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Individuelle Geistwesen und ihr Wirken in der Seele des Menschen
GA 178

13 November 1917, Zürich

4. Hinter den Kulissen des äußeren Geschehens II

[ 1 ] In dem Vortrage, den ich hier vor acht Tagen gehalten habe, wollte ich das Thema anschlagen, das ja jetzt so notwendig ist zu besprechen, das Thema, das geradezu energisch herausgefordert wird durch unsere so tragisch in das Menschheitsleben eingreifenden Ereignisse, das Thema, das man kurz bezeichnen könnte mit den Worten: Die Menschheit hat es dringend nötig, wiederum zu der Erkenntnis, zu dem Bewußtsein zu kommen, daß die Welt, die sich hier im Physischen abspielt, zusammenhängt mit einer konkreten geistigen Welt. Die Menschheit hat es dringend nötig, sich zum Bewußtsein zu bringen, daß eine geistige Welt bis in die Einzelheiten des Daseins in die physische Welt hereinwirkt.

[ 2 ] Nun muß man sagen, daß ganz besonders unsere Zeit aufmerksam werden muß darauf, daß sich dieses Bewußtsein in der Menschheit verbreitet. Denn der Mensch der Gegenwart, äußerlich, physisch unterscheidet er sich nicht gerade sehr beträchtlich von den Menschen derjenigen Vergangenheiten, mit denen man gewöhnlich in der Geschichtsbetrachtung rechnet. Man kommt ja in der Geschichtsbetrachtung nicht weiter zurück als höchstens bis in den dritten nachatlantischen Zeitraum. Was vorher liegt, das ist eine ziemlich vage Geschichtsbetrachtung, und nur die will ja der Mensch der Gegenwart gelten lassen. Das seelische Leben der Menschheit hat sich in dieser Zeit sehr, sehr geändert. Aber daß sich das äußere physische Leben, die Umwandlung des Organismus gleich sehr geändert hätte, das kann man nicht sagen. Und daher bemerken die Menschen nicht, dringen nicht darauf, zu bemerken dasjenige, was eigentlich vorgeht, was sich abspielt und was seine Impulse in der geistigen Welt hat. Wir leben in der Tat in einer bedeutungsvollen Zeit. Das hat nichts zu tun mit der oftmals gemachten trivialen Bemerkung, die in die Worte gekleidet wird: Wir leben in einer Übergangszeit. — Selbstverständlich ist jede Zeit eine Übergangszeit, es handelt sich nur darum, daß man weiß, was in der betreffenden Zeit übergeht.

[ 3 ] Dasjenige, was in unserer Zeit übergeht, das heißt, was andere Formen annimmt, was eine bedeutsame Wandlung durchmacht, das kommt einem ganz besonders dann zum Bewußtsein, wenn man in die Lage versetzt ist, seinen Blick nicht nur zu richten auf das Leben der Wesen, die hier auf der Erde in physischen Leibern herumlaufen, sondern wenn man den Blick wendet auf die Wesen, die nicht der physischen Welt angehören, zu denen ja auch die verstorbenen Menschen gehören. In der Welt, welche der Mensch durchmacht zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, da sind schon die Wandlungen, und insbesondere die Wandlung der gegenwärtigen Zeit bedeutsam, tief einschneidend zu bemerken. Der Mensch der Gegenwart will nur nicht gern ernst nehmen dasjenige, was sich auf die geistige Welt bezieht. Und daß er dies so wenig ernst nehmen will, das ist etwas, was einem ganz besondere Gefühle und Empfindungen nahelegt, wenn man heute an die Entstehung desjenigen denkt, was wir Anthroposophie nennen. Es ist wirklich so, daß man gar nicht irgendwie eine besondere Vorliebe zu haben braucht für die Ideen, die in der anthroposophischen Bewegung vertreten werden, um diese Ideen vertreten zu wollen. In einer andern Bewegung — was gibt es nicht heute alles für Bewegungen, was werden nicht alles für Vereinigungen gegründet, die alle die Überzeugung haben, daß sie das Allernotwendigste in der Welt vorstellen —, in allen solchen Vereinen, allen solchen Bewegungen haben die Leute, ich möchte sagen, den subjektiven Fanatismus ihrer Bewegung. Sie sind eingenommen für ihr Programm, und sie halten dieses Programm für etwas ungemein Seligmachendes, für eine absolute Notwendigkeit. Ein solches Eingenommensein braucht man gar nicht für die anthroposophische Bewegung, sondern der Impuls, sie zu vertreten, kann aus ganz anderem hervorgehen. Und wenn ich das kurz bezeichnen soll — manches muß ja unter uns kurz bezeichnet werden, weil wir immer nur so kurze Zeit zusammensein können —, so möchte ich sagen: Dasjenige, was einen zwingt, wenn man sich die Überzeugung von der Wahrheit der anthroposophischen Ideen erworben hat, für die Verbreitung dieser Ideen alles Mögliche zu tun, das ist das Mitgefühl mit denjenigen Menschen, welche in der Gegenwart diese Ideen brauchen — und das sind im Grunde genommen fast alle Menschen, mit denen wir in Berührung kommen —, das Mitgefühl mit den Menschen, welche diese Ideen haben müssen und welche verurteilt sind, Schlimmes auf sich zu nehmen, wenn sie diese Ideen nicht haben.

[ 4 ] Ich wollte das letzte Mal eine Vorstellung davon hervorrufen, daß äußerlich auf dem physischen Plane vieles unverständlich ist, das anfängt verständlich zu werden, wenn man es erklären kann aus dem Zusammenhang heraus mit der geistigen Welt. Ich möchte Ihnen heute noch einige andere wichtige Gesichtspunkte, die scheinbar von ganz anderer Seite zunächst hergeholt sind, vorbringen. Gehen wir von etwas aus, das uns ja auf Schritt und Tritt entgegentreten kann. Man kann heute sagen, es wird von vielen Seiten, die sich für berufen halten, gerade als ein Zeichen besonderer religiöser Aufklärung aufgefaßt, abzulehnen solche Ideen, wie wir sie wiederum haben müssen, daß man, sobald man die Schwelle zur geistigen Welt übertritt, es zu tun hat mit vielen geistigen Wesenheiten, mit ganzen Hierarchien von geistigen Wesenheiten, Angeloi, Archangeloi und so weiter hinauf. Es wird als ein Zeichen besonderer religiöser Aufklärung angesehen, wenn man bloß reflektiert auf das, was man den einzigen Gott nennt, diesen einzigen Gott, zu dem man eine möglichst intime, unmittelbare Beziehung suchen will. Das wird ja als der einzig mögliche Monotheismus angesehen, und manche Leute äußern schon einen Horror, wenn sie hören, nun kommt gar eine Lehre, welche von vielen geistigen Wesenheiten spricht.

[ 5 ] Man muß sich nur klar sein, was das eigentlich bedeutet. Wenn der Mensch nur dasjenige Verhältnis zur geistigen Welt entwickelt, welches heute religiös gang und gäbe ist, welches die sich aufgeklärt dünkende Kirche besonders pflegt, dann kommt er nur in ein ganz bestimmtes, wenn es auch ein Gefühlsverhältnis ist, nur in ein ganz bestimmtes Verhältnis zur geistigen Welt, nämlich nur in das Verhältnis zu dem ihn beschützenden Angelos, zu dem Engelwesen, zu dem er eine reale Beziehung hat. Und dieses Engelwesen, zu dem er allein eine Beziehung finden kann, zu dem er ein gewisses Gefühl haben kann, dieses Engelwesen nennt er dann seinen Gott; wenn er ein Christ ist, nennt er auch dieses Engelwesen Christus. Er verwechselt dieses Engelwesen mit dem Christus. Vielleicht kann man sich das schwer vorstellen, aber es ist so. Gerade die sich aufgeklärt dünkenden protestantischen 'Theologen, welche so sehr abmahnen davon, Vielgötterei zu treiben, um zu dem einen Wesen, zu dem Christus, einen unmittelbaren Bezug zu gewinnen, die können noch so viel reden zu den Menschen über den Christus, das, was sie über den Christus sagen, bezieht sich nur auf das Verhältnis des Menschen zu seinem Engelwesen. So daß zumeist der Monotheismus in unserer Zeit der Gefahr ausgesetzt ist, eine Anbetung des einzelnen Engels eines jeden Menschen zu sein.

[ 6 ] Nicht wahr, gestehen wollen sich ja heute die Menschen vieles noch nicht, was doch unter ihnen als Wirklichkeit lebt. Der objektive Betrachter sieht aber schon, ich möchte sagen, aus groben Verhältnissen heraus, wie sich die Menschen anschicken, aus solchen Illusionen heraus allerlei recht verhängnisvolle Vorstellungen und Empfindungen zu entwickeln. In diesem Anbeten des eigenen Engels liegt es ja, daß jeder seinen eigenen Gott hat und nur glaubt, er habe mit dem andern einen gemeinsamen. In Wahrheit beten die Monotheisten der heutigen Zeit jeder nur den eigenen Engel an, und weil so zusammenstimmen die Worte, die ertönen, wenn ein jeder sein Verhältnis zu seinem eigenen Engel, sein egoistisches Verhältnis zu seinem eigenen Engel bespricht, so glauben sie nur, sie reden von einem gemeinsamen Gotte. Würde diese Entwickelung so fortgehen, so würde sie die Menschen dazu bringen, auch als einzelne menschliche Individuen dasjenige immer mehr zu entwickeln, was wir ja schon heute in den Nationen auf eine recht entsetzliche Weise zutage treten sehen: die Nationen, wenn sie auch theoretisch noch von einheitlicher Göttlichkeit sprechen — im Ernste wollen sie diese Göttlichkeit besonders in dieser Zeit nicht anerkennen, sondern eine jegliche Nation möchte ihren eigenen Gott haben.

[ 7 ] Das ist aber nur das äußerlich Hervortretende, ich möchte sagen, das grob Hervortretende. In Wirklichkeit will jeder Mensch heute seinen eigenen Gott haben und nennt dann dasjenige Verhältnis, das er bloß zu seinem Angeloswesen entwickelt, Monotheismus. Weil sich in einer Zeit, wo man bloße Anlagen entwickeln will für die Anschauung des Sinnlichen, alle Verhältnisse trüben, deshalb bemerkt der Mensch nicht, daß das so ist, wie ich es eben charakterisiert habe.

[ 8 ] Nun, man kann auf Schritt und Tritt heute sehen: Wenn man zu den Menschen, die noch nicht irgendwelche Begriffe von Anthroposophie aufgenommen haben, redet von konkreten Beziehungen des Menschen zur geistigen Welt, dann wollen sie auf solche Dinge nicht eingehen. Sie haben eine Scheu, darauf einzugehen. Sie wollen nicht den Mut fassen, ihre Gedanken zu verbinden mit irgendwelchen Impulsen, von denen als aus der geistigen Welt kommend, gesprochen wird. In Zeiten von Krisen war etwas Ähnliches immer vorhanden, und wir leben in einer Zeit der Krise. Mit außerordentlich schmerzlichen Empfindungen muß man sehen, wie unaufmerksam eigentlich die gegenwärtige Menschheit gegenüber den so deutlich, so eindringlich sprechenden Ereignissen, tragischen Ereignissen der Gegenwart ist, wie wenig die Menschen darauf eingehen, anders als unter dem Zwange, der dann vom Materiellen kommt, auf diese Ereignisse der Gegenwart die nötige Aufmerksamkeit zu richten. Man möchte sagen, herangebändigt muß der einzelne Mensch erst werden, um aufmerksam darauf zu werden, daß dasjenige, was in unseren Jahren vorgeht, überall tief einschneidende Menschheitsimpulse vor die Menschenseele hinstellt.

[ 9 ] Und daher kommt es ja, daß die Menschen gar nicht hinhorchten, wenn irgendwie sich geltend machte das Urteil: daß Wichtiges, Einschneidendes von Menschen der Gegenwart gedacht, vorgenommen werden muß, um gewissermaßen aus der Misere der Gegenwart herauszukommen, und daß dasjenige, was gedacht, was vorgenommen werden muß, herausgeboren sein muß aus geistigen Erkenntnissen, aus konkreten geistigen Erkenntnissen. Mit dem immerwährenden Betonen des Geistigen im allgemeinen, mit dem Herumreden davon, daß die Menschen sich geistig vertiefen sollen und so weiter, damit kommt man nicht aus. Um was es sich handelt, das ist, daß die Menschen in der Gegenwart konkrete Beziehungen zur geistigen Welt gewinnen müssen. Für uns könnte es ja verständlich sein, daß auch in früheren Zeiten, in denen die Menschen noch mehr Beziehung zur geistigen Welt gehabt haben, sie aufmerksam gemacht wurden auf konkrete Beziehungen zur geistigen Welt, die nur heute nicht mehr verstanden werden. Man hat nicht in früheren Zeiten nur so allgemein herumgeredet: Da unten auf der Erde wimmeln die Menschen herum und da oben ist irgend etwas Göttliches, — sondern man hat in konkreten Beziehungen gesprochen.

[ 10 ] Die schönsten und bedeutsamsten Ausflüsse solcher konkreter Beziehungen sind ja Prophetien wie die des Daniel, wie die der Apokalypse, wo auch nicht bloß gesprochen wird davon: Ihr Menschen, vertraut auf einen Gott, ihr Menschen, glaubt an einen Gott, — sondern wo den Menschen gesagt wird: Ein Reich, das zweite Reich, das dritte Reich — das eine muß das andere in irgendeiner Weise ablösen —, wo den Menschen erzählt wird konkret der Zusammenhang der geistigen Welt mit der physisch-sinnlichen hier. Diese Möglichkeit, so konkret zu sprechen über das Verhältnis des Geistigen zum Physischen, hat sich die Menschheit ganz abgewöhnt. Die Menschheit möchte heute alles — wenn ich den trivialen Ausdruck gebrauchen darf — über einen Kamm scheren. Die Menschheit möchte am liebsten Theorien erfinden, nach denen man die Menschen über die ganze . Erde hin gleichmäßig irdisch selig machen kann. Der Sozialist von heute denkt, daß gewisse Ideen die richtigen sind für das Menschenleben, die richtigen sind für England, für Amerika, für Rußland, Asien; wenn alle ihre Staaten so einrichten, wie es der Sozialismus will, dann komme selbstverständlich das Glück, das sich der heutige Mensch für die Erde erträumt. So denkt der Mensch. Das sind alles Abstraktionen, das sind alles unwirkliche Begriffe und Ideen; nicht wissen, daß sich auf dem einen Fleck der Erde aus einem gewissen Volkstum heraus das eine vorbereitet, auf einem andern Fleck der Erde das andere vorbereitet, nicht die Möglichkeit haben, den großen Unterschied zwischen dem Westen und dem Osten zu verstehen: das ist dasjenige, was unendliche Verwirrung und unendliches Chaos stiften muß. Denn nur dann, wenn der Mensch die Möglichkeit hat, eine Brücke zu schlagen von seiner Seele zu den objektiven Tatsachen, dann kann er in gedeihlicher Weise mitwirken an der Gestaltung des Erdenseins.

[ 11 ] Diese Brücke wollen die Menschen nicht schlagen. Ich muß in diesen Zeiten aus inneren Notwendigkeiten heraus zu unseren Freunden immer wieder und wiederum an den verschiedensten Orten davon sprechen, wie ein Ereignis stattgefunden hat im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, welches bedeutsam, tief einschneidend in die menschliche Entwickelung ist, ein Ereignis, von dem alle okkulten Schulen wissen, nur wissen sie oftmals nicht das Richtige über den Verlauf dieses Ereignisses zu sagen. Ich will auch heute kurz andeuten, um was es sich handelt. Es handelt sich darum, daß vom Jahre 1841 an ein Geisterkampf in den geistigen Regionen stattgefunden hat zwischen gewissen Wesenheiten aus den höheren Hierarchien und übergeordneten Wesenheiten. Diese Wesenheiten, welche sich rebellisch aufgelehnt haben in der Zeit vom Jahre 1841 bis 1879, und die einen Rebellenkampf gekämpft haben in dieser Zeit, diese Wesen wurden früher verwendet im Sinne der weisen Weltenlenkung. Auch diejenigen Wesen, die in gewissen andern Zeiten sich auflehnen, böse Wesenheiten werden, Wesen der Finsternisse werden, sind in gewissen Zeiten gut brauchbare Wesenheiten. Also ich rede von solchen Wesenheiten, die bis zum Jahre 1841 von höheren Geistern in dem Dienst der weisheitsvollen Weltenlenkung verwendet worden sind, aber von dieser Zeit an anders wollten als ihre übergesetzten Wesenheiten. Diese Wesenheiten haben in der geistigen Welt einen bedeutsamen Kampf gekämpft, einen von denjenigen Kämpfen, die öfter stattfinden, aber auf verschiedenen Höhen, möchte man sagen, einen Kampf, der in der Legende, in der Symbolik dargestellt wird als der Kampf des Michael mit dem Drachen. Geendet hat dieser Kampf damit, daß gewisse Geister der Finsternis im Herbst 1879 herabgestoßen worden sind aus den geistigen Regionen in die Erdenregionen und seit jener Zeit unter den Menschen wirken, eingehen in die menschlichen Willensimpulse, eingehen in die menschlichen Motive, eingehen in das, was die Menschen begreifen können, kurz, in allem Menschlichen wirken. So daß also gewisse Geister der Finsternisse seit dem Herbst 1879 unter den Menschen sind, auf welche die Menschen aufmerksam werden müssen, wenn sie die irdischen Ereignisse verstehen wollen. Man könnte sagen, man sagt damit das ganz Richtige, daß diese Wesenheiten 1879 herabgestoßen worden sind, das machte den Himmel frei von diesen Wesenheiten, aber die Erde voll von ihnen. Ihr Ort ist von jener Zeit an nicht mehr im Himmel zu finden, sie sind auf der Erde.

[ 12 ] Wenn ich charakterisieren soll, was diese Wesenheiten eigentlich wollten mit ihrer Rebellenkampf von 1841 bis 1879, so muß ich sagen, sie wollten verhindern können, sie wollten es dahin bringen, verhindern zu können, daß die notwendige spirituelle Weisheit, die sich dem Menschen offenbaren will vom 20. Jahrhundert ab, in die Menschenseelen hineinkommen kann; sie wollten diese oben behalten und nicht in die Menschenseelen hineinlassen. Nur dadurch konnte bewirkt werden, daß vom 20. Jahrhundert ab Menschen geöffnet bekommen können den Sinn für spirituelle Erkenntnisse, daß die hindernden Geister der Finsternisse aus dem geistigen Reiche entfernt worden sind, so daß herabkommen können die für die Menschen bestimmten spirituellen Erkenntnisse. Aber hier, wo diese Geister der Finsternisse jetzt unter den Menschen herumwandeln, machen es sich wiederum diese Geister der Finsternisse zur Aufgabe, die Menschen zu verwirren; von hier aus wollen sie nun verhindern, daß das richtige Verhältnis eintritt zu den spirituellen Wahrheiten, gewissermaßen den Heilzweck der spirituellen Wahrheiten von den Menschen abhalten.

[ 13 ] Dem kann man nur entgegenwirken durch das genaue Erkennen, durch das genaue Durchschauen dieser Dinge. Gewisse okkulte Brüderschaften machen sich aber das Gegenteil zur Aufgabe; sie wollen die Weistümer nur in ihrem engsten Kreise behalten, um sie im Sinne ihrer Machtgelüste ausnützen zu können. Und in diesem Kampfe stehen wir drinnen. Auf der einen Seite besteht die Notwendigkeit, die Menschheit in der richtigen Weise dadurch zu geleiten, daß sie spirituelle Weistümer aufnimmt; auf der andern Seite stehen abgeschlossene okkulte Brüderschaften schlimmer Sorte, welche diese Weistümer gerade nicht unter die Menschen hereindringen lassen wollen, damit die Menschen dumm bleiben gegenüber der geistigen Welt, töricht bleiben, und die in enggeschlossenen Brüderschaften Befindlichen dann von dort aus ihre Machinationen treiben können.

[ 14 ] In den Ereignissen der Gegenwart stecken ganze Bündel solcher Machinationen, und es wird ganz besonders der Menschheit zum Unheil gereichen, wenn sie nicht durchschauen will, daß solche Machinationen herrschen. Sie werden gleich eine Art Licht aufgehen fühlen über das, was hinter dieser Sache eigentlich steckt, wenn ich aufmerksam mache auf gewisse Wahrheiten, die heute reife Wahrheiten sind, gewissermaßen Wahrheiten, die, wie die reifen Pflaumen vom Baume, aus der geistigen Welt in das Reich der Menschen herabfallen müssen, aber die verhindert werden an der allgemeinen Ausbreitung, gegen die auch die Menschen Vorempfindungen, Vorneigungen, Vorurteile haben, weil sie sich vor ihnen fürchten.

[ 15 ] Ich möchte in dieser Beziehung möglichst konkret sprechen. Diese Tatsache, daß 1879 eine Anzahl von Geistern der Finsternis gestürzt worden sind und seither im Menschenreiche sind, hat wichtige, bedeutsame Konsequenzen. Vor allen Dingen hat diese Tatsache die Konsequenz, daß das Denken, das klare Denken seit jener Zeit für den Menschen eine ungeheuer viel größere Bedeutung gewonnen hat, als das früher der Fall war. Es gab eben keine Zeit der Menschheitsentwickelung, in der, wenn man auf innere Notwendigkeiten dieser Menschheitsentwickelung blickt, man sagen muß, klares Denken ist so notwendig, wie nur irgend notwendig sein kann Essen und Trinken zur Unterhaltung des physischen Lebens. Denn wenn der Mensch unklar denkt in dieser Zeit, in der wir leben und in die hinein die Menschheit weiter in der Zukunft lebt, so wird man solche reifen Wahrheiten, die aus der geistigen Welt herunterfallen sollen, nicht im gehörigen Lichte sehen können. Man wird vor allen Dingen nicht die große, tiefe Bedeutung einsehen können, die für die ganze menschliche Entwickelung das Mysterium von Golgatha, die Erscheinung des Christus innerhalb der Menschheitsentwickelung hat. Von diesem Christus Jesus sprechen viele. Von dem tiefen Sinn zu sprechen, den die ganze Menschheitsentwickelung der Erde durch das Mysterium von Golgatha hat, will einen die Theologie der heutigen Zeit sogar verhindern. Natürlich hat sich dasjenige, was durch das Mysterium von Golgatha geschehen soll, erst langsam und allmählich ausgelebt. Und so recht intensiv kommt das erst in diesem Jahrhundert zum Vorschein.

[ 16 ] In den alten Zeiten waren immer noch alte Erbgüter vorhanden aus den Zeiten, wo die Menschen atavistisches inneres Leben hatten, das von Spiritualität durchsetzt war. Daß der Mensch die Spiritualität sich erwerben muß, wenn er sie haben will, das tritt erst in unserer Zeit auf. Daher treten in unserer Zeit, und eigentlich erst vom Jahre 1879 ab, ganz bestimmte Erscheinungen auf. Heute sind sie, weil das äußere Anschauen so grob geworden ist, eigentlich nur klar ersichtlich, wenn man den Seelenblick wendet hinein in das Reich, das der Mensch betritt, wenn er durch die Pforte des Todes tritt. Denn in anderer Weise kommen die Seelen, die vor dem Jahre 1879 geboren sind, in der geistigen Welt an, wenn sie durch den Tod gehen, als alle die Seelen ankommen werden, die nach dem Jahre 1879 geboren sind. Es ist dieses ein tief einschneidendes Ereignis, um das es sich da handelt.

[ 17 ] Dieses tief einschneidende Ereignis also, das bewirkt insbesondere, daß die Menschen in ihren Seelen immer ähnlicher werden dem Gedanken, dem, was sie als Erkenntnisse ansehen. Es ist das für den heutigen Menschen eine sonderbare Wahrheit, aber es ist eine Wahrheit. Gewisse Dinge im richtigen Lichte zu sehen, eben mit klaren Gedanken zu sehen, mit gültigen Gedanken zu sehen, mit wirklichkeitsgesättigten Gedanken zu sehen, das ist wichtig, das ist wesentlich. Darwinismus richtig zu sehen, so wie ich zum Beispiel versuchte ihn gestern darzustellen im öffentlichen Vortrage, das ist gut. Ihn zu sehen als Grundlage für eine allein gültige Weltanschauung, ihn also so zu sehen, daß man glaubt, nur das eine ist richtig, der Mensch stamme von den Tieren ab, und auch diesen Gedanken in sich lebendig zu machen: Ich stamme von den Tieren ab, ich stamme nur aus solchen Kräften, die auch die Tiere bilden —, dieser Gedanke führt die Seele in dieser Zeit dazu, der eigenen Vorstellung ähnlich zu werden. Das ist wichtig! Wenn dann diese Seele den Leib abgeworfen hat, dann verfällt sie dem Unglücke, dieser ihrer eigenen Vorstellung ähnlich sich schauen zu müssen! Wer hier im physischen Leib des Glaubens lebt, daß nur Tierisches bei seiner Entwickelung mit tätig war, der zimmert sich für die Zeit nach dem Tode ein solches Bewußtsein, daß er sich als Tier ansehen muß. — Denn nachdem durch das Ereignis von 1879 so recht der Charakter der fünften nachatlantischen Zeit erfüllt ist, sind “ die Gedanken, die sich die Menschen machen, dazu da, daß sich die Menschenseelen in diese Gedanken verwandeln. Das ist es, warum ich sagte: Man braucht keine Vorliebe zu haben für die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, um sie vertreten zu wollen, sondern man braucht bloß Mitleid mit den Menschen zu haben, welche diese Gedanken brauchen, weil diese Gedanken schöpferische Gedanken sind für das Seelenleben, weil der Mensch dazu berufen ist in der Zukunft, das zu werden, als was er sich ansieht. — Dies mußte eintreten im Verlauf der weisheitsvollen Weltenlenkung, damit der Mensch wirklich zum vollen freien Selbstbewußtsein kommen kann. Auf der einen Seite mußten die Götter dem Menschen die Möglichkeit geben, sein eigenes Geschöpf zu werden. Damit er allerdings diesem eigenen Geschöpf einen übersinnlichen Sinn geben kann, finden kann in dem, was er aus sich selber macht, etwas, was ihm eine ewige Richtung geben kann, ist der Christus Jesus durch das Mysterium von Golgatha gegangen. Und wenn man ihn versteht, geisteswissenschaftlich versteht, gedankenmäßig versteht, dann findet man den Weg zu ihm; den Weg von dem Tierischen heraus ins Göttliche.

[ 18 ] Diese Wahrheit stellt sich insbesondere heraus, wenn man eben den Seelenblick hineinzutun vermag in die Welt, die der Mensch nach dem Tode betritt. Diejenigen Menschen, die noch vor 1879 geboren sind, nehmen immer noch einen gewissen Rest mit, der sie behütet, rein das zu sein, als was sie sich hier vorzustellen vermochten. Und auch noch für längere Zeit hinaus werden die Menschen behütet werden können, bloß das zu sein — die Dinge nähern sich erst allmählich —, als was sie sich vorstellen: aber nur durch Leid, nur wenn sie leiden können, wenn sie, um das Paradoxon zu sagen, das Leid der Erkenntnis auf sich nehmen können, indem sie das Unbefriedigende ihrer Vorstellung über den Menschen selber empfinden. Harmonie mit sich selber, zu gleicher Zeit eine Erkenntnis, die den Menschen auch Mensch sein läßt nach dem Tode, das wird für die Zukunft nur hervorgehen, wenn die Menschen ihres wahren Zusammenhanges mit der geistigen Welt hier im physischen Leibe gewahr werden. Daß mit dem Jahre 1879 eine solche Veränderung vor sich gegangen ist, das werden natürlich diejenigen, die heute aus materialistischen Vorstellungen heraus überhaupt Scheu haben vor konkreten geistigen Erkenntnissen, noch lange nicht annehmen wollen; dennoch ist es notwendig, daß solches angenommen werde. Sie sehen daraus aber, daß eines wichtig wird und immer wichtiger werden muß in die Zukunft hinein, daß dasjenige, was an spiritueller Erkenntnis da ist, sich hier auf der Erde ausbreite. Daher werden die Geister der Finsternisse, um ihre Angelegenheiten zu fördern, einen besonderen Wert darauf legen, Verwirrung anzustiften unter den Menschen, damit die Menschen nicht dahin gelangen, hier die richtigen Gedanken zu bilden, in die sie sich dann, diese Menschen, nach dem Tode verwandeln. Es muß der Mensch das werden, als was er sich denkt.

[ 19 ] Dies ist eine Wahrheit, die bestimmt war, von den wichtigen Umwandlungen des 19. Jahrhunderts ab unter die Menschen zu kommen. Der Mensch muß das wollend sein, was er in Wirklichkeit sein kann, muß denken können über sein Wesen, wenn er es seelenhaft sein soll. Denn der Tote wird es heute schon verkündigen können als eine rechtmäßige reife Wahrheit: Die Seele ist das, was sie von sich zu denken vermag. — Es haben Geister der Finsternis in der Zeit, in der es notwendig war, von der Erde aus diese Wahrheit zu verbreiten: Die Seele ist das, als was sie sich zu denken vermag —, bewirkt, eininspiriert dem Menschen, als Wahrheit zu vertreten: Der Mensch ist, was er ißt. — Und wenn auch theoretisch nicht in breiteren Schichten anerkannt wird: Der Mensch ist, was er ißt — die Praxis des Lebens geht sehr darauf hinaus, dieses anzuerkennen, daß der Mensch eigentlich nichts anderes ist, als was er ißt. Ja diese Praxis des Lebens geht sogar darauf hinaus, immer mehr und mehr dieses herauszugestalten auch im äußeren Leben. Mehr als man glaubt, viel mehr als man glaubt, sind die traurigen, tragischen Ereignisse der Gegenwart bloß aus dem Prinzip herausgebildet: Der Mensch ist, was er ißt. In einem viel tieferen Sinne, als man in der heutigen Oberflächlichkeit denkt, handelt es sich um sehr wenig hochstehende Dinge, um die heute so furchtbar viel Blut fließt. Es ist schon die Menschheit infiziert von dem Satze: Der Mensch ist, was er ißt. — Vielfach wird gekämpft um Dinge, die mit solchem zusammenhängen.

[ 20 ] Gerade deshalb ist es so notwendig, daß sich die der Zeit entsprechenden Gedanken verbreiten. Der Gedanke wird nach und nach als eine reale Seelenkraft erkannt werden müssen, nicht bloß als dieses jämmerliche Abstraktum, als welches die neuere Zeit ihn herausgebildet hat und noch dazu so stolz darauf ist. Denn in älteren Zeiten waren die Menschen durch ein altes Erbgut mit der spirituellen Welt noch verbunden. Wenn auch das atavistische Hellsehen verhältnismäßig seit vielen Jahrhunderten schon ganz zurückgegangen ist, im Fühlen und Wollen lebte noch dieses Erbgut drin. Aber jetzt ist die Zeit, wo das Bewußte immer mehr und mehr als reale Macht auftreten muß, daher auch die Geister des Widerstandes, die Geister der Finsternis anstürmen in unseren Tagen, um den realen Gedanken die abstrakten Gedanken in Form von allen möglichen Weltprogrammen entgegenzusetzen. Diesen Zusammenhang muß man durchschauen. Der Gedanke muß immer wirklicher und wirklicher werden. Das muß von den Menschen verstanden werden.

[ 21 ] Wie viele gibt es heute noch, die sagen: Nun, was nach dem Tode kommt, das werden wir ja sehen, darauf werden wir noch immer zur rechten Zeit aufmerksam; hier wollen wir absehen davon, wollen dem Leben dienen. Wenn wir eintreten in jene Welt drüben, so wird sich uns schon zeigen, wie sie ist. — Ja, wenn schon das eine richtig ist, daß man da drüben dasjenige ist, was man hier von sich vorgestellt hat, so ist noch etwas anderes richtig. Nehmen Sie den Gedanken, der heute ja keine Seltenheit ist. Jemand stirbt, er hinterläßt Angehörige. Wenn diese nicht gedankenlos sind und doch materialistisch gesinnt sind, so müssen sie den Gedanken haben: Dieser Angehörige, der gestorben ist, verwest im Grabe, oder es ist von ihm dasjenige vorhanden, was man in der Urne aufbewahrt hat und dergleichen. — Nur solange die Menschen gedankenlos sind, können sie Materialisten sein und nicht diesen Glauben haben. Würde der Materialismus siegen, so würden die Menschen immer mehr und mehr den Glauben haben: Alles, was vom Toten übrig ist, ist in der Urne oder im Grabe verwesend. — Dieser Gedanke ist aber eine reale Macht. Er ist eine Unwahrheit. Wenn der hier Zurückbleibende denkt: Der Tote ist nicht mehr lebend, der Tote ist nicht mehr da —, so ist es ein falscher Gedanke, aber dieser falsche Gedanke ist doch in den Seelen, die ihn denken, real, ist doch wirklich. Diesen wirklichen Gedanken nimmt der Tote wahr; er nimmt ihn als sehr bedeutsam für sich wahr. Und das ist nicht einerlei, sondern im Gegenteil von grundwesentlicher Bedeutung, ob derjenige, der hier zurückbleibt, in lebendigem innerem Seelenleben pflegt den Gedanken an den fortlebenden Toten, an den in der geistigen Welt befindlichen Toten, oder ob er mehr oder weniger sich dem Jammergedanken hingibt: Der Tote ist eben tot, verwest. — Das ist nicht nur nicht gleichgültig, sondern es ist ein ganz wesentlicher Unterschied.

[ 22 ] Man kann jetzt nach Zürich kaum herkommen, ohne überall geistig berührt zu werden von dem, was man hier — ja auch anderswo, aber hier wird es besonders stark betrieben — analytische Psychologie, Psychoanalyse nennt. Diese Psychoanalytiker, man muß von ihnen sagen, daß sie aufmerksam werden auf allerlei Geistig-Seelisches; sie fangen an nachzudenken über Geistig-Seelisches, weil ihnen das so stark entgegentritt. Ich will hier nur mit ein paar Worten einen Zug in dieser Psychoanalyse andeuten.

[ 23 ] Irgendein Mensch leidet an irgendwelchen hysterischen Erscheinungen. In der Form, wie diese hysterischen Erscheinungen auftreten, treten sie besonders in der Gegenwart auf, daher werden die Menschen darauf aufmerksam. Man beschäftigt sich in irgendeinem Zeitalter ja besonders mit den Krankheiten, die in diesem Zeitalter besonders auftreten; dann sucht man, wo die Ursachen liegen können. Und soweit ist nun diese Psychoanalyse gekommen, daß sie sagt: Zu diesen hysterischen Erscheinungen, die vielfach auftreten, liegen die Ursachen im Seelischen. Sie kann nicht mehr im Materiellen, im bloßen Physiologischen oder Biologischen die Ursache suchen. Nun, sie sind im Seelischen. Nach der Vorliebe der Zeit sucht man im unterbewußten Seelischen nach allerlei Ursachen für das Auftreten von diesen oder jenen hysterischen Erscheinungen. Man sagt: Da ist ein Mensch, hysterische Erscheinungen treten bei ihm auf; das kommt daher, daß dasjenige, was in ihm wirkt, nicht in seinem Bewußtsein, sondern unter der Schwelle seines Bewußtseins spielt und immerfort heraufschlägt wie eine unterirdische Woge, unterseelische Woge, und man muß das suchen.

[ 24 ] Und jetzt beginnt das gefährliche Spiel. Da suchen nun die Psychoanalytiker alles mögliche als isolierte, unterirdische, verborgene Seelenprovinz, wie sie sich ausdrücken; suchen nach bei jemand, der hysterisch in seinem dreißigsten Jahre ist, nach Verirrungen in seinem siebenten Jahre, die dazumal nicht ausgelebt worden sind, die man ihm wieder ins Bewußtsein bringen muß, weil dieses InsBewußtsein-Bringen heilen soll und so weiter. Es ist ein Spiel mit außerordentlich gefährlichen Waffen! Man kann schon sagen: Draußen auf dem physischen Kriegsschauplatze wird heute mit sehr gefährlichen Waffen gekämpft —, hier wird auf vielen Feldern mit nicht minder gefährlichen Erkenntniswaffen ein Spiel getrieben, weil die Menschen nicht den Willen haben, sich geisteswissenschaftlich zu vertiefen, um zum wahren Verständnisse solcher Erscheinungen, wie sie einem da vor die Seele treten, zu kommen. Mit unzulänglichen Erkenntnismitteln gehen sie an die Sache heran. Das ist ein gefährliches Spiel. Es ist wahr, in vielen Menschen spielt heute Unterbewußtes, das nicht heraufkommt ins Bewußtsein. Aber das, was die Psychoanalytiker herauszufinden glauben, ist in der Regel das allerwenigst Bedeutsame; deshalb werden auch die Heilerfolge in der Regel recht fragliche sein. Wenn man irgendeine dreißigjährige Dame findet und eine sexuelle Verirrung in ihrem vierzehnten Jahre, die sich nicht ausgelebt hat, und die daher fortwuchert und die Hysterie bewirkt, so hat man noch das Allerunbeträchtlichste. Es kann in dem einen Fall oder in dem andern Fall sogar richtig sein, dann wird es um so mehr Täuschung hervorrufen, wenn man seine Tragweite nicht beurteilt. Aber vor allen Dingen ist eines wahr: in den Menschen der Gegenwart spukt unzähliges Unterbewußtes, und sie werden geplagt davon, und die Kulturkrankheiten unserer Zeit kommen davon. Was ist das?

[ 25 ] Denken Sie an das, was ich schon angeführt habe. Der Gedanke an den nicht mehr vorhandenen Toten, der lebt in der Seele, lebt irgendwie, ohne daß die Seele eigentlich viel darüber nachdenkt, lebt bloß deshalb, weil die Seele heute noch gedankenlos ist, und diese Seele ist etwas empfindlich für solche gedankenlose Gedanken — dann ist der Tote durch die ewigen Weltgesetze gezwungen, mit diesen Gedanken zu leben; der Tote spukt in der Seele des zurückgebliebenen Lebendigen. Dem ist nur zu begegnen dadurch, daß man weiß, der Tote lebt. Und immer mehr und mehr werden durch den Unglauben an das Leben der Toten die Menschen auf dem physischen Plane in Seelenkrankheiten hineingetrieben werden. Es sind in der Regel nicht sexuelle Jugendverirrungen, es sind die Gedanken des Unglaubens, die diese Erscheinungen bewirken. Denn die Gedanken haben in unserer Zeit den Beruf, reale Mächte zu werden, nicht nur solche reale Mächte, die für sich wirken; für sich wirken sie, indem die Seele nach dem Tode immer ähnlicher wird dem, als was sie sich vorstellt in dem Leibe; in höherem Sinne noch werden diese Gedanken reale Mächte dadurch, daß sie sogar Wesen, in diesem Falle die Toten selber, in einer unrichtigen Weise verbinden mit den Lebenden. Nur dadurch, daß man, so gut man es kann, die Gedankenverbindung mit dem Verstorbenen aufrecht erhält als einem Fortlebenden, rettet man auch sich davor, daß das Verhältnis zum Toten verhängnisvoll wird für den zurückgebliebenen Lebenden, und in gewisser Beziehung auch für den Verstorbenen selbst, der fortwährend aus einem ewigen, weisheitsvollen Gesetze heraus in die Notwendigkeit versetzt ist, in dem Zurückgebliebenen so zu spuken, daß dem Zurückgebliebenen dies nicht einmal zum Bewußtsein kommt, sondern in krankhaften Erscheinungen sich auslebt.

[ 26 ] Fragen Sie jetzt: Was wird das wirkliche Heilmittel für viele solche Erscheinungen sein, wie sie dem Psychoanalytiker heute entgegentreten? — Die Verbreitung der Kenntnis von der geistigen Welt. Die ist das allgemeine Heilmittel, die allgemeine Therapie, nicht diese individuelle Behandlung, die man einem einzelnen angedeihen läßt.

[ 27 ] Sie sehen, das Leben fordert von uns, daß man von den Gedanken läßt: Hier haben wir uns dem physischen Leben allein zu widmen; es wird sich schon zeigen, wenn man durch die Todespforte gegangen ist, in welche Welt man dann hineinkommt. — Denn auch das gilt: geradeso wie unser Leben hier bedeutsam ist für das Leben, in das wir eintreten zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, so ist wiederum das Leben der Seelen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt wichtig für die Seelen hier.

[ 28 ] Was ich Ihnen gesagt habe, ist ein Gedanke, der Gedanke vom Unglauben an das Dasein des Toten. Aber mit vielen Banden hängen die Toten an den Lebenden, sollen hängen. Das ist nur ein unrichtiges Band, von dem ich gesprochen habe; es gibt aber richtige Bande, viele, die da sein müssen, die den richtigen Zusammenhang mit der geistigen Welt herstellen. Geisteswissenschaft, anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft sucht diesen richtigen Zusammenhang. Denn das Leben der Menschen untereinander hier auf der Erde wird sich in der Zukunft nur richtig abspielen, wenn diese Menschen hier auf der Erde das richtige Verhältnis zur geistigen Welt herbeiführen; sonst wird immer mehr und mehr möglich sein, daß einzelne sich herausnehmen, solche Machinationen zu machen, wie die sind, von denen ich am letzten Dienstag gesprochen habe, um dadurch sich Macht zu verschaffen über andere Menschen.

[ 29 ] Man muß sich nur ganz klarmachen: Wenn wir nach dem Osten blicken, wo jetzt so intensiv als Zeichen vor sich gehende Ereignisse geschehen, so können wir nur Verständnis gewinnen für die Dinge, wenn wir in innerlicher Auffassung uns des Wesens dieses Ostens klar sind. Nehmen Sie dasjenige, was wir durch viele Jahre hindurch immer wiederum über die Veranlagung der östlichen Völker zur sechsten nachatlantischen Kulturperiode gesagt haben, dann allein wird man klar über alles Verwirrende, das aus dem Osten kommen muß, weil sich aus dem, was da eben geschieht, etwas ganz anderes herausentwickeln muß, etwas, was es den Menschen nicht so bequem macht, daß sie nicht darüber erstaunt zu sein brauchten von Tag zu Tag. Aber dasjenige, um was es sich handelt, das ist, sich in diese ganzen Strömungen, wie sie in der jetzigen Zeit auftreten und wie sie gegen die Zukunft immer mehr auftreten werden, in der richtigen Weise hineinzufinden. Und man findet sich allmählich in der richtigen Weise hinein, wenn man geisteswissenschaftlich richtig zu den Erkenntnissen vordringt, die Aufschluß geben über die geistige Welt. Dadurch erlangt man auch das richtige Verhältnis zu dieser geistigen Welt.

[ 30 ] Ich habe Sie das letzte Mal aber auf ein unrichtiges Verhältnis zur geistigen Welt aufmerksam gemacht, das von gewissen Seiten her gesucht wird. Durch ganz besondere Machinationen, sagte ich Ihnen, werden Menschen vom Leben hier in die geistige Welt hinaufbefördert; so daß sie ihr Leben hier nicht ganz ausgelebt haben und gewisse Kräfte noch benützen können, wenn sie eingetreten sind in die Welt, die man durchlebt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Und dann können wiederum gewisse unredlich wirkende Brüderschaften, die nur ihre eigenen Machtgelüste befriedigen wollen, Medien benützen, um das hereinzubekommen, was auf diesem Wege, durch Tote, denen man zuerst die Möglichkeit gegeben hat, sich in den Besitz solcher Erkenntnisse zu setzen, eben herkommen kann.

[ 31 ] Solche okkulten Brüderschaften sind auch in der Regel diejenigen, welche die Menschen irreführen in bezug auf die wichtigsten Dinge in der geistigen Welt. Wenn ich Ihnen erzähle: 1879, im November, hat ein wichtiges Ereignis stattgefunden, ein Kampf der Mächte der Finsternis gegen die Mächte des Lichtes, der mit einer Entscheidung im Sinne des Bildes des Michael mit dem Drachen stattgefunden hat — so ist nicht das Bedeutsame, daß ich Ihnen sage, so etwas hat stattgefunden, denn daß dieses Ereignis eintreten muß, daß dieses Ereignis vorgeschrieben ist in der Weltenentwickelung, das können Sie in vielen Büchern lesen, das ist durchaus keine esoterische Wahrheit; sondern das, um was es sich handelt, ist, daß ich mich bestrebe, Ihnen die wahre Bedeutung klarzumachen dessen, was eigentlich geschehen ist und wie sich die Menschen in der richtigen Weise zu diesem Ereignis zu stellen haben. Das ist es, um was es sich handelt. Daß solch ein Ereignis kommt, das hat auch Eliphas Levi, das hat Baader, das hat Saint-Martin, sie alle haben es gewußt und haben es gesagt; das ist nichts irgendwie Esoterisches. Aber in unserer Zeit besteht das Bestreben, über solche Ereignisse Verwirrung in den Menschenköpfen anzurichten, womöglich solche Verwirrung, daß die Menschenköpfe solche Dinge überhaupt als Aberglaube nehmen, sie nicht als eine Realität nehmen, wenn sie auch von älteren Wissenden schon verbreitet worden sind. Deshalb ist es so wichtig, daß man auch richtige Begriffe über diese Dinge erhält.

[ 32 ] Es gibt heute einen regulären Weg, sich den spirituellen Wahrheiten zu nähern, die seit 1879 heruntersickern in die physische Welt aus der geistigen. Dieser reguläre Weg ist eben der, den die Geisteswissenschaft zeigt. Und wenn in der Strömung dieser Geisteswissenschaft nicht abgeirrt wird von reinem, echtem Wollen, so wird diese Geisteswissenschaft dazu führen, das richtige Verhältnis zwischen der physischen Welt und der spirituellen Welt für den Menschen herzustellen. Aber das, was man dadurch erlangt und was unter die Menschen kommen muß, das führt Anstrengung mit sich, das erfordert Anstrengung. Und mancherlei Bequemlichkeiten müssen abgelegt werden, unter denen die Menschen heute sehr wohl stehen. Es erfordert Anstrengung. Denn wenn heute der Mensch redet von den Impulsen, die aus der geistigen Welt herunterwirken, die auch zukunftsgestaltend sind, ja, es kommen halt immer wiederum Menschen, die sagen: Ich möchte dieses und jenes Spezielle wissen. — Am liebsten möchten die Leute zum Beispiel heute, daß man ihnen ausmalt, in allen Details ausmalt, was 1920 nun aus dem gegenwärtigen Krieg geschehen sein wird. Und die Menschen verstehen nicht, daß mit einem solchen Detailausmalen das Wissen von der Zukunft nicht belastet werden darf, und daß trotzdem dieses Wissen von der Zukunft ein absolut sicheres sein kann, ein wirksames und sicheres sein kann, auf das zu hören ist. Das ist so ungeheuer schwer zu verstehen.

[ 33 ] Ich möchte mich durch einen Vergleich klarmachen, denn Sie werden sagen: Das ist allerdings nicht zu verstehen. Auf der einen Seite behauptet er, Details schaden gerade dem Wissen von der Zukunft, und auf der andern Seite sagt er wiederum, man solle auf dieses Wissen von der Zukunft wohl hinhorchen, weil es Richtiges sagt von der Zukunft. — Ich möchte Ihnen dies klarmachen durch einen sehr einfachen, trivialen Vergleich: Es gibt schlechte Schachspieler und gute Schachspieler. Wenn einer vor dem Schachbrett sitzt und ein schlechter Schachspieler ist, so wird er eben schlechte Züge machen, es wird nicht gehen, und er wird das Spiel verlieren. Ist er ein guter Schachspieler, so wird er mehr Chancen haben, und er wird das Spiel gewinnen. Der schlechte Schachspieler macht einfach das Falsche, der gute Schachspieler macht schon im gegebenen Augenblick das Richtige. Aber verwendet denn der gute Schachspieler seine Gedanken darauf, im Detail auszumalen, was sein Partner später für Züge macht? Muß er jetzt wissen, was sein Partner in zwei Stunden für Züge macht, wenn er ein guter Schachspieler ist? Nein, das muß er nicht wissen! Deshalb ist aber seine Kunst des richtigen, guten Schachspielens doch nicht wirkungslos: er wird für die Zukunft das Richtige machen dadurch, daß er Einsicht hat in dasjenige, was die richtigen Züge sind, und er wird falsche Züge machen, wenn er nicht Einsicht hat in das, was die richtigen Züge sind; aber er muß sich ja dem freien Willen des Partners aussetzen. Deshalb können Sie nicht sagen: Was hilft es einem denn, richtig Schach spielen zu können, wenn doch der Partner da ist? — Es hilft einem sehr viel, richtig Schach spielen zu können. Sie werden, wenn Sie den Vergleich vertiefen, schon das Richtige herausfinden, was ich meine.

[ 34 ] Aber dieser Vergleich wird Sie zu gleicher Zeit darauf hinweisen, wie richtig das ist, was jeder, der in solchen okkulten Dingen bewandert ist, Ihnen sagen muß, daß in dem Augenblicke, wo man seine Impulse für das Handeln hier in der physischen Welt aus der geistigen Welt herausholt, man zu gleicher Zeit darauf gefaßt sein muß, daß einem andere geistige Mächte entgegentreten, daß man Partner hat, mit denen man rechnen muß, daß man nicht bloß ein freies Feld vor sich hat und nun alles ausführen kann. Das ist aber das Unbequeme. Machen Sie sich nur bekannt mit okkulten Impulsen, mit Impulsen, die aus der geistigen Welt herausgeholt worden sind, und versuchen Sie sie, ich will sagen, als Politiker zu realisieren: am liebsten möchten Sie dann haben, wenn Sie so recht ein Mensch der Gegenwart sind, daß dann alles wie von selbst geht, daß diese Dinge nur so einfließen, daß Sie alles kommandieren können. Aber wenn Sie wirksame geistige Impulse haben, gerade okkulte geistige Impulse haben, die Sie in der physischen Welt anwenden wollen, so müssen Sie überall mit dem freien Willen nicht nur von Menschen hier, sondern von höheren Wesen rechnen. Sie müssen also nicht unter den heutigen Verhältnissen darauf rechnen, ein freies Feld vor sich zu haben, sondern Sie müssen sich bekanntmachen damit, daß Sie in ein wohlbesetztes Feld hineinarbeiten.

[ 35 ] So handelt es sich darum, durch eine wirkliche Geisteswissenschaft zum Beispiel über den Charakter der sich im Osten vorbereitenden sechsten nachatlantischen Kulturperiode das Richtige zu wissen und im einzelnen Fall den richtigen okkulten Impuls auszuführen, wie der Schachspieler nach Maßgabe des Zuges seines Partners seinen Zug ausführt. Also es handelt sich wirklich darum, daß der Mensch sich einlebt in die geistige Welt und im individuellen einzelnen Fall das Richtige machen lernt. Nicht um einfach übergreifende abstrakte Programme handelt es sich, sondern um eine Erhöhung der geistigen, der spirituellen Vitalität handelt es sich, um ein fortwährendes SichAnstrengen handelt es sich. Die Menschheit will heute abstrakte Programme haben, möchte am liebsten in fünf Sätzen zusammenschmieden, was man über die ganze Welt hin tun soll, indem man Abgeordnete bestimmt von allen Staaten der Erde, die dann zu einem Weltschiedsgericht zusammenkommen, und die dann abstimmen über alles, was auf der Erde zu geschehen hat nach einmal angenommener Norm. Daß gerade die Erkenntnis der geistigen Welt gefordert wird von den Menschen, ein fortwährendes Sich-in-Verbindungsetzen mit den geistigen Mächten, das ist es, um was es sich handelt.

[ 36 ] Dieses aber ist mit etwas anderem verbunden: es ist damit verbunden, daß man eben mit den Partnermächten rechnen muß, daß man sich nicht auf seine bloße eigene Macht verlassen kann, sondern daß man mit den Partnermächten rechnen muß. Von diesen Dingen ist der Machtgedanke als solcher ausgeschlossen. Daher werden aus der okkulten Welt herausgeholte Impulse richtig sein, das Richtige bewirken, aber niemals werden sie in den Dienst bloßer Machtfaktoren sich stellen können. Das geht nicht.

[ 37 ] Was muß man tun, wenn man sich in den Dienst bloßer Machtfaktoren stellen will? Dann muß man anderes tun; man muß versuchen, auf unrechte Weise ein Wissen von der Zukunft zu erlangen, wie ich es das letzte Mal geschildert habe, wie es getan wurde dadurch, daß man auf mediale Weise sich offenbaren läßt, was geschehen wird, von solchen, die man erst durch den Tod befördert hat, damit sie irdische Kräfte noch benützen können. So haben denn gewisse okkulte Brüderschaften sich ein gewisses Stück von Wissen verschafft über den Zusammenhang des Westens mit dem Osten, und es sind in vieler Beziehung Machinationen eingerichtet worden, die sich heute ausleben im Sinne eines solchen Wissens. Ein solches Wissen nämlich, das in den Dienst von Machtgelüsten gestellt wird, das will etwas ganz Besonderes. Das ehrliche, richtige Sich-in-den-Besitz-Stellen von okkulten Impulsen setzt in Wirklichkeit nur dasjenige um, was den lebenden Menschen gegenüber zu gleicher Zeit bei diesen Menschen mit jedem einzelnen Angeloswesen rechnet. Man weiß, die Menschen, denen gegenüber man die okkulten Impulse anwendet, ein jeder dieser Menschen, er steht als Seele mit der geistigen Welt in Beziehung, man betrachtet sie als lebendige Wesen. So hätte der Westen den Osten zu behandeln, daß er überall sich aussetzt der Möglichkeit, mit den lebendigen Partnern zu rechnen, mit den Engeln, welche die einzelnen Menschen beschützen. Das ist unbequem! Dieser Einfluß, der soll weggeschafft werden durch ahrimanische Mächte, damit bloß die Macht auf dieser Seite spielen kann. Das kann aber nur auf dem Wege bewirkt werden, daß man durch unrechtmäßige Mittel, wie ich es geschildert habe das letzte Mal, sich in den Besitz der Zukunftsimpulse setzt. Darum leidet unsere Zeit ungeheuer darunter, daß mitspielen in den Dingen, die geschehen, solche Impulse, die auf die angedeutete Weise gefunden worden sind. Alle Aufgabe des ehrlichen Wahrbheitssuchers besteht heute darinnen, erstens sich zu überzeugen davon, daß solche Impulse da sind im schlechten Sinne, sich zu überzeugen davon, daß man zu einem richtigen Wirken in die Zukunft hinein nur kommt, indem man die richtigen Impulse findet, so wie man sie suchen kann auf ehrlich-geisteswissenschaftlichem Wege.

[ 38 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, kein einseitiger Dienst ist es, um den es sich handelt in der Geisteswissenschaft; es ist ein Dienst, der von den Lebenden und den Toten verrichtet wird. Es ist eine ernste Sache. Und es war mir Bedürfnis, gerade in dieser Zeit — da sich unsere Zürcher Freunde angeschickt haben einiges zu tun, um in geeignete Kreise unsere Geisteswissenschaft hineinzubringen — innerhalb unserer Gesellschaft hier von diesen ernsten Angelegenheiten geistiger Erkenntnis in der neueren Zeit zu sprechen. Dies ist ja, ich möchte sagen, auch schon innerhalb unserer Gesellschaft selbst zu bemerken, wie mancherlei widerstrebende Mächte am Werke sind. Denken Sie nur, was betrieben wird — ich möchte sagen, ungefähr so lange auch als dieser Krieg dauert — an Verleumdungen, an Verdächtigungen des Wollens, das ich und einige andere entfalten. Auch in dieses spielen gegnerische Mächte selbstverständlich hinein.

[ 39 ] Das wird Ihnen auch aus der Art, wie wir in diesen Betrachtungen gesprochen haben, klar sein, daß unsere Zeit Erneuerung ihres Geisteslebens braucht, daß unsere Zeit braucht ein Erwachen der Menschen aus gewissen Schlafzuständen. Immer wieder begegnen wir ja den Menschen, die da glauben: Nun ja, wir haben Krieg, dann kommt der Friede, und damit ist es abgetan. — So sind die Dinge nicht. Dasjenige, was heute geschieht, sind bedeutsame Zeichen. Niemand kann sie verstehen, diese Zeichen, der sich nicht geisteswissenschaftlich vertiefen will. Und da diese Zeiten so ernst sind, da es immer wieder und wieder härter werden wird, selbst solch ein Kampf, wie ihn unsere Freunde zu kämpfen haben, damit solche Veranstaltungen hier stattfinden können, möchte ich auch dieses Umstandes ganz besonders und in diesem Falle von mir aus sehr dankbar gedenken; dankbar gedenken auf der einen Seite aus der Gesinnung der Geisteswissenschaft heraus; dankbar, daß unsere Zürcher Freunde diesmal in einer so lieben und so eindringlichen Weise diesen Kampf gegen die ungünstigen Verhältnisse aufgenommen und keine Mühe gescheut haben, unter den ungünstigsten Verhältnissen Vortragsmöglichkeiten zu finden. So konnte die schöne Absicht, die sich diese Zürcher Freunde gesetzt haben, eben realisiert werden auch in dieser Zeit, wo man unter den immer mehr und mehr hereinbrechenden Widerständen der Zeit sehr schwer solche Veranstaltungsmöglichkeiten trifft. Insbesondere dies möchte ich erwähnen, daß sich ja diese Schwierigkeiten immer mehr und mehr häufen werden. Und da wir für die nächste Zukunft wohl daran zu denken haben, daß wir ausnützen müssen die Zeit, die wir uns für unsere Veranstaltungen noch erkämpfen können, möchte ich eben nicht unausgesprochen lassen diesen Dank an unsere lieben Zürcher Freunde, die sowohl für die öffentlichen wie für diese Zweigvorträge mit großer Mühe die Vortragsmöglichkeit geschaffen haben. Es wird ganz gewiß, wenn wir später die Dinge überblicken, uns als etwas Bedeutsames erscheinen, daß wir gerade in dieser Zeit, in dieser in so tragische Weltereignisse hineinfallenden Zeit in der Art zusammensein konnten, in der Art miteinander sprechen konnten, wie wir es getan haben.

[ 40 ] So wollen wir denn im Sinne der geisteswissenschaftlichen Impulse auch weiterarbeiten und versuchen, dasjenige zu tun, was sich den schweren Zeitverhältnissen abgewinnen läßt, in der Überzeugung, die uns aus dem wahren Verständnisse der Geisteswissenschaft werden kann, daß wir, so unbedeutend es auch ausschauen mag im großen Strome der heutigen tragischen und verheerenden Ereignisse, damit etwas für diese Zeit außerordentlich Bedeutsames und Einschneidendes tun. Die Dinge, die wir so tun können, die strömen hinein in den Strom des Geschehens. Daß sie hineinströmen, mag es auch heute noch nicht sehr sichtbar sein, das hat doch eine Bedeutung. Sind wir von diesem Gedanken durchdrungen, dann wird dieser Gedanke uns die Kraft geben, weiterzugehen, und er wird selbst in sich die Kraft haben, um in der richtigen Weise wiederum seine Strahlen auszusenden in die Zeit. Solche Gedanken muß die Zeit aufnehmen. Leben wir in dieser Überzeugung wie in einer geistigen Atmosphäre! Werden kann sie uns aus der Geisteswissenschaft, wenn wir diese Geisteswissenschaft richtig verstehen.

[ 41 ] In diesem Sinne bleiben wir ferner zusammen, meine lieben Freunde.