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The Rudolf Steiner Archive

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The Spiritual Backgrounds of the Outer World
The Fall of the Spirits of Darkness
GA 177

21 October 1917, Dornach

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Elfter Vortrag

11. Recognizing the Inner Human Being

[ 1 ] Meine lieben Freunde! Es werden voraussichtlich in Zürich von mir Vorträge gehalten werden. Es steht noch nicht ganz fest, weil jetzt die Säle so außerordentlich besetzt sind und nur wenige Säle zur Verfügung stehen, aber wenn der Saal zu haben ist, werden wahr scheinlich vier Vorträge stattfinden, die zusammenhängend sein werden, und zwar am 30. Oktober und 1. November und am 6. und 8. November. Dazwischen wird dann immer ein Zweigvortrag sein. Also zweimal an drei Tagen in Zürich: am ersten und dritten Tag jeweils ein öffentlicher Vortrag und dazwischen ein Zweigvortrag. Es ist in Aussicht genommen, daß diese öffentlichen Vorträge so eingerichtet werden, daß sie ein Bild geben des Verhältnisses von Anthroposophie zu den verschiedenen Wissenschaften. Es wird sich zeigen, ob gerade in dieser für wissenschaftliche und Kulturbestrebungen so vielfach zentral gelegenen Stadt Zürich dadurch etwas zu erreichen ist, daß man vier solche zusammengehörige Vorträge hält. Sie sollen, wie ich eben mit Herrn Professor Gysi besprochen habe, folgende Themen haben:

[ 1 ] Not translated

1. Anthroposophie und Seelenwissenschaft. Geisteswissenschaftliche Ergebnisse über die menschlichen Seelenfragen.
2. Anthroposophie und Geschichtswissenschaft. Geisteswissenschaftliche Ergebnisse über die Menschheit und ihre Kulturformen.
3. Anthroposophie und Naturwissenschaft. Geisteswissenschaftliche Ergebnisse über die Natur und den Menschen als Naturwesen.
4. Anthroposophie und Sozialwissenschaft. Geisteswissenschaftliche Ergebnisse über Recht, Moral und soziale Lebensform.

Not translated

[ 2 ] Nun ist Jetzt eine große Schwierigkeit vorhanden, die darin besteht, daß man in Zürich sehr schwer unterkommt. Frieren muß man ja doch jedenfalls. Aber es kann sein, daß man nicht einmal eine Stätte für das Frieren bekommt, da Zürich außerordentlich übervölkert ist. Daher wird es notwendig sein, daß diejenigen Freunde, die von auswärts nach Zürich kommen, sich beizeiten darum kümmern, daß sie dort, wenn auch frierend, unterkommen können. Das andere ist, daß Herr Professor Gysi genötigt ist — oder überhaupt unsere Zürcher Freunde —, für die Zweigvorträge für ein Lokal zu sorgen, wenn der Besuch von auswärts ein reger ist. Diejenigen Freunde, die jetzt schon sagen können, daß sie mitkommen nach Zürich, wenn diese Veranstaltungen sein werden, die werden gebeten, die Hand zu erheben, damit Herr Professor Gysi sich ein Bild machen kann, ob in dem jetzt zur Verfügung stehenden Zweiglokal die Zweigvorträge stattfinden können oder ob es zu klein ist.

[ 2 ] Not translated

[ 3 ] Mein Bestreben war in diesen Betrachtungen und muß es auch weiterhin sein, nach den verschiedensten Seiten verständlich zu machen, inwiefern der Mensch in der Gegenwart und in der nächsten Zukunft sich in eine Kulturepoche hineinlebt, die besondere Anforderungen an die verschiedenen Zweige des Lebens stellen wird. Ich habe versucht, aus Vorgängen, die in den Tiefen des geistigen Lebens liegen, verständlich zu machen, was eigentlich übersinnlich, aber deshalb nicht minder wirksam — ja gerade für unsere Zeit sehr wirksam — sich vollzieht und was immer deutlicher eingreifen wird in alles Leben, in alle Kulturformen, in alles soziale Zusammensein der Menschen. Wir haben entgegennehmen können aus diesen Betrachtungen, daß eine gewisse Verinnerlichung der menschlichen Seelennatur stattfinden wird.

[ 3 ] The aim of these talks has been, and must continue to be, to show from all kinds of different aspects how people today and in the near future are moving into a period of civilization which will make special demands in different spheres of life. Speaking of processes deep down in the life of the spirit, I have sought to show what is happening today supersensibly, but all the same with powerful effect especially in the present time and which will influence the whole of human life, the whole of culture and the whole social sphere. We have been able to gather from these considerations that human soul nature will essentially become more inward.

[ 4 ] Wenn man dieses ausspricht, eine Verinnerlichung der menschlichen Seelennatur werde Platz greifen, so darf nicht verkannt werden, daß diese Verinnerlichung, in gewissem Sinne durch all die schon betrachteten und noch zu betrachtenden Verhältnisse bedingt, vielfach parallelgehen wird mit einer Veräußerlichung auf intellektuellem Gebiete, auf dem Gebiet äußerer Wissenschaft und so weiter. Wir müssen eben durchaus in Betracht ziehen, daß in der Wirklichkeit niemals die Entwickelung so einförmig geschieht, wie es sich die moderne naturwissenschaftliche Evolutionslehre gern vorstellen möchte. Ihre Vorstellung ist ja nicht unrichtig; aber Vorstellungen, die richtig, aber einseitig sind, rufen oftmals größere Verwirrung hervor als direkt unrichtige Vorstellungen. Diese Vorstellung geht dahin, einfach eine gradlinige Entwickelung vom unvollkommenen Wesen bis herauf zum Menschen anzunehmen. So ist es aber nicht, sondern die Entwickelung der Menschheit und auch die Entwickelung der außermenschlichen Welt, sie sind so, daß immer einer mehr äußerlichen Strömung eine innerliche entspricht, so daß man sagen kann: Wenn eine Zeitlang äußerlich vielleicht eine Strömung vorhanden ist, so geht parallel dieser äußerlichen Strömung eine innerliche Strömung (siehe Zeichnung). Äußerlich ist vielleicht diese Strömung mehr materiell oder materialistisch, innerlich ist sie mehr spirituell oder spiritualistisch. Dann wiederum tritt mehr eine spiritualistische an der Oberfläche auf, und die materialistische oder materielle geht in den verborgenen Tiefen des Menschenwesens vor sich. Dann wiederum kehrt sich die Sache um: Es tritt dann in das Innere die spirituellere Richtung und an die Oberfläche die materielle oder materialistische.

[ 4 ] When it is said that human soul nature will become more inward we must not fail to realize that this growing inwardness will, in many instances, go hand in hand with people becoming more superficial in their intellect, for instance with regard to the sciences. This will be due to the circumstances we have already considered and others which are still to be considered. It really has to be taken into account that, in reality, evolution is never as consistent as those who present the modern scientific theories of evolution would like it to be. Their ideas are not incorrect; yet ideas which are biased, even if correct, will often cause greater confusion than completely wrong ideas. They assume simple linear evolution from incomplete life-forms all the way to the human being. This is not how it is, however, for in the evolution of humanity and also of the world outside the human being, a more outward stream is always complemented by an inner one. Thus we are able to say: if a particular stream continues for some time in the outside world, an inner stream will run parallel to it (see Fig. 11a). This stream may be more material or materialistic on the outside, whilst inwardly it is more spiritual or spiritualistic. Then a more spiritualistic stream comes to the surface and the materialistic or material stream goes down into the hidden depths of human nature. And then the situation is reversed again: the more spiritual line goes inward and the material or materialistic one comes to the surface.

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[ 5 ] Also gerade in dieser Zeit, die uns bevorsteht, wo das äußere Leben recht sehr verlaufen wird im Sinne der roten Linie hier (siehe Zeichnung), im Sinne materiellen Geschehens und materieller Empfindungen und Auffassungen, wird in den Tiefen der Menschenseele eine Vergeistigung stattfinden. Und das kann so sein, daß die Menschen vielleicht gar nichts wissen wollen von dieser Vergeistigung, aber stattfinden wird sie doch.

[ 5 ] In the time immediately ahead of us, outer life will very much follow the course shown by the red line here (see Fig. 11a) where material events and material attitudes and considerations are concerned, and the depth of the human soul will be more spiritual. It may well be that people do not even want to know about this growing spiritual inwardness; but it will happen nevertheless.

[ 6 ] Wenn Sie so recht diese Sache vor Ihre Seele stellen, dann bekommen Sie die Möglichkeit, zwei Dinge gehörig zu betrachten, die außerordentlich wichtig für die Zukunft sein werden. Bedenken Sie, daß wir gestern gesagt haben: Mit dem Jahre 1879 sind ahrimanische Mächte besonderer Art aus den geistigen Höhen in das Reich der menschlichen Entwickelung hinuntergestiegen, namentlich der menschlichen Geistes- und Seelenentwickelung. Diese Mächte sind einmal da, die leben zwischen uns. Sie haben vorzugsweise, wie wir gehört haben, das Bestreben, sich unserer Köpfe zu bemächtigen, sich desjenigen zu bemächtigen, was wir denken, was wir empfinden. Es sind engelartige Wesen, sagte ich, die ihre Entwickelung nicht mehr in der geistigen Welt finden können und die die Menschenköpfe benützen wollen, um ihre Entwickelung in der nächsten Zeit fortzusetzen. Da wird es ganz besonders notwendig sein, daß diese (siehe Zeichnung, blaue Linie) geheime, diese okkulte Seelenentwickelung, die vielleicht manche Menschen gar nicht bewußt ins Auge fassen wollen, bei der es ihnen am liebsten wäre, wenn sie unten bliebe und sie sich nur mit materiellen Dingen zu beschäftigen brauchten, daß diese okkulte Seelenentwickelung ja ins Auge gefaßt werde. Denn wird sie nicht ins Auge gefaßt, dann bemächtigen sich gerade dieser Verinnerlichung des Menschen die ahrimanischen Mächte, um die es sich handelt. Das ist das eine, was berücksichtigt werden muß. Wir müssen gefaßt sein auf die Gefahr der nächsten Kulturentwickelung, daß gerade in dem, was unser heiligstes inneres Menschliches sein muß, Wache gehalten werden muß gegenüber den Einflüssen ahrimanischer Mächte.

[ 6 ] If you really dwell on this in your soul, you will be able to give due consideration to two aspects which will be extraordinarily important for the future. Remember we said yesterday that in 1879 ahrimanic powers of a special kind descended from the heights of the spirit into the realm of human evolution, and specifically into the evolution of the human intellect and soul. These powers are here, they are living among us. They seek above all to take possession of our heads, of anything we think and inwardly feel. They are angelic Spirits, I said, who cannot continue their development in the spiritual world and want to use human heads to continue to develop in the immediate future. It is therefore particularly important that this line (blue line in Fig. 11a) of secret, hidden soul development is given due attention. As I have told you, many people probably do not want to give it conscious attention; they would far rather it stayed down below, so they need only concern themselves with material things. If it is not given attention, those ahrimanic powers will take hold of this very process of growing inwardness. This is one thing we must take into account. We must be ready to face the danger soon to come in the evolution of civilization, and stand guard in our most holy, inner human reality against the influences of ahrimanic powers.

[ 7 ] In der nächsten Zeit werden die Erziehungsfragen ganz besonders wesentlich und bedeutungsvoll werden. In keinem andern Menschenalter als in dem der Kindheit und Jugend wird das Verinnerlichte der menschlichen Seele so bedeutungsvoll werden, wie das in der nächsten Zeit eben sein kann. Man kann es vielleicht heute gar noch nicht glauben, aber es hat schon längst die Zeit begonnen, von der man sagen kann: Kinder und jugendliche Menschen stehen uns so gegenüber, daß dasjenige, was sie äußerlich zeigen, was sie darleben, nicht das Wesentliche ist. Es ist das Rote hier (siehe Zeichnung), aber neben diesem Roten verläuft das Blaue, verläuft ein verborgenes Inneres, und dieses verborgene Innere, das müssen wir gar sehr ins Auge fassen. Das darf der Erzieher nicht aus dem Auge lassen, wenn er es nicht an die ahrimanischen Mächte abgeben will. In vieler Beziehung wird Erziehung und Unterricht in der nächsten Zeit etwas ganz anderes werden müssen, als man es sich heute vorstellt. Denn woraus sind denn eigentlich die Grundsätze unseres gegenwärtigen Erziehungs- und Unterrichtswesens geflossen?

[ 7 ] Educational issues will be particularly significant in the immediate future. The inwardness of the human soul will be most significant during childhood and youth in the near future. Perhaps it is difficult to believe this today, but the time has long since come for us to say: the children and young people we see do not show their true nature in what we see on the outside. We see the red line here (see Fig. 11a), but beside it runs the blue one, a hidden inner life to which we must pay real attention. Teachers must pay attention to it, lest they surrender it to the ahrimanic powers. Education and training will have to change completely in many respects in the near future.

[ 8 ] Gewisse Dinge hinken immer nach in der Weltenordnung. Im 18. Jahrhundert griff ganz besonders Platz, was man die Aufklärung nannte. Man wollte im 18. Jahrhundert sogar eine Art Vernunftreligion begründen, eine Religion, die bloß auf das menschliche Nachdenken, auf den «Hungerleider» unter den Wissenschaften sich stützt, darauf Rücksicht nimmt, wie ich es in den öffentlichen Vorträgen in Basel ausgeführt habe. Und die Art, wie man sich dem heranwachsenden Menschen gegenüber in Erziehung und Unterricht benehmen will, ist ganz aus dieser Vernunftströmung heraus aufgebaut: nur ja alles so machen, daß das Kind es gleich versteht, daß das Kind nirgends etwas Tieferes in dem erlebt, als es schon verstehen kann.

[ 8 ] Let us consider the origin of the principles in our present system of education and training. Certain things always lag behind in the cosmic order. ‘Enlightenment’, as it was called, was a special feature of the eighteenth century. People even wanted to establish a kind of rational religion based only on human reflection, on the starveling among the sciences, as I have said in my public lectures in Basle.1Lectures given in Basle on 18 and 19 October 1917. See Note 8, lecture 10. The way people feel they must behave towards growing children and young people in education and training has entirely come out of this stream of rationality: always do everything in such a way that the child can immediately understand; children should never experience anything deeper than they are able to understand.

[ 9 ] Man wird einsehen müssen, daß man damit am allerwenigsten für das Leben eines Menschen sorgt. Dadurch kommt man nämlich in ein sehr verhängnisvolles Extrem des menschlichen Lebens hinein. Denken Sie doch nur einmal: Wenn man sich nun so recht bemüht, an das Kind nichts anderes heranzubringen, als was seinem kindlichen Verständnis entspricht, was es fassen kann, dann gibt man ihm keine Wegzehrung für das spätere Leben mit, denn später soll es ja ein tieferes Verständnis haben. Man sorgt gewissermaßen dafür, daß es sein ganzes Leben nichts anderes hat als ein kindliches Verständnis, wenn man sich nur an das kindliche Verständnis im Kindheitsalter wendet. Es hat das auch schon seine Früchte getragen, und sie sind auch danach! Ein großer Teil unseres heutigen Denkens der sich so sehr weise und aufgeklärt dünkenden Kulturmenschheit beruht darauf, daß dieses Denken kindsköpfig geblieben ist. Man wird selbstverständlich auf dem Gebiete unseres Zeitungswesens nicht zugeben, daß da zum größten Teil kindsköpfisches Denken waltet, aber es ist doch so. Und das hängt im wesentlichen damit zusammen, daß man sich nur an das kindliche Verständnis wendet. Dann bleibt dieses kindliche Verständnis das ganze Leben hindurch. Ein ganz anderes muß Platz greifen: Erfüllen müssen wir unsere Seelen, namentlich als Erzieher, mit der Empfindung, mit dem Bewußtsein, daß in dem Kinde ein geheimnisvoll Verinnerlichtes waltet und daß man heranbringen muß an das kindliche Gemüt vieles von dem, was erst im späteren Leben, nicht schon im kindlichen Alter, verständlich ist, was man dann im späteren Leben herausholt aus der Erinnerung und sich sagt: Das hast du dort gehört, das hast du da aufgenommen; jetzt bist du erst so gescheit, manches zu verstehen. Durch nichts wird in der Zukunft das Leben der Menschen gesünder werden als dadurch, daß sie viel aus den Mitteilungen, aus den Offenbarungen des Kindheitslebens herausholen können in der Erinnerung und es dann erst verstehen können.

[ 9 ] It will have to be realized that this is the worst possible way of providing for the life of a human being, for it takes us to a truly disastrous extreme in human life. Just consider this: if we make every effort to give children only such things as are in accord with their level of understanding, things they can grasp, we do not give them anything for later life when they are supposed to have deeper understanding. Care is taken, so to speak, to ensure that for the whole of their lives they have nothing but the understanding of a child. This approach has already borne fruit, and the fruits are what you would expect! Much of the thinking in our present-day civilized world, where people consider themselves to be so wise and enlightened, remains at a childish level. No one in the newspaper world is, of course, going to admit that the thinking in their world is largely childish, but it is true nevertheless. Essentially this is connected with the fact that only the child's understanding is addressed. This then remains the same throughout life. Something quite different will have to be done: we must fill our souls, especially if we are educators, with the inner awareness, the consciousness, that a mysterious inwardness reigns in a child and we must present to the child's heart and mind much that will only be understood later on in life, not in childhood. Later in life they can then recall these things from memory and say to themselves: this is something you heard or learned on that occasion; now at last you are able to understand many of these things. Nothing will be better for the soundness of human life in the future than for individuals to recall things they were told in childhood, and then be able to understand them.

[ 10 ] Wenn sie so mit sich leben können, die Menschen, daß sie heraufholen aus der Erinnerung, was sie damals noch nicht verstehen konnten, dann wird das eine Quelle gesunden inneren Lebens werden. Jene Verödung wird von den Menschen fern bleiben, die heute so vielfach die Gemüter ergreift und sie leer macht und in die Sanatorien leitet, damit sie dort von außen irgend etwas in die Seelen hineinbekommen, die von innen leer geblieben sind, weil gerade die Erziehung es daran hat fehlen lassen, irgend etwas in diese Seelen hineinzubringen, an das später erinnert werden kann.

[ 10 ] When people are able to live with themselves in such a way as to recall from memory the things they could not understand before, this will be the source for a healthy inner life. People will be spared the inner emptiness which enters into so many hearts and souls today, and causes them to end up in institutions. There, souls which have remained empty and barren inside because education has failed to give them anything that can be recalled later on in life may be offered something from outside.

[ 11 ] Diese Betrachtungen muß man eigentlich im Zusammenhang mit einer andern ins Auge fassen. Unsere Gegenwart hat durch all diese Umstände, die ich dargelegt habe in der letzten Zeit, eigentlich ganz das Bewußtsein davon verloren, daß zwischen den Menschen und dem Weltenall ein Zusammenhang, ein inniger Zusammenhang ist. Der Mensch glaubt heute, daß er über die Erde hingeht oder im Eisenbahnzug über die Erde hinfährt als dieses Stück Fleisch, das er einmal ist. Gewiß, er wird es nicht immer zugeben, aber der reale Inhalt seiner Gedanken ist nicht viel anders. Das ist aber nicht so. Der Mensch steht mit dem ganzen Weltenall in inniger Verbindung. Und es ist gut, sich das einmal durch eine Erwägung klarzumachen.

[ 11 ] Something else needs to be considered in this context. Because of the circumstances I have spoken of in recent times, people of our present age have lost awareness of the close connection between human beings and the universe. People today believe they are just hunks of meat walking on this earth or travelling in a railway carriage. They will not always admit this, of course, but this is in fact what they have in mind. It is not true, however. Human beings are closely bound up with the whole universe. And it is good to bring this clearly to mind again by considering the following.

[ 12 ] Betrachten Sie einmal die Erde. Um die Erde herum bewegt sich der Mond; das sei die Mondbahn (punktierter Kreis). Die Erde ist wahrhaftig nicht dieses abstrakte mineralische Wesen, von dem unsere heutige Mineralogie, Geologie, Physik träumt. Sie ist ein sehr lebendiges Wesen, und wir könnten viele Lebensformen mit Bezug auf die Erde betrachten. Wir wollen jetzt nur ins Auge fassen, daß um die Erde herum fortwährend Strömungen gehen. Diese Strömungen gehen nach allen möglichen Richtungen um die Erde herum. Sie sind ätherisch-geistiger Art, und sie haben einen realen, substantiellen Wirkensfaktor in sich. Da ist etwas in diesen Strömungen fortwährend darinnen (es werden Punkte hineingezeichnet).

[ 12 ] Consider the Earth. The Moon moves around it; let us say this is the orbit of the Moon. The Earth is, of course, anything but the abstract mineral entity imagined by modern mineralogists, geologists and physicists. It is very much alive, and we can observe many forms of existence in connection with the Earth. For the moment, let us merely consider the currents which move around the Earth all the time. They move around it in all kinds of directions. They are etheric and spiritual by nature and have a real, substantial effect. Something is always present in these currents.

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[ 13 ] Nun ist es gut, ins Auge zu fassen, woher diese Strömungen rühren. Wir werden diese Dinge im Laufe der Zeit noch näher betrachten; ich will heute nur einiges präliminarisch angeben. Wenn Sie meine «Geheimwissenschaft im Umriß» studieren, so werden Sie dort finden, daß in sehr alten Zeiten die Erde mit der Sonne ein Körper war. Das, was heute unsere Erde ist, ist ja nur herausgeschieden aus der Sonne. Diese Strömungen sind aus dem Sonnenleben zurückgeblieben; das ist noch Sonnenleben in der Erde. Die Erde wird also noch durchströmt vom Sonnenleben. Aber auch der Mond war mit der Erde ein Körper. Und was heute als Mond die Erde umkreist, das hat auch Strömungen in sich. Das sind wiederum diejenigen Strömungen, die aus einer späteren Zeit, aus der Mondenentwickelung, geblieben sind. Da haben wir zweierlei Strömungen, die wir bezeichnen als Sonnenströmungen und als Mondenströmungen. Dies sind zwei ganz verschieden voneinander verlaufende Strömungen; sie sind da als lebendige Wirklichkeit.

[ 13 ] It is good to consider the source and origin of these currents. We shall be going into more detail as time goes on; for today I merely want to make some preliminary statements. If you read my Occult Science you will find that in very early times the Earth and the Sun were one. Our present-day Earth has been eliminated from the Sun. These currents are remnants from the life of the Sun; Sun life is still present in the Earth.

[ 14 ] Denken Sie sich einmal ein Wesen, das auf der Erde herumwandelt, das durchströmt ist von diesen Wesenheiten, von diesen Strömungen (es wird gezeichnet). Nehmen wir an, ein Wesen, das in einer bestimmten Weise über die Erde wandelt, sei durchströmt von solchen Strömungen des Sonnenlebens. Die Strömungen des Sonnenlebens, die heute noch da sind, können leicht durch dieses Wesen hindurch. Nehmen wir an, ein anderes Wesen wäre aber anders konstruiert; es wäre so konstruiert, daß diese Sonnenströmungen von der einen Seite her durch dieses Wesen gehen, von der andern Seite her aber die Mondenströmungen. Die Sonnenströmung geht eigentlich, weil sie nicht an den Ort beschränkt ist, durch alles hindurch und kann dieses Wesen nach der einen Richtung durchströmen (es wird gezeichnet). Es kann also Wesen auf der Erde geben, die nur nach der einen Richtung, von der Sonnenströmung, durchströmt sind, und es kann Wesen auf der Erde geben, die nach der einen Richtung von der Sonnenströmung, nach der andern Richtung von der Mondenströmung durchströmt sind (es wird gezeichnet).

[ 14 ] Yet the Moon, too, was one with the Earth in the past. And the Moon which orbits the Earth today also has currents within it. Those currents are remnants from a later time, from Moon evolution. We thus have two kinds of currents and we may call them Sun currents and Moon currents. They take quite a different course, and they are a living reality. Let us assume a creature walking this Earth in a certain way has Sun currents passing through it; these pass through easily. Let us assume another creature is constructed in a different way, so that the Sun currents pass through it coming from one side and Moon currents from the other. Sun currents are not limited to specific places and actuality pass through everything; they can therefore pass through this creature in one direction. Thus there can be creatures on Earth who have only the Sun current passing through them in one direction, and there may be others who have the Sun current pass through them in one direction and the Moon current in another.

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[ 15 ] Wesen, die nur von der Sonnenströmung durchströmt werden können, das sind die Tiere. Stellen Sie sich ein vierfüßiges Tier vor: das geht über die Erde so, daß sein Rückgrat im wesentlichen parallel der Erdenoberfläche ist. Da kann immerfort die Sonnenströmung, die jetzt Erdenströmung geworden ist, durch dieses Rückgrat ziehen. Dieses Wesen ist also erdenverwandt.

[ 15 ] Animals are creatures which can only have the Sun current going through them. Imagine a four-legged animal: as it walks, its backbone is essentially parallel to the Earth's surface. The Sun current, which has now become an Earth current, can continually pass through this backbone. This creature, then, is related to the Earth.

[ 16 ] Beim Menschen ist das anders. Der Mensch hat innerhalb seiner Leiblichkeit diejenige Lage, die das Tier hat, nur mit Bezug auf sein Haupt. Wenn Sie sich die Linie denken vom Hinterkopf nach der Stirne, dann ist diese Linie in der Richtung, in der das Tier sein Rückgrat hat; da geht dieselbe Sonnenströmung durch das Haupt hindurch. Dagegen ist das menschliche Rückgrat herausgehoben von den Strömungen, die parallel zur Erde gehen, von der ErdenSonnenströmung. Dadurch, daß es herausgehoben ist, kommt der Mensch in die Lage — das hängt natürlich sehr von der geographischen Breite und so weiter ab, aber dadurch sind die Menschen auch verschieden —, daß unter bestimmten Verhältnissen die Mondenströmung durch ihn hindurchgeht, jetzt aber nicht durch seinen Kopf, sondern durch sein Rückgrat. Das ist ein gewaltiger Unterschied zwischen dem Tier und dem Menschen. Was bei dem Tiere vom Kosmos durchs Rückgrat geht, geht beim Menschen durch den Kopf; was bei dem Tier, so wie die Tiere heute sind, überhaupt zunächst keinen Angriffspunkt hat, die alte Mondenströmung, das geht bei dem Menschen durchs Rückgrat. Daß eine Verwandtschaft ist zwischen dem menschlichen Rückgrat, sogar in seinem Bau, und der Mondenströmung, das möge Ihnen daraus hervorgehen, daß der Mensch ungefähr — warum das nur ungefähr ist, darauf werden wir auch in der späteren Zeit einmal zurückkommen —, so viele Rückenwirbel hat als der Monat Tage: achtundzwanzig bis einunddreißig Rückenwirbel hat er. Das gesamte Rückenmarksleben, überhaupt das Brustleben des Menschen, hängt mit dem Mondenleben innig zusammen. Und unter dem Sonnenleben, das in Schlafen und Wachen abläuft, vierundzwanzigstündig, liegt verborgen das rhythmische Mondenleben für den Menschen.

[ 16 ] It is different with human beings. In the living human body only the head has the position held by animals. Think of a line drawn from the back of the head to the forehead—it is the direction of the animal's backbone, and the same Sun current passes through the head. The human backbone, on the other hand, is lifted out of the currents which run parallel to the Earth, including the Sun current which has become Earth current. Being lifted out, human beings are in a position (this does, of course, depend a great deal on the geographical latitude and so on, but it is also what makes people different from each other) where under certain conditions the Moon current goes through them; not through the head, however, but through the backbone. The difference between animals and humans is tremendous. The cosmic current which passes through the animal backbone passes through the human head; the old Moon current, which does not relate to anything in the animal, passes through the human backbone. The human backbone even reflects its relationship to the Moon current in its composition, for human beings have approximately as many vertebrae as there are days in a month, between 28 and 31 vertebrae. The reason why the figure is only approximate will be considered at a later time. The whole life of the human backbone, and indeed of the human breast, is intimately bound up with the life of the Moon. Hidden beneath the life of the Sun, which relates to sleeping and waking and takes 24 hours, lies the rhythmical life of the Moon.

[ 17 ] Das ist eine elementarische Betrachtung des Zusammenhanges zwischen dem Menschen und dem gesamten Weltenall. Denn geradeso wie die Strömungen, die durch das menschliche Rückgrat gehen, in der Strömung verlaufen, die mit dem Mondenleben zu tun hat, so verlaufen wiederum andere Strömungen in dem Menschen, die mit den andern Planeten unseres Sonnensystems zu tun haben. Das alles sind höchst reale Dinge. Aber die heutige naturwissenschaftliche Weltanschauung ist ganz von diesen Dingen abgekommen, kommt gar nicht mehr darauf, diese Zusammenhänge zu betrachten. Daher hat sie auch kein Gefühl dafür, wie beim Menschen ein Wesentliches gerade darinnen besteht, daß zu dem äußerlichen, bewußten Erdenleben ein unterbewußtes Leben hinzukommt, das zusammenhängt mit seinem Brustleben, das aus geheimnisvollen Seelentiefen heraufkommt, das aber besonders berücksichtigt werden muß in solchen Zeiten, wie diejenige ist, die jetzt kommt, und das besonders berücksichtigt werden muß im Erziehungswesen aus dem Grunde, weil sonst eben die gegnerischen, die ahrimanischen Mächte sich dieses Lebens bemächtigen. Und es wäre sehr verhängnisvoll, wenn der Mensch nicht achtgeben würde darauf, daß sich ein Teil seines Seelenlebens, das sich gerade verinnerlichende, das «blaue» Leben, um es nach dem Bilde (siehe «blaue» Zeichnung auf $. 195) zu sagen, in der Gefahr befindet, den ahrimanischen Mächten zu verfallen, wenn es nicht vollbewußt aufgenommen und durch solche geisteswissenschaftliche Erkenntnisse vertieft wird, die es gewagt haben, auch über dasjenige etwas zu sagen, was der äußeren Wissenschaft verborgen bleiben muß.

[ 17 ] This is a basic reflection on the relationship between the human being and the whole universe. For just as the currents passing through the human backbone are part of the current which relates to the life of the Moon, so other currents in the human being relate to the other planets in our solar system. All these things are utterly real. In modern science they have been completely abandoned, and no one even ventures to consider these relationships. In consequence, scientists are not able to appreciate that the conscious human life which is outwardly apparent here on Earth goes hand in hand with an unconscious life which is connected with the human breast and arises from mysterious inner depths. This must be especially taken into account in times like those which lie ahead; it must be especially taken into account in the sphere of education, for otherwise the adversarial ahrimanic powers will take hold of the unconscious life. It would be utterly disastrous if people were to fail to note that part of their inner life, the part which is in the process of becoming more inward—the blue line in the diagram—is in danger of falling prey to the ahrimanic powers, unless it is taken up in full consciousness and deepened through the insights of a spiritual science in which courage is taken actually to say something about realities which outer science is unable to discover.

[ 18 ] Das aber muß in ganz konkreten Verhältnissen berücksichtigt werden. Nehmen Sie die äußere Wissenschaft — welchen Weg nimmt sie? Sie nimmt immer mehr den Weg nach allerlei Abstraktionen hin, sie wird sogar am nützlichsten dadurch, daß sie den Weg nach allerlei Abstraktionen hin nimmt. Diese Naturwissenschaft werden die Menschen brauchen zu dem «roten», äußeren Leben; sie muß übergehen in die menschliche Kultur. Sie so, wie sie nun ist als äußere naturwissenschaftliche Kultur, für die Erziehung zu verwenden, wird in der nächsten Zeit von ganz besonderem Nachteil sein. Kindern beizubringen, was die Menschen vom Naturleben und an Naturgesetzen und an Gesetzen der abstrakten Naturwissenschaft wissen müssen, das wird eine Absurdität in der nächsten Zeit werden. Dagegen wird wichtig werden — ich kann überall nur Beispiele anführen —, daß eine Art liebevoller Betrachtung gegeben wird über das Leben der Tiere, über besondere Lebensverhältnisse der Tiere, zum Beispiel recht bildlich zu schildern, wie sich die Ameisen benehmen in ihrem Zusammenhang, wie diese Ameisen zusammenleben und so weiter. Sie wissen ja, in solchen Werken wie in Brehms «Tierleben» sind Ansätze zu diesen Dingen vorhanden, aber sie werden nicht ausgebaut. Sie müssen immer mehr und mehr ausgebaut werden, diese symbolisierten Erzählungen von Geschichten, die sich im Tierleben abspielen. Recht sinniges Erzählen von einzelnen individuellen Geschichten, das wird Platz greifen müssen, und das werden wir den Kindern beibringen müssen. Statt jener schauderhaften Art, wie elementare Zoologie an die Kinder verzapft wird, werden wir ihnen erzählen müssen von besonderen Taten des Löwen, des Fuchses, der Ameise, des Sonnenkäferchens und so weiter. Ob die Dinge geschehen oder nicht, das ist im einzelnen ganz gleichgültig; daß sie sinnig sind, darauf kommt es an. Und was man heute den Kindern eintrichtert, was ja ein Extrakt ist aus der Naturwissenschaft, das soll erst in späteren Jahren kommen, wenn die Kinder sich erbaut haben an solchen Erzählungen, die von dem Individuellen im Tierleben handeln.

[ 18 ] We must look at this in entirely concrete terms. Consider the way outer science is going. It is entering into all kinds of abstractions and, indeed, is most useful when it enters into all kinds of abstractions. People will need this science for their outer life; it must become part of human civilization. To use the outer scientific culture, such as it is now, in education will be particularly detrimental in the immediate future. To teach children abstract notions of nature and the laws of nature which people need to know will become an absurdity in the near future. On the other hand, it will be important—I can always only give examples—to consider the lives of animals in a loving way, with their special conditions of life described to give the children a real picture of how ants behave in their communities, how they live together, and so on. As you know, the beginnings of this are to be found in Brehm's Tierleben,2Alfred Edmund Brehm (1829–1884) wrote Illustriertes Tierleben (The illustrated lives of animals), with the second, 10-volume edition appearing in 1876–1879. Later editions were revised by other authors, and the narratives that gave the kind of picture of which Rudolf Steiner was speaking were gradually replaced with ‘strictly scientific’ texts. Many other natural histories have been based on Brehm's work. though they are not fully developed. Such symbolized stories of life in the animal world need to be more and more fully developed. Individual stories should be told in a truly thoughtful way, rather than dishing up elementary zoology to children in the dreadful way it is done now. We must tell them of the special things the lion does, and the fox, the ant, the ladybird, and so on. It is of no real consequence if the details which are told actually happen or not; what matters is that they are thoughtful and come from the heart. The kind of extract of natural history which is dinned into children today should only come in later years; children must first of all be able to take delight in stories which represent individual aspects in the lives of animals.

[ 19 ] Besonders wichtig wird es sein, daß man auch das Pflanzenleben in einer solchen Weise betrachtet, daß man viel zu erzählen weiß über das Verhältnis der Rose zum Veilchen, über das Verhältnis der Sträucher zu den Unkräutern, die um sie herum wachsen, daß man ganze lange Geschichten zu erzählen weiß über dasjenige, was da vorgeht in den springenden Geistern über die Blumen hin, wenn man über eine Wiese geht, und dergleichen. Das muß als Botanik den Kindern erzählt werden. Und erzählt werden muß den Kindern, wie da gewisse Kristalle mit grüner Farbe, die in der Erde wohnen, sich zu farblosen Kristallen verhalten, wie sich ein Kristall, der würfelförmig ist, zu einem verhält, der in Oktaedern kristallisiert. Statt einer abstrakten Kristallographie, wie man sie heute schon in sehr früher Jugend zum Unheil der Jugend verzapft, wird man haben müssen eine symbolistische Darstellung des Lebens der Kristalle im Innern der Erde. Man wird seine Anschauungen über dasjenige, was im Innern der Erde vorgeht, nur dann befruchten können, wenn man sie eben befruchtet mit dem, was Sie in unseren Schriften finden an Schilderungen über das Innere der Erde und so weiter. Das bloße Aufzählen wird nicht genügen, sondern darauf kommt es an, daß diese Dinge anregen, daß sie solche Vorstellungen geben, daß man viel zu erzählen vermag über das gegenseitige Leben der Diamanten und Saphire und so weiter. Sie werden, wenn Sie darüber nachdenken, verstehen, was ich eigentlich meine.

[ 19 ] It will be particularly important to consider plant life in such a way that one has many stories to tell about the relationship of the rose to the violet, of shrubs to the weeds which grow around them, and long stories about the Spirits leaping above the flowers as one walks through a meadow, and the like. This is the botany children should be told. And they should be told of how certain green-coloured crystals which dwell in the earth behave towards colourless crystals, or a cubic crystal to an octahedral one. Instead of the abstract crystallography which is dished out to children who are still quite young, much to their detriment, we should have a symbolistic presentation of the life of the crystals down in the earth. Our views on everything which goes on in the depths of the earth can only be fruitful if we make them fruitful with the descriptions which are given in our anthroposophical literature. It will not be enough just to list items; these things must be the stimulus and give us ideas, so that we can tell many stories about the life shared by diamonds and sapphires, and so on. Think about it and you will know what I mean.

[ 20 ] Ähnlich wird es sich darum handeln, nicht jene schauderhaften Abstraktionen, die heute als Geschichte den Kindern beigebracht werden, an die Kinder zu verzapfen, sondern das lebendige Leben wiederum hineinzustellen in das menschliche geschichtliche Werden, Sinn zu erwecken für das, was das Menschengemüt erlebt im Verlaufe des Menschenwerdens. Erfunden werden müssen Gespräche, die sich gar nicht abspielen in der sinnlichen Welt, Gespräche zum Beispiel zwischen einem alten Griechen und einem Menschen der fünften nachatlantischen Zeit. Das wird viel nützlicher sein, wenn man so die lebendigen Gestalten vor die Seele der Kinder hinzaubert, als das, was man ihnen heute an historischen Abstraktionen beibringt.

[ 20 ] In a similar way it will be important not to dish up those horrible abstractions which are taught as history today, but again to bring life and liveliness into the course of human history and help the children to develop a feeling for what human hearts and minds experience in the course of human evolution. Conversations which did not actually take place in the physical world will have to be invented, a conversation between an ancient Greek and someone living in the fifth postAtlantean age, for example. To let those living human figures appear before the mind's eye of the children will be much more useful than all the historical abstractions presented to them today.

[ 21 ] Sie sehen, worauf das hinausläuft. Es läuft darauf hinaus, die Seele des Kindes wirklich mit lebendigen Inhalten zu erfüllen, so daß dasjenige, was okkult geheimnisvoll als Unterströmung verläuft im Kinde, wirklich erfaßt werden kann. Und Sie sollen sehen, wie der Mensch weniger dürr werden wird in seinem Seelenleben, wie er weniger nervös werden wird, wenn er solche im Sinne der Weltengesetze gehaltene Erzählungen in seinem späteren Lebensalter herausholen kann. Dann hat er auch die Naturgesetze kennengelernt, dann kann er einen Einklang schaffen zwischen dem, was ihm in lebendigen Lebensformen vorgeführt wurde, und den Naturgesetzen, während sein Geist nur verödet, wenn er die abstrakten Naturgesetze empfängt. Das ist dasjenige, was ich als ein paar Gedanken, wie gerade das Erziehungswesen befruchtet werden muß, anführen will.

[ 21 ] You can see where this is leading. The point is to fill the souls of children with living ideas so that the mysterious hidden undercurrent in them can be reached. Then you will see an inner life which is less arid and infertile and people who will be will also be less nervous later in life, because they will be able to recall stories which were told out of an insight into cosmic laws. They will also be familiar with the laws of nature and able to establish harmony between what was given to them in a living, vital form and the laws of nature. Their minds can only grow barren if they are given the abstract laws of nature. These are a few thoughts I wanted to put to you with special reference to the field of education.

[ 22 ] Natürlich ist es bequemer, wenn man sich heute in allerlei Vereinen zusammenfindet und immer wieder deklamiert: Die Erziehung muß individualisiert werden —, und wie die abstrakten Formeln alle heißen. Natürlich ist es bequemer, als wenn nun verlangt wird, daß Leute, die sich für das Erziehungswesen interessieren, sich bekanntmachen sollen mit dem Geiste des menschlichen und des natürlichen Werdens und imaginative Erzählungen finden sollen, damit im Konkreten das geistige Leben gerade in der Form erfaßt werde, die es annehmen wird in der nächsten Zeit.

[ 22 ] It is, of course, much easier to get together in all kinds of associations today and proclaim over and over again “Education must be put on an individual basis”—and other abstract formulations of this kind. Of course, this is easier than to do what is now needed, which is that people interested in education should enter into the spirit of human and natural evolution and find imaginative tales which allow the life of the spirit to be concretely grasped in exactly the form it will take in the immediate future.

[ 23 ] Aber man wird zu solchen Dingen überall, auf allen Gebieten die Anregung der Geisteswissenschaft brauchen. Sie allein wird aus den ersterbenden Formen des gegenwärtigen Geisteslebens wiederum Neues gebären können, das in dieser Weise, wie ich es geschildert habe, anregend wirken kann, namentlich auf das kindliche Gemüt. Ohne die Anregung der Geisteswissenschaft wird man ein vertrockneter Schulmeister werden, der die Kinder auch vertrocknet. Und als Schlimmstes wird immer mehr und mehr entstehen, daß sich die Menschen namentlich von dem Jugendunterricht die Vorstellung machen: Das ist ja doch am besten, wenn man alles, was man da lernt, so schnell wie möglich wieder vergißt. — Wenn man in der späteren Zeit nichts, auch nicht das Allergeringste missen möchte von dem, was man in der Kindheit empfangen hat, dann ist das nicht nur eine Freude, sondern dann ist das ein Quell, ein wirklicher Quell des menschlichen Lebens. Das bitte ich Sie zu berücksichtigen.

[ 23 ] We will always, and in every field, need the stimulus of spiritual science. It alone will be able to let new life arise from the dying forms of the present life of mind and intellect—new life which can act as a stimulant in the way I have described, especially for the minds of children. Without the stimulus of spiritual science, one will be a dried-up school teacher who also dries up the children's minds. Worst of all, people will increasingly have the idea, especially with regard to educating the young, that the best we can do with everything we learn is to forget it again as quickly as possible. If a situation is created where in later life people do not want to miss any of the things they were given in their childhood, this will not merely be a pleasure but prove a wellspring, a true wellspring of human life. I would ask you to take this to heart.

[ 24 ] Aber die Wissenschaft selber braucht auch ihre Anregungen. Ich habe gestern erwähnt, wie schwer es wird, die Brücke zu schaffen zwischen der Geisteswissenschaft im allgemeinen und den Spezialbetätigungen im wissenschaftlichen Leben. Gerade das aber wird zu dem Allerallernotwendigsten der Zukunft gehören. Es muß Ihnen aus mancherlei Betrachtungen, die auch hier angestellt worden sind, hervorgehen, daß die Verarmung an Begriffen und namentlich die Verarmung in den Begriffen solche Verhältnisse herbeigeführt haben, wie sie eben heute eingetreten sind.

[ 24 ] Science itself also needs new stimulus. Yesterday I spoke of how difficult it is to bridge the gap between spiritual science in general and the special fields in which people are engaged in scientific life. Yet this will be absolutely one of the most essential things in future. You must have realized from some of the things said here and elsewhere that paucity and impoverishment of concepts and ideas have led to the conditions we have today.

[ 25 ] Ich habe es im öffentlichen Vortrag in Basel gesagt und ich habe es schon wiederholt, daß Leute, die sich kompetent deuchten, geglaubt haben, als dieser Krieg begann, er könne nicht länger als vier Monate dauern. Diese Leute glaubten, die sozialwissenschaftliche, die wirtschaftliche Struktur studiert zu haben; daraus bildeten sie sich dann diese Vorstellung. Solche Vorstellungen sind nicht mit der Wirklichkeit verbunden gewesen, denn die Wirklichkeit hat diese Vorstellungen widerlegt. Es ist sehr merkwürdig, wie wenig die Menschen eigentlich geneigt sind, von den Ereignissen zu lernen. Wenn jemand aus seinen eigenen wissenschaftlichen Vorstellungen heraus so etwas geglaubt hat, so müßte sich der jetzt doch sagen: Aus welch ungenügenden Voraussetzungen heraus habe ich meine Schlüsse gezogen! — Er müßte also doch wirklich geneigt werden, etwas zu lernen. Er bleibt aber schlafend, indem er doch nur aus denselben Voraussetzungen heraus andere Schlüsse zieht — die nur wieder ein bißchen mehr der nötigen Erfahrung entsprechen —, weil er nicht eingehen will auf die inneren Zusammenhänge. Allerdings, wenn man auf die inneren Zusammenhänge des Lebens eingeht, dann muß man jene Unbequemlichkeit überwinden, die heute am schwersten gerade von denen überwunden wird, die sich mit wissenschaftlichen Fragen beschäftigen. Diese Leute wollen ja hauptsächlich nicht gestört werden in dem kleinen Felde, das sie bebauen, nicht die Fäden ziehen zu verwandten Gebieten.

[ 25 ] I have said it in my public lecture in Basle and I have also repeated it here, that people who considered themselves competent believed when this war started that it would last no longer than four months. They thought they had studied the social and economic structure and they formed the idea on that basis. Their ideas of this kind did not relate to reality, and reality has proved them wrong. It is strange how little people are prepared to learn from events. Someone who had arrived at such an idea on the basis of their own scientific understanding surely ought to say to himself now: ‘The premises on which I based my conclusions were clearly quite inadequate.’ Surely, he must now be inclined to learn something. But he sleeps on, drawing further conclusions from those same premises, which have only changed a little under the pressure of experience, because he does not want to consider the inner connections. Of course, anyone who wishes to consider the inner connections in life will have to take this hurdle, which is such a problem, particularly to people who are involved in scientific issues. The last thing they want is to be bothered in the limited field in which they are active; they do not want to establish links with related fields.

[ 26 ] Dieses Spezialistentum war eine Zeitlang ganz gut. Wenn es fortdauernd weiternistet und wenn namentlich unsere Hochschuljugend fortdauernd weiter mit diesen Einseitigkeiten, die aus dem Spezialistentum hervorgehen, verdorben wird, dann werden die Kalamitäten, die aus dem erfolgen, daß die Menschen wirklichkeitsfremde Begriffe haben, immer größer werden. Wir werden überall in den Stadt-, Land-, Staatsvertretungen Menschen sitzen haben, die durchaus nicht dasjenige umfassen, was sie mit Gesetzen lenken oder verwalten wollen, weil diese Begriffe zu arm sind, um die Wirklichkeit zu umspannen. Die Menschen haben gar keine Ahnung davon, daß diese Begriffe zu arm sind. Die Wirklichkeit ist eben viel reicher als diese Begriffe.

[ 26 ] This type of specialization was quite a good thing for a time. If it continues, and if our university students continue to be ruined by the bias which comes with specialization, the calamities which result when people's ideas are divorced from reality will get worse and worse. We will have people in municipal, rural and national representative bodies who simply have no real grasp of the issues they are supposed to regulate according to law, because their ideas are too limited to encompass reality. Reality is far richer than those ideas.

[ 27 ] Dann wird vor allen Dingen es sich darum handeln, daß nicht die Geneigtheit entsteht, die Spezialwissenschaft möglichst sogenannten Fachmännern zu überlassen, und auf der andern Seite die subjektiven, egoistischen Bedürfnisse zu befriedigen in der Anthroposophie, sondern es wird sich darum handeln, daß man diese beiden Pole richtig zu verbinden weiß, daß man wirklich das eine durch das andere zu befruchten versteht.

[ 27 ] There can be no question, then, of being inclined to leave specialized areas as far as possible to ‘experts’, nor of using anthroposophy to satisfy subjective and egotistical needs. It has to be a matter of knowing how to unite these two opposites, and let one prove fruitful for the other.

[ 28 ] Wir machen ja immer wiederum die Erfahrung — Sie könnten sie auch machen, wenn Sie die Dinge ordentlich ins Auge fassen würden —: Redet man über reine Spezialgebiete zu denen, die sich ehrlich zur Anthroposophie bekennen, so wird ihnen die Sache eigentlich doch recht langweilig! Man soll immer nur über die Zentralfragen sprechen: Seele, Unsterblichkeit, Gott und so weiter. Dadurch kann man allerdings zunächst die egoistischen religiösen Bedürfnisse befriedigen, aber man kann nicht dazu kommen, den Seelen das zu geben, was sie für die nächste Zeit so notwendig brauchen: daß sie sich wirklichkeitsgemäß hineinstellen in dieses wirkliche Leben. Deshalb müssen wir so aufmerksam sein, wenn eine wirkliche Verbindung versucht wird zwischen den aus der geisteswissenschaftlichen Betrachtung herausfließenden Betrachtungsimpulsen und den Spezialgebieten.

[ 28 ] Something we find again and again—you would also find it so if you were to focus your attention on these things—is that if you speak about special subject-areas to people who are sincerely devoted to anthroposophy, they do find the matter rather tedious. The request is always to speak about central issues—soul, immortality, God, and so on. This will, of course, satisfy their immediate egotistical religious needs, but it leaves no opportunity to give them what is needed more than anything for the near future, namely that people make themselves a real part of this real life. This is why we must take note when someone seeks to make a real connection between impulses to look at things on the basis of spiritual science and the specialist areas.

[ 29 ] Ich habe schon einmal hier hingewiesen auf die sehr wichtige Arbeit unseres Freundes Dr. Boos über den Gesamtarbeitsvertrag. Nachdem das Buch jetzt überall zu haben ist, möchte ich noch einmal darauf aufmerksam machen, weil dieses Buch gerade für das Brückenbauen zwischen den allgemeinen Betrachtungsimpulsen der Anthroposophie und einem vollständigen Spezialgebiete, dem Rechtsgebiete, mustergültig ist: «Der Gesamtarbeitsvertrag nach Schweizerischem Recht», von Dr. Roman Boos. — Aber wichtig ist es gerade, ins Auge zu fassen, daß unsere Freunde solche Spezialuntersuchungen nicht als außerhalb ihres Feldes betrachten möchten, sondern daß sie darauf eingehen, weil das Leben eben für die nächste Zeit in den Dienst der anthroposophischen Betrachtung gestellt werden muß. Sie werden finden, wenn Sie dieses Buch aufmerksam lesen und durcharbeiten, daß in einer lebendigen Weise Dinge des alltäglichen Lebens erfaßt werden, aber so, daß man sieht, daß in dieses alltägliche Leben hereinspielen erstens die umfassendsten Betrachtungsimpulse, die überhaupt Weltengesetzen entsprechen, dann aber auch große historische Perspektiven. Und unendlich fruchtbar werden Sie finden, den Unterschied zwischen romanischem Vertragswesen und germanischem Zusammenhaltswesen, sozialem Wesen zu verstehen. In einer tiefgründigen Weise auf einem Spezialgebiete dargestellt erscheint die Beziehung romanischen Menschenwesens zu germanischem Menschenwesen. Gerade an diesem Buche von Dr. Roman Boos, gerade an einem solchen Spezialwerke ist es wichtig, sich hinaufzuranken zu dem, was von diesem Gesichtspunkte aus geisteswissenschaftlich wichtig ist für die nächste Zukunft: die Brücke zu schlagen zwischen dem Leben, das vor unseren Sinnen sich abspielt und in dem wir unsere sozialen Verhältnisse begründen, und dem Leben, das aus der geistigen Welt hereinströmt und unsere Lebensformen vergeistigt und durchpulst.

[ 29 ] I have previously drawn attention here3In an addendum to a lecture given on 6 August 1916 (GA 170). The addendum has not so far been published in German or in English. to the important book our friend Dr. Boos4Dr Roman Boos (1889–1952), social scientist, writer and lecturer; represented anthroposophy and later Rudolf Steiner's idea of the Threefold Social Order; he was head of a social sciences association at the Goetheanum in Dornach. has written on the Collective Agreement.5Der Gesamtarbeitsvertrag nach Schweizerischem Recht, Munich and Leipzig 1916. The book is now generally available and I should like to draw your attention to it, for it is a perfect example of building bridges between the general approach used in anthroposophy and a whole specialist field, the sphere of law. The point is that our friends will not, I hope, consider special investigations of this kind as something outside their sphere but rather give them their attention, for in the time which lies ahead life itself will have to be the subject for anthroposophical consideration. If you read the book carefully and work through it, you will find aspects of everyday life are taken up in a living way, and also in such a way that one can see two things coming into play here: first, impulses to consider life in a truly comprehensive way, impulses altogether attuned to cosmic laws, and then also great historical perspectives. You will also find it infinitely helpful to consider the difference between Romance contracts and agreements on the one hand and Germanic social cohesion on the other. The relationship of Romance to Germanic human nature presents itself in a very profound way in a particular specialist field. And it is important, especially with this specialist book by Dr. Roman Boos, to work one's way up to what really matters for the immediate future from the point of view of spiritual science -to bridge the gap between the life that presents itself to the senses and in which we establish our social conditions, and the life which streams in from the spiritual world and lets the Spirit pulse through our forms of existence.

[ 30 ] Ich empfehle Ihnen auch, nicht ungelesen zu lassen das letzte Heft von «Wissen und Leben», worin Dr. Boos geschrieben hat über «Die Kernfragen der Schweizer Politik». Da werden Sie sehen, daß schon von einem andern Gesichtspunkt aus ins Auge gefaßt werden können die Fragen der zeitgenössischen Politik, als sie ins Auge gefaßt werden von der — mit Respekt zu vermelden — alltäglichen Journalistik. Das Bewußtsein von dem Zusammenhang der verschiedenen Kulturformen, Kunstformen zum Beispiel, mit politischen Formen wird in schöner Weise gerade in diesem Aufsatz hervorgehoben: «Die Kernfragen der Schweizer Politik» von Roman Boos, in dem Hefte «Wissen und Leben» vom 15. Oktober 1917.

[ 30 ] I also recommend that you read the new issue of Wissen und Leben,6Wissen und Leben (translates as ‘Knowledge and life’), a fortnightly Swiss journal edited by Alb. Baur which appeared from 1907 to 1925. The issue concerned was dated 15 October 1917. which has an article by Dr. Boos on the key issues in Swiss national policies.7‘Die Kermfragen der Schweizer-Politik’, later reprinted in Boos' Michael gegen Michel, Basle 1926, pp. 36–47. You will find that current political issues can also be considered from a different point of view than that of everyday journalism—if you do not mind my saying so. Awareness of the relationship between different forms of culture, such as different forms of art, for instance, and political forms, is brought out most beautifully in this essay.

[ 31 ] Sie können ja, wenn Sie die ernste und wirklich im geisteswissenschaftlichen Sinne gehaltene Betrachtung dieser «Kernfragen der Schweizer-Politik» ins Auge gefaßt haben, dann auch einen Blick werfen auf den ersten Aufsatz dieses Heftes, «Der Sinn der Reformation» von Adolf Keller. Ja, das ist nun richtig wiederum so ein Aufsatz im alten Stil, der selbstverständlich glaubt, in sehr neuem Stil zu sein. So daß Sie in diesem Hefte wirklich nebeneinander berechtigstes Modernes und zöpfischstes Altes finden können. Selbstverständlich glaubt dieses zöpfische Alte, daß es ganz gescheit, ganz besonders gescheit ist, daß es ausgebildet hat eine ganz besonders gescheite Logik und ein durchdringendes Denken. Von Gesichtspunkten wird da der Sinn der Reformation geschildert in hochtrabenden Worten, die aber nichts anderes sind als schale, inhaltsleere Abstraktionen.

[ 31 ] Having read Dr. Boos' article, which takes a serious look at Swiss national policies and is truly in the anthroposophical spirit, you may glance at the first essay in the journal, which is on the significance of the Reformation and was written by Adolf Keller.8Adolf Keller (b. 1872), Swiss Protestant theologian, professor in Geneva and Zurich. It is an essay in the old style, even if it is thought to be in a very new style. In one and the same issue you therefore have a justifiably truly modern work side by side with the most antiquated stuff. People who write such antiquated stuff do, of course, believe they are particularly clever and logical, with penetrating thoughts. The significance of the Reformation is discussed from different points of view in elevated terms which are nothing but empty and vapid abstractions.

[ 32 ] Wenn man den Aufsatz «Der Sinn der Reformation» von Adolf Keller durchgelesen hat — er ist gut und brav gemeint und gehört zu den besten Arbeiten der Gegenwart auf diesem Gebiet —, dann ist man müde durch das Herumgekugelt- und Herumgekollertwerden immer in denselben Abstraktionen: Reformation erzeugt im Gemüte die Freiheit der Initiative; die Freiheit der Initiative kommt aus der Reformation; als die Reformation gewirkt hatte, wurde die Freiheit der Initiative belebt —, und so kugelt und kollert man herum nach dem Muster aller Abstraktlinge, die nichts anderes zustandebringen als zu schwelgen in ein paar armen, armseligen Begriffen, die nichts zu tun haben mit der Wirklichkeitswelt. Das ist ja das Charakteristische überhaupt desjenigen, was überwunden werden muß: dieses abstrakte Treiben, dieses Leben in gedankenarmen Vorstellungen, bei denen man sich besonders die Finger ableckt vor Wohlgefühl, weil man glaubt, etwas besonders Hohes zu sagen, wenn man etwas besonders Abstraktes sagt.

[ 32 ] Having read Adolf Keller's article, which is decent and well-meant and one of the best pieces of work in this field, one is tired out from being tossed hither and thither between what are again and again the same abstractions: the Reformation created freedom of initiative; freedom of initiative arose through the Reformation; when the Reformation was in progress, free initiative came to life. One is tossed hither and thither in the typical fashion of all abstractionists who know no better than to wallow in a few impoverished notions, having nothing to do with the real world. Here you have a typical instance of the abstract way of thinking which must be overcome, when people live with notions that have little real thought to them, yet are positively smacking their lips with pleasure because they imagine they are saying something really outstanding when they put it in a particularly abstract way.

[ 33 ] In den letzten Tagen kriegte ich eine Abhandlung, die handelte von tiefsinnigen theosophischen Dingen, aber eigentlich war sie nur eine Abhandlung über das «Etwas», und es war nur über das «Etwas» darinnen die Rede, von dem «unverbesserten Etwas» und von dem «verbesserten Etwas», und wie das verbesserte das unverbesserte Etwas ergreift, und sich das verbesserte Etwas über das unverbesserte Etwas stellt. Und so: bewußtes und unbewußtes Etwas, verbessertes und unverbessertes Etwas, das rollt herum, rollt, rollt, rollt — ist schließlich, auf das geistige Gebiet übertragen, auch nichts anderes als diese sonderbare Art des abstrakten Arbeitens in der Gegenwart, das sich in diesem Abstrakten ganz besonders gefällt und eigentlich Wirklichkeitstlucht ist, das gar nichts mehr zu tun hat mit irgendeiner Wirklichkeit. Das kommt dann allerdings zu ganz besonderen Konsequenzen. Weil die Leute in Begriffen verarmen, können sie sich mit ihren Begriffen auch nicht durch den Strom des Daseins hindurchwinden. Ihre Begriffe reichen nicht aus, das Leben zu erfassen. Und dann kommt es vor, daß man solche Dinge liest wie zum Beispiel in dem Aufsatz von Adolf Keller auf Seite 51: «Aber obschon in diesem Erlebnis die tiefsten Quellen des Gemütes zum Fließen kommen, ist es doch nicht bloß eine Aufwallung des Gefühls in uns. Es wird dabei nichts Göttliches und Menschliches durcheinandergemischt. Dafür sorgt das Gewissen. Es wahrt den Abstand und die Ehrfurcht. Der Mensch bleibt der Mensch, und Gott bleibt Gott. Hat die Reformation mit der Mystik gemein, daß das Gottesverhältnis durch ein persönliches Erlebnis hergestellt wird, so scheidet das sie voneinander, daß das reformatorische Erlebnis sich nicht wie in der Mystik im gefühlsmäßigen Wallen und Sieden des Seelengrundes vollzieht, sondern in der Not und sittlichen Erhebung des Gewissens. Die stärkste Macht der Innerlichkeit ist ein Sollen, eine absolute Forderung. Der Mensch kann sich ihrer nur erwehren durch eine göttliche, innerlich erlebte Hilfe.» Lauter Abstraktionen, man kollert so von einer zur andern. Dann kommt: «Dieses ist das Evangelium, Jesus Christus.»

[ 33 ] A few days ago I was sent a treatise on profound theosophical matters which was, in fact, merely a treatise on the ‘something’; it only dealt with the ‘something’—the ‘unimproved something’ and the ‘improved something’, and how the improved takes hold of the unimproved, and how the ‘improved something’ takes precedence over the ‘unimproved something’. And so: conscious and unconscious ‘something’, improved and unimproved ‘something’—going one way and then the other, here again, there again; and in the final instance you have no more than this strange modern way of working in the abstract—though here applied to things of the spirit—which likes to see itself in the abstract and in reality is flight from reality and no longer has anything to do with any kind of reality. This does, of course, have quite specific consequences. People's limited ideas make them unable to wend their way through the river of life. Their ideas are too limited to encompass the reality of life. As a result one reads things like the following, for instance, which is on page 51 of Adolf Keller's essay: Yet although this experience causes the deepest wellsprings of heart and mind to open up, it is still more than a mere upsurge of feeling. Divine and human elements are not mixed together in this. Conscience takes care this does not happen. It keeps the distance and maintains reverence. Man remains man and God remains God. The Reformation and mysticism have it in common that the relationship to God is established through a personal experience; what separates them is that the Reformation experience does not come in a seething and boiling of emotions in the depths of the soul, as in the case of mysticism, but from a troubled and morally elevated conscience. Anything which is a must, an absolute demand, holds the greatest power in the inner life. Man can only withstand this with divine help that is inwardly experienced. Nothing but abstractions, and we are pushed hither and thither among them. Then follow the words: ‘This is the gospel, Jesus Christ.’

[ 34 ] Also selbst bis zu dieser Abstraktion hat es dieser Herr gebracht, daß er die Botschaft des Jesus Christus mit dem Jesus Christus identifiziert. Dazu kommt man eben durch äußerste Abstraktionen. Dann aber ist es sehr merkwürdig: also die Mystik hat er abgewiesen. Mit seinen armen Begriffen sagt er: Die Reformation hat nichts zu tun mit der Mystik, sondern die Reformation erzeugt ein gesundes Leben. — Als ob die Mystik nicht gerade das Erleben wäre. Nicht wahr, aber weil die Begriffe so arm sind, können sie die Wirklichkeit nicht umspannen, nicht umfassen. Daher sagen sie für die entgegengesetztesten Dinge immer dasselbe. Also denken Sie: Das «Wallen und Sieden» hat er abgelehnt, das darf der richtige Reformationsanhänger nicht haben, denn sonst wäre er ein Mystiker, wenn er ein Wallen und Sieden hätte.

[ 34 ] The gentleman has gone so far in his abstract thinking that he identifies the message of Jesus Christ with Jesus Christ himself. This is what one gets when abstraction is taken to its extreme. What follows is strange indeed. He has rejected mysticism. With his limited ideas he says that the Reformation had nothing to do with mysticism but that it creates healthy life. As if mysticism were not exactly such a living experience. But you see, his limited ideas cannot encompass reality. They are therefore used to say exactly the same about completely opposite things Thus he rejects the ‘seething and boiling’ as something which true adherents of the Reformation should not have, for if they did they would be mystics.
Adolf Keller goes on to say:

[ 35 ] Adolf Keller fährt fort: «Diese Hilfe wird aber nicht nur äußerlich, historisch oder sakramental vor den Menschen hingestellt. Auch sie kann nur kräftig werden durch innere persönliche Aneignung. Sie wirkt nicht von außen, magisch, sondern nur soweit sie gefühls- und willensmäßig sich in uns verinnerlichen und die Seele durchglühen kann.»

[ 35 ] This help is not merely presented outwardly, historically or in the sacraments. It, too, can only grow strong if it is inwardly made one's own. It does not act from outside, magically, but only in so far as it may become part of our inner feelings and will, and can set the soul aglow.

[ 36 ] Also die Reformation darf kein «Wallen und Sieden» im Grunde sein, aber diese Reformation wirkt wiederum nur in der Seele, wenn sie die Seele durchglühen kann, also die Seele wallend und siedend machen kann. So könnte man den ganzen Aufsatz durchnehmen auf seine armselige Geistigkeit hin, die nirgends dem gewachsen ist, in die Wirklichkeit unterzutauchen. Aber solche Dinge werden heute mit besonderer Passion gelesen. Man findet das sehr geistreich. Man merkt nicht, daß, wenn man zwei, drei Zeilen weiterliest, man sogleich mit den Begriffen stolpert, weil man natürlich die verschiedensten Dinge mit denselben Begriffen belegen muß, denn an Begriffen ist man arm.

[ 36 ] Thus the Reformation must not be a ‘seething and boiling’ in the depths of the soul, yet this same Reformation can only be active in the soul if it is able to set the soul aglow, that is make it seethe and boil. You can study the whole essay like this, and nowhere does its poverty of spirit prove adequate for entering into reality. Yet writings like these are read with real passion today. People consider them most erudite. They fail to realize that they only have to read two or three lines more and they get all confused in their minds, for the same ideas have to be used for quite different things, and there is such a paucity of ideas.

[ 37 ] So können Sie, wenn Sie auf der einen Seite studieren den schönen Aufsatz über «Die Kernfragen der Schweizer Politik» von Roman Boos — den ich Ihnen sehr empfehle, weil er Ihnen zeigen wird, wie man Fäden ziehen kann zwischen dem politischen Leben und andern Formen des Kulturlebens und wie man wirklich die Begriffe in Fluß bringen kann, wenn man sein Begriffsleben bereichert, wie Sie ein Muster finden können über die Schweizer Politik in bezug auf eine Zukunftsbetrachtung —, so können Sie das vergleichen mit der öden Rederei des ersten Aufsatzes in diesem Heft «Wissen und Leben» vom 15. Oktober 1917, «Der Sinn der Reformation» von Adolf Keller, und Sie haben so, indem Sie ein geringes Geld einmal ausgeben, die Möglichkeit, Altes und Neues hier unmittelbar nebeneinander zu finden und sich recht sehr gut über diese Sache unterrichten zu können.

[ 37 ] If, on the other hand, you study Roman Boos' beautiful essay on the key issues in Swiss national policies—I do recommend it, for it will show you how connections can be made between political life and other forms of culture, and how our ideas can really come alive and the life of ideas be enriched, how you can find an exemplary study here concerning the future of Swiss politics—you can compare this with the vapid maunderings of Adolf Keller's essay in the same issue of the journal. By spending just a single small sum you can have the opportunity of getting old and new absolutely side by side and really see for yourselves.

[ 38 ] Ich muß schon manchmal auf das allerentgegengesetzteste Aktuelle Rücksicht nehmen, denn Anthroposophie ist nicht dazu da, um in den höchsten Höhen zu schwelgen, sondern sie soll da sein, gerade diese Betrachtungen anzulegen, die wirklich in die Gegenwart, in die Intentionen der Gegenwart hineinführen.

[ 38 ] Sometimes I really have to take account of current issues which are in complete opposition, for anthroposophy does not exist for self-indulgence at exalted levels but to make exactly the observations which take us truly into the present, into the intents and purposes of the present time.