Individuelle Geistwesen und ihr Wirken in der Seele des Menschen
GA 178
16 November 1917, St. Gallen
2. Das Geheimnis des Doppelgängers geographische Medizin
[ 1 ] Sie werden bemerkt haben, daß in dem gestrigen öffentlichen Vortrage etwas gesagt wurde, das sehr bedeutungsvoll ist für die Auffassung geistiger Erkenntnisse innerhalb des Menschenlebens. Ich habe angedeutet, wie diejenigen Menschen, welche in der Gegenwart hier auf dem physischen Plane vorzugsweise nur aufnehmen Vorstellungen, die aus der Sinneswelt kommen, oder gewonnen sind mit dem Verstande, der sich an die Sinneswelt bindet, der von etwas anderem nichts wissen will als von der Sinnenwelt, wie solche Menschen nach ihrem Tode gewissermaßen gebunden sind an eine Umgebung, welche noch stark hereinfällt in die irdische, in die physische Region, in welcher der Mensch in der Zeit zwischen der Geburt und dem Tode ist. So daß durch solche Menschen, die also durch ihr Leben innerhalb des physischen Leibes sich nach dem Tode noch lange Zeit hereinbannen in die irdisch-physische Welt, zerstörende Kräfte innerhalb dieser physischen Welt geschaffen werden. Mit einer solchen Sache berührt man tiefe, bedeutungsvolle Geheimnisse des menschlichen Lebens, solche Geheimnisse, welche durch Jahrhunderte, Jahrtausende kann man sagen, gewisse okkulte Gesellschaften sorgfältig behütet haben, weil sie — wir wollen heute nicht untersuchen, mit welchem Rechte — behauptet haben, daß die Menschen nicht reif seien zum Empfange solcher Wahrheiten, solcher Geheimnisse, und daß durch das Bekanntwerden große Verwirrung gestiftet würde. Über das Recht, solche tief einschneidenden, für das Leben so bedeutungsvollen Wahrheiten zurückzuhalten vor den Menschen und sie nur im engeren Kreise von okkulten Schulen zu pflegen, über dieses Recht wollen wir uns heute weniger aussprechen. Aber gesagt werden muß, daß die Zeit herangerückt ist, in welcher die Menschheit im weiteren Kreise nicht sein kann und nicht sein darf ohne die Mitteilungen gewisser Geheimnisse über die übersinnliche Welt von der Art, wie das gestern erwähnt wurde. Ja, es wird immer weiter und weiter gegangen werden müssen in der öffentlichen Mitteilung solcher Dinge.
[ 2 ] Wenn es auch in gewissen Grenzen in früheren Zeiten, in denen die Menschheit in andern Bedingungen gelebt hat, berechtigt war, solche Geheimnisse zurückzuhalten, jetzt wäre die Sache nicht mehr berechtigt, denn jetzt steht der Mensch — wir wissen, es ist die fünfte Epoche der nachatlantischen Zeit —, jetzt steht der Mensch in Lebensbedingungen, in denen er durch die Pforte des Todes unbedingt als ein solcher Zerstörer treten würde, wenn er sich nicht hier im Leben immer mehr und mehr umsehen würde nach Vorstellungen, nach Begriffen und Ideen, die von übersinnlichen Dingen handeln. Man kann daher nicht sagen, daß die MenschenRecht haben, die behaupten: Nun ja, was nach dem Tode kommt, das kann man ja abwarten. Nein, wissen muß man zwischen der Geburt und dem Tode von gewissen Dingen der geistigen Welt in der Art, wie es gestern angedeutet worden ist, um mit diesen Vorstellungen, mit diesen Ideen durch die Pforte des Todes zu treten.
[ 3 ] In früheren Zeiten der Menschheitsentwickelung war das anders. Sie wissen, daß bis ins 16. Jahrhundert, bis zum Auftauchen der Kopernikanischen Weltanschauung, die Menschen ganz anderes geglaubt haben über das Weltengebäude. Nun ist es selbstverständlich notwendig gewesen für den menschlichen Fortschritt, auch für das Hereindringen der menschlichen Freiheit in die Menschheitsentwickelung, daß die Kopernikanische Weltanschauung gekommen ist, geradeso wie jetzt die Geisteswissenschaft kommen muß. Aber mit derjenigen physischen Weltanschauung, die die Menschen vor dem Kopernikanismus gehabt haben — man kann sie heute meinetwillen falsch nennen —, mit dieser Anschauung über das physische Weltengebäude, daß die Erde stillsteht, die Sonne sich um den Erdenhimmel herum bewegt, die Sterne sich um die Erde bewegen, daß jenseits des Sternenhimmels eine geistige Sphäre ist, in der die geistigen Wesenheiten wohnen, mit dieser Anschauung vom Weltengebäude konnten die Menschen noch durch die Pforte des Todes gehen, ohne zurückgehalten zu werden als Gestorbene in der irdischen Sphäre. Diese Weltanschauung bewirkte noch nicht, daß die Menschen, wenn sie durch die Pforte des Todes gingen, zu Zerstörern in der irdischen Sphäre wurden. Erst das Hereinbrechen des Kopernikanismus, erst die Vorstellung, daß die ganze Welt, die im Raume ausgebreitet ist, auch nur von Raumesgesetzen beherrscht ist, die Vorstellung erst dieser Kopernikanischen Art, die Erde um die Sonne kreisen zu lassen, die fesselt den Menschen an das physisch-sinnliche Dasein und verhindert ihn nach dem Tode, in die geistige Welt entsprechend aufzusteigen.
[ 4 ] Man muß heute auch diese Kehrseite der Kopernikanischen Weltanschauung kennenlernen, nachdem durch Jahrhunderte darauf vorbereitet worden ist, das großartig Fortschrittliche der Kopernikanischen Weltanschauung immer wieder und wiederum vor die Seele der Menschen hinzustellen. Das eine ist ebenso berechtigt wie das andere. Wenn auch das eine heute noch als Klugheit gilt — es ist freilich eine recht philiströse Klugheit schon geworden, daß die Kopernikanische Weltanschauung die allein seligmachende Lehre ist —, aber wenn das auch noch heute die Klugheit ist und das andere, daß der Mensch durch diese Kopernikanische Weltanschauung nach dem Tode an die Erde gefesselt wird, wenn er sich nicht eine geistige Vorstellung davon macht, wie man sie heute in der Geisteswissenschaft haben kann, für die heutigen Menschen zwar noch eine Torheit ist, eine Narrheit: aber es ist eben eine Wahrheit. Sie wissen ja schon aus der Bibel, daß manches, was vor den Menschen eine Torheit ist, eine Weisheit ist vor den Göttern.
[ 5 ] Denn wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, so ändert er sein Bewußtsein. Es wäre eine ganz falsche Vorstellung, zu glauben, daß der Mensch nach dem Tode bewußtlos würde. Diese sonderbare Vorstellung ist sogar in manchen Kreisen, die sich «theosophische» nennen, verbreitet. Es ist ein Unsinn. Im Gegenteil, das Bewußtsein wird ein viel mächtigeres, wird ein viel intensiveres, aber es ist ein andersartiges. Selbst schon gegenüber den gewöhnlichen Vorstellungen der physischen Welt muß gesagt werden, daß die bewußten Vorstellungen nach dem Tode etwas anderes sind.
[ 6 ] Vor allen Dingen kommt der Mensch nach dem Tode zusammen mit denjenigen Menschen, mit denen er durch das Leben karmisch verknüpft ist. Also es kann so sein, daß der Tote in der geistigen Welt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt vielen Menschenseelen begegnet, durch die er durchgeht — denn dort herrscht Durchgänglichkeit, nicht Undurchdtinglichkeit —, an denen er sich vorbeibewegt, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf; sie sind für ihn nicht da. Da sind diejenigen, zu denen er irgendwelche karmische Verbindung hat. Daß wir immer mehr und mehr hineinwachsen in einen allgemeinen Weltenzusammenhang, auch nach dem Tode, das müssen wir uns erwerben durch das Leben hier auf der Erde. Und die Begründung von rein auf das Geistige gebauten Gesellschaften ist schon eine Aufgabe der Gegenwart und der Zukunft. Warum sucht man solche Gesellschaften, wie die anthroposophische ist, zu begründen? Warum sucht man Menschen gewissermaßen unter solchen Ideen zu vereinen? Weil dadurch ein karmisches Band geschaffen wird zwischen Menschen, die sich finden sollen in der geistigen Welt, die auch in der geistigen Welt zusammengehören sollen, was sie nicht könnten, wenn sie vereinsamt hier herumlaufen würden. Gerade durch die Möglichkeit, geistige Erkenntnisse und geistige Weistümer untereinander auszubreiten, schafft man ungeheuer viel für das Leben in der geistigen Welt, das aber zurückwirkt auf die physisch-sinnliche Welt, denn die steht fortwährend unter dem Einfluß der geistigen Welt. Hier geschehen ja überhaupt nur die Wirkungen; drüben in der geistigen Welt, auch indem wir hier auf dem physischen Plane leben, geschehen die Ursachen. Und wir können sagen, wenn wir uns rein befassen mit dem, was heute so vielfach propagandistisch betrieben wird: Vereinigungen werden ja für alles mögliche gestiftet, aber wenn sie auch aus noch so großem Enthusiasmus hervorgehen, geistigen Angelegenheiten sind sie oftmals wirklich sehr wenig gewidmet. Man denkt durch manche Vereinigungen die Erde allmählich in ein irdisches Paradies zu verwandeln, na, vor diesen drei Kriegsjahren waren auch schon zahlreiche solche Vereinigungen auf der Erde begründet, in denen die Menschen daran gearbeitet haben, Europa allmählich in ein soziales Paradies zu verwandeln! Das, was jetzt da ist, spricht nicht sonderlich dafür, daß die Dinge so gehen, wie man sie meint dirigieren zu können.
[ 7 ] Auf der andern Seite aber ist allerdings das Zusammenwirken der physischen Welt mit der geistigen komplizierter. Und dennoch muß gesagt werden: Wenn unter dem Lichte spiritueller Wissenschaft Vereinigungen gegründet werden, so arbeiten die Menschen dadurch mit, nicht nur an der Welt der Wirkungen, sondern an der Welt der Ursachen, die hinter den sinnlichen Wirkungen liegen. — Mit diesem Gefühle muß man sich durchdringen, wenn man richtig verstehen will das unendlich tief Bedeutsame, das gerade in dem Zusammenleben in spiritueller Arbeit in der Gegenwart und in der Zukunft der Menschheit geleistet wird.
[ 8 ] Dies ist nicht etwas, was aus irgendeiner bloßen Vereinsmeierei hervorgehen kann, sondern dies. ist eine heilige Aufgabe, welche von den die Welt dirigierenden göttlich-geistigen Wesenheiten in die Menschheit der Gegenwart und der Zukunft hineingelegt werden sollte. Denn gewisse Vorstellungen werden die Menschen doch über die übersinnliche Welt aufnehmen müssen, weil aus der sinnlichen Welt immer weniger und weniger übersinnliche Vorstellungen kommen werden. Ich möchte sagen, aus der sinnlichen Welt werden gerade durch die fortschreitende Naturwissenschaft die übersinnlichen Vorstellungen immer mehr und mehr ausgetrieben werden. Daher würden die Menschen sich allmählich von der geistigen Welt ganz ausschließen, wenn sie keine übersinnlichen, keine geistigen Begriffe aufnehmen würden. Sie würden sich dazu verurteilen, nach dem Tode ganz und gar mit dem, was bloße physische Erde ist, sich zu verbinden; mit dem auch zu verbinden, was die physische Erde wird.
[ 9 ] Aber die physische Erde wird ein Leichnam in der Zukunft, und die Menschen stünden vor der furchtbaren Perspektive, sich zu verurteilen dazu, in der Zukunft einen Leichnam zu bewohnen als Seele, wenn sie nicht sich dazu entschließen würden, in die spirituelle Welt sich einzuleben, in der spirituellen Welt Wurzel zu fassen. Es ist eine ernste, eine bedeutungsvolle Aufgabe, welche dem Betrieb der Geisteswissenschaft gestellt ist. Das müssen wir uns gewissermaßen jeden Tag einmal als einen heiligen Gedanken vor die Seele rufen, damit wir nimmermehr verlieren können den Eifer für diese berechtigte Angelegenheit der Geisteswissenschaft.
[ 10 ] Und solche Vorstellungen, die sich vermehren und vermehren können, wenn wir mitmachen dasjenige, was über diese geistige Welt an vielen Begriffen nun schon hereingekommen ist aus der geistigen Welt in unsere geistige Strömung, all das, was an Begriffen uns da zukommt, das befähigt uns eben, uns frei zu machen von der Fesselung an das Irdische, an das Zerstörerische im Irdischen, um zu wirken aus andern Richtungen her. Wir bleiben ja deshalb doch mit den Seelen, die wir auf Erden zurückgelassen haben und mit denen wir karmisch verbunden sind, auch mit der Erde in Verbindung, aber von andern Orten her verbunden. Ja, wir sind sogar intensiver verbunden mit den auf der Erde zurückgelassenen Seelen, wenn wir gewissermaßen aus höheren geistigen Regionen mit ihnen verbunden sind, wenn wir nicht verurteilt sind durch ein rein materialistisches Leben — gewissermaßen auf der Erde zu spuken, wo wir dann nicht in Liebe verbunden sein können mit irgend etwas auf der Erde, sondern wo wir eigentlich nur zerstörerische Zentren sind.
[ 11 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, wenn wir hier unser Bewußtsein allmählich von der Kindheit auf entwickeln — nun, wir wissen, wie dieses Bewußtsein heranwächst, herangedeiht, das brauchen wir nicht zu schildern. Nach dem Tode herrschen ganz andere Vorgänge, um das Bewußtsein, das wir uns für das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt erwerben müssen, allmählich wirklich zu erlangen. So wie wir auf der Erde herumgehen, Erfahrungen machen, Erlebnisse haben, so ist es nicht nach dem Tode; das haben wir gewissermaßen nicht notwendig. Was wir aber notwendig haben, das ist, daß wir das ungeheuer Intensive, das mit uns verbunden ist, wenn wir den physischen Leib verlassen haben, gewissermaßen von uns loslösen. Wir sind, indem wir durch die Pforte des Todes gehen, Verhältnisse zu ihr haben, mit jener geistigen Welt verwachsen, die wir hier durch die Geisteswissenschaft beschreiben. Wir beschreiben sie als die Welt der höheren Hierarchien: Angeloi, Archangeloi, Archai, Exusiai, Dynamis, Kyriotetes und so weiter, als die Welt der höheren Hierarchien und der Taten und Erlebnisse dieser Hierarchien. Hier ist die Welt außer uns; die Welt des Mineralreichs, des Pflanzenreichs, des Tierreichs ist in unserem Umkreise. Wenn wir durch die Pforte des Todes gegangen sind, da sind diese geistigen Wesenheiten, die wir in den höheren Hierarchien aufzählen, ja ihre Welten selbst in uns. Wir sind mit ihnen verbunden; wir können uns zunächst nur nicht von ihnen unterscheiden; wir leben in ihnen drinnen, indem sie uns erfüllen. Es ist das schon ein schwieriger Begriff, aber man muß sich ihn aneignen: Hier sind wir außerhalb der Welt, dort sind wir innerhalb der Welt. Unser Wesen breitet sich aus über die ganze Welt; aber wir können uns nicht unterscheiden. Wir sind gewissermaßen nach dem Tode vollgepfropft mit den Wesen der höheren Hierarchien und mit dem, was diese Hierarchien tun. Aber es handelt sich vor allen Dingen darum, daß wir die nächsten Hierarchien, von denen wir erfüllt sind, die Hierarchie der Angeloi, Archangeloi und Archai, loslösen können von den höheren Hierarchien. Wir kommen drüben gar nicht zu einem ordentlichen Ich-Bewußtsein — von andern Gesichtspunkten habe ich in Zyklen und Vorträgen dieses Heranreifen des Ich-Bewußtseins ja schon geschildert —, aber wir kommen nicht zu einem ordentlichen Ich-Bewußtsein, wenn wir nicht in uns die Kraft finden können, drüben zu unterscheiden: Was ist in uns — Angelos? Elohim? Was ist ein Wesen aus der Hierarchie der Angeloi, was ein Wesen aus der Hierarchie der Exusiai, der Formgeister? Wir müssen da drüben unterscheiden lernen, wir müssen die Kraft haben, loszulösen von dem, was mit uns verbunden ist, dasjenige, was wir erkennen wollen; sonst ist es in uns, steht nicht außer uns. Hier müssen wir mit dem, was draußen ist, zusammenkommen, es anschauen; dort müssen wir es von uns loslösen, damit wir mit ihm verbunden sein können.
[ 12 ] Nun, wie die Welt jetzt ist in der Menschheitsentwickelung, können wir dasjenige, was wir sonst wie schlafend nur in uns tragen würden, nur dadurch loslösen, daß wir uns spirituelle Begriffe aneignen; diese spirituellen Begriffe, die hier dem Menschen so unbequem sind, weil er sich ein bißchen anstrengen muß, mehr anstrengen muß als bei den gewöhnlichen Begriffen. Wenn er sich sie aneignet, entwickeln sie nach dem Tode eine ungeheure Kraft, durch die wir dort überhaupt erst die Fähigkeit gewinnen, die geistige Welt zu erkennen, zu durchschauen. Das ist sehr wichtig. Die Menschen finden es unbequem heute, sich spirituelle Begriffe anzueignen. Sie gehen gern in solche Veranstaltungen, wo man ihnen allerlei Lichtbilder, oder was sonst von der Art da ist, vorführt, damit sie möglichst wenig übersinnlich zu denken brauchen, alles nur sehen können, oder mindestens gehen sie gern zu Veranstaltungen, wo ihnen von Dingen erzählt wird, die sie sonst auch immer vor Augen haben. Aber die Anstrengung scheut heute der Mensch, sich zu erheben zu solchen Begriffen, die hier schwieriger sind, weil sie kein äußeres Objekt haben, weil ihr Objekt die Tatsachen sind, auf die sie sich beziehen in der übersinnlichen Welt. Aber dort drüben sind sie die Kräfte, die uns in Wirklichkeit die Welt erst geben.
[ 13 ] So erwerben wir uns durch die spirituellen Ideen und Begriffe diejenige Weisheit, die wir brauchen, damit wir drüben ein Licht haben; sonst ist alles dunkel. Denn dasjenige, was hier als Weisheit angeeignet ist, ist drüben Licht, geistiges Licht. Weisheit ist geistiges Licht. Ja, damit es drüben nicht finster ist, brauchen wir Weisheit. Und wenn wir uns keine spirituellen Begriffe aneignen, so ist das eben das beste Mittel, drüben kein Licht zu haben. Aber wenn man kein Licht hat, so bewegt man sich weg aus der Sphäre, die man beleuchten sollte, und kommt eben zurück zur Erde und wandelt als Toter als zerstörendes Zentrum auf der Erde herum, kann dann höchstens ab und zu von einem schwarzen Magier dazu benützt werden, um die Inspiration zu liefern zu ganz besonderen Verrichtungen und zu zerstörerischen Werken auf der Erde.
[ 14 ] Weisheit braucht man also, damit man Licht hat nach dem Tode. Aber man braucht nach dem Tode auch noch etwas anderes; man braucht nach dem Tode nicht nur die Fähigkeit, die Wesen loszulösen, so daß man sie überhaupt vor sich haben kann, die Wesen der geistigen Welt, man braucht nach dem Tode auch die Fähigkeit der Liebe, sonst würde man die Verhältnisse zu den Wesen, die man durch Weisheit schaut, nicht in der richtigen Weise entwickeln können. Man braucht Liebe. Aber die Liebe, die hier auf der Erde entwickelt wird und die im wesentlichen abhängig ist auch vom physischen Leibe, sie ist ein Gefühl, sie ist vom Atmungsrhythmus abhängig hier in der physischen Welt. Diese Liebe können wir auch nicht hinübernehmen in die geistige Welt. Das wäre eine vollständige Illusion, wenn man glauben würde, die Liebe, die man namentlich in der jetzigen Zeit hier entwickelt, die könne man in die geistige Welt hinübernehmen. Aber man nimmt alle Kraft der Liebe in die geistige Welt hinüber von dem, was man sich hier in der physischen Welt gerade durch die sinnenfällige Anschauung erwirbt, durch das Leben mit der physischen Wesenheit. Die Liebe wird schon angefeuert durch dasjenige, was sich hier in der physischen Welt an Verständnis für diese physische Welt entwickelt. Und gerade solche Erlebnisse wie die Weltanschauungserlebnisse mit der modernen Naturwissenschaft, wenn man sie als Empfindungen aufnimmt, die entwickeln für drüben die Liebe. Nur — die Liebe, die ist etwas, was hoch oder niedrig ist, je nach dem Gebiete, auf dem sie sich entfaltet. Wenn Sie durchgehen durch die Pforte des Todes und als ein zerstörendes Zentrum im Bereich der Erde bleiben müssen, so haben Sie zwar auch viel Liebe entwickelt — denn daß Sie es bleiben müssen, ist gerade eine Folge Ihres Verbundenseins mit rein naturalistischen Begriffen —, aber Sie verwenden diese Liebe auf das Zerstörungswerk, Sie lieben dann gerade das Zerstörungswerk, sind dazu verurteilt, sich selber zu beobachten, wie Sie das Zerstörungswerk lieben.
[ 15 ] Doch die Liebe wird etwas Edles, wenn der Mensch aufsteigen kann in höhere Welten und lieben kann dasjenige, was er sich erobert durch die spirituellen Begriffe. Vergessen wir nur ja nicht: Liebe ist etwas, was niedrig ist, wenn es in einer niedrigen Sphäre wirkt, was edel und hoch und geistig ist, wenn es in einer höheren, in einer geistigen Sphäre wirkt. Das ist das Wesentliche, worauf es ankommt. Wenn man sich dessen nicht bewußt wird, so überschaut man die Dinge durchaus nicht in der richtigen Weise.
[ 16 ] Das sind solche Begriffe vom Leben des Menschen nach dem Tode, die heute sich der Mensch aneignen muß. Es genügt nicht mehr für die gegenwärtige Menschheit, und insbesondere wird es nicht genügen für die Menschheit der nächsten Zukunft, daß ihnen die Prediger sagen, sie sollen dies oder jenes glauben, sie sollen sich vorbereiten für das ewige Leben, wenn ihnen diese Prediger niemals sagen können, wie es eigentlich aussieht in dieser Welt, die der Mensch betritt, nachdem er die Pforte des Todes durchschritten hat. In früheren Zeiten ging das, weil eben die naturwissenschaftlichen, die naturalistischen Begriffe noch nicht da waren, weil die Menschen noch nicht infiziert waren von den bloßen materiellen Interessen, die allmählich seit dem 16. Jahrhundert alles ergriffen haben; in früheren Zeiten ging es, daß man den Menschen nur in der Art, wie es die religiösen Bekenntnisse heute noch wollen, von der übersinnlichen Welt sprach. Heute geht das nicht mehr; heute verspinnen sich die Menschen oftmals — aus tiefem Mitleid mit der Menschheit muß man leider dieses sagen gerade dadurch, daß sie in egoistischer Weise ihre ewige Seligkeit fördern wollen durch die religiösen Bekenntnisse: sie verspinnen sich dadurch gerade erst recht sehr in die physisch-sinnliche, in die naturalistische Welt und versperren sich den Aufstieg, nachdem sie durch die Pforte des Todes gegangen sind. Da kommt man noch auf ein ganz anderes, was einen in die Notwendigkeit versetzt, ja recht tief zu betonen, daß Geisteswissenschaft in der Gegenwart und in der Zukunft von der Menschheit getrieben werden muß, wenn man gezwungen ist zu sagen: Bejammernswert sind diejenigen Menschen, die sich durch keine Geisteswissenschaft Vorstellungen für das Leben nach dem Tode verschaffen können. — Geisteswissenschaft ist zugleich etwas, was man aus Mitleid, aus innigem Mitgefühl mit den Menschen zu verbreiten trachten muß, weil es bejammernswert ist, wenn die Menschen sich sträuben — in ihrem Unverstande auch weiter sträuben — gegen das Herankommen an geisteswissenschaftliche Vorstellungen.
[ 17 ] Aber wir müssen uns durchaus klar sein: die geistige Welt ist überall da. Bedenken Sie doch nur, die Welt, in der die Toten mit den Toten sind, diese übersinnliche Welt, die Fäden, welche die Toten verknüpfen mit den zurückgelassenen Lebenden, die Fäden, welche die Toten verknüpfen mit den höheren Hierarchien, sie gehören zu der Welt, in der wir drinnenstehen. So wahr die Luft um uns ist, so wahr ist diese Welt immer um uns herum. Wir sind gar nicht geschieden von dieser Welt; wir sind nur durch Bewußtseinszustände geschieden von der Welt, die wir nach dem 'Tode beschreiten. Es muß dieses scharf betont werden; denn auch innerhalb unserer Kreise sind noch nicht alle Freunde sich klar darüber, daß der Tote den Lebenden voll wiederfindet, daß wir nur geschieden sind, solange der eine hier im physischen Leib, der andere ohne den physischen Leib ist, aber daß alle diese Kräfte erworben werden müssen, welche uns mit den Toten zusammenbringen, dadurch daß wir sie von uns loslösen; sonst leben sie in uns, und wir können sie nicht gewahr werden. Dann auch, daß wir hinüberbringen müssen in die richtige Sphäre die Kraft der Liebe, die sich unter den naturalistischen Vorstellungen hier entwickelt, sonst wird diese Kraft für uns zu einer bösen Kraft drüben. Gerade die Liebe, die sich entwickelt unter den naturalistischen Vorstellungen, könnte sonst zu einer bösen Kraft werden. Eine Kraft ist an sich nicht gut oder böse; sie ist das eine oder das andere, je nachdem sie in dieser oder jener Sphäre auftritt.
[ 18 ] Aber ebenso wie wir mit dieser übersinnlichen Welt, in der die Toten sind, im Zusammenhange stehen, so ragt auch noch in anderer Weise die übersinnliche Welt in diese physisch-sinnliche herein. — Ja, die Welt ist kompliziert, und ihr Begreifen muß man sich langsam und allmählich aneignen. Aber man muß den Willen dazu haben, es sich anzueignen.
[ 19 ] Die geistige Welt ragt in unsere Welt herein. Alles ist durchsetzt von der geistigen Welt. Im Sinnlichen ist überall auch ein Übersinnliches. Den Menschen muß ganz besonders interessieren jenes Übersinnliche, das mit seiner eigenen sinnlichen Natur zu tun hat. Nun bitte ich Sie, beachten Sie das Folgende ja recht gut, denn es ist eine hervorragend wichtige Vorstellung.
[ 20 ] Wir Menschen gliedern uns nach Leib, Seele und Geist, aber damit ist unsere Wesenheit lange nicht erschöpft. Unser Leib, unsere Seele, unser Geist sind gewissermaßen dasjenige, das uns zunächst als unser Bewußtsein angeht; aber es ist nicht alles dasjenige, was mit unserem Dasein in Beziehung steht. Keineswegs! Das, was ich jetzt sage, hängt mit gewissen Geheimnissen des Menschwerdens, der Menschennatur zusammen, die auch heute bekannt und immer bekannter werden müssen.
[ 21 ] Wenn der Mensch durch die Geburt ins irdische Dasein hereintritt, dann hat er, indem er seinen physischen Leib hat, nicht nur die Möglichkeit, seiner eigenen Seele ihr Dasein zu geben — ich bitte Sie, das wohl zu berücksichtigen —, sondern dieser physische Leib, ihn kennt ja der Mensch durchaus nicht ganz, was gehen da alles für Dinge vor im physischen Leib, von denen der Mensch nichts weiß! Er lernt ja allmählich erst kennen, und zwar noch dazu auf eine recht unzukömmliche Weise, durch Anatomie, Physiologie das, was in diesem Leib vorgeht. Wenn man warten müßte mit der Ernährung, bis man den Ernährungsvorgang begriffen hätte, man könnte nicht einmal sagen, die Menschen müßten verhungern; denn das ist gar nicht denkbar, daß man etwas weiß von dem, was die Organe zu tun haben, um die Nahrung zuzubereiten für den Organismus. Also der Mensch kommt recht sehr mit seinem Organismus, mit dem er sich bekleidet, in diese Welt herein, ohne daß er mit seiner Seele hinunterlangt in diesen Organismus. Dafür ist aber auch Gelegenheit vorhanden, daß kurze Zeit bevor wir geboren werden — nicht sehr lange bevor wir geboren werden —, außer unserer Seele noch ein anderes geistiges Wesen Besitz ergreift von unserem Leib, von dem unterbewußten Teil unseres Leibes. Das ist schon mal so: kurze Zeit bevor wir geboren werden, durchsetzt uns ein anderes, wir würden nach unserer ’Terminologie heute sagen, ein ahrimanisches Geisteswesen. Das ist ebenso in uns wie unsere eigene Seele. Diese Wesenheiten, welche ihr Leben gerade dadurch zubringen, daß sie die Menschen selber dazu benützen, um da sein zu können in der Sphäre, in der sie da sein wollen, diese Wesenheiten haben eine außerordentlich hohe Intelligenz und einen ganz bedeutsam entwickelten Willen, aber gar kein Gemüt, nicht das, was man menschliches Gemüt nennt. — Und wir schreiten schon so durch unser Leben, daß wir unsere Seele haben und einen solchen Doppelgänger, der viel gescheiter ist, sehr viel gescheiter ist als wir, sehr intelligent ist, aber eine mephistophelische Intelligenz hat, eine ahrimanische Intelligenz hat, und dazu einen ahrimanischen Willen, einen sehr starken Willen, einen Willen, der den Naturkräften viel näher steht als unser menschlicher Wille, der durch das Gemüt reguliert wird.
[ 22 ] Im 19. Jahrhundert hat die Naturwissenschaft entdeckt, daß das Nervensystem von elektrischen Kräften durchsetzt ist. Sie hatte recht, diese Naturwissenschaft. Aber wenn sie glaubte, wenn die Naturforscher glauben, daß die Nervenkraft, die zu uns gehört, die für unser Vorstellungsleben die Grundlage ist, irgendwie mit elektrischen Strömen zu tun hat, welche durch unsere Nerven gehen, so haben sie eben unrecht. Denn die elektrischen Ströme, das sind diejenigen Kräfte, die von dem Wesen, das ich eben jetzt geschildert habe, in unser Wesen hineingelegt werden, die gehören unserem Wesen gar nicht an: wir tragen schon auch elektrische Ströme in uns, aber sie sind rein ahrimanischer Natur.
[ 23 ] Diese Wesenheiten von hoher Intelligenz, aber rein mephistophelischer Intelligenz, und von einem der Natur mehr verwandten Willen, als es für den menschlichen Willen gesagt werden kann, die haben einmal aus ihrem eigenen Willen heraus beschlossen, nicht in jener Welt leben zu wollen, in der sie durch die weisheitsvollen Götter der oberen Hierarchie zu leben bestimmt waren. Sie wollten die Erde erobern, sie brauchen Leiber; eigene Leiber haben sie nicht: sie benützen so viel von den menschlichen Leibern, als sie benützen können, weil die menschliche Seele eben nicht ganz den menschlichen Leib ausfüllen kann.
[ 24 ] Diese Wesenheiten also können, so wie sich der menschliche Leib entwickelt, zu einer bestimmten Zeit bevor der Mensch geboren wird, gewissermaßen in diesen menschlichen Leib hinein, und unter der Schwelle unseres Bewußtseins begleiten sie uns. Sie können nur eines im menschlichen Leben absolut nicht vertragen: sie können nämlich den Tod nicht vertragen. Daher müssen sie diesen menschlichen Leib, in dem sie sich festsetzen, immer auch, bevor er vom Tode befallen wird, verlassen. Das ist eine sehr herbe Enttäuschung immer wiederum, denn sie wollen gerade das sich erobern: in den menschlichen Leibern zu bleiben über den Tod hinaus. Das wäre eine hohe Errungenschaft im Reiche dieser Wesenheiten; das haben sie zunächst nicht erreicht.
[ 25 ] Wäre das Mysterium von Golgatha nicht geschehen, wäre der Christus nicht durch das Mysterium von Golgatha gegangen, so wäre es längst so auf der Erde, daß diese Wesenheiten sich die Möglichkeit erobert hätten, im Menschen auch drinnen zu bleiben, wenn dem Menschen der Tod karmisch vorbestimmt ist. Dann hätten sie überhaupt über die menschliche Entwickelung auf der Erde den Sieg davongetragen, und sie wären Herren der menschlichen Entwickelung auf der Erde geworden.
[ 26 ] Das ist etwas von einer ungeheuer tiefgehenden Bedeutung: einzusehen diese Zusammenhänge zwischen dem Durchgehen des Christus durch das Mysterium von Golgatha und diesen Wesenheiten, die den Tod in der Menschennatur erobern wollen, aber ihn heute noch nicht vertragen können; die sich immer hüten müssen, im Menschenleibe zu erleben die Stunde, wo der Mensch vorbestimmt hat zu sterben, hüten müssen, seinen Leib über diese Todesstunde hinaus zu erhalten, das Leben seines Leibes über diese Todesstunde hinaus zu verlängern.
[ 27 ] Auch über diese Sache, über die ich jetzt spreche, sind gewisse okkulte Brüderschaften längst unterrichtet, kennen die Dinge sehr gut und haben sie — wiederum wollen wir das Recht nicht untersuchen — der Menschheit vorenthalten. Heute ist die Sache so, daß es unmöglich ist, die Menschen nicht allmählich auszurüsten mit solchen Begriffen, die sie brauchen, wenn sie durch die Pforte des Todes geschritten sind. Denn alles das, was der Mensch hier erlebt, auch was er unter der Schwelle des Bewußtseins erlebt, das braucht er nach dem Tod, weil er zurückblicken muß auf dieses Leben und ihm dieses Leben ganz verständlich sein muß im Rückblicke, und weil es das Schlimmste ist, wenn er dieses nicht kann. Man hat aber keinen genügenden Begriff, um im Rückblicke dieses Leben zu verstehen, wenn man ein Wesen nicht beleuchten kann, das solchen Anteil nimmt an unserem Leben wie dieses ahrimanische Wesen, das vor unserer Geburt Besitz von uns ergreift und immer da ist, immer im Unterbewußten vor uns herumfiguriert, wenn man nicht immer wiederum Licht darauf hinwerfen kann. Denn Weisheit wird Licht nach dem Tode.
[ 28 ] Diese Wesen sind aber überhaupt sehr wichtig für das menschliche Leben, und ihre Kenntnis muß allmählich die Menschen ergreifen und wird die Menschen ergreifen. Sie muß nur auf die richtige Weise die Menschen ergreifen; sie darf nicht nur etwa von solchen okkulten Brüderschaften in der Menschheit verbreitet werden, die eine Machtfrage daraus machen, und die dadurch ihre eigene Macht erhöhen wollen, und sie darf vor allen Dingen nicht ferner behütet werden zur Erhöhung der Macht gewisser egoistisch wirkender Brüderschaften. Die Menschheit strebt nach allgemeinem Wissen, und das Wissen muß ausgebreitet werden. Denn nicht mehr kann es in der Zukunft vom Heile sein, wenn okkulte Brüderschaften solche Dinge zur Ausbreitung ihrer Macht verwenden können. Die Kenntnis dieser Wesenheiten wird in den nächsten Jahrhunderten immer mehr und mehr die Menschen ergreifen müssen. Der Mensch wird in den nächsten Jahrhunderten immer mehr und mehr wissen müssen, daß er einen solchen Doppelgänger in sich trägt, einen solchen ahrimanischen, mephistophelischen Doppelgänger in sich trägt. Der Mensch muß es wissen. Heute entwickelt allerdings der Mensch schon eine ganze Anzahl von Begriffen, die aber eigentlich blind sind, weil der Mensch doch noch nichts Rechtes mit ihnen anzufangen weiß. Begriffe, sage ich, entwickelt der Mensch heute, die erst auf eine richtige Basis gestellt werden können, wenn sie mit dem, was als Tatsache ihnen zugrunde liegt, zusammengebracht werden.
[ 29 ] Und hier eröffnet sich etwas, was in der Zukunft wirklich getrieben werden muß, wenn nicht das Menschengeschlecht unendlich Hemmendes, unendlich Schreckliches eigentlich erleben soll. Denn dieser Doppelgänger, von dem ich gesprochen habe, der ist nichts mehr und nichts weniger als der Urheber aller physischen Krankheiten, die spontan aus dem Innern hervortreten, und ihn ganz kennen, ist organische Medizin. Die Krankheiten, die spontan, nicht durch äußere Verletzungen, sondern spontan von innen heraus im Menschen auftreten, sie kommen nicht aus der menschlichen Seele, sie kommen von diesem Wesen. Er ist der Urheber aller Krankheiten, die spontan aus dem Innern hervottreten; er ist der Urheber aller organischen Krankheiten. Und ein Bruder von ihm, der allerdings nicht ahrimanisch, sondern luziferisch geartet ist, der ist der Urheber aller neurasthenischen und neurotischen Krankheiten, aller Krankheiten, die eigentlich keine Krankheiten sind, die nur, wie man sagt, Nervenkrankheiten, hysterische Krankheiten und so weiter sind. So daß die Medizin geistig werden muß nach zwei Seiten hin. Daß das gefordert wird, das zeigt sich heute — ich habe darüber in Zürich gesprochen — durch das Hereinbrechen solcher Anschauungen wie der Psychoanalyse und dergleichen, wo man mit geistigen Entitäten schon wirtschaftet, aber mit unzulänglichen Erkenntnismitteln, so daß man gar nichts anfangen kann mit den Erscheinungen, die immer mehr und mehr in das menschliche Leben hereinbrechen werden. Denn gewisse Dinge müssen ja notwendig geschehen, und auch dasjenige, was nach der einen Richtung hin schädlich ist, es muß geschehen, weil der Mensch dieser Schädlichkeit ausgesetzt werden muß, um sie zu überwinden und dadurch gerade Kraft zu gewinnen.
[ 30 ] Um nun solche Dinge voll zu verstehen, wie ich sie jetzt angeführt habe, daß dieser Doppelgänger eigentlich der Urheber von allen Krankheiten ist, die organische Grundlage haben, die nicht bloß funktionell sind, um das voll zu verstehen, muß man aber noch viel mehr wissen. Man muß wissen zum Beispiel, daß unsere ganze Erde nicht das tote Produkt ist, wie es heute die Mineralogie oder die Geologie meint, sondern ein lebendiges Wesen ist. Mineralogie oder Geologie kennt ja von der Erde so viel, als man vom Menschen kennen würde, wenn man nur das Knochensystem kennen würde. Denken Sie sich nur einmal: Sie würden gar niemals fähig sein, durch irgendwelche Sinne die Menschen zu sehen, sondern es würde nur Röntgenaufnahmen von Menschen geben und man würde von jedem, der einem bekannter ist, nur das Knochensystem kennen: dann würden Sie vom Menschen so viel kennen, als die Geologen und überhaupt die Wissenschaft von der Erde kennt. Denken Sie sich, Sie würden hier hereingehen und von all den verehrten Herrschaften, die Sie hier finden, nichts anderes als die Knochen sehen, dann hätten Sie soviel Bewußtsein von all den Gegenwärtigen hier, als die Wissenschaft heute von der Erde hat. Die Erde, die man also nur als Knochensystem kennt, die ist ein lebendiger Organismus, und als lebendiger Organismus wirkt sie auf die Wesen, die auf ihr herumwandeln, nämlich auf die Menschen selber. Und so wie der Mensch differenziert ist in bezug auf die Verteilung seiner Organe über den Leib, so ist die Erde auch differenziert in bezug auf dasjenige, was sie lebendig aus sich herausentwickelt und womit sie die Menschen beeinflußt, die auf ihr herumwandeln. Ich meine, Sie sind sich dessen bewußt: wenn Sie denken, so werden Sie nicht gerade den rechten Zeigefinger oder die linke große Zehe anstrengen, sondern Ihren Kopf; Sie wissen ganz genau, Sie denken nicht mit Ihrer rechten großen Zehe, Sie denken mit dem Kopf. Also die Dinge verteilen sich im lebendigen Organismus, der ist differenziert. So ist auch unsere Erde differenziert. Ein Wesen, das etwa überall das gleiche auf seine Bewohner hinaufstrahlt, ist unsere Erde durchaus nicht, sondern auf den verschiedensten Gebieten der Erde wird ganz Verschiedenes hinaufgestrahlt. Und da gibt es verschiedene Kräfte: magnetische, elektrische, aber auch viel mehr in das Gebiet des Lebendigen heraufgehende Kräfte, die aus der Erde heraufkommen, und die den Menschen beeinflussen in der mannigfaltigsten Weise in den verschiedensten Punkten der Erde, also nach der geographischen Gestaltung in verschiedener Weise den Menschen beeinflussen.
[ 31 ] Das ist eine sehr wichtige Tatsache. Denn das, was der Mensch zunächst ist an Leib, Seele und Geist, das hat eigentlich wenig direkten Bezug zu diesen von der Erde heraufwirkenden Kräften. Aber der Doppelgänger, von dem ich gesprochen habe, der hat vorzugsweise Bezug zu diesen von der Erde aus aufströmenden Kräften. Und indirekt, mittelbar steht der Mensch nach Leib, Seele und Geist mit der Erde in Beziehung und dem, was sie ausstrahlt an den verschiedenen Punkten dadurch, daß sein Doppelgänger die intimsten Beziehungen hegt zu demjenigen, was da heraufströmt. Diese Wesen, die als solche ahrimanisch-mephistophelische Wesen von dem Menschen eine kurze Zeitstrecke, bevor er geboren ist, Besitz ergreifen, die haben ihre ganz besondere Geschmacksnatur. Da gibt es solche Wesenheiten, denen ganz besonders die östliche Halbkugel, Europa, Asien, Afrika gefallen; die wählen sich solche Menschen, die dort geboren werden, um ihre Leiber zu benützen. Andere wählen sich Leiber, die auf der westlichen Halbkugel, in Amerika geboren werden. Dasjenige, was wir Menschen in einem schwachen Abbilde als Geographie haben, das ist für diese Wesenheiten lebendiges Prinzip ihres eigenen Erlebens; danach richten sie ihren Wohnsitz ein.
[ 32 ] Und daraus ersehen Sie weiter, daß eine der wichtigsten Aufgaben der Zukunft sein wird, wieder weiterzupflegen dasjenige, was abgerissen ist: geographische Medizin, medizinische Geographie. Bei Paracelsus ist es aus der alten atavistischen Weisheit heraus abgerissen; seither ist es wenig gepflegt worden wegen der materialistischen Anschauungen. Es wird wieder Platz greifen müssen; und manche Dinge werden erst wiederum erkannt werden, wenn man den Zusammenhang des krankmachenden Wesens im Menschen mit der Erdengeographie, mit all den Fusionen, mit all den Ausstrahlungen, die je nach den verschiedenen Gegenden der Erde von dieser Erde herauskommen, kennenlernen wird. Also wichtig ist es schon, daß der Mensch mit diesen Dingen bekannt wird, denn sein Leben hängt ja davon ab. Er ist ja durch diesen Doppelgänger in einer ganz bestimmten Weise hineingestellt in das Erdendasein, und dieser Doppelgänger, der hat sein Wohnhaus in ihm selbst, in dem Menschen.
[ 33 ] Nun, so unendlich wichtig geworden ist eigentlich alles das erst im fünften nachatlantischen Zeitraum und wird besonders wichtig werden schon für die allernächste Zukunft für die Menschen. Daher muß auch Geisteswissenschaft jetzt verbreitet werden. Und sie ist jetzt besonders wichtig, weil diese jetzige Zeit den Menschen aufruft dazu, in bewußter Weise sich mit diesen Dingen auseinanderzusetzen, in bewußter Weise sich zu diesen Dingen ein Verhältnis zu geben. Der Mensch muß stark werden in dieser unserer Epoche, um sein Dasein zu diesen Wesenheiten zu regeln.
[ 34 ] Diese Epoche trat ein im 15. Jahrhundert, denn unser jetziger Zeitraum beginnt 1413; der vierte nachatlantische Zeitraum, der griechisch-lateinische, beginnt 747 vor dem Mysterium von Golgatha, dauert bis 1413: das ist die Zeit, wo ein schwacher Einschnitt geschieht, 1413. Seit jener Zeit haben wir die fünfte nachatlantische Zeit, in der wir drinnen leben, und die allmählich erst ihre Charaktereigentümlichkeiten in unserer Zeit so ganz herausbringt, aber sie haben sich vorbereitet seit dem 15. Jahrhundert. In der vierten nachatlantischen Zeit, da war es vorzugsweise die Verstandes- und Gemütsseele, die sich entwickelte; jetzt ist es die Bewußtseinsseele, die sich entwickelt in der Gesamtmenschheitsentwickelung. Als der Mensch eingetreten ist in dieses Zeitalter, da war es seine besondere Schwachheit, auf welche die führenden geistigen Wesenheiten Rücksicht nehmen mußten gegenüber diesem Doppelgänger. Hätte der Mensch da viel in sein Bewußtsein hereingenommen von alldem, was zusammenhängt mit diesem Doppelgängerwesen, ja, dann wäre es den Menschen schlecht, recht schlecht gegangen. Schon die Jahrhunderte her vor dem 14. Jahrhundert mußten die Menschen vorbereitend davor geschützt werden, um recht wenig aufzunehmen, was irgendwie erinnerte an diesen Doppelgänger. Daher ist auch die Erkenntnis dieses Doppelgängers, die durchaus in älteren Zeiten da war, verlorengegangen. Man mußte die Menschen davor beschützen, ja nichts aufzunehmen, also nicht nur die Theorie von diesem Doppelgänger nicht aufzunehmen, sondern möglichst wenig mit Dingen in Berührung zu kommen, die mit diesem Doppelgänger etwas zu tun haben.
[ 35 ] Dazu bedurfte es einer ganz speziellen Veranstaltung. Die Sache, die sich da entwickelt, müssen Sie versuchen zu begreifen: In den Jahrhunderten, die vorangingen dem 14. Jahrhundert, da mußten die Menschen geschützt werden vor dem Doppelgänger; er mußte allmählich aus dem Gesichtskreise der Menschen heraus und durfte erst allmählich wieder hereinkommen jetzt, wo der Mensch sein Verhältnis zu ihm regeln muß. Das bedurfte wirklich einer recht bedeutsamen Veranstaltung, die nur auf die folgende Weise erreicht werden konnte: So allmählich, seit dem 9., 10. Jahrhunderte, richtete man in Europa die Verhältnisse so ein, daß die europäischen Menschen einen gewissen Zusammenhang verloren, den sie früher gehabt haben, einen Zusammenhang, der für die früheren, noch für die Menschen des 7., 6. nachchristlichen Jahrhunderts wichtig war. Es wurde nämlich vom 9. Jahrhundert angefangen, vom 12. Jahrhundert ab dann besonders ausgesprochen — eingestellt der gesamte Schiffahrtsverkehr nach Amerika hinüber, wie er eben dazumal war, mit der Art von Schiffen, die man hatte. Das mag Ihnen sonderbar klingen! Sie werden sagen: Wir haben ja in der Geschichte so etwas nie gehört. — Ja, die Geschichte ist eben in vieler Beziehung wirklich eine Fable convenue, eine Legende; denn in den älteren Jahrhunderten der europäischen Entwickelung fuhren die Schiffe von Norwegen aus, vom damaligen Norwegen aus immer nach Amerika hinüber. Man hat es natürlich nicht Amerika genannt, es hatte dazumal andere Namen. In Amerika wußte man dasjenige Gebiet, wo insbesondere jene magnetischen Kräfte aufsteigen, welche die Menschen in Beziehung bringen zu diesem Doppelgänger. Denn die deutlichsten Beziehungen zum Doppelgänger gehen aus von demjenigen Gebiete der Erde, das vom amerikanischen Kontinente bedeckt ist; und in den älteren Jahrhunderten fuhr man mit norwegischen Schiffen hinüber nach Amerika und studierte da drüben Krankheiten. Von Europa aus wurden in Amerika gewissermaßen die unter dem Einflusse des Erdenmagnetismus bewirkten Krankheiten studiert. Und der geheimnisvolle Ursprung der älteren europäischen Medizin, der ist da zu suchen. Da konnte man den Verlauf beobachten, den man nicht hätte beobachten können in Europa, wo die Menschen empfindlicher waren gegen die Einflüsse des Doppelgängers. Man mußte allmählich — und das Wesentliche tat dazu die römisch-katholische Kirche durch ihre Edikte —, man mußte allmählich über den Zusammenhang mit Amerika Vergessenheit bringen. Und erst nachdem der fünfte nachatlantische Zeitraum eingetreten war, wurde Amerika auf physisch-sinnliche Weise wieder entdeckt. Das ist aber nur eine Wiederentdeckung, die allerdings so bedeutsam aus dem Grunde ist, weil die Mächte, die am Werke waren, es tatsächlich erreicht haben, daß in den Urkunden nirgends sehr viel gemeldet wird von den alten Beziehungen Europas zu Amerika. Und da wo es gemeldet wird, da erkennt man es nicht, da weiß man nicht, daß sich die Dinge auf den Zusammenhang von Europa und Amerika in alten Zeiten beziehen. Die Besuche waren allerdings mehr Besuche. Daß die Europäer selber dann amerikanisches Volk werden — wie man heute sagt, wo man den Ausdruck Volk mit Nation mißverständlicherweise verwechselt —, amerikanisches Volk geworden sind, das war erst nach der physischen Entdeckung Amerikas, physischen Neuentdeckung Amerikas möglich. Es waren vorher eher Besuche, die man ausführte, um zu studieren, wie an der andersartigen indianischen Rasse der Doppelgänger eine ganz besondere Rolle spielt.
[ 36 ] Europa mußte eine Zeitlang, vor dem Beginn der Entwickelung der fünften nachatlantischen Zeit, vor dem Einflusse der westlichen Welt geschützt werden. Und das ist die bedeutsame historische Einrichtung, die bedeutsame historische Veranstaltung, die gepflogen wurde von den weisheitsvollen Weltenmächten: Europa mußte eine Zeitlang geschützt werden vor allen diesen Einflüssen, und es hätte nicht geschützt werden können, wenn man nicht in den Jahrhunderten vor dem 15. Jahrhundert die europäische Welt zugesperrt hätte, ganz abgeschlossen hätte von der amerikanischen.
[ 37 ] Nun, man mußte sich eben bemühen, eine Zeitlang in den vorbereitenden Jahrhunderten etwas in die europäische Menschheit hereinzutragen, das der feineren Sensitivität Rechnung trug. Ich möchte sagen: der Verstand, der vorzugsweise Platz greifen sollte in dieser fünften nachatlantischen Zeit, der mußte in seinem ersten Auftreten ganz besonders geschont werden. Dasjenige, was ihm geoffenbart werden sollte, das mußte ganz besonders fein an ihn herangebracht werden. Manchmal war diese Feinheit natürlich auch eine solche wie die Feinheit der Erziehung, wo man natürlich auch tüchtige Bestrafungsmittel anwendet. Aber das alles, was ich meine, bezieht sich ja auf größere historische Impulse.
[ 38 ] Und so kam es denn, daß insbesondere irische Mönche es waren, unter dem Einfluß der sich dort ausbildenden reinen christlich-esoterischen Lehre, die so wirkten, daß man in Rom die Notwendigkeit einsah, Europa vor der westlichen Halbkugel abzuschließen. Denn von Irland aus wollte diese Bewegung gehen, über Europa das Christentum in einer solchen Weise auszubreiten in diesen Jahrhunderten vor dem fünften nachatlantischen Zeitraum, daß man nicht gestört wurde durch alles dasjenige, was heraufkam aus dem Unterirdischen der Erde aus der westlichen Halbkugel. Unwissend halten sollte man Europa vor all den Einflüssen auf der westlichen Halbkugel.
[ 39 ] Und es liegt nahe, gerade hier einmal über diese Verhältnisse zu sprechen. Denn Columban und sein Schüler Gallus, sie waren wesentliche Individualitäten in jenem großen, bedeutsamen Missionsweg, der seine Erfolge in der Christianisierung Europas dadurch wirksam zu machen versuchte, daß er Europa dazumal wie mit geistigen Wänden umgab und keinen Einfluß hereinkommen ließ von der Seite, die ich angedeutet habe. Und solche Individualitäten, wie Columban und sein Schüler Gallus, von dem dieser Ort hier seine Begründung und seinen Namen hat, sie sind diejenigen, die vor allen Dingen eingesehen haben: die zarte Pflanze der Christianisierung, sie kann in Europa nur ausgebreitet werden, wenn man Europa gleichsam mit einem Zaun umgibt in geistiger Beziehung. Ja, hinter den Vorgängen in der Weltgeschichte liegen tiefe, bedeutungsvolle Geheimnisse. Und die Geschichte, die in den Schulen gelehrt wird und gelernt wird, ist vielfach nur eine Fable convenue; denn zu den wichtigsten Tatsachen im Verständnisse der neueren Zeit in Europa gehört dieses, daß von den Jahrhunderten an, von denen von.Irland aus die Verbreitung der Christianisierung in Europa ging, bis namentlich ins 12. Jahrhundert, zugleich gearbeitet wurde daran, daß gerade die päpstlichen Edikte allmählich die Schiffahrt zwischen Europa und Amerika verpönt haben, aufgehoben haben, so daß der Zusammenhang mit Amerika für Europa vollständig vergessen worden ist. Man brauchte dieses Vergessen, damit die ersten Zeiten, in denen sich in Europa vorbereiten sollte der fünfte nachatlantische Zeitraum, in der richtigen Weise sich abwickeln konnten. Und erst dann, als die materialistische Zeit nun begann, da wurde Amerika neuerdings wiederum entdeckt, so wie man es heute erzählt: westlich — östlich; da wurde Amerika entdeckt unter dem Einfluß der Goldgier, unter dem Einfluß der rein materialistischen Kultur, mit welcher der Mensch eben in der fünften nachatlantischen Zeit zu rechnen hat, mit der er sich in das entsprechende Verhältnis zu setzen hat.
[ 40 ] Diese Dinge sind wirkliche Geschichte. Und diese Dinge, denke ich auch, klären auf über dasjenige, was wirklich ist. Die Erde ist wirklich etwas, was lebendiges Wesen genannt werden muß. Nach geographischen Differenzierungen strömen die verschiedensten Kräfte aus den verschiedensten Territorien nach oben. Deshalb müssen die Menschen nicht nach Territorien geschieden sein, sondern voneinander annehmen dasjenige, was auf jedem Territorium als das Gute und als das Große, und gerade nur dort geschaffen werden kann. Deshalb ist eine geisteswissenschaftliche Weltanschauung darauf bedacht, etwas zu schaffen, was von allen Nationen von allen Gebieten wirklich angenommen werden kann. Denn die Menschen müssen im gegenseitigen Austausch ihrer geistigen Güter vorwärtsschreiten. Das ist das, worauf es ankommt.
[ 41 ] Dagegen entsteht von einzelnen Territorien aus sehr leicht das Bestreben, Macht und Macht und Macht zu erhöhen. Und die große Gefahr, daß in einseitiger Weise die Entwickelung der neueren Menschheit vorwärtsschreitet, die kann man nur beurteilen aus den konkreten, aus den wirklichen konkreten Verhältnissen heraus, wenn man weiß, wie die Erde ein Organismus ist, wenn man weiß, was eigentlich geschieht von den verschiedenen Punkten der Erde aus. Im Osten Europas ist verhältnismäßig wenig Neigung rein durch das, was von der Erde ausströmt, denn das Russentum zum Beispiel hängt wohl innig zusammen gerade durch den Boden, aber es nimmt ganz besondere Kräfte aus dem Boden heraus auf, und zwar Kräfte, die nicht von der Erde kommen. Das Geheimnis der russischen Geographie besteht darinnen, daß das, was der Russe von der Erde aufnimmt, zuerst das der Erde mitgeteilte Licht ist, das von der Erde wieder zurückgeht. Also der Russe nimmt eigentlich aus der Erde dasjenige auf, was aus den äußeren Regionen zu der Erde erst hinströmt; der Russe liebt seine Erde, aber er liebt sie eben aus dem Grunde, weil sie ihm ein Spiegel ist des Himmels. Dadurch aber hat der Russe, wenn er noch so territorial gesinnt ist, in dieser territorialen Gesinnung etwas — wenn es auch heute noch auf einer kindlichen Stufe ist — außerordentlich Kosmopolitisches: weil die Erde, indem sie sich durch den Weltenraum bewegt, mit allen möglichen Partien des Erdenumkreises in Beziehung kommt. Und wenn man nicht dasjenige in die Seele aufnimmt, was von unten nach oben strömt in der Erde, sondern dasjenige, was von oben nach unten und wiederum hinaufströmt, dann ist es etwas anderes, als wenn man aufnimmt das, was — direkt von der Erde ausströmend — in eine gewisse Verwandtschaft zur Menschennatur gesetzt wird. Das aber, was der Russe an seiner Erde liebt, womit er sich durchdringt, das gibt ihm manche Schwäche, aber auch vor allen Dingen eine gewisse Fähigkeit, jene Doppelgängernatur zu überwinden, von der ich Ihnen vorhin gesprochen habe. Daher wird er berufen sein, in dem Zeitalter die wichtigsten Impulse zu liefern, in welchem diese Doppelgängernatur endgültig bekämpft werden muß, in der sechsten nachatlantischen Kulturpetiode.
[ 42 ] Aber ein gewisser Teil des Erdbodens zeigt die meiste Verwandtschaft mit jenen Kräften. Wenn der Mensch sich dorthin versetzt, kommt er in ihr Bereich; sobald er dort weggeht, ist es ja wieder nicht so, denn das sind geographische, das sind nicht ethnographische, nicht nationale, sondern das sind rein geographische Dinge. Dasjenige Gebiet, wo am meisten Einfluß hat auf den Doppelgänger das, was von unten heraufströmt, und wo es dadurch, daß es beim Doppelgänger am meisten Verwandtschaft eingeht mit dem Ausströmenden, also sich auch wieder der Erde mitteilt, das ist dasjenige Erdengebiet, wo die meisten Gebirge nicht von Westen nach Osten, in der Querrichtung hin, sondern wo die Gebirge hauptsächlich von Norden nach Süden gehen — denn das hängt auch mit diesen Kräften zusammen —, wo man den magnetischen Nordpol in der Nähe hat. Das ist das Gebiet, wo vor allen Dingen Verwandtschaft entwickelt wird mit der mephistophelisch-ahrimanischen Natur durch die äußeren Verhältnisse. Und durch diese Verwandtschaft wird vieles bewirkt in der fortschreitenden Entwickelung der Erde. Der Mensch darf heute nicht blind durch die Entwickelung der Erde gehen; er muß solche Verhältnisse durchschauen. Europa wird sich zu Amerika nur dann in ein richtiges Verhältnis setzen können, wenn solche Verhältnisse durchschaut werden können, wenn man weiß, welche geographischen Bedingtheiten von dorther kommen. Sonst aber, wenn Europa fortfahren wird, in diesen Dingen blind zu sein, dann wird es mit diesem armen Europa so gehen, wie es mit Griechenland gegenüber Rom gegangen ist. Das darf nicht sein; die Welt darf nicht geographisch amerikanisiert werden. Aber das muß erst verstanden werden. Die Dinge dürfen nicht so unernst genommen werden, wie sie heute vielfach genommen werden. Denn sehen Sie, die Dinge beruhen in tiefen Gründen, und Erkenntnisse sind heute notwendig, nicht bloß Sympathien und Antipathien, um eine Stellung zu gewinnen in dem Zusammenhange, in den die gegenwärtige Menschheit auf eine so tragische Weise hineingestellt ist. Das sind die Dinge, die wir hier noch genauer besprechen können; in öffentlichen Vorträgen können sie nu angedeutet werden. Gestern habe ich aufmerksam gemacht, wie es notwendig ist, daß dasjenige, was Geisteswissenschaft genannt wird, wirklich auch in die sozialen und in die politischen Begriffe hineindringt. Denn Amerikas Bestreben geht darauf hinaus, alles zu mechanisieren, alles in das Gebiet des reinen Naturalismus hineinzutreiben, Europas Kultur nach und nach vom Erdboden auszulöschen. Es kann nicht anders.
[ 43 ] Selbstverständlich sind das geographische Begriffe, nicht völkische Begriffe. Man braucht nur an Emerson zu denken, um zu wissen, daß hier nichts als Charakteristik eines Volkes gemeint ist. Aber Emerson war eben ein durch und durch europäisch gebildeter Mensch. Nicht wahr, das sind ja zwei entgegengesetzte Pole, die sich entwickeln. Gerade unter solchen Einflüssen, wie sie heute charakterisiert werden, entwickeln sich Menschen wie Emerson, die sich dadurch so entwickeln, daß sie die volle Menschlichkeit entgegenstellen dem Doppelgänger, oder es entwickeln sich Menschen wie Woodrow Wilson, die nur eine Umhüllung des Doppelgängers sind, durch die der Doppelgänger selbst ganz besonders wirkt, die im wesentlichen eigentlich Verleiblichungen desjenigen sind, was amerikanische geographische Natur ist.
[ 44 ] Diese Dinge hängen nicht mit irgendeiner Sympathie oder Antipathie, nicht mit irgendeiner Parteigängerei zusammen; diese Dinge hängen lediglich mit den Erkenntnissen über die tieferen Gründe dessen, was von den Menschen im Leben durchlebt wird, zusammen. Aber es wird sehr wenig der Menschheit zum Heile gereichen, wenn sie sich nicht Aufklärung verschaffen will über dasjenige, was eigentlich wirksam ist in den Dingen. Und heute ist es sehr notwendig, wiederum anzuknüpfen an manches, was eben gerade um die Wende auch abgerissen werden mußte, als man den Weg nach Amerika versperrt hat. Und wie ein Symbolum möchte ich es hinstellen, was Sie hier so vielfach erleben und empfinden können, wie ein Symbolum solche Menschen wie Gallus. Sie mußten sich einen Boden für ihr Wirken schaffen durch den Zaun, den sie aufgerichtet haben. Solche Dinge muß man verstehen.
[ 45 ] Geisteswissenschaft wird erst wirkliches geschichtliches Verständnis schaffen. Aber Sie sehen: Vorurteil über Vorurteil wird sich natürlich erheben. Denn wie könnte man anders denken, als daß Erkenntnisse auch anfangen würden, parteiisch zu werden! Aber das war mit einer der Gründe, die eigentlich zu den Feigheiten gehören, warum gewisse okkulte Brüderschaften mit diesen Dingen zurückgehalten haben. Aus dem einfachen Grunde haben sie zurückgehalten, weil die Erkenntnisse vielfach den Menschen unbequem sind, sie möchten nicht allgemein menschlich werden, und insbesondere diejenigen nicht, die Anlage haben, sich mit den geographischen Ausströmungen zu verbinden.
[ 46 ] Die Fragen des öffentlichen Lebens werden schon allmählich Erkenntnisfragen werden, herausgehoben werden aus jener Atmosphäre, in die sie heute durch die überwiegende Majorität der Menschheit hineingedrängt worden sind: aus der bloßen Sphäre der Sympathien und Antipathien. In bezug auf das Wirksame werden ja allerdings nicht Majoritäten entscheiden. Aber dieses Wirksame wird nur wirksam werden können, wenn die Menschen nicht davor zurückschrecken werden, wichtige Dinge in ihr Bewußtsein aufzunehmen.
[ 47 ] So wie ich heute hier gesprochen habe, weil, ich möchte sagen, der Genius loci dieses Ortes das von mir verlangt, hat sich Ihnen an einem besonderen Beispiel gezeigt, daß es für den Menschen der Gegenwart nicht mehr genügt, um Geschichte zu kennen, die gebräuchlichen Schulbücher in die Hand zu nehmen, denn da erfährt man jene Fable convenue, welche man heute Geschichte nennt. Was erfährt man denn da über die wichtigen, namentlich in den dunklen Ursprüngen der Medizin liegenden Verkehrswege, die noch in den ersten christlichen Jahrhunderten von Europa nach Amerika geführt haben ? Aber was da ist, hört nicht auf, wirklich zu sein, dadurch daß die Menschen später ihr Bewußtsein davor blind machen wie der Vogel Strauß, der den Kopf in den Sand steckt, um nicht zu sehen, und dann glaubt, das, was er nicht sieht, ist auch nicht da. — Manches andere noch ist einfach durch die Fable convenue, die man Geschichte nennt, für die Menschen verhüllt, manches, was dem Menschen der Gegenwart in seiner Wirksamkeit recht nahesteht. Und manches andere noch wird durch die Geisteswissenschaft zutage treten über den geschichtlichen Verlauf der Menschheit. Denn die Menschen wollen aufgeklärt sein über ihr eigenes Schicksal, über den Zusammenhang ihrer Seele mit ihrer geistigen Entwickelung.
[ 48 ] Nun, vieles von dem, was geschichtlich verlorengegangen ist, wird erst die Geisteswissenschaft heben können. Sonst wird sich die Menschheit entschließen müssen, unwissend zu bleiben über sehr, sehr naheliegende Dinge. Und über die Gegenwart wird sie, trotzdem der Mensch der Gegenwart ja heute über alles unterrichtet wird aber wie unterrichtet wird —, über die Gegenwart wird die Menschheit nur vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus sich ein Urteil bilden können. Denn zwar wird die Menschheit heute durch — nun ja, mit Respekt zu vermelden, man sagt immer, wenn man Unanständiges ausspricht: mit Respekt zu vermelden, nicht wahr —, zwar wird die Menschheit heute von allen Angelegenheiten durch, mit Respekt zu vermelden, die Presse unterrichtet; aber sie wird durch die Presse so unterrichtet, daß ihr gerade das Wesentliche, das Wahre, das Reale, dasjenige, worauf es ankommt, verhüllt wird.
[ 49 ] Und bis zu diesem Grade von Wirklichkeitserkenntnis muß der Mensch schon kommen. Auch das ist wiederum durchaus nicht etwas, was gegen die Presse persönlich oder unpersönlich gerichtet ist, sondern es ist durchaus etwas, was so gemeint ist, daß es zusammenhängt mit den wirksamen Kräften der Gegenwart und gar nicht anders sein kann. Die Dinge können nicht anders sein, aber ein Bewußtsein müssen die Menschen davon haben. Das ist ja gerade der große Irrtum, daß man glaubt, man müsse die Dinge kritisieren, während man sie charakterisieren muß. Das ist das, worauf es ankommt.
[ 50 ] Nun, ich versuchte, Ihnen heute ein Bild zu geben von mancherlei wirksamen Impulsen, die im einzelnen Menschen und in der Gesamtmenschheit sind. Abgesehen von dem einzelnen, über das ich gesprochen habe, wollte ich durch die Art der Impulse, die ich berührt habe, vor allen Dingen ein Gefühl davon hervorrufen, wie der Mensch aufmerksam darauf sein soll, daß er mit seinem Gesamtwesen eingebettet ist in eine konkrete geistige Welt mit konkreten geistigen Wesenheiten und konkreten geistigen Kräften. Nicht nur, daß wir hinaufwachsen in die Welt, in die wir selbst nach dem Tode eintreten und zwischen dem Tod und einer neuen Geburt darin leben, sondern auch, indem wir hier in der physischen Welt sind, können wir diese physische Welt nur verstehen, wenn wir die geistige Welt zu gleicher Zeit mitverstehen.
[ 51 ] Die Medizin kann nur bestehen, wenn sie eine geistige Wissenschaft ist. Denn Krankheiten kommen von einem geistigen Wesen, welches nur den menschlichen Leib benutzt, um seine Rechnung zu finden, die es nicht findet an dem Orte, der ihm zugeteilt ist von der weisheitsvollen Weltenführung, gegen die es sich aufgelehnt hat, wie ich es Ihnen gezeigt habe; ein Wesen, das eigentlich ein ahrimanisch-mephistophelisches Wesen in der menschlichen Natur ist, das vor der Geburt in den menschlichen Leib als in seinen Wohnort einzieht, und das nur diesen menschlichen Leib verläßt, weil es den Tod nicht vertragen darf unter seinen gegenwärtigen Verhältnissen, welches den Tod auch nicht erobern kann. Krankheiten kommen davon, daß dieses Wesen in dem Menschen wirkt. Und wenn Heilmittel verwendet werden, so hat das den Sinn, daß aus der äußeren Welt diesem Wesen dasjenige gegeben wird, was es sonst durch den Menschen sucht. Füge ich dem menschlichen Leib ein Heilmittel zu, wenn dieses ahrimanisch-mephistophelische Wesen wirkt, so gebe ich ihm etwas anderes; ich streichle dieses Wesen gewissermaßen, ich söhne es aus, damit es abläßt vom Menschen und sich befriedigt an dem, was ich ihm in den Rachen werfe als Heilmittel.
[ 52 ] Aber alle diese Dinge sind im Anfange. Medizin wird eine geistige Wissenschaft werden. Und wie man in alten Zeiten die Medizin als geistige Wissenschaft gekannt hat, wird man sie als geistige Wissenschaft wiedererkennen.
[ 53 ] Nun, allerdings auch diese Gefühle werde ich in Ihnen hervorgerufen haben, daß es nötig ist, nicht nur ein paar Begriffe sich aus der Geisteswissenschaft anzueignen, sondern sich hineinzufühlen; denn man fühlt sich dadurch wirklich zugleich hinein in die menschliche Wesenheit. Und heute ist die Zeit gekommen, wo einem vieles wie Schuppen von den Augen fallen wird, auch zum Beispiel mit Bezug auf die äußere Geschichte, von der ich in Zürich vor ein paar Tagen bewiesen habe, oder gezeigt habe wenigstens, daß sie von den Menschen nicht äußerlich angeschaut wird, sondern geträumt wird in Wirklichkeit, daß man sie nur versteht, wenn man sie aus dem Traum der Menschheit auffaßt, nicht als irgend etwas, was im Äußeren sich vollzieht.
[ 54 ] Diese Dinge also, sie werden hoffentlich auch weitergetragen von jener Kraft, die die Menschheit noch in einem recht kleinen Teil, allzu kleinen Teil ergriffen hat in dem, was wir die anthroposophische Bewegung nennen. Aber diese anthroposophische Bewegung, sie wird doch mit dem zusammenhängen, was die Menschheit zu ihren wichtigsten Angelegenheiten in der Zukunft wird führen müssen. Und wir dürfen schon öfter erinnern an jenes Gleichnis, das ich oftmals schon gebraucht habe. Die ganz gescheiten Leute draußen, die denken: Na, diese Anthroposophen, Theosophen, das ist solch eine Sekte mit allerlei phantastischem Zeug, mit allerlei Narrheiten im Kopfe, mit dem sich der aufgeklärte Teil der Menschheit nur ja nicht gemein machen muß! — Oh, dieser «aufgeklärte Teil der Menschheit», er denkt heute, wenn auch durch die Zeit modifiziert, so ähnlich über diese unterirdischen sektiererischen Konventikel unter Anthroposophen und Theosophen, wie die Römer gedacht haben, die vornehmen Römer, als das Christentum sich ausgebreitet hat. Damals mußten nur die Christen wirklich physisch in den Katakomben unten sein, und oben spielten sich diejenigen Dinge ab, welche von den vornehmen Römern als das einzig Richtige angesehen wurden, während die phantastischen Christen unten waren. — Nach ein paar Jahrhunderten war das anders. Das Römertum war weggefegt und dasjenige, was unten in den Katakomben war, war hinaufgegangen. Das, was die Kultur beherrscht hatte, war ausgerissen worden.
[ 55 ] Solche Vergleiche müssen unsere Kraft stärken; solche Vergleiche müssen sich in unsere Seele hineinleben, so daß wir aus ihnen Kraft finden, weil wir ja selbst noch in kleinen Kreisen wirken müssen. Aber die Bewegung, die durch diese anthroposophische Strömung charakterisiert wird, sie muß jene Kraft entwickeln, die auch wirklich nach oben kommen kann. Oben findet sie allerdings für ihren geistigen Boden wenig Verständnis.
[ 56 ] Aber trotzdem müssen wir immer wieder und wieder zurückdenken an so etwas, wie dieses römische Katakombentum der ersten Christen war, das, trotzdem es in noch viel stärkerem Maße etwas Unterirdischeres war als dasjenige, was heute die anthroposophische Bewegung ist, doch den Weg an die Oberfläche gefunden hat. Und manche von denen, welche innerhalb dieser anthroposophischen Bewegung sich auseinanderzusetzen haben mit spirituellen Begriffen, sie haben ja schon die Möglichkeit gefunden, in der Sphäre, in der sich diese spirituellen Begriffe, die hier Weisheit sind, als Licht entfalten, mit diesem Lichte zu rechnen. Und wir dürfen es immer wiederum sagen, wie unter der Mitgliedschaft, die mitwirkt an der anthroposophischen Bewegung, uns immer gleichstehen diejenigen, die hier in der physischen Welt, und diejenigen, die schon drüben in der übersinnlichen Welt sind, die schon die Pforte des Todes durchschritten haben und heute schon Bewahrheiter sind dessen, was hier als spirituelle Weisheiten erworben wird. Wir haben in dieser Beziehung ja auch schon an mancherlei, ich möchte sagen, übersinnlich wohnende Mitgliederseelen zu denken. In diesem Augenblicke gedenke ich weil sich wiederum in diesen Tagen jährt der physische Todestag, der übersinnliche Geburtstag für das geistige Leben — unserer treuen Mitarbeiterin am Dornacher Bau, Fräulein Sophie Stinde. Es handelt sich darum, meine lieben Freunde, wenn wir wirklich drinnenstehen wollen in der positiven anthroposophischen Bewegung, uns zu vertiefen für die Empfindung: durch dasjenige, was real mit uns verbunden ist, den konkreten Begriff über die geistige Welt aufzunehmen.
[ 57 ] Nun, meine lieben Freunde, es sind jetzt schwere Zeiten. Man weiß, wie schwer es sein wird, über die nächsten Zeiten hinwegzukommen. Wie sich auch die Verhältnisse gestalten mögen für unser Zusammensein auf dem physischen Plane, wie lange oder wie kurz es auch dauern möge, bis wir uns wiederum hier finden auf diese Weise, lassen Sie mich Ihnen sagen, daß wir trotzdem — wie das ja zur Bewährung und Kräftigung unseres geisteswissenschaftlichen Strebens sein muß — zusammen fühlen, zusammen denken wollen, wenn wir auch räumlich auseinander sind. Wir wollen als geisteswissenschaftlich Strebende immer zusammen sein.
