How Individual Spirit Beings Work in the Human Soul
GA 178
11 November 1917, Dornach
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Psychoanalysis in the Light of Anthroposophy, tr. Brown
6. Über die Psychoanalyse II
II. Anthroposophy and Psychoanalysis II
[ 1 ] Einen Versuch, Erkenntnisse zu gewinnen auf seelischem Gebiete mit unzulänglichen Erkenntnismitteln — so habe ich gestern dasjenige bezeichnet, was auftritt als analytische Psychologie oder Psychoanalyse. Es ist vielleicht nichts so sehr als diese Psychoanalyse geeignet, darauf hinzuweisen, wie in unserer Gegenwart alles dazu drängt, die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft zu bekommen, und wie auf der andern Seite aus unterbewußten Vorurteilen heraus die Menschen sich sträuben, in eine geisteswissenschaftliche Betrachtung der Sachlage einzutreten. Ich habe Ihnen ja gestern wiederum eine solche Sache vorgeführt, aus der Sie sehen können, wie man die grotesken Sprünge, in welche das Denken der modernen Gelehrsamkeit hineinkommt, wenn es sich an seelische Probleme wagt, aufzeigen und wie man solche Sprünge in den Gedankengängen der modernen Gelehrten, ich möchte sagen, abfangen kann. Wir haben darauf hingewiesen, daß einer der besseren Psychoanalytiker, Jung, zu der Einteilung gekommen ist des mehr denkenden und des mehr fühlenden Menschen, daß er von da ausgehend dann beim denkenden Menschen im Unterbewußtsein Gefühlsimpulse vermutet, welche heraufstürmen gegen das im Bewußtsein anwesende Denken und dadurch seelische Konflikte herbeiführen, oder umgekehrt, daß Gedanken, die im Unterbewußten sind, gegen das Gefühlsleben stürmen und seelische Konflikte hervorrufen.
[ 1 ] I have designated what is called analytical psychology or psychoanalysis as an effort to gain knowledge in the soul realm by inadequate means of cognition. Perhaps nothing is so well adapted to show how, at the present time, everything urges the attainment of the anthroposophically orientated spiritual science, and how on the other side, subconscious prejudices lead men to oppose a spiritually scientific consideration of the facts. Yesterday I showed you by definite examples what grotesque leaps modern erudition is obliged to take when it ventures upon soul problems, and how to detect these leaps in the mental processes of modern scholars. It was pointed out that one of the better psychoanalysts—Jung—divided patients into two classes: the thinking type, and the feeling type. From this starting point he assumed that in cases of the thinking type, subconscious feelings force their way up into consciousness and produce soul conflicts—or in the opposite type, that thoughts in the subconscious mind arise and conflict with the life of feeling.
[ 2 ] Nun könnte man sagen: Ja, diese Dinge werden ausgefochten innerhalb der wissenschaftlichen Diskussionen, und man könne abwarten, bis sich die Leute bequemen, die unterbewußten Vorurteile gegen anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft zu überwinden. Allein, so ganz passiv abzuwarten geht dann schwer, wenn sich solche Dinge nicht bloß auf das theoretische Gebiet begeben, sondern wenn solche Dinge in das Praktische des Lebens, in die Kulturentwickelung eingreifen wollen. Und es will sich ja die Psychoanalyse betätigen auf dem Gebiete der Therapie nicht nur, was vielleicht weniger noch bedenklich wäre, weil sie ja da wohl sich kaum allzuviel zunächst zu unterscheiden scheint — aber ich sage scheint — von manchen andern therapeutischen Methoden; aber sie will sich auch betätigen auf dem Gebiete des pädagogischen Wirkens; sie will gewissermaßen die Grundlage werden eines pädagogischen Wirkens. Und da kommt man denn schon in die Notwendigkeit, auf die Gefahren, die in Viertelswahrheiten liegen, stärker hinzuweisen, als das der Fall ist innerhalb einer bloßen theoretischen Diskussion.
[ 2 ] Now it might be suggested that these things will be fought out in scientific discussion, and that we might wait until people make up their minds to overcome the subconscious prejudice against anthroposophical spiritual science. But passive waiting becomes impossible in that such things do not confine themselves to the theoretical field, but encroach upon life practice and cultural development. And psychoanalysis is not content to occupy itself with therapy alone, which might be less dubious since there seems to be little difference—I said seems—between it and other therapeutical methods; but it is trying to extend itself to pedagogy, and to become the foundation of a teaching system. This forces us to point out the dangers residing in quarter-truths in a more serious manner than would be called for by mere theoretical discussion.
[ 3 ] Nun werden wir aber heute unser Betrachtungstableau weiter ausdehnen müssen, wenn wir wenigstens zunächst — alles mögliche, was auf die Sache bezüglich ist, kann ja nur im Laufe der Zeit besprochen werden —, wenn wir wenigstens zunächst einiges Licht auf den einen oder andern Gesichtspunkt werfen wollen. Zunächst möchte ich darauf aufmerksam machen, daß die Tatsachen, welche der Psychoanalyse vorliegen, in der Tat geeignet wären, auf ein wichtiges spirituelles Gebiet hinzuweisen, das der gegenwärtige Mensch, wenigstens nicht genau, nicht exakt betreten möchte, das er sehr gern in allerlei unterbewußten, nebulosen Regionen lassen will; denn nichts liebt die noch immer selbst auf solchem Gebiete vom Materialismus angekränkelte Betrachtungsweise der Gegenwart mehr, als — gestatten Sie das Paradoxon — ein unklares, mystisches Herumschwimmen in allerlei nicht ausgeführten Begriffen. Man findet ja die groteskeste Mystik, die abstoßendste Mystik gerade innerhalb des Materialismus, wenn Mystik in dem Sinne gebraucht wird, daß man gern in allerlei nebulosen Begriffen herumschwimmt und seine Weltanschauung nicht ausarbeiten will bis zu klaren, scharf konturierten Begriffen. Dasjenige Gebiet, auf welches die Seelentatsachen die Psychoanalytiker drängen, das ist das Gebiet des außerbewußten Verstandeswirkens, Vernunftwirkens. Wie oft habe ich, ich möchte sagen, nur die Dinge heranziehend, nicht ausführlich behandelt — weil das eigentlich für den Geisteswissenschafter selbstverständlich. ist, was dabei zu sagen ist —, wie oft habe ich aber dabei darauf aufmerksam gemacht, daß vernünftige Wirkung, Verstandeswirkung, Klugheit, nicht bloß im menschlichen Bewußtsein vorhanden ist, sondern überall; daß wir umgeben sind von wirksamer Verstandestätigkeit, wie wir umgeben sind von der Luft; also ganz eingesponnen ist der Mensch in wirksame Verstandestätigkeit, und die andern Wesen auch.
[ 3 ] Much that relates to this matter can be decided only with the passage of time, but today we shall have to enlarge the scope of our examination in order to throw light upon one aspect or another. First of all I wish to call to your attention that the facts which lie before the psychoanalyst really point to an important spiritual sphere which present-day man does not wish to enter in an accurate and correct manner, but would prefer to leave as a sort of nebulous, subconscious region. For our present sickly, materialistically infected approach, even in this domain, likes nothing better than a vague, mystical drifting among all sorts of incomplete or unexecuted concepts. We find the most grotesque, the most repulsive mysticism right in the midst of materialism, if you take mysticism to mean a desire to swim about in all sorts of nebulous thinking, without working out your world-conception into clear, sharply outlined concepts. The domain into which recognized facts are pushing the psychoanalysts is the field of extra-conscious intelligence and reasoning activity. How often I have dealt with these matters—without going into details, but merely mentioning them, since they are taken for granted by students of spiritual science. How often I have reminded you that reasoning, intellectual activity, cleverness are not confined to the human consciousness, but are everywhere, that we are surrounded by effective mental activity as we are surrounded by air, interwoven with it, and the other beings as well.
[ 4 ] Nun könnten die Tatsachen, die vorliegen, den Psychoanalytiker sehr leicht auf diese Sache verweisen. Ich habe Ihnen gestern den Fall angeführt, den Jung erzählt in seinem Buche «Die Psychologie der unbewußten Prozesse», der sich auf die Dame bezieht, welche aus einer Abendgesellschaft mit andern Genossen weggeht, vor den Pferden auf der Straße herläuft bis zu einer Brücke, dann von Passanten gerettet wird und wiederum zurückgebracht wird in das Haus, von dem sie gekommen ist, wo ihr dann der Hausherr eine Liebeserklärung macht. — Wenn man sich auf den Standpunkt von Freud oder Adler stellt, braucht man, um solch eine Sache zu erklären, nur zu Hilfe zu nehmen entweder den Liebestrieb oder den Machttrieb. Aber man trifft damit nicht das eigentlich Durchgreifende, das Fundamentale der Sache. Das Fundamentale der Sache trifft man nur, wenn man sich zu der Einsicht entschließt, daß das Bewußtsein nicht die Klugheit, die Gescheitheit, aber auch das Raffinement desjenigen erschöpft, was im Menschen als Verstand wirkt, wenn man die Lebensgesetze nicht beengt durch die Bewußtseinsgrenze. Denken Sie einmal, es kann ja die Frage aufgeworfen werden: Was wollte denn die Dame eigentlich, nachdem sie die Abendgesellschaft mitgemacht hatte, die Freundin glücklicherweise ins Bad abgeschickt worden ist? — Die Dame wollte eine Gelegenheit herbeiführen zu dem, was dann ja auch gekommen ist, mit dem Hausherrn allein zu sein. Ja, nicht wahr, mit alledem, was im Bewußtsein lebt, was man sich gesteht, was man zugibt, ging das ja doch wohl an jenem Abend nicht recht. Es ging nicht. Es wäre nicht anständig gewesen, wie man sagt, nicht wahr. Es handelt sich darum, irgend etwas zustande zu bringen, was man nicht einzugestehen braucht. Und auf die richtige Erklärung gerade dieser Tatsache wird man daher viel mehr kommen, wenn man den in diesem Falle unterbewußt bleibenden raffinierten Verstand der Dame, dessen sie sich nicht bewußt ist, zu Hilfe nimmt. Sie wollte — durch die ganze Abendgesellschaft hindurch — mit dem Hausherrn zusammenkommen; sie wollte das herbeiführen. Wie man, wenn man etwas weniger gescheit ist, in den Mitteln sich vergreift, um es herbeizuführen, wenn man gescheiter ist, es gescheiter einrichtet, um es herbeizuführen, so kann in diesem Falle gesagt werden, in dem gewöhnlichen Bewußtsein der Dame, wo Begriffe von dem, was anständig oder nicht anständig, erlaubt oder nicht erlaubt ist, zum Geständnisse kommen, da ging es nicht, die gehörigen Mittel zu wählen, welche das Zusammensein herbeiführen konnten. Aber in dem, was unter der gewöhnlichen Bewußtseinsschicht lagert, da wirkt der Gedanke: Ich muß mit dem Mann zusammenkommen; die nächste Gelegenheit, die sich mir bietet auf der Straße, muß ich verwenden dazu, um in das Haus zurückzukommen.
[ 4 ] The facts before the psychoanalyst might easily refer to this. I quoted to you yesterday the case described by Jung in his book, Die Psychologie der unbewussten Prosesse. It had to do with a woman who, having left an evening party with other guests, was frightened by horses, ran in front of them along the street to the river where she was rescued by passers-by, brought back to the house that she had left, where she had a love scene with her host. From the standpoint of Freud or Adler the case is easily explained on the basis of the love-drive or the power-drive, but this diagnosis does not reach the vital point. Its foundation is reached only by realizing that consciousness does not exhaust the cleverness, calculation, the artfulness of what penetrates man as intelligence, and by realizing that the laws of life are not limited by the laws of consciousness. Consider this case. We can at least raise the question: What did the woman really want, after she had been one of the party, and had seen her friend depart for the health resort? She wanted the opportunity for what actually happened, she wanted a legitimate excuse to be alone with the master of the house. Of course this had nothing to do with what was in her consciousness, what she realized and admitted. It would not have been “proper,” as we say. Something had to be brought about that need not be avowed, and we shall reach the real explanation by allowing for her subconscious, designing intelligence, of which she was herself unaware. Throughout the entire evening she had wanted to bring about a conversation with her host. If one is less clever a poor choice is made of means, if more clever a better choice. In this case it may be said that in the woman's ordinary consciousness, which admitted scruples as to what was proper or improper, allowed or not allowed, the right means could not have been chosen for the end in view. But in that which was stored below the layer of the ordinary consciousness the thought was incessantly active: I must manage a meeting with the man. I must make use of the next opportunity that presents itself in order to return to the house.
[ 5 ] Man kann sagen: Hätte sich nicht die Gelegenheit mit den Pferden geboten, die außerdem noch unterstützt war durch die frühere Assoziation mit dem Pferdeunglück, so hätte sich halt eine andere Gelegenheit gefunden; die Dame hätte nur ohnmächtig zu werden gebraucht. Und man kann mit einer gewissen hypothetischen Sicherheit sagen: sie wäre ganz gewiß ohnmächtig geworden, wenn sich nicht die Gelegenheit mit der heranrückenden Droschke gefunden hätte. Sie wäre auf der Straße ohnmächtig hingefallen, und man hätte sie dann auch in das Haus zurückgebracht. Oder wenn sie nicht ohnmächtig geworden wäre, so hätte sich ein anderes Mittel gefunden. Man kann sagen: Das Unterbewußtsein, das sah hinweg über alle Bedenken, über welche das Oberbewußtsein nicht hinwegsieht. Das Unterbewußtsein stellte sich auf den Standpunkt: Wer den Zweck haben will, muß auch die Mittel wählen, ganz gleichgültig, wie es sich nun gerade mit den Begriffen vom Anstand oder Nichtanstand verhält. Also man wird in einem solchen Falle verwiesen auf das, was Nietzsche, der von solchen Dingen manches geahnt hat, die große Vernunft gegenüber der kleinen Vernunft nennt, die umfassende, die nicht zum Bewußtsein kommt, die unter der Schwelle des Bewußtseins wirkt und durch die die Menschen das Mannigfaltigste tun, das sie sich nicht gestehen in ihrem Bewußtsein. Durch das gewöhnliche Bewußtsein, das äußere Bewußtsein, ist der Mensch im Zusammenhange mit der sinnlichen Welt, aber überhaupt mit der ganzen physischen Welt, also auch mit dem, was in der ganzen physischen Welt lebt. Das sind vor allen Dingen die Begriffe von Anstand, von bürgerlicher Moral und so weiter. Das gehört ja alles zum physischen Plane, mit diesem Bewußtsein ist der Mensch da.
[ 5 ] We may be sure that if the opportunity with the horses had not offered itself, supported by association with the earlier accident, she would have found some other excuse. She needed only to faint in the street, and would have been brought back to the house at once, or she would have found some other expedient. The subconsciousness looked beyond all the scruples of the ordinary consciousness, taking the attitude that “the end justifies the means,” regardless of whether they would or would not harmonize with ideas of propriety and impropriety. In such a case we are reminded of what Nietzsche, who surmised many of these things, called the great reason in contrast with the small reason, the all-inclusive reason that does not come into consciousness, that acts below the threshold of consciousness, leading men to do many things which they do not consciously confess to themselves. Through his ordinary outer consciousness the human being is in connection first with the world of the senses, but also with the whole physical world, and with all that lives within it. To the physical world belong all the concepts of propriety, of bourgeois morality, and so forth, with which man is equipped.
[ 6 ] Im Unterbewußtsein aber hängt der Mensch mit einer ganz andern Welt zusammen, mit derjenigen, von der Jung sagt, die Seele bedürfe ihrer, weil sie einfach im Zusammenhang mit dieser Welt stehe, aber wovon er auch sagt, es sei töricht, nach der Existenz zu fragen. Ja, so ist es eben; sobald die Schwelle des Bewußtseins überschritten wird, ist der Mensch mit seiner Seele nicht in einem bloßen materiellen Zusammenhange drinnen, sondern in einem Zusammenhange, wo Gedanken walten, Gedanken, die sehr raffiniert sein können.
[ 6 ] In his subconsciousness man is connected with an entirely different world, of which Jung says: the soul has need of it because it is related to it, but he also says that it is foolish to inquire about its real existence. Well, it is this way: as soon as the threshold of consciousness is crossed, man and his soul are no longer in merely material surroundings or relations, but in a realm where thoughts rule, thoughts which may be very artful.
[ 7 ] Nun, Jung sieht ganz recht, wenn er sagt, daß der Mensch der Gegenwart, der sogenannte Kulturmensch der Gegenwart ganz besonders nötig hat, auf solche Dinge aufmerksam zu sein. Denn diese sogenannte Gegenwartskultur hat die Eigentümlichkeit, daß sie zahlreiche Impulse ins Unterbewußtsein hinunterdrängt, die dann aber sich geltend machen in einer solchen Art, daß irrationale Handlungen, wie man sie nennt, daß ein ganz irrationales Verhalten des Menschen zustande kommt. Wenn vom Machttrieb und vom Liebestrieb gesprochen wird, so rührt das nur davon her, weil in dem Augenblick, wo der Mensch mit seiner Seele eintritt in die unterbewußten Regionen, er den Regionen näher kommt, in denen diese Triebe walten. Nicht diese Triebe sind die Ursachen, sondern daß der Mensch mit seiner unterbewußten Vernunft untertaucht in die Regionen, in denen diese Triebe wirksam sind.
[ 7 ] Now Jung's view is quite correct when he says that modern man, the so-called man of culture, needs particularly to be mindful of these things. For present culture has this peculiarity, that it forces down numerous impulses into the subconsciousness, which then assert themselves in such a way that irrational acts—as they are called—and irrational general conduct result. When the “power-urge” or the “love urge” are mentioned, it is because in the moment that man and his soul enter the subconscious regions they come nearer to the realm where these instincts rule; not that they are in themselves causes, but that man with his subconscious intelligence plunges into regions where these impulses are effective.
[ 8 ] Für irgendeine Angelegenheit, welche sie weniger interessierte als ihr Liebesverhältnis zu dem Manne, würde die Dame sich nicht der Strapaze unterzogen haben, erst ihre unterbewußte Schlauheit walten zu lassen; es bedurfte dazu eben dieses besonderen Interesses. Und daß oftmals das Liebesinteresse da eine Rolle spielt, rührt eben nur davon her, weil das Liebesinteresse ein sehr verbreitetes ist. Aber wenn die Psychoanalytiker mehr ihr Augenmerk verwenden würden auf andere Gebiete, wenn, ich möchte sagen, nicht die psychoanalytischen Sanatorien ins Auge gefaßt würden, wo, wie mir scheint, die Mehrzahl doch noch weibliche Insassen sind — man wirft das ja auch den anthroposophischen Veranstaltungen vor, aber ich glaube, mit mehr Recht könnte man das solchen Anstalten vorwerfen —, wenn man mehr bewandert wäre auf seiten der psychoanalytischen Forscher, mit einem andern Gebiete, was ja auch zum Teil der Fall ist, und es würden mehr Insassen in den Sanatorien sein aus einem andern Gebiete her, so würde man auch vielleicht ein weitergehendes Erkennen erzielen können. Nehmen wir zum Beispiel an, es würde ein Sanatorium eingerichtet werden, in dem man speziell unterbringen würde zur psychiatrischen Behandlung Leute, die nervös oder hysterisch geworden sind beim Börsenspiel. Da würde man mit demselben Rechte, wie von Freud die Liebe eingeführt worden ist in die unterbewußten Regionen, ganz andere Dinge einführen können. Da würde man sehen, mit welcher ausgebreiteten, unterbewußten, raffinierten Vorstellung derjenige arbeitet, der also zum Beispiel Börsenspieler ist. Da würde dann, ich möchte sagen, durch die Ausschließungsmethode die geschlechtliche Liebe keine besondere Rolle spielen können, und man würde doch das Walten des unterbewußten Raffinements, der unterbewußten Schlauheit und so weiter in höchstem Maße studieren können. Auch der Machttrieb würde dann nicht immer dasjenige sein, was man würde aussprechen können, sondern da würden ganz andere 'Triebe noch, die in den unterbewußten Regionen walten, in die man sich einsenkt mit der Seele, wenn man überhaupt in das Unterbewußte kommt, in Frage kommen. Und wenn man ein Sanatorium einrichten würde für hysterisch gewordene Gelehrte, dann würde auch unter dem, was unterbewußt wirkt, wenig gerade auf den Liebestrieb zurückführen können; denn für denjenigen, dem die Tatsachen auf diesem Gebiete hinlänglich bekannt sind, steht fest, daß unter den heutigen Verhältnissen Gelehrte sehr wenig durch die Liebe zu ihrer Wissenschaft getrieben werden, sondern durch ganz andere Triebe, die dann sich zeigen würden, wenn sie psychoanalytisch an die Oberfläche geführt würden. Dasjenige aber, was das Umfassende ist, das ist eben, daß die Seele aus den bewußten Regionen heruntergeführt wird in die unterbewußten Regionen — die nur durch Geistesforschung bewußt werden können — und in denen waltet, was an Trieben im Menschen lebt, ohne daß der Mensch sie dann meistern kann, weil er nur dasjenige meistern kann, was in seinem Bewußtsein ist.
[ 8 ] That woman would not have gone to so much exertion for anything that interested her less than her love affair. It required an especial preoccupation for her subconscious cunning to be aroused. And that the love impulse so often plays an important role is due simply to the fact that the love interest is so very common. If the psychoanalysts would only turn more of their attention in other directions, cease to concentrate upon psychoanalytic sanatoriums, where the majority of the inmates seem to me to be women—(the same reproach is cast upon anthroposophical institutions but, I think, with less justice),—if they were more experienced in other fields, which is of course sometimes the case, if there were a greater variety of cases in the sanatoriums, a more extensive knowledge might be obtained. Let us assume that a sanatorium was equipped for giving psychiatric treatment especially to people who had become nervous or hysterical from playing the stock market. Then the existence of other things in the subconscious mind could be established with as much reason as the love-urge, introduced by Freud. Then it would be seen with what detailed cunning, and artful subconscious processes, the man acts who plays the stock market. Then, through the usual methods of elimination, sexual love would be seen to play a very small part, yet the subtleties of subconscious acuteness, of subconscious slyness, could be studied at their height. Even the lust for power could not always be designated as being the primary impulse, but altogether different instincts would be found ruling those regions, in which man submerges himself with his soul. And if in addition a sanatorium could be equipped for learned men who had become hysterical—forgive me!—it would be found that their subconscious actions seldom lead back to the love-motive. For those with any thorough knowledge of facts in this field realize that, under present conditions, scholars are seldom driven to their chosen science by “love,” but by quite different forces which would show themselves if brought to the surface by psychoanalysis. The all-inclusive fact is that the soul is led from the conscious down into the subconscious regions where man's unconquered instincts rule. He can master these only by becoming aware of them, and spiritual research alone can lift them into consciousness.
[ 9 ] Wiederum eine recht unbequeme Wahrheit. Denn selbstverständlich muß man ja dann zugeben in noch weit größerem Maße, als das von den Psychoanalytikern zugegeben wird, daß der Mensch in seinen unterbewußten Regionen ein recht schlaues Wesen sein kann, viel schlauer als er in seinem gewöhnlichen Bewußtsein ist. Nun, auch auf diesem Gebiete kann man ja gerade mit der gewöhnlichen Wissenschaft sonderbare Erfahrungen machen. Und ein Kapitel über diese Erfahrungen können Sie lesen in dem zweiten Kapitel, das in meinem neuen Buche «Von Seelenrätseln», das demnächst erscheint, verzeichnet ist, wo ich mich mit dem Kapitel beschäftige, das das akademische Individuum Dessoir in seinem Buche «Vom Jenseits der Seele» über Anthroposophie sich geleistet hat. Dieses zweite Kapitel meines Buches «Von Seelenrätseln» wird auch ein hübscher Beitrag sein können, wenn sich heute denkende Menschen ein Urteil bilden wollen über die Gelehrtenmoral der Gegenwart. Sie werden sehen, wenn Sie dieses Kapitel lesen werden, mit was für Gegnerschaften man es eigentlich zu tun hat. Ich will von den Gesichtspunkten, die dort angegeben sind, nur ein paar erwähnen, die nicht ganz unzusammenhängend mit dem Thema des heutigen Tages sind.
[ 9 ] Another inconvenient truth! For of course it forces the admission, to a point far beyond what the psychoanalyst is prepared to admit, that man in his subconscious mind may be a very sly creature, far more sly than in his full consciousness. Even in this field, and with ordinary science, we may have strange experiences. There is a chapter on this subject in my book Riddles of the Soul In it I deal with the strictures upon Anthroposophy, found in a book entitled Vom Jenseits der Seele,1Beyond the Limits of the Soul. (This book has not been translated into English. Ed.) and written by that academic individual Dessoir. This second chapter of my book Riddles of the Soul will be a nice contribution to thinking people who would like to form an opinion of present scholarly ethics. You will see when you read this chapter what kind of opposition must be encountered. I will mention, of all the points therein indicated, one or two only which are not unconnected with our present theme.
[ 10 ] Dieser Mann findet zum Beispiel allerlei einzuwenden gegen das und jenes und beruft sich immer auf Stellen, die er aus meinen Büchern vorbringt. In einem netten Zusammenhange erzählt er auch, wie ich aufeinanderfolgende Kulturperioden unterscheide: die indische, die urpersische, die chaldäisch-ägyptische, die griechisch-lateinische, und wir leben jetzt in der sechsten, sagt er, nach Steiner.
[ 10 ] This man makes all sorts of objections to this and that, founded upon passages taken from my books. In a very neat connection he tells how I distinguish consecutive periods of culture: the Indian, the old Persian, the Chaldean-Egyptian, the Graeco-Latin, and now we live in the sixth, he says, “according to Steiner.”
[ 11 ] Nun, diese Sache weist einen in die Notwendigkeit, schulmeisterlich widerlegen zu müssen; denn es zeigt einem den Weg, auf den man zunächst solch einem Individuum zu Leibe rücken muß. Wie kommt in all seinem sonstigen Unsinnsgestrüppe dieser Max Dessoir dazu, zu sagen, ich hätte behauptet, wir leben jetzt in der sechsten nachatlantischen Kulturperiode? Man kann es leicht nachweisen, wenn man einige Übung in der Handhabung der philologischen Methoden hat. Ich war sechseinhalb Jahre am Weimarischen GoetheArchiv und kenne ein wenig die Handhabung der philologischen Methoden und könnte leicht nachweisen, nach philologischen Methoden, wie Dessoir darauf kommt, diese sechste Kulturperiode jetzt mir zu unterschieben. Nämlich, er hat mein Buch gelesen «Die Geheimwissenschaft im Umriß». In diesem Buche «Die Geheimwissenschaft» steht ein Satz, der bereitet vor die Besprechung der fünften nachatlantischen Kulturperiode, der Gegenwart. Da sage ich, daß sich die Dinge langsam vorbereiten, und in einem Abschnitt sage ich, es haben sich vorbereitet die Dinge, die dann im 14. Jahrhundert, 15. Jahrhundert herausgekommen sind, im 4., 5. und 6. Jahrhundert. Also ich sage: «...im 4., 5. und 6. Jahrhundert...» in einer Zeile, und nach vier oder fünf Zeilen steht, daß dann dieses 6. Jahrhundert die Vorbereitung war für die fünfte nachatlantische Zeit. Dessoir liest so, wie das ihm eigen ist, oberflächlich; er sieht dann, wie das bei manchen Gelehrten üblich ist, rasch die Stelle nach, die er sich mit rotem oder auch anderem Bleistift an den Rand notiert hat, und verwechselt, als er mein Buch «Die Geheimwissenschaft» besprach, dasjenige, was fünf Zeilen später steht, die nachatlantische Kulturperiode mit dem, was über das 4., 5. und 6. Jahrhundert steht, und da sagt er: «sechste Kulturperiode», statt fünfte, weil er den Blick vier Zeilen weiter heraufrückte!
[ 11 ] This forces us to refute these misstatements in a schoolmasterly manner, for it shows us the only way to get at such an individual. How does Max Dessoir come to assert, in the midst of all his other nonsense, that I said we are living in the sixth postatlantean culture period? It may be easily explained if you have any practice in the technique of philological methods. I was connected for six years and a half with the Goethe Archives in Weimar, learned there a little about the usual procedure, and could easily show, according to philological methods, how Dessoir came to attribute to me this statement regarding the sixth culture period. He had been reading my book Occult Science, an Outline, in which there is a sentence leading to a description of our present fifth post-Atlantean culture period. In it I say that there are long preparations and, in one section, that events taking place in the 14th and 15th centuries were prepared in the fourth, fifth, and sixth centuries. About five lines further on I say that the sixth century was a preparation for the fifth culture period. Dessoir, reading superficially, turned back hastily as scholars do, to the place that he had noted in the margin, and confused what was said about the culture period with what had been stated further back about the fourth, fifth, and sixth centuries. Thus he says “sixth culture period” instead of fifth because his eye had moved backward a few lines.
[ 12 ] Also Sie sehen, mit welch grandioser Oberflächlichkeit solch ein Individuum eigentlich arbeitet. Hier haben wir ein Beispiel, wo man direkt philologisch solche Gelehrsamkeit abfangen kann. Solcherlei Fehler durchziehen das ganze Kapitel dieses Machwerkes. Und während Dessoir behauptet, daß er eine ganze Reihe von Schriften von mir studiert hat, könnte ich wiederum philologisch nachweisen, worinnen diese ganze Reihe von Schriften besteht. Er hat nämlich gelesen — und ganz wenig verstanden — «Die Philosophie der Freiheit»; darüber formuliert er einen Satz, der einfacher Unsinn ist. Dann aber hat er gelesen «Die Geheimwissenschaft», so aber gelesen, daß solcherlei Zeug herauskommt, wie ich Ihnen eben charakterisiert habe. Dann hat er noch gelesen die Schrift von der «Geistigen Führung des Menschen und der Menschheit», die kleine Schrift über «Reinkarnation und Karma» und «Blut ist ein ganz besonderer Saft». Das ist alles, was er von mir gelesen hat; das kann man nachweisen aus seinem Aufsatze, den er geschrieben hat. Sonst hat er nichts gelesen. Das ist Gelehrtenmoral der Gegenwart! Wichtig ist es, einmal bei einer solchen Sache die Gelehrsamkeit der Gegenwart abzufangen. In diesem Falle liegt diesem Gelehrten aus der Zahl meiner Bücher diese kleine Zahl vor, die ich eben genannt habe, und darauf gründet er nun, außerdem mit einem ganz korrupten Denken, seine ganzen Darstellungen. So aber machen es zahlreiche Gelehrte der Gegenwart überhaupt. Es liegen ihnen, wenn sie zum Beispiel über Tiere sprechen, nicht genügende Unterlagen vor, sondern ungefähr so viel aus dem Leben der Tiere, wie dem Dessoir aus meinen Schriften vorliegt. Man könnte ein hübsches Kapitel formen, wenn man das Unterbewußte bei Max Dessoir ins Auge fassen würde. Allein Dessoir gibt einem selbst Gelegenheit, an einer besonderen Stelle seines Buches auf sein Unterbewußtsein ein wenig Rücksicht zu nehmen. Er erzählt nämlich grosteskerweise, daß es ihm manchmal passiere, wenn er zu einer Versammlung spricht, daß er plötzlich merkt: ohne daß seine Seele dabei ist, wirken die Gedanken fort, dann spricht er noch eine Zeitlang fort, und erst an der Art und Weise, wie sich das Publikum dazu verhält, merkt er, daß seine Gedanken eine andere Richtung genommen haben als seine Aufmerksamkeit. Das erzählt er ganz naiv. Nun denken Sie sich einmal, aus dieser Tatsache redet er dann von allerlei Eigentümlichkeiten des menschlichen Bewußtseins. Ich habe zart darauf hingewiesen, daß Dessoir sich da in einer merkwürdigen Weise enthüllt. Ich habe gesagt, es sei ganz unmöglich, daß er sich selbst meine; es könne nur so sein, daß er in diesem Falle so spricht, wie wenn man sich mit andern ungeschickten Rednern identifiziert und per ich spricht, indem man sich in den andern versetzt; denn es würde eine zu starke Zumutung sein, wenn man ihm selber zumuten wollte, daß er sich da selber charakterisiere. Aber — er charakterisiert sich nämlich selber! Es ist schon so. Nun, wenn man solche Sachen bespricht, muß man manchmal auf sehr merkwürdige Dinge hinweisen. «Die Philosophie der Freiheit» behandelt er nur in einer Anmerkung, indem er einen trivialen Satz daraus formuliert, der zwar Dessoirisch ist, aber nicht von mir stammt. Diese ganze Sache ist toll. Aber er sagt dabei: In Steiners Erstling, «Die Philosophie der Freiheit». Also da ist man wirklich dann genötigt, da «Die Philosophie der Freiheit» nicht mein erstes Buch ist, sondern der Abschluß einer zehnjährigen Schriftstellerarbeit, auf solche Ausgüsse einer akademischen Paranoia, eines akademischen Wahnsinns hinzuweisen bei einer solchen Handhabung der Gelehrtenmoral. Ich weiß selbstverständlich, trotzdem ich in diesem Kapitel gezeigt habe, wie korrupt diese ganze Darstellung ist, daß immer wiederum die Leute kommen werden und sagen werden: Na, der Dessoir hat ja den Steiner widerlegt, und so weiter. Selbstverständlich weiß ich das ganz gut. Ich weiß, daß man heute wie gegen Wände redet, wenn man zu durchbrechen hat dasjenige, was die Menschen ja heute ganz und gar nicht haben, den Autoritätsglauben, denn den haben sie ja abgeschafft!
[ 12 ] You see with what a grand superficiality such a person works. Here we have an example of how such “scholarship” may be philologically shown up. In this literary creation such mistakes run through the entire chapter. And while Dessoir affirms that he has studied a whole row of my books, I could prove, again philologically, which ones of mine compose this “whole row.” He had read—and but slightly understood—The Philosophy of Spiritual Activity, for he devotes a sentence to it that is utter nonsense. And he read Occult Science, but in such a way as to bring out the kind of stuff that I have described. He read in addition the small work The Spiritual Guidance of Man, and the little pamphlets on Reincarnation and Karma, and Blood is Quite a Special Fluid. These are all that he read, as may be shown by his comments. He read nothing else. These are our present ethics of scholarship. It is important once in a way to expose, in such a connection, the erudition of the present day. Out of the long list of my books he chooses a very small number, and founds upon them, with quite perverted thinking, his whole statement. Many of our scientists today do exactly the same thing. When they write about animals, for example, they usually have for a foundation about as much material as Professor Dessoir extracted from my books. Quite a pretty chapter could be written from observations of Dessoir's subconscious mind. He himself, however, in a special passage in his book, permits us to take account of his subconsciousness. He relates rather grotesquely that when he is lecturing it often happens that his thoughts go on without his full conscious direction, and that only by the reaction of his audience does he recognize that his thoughts have taken a line independent of his attention. He tells that quite naively. But only think! From this fact he embarks upon extended consideration of the many peculiarities of human consciousness. I have pointed out somewhat “gently” that Dessoir thus strangely reveals himself. I said at first: It cannot be possible that he means himself. In this case he must simply be identifying himself with certain clumsy lecturers, and speaking in the first person. It would be imputing to him a good deal to suppose that he is describing himself. But he really does exactly that. Well, in the discussion of such matters many odd things must be noted. He disposed of The Philosophy of Spiritual Activity by one remark, with the addition of a sentence that is Dessoirish, but did not originate with me. The whole matter is crazy. He says at the same time “Steiner's first book, the The Philosophy of Spiritual Activity.” This forces me to point out that this book forms the close of a ten year period of authorship, and to offer this incident as an example of academic ignorance, and ethics. I know of course that although I have shown how incorrect his statements are, people will say again and again: “Well, Dessoir has refuted Steiner.”—I know it very well. I know that it is speaking against walls to try to break through what men imagine they have long since got rid of—belief in authority!
[ 13 ] Allein gerade dieses Kapitel wird einen Beweis liefern, gegen welche Schwierigkeiten in der gegenwärtigen Kulturströmung Geisteswissenschaft einfach aus dem Grunde anzukämpfen hat, weil sie genötigt ist, auf klare, scharfe Begriffskonturen und konkrete geistige Erlebnisse hinzuweisen. Von Logik zum Beispiel ist bei einem solchen Individuum wie bei Dessoir überhaupt nicht im allerentferntesten die Rede, nicht im allerentferntesten. Und Logik fehlt überhaupt in dem weitesten Umfange in der gegenwärtigen sogenannten wissenschaftlichen Literatur.
[ 13 ] But this chapter alone will prove the difficulties against which spiritual science must struggle because it insists upon clear, sharply outlined concepts, and concrete spiritual experiences. There is no question of logic with such an individual as Dessoir, and a lack of logic characterizes in the broadest sense our present so-called scientific literature.
[ 14 ] Das sind die Gründe, warum die offizielle Gelehrsamkeit und die offiziellen Geistesrichtungen, selbst wenn sie sich herausarbeiten aus dem Allerinferiorsten, wie es zum Beispiel die Universitätspsychiatrie oder -psychologie ist, nicht in der Lage sind, auf einen grünen Zweig zu kommen, weil sie ermangeln der allerersten Anforderungen: einer wirklichen Betrachtung des Lebens. Solange nicht in weitesten Kreisen eine Überzeugung davon Platz greift, wie weit entfernt von echter Forschung und echtem Wirklichkeitssinn dasjenige ist, was heute als wissenschaftliche Literatur — ich sage nicht als Wissenschaft, sondern als wissenschaftliche Literatur — figuriert und oftmals den Inhalt auch von Universitäts- und namentlich populären Vorträgen bildet, solange nicht in weitesten Kreisen dieser Autoritätsglaube durchbrochen wird, so lange kann auch nicht Heil kommen. Diese Dinge muß man sagen, auch wenn man den größten Respekt hat vor naturwissenschaftlicher Denkweise, wenn man gerade die großen Errungenschaften der naturwissenschaftlichen Denkweise immer wieder und wiederum betont. Daß solche Dinge widerspruchsvoll ins Leben eingreifen, damit muß man sich schon bekanntmachen. Nun, nach dieser Abschweifung möchte ich zum 'Thema zurückkehren. Besonders gravierend findet nämlich Dessoir bei einer Gelegenheit, bei der er sich noch eine Kombination von objektiver Unwahrheit und Verleumdung gestattet, daß ich in dem Büchelchen «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit» auf ein wichtiges, unterbewußtes Wirken geistiger Impulse hingewiesen habe, indem ich gezeigt habe, daß in dem Kinde, das sich sein Gehirn aufbaut, eine gescheitere Weisheit wirkt als diejenige, die später bewußt wird, wenn das Gehirn aufgebaut ist. Sie kennen dieses Kapitel aus der «Geistigen Führung des Menschen und der Menschheit». Bei solchen normalen Wirkungen des Unterbewußten müßte eine gesunde Wissenschaft eigentlich einsetzen. Aber es braucht diese Wissenschaft auch noch etwas anderes. Wenn Sie sich die Schrift vornehmen «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», dann finden Sie dort das Geheimnis der Schwelle besprochen. Sie finden dieses Geheimnis der Schwelle so besprochen, daß gezeigt wird, daß nach dem Überschreiten der Schwelle in die geistigen Welten hinein in gewissem Sinne eine Trennung, eine Differenzierung der drei Grundkräfte des Seelenlebens stattfindet: Denken, Fühlen, Wollen. Erinnern Sie sich nur, wie bei der Besprechung des Hüters der Schwelle in der Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» gezeigt ist, wie dasjenige, was im gewöhnlichen Bewußtsein gewissermaßen zusammenwirkt, so daß man es nicht recht trennen kann — Denken, Fühlen, Wollen —, wie das auseinandertritt, jedes selbständig wird, so daß ich sagen kann, wenn ich diese Sache aufzeichnen würde: Wenn hier (Zeichnung S. 160) die Grenze ist zwischen dem gewöhnlichen Bewußtsein und jener Region, in der die Seele lebt als in der geistigen Welt drinnen, so müßte ich Denken, Fühlen und Wollen schematisch so aufzeichnen, daß dies das Gebiet des Wollens wäre (rot), das aber unmittelbar angrenzt an das Gebiet des Fühlens (grün), und wiederum dieses angrenzt an das Gebiet des Denkens unmittelbar (gelb). Hätte ich den Weg zu skizzieren in die geistige Welt hinein nach dem Überschreiten der Schwelle, so müßte ich folgendes schematisieren, folgende schematische Zeichnung anführen: ich müßte zeigen, wie das Denken auf der einen Seite selbständig wird (gelb, rechts); das Fühlen selbständig wird (grün, rechts) und sich trennt von dem Denken; das Wollen selbständig wird (rot, rechts), was ich hier schematisch zeichne. So daß sich Denken, Fühlen und Wollen fächerartig auseinandertrennen.
[ 14 ] These are the reasons why official learning, and official spiritual trends, even if they work themselves away from such inferiority as the university psychiatry or psychology, are not in a position to make good because they lack the smallest equipment for a genuine observation of life. So long as it is not realized how far from genuine research and from a sense for reality that really is which poses as scientific literature—I do not say, as science, but as scientific literature—and often forms the content of university and especially of popular lectures—so long as this authoritative belief is not broken through, there can be no cure. These things must be said, and are compatible with the deepest respect for real scientific thinking, and for the great achievements of natural science. That these things are applied to life in such contradictory fashion must however be recognized. After this digression let us return to our subject. Dessoir takes the opportunity to combine objective untruth with calumny in his remark regarding the little pamphlet Spiritual Guidance of Man. He feels it to be especially irritating that I have indicated important subconscious action of spiritual impulses by showing that a child while building its brain manifests greater wisdom than it is conscious of later. A healthy science ought to take its starting point from such normal effects of the subconscious, yet it needs something in addition. If you take up the book Knowledge of the Higher Worlds you will find mention of the Secret of the Threshold. In the explanation of this “secret” it is stated that in crossing the threshold into the spiritual world a kind of separation takes place, a sort of differentiation of the three fundamental powers of the soul: thinking, feeling, and willing. Remember in the part dealing with the Guardian of the Threshold, the explanation that these three forces, which act together in ordinary consciousness in such a way that they can hardly be separated, become independent of each other. If I sketch them, this narrow middle section (see drawing) is the boundary between the ordinary consciousness and that region in which the soul lives in the spiritual world. Thinking, feeling, and willing must be so drawn as to show this as the range of will (red), but bordering upon the realm of feeling (green), and this in turn borders upon the realm of thinking (yellow). But if I were to indicate their direction after crossing the threshold into the spiritual world, I should have to show how thinking (yellow) becomes independent upon the one hand; feeling (green, right) separates itself from thinking, will becomes independent too (red, right), as I sketch it here diagrammatically, so that thinking, feeling, and willing spread out from one another like a fan.


[ 15 ] Das finden Sie mit Worten dargestellt in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Daß nun vor der Schwelle diese drei Tätigkeiten, die da getrennt wirkend aneinandergrenzen, in der richtigen Weise zusammenwirken, nicht in Verwitrrung kommen, das ist bewirkt dadurch, daß gewissermaßen die Schwelle eine gewisse Breite hat, in der unser Ich selber lebt. Und wenn das Ich gesund wirkt, wenn das Ich seine volle seelische Gesundheit hat, dann wird durcheinanderwirkend Denken, Fühlen und Wollen so gehalten, daß sie nicht ineinanderpurzeln, aber sich doch gegenseitig so beeinflussen, indem sie aneinandergrenzen — das ist das wesentliche Geheimnis unseres Ich —, daß Denken, Fühlen, Wollen nebeneinandergehalten werden; so daß sie sich gegenseitig beeinflussen in der richtigen Weise, aber nicht das eine in das andere hineinpurzeln kann. Kommen wir über die Schwelle in die geistige Welt, so können sie nicht ineinander hineinpurzeln, weil sie sich sogar trennen.
[ 15 ] You will find this described in my book Knowledge of the Higher Worlds. That these three activities, which before passing the threshold border upon each other but work separately, interact in the right way and do not come into confusion is due to the fact that the threshold has, so to speak, a certain breadth in which our ego itself lives. If our ego acts normally, has perfect soul health, then the interaction of thinking, feeling, and willing is so regulated that they do not collide with one another, but mutually influence each other. It is the essential secret of our ego that it holds thinking, feeling, and willing beside each other, so that they can affect each other in the right way, but do not mix in any accidental fashion. Once across the threshold into the spiritual world there is no danger of this since the three faculties then separate.
[ 16 ] Solch ein Philosoph, wie zum Beispiel Wundt ist, solche Philosophen reden davon, daß man die Seele nicht dreigliedern soll, weil die Seele eine Einheit ist. Da macht Wundt auch alles konfus durcheinander. Aber die Sache ist doch diese, daß in der geistigen Welt Denken, Fühlen und Wollen in dreifacher Weise urständen; in der Seele wirken sie allerdings zu einer Einheit zusammen. Das ist das, worauf man Rücksicht nehmen muß. Und wenn gesagt wird, was vor kürzerer oder längerer Zeit auch einmal gesagt worden sein soll, die Anthroposophie unterscheide eigentlich drei Seelen und es gäbe doch nur eine Seele, daran sehe man schon, daß Anthroposophie keine Begründung habe — so muß man dagegen einwenden: es stört auch nicht die Einheit des Menschen, daß er zwei Hände hat, selbstverständlich.
[ 16 ] Certain philosophers (such as Wundt, for example), insist that the soul must not be described as threefold because it is a unity. Wundt, too, confuses everything. The facts are that in the spiritual world thinking, feeling, and willing originate in a threefold manner, yet in the soul on earth they act as a unity. That must be taken into consideration, and if it be claimed, as recently reported, that Anthroposophy recognizes three souls though there exists but one, and that Anthroposophy has therefore no reasonable argument—then the answer must be that the unity of man is not impaired by the fact that he has two hands.
[ 17 ] Nun aber haben wir hier (siehe Zeichnung Mitte und rechte Seite) das Verhältnis der Seelenkräfte, die im Ich wirken, mit dem Ich zusammen und ihre Wirkungsweise jenseits der Schwelle des Bewußtseins hinein in die geistige Welt. Aber es kann der andere Fall eintreten. Der kann dadurch eintreten, daß das Ich durch irgend etwas geschwächt wird. Dann wird gewissermaßen die Schwelle nach der umgekehrten Seite überschritten, dann schwenkt das Denken ab (siehe Zeichnung, gelb, links) und vermischt sich mit dem Fühlen (grün, links) und vermischt sich mit dem Wollen (rot, links) und Sie haben im Seelischen durcheinander Denken, Fühlen und Wollen; die purzeln ineinander. Das aber tritt dann ein, wenn, sagen wir, das Denken irgendwie der Gefahr ausgesetzt wird, nicht vollständig umfaßt zu werden, sondern sich selbständig geltend macht im Bewußtsein. Und weil das Ich nicht ordentlich wirkt, rutscht das Denken in die Gefühls- oder gar in die Willenssphäre hinein. Statt daß die Dinge nun nebeneinandergehen, Denken, Fühlen und Wollen, ergreift das Denken, ohne daß das Ich seine Tätigkeit entfalten kann, das Fühlen oder gar das Wollen.
[ 17 ] But now we are considering the relation of the ego to the soul-forces that work within it, and their action beyond the threshold of consciousness in the spiritual world. (Drawing, middle and right). An opposite condition may be brought about if the ego has been weakened in any way. Then the threshold is crossed, as it were, in the opposite direction (See drawing, left). Then thinking swerves aside (yellow, left), mingles with feeling (green, left), and willing (red, left), and confusion results. This happens if thinking is exposed in any way to the danger of not being properly confined, so that it asserts itself unwarrantably in the consciousness. Then, because the ego is not working as it should, thinking slides into the sphere of feeling or of will. Instead of working side by side, thinking mixes itself with feeling, or will, the ego being for some reason unable to exert its normal power.
[ 18 ] Das geschieht in den Fällen, die geschildert werden von den Psychoanalytikern als hysterische oder nervöse Fälle. Da schwenkt gewissermaßen Denken, Fühlen und Wollen nach der entgegengesetzten Seite ab von jener gesunden Richtung, die in das geistige Gebiet hineinführen würde.
[ 18 ] This is what has happened in the cases described by the psychoanalysts as hysterical or nervous. Thinking, feeling, and willing have swung to the opposite side, away from the healthy direction that would lead them into the spiritual world.
[ 19 ] Wenn man wirkliche Anlage, Begabung zur Prüfung hat, kann man dann die Dinge, ich möchte sagen, handgreiflich sehen, wie sie geschehen. Nehmen Sie die Dame, die am Krankenbett ihres Vaters sitzt, in ihrem starken Ich-Bewußtsein durch viele Nachtwachen herabgedämpft ist — das geringste kann geschehen, so wird ein Gedanke nicht ordentlich neben dem Gefühl einherlaufen, sondern hinunterpurzeln in die Region der Gefühle. Dann aber ist der Gedanke sogleich von den Gefühlswogen ergriffen, die stärker sind als die Wogen des Gedankens; und die Folge davon ist, daß dann in einem solchen Falle der Organismus ergriffen wird von den Gefühlswogen. Von den Gefühlswogen wird nämlich der Organismus in dem Augenblicke ergriffen, in dem das Denken nicht stark genug ist, sich außer den Gefühlen zu halten.
[ 19 ] If you have any gift for testing and proving you may easily see how it comes about. Take the case of the girl sitting by the sickbed. Her strong ego-consciousness was reduced by loss of sleep and anxiety. The slightest thing might cause thinking to leave its track alongside of feeling and to run over into it. Then thought would be at once submerged in the waves of feeling, which are far stronger than the waves of thought, and the result in such a case is that the whole organism is seized by the tumult of feeling. This happens in the instant that thinking ceases to be strong enough to hold itself apart from feeling.
[ 20 ] Das ist eine wichtige Anforderung, daß das Denken des modernen Menschen immer mehr in die Lage kommt, sich außer den Gefühlswogen und den Willenswogen zu halten. Ergreift das Denken im Unterbewußten — hier ist das Überbewußte (siehe Zeichnung, rechts), hier ist das Bewußte (Mitte), hier ist das Unterbewußte (links) —, ergreift das Denken die Gefühlswogen im Unterbewußten, so geschieht etwas Unordentliches im Organismus. Das ist außerordentlich wichtig.
[ 20 ] It is seriously demanded of the human being that he learn more and more to hold his thinking apart from the waves of feeling and will. If thinking takes hold subconsciously of the waves of feeling something abnormal results. (See drawing: at the right is the superconscious, in the middle the conscious, at the left the subconscious). This is extremely important.
[ 21 ] Nun können Sie sich denken, wie in diesem modernen Leben, wo so vieles an die Menschen herangebracht wird, was sie nicht ordentlich verstehen, was sie nicht weiter durchdringen, wie da die Gedanken fortwährend in die Gefühle hinunterströmen. Aber: nur das Denken ist orientiert auf den physischen Plan; das Fühlen ist nicht mehr bloß auf dem physischen Plane, sondern das Fühlen steht eo ipso im Zusammenhang mit der geistigen Welt. Das Fühlen steht wirklich im Zusammenhang mit all den geistigen Wesen, von denen man als real sprechen muß. So daß der Mensch, wenn er mit unzulänglichen Begriffen untertaucht in sein Gefühlsleben, in Kollisionen kommt mit den Göttern — wenn man so sagen will —, aber auch mit den bösen Göttern. Da kommt er in Kollisionen. Und da treten alle diese Kollisionen auf, die davon herkommen, daß der Mensch mit unzulänglichen Erkenntnismitteln untertaucht. Er muß mit unzulänglichen Begriffen untertauchen, wenn in der Gefühlssphäre viel mehr ist, als in der gewöhnlichen Verstandessphäre. In der Gefühlssphäre kann sich der Mensch nicht emanzipieren von seinem Zusammenhang mit der geistigen Welt. Wenn er nun in der materialistischen Zeit sich in der Verstandessphäre emanzipiert, so kommt er mit unzulänglichen Begriffen immer in seine Gefühlswelt hinein, und er muß krank werden.
[ 21 ] Now you may readily imagine that in this modern life, when people are brought into contact with so much that they do not properly understand and cannot appraise, thoughts continually run over into feelings. But it must be remembered that thinking alone is oriented upon the physical plane; feeling is no longer confined to the physical plane, but stands in connection, by its very nature, with the spiritual plane as well. Feeling has really a connection with all the spiritual beings who must be spoken of as real. So that if a man with inadequate concepts sinks into his feeling-life, he comes into collision with the gods—if you wish to express it thus—but also with evil gods. And all these collisions occur because a man is submerged with no reliable means of knowledge. He must so submerge if he spends more time in the sphere of feeling than in the ordinary sphere of reason. In the sphere of feeling man cannot emancipate himself from his connection with the spiritual world. Even if, in this materialistic age, he does free himself in the realm of the intellect, he always enters the region of feeling with inadequate concepts, and so he must become ill.
[ 22 ] Was würde daher die einzige Hilfe sein, den Menschen umfänglich gesund zu machen? Ihn wiederum hinzuführen zu solchen Begriffen, die auch die Gefühlssphäre umfassen; das heißt, den modernen Menschen wiederum zu reden von der geistigen Welt, im umfänglichsten Sinne zu reden von der geistigen Welt. Nicht die dem Individuum angepaßten therapeutischen Methoden des Psychoanalytikers kommen dabei in Betracht, sondern die für die Allgemeinheit geltende Geisteswissenschaft. Nimmt man die Begriffe der Geisteswissenschaft wirklich auf — nicht alle nehmen sie ja auf, die sie sich anhören, oder die darüber lesen —, nimmt man sie wirklich auf, dann kommt man nicht in die Möglichkeit, daß sich im Unterbewußten die drei Sphären der Seele — Denken, Fühlen und Wollen — chaotisch durcheinanderwitren, worauf alle Hysterie und alle Nervosität in Wirklichkeit beruht, die innerseelisch ist — und von solchem spricht ja die Psychoanalyse.
[ 22 ] What then is the real remedy, and how are men to be restored to health? They must be guided to concepts that reach out to include the world of feelings; that is to say that modern man must again be told of the spiritual world, and in the most comprehensive terms. Not the individually adapted therapeutic instructions of the psychoanalysts are meant, but the spiritual science which is applicable to all humanity. If the concepts of spiritual science are really accepted—for not everyone takes them in who only listens to lectures, or reads about them—but if they are really absorbed there will be no further possibility of the chaotic intermingling, in the subconscious, of the three spheres of the soul: thinking, feeling, and willing, which is the basis of all the hysteria and nervousness noted by the psychoanalysts.
[ 23 ] Dazu ist aber allerdings notwendig, daß man den Mut hat, heranzukommen an das konkrete Wirken der geistigen Welten, daß man den Mut hat, anzuerkennen, daß wir in unserer Zeit in einer Krise leben, die wesentlich zusammenhängt mit einer Krise, die wir ja konstatiert haben für das Jahr 1879 und unter deren Nachwehen wir stehen. Ich sagte schon gestern, gewisse Dinge müssen ganz anders betrachtet werden, als sie von der materialistischen Gesinnung unserer Zeit betrachtet werden; und ich wies auf das Beispiel Nietzsche hin: Nietzsche ist 1844 geboren; 1841 begann der Kampf in der geistigen Welt, von dem ich gesprochen habe; drei Jahre lang war Nietzsche darinnen in diesem Kampfe. Richard Wagner hat ihn zunächst nicht mitgemacht; er ist 1813 geboren. Also drei Jahre lebt Nietzsche in der geistigen Welt, nachdem dieser Kampf stattfindet. Da nimmt er all die Impulse auf, die er unter dem Einfluß dieses Kampfes aufnehmen kann in der geistigen Welt; er kommt damit herunter. Nun lese man Nietzsches erste Schriften, wie die Kampfesstimmung sich hineinmischt in seine Schriftstellerei, wie in jedem Satze, ich möchte sagen, eine Nachwirkung desjenigen vorhanden ist, was er in den drei Jahren seines geistigen Aufenthalts, von 1841 bis 1844, erlebt hat. Dadurch bekommen die Nietzscheschen Schriften der ersten Zeit ihre ganz besondere Färbung. Dann aber ist weiter wichtig, ich habe Ihnen ausgeführt: ein sechzehnjähriger Bub war er, als Schopenhauer stirbt; er liest dann Schopenhauers Schriften. Eine reale Beziehung findet statt von Schopenhauers Seele ausgehend in der geistigen Welt in die Seele Nietzsches hinein. Jeden Satz bei Schopenhauer liest Nietzsche so, daß dieser Impuls aus der geistigen Welt in ihn eindringt. Denn Schopenhauer kommt 1860 hinauf in die geistige Welt, als der Kampf oben noch wütet. Was will Schopenhauer? Schopenhauer will unter dem Einfluß dieses Kampfes nicht so sehr seine Schriften als seine Gedanken fortwirkend machen. Nietzsche setzt wirklich die Gedanken Schopenhauers fort, aber er setzt sie auf eine eigentümliche Weise fort. Schopenhauer sieht, als er durch die Pforte des Todes gegangen ist: er hat hier herunten seine Schriften verfaßt in einer Epoche, in der heranrückten die Geister der Finsternis; noch nicht waren sie da; seine Gedanken will er fortgesetzt haben, die Impulse, die daraus entstehen. Also noch, indem er den Kampf der Geister der Finsternis oben in der geistigen Welt gegen die Geister des Lichtes vor sich hat, will er seine Schriften fortgesetzt haben; die Impulse bildet er in Nietzsches Seele hinein, seine Gedanken fortzusetzen. Das, was da aus der geistigen Welt in Nietzsches Seele hineingeht, kontrastiert mit dem, was auf dem physischen Plane im persönlichen Umgange mit Wagner geschieht. So setzt sich Nietzsches Seelenleben zusammen, so setzt sich Nietzsches Schriftstellerlaufbahn zusammen.
[ 23 ] For this, however, a man needs the courage to approach a direct experience of the operation of spiritual worlds, the courage to recognize that we are living now in a crisis that is connected with another (the established date being 1879), another crisis with painful consequences from which we are still suffering. I told you yesterday that many things must be considered from standpoints other than the materialistic ones of our own time, and I chose Nietzsche as an illustration. Nietzsche was born in 1844. In 1841 the battle began in the spiritual world, of which I have already spoken, and Nietzsche was for three years in the midst of it, absorbing from it all possible impulses, and bringing them down with him to earth. Richard Wagner, born in 1813, took at first no part in it. Read Nietzsche's early writings, and notice the combative tone, almost every sentence showing the after-effects of what he experienced spiritually from 1841 to 1844. It gave a definite coloring to all the writings of Nietzsche's first period. It is further of importance—as I have also explained—that he was a lad of sixteen when Schopenhauer died, and started at that time to read his works. A real relation ensued between the soul of Schopenhauer in the spiritual world and that of Nietzsche on earth. Nietzsche read every phrase of Schopenhauer so receptively that he was penetrated by every corresponding impulse of their author. What was Schopenhauer's object? He had ascended into the spiritual world in 1860 when the battle was still raging, and wanted nothing so much as to have the power of his thoughts continued through his works. Nietzsche did carry forward Schopenhauer's thoughts, but in a peculiar way. Schopenhauer saw when he went through the gate of death that he had written his books in an epoch threatened by the oncoming spirits of darkness, and with the struggle before him of these spirits against the spirits of light, he longed to have the effects of his work continued, and formed in Nietzsche's soul the impulse to continue his thoughts. What Nietzsche received from the spiritual world at this period contrasted strikingly with what was happening upon the physical plane in his personal relations with Richard Wagner. Nietzsche's soul life was composed in this way, and his career as a writer.
[ 24 ] Jetzt rückt das Jahr 1879 heran. Der Kampf, der sich in den geistigen Reichen abgespielt hat, beginnt unten sich abzuspielen, nachdem die Geister der Finsternis gestürzt sind. 1883 geht Wagner hinauf in die geistige Welt. Nietzsche ist durch dieses sein ganzes Karma, in das ich jetzt einbezogen habe sein konkretes Verhältnis zur geistigen Welt, einer gewissen Gefahr ausgesetzt. Er ist der Gefahr ausgesetzt, daß die Geister der Finsternis ihn in ganz besonders schlimme Pfade hineinbringen. Schopenhauer hatte, ich möchte sagen, einen transzendent-egoistischen Grund. Als Seele steht er in der geistigen Welt drinnen, inspiriert Nietzsche, so daß der seine Gedanken fortsetzt. Das ist ein post mortem dauernder transzendent-egoistischer Grund. Das Egoistische muß ja nicht immer böse sein. Aber als Wagner hinaufkommt in die geistige Welt, da sind die Geister der Finsternis schon herunten. Er kommt gewissermaßen in eine ganz andere Atmosphäre hinauf. Er wird — da muß man Dinge aussprechen, die ja paradox sind, aber die doch eben wahr sind —, er wird in einer unegoistischen Weise der Lenker Nietzsches von der geistigen Welt aus. Er läßt nicht seine Gedanken fortsetzen, sondern er läßt Nietzsche in dem Fahrwasser spielen, das für Nietzsche gerade angemessen ist, indem er Nietzsche die Wohltat zukommen läßt, im richtigen Momente geistig umnachtet zu werden; er läßt ihn davor bewahrt sein, in seinem Bewußtsein in gefahrvolle Regionen hineinzukommen. Das schaut natürlich sehr paradox aus, aber das ist zugrunde liegend der unegoistischen Art, wie Richard Wagners Seele auf Nietzsche wirkt aus den reineren Regionen heraus, als zunächst Schopenhauers Seele gewirkt hat, der noch mitten drinnen war in dem Kampf der Geister der Finsternis gegen die Geister des Lichtes drüben in der geistigen Welt. Was Wagner wirklich will für Nietzsche, das ist, so gut es geht, ihn zu bewahren in seinem Karma vor den nun schon auf die Erde herabgekommenen Geistern der Finsternis.
[ 24 ] The year 1879 arrived. The battle that had been going on in the spiritual realms began to be transferred to earth after the fall of the spirits of darkness. Nietzsche was exposed by his whole Karma (in which I include his relations with the spiritual world), to the danger of being driven by the spirits of darkness into evil paths. He had been inspired by the transcendent egoism of Schopenhauer to try to carry on his work. I do not mean to say that egoism is always bad. But when Wagner rose into the spiritual world in 1883 the spirits of darkness were below, so he came into an entirely different atmosphere, and he became Nietzsche's unselfish spiritual guide. He let him enter what was for him the proper channel, and allowed him to become mentally deranged at exactly the right moment, so that he never came consciously into dangerous regions. That sounds paradoxical, but it was really the unselfish way in which Wagner's soul affected Nietzsche from the purer realms above, rather than the manner in which Schopenhauer's soul acted, he being still in the midst of the battle, up in the spiritual world, between the spirits of darkness and the spirits of light. What Wagner wanted to do for Nietzsche was to protect him, so far as his Karma permitted, from the spirits of darkness, already descended upon earth.
[ 25 ] Und Nietzsche ist bewahrt worden bis zu einem hohen Grade vor diesen Geistern der Finsternis. Denn wer die letzten Schriften Nietzsches in entsprechender Weise auf sich wirken läßt, der wird finden, daß man große Gedanken daraus finden kann, gerade wenn man loslöst die starken Widerstände oder die Dinge, die von den starken Widerständen hergekommen sind. Ich habe mich ja bemüht, in meinem Buche «Friedrich Nietzsche, ein Kämpfer gegen seine Zeit», die großen Gedankenimpulse hinzustellen, abgesondert von alledem, was aus widerstrebenden Impulsen bei Nietzsche gekommen ist.
[ 25 ] And Nietzsche was protected to a great extent. If his last writings are read in the right spirit, eliminating the things that have sprung from strong oppositions, great thoughts will be discovered. I tried in my book Nietzsche, a Fighter against his Time, to show the mighty thought impulses, detached from all his resisting impulses.
[ 26 ] Ja, die Welt ist tief, und es ist wirklich etwas Wahres an dem, was Nietzsche selbst gesagt hat: «Die Welt ist tief, und tiefer als der Tag gedacht.» Und man muß nicht mit dem gewöhnlichen Bewußtsein die weiten Regionen des geistigen Lebens kritisieren wollen. Die weisheitsvolle Weltenlenkung versteht man nur, wenn man beim Eingehen in das Konkrete der Weltenführung egoistische Gedanken fernzuhalten versteht, wenn man auch tragische Erscheinungen der Weltenentwickelung einzureihen vermag in den weisheitsvollen Gang. Und man kommt auf viele, viele unbequeme Stellen, wenn man die Dinge wirklich durchschauen will.
[ 26 ] Yes, “the world is deep.” There is really some truth in Nietzsche's own saying: “The world is deep, and deeper than the day divines.” So we must never try to criticize the wide regions of the spiritual life by means of our ordinary consciousness. The wise guidance of the worlds can be understood only if we can enter into that guidance, free from egoistic thoughts, even if we can fit the development of tragic happenings into the scheme of wisdom. If you wish to look into the heart of things you will come upon many uncomfortable places.
[ 27 ] Wer solch ein Leben für die Zukunft durchschauen will, wie es das Nietzsches war, der wird gar nicht mehr auskommen können, wenn er nur die Dinge beschreibt, die hier auf der Erde in Nietzsches Umgebung sich zugetragen haben. Die Betrachtung des Lebens wird sich ausdehnen müssen auf die geistige Welt. Und wie mit der Nase wird der Mensch hingewiesen auf die Notwendigkeit der Ausdehnung durch diejenigen Ereignisse, die heute dem Psychoanalytiker vorliegen, und die er nur mit unzulänglichen Erkenntnismitteln meistern will, aber nicht meistern wird. Daher würde die menschliche Gesellschaft in schwierige Situationen hineintreiben, wenn der Psychoanalyse Folge geleistet würde, insbesondere auf pädagogischem Gebiete. Warum?
[ 27 ] In future whoever wishes to evaluate a life like Nietzsche's will make no progress if he describes only what happened in Nietzsche's environment on earth. Our view of life will have to extend to the spiritual world, and we shall be pushed to this necessity by the kind of phenomena that the psychoanalyst today tries to master by such inadequate means of knowledge, but never will control. Therefore human society might be driven into regions of great difficulty if it yields to psychoanalysis, particularly in the field of pedagogy.
[ 28 ] Bedenken Sie die Tatsache, daß das Denken herunterrutscht in die Gefühlssphäre. Ja, sobald man mit der Seele in der Gefühlssphäre lebt, lebt man nicht mehr in dem Leben, das durch Geburt und Tod begrenzt ist (a) oder durch Empfängnis und Tod begrenzt ist, sondern da lebt man schon in der ganzen Welt drinnen, welche sich ausdehnt — wenn das der gewöhnliche Lebenslauf ist (siehe Zeichnung), lebt man mit der Gefühlssphäre auch in der Zeit vom letzten Tode bis zu dieser Geburt (b) und mit dem Willen gar in der vorhergehenden Inkarnation (c).
[ 28 ] Why should this be? Consider the fact that thinking slips down into the sphere of feeling. Now as soon as a man lives with his soul in the sphere of feeling, he is no longer in the life that is bounded by birth and death or by conception and death, but lives in the whole world, the extended world. This represents the usual life span (See drawing, a); within the realm of feeling he lives also in the period from his last death to his birth into this present life (See drawing, b); and with his will he lives even in his previous incarnation (Drawing, c).


[ 29 ] Denken Sie sich das Verhältnis des Pädagogen, der psychoanalytisch vorgehen will, zu einem Zögling oder zu einem Patienten. Indem er sich heranmacht an seinen Seeleninhalt, der in die Gefühlssphäre hineinrutscht, macht er sich nicht nur an das individuelle Leben des Menschen heran, sondern er macht sich heran an das umfassende Leben, das über das Individuelle weit hinausgeht. Für dieses umfassende Leben liegen aber zwischen den Menschen nicht Zusammenhänge vor, die sich dutch bloße Vorstellungen erschöpfen lassen, sondern die führen hinein in reale Lebenszusammenhänge — das ist sehr wichtig! Denken Sie also, es würde ein solches Verhältnis des psychoanalytischen Erziehers zu dem Zögling stattfinden, so würde das, was sich da abspielt, sich nicht abspielen können bloß auf dem Vorstellungsgebiete, indem man dem Betreffenden etwas beibringt, sondern es würden sich reale karmische Beziehungen anknüpfen müssen, weil man viel mehr in das Leben hineingreift. Man würde gewissermaßen das betreffende Individuum herausteißen aus seinem Karma, würde es in seinem karmischen Verlauf ändern. Das kann nicht gehen, daß man dasjenige, was über das Individuum hinausführt, individuell behandelt, sondern das muß generell, allgemein-menschlich behandelt werden. Wir sind in einer gewissen Zeitepoche zusammengeführt, also muß wirken ein Gemeinsames, sobald man über das Individuelle hinausgeht. Das heißt, es darf nicht gegenübertreten Individuum dem Individuum und das Individuum therapeutisch oder pädagogisch so behandeln, wie es der Psychoanalytiker macht, sondern es muß etwas Allgemeines eintreten. In die Zeitkultur muß etwas hereintreten, was die Seele hinweist auf dasjenige, was sonst unterbewußt bleibt; und das, was heraufzieht, das muß nur Milieu werden, nicht eine Angelegenheit, die sich von Individuum zu Individuum abspielt.
[ 29 ] Think of the relation to pupil or patient of an instructor who wishes to proceed by the method of psychoanalysis. When he tries to deal with soul contents which have slipped down into the realm of feeling he lays hold, not only upon the man's individual life, but upon the all-inclusive life which extends far beyond the individual. For this all-encompassing life, however, there are between men no connections that may be handled by means of mere ideas. Such connections lead instead to genuine life-relationships. This is very important. Imagine the existence of such a connection between a psychoanalytic instructor and pupil. What takes place could not be confined to the realm of ideas which are conveyed to the pupil, but real karmic connections would have to be established because one is really encroaching upon life itself. It would be tearing the individual in question out of his karma, changing the course of his karma. It will not do to handle that which extends beyond the individual in a purely individual manner. It must be treated instead in a universally human way. We are all brought together in a definite epoch, so there must be a mutual element which acts as soon as we go beyond the individual. That is to say: a patient cannot be treated by psychoanalysis, either therapeutically or educationally, as between individuals. Something universal must enter, must enter even the general culture of the period, something which directs the soul to that which would otherwise remain subconscious; and that which draws the subconsciousness upward must become the milieu—not a transaction between individuals.
[ 30 ] Hier liegt der große Fehler, der gemacht wird, der von einer ungeheuern Tragweite, von einer riesigen Bedeutung ist. Statt die Bestrebung dahinzuführen, das Geistesleben zu durchdringen mit dem, was Wissen von der geistigen Welt werden kann, wie es in der Gegenwart sein muß, sperrt man diejenigen Seelen, an denen sich zeigt, wie das zurückgestaute Geistesleben krankhaft wirkt, in Sanatorien ein und behandelt einen einzelnen. Das kann niemals zu etwas anderem führen, als daß karmisch verworrene Verhältnisse sich anknüpfen, daß aus dem, was sich vollzieht zwischen den Individuen, nicht herauskommt ein wirkliches Heben des unterbewußten Seeleninhaltes, sondern daß sich karmische Beziehungen zwischen den Behandelnden und dem Behandelten anknüpfen, weil es übergreift in das Individuelle.
[ 30 ] Here, you see, lies the great mistake that is being made. It has a terrific range and is of immense importance. Instead of trying to lead them to the attainable knowledge of the spiritual world which is demanded by the times, the psychoanalysts shut all the souls who show any morbid symptoms into sanatoriums, and treat each one in the individual manner. It can lead only to the forming of confused karmic connections—what takes place does not bring to light the subconscious soul content, but simply forms a karmic tie between doctor and patient because it encroaches upon the individual.
[ 31 ] Sie sehen, man kommt in das reale, in das konkrete Leben hinein, mit dem man nicht spielen darf, das man dann erst meistern kann, wenn nichts anderes angestrebt wird als dasjenige, was allgemeinmenschlich ist auf diesem Gebiete. Man muß an den konkreten Beziehungen von Menschen zur geistigen Welt diese Dinge eben lernen. Daher würde es nützlich sein, wenn sich die Menschen darauf einließen, nicht wiederum abstrakt herumzureden, wie es Jung tut, davon, daß der Mensch alles erlebt, was die Menschheit durchgemacht hat, alle möglichen Dämonen; aber er macht sie zu abstrakten Dämonen, nicht zu Wirklichkeiten, indem er gerade sagt, über ihre Existenz zu diskutieren ist eine Dummheit. Er macht sie zu abstrakten Dämonen, zu bloßen Gedankendämonen. Ja, bloße Gedankendämonen könnten niemals einen Menschen krank machen, die können niemals im Unterbewußten sein, sondern die können nur im Bewußtsein sein. Das ist das Wesentliche, daß die Menschen, die sich solchen Theorien hingeben, selber mit so viel unbewußten Vorstellungen arbeiten, daß sie auf das Richtige nicht kommen können. Die Menschen kommen zu Absolutierungen von gewissen Begriffen. Und ich muß immer wieder sagen, da wo die Begriffe anfangen verabsolutiert zu werden, kommt man immer in eine Sackgasse hinein, oder man kommt vor eine Grube, in die man hineinfällt mit seinem Denken.
[ 31 ] You understand: we are dealing here with real, concrete life, with which it does not do to play, which can only be mastered if nothing is striven for in this field except what is humanly universal. These things must be learned by direct relations of human beings with the spiritual world. Therefore it would be useful if people were to stop talking abstractly as Jung does, saying that a man experiences subconsciously everything that mankind has been through, even all sorts of demons. He makes them into abstract demons, not realities, by saying that it is stupid to discuss their possible existence. He makes them into abstract demons, mere thought demons that could never make a man ill. They can exist only in consciousness, and can never be subconscious. That is the point: that people who give themselves up to such theories are themselves working with so many unconscious ideas that they can never happen upon the right thing. They come instead to regard certain concepts as absolute, infallible; and I must ever repeat that when ideas begin to become absolute, men get into a blind alley, or reach a pit into which they fall with their thinking.
[ 32 ] Ein Mensch wie Dr. Freud ist genötigt, das Sexualgebiet auszudehnen über das gesamte menschliche Wesen, damit er aus dem Sexualgebiet heraus alles erklären kann, was an solchen Seelenerscheinungen auftritt. Ich sagte zu verschiedenen Menschen, die mit psychoanalytischen Tendenzen an mich herankommen, eine Theorie, eine Weltanschauung muß standhalten können, wenn man sie auf sie selbst anwendet, sonst zerbröckelt sie in nichts. Ich sagte, der einfache logische Trugschluß ist das Muster, wenn man ihn nur konkret genug ausdehnt. Alle Kretenser sind Lügner —, sagt ein Kretenser. Wenn es ein Kretenser sagt und wenn es wahr wäre, müßte es erlogen sein, und dann hebt sich diese Behauptung von selber auf, sie vernichtet sich. Also das geht nicht, daß ein Kretenser sagt: Alle Kretenser sind Lügner — mit der Prätention: der Satz gelte unbedingt. Das ist nur das Muster, das logische Muster für die Verabsolutierung. Aber so muß jede Theorie mit sich selbst behandelt werden können, ohne daß sie zerbröckelt. Behandeln Sie Freud mit Freud, wie er seine unterbewußten Dinge heraufbringt, dann müssen Sie sagen: Die Freudsche Theorie kommt aus dem Sexualleben; sie ist nur ein Ergebnis des Sexuallebens. — Geradeso wie die Behauptung: Alle Kretenser sind Lügner aus einer Lüge stammen müßte beim Kretenser und zerbröckelt, so zerbröckelt die Behauptung von der Universalität des Sexualismus, wenn man sie selbst an der Sache prüft. Und so ist es mit andern Dingen. Allerdings, solch ein Prinzip kann man lange einsehen, ohne es durchgreifend lebensvoll, wirklichkeitssinnig anzuwenden. Aber das gerade wird eine besondere Errungenschaft sein der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft, daß sie auch auf sich selbst in dieser Weise angewendet werden kann.
[ 32 ] A man like Dr. Freud is obliged to stretch the sexual domain over the entire human being in order to make it account for every soul phenomenon. I have said to various people with psychoanalytic tendencies, whom I have met: A theory, a world-concept must be able to hold its own when you turn it upon itself, otherwise it crumbles into nothingness. The simple fallacy, if you extend it far enough, is an example. A Cretan says: All Cretans are liars. If it is said by a Cretan, and it is true, then it would be a lie, which causes the saying to annul itself. It will not do for a Cretan to say “All Cretans are liars,” expecting the sentence to pass unchallenged. That is only a sample of absolutizing. But a theory should not crumble when turned upon itself. Just as the statement that all Cretans are liars would be a lie if made by a Cretan, so does the theory of universal sexuality crumble if you test it out by applying it to the subject itself. And it is the same with other things. You can understand such a principle for a long time without applying it vigorously, in accordance with reality. But it will be one of the particular achievements of anthroposophically oriented spiritual science, that it cannot be turned in this manner against itself.
