The Spiritual Backgrounds of the Outer World
The Fall of the Spirits of Darkness
GA 177
30 September 1917, Dornach
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The Spiritual Backgrounds of the Outer World, tr. SOL
Zweiter Vortrag
Second Lecture
[ 1 ] Heute möchte ich einiges mehr zur Vorbereitung für das Bild geben, das ich dann morgen in einem umfassenderen Sinne zum Abschluß bringen werde.
[ 1 ] Today I would like to provide some additional background information on the image, which I will then conclude in a more comprehensive manner tomorrow.
[ 2 ] Die Gegenwart ist eine Zeit — Sie werden es wiederum aus dem Inhalt der gestrigen Betrachtungen gefühlt haben —, von der man sagen kann, daß sich viel wird ändern müssen im Denken, im Fühlen, im Wollen der Menschen. Die Seelenrichtungen werden andere werden müssen. Gerade mit Bezug auf das innerste Seelenleben werden alte, vererbte, anerzogene Gewohnheiten schwinden müssen, und eine neue Form des Denkens und Fühlens wird auftreten müssen. Das wird die Zeit fordern. Ich denke, es kann auf jeden einen bedeutsamen und tief in die Seele gehenden Eindruck machen, wenn er die Wahrheit, die gestern besprochen worden ist, auf seine Seele wirken läßt, die Wahrheit, trivial gesprochen, von der Austauschbarkeit zerstörender Vorgänge hier auf dem physischen Plan und der Spiritualisierung der Menschheit. Denn bedenken wir nur einmal, daß wir unter dem Eindruck einer solchen Wahrheit genötigt sind, uns mit den Toten, mit den Hinweggegangenen als eine, sagen wir soziale Einheit zu fühlen. Man kann gewiß mit tiefem Schmerze empfinden, was hier auf dem physischen Plane geschieht, und man soll es; aber man darf auf der andern Seite nicht vergessen, daß die Seelen, die nicht zu den wenigen gehören, die in den letzten Jahrzehnten spirituelles Leben aufgenommen haben, dürsten nach zerstörenden Vorgängen hier auf dem physischen Plan, weil sie aus diesen zerstörenden Vorgängen Kräfte für das geistig-seelische Leben nach dem Tode schöpfen. Und wir bekommen daraus die praktische Aufforderung, alles, was an uns ist, zu tun, um das einzige, was in der Zukunft von der Menschheit die zerstörenden Kräfte wird hinwegnehmen können — das spirituelle Leben —, zu fördern. Wir müssen es uns nur ganz klarmachen, daß für vergangene Zeiten es anders war, daß da noch nicht in solchem Ausmaße galt, daß jedes materialistische Zeitalter ein Zeitalter der Kriege, der Verwüstungen hervorrufen muß. Aber in der Zukunft wird es so sein.
[ 2 ] The present is a time—as you will have sensed once again from the content of yesterday’s reflections—about which one can say that much will have to change in people’s thinking, feeling, and willing. The orientation of the soul will have to change. Especially with regard to the innermost life of the soul, old, inherited, and ingrained habits will have to fade away, and a new form of thinking and feeling will have to emerge. That is what the times will demand. I think it can make a significant and deeply moving impression on anyone who allows the truth discussed yesterday to take effect upon their soul—the truth, to put it simply, of the interchangeability of destructive processes here on the physical plane and the spiritualization of humanity. For let us just consider for a moment that, under the influence of such a truth, we are compelled to feel a sense of unity—let us say, a social unity—with the dead, with those who have passed on. One can certainly feel deep sorrow for what is happening here on the physical plane, and one should; but on the other hand, one must not forget that the souls who do not belong to the few who have embraced spiritual life in recent decades thirst for destructive processes here on the physical plane, because they draw strength from these destructive processes for their spiritual and soul life after death. And this gives us the practical call to do everything in our power to promote the one thing that will be able to rid humanity of these destructive forces in the future—spiritual life. We must simply make it very clear to ourselves that things were different in the past, that it was not yet the case to such an extent that every materialistic age must inevitably bring about an age of wars and devastation. But in the future, this will be the case.
[ 3 ] Die Menschheit leidet ja unter vielen von alters her gekommenen Illusionen. Diese Illusionen waren bisher nicht so schlimm, wie sie in der künftigen Entwickelung der Menschheit sein werden. Nun kann man ja im allgemeinen sagen, daß die Seelen der zeitgenössischen Menschen noch recht sehr schlafen und vieles von dem nicht bemerken, was sich in unserer Gegenwart so gewaltig ändert. Aber manchmal kommt dies oder jenes doch instinktiv durch. Mancher empfindet dann die großen Rätsel der Gegenwart. Nur sind viele noch nicht veranlagt dazu, sie in aller Tiefe, mit aller Energie zu empfinden.
[ 3 ] Humanity suffers from many illusions that have existed since time immemorial. Until now, these illusions have not been as harmful as they will be in the future development of humanity. Now, one can generally say that the souls of people today are still very much asleep and do not notice much of what is changing so dramatically in our present time. But sometimes this or that does come through instinctively. Some people then sense the great mysteries of the present. It is just that many are not yet predisposed to perceive them in all their depth and with all their intensity.
[ 4 ] Ein solches Rätsel wird jetzt unter dem Eindrucke der stürmischen, zerstörerischen Ereignisse von einigen Menschen bemerkt. Aber in vieler Beziehung sind diese Menschen hilflos, sich Antwort zu geben auf solche Rätsel. Das Rätsel, das ich meine, ist die in der Menschheitsentwickelung vorhandene Diskrepanz zwischen der intellektuellen Entwickelung und der moralischen Entwickelung. Zum ersten Mal ist dieses ja auch in der neueren Zeit, der Zeit der materialistischen Vorstellungen, wiederum gerade den Darwinisten aufgegangen; auch Haeckel hat eine ähnliche, dahingehende Bemerkung in seinen «Welträtseln» gemacht. Aber jetzt während dieser Kriegszeit merkt man immer mehr und mehr, wie diese Disharmonie zwischen dem intellektuellen und dem moralischen Leben der Menschheit in ihrer Entwickelung für gewisse Seelen ein Rätsel wird. Die Leute sagen sich mit Recht: Welche ungeheuren Fortschritte hat das intellektuelle, das Verstandesleben gemacht, dasjenige Leben, welches heute viele Menschen wissenschaftliches Leben nennen, worauf sie die heutige materialistische Weltanschauung bauen, welche ungeheuren Fortschritte hat der Verstand des Menschen gemacht, die Durchdringung der Naturgesetze; die Beherrschung der Naturgesetze, um allerlei Instrumente — in der neueren Zeit insbesondere Mordinstrumente — zu bauen! Über anderes werden die Menschen noch aus dieser ihrer Wissenschaft heraus nachdenken; sie werden zum Beispiel analysieren, woraus die Nahrungsmittel bestehen und werden chemische Nahrungsmittel fabrizieren, ohne Ahnung davon, daß chemische Nahrungsmittel nicht in demselben Sinne Nahrungsmittel sind wie diejenigen, welche die Natur liefert, trotzdem sie aus demselben Stoff bestehen können.
[ 4 ] Some people are now becoming aware of such a mystery in the wake of the turbulent, destructive events. But in many respects, these people are at a loss to find answers to such mysteries. The mystery I am referring to is the discrepancy that exists in human development between intellectual development and moral development. For the first time, this has become apparent in recent times—the age of materialistic ideas—precisely to the Darwinists; Haeckel, too, made a similar remark to this effect in his The Riddles of the Universe. But now, during this time of war, one realizes more and more how this disharmony between humanity’s intellectual and moral life in its development is becoming a mystery for certain souls. People rightly ask themselves: What tremendous progress has been made in intellectual life—the life of the mind, which many people today call “scientific life” and upon which they base today’s materialistic worldview? What tremendous progress has the human mind made in penetrating the laws of nature; the mastery of the laws of nature in order to build all manner of instruments—in recent times, especially instruments of murder! People will continue to reflect on other matters based on this science of theirs; for example, they will analyze the composition of food and manufacture chemical foods, without realizing that chemical foods are not food in the same sense as those provided by nature, even though they may consist of the same substances.
[ 5 ] Die intellektualistische, die, wenn wir so sagen wollen wissenschaftliche Entwickelung ist in aufsteigender Linie verlaufen. Nicht in demselben Maße hat sich das Moralische der Menschen entwikkelt. Wie hätte die gegenwärtige Weltkatastrophe hereinbrechen können, wie hätte sie verlaufen können in der Weise, wie sie heute verläuft, wenn die moralische Entwickelung der Menschen in gleichem Maße fortgeschritten wäre wie die intellektuelle! Ja man kann sagen: Gerade dadurch, daß die moralische Entwickelung der Menschen nicht fortgeschritten ist, hat die intellektuelle Entwickelung eine gewisse unmoralische Signatur angenommen, ist geradezu in vieler Beziehung zu einem Zerstörerischen fortgeschritten. — Das bemerken heute schon viele Menschen, daß eine Diskrepanz, eine Disharmonie vorhanden ist zwischen der moralischen und der intellektuellen Entwickelung der Menschen. Nur fordert es die heutige Zeit nicht, daß solche Fragen, wenn sie der wirklichen Evolution der Menschheit nützen sollen, tief genug angefaßt werden, daß sie da angefaßt werden, wo man wirklich sieht: Der heutige Mensch kann sich ja über die tieferen Untergründe des menschlichen Denkens und Handelns gar nicht unterrichten, weil ihm sich alles vermischt, was im Menschen getrennt und ganz verschiedenen Gebieten des Weltenalls zugeordnet ist.
[ 5 ] Intellectual development—or, if we may put it that way, scientific development—has followed an upward trajectory. Human morality has not developed to the same extent. How could the current global catastrophe have come about, how could it have unfolded the way it is unfolding today, if human moral development had advanced to the same extent as intellectual development! Indeed, one can say: Precisely because humanity’s moral development has not advanced, intellectual development has taken on a certain immoral character; in many respects, it has actually become destructive. — Many people are already noticing today that there is a discrepancy, a disharmony, between humanity’s moral and intellectual development. However, the demands of our time do not call for such questions—if they are to serve the true evolution of humanity—to be addressed deeply enough, to be addressed at the very point where one truly sees: Modern human beings cannot even educate themselves about the deeper foundations of human thought and action, because everything that is separate within the human being and belongs to entirely different realms of the universe becomes jumbled together for them.
[ 6 ] Die heutige Wissenschaft hat den Menschen vor sich — physischer Leib, Bildekräfte- oder Ätherleib, astralischer Leib, Ich —, aber das alles durcheinandergemischt. Die Wissenschaft unterscheidet das nicht. Aber wie kann es denn zu einer Wissenschaft, die ausreichend ist, um die Dinge zu begreifen, überhaupt kommen, wenn man alles durcheinandermischt, da doch diese verschiedenen Glieder der Menschennatur ganz verschiedenen Gebieten des Weltenalls zugeteilt sind, mit ganz verschiedenen Sphären des Weltenalls zusammenhängen? Mit unserem physischen Leib und unseren Bildekräften sind wir hier in der physischen Welt; mit unserem astralischen Leib und unserem Ich gehen wir jede Nacht in eine ganz andere Welt hinein, in eine Welt, die zunächst außerordentlich wenig zu tun hat mit der Welt, in der wir das Tagwachen zubringen. Die beiden Welten wirken eigentlich nur dadurch zusammen, daß sie eben in der menschlichen Natur zusammenkommen.
[ 6 ] Modern science has before it the human being—physical body, form-body or etheric body, astral body, and I—but all of these are jumbled together. Science does not distinguish between them. But how can a science sufficient to comprehend these things even come into being if everything is jumbled together, since these various aspects of human nature are assigned to entirely different realms of the universe and are connected to entirely different spheres of the universe? With our physical body and our formative powers, we are here in the physical world; with our astral body and our “I,” we enter a completely different world every night—a world that, at first glance, has very little to do with the world in which we spend our waking hours. The two worlds actually interact only insofar as they come together within human nature.
[ 7 ] Und dann bedenken Sie, um wieviel jünger das menschliche Ich und der menschliche astralische Leib sind als der physische Leib und der Ätherleib! Die erste Anlage zu unserem physischen Leib, wir haben sie erhalten während der alten Saturnzeit. Sie hat vier Stadien durchgemacht: durch die Saturn-, Sonnen-, Monden-, Erdenzeit bis zur heutigen Erdenentwickelung. Drei Stadien hat der Ätherleib, zwei Stadien hat der Astralleib durchgemacht. Das Ich ist erst während der Erdenzeit dazugekommen, das ist jung; das gehört also einem ganz andern kosmischen Zeitalter an. Nun ist aber der Apparat für unsere Intellektualität, dasjenige, was als Werkzeug dient unserer Intellektualität, innig zusammenhängend mit unserem physischen Leib. Nur dadurch, daß unser physischer Leib eine so umfassende Entwickelung durch die Saturn-, Sonnen-, Monden-, Erdenzeit durchgemacht hat, nur dadurch ist er dieses vollkommene Instrument geworden, welches wir erkennen in der Nervenentwikkelung, in der Gehirnentwickelung, in der Blutentwickelung. Dieses vollkommene Instrument benützen wir, wenn wir intellektualistisch tätig sind.
[ 7 ] And then consider how much younger the human “I” and the human astral body are than the physical body and the etheric body! We received the first rudiment of our physical body during the ancient Saturn era. It has passed through four stages: through the Saturn, Sun, Moon, and Earth eras, up to the present stage of Earth’s development. The etheric body has undergone three stages, and the astral body has undergone two. The “I” did not emerge until the Earth era; it is young; it therefore belongs to an entirely different cosmic age. Now, however, the apparatus for our intellectuality—that which serves as the instrument of our intellectuality—is intimately connected with our physical body. It is only because our physical body has undergone such comprehensive development through the Saturn, Sun, Moon, and Earth eras that it has become this perfect instrument, which we recognize in the development of the nervous system, the brain, and the blood. We use this perfect instrument when we engage in intellectual activity.
[ 8 ] Nun habe ich einmal gerade hier an diesem Orte angedeutet, wie ja der Mensch viel komplizierter ist, als man eigentlich denkt. Wenn wir so sagen: «physischer Leib» — so ist das wiederum nicht ein Einfaches. Dieser physische Leib trägt nämlich in sich die vom Saturn herübergebrachten Anlagen. Dann kam der Ätherleib dazu. Aber dieser Ätherleib hat sich wiederum ein Glied im physischen Leib errichtet, der Astralleib wieder ein Glied im physischen Leib, das Ich wieder ein Glied im physischen Leib. So daß dieser physische Leib eigentlich für sich viergliedrig ist: Ein Teil des physischen Leibes ist sich selber zugeordnet, ein Teil dem ätherischen Leib, ein Teil dem Astralleib, ein Teil dem Ich. Sehen wir einmal ab vom Ätherleib, der ja wiederum dreiteilig ist, weil ein Glied des Ätherleibes sich selbst zugeteilt ist, ein Glied dem Astralleib, ein Glied dem Ich, bleiben wir beim physischen Leib. Da zeigt sich uns, daß in der Nacht, wenn wir schlafen, dasjenige im physischen Leibe, was sich selbst zugeteilt ist, selbstverständlich sein Leben fortsetzt; das, was dem Ätherleib zugeteilt ist, kann auch sein Leben fortsetzen, denn der Ätherleib ist beim physischen Leib dabei. Aber wie ist es denn in der Nacht bei demjenigen Teil des physischen Leibes, der dem astralischen Leib zugeteilt ist, der darauf hinorganisiert ist, daß der astralische Leib hinaus will — der astralische Leib ist ja heraußen in der Nacht —, und wie ist es bei demjenigen Teile, der dem Ich zugeteilt ist? Das Ich ist auch heraußen. Diese zwei Glieder — nennen wir sie astral-physischen Leib und das andere Ich-physischen Leib —, diese zwei Glieder sind in der Nacht von dem, was sie eigentlich durchorganisiert, verlassen. Wir sind ja mit unserem Ich und mit unserem Astralleib heraus aus dem, wozu sie im physischen Leib gehören. Wir lassen also eigentlich im Bette etwas zurückliegen, solange wir da zwischen Geburt und Tod leben, das unversorgt bleibt, unversorgt von demjenigen Teil, dem es zugeordnet ist. Das muß anders wirken im Schlafe, als es während des Tageslebens wirkt; das können Sie ja einsehen. Denn während des Tageslebens wird es durchströmt und durchglüht vom astralischen Leib und vom Ich, während der Nacht, während des Schlafes nicht. Heute frägt der Mensch nicht, wie das ist, weil, wie gesagt, ihm alles durcheinanderschwimmt und durcheinandergemischt ist, weil er nicht unterscheidet diese voneinander sehr deutlich zu unterscheidenden Glieder seiner Leiblichkeit.
[ 8 ] Now, right here in this very place, I have already hinted at how much more complex the human being is than one might actually think. When we speak of the “physical body”—well, that, too, is not a simple matter. For this physical body carries within it the predispositions brought over from Saturn. Then the etheric body was added. But this etheric body, in turn, has established a member within the physical body; the astral body, in turn, has established a member within the physical body; and the I, in turn, has established a member within the physical body. So that this physical body is actually fourfold in itself: one part of the physical body is assigned to itself, one part to the etheric body, one part to the astral body, and one part to the I. Let us set aside for a moment the etheric body—which is itself threefold, since one part of the etheric body is assigned to itself, one part to the astral body, and one part to the I—and focus on the physical body. We can see that at night, when we sleep, that part of the physical body which is assigned to itself naturally continues its life; that which is assigned to the etheric body can also continue its life, for the etheric body is present with the physical body. But what happens at night to that part of the physical body that is assigned to the astral body—the part organized so that the astral body can go out into the world (since the astral body is, after all, outside at night)—and what happens to the part assigned to the “I”? The I is also out there. These two members—let us call them the astral-physical body and the other the I-physical body—these two members are abandoned at night by that which actually permeates them. After all, with our I and our astral body, we have stepped out of that to which they belong within the physical body. So, as long as we live here between birth and death, we actually leave something behind in bed that remains unattended—unattended by the part to which it is assigned. This must have a different effect during sleep than it does during waking life; you can surely see that. For during waking life, it is permeated and infused by the astral body and the “I,” whereas at night, during sleep, it is not. Today, people do not ask how this is, because, as I said, everything is jumbled together and mixed up for them, because they do not distinguish between these components of their physical being, which should be very clearly distinguished from one another.
[ 9 ] Dasjenige im menschlichen physischen Leib, das man das AstralPhysische nennen könnte, das wirkt während des Schlafens in der Nacht mit Kräften, die sehr ähnlich sind den Kräften des Merkur, den Merkurialkräften, den Kräften, die das Merkur flüssig machen und so weiter. Dagegen das, was im physischen Leib zugeteilt ist dem Ich, das wirkt während des Schlafens wie Salz, so daß der Mensch eigentlich während des Schlafens durchwogt ist von Salz und Merkur. Solche Dinge haben die ernstzunehmenden Alchimisten vor dem 14. Jahrhundert noch gewußt. Nachher erst ist die alchimistische Sektiererei gekommen und auch die Bücher, die man heute gewöhnlich liest. Nachgewirkt haben allerdings solche Erkenntnisse bei Jakob Böhme, der von Salz, Merkur, Schwefel spricht.
[ 9 ] That aspect of the human physical body which one might call the astral-physical body acts during sleep at night with forces that are very similar to the forces of mercury—the mercurial forces—the forces that make mercury liquid, and so on. In contrast, that part of the physical body assigned to the “I” acts during sleep like salt, so that a person is actually permeated by salt and mercury while sleeping. Serious alchemists prior to the 14th century were still aware of such things. It was only later that alchemical sectarianism emerged, along with the books that are commonly read today. Such insights did, however, have a lasting influence on Jakob Böhme, who speaks of salt, mercury, and sulfur.
[ 10 ] Das sind gewisse Geheimnisse der Menschennatur. Und dasjenige, wovon wir eben gesprochen haben, könnten wir so bezeichnen, daß wir sagen: Wir sehen hinunter, wenn wir schlafen, auf einen merkurial-salzig gewordenen Leib. Daß der Leib merkurialisch wird, das hat sehr bedeutsame Folgen, von denen wir vielleicht im Laufe dieser Wochen sprechen werden. Daß der Leib salzig wird, ich meine, das wäre gar nicht einmal so schwierig für den Menschen selbst zu bemerken, wenn er des Morgens aufsteht.
[ 10 ] These are certain mysteries of human nature. And what we have just been discussing could be described as follows: When we sleep, we look down upon a body that has become mercurial and salty. The fact that the body becomes mercurial has very significant consequences, which we may discuss over the course of these weeks. As for the body becoming salty—I mean, that wouldn’t even be that difficult for a person to notice when they get up in the morning.
[ 11 ] Was bedeutet das aber? Gewissermaßen in das, was salzig, also mineralisch geworden ist, was in dem Menschen eingeschlossen ist, und in dasjenige, was merkurialisch ist, was wiederum in dem Menschen wie Belebendes ihn durchströmt — denn das Merkurialische ist in Wirklichkeit ein Belebendes —, in das fährt beim Aufwachen hinein das Ich und der astralische Leib, welche während des Nachtschlafes in der geistigen Welt gewesen sind. Es treffen also Dinge zusammen, die während des Nachtschlafes nicht beieinander sind. In diesem Aufeinanderwirken gibt es die Möglichkeit, das herauszutragen, was man sich in der geistigen Welt aneignet. Merkur, Salz haben geruht; jetzt kommt Ich und astralischer Leib hinein, durchdringen sie mit dem, was sie erlebt haben in der geistigen Welt. Dadurch wird das Instrument des physischen Leibes, das seit dem Saturn sich entwickelt hat, sogar noch bereichert. Haben wir auf der einen Seite im physischen Leibe ein Instrument, dessen wir uns ja bedienen bei unserer intellektuellen Tätigkeit, das so altehrwürdig und gut ausgebildet ist, weil es so lange Zeiträume der Entwickelung hinter sich hat, so kann außerdem durch den Vorgang, den ich Ihnen eben beschrieben habe, ein Einfluß aus der geistigen Welt in der Gegenwart hinzutreten. Daher kommt es, daß die Menschen heute auf das Werkzeug der Intellektualität aus der geistigen Welt heraus wirken können und daß die Intellektualität so bedeutsam sein kann in der Gegenwart.
[ 11 ] But what does that mean? In a sense, it means that what is salty, that is, has become mineral, which is enclosed within the human being, and into that which is mercurial—which in turn flows through the human being as a life-giving force—for the mercurial is in reality a life-giving force—into this, upon waking, the “I” and the astral body enter, having been in the spiritual world during the night’s sleep. Thus, things come together that are not together during nighttime sleep. In this interaction, there is the opportunity to bring forth what one has acquired in the spiritual world. Mercury and salt have been at rest; now the “I” and the astral body enter and permeate them with what they have experienced in the spiritual world. Through this, the instrument of the physical body—which has been developing since the time of Saturn—is further enriched. On the one hand, we have in the physical body an instrument that we use in our intellectual activity—one that is so venerable and well-developed because it has undergone such long periods of evolution—and on the other hand, through the process I have just described to you, an influence from the spiritual world can now come to bear in the present. This is why people today can influence the instrument of intellectuality from the spiritual world, and why intellectuality can be so significant in the present.
[ 12 ] Aber die Welt, in der wir sind vom Einschlafen bis zum Aufwachen, sie hat eine bestimmte Eigentümlichkeit: sie hat nichts in sich von moralischen Gesetzen. So sonderbar Ihnen das scheinen kann, vom Einschlafen bis zum Aufwachen sind Sie in einer Welt, die nichts von moralischen Gesetzen in sich hat. Es ist eine Welt, welche, man könnte auch sagen, noch nicht moralisch ist. Heraus bringen wir, wenn wir aufwachen, aus dieser Welt zwar Impulse, die dann den physischen Leib, den Ätherleib ergreifen können nach der Richtung der Intellektualität, die ihn aber nicht ergreifen können aus dieser geistigen Welt heraus in der Richtung der Moralität. Das ist ganz ausgeschlossen, denn in der Welt, in der wir vom Einschlafen bis zum Aufwachen sind, gibt es keine moralischen Gesetze. Diejenigen Menschen, die da glauben, daß es gescheiter wäre, wenn die Götter die Sache so angeordnet hätten, daß der Mensch nicht auf dem physischen Plan zu leben brauchte, diese Menschen irren gar sehr, denn der Mensch könnte dann nie moralisch werden. Das Moralische eignet sich der Mensch nämlich gerade durch sein Leben hier auf dem physischen Plane an. Moralisch können die Menschen nur auf dem physischen Plan werden. Also wir tragen aus der geistigen Welt wohl Weisheit hinein in den physischen Leib, wir tragen aber nicht Moralität hinein.
[ 12 ] But the world in which we find ourselves from the moment we fall asleep until we wake up has a certain peculiarity: it contains no moral laws. As strange as this may seem to you, from the moment you fall asleep until you wake up, you are in a world that contains no moral laws. It is a world which, one might say, is not yet moral. When we wake up, we do bring impulses out of this world that can then influence the physical body and the etheric body in the direction of intellectuality, but these impulses cannot influence them from this spiritual world in the direction of morality. That is entirely impossible, for in the world in which we exist from the moment we fall asleep until we wake up, there are no moral laws. Those people who believe it would be wiser if the gods had arranged things so that human beings did not have to live on the physical plane are very much mistaken, for human beings could then never become moral. For it is precisely through their life here on the physical plane that human beings acquire morality. People can become moral only on the physical plane. So, while we do bring wisdom from the spiritual world into the physical body, we do not bring morality with us.
[ 13 ] Das ist ein sehr Wichtiges, Bedeutsames, das uns nun aufklärt darüber, warum die Menschen in bezug auf das Moralische zurückgeblieben sein müssen, während die Götter sehr gut vorgesorgt haben für die Intellektualität der Menschen, die sie den Menschen nicht nur zugeleitet haben durch das Werkzeug von Saturn-, Sonnen-, Monden- und Erdenzeit, sondern für die sie ihnen auch noch Zehrgelder geben, indem sie sie in der Welt mit Weisheit durchdringen, in die der Mensch eingeht während des Schlafens. Ähnliche Zustände, wo man während des Schlafens mit einer moralischen Welt in Zusammenhang kommt, werden wir erst in späteren Zeiträumen, in der zweiten Hälfte der Venusentwickelung erleben. Das ist eine Tatsache, die uns zeigt, von welch unendlicher Bedeutung es ist, darauf zu sehen, daß unser soziales Leben von Moralität durchdrungen werde.
[ 13 ] This is a very important and significant point that now explains to us why human beings must have lagged behind in moral terms, while the gods have made very good provision for human intellectuality—which they have not only bestowed upon human beings through the instruments of solar, the Sun, the Moon, and the Earth, but for which they also provide sustenance by imbuing the world with wisdom—a world into which humans enter while sleeping. We will not experience similar states—in which one comes into contact with a moral world during sleep—until later periods, in the second half of Venus’s evolution. This is a fact that shows us how infinitely important it is to ensure that our social life is permeated by morality.
[ 14 ] Diese Dinge sind es, an welche die gegenwärtige Menschheit nicht heran will. Die Rätsel werden zuweilen empfunden, wie ich Ihnen sagte; aber an die tieferen Gründe wollen die Menschen nicht heran, weil ihnen das unbequem ist, weil sie den Menschen nehmen wollen so, wie er dasteht, und nicht bedenken, daß dieses Menschenwesen Zusammenhänge in sich schließt, die in die Welten des Kosmos hinausgehen, über den Raum und über die Zeit hinaus, und daß der Mensch gar nicht erklärlich ist in seinem gewöhnlichen SichAusleben, wenn man diese Zusammenhänge nicht berücksichtigt. Das ist die großartige, gewaltige Tatsache, daß uns der Schlaf wohl für die Intellektualität, ja sogar für das Genie nützt — denn auch das Genie bringt aus dem Schlafe das mit, womit es seinen merkurialen Bestandteil und seinen Salzbestandteil durchdringt, und darauf beruht sogar die Ausbildung des Genies —, daß aber für die Moralität nur gesorgt werden kann, indem der Mensch nach und nach hier auf dem physischen Plan sich durchdringt mit dem, was eben Moralität darstellt.
[ 14 ] These are the things that modern humanity does not want to confront. As I told you, people sometimes sense these mysteries; but people do not want to delve into the deeper reasons because it is inconvenient for them, because they want to accept human beings as they are, and do not consider that this human being encompasses connections that extend into the worlds of the cosmos, beyond space and time, and that human beings cannot be explained at all in their ordinary way of living if these connections are not taken into account. This is the magnificent, awe-inspiring fact that sleep is indeed beneficial to our intellectual faculties, and even to genius—for genius, too, draws from sleep the very substance with which it permeates its mercurial and saline components, and the development of genius is based precisely on this—but that morality can only be fostered by the human being gradually imbuing themselves here on the physical plane with that which constitutes morality.
[ 15 ] Der Mittelpunkt des moralischen Lebens ist doch für die Erdenmenschheit der Christus-Impuls. Daher ist es von solcher Bedeutung — ich habe das öfter von andern Gesichtspunkten aus hervorgehoben —, daß der Mensch gerade hier auf dem physischen Plan mit dem Christus-Impuls zusammenkommt. Das ist etwas, was erfaßt werden muß von den verschiedensten Gesichtspunkten aus. Daher wird es begreiflich erscheinen, daß, wenn jemand noch so sehr durch Instinkt Weisheitsimpulse hat — denn im Schlafe teilen sich Weisheitsimpulse mit —, so daß er die kompliziertesten Maschinen erfinden kann, teilnehmen kann an dem wissenschaftlich-technischen Fortschritt, daß dies gar nicht mit der Moralität zusammenzuhängen braucht, weil die Moralität eigentlich in einer ganz andern Sphäre liegt.
[ 15 ] After all, the center of moral life for humanity on Earth is the Christ impulse. That is why it is so important—as I have often emphasized from other perspectives—that human beings encounter the Christ impulse precisely here on the physical plane. This is something that must be grasped from a wide variety of perspectives. It will therefore seem understandable that even if someone possesses wisdom impulses through instinct—for wisdom impulses are imparted during sleep—to such an extent that they can invent the most complex machines and participate in scientific and technological progress, this need not be connected at all to morality, because morality actually lies in an entirely different sphere.
[ 16 ] Solche Dinge sind heute den Menschen unbequem zu erfahren und unbequem zu wissen. Und dennoch müssen sie bekannt werden, wenn wir aus dem Chaos, in das die Welt geraten ist, herauskommen wollen. Und es ist außerordentlich ernst mit diesen Wahrheiten. Es geht die Entwickelung der Menschheit nicht weiter, wenn diese Wahrheiten nicht Fuß fassen im Erdenleben, denn die Götter haben die Menschen nicht zu Automaten machen wollen, um gewissermaßen automatisch auf sie zu wirken, sondern sie haben sie zu freien Wesen machen wollen, die erkennen können, wodurch sie vorwärtsgebracht werden. Der Einwand: Warum greifen die Götter nicht ein? — gilt nicht. Ansätze müssen gemacht werden; aber wenn ein solcher Ansatz zur spirituellen Erkenntnis einmal nicht glückt, so darf kein falscher Schluß daraus gezogen werden, sondern die Späterkommenden müssen daraus um so mehr den Impuls fassen, in dem Sinne zu wirken, der solchem Ansatz für spirituelle Weiterentwickelung entgegenkommt.
[ 16 ] Today, it is uncomfortable for people to experience and to know such things. And yet they must be made known if we are to emerge from the chaos into which the world has fallen. And these truths are of the utmost seriousness. Humanity’s development cannot proceed unless these truths take root in earthly life, for the gods did not intend to make human beings into automatons upon whom they could act, so to speak, automatically; rather, they intended to make them free beings capable of recognizing what will lead them forward. The objection: “Why don’t the gods intervene?”—does not hold. Steps must be taken; but if such a step toward spiritual insight fails, no false conclusion should be drawn from it; rather, those who come later must take this as all the more reason to act in a way that supports such a step toward spiritual development.
[ 17 ] Ich habe mich in der letzten Zeit viel mit einem bedeutsamen Ansatz beschäftigen müssen, der gemacht worden ist und der dazumal nicht in umfänglicher Art geglückt ist. Es war, als ich für die Zeitschrift «Das Reich» den ersten Teil meines Aufsatzes — der aber weiter fortgesetzt werden wird — über «Die Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreutz anno 1459» geschrieben habe. Diese «Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreutz anno 1459» ist geschrieben im Anfang des 17. Jahrhunderts. 1603 haben sie schon Leute zu lesen bekommen; 1616 ist sie erschienen. Johann Valentin Andreae hieß der Verfasser, aber Andreae hat auch andere Schriften geschrieben: die sogenannte «Fama fraternitatis» und die «Confessio» — merkwürdige Schriften, über welche die Leute alle möglichen gereimten, aber meistens ungereimten Meinungen geäußert haben. Ich will heute nichts anderes über diese Schriften andeuten, als daß sie, trotzdem sie zunächst den Eindruck von Satiren machen können, doch einen großen Impuls hatten, den Impuls, zu vertiefen die Naturerkenntnis im Geistigen — man könnte sagen: die GeistErkenntnis der Natur — bis zu jenem Punkt, wo man durch eine tiefere Erfassung der Naturgesetze auch die Gesetze des sozialen Menschenlebens entdeckt, die Gesetze des menschlichen Zusammenlebens findet.
[ 17 ] Lately, I have had to devote a great deal of attention to a significant endeavor that was undertaken but did not succeed on a large scale at the time. It was when I wrote the first part of my essay—which will, however, be continued—on “The Chemical Wedding of Christian Rosenkreutz in the Year 1459” for the journal Das Reich. This “Chemical Wedding of Christian Rosenkreutz in the Year 1459” was written in the early 17th century. As early as 1603, people were already reading it; it was published in 1616. The author was Johann Valentin Andreae, but Andreae also wrote other works: the so-called “Fama fraternitatis” and the “Confessio”—remarkable writings about which people have expressed all manner of rhyming, but mostly nonsensical, opinions. Today I wish to say nothing more about these writings than that, although they may at first give the impression of being satires, they nevertheless provided a great impetus—the impetus to deepen the spiritual understanding of nature—one might say: the spiritual understanding of nature—to the point where, through a deeper grasp of the laws of nature, one also discovers the laws of social human life, the laws of human coexistence.
[ 18 ] Auf diesem Gebiete wird es ja den Menschen ganz besonders schwer, die Maja, die Täuschung, von der Wirklichkeit zu unterscheiden. Diejenigen Motive, die wir uns bei unserem Handeln oftmals zuschreiben oder die uns andere zuschreiben, sind ja nicht die wahren. Das schmerzt den Menschen, daß es so ist, aber — ich habe ja das öfter auseinandergesetzt — es sind nicht die wahren. Und diejenigen Positionen im äußeren sozialen Leben, die die Menschen einnehmen, sind auch nicht die wahren. Der innere Mensch ist doch in den meisten Fällen ein ganz anderer als der äußere Mensch im sozialen Dasein und als er sich vor sich selbst erscheint. Wie stark glauben die Menschen, wenn sie dies oder jenes tun, sie handeln aus diesem oder jenem Motiv heraus! Mancher meint, recht selbstlose Motive zu haben, während seine wirklichen Motive nichts anderes als brutalste Selbstsucht sind. Aber das weiß er nicht, weil man über sich selber und über seine sozialen Zusammenhänge in der Maja lebt. Und über die Wirklichkeit kann man sich auch auf diesem Gebiete nur aufklären, wenn man tiefer in der Wesen Zusammenhänge hineinsieht.
[ 18 ] In this area, it is particularly difficult for people to distinguish maya—illusion—from reality. The motives we often attribute to ourselves—or that others attribute to us—when we act are not the true ones. It pains people that this is the case, but—as I have often explained—they are not the true ones. And the positions people assume in their external social lives are not the true ones either. In most cases, the inner person is quite different from the outer person in social life and from how he appears to himself. How strongly do people believe, when they do this or that, that they are acting out of this or that motive! Some people believe they have truly selfless motives, while their real motives are nothing but the most brutal selfishness. But they do not know this, because they live in Maya when it comes to themselves and their social relationships. And in this area, too, one can only gain insight into reality by looking more deeply into the connections between essences.
[ 19 ] Unter anderem war auch Johann Valentin Andreae einer, der tiefer hineinsehen wollte in diese Zusammenhänge. Hineinzuschauen in die Wirklichkeit, über die Maja hinaus: darauf kam es unter anderem auch Johann Valentin Andreae an. Aber er war natürlich kein solcher Trivialling, der da glaubte, das könne man mit all den Tiraden machen, mit denen die heutigen tiefen Pädagogen und dergleichen die Welt reformieren wollen, sondern er war sich klar darüber, daß man zuerst tiefere Blicke hineintun muß in die Zusammenhänge der Natur, um in der Natur den Geist zu finden. Dann findet man auch die Fäden, durch die der Mensch wirklich mit dem Geistigen zusammenhängt. Dann kann man aber auch erst wissen, welche wirklichen sozialen Gesetze man braucht. Man kann nicht über soziale Zusammenhänge nachdenken, wenn man ein naturforscherisch denkender Mensch im heutigen Sinne ist, weil man da die Natur an der Oberfläche und das soziale Leben an der Oberfläche hat. Johann Valentin Andreae suchte die Natur in den Tiefen und das soziale Leben in den Tiefen. Da kommen sie erst zusammen. In Wirklichkeit ist es so: Wenn Sie sich die Grenze zwischen der Maja und der Wirklichkeit denken, so haben Sie auf der einen Seite ein Guckloch für die Natur und auf der andern Seite ein Guckloch für das soziale Leben. Und nur dann, wenn man tiefer hineinsieht, sieht man: Da treffen sie sich rückwärts.
[ 19 ] Among others, Johann Valentin Andreae was someone who wanted to look more deeply into these connections. To look into reality beyond Maja: that was one of the things that mattered to Johann Valentin Andreae, among other things. But of course he was no trivial thinker who believed this could be achieved through the kind of tirades with which today’s “deep” educators and the like seek to reform the world; rather, he was well aware that one must first cast a deeper gaze into the interrelationships of nature in order to find the spirit within nature. Then one also finds the threads through which human beings are truly connected to the spiritual realm. Only then, however, can one know which true social laws are needed. One cannot reflect on social relationships if one is a person who thinks in the scientific sense of today, because in that case one has nature on the surface and social life on the surface. Johann Valentin Andreae sought nature in its depths and social life in its depths. That is where they first come together. In reality, it is like this: If you imagine the boundary between Maya and reality, you have a peephole for nature on one side and a peephole for social life on the other. And only when you look deeper do you see: That is where they meet, in reverse.


[ 20 ] Aber dahin werden die Menschen nicht kommen; sie werden dabei stehenbleiben, einige Naturgesetze an der Oberfläche zu beobachten, und werden dann alles mögliche aus ihrem Empfinden, aus ihrer Oberflächlichkeit heraus über das soziale Leben reden. Da wird man aber kein Erkenner des Zusammenhanges, wie es bei Johann Valentin Andreae angestrebt wurde; da wird man höchstens — verzeihen Sie, man muß manchmal die Dinge beim rechten Namen nennen —, da wird man höchstens ein Woodrow Wilson; da bleiben die Dinge ohne Zusammenhang. Johann Valentin Andreae wollte den Zusammenhang. Dieses Streben durchpulst solche Werke wie seine «Fama fraternitatis», seine «Confessio fraternitatis». Es war eine Adresse an die Staatsoberhäupter, an die Staatsmänner seiner Zeit, es war ein Versuch, eine soziale Ordnung zu begründen, die dem wahren, nicht dem Majawesen entsprechen sollte. 1614 erschien die «Fama fraternitatis», 1615 die «Confessio», 1616 die schon 1603 geschriebene «Chymische Hochzeit Christiani Rosencreutz». 1618 kam der Dreißigjährige Krieg, der durch seine Verhältnisse hinwegfegend war für Edelstes, das angestrebt war durch die «Fama fraternitatis», durch die «Confessio».
[ 20 ] But people will not get that far; they will stop short at observing a few laws of nature on the surface, and will then talk about social life in every possible way based on their feelings and their superficiality. But that way, one does not become someone who recognizes the connection, as Johann Valentin Andreae strove for; at best—forgive me, but sometimes one must call a spade a spade—at best, one becomes a Woodrow Wilson; there, things remain disconnected. Johann Valentin Andreae sought that connection. This aspiration runs through works such as his Fama fraternitatis and his Confessio fraternitatis. It was an appeal to the heads of state, to the statesmen of his time; it was an attempt to establish a social order that would correspond to the true nature of things, not to the nature of the Maya. The Fama fraternitatis was published in 1614, the Confessio in 1615, and in 1616, The Chemical Wedding of Christian Rosencreutz, which had already been written in 1603. In 1618, the Thirty Years’ War broke out, sweeping away—through the circumstances it created—the very noblest ideals that had been sought through the Fama fraternitatis and the Confessio.
[ 21 ] Wir leben heute in einem Zeitalter, in dem ein Jahr Krieg durch sein Zerstörerisches reichlich so viel bedeutet wie dazumal zehn Jahre. Wir haben schon reichlich einen Dreißigjährigen Krieg, an dem Maßstab der damaligen Zeit gemessen, hinter uns. Dies, meine lieben Freunde, versuchen Sie zu erfassen als einen Gedanken, der Sie hineinführen kann in das Wollen und Streben, das in einer ähnlichen Weise im 17. Jahrhundert aufgetreten ist, aber durch die Tatsachen des Dreißigjährigen Krieges unterbrochen worden ist. Und ich sagte schon: Wenn solche Dinge als Ansatz da sind, muß man sich später nicht abhalten lassen, sondern im Gegenteil sich zu umso stärkerer Tätigkeit anspornen lassen, damit ein folgender Versuch nicht wiederum mißglückt. Aber dazu ist es notwendig, das Leben wirklich kennenzulernen.
[ 21 ] We live today in an age in which one year of war, due to its destructive power, amounts to as much as ten years did back then. We have already endured what amounts to a Thirty Years’ War, measured by the standards of that time. This, my dear friends, try to grasp as a thought that can lead you into the will and striving that arose in a similar way in the 17th century, but was interrupted by the events of the Thirty Years’ War. And as I have already said: When such things are present as a starting point, one must not allow oneself to be deterred later on, but rather, on the contrary, let oneself be spurred on to even greater activity, so that a subsequent attempt does not fail again. But for this, it is necessary to truly know life.
[ 22 ] Nun will ich diese Betrachtungen anknüpfen an Betrachtungen, die ich im vorigen Jahr und im Beginne dieses Jahres hier gepflogen habe. Ich habe Sie aufmerksam gemacht auf einen merkwürdigen Verlauf des gesamten Menschenlebens, der gesamten Menschheitsevolution. Ich habe Sie aufmerksam darauf gemacht, daß, während der einzelne Mensch, der individuelle Mensch, an Jahren zunimmt, also 1, 2, 3, 4, später 30, 35, 40 und so weiter Jahre alt wird, es bei der Menschheit als Gesamtheit umgekehrt ist. Die Menschheit als Gesamtheit war erst alt und wird immer jünger und jünger. Wenn wir in der Zeit zurückgehen — wir brauchen für diese Betrachtungen nur bis zur Grenze zwischen dem atlantischen Leben und dem nachatlantischen Leben, bis zur atlantischen Katastrophe zurückzugehen —, da kommen wir zuerst in die altindische, in die urindische Epoche zurück. Da waren die Verhältnisse im äußeren Leben ganz anders; da war die Menschheit als Ganzes so, daß sie entwickelungsfähig blieb bis über die Fünfzigerjahre hinaus. Wir sind heute nur in den Kindheitsjahren bis zu einem bestimmten Jugendjahre so entwickelungsfähig, daß die körperliche Entwickelung zusammenhängt mit der seelisch-geistigen. Wenn wir Kind sind und dann heranwachsen als Jüngling oder Jungfrau, da geht die physische Entwickelung der seelisch-geistigen Entwickelung parallel. Dann hört das aber auf. — So ging es nun fort, daß also in der altindischen Zeit die Menschen in der seelisch-geistigen Entwickelung abhängig blieben von ihrer körperlichen Entwickelung bis in die Fünfzigerjahre hinauf. Man entwickelte sich immer hinauf so wie ein Kind, und das war erst dann abgeschlossen, wenn man ein Greis war. Daher gab es dazumal jenes unbedingte, demutvolle Hinaufsehen zu alten Menschen.
[ 22 ] Now I would like to link these reflections to those I shared here last year and at the beginning of this year. I have drawn your attention to a remarkable course of the entire human life, of the entire evolution of humanity. I have drawn your attention to the fact that, while the individual human being grows older—that is, 1, 2, 3, 4, and later 30, 35, 40, and so on—the opposite is true for humanity as a whole. Humanity as a whole was once old and is becoming younger and younger. If we go back in time—for these considerations, we need only go back to the boundary between the Atlantean era and the post-Atlantean era, to the Atlantean catastrophe—we first arrive at the ancient Indian, the primordial Indian epoch. Conditions in external life were quite different then; humanity as a whole was such that it remained capable of development well beyond the age of fifty. Today, we are capable of such development only during childhood and up to a certain age in youth, such that physical development is linked to soul-spiritual development. When we are children and then grow up as young men or women, physical development proceeds in parallel with soul-spiritual development. But then that comes to an end. — And so it continued: in ancient India, people remained dependent in their soul-spiritual development on their physical development well into their fifties. One continued to develop upward just as a child does, and this process was only complete when one became an elderly person. That is why, in those days, there was that unconditional, humble reverence for the elderly.
[ 23 ] Dann kam die urpersische Zeit. Da waren die Menschen nicht mehr so hoch hinauf entwickelungsfähig, sondern nur bis in die Vierziger- und Fünfzigerjahre, anfangs der Fünfzigerjahre; dann in der ägyptisch-chaldäischen Zeit nur bis in die Vierzigerjahre. Dann kam die griechisch-lateinische Entwickelung; da blieben die Menschen nur bis zum 35. Jahre entwickelungsfähig. Und dann kam die Zeit — Sie wissen ja, die griechisch-lateinische Zeit beginnt im 8. Jahrhundert vor dem Mysterium von Golgatha —, in welcher die Menschheit nur bis zum 33. Jahre entwickelungsfähig blieb. Das war die Zeit, in der das Mysterium von Golgatha stattfand. Die Menschheit begegnete sich in ihrem Alter mit dem Alter, in dem der Christus durch das Mysterium von Golgatha ging.
[ 23 ] Then came the Proto-Persian period. During that time, human beings were no longer capable of developing to such a high level, but only up to their forties and fifties—initially, up to the early fifties; then, during the Egyptian-Chaldean period, only up to their forties. Then came the Greek-Latin period; during that time, human beings were capable of developing only up to the age of 35. And then came the period—as you know, the Greek-Latin period begins in the 8th century before the Mystery of Golgotha—in which humanity remained capable of developing only up to the age of 33. That was the time when the Mystery of Golgotha took place. Humanity encountered, in its own age, the age in which Christ passed through the Mystery of Golgotha.
[ 24 ] Aber dann wurde die Menschheit immer jünger und jünger. Nachdem beim Aufgange des fünften nachatlantischen Zeitraumes, im 15. Jahrhundert, die Menschheit nur noch bis 28 Jahre entwickelungsfähig war und dann stehenblieb, sind wir heute bereits dahingekommen, daß die Menschen, durch die Natur sich selbst überlassen, überhaupt nur 27 Jahre alt werden. Während in alten Zeiten die Menschen bis ins hohe Alter hinauf von selber entwickelungsfähig blieben, muß heute ein Mensch seine Entwickelung, die von selber kommt, die an seine Körperlichkeit gebunden ist, mit 27 Jahren abschließen, wenn er nicht einen inneren, seelischen Impuls spirituell aufnimmt und von innen sich weitertreibt. Diejenigen, bei denen das nicht der Fall ist, die sich nicht von innen weitertreiben, die nicht Spirituelles aufnehmen, die bleiben heute 27 Jahre alt, und wenn sie 100 Jahre alt werden. Das heißt, sie tragen die Charakteristiken, die Merkmale des Siebenundzwanzigjährigen an sich. Daher haben wir heute, weil die Menschen es ablehnen, innerliche, spirituelle Impulse zu suchen, eine Kultur, ein soziales Leben, das siebenundzwanzigjährig ist. Wir wachsen nicht hinaus im äußeren sozialen Leben über das Siebenundzwanzigjährige. Das Siebenundzwanzigjährige beherrscht die Menschheit. Wenn es noch so weitergeht, wird die Menschheit bis 26, 25, 24 Jahre herabkommen, im sechsten nachatlantischen Zeitalter nur bis zum 21. Jahre und später bis zum 14. Jahre.
[ 24 ] But then humanity grew younger and younger. Whereas at the dawn of the fifth post-Atlantean epoch, in the 15th century, humanity was capable of development only up to the age of 28 and then came to a standstill, we have now reached the point where, left to nature’s own devices, people reach the age of only 27 at all. Whereas in ancient times people remained capable of developing on their own well into old age, today a person must bring their natural development—which arises spontaneously and is bound to their physicality—to a close at age 27, unless they spiritually absorb an inner, soul-based impulse and drive themselves forward from within. Those for whom this is not the case—who do not drive themselves forward from within, who do not absorb the spiritual—remain 27 years old today, even if they live to be 100. That is to say, they carry within themselves the characteristics and traits of a 27-year-old. Consequently, because people today refuse to seek inner, spiritual impulses, we have a culture and a social life that is stuck at the level of a twenty-seven-year-old. In our outer social life, we do not grow beyond the stage of a twenty-seven-year-old. The twenty-seven-year-old dominates humanity. If this continues, humanity will decline to 26, 25, 24 years; in the sixth post-Atlantean epoch, only to 21 years, and later to 14 years.
[ 25 ] In alle diese Dinge muß hineingeschaut werden, und alle diese Dinge müssen nicht pessimistisch aufgenommen werden, sondern so, daß sie in uns den Impuls bilden, zum spirituellen Leben zu gehen und das, was uns die Natur nicht mehr geben kann, von innen heraus zu suchen.
[ 25 ] We must look deeply into all these things, and we must not view them with pessimism, but rather in such a way that they inspire us to turn toward spiritual life and to seek from within what nature can no longer give us.
[ 26 ] Das zeigt von einer andern Seite, wie notwendig spirituelle Impulse in der Kultur sind. Die charakteristischsten Menschen, die führenden Menschen der Gegenwart sind heute solche, die nicht über das 27. Jahr hinauswachsen. Sie sind tonangebend. Was wäre denn ganz besonders tonangebend? Nun, sagen wir, wenn heute ein Mensch mit einem regen Leben geboren würde und nicht viel Traditionelles, sondern gerade das, was die Natur hergibt, ohne viel Einflüsse von außen in sich aufnehmen würde, dann würde er sozusagen das, was von selber kommt, so recht charakteristisch in sich tragen. Bei vielen färbt und nuanciert das die Erziehung. Aber nehmen wir einen ganz charakteristischen Menschen, der so recht nur die Merkmale der Gegenwart an sich trüge, der vielleicht in ärmlichen Verhältnissen geboren wäre und nicht eine Erziehung aufnehmen würde, die viel auf Tradition baut, sondern der nur das auf sich wirken ließe, was gerade aus den Verhältnissen in ihn hineinfließen kann: Da würde er aufwachsen, würde zunächst recht rege werden, weil das der heutigen Zeit angemessen ist, daß man bis zum 7., 14., 21. Jahre rege wird, und würde vielleicht ein sehr energischer Mensch werden bis zum 21. Jahre hin. Aber wenn er nicht spirituell sich entwickeln kann, wenn er so ein recht repräsentativer Mensch der Gegenwart ist, dann wird er gerade mit 27 Jahren stehenbleiben. Würde er ein ganz repräsentativer Mensch für die Gegenwart sein, dann würde etwa das folgende geschehen müssen: Er würde mit diesen 27 Jahren einen markanten Einschnitt in sein Leben machen, einen so markanten Einschnitt, daß gewissermaßen die Verhältnisse, in die er sich mit 27 Jahren bringt, ihn dann nicht mehr weiterkommen lassen, weil er sich engagiert für das Leben. Das würde unter den heutigen Verhältnissen etwa dadurch eintreten können, daß ein solcher Mensch, nachdem er eine Art Selfmademan mit großer Energie, mit allen möglichen Impulsen, welche die Zeit von selber hergibt, geworden ist, just mit 27 Jahren in ein Parlament gewählt würde. Wenn man in ein Parlament gewählt wird, so hat man sich engagiert, dann kann man nicht mehr von gewissen Dingen zurück, dann bleibt man so — das kommt gerade von dieser Entwickelung der heutigen Zeit —, dann ist man so recht repräsentativ für diese Entwickelung der heutigen Zeit. Und da das Parlament das Ideal der gegenwärtigen Zeit ist, so würde das gerade ein markanter Einschnitt sein können für einen Menschen, der alles ablehnt, was in die Zukunft hineinwachsen soll, der so ganz hineingewachsen ist in die äußeren Verhältnisse, der mit einem Worte siebenundzwanzigjährig bleibt. Ein solcher Mensch würde also mit 27 Jahren als ein starker, kräftiger Mensch, der die Impulse der Zeit an sich trägt, ins Parlament eintreten. Nach einiger Zeit würde er sogar als Minister aus dem Parlament hervorgehen. Man kommt dann weiter; man wird ein tonangebender Mensch der Gegenwart. Aber man wird ein Mensch rur der Gegenwart, ein charakteristischer siebenundzwanzigjähriger Mensch.
[ 26 ] This shows, from another perspective, how essential spiritual impulses are to culture. The most distinctive people—the leading figures of our time—are those who do not outgrow the age of 27. They set the tone. What, then, would be particularly influential? Well, let’s say that if a person were born today with a lively spirit and were to absorb not so much what is traditional but rather what nature provides, without much external influence, then he would, so to speak, carry within himself in a truly characteristic way that which comes of its own accord. For many, their upbringing shapes and nuances this. But let’s take a truly distinctive person who would embody only the characteristics of the present, who might be born into humble circumstances and would not receive an upbringing based heavily on tradition, but who would allow only what flows into him from his circumstances to influence him: He would grow up, initially becoming quite lively—because it is typical of our time to become lively by the ages of 7, 14, and 21—and might become a very energetic person up until the age of 21. But if he cannot develop spiritually, if he is such a truly representative person of the present, then he will come to a standstill precisely at the age of 27. If he were a truly representative person of the present, then something like the following would have to happen: At the age of 27, he would make a marked turning point in his life—one so marked that, in a sense, the circumstances into which he places himself at age 27 would then prevent him from moving forward any further, because he is fully committed to life. Under today’s circumstances, this could happen, for example, if such a person—after becoming a sort of self-made man with great energy and all the impulses that the times themselves provide—were elected to a parliament at the age of 27. Once you are elected to a parliament, you have committed yourself; you can no longer back away from certain things; you remain that way—this stems precisely from the development of our present age—and you thus become truly representative of that development. And since parliament is the ideal of the present age, this could be a particularly significant turning point for a person who rejects everything meant to grow into the future, who has become so completely entrenched in external circumstances, who, in a word, remains twenty-seven years old. Such a person would thus enter Parliament at the age of 27 as a strong, vigorous individual embodying the impulses of the times. After some time, he might even emerge from Parliament as a minister. One then moves forward; one becomes a leading figure of the present. But one becomes a person of the present, a characteristic twenty-seven-year-old.
[ 27 ] Es gibt einen solchen Menschen. Es gibt einen Menschen, der so in Verhältnisse hineingeboren ist, daß er nur dasjenige aufgenommen hat, was ihm die Verhältnisse selbst hergaben, nichts Traditionelles, der ein starker, kräftiger Mensch geworden ist aus diesen Verhältnissen heraus, ein Mensch, der durch dick und dünn geht für dasjenige, was man in den ersten 27 Jahren seines Lebens aufnimmt, und der gerade mit 27 Jahren ins Parlament gewählt wurde, sogar im Parlament unbequem wurde zunächst als einer, der Opposition machte, dann aber rasch weiter aufgestiegen ist und gewissermaßen zu einer Art Drehungsachse der Gegenwart geworden ist: das ist Lloyd George. Es gibt keinen charakteristischeren Menschen für die gegenwärtige Zeit als Lloyd George. Und die einfache Tatsache, daß dieser «Aussichselbstmann» just auf die Woche hin in seinem 27. Lebensjahr sich engagierte für das Leben, indem er ins Parlament gewählt wurde, und dann auch sein ganzer Lebensgang, das weist darauf hin, wie er repräsentativ, charakteristisch für das Leben der Gegenwart ist, für jenes Leben der Gegenwart, mit dem gebrochen werden muß und an dessen Stelle im 27. Lebensjahre die spirituellen Impulse hätten treten müssen.
[ 27 ] There is such a person. There is a person who was born into circumstances such that he absorbed only what those circumstances themselves provided him—nothing traditional—a person who has become strong and vigorous as a result of those circumstances, a person who stands by what one absorbs during the first 27 years of one’s life through thick and thin, and who was elected to Parliament at the age of 27, initially causing a stir in Parliament as a member of the opposition, but then quickly rose through the ranks and, in a sense, became a pivotal figure of the present: that is Lloyd George. There is no person more characteristic of the present age than Lloyd George. And the simple fact that this “man of his own making” became engaged in life—by being elected to Parliament—precisely in the week of his 27th year, and then his entire life’s course, points to how representative and characteristic he is of contemporary life—that very contemporary life with which we must break, and in whose place, at the age of 27, spiritual impulses should have taken hold.
[ 28 ] So blickt man hinein, wenn man das Leben innerlich durchschauen kann, erblickt in denjenigen Tatsachen, welche die andern Menschen verschlafen, die wichtigsten Ereignisse der Gegenwart. Für den, der die Zusammenhänge kennt, bedeutet das etwas ungeheuer Bedeutsames, daß ein solcher Selfmademan gerade mit 27 Jahren ins Parlament hineingewählt worden ist und sich da engagiert hat.
[ 28 ] This is how one sees things when one can perceive life from within, discerning in those facts that other people overlook the most important events of the present. For those who understand the bigger picture, it is immensely significant that such a self-made man was elected to Parliament at the age of 27 and became actively involved there.
[ 29 ] Das sind Tatsachen, die die Menschen allmählich beobachten und beachten müssen, aus denen sie kennenlernen müssen die tieferen Zusammenhänge, die im Leben vorhanden sind und an denen die Menschen heute so gern vorbei möchten, weil sie unbequem sind. Unbequem, weil die Menschen ihre Leidenschaften, ihre Emotionen, die sie sich selbst in der äußeren Welt ausbilden, lieber instiinktiv ausleben, als daß sie zur Erkenntnis greifen, weil sie von diesen Emotionen aus die Welt ausleben wollen und nicht aus sich selber heraus.
[ 29 ] These are facts that people must gradually observe and take note of; from them, they must come to understand the deeper connections that exist in life—connections that people today are so eager to ignore because they are uncomfortable. Uncomfortable because people would rather instinctively act out their passions and emotions—which they themselves cultivate in the external world—than seek understanding, since they want to experience the world through these emotions rather than from within themselves.
[ 30 ] Davon wollen wir dann morgen weiter reden.
[ 30 ] Let's talk more about that tomorrow.
