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The Spiritual Backgrounds of the Outer World
The Fall of the Spirits of Darkness
GA 177

29 September 1917, Dornach

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Erster Vortrag

First Lecture

[ 1 ] Meine lieben Freunde! Sie werden mir glauben, daß es mir eine tiefe Befriedigung ist, wieder einige Zeit hier unter Ihnen sein zu können, an derjenigen Stelle, wo wir ein sichtbares Zeichen unseres Wollens, unseres Strebens aufrichten dürfen, desjenigen Strebens, dem wir uns im Studium und in der Ausübung der Geisteswissenschaft immer mehr und mehr nähern wollen.

[ 1 ] My dear friends! You will believe me when I say that it gives me deep satisfaction to be able to spend some time here among you again, in this very place where we are able to erect a visible sign of our will, of our striving—that striving toward which we wish to draw ever closer through the study and practice of spiritual science.

[ 2 ] Wir werden uns ja, da dieses geisteswissenschaftliche Streben mit dem Innersten, Innerlichsten des Menschen zusammenhängt, von Zeit zu Zeit immer wieder die Frage stellen, welches denn eigentlich der Grundcharakter unseres Wollens ist. Und man möchte sagen, in der Gegenwart ergibt sich aus den Zeitverhältnissen heraus, aus diesen traurigen Zeitverhältnissen heraus, eine deutliche negative Antwort auf die Frage nach dem Grundcharakter unseres Wollens, unseres Strebens. Wir sehen jetzt seit schon mehr als drei Jahren über die Welt hin sich verbreiten etwas, was ja zunächst nicht genauer charakterisiert zu werden braucht. Denn wir fühlen, wir empfinden es alle und wir dürfen sagen: Was jetzt durch die Welt geht, ist der Ausdruck, ist die Folge des Entgegengesetzten von demjenigen, dem unser Wollen und sein äußerliches Zeichen, dieser Bau, gewidmet ist. — Wenn man versucht, sich immer wieder klarzumachen, bei welcher geistigen Entwickelungsströmung wir sehen möchten, daß sie von der Menschheit aufgenommen werde, so müssen wir sagen: Es ist die entgegengesetzte von derjenigen, welche zu den furchtbaren, tragischen Ereignissen der letzten Jahre geführt hat. — Das dürfen wir uns immer wieder und wiederum klarmachen dann, wenn wir mit voller Seele Anteil nehmen an dem, was jetzt die Welt durchflutet, an dem, was jetzt die Welt durchtobt. Wir dürfen uns sagen: Diese Jahre erscheinen uns so, als ob die Zeit wie elastisch auseinandergezogen wäre, als ob dasjenige, an das wir uns erinnern als vor diesem Weltgetobe vorhanden, als ob das nicht Jahre, als ob es Jahrhunderte hinter uns läge.

[ 2 ] Since this pursuit in the humanities is connected to the innermost, most intimate core of the human being, we will, from time to time, ask ourselves again and again what the fundamental character of our will actually is. And one might say that, in the present, the circumstances of our time—these sad circumstances—yield a clear negative answer to the question of the fundamental nature of our will, of our striving. For more than three years now, we have seen something spreading across the world that, at first glance, need not be characterized in greater detail. For we all feel it and sense it, and we may say: What is now sweeping through the world is the expression, the consequence of the opposite of that to which our will and its outward sign—this building—are dedicated. — When we try again and again to clarify for ourselves which current of spiritual development we would like to see embraced by humanity, we must say: It is the opposite of the one that led to the terrible, tragic events of recent years. — We must make this clear to ourselves again and again whenever we participate with our whole soul in what is now flooding the world, in what is now raging through the world. We must tell ourselves: These years seem to us as if time had been elastically stretched out, as if what we remember as existing before this global upheaval were not years, but centuries behind us.

[ 3 ] Es wird ja auch in der Gegenwart viele Menschen geben, wie es zu allen Zeiten solche gegeben hat, die in einer gewissen Beziehung die Zeitereignisse verschlafen, die nicht vollständig wach sind gegenüber diesen Zeitereignissen. Allein solche, die wachen, die werden, wenn sie jetzt zurückblicken auf das, was durch ihre Seele gezogen ist, was Eindruck hervorgerufen hat in diesen Seelen vor vier, fünf Jahren, so empfinden, wie man etwa empfindet, wenn man ein altes Buch, ein altes Kunstwerk, das vor Jahrhunderten entstanden ist, auf seine Seele wirken läßt. Wie in die Entfernung gerückt, in eine weite zeitliche Entfernung gerückt, so sind die Ereignisse, die vor diesem Weltgetobe an uns herangetreten sind.

[ 3 ] Even today, as has always been the case, there are many people who, in a certain sense, are oblivious to current events—who are not fully awake to these events. But those who are awake—when they now look back on what has passed through their souls, what made an impression on those souls four or five years ago—will feel something akin to what one feels when one allows an old book or an old work of art, created centuries ago, to affect one’s soul. As if pushed into the distance—into a vast temporal distance—so are the events that approached us before this worldly turmoil began.

[ 4 ] Wer freilich vor dem Entstehen dieser Ereignisse, jetzt im geisteswissenschaftlichen Sinne, wachend in die Welt hineingesehen hat, der konnte bemerken, was da eigentlich heranstürmt. Und viele unserer Freunde werden sich — ich darf darauf immer wieder aufmerksam machen —, viele unserer Freunde werden sich erinnern an eine, ich darf schon sagen stereotyp gegebene Antwort auf Fragen, die immer wieder nach öffentlichen Vorträgen da und dort aufgetaucht sind. Eine Frage ist ja immer wieder gekommen, wie Sie wissen; es ist diese, daß man gesagt hat: Wie verträgt sich mit der durch die Statistik nachgewiesenen Zunahme der Menschheitsbevölkerung die Lehre von den wiederholten Erdenleben? Die Menschheitsbevölkerung über die Erde hin nimmt so rasch zu. Wie ist damit vereinbar die durch die Geisteswissenschaft festgestellte Tatsache, daß es immer wieder dieselben Seelen sind? — Und immer wieder mußte ich antworten: Es scheint äußerlich ja durch die Statistik ganz richtig festgestellt zu sein, daß die Bevölkerung der Erde zunimmt, allein man betrachtet nicht genügend lange Zeiträume, wie es nötig wäre, um zu einer solchen Frage wirklich Stellung zu bekommen, man betrachtet viel zu kurze Zeiträume. Und dann sagte ich immer, es könne eine Zeit vielleicht gar nicht so ferne liegen, wo die Menschen mit Grauen erfahren werden, daß es auch eine Abnahme der Bevölkerung gibt. — Seit dem Beginn des Jahrhunderts mußte diese Antwort immer wieder auf solche Fragen gegeben werden.

[ 4 ] Anyone, however, who—in the spiritual-scientific sense—observed the world with vigilance before these events unfolded could have noticed what was actually looming on the horizon. And many of our friends will recall—as I have pointed out time and again—many of our friends will recall a, I might even say, stereotypical response to questions that have repeatedly arisen here and there following public lectures. One question has come up time and again, as you know; it is this: How does the doctrine of repeated earthly lives reconcile with the statistically proven increase in the human population? The human population across the Earth is growing so rapidly. How is this compatible with the fact established by spiritual science that it is always the same souls? — And time and again I had to answer: Outwardly, it does indeed seem to be quite correctly established by statistics that the Earth’s population is increasing; however, people do not consider sufficiently long periods of time—as would be necessary to truly address such a question—but rather consider periods that are far too short. And then I always said that a time might not be so far off when people will learn with horror that there is also a decline in population. — Since the beginning of the century, this answer has had to be given time and again to such questions.

[ 5 ] Es ist schon einmal so in der Geisteswissenschaft: Man kann nicht klipp und klar auf manche Fragen antworten, weil unsere Zeitgenossenschaft noch nicht so weit ist, die Wahrheiten im richtigen Stile aufzunehmen. Man muß manches andeuten. Wenn Sie nachlesen in den Vorträgen, die nicht lange vor dem Ausbruch dieser furchtbaren Weltkatastrophe in Wien gehalten worden sind, so werden Sie dort die Stelle finden von dem sozialen Karzinom, von der sozialen Krebskrankheit, welche an der Menschheitsentwickelung frißt. Angedeutet werden sollte durch solche und viele ähnliche Dinge, was der Menschheitsentwickelung bevorsteht, und aufgefordert werden sollte durch solche Dinge zum Nachdenken. Denn dieses Nachdenken, das ist es, was uns einzig und allein in wirklichem Sinne wach machen kann. Und waches Leben, wir brauchen es, und die Menschheit braucht es. Und wenn Geisteswissenschaft ihre Aufgabe erfüllen will, so ist vor allen Dingen nötig, daß sie die Anregerin wird zu vollem Wachsein. Denn wissen allein von den Dingen, die sich in der Sinnenwelt abspielen, und von den Gesetzen, die der Verstand durchschauen kann als in der Sinneswelt vorhanden, das heißt denn doch in einem höheren Sinne schlafen. Vollständig wach ist die Menschheit nur dann, wenn sie auch Begriffe, Ideen entwickeln kann von jener geistigen Welt, die ja ebenso um uns herum ist wie Luft und Wasser, wie die Sterne, wie die Sonne und der Mond. Und so wie man schläft, wenn man nur ganz hingegeben ist dem inneren Leibesprozeß in der Nacht und keine Ahnung hat von dem, was ringsherum in der äußeren körperlichen Welt vorhanden ist, so schläft man auch, wenn man nur der äußeren Sinneswelt hingegeben ist und der Verstandeswelt und den Verstandesgesetzen, die in der äußeren Sinneswelt walten, und keine Ahnung hat von dem, was um einen herum ist als geistige Welt.

[ 5 ] This is often the case in the humanities: One cannot provide clear-cut answers to certain questions because our contemporaries are not yet ready to grasp these truths in the proper way. One must hint at certain things. If you read the lectures that were given in Vienna not long before the outbreak of this terrible global catastrophe, you will find there the passage about the social carcinoma, the social cancer that is eating away at human development. Such statements—and many similar ones—were meant to hint at what lies ahead for human development and to prompt reflection. For it is this reflection that alone can truly awaken us. And an awakened life—we need it, and humanity needs it. And if spiritual science is to fulfill its task, it is necessary above all that it become the catalyst for full awakening. For merely knowing about the things that take place in the sensory world and about the laws that the intellect can discern as existing within that world—that, after all, means sleeping in a higher sense. Humanity is fully awake only when it can also develop concepts and ideas about that spiritual world, which is just as much a part of our surroundings as air and water, as the stars, as the sun and the moon. And just as one sleeps when one is completely absorbed in the body’s inner processes at night and has no inkling of what exists all around in the outer physical world, so, too, does one sleep when one is devoted solely to the outer sensory world and the world of the intellect and the laws of the intellect that govern the outer sensory world, and has no inkling of what surrounds one as the spiritual world.

[ 6 ] Es ist merkwürdig, daß gerade in den letzten Jahrhunderten — und am ärgsten um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert — die Menschheit auf ihren geistigen Fortschritt, auf ihre wissenschaftlichen Errungenschaften so sehr pochte und daß im Grunde genommen niemals das unbewußte, instinktive Leben so ausgebreitet war wie in dieser Zeit, daß immer mehr und mehr gegen die Gegenwart herauf das instinktiv Unbewußte die Menschen ergriffen hat. Das NichtSehen dessen, was geistig um uns herum ist, das Nicht-Rechnen mit diesem Geistigen, das ist ja im letzten Grunde die Ursache dieses furchtbaren Weltenkampfes. Und man kann nicht sagen, daß die Menschheit durch die Jahre, die sich, wie ich angedeutet habe, wie Jahrhunderte verlängern für den, der sie wachend durchlebt, man kann nicht sagen, daß die Menschheit schon hinreichend viel gelernt hat von dem, was in so furchtbarer Weise sich abgespielt hat. Man könnte leider sogar das Gegenteil davon sagen.

[ 6 ] It is curious that, particularly in recent centuries—and most notably at the turn of the 19th to the 20th century — that humanity has placed such great emphasis on its spiritual progress and scientific achievements, yet that, in essence, unconscious, instinctive life has never been as widespread as it is in this era, and that, as the present has drawn nearer, the instinctive and unconscious has increasingly taken hold of people. The failure to see what is spiritually around us, the failure to take this spiritual reality into account—that is, after all, the root cause of this terrible struggle in the world. And one cannot say that humanity, over the years—which, as I have indicated, stretch out like centuries for those who live through them in a state of wakefulness—one cannot say that humanity has already learned enough from what has unfolded in such a terrible way. Unfortunately, one could even say the opposite.

[ 7 ] Was ist denn das eigentlich Charakteristische, das einem jetzt täglich, stündlich auffallen kann, wenn man verfolgt, was heute Menschen denken — besser gesagt, vorgeben zu denken, vorgeben zu wollen —, was ist denn das eigentlich Charakteristische? Das eigentlich Charakteristische ist, daß im Grunde genommen über die Welt hin niemand weiß, was er will, daß niemand darauf kommt, daß dasjenige, was man berechtigterweise wollen könnte — gleichgültig, wie es sich in den einzelnen Köpfen der einzelnen Völker ausmalt —, viel besser erreicht würde, wenn man die furchtbaren, blutigen Ereignisse wegließe, daß diese furchtbaren, blutigen Ereignisse sich abspielen und daß sie eigentlich unnötig sind, unnötig sind zu dem, was gewollt wird.

[ 7 ] What, then, is the truly characteristic feature that one might notice every day, every hour, when observing what people think today—or rather, pretend to think, pretend to want—what, then, is the truly characteristic feature? The truly characteristic feature is that, fundamentally speaking, no one in the world knows what they want, that no one realizes that what one could justifiably want—regardless of how it is imagined in the individual minds of individual peoples— would be achieved much more effectively if one were to do away with the terrible, bloody events, that these terrible, bloody events are taking place, and that they are actually unnecessary—unnecessary for what is desired.

[ 8 ] Allerdings, es walten in diesen Ereignissen geheimnisvolle Zusammenhänge. Aber wenn Sie manches nehmen, was, allerdings auch nur andeutungsweise, im Laufe der Jahre gerade in unseren geisteswissenschaftlichen Vorträgen gesagt worden ist, so werden Sie doch finden, daß auch in bezug auf dasjenige, das sich als Allerbedeutungsvollstes hereingestellt hat in die Ereignisse der letzten Jahre, manches recht klar angedeutet worden ist. Wenn Sie nur nehmen, was auch innerhalb dieser Räume, namentlich in den letzten Jahren, entwickelt worden ist über den Charakter des russischen Volkes und über den Gegensatz dieses russischen Volkes zu den west- und mitteleuropäischen Völkern, dann werden Sie daraufkommen, daß Sie nichts anderes brauchen, als was hier gesagt worden ist, zum Verständnisse desjenigen Ereignisses, das scheinbar so stürmisch in der letzten Zeit eingeschlagen hat, zum Verständnisse dessen, was man gewöhnlich die Russische Revolution jetzt nennt, dieses Ereignisses, das hereingebrochen ist wie eine Vergeltung, aber eine innerlich durchaus absolut verständliche karmische Vergeltung, wobei man dieses Wort als Terminus technicus und gar nicht im moralischen Sinne zu nehmen hat.

[ 8 ] However, there are mysterious connections at work in these events. But if you consider some of what has been said—albeit only in hints—over the years, particularly in our lectures on the humanities, you will find that even with regard to what has emerged as the most significant aspect of the events of recent years, much has been quite clearly hinted at. If you consider only what has been discussed within these halls—particularly in recent years—regarding the character of the Russian people and the contrast between them and the peoples of Western and Central Europe, you will realize that you need nothing more than what has been said here to understand that event which has seemingly struck so violently in recent times—to understand what is now commonly called the Russian Revolution, this event that has broken out like retribution, but a karmic retribution that is, in its inner essence, entirely understandable, whereby this word must be taken as a technical term and not at all in a moral sense.

[ 9 ] Es wird nicht nur die russische, es wird die europäische, wird die Menschheit der ganzen Welt lange, lange nachzudenken haben über die Ereignisse, die sich im Osten Europas viel geheimnisvoller jetzt abspielen, als man eigentlich denkt. Denn was Jahrhunderte lang sich vorbereitet hat, das ist da an die Oberfläche getreten. Und das Neue, das sich gestalten will, es zeigt heute noch ein ganz anderes Gesicht als dasjenige, das sich entwickeln will, das sich herausgestalten will. Spätere Geschlechter werden noch die Möglichkeit haben, den Unterschied zwischen Maja und Wirklichkeit anschaulich zu machen an dem, was sich in den nächsten Jahrzehnten im Osten von Europa gestalten wird. Denn die gegenwärtigen Geschlechter nehmen die Maja eben nicht als Maja hin, sondern als eine Wirklichkeit. Sie nehmen das, was jetzt geschieht, hin als etwas, was schon dasjenige ist, was es werden will. Das ist nicht so. Da will etwas ganz anderes an die Oberfläche.

[ 9 ] Not only Russia, but Europe—indeed, all of humanity—will have to reflect for a long, long time on the events currently unfolding in Eastern Europe, which are far more mysterious than one might actually think. For what has been in the making for centuries has now come to the surface. And the new reality that is striving to take shape still presents a very different face today than the one that is seeking to develop and emerge. Future generations will still have the opportunity to illustrate the difference between illusion and reality based on what will take shape in Eastern Europe over the coming decades. For the present generation does not accept illusion as illusion, but rather as reality. They accept what is happening now as something that is already what it wants to become. That is not the case. Something entirely different is striving to come to the surface.

[ 10 ] Und schlecht sind die Westvölker gerüstet zu verstehen, was da an die Oberfläche will. Warum sind sie so schlecht gerüstet? So sonderbar dies aussieht für den Menschen, nicht für Sie, aber für den Normalmenschen der Gegenwart — Sie sind ja alle dadurch, daß Sie zur Anthroposophie gehören, nicht Normalmenschen der Gegenwart —, so sonderbar das für den Normalmenschen aussieht, mehr, unendlich viel mehr als irgendeine andere Zeit erfordert diese gegenwärtige Zeit von den Menschen gerade dasjenige, was diese Menschen am allerwenigsten haben wollen: geisteswissenschaftliches Verständnis. So sonderbar es für den Normalmenschen der Gegenwart eben klingt: Ordnung wird aus dem Chaos der Gegenwart nicht, bevor eine genügend große Anzahl von Menschen sich bequemen wird, die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten anzuerkennen. Das wird das weltgeschichtliche Karma sein.

[ 10 ] And the Western peoples are ill-equipped to understand what is coming to the surface. Why are they so ill-equipped? As strange as this may seem to people—not to you, but to the average person of today —since, by virtue of your affiliation with anthroposophy, you are not ordinary people of the present—as strange as this may seem to the ordinary person, this present age demands of people—more, infinitely more than any other time—precisely what these people least want: an understanding of spiritual science. As strange as it may sound to the average person of today: order will not emerge from the chaos of the present until a sufficiently large number of people are willing to acknowledge the truths of spiritual science. That will be the karma of world history.

[ 11 ] Lassen Sie die Menschen reden, die da glauben, wir haben jetzt einen Krieg, wie frühere Kriege waren, und wir werden nächstens Frieden schließen, wie frühere Frieden geschlossen worden sind; lassen Sie das die Menschen glauben. Das sind die Menschen, die die Maja lieben, das sind die Menschen, die die Wahrheit nicht von der Täuschung unterscheiden. Lassen Sie diese Menschen selbst einen Scheinfrieden vielleicht irgendwie schließen: Ordnung wird aus diesem Chaos, das Jetzt die Welt durchzieht, nur dann, wenn die Morgenröte einer geisteswissenschaftlichen Auffassung die Menschen ergreift. Und wenn Sie etwa in Ihrem Herzen empfinden sollten: Dann wird lange nicht Ordnung werden, dann wird es noch lange dauern — weil Sie vielleicht des Glaubens sind, die Menschen werden sich lange nicht bequemen, eine geisteswissenschaftliche Morgenröte heraufkommen zu lassen —, dann werden Sie Recht haben. Dann glauben Sie aber nur auch, daß lange keine Ordnung werden wird aus diesem Chaos heraus, denn sie wird nicht früher werden, als bis eine geisteswissenschaftliche Auffassung die menschlichen Herzen durchdringt. Alles andere wird Schein sein, alles andere wird scheinbare Ruhe sein, unter der immer neue und neue Feuerflammen sich entzünden werden, denn Ordnung wird aus diesem Chaos erst entstehen, wenn man begreifen wird, woraus dieses Chaos entstanden ist.

[ 11 ] Let those people speak who believe that we are now at war, just as in wars of the past, and that we will soon make peace, just as peace has been made in the past; let them believe that. These are the people who love the Maya; these are the people who cannot distinguish truth from deception. Let these people perhaps somehow bring about a false peace on their own: Order will emerge from this chaos that now pervades the world only when the dawn of a spiritual-scientific perspective takes hold of humanity. And if you should feel in your heart, for example: Then order will not come for a long time; then it will still take a long time—because you may believe that people will not be willing for a long time to allow a spiritual-scientific dawn to break—then you will be right. But then you must also believe that order will not emerge from this chaos for a long time, for it will not come until a spiritual-scientific perspective penetrates human hearts. Everything else will be an illusion; everything else will be a semblance of calm beneath which ever new flames will be kindled, for order will arise from this chaos only when people come to understand the source of this chaos.

[ 12 ] Es ist entstanden aus ungeistiger Erfassung der Wirklichkeit Ja, aus ungeistiger Erfassung der Wirklichkeit. Die geistige Welt ignoriert man nicht ungestraft. Man kann glauben, daß man die geistige Welt ungestraft ignorieren kann, man kann glauben, daß man sich in der Welt Begriffen, Vorstellungen hingeben kann, die bloß aus der Sinneswelt entnommen sind, man kann das glauben, und das ist ja der allgemeine Glaube der heutigen Menschheit. Aber wahr ist es nicht. Nein! Der irrigste Glaube, den jemals die Menschheit hat hegen können, das ist der — wenn ich mich trivial ausdrücken darf —, daß die Geister es sich gefallen lassen, ignoriert zu werden. Fassen Sie es meinetwillen auf als einen Egoismus, als eine Selbstsucht der Geister, aber in der geistigen Welt gilt eine andere Terminologie als hier in der sinnlich-physischen Welt. Also fassen Sie es meinetwillen auf als einen Egoismus der Geister, aber die Geister rächen sich, wenn sie ignoriert werden hier. Es ist ein Gesetz, es ist eine eherne Notwendigkeit: Die Geister rächen sich. Und unter den mancherlei Charakteristiken, die man geben kann für die Gegenwart, ist auch diese richtig, daß man sagen kann: Die Rache der Geister dafür, daß man sie so lange ignoriert hat, das ist das gegenwärtige Menschheitschaos.

[ 12 ] It arose from a non-spiritual perception of reality. Yes, from a non-spiritual perception of reality. One does not ignore the spiritual world with impunity. One may believe that one can ignore the spiritual world with impunity; one may believe that one can indulge in concepts and ideas that are drawn solely from the sensory world; one may believe that—and indeed, that is the general belief of humanity today. But it is not true. No! The most erroneous belief that humanity has ever been able to harbor is—if I may put it trivially—that the spirits will tolerate being ignored. For my sake, take it as a form of egoism, as selfishness on the part of the spirits, but in the spiritual world, a different terminology applies than here in the sensory-physical world. So, for my sake, take it as a form of selfishness on the part of the spirits, but the spirits take revenge when they are ignored here. It is a law, it is an ironclad necessity: spirits take their revenge. And among the many characteristics one can attribute to the present, this one is also true: the revenge of the spirits for having been ignored for so long—that is the chaos humanity is currently experiencing.

[ 13 ] Erinnern Sie sich, wie oft ich hier und an andern Orten gesagt habe: Es ist ein geheimnisvoller Zusammenhang zwischen dem, was menschliches Bewußtsein ist, und den zerstörerischen Kräften des Weltenalls, gerade den Untergangskräften des Weltenalls. Ja, dieser geheimnisvolle Zusammenhang zwischen den zerstörerischen Kräften des Weltenalls und dem Bewußtsein, der besteht; er besteht so, daß das eine als Ersatz für das andere auf der einen Seite dienen kann oder auf der andern Seite dienen muß in der folgenden Art.

[ 13 ] Do you remember how often I have said here and elsewhere: There is a mysterious connection between what human consciousness is and the destructive forces of the universe—specifically, the forces of the universe’s downfall. Yes, this mysterious connection between the destructive forces of the universe and consciousness does exist; it exists in such a way that one can serve as a substitute for the other on the one hand, or must serve as a substitute on the other hand, in the following manner.

[ 14 ] Nehmen wir einmal an, ein Zeitalter wäre dagewesen, sagen wir in den letzten zwanzig oder dreißig Jahren des 19. Jahrhunderts, in dem die Menschheit so nach Geistigem gestrebt hätte, wie sie in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts nur nach materiellem Wissen und nach materiellen Taten gestrebt hat. Nehmen wir an, am Ende dieses 19. Jahrhunderts hätten die Menschen nach spirituellem Erleben, nach spirituellem Wissen, nach spirituellen Taten gestrebt. Was wäre das gewesen? Was wäre es gewesen, wenn die Menschen gesucht hätten, die geistige Welt zu erkennen und aus der geistigen Welt heraus der physischen Welt einen Charakter, eine Grundlage zu geben, statt daß in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts die Menschen nur instinktiv immer mehr und mehr nach demjenigen Wissen gejagt haben, welches zuletzt in der Ausgestaltung der Mordwerkzeuge seine größten Triumphe feierte und welches in der menschlichen Bereicherung mit rein materiellen Gütern aufging? Was wäre geschehen, wenn die Menschheit gestrebt hätte, spirituelles Wissen, spirituelle Impulse für das soziale Wirken zu gewinnen? Es wäre eine Abschlagszahlung gewesen für zerstörerische Kräfte! Die Menschen wären wacher gewesen, statt daß sie die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts verschlafen haben. Die Menschen wären wacher gewesen, und die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts hätten nicht die Zerstörung zu bringen brauchen, wenn das Bewußtsein stärker gewesen wäre. Das spirituelle Bewußtsein muß eben stärker sein als das rein sinnlichmaterielle Bewußtsein. Wäre das spirituelle Bewußtsein stärker gewesen in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts, so hätten nicht die zerstörerischen Kräfte einzugreifen brauchen in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts.

[ 14 ] Let us suppose there had been an era—say, during the last twenty or thirty years of the 19th century—in which humanity had striven for the spiritual just as it strove, in the last two or three decades of the 19th century, solely for material knowledge and material deeds. Let us suppose that at the end of the 19th century, people had striven for spiritual experience, for spiritual knowledge, and for spiritual deeds. What would that have been like? What would it have been like if people had sought to understand the spiritual world and, drawing from the spiritual world, to give the physical world a character, a foundation, instead of people in the final decades of the 19th century instinctively chasing more and more after the kind of knowledge that ultimately celebrated its greatest triumphs in the design of instruments of murder and was absorbed in the accumulation of purely material goods? What would have happened if humanity had strived to gain spiritual knowledge and spiritual impulses for social action? It would have been a down payment to destructive forces! People would have been more alert, instead of sleeping through the last decades of the 19th century. People would have been more alert, and the first decades of the 20th century would not have had to bring destruction if consciousness had been stronger. Spiritual consciousness must simply be stronger than purely sensory-material consciousness. Had spiritual consciousness been stronger in the final decades of the 19th century, the destructive forces would not have needed to intervene in the first decades of the 20th century.

[ 15 ] Am intensivsten, am eindringlichsten — erkenntnistheoretisch —, aber, man möchte sagen auch am grausamsten gewahrt man das, wenn man Bekanntschaft macht mit manchen Toten, die in die geistige Welt eingezogen sind, sei es in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts, sei es in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Viele Seelen waren darunter, die hier auf diesem Erdenrund innerhalb des Hastens und Treibens und Strebens im Materiellen keine Gelegenheit gehabt haben, ihr Bewußtsein zu erwecken mit spirituellen Impulsen. Viele sind durch die Pforte des Todes gegangen, ohne auch nur eine Ahnung zu bekommen von Begriffen, von Ideen, die spirituelle Impulse andeuten. Wäre hier auf der Erde, bevor diese Seelen durch die Pforte des Todes gegangen sind, für sie die Möglichkeit gewesen, Spirituelles in ihre Vorstellungen, in ihre Begriffe aufzunehmen, sie hätten das mit durch die Pforte des Todes getragen. Das wäre ihnen ein Gut gewesen, das sie brauchen nach dem Tode. Sie haben es nicht haben können.

[ 15 ] One perceives this most intensely, most poignantly—from an epistemological standpoint—but, one might say, also most cruelly, when one becomes acquainted with certain deceased individuals who have entered the spiritual world, whether in the last decades of the 19th century or in the first decades of the 20th century. Among them were many souls who, here on this Earth, amid the hustle and bustle and striving of the material world, had no opportunity to awaken their consciousness through spiritual impulses. Many passed through the gate of death without ever gaining even a hint of the concepts and ideas that point to spiritual impulses. Had there been an opportunity here on Earth, before these souls passed through the gate of death, for them to incorporate the spiritual into their conceptions and ideas, they would have carried it with them through the gate of death. That would have been an asset to them, one they need after death. They were unable to acquire it.

[ 16 ] Wer die Geistesgeschichte, die sogenannte Geistesgeschichte der letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts und der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts kennt, der weiß, daß man nicht einmal mehr das Wort Geist anzuwenden gewußt hat auf das Richtige: Man hat es auf alles Mögliche angewendet, nur nicht auf dasjenige, was wirklich Geist ist. So haben die Seelen keine Möglichkeit gehabt, den Geist hier zu kennen. Sie müssen die Abschlagszahlung nehmen. Sie lechzen jetzt, da sie durch die Pforte des Todes eingetreten sind in die geistige Welt, sie lechzen — ja, wonach lechzen sie, diese Seelen, die hier im Materialismus lebten, wonach lechzen sie? Nach zerstörerischen Kräften in der physischen Welt lechzen sie! Denn das ist die Abschlagszahlung.

[ 16 ] Anyone familiar with the history of ideas—the so-called history of ideas of the last decades of the 19th century and the first decades of the 20th century—knows that people no longer even knew how to apply the word “spirit” correctly: They applied it to all sorts of things, but not to that which is truly spirit. Thus, the souls have had no opportunity to come to know the spirit here. They must accept the down payment. Now that they have entered the spiritual world through the gate of death, they yearn—yes, what do they yearn for, these souls who lived here in materialism? What do they yearn for? They yearn for destructive forces in the physical world! For that is the down payment.

[ 17 ] Diese Dinge lassen sich nicht mit bequemen Begriffen abtun. Will man auf diesem Gebiet die Realitäten kennenlernen, dann muß man sich eine Empfindung für dasjenige verschaffen, was in den ägyptischen Mysterien die eherne Notwendigkeit genannt worden ist. So furchtbar es ist, so sehr notwendig war es, daß Zerstörung Platz griff, da sich die durch die Pforte des Todes Gegangenen sehnten nach zerstörerischen Kräften, in denen sie leben können, nachdem sie hier die Abschlagszahlung durch spirituelle Impulse nicht haben erhalten können.

[ 17 ] These things cannot be dismissed with convenient terms. If one wishes to understand the realities in this field, one must develop a sense of what was called the “iron necessity” in the Egyptian mysteries. As terrible as it is, it was all the more necessary for destruction to take hold, since those who had passed through the gate of death longed for destructive forces in which they could live, having been unable to receive their down payment here through spiritual impulses.

[ 18 ] Es wird nicht früher Ordnung aus dem Chaos, bevor die Menschheit sich entschließt, solch ernste Wahrheiten wirklich durch ihre Seele ziehen zu lassen und auch solch ernste Wahrheiten in die Ideen einfließen zu lassen, die heute politisch durch die Welt ziehen. Und wenn diese Wahrheiten pessimistisch klingen und Sie sich denken: Wie weit ist die Menschheit noch weg von all dem, was jetzt als gefordert bedeutet worden ist —, dann haben Sie recht. Aber lassen Sie aus diesem Ihrem berechtigten Pessimismus die innere Aufforderung folgen, die wache Aufforderung, da, wo Sie können, an jeglicher Stelle des Lebens, an die Sie gestellt sind, den Versuch zu machen, Seelen zu erwecken nach der Richtung, nach der die Geisteswissenschaft ihre Impulse senden kann. Man kann es freilich heute noch nicht viel, aber man muß wirklich das ehrliche, aufrichtige Bestreben haben, in der Art, wie es eben der eine oder der andere verstehen kann, aufmerksam zu machen auf dieses Konkrete, das darin besteht, daß die neuere Zeit Sehnsuchten in den Toten hervorgerufen hat, denen jetzt entgegengekommen wird mit dem, was wir Lebenden hier auf dem physischen Plan mit Schaudern erfahren.

[ 18 ] Order will not emerge from chaos until humanity resolves to truly let such serious truths sink into its soul and to allow them to flow into the ideas that are currently shaping the political landscape around the world. And if these truths sound pessimistic and you find yourself thinking: ‘How far is humanity still from all that has now been called for?’—then you are right. But let this justified pessimism of yours give rise to an inner call, an alert call, to make an effort—wherever you can, in every sphere of life in which you find yourself—to awaken souls in the direction toward which spiritual science can send its impulses. Of course, one cannot do much yet today, but one must truly have the honest, sincere aspiration—in whatever way one or the other may understand it—to draw attention to this concrete reality, which consists in the fact that modern times have aroused longings in the dead that are now being met with what we, the living, here on the physical plane, experience with a shudder.

[ 19 ] Wenn man bedenkt, wie bequem manche es sich machen, die für ihre Mitmenschen in der einen oder in der andern Richtung ausmalen, wie es in der Gegend aussieht, in die der Mensch eintritt, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist, wenn man die salbungsvollen Kanzelreden verfolgt — und jetzt folgen den Beispielen der Kanzelmenschen sogar schon die Politiker — mit ihren bequemen Vorstellungen über die geistige Welt, dann muß man ja einen lebendigen Begriff bekommen, wie weit die bequeme Eitelei gerade führender Gegenwartsmenschen von der Wirklichkeit entfernt ist. Wenn man die Reden solcher führenden Menschen — die aber in ihrem Leben sich gerade dadurch auszeichnen, daß sie so weit wie möglich vom Führen entfernt sind und daß sie von allen möglichen ihnen unbewußten Kräften geleitet werden, nur nicht gerade von den richtigen —, wenn man diese Reden vergleicht mit dem, was der Gegenwart notwendig ist, dann sieht man, wie ernst, wie unendlich ernst die Zeit ist.

[ 19 ] When one considers how comfortably some people make things for themselves—painting a picture for their fellow human beings, in one way or another, of what the realm looks like that a person enters once they have passed through the gates of death—and when one listens to the unctuous sermons from the pulpit—and now even politicians are following the examples of those preachers — with their convenient notions about the spiritual world—then one cannot help but gain a vivid sense of just how far the complacent vanity of today’s leaders is removed from reality. If one compares the speeches of such leading figures—who, however, are characterized in their lives precisely by the fact that they are as far removed from leadership as possible and that they are guided by all manner of forces of which they are unaware, just not by the right ones—if one compares these speeches with what is necessary for the present, then one sees how serious, how infinitely serious, the times are.

[ 20 ] An unsere physische Welt grenzt ja unmittelbar eine andere, eine übersinnliche. Niemals war das Hereinwirken dieser an unsere physische Welt angrenzenden metaphysischen Welt so intensiv wie in dieser Zeit. Nur merken es die Menschen nicht; sie merken es noch nicht einmal, wenn es furchtbar, schauerlich wird, wenn es einem die Seele umdreht. Es gehen heute Worte durch die Welt von so intensiv aufklärendem Charakter, daß eigentlich unzählige Menschen stutzig werden müßten. Sie werden es in der Regel nicht, wenigstens lassen sie sich nichts davon anmerken, daß sie es tun.

[ 20 ] Our physical world is, after all, directly bordered by another, a supersensible one. Never has the influence of this metaphysical world, which borders our physical world, been as intense as it is at this time. Only people do not notice it; they do not even notice it when things become terrible and horrifying, when it turns one’s soul inside out. Words are circulating throughout the world today that are so profoundly enlightening that countless people ought to be taking notice. As a rule, they do not—or at least they do not let on that they do.

[ 21 ] Einige Freunde werden sich erinnern, daß ich im Laufe der letzten drei Jahre öfter auf eines aufmerksam gemacht habe, daß, wenn man einmal in der Zukunft — gegenwärtige Kritiker taten das leider nicht, obwohl man es ganz gut könnte — die Geschichte dieses sogenannten Krieges schreibt, man nicht die gleiche Methode wird einschlagen können, durch die jenes Märchen, jene Legende, wie soll man es nennen, zustandegekommen ist, die man gegenwärtig als Geschichte bezeichnet. Zustandegekommen ist dasjenige, was da ist, dadurch, daß gelehrte Herren — so nennt es die Welt — monate-, jahrelang, jahrzehntelang sich in die Bibliotheken gesetzt haben, diplomatische Dokumente studiert haben, um Geschichte zu schreiben. Es wird die Zeit kommen müssen, wo von dieser Geschichte, die auf solche Weise zustandegekommen ist, der größte Teil Makulatur sein wird. Aber man wird die Geschichte der letzten Jahre gar nicht nach derselben Methode schreiben können, wenn man nicht geradezu verrückt ist. Denn diejenigen Dinge, die zu diesem Chaos geführt haben, die werden sich nicht ergeben für jene Menschen, die bisher Geschichte geschrieben haben, sondern für solche Menschen, die eine lebhafte Empfindung dafür haben, was es heißt, wenn einmal ein bedauernswerter Mensch der Gegenwart vor das Gericht gestellt wird und vor die Welt hinschleudern muß das traurige Wort als Zusammenfassung seines Zustandes: Da geschah dies, da geschah das, und in diesem Augenblick verlor ich den Verstand! — Suchomlinow, der bedauernswerte Mensch, hat diese Worte selbst gestanden: Da verlor ich den Verstand.

[ 21 ] Some friends will recall that, over the past three years, I have often pointed out that when, in the future—current critics, unfortunately, have not done so, although they quite could—the history of this so-called war is written, one will not be able to employ the same method by which that fairy tale, that legend—how shall one call it?—came into being, which is currently referred to as history. What exists today came about because learned gentlemen—as the world calls them—sat in libraries for months, years, and decades, studying diplomatic documents in order to write history. The time will inevitably come when the greater part of this history, which came about in such a way, will be waste paper. But one will not be able to write the history of recent years using the same method at all, unless one is downright crazy. For the events that led to this chaos will not reveal themselves to those who have written history thus far, but to people who have a vivid sense of what it means when a pitiful person of the present is brought to trial and must hurl before the world the sad words that sum up his condition: “This happened, that happened, and at that moment I lost my mind!” — Suchomlinov, the pitiful man, confessed these words himself: “That’s when I lost my mind.”

[ 22 ] Es haben mehr Leute in derselben Zeit den Verstand verloren, nicht er allein. Und was sind das für Augenblicke im Weltenlaufe, die nur angedeutet werden können dadurch, daß Menschen gestehen müssen, sie haben den Verstand verloren, was sind das für Augenblicke im Weltenlaufe? Das sind Augenblicke, wo Ahriman mit seinen Scharen den Zugang findet zum Menschengeschlechte und zum Menschengeschehen. Wenn der Mensch wacht über sein Bewußtsein, wenn dieses Bewußtsein in keiner Weise getrübt und herabgelähmt ist, dann können weder Ahriman noch Luzifer an dieses Bewußtsein heran. Wenn es aber herabgedämpft ist, wenn man nötig hat, für dieses Bewußtsein die Formel zu gebrauchen: Ich habe den Verstand verloren —, da betritt in diesem Moment Ahriman mit seinen Scharen das Weltengeschehen. Da geschehen Dinge, die nicht in diplomatische Dokumente geschrieben werden, in welche — das sei nur in Parenthese angeführt — in den letzten Jahrzehnten in der ganzen Welt wirklich recht wenig Vernünftiges hineingeschrieben worden ist. Aber abgesehen davon, was geschehen ist in unserer Zeit und was zu diesem Chaos geführt hat, das sind ja nicht Menschentaten allein, das sind vor allen Dingen Taten ahrimanischer Wesenheiten, die den Zugang versuchen durch Herabdämpfung des Bewußtseins der Menschen. Ich weiß, daß hier manche sitzen, die genau wissen, daß sie bald, nachdem die jetzige Weltkatastrophe hereingebrochen ist, von mir als Erklärung den Hinweis bekommen haben, daß, wenn man einmal darüber wird reden wollen, was diese Katastrophe herbeigeführt hat, man nicht wird reden dürfen aus Dokumenten heraus, sondern daß man wird nötig haben, diesen Weltenereignissen gegenüber auf solche Tatsachen hinzuweisen, durch die Geistig- Ahrimanisches den Zugang fand zum Menschengeschehen.

[ 22 ] More people lost their minds during that same period; he was not the only one. And what kind of moments are these in the course of world history—moments that can only be hinted at by the fact that people must admit they have lost their minds? What kind of moments are these in the course of world history? These are moments when Ahriman, with his hosts, finds access to the human race and to human events. When a person is vigilant over their consciousness, when this consciousness is in no way clouded or weakened, then neither Ahriman nor Lucifer can approach this consciousness. But when it is dulled, when one feels compelled to use the phrase “I have lost my mind” to describe this state of consciousness—at that very moment, Ahriman and his hosts enter the course of world events. Then things happen that are not recorded in diplomatic documents, in which—let me just mention this in parentheses—very little of substance has actually been written in recent decades throughout the world. But setting aside what has happened in our time and what has led to this chaos—these are not merely human deeds; they are, above all, the deeds of Ahrimanic beings who seek to gain access by dimming human consciousness. I know that there are some sitting here who know full well that, shortly after the current global catastrophe broke out, I explained to them that, when the time comes to discuss what brought about this catastrophe, one will not be permitted to speak on the basis of documents, but will need to point to those facts in relation to these world events through which the spiritual-Ahrimanic forces gained access to human affairs.

[ 23 ] Notwendig ist es nur, daß man diese Dinge mit dem gehörigen Ernst nimmt, daß man sich nicht bloß formelhaft abstrakt, sondern wirklich konkret darauf einläßt, diese Dinge als Realitäten zu nehmen. Mögen die Menschen, die von solchen Dingen nichts wissen, heute noch so sehr darüber spotten, daß gesagt wird: Ahriman fand den Zugang zu der Menschheitsentwickelung. — Wenn sich diese Menschen heute lustig machen über diejenigen, die so sprechen, wird aber die Weltgeschichte hohnlachen denjenigen, die sich heute darüber lustig machen!

[ 23 ] It is only necessary to take these things with the proper seriousness, to engage with them not merely in a formulaic, abstract way, but in a truly concrete manner, accepting them as realities. People who know nothing of such matters may mock the idea today—that Ahriman found his way into human evolution—as much as they like. But while these people may make fun of those who speak this way today, world history will laugh scornfully at those who mock them today!

[ 24 ] Man kann nicht sagen, daß das, was an der Oberfläche schwimmt, Urteile, Vorstellungen und Begriffe, in den letzten Jahren eine besondere Reife zeigt, wahrhaftig nicht! Man wurde nicht einmal verstanden, wenn man da oder dort vor anderthalb Jahren darauf hindeutete, daß etwas kommen könnte, was man sehr wachend beobachten sollte, was man nicht so einfach obenhin nehmen sollte. Wenn man dann das eine oder andere Konkrete anführte, wodurch man die Menschenseelen hinweisen wollte auf das, was da kommen würde: niemals wurde genügend wache Geistigkeit entwickelt, um den Hinweis in der rechten Weise aufzunehmen. Nun ist es da. Und man sieht, es wird nicht als etwas genommen, das in einem gewissen Boden tief, tief Wurzeln schlägt, sondern wie etwas, was man — nun ja, weil es in so und so viel Zeilen diese und jene Sätze hat — nach so und so viel Zeilen mit so und so viel Sätzen beurteilt, weil eben die Menschheit heute gar nicht darauf aus ist zu sehen, worin solche Sätze wurzeln, sondern weil man die Dinge einfach hinnimmt.

[ 24 ] One cannot say that what floats on the surface—judgments, ideas, and concepts—has shown any particular maturity in recent years; truly not! People weren’t even understood when, here and there a year and a half ago, one hinted that something might be coming that should be observed with great vigilance—something that shouldn’t be taken lightly. When one then cited one or two concrete examples intended to draw people’s attention to what was coming, sufficient spiritual alertness was never developed to receive the hint in the right way. Now it is here. And one sees that it is not taken as something that takes deep, deep root in a certain soil, but rather as something that—well, because it contains these and those sentences in so many lines—is judged after so many lines with so many sentences, precisely because humanity today is not at all inclined to see where such sentences are rooted, but simply accepts things as they are.

[ 25 ] Sie verstehen wahrscheinlich, was ich meine. Sie verstehen, daß ich mit dem, was ich seit anderthalb Jahren immer deutlicher heraufkommen sah, die römische Papstnote meine. Ich habe viel Umschau gehalten, ob ich irgendwo ein Urteil fände, das sich eigentlich anschließen müßte an diese Papstnote, eine Frage, die notwendigerweise in den Menschenseelen aufdämmern müßte. Bedenken wir nur, daß seit dem 16. Jahrhundert — wir haben ja darüber öfter gesprochen — dasjenige heraufdämmert, was man heute Staat nennt. Gewiß, jene merkwürdigen Menschen, die man heute an manchen Stellen der Welt Historiker nennt, die reden von den Staaten wie von etwas, was, ich weiß nicht wie lange, schon bestanden hat. Doch diese Historiker wissen wenig von der wirklichen Geschichte. Was heute im Staate lebt, ist nicht älter als vier- bis fünfhundert Jahre. Was vorher war, war etwas ganz anderes. Und es ist wichtig, dies zu wissen, dies sich wirklich klarzumachen. Das Sacerdotale, dasjenige, was in Rom lebt, ist wahrhaftig älter als die modernen Staaten und hatte zu seiner Zeit seine gute Berechtigung und hat manches in der Welt gewirkt. Ich habe gesucht, ob man etwa die Frage sich vorlegt: Was bedeutet es denn eigentlich für diese modernen Gebilde, die seit vier bis fünf Jahrhunderten entstanden sind, daß sie nicht die Möglichkeit finden, aus sich heraus zur Ordnung zu kommen, daß sie zu dem alten Sacerdotalen zurückblicken wie zu etwas, über das man so diskutiert, wie da und dort heute diskutiert wird?

[ 25 ] You probably understand what I mean. You understand that by “what I have seen emerging more and more clearly over the past year and a half,” I mean the papal encyclical. I have looked far and wide to see if I could find anywhere a judgment that would actually follow from this papal encyclical—a question that must necessarily dawn on people’s minds. Let us just consider that since the 16th century—we have, after all, spoken of this often—what we today call the state has been dawning. Certainly, those peculiar people whom we today call historians in some parts of the world speak of states as if they had existed for—I do not know how long. Yet these historians know little of real history. What lives in the state today is no older than four to five hundred years. What came before was something entirely different. And it is important to know this, to truly grasp it. The sacerdotal, that which lives in Rome, is truly older than the modern states and had its own valid justification in its time and has brought about many things in the world. I have been wondering whether one might ask the following question: What does it actually mean for these modern entities, which have emerged over the past four to five centuries, that they cannot find a way to establish order from within, that they look back on the old priestly tradition as something that is discussed in the same way it is discussed here and there today?

[ 26 ] Ich möchte wissen, ob jemand, der vor der Frage steht, ob er Schlittschuhlaufen soll, wenn das Eis nur ein Millimeter dick ist, ob sich der die Frage bejaht! Denn diejenigen Begriffe, welche die Menschen heute haben, um so etwas zu beurteilen, wenn Sacerdotales in das moderne Leben heute Impulse hereinwirft, die sind zu dem, um was es sich handelt, wie eine Eisschicht, die ein Millimeter dick ist, zu dem Wasser, das darunter ist. Und was die Menschen heute schreiben und reden, das gleicht dem Schlittschuhläufer auf einer Eisschicht, die nicht dicker als ein Millimeter ist, weil kein Mensch Verständnis sucht für die Dinge, die sich abspielen, weil kein Mensch Verständnis dafür sucht, daß es doch nicht darauf ankommt, ein Dokument in die Hand zu nehmen, um zu verfolgen, was da für Sätze stehen, sondern daß es vor allen Dingen darauf ankommt zu wissen, wie es etwas ganz anderes bedeutet, wenn der eine oder der andere Satz von da- oder von dorther kommt.

[ 26 ] I would like to know whether someone faced with the question of whether to go ice skating when the ice is only one millimeter thick would answer “yes”! For the concepts people have today to judge such a thing—when the sacred throws impulses into modern life—are, in relation to what is at stake, like a layer of ice one millimeter thick in relation to the water beneath it. And what people write and say today is like the ice skater on a layer of ice no thicker than a millimeter, because no one seeks to understand the things that are taking place, because no one seeks to understand that what really matters is not picking up a document to examine the sentences it contains, but that what matters above all is knowing how the meaning changes entirely depending on whether one sentence or another comes from here or there.

[ 27 ] Überall liegt heute die Notwendigkeit vor zu ermahnen, ernst zu ermahnen, nach Gründlichkeit zu suchen, zu suchen danach, wie die Dinge zusammenhängen, zu suchen nach den Wirklichkeiten und nicht nach dem äußeren Schein. Was verschlägt es denn, wenn sich wirklich heute einmal ein Mensch das Geständnis macht: Nun ja, da liegen Dinge vor. Ich verstehe sie noch nicht; ich will daher noch nicht dreinreden. — Es ist ja heute gar nicht zu verwundern bei dem unglaublich oberflächlichen Stand der allgemeinen Bildung, daß die Menschen alles verstehen können, über alles ein Urteil haben können. Aber das Geständnis, daß man über so etwas nicht urteilen kann, sondern vielleicht erst sich die Grundlagen schaffen muß, um zu einem Urteil zu kommen, das wird den heutigen Menschen so schwer. Ja, es fällt ihnen kaum ein, daß es nötig ist, sich erst Grundlagen zu einem Urteil zu schaffen.

[ 27 ] Everywhere today there is a need to admonish, to admonish earnestly, to seek thoroughness, to seek how things are connected, to seek the realities and not mere outward appearances. What’s the harm, after all, if someone were to admit today: “Well, here are the facts. I don’t understand them yet; therefore, I don’t want to weigh in on them just yet.” — Given the incredibly superficial state of general education today, it’s hardly surprising that people think they can understand everything and have an opinion on everything. But admitting that one cannot judge such matters—that one must perhaps first lay the groundwork in order to arrive at a judgment—is so difficult for people today. Indeed, it hardly occurs to them that it is necessary to first lay the groundwork for a judgment.

[ 28 ] Unendlich vieles hängt gerade für die nächste Zeit ab von einem wirklichen Verständnis der treibenden Kräfte, hängt ab davon, daß man wisse: Das Chaos wird wahrhaftig nicht kleiner, wenn es lassen Sie uns die Hypothese gebrauchen — dem Sacerdotalen gelingen sollte, eine Scheinordnung auch nur anzugeben. Das Irrtümlichste, dem man sich hingeben kann, das ist, wenn heute jemand sagen würde: Ach, gleichgültig, woher der Friede kommt, wenn er auch von dem Papst kommt! — Das Bedeutungsvolle ist, daß es ja unter Umständen natürlich nicht schaden könnte, wenn ein Friede von dem Papst käme, selbstverständlich nicht; aber es handelt sich dann darum, in welchem Sinne ihn diejenigen auffassen, die mittun.

[ 28 ] So much depends—especially in the immediate future—on a genuine understanding of the driving forces; it depends on knowing this: Chaos will truly not diminish if—let us use this hypothesis—the priestly class were to succeed in establishing even a semblance of order. The greatest error one can fall into is if someone were to say today: “Oh, it doesn’t matter where peace comes from, even if it comes from the Pope!” — The important point is that, under certain circumstances, it certainly wouldn’t hurt if peace came from the Pope—of course not; but the question then is in what sense those who are involved would interpret it.

[ 29 ] Immer wieder muß man sich klar vor die Seele stellen, wie diese unsere Zeit uns geradezu auffordert, stündlich, minütlich auffordert: Werde wach! — Allein Geisteswissenschaft, anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, wird heute nur derjenige verstehen, der in der Lage ist zu begreifen, daß die Menschheit vor einem EntwederOder steht: Entweder der Geist wird begriffen oder das Chaos bleibt. Ein überkleistertes Chaos würde nicht besser sein als das heutige blutige. Wenn wir nichts anderes haben in den nächsten Jahren als wieder und wieder Materialismus und vielleicht einen erhöhten Materialismus, wenn es etwa dazu kommen sollte, daß auf der Grundlage dessen, was jetzt in den letzten drei Jahren geworden ist und wovon sich die schlafende Menschheit noch keine Rechenschaft gibt, wenn auf dieser Grundlage ein neues Wettrennen nach materiellen Gütern entstehen sollte, wie es manche herbeisehnen als ein Ergebnis des Friedens, dann würden die Seelen wiederum durch die Todespforte gehen und das Lechzen haben nach Zerstörung hier. Die Zerstörung würde nicht aufhören.

[ 29 ] Time and again, we must clearly bring to mind how our times are literally calling on us—hour by hour, minute by minute—to wake up! — Yet today, only those who are able to grasp that humanity faces an either/or situation will understand spiritual science—specifically, anthroposophically oriented spiritual science: Either the spirit is understood, or chaos remains. A chaos covered up with a veneer of civilization would be no better than today’s bloody chaos. If we have nothing else in the coming years but materialism again and again—and perhaps an intensified materialism—if it should come to pass that, on the basis of what has developed over the last three years and of which sleeping humanity has not yet taken stock, a new race for material goods were to arise—as some long for as a result of peace— then souls would once again pass through the gate of death and yearn for destruction here. The destruction would not cease.

[ 30 ] Einzig und allein einen Begriff sich verschaffen, eine Empfindung, einen inneren Impuls sich verschaffen von der Notwendigkeit der Spiritualisierung: dann wird man in dem Maße, in welchem man sich das verschafft, weiiterkommen. Wer die Zeit ein wenig verstehen will und diese Zeit an so ernsten Wahrheiten mißt, wie wir sie schon oft und heute wiederum durch unsere Seelen haben ziehen lassen, der muß doch eine einigermaßen genügende Empfindung erhalten von all dem Furchtbaren, von all dem trostlos Trivialen und Oberflächlichen, was jetzt in der Welt geschrieben und gesagt wird.

[ 30 ] Simply gain an understanding, a sense, an inner impulse regarding the necessity of spiritualization: then, to the extent that one achieves this, one will make progress. Anyone who wishes to understand the times even a little and measures these times against such serious truths as we have often—and once again today—allowed to pass through our souls must surely gain a reasonably adequate sense of all that is dreadful, of all that is dishearteningly trivial and superficial, that is now being written and said in the world.

[ 31 ] Denken Sie sich eine Schar von Kindern, sie zerbrechen ihren Eltern Töpfe, Teller, Gläser, alles. Man sieht sie an und denkt nach, wie da Einhalt gebieten, da die Kinder immer wieder nach der Küche und nach der Speisekammer und überallhin laufen, wo es noch etwas Zerbrechbares gibt. Endlich kommt man darauf, wie man dem Einhalt gebieten kann. Eine Anzahl von Menschen, die da zuschauen, die sogar die Erzieher der Kinder sein wollen, kommen darauf: Sie sorgen dafür, daß alles Zerbrechliche geholt und zerschlagen wird, bis gar nichts mehr da ist. Dann wird nichts mehr zerbrochen, dann ist es mit dem Zerbrechen zu Ende! — Ich weiß nicht, wie viele Menschen es geben wird, die nicht solche Erzieher für Toren halten würden. Da würde man das ja wohl einsehen. Wenn aber weise sich dünkende Menschen durch die Welt tönen: Man muß so lange blutige Kriege führen, bis der Friede da ist, man muß erst alles kaputtmachen, damit über die Erde hin kein Kaputtmachen mehr möglich ist —, dann sieht man das für Weisheit an. So lange morden, als es nur geht, um das Morden abzuschaffen, um das Morden zu bekämpfen, das ist Weisheit!

[ 31 ] Imagine a group of children breaking their parents’ pots, plates, glasses—everything. You watch them and wonder how to put a stop to it, since the children keep running back to the kitchen, the pantry, and everywhere else where there’s still something breakable. Finally, you figure out how to put a stop to it. A number of people watching—who even claim to be the children’s educators—come up with the idea: They make sure that everything breakable is brought out and smashed until there’s nothing left. Then nothing more will be broken; then the breaking will be over! — I don’t know how many people there would be who wouldn’t consider such educators to be fools. One would surely understand that. But when people who consider themselves wise proclaim to the world: “We must wage bloody wars until peace is achieved; we must first destroy everything so that no further destruction is possible on earth”—then this is regarded as wisdom. To murder for as long as possible in order to abolish murder, to combat murder—that is wisdom!

[ 32 ] Für den, der noch ein Fünkchen Logik empfinden kann, ist das nicht mehr Weisheit, als wenn der Erzieher einer Kinderschar sagt: Damit nur ja nichts mehr zerbrochen wird, lasse ich schnell alles noch herbeischaffen, damit das letzte Stück auch noch zerbrochen wird, und dann wird wohl nichts mehr zerbrochen werden. — Warum nennen die Leute das letztere Torheit, das erstere Zukunftspolitik? Weil der Menschen Gedanken heute da aufhören, wo sie gerade am intensivsten werden sollten: wo sich diese Gedanken auf die großen Schicksalsfragen beziehen.

[ 32 ] For anyone who can still muster a spark of logic, this is no wiser than if a teacher were to say to a group of children: “To make absolutely sure nothing else gets broken, I’ll quickly have everything brought in so that the very last piece gets broken too, and then surely nothing else will be broken.” — Why do people call the latter folly and the former forward-looking policy? Because people’s thoughts today stop right where they should be most intense: where these thoughts relate to the great questions of destiny.

[ 33 ] Davon wollen wir dann morgen weiter sprechen und einige ernste, spirituelle Wahrheiten miteinander behandeln.

[ 33 ] We’ll talk more about this tomorrow and explore some serious, spiritual truths together.