The Spiritual Backgrounds of the Outer World
The Fall of the Spirits of Darkness
GA 177
1 October 1917, Dornach
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The Fall of the Spirits of Darkness, tr. Meuss
Dritter Vortrag
3. The Search for a Perfect World
[ 1 ] Ich werde versuchen, in der Reihe von Vorträgen, die ich nun halten werde, Ihnen etwas Zusammenhängendes zu geben, das Ihnen die Möglichkeit bieten soll, die Gegenwart und die nächste Zukunft wenigstens von einigen Gesichtspunkten aus zu verstehen. Ich werde aber in manchem weiter ausholen müssen. Daher wird schon berücksichtigt werden müssen, daß ich eine Art roten Faden, wie man sagt, durch diese Vorträge ziehen lasse und daß das Einzelne im Zusammenhange mit dem Ganzen wird genommen werden müssen. Ich werde nach den verschiedensten Seiten hin weiter ausholen, Bausteine herbeitragen, manchmal scheinbar entfernt liegende Bausteine, die Sie aber brauchen zum Verständnis der Gegenwart.
[ ] My intention is to give a series of lectures which will enable you to understand the present time and the immediate future in some aspects at least. It should be a coherent whole, but it may sometimes be necessary to go a long way back. There will be a continuous thread through it all, but I would ask you to see the parts always in the context of the whole. I will sometimes go far and wide to collect the material we need to understand the present time, and some of it may seem remote.
[ 2 ] Eines muß jetzt in dieser Zeit — und mit dieser Zeit verstehe ich eigentlich einen größeren Zeitraum, der sich nach Jahrzehnten zurück und nach Jahrzehnten vorwärts ausdehnt — ganz besonders berücksichtigt werden. Es müssen Wahrheiten ausgesprochen werden, welche in vieler Beziehung im schroffen Gegensatz stehen zu demjenigen, was die Menschheit in der Gegenwart nicht nur glaubt, sondern mehr oder weniger für selbstverständlich hält, so daß sich die Lage zwischen der Geisteswissenschaft und der heute in der Welt gebräuchlichen Meinung etwa in der folgenden Art stellen wird: Geisteswissenschaft wird dies oder jenes zu sagen haben; in der Welt hat man aber nicht nur eine abweichende, sondern eine in vieler Beziehung geradezu entgegengesetzte Meinung von dem, was Geisteswissenschaft als Wahrheit zu verkünden hat. Dadurch ist es ja selbstverständlich, daß die Menschen die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten als etwas empfangen, das ihnen unglaublich, das ihnen verdreht, das ihnen töricht erscheint.
[ ] When I say ‘the present time’ I mean quite a long period of time, going back several decades and also looking decades ahead. It is important to realize that it will be necessary to present truths based on the science of the Spirit that in many respects go utterly against current and generally accepted beliefs. The world holds opinions that not only differ but often are the direct opposite of the truths that have to be spoken out of anthroposophy. It is only to be expected, therefore, that people will consider these truths to be incredible, warped and downright foolish.
[ 3 ] Aber man muß schon sagen: Wenn auch zu andern Zeiten die Wahrheit, die da verkündet werden mußte, um Zukünfte einzuleiten, sich unterschied von den landläufigen Meinungen, welche die Menschen damals hatten, wenn auch zu allen Zeiten ein gewisser Unterschied war zwischen der fortschreitenden Wahrheit und der landes- oder weltüblichen Meinung — so groß, so einschneidend, wie er gerade in unserer Zeit sein muß, war dieser Unterschied eigentlich in vergangenen Zeiten wohl niemals. Vielleicht gilt das weniger im absoluten Sinn, aber in diesem relativen Sinne gilt es, daß die Menschen heute innerlich ungeheuer intolerant sind und daher weniger Meinungen, die von den ihrigen abweichen, vertragen.
[ ] When truths which differed from generally accepted views had to be said in the past, in order to open up a road to the future, the difference between those truths and common opinion was probably never as marked as it inevitably is today. This may not be absolutely the case, but, relatively speaking, it is so, for people are tremendously intolerant in their hearts today and less able to accept views which differ from their own.
[ 4 ] Also das subjektive Gefühl des Phantastischen gegenüber den neu auftauchenden Meinungen werden die Menschen der Gegenwart viel mehr haben in der nächsten Zukunft, als es auf diesem Gebiete in früheren Zeiten der Fall war. Dennoch, die Verhältnisse liegen so, daß Wahrheiten, die man bis zu unserer Gegenwart strenge behütet hat in engen Kreisen, über welche man jenen, denen man sie mitteilte, strengstes Schweigen auferlegte gegenüber allen, denen man sie nicht mitteilen konnte, solche Wahrheiten müssen in unserer Zeit immer mehr und mehr öffentlich gemacht werden, ganz gleichgültig, wie die allgemeine Meinung und ihre "Träger diesen Wahrheiten entgegenkommen, ganz gleichgültig, was für Vorurteile und was für Gegenströmungen diese Wahrheiten hervorrufen.
[ ] In the immediate future, people will feel more strongly than ever before that the new and different views presented to them are fanciful and absurd. Nevertheless, truths that until now were closely guarded by small groups of people, with strict silence demanded of anyone to whom they were made known, must increasingly be made public. It does not matter how public opinion and those who hold it react to these truths; nor do the prejudices and counter-currents matter that are provoked by them.
[ 5 ] Warum das so ist, davon werden wir auch im Laufe dieser Vorträge noch zu sprechen haben. Auf einige Eigentümlichkeiten im Aufnehmen von Wahrheiten seitens der Gegenwartsmenschen und der nächsten Zukunftsmenschen werde ich zunächst hinzuweisen haben. In mancher Beziehung sind diese Menschen der Gegenwart, trotzdem sie glauben, daß sie über die Illusionen der vergangenen Zeit, über den Aberglauben der vergangenen Zeit ungeheuer weit hinaus wären, durch und durch illusionär, neigen mehr, als das zu andern Zeiten der Fall war, dazu, sich über gewisse wesentliche und wichtige Dinge der Weltenordnung Illusionen hinzugeben, und zwar in einem solchen Grade, daß diese Illusionen weltbeherrschende, völkerbeherrschende, erdenbeherrschende Mächte werden. Das ist sehr wichtig, denn in dem ganzen Chaos der Gegenwart walten — und deswegen ist es ja ein Chaos — gerade Illusionen, illusionäre Vorstellungen.
[ ] The reason for this will be discussed later on in these lectures. To begin with, I must speak of some of the ways in which people will react to truths today and in the immediate future. People believe they have long since outgrown the illusions and superstitions of the past, yet in some respects they are entirely given up to illusion. There is a growing tendency to live in illusion concerning some important and essential aspects of the great scheme of things, and this to such an extent that these illusions become powers that rule the world, nations and, indeed, the whole earth. It is important to realize this, for illusory ideas are a major element in the chaos in which we find ourselves today; in fact, they make it a chaos.
[ 6 ] Wir wollen gleich auf eine, ich möchte sagen, Grundillusion, auf eine prinzipielle Illusion der Gegenwart hinweisen, auf eine Illusion, die innig zusammenhängt mit den materialistischen Zeittendenzen, mit der Neigung der Menschen zum Materialismus. Diese Illusion charakterisiert sich darin, daß die Menschen immer mehr geneigt werden, sich eine ganz falsche Ansicht zu bilden über das, was wir im Zusammenhange der geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse den physischen Plan nennen. Und immer weniger wird ein Wort des Neuen Testamentes, das in dieser Beziehung grundlegend ist, verstanden, immer weniger wird das Wort verstanden: «Mein Reich ist nicht von dieser Welt.» Mißverstanden wird dieses Wort insofern in der Gegenwart, als gerade die äußerlich tonangebenden Persönlichkeiten, die führenden Individualitäten der Gegenwart sich der Illusion hingeben, daß in jeder Beziehung ihr Reich von dieser Welt werden müsse, ihr Reich Platz greifen müsse auf dem physischen Plane.
[ ] Let me tell you of one common illusion which exists today and is closely bound up with the materialistic trends of the age. It is the growing tendency to form utterly wrong opinions about what in the science of the spirit is called the physical plane. And the New Testament words that are fundamental in this respect: ‘My kingdom is not of this world’,1John 18:36. The German for ‘kingdom’ in this sense is Reich (Trans.). are increasingly less understood today. They are misunderstood in so far as the leading personalities of the outer world are caught up in the illusion that their kingdom should be very much of this physical world.
[ 7 ] Was meine ich damit? Wer real zu sehen vermag, wer die Wirklichkeit zu durchschauen vermag, der weiß, daß die Welt des physischen Planes niemals eine Vollkommenheit haben kann. Wer aber materialistisch denkt, der gibt sich der Illusion hin, daß auf dem physischen Plan etwas Vollkommenes erreicht werden müsse. Daher entspringen dann alle die Illusionen, von denen eine ganz besonders charakteristisch ist: die sozialistische Illusion der Gegenwart.
[ ] What do I mean to say? Anyone who is able to see the reality, and to see through it, knows that this world on the physical plane can never reach perfection. Yet people who think materialistically have the illusion that perfection can be achieved on the physical plane. This is the source of many other illusions, and particularly and characteristically the socialist illusion of the present age.
[ 8 ] Ulusionen machen sich ja jetzt geradezu die Menschen aller Meinungsnuancen, aller Parteischattierungen — auch die Menschen von liberaler Weltanschauung, liberaler Lebensauffassung haben sich eine gewisse Einrichtung des physischen Planes konstruiert und haben gedacht, wenn sie diese Einrichtung verwirklichen können, dann wird das Paradies auf Erden sein. Die Sozialisten wieder denken nach gar nichts anderem hin, als wie man die Welt dieses physischen Planes einrichten solle, damit alles auf diesem physischen Plane hier gut sei, damit jeder ein besonders behagliches Dasein, wie man sich es vorstellt, habe, jeder in der gleichen Weise und so weiter. Und wenn solche Menschen anfangen, sich die Zukunftsgestaltung des physischen Planes auszumalen, dann ist das immer eine sehr schöne, paradiesische Welt. Versuchen Sie nur einmal, die Pläne derjenigen, die sich heute zu den verschiedensten sozialistischen Parteien rechnen, nach dieser Richtung hin zu prüfen!
[ ] People's illusions come in all shades of meaning; they are coloured by party politics and so on. People who take a liberal view of the world and of life have constructed their own ideal of the physical world and believe that if they realize this we shall have paradise on earth. All that the socialists are able to think of is how to arrange things on this physical plane so that everybody can live what they consider to be the good life, the same for everybody, and so on. Their vision of the future on this physical plane is of a wonderful paradise. Do examine the programmes put forward by people who see themselves as belonging to the many different socialist parties and you will see for yourselves.
[ 9 ] Aber nicht nur auf dieser Seite finden Sie solche Anschauungen und Meinungen, sondern auch bei andern. Nehmen Sie die Pädagogen. Selbstverständlich ist heute jeder pädagogische Agitator oder Schriftsteller davon überzeugt, er müsse ein solches Erziehungssystem, solche Erziehungsprinzipien begründen, die die besten sind, die man sich nur denken kann, und die auch im absoluten Sinn die allerbesten sind, über die hinaus man sich nicht bessere denken kann.
[ ] They are not the only people, of course, who have such views and opinions. Teachers also do, for instance. Today, every educational agitator and writer is absolutely convinced that it is up to him to establish the best possible educational system, the best principles of education one can think of. And in an absolute sense they really are the best, one cannot imagine anything better.
[ 10 ] Es ist dieses ein Streben, gegen das sich aufzulehnen doch den Menschen geradezu wie eine Narrheit erscheinen muß. Denn so, wie die Dinge heute liegen, können ja kaum die Menschen etwas anderes sagen als: Wer nicht will, daß in der Welt alles aufs beste eingerichtet wird, der muß ganz bösartigen Charakters sein. — Man kann es begreifen, daß die Menschen so denken müssen. Aber, wenn nicht Bösartigkeit es ist, die verhindert, so zu denken, sondern die klare, echte Anschauung der Wirklichkeit, wenn diese echte Anschauung der Wirklichkeit uns sagt: es ist einfach eine Illusion zu glauben, daß man solche Grade von Vollkommenheiten auf dem physischen Plan erreichen kann —, wenn es ebenso ein Gesetz wäre, daß es auf dem physischen Plan niemals vollkommen zugehen kann, wie es ein Gesetz ist, daß die drei Winkel eines Dreiecks eben 180 Grad sind, dann muß man halt einer solchen Wahrheit kühn und ohne Feigheit ins Gesicht schauen.
[ ] To go against such endeavours must seem sheer madness to people. The way things are today, people simply must consider anyone who does not want things to be the best possible in the world to be evil-minded. One can understand people feeling this way. Yet it is not evil-mindedness that stops us from thinking their way but a clear vision of the truth. It tells us that it is illusory to think such levels of perfection can be achieved in the physical world. And if it is a law that there never can be perfection in the physical world, just as it is a law that the three angles in a triangle add up to 180°, then people will simply have to face such a truth boldly and not shrink from it.
[ 11 ] Das ist es, was aus durchaus materialistischen Voraussetzungen heraus als solche Illusionen auftritt. Wenn auch heute viele Menschen sagen, sie glauben an eine geistige Welt — es bleibt Wort; bei vielen Menschen bleibt es ein bloßes Wort, ein leerer Schall. In den Empfindungen, in den Gefühlen, in den unterbewußten Impulsen der Menschen sitzt doch etwas anderes, sitzt die Neigung, materialistisch zu denken. Diese Neigung, die verführt die Menschen dazu — wenn sie auch sich vormachen, an etwas anderes zu glauben —, eigentlich doch nur an den physischen Plan zu glauben. Ja, wer nur an den physischen Plan glaubt, wer nicht glaubt, etwas anderes noch zu haben in seiner Umgebung als den physischen Plan, der kann ja gar nicht anders, als anzuerkennen als einziges Ideal, alles auf dem physischen Plan so herbeizuführen, daß aus diesem physischen Plan ein Paradies wird, sonst wäre ja überhaupt die ganze Welt ein Unsinn. Für den Materialisten gibt es gar keine andere Möglichkeit, wenn er nicht die Welt für Unsinn halten will, als sich der Illusion hinzugeben, daß es zwar jetzt noch recht unvollkommen zugeht auf dem physischen Plan, aber daß man doch Zustände herbeiführen könne, welche dieser Unvollkommenheit ein Ende machen und die Vollkommenheit an ihre Stelle setzen.
[ ] So there you have the kind of illusion which arises from entirely materialistic premises. Many say they believe in the world of the spirit, but with many of them this is mere words, nothing but hot air. In their innermost hearts, in their feelings and unconscious impulses, lives something different—the inclination to think materialistically. However much people may pretend to themselves that they believe in something else, in reality they believe only in the physical world. And since they do not believe in anything more than just the physical world around them, the only ideal they can possibly have is to arrange things in the physical world in such a way that it becomes a paradise; otherwise the whole world would make no sense to them. Until materialists are prepared to say that the world makes no sense at all, they can only live in the illusion that, however imperfect this physical world may be, it will be possible to create conditions that will put an end to imperfection and let perfection take its place.
[ 12 ] Alles, was auf diesem Gebiete sich heute geltend macht — sei es im allgemeinen, über das sich alle möglichen politischen, sozialen und sonstige Agitatoren in Worten ergehen, sei es im einzelnen, sagen wir auf dem Gebiete des Erziehungswesens oder auf andern Gebieten —, alles das beruht auf Illusionen. Und diese Illusionen beruhen ihrerseits wieder darauf, daß die Menschen keine Einsicht haben in die Beziehungen des physischen Planes zu den andern Weltensphären, daß die Menschen gar keine Möglichkeit haben, sich eine Vorstellung darüber zu bilden, warum der Christus Jesus die Worte gebraucht hat: «Mein Reich ist nicht von dieser Welt», warum der Christus Jesus nicht hier auf dem physischen Plan das Reich der Vollkommenbheit verwirklichen wollte. Man wird nirgends aus den Evangelien den Nachweis führen können, daß der Christus dieses Reich der äußeren physischen Welt in ein Reich der Vollkommenheit umgestalten wollte. Dieser Illusion hat sich der Christus selbstverständlich nicht hingegeben. Aber er hat dieses Nicht-herbeiführen-Wollen eines Paradieses auf dem physischen Plan dadurch korrigiert, daß er den Leuten etwas geben wollte, das nicht von dieser Welt ist: ein Durchdringen der Seele mit den Impulsen, die immerzu in der Welt leben, die aber eben nicht von dieser Welt, das heißt nicht von dem physischen Plan sind.
[ ] Everything coming to the fore today in this respect—in general terms, with all kinds of political, social and other agitators making great words about it, or in specific instances, such as in education—is based on illusion because people are unable to see the connections between the physical world and the other spheres of the world. In no way can they gain an idea of what Jesus Christ meant when he said: ‘My kingdom is not of this world’, and why Jesus Christ did not want to bring a kingdom of perfection to realization here in the physical world. There is nothing in the gospels to show that Christ intended to reform this outer kingdom of the physical world and make it into one of perfection. He certainly did not cherish that illusion. But he made up for this lack of desire to establish paradise in the physical world by giving people something which is not of this world: to let impulses enter into their souls which are always alive in the world but are not of this physical world.
[ 13 ] In weitestem Umkreise beherrschen solche Illusionen heute die Menschheit. Das aber führt ungesunde Verhältnisse herbei; denn diese Illusionen können, da die Menschen freie Wesen sind, selbstverständlich von den Menschen gefaßt werden. Auf den mehr materiellen Gebieten würden sich solche Illusionen sofort als Ilusionen zeigen. Diejenigen Toren, welche theoretisch auf materiellen Gebieten solche Dinge erfinden, die zeigen sich sogleich in ihrer illusionären Natur. Auf dem großen Gebiete des sozialen, des politischen Zusammenlebens, da zeigt sich das nicht sogleich.
[ ] Illusions of this kind dominate the human race today in the widest possible sense, and this creates an unhealthy climate. People are free individuals and therefore free to live in illusion. In more down-to-earth contexts their illusions would immediately be seen to be illusions. When we are dealing with physical objects, fools who invent things which merely work in theory are instantly seen to be under an illusion. It is not immediately obvious, however, in the vast field of social and political life.
[ 14 ] Ich habe schon öfter erzählt: Als ich ein junger Dachs war, so zweiundzwanzig, dreiundzwanzig Jahre, da kam ein Hochschulkollege zu mir, mit rotem Kopf, furchtbar enthusiasmiert, und erklärte, er hätte eine wichtige, eine geradezu epochemachende Erfindung gemacht. Nun, sagte ich, das ist ja schön; was willst du nun eigentlich damit? — Ja, sagte er, ich muß nun gleich zu Ratinger gehen — das war nämlich an der Hochschule der Professor für Maschinenbau — und muß dem Ratinger die Sache vortragen! Und gesagt, getan: er lief davon. Ratinger hatte aber nicht gleich Zeit, und so kam er noch einmal zurück. Er wurde für später bestellt. Da sagte ich: Vielleicht kannst du mir nun in der Zwischenzeit erzählen — wir haben ja ein bißchen Zeit —, was du für eine Erfindung gemacht hast. — Es war eine ganz geistreiche Sache. Er hatte nämlich eine Dampfmaschine erfunden, bei der man nur anfangs ganz wenig Kohlen brauchte, um zu heizen; dann brauchte man nicht weiter Kohlen nachzulegen, sondern dann ist ein Mechanismus dagewesen, welcher die Sache fortwährend in Tätigkeit erhalten hat. Man brauchte nur einen einmaligen Anstoß zu geben. Nun, das war natürlich etwas Epochemachendes. Sie werden bloß verwundert sein, warum das heute noch nicht da ist! Ich ließ mir die ganze Sache erklären und sagte ihm dann: Weißt du, das ist sehr geistreich; aber wenn man das Ganze überschaut, so ist es nicht anders, als wenn du einen Eisenbahnwagen dadurch in Bewegung versetzen willst, daß du hineinsteigst und drinnen anschiebst, fortwährend drinnen anschiebst. Wenn einer draußen steht und anschiebt, so kann er selbstverständlich den Wagen weiterbringen; wenn er aber drinnen steht, so kann er bei derselben Krafterzeugung den Wagen nicht um einen Millimeter vorwärtsbringen. — Darauf beruhte aber die ganze Sache.
[ ] The following story is one I have told before. When I was a young fellow of 22 or 23, one of my fellow students came to me one day, his head aglow, absolutely fired with enthusiasm, and told me he had just made an important, epoch-making invention. Oh, I said, that is nice; what are you going to do with it? Well, he said, I'll have to go and see Ratinger—our professor of mechanical engineering at the university—and tell him about it. No sooner said than done, and off he went. Ratinger was not free at the moment and so the student came back; he had been given an appointment for later on. So I said to him: Why don't you tell me about it in the meantime? We have some time to spare. Tell me about your invention. It was a very clever thing. He had invented a steam engine that needed just a very small amount of coal to heat it up; after that no more coal would be needed, for a special mechanism kept it going of its own accord. One merely had to start it up. This was certainly epoch-making! You will be wondering why we do not have it today. I got him to explain it all to me and then told him: You know, that is really clever; but if one looks at the whole thing it is no different from wanting to get a railway truck going by getting into it and pushing as hard as you can from inside. Someone standing outside can, of course, get it to move, but anyone inside will not get it to move a millimetre, even if they apply the same amount of energy. This is what it all came down to.
[ 15 ] Es kann etwas außerordentlich logisch, außerordentlich geistreich sein, mit Anwendung aller möglichen technischen Prinzipien aufgebaut sein, und es kann doch ein Unsinn, ein unwirklich Gedachtes sein. Und es kommt nicht darauf an, daß man bloß geistreich denkt, daß man bloß logisch denkt, sondern darauf kommt es an, daß man wirklichkeitsgemäß denkt. — Er ist dann gar nicht mehr zu Ratinger gegangen.
[ ] Things can be extremely logical and clever, developed by applying all kinds of technical principles, and they may still be nonsense, having been thought up without taking account of reality. What matters is not to be merely clever, or logical, but to relate to reality. In the end the student never went to see the professor.
[ 16 ] Nun, auf materiellem Gebiete, auf mechanistischem Gebiete, kommt solch eine Sache sehr bald heraus. Aber auf sozialem, auf politischem Gebiete, überhaupt auf dem Gebiete, das man im weitesten Umfang das Gebiet der Weltbeglückung nennen könnte, da kommt das nicht sobald heraus. Da kann man schon ganz ähnliche Dinge in die Welt setzen; die Menschen werden dadurch verblendet und glauben daran. Aber das Ganze beruht doch nur darauf, daß man im Wagen steht und drinnen anschiebt. Es wird einmal eine Zukunft kommen, wo man einen gewissen Grundcharakter der Gegenwartsordnung vielleicht sogar nach einem Namen benennen wird, weil dieser Name charakteristisch sein wird für ein innerlich durch und durch illusionäres Denken, unwirkliches Denken. Und man wird ganz gewiß in der Zukunft einmal sprechen von dem Wilsonianismus im Beginne des 20. Jahrhunderts, denn dieser Wilsonianismus, das ist auf politischem Gebiete ganz genau dasselbe, was der Mann hatte, der den Wagen im Innern des Wagens anschieben wollte.
[ ] When one is dealing with physical matter and mechanics, such a thing will soon be obvious. But in social and political affairs, and with reference to what in its widest sense may be defined as making everyone happy, it will not be immediately obvious. You can easily put forward ideas of exactly this kind; people will be impressed and believe you. Yet it is all a matter of being inside the truck and pushing from there. A time will come when a certain basic characteristic of the present time may actually be labelled with a particular name, a name that will typify a way of thinking which at heart is utterly illusory and unreal. I am very sure that in future people will speak of early twentieth century ‘Wilsonianism’. For Wilson's ideas are typical of those of someone who wants to push a railway truck from inside.
[ 17 ] Alle jene Begriffe, die als Grundbegriffe den Wilsonianismus beherrschen, die heute so viel Eindruck machen, sind durch und durch unwirkliche Begriffe, abgesehen davon, daß sie auch aus andern Gründen noch auf die Menschen heute einen großen Einfluß ausüben. Sie üben nämlich schon aus dem Grunde einen ungeheuren Einfluß aus, weil sie ja nicht verwirklicht werden können. Würde man an die Verwirklichung gehen, so würde sich sehr bald zeigen, daß sie Nullitäten sind. Aber die Menschen können sich vorstellen, daß man so etwas verwirklichen könnte. Wenn man nämlich den Wilsonianismus verwirklichen könnte, dann hätte man über die ganze Welt ein großes Weltenphilisterium verwirklicht. Denn Woodrow Wilson verdiente eigentlich, zu dem Weltenheiland des allgemeinen Philisteriums ernannt zu werden. Es würde zwar in einer von Wilson geordneten Welt den Philistern nicht gutgehen, und sie kann ja auch nicht verwirklicht werden, aber die Philister stellen sich es wenigstens vor: Wenn der Wilsonianismus die Welt ergreifen würde, dann würde es uns ganz besonders so gehen, wie wir es uns nach unserem Ideal wünschen.
[ ] All the basic ideas of ‘Wilsonianism’ which make such an impression today are utterly unreal, though they also have a major influence on people for other reasons. They are powerful for the very reason that they cannot be realized. Any attempt to implement them it would soon show them to be meaningless. But people are able to imagine they could be implemented. If we were able to implement Wilsonian ideas, world philistinism would be realized throughout the world. Woodrow Wilson2Thomas Woodrow Wilson (1856–1924), President of the United States 1913–1921. (Wilson propagated ‘open’ diplomacy but refused to permit publication of his discussions at the 1919 Peace Conference in Paris. His Fourteen Points were to be the basis for the armistice in November 1918. Trans.) really deserves to be made the universal saviour of general philistinism. Of course, philistines would not actually do all that well in a world organized by Wilson, which anyway cannot be realized, but at least they imagine that if Wilson's ideas were to conquer the world we would be able to live according to our ideals.
[ 18 ] Die Zukunft wird einmal erzählen: Im Beginn des 20. Jahrhunderts entstand das sonderbare Ideal: Wie kann man die Welt zum vollkommensten Abbild des Spießbürgertums machen? Und man wird den Wilsonianismus analysieren, um diese Spießbürgerillusionen als ein Charakteristikon vom Beginne des 20. Jahrhunderts hinzustellen.
[ ] A time will come when people say: At the beginning of the twentieth century a peculiar ideal arose, which was to make the world into a perfect image of philistine, or bourgeois, ideals. Wilson's ideas will be analysed one day and presented as typical of the early twentieth century.
[ 19 ] Sie sehen, es gibt nicht nur kleine, sondern auch große Beispiele für das illusionäre Denken der Gegenwart. Und es sind heute nicht weltverlorene Sekten, sondern es sind sehr weit ausgebreitete Glaubensgemeinschaften, die sich solchen unrealen Gedankengängen, solchen Illusionen hingeben, wie die angedeuteten es sind.
[ ] You see, we have not only small but also big examples of illusory ideas in our time. These illusions and unreal ideas are held not by otherworldly sects, but by groups whose beliefs spread far and wide.
[ 20 ] Aber wichtige, einschneidende, wirkliche Wahrheiten müssen heute der Welt verkündet werden. Und die werden wenig übereinstimmen mit dem, was aus den eben bezeichneten Gründen heraus die Anlage hat, allgemeine Meinung zu werden nach den bisher üblichen Vorbedingungen. Es müssen andere Vorbedingungen zum Verständnis der Wahrheit geschaffen werden. Die Wahrheiten, die auftauchen müssen, haben ja für die weitesten Kreise heute etwas Abstoßendes; sie sind unbequem, recht unbequem. Und die Wahrheiten, die man liebt, sind heute bequem, sind begehrt, nach den Anlagen, die die Menschen heute schon einmal haben.
[ ] Important and vital genuine truths must now be proclaimed to the world. For the reasons and because of the kind of conditions we have been discussing, they will show little relationship to the general opinions of today. Different conditions have to be created to enable people to grasp the truth. The truths which must inevitably come up are repulsive to many people today; they are thoroughly uncomfortable. The truths people like and ask for are convenient truths, for that is the way people are today.
[ 21 ] Einige von den unbequemen Wahrheiten werden wir eben im Laufe dieser Vorträge kennenlernen müssen. Vor allen Dingen werden die Wahrheiten, welche die Welt braucht, welche man verkündigen muß aus einer gewissen höheren Verantwortlichkeit heraus, sich nicht allein auf den physischen Plan beziehen dürfen, denn sie werden gerade geeignet sein müssen, die Illusionen, die man sich mit Bezug auf den physischen Plan macht, zu durchkreuzen, die Wirklichkeit an die Stelle der Einbildung zu setzen. Denn am eingebildetsten, am phantastischsten sind heute diejenigen Menschen, die sich für wenig oder für gar nicht phantastisch halten. Man macht da ja sonderbare Entdeckungen.
[ ] Some of these uncomfortable truths will have to be presented in the course of these lectures. They need to be made known out of a feeling of responsibility, and above all they must relate not only to the physical plane. They must cut across the illusions people have of the physical plane and offer reality rather than fantasy. The most unrealistic and fantasy-ridden people today are those who consider themselves to be more or less entirely realistic. One makes the strangest discoveries in this respect.
[ 22 ] Da ist mir neulich eine Art Lexikon geschickt worden, worin Schriftstellernamen verzeichnet werden. Es sollen alle diejenigen Schriftstellernamen verzeichnet werden, deren Träger etwas in sich haben, was Judentum ist, was im Sinne der Verwirklichung des Judaismus in der Welt, des Judentums wirkt. Unter diesen Schriftstellern bin ich auch angeführt, und zwar bin ich aus dem Grunde angeführt, weil ich viele Ähnlichkeiten hätte — nach der Ansicht des Verfassers jenes Literaten-Lexikons — mit Ignaz von Loyola, der gerade wegen seines Judaismus den Jesuitismus begründet habe, und weil ich außerdem herstamme aus einer Grenzgegend zwischen Deutschen und Slawen — wo ich zufällig geboren bin, trotzdem ich gar nicht dort herstamme — und weil das, daß ich dort herstamme — ich weiß nicht, aus welchen Gründen —, darauf hindeute, daß ich jüdischer Abstammung sei. Über diese Sache habe ich mich nicht besonders verwundert, denn heute erscheinen noch verwunderlichere Sachen, nicht wahr? Aber unter diesen Menschen, die da als Förderer des Judaismus aufgeführt werden, befindet sich auch Hermann Bahr — ich habe darin so geblättert —, der nun so durch und durch Oberösterreicher ist, daß es wahrhaftig ganz unmöglich ist, darauf zu kommen, ihn irgendwie mit jüdischem Blute oder so etwas in Zusammenhang zu bringen. Trotzdem wird in diesem LiteratenLexikon ein bekannter Literarhistoriker zitiert als Quelle dafür, daß Hermann Bahr doch etwas Jüdisches unbedingt habe.
[ ] I was recently sent a kind of lexicon listing the names of writers.3Semi-Kuerschner oder Literarisches Lexikon der Schriftsteller, Dichter, Bankiers, Geldleute, Schauspieler, Kunstler, Musiker, Offiziere, Rechtsanwlte, Revolutionre, Frauenrechtlerinnen, Sozialdemokraten usw. jdischer Rasse und Versippung, die von 1813–1913 in Deutschland ttig oder bekannt waren (Semi-Kuerschner or literary lexicon of authors, poets, bankers, financiers, physicians, actors, artists, musicians, officers, lawyers, revolutionaries, women's rights activists, social democrats, etc., who were Jewish by birth or marriage and were active or known in Germany from 1813–1913), published by Philipp Stayff, Berlin 1913. The passage about Hermann Bahr reads as follows: ‘It is said, and people have assured me over and over again, that Hermann Bahr is not a Jew, but I believe in the adage: ‘Tell me who your friends are’ (Bahr's first wife was Jewish), and would maintain that Bahr is of Jewish origin even if he were to show me the certificates of baptism of his forebears for the last ten generations, and indeed if really pushed into a corner I would rather subscribe to belief in the transmigration of souls.’ It purports to list the names of all writers who have a connection with Judaism and anything which seeks to bring Judaism to realization in this world. I am one of the writers listed in the book, the reason being that, according to the author of the lexicon, I have many similarities with Ignatius de Loyola who is stated to have founded the Jesuits precisely because of his Judaism. Furthermore, I come from a border region between Germans and Slavs—which is where I happen to have been born, though my family certainly do not come from there—and apparently the fact that I come from there indicates that I am Jewish in origin—I have no idea why. This does not really surprise me, for I think you will agree that even odder things are published today. But the lexicon also includes Hermann Bahr as someone who is promoting Judaism—I was merely leafing through the book. Yet he is an out-and-out Upper Austrian. It is really and truly impossible to think of any way in which he can be connected with Jewish blood or the like. Nevertheless, this literary lexicon quotes a well-known literary historian as saying that Hermann Bahr definitely had Jewish traits.
[ 23 ] Nun, als mir einmal vorgeworfen wurde — diese Dinge sind ja nicht neu —, daß ich jüdisch sei, da ließ ich meinen Taufschein fotografieren. Hermann Bahr mußte auch solche Experimente machen, weil ihm von einem Literarhistoriker vorgeworfen worden ist, daß er Jude sei. Er wollte eben die Wahrheit an die Stelle setzen. Und da sagte der betreffende Literarhistoriker: Na, aber es kann ja der Großvater Jude gewesen sein. — Aber es läßt sich schlechterdings nichts in der Ahnenschaft von Hermann Bahr nachweisen, was nicht absolut uroberösterreichisch-deutsch ist; es läßt sich durchaus nichts nachweisen. Das war natürlich fatal für jenen Literarhistoriker, aber von seiner Meinung ließ er sich deshalb nicht abbringen. Und dieses, daß er sich nicht von seiner Meinung abbringen ließ, richtete er auf folgende Weise ein. Er sagte: Und wenn Hermann Bahr durch zwölf Generationen hinauf mir die Taufscheine vorlegt, daß er nicht einen Tropfen jüdischen Blutes von irgendeiner Seite bekommen haben kann, dann würde ich nötigenfalls an die Reinkarnation glauben. — Also, Sie sehen: Die Gründe, an die Reinkarnation zu glauben, liegen bei diesem sehr verbreiteten und sehr berühmten Literarhistoriker auf einem sonderbaren Feld.
[ ] Well, when I was said to be Jewish on one occasion—these things are not new—I had a photograph of my certificate of baptism made. Hermann Bahr also had to jump through those hoops, because a literary historian had said he was Jewish.4Adolf Barthels in his Kritiker und Kritikaster, Leipzig 1903. Bahr wanted to establish the truth. The literary historian then said: Well, his grandfather may have been a Jew. But it simply is not possible to find anything in Bahr's family which is not absolutely Upper Austrian German. This was of course an embarrassment for the literary historian, but he would stick to is opinion. He went so far as to say that if Hermann Bahr were actually to present the certificates of baptism for the last twelve generations to show that he did not have a drop of Jewish blood rom anywhere, then he, the historian, would believe in reincarnation if forced to do so. So you see, the reason for believing in reincarnation is a highly peculiar one in the case of this renowned and widely-read literary historian.
[ 24 ] Es ist heute zuweilen schon schwierig, dasjenige, was berühmte Menschen aussprechen, überhaupt noch ernst zu nehmen. Schade ist natürlich dabei nur, daß es so außerordentlich schwierig wird, die Menschen in breiteren Kreisen von diesen Dingen zu überzeugen. Denn es liegt den Leuten doch gewissermaßen in den Gewohnheiten, an Autoritäten zu glauben, trotzdem selbstverständlich die Menschen der Gegenwart gar nicht autoritätsgläubig sind! Aber das ist ja nur ihre Meinung. Wir haben über diese Meinung, die die Menschen von sich selber haben, gestern auch einiges sagen können.
[ ] There are times today when it is really difficult to take what is said by famous people at all seriously. It is a pity, of course, that it is so difficult to convince the wider public of this. People are rather in the habit of believing in authority, despite the fact that modern people do not believe in authority at all, of course! Such, at least, is their opinion. Yesterday we were able to learn something about the opinions people have of themselves.
[ 25 ] Dieser zuweilen in den Grundinstinkten von der Wahrheit abirrenden Gegenwart wird es außerordentlich schwer werden, gerade diejenigen Wahrheiten aufzunehmen, welche das unmittelbar an den physischen Plan anstoßende Grenzgebiet berühren. Denn was da als das an den physischen Plan unmittelbar anstoßende Grenzgebiet gelten muß, das erfordert, daß man bei der Charakteristik in einer gewissen Weise an eine gesunde, an eine unverdorbene Gemütsverfassung derjenigen appellieren muß, die darüber hören. Und das wird gegenüber der Verkündigung derjenigen Wahrheiten, die notwendigerweise verkündet werden müssen, die allergrößten, die denkbar größten Schwierigkeiten machen. Nicht etwa bloß das Anschauen dieser Wahrheiten, sondern schon das Sich-Bekanntmachen mit diesen Wahrheiten hat eine Bedeutung für die ganze Seelenverfassung des Menschen.
[ ] Today, when people's basic instincts sometimes take them so far from the truth, it is extremly difficult to accept the truths relating to the region which borders immediately on the physical world. To characterize anything relating to this region one has to appeal to healthy, incorrupt minds, and this presents the greatest difficulties one can imagine. For when it comes to the truths which must now be made known, the whole constitution of the human soul will be affected even if people merely get to know them, let alone gain direct perception of them.
[ 26 ] Was man an äußerem Wissen über den physischen Plan aufnimmt, das hat eine gewisse Wirkung, sagen wir auf den menschlichen Kopf. Aber diejenigen Wahrheiten, die in die Tiefe gehen auch wenn sie nur bis zu jener Tiefe gehen, wo sie das Grenzgebiet betreffen —, diese Wahrheiten berühren den ganzen Menschen, nicht bloß den Kopf, sondern den ganzen Menschen. Und man muß dann für die Verkündigung solcher Wahrheiten rechnen auf ein unverdorbenes, gesundes Gemüt.
[ ] External knowledge about the physical world has a certain effect—let us say on the human head. But truths which go deep, even if only to the depth where they relate to the world immediately next to the physical world, touch the whole human being and not only the head. To proclaim such truths one must be able to depend on a sound, incorrupt mind.
[ 27 ] Nun, für viele Lebensverhältnisse ist aber ein unverdorbenes, gesundes Gemüt in der Gegenwart gar nicht so sehr verbreitet. Im Gegenteil, ein ungesundes, verdorbenes Gemüt ist heute durchaus keine Seltenheit. Und so kommt es, daß in der Aufnahme der Wahrheiten sich sehr stark die Art und Weise geltend macht, wie das instinktive Leben, wie das Triebleben, wie die ganze Seelenverfassung, die Gemütsverfassung der Menschen ist, die diese Wahrheiten aufnehmen wollen. Menschen mit verdorbenen Instinkten, die keinen Willen haben, ihre Lebensverhältnisse in eine gewisse Zucht zu nehmen, werden sehr schnell die Neigung haben, gerade wenn es sich darum handelt, Wahrheiten über das Grenzgebiet aufzunehmen, diesen Wahrheiten gegenüber eine Stellung einzunehmen, die ganz von niedriger Gesinnung erfüllt ist. Das kann sehr leicht passieren. Wenn Menschen kein gesundes Interesse haben für die objektiven Weltenvorgänge, wenn Menschen vor allen Dingen nur ein Interesse haben für das, was mit ihnen selber zusammenhängt, so verdirbt das oftmals schon das Gemüt so sehr, daß gerade den okkulten Wahrheiten und namentlich denen des Grenzgebietes nicht entsprechende Instinkte entgegengebracht werden.
[ ] In many spheres of life today a sound, incorrupt mind is almost a rarity, whilst unsound, corrupt minds are far from uncommon. And the way individuals accept truths today strongly reveals the particular nature of their life of instincts and drives, the whole constitution of their souls, and their state of mind. People with corrupt instincts who are unwilling to apply some degree of discipline to their life-styles quickly tend to take an attitude which is completely determined by the base mind, particularly when the truths to be accepted relate to the world bordering on the physical world. This happens only too easily. If people do not take a healthy objective interest in what goes on in the world, if they are essentially only interested in anything that relates to themselves, this will often corrupt their mind and attitudes to such an extent that they do not have the right instincts for occult truths and particularly for truths relating to the world bordering on the physical world.
[ 28 ] Für die Wahrheiten des physischen Planes, für alles das, was sich auf den physischen Plan bezieht, worin es die Menschen in der Gegenwart so weit gebracht haben, für alles das sorgt ja schon, ich möchte sagen, die äußere Natur, daß bei den Menschen nicht viel Verdorbenheit auftreten kann. Da sind die Menschen eingezwängt in dasjenige, was ihnen die äußere Natur aufdrängt, da können sie ihre Instinkte nur wenig geltend machen, da müssen sie folgen der äußeren Natur. Schreitet man vom physischen Plan weiter in das Grenzgebiet hinein, dann hat man dieses Gängelband nicht mehr, dann muß man in eine andere Führung hineinkommen, in eine andere innere Sicherheit des Seelenlebens. Das kann man aber nur, wenn man mit unverdorbenem Gemüte den physischen Plan verläßt, sonst wird man im Grenzgebiet zügellos. Man ist nicht mehr von der äußeren Natur gezügelt, man ist nicht mehr von den sozialen, hergebrachten Vorurteilen gezügelt, man wird zügellos. Man fühlt sich auf einmal frei und kann die Freiheit nicht ertragen. In der Welt des physischen Planes ist zum Beispiel vieles, das die Menschen verhindert zu lügen. Wenn einer um sechs Uhr abends behauptet, die Sonne sei eben aufgegangen, so wird ihn die Natur sehr bald korrigieren. Und so ist es ja mit sehr vielen Dingen, die sich auf den äußeren, physischen Plan beziehen. Wenn jemand von Dingen der höheren Welten, und seien sie eben auch nur diejenigen des Grenzgebietes, allerlei Unsinn behauptet, so wird er nicht sogleich durch die äußere Welt korrigiert. Daran liegt es aber, daß die Menschen, indem sie gewissermaßen der Zucht enteilen, die der physische Plan auf sie ausübt, zügellos werden können.
[ ] With respect to the physical world and anything relating to it, and to all the great advances humanity has made, I think I can say that physical nature makes sure this corruption does not go too far in human minds. People are confined within the Limits imposed by physical nature; they cannot get very far with their instincts and have to obey the laws of nature. When we move from the physical world into the one bordering on it, we are no longer on those leading reins; guidance has to take another form and a different, inner certainty is needed. This is only possible, however, if the mind is incorrupt as we go beyond the physical level; otherwise we lose all control in that other region where we are no longer controlled by physical nature, nor by social and traditional prejudices. We are suddenly quite free and cannot bear such freedom. For instance, the physical world has many ways of preventing people from lying: If someone were to say at 6 o'clock in the evening that the sun had just come up, nature would soon demonstrate this to be wrong. It is like this with many things relating to the physical world. If people insist on talking nonsense about things relating to the higher worlds, even if it is only the one immediately next to our own, the physical world will not immediately show them to be wrong. This, then, is the reason why people may lose all control if they rush to escape the discipline which is imposed in the physical world.
[ 29 ] Das ist eine der großen Schwierigkeiten, welche die Mitteilungen von Wahrheiten über die geistige Welt heraufbringen können. Dem muß immer entgegengesetzt werden, daß aber diese Mitteilung von Wahrheiten über die geistige Welt eben einfach notwendig ist. Man darf nicht vergessen, daß die Wahrheiten über die geistige Welt nicht in derselben Gemütsverfassung von der Seele aufgenommen werden können wie die Wahrheiten über die äußere physische Welt. Die Wahrheiten über die geistige Welt können wir nur in die Seele aufnehmen, wenn wir unseren ätherischen und astralischen Leib in uns etwas lockern; sonst wird man nur Worte hören. Man muß schon eine solche Seelenverfassung — und es ist ja für die Erscheinungen des subjektiven Seelenlebens eben nur eine Seelenverfassung —, man muß schon etwas den ätherischen und astralischen Leib lockern, wenn man richtig verstehen soll, was sich auf die geistige Welt bezieht. Diese Lockerung, die muß nur ein Mittel sein, um eben die Wahrheiten der geistigen Welt zu verstehen. Sie darf nicht zu einem Selbstzweck ausarten. Wenn sie zu einem Selbstzweck ausartet, dann kann es sehr schlimm sein.
[ ] Here we have one of the great problems which may arise when truths relating to the non-physical world are presented. Yet the answer always has to be that it is simply necessary to present these truths today. We must not forget that truths relating to the non-physical world cannot be received in the same frame of mind as truths relating to the physical world. To take them in we must slightly loosen the etheric and astral bodies; otherwise we shall only hear words. The state of mind has to be such—and with reference to the phenomena of the subjective inner life it merely is a state of mind—that for any real understanding of the things of the spirit one has to loosen the etheric and astral bodies a little. This loosening should only be a means of gaining understanding of the world of the spirit. It must not become an end in itself; this would be a very serious matter.
[ 30 ] Denken Sie nur einmal — ich will einen extremen Fall anführen —, jemand würde einem geisteswissenschaftlichen Vortrag zuhören, aber nicht, wie es richtig wäre, um Einblick in die geistigen Welten zu gewinnen, sondern weil er das für ganz besonders mystisch hält. Er würde also zuhören, indem er gleichsam sich durchfluten ließe von dem, was gesagt wird, weil das den Ätherleib und den astralischen Leib etwas herauslockert. Man kann es ja erleben, daß gerade bei geisteswissenschaftlichen Vorträgen, manchmal auch bei pseudo-geisteswissenschaftlichen Vorträgen, Leute in einer schläfrigen Ekstase zuhören wollen, sich eigentlich gar nicht besonders für den Inhalt interessieren, sondern mehr für das Wollustgefühl, das durch das Heraustreten des Ätherleibes und des astralischen Leibes bewirkt wird, und so hingegeben warm zuhören. Für andere Lebensverhältnisse kann dieses Hingegeben-warm-Zuhören sehr gut sein; für die Eröffnung des Verständnisses gewisser geistiger Dinge ist es nichts nutz.
[ ] Imagine—to take an extreme case—someone comes to an anthroposophical lecture, not in order to gain insight into the realms of the spirit, which would be the right thing, but because he thinks this is truly mystical. As he listened he would let the words flow through him, as it were, because this would slightly loosen the ether body and the astral body. People certainly do come to lectures of this kind, sometimes also to those on pseudospiritual science, and listen in a kind of sleepy ecstasy; they are not really interested in the content, but more in the feeling of voluptuous pleasure which comes when the ether body and the astral body go partly outside the physical body. There may be other situations in life when to be thus ‘given up’, or ‘warm’, is a good thing; it is no good at all when it comes to revealing the truths relating to things of the spirit.
[ 31 ] Das muß man richtig verstehen. Jemand, der mit dem richtigen Verständnis geisteswissenschaftliche Wahrheiten aufnimmt, das heißt im Konkreten den Linien folgt, mit welchen die Begriffe gezeichnet werden, um das Verständnis der geistigen Welt zu eröffnen, gerade dem wird seine Menschheit dadurch erhöht, der erfährt Dinge, die überhaupt gegenwärtig gewußt werden müssen zum Heil und zur Fortentwickelung der Menschheit. Wer die Dinge im rechten Sinne aufnimmt, der wird auch erfahren, daß seine Instinkte, seine Triebe veredelt, erhöht werden, daß er schon durch das bloße Anhören geisteswissenschaftlicher Wahrheiten eine Entwickelung zum Guten durchmacht. Wer keinen Willen hat, geisteswissenschaftliche Wahrheiten in diesem Sinne aufzunehmen, wer vielleicht aus irgendeinem rein persönlichen Interesse diese geisteswissenschaftlichen Wahrheiten aufnimmt, weil er, sagen wir, auch zu einer Gesellschaft gehören will und keine andere gerade gefunden hat, die für ihn besser taugen würde als die anthroposophische, wer überhaupt zunächst persönliche Interessen hereinträgt in diese Gesellschaft, der wird finden können, daß die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten zunächst niedere Instinkte, vielleicht die allerniedrigsten Instinkte aufstacheln. Es ist daher nicht verwunderlich, daß Menschen, die eigentlich nicht dazugehören, aber eine solche Sache sich anhören, sich gerade in ihren niedrigsten Instinkten aufgestachelt fühlen. Das läßt sich in der Gegenwart aus dem Grunde nicht vermeiden, weil die Dinge eben öffentlich werden sollen und man nicht Grenzen ziehen kann. Da läßt sich das Richtige nur finden dadurch, daß über ihr waches Urteil diejenigen scharf mit sich selbst zu Gerichte gehen, welche aus innerer Berechtigung eben dazugehören, welche aus innerer Berechtigung an einer solchen Bewegung teilnehmen. Wer überhaupt vor oder nach seinem Austritt aus der Gesellschaft irgendwie nur persönliche Interessen geltend macht, der zeigt ja damit nur, daß er niemals die Eignung gehabt hat, dieser Gesellschaft anzugehören. Und persönliche Interessen sind ja, dächte ich, nicht so schwierig von objektiven Erkenntnisinteressen zu unterscheiden.
[ ] This must be properly understood. If spiritual truths are rightly understood, and if people are in all seriousness following the lines of thought used to develop concepts which may make the world of the spirit accessible to our understanding, their humanity will be enhanced and they will learn the things which have to be known at the present time for the salvation and further development of humanity. People who take these truths into themselves in the right way will also find their drives and instincts ennobled and raised to a higher level. By merely listening to spiritual truths they go through a development that is for the good. Anyone who is not willing to accept anthroposophical truths in this sense but is perhaps doing so from some kind of purely personal interest—let us say he wants to belong to a society and has not found another one which suits him as well as the Anthroposophical Society does—anyone who comes to this Society with personal interests may indeed find that spiritual truths will first of all activate low instincts, and perhaps even the lowest of the low. It therefore does not come as a surprise that people who really should not be members but nevertheless do come and hear such things, find their lowest instincts brought to life. It is something that cannot be avoided at this time, for these things have to be made public and it is difficult to draw the line. The right way will only be found if those who have the inner justification to be part of such a movement use their wide-awake judgement and take themselves to task. People who in any way bring personal interests to bear, before or after leaving the Society, merely show that they never should have been members. And I think it is not really difficult to distinguish between personal interests and interest in objective understanding.
[ 32 ] Aber verwunderlich ist es nicht, daß bei den von der öffentlichen Entwickelung geforderten Verhältnissen eben immer wieder und wiederum das auftritt, daß aus den Instinkten der niederen Natur heraus dieses oder jenes zutage tritt. Man muß mit klarem Bewußstsein, mit vollständig klarem Bewußtsein auf die Gefahren hinschauen, welche sich ergeben können, und man muß trachten, diesen Gefahren zu steuern. Wer sich zu den Gefahren in der richtigen Weise verhält, der steuert ihnen gewiß schon. Insbesondere in der gegenwärtigen Zeit — das gehört auch zu dem Chaotischen der Gegenwart — werden Abirrungen auf diesem Gebiete gar nicht so sehr zu den Seltenheiten gehören. Die gegenwärtigen tragischen Ereignisse spannen die Kräfte einer Anzahl von Menschen ungeheuer stark an; und Menschen, die vor dem Ausbruch dieses Krieges nicht gewohnt waren, aus allgemeinerem, nicht bloß aus persönlichem Interesse zu arbeiten, schwer zu arbeiten, haben das in den letzten drei Jahren wirklich über die verschiedenen Länder hin gelernt, das ist wahr. Viele Menschen haben arbeiten gelernt, haben auch gelernt, allgemeine Interessen zu haben.
[ ] But it is not surprising that in the situation which has arisen because it is now necessary to make things generally known, it happens again and again that some of the instincts of the lower human nature come to the fore. The potential dangers must be consciously and clearly considered and ways must be found to correct them. If we take the right attitude to these dangers we shall certainly be able to meet them. This is very much a time—it is part of the chaotic situation we are in—when aberrations of this kind are far from uncommon. The tragic situation of today makes tremendous demands on the powers of many people. It is true to say that people who were not in the habit of working hard in the general rather than merely personal interest really have learned to work hard in the last three years. Many people have learned to work and to acquire general interests.
[ 33 ] Wer in der richtigen Weise zu unserer Bewegung gehört, hat ja von vornherein allgemeine Interessen. Dessen ungeachtet gibt gerade die gegenwärtige Zeit ungeheuer viel Gelegenheit zu einem gewissen Outsider-Faulenzertum. Es gibt gegenwärtig gerade durch die Konstellation dieses Krieges Menschen, die nun wiederum gar nichts Rechtes zu tun haben. Wenn sie innerhalb unserer Bewegung sind, so spüren sie das auch. Vor dem Kriege, da gab es viele Vortragsreisen; da konnten sich so ganze Schüppel von Menschen zusammentun und konnten von einem Vortrag zum andern reisen. Wenn es auch an äußeren Interessen fehlte, so gab es Sensationen genug, und wenn sie nicht von außen kamen, so verschaffte man sich diese Sensationen. Das ist jetzt schwierig. Das geht jetzt nicht. Den Weg aber zu nützlichen Betätigungen, den haben manche Menschen nicht gefunden. So ist es insbesondere jetzt der Fall, daß ein Outsider-Faulenzertum sich auch innerhalb unserer Kreise hat finden können, das sich die Zeit jetzt mit allerlei Gegnerschaften vertreibt. Weil man es nicht mehr mit Sensationen zu tun haben kann im Reisen von Vortragszyklus zu Vortragszyklus, verschafft man sich andere Unterhaltungen. Das ist nur bezeichnend für die Art und Weise des Interesses, mit dem man von Vortragszyklus zu Vortragszyklus gereist ist.
[ ] People who rightly belong to our movement will have come to it out of more than personal interest. Nevertheless, the present age does offer enormous opportunities for a kind of lazy outsider attitude. The specific constellation created by the war means that some people have really nothing to occupy them. If they are part of our movement they will also be aware of it. Before the war we had many lecture tours; a whole raft of people would get together and travel from one lecture to the next. Outer interest may have been lacking, but excitement could be found, and if this did not come from outside, people created their own excitements. This has now become difficult. It cannot be done. However, some people have not found a way of occupying themselves usefully. And that is why a lazy outsider attitude is to be found in our ranks exactly at this time, with people whiling away the time by creating all kinds of opposition. Being unable to get the excitement of travelling from lecture cycle to lecture cycle they find other ways of entertaining themselves. This merely shows the true nature of the interest that formerly made them travel from lecture cycle to lecture cycle.
[ 34 ] Derjenige, dessen innerer Verpflichtung es entspricht, heute in allem Ernst und in aller Würde vor der Welt geisteswissenschaftliche Wahrheiten zu vertreten, der weiß: Wenn er vor einem Auditorium von hundert Menschen spricht, so sind mehr als fünfzig darunter, die möglicherweise Gegner werden können. Das ist Gesetz; das ist einmal so. Es sind immer mehr als fünfzig Prozent, die, wenn sie nicht Gegner werden, dieses aus dem einen oder andern Grund nicht werden, aber nicht aus festem Sich-zur-Sache-Halten. Aus Gründen, die wir schon angeführt haben, die wir des weiteren noch anführen werden, ist die Sache eben so. Über Gegnerschaften ist daher der Vertreter geisteswissenschaftlicher Wahrheiten im Prinzip durchaus nicht verwundert. Und viel interessanter, als sich mit den Dingen zu befassen, die da von Gegnern oftmals vorgebracht werden, wovon diese Gegner selbst am allerbesten wissen, daß sie nicht wahr sind — denn sie wissen es ja selbstverständlich ganz gut, daß die Dinge nicht wahr sind —, viel nützlicher ist es, sich mit den Gründen, aus denen diese Gegnerschaften entstanden sind, zu befassen.
[ ] When there is an inner obligation to represent anthroposophical truths before the world, in all seriousness and with dignity, you also know that more than fifty out of an audience of a hundred may well become opponents. That is a law; it is the way it is. If these fifty per cent of such people do not actually become opponents, there will be a reason for this, but it will not be because they are consistent. For reasons which have already been given and others that will be given, this is how matters are. Someone who represents anthroposophical truths is therefore not in the least surprised if there is opposition. We might take up the points that these opponents keep coming up with all the time, things they generally know better than anyone else to be untrue—for they do of course know that they are not true—but it would be much more useful to consider the sources from which such Opposition has Sprung.
[ 35 ] Da wird man auf mancherlei Merkwürdiges stoßen. Man wird dann die Neigung verlieren, auf dasjenige einzugehen, auf das solche Gegner gerne möchten, daß man eingeht. Man wird dann auf die wahren Gründe dieser Gegnerschaften kommen. Das ist manchmal wiederum unbequemer, als auf das einzugehen, was einem die Leute vorreden. Denken Sie an die Jahre, in denen hier vorgetragen worden ist, wie immer wieder und wiederum von dem einen oder von dem andern Gesichtspunkt aus auf dasselbe hingewiesen werden mußte, auf das auch heute hingewiesen wurde. Es wird ja immer auf diese Dinge hingewiesen. Aber notwendig ist, diese Dinge wirklich mit tiefstem Ernst und tiefster Würde zu betrachten, sie so zu betrachten, wie es angemessen ist einer geisteswissenschaftlichen Bewegung.
[ ] All kinds of peculiar things will happen when we do so, and we shall then no longer feel inclined to take up the points that our opponents want us to take up. Instead, we are going to discover their true reasons. This can sometimes be more of an effort than to take up the points the opposition is making. Think of all the years in which lectures have been given here and how it has been necessary over and over again to say the same things I am also saying today, though this is always pointed out. But it is necessary to consider them with profound seriousness and dignity, and to consider them in a way which is fitting for an anthroposophical movement.
[ 36 ] Glauben Sie mir, ich habe Wichtigeres zu tun, wenn ich unter voller Verantwortung diese geisteswissenschaftliche Bewegung führen soll, als mich darum zu bekümmern, ob da oder dort sich drei, vier, meinetwillen auch mehr Menschen zusammensetzen und allen möglichen Klatsch fabrizieren. Ich habe Wichtigeres zu tun und habe niemals die Neigung, auf diese Dinge einzugehen. Nur wird gerade dies leider so wenig, ach so wenig verstanden! Denn mehr als man glaubt, ist auch innerhalb dieser Gesellschaft nicht das naturwissenschaftliche Interesse ausgebildet für solche Dinge, sondern das Sensationsinteresse. Naturwissenschaftlich ist es ja interessant, neben den nützlichen Pflanzen auch Giftpflanzen zu studieren, aber man muß eben den richtigen Gesichtspunkt dafür finden. Von dem Ernst und von der Gewichtigkeit desjenigen, was die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft sein soll, haben ja doch noch — verzeihen Sie, daß ich das ausspreche — die wenigsten, die sich auch zu dieser Geisteswissenschaft bekennen, eine wirkliche Ahnung. Würde der rechte Ernst und die richtige Einsicht in die Gewichtigkeit vorhanden sein, so würde man sich in vieler Beziehung zu allem, was da waltet, ganz anders stellen, als man sich stellt. Ich sage damit selbstverständlich nicht, daß man sein Interesse davon abwenden soll. Das Gegenteil sage ich: Man soll sein Interesse nicht abwenden von denjenigen Erscheinungen, die mit dem Willen der Vernichtung dieser geisteswissenschaftlichen Bewegung auftreten. Aber man muß die Möglichkeit finden, sich in der rechten Weise dazu zu stellen.
[ ] Believe me, I have more important things to do, if I am to lead this movement and be fully responsible for it, than to take account of the fact that three or four people, or even more if you will, get together and invent all kinds of gossip. I have more important things to do and never feel the inclination to go into such matters. But unfortunately this is so little understood! Even within this Society, there is more interest in excitement and sensation than genuine scientific interest. From the scientific point of view it is, for instance, interesting to study not only useful but also poisonous plants, but one has to find the right point of view. Very few of those who profess to follow anthroposophical spiritual science have even the least notion of the immense seriousness and importance of what it really should be. Forgive me for saying this. If there were the right seriousness and if the importance of this were really understood, people's attitudes would in many respects be very different from what they are. Of course I am not saying that people should turn their attention elsewhere. Rather the opposite: We should not turn our attention away from the phenomena which go hand in hand with the will to destroy this anthroposophical movement. But we have to find the right approach.
[ 37 ] Es kann jemand zum Beispiel auftreten und eine ganze Menge schreiben über Widersprüche, die ich verbrochen haben soll in meinen verschiedenen Schriften und über allerlei andere Dinge. Man könnte heute zwar daran erinnern, daß Luther eine ganze Menge, nicht ein paar Dutzend, sondern Hunderte und Hunderte von Widersprüchen nachgewiesen worden sind. Er hat darauf nur geantwortet: Die Esel reden von Widersprüchen in meinen Schriften. Wenn sie sich nur einmal die Mühe gäben, eines von den Dingen, das den andern zu widersprechen scheint, begreifen zu wollen! — Man könnte auf solche Dinge zum Beispiel hinweisen. Man hat es aber nicht nötig. Denn da, wo heute von Widerspruch gesprochen wird, da liegt ja nicht das Interesse vor, solche Widersprüche zu suchen oder aufzudecken, sondern anderes. Da hat zum Beispiel ein Mann eine Schrift für den Philosophisch-Anthroposophischen Verlag angeboten. Diese Schrift konnte im Philosophisch-Anthroposophischen Verlag nicht gebraucht werden; sie mußte zurückgewiesen werden. Während dieser Mann früher einem auf allen Wegen und Stegen nachlief, wurde er von diesem Moment an ein Gegner. Der wirkliche Grund liegt nicht im Bemerken von Widersprüchen. Würde der wirkliche Grund darin liegen, so würde man so sprechen, wie Luther gesprochen hat. Aber man kann nicht einmal so sprechen, denn der Betreffende wird nur erkannt, wenn man weiß, daß er Gift und Galle in sich hat, weil der Philosophisch-Anthroposophische Verlag nun einmal nicht in der Lage war, sein Buch zu verlegen. Das ist der wirkliche Grund. Die Gründe liegen eben auf ganz anderem Gebiete, als sie so geltend gemacht werden. Wer daher einfach den Leuten zuhört und sich erzählen läßt, was die Leute einem vorreden, der wird recht wenig Möglichkeit haben, auf die Wahrheiten zu kommen, vielleicht ebensowenig Möglichkeiten wie jener Literarhistoriker, der nötigenfalls, um an den Judaismus Hermann Bahrs glauben zu können — aber nur aus diesem Grunde —, zur Reinkarnation sich bekehren würde, wenn ihm durch zwölf Generationen lauter christliche Taufscheine von den Vorfahren Hermann Bahrs nachgewiesen würden.
[ ] People may, for instance, write volumes in the way in which I have contradicted myself in my written works and with reference to all kinds of other things. One way of countering this would be to say that Luther was shown to have contradicted himself in hundreds of ways, not just a few dozen. His answer was: These asses are talking of contradictions in my works. I wish they would make the effort to try and understand just one of the things that appears to be in contradiction to other things!5Martin Luther (1483–1546) religious reformer who led the German Reformation. He translated the Bible into the vernacular to make it accessible to everyone and wrote many works, their vigour still much appreciated today. The actual quote is: ‘How can these asses form an opinion on contradictory elements in our doctrine if they don't understand any aspect of those contradictory elements?’ From Ricarda Huch, Luthers Glaube, 10. Brief (translates as ‘10th letter’). So one way would be to point out something like this. But there is no need for this. For when people speak in opposition today it is not because they are interested in finding and revealing contradictions but for quite a different reason. Someone6Max Seiling (1852–1928), Austrian poet and writer. offered a manuscript to Philosophisch-Anthroposophischer Verlag,7Philosophisch-Anthroposophischer Verlag is the publishing house established by Marie von Sivers in 1913 in Berlin for the publication of Rudolf Steiner's works. It moved to Dornach in November 1923. for instance. The publishing house was unable to use it and therefore returned it to the author. From this moment the author, who until then had been running after me wherever I went, became an opponent. The real reason was not that he had found contradictions. If that were the real reason we might use Luther's words. But we cannot do that, for the individual concerned can only be seen in his true colours if we know he is giving vent to his spleen because the publishing house was not able to publish his book. This was the real reason. So if we simply listen to the things people say, we shall have little opportunity for getting at the truth—just as little, perhaps, as the literary historian who would convert to reincarnation if this allowed him to continue in the belief that Hermann Bahr had Jewish connections. Conversion would be necessary if he were to be shown certificates of Christian baptism for Hermann Bahr's ancestors down to the twelfth generation.
[ 38 ] In unserer Zeit wird viel von dem Mut unserer Zeitgenossen gesprochen. Geltend zu machen diejenigen Wahrheiten, die der Menschheit notwendig sind, in dem Sinne, wie das heute charakterisiert worden ist, dazu wird ein ganz anderer Mut noch gehören, ein innerer Mut. Und an der Stelle, wo dieser Mut in der Seele sitzen soll, da sitzt heute eine aus Bequemlichkeit herkommende Feigheit, die ungeheuer weite Kreise ergriffen hat. Diese Feigheit ist in vieler Beziehung der Grund, warum es der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft so sehr schwer wird, ihre Wege zu gehen. Sie wird ihren Weg gehen. Aber man soll nicht fatalistisch sein, man soll nicht glauben, daß ohne das Hinzutun der Menschen diese Wege die richtigen sein können. Man wird sich daran gewöhnen müssen noch in ganz anderem Sinne, als man sich schon gewöhnt hat —, daß ich selbst manches werde weniger nachsichtig behandeln müssen, als es bisher geschehen ist. Schreiben Sie das nicht einer Änderung meines Willens zu, sondern suchen Sie die Gründe dafür in den Verhältnissen.
[ ] Much is said about the courage which people are showing today. To assert the truths humanity needs today, in the sense I have spoken of, will need quite a different kind of courage—inner courage. But the place where this courage should be in the soul is occupied by cowardice, reluctance to take action, and this is tremendously widespread. In many respects it is due to this cowardice that anthroposophical spiritual science finds it so difficult to make its way today. It will make its way. But one should not sit back and accept; one should not think that things will go the right way without human involvement. One thing you will have to get used to—and it will be different from what you have been used to so far—is that I myself will have to be a lot less lenient in some respects than I have been until now. Do not think this is because I have changed my will and intention; you must look for the reasons in the existing situation.
[ 39 ] So müssen Sie verstehen, daß ich die geisteswissenschaftliche Bewegung, die ich zu vertreten habe vor der Welt da oder dort, nicht darf — verzeihen Sie den Ausdruck — versauen lassen in beliebiger Weise. Das darf ich nicht. Da sprechen höhere Pflichten, als mancher ahnt. Ich kann mich nicht einlassen darauf, welche Sensation dieser oder jener Zirkel oder diese oder jene Koterie gerade wünscht. Es sind viele allgemeine und wesentlichere Interessen und Impulse, die in Betracht kommen, als die rein persönlichen Ambitionen, die in dieser oder jener Koterie walten. Man muß schon in einer gewissen Weise absehen können von dem rein Persönlichen, das die Menschen heute fast ausschließlich interessiert, wenn man in der richtigen Weise die rechten geisteswissenschaftlichen Ansichten vertreten will.
[ ] You will have to understand that I cannot let the movement which I have to represent before the world go to the dogs in any old way. Forgive the expression. Higher duties are involved than people may dream of. I cannot be involved in whatever excitements or sensations some group or set may be desiring. Consideration must be given to many general and more important interests and impulses than to the purely personal ambitions which rule one set of people or another. To find the right way of presenting anthroposophy we simply must be able to set aside the purely personal element which for many is about the only thing that interests them today.
[ 40 ] Und so muß ich denn natürlich heute am Schlusse auch hier dasjenige sagen, was ich jetzt an all den Orten gesagt habe, an denen ich vorgetragen habe: Neben den hingebungsvollen, genau den Ernst unserer Sache abwägenden zahlreichen Mitgliedern unserer anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft finden sich auch solche immer wieder, die nicht hereingehören, die sich so verhalten, wie es eigentlich unmöglich wäre, wenn nur dasjenige, was hereingehörte, immer in der Gesellschaft gewesen wäre. Und immer wieder treten innerhalb solcher Mitgliederkreise Dinge auf, die so fern wie möglich von dem sind, was eigentlich gewollt wird. Manchmal treten heute Dinge auf, die gegenüber dem, was gewollt wird, sich eigentlich so verhalten, daß sie nur durch die absoluteste Verrücktheit mit dem zusammenzubringen sind, was gewollt wird.
[ ] And so I must conclude here today with something which I have also been saying in all the other places where I have been speaking these days. There are many members of our anthroposophical science of the spirit who are truly dedicated and who have a clear idea of the seriousness of our work. But again and again there are others who do not belong and who behave in a way that simply would not happen if membership of the Society were limited to those who rightfully belong to it. Things keep coming up among members which are far removed from what is really intended; some of these can only be said to relate to what is really intended if one takes a totally distorted view.
[ 41 ] In Kreisen, um die man sich nicht kümmern kann, weil wahrhaftig die Interessen größere sind, als sich um die Ambitionen solcher Kreise zu kümmern, in solchen Kreisen werden Dinge geredet — und die Menschen fangen an, solche Dinge zu glauben —, die nun wahrhaftig mit dem, was gewollt wird, so viel zu tun haben wie ein Mistkäfer mit einer Pendeluhr. Man kann gar nicht begreifen, wie die Dinge zusammenkommen. Trotzdem werden sie aus einer wüsten, aus untergeordneten Instinkten kommenden Phantasie den Leuten aufgebunden. So ist es, trotzdem diejenigen Menschen, die sie aufbinden, ganz genau wissen, daß kein wahres Wort daran ist. Naturwissenschaftlich sind solche Dinge schon erklärlich, aber man muß auch die richtigen Konsequenzen ziehen. Und die müssen zunächst darin bestehen, daß ich mich zwei Maßregeln füge. Wenn jemand die eine Maßregel erzählen wird ohne die andere, so wird er etwas Unwahres sagen. Diese beiden Maßregeln habe ich überall, wo ich in den letzten Monaten vorgetragen habe, verkündigt:
[ ] Things are said by groups of people who have to be ignored—for our real interests go far beyond giving one's attention to the ambitions which are alive in those groups—things are said there, and people are beginning to believe them, which have no more to do with our true intentions than a dung beetle has to do with a pendulum clock. It is quite impossible to see how they go together. Yet fantastic stories created out of base instincts that are left to run riot are set in circulation. And this despite the fact that the people who generate them know full well that not a word is true. Such things can be explained in natural science, but we must also draw the logical conclusion and take the necessary actions. In the first place I am going to impose two rules an myself. Anyone who is going to speak of the one rule without the other, will be saying something which is not true. I have made these two rules known in all the places where I have been giving lectures in recent months.
[ 42 ] Ich werde im allgemeinen alle Privatgespräche, die mit einzelnen Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft gehalten worden sind, nicht mehr halten, werde keine Privatgespräche mehr halten, denn allen solchen Privatgesprächen haben sich die lügenhaftesten Berichte angeknüpft. Da ich Wichtigeres zu tun habe, als im einzelnen derlei Dinge zu widerlegen, die auf einer wüsten Phantasie beruhen, da ich wirklich Wichtigeres zu tun habe, so habe ich kein anderes Mittel, als alle Privatgespräche einzustellen. Dafür, daß die einzelnen, die wirklich esoterischen Eifer haben, vorwärtskommen können, werde ich nach einiger Zeit auf andere Weise sorgen. Niemand soll an seiner esoterischen Entwickelung dadurch gehindert werden. Aber sämtliche Privatgespräche müssen im allgemeinen aufhören, ausfallen. Das ist die eine Maßregel. Wenden Sie sich nicht an mich, wie es in einzelnen Zweigen geschehen ist, wo die Leute sagten, das sei doch eine harte Maßregel. Nein, wenden Sie sich nicht an mich, wenden Sie sich an diejenigen, welche diese Maßregel verschuldet haben.
[ ] In principle, I shall no longer continue to give private interviews to members of the Anthroposophical Society. For all those private interviews have led to reports which are full of lies. I have better things to do than refute the tales told by people who let their imaginations run riot, and so there is no other way but to discontinue these private interviews. Some individuals have a true esoteric impulse, and I will find other ways of making sure they are able to progress; it will just take while. The measure should not prevent anyone from progressing in esoteric development. But, generally speaking, all private interviews must now stop. This, then, is the first rule. Do not come to me, as people have done in some local groups, and say it is a harsh rule. No, do not come to me, go to those who are responsible.
[ 43 ] Das zweite ist, daß ich jeden, der jemals ein privates Gespräch mit mir gehabt hat, soweit er es selber will, von der Verpflichtung entbinde, über dieses Privatgespräch nicht zu reden. Jeder kann jedes erzählen, was er will, was seinen eigenen Interessen gemäß ist, über das, was jemals in solchen Privatgesprächen vorgekommen oder gesagt worden ist, soweit er will, soweit er selber will. Ich hindere niemanden, daß er alles restlos der Wahrheit gemäß erzählt, was jemals mit mir in privaten Gesprächen besprochen worden ist.
[ ] The second thing is that I release everyone who has ever had a private interview with me from the promise not to talk about it, if they wish to do so. Anyone can tell anything they like about what has happened or been said in those private interviews—that is, in so far as they wish to do so. I am not going to prevent anyone from telling the whole truth about anything ever discussed with me in a private interview.
[ 44 ] Diese zwei Dinge gehören zusammen. Die eine Maßregel gilt nicht ohne die andere. Und, wie gesagt, wenn Sie diese Maßregeln hart finden, dann wenden Sie sich an diejenigen, die sie verschuldet haben. Ohne daß ich in diesen Dingen von jetzt an weniger nachsichtig sein werde, als es bisher gewesen ist, hören die Dinge, um die es sich handelt, nicht auf. Wie gesagt, ich werde auf andere Weise dafür sorgen, daß niemand in seiner esoterischen Entwickelung geschädigt wird. Es werden sich Mittel und Wege dafür finden. Aber die gegenwärtige Menschheit ist nicht dazu angetan, daß eine solche Wissenschaft sich begründen kann, ohne daß Auswüchse geschehen und ohne daß mißverständliche Auffassungen dieser Auswüchse immerfort wieder Platz greifen. Daher müssen solche Maßregeln ergriffen werden.
[ ] These two rules go together. The one does not apply without the other. And, as I said, if you think they are harsh, go to those who are responsible. Unless I am less lenient in these matters than I have been until now, the problems I am speaking of will not stop. As I said, I shall find other ways to make sure this does not harm anyone's esoteric development. Ways and means will be found. But, people being as they are today, it is not possible to establish such a science without things going badly astray on occasion, with people always jumping to the wrong conclusions. This is why there will have to be these rules.
[ 45 ] Wer es ernst und würdig mit unserer geisteswissenschaftlichen Entwickelung meint, der wird dasjenige, was ich jetzt eben gesagt habe als die beiden Maßregeln, mehr oder weniger sogar selbstverständlich finden nach dem, was vorgefallen ist. Er wird vielleicht nicht verstehen, daß so etwas selbstverständlich werden konnte, aber diese beiden Maßregeln wird er heute selbstverständlich finden. In der Zukunft wird alles in voller Öffentlichkeit vor sich gehen. Denn nichts hat die Öffentlichkeit zu scheuen! Und das ist gerade das Schmähliche der Sache, daß — während die Wahrheit von allen restlos erzählt werden kann, ohne daß der geringste Makel an unserer Bewegung sein würde —, daß man sich heftet an dasjenige, was in der Vergangenheit, weil es an frühere Usancen anknüpfte, eben mitgepflogen worden ist: mit den einzelnen zu sprechen. Hätte das Sprechen mit den einzelnen nicht zur Lüge geführt, so wären diese Maßregeln nicht notwendig geworden. Aber alles, was jemals mit irgendeinem Mitglied gesprochen worden ist, darf der Wahrheit gemäß restlos erzählt werden. Durch die Wahrheit — erzählen Sie sie, so viel Sie wollen —, durch die Wahrheit wird unsere Bewegung nur gewinnen. Sie kann selbstverständlich auch nicht in Realität verlieren durch die Lügen, die über sie aufgebracht werden; aber auch dem Scheine nach darf sie nicht einmal verlieren, weil es wichtig für die Menschheit ist, daß in ernster und würdiger Art dasjenige vertreten wird, was gegenwärtig aus den geisteswissenschaftlichen Untergründen heraus vor die Menschheit gebracht werden soll. Also ich wiederhole noch einmal: Ohne daß der ernst esoterisch Strebende dadurch etwas verlieren soll, werde ich die Privatbesprechungen mit den Mitgliedern einstellen im allgemeinen. Dasjenige, was in privaten Besprechungen war, kann jeder, soweit er selber will, alles überall restlos der Wahrheit gemäß erzählen. Ich entbinde einen jeden von irgendeiner wie immer gearteten Schweigepflicht, aber auch nur, wenn er selber es will, seinetwillen; meinetwillen braucht er es nicht. Und ich habe nichts dagegen, daß gerade diese Maßregeln als Charakteristikon unserer Bewegung möglichst weithin erzählt werden, damit die Welt einsehen lernt, wie verrucht diejenigen Dinge sind, die oftmals gerade unserer Gesellschaft angehängt werden.
[ ] People who take a serious and dignified approach to our spiritual-scientific development may find it difficult to understand how such things could come about, but they will accept the two rules as inevitable. From now on, everything will be entirely in the open. For there is nothing there which needs to shun the light! This is what is so shameful about it all: The truth and the whole truth could be told by everybody without leaving the least stain on our movement. But people have grown attached to something which has survived in our work as a continuation of earlier practices: to have individual interviews. If talking to individuals had not resulted in lies, the rule would not have been necessary. But everything ever said to any member can be truthfully told. Our movement can only gain from the truth—go and tell as much as you like. The truth will not be affected by the lies which are told; but it must not even appear to be affected, for it is important for humanity that anything presented out of a background of spiritual science is presented in a serious and dignified way. So let me repeat once more: Without causing any loss to those who are seriously seeking esoteric development, I will generally no longer give private interviews for members. Everyone is free to tell everything they want about the interviews which have been given, but it must be the truth. I release everyone from whatever vow of silence there may be. But it should only be because individuals want to tell others for their own sake; they do not have to do it for my sake. And I have no objection to people spreading it about far and wide that these rules exist and are characteristic of our movement. Then the world will realize the infamous nature of the things that are so often said, especially about our Society.
[ 46 ] Am nächsten Freitag, meine lieben Freunde, werde ich einen Vortrag über Künstlerisches halten, in der Art, wie die Vorträge, die ich im vorigen Jahre gehalten habe. Ich kann heute das Thema noch nicht angeben. Freitag um 7 Uhr werden wir uns also zu einem kunstgeschichtlichen Vortrag hier finden; Sonnabend um 7 Uhr werden wir dann die geisteswissenschaftlichen Betrachtungen fortsetzen und Sonntag um 4 Uhr wiederum weitermachen. Dem werden natürlich auch die durch die eifrigen Bemühungen von Fräulein Waller und anderen Damen ermöglichten künstlerischen Darbietungen vorangehen.
[ ] Not translated
