen wir auf dem Gebiete des Erziehungswesens oder auf andern Gebieten —, alles das beruht auf Illusionen. Und diese Illusionen beruhen ihrerseits wieder darauf, daß die Menschen keine Einsicht haben in die Beziehungen des physischen Planes zu den andern Weltensphären, daß die Menschen gar keine Möglichkeit haben, sich eine Vorstellung darüber zu bilden, warum der Christus Jesus die Worte gebraucht hat: «Mein Reich ist nicht von dieser Welt», warum der Christus Jesus nicht hier auf dem physischen Plan das Reich der Vollkommenbheit verwirklichen wollte. Man wird nirgends aus den Evangelien den Nachweis führen können, daß der Christus dieses Reich der äußeren physischen Welt in ein Reich der Vollkommenheit umgestalten wollte. Dieser Illusion hat sich der Christus selbstverständlich nicht hingegeben. Aber er hat dieses Nicht-herbeiführen-Wollen eines Paradieses auf dem physischen Plan dadurch korrigiert, daß er den Leuten etwas geben wollte, das nicht von dieser Welt ist: ein Durchdringen der Seele mit den Impulsen, die immerzu in der Welt leben, die aber eben nicht von dieser Welt, das heißt nicht von dem physischen Plan sind.

[ 12 ] Everything that is currently being put forward in this area—whether in general terms, as all manner of political, social, and other agitators expound upon, or in specific instances, such as in the field of education or other areas—is based on illusions. And these illusions, in turn, are based on the fact that people have no insight into the relationships between the physical plane and the other spheres of the world; that people have absolutely no way of forming a conception of why Christ Jesus used the words, “My kingdom is not of this world,” or why Christ Jesus did not wish to realize the kingdom of perfection here on the physical plane. Nowhere in the Gospels can one find evidence that Christ intended to transform this realm of the outer physical world into a realm of perfection. Christ, of course, did not succumb to this illusion. But he corrected this unwillingness to bring about a paradise on the physical plane by wanting to give people something that is not of this world: a permeation of the soul with the impulses that live constantly in the world, but which are not of this world—that is, not of the physical plane.

[ 13 ] In weitestem Umkreise beherrschen solche Illusionen heute die Menschheit. Das aber führt ungesunde Verhältnisse herbei; denn diese Illusionen können, da die Menschen freie Wesen sind, selbstverständlich von den Menschen gefaßt werden. Auf den mehr materiellen Gebieten würden sich solche Illusionen sofort als Ilusionen zeigen. Diejenigen Toren, welche theoretisch auf materiellen Gebieten solche Dinge erfinden, die zeigen sich sogleich in ihrer illusionären Natur. Auf dem großen Gebiete des sozialen, des politischen Zusammenlebens, da zeigt sich das nicht sogleich.

[ 13 ] Today, such illusions dominate humanity on a vast scale. But this gives rise to unhealthy conditions; for since human beings are free beings, these illusions can, of course, be embraced by them. In the more material realms, such illusions would immediately reveal themselves as illusions. Those fools who theoretically invent such things in material spheres are immediately exposed as deluded. In the vast realm of social and political coexistence, however, this is not immediately apparent.

[ 14 ] Ich habe schon öfter erzählt: Als ich ein junger Dachs war, so zweiundzwanzig, dreiundzwanzig Jahre, da kam ein Hochschulkollege zu mir, mit rotem Kopf, furchtbar enthusiasmiert, und erklärte, er hätte eine wichtige, eine geradezu epochemachende Erfindung gemacht. Nun, sagte ich, das ist ja schön; was willst du nun eigentlich damit? — Ja, sagte er, ich muß nun gleich zu Ratinger gehen — das war nämlich an der Hochschule der Professor für Maschinenbau — und muß dem Ratinger die Sache vortragen! Und gesagt, getan: er lief davon. Ratinger hatte aber nicht gleich Zeit, und so kam er noch einmal zurück. Er wurde für später bestellt. Da sagte ich: Vielleicht kannst du mir nun in der Zwischenzeit erzählen — wir haben ja ein bißchen Zeit —, was du für eine Erfindung gemacht hast. — Es war eine ganz geistreiche Sache. Er hatte nämlich eine Dampfmaschine erfunden, bei der man nur anfangs ganz wenig Kohlen brauchte, um zu heizen; dann brauchte man nicht weiter Kohlen nachzulegen, sondern dann ist ein Mechanismus dagewesen, welcher die Sache fortwährend in Tätigkeit erhalten hat. Man brauchte nur einen einmaligen Anstoß zu geben. Nun, das war natürlich etwas Epochemachendes. Sie werden bloß verwundert sein, warum das heute noch nicht da ist! Ich ließ mir die ganze Sache erklären und sagte ihm dann: Weißt du, das ist sehr geistreich; aber wenn man das Ganze überschaut, so ist es nicht anders, als wenn du einen Eisenbahnwagen dadurch in Bewegung versetzen willst, daß du hineinsteigst und drinnen anschiebst, fortwährend drinnen anschiebst. Wenn einer draußen steht und anschiebt, so kann er selbstverständlich den Wagen weiterbringen; wenn er aber drinnen steht, so kann er bei derselben Krafterzeugung den Wagen nicht um einen Millimeter vorwärtsbringen. — Darauf beruhte aber die ganze Sache.

[ 14 ] I’ve told this story many times before: When I was a young badger, about twenty-two or twenty-three years old, a college classmate came to see me—his face flushed, terribly excited—and declared that he had made an important, truly epoch-making invention. “Well,” I said, “that’s all well and good; but what do you actually plan to do with it?” — “Yes,” he said, “I have to go see Ratinger right away—he was the professor of mechanical engineering at the university—and I have to present this to him!” And no sooner said than done: he ran off. But Ratinger didn’t have time right away, so he came back again. He was told to come back later. So I said, “Maybe in the meantime—since we have a little time—you could tell me what kind of invention you’ve made.” — It was a truly ingenious thing. He had, in fact, invented a steam engine that required only a very small amount of coal at the start to heat it up; after that, there was no need to keep adding coal, because there was a mechanism that kept the whole thing running continuously. All it needed was a single initial push. Well, that was, of course, a groundbreaking achievement. You’ll be amazed that it doesn’t exist today! I had him explain the whole thing to me and then said to him: “You know, that’s very ingenious; but when you look at the big picture, it’s no different from trying to set a railroad car in motion by climbing inside and pushing from within—pushing continuously from within.” If someone stands outside and pushes, they can of course move the car forward; but if they stand inside, they cannot move the car forward even a millimeter, even with the same amount of force. — And yet that was the whole basis of the idea.

[ 15 ] Es kann etwas außerordentlich logisch, außerordentlich geistreich sein, mit Anwendung aller möglichen technischen Prinzipien aufgebaut sein, und es kann doch ein Unsinn, ein unwirklich Gedachtes sein. Und es kommt nicht darauf an, daß man bloß geistreich denkt, daß man bloß logisch denkt, sondern darauf kommt es an, daß man wirklichkeitsgemäß denkt. — Er ist dann gar nicht mehr zu Ratinger gegangen.

[ 15 ] Something can be extraordinarily logical, extraordinarily ingenious, constructed using every possible technical principle, and yet it can still be nonsense, an unrealistic idea. And what matters is not merely that one thinks ingeniously or logically, but that one thinks in a way that is grounded in reality. — He never went to see Ratinger after all.

[ 16 ] Nun, auf materiellem Gebiete, auf mechanistischem Gebiete, kommt solch eine Sache sehr bald heraus. Aber auf sozialem, auf politischem Gebiete, überhaupt auf dem Gebiete, das man im weitesten Umfang das Gebiet der Weltbeglückung nennen könnte, da kommt das nicht sobald heraus. Da kann man schon ganz ähnliche Dinge in die Welt setzen; die Menschen werden dadurch verblendet und glauben daran. Aber das Ganze beruht doch nur darauf, daß man im Wagen steht und drinnen anschiebt. Es wird einmal eine Zukunft kommen, wo man einen gewissen Grundcharakter der Gegenwartsordnung vielleicht sogar nach einem Namen benennen wird, weil dieser Name charakteristisch sein wird für ein innerlich durch und durch illusionäres Denken, unwirkliches Denken. Und man wird ganz gewiß in der Zukunft einmal sprechen von dem Wilsonianismus im Beginne des 20. Jahrhunderts, denn dieser Wilsonianismus, das ist auf politischem Gebiete ganz genau dasselbe, was der Mann hatte, der den Wagen im Innern des Wagens anschieben wollte.

[ 16 ] Well, in the material realm, in the mechanistic realm, such a thing becomes apparent very quickly. But in the social and political realms—indeed, in the realm that, in the broadest sense, could be called the realm of bringing happiness to the world—it does not become apparent so quickly. One can certainly put very similar ideas out into the world; people are thereby deluded and come to believe in them. But the whole thing is based solely on the fact that one is standing in the carriage and pushing from the inside. A time will come when a certain fundamental character of the present order will perhaps even be named after a specific figure, because that name will be characteristic of a way of thinking that is, at its core, thoroughly illusory and unreal. And people will most certainly speak in the future of “Wilsonianism” at the beginning of the 20th century, for this Wilsonianism is, in the political sphere, exactly the same as what the man had who wanted to push the wagon from inside the wagon.

[ 17 ] Alle jene Begriffe, die als Grundbegriffe den Wilsonianismus beherrschen, die heute so viel Eindruck machen, sind durch und durch unwirkliche Begriffe, abgesehen davon, daß sie auch aus andern Gründen noch auf die Menschen heute einen großen Einfluß ausüben. Sie üben nämlich schon aus dem Grunde einen ungeheuren Einfluß aus, weil sie ja nicht verwirklicht werden können. Würde man an die Verwirklichung gehen, so würde sich sehr bald zeigen, daß sie Nullitäten sind. Aber die Menschen können sich vorstellen, daß man so etwas verwirklichen könnte. Wenn man nämlich den Wilsonianismus verwirklichen könnte, dann hätte man über die ganze Welt ein großes Weltenphilisterium verwirklicht. Denn Woodrow Wilson verdiente eigentlich, zu dem Weltenheiland des allgemeinen Philisteriums ernannt zu werden. Es würde zwar in einer von Wilson geordneten Welt den Philistern nicht gutgehen, und sie kann ja auch nicht verwirklicht werden, aber die Philister stellen sich es wenigstens vor: Wenn der Wilsonianismus die Welt ergreifen würde, dann würde es uns ganz besonders so gehen, wie wir es uns nach unserem Ideal wünschen.

[ 17 ] All those concepts that, as fundamental principles, dominate Wilsonianism—and which make such a strong impression today—are thoroughly unrealistic, quite apart from the fact that they also exert a great influence on people today for other reasons. In fact, they exert an immense influence precisely because they cannot be realized. If one were to attempt to put them into practice, it would very soon become apparent that they are nullities. But people can imagine that something like this could be realized. For if Wilsonianism could be realized, then a vast global philistine society would have been established throughout the world. For Woodrow Wilson actually deserved to be named the world savior of the general philistine class. Admittedly, in a world ordered by Wilson, the philistines would not fare well—and such a world cannot, of course, be realized—but the philistines at least imagine it: if Wilsonianism were to take hold of the world, then we would fare exactly as we wish, according to our ideal.

[ 18 ] Die Zukunft wird einmal erzählen: Im Beginn des 20. Jahrhunderts entstand das sonderbare Ideal: Wie kann man die Welt zum vollkommensten Abbild des Spießbürgertums machen? Und man wird den Wilsonianismus analysieren, um diese Spießbürgerillusionen als ein Charakteristikon vom Beginne des 20. Jahrhunderts hinzustellen.

[ 18 ] The future will one day tell the story: At the beginning of the 20th century, a strange ideal emerged: How can one make the world the most perfect reflection of petty-bourgeois society? And Wilsonianism will be analyzed in order to present these petty-bourgeois illusions as a defining characteristic of the early 20th century.

[ 19 ] Sie sehen, es gibt nicht nur kleine, sondern auch große Beispiele für das illusionäre Denken der Gegenwart. Und es sind heute nicht weltverlorene Sekten, sondern es sind sehr weit ausgebreitete Glaubensgemeinschaften, die sich solchen unrealen Gedankengängen, solchen Illusionen hingeben, wie die angedeuteten es sind.

[ 19 ] As you can see, there are not only small but also large-scale examples of the illusory thinking of our time. And today, it is not isolated sects but rather very widespread religious communities that indulge in such unrealistic lines of thought, such illusions, as those mentioned above.

[ 20 ] Aber wichtige, einschneidende, wirkliche Wahrheiten müssen heute der Welt verkündet werden. Und die werden wenig übereinstimmen mit dem, was aus den eben bezeichneten Gründen heraus die Anlage hat, allgemeine Meinung zu werden nach den bisher üblichen Vorbedingungen. Es müssen andere Vorbedingungen zum Verständnis der Wahrheit geschaffen werden. Die Wahrheiten, die auftauchen müssen, haben ja für die weitesten Kreise heute etwas Abstoßendes; sie sind unbequem, recht unbequem. Und die Wahrheiten, die man liebt, sind heute bequem, sind begehrt, nach den Anlagen, die die Menschen heute schon einmal haben.

[ 20 ] But important, far-reaching, genuine truths must be proclaimed to the world today. And these will have little in common with what, for the reasons just mentioned, is poised to become conventional wisdom under the preconditions that have prevailed until now. Different preconditions for understanding the truth must be created. The truths that must come to light are, after all, somewhat repulsive to the broadest circles today; they are uncomfortable—quite uncomfortable. And the truths that people love today are comfortable; they are sought after, in accordance with the predispositions that people already possess today.

[ 21 ] Einige von den unbequemen Wahrheiten werden wir eben im Laufe dieser Vorträge kennenlernen müssen. Vor allen Dingen werden die Wahrheiten, welche die Welt braucht, welche man verkündigen muß aus einer gewissen höheren Verantwortlichkeit heraus, sich nicht allein auf den physischen Plan beziehen dürfen, denn sie werden gerade geeignet sein müssen, die Illusionen, die man sich mit Bezug auf den physischen Plan macht, zu durchkreuzen, die Wirklichkeit an die Stelle der Einbildung zu setzen. Denn am eingebildetsten, am phantastischsten sind heute diejenigen Menschen, die sich für wenig oder für gar nicht phantastisch halten. Man macht da ja sonderbare Entdeckungen.

[ 21 ] We will have to come to terms with some of these uncomfortable truths in the course of these lectures. Above all, the truths that the world needs—the ones that must be proclaimed out of a certain higher sense of responsibility—must not relate solely to the physical plane, for they must be precisely suited to dispel the illusions people harbor regarding the physical plane and to replace imagination with reality. For the most deluded, the most fanciful people today are those who consider themselves to be only slightly—or not at all—fanciful. One makes some strange discoveries in this regard.

[ 22 ] Da ist mir neulich eine Art Lexikon geschickt worden, worin Schriftstellernamen verzeichnet werden. Es sollen alle diejenigen Schriftstellernamen verzeichnet werden, deren Träger etwas in sich haben, was Judentum ist, was im Sinne der Verwirklichung des Judaismus in der Welt, des Judentums wirkt. Unter diesen Schriftstellern bin ich auch angeführt, und zwar bin ich aus dem Grunde angeführt, weil ich viele Ähnlichkeiten hätte — nach der Ansicht des Verfassers jenes Literaten-Lexikons — mit Ignaz von Loyola, der gerade wegen seines Judaismus den Jesuitismus begründet habe, und weil ich außerdem herstamme aus einer Grenzgegend zwischen Deutschen und Slawen — wo ich zufällig geboren bin, trotzdem ich gar nicht dort herstamme — und weil das, daß ich dort herstamme — ich weiß nicht, aus welchen Gründen —, darauf hindeute, daß ich jüdischer Abstammung sei. Über diese Sache habe ich mich nicht besonders verwundert, denn heute erscheinen noch verwunderlichere Sachen, nicht wahr? Aber unter diesen Menschen, die da als Förderer des Judaismus aufgeführt werden, befindet sich auch Hermann Bahr — ich habe darin so geblättert —, der nun so durch und durch Oberösterreicher ist, daß es wahrhaftig ganz unmöglich ist, darauf zu kommen, ihn irgendwie mit jüdischem Blute oder so etwas in Zusammenhang zu bringen. Trotzdem wird in diesem LiteratenLexikon ein bekannter Literarhistoriker zitiert als Quelle dafür, daß Hermann Bahr doch etwas Jüdisches unbedingt habe.

[ 22 ] I was recently sent a kind of encyclopedia listing the names of writers. It is intended to list all those writers who possess something that is Jewish, something that contributes to the realization of Judaism in the world. I am also listed among these writers, and I am listed for the reason that—in the opinion of the author of that literary encyclopedia—I share many similarities with Ignatius of Loyola, who founded the Jesuit order precisely because of his Judaism, and because I also hail from a border region between Germans and Slavs—where I happened to be born, even though I do not actually come from there—and because the fact that I come from there—I do not know for what reasons—suggests that I am of Jewish descent. I was not particularly surprised by this, for even more surprising things appear today, do they not? But among these people listed as promoters of Judaism is also Hermann Bahr—I leafed through it—who is so thoroughly Upper Austrian that it is truly impossible to imagine connecting him in any way with Jewish blood or anything of the sort. Nevertheless, this literary encyclopedia cites a well-known literary historian as a source claiming that Hermann Bahr must surely have something Jewish about him.

[ 23 ] Nun, als mir einmal vorgeworfen wurde — diese Dinge sind ja nicht neu —, daß ich jüdisch sei, da ließ ich meinen Taufschein fotografieren. Hermann Bahr mußte auch solche Experimente machen, weil ihm von einem Literarhistoriker vorgeworfen worden ist, daß er Jude sei. Er wollte eben die Wahrheit an die Stelle setzen. Und da sagte der betreffende Literarhistoriker: Na, aber es kann ja der Großvater Jude gewesen sein. — Aber es läßt sich schlechterdings nichts in der Ahnenschaft von Hermann Bahr nachweisen, was nicht absolut uroberösterreichisch-deutsch ist; es läßt sich durchaus nichts nachweisen. Das war natürlich fatal für jenen Literarhistoriker, aber von seiner Meinung ließ er sich deshalb nicht abbringen. Und dieses, daß er sich nicht von seiner Meinung abbringen ließ, richtete er auf folgende Weise ein. Er sagte: Und wenn Hermann Bahr durch zwölf Generationen hinauf mir die Taufscheine vorlegt, daß er nicht einen Tropfen jüdischen Blutes von irgendeiner Seite bekommen haben kann, dann würde ich nötigenfalls an die Reinkarnation glauben. — Also, Sie sehen: Die Gründe, an die Reinkarnation zu glauben, liegen bei diesem sehr verbreiteten und sehr berühmten Literarhistoriker auf einem sonderbaren Feld.

[ 23 ] Well, when I was once accused—these things are nothing new, after all—of being Jewish, I had my baptismal certificate photographed. Hermann Bahr also had to go through such trials because a literary historian had accused him of being Jewish. He simply wanted to set the record straight. And then the literary historian in question said: “Well, but his grandfather might have been Jewish.”—But there is absolutely nothing in Hermann Bahr’s ancestry that cannot be traced back to being purely Upper Austrian-German; there is absolutely nothing to prove otherwise. That was, of course, disastrous for that literary historian, but he did not let himself be dissuaded from his opinion. And he justified his refusal to be dissuaded in the following way. He said: “And if Hermann Bahr were to present me with baptismal certificates going back twelve generations, proving that he could not possibly have a single drop of Jewish blood from any side, then I would, if necessary, believe in reincarnation.” — So, as you can see: For this very well-known and famous literary historian, the reasons for believing in reincarnation lie in a rather peculiar realm.

[ 24 ] Es ist heute zuweilen schon schwierig, dasjenige, was berühmte Menschen aussprechen, überhaupt noch ernst zu nehmen. Schade ist natürlich dabei nur, daß es so außerordentlich schwierig wird, die Menschen in breiteren Kreisen von diesen Dingen zu überzeugen. Denn es liegt den Leuten doch gewissermaßen in den Gewohnheiten, an Autoritäten zu glauben, trotzdem selbstverständlich die Menschen der Gegenwart gar nicht autoritätsgläubig sind! Aber das ist ja nur ihre Meinung. Wir haben über diese Meinung, die die Menschen von sich selber haben, gestern auch einiges sagen können.

[ 24 ] These days, it is sometimes difficult to take what famous people say seriously at all. The only pity, of course, is that it becomes so extraordinarily difficult to convince people in wider circles of these things. For it is, in a sense, in people’s nature to believe in authority, even though, of course, people today are not at all prone to believing in authority! But that is, after all, only their opinion. We were also able to say a few things yesterday about this opinion that people have of themselves.

[ 25 ] Dieser zuweilen in den Grundinstinkten von der Wahrheit abirrenden Gegenwart wird es außerordentlich schwer werden, gerade diejenigen Wahrheiten aufzunehmen, welche das unmittelbar an den physischen Plan anstoßende Grenzgebiet berühren. Denn was da als das an den physischen Plan unmittelbar anstoßende Grenzgebiet gelten muß, das erfordert, daß man bei der Charakteristik in einer gewissen Weise an eine gesunde, an eine unverdorbene Gemütsverfassung derjenigen appellieren muß, die darüber hören. Und das wird gegenüber der Verkündigung derjenigen Wahrheiten, die notwendigerweise verkündet werden müssen, die allergrößten, die denkbar größten Schwierigkeiten machen. Nicht etwa bloß das Anschauen dieser Wahrheiten, sondern schon das Sich-Bekanntmachen mit diesen Wahrheiten hat eine Bedeutung für die ganze Seelenverfassung des Menschen.

[ 25 ] For this present age, which at times strays from the truth in its fundamental instincts, it will be exceedingly difficult to grasp precisely those truths that touch upon the border region immediately adjacent to the physical plane. For what must be regarded as the border region immediately adjacent to the physical plane requires that, in describing it, one must in a certain way appeal to a healthy, uncorrupted state of mind in those who hear about it. And this will pose the greatest, the very greatest difficulties in proclaiming those truths that must necessarily be proclaimed. It is not merely the contemplation of these truths, but even the mere familiarization with them that has significance for the entire state of a person’s soul.

[ 26 ] Was man an äußerem Wissen über den physischen Plan aufnimmt, das hat eine gewisse Wirkung, sagen wir auf den menschlichen Kopf. Aber diejenigen Wahrheiten, die in die Tiefe gehen auch wenn sie nur bis zu jener Tiefe gehen, wo sie das Grenzgebiet betreffen —, diese Wahrheiten berühren den ganzen Menschen, nicht bloß den Kopf, sondern den ganzen Menschen. Und man muß dann für die Verkündigung solcher Wahrheiten rechnen auf ein unverdorbenes, gesundes Gemüt.

[ 26 ] The external knowledge one absorbs about the physical plane has a certain effect—let us say—on the human head. But those truths that go deep—even if they go only as deep as the border region—these truths touch the whole person, not merely the head, but the whole person. And when proclaiming such truths, one must count on an uncorrupted, healthy mind.

[ 27 ] Nun, für viele Lebensverhältnisse ist aber ein unverdorbenes, gesundes Gemüt in der Gegenwart gar nicht so sehr verbreitet. Im Gegenteil, ein ungesundes, verdorbenes Gemüt ist heute durchaus keine Seltenheit. Und so kommt es, daß in der Aufnahme der Wahrheiten sich sehr stark die Art und Weise geltend macht, wie das instinktive Leben, wie das Triebleben, wie die ganze Seelenverfassung, die Gemütsverfassung der Menschen ist, die diese Wahrheiten aufnehmen wollen. Menschen mit verdorbenen Instinkten, die keinen Willen haben, ihre Lebensverhältnisse in eine gewisse Zucht zu nehmen, werden sehr schnell die Neigung haben, gerade wenn es sich darum handelt, Wahrheiten über das Grenzgebiet aufzunehmen, diesen Wahrheiten gegenüber eine Stellung einzunehmen, die ganz von niedriger Gesinnung erfüllt ist. Das kann sehr leicht passieren. Wenn Menschen kein gesundes Interesse haben für die objektiven Weltenvorgänge, wenn Menschen vor allen Dingen nur ein Interesse haben für das, was mit ihnen selber zusammenhängt, so verdirbt das oftmals schon das Gemüt so sehr, daß gerade den okkulten Wahrheiten und namentlich denen des Grenzgebietes nicht entsprechende Instinkte entgegengebracht werden.

[ 27 ] Well, in many walks of life, however, an uncorrupted, healthy mind is not all that common these days. On the contrary, an unhealthy, corrupted mind is by no means a rarity today. And so it happens that in the reception of truths, the nature of people’s instinctive life, their life of drives, and their entire mental and emotional constitution—that is, the state of mind of those who wish to receive these truths—exerts a very strong influence. People with corrupted instincts, who lack the will to bring a certain discipline to their lives, will very quickly be inclined—precisely when it comes to absorbing truths about the borderlands—to adopt an attitude toward these truths that is entirely imbued with a base mindset. This can happen very easily. When people lack a healthy interest in objective world events, when they are primarily interested only in what pertains to themselves, this often corrupts the mind to such an extent that they respond to occult truths—and especially those of the borderland—with instincts that are entirely at odds with them.

[ 28 ] Für die Wahrheiten des physischen Planes, für alles das, was sich auf den physischen Plan bezieht, worin es die Menschen in der Gegenwart so weit gebracht haben, für alles das sorgt ja schon, ich möchte sagen, die äußere Natur, daß bei den Menschen nicht viel Verdorbenheit auftreten kann. Da sind die Menschen eingezwängt in dasjenige, was ihnen die äußere Natur aufdrängt, da können sie ihre Instinkte nur wenig geltend machen, da müssen sie folgen der äußeren Natur. Schreitet man vom physischen Plan weiter in das Grenzgebiet hinein, dann hat man dieses Gängelband nicht mehr, dann muß man in eine andere Führung hineinkommen, in eine andere innere Sicherheit des Seelenlebens. Das kann man aber nur, wenn man mit unverdorbenem Gemüte den physischen Plan verläßt, sonst wird man im Grenzgebiet zügellos. Man ist nicht mehr von der äußeren Natur gezügelt, man ist nicht mehr von den sozialen, hergebrachten Vorurteilen gezügelt, man wird zügellos. Man fühlt sich auf einmal frei und kann die Freiheit nicht ertragen. In der Welt des physischen Planes ist zum Beispiel vieles, das die Menschen verhindert zu lügen. Wenn einer um sechs Uhr abends behauptet, die Sonne sei eben aufgegangen, so wird ihn die Natur sehr bald korrigieren. Und so ist es ja mit sehr vielen Dingen, die sich auf den äußeren, physischen Plan beziehen. Wenn jemand von Dingen der höheren Welten, und seien sie eben auch nur diejenigen des Grenzgebietes, allerlei Unsinn behauptet, so wird er nicht sogleich durch die äußere Welt korrigiert. Daran liegt es aber, daß die Menschen, indem sie gewissermaßen der Zucht enteilen, die der physische Plan auf sie ausübt, zügellos werden können.

[ 28 ] As for the truths of the physical plane—for everything that pertains to the physical plane, in which human beings have progressed so far in the present—external nature, I would say, already ensures that not much corruption can arise among human beings. There, people are constrained by what external nature imposes upon them; there, they can give little free rein to their instincts; there, they must follow external nature. If one proceeds from the physical plane further into the border region, then one no longer has this restraint; then one must enter into a different kind of guidance, into a different inner security of the soul life. But this is possible only if one leaves the physical plane with an uncorrupted mind; otherwise, one becomes unrestrained in the border region. One is no longer restrained by external nature, no longer by social, traditional prejudices—one becomes unrestrained. One suddenly feels free and cannot bear that freedom. In the world of the physical plane, for example, there are many things that prevent people from lying. If someone claims at six o’clock in the evening that the sun has just risen, nature will very soon correct him. And so it is with many things that relate to the outer, physical plane. If someone asserts all sorts of nonsense about matters of the higher worlds—even if they are merely those of the borderlands—he is not immediately corrected by the external world. But this is precisely why people, by escaping, as it were, the discipline that the physical plane exerts upon them, can become unrestrained.

[ 29 ] Das ist eine der großen Schwierigkeiten, welche die Mitteilungen von Wahrheiten über die geistige Welt heraufbringen können. Dem muß immer entgegengesetzt werden, daß aber diese Mitteilung von Wahrheiten über die geistige Welt eben einfach notwendig ist. Man darf nicht vergessen, daß die Wahrheiten über die geistige Welt nicht in derselben Gemütsverfassung von der Seele aufgenommen werden können wie die Wahrheiten über die äußere physische Welt. Die Wahrheiten über die geistige Welt können wir nur in die Seele aufnehmen, wenn wir unseren ätherischen und astralischen Leib in uns etwas lockern; sonst wird man nur Worte hören. Man muß schon eine solche Seelenverfassung — und es ist ja für die Erscheinungen des subjektiven Seelenlebens eben nur eine Seelenverfassung —, man muß schon etwas den ätherischen und astralischen Leib lockern, wenn man richtig verstehen soll, was sich auf die geistige Welt bezieht. Diese Lockerung, die muß nur ein Mittel sein, um eben die Wahrheiten der geistigen Welt zu verstehen. Sie darf nicht zu einem Selbstzweck ausarten. Wenn sie zu einem Selbstzweck ausartet, dann kann es sehr schlimm sein.

[ 29 ] This is one of the great difficulties that the communication of truths about the spiritual world can give rise to. However, it must always be countered by the fact that this communication of truths about the spiritual world is simply necessary. We must not forget that the truths about the spiritual world cannot be received by the soul in the same state of mind as the truths about the outer physical world. We can only take in the truths about the spiritual world if we loosen our etheric and astral bodies within us somewhat; otherwise, we will hear nothing but words. One must indeed attain such a state of mind—and for the manifestations of subjective soul life, it is, after all, merely a state of mind—one must indeed relax the etheric and astral bodies somewhat if one is to properly understand what pertains to the spiritual world. This relaxation must be merely a means to understanding the truths of the spiritual world. It must not degenerate into an end in itself. If it degenerates into an end in itself, the consequences can be very serious.

[ 30 ] Denken Sie nur einmal — ich will einen extremen Fall anführen —, jemand würde einem geisteswissenschaftlichen Vortrag zuhören, aber nicht, wie es richtig wäre, um Einblick in die geistigen Welten zu gewinnen, sondern weil er das für ganz besonders mystisch hält. Er würde also zuhören, indem er gleichsam sich durchfluten ließe von dem, was gesagt wird, weil das den Ätherleib und den astralischen Leib etwas herauslockert. Man kann es ja erleben, daß gerade bei geisteswissenschaftlichen Vorträgen, manchmal auch bei pseudo-geisteswissenschaftlichen Vorträgen, Leute in einer schläfrigen Ekstase zuhören wollen, sich eigentlich gar nicht besonders für den Inhalt interessieren, sondern mehr für das Wollustgefühl, das durch das Heraustreten des Ätherleibes und des astralischen Leibes bewirkt wird, und so hingegeben warm zuhören. Für andere Lebensverhältnisse kann dieses Hingegeben-warm-Zuhören sehr gut sein; für die Eröffnung des Verständnisses gewisser geistiger Dinge ist es nichts nutz.

[ 30 ] Just imagine—I’ll cite an extreme case—that someone were listening to a lecture on spiritual science, not, as would be proper, to gain insight into the spiritual worlds, but because they consider it to be particularly mystical. So they would listen, allowing themselves, as it were, to be flooded by what is being said, because that loosens up the etheric body and the astral body somewhat. One can indeed observe that, especially during lectures on spiritual science—and sometimes even during pseudo-spiritual science lectures—people want to listen in a drowsy ecstasy; they are not actually particularly interested in the content, but rather in the sensation of pleasure brought about by the emergence of the etheric body and the astral body, and so they listen with such warm devotion. This kind of warm, devoted listening may be very good in other circumstances; but it is of no use for opening one’s understanding to certain spiritual matters.

[ 31 ] Das muß man richtig verstehen. Jemand, der mit dem richtigen Verständnis geisteswissenschaftliche Wahrheiten aufnimmt, das heißt im Konkreten den Linien folgt, mit welchen die Begriffe gezeichnet werden, um das Verständnis der geistigen Welt zu eröffnen, gerade dem wird seine Menschheit dadurch erhöht, der erfährt Dinge, die überhaupt gegenwärtig gewußt werden müssen zum Heil und zur Fortentwickelung der Menschheit. Wer die Dinge im rechten Sinne aufnimmt, der wird auch erfahren, daß seine Instinkte, seine Triebe veredelt, erhöht werden, daß er schon durch das bloße Anhören geisteswissenschaftlicher Wahrheiten eine Entwickelung zum Guten durchmacht. Wer keinen Willen hat, geisteswissenschaftliche Wahrheiten in diesem Sinne aufzunehmen, wer vielleicht aus irgendeinem rein persönlichen Interesse diese geisteswissenschaftlichen Wahrheiten aufnimmt, weil er, sagen wir, auch zu einer Gesellschaft gehören will und keine andere gerade gefunden hat, die für ihn besser taugen würde als die anthroposophische, wer überhaupt zunächst persönliche Interessen hereinträgt in diese Gesellschaft, der wird finden können, daß die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten zunächst niedere Instinkte, vielleicht die allerniedrigsten Instinkte aufstacheln. Es ist daher nicht verwunderlich, daß Menschen, die eigentlich nicht dazugehören, aber eine solche Sache sich anhören, sich gerade in ihren niedrigsten Instinkten aufgestachelt fühlen. Das läßt sich in der Gegenwart aus dem Grunde nicht vermeiden, weil die Dinge eben öffentlich werden sollen und man nicht Grenzen ziehen kann. Da läßt sich das Richtige nur finden dadurch, daß über ihr waches Urteil diejenigen scharf mit sich selbst zu Gerichte gehen, welche aus innerer Berechtigung eben dazugehören, welche aus innerer Berechtigung an einer solchen Bewegung teilnehmen. Wer überhaupt vor oder nach seinem Austritt aus der Gesellschaft irgendwie nur persönliche Interessen geltend macht, der zeigt ja damit nur, daß er niemals die Eignung gehabt hat, dieser Gesellschaft anzugehören. Und persönliche Interessen sind ja, dächte ich, nicht so schwierig von objektiven Erkenntnisinteressen zu unterscheiden.

[ 31 ] This must be understood correctly. Someone who takes in spiritual scientific truths with the right understanding—that is, who specifically follows the lines with which the concepts are drawn to open up an understanding of the spiritual world—it is precisely this person whose humanity is thereby elevated, for they experience things that must be known in the present for the salvation and further development of humanity. Whoever takes these things in the right sense will also experience that their instincts and drives are ennobled and elevated, and that simply by listening to spiritual scientific truths, they undergo a development toward the good. Whoever has no will to take in spiritual scientific truths in this sense—who perhaps takes them in out of some purely personal interest because, let’s say, also wants to belong to a society and has not yet found another that would suit them better than the anthroposophical one—in short, anyone who initially brings personal interests into this society—will find that the truths of spiritual science initially stir up base instincts, perhaps the very lowest instincts. It is therefore not surprising that people who do not actually belong but listen to such teachings feel their basest instincts stirred up. This cannot be avoided at present, simply because these matters are meant to be made public and one cannot draw boundaries. The only way to find the right course of action is for those who, by virtue of their inner justification, truly belong to this movement—and who, by virtue of their inner justification, participate in it—to exercise their alert judgment and rigorously examine their own actions. Anyone who, before or after leaving the society, asserts anything other than personal interests is merely demonstrating that they were never suited to belong to this society. And personal interests, I would think, are not so difficult to distinguish from objective intellectual interests.

[ 32 ] Aber verwunderlich ist es nicht, daß bei den von der öffentlichen Entwickelung geforderten Verhältnissen eben immer wieder und wiederum das auftritt, daß aus den Instinkten der niederen Natur heraus dieses oder jenes zutage tritt. Man muß mit klarem Bewußstsein, mit vollständig klarem Bewußtsein auf die Gefahren hinschauen, welche sich ergeben können, und man muß trachten, diesen Gefahren zu steuern. Wer sich zu den Gefahren in der richtigen Weise verhält, der steuert ihnen gewiß schon. Insbesondere in der gegenwärtigen Zeit — das gehört auch zu dem Chaotischen der Gegenwart — werden Abirrungen auf diesem Gebiete gar nicht so sehr zu den Seltenheiten gehören. Die gegenwärtigen tragischen Ereignisse spannen die Kräfte einer Anzahl von Menschen ungeheuer stark an; und Menschen, die vor dem Ausbruch dieses Krieges nicht gewohnt waren, aus allgemeinerem, nicht bloß aus persönlichem Interesse zu arbeiten, schwer zu arbeiten, haben das in den letzten drei Jahren wirklich über die verschiedenen Länder hin gelernt, das ist wahr. Viele Menschen haben arbeiten gelernt, haben auch gelernt, allgemeine Interessen zu haben.

[ 32 ] But it is not surprising that, under the conditions demanded by social development, this or that aspect of our lower nature repeatedly comes to the surface. One must look at the dangers that may arise with clear awareness—with completely clear awareness—and one must strive to steer clear of these dangers. Whoever responds to these dangers in the right way is certainly already managing them. Especially in the present time—and this, too, is part of the chaos of the present—deviations in this area will by no means be rare. The current tragic events are placing an immense strain on the resources of a number of people; and people who, before the outbreak of this war, were not accustomed to working—and working hard—out of a sense of the common good rather than merely out of personal interest have truly learned to do so across various countries over the past three years; that is true. Many people have learned to work and have also learned to have a sense of the common good.

[ 33 ] Wer in der richtigen Weise zu unserer Bewegung gehört, hat ja von vornherein allgemeine Interessen. Dessen ungeachtet gibt gerade die gegenwärtige Zeit ungeheuer viel Gelegenheit zu einem gewissen Outsider-Faulenzertum. Es gibt gegenwärtig gerade durch die Konstellation dieses Krieges Menschen, die nun wiederum gar nichts Rechtes zu tun haben. Wenn sie innerhalb unserer Bewegung sind, so spüren sie das auch. Vor dem Kriege, da gab es viele Vortragsreisen; da konnten sich so ganze Schüppel von Menschen zusammentun und konnten von einem Vortrag zum andern reisen. Wenn es auch an äußeren Interessen fehlte, so gab es Sensationen genug, und wenn sie nicht von außen kamen, so verschaffte man sich diese Sensationen. Das ist jetzt schwierig. Das geht jetzt nicht. Den Weg aber zu nützlichen Betätigungen, den haben manche Menschen nicht gefunden. So ist es insbesondere jetzt der Fall, daß ein Outsider-Faulenzertum sich auch innerhalb unserer Kreise hat finden können, das sich die Zeit jetzt mit allerlei Gegnerschaften vertreibt. Weil man es nicht mehr mit Sensationen zu tun haben kann im Reisen von Vortragszyklus zu Vortragszyklus, verschafft man sich andere Unterhaltungen. Das ist nur bezeichnend für die Art und Weise des Interesses, mit dem man von Vortragszyklus zu Vortragszyklus gereist ist.

[ 33 ] Anyone who truly belongs to our movement has, from the outset, shared interests. Nevertheless, the current times in particular offer an immense opportunity for a certain kind of outsider idleness. Precisely because of the circumstances of this war, there are people right now who, once again, have nothing proper to do. If they are part of our movement, they feel this as well. Before the war, there were many lecture tours; whole groups of people could get together and travel from one lecture to the next. Even if there was a lack of external interests, there were plenty of thrills, and if they didn’t come from outside, people would create them for themselves. That’s difficult now. That’s not possible now. But some people haven’t found the path to meaningful activities. So it is particularly the case now that a kind of outsider idleness has found its way even into our circles, which now passes the time with all sorts of antagonisms. Because one can no longer indulge in thrills by traveling from one lecture series to the next, people seek out other forms of entertainment. This is merely indicative of the nature of the interest with which one has traveled from lecture series to lecture series.

[ 34 ] Derjenige, dessen innerer Verpflichtung es entspricht, heute in allem Ernst und in aller Würde vor der Welt geisteswissenschaftliche Wahrheiten zu vertreten, der weiß: Wenn er vor einem Auditorium von hundert Menschen spricht, so sind mehr als fünfzig darunter, die möglicherweise Gegner werden können. Das ist Gesetz; das ist einmal so. Es sind immer mehr als fünfzig Prozent, die, wenn sie nicht Gegner werden, dieses aus dem einen oder andern Grund nicht werden, aber nicht aus festem Sich-zur-Sache-Halten. Aus Gründen, die wir schon angeführt haben, die wir des weiteren noch anführen werden, ist die Sache eben so. Über Gegnerschaften ist daher der Vertreter geisteswissenschaftlicher Wahrheiten im Prinzip durchaus nicht verwundert. Und viel interessanter, als sich mit den Dingen zu befassen, die da von Gegnern oftmals vorgebracht werden, wovon diese Gegner selbst am allerbesten wissen, daß sie nicht wahr sind — denn sie wissen es ja selbstverständlich ganz gut, daß die Dinge nicht wahr sind —, viel nützlicher ist es, sich mit den Gründen, aus denen diese Gegnerschaften entstanden sind, zu befassen.

[ 34 ] Anyone whose inner calling compels them to represent spiritual scientific truths before the world today with all seriousness and dignity knows this: When they speak before an audience of a hundred people, there are more than fifty among them who might become opponents. That is a law; that is simply the way it is. There are always more than fifty percent who, if they do not become opponents, do so for one reason or another—but not because of a firm commitment to the cause. For reasons we have already cited, and which we will cite further on, this is simply the way it is. Therefore, the advocate of spiritual scientific truths is, in principle, not at all surprised by opposition. And rather than dealing with the arguments often put forward by opponents—arguments which these opponents themselves know best are not true (for they know full well, of course, that these things are not true)—it is far more useful to examine the reasons why this opposition has arisen.

[ 35 ] Da wird man auf mancherlei Merkwürdiges stoßen. Man wird dann die Neigung verlieren, auf dasjenige einzugehen, auf das solche Gegner gerne möchten, daß man eingeht. Man wird dann auf die wahren Gründe dieser Gegnerschaften kommen. Das ist manchmal wiederum unbequemer, als auf das einzugehen, was einem die Leute vorreden. Denken Sie an die Jahre, in denen hier vorgetragen worden ist, wie immer wieder und wiederum von dem einen oder von dem andern Gesichtspunkt aus auf dasselbe hingewiesen werden mußte, auf das auch heute hingewiesen wurde. Es wird ja immer auf diese Dinge hingewiesen. Aber notwendig ist, diese Dinge wirklich mit tiefstem Ernst und tiefster Würde zu betrachten, sie so zu betrachten, wie es angemessen ist einer geisteswissenschaftlichen Bewegung.

[ 35 ] There one will come across all sorts of curious things. One will then lose the inclination to address the very issues that such opponents would like one to address. One will then discover the true reasons behind these oppositions. This is sometimes, in turn, more inconvenient than addressing what people try to make one believe. Think back to the years when it was repeatedly pointed out here—time and again from one perspective or another—that the same issues must be addressed, just as they are being addressed today. These matters are, after all, always being pointed out. But it is essential to consider these matters with the utmost seriousness and dignity, to regard them in a manner befitting a spiritual scientific movement.

[ 36 ] Glauben Sie mir, ich habe Wichtigeres zu tun, wenn ich unter voller Verantwortung diese geisteswissenschaftliche Bewegung führen soll, als mich darum zu bekümmern, ob da oder dort sich drei, vier, meinetwillen auch mehr Menschen zusammensetzen und allen möglichen Klatsch fabrizieren. Ich habe Wichtigeres zu tun und habe niemals die Neigung, auf diese Dinge einzugehen. Nur wird gerade dies leider so wenig, ach so wenig verstanden! Denn mehr als man glaubt, ist auch innerhalb dieser Gesellschaft nicht das naturwissenschaftliche Interesse ausgebildet für solche Dinge, sondern das Sensationsinteresse. Naturwissenschaftlich ist es ja interessant, neben den nützlichen Pflanzen auch Giftpflanzen zu studieren, aber man muß eben den richtigen Gesichtspunkt dafür finden. Von dem Ernst und von der Gewichtigkeit desjenigen, was die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft sein soll, haben ja doch noch — verzeihen Sie, daß ich das ausspreche — die wenigsten, die sich auch zu dieser Geisteswissenschaft bekennen, eine wirkliche Ahnung. Würde der rechte Ernst und die richtige Einsicht in die Gewichtigkeit vorhanden sein, so würde man sich in vieler Beziehung zu allem, was da waltet, ganz anders stellen, als man sich stellt. Ich sage damit selbstverständlich nicht, daß man sein Interesse davon abwenden soll. Das Gegenteil sage ich: Man soll sein Interesse nicht abwenden von denjenigen Erscheinungen, die mit dem Willen der Vernichtung dieser geisteswissenschaftlichen Bewegung auftreten. Aber man muß die Möglichkeit finden, sich in der rechten Weise dazu zu stellen.

[ 36 ] Believe me, if I am to lead this spiritual science movement with full responsibility, I have more important things to do than worry about whether three, four—or even more, for all I care—people get together here or there and spread all kinds of gossip. I have more important things to do and am never inclined to address such matters. Yet, unfortunately, this is precisely what is so little—oh, so little—understood! For even within this society, the scientific interest in such matters is not as developed as one might think; rather, it is the interest in sensationalism that prevails. From a scientific standpoint, it is indeed interesting to study poisonous plants alongside useful ones, but one must find the right perspective for this. As for the seriousness and the gravity of what anthroposophically oriented spiritual science is meant to be, very few—forgive me for saying so—even among those who profess to follow this spiritual science, have any real inkling of it. If the proper seriousness and the proper insight into its significance were present, one would take a very different stance in many respects toward everything that is going on than one does now. Of course, I am not saying that one should turn one’s interest away from this. On the contrary: one should not turn one’s interest away from those phenomena that arise with the intent to destroy this spiritual-scientific movement. But one must find a way to approach them in the right manner.

[ 37 ] Es kann jemand zum Beispiel auftreten und eine ganze Menge schreiben über Widersprüche, die ich verbrochen haben soll in meinen verschiedenen Schriften und über allerlei andere Dinge. Man könnte heute zwar daran erinnern, daß Luther eine ganze Menge, nicht ein paar Dutzend, sondern Hunderte und Hunderte von Widersprüchen nachgewiesen worden sind. Er hat darauf nur geantwortet: Die Esel reden von Widersprüchen in meinen Schriften. Wenn sie sich nur einmal die Mühe gäben, eines von den Dingen, das den andern zu widersprechen scheint, begreifen zu wollen! — Man könnte auf solche Dinge zum Beispiel hinweisen. Man hat es aber nicht nötig. Denn da, wo heute von Widerspruch gesprochen wird, da liegt ja nicht das Interesse vor, solche Widersprüche zu suchen oder aufzudecken, sondern anderes. Da hat zum Beispiel ein Mann eine Schrift für den Philosophisch-Anthroposophischen Verlag angeboten. Diese Schrift konnte im Philosophisch-Anthroposophischen Verlag nicht gebraucht werden; sie mußte zurückgewiesen werden. Während dieser Mann früher einem auf allen Wegen und Stegen nachlief, wurde er von diesem Moment an ein Gegner. Der wirkliche Grund liegt nicht im Bemerken von Widersprüchen. Würde der wirkliche Grund darin liegen, so würde man so sprechen, wie Luther gesprochen hat. Aber man kann nicht einmal so sprechen, denn der Betreffende wird nur erkannt, wenn man weiß, daß er Gift und Galle in sich hat, weil der Philosophisch-Anthroposophische Verlag nun einmal nicht in der Lage war, sein Buch zu verlegen. Das ist der wirkliche Grund. Die Gründe liegen eben auf ganz anderem Gebiete, als sie so geltend gemacht werden. Wer daher einfach den Leuten zuhört und sich erzählen läßt, was die Leute einem vorreden, der wird recht wenig Möglichkeit haben, auf die Wahrheiten zu kommen, vielleicht ebensowenig Möglichkeiten wie jener Literarhistoriker, der nötigenfalls, um an den Judaismus Hermann Bahrs glauben zu können — aber nur aus diesem Grunde —, zur Reinkarnation sich bekehren würde, wenn ihm durch zwölf Generationen lauter christliche Taufscheine von den Vorfahren Hermann Bahrs nachgewiesen würden.

[ 37 ] For example, someone might come along and write at great length about contradictions I am said to have committed in my various writings, and about all sorts of other things. One might point out today that Luther was shown to have made not just a few dozen, but hundreds upon hundreds of contradictions. He simply replied: “The fools talk of contradictions in my writings. If only they would take the trouble just once to try to understand one of the things that seems to contradict the other!” — One could point out such things, for example. But there is no need to do so. For where people speak of contradictions today, the interest lies not in seeking out or uncovering such contradictions, but in something else. For example, a man once submitted a manuscript to the Philosophical-Anthroposophical Publishing House. This manuscript could not be used by the Philosophical-Anthroposophical Publishing House; it had to be rejected. Whereas this man used to follow me everywhere, he became an opponent from that moment on. The real reason does not lie in the detection of contradictions. If the real reason were to be found there, one would speak as Luther spoke. But one cannot even speak that way, for the person in question is only recognized when one knows that he harbors venom and bile within himself—simply because the Philosophical-Anthroposophical Publishing House was not in a position to publish his book. That is the real reason. The reasons lie in a completely different realm than the ones being put forward. Therefore, anyone who simply listens to people and lets them tell you what they want you to believe will have very little chance of discovering the truths, perhaps just as little chance as that literary historian who, if necessary—in order to believe in Hermann Bahr’s Judaism, and for that reason alone—would convert to the belief in reincarnation if he were presented with twelve generations of Christian baptismal certificates from Hermann Bahr’s ancestors.

[ 38 ] In unserer Zeit wird viel von dem Mut unserer Zeitgenossen gesprochen. Geltend zu machen diejenigen Wahrheiten, die der Menschheit notwendig sind, in dem Sinne, wie das heute charakterisiert worden ist, dazu wird ein ganz anderer Mut noch gehören, ein innerer Mut. Und an der Stelle, wo dieser Mut in der Seele sitzen soll, da sitzt heute eine aus Bequemlichkeit herkommende Feigheit, die ungeheuer weite Kreise ergriffen hat. Diese Feigheit ist in vieler Beziehung der Grund, warum es der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft so sehr schwer wird, ihre Wege zu gehen. Sie wird ihren Weg gehen. Aber man soll nicht fatalistisch sein, man soll nicht glauben, daß ohne das Hinzutun der Menschen diese Wege die richtigen sein können. Man wird sich daran gewöhnen müssen noch in ganz anderem Sinne, als man sich schon gewöhnt hat —, daß ich selbst manches werde weniger nachsichtig behandeln müssen, als es bisher geschehen ist. Schreiben Sie das nicht einer Änderung meines Willens zu, sondern suchen Sie die Gründe dafür in den Verhältnissen.

[ 38 ] In our time, there is much talk of the courage of our contemporaries. To assert those truths that are necessary for humanity—in the sense in which this has been characterized today—will require a very different kind of courage: an inner courage. And in the very place where this courage ought to reside in the soul, there now resides a cowardice born of complacency that has spread to an immense extent. In many respects, this cowardice is the reason why it is so difficult for anthroposophically oriented spiritual science to follow its own path. It will follow its path. But one should not be fatalistic; one should not believe that these paths can be the right ones without human effort. We will have to get used to this in a very different sense than we have already become accustomed to—namely, that I myself will have to treat certain matters with less leniency than has been the case up to now. Do not attribute this to a change in my will, but look for the reasons for it in the circumstances.

[ 39 ] So müssen Sie verstehen, daß ich die geisteswissenschaftliche Bewegung, die ich zu vertreten habe vor der Welt da oder dort, nicht darf — verzeihen Sie den Ausdruck — versauen lassen in beliebiger Weise. Das darf ich nicht. Da sprechen höhere Pflichten, als mancher ahnt. Ich kann mich nicht einlassen darauf, welche Sensation dieser oder jener Zirkel oder diese oder jene Koterie gerade wünscht. Es sind viele allgemeine und wesentlichere Interessen und Impulse, die in Betracht kommen, als die rein persönlichen Ambitionen, die in dieser oder jener Koterie walten. Man muß schon in einer gewissen Weise absehen können von dem rein Persönlichen, das die Menschen heute fast ausschließlich interessiert, wenn man in der richtigen Weise die rechten geisteswissenschaftlichen Ansichten vertreten will.

[ 39 ] So you must understand that I cannot—forgive the expression—let the spiritual science movement, which I am called upon to represent before the world here and there, be ruined in any way. I cannot do that. There are higher duties at stake than many realize. I cannot get involved in whatever sensation this or that circle or this or that clique happens to desire at the moment. There are many general and more essential interests and impulses to consider than the purely personal ambitions that prevail in this or that clique. One must, in a certain sense, be able to look beyond the purely personal—which is almost the sole focus of people’s interest today—if one wishes to represent the correct spiritual scientific views in the proper way.

[ 40 ] Und so muß ich denn natürlich heute am Schlusse auch hier dasjenige sagen, was ich jetzt an all den Orten gesagt habe, an denen ich vorgetragen habe: Neben den hingebungsvollen, genau den Ernst unserer Sache abwägenden zahlreichen Mitgliedern unserer anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft finden sich auch solche immer wieder, die nicht hereingehören, die sich so verhalten, wie es eigentlich unmöglich wäre, wenn nur dasjenige, was hereingehörte, immer in der Gesellschaft gewesen wäre. Und immer wieder treten innerhalb solcher Mitgliederkreise Dinge auf, die so fern wie möglich von dem sind, was eigentlich gewollt wird. Manchmal treten heute Dinge auf, die gegenüber dem, was gewollt wird, sich eigentlich so verhalten, daß sie nur durch die absoluteste Verrücktheit mit dem zusammenzubringen sind, was gewollt wird.

[ 40 ] And so, of course, I must conclude today by saying here as well what I have now said in all the places where I have given lectures: Alongside the devoted, numerous members of our anthroposophically oriented spiritual science—who carefully weigh the seriousness of our cause—there are also, time and again, those who do not belong here, who behave in ways that would actually be impossible if only those who truly belonged had always been part of the Society. And time and again, within such circles of members, things occur that are as far removed as possible from what is actually intended. Sometimes things occur today that, in relation to what is intended, are such that they can only be reconciled with what is intended through the most absolute madness.

[ 41 ] In Kreisen, um die man sich nicht kümmern kann, weil wahrhaftig die Interessen größere sind, als sich um die Ambitionen solcher Kreise zu kümmern, in solchen Kreisen werden Dinge geredet — und die Menschen fangen an, solche Dinge zu glauben —, die nun wahrhaftig mit dem, was gewollt wird, so viel zu tun haben wie ein Mistkäfer mit einer Pendeluhr. Man kann gar nicht begreifen, wie die Dinge zusammenkommen. Trotzdem werden sie aus einer wüsten, aus untergeordneten Instinkten kommenden Phantasie den Leuten aufgebunden. So ist es, trotzdem diejenigen Menschen, die sie aufbinden, ganz genau wissen, daß kein wahres Wort daran ist. Naturwissenschaftlich sind solche Dinge schon erklärlich, aber man muß auch die richtigen Konsequenzen ziehen. Und die müssen zunächst darin bestehen, daß ich mich zwei Maßregeln füge. Wenn jemand die eine Maßregel erzählen wird ohne die andere, so wird er etwas Unwahres sagen. Diese beiden Maßregeln habe ich überall, wo ich in den letzten Monaten vorgetragen habe, verkündigt:

[ 41 ] In circles that one cannot concern oneself with—because, truly, there are greater interests than worrying about the ambitions of such circles—in such circles, things are said—and people begin to believe them—that have as much to do with what is intended as a dung beetle has to do with a pendulum clock. It is impossible to comprehend how these things come together. Nevertheless, they are peddled to people out of a wild imagination stemming from base instincts. That is how it is, even though the very people who peddle them know full well that there is not a word of truth in them. From a scientific standpoint, such things can indeed be explained, but one must also draw the correct conclusions. And these must first and foremost consist of my adhering to two principles. If someone were to recount one principle without the other, they would be telling a falsehood. I have proclaimed these two principles everywhere I have spoken in recent months:

[ 42 ] Ich werde im allgemeinen alle Privatgespräche, die mit einzelnen Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft gehalten worden sind, nicht mehr halten, werde keine Privatgespräche mehr halten, denn allen solchen Privatgesprächen haben sich die lügenhaftesten Berichte angeknüpft. Da ich Wichtigeres zu tun habe, als im einzelnen derlei Dinge zu widerlegen, die auf einer wüsten Phantasie beruhen, da ich wirklich Wichtigeres zu tun habe, so habe ich kein anderes Mittel, als alle Privatgespräche einzustellen. Dafür, daß die einzelnen, die wirklich esoterischen Eifer haben, vorwärtskommen können, werde ich nach einiger Zeit auf andere Weise sorgen. Niemand soll an seiner esoterischen Entwickelung dadurch gehindert werden. Aber sämtliche Privatgespräche müssen im allgemeinen aufhören, ausfallen. Das ist die eine Maßregel. Wenden Sie sich nicht an mich, wie es in einzelnen Zweigen geschehen ist, wo die Leute sagten, das sei doch eine harte Maßregel. Nein, wenden Sie sich nicht an mich, wenden Sie sich an diejenigen, welche diese Maßregel verschuldet haben.

[ 42 ] In general, I will no longer repeat any private conversations that have taken place with individual members of the Anthroposophical Society; I will no longer engage in private conversations, for all such private conversations have been followed by the most mendacious reports. Since I have more important things to do than to refute in detail such matters, which are based on a wild imagination—since I truly have more important things to do—I have no other recourse than to discontinue all private conversations. I will ensure in another way, after some time, that those individuals who truly possess esoteric zeal can continue to progress. No one should be hindered in their esoteric development as a result. But all private conversations must, in general, cease and be discontinued. That is the one measure. Do not turn to me, as has happened in some branches, where people said that this was a harsh measure. No, do not turn to me; turn to those who are responsible for this measure.

[ 43 ] Das zweite ist, daß ich jeden, der jemals ein privates Gespräch mit mir gehabt hat, soweit er es selber will, von der Verpflichtung entbinde, über dieses Privatgespräch nicht zu reden. Jeder kann jedes erzählen, was er will, was seinen eigenen Interessen gemäß ist, über das, was jemals in solchen Privatgesprächen vorgekommen oder gesagt worden ist, soweit er will, soweit er selber will. Ich hindere niemanden, daß er alles restlos der Wahrheit gemäß erzählt, was jemals mit mir in privaten Gesprächen besprochen worden ist.

[ 43 ] The second point is that I release anyone who has ever had a private conversation with me—to the extent that they themselves wish—from any obligation to speak about that private conversation. Anyone is free to say whatever they want—whatever serves their own interests—about what has ever happened or been said in such private conversations, to whatever extent they wish, as they themselves see fit. I do not prevent anyone from recounting, in complete accordance with the truth, everything that has ever been discussed with me in private conversations.

[ 44 ] Diese zwei Dinge gehören zusammen. Die eine Maßregel gilt nicht ohne die andere. Und, wie gesagt, wenn Sie diese Maßregeln hart finden, dann wenden Sie sich an diejenigen, die sie verschuldet haben. Ohne daß ich in diesen Dingen von jetzt an weniger nachsichtig sein werde, als es bisher gewesen ist, hören die Dinge, um die es sich handelt, nicht auf. Wie gesagt, ich werde auf andere Weise dafür sorgen, daß niemand in seiner esoterischen Entwickelung geschädigt wird. Es werden sich Mittel und Wege dafür finden. Aber die gegenwärtige Menschheit ist nicht dazu angetan, daß eine solche Wissenschaft sich begründen kann, ohne daß Auswüchse geschehen und ohne daß mißverständliche Auffassungen dieser Auswüchse immerfort wieder Platz greifen. Daher müssen solche Maßregeln ergriffen werden.

[ 44 ] These two things go hand in hand. One measure does not apply without the other. And, as I said, if you find these measures harsh, then turn to those who are responsible for them. Even though I will not be any less lenient in these matters from now on than I have been so far, the issues at hand will not go away. As I said, I will ensure in other ways that no one is harmed in their esoteric development. Ways and means will be found to achieve this. But present-day humanity is not yet ready for such a science to take root without excesses occurring and without misleading interpretations of these excesses constantly gaining ground. Therefore, such measures must be taken.

[ 45 ] Wer es ernst und würdig mit unserer geisteswissenschaftlichen Entwickelung meint, der wird dasjenige, was ich jetzt eben gesagt habe als die beiden Maßregeln, mehr oder weniger sogar selbstverständlich finden nach dem, was vorgefallen ist. Er wird vielleicht nicht verstehen, daß so etwas selbstverständlich werden konnte, aber diese beiden Maßregeln wird er heute selbstverständlich finden. In der Zukunft wird alles in voller Öffentlichkeit vor sich gehen. Denn nichts hat die Öffentlichkeit zu scheuen! Und das ist gerade das Schmähliche der Sache, daß — während die Wahrheit von allen restlos erzählt werden kann, ohne daß der geringste Makel an unserer Bewegung sein würde —, daß man sich heftet an dasjenige, was in der Vergangenheit, weil es an frühere Usancen anknüpfte, eben mitgepflogen worden ist: mit den einzelnen zu sprechen. Hätte das Sprechen mit den einzelnen nicht zur Lüge geführt, so wären diese Maßregeln nicht notwendig geworden. Aber alles, was jemals mit irgendeinem Mitglied gesprochen worden ist, darf der Wahrheit gemäß restlos erzählt werden. Durch die Wahrheit — erzählen Sie sie, so viel Sie wollen —, durch die Wahrheit wird unsere Bewegung nur gewinnen. Sie kann selbstverständlich auch nicht in Realität verlieren durch die Lügen, die über sie aufgebracht werden; aber auch dem Scheine nach darf sie nicht einmal verlieren, weil es wichtig für die Menschheit ist, daß in ernster und würdiger Art dasjenige vertreten wird, was gegenwärtig aus den geisteswissenschaftlichen Untergründen heraus vor die Menschheit gebracht werden soll. Also ich wiederhole noch einmal: Ohne daß der ernst esoterisch Strebende dadurch etwas verlieren soll, werde ich die Privatbesprechungen mit den Mitgliedern einstellen im allgemeinen. Dasjenige, was in privaten Besprechungen war, kann jeder, soweit er selber will, alles überall restlos der Wahrheit gemäß erzählen. Ich entbinde einen jeden von irgendeiner wie immer gearteten Schweigepflicht, aber auch nur, wenn er selber es will, seinetwillen; meinetwillen braucht er es nicht. Und ich habe nichts dagegen, daß gerade diese Maßregeln als Charakteristikon unserer Bewegung möglichst weithin erzählt werden, damit die Welt einsehen lernt, wie verrucht diejenigen Dinge sind, die oftmals gerade unserer Gesellschaft angehängt werden.

[ 45 ] Anyone who takes the development of our spiritual sciences seriously and with dignity will find what I have just said—namely, these two measures—to be more or less self-evident in light of what has happened. They may not understand how such a thing could have become self-evident, but they will find these two measures to be self-evident today. In the future, everything will take place in full public view. For there is nothing to be ashamed of in the public eye! And that is precisely what is shameful about the matter: that—while the truth can be told in its entirety by everyone without the slightest blemish on our movement—people are fixated on what was simply carried over from the past because it followed earlier customs: speaking with individuals. Had speaking with individuals not led to lies, these measures would not have become necessary. But everything that has ever been said to any member may be recounted in its entirety, in accordance with the truth. Through the truth—tell it as much as you like—through the truth, our movement can only gain. Of course, it cannot really lose anything through the lies that are spread about it; but even in appearance, it must not lose out, because it is important for humanity that what is currently to be brought before humanity from the depths of spiritual science be represented in a serious and dignified manner. So I repeat once more: Without the serious esoteric seeker standing to lose anything as a result, I will generally discontinue private discussions with the members. Anyone may, to the extent they themselves wish, recount everything that took place in private discussions anywhere and in full, in accordance with the truth. I release everyone from any obligation of confidentiality whatsoever, but only if they themselves wish to do so, for their own sake; they do not need to do so for my sake. And I have no objection to these very measures being publicized as widely as possible as a hallmark of our movement, so that the world may come to realize how wicked are the things that are often attributed precisely to our society.

[ 46 ] Am nächsten Freitag, meine lieben Freunde, werde ich einen Vortrag über Künstlerisches halten, in der Art, wie die Vorträge, die ich im vorigen Jahre gehalten habe. Ich kann heute das Thema noch nicht angeben. Freitag um 7 Uhr werden wir uns also zu einem kunstgeschichtlichen Vortrag hier finden; Sonnabend um 7 Uhr werden wir dann die geisteswissenschaftlichen Betrachtungen fortsetzen und Sonntag um 4 Uhr wiederum weitermachen. Dem werden natürlich auch die durch die eifrigen Bemühungen von Fräulein Waller und anderen Damen ermöglichten künstlerischen Darbietungen vorangehen.

[ 46 ] Next Friday, my dear friends, I will give a lecture on the arts, similar to the lectures I gave last year. I cannot yet specify the topic today. So on Friday at 7:00 p.m., we will gather here for a lecture on art history; on Saturday at 7:00 p.m., we will then continue our reflections on the humanities, and on Sunday at 4:00 p.m., we will resume our discussions. This will, of course, be preceded by artistic performances made possible by the dedicated efforts of Miss Waller and other ladies.