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The Rudolf Steiner Archive

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The Spiritual Backgrounds of the Outer World
The Fall of the Spirits of Darkness
GA 177

28 October 1917, Dornach

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Vierzehnter Vortrag

14. Into the Future

[ 1 ] Wir haben den Betrachtungen, die hier gepflogen worden sind, entnehmen können, welch bedeutsame Vorgänge sich im 19. Jahrhundert - gewissermaßen hinter den Kulissen der Weltgeschichte - abgespielt haben. Es liegt ja in der Natur der Sache, daß man, wenn man nicht ganz abstrakt schildern will, für viele Dinge, die man mit Bezug auf die geistige Welt zu sagen hat, das Spiegelbild, das Abbild in der physischen Welt charakterisieren muß, weil die Dinge, die hier in der physischen Welt geschehen, eben Abbilder des geistigen Geschehens sind.

[ 1 ] We have been reflecting on the significant events which took place—as it were, behind the scenes of world history—during the nineteenth century. The nature of it all is such that if one does not want to be entirely abstract, it is necessary to characterize many of the things which have to be said with regard to the spiritual world by considering their reflection or mirror-image in the physical world, for events here in the physical world truly do reflect spiritual events.

[ 2 ] Nun möchte ich Sie zunächst noch aufmerksam machen auf das Bedeutungsvolle, das eigentlich hinter all den Tatsachen steht. Wir wissen, ungefähr 1413, also im 15. Jahrhundert, war der Übergang aus der vierten in die fünfte nachatlantische Kulturperiode. Zu all dem, was wir schon an Charakteristik angeführt haben, sei noch hinzugefügt, daß von den geistigen Welten aus die Lenkung der irdischen Angelegenheiten so geschehen ist, daß an dieser Lenkung hauptsächlich Wesen aus der Hierarchie der Archangeloi beschäftigt waren, hauptsächlich sage ich — einiges über die genaueren Zusammenhänge können Sie ja aus dem Büchelchen «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit» entnehmen. Denn stellen Sie sich nur intensiv vor: Engelwesen verrichten ihre Tätigkeit in den geistigen Welten. Dadurch geschieht auf der Erde gar manches. Es geschieht eben das auf der Erde, was wir die irdische Geschichte, das menschliche Leben in der vierten nachatlantischen Kulturperiode nennen. Engelwesen, Wesen aus der Hierarchie der Angeloi, dienen den höheren Wesen aus der Hierarchie der Archangeloi, aber sie dienen ihnen so, daß gewissermaßen das Verhältnis zwischen den Wesenheiten aus der Hierarchie der Angeloi und denen der Archangeloi eine übersinnliche, eine rein geistige Angelegenheit ist, die die Menschen noch wenig berührt. Das wird anders mit dem Hereinbrechen der fünften nachatlantischen Periode, denn da werden in der Führung der Menschheit gewissermaßen selbständiger die Wesen aus der Hierarchie der Angeloi. So daß die Menschen in der vierten nachatlantischen Zeit mehr direkt geführt sind von den Archangeloi; dagegen in der fünften Zeit - also in unserer ganzen jetzigen fünften Zeit bis ins 4. Jahrtausend hinein - wird eine direkte Führung des Menschen durch die Angeloi stattfinden, so daß man jetzt nicht mehr sagen kann: Das Verhältnis der Angeloi zu den Archangeloi ist nur ein übersinnliches Verhältnis. Das ist die Tatsache, geistig ausgedrückt.

[ 2 ] Before going on, I want to draw your attention to something of great significance which lies behind all these things. As you know, the transition from the fourth to the fifth post-Atlantean period of civilization came in about 1413, that is in the fifteenth century. This has been characterized in many ways, but let me add today that spiritual guidance of earthly affairs involved mainly members of the hierarchy of Archangels—you will find some of the details in the small volume entitled The Spiritual Guidance of Man and of Humanity.1Steiner, R. The Spiritual Guidance of the Individual and of Humanity. (GA 15) Tr. by H. Monges. Anthroposophic Press, New York, 1970. As I said, they were mainly involved. Try with all intensity to gain an image of this: angelic spirits pursued their tasks in the spiritual worlds. Much happened on earth as a result. History, human life in the fourth post-Atlantean age, resulted on earth. Angelic spirits belonging to the hierarchy of Angels served the higher hierarchy of Archangels; they did this in such a way, however, that the relationship between members of the two hierarchies was entirely above the earthly and in the spiritual realm, hardly touching on human life. This changed with the coming of the fifth post-Atlantean age, for then the members of the hierarchy of the Angels became more independent in their task of guiding humanity. Thus humanity was more under direct guidance from the Archangels during the fourth post-Atlantean age and will be under direct guidance from the Angels during the fifth age—that is throughout our present fifth age, until the fourth millennium. We can therefore no longer say that the relationship is entirely unconnected with the physical world. This is how the fact can be presented at the spiritual level.

[ 3 ] Man kann diese Tatsache auch mehr materiell ausdrücken, denn alles Materielle ist ein Abbild des Geistigen. Wenn wir suchen, auf welchem Umwege die Archangeloi mit den Angeloi zusammen während der vierten nachatlantischen Zeit die Menschen lenkten, können wir sagen: Dies geschah durch das menschliche Blut. - Und auf dem Umwege durch das menschliche Blut wurde ja auch die soziale Struktur hervorgerufen, die sich der Blutsverwandtschaft, den Blutsbanden anschloß. Gewissermaßen war die Wohnung der Archangeloi sowohl wie die der Angeloi im Blute. Ja, das Blut ist nicht bloß dasjenige, was der Chemiker analysiert, sondern das Blut ist zugleich der Wohnort übersinnlicher Wesenheiten.

[ 3 ] It can also be presented at a more physical level, for all things physical are in the image of the spirit. Looking for the indirect route by which the Archangels guided humanity by working with the Angels during the fourth post-Atlantean age, we can say: This was done via the human blood. And the social structure was also created via the blood, for it was based on blood relationship, on blood bonds. Both the Archangels and the Angels had their dwelling place in the blood, as it were. Truly, the blood is not merely something for chemists to analyse; it is also the dwelling place of entities from higher worlds.

[ 4 ] Wenn wir also von dieser vierten nachatlantischen Zeit sprechen, so ist das Blut der Wohnort von Archangeloi und Angeloi. Das wird eben anders in der fünften nachatlantischen Zeit, da wird es so, daß sich die Angeloi mehr des Blutes bemächtigen - ich rede jetzt von den Angeloi des Lichtes, von den normalen — und die Archangeloi mehr im Nervensystem wirken. Ich könnte auch mit alter Terminologie ebensogut sagen: In der fünften nachatlantischen Zeit wirken die Archangeloi mehr im Gehirn, die Angeloi mehr im Herzen. Physiologisch, im Sinne der jetzigen Wissenschaft gesprochen, würde man sagen müssen: Die Angeloi wirken mehr im Blute, die Archangeloi mehr im Nervensystem. - So ist wirklich mit den Menschen, wie Sie sehen, eine große Veränderung vor sich gegangen, die man verfolgen kann bis in die materielle Struktur des Menschen hinein.

[ 4 ] During the fourth post-Atlantean age, therefore, the blood was the dwelling place of Archangels and Angels. This is changing with the fifth post-Atlantean age, for the Angels—I am referring to the Angels of Light, the normal Angels—will take possession more of the blood, and the Archangels will be more involved in the nervous system. This is putting it in the terms of the modern science of physiology. Using an older terminology I might also say: during the fifth post-Atlantean age the Archangels are essentially more at work in the brain and the Angels in the heart. You see, therefore, that a major change has occurred which can be traced all the way to the physical structure of human beings.

[ 5 ] Nun, das, was der Mensch tut hier auf der Erde, das, was er vollbringt, hängt mit dem zusammen, was da in ihm wirkt. Man stellt sich ja — nicht immer richtig - vor, irgendwo im Wolkenkuckucksheim seien Angeloi und Archangeloi. Würde man das gesamte Nervenleben der Menschen ins Auge fassen als Ort und das Gesamtblutleben wiederum als Ort und dasjenige, was dazugehört in übersinnlichen Welten zwischen Tod und neuer Geburt, dann würde man die Reiche von Archangeloi und Angeloi finden.

[ 5 ] The things people do and achieve here on earth are connected with the spirits which are at work in them. People tend to imagine—not always correctly—that Angels and Archangels are somewhere in Cloud-cuckoo-land. If we were to take the whole of human neurological life as a place, and the whole of the blood life as another place, and add what belongs to these when we are in the other worlds between death and rebirth, we would have the realms of the Archangels and Angels.

[ 6 ] Im 15. Jahrhundert war ein besonderer Zeitabschnitt in der Erdenentwickelung und in der damit zusammenhängenden Entwickelung der geistigen Welt herangekommen. Man kann dasjenige, was da herangekommen war, etwa in der folgenden Art charakterisieren. Man kann sagen: In dieser Zeit, im 15. Jahrhundert, war die Anziehungskraft der Erde für die Archangeloi, für die regelrechten Archangeloi, die ja den Übergang suchten vom Blut ins Nervensystem, am größten. Also wenn wir zurückgehen aus dem 14. ins 13.,12., 11. Jahrhundert, so finden wir, daß immer schwächer wird die Anziehungskraft der Erde, und nachher wird wiederum die Anziehungskraft der Erde schwächer. Man könnte sagen: Die Archangeloi sind von höheren Geistern angehalten gewesen, in diesem 15. Jahrhundert das Erdendasein am meisten zu lieben. So paradox das manchem heutigen, klotzig-materialistisch denkenden Menschen erscheint, so ist es doch richtig, daß mit solchen Dingen zusammenhängt das, was auf der Erde vorgeht. Wie kommt es, daß gerade damals in einer so merkwürdigen Weise Amerika wiederentdeckt wurde, daß die Menschen anfingen, sich wieder der ganzen Erde zu bemächtigen? Weil die Archangeloi in dieser Zeit am meisten angezogen waren von der Erde. Dadurch dirigierten sie teilweise das Blut, teilweise das Nervensystem schon so, daß der Mensch anfing, von der ganzen Erde Besitz zu ergreifen von seinen Kulturzentren aus. Solche Ereignisse muß man im Zusammenhang mit der geistigen Wirksamkeit betrachten, sonst versteht man sie nicht. Gewiß klingt es heute für den klotzig-maternalistischen Denker sonderbar, wenn man sagt: Deshalb entdeckten die Menschen Amerika, deshalb spielte sich das andere alles ab, was Sie ja in der sogenannten Geschichte nachlesen können, weil die Anziehungskraft der Erde für die Archangeloi am größten in der damaligen Zeit war.

[ 6 ] The fifteenth century marked a specific period in earth evolution and in the corresponding evolution of the spiritual world. We can characterize the events of the time more or less as follows. In the fifteenth century the earth held the greatest attraction for the regular Archangels who were seeking to make the transition from the blood to the nervous system. Going back from the fourteenth to the thirteenth, twelfth and eleventh centuries we find the earth's power of attraction growing less and less; beyond that time it would grow less and less again. We might say the Archangels were directed by higher spirits to love earthly existence most of all during the fifteenth century. Strange as it may seem to many people today who think only in grossly materialistic terms, it is nevertheless true that earthly events are connected with such things. How did America come to be rediscovered in such a strange way, and people began to make the whole world their own again—exactly at that time? Because at the time the Archangels were most attracted to the earth. They therefore guided partly the blood and partly the nervous system in such a way that human beings began to go out from their centres of civilization to make the whole earth their own. Events like these must be seen in conjunction with spiritual activities, otherwise they cannot be understood. It does, of course, sound peculiar to people who think in crude materialistic terms if you say: America was discovered and everything we read about in so-called history happened because, within certain limits, that was the time when the earth held the greatest power of attraction for the Archangels.

[ 7 ] Und damals begann von seiten der Archangeloi die Erziehung der Angeloi, die dahin ging, das menschliche Blut in Besitz zu nehmen, während die Archangeloi den Übergang finden wollten ins Nervensystem. Und im Beginne der vierziger Jahre war die Sache so weit, daß gewisse zurückgebliebene Angeloiwesen den Versuch machten, nun nicht im Blute zu residieren oder zu regieren, sondern den Archangeloiplatz im Nervensystem einzunehmen. Also wir können sagen: Es war in diesen vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts ein bedeutungsvoller Kampf, der sich so entwickelt hat, wie ich das schon beschrieben habe, der, wenn wir sein Spiegelbild hier im Gröbstmateriellen betrachten, sich abspielte zwischen dem menschlichen Blut und dem menschlichen Nervensystem. Die Engel der Finsternis wurden aus dem Nervensystem herausgeworfen und in das menschliche Blut geworfen, so daß sie nunmehr im menschlichen Blute so rumoren, wie ich das geschildert habe. Weil sie im menschlichen Blute rumoren, kommt das alles zustande, was ich beschrieben habe als die Wirkung der zurückgebliebenen Angeloi hier auf der Erde. Da sie im menschlichen Blute rumoren, hat sich auch das herausgestellt, daß die Menschen so gescheit sein konnten, wie ich das beschrieben habe. Natürlich spielt sich das alles langsam und allmählich ab, so daß man sagen kann: Der richtige, tiefgehende Abschnitt ist 1841; aber das ganze 19. Jahrhundert ist schon infiziert von dem, was da in Betracht kommt.

[ 7 ] The Archangels then began to train the Angels to take possession of the human blood, whilst the Archangels wanted to make the transition to the nervous system. By the early 1840s the point had come where certain retarded Angels made the attempt to take the place which belonged to the Archangels in the nervous system rather than reside and reign in the blood. We are therefore able to say that in the 1840s a significant battle developed in the way I have described and, if we consider its most material physical reflection, it took place between the human blood and the human nervous system. The Angels of Darkness were cast out of the nervous system and into the human blood, and now wreak the havoc in the human blood which I have described. It is because they are at work in the human blood that all the things I have described as due to the influence of retarded Angels are happening here on earth. It is because they are at work in the human blood that people have become as clever as I have said. All this developed slowly and gradually, of course, and we are able to say that whilst the profound break came in 1841, the whole of the nineteenth century had been infected with it.

[ 8 ] Damit ist überhaupt eine Evolution eingeleitet, die von tiefgehender Bedeutung ist. Ich habe Sie im Laufe dieser Vorträge schon auf eine wichtige Tatsache aufmerksam gemacht. Ich habe Sie darauf aufmerksam gemacht, daß es nur bis zum 7. Jahrtausend dauern wird innerhalb der Erdenentwickelung, daß die Menschenfrauen fruchtbar sein werden, daß dann nicht mehr die Fortpflanzung hier besorgt werden kann. Ginge es bloß nach den normal im Blute lebenden Engelwesen, so würde die menschliche Generation, die menschliche Fortpflanzung, nicht einmal bis dahin dauern, sondern nur ins 6. Jahrtausend hinein. Nur noch die sechste nachatlantische Kulturperiode träfe die Möglichkeit einer physischen Fortpflanzung auf der Erde; weiter erstreckt sich der Impuls der Fortpflanzung für diese nachatlantische Zeit in ihren sieben Kulturperioden nach der Weisheit des Lichtes nicht. Aber die Fortpflanzung wird länger dauern; sie wird bis ins 7. Jahrtausend hinein dauern, vielleicht noch etwas darüber hinaus. Woher wird das kommen? Weil dann die Regenten der Fortpflanzung, die impulsierenden Mächte der Fortpflanzung, diese herabgestoßenen Angeloi sein werden.

[ 8 ] An evolution of profound significance has thus been initiated. One important fact to which I have already drawn your attention in these lectures2See lecture 5. is that not later than the seventh millennium in earth evolution women will grow infertile, and reproduction will no longer be possible. If matters went entirely according to the normal Angelic spirits in the blood, human reproduction would not even continue for as long as this; it would only continue until the sixth millennium, or the sixth post-Atlantean period of civilization; according to the wisdom of light, the impulse for reproduction would not continue beyond this time in the seven periods of civilization in this postAtlantean age. However, it will go on beyond this, into the seventh millennium and possibly a little beyond. The reason will be that those cast-down Angels will be in charge and will give the impulses for reproduction.

[ 9 ] Das ist sehr bedeutungsvoll. In der sechsten nachatlantischen Kulturperiode wird nach und nach versiegen die menschliche Fruchtbarkeit, insoferne sie impulsiert ist von den Lichtmächten. Und die dunkeln Mächte werden eingreifen müssen, daß die Sache noch etwas weitergehe. Wir wissen, die sechste nachatlantische Kulturperiode hat ihre Keime im europäischen Osten. Der europäische Osten wird starke Neigungen entwickeln, die menschliche Fortpflanzung, die physische Fortpflanzung nicht über die sechste Kulturperiode hinausgehen zu lassen, sondern nachher die Erde überzuführen in ein mehr spirituelles, in ein mehr psychisches Dasein. Von Amerika herüber werden die andern Impulse wirken für die siebente nachatlantische Kulturperiode, in welcher die Impulse der herabgestoßenen Angeloi die Generation leiten werden.

[ 9 ] This is highly significant. In the sixth post-Atlantean period of civilization, the human fertility which depends on the powers of light for its impulses will gradually come to an end. The powers of darkness will have to intervene so that the affair may continue for a time. We know the seeds for the sixth postAtlantean period of civilization lie in the East of Europe. The East of Europe will develop powerful tendencies which do not allow physical human reproduction to continue beyond the sixth period of civilization but, instead, let the earth enter into a form of existence in soul and spirit. The other impulses for the seventh post-Atlantean period of civilization, in which procreation will be guided by impulses from the cast-down Angels, will come from America.

[ 10 ] Bedenken Ste, wie kompliziert die Dinge sind. Diese Dinge kann man - ich muß das immer wieder betonen - nur durch direkte Beobachtung der geistigen Welten finden. Durch irgendwelches Theoretisieren irrt man sich in der Regel. Man verfolgt dann nur eine Linie und kommt dann eventuell dazu zu behaupten, daß eben in der sechsten nachatlantischen Kulturperiode das Generationsleben der Menschheit auslöschen wird. Die wirkliche spirituelle Beobachtung nur gibt einem die Möglichkeit, verschiedene Strömungen, die ineinanderwirken, um das Ganze herzustellen, zu beobachten. Man muß vieles anwenden, wenn so bedeutungsvoll ineinandergehende Erkenntnisse herauskommen sollen, wie diejenigen, von denen ich jetzt gesprochen habe.

[ 10 ] Consider the complex nature of these things, which can only be discovered—I have to stress this again and again—by direct observation of the spiritual worlds. Mere theorizing will generally lead to error, for with this we tend to follow a single line of thought which will finally led to the statement that human procreative life will be extinguished in the sixth postAtlantean period of civilization. It needs actual spiritual observation to enable us to observe the different currents which interact to produce the whole. You have to put a great deal into it if you are to arrive at significant insights and their interactions, such as those of which I have been speaking.

[ 11 ] Der Mensch wird Ihnen ja recht kompliziert vorkommen, wenn Sie bedenken, daß jetzt, in der fünften nachatlantischen Zeit, in ihm wirken durch sein Nervensystem und Blut Archangeloi und Angeloi, aber auch die entgegengesetzten Geister, die abnormen Geister. Da sind die Kräfte verankert, die miteinander, gegeneinander und so weiter wirken, da sehen wir, was eigentlich in Wirklichkeit geschieht. Wenn man dasjenige, was äußerlich im Leben geschieht, beobachtet, so sieht man gewissermaßen nur die äußerliche Woge, nicht die Kräfte, welche diese Woge an die Oberfläche werfen.

[ 11 ] The enormous complexity of human beings becomes apparent when you consider that now, in the fifth postAtlantean age, Archangels and Angels are active in them via the nervous system and the blood, but so are the abnormal spirits which oppose them. This is where the forces are anchored which act with each other, against each other and so on; there we see what is happening in reality. Looking at events in outer life, one only sees the surface wave and not the forces which cast it to the surface.

[ 12 ] Nun können wir noch ein Merkmal angeben, wodurch die Geister der Finsternis, die also seit 1879 gestürzt sind, schon vorher von der geistigen Welt aus und jetzt von dem Reiche der Menschen aus zu wirken versuchen. Erinnern Sie sich an etwas, das ich schon im Laufe dieser Betrachtungen Ihnen vorgebracht habe: daß die Menschheit als Ganzes immer jünger wird. Wenn wir zurückgehen ins alte Indien, finden wir, daß die Menschen jung blieben, das heißt, leiblich entwickelungsfähig blieben bis in das höchste Alter hinauf; dann in der persischen Epoche nicht mehr so lange, in der ägyptisch-chaldäischen wieder nicht mehr so lange, und in der griechisch-lateinischen blieben die Menschen nur entwickelungsfähig bis in die Zeitspanne vom achtundzwanzigsten bis fünfunddreißigsten Lebensjahr. Jetzt sind sie noch jünger geworden: die Menschen bleiben nur entwickelungsfähig, wie ich Ihnen ausgeführt habe, bis zum siebenundzwanzigsten Jahre. Dann wird die Zeit kommen, wo die Menschen nur bis zum sechsundzwanzigsten Lebensjahre entwickelungsfähig bleiben und so weiter. Erinnern Sie sich, daß ich angedeutet habe, wie eine Persönlichkeit, um die sich jetzt vieles dreht, gerade dadurch verständlich werden kann, daß die Siebenundzwanzigjährigkeit eine so besondere Rolle in ihrem Leben spielt: Lloyd George. Denn es bedeutet immer sehr viel, wenn das Seelenleben zusammenfällt mit dem äußeren Leibesleben.

[ 12 ] We can give another instance of the way in which the spirits of darkness, who were cast down in 1879, seek to exert an influence—before 1879 from the spiritual world and since then from the human realm. You will recall something of which I spoke in an earlier lecture:3See lecture 2. that humanity as a whole is getting younger and younger. If we go back to ancient India, we find that people remained young and capable of physical development well into ripe old age; during the Persian epoch less so, in Egypto-Chaldean times even less, until into Graeco-Latin times people were only capable of development until they reached the span extending from their twenty-eighth to their thirty-fifth year. Today they have grown even younger and are only capable of development up to their twenty-seventh year, as I told you. Later a time will come when this only goes to the twenty-sixth year, and so on. You will recall that I referred to someone who is at the hub of things at the present time and who can only be really understood if we realize that the age of 27 plays such a special role in life today—and this is Lloyd George. For it is always significant when the life of the soul coincides with the outer life of the body.

[ 13 ] Diese Tatsache, daß die Menschen in unserer fünften nachatlantischen Zeit naturgemäß entwickelungsfähig bleiben bis in die Zwanzigerjahre hinein, diese Tatsache bildet eine wichtige Grundlage für das Zusammenwirken der Angeloi mit den Archangeloi, denn die Normalgeister, die Geister des Lichtes, die möchten die Sache in einer bestimmten Weise in der Menschheitsentwickelung dirigieren. Das ist so: Bis in die Zwanzigerjahre ist der Mensch naturgemäß entwickelungsfähig. Diese Entwickelungsfähigkeit möchten nun die Geister des Lichtes intim halten, so daß sie sich im Menschen abspielt möglichst ohne Rumor; und im achtundzwanzigsten Jahre, zwischen dem achtundzwanzigsten und fünfunddreißigsten Jahre, sollte dann das, was still im Innern des Menschen sich abspielt, herauskommen. Also fassen Sie die Sache richtig auf. Dasjenige, was im Blute bis zum achtundzwanzigsten Jahre hin im Menschen sich entwickelt, das soll dann vom achtundzwanzigsten Jahre ab dem Menschen mehr ins Selbstbewußtsein dringen, es soll dem Blute selbstbewußt übergeben werden. Also der Mensch soll gewissermaßen nach der Absicht der normalen Geister, der Geister des Lichtes, still im Innern, anspruchslos, selbstlos sein Seelenleben entwickeln, und dann soll es erst in Aktion treten, dann soll er gewissermaßen aus den Lehrjahren heraus in die Wanderjahre und in die Meisterjahre eintreten, wenn er das achtundzwanzigste Jahr überschritten hat.

[ 13 ] The fact that in our fifth post-Atlantean age people are naturally capable of further development only until they reach their 20s, is important as a basis for the concerted action of Archangels and Angels. The normal spirits, the spirits of light, want to direct human evolution in a certain way. This is as follows: human beings are naturally capable of further development until they are in their 20s; the spirits of light want to keep this an intimate affair, letting it proceed without much ado in human beings; then, in the twenty-eighth year, between the twenty-eighth and thirty-fifth years, the development which has gone on quietly is to emerge. Mark well, therefore. Something which evolves in the human blood until people reach their twenty-eighth year is to enter more into people's self-awareness, it is to be handed over to the blood in self-awareness. It is therefore the intention of the normal spirits, the spirits of light, that the inner life should develop quietly, unambitiously and selflessly and only come into action when individuals have reached the age of 28, when the years of apprenticeship are behind them, as it were, and they become journeymen, and finally masters.

[ 14 ] Dagegen lehnen sich die herabgestoßenen Geister, die Geister der Finsternis, auf. Die wollen bewirken, daß der Mensch in den Zwanzigerjahren nicht die intime innere Entwickelung durchmacht, sondern schon da mit der äußeren Intellektualität, mit allem, was äußere Aktionsfähigkeit, Meisterschaft ist, in das Leben eingreift.

[ 14 ] The spirits of darkness which had been cast down from the spiritual world rebelled against this. They wanted people to take an active role in life and be masters at using the external intellect in their twenties, rather than go through quiet inner development.

[ 15 ] Jetzt haben Sie direkt eine soziale Erscheinung auf ihre spirituelle Grundlage zurückgeführt. Ein Kampf findet unter uns statt, denken Sie, ein bedeutungsvoller Kampf: Die Geister des Lichtes möchten uns erst nach dem achtundzwanzigsten Jahre so reif machen, daß wir hinaustreten ins öffentliche Leben, aktionsfähig werden. Die Geister der Finsternis möchten, daß der Zeitpunkt vorgeschoben, vor das achtundzwanzigste Jahr gerückt wird; sie möchten den Menschen früher hinausstoßen in das öffentliche Leben. Und alles, was in unserem sozialen Leben an Kräften spielt, die ein Spiegelbild sind von solchen Dingen, rührt davon her, wenn so zum Beispiel da oder dort wiederum ein Antrag gestellt wird, das wahlfähige Alter noch mehr gegen die Zwanzigerjahre herabzusetzen oder gar vor die Zwanzigerjahre hin. Da haben Sie die Ursprünge für diese Dinge.

[ 15 ] Here you have a social phenomenon traced back to its spiritual foundations. A significant battle is taking place among us, you will find. The spirits of light only want us to reach maturity and be ready to take on an active role in public life after the twenty-eighth year. The spirits of darkness want the time put forward, so that it comes before the twenty-eighth year; they want to push people out into public life at an earlier time. All the impulses in our social life which reflect these elements have their origin in this—when in some place or other, for instance, the request is made to bring the age of majority down even further, into the 20s or even earlier than the 20s. There you have the origins of these elements.

[ 16 ] Gewiß, solche Dinge zu wissen, ist dem heutigen Menschen unbequem, und wie vieles von den Geistern der Finsternis im öffentlichen Leben rumort, kann man ja eben gerade daraus entnehmen. Es ist bis jetzt viel von dem, was ich so dargelegt habe, den Menschen instinktiv bewußt gewesen, atavistisch bewußt gewesen. Aber das hat aufgehört. Und die Menschen werden sich entschließen müssen, dasjenige, was instinktiv bewußt war, was auch durch die alten Mysterien in die Menschen hineingeträufelt worden ist, das wirklich bewußt zu wissen, das heißt: spirituelle Grundsätze in die Gestaltung der sozialen Struktur aufzunehmen, wirklich daran zu denken, nicht so blindlings nach bloßen Emotionen die Welt gestalten zu wollen. Denn dadurch erreichen ja die Geister der Finsternis am besten, was sie wollen, daß die Menschen schlafen gegenüber den spirituellen Vorgängen. Dann können sich während dieses Schlafens die Geister der Finsternis sehr wohl dessen bemächtigen, was sie nicht erreichen können, wenn der Mensch sich bewußt hineinversetzt in das, was an spirituellen Impulsen durch die Evolution waltet. Und vieles von dem, was heute als Verlogenheit in der Welt vorhanden ist, ist ja eben dazu da, um die Menschen in Illusionen, das heißt in Schlafzustände einzuwiegen, damit sie die Wirklichkeit nicht sehen, damit sie von der Wirklichkeit abgelenkt werden, damit die Geister der Finsternis möglichst freies Spiel haben mit den Menschen. Denn indem man den Menschen alles mögliche vormacht, werden sie abgelenkt von dem, was sie im wachen Zustande wirklich erleben könnten und erleben müssen, wenn die Evolution der Menschheit in einer fruchtbaren Weise fortgehen soll. Wir leben nun einmal in dem Zeitalter, in dem die Menschen ihre Angelegenheiten selbst in die Hand nehmen müssen.

[ 16 ] People do, of course, find it uncomfortable to know such things today. For they make it evident to what extent the spirits of darkness are causing havoc in public affairs. Much of what I have been saying has so far been known instinctively and atavistically by people. This has come to an end, however, and people will have to be prepared to gain conscious knowledge of things that used to be known instinctively and were also instilled into human minds by the ancient Mysteries. Spiritual principles must be included in shaping the social structure; they have to be thought of, rather than people wanting to shape the world blindly on the basis of mere emotions. The spirits of darkness find it easiest to achieve their aims if people are asleep to what goes on in the spirit. They can then easily gain power over what that they cannot achieve if people enter consciously into the spiritual impulses that are active in evolution. Much of the mendacity which exists in the world today serves the purpose of rocking people to sleep so that they do not see the reality, are deflected from reality, and the spirits of darkness have it all their own way with the human race. All kinds of things are falsely presented to people to deflect them from truths they could experience if they were awake and, indeed, ought to experience, if human evolution is to proceed in a fruitful way. This is the age when human beings must take affairs into their own hands.

[ 17 ] Dazu aber wird ernstlich notwendig sein, daß gewisse Dinge durchschaut werden, die aber nur durchschaut werden können, wenn man die Kräfte, die spirituellen Kräfte kennt. Man kann sagen: Im 19. Jahrhundert ist alles geschehen, was bewirken kann, daß die Menschen abgelenkt werden von der Wahrheit. Bedenken Sie nur, was es eigentlich bedeutet hat, daß gerade in der wichtigsten Periode der Entwickelung des 19. Jahrhunderts der Darwinismus in der ja Ihnen öfter bezeichneten Weise sehr, sehr tief, bis in die populärsten Gedanken hinein, in die Menschenentwickelung eingegriffen hat. Es ist merkwürdig, was in bezug auf solche Dinge die Menschen zuweilen für Anschauungen entwickeln. So zum Beispiel findet sich in dem berühmten Buch von Fritz Mauthner, in seinem «Philosophischen Wörterbuche», der interessante Satz: Nicht wie Darwin die Teleologie, das heißt die Lehre von dem Zwecke, sondern daß er sie überwunden habe, das sei das Bedeutende. - Weil Mauthner doch so gescheit ist, daß er weiß, daß Darwin nur sehr mangelhaft das Walten spiritueller Mächte überwunden hat, so sagt er, nicht wie er es überwunden hat, sondern daß er es überwunden hat. Mit andern Worten meint Mauthner: Es ist schon sehr fruchtbar gewesen, daß man einmal den Gang der organischen Entwickelung so vorgestellt hat, als ob keine Zwecke durch irgendwelche spirituellen Wesen in dieser Entwickelung drinnen wären, als ob keine solchen Wesen drinnen wären.

[ 17 ] It will be of real importance to see certain things in their true light, which, however, will only be possible if one knows the spiritual powers involved. We may say that the nineteenth century brought everything which can cause people to be deflected from the truth. Just think what it really meant that Darwinism intervened so profoundly in human evolution, even at the most popular level of thinking, exactly during the most important phase of nineteenth-century evolution. It is strange to see what people sometimes come up with in this respect. For example, Fritz Mauthner's famous Dictionary of Philosophy4Fritz Mauthner (1849–1923), Woerterbuch der Philosophie, neue Beitraege zu einer Kritik der Sprache (translates as ‘Dictionary of Philosophy, New contributions to a critique of the language’), 2 vols, 1910/11. The statement relating to Darwin is to be found in a section on history. It reads as follows: ‘It is not the way in which Darwin annihilated teleology that will remain for ever; what will not be forgotten is the fact that he sought to understand the world of nature without resorting to teleology.’ includes the interesting statement that it was not how Darwin overcame teleology, the theory of design and purpose, which mattered, but the fact that he did overcome it. In other words, in Mauthner's view it was most fruitful that someone presented organic evolution taking its course without involving spiritual entities and their designs and purposes.

[ 18 ] Nun, für den, der solche Dinge durchschaut, stellt sich aber die Sache in der folgenden Weise dar: Wenn Sie ein Gespann sehen, eine Droschke, voran ein Pferd, so zieht das Pferd die Droschke. Sie werden zwar sagen: Der Kutscher sitzt auf dem Bock und kutschiert und lenkt das Pferd. - Aber wenn Sie absehen von dem Kutscher, so können Sie jetzt feine Studien machen, was alles im Pferde vorgeht, damit es die Droschke ziehe, und Sie können in allen Einzelheiten beschreiben, wie es das Pferd macht, daß es die Droschke zieht, wenn Sie eben davon abstrahieren, daß das Pferd erst seine Intentionen von dem Kutscher bekommt.

[ 18 ] Now, for someone who is able to see these things in their proper light, the matter appears as follows. If you see a horse-drawn vehicle, a cab with a horse in front, the horse is drawing the cab. You will, of course, say that the driver is sitting on the box and guiding the horse with the reins. But if you ignore the driver, you will find it interesting to study what goes on in the horse to make it draw the cab; you can go into every detail of how the horse sets about drawing the cab, if you leave aside the fact that it is given its intention by the cab driver.

[ 19 ] Darauf aber beruht die Darwinsche Lehre; man sieht einfach von dem Kutscher ab. Man behauptet: Das ist ein alter Aberglaube, ein Vorurteil, daß der Kutscher das Pferd lenkt. Das Pferd zieht doch den Wagen, das sieht doch jeder, denn das Pferd ist vorgespannt. — Ganz nach dem Muster dieser Logik ist die Darwinsche Theorie aufgebaut. Sie hat dadurch, durch diese Einseitigkeit, natürlich gute Wahrheiten zu Tage gefördert, Wahrheiten allererster Größe. Aber ein vollständiges Überschauen des Tatbestandes ist dadurch verdunkelt. Und unzählige naturwissenschaftliche Tatsachen in ihrer Erfahrung leiden heute gerade darunter, daß man, ich kann sagen, den Kutscher übersieht. Man spricht von Ursache und Wirkung; aber die Ursache für das Fortgehen des Wagens sucht man beim Pferde, und man betrachtet das als einen großen Fortschritt. Man bemerkt nicht, daß man solche Verwechslungen zwischen Pferd und Kutscher, solche «Pferdetheorien» - verzeihen Sie das harte Wort - auf Schritt und Tritt in der heutigen Wissenschaft findet. Deren Falschheit nachweisen kann man nicht, wie es ja auch nicht unrichtig ist, daß das Pferd den Wagen zieht. Das ist ja ganz richtig, aber um wahr und falsch in diesem äußeren Sinne handelt es sich nicht. Daher können materialistische Denker immer den spiritualistischen Denker widerlegen, der da weiß, daß außerdem noch der Kutscher da ist. Das aber zeigt Ihnen, wohin eine bloß spitzfindige, scharfsinnige, kritische Verständigkeit führen würde, wie sie die Geister der Finsternis dem Menschen bescheren wollen. Aufs Richtige braucht die Sache nicht zu gehen, aufs Vollständige schon gar nicht, sondern auf etwas, was eben nach dem Muster richtig ist, daß das Pferd den Wagen zieht. Es kann sich ganz gut die Logik emanzipieren von der Wirklichkeit. Man kann sehr logisch und zugleich sehr wirklichkeitsfremd sein.

[ 19 ] This is the actual basis of Darwinian theories; one simply leaves aside the driver, saying it is an old superstition, a prejudice, to say that the driver is guiding the horse. The horse is drawing the cab, anyone can see that, for the horse is in front. Darwinian theory is entirely based on this kind of logic. Being thus biased, it has, of course, brought to light some excellent truths which are of the first magnitude. But it blocks all possibility of a real overview. Countless scientific facts suffer at the empirical level from the fact that people overlook the driver. They speak of cause and effect; but they seek the cause for the movement of the cab in the horse, considering this to be a great advance. People fail to realize that this type of confusion between horse and driver—such ‘horse theories’, if you will forgive my putting it bluntly—exists right, left and centre in modern science. These theories cannot be proved wrong, just as it is not wrong to say the horse draws the cab. This is quite correct, but true and false in the outer sense is not the issue. Materialistic thinkers will always be able to refute a spiritualistic thinker who knows that the driver is there as well. Here you see where the hairsplitting, astute, critical intellect could lead, which the spirits of darkness want human beings to have. It does not matter about getting things right, let alone complete; what counts is that one follows the model where the horse draws the cab. Logic can easily separate from reality and go its own way. It is possible to be utterly logical and at the same time be far from reality.

[ 20 ] Wenn aber von der Menschheitsevolution die Rede ist, dann kommt noch ein anderes in Betracht, dann kommt in Betracht, daß die Geister der Finsternis Macht haben vorzugsweise über Verstand und Intellektualität. Die können sie ergreifen, aber nicht die Emotionen, nicht den Willen, vor allen Dingen nicht Willensimpulse. Hier berühre ich allerdings ein sehr tiefes, bedeutsames Gesetz der Wirklichkeit. Wir haben es erlebt - Sie haben )Ja alle schon, allerdings mit Unterschieden, ein so respektables Alter erreicht, daß wir von mehreren Jahrzehnten, wenigstens von zwei, drei Jahrzehnten sprechen können, die wir miterlebt haben -, wir haben es erlebt, daß in diesen Jahrzehnten, die unserer Zeit vorangegangen sind, die mannigfaltigsten sozialen Bestrebungen waren, die zum großen Teil von der Pressejournalistik, zum Teil auch von der Bücherjournalistik, sehr wenig aber vom wirklichen Wissen, von den Tatsachen getragen sind. Wir haben eigentümliche Strukturen erlebt des sozialen und politischen Lebens, wie es über Europa und Amerika in den letzten Jahrzehnten heraufgezogen ist. Das Eigentümliche nun ist, daß in all dem, was da geschieht, zwar die Gedanken vom Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts leben, aber nicht die Emotionen, nicht die Willensimpulse. Das ist sehr merkwürdig. Man kommt darauf nur durch wirklich gewissenhafte, ehrliche Untersuchungen in der geistigen Welt. Menschen, welche in den vierziger Jahren herabgestiegen sind aus der geistigen Welt zur Verkörperung in menschliche Leiber und jetzt wiederum schon oben sind, die wissen solche Dinge, die wissen aus dem Aspekt von der andern Welt aus, daß in der Tat hier auf Erden in den letzten Jahrzehnten die Verstande, die Intellekte, die gewissermaßen der Zeit nach reif waren, walteten — aber die Willensimpulse noch so wie damals in den vierziger Jahren. Denn der Wille bewegt sich nämlich wesentlich langsamer in der menschlichen Evolution als die Gedanken. Bitte, fassen Sie das als eine sehr wichtige Wahrheit auf: Der Wille bewegt sich viel langsamer als die Gedanken. So daß zum Beispiel bei den Menschen, die sich mehr den allgemeinen Gewohnheiten überlassen haben, die nicht dazumal gerade in den vierziger Jahren Rebellen oder Revolutionäre waren, sondern die sich so mehr den allgemeinen Gewohnheiten, den patriarchischen, biederen Gewohnheiten der dreißiger, vierziger Jahre überlassen haben, diese Gewohnheiten fortlebten bis in die Jahrzehnte, die ich jetzt meine. Aber die Gedanken schritten weiter. Und dadurch treten fortwährend in der Evolution Diskrepanzen auf zwischen dem Gedankenleben und dem Willensleben, die nicht in allen Sphären des Lebens, aber in gewissen Sphären des Lebens erscheinen.

[ 20 ] Something else has to be considered when we speak of human evolution. It is that the spirits of darkness have power mainly over the rational mind and intellect. They cannot get hold of the emotions, nor the will and, above all, not the will impulses. This touches on a profound and most significant law of reality. You have all of you, though to a different degree, reached a sufficiently respectable age for it to be fair to say you have lived several decades, or two or three decades at least. In the last decades we have seen a wide variety of social efforts, many supported by press journalism, some also by book journalism, but very few based on real knowledge and on the facts. We have seen strange forms of social and political life evolve in Europe and America. Yet, strangely, we find in all these things the ideas belonging to the end of the nineteenth and the beginning of the twentieth century, but not the emotions, nor the will impulses. This is strange indeed. It can only be discovered if we carry out genuinely honest and conscientious investigations in the spiritual world. People who came down from the world of the sprit in the 1840s to incarnate in human bodies and are now up in that world again know about these things; they have the point of view of the spiritual world and know that in recent decades the intellects were active which were ripe for the age, whilst the will impulses were still those of the 1840s. The will moves much more slowly in human evolution than do ideas. Please take this as a highly significant truth: the will moves much more slowly than do thoughts. For example, the patriarchal, solid-citizen-type habits of people who were not being rebels or revolutionaries in the 1830s and 1840s but were more inclined to follow the general trend, continued to live on into the decades of which I am now speaking. Their thoughts went ahead, however, and so there are continuous discrepancies between thought life and will life in evolution, discrepancies which do not show themselves in all, but only in some, spheres of life.

[ 21 ] Nur dadurch ist eines möglich geworden in diesem 19. Jahrhundert, was in allen früheren Jahrhunderten nicht möglich war. Äußere Geschichtsbetrachter können das ja allerdings bekämpfen, aber es ist unsinnig, wenn man es bekämpft. Was ich meine, ist dieses: daß niemals in den verfolgbaren historischen Epochen der Menschheitsentwickelung der Intellekt, die Gedankenschärfe. positiv ins Leben eingegriffen hat. Gehen Sie in die alten römischen Sklavenaufstände zurück: es waren im wesentlichen Rankünen, Willensimpulse, die die Sklaven zur Empörung gebracht haben. Das ist ganz anders im 19. Jahrhundert und ins 20. Jahrhundert herein. Die moderne Sozialdemokratie darf nicht verglichen werden historisch mit dem alten Sklavenaufstand; sie ist etwas ganz anderes, sie ist aus der Theorie heraus geboren, aus solchen Theorien, wie denen von Lassalle, aber hauptsächlich von Karl Marx, aus der Theorie vom Klassenkampf. Etwas rein Kritisches, rein Theoretisches, etwas, was rein auf Gedanken beruht, hat die Menschen auf die Beine gebracht, hat die Menschen zum Agitatorischen gebracht. Warum? Weil die Menschen, die den Marxismus agitatorisch aufnahmen, noch dieselben Willensimpulse hatten wie in den vierziger Jahren. Mit dem Willen waren sie noch nicht nachgekommen. Durch diese Willensdiskrepanz ist es gekommen, daß im 19. Jahrhundert durch die Führung gewisser Mächte eine rein intellektuelle Bewegung die Massen zur Agitation hat bringen können.

[ 21 ] It is entirely due to this that something became possible in the nineteenth century which had not been possible in any previous century. Superficial historians may well disagree, but it is pointless to go against it. What I mean is this: never before in the historical epochs of human evolution did the intellect, or acumen, positively intervene in life. Go back to the slave rebellions in ancient Rome; the slaves were essentially aroused by rancour, by will impulses. In the nineteenth and on into the twentieth century this is different. Modern social democracy does not compare, historically speaking, with the old slave rebellions; it is something entirely different, born out of theories produced by Lassalle,5Ferdinand Lassalle (1825–1864), German social democrat. but mainly by Karl Marx,6Karl Marx (1818–1883), founder of modern international Communism. including his theory of the class struggle. A purely critical element, purely theoretical, based on ideas, set people going and made them into agitators. This was because the people who took up Marxism and became agitators still had the will impulses of the 1840s. They had not been able to catch up as far as the will was concerned. This discrepancy in will had the effect that, under the guidance of certain powers, a purely intellectual movement generated agitation among the masses.

[ 22 ] Das ist eine Erscheinung, die früher nicht da war, die Ihnen mehr noch beweisen wird als das, was ich Ihnen gestern schon sagte, was es heißt, daß in diesem 19. Jahrhundert - teilweise während die Geister der Finsternisse noch oben waren, dann, als sie heruntergekommen waren -, daß in diesem 19. Jahrhundert die Geister der Finsternis durch die eine Strömung vorzugsweise den materiellen Verstand pflegen wollten. Da sehen Sie ihn wirken, da sehen Sie ihn sogar die Emotionen der dreißiger und vierziger Jahre ergreifen, da sehen Sie ihn einmal nicht nur als Verstand wirken, um die Menschen zur Überzeugung zu bringen, da sehen Sie den Verstand direkt in Agitation, Revolution, in revolutionären Sehnsuchten und so weiter wirken. Noch niemals hat der Verstand das Ruder so geführt. Das ist wichtig, daß man diese Dinge ins Auge faßt. Man muß die Zeit durchschauen dadurch, daß man entdeckt, was hinter den Kulissen der sogenannten Weltgeschichte vor sich geht. Fragen Sie irgend jemanden, der sich nicht viel um die Dinge bekümmert: Wie alt ist denn die Geschichte? Seit wann treibt denn die Menschheit das, was man heute Geschichte nennt? — Er wird antworten: Na, das ist eine alte Sache! — Die Geschichte ist nicht viel mehr als hundert Jahre alt. Dasjenige, was heute als Geschichte angesehen wird, das ist nicht viel älter als hundert Jahre. Vorher notierte man Denkwürdigkeiten, notierte man «Geschichten»; aber was man Weltgeschichte nennt, dieses Verfolgen eines Fadens durch die Menschheitsentwickelung, das ist nicht älter als ein bißchen mehr als hundert Jahre. Schauen Sie sich nur die früheren Geschichten an, die dem vorangegangen sind. Warum ist denn das heraufgekommen? Weil es ein Übergangsprodukt ist. Gibt es besondere Gründe, die Geschichte, so wie sie heute gepflegt wird, als eine Wissenschaft anzusehen? Nun ja, es gibt einige Gründe dafür, hauptsächlich den Grund, daß so und so viel hundert Professoren an sämtlichen Universitäten der Welt als Professoren der Geschichte angestellt sind. Es erinnert das an jenen juristischen Lehrer, an den ich mich manchmal erinnern muß, wenn von Gründen für die Dinge geredet wird. Der war Lehrer des Strafrechts an einer Universität und begann immer seine Vorlesungen damit, daß er die menschliche Freiheit beweisen wollte. Nun, viel hat er nicht an wirklichen Gründen vorgebracht: Meine Herren! Freiheit muß es geben, denn gäb es keine Freiheit, gäb es kein Strafrecht. Nun bin ich aber Professor des Strafrechts, also gibt es ein Strafrecht, also gibt es auch eine menschliche Freiheit.

[ 22 ] This is something which did not exist before; it shows, even more than what I said yesterday, that in the nineteenth century, partly during the time when the Spirits of darkness were still above, and then after they had come down, they sought above all to encourage the physical intellect by working through one particular stream. There you see it at work, you see it take hold of the emotions, even, in the 1830s and 1840s, and for once acting not as pure intellect alone to convince people. You see the direct effect of the intellect in agitation, revolution, revolutionary longings. Never before had the intellect been at the helm to that extent. It is important to consider this. We must penetrate the time with understanding by discovering what goes on behind the scenes in ‘world history’. Ask anyone who does not take much interest in these matters how old history is, and for how long humanity has been engaged in the discipline known as ‘history’ today. They will say that it goes a long way back. But ‘history’, as we know it today, is not much more than a hundred years old. Before that, memorable events and ‘histories’ were recorded ‘world history’, as it is called, where a thread is followed through human evolution, is just slightly over a hundred years old. Look at the stories or histories which preceded this. Why did modern history come up? Because it is a product of transition. Are there any special reasons why history, in the way it is handled today, should be regarded as a science? Well, we can give a number of reasons, the main one being that several hundred professors are employed as professors of history at all the universities on earth. This reminds me of an individual who taught criminal law and who tends to come to mind whenever we speak of the reasons for developments. This individual taught criminal law at a university. He always started his lectures with what he considered to be proof of human freedom. Well, he did not produce much by way of real reasons: ‘Gentlemen, freedom has to exist, for if there were no freedom there would be no criminal law. The fact is that I am a professor of criminal law; therefore criminal law must exist; it follows that human freedom also exists.’

[ 23 ] Aber so oft Sie heute urteilen hören über dies oder jenes, was sich bilden soll im Laufe der Menschheitsentwickelung, können Sie die schönen Sätze hören: Die Geschichte lehrt das und das. — Sehen Sie sich die Literatur an, die über die Jetztzeit — wenn ich das Wort gebrauchen darf - geschrieben wird, wie oft Sie da dem Satz begegnen werden, wenn wieder einer seinen Unsinn sagen will von dem, was nach dem Frieden wird, wie oft Sie da die Phrase vernehmen: Das lehrt die Geschichte. - Dann kommt er damit: Nach dem Dreißigjährigen Krieg war es so, und so weiter. — Diese Wahrheiten sind von der Art, wie ich es Ihnen vorgeführt habe, daß die Leute ausgerechnet haben, ein Krieg kann heute überhaupt nicht länger als vier Monate dauern. In Wahrheit lehrt die Geschichte gar nichts. Denn im Sinne der materialistischen Wissenschaft sind Wissenschaften nur diejenigen, welche aus der Wiederholung der Fälle das Zukünftige in irgendeiner Weise aus dem Vorhergehenden entnehmen können. Wenn der Chemiker ein Experiment macht, so weiß er, er bringt gewisse Stoffe zusammen, daraus ergeben sich gewisse Vorgänge; werden wieder dieselben Stoffe zusammengemischt, werden sich wieder dieselben Vorgänge ergeben, und ein drittes Mal wieder. Oder es ist eine gewisse Wolkenkombination da, die Blitze bewirkt, und eine ähnliche Wolkenkombination ist wieder da, so daß wieder Blitze bewirkt werden. Es kann ja unter den Voraussetzungen des heutigen Denkens eine Wissenschaft nicht bestehen, die nicht auf solche Wiederholungen baut. Denken Sie sich das nur einmal durch. Geschichte kann aber für diejenigen Menschen, die heute von ihrem materialistischen Standpunkte aus denken, gar keine Wissenschaft sein, denn es wiederholt sich niemals etwas in der Geschichte, es treten immer neue Kombinationen auf. Man kann also niemals nach der Methode schließen, nach der man bei den andern Wissenschaften schließt. Geschichte ist nur ein Übergangsprodukt. Sie ist ja erst im 19. Jahrhundert aufgekommen als Wissenschaft. Früher hat man Denkwürdigkeiten beschrieben. Nicht wahr, man bezeichnet es auch nicht als Geschichte, wenn jemand seine sogenannte Familiengeschichte aufschreibt. Sogar das Wort «Geschichte» ist gar nicht alt. In andern Sprachen als in der deutschen Sprache ist das Wort überhaupt nicht vorhanden, denn «Historie» hat einen ganz andern ursprünglichen Zusammenhang. Früher sagte man in der Einzahl «das Geschicht», «das Geschicht der Apostel» zum Beispiel, das ist das, was «geschieht». Und dann hat man die Mehrzahl gebildet: «die Geschichte», was eigentlich nichts anderes ist als die Mehrzahl von «das Geschicht»; heute muß man sagen «die Geschichten». Aber «die Geschichte» bedeuteten in der Schweiz noch vor hundertfünfzig Jahren die Mehrzahl von «das Geschicht», und das hat sich dann übertragen, indem man den Artikel geändert hat in «die Geschichte» — Singular — der Plural ist also später zum weiblichen Singular geworden. Dadurch ist das Wort Geschichte entstanden. Das können Sie aus der Wortgeschichte verfolgen.

[ 23 ] Whenever you hear opinions expressed on what are said to be developments in the course of human evolution, you will hear the fine words: ‘History has shown.’ Look at the things that are being written on current events. Again and again you will see the phrase ‘history has shown this,’ when someone wants to present his nonsense about what will happen once peace is made. They will say: ‘It was like this after the Thirty Years War,’ and so on. These truths are of the kind of which I have spoken before when I said that, according to people's calculations, a war cannot take more than four months today. In reality, history does not teach us anything. In materialistic thinking, sciences can only be called such if one has repeated instances which allow one to draw conclusions as to future developments. When a chemist does an experiment, he knows that if he combines certain substances certain processes will occur; combining the same substances again will result in the same processes, and the third time it will be the same again. Or one gets a certain cloud combination which generates lightning; a similar combination will again generate lightning. Modern thinking is based on premises according to which a science cannot be a science unless it rests on this type of repetition. Do think this through. History cannot be a science for people who take the materialistic point of view, for things do not repeat themselves in history, the combinations are always new. It is therefore not possible to draw conclusions by using the method employed in other sciences. History is merely a product of transition. It only became a science in the nineteenth century. Before then, memorable events were described. You see, writing your family history is not considered to be ‘history’ either. Even the German word for history, Geschichte, is far from old. Other languages do not even have this word, for the word ‘history’ has quite a different origin. In the past, the singular was das Geschicht, as in das Geschicht der Apostel, and so on, ‘what has come to pass’.7Das Geschicht, or die Geschichte, derives from the past participle of the verb geschehen, to have come to pass; die Geschichte nowadays translates into English as ‘history’, or ‘story’, ‘account’, depending on the context. (Translator) Then the plural die Geschichten came to be used, which is the straightforward plural of das Geschicht. Today we have to say die Geschichte. Yet in Switzerland die Geschichten was still the plural of das Geschicht 150 years ago. Then the article was changed and one said die Geschichte—singular—which had been the plural when the word had the article das. This is the origin of the word; you can read it up in works on etymology.

[ 24 ] Einen Sinn wird der Begriff der Geschichte erst erhalten, wenn geistige Impulse aufgefaßt werden. Da kann man sprechen von dem, was wirklich geschieht, da kann man innerhalb gewisser Grenzen sprechen von dem, was da hinter den Kulissen vorgeht. Die Grenzen sind dadurch gegeben, daß man die Sache vergleicht mit dem, was auch in der äußeren, physischen Welt ist. Man kann sagen, wie der zukünftige Sonnenstand, sagen wir im nächsten Sommer sein wird, aber nicht, wie das Wetter bis in alle Einzelheiten hinein sein wird, das kann man nicht. So treten natürlich auch in der geistigen Welt Dinge auf, die sich so wie das zukünftige Wetter zum zukünftigen Sonnenstand verhalten. Aber im allgemeinen wird man etwas wissen können über den Gang der Menschheitsentwickelung nur aus den geistigen Impulsen heraus. Die Geschichte ist also embryonal, ist heute noch nicht das, was sie sein soll, kann erst etwas werden, wenn sie ihren hundertjährigen Bestand überleitet in die Betrachtung des geistigen Lebens, das hinter dem äußeren Geschehen in der Menschheit sich abspielt.

[ 24 ] The term ‘history’ will only have real meaning when spiritual impulses are taken into account. There we can speak of what really has come to pass and, within limits, of what happens behind the scenes. Limits are set in so far as we compare this with what can be predicted to apply in the physical world in future—the position of the sun next summer, for example, and so on, but not every detail of the weather. The world of the spirit also has elements which are like the weather of the future in relation to the future position of the sun. Generally speaking, however, the course of human evolution can only be known on the basis of its spiritual impulses. History is therefore embryonic and not what it is supposed to be; it will only finally be something when it makes the transition from its 100 years of existence to consideration of the spiritual life which is behind the scenes of what comes to pass at the surface level for humanity.

[ 25 ] Dazu ist schon notwendig, daß die Menschen mit Bezug auf manche Dinge wirklich erwachen. Denn man braucht ja nur irgendein gerade für die Gegenwart nicht ganz unwichtiges Thema anzuschlagen, zum Beispiel solch ein Thema wie das, was ich angeschlagen habe: Wie alt ist die Geschichte? - Ja, wie viele Menschen haben denn — das ist nicht ein Vorwurf, den man dem einzelnen macht, sondern das ist ein Vorwurf, den man dem System der Schulen machen muß -, wie viele Menschen haben denn jemals eine Vorstellung davon bekommen, wie jung eigentlich der Begriff der Geschichte ist, wie wenig das also einer Wirklichkeit entsprechen kann! Denn denken Sie sich einmal: Wenn die Naturwissenschaft heute erst hundert Jahre bestünde und Sie sie vergleichen wollten mit früheren Zuständen der Naturwissenschaft! - Diese Dinge pflanzen sich erst allmählich herüber aus dem bloß Gelernten ins Leben. Und erst, wenn man das ins Auge fassen wird, wenn diese Fragen Erziehungsfragen werden, können die Menschen dazu kommen, das Leben wirklichkeitsgemäß zu verstehen. Die Menschen müssen auf der einen Seite dazu geführt werden, daß sie schon als Kinder mit dem Naturleben in einer Weise bekanntgemacht werden, wie man das in einzelnen - ich sage in einzelnen — Erzählungen des Brehmschen Tierlebens findet, wo man wirklich die Möglichkeit gewinnt, ein anschauliches Leben von Vorgängen zu gewinnen, die sich durch tierische Geschöpfe abspielen. Man muß da namentlich unterscheiden zwischen dem, was real in der Wirklichkeit wurzelt, und dem, was etwa jemand, der an der Oberfläche der Natur zu tippen gewohnt ist, als allerlei allegorische, symbolische Dinge erzählt. Dadurch würden die Kinder nur dem wirklichen Naturgeschehen entfremdet. Nicht darum handelt es sich, ihnen symbolisch, allegorisch Dinge zu erzählen, sondern sie in das wirkliche Naturgeschehen hineinzuführen, zum Beispiel das Leben der Bienen durchzugehen, aber nicht, wie es der Zoologe macht, sondern wie es derjenige macht, der wirklich mit der ganzen Seele den Dingen nachgehen kann, und namentlich ohne Sentimentalität. Das Bienenbuch von Maeterlinck ist gewiß sehr gut, aber für Kinder würde es sich nicht eignen; es könnte vielleicht die Anleitung dazu geben, ein Kinderbuch über die Bienen oder auch über die Ameisen zu schreiben. Nur müßte man eben alle Allegorik vermeiden, müßte vermeiden, von bloßen abstrakten Geistwesen zu sprechen, sondern man müßte aufs Konkrete wirklich eingehen.

[ 25 ] It means that people must really wake up in many respects. We merely need to take up a theme which is not without significance for the present time, such as the theme I have just taken up: How old is history? Many people—and this is not to blame individuals but merely the system used in schools—have never had the least idea that history is still so young and cannot yet be in accord with reality. Imagine what it would be like if natural science were only 100 years old and you wanted to compare it with earlier stages in natural science! These things only move gradually from being something which is merely learned, to becoming real life. It is only when this is seriously considered and these issues become issues in education that people will come to understand the reality of life. On the one hand people must be introduced to the life of nature when still young, as one sees in some—I am saying some—of the stories in Brehm's work,8See Note 2 of lecture 11. where it is really possible to gain a living perception of things which happen through creatures from the animal world. Distinction must be made above all between anything based on reality and the allegorical, symbolic tales told by people whose approach to nature is entirely superficial. These would merely come between the children and their understanding of reality. The point is that we should not tell them anything symbolic and allegorical, but introduce them to the real life of natural history. We might consider the life of bees, not in the way zoologists do, but rather in the way of someone who enters into things with heart and soul, without being sentimental about it. Maeterlinck's book on bees9Count Maurice Maeterlinck (1862–1949), Belgian dramatist and writer. Nobel prize for litersture 1911. His La vie des abeilles (1901) has been translated into English. Maeterlinck also wrote La vie des termites (1926) and La vie des fourmis (1930). is, of course, very good, but it would not be suitable for children; it might induce someone to write a children's book on bees, or perhaps on ants. You would have to avoid any form of allegory, nor should you speak of abstract spiritual entities; you would really have to go into the concrete reality.

[ 26 ] Auf der andern Seite müßte diese sogenannte Geschichte, die so, wie sie ist, ein Unfug für das Kindesalter ist, wirklich so getrieben werden, daß man das Walten des Geistigen überall durchfühlt. Natürlich können Sie den Kindern nicht erzählen, was da im 19. Jahrhundert sich abgespielt hat, auch den Gymnasiasten und Gymnasiastinnen nicht; aber wie man erzählt, wie man die Ereignisse gruppiert, welchen Wert man dem oder jenem beilegt, darinnen kann man zum Ausdruck bringen, um was es sich handelt.

[ 26 ] On the other hand, ‘history’, which is nonsense and harmful to children as it is now written, would have to be handled in such a way that one could always feel the spiritual at work in it. Of course, you cannot tell children, not even boys and girls at grammar school, what actuality happened in the nineteenth century; you can give expression to the real situation through the way in which the story is told, in the way in which events are grouped and by the value given to one element or another.

[ 27 ] Die Geschichten des 19. Jahrhunderts, die da verzapft werden, die sind wahrhaftig nicht geeignet, in irgendeinem Menschen heute, selbst wenn er schon in reiferen Jahren ist, eine Vorstellung von dem wirklichen Geschehen hervorzurufen. Da müßte man nun schildern, wie in diesem 19. Jahrhundert nach und nach durch das erste, zweite, dritte, vierte Jahrzehnt herauf sich etwas vorbereitet hat, was dann besonders rege geworden ist in den vierziger Jahren. Es kommt ja nur darauf an, so zu schildern, daß der Betreffende ein Gefühl bekommt von den Ereignissen der vierziger Jahre in Europa und Amerika: daß da etwas Besonderes drinnen — verzeihen Sie den Ausdruck - «wurlt». Dann wiederum, wenn man in die siebziger Jahre hineinkommt, nicht etwa erzählen, daß da Engel gestürzt worden sind, aber man kann so schildern, daß man sieht, daß man fühlt, daß ein Einschlag da ist für das 19. Jahrhundert. Geisteswissenschaft kann aber auch frühere Geschichte befruchten. Und jenes Blech, das heute als griechische und römische Geschichte verzapft wird in den Schulen, wie könnte das belebt werden, wenn es wirklich von den geisteswissenschaftlichen Impulsen durchdrungen würde, die wir dafür kennengelernt haben! Man braucht ja nicht diese Begriffe und Ideen zum Ausdruck zu bringen, sondern nur so zu erzählen, daß es anschaulich in der Erzählung wird. Aber davon hat man sich immer mehr und mehr entfernt und muß sich ihm wiederum nähern.

[ 27 ] The stories concocted for the nineteenth century are certainly not what is needed to give even people of more mature years an idea of what really happened. We ought to show how something was in preparation during the first, second, third and fourth decades of that century, which really came to life in the forties. All we have to do is to describe things in such a way that the individual concerned gets a feeling for events in Europe and America during the 1840s: this something special is ‘chumbling and churning’ in there, if you will forgive the expression.10See Note 7 of lecture 8. Then again, when one comes to the 1870s, we would not say it was the time when the Angels were cast down from heaven, but we can speak in a way for people to see, and feel, that a major change came at that point in the nineteenth century. Anthroposophy can also enrich earlier history. The rubbish presented as Greek and Roman history in schools today could really come to life if the anthroposophical impulses we have come to know were brought into it. No need to use exactly these terms and ideas, but tell the story in such a way that it emerges in the telling. People have moved a long way away from this and must come closer to it again.

[ 28 ] Dadurch allein werden die Menschen sich Wirklichkeitssinn erwerben. Denn heute fehlt den Menschen selbst in bezug auf das Primitivste des Umlebens und des Miterlebens der Wirklichkeitssinn. Die Menschen glauben heute realistisch, materialistisch zu sein, sind aber die abstraktesten Theoretiker, die man sich nur denken kann, sind vollgepfropft von bloßen Theorien, schlafen in lauter Theorien und sind sich dessen nicht bewußt, daß sie in Theorien schlafen. Wenn einmal einer aufwacht - es ist nicht Zufälligkeit, aber man könnte in populärer Redewendung sagen -, wenn einmal einer zufällig aufwacht und etwas wach sagt, wird er einfach unberücksichtigt bleiben. So geht es eben heute.

[ 28 ] This is the only way in which people can get a sense of reality. They lack this sense today even with regard to the most primitive aspects of life around them and the events in which they share. People think they are realistic and materialistic today when, in fact, they are the most abstract of theorists you can think of, stuffed full with theories, fast asleep in nothing but theories and not even aware of the fact. If one of them should happen to wake up—it is not a matter of chance, but if we use the popular way of saying it we might say: If one of them should by chance wake up and say something whilst awake, he would simply be ignored. It is the way things are today.

[ 29 ] Sie werden vielleicht schon gehört haben, daß von gewissen Leuten immer wiederum in die Welt posaunt wird: Die Demokratie muß die ganze Kulturwelt ergreifen. Demokratisierung der Menschheit ist dasjenige, was das Heil bringt; dafür muß man nun alles kurz und klein schlagen, damit die Demokratie sich ausbreitet auf der Welt. - Ja, wenn die Menschen einfach so fortleben, daß sie die Dinge, die als Begriffe an sie herantreten, nur so an sich herankommen lassen, also ganz aufgehend in dem Begriffe Demokratie, dann haben sie eben den Begriff Demokratie so, wie ich ihn als Definition des Menschen angeführt habe: Ein Mensch ist ein Wesen, das zwei Beine und keine Federn hat — wie ein gerupfter Hahn. - Denn ungefähr so viel, wie der, dem man einen gerupften Hahn zeigt, vom Menschen weiß, wissen die Menschen, die heute die Glorie der Demokratie verkündigen, von der Demokratie. Man nimmt Begriffe für Wirklichkeiten. Dadurch aber ist es unschwer möglich, daß die Illusion sich an die Stelle der Wirklichkeit setzt, wenn es sich ums Menschenleben handelt, indem man die Menschen einlullt und einschläfert durch Begriffe. Dann glauben sie, in ihrem Streben gehe es dahin, daß jeder Mensch seinen Willen zum Ausdruck bringen könne durch die verschiedenen Einrichtungen der Demokratie, und merken nicht, daß diese Strukturen der Demokratie so sind, daß immer ein paar Menschen an den Drähten ziehen, die andern aber werden gezogen. Doch weil man ihnen immer vorredet, sie sind in der Demokratie drinnen, merken sie nicht, daß sie gezogen werden, daß da einzelne ziehen. Und um so besser können diese einzelnen ziehen, wenn die andern alle glauben, sie ziehen selbst, sie werden nicht gezogen. So kann man ganz gut durch abstrakte Begriffe die Menschen einlullen und sie glauben das Gegenteil von dem, was Wirklichkeit ist. Dadurch können aber die dunkeln Mächte gerade am allerbesten wirken. Und wenn einmal einer aufwacht, so wird er eben nicht berücksichtigt.

[ 29 ] You will no doubt have heard that certain people are over and over again proclaiming to the world that democracy must spread to the whole civilized world. Salvation lies in making the whole of humanity democratic; everything will have to be smashed to pieces so that democracy may spread in the world. Well, if people go on to accept ideas presented to them as they are, with wholesale acceptance of the term democracy, for instance, their idea of democracy will be like the definition of the human being which I gave you: A human being is a creature with two legs and without feathers: a plucked cockerel. The people who are glorifying democracy today know about as much about it as someone who is shown a plucked cockerel knows about the human being. Concepts are taken for reality, and as a result illusion may take the place of reality where human life is concerned by lulling people to sleep with concepts. They believe the fruits of their endeavours will be that every individual will be able to express their will in the different democratic institutions, and they fail to see that these institutions are such that it is always just a few people who pull the wires, whilst the rest are pulled along. They are persuaded, however, that they are part of democracy and so they do not notice they are being pulled and that some individuals are pulling the strings. Those individuals will find it all the easier to do the pulling if the others all believe they are doing it themselves, instead of being pulled along. It is quite easy to lull people to sleep with abstract concepts and make them believe the opposite of what is really true. This gives the powers of darkness the best opportunity to do what they want. And if anyone should wake up they are simply ignored.

[ 30 ] Interessant ist es, wie 1910 einer den schönen Satz geschrieben hat, daß es dem Großkapitalismus gelungen sei, aus der Demokratie das wunderbarste, wirksamste, biegsamste Werkzeug zur Ausbeutung der Gesamtheit zu machen. Man bilde sich gewöhnlich ein, die Finanzleute seien Gegner der Demokratie, schreibt der betreffende Mann - ein Grundirrtum; vielmehr seien sie deren Leiter und deren bewußte Förderer. Denn diese — die Demokratie nämlich — bilde die Spanische Wand, hinter welcher sie ihre Ausbeutungsmethode verbergen, und in ihr fänden sie das beste Verteidigungsmittel gegen die etwaige Empörung des Volkes.

[ 30 ] It is interesting to note that in 1910 someone wrote that large scale capitalism had succeeded in making democracy into the most marvellous, flexible and effective tool for exploiting the whole population. Financiers were usually imagined to be the enemies of democracy, the individual concerned wrote, but this was a fundamental error. On the contrary, they run democracy and encourage it, for it provides a screen behind which they can hide their method of exploitation, and they find it their best defence against any objections which the populace may raise.

[ 31 ] Da hat einmal einer, der aufgewacht ist, gesehen, wie es nicht darauf ankommt, von Demokratie zu deklamieren, sondern wie es darauf ankommt, die Wirklichkeit zu durchschauen, nichts auf alle solche Schlagworte zu geben, sondern zu sehen, was wirklich ist. Heute wäre dies ganz besonders notwendig, denn man würde dann sehen, von wie wenigen Zentren aus die Ereignisse heute eigentlich gelenkt und geleitet werden, die so furchtbar, so blutig über die ganze Menschheit hin walten. Darauf wird man nicht kommen, wenn man immer in dem Irrwahn lebt, die Völker bekämpfen sich; wenn man sich immer einlullen läßt von der europäischen und amerikanischen Presse über irgendwelche Beziehungen, die in den gegenwärtigen Ereignissen zwischen den Völkern sein sollen. Das alles, was da gesagt wird über Antagonismus und Gegensätzlichkeiten der Völker, das ist dazu da, um über die wahren Gründe den Schleier zu breiten. Denn nicht dadurch, daß man von Worten heute zehrt, um diese Ereignisse zu erklären, kommt man zu irgendeinem Resultat, sondern dadurch, daß man auf die konkreten Persönlichkeiten hinzeigt. Das wird nur manchmal unbequem. Und derselbe Mann, der diese Sätze niedergeschrieben hat 1910, der aufgewacht ist, der hat auch in demselben Buche eine höchst unangenehme Rechnung angestellt. Er hat nämlich eine Liste aufgestellt von fünfundfünfzig Männern, die in Wirklichkeit Frankreich beherrschen und ausbeuten. Diese Liste gibt es in dem Buche «La Démocratie et les Financiers», 1910, von Francis Delaisi, von demselben Mann, der das ja mittlerweile berühmt gewordene Buch «La Guerre qui vient» geschrieben hat, das letztere 1911, das Buch «La Démocratie et les Financiers» 1910. In diesem Buche finden Sie Sätze von fundamentaler Bedeutung. Da ist einmal ein Mensch aufgewacht gegenüber der Wirklichkeit. In diesem Buche «Die Démokratie und die Finanzwelt» liegen Impulse, um vieles von dem zu durchschauen, was heute durchschaut werden sollte, vieles aber auch zu zerhauen von dem, was als Nebel über die Gehirne der Menschen hin zum Fluten gebracht wird. Auch über diese Dinge muß man sich entschließen, die Wirklichkeit ins Auge zu fassen.

[ 31 ] For once, therefore, a man woke up and saw that what mattered was not to proclaim democracy but to see the full reality, not to follow slogans, but to see things as they are. This would be particularly important today, for people would then realize that the events which reign with such blood and terror over the whole of humanity are guided and directed from just a few centres. People will never realize this if they persist in the delusion that nation is fighting nation, and allow the European and American Press to lull them to sleep over the kinds of relations that are said to exist between nations. Everything said about antagonism and opposition between nations only exists to cast a veil over the true reasons. For we shall never arrive at the real truth if we feed on words in order to explain these events, but only if we point to actual people. The problem is that this tends to be unpalatable today. And the man who woke up and wrote these statements in 1910 also presented some highly unwelcome accounts in his book. He produced a list of fifty-five individuals who are the real rulers and exploiters of France. The list can be found in Francis Delaisi's La Democratie et les Financiers,11Francis Delaisi (b. 1873), French social scientist and writer. written in 1910; the same man has also written La Guerre qui vient, a book which has become famous. In his La Democratie et les Financiers you will find statements of fundamental significance. There you have someone who has woken up to reality. The book contains impulses which allow one to see through much of what we should see through today, and also to cut through much of the fog which is made to wash over human brains today. Here again, we must resolve to look to reality.

[ 32 ] Natürlich ist das Buch unberücksichtigt geblieben. Aber in diesem Buche werden gewisse Fragen aufgeworfen, die heute in der ganzen Welt aufgeworfen werden sollten, weil sie manches über die Wirklichkeit lehren würden, die man so begraben will unter all den Deklamationen von Demokratie und Autokratie und was die Schlagworte alle sind. In diesem Buche finden Sie zum Beispiel auch eine sehr schöne Darstellung von der üblen Lage, in der eigentlich ein Parlamentarier ist. Nicht wahr, die Menschen glauben, so ein Parlamentarier stimmt nach seiner Überzeugung ab. Aber würde man alle die Fäden kennen, durch die ein solcher Parlamentarier zusammenhängt mit der Wirklichkeit, dann würde man erst wissen, warum er in einem Fall ja und im andern Fall nein sagt. Denn gewisse Fragen müssen aufgeworfen werden. Delaisi wirft sie auf. Zum Beispiel wirft er die Frage auf, indem er einen Parlamentarier ins Auge faßt: Auf welche Seite soll sich der arme Mann stellen? Das Volk zahlt ihm jährlich dreitausend Francs Diäten, die Aktionäre dreißigtausend Francs! — Die Frage stellen heißt sie schon beantworten. Also der gute arme Mann bekommt vom Volk seine dreitausend Francs Diäten, von den Aktionären dreißigtausend! Nicht wahr, es ist ein sehr schöner Beweis, zeugt manchmal von großem Scharfsinn zu sagen: Wie schön ist es doch, daß einmal in einem Parlament ein Sozialist, ein Volksmann wie Millerand, einen Platz gefunden hat! Es ist etwas Großartiges, daß eine solche Errungenschaft möglich geworden ist. Delaisi fragt etwas anderes. Er fragt: Wie steht es mit der Unabhängigkeit eines Menschen wie Millerand, der jährlich dreißigtausend Francs als Vertreter von Versicherungsgesellschaften verdiente?

[ 32 ] The book has, of course, been ignored. It does, however, raise issues which should be raised all over the world today, for they would teach people much about the reality which others intend to bury under all their declamations on democracy and autocracy and whatever the slogans may be. The book also gives an excellent exposition on the extremely difficult position in which members of parliament find themselves. People think they can vote according to their convictions. But you would have to know all the different threads which tie them to reality if you wanted to know why they vote for one thing and against another. Certain issues really must be raised. Delaisi does so. Thus, for example, he considers a member of parliament and asks the question: Which side should the poor man support? The people pay him three thousand francs a year and the shareholders pay him thirty thousand francs!’ To pose the question is to answer it. So the poor dear man gets his three-thousand-franc allowance from the people, and thirty thousand francs from the shareholders! I think you will agree it is a good piece of proof, a sign of real acumen, to say: How nice that a socialist, a man of the people like Millerand12Alexandre Millerand (1859–1943), the first socialist to hold ministerial Position in a French government. Minister of Commerce 1899–1902, of Works 1909–1910, of War 1912–1913. has gained a seat in parliament! Delaisi's question goes in another direction. He asks: How far can someone like Millerand, who was earning thirty thousands francs a year for representing insurance companies, be independent?

[ 33 ] Da ist einmal einer aufgewacht; der weiß ganz gut, wie die Fäden gehen von den Taten eines solchen Mannes in die verschiedenen Versicherungsgesellschaften hinein. Aber solche Dinge, die heute im Wachzustand über die Wirklichkeit erzählt werden, die werden eben nicht berücksichtigt. Man kann natürlich sehr schön den Menschen von der Demokratie der westlichen Welten deklamieren. Wenn man ihnen aber die Wahrheit sagen wollte, müßte man ihnen sagen: Wer soundso heißt, macht es so, und wer soundso heißt, macht es so. - Und da rechnet Delaisi fünfundfünfzig Männer heraus, nicht eine Demokratie, sondern fünfundfünfzig bestimmte Männer, von denen er sagt, daß sie Frankreich beherrschen und ausbeuten. Da ist man auf die realen Tatsachen gekommen, denn auch im gewöhnlichen Leben muß der Sinn erwachen für reale Tatsachen.

[ 33 ] So for once someone did wake up. He is well aware of the threads which run from the actions of such an individual to the different insurance companies. But such things, reported by someone who is awake and sees the truth, are ignored. It is, of course, only too easy to talk about democracy in the Western world. Yet if you wanted to tell people the truth you would have to say: ‘The man called so and so is doing this, and the one called so and so is doing that.’ Delaisi has found fifty-five men—not a democracy but fifty-five specific individuals—who, he says, govern and exploit France. There, someone has discovered the real facts, for in ordinary life, too, a feeling must awaken for the real facts.

[ 34 ] Das weiß man auch aus dem Buch von Delaisi: Es war einmal ein Advokat. Dieser Advokat — viele Fäden verbanden ihn mit allen möglichen, nicht nur mit Versicherungsgesellschaften, sondern auch mit Finanzzentren, Finanzwelten -, aber dieser Advokat hatte noch höheren Ehrgeiz; er wollte für seine Taten nicht nur durch die Finanzwelt, durch die Industriewelt, Handelswelt protegiert sein, sondern auch durch die Gelehrtenwelt der Akademie. Das ist die Stätte, wo man durch die Gelehrtenwelt selbst in die Sphäre der Unsterblichkeit erhoben werden kann. Aber nun fanden sich zwei «Unsterbliche» innerhalb der Akademie, welche just unerlaubte Trustgeschäfte machten. Sie fanden es ganz gut vereinbar mit ihrem Wirken für die Unsterblichkeit, Trustgeschäfte, die unerlaubt waren nach dem Gesetze des Landes, zu machen. Da fand sich denn der sehr scharfsinnige Advokat und vertrat die beiden Unsterblichen vor dem Gerichte, und es gelang ihm, sie freizubekommen, sie reinzuwaschen, so daß sie nicht verurteilt wurden. Da nahmen sie ihn selber unter die «Unsterblichen» auf. Die Wissenschaft, die nicht das Zeitliche der Welt, sondern das Ewige der Welt, das Unsterbliche verwaltet, die ist verteidigt worden von diesem «selbstlosen» Advokaten: Raymond Poincare heißt er. - Delaisi erzählt in dem genannten Buche diese Geschichte.

[ 34 ] Here is something else from Delaisi: There was once a lawyer who had all kinds of connections, not just insurance companies, but centres of finance, financial worlds. But this lawyer wanted to aim even higher; he wanted sponsorship not only from the worlds of finance, industry and trade, but also from the academic world of the French Academy. This is a place where the academic world can raise one to the sphere of immortality. There were two ‘Immortals’ within the Academy, however, who were involved in illegal trust dealings. They found it perfectly possible to combine their work for immortality with trust dealings which the law of the land did not permit. Then our sharp-witted lawyer defended the two Immortals in court and managed to get them off, to whitewash them so that no sentence was passed. They then had him admitted to the ranks of the ‘Immortals’. Science, responsible not for the temporal things of the world but for things eternal and immortal, made itself the advocate of this selfless lawyer. His name is Raymond Poincar.13Raymond Nicholas Poincar (1860–1934), president of the French Republic 1913–1920; his policies were extremely anti-German. Delaisi tells the story in his La Democratie et les Financiers.

[ 35 ] Es ist ganz gut, solche Dinge als Ingredienzen der Wirklichkeit auch zu wissen. Diese Dinge müssen schon ins Auge gefaßt werden. Und man wird so gelenkt, daß man einen gewissen Spürsinn für die Wahrheit bekommt, wenn man Geisteswissenschaft aufnimmt, während die materialistische Bildung der heutigen Zeit, in die ja so unzählige Kanäle von der Presse fließen, dazu angetan ist, nicht auf die Wirklichkeiten hinzuweisen, sondern auf etwas, was mit allerlei Schlagworten wie mit Mäntelchen belegt wird. Und wenn einmal einer aufwacht wie der Delaisi und die Dinge schildert, wie sie sind: Wie vielen Menschen werden diese Dinge bekannt? Wie viele Menschen hören darauf? Sie können ja auch nicht hören, denn es wird begraben von dem — nun, eben wieder von dem von der Presse beherrschten Leben. Delaisi erweist sich in seinem Buche über die Demokratie und die Finanzwelt als ein recht heller Kopf, der sich viele Mühe gegeben hat, manches zu durchschauen. Er ist kein blinder Anbeter des Parlamentarismus, er ist kein blinder Anbeter der Demokratie. Er sagt voraus, daß diese Dinge, auf die sich die heutigen Menschen so furchtbar viel zugutetun, aufhören werden. Er sagt es ausdrücklich, auch von der «Abstimmungsmaschine» - so ungefähr ist das Wort, in dem er sich ausdrückt. Und ganz wissenschaftlich und ernsthaft ergeht sich auch Delaisi über diese parlamentarische Abstimmungsmaschine, denn er durchschaut den ganzen Apparat, der in diese Abstimmungsmaschinen hineinführt, denen gegenüber man den Glauben erwecken will, da stimme ab eine überzeugte Majorität gegen eine verrückte Minorität. Er weiß, daß, wenn eine gesunde Entwickelung kommen soll, ganz anderes an die Stelle treten muß.

[ 35 ] It is not a bad thing to know these things, which are ingredients of reality. They must be seriously considered. And one is guided to develop something of a nose for reality when one takes up anthroposophy, whilst the materialistic education people have today, with innumerable channels opening into it from the Press, is designed to point not to the realities but to something which is cloaked in all kinds of slogans. And if someone does wake up, as Delaisi did, and writes about how things really are, how many people get to know about it? How many people will listen? They cannot listen, for it is buried by—well, by a life that again is ruled by the Press. Delaisi shows himself to be a bright person, someone who has gone to a lot of trouble to gain real insight. He is no blind follower of parliamentarianism, nor of democracy. He predicts that the things people think are so clever today will come to an end. He says so expressly, also with reference to the ‘voting machine’—which is approximately how he puts it. He is entirely scientific and serious in his discourse on this parliamentary voting machine, for he understands the whole system which leads to these ‘voting machines’, where people are made to believe that a convinced majority is voting against a mentally unhinged minority. He knows that something else will have to take the place of this if there is to be healthy development.

[ 36 ] Das ist heute noch nicht möglich, weil es noch die Leute sehr schockieren würde, zu sagen, was an die Stelle treten wird. Das kann heute eigentlich im Grunde genommen nur der in die Geisteswissenschaft Eingeweihte wissen. Formen der Vergangenheit werden ganz gewiß nicht an die Stelle treten. Sie brauchen nicht zu fürchten, daß derjenige, der aus der Geisteswissenschaft heraus redet, irgendwelchen reaktionären oder konservativen Dingen das Wort redet; vergangene Dinge werden es nicht sein. Doch sind die Dinge von dem, was heute als Abstimmungsmaschine besteht, so verschieden, daß es schockieren würde. Es würde noch als eine Verrücktheit angesehen. Trotzdem wird es sich in die Impulse der Zeitentwickelung einleben. Aber auch Delaisi meint: Wie in der organischen Entwikkelung später unnütze Glieder auftreten, die fortbestehen, obgleich sie ihre Funktionen schon verloren haben, so werden längere Zeit auch noch diese Parlamente abstimmen; aber das lebendige Leben, das geht aus ihnen fort.

[ 36 ] This is not yet possible, for people would be deeply shocked if you were to tell them what will take its place. Only people initiated into spiritual science can really know this today. Forms which belong to the past will definitely not take its place. You need not be afraid that someone speaking out of anthroposophy will promote some kind of reactionary or conservative ideas; no, these will not be things of the past, but they will be so different from the ‘voting machine’ which exists today that people will be shocked and consider this madness. Nevertheless it will enter into the impulses of evolution in time. Delaisi, too, says: In organic development certain parts lose their original function and become useless but still persist for some time; in the same way, these parliaments will continue to vote for quite some time, but all real life will have departed from them.

[ 37 ] Sie wissen, der Mensch hat solche Glieder, die heute ihre Aufgabe verloren haben: manche können noch die Ohren bewegen, auf früheren Stufen waren Muskeln da, die haben ihre Aufgabe verloren. Der Mensch hat heute noch diese Muskeln, aber es sind sogenannte atavistische Glieder, die nicht mehr ihre Aufgabe haben. So stellt sich Delaisi das Parlament der Zukunft vor; die Parlamente werden noch solche abfallende, abgestorbene, atavistische Überreste sein, aber etwas anderes wird in die menschheitliche Entwickelung hineingeführt werden.

[ 37 ] You know that human beings have parts of the body which are like this. Some people can move their ears because the muscles for this existed in the past. We still have those muscles, but they have become atavistic and have lost their function. This is how Delaisi sees the parliament of the future; parliaments will be such atavistic remnants which have died and will drop off, and something quite different will come into human evolution.

[ 38 ] Ich habe Ihnen gerade Delaisi angeführt, das Buch, das vor noch gar nicht zu langer Zeit, 1910, erschienen ist, um Sie aufmerksam darauf. zu machen, daß eigentlich genugsam Leute vorhanden sind denn einer genügt ja für manche Tausende -, daß es sich nur darum handelt, diese Leute nicht unberücksichtigt zu lassen. Und neben dem, daß ich mich bestrebe, Sie einzuführen in die Gesetze des geistigen Lebens, in die Impulse des geistigen Lebens, neben dem betrachte ich es auch als meine Aufgabe, auf die bedeutenden Erscheinungen der Gegenwart hinzuweisen, wenn auch dadurch zunächst zustandekommt, daß dasjenige, was Sie hier in diesen Vorträgen als die bedeutenden Erscheinungen hören, Sie draußen im Leben gerade nicht als bedeutende Erscheinungen genannt finden, wenn Sie es überhaupt genannt finden. Es muß sich schon radikal und gründlich das, was unter uns getrieben wird, unterscheiden von dem, was draußen getrieben wird. Nur dann, wenn wir dies in aller Tiefe und in allem Ernste auffassen, können wir wirklich in entsprechender Weise Geisteswissenschaft treiben.

[ 38 ] I have quoted Delaisi and his book which appeared not so long ago, in 1910, to show you that there really are enough people—for one such individual will be enough for many thousands. It is important, however, not to ignore these people. Apart from my efforts to introduce you to the laws of spiritual life and the impulses of spiritual life, I also regard it to be my function to draw attention to significant elements in present-day life. It means, of course, that initially you will hear aspects called significant in these lectures which are not considered significant in life outside, if you find them mentioned at all. The things we do must be radically and thoroughly different from those which are done outside. And we can only truly follow the science of the Spirit in the way it should be followed if we accept this in all its depth and seriousness.

[ 39 ] Morgen werde ich dann wiederum hier einen Vortrag halten, der sich mehr auf Künstlerisches beziehen wird, so daß wohl die richtige Fortsetzung der heutigen Betrachtungen erst am nächsten Freitag erfolgen wird. Wenn es nicht mittlerweile anders beschlossen wird nicht bei uns, aber bei den Behörden heraußen -, dann nächsten Freitag um 7 Uhr. Morgen also um 6 Uhr.

[ 39 ] Not translated

[ 40 ] Ich darf Sie vielleicht aufmerksam machen, meine lieben Freunde, daß ich eben das Buch abgeschlossen habe «Von Seelenrätseln», das noch nicht erschienen ist, aber demnächst erscheinen wird. Es enthält zunächst drei Abschnitte:

[ 40 ] Not translated

I. Anthropologie und Anthroposophie
II. Max Dessoir über Anthroposophie
III. Franz Brentano (Ein Nachruf).

Not translated

[ 41 ] Und dann lege ich aber insbesondere Wert darauf, daß ich im Anfang Exkurse gegeben habe, welche wirklich jahrzehntelang von mir betriebene frühere Gebiete zusammenfassen. Sie finden dann in dieser Schrift, den heutigen Verhältnissen entsprechend gehalten:

[ 41 ] Not translated

1. Die philosophische Rechtfertigung der Anthroposophie
2. Das Auftreten der Erkenntnisgrenzen nur»
3. Von der Abstraktheit der Begriffe
4. Ein wichtiges Merkmal der Geist-Wahrnehmung
5. Über die wirkliche Grundlage der intentionalen Beziehung
6. Die physischen und die geistigen Abhängigkeiten der Menschen-Wesenheit
7. Die Sonderung des Seelischen von dem Außer-Seelischen durch Franz Brentano
8. Ein oft erhobener Einwand gegen die Anthroposophie.

Not translated

[ 42 ] Ferner finden Sie im 3. Buch des Jahres -— Oktober 1917 - vom «Reich» den ersten Teil des Aufsatzes von mir über «Die Chymische Hochzeit von Christian Rosenkreutz», ferner einen schönen Aufsatz von Dr. Unger über Erkenntnisfragen der Geisteswissenschaft und auch einen schönen Aufsatz von Dr. Wohlbold, und manches andere. Ich erwähne nur diejenigen Aufsätze, die in dieser Schrift direkt aus unserer anthroposophischen Bewegung hervorgegangen sind. Auch von Frau Wolfram finden Sie einen Aufsatz über die Alexandersage. Also gerade in diesem Heft des «Reich» finden Sie einen großen Teil direkt aus unserer anthroposophischen Geistesströmung entsprungen.

[ 42 ] Not translated