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Historical Necessity and Freedom
The Influence of Fate from the World of the Dead
GA 179

16 December 1917, Dornach

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Geschichtliche Notwendigkeit und Freiheit
  1. Historical Necessity and Freedom, tr. SOL

Sechster Vortrag

Sechster Vortrag

[ 1 ] Bei all diesen Betrachtungen, die wir jetzt gepflogen haben, stand im Hintergrunde eine Frage, welche von der Gegenwart, die doch in ihren Grundansichten viel materialistischer gefärbt ist, als sie denkt, eben im Lichte des Materialismus angesehen wird. Diese Frage bezieht sich auf das Hervorgehen gewisser geschichtlicher Ereignisse. Man spricht von geschichtlicher Notwendigkeit, man spricht davon, daß dasjenige, was also zum Beispiel in diesem Jahre geschieht, geschichtlich in einer gewissen Weise die Wirkung sei von dem, was in vorangehenden Jahren geschehen ist.

[ 1 ] Bei all diesen Betrachtungen, die wir jetzt gepflogen haben, stand im Hintergrunde eine Frage, welche von der Gegenwart, die doch in ihren Grundansichten viel materialistischer gefärbt ist, als sie denkt, eben im Lichte des Materialismus angesehen wird. Diese Frage bezieht sich auf das Hervorgehen gewisser geschichtlicher Ereignisse. Man spricht von geschichtlicher Notwendigkeit, man spricht davon, daß dasjenige, was also zum Beispiel in diesem Jahre geschieht, geschichtlich in einer gewissen Weise die Wirkung sei von dem, was in vorangehenden Jahren geschehen ist.

[ 2 ] Was ich hier als geschichtlich bezeichne, erstreckt sich selbstverständlich über alle Glieder des Geschehens, das aus dem menschlichen Handeln hervorgeht, also über das Soziale, das Moralische, das sonstige Kulturleben. Die materialistische Anschauung, die ja nicht bloß darin besteht, daß man auf dem Gebiete der Naturwissenschaft geistige Erscheinungen aus materiellen Grundlagen herleitet, sondern die noch in mancherlei anderem besteht, diese materialistische Anschauung möchte den Begriff der Freiheit eigentlich am liebsten ganz ausschalten. Und so möchte sie denn dasjenige, was im Laufe der Geschichte sich vollzieht, auch so auffassen, wie sie gewohnt worden ist, Naturwissenschaftliches anzuschauen, daß immer mit einer gewissen Notwendigkeit das Folgende wie eine Wirkung hervorgeht aus einer voranliegenden Ursache. Dann sagt man, indem man vielleicht glaubt, recht sachgemäß zu denken: Nun, irgendein Ereignis — auch ein solches Ereignis wie das, was jetzt so furchtbar katastrophal in unser Weltgeschehen hereingebrochen ist — sei eben eine Notwendigkeit.

[ 2 ] Was ich hier als geschichtlich bezeichne, erstreckt sich selbstverständlich über alle Glieder des Geschehens, das aus dem menschlichen Handeln hervorgeht, also über das Soziale, das Moralische, das sonstige Kulturleben. Die materialistische Anschauung, die ja nicht bloß darin besteht, daß man auf dem Gebiete der Naturwissenschaft geistige Erscheinungen aus materiellen Grundlagen herleitet, sondern die noch in mancherlei anderem besteht, diese materialistische Anschauung möchte den Begriff der Freiheit eigentlich am liebsten ganz ausschalten. Und so möchte sie denn dasjenige, was im Laufe der Geschichte sich vollzieht, auch so auffassen, wie sie gewohnt worden ist, Naturwissenschaftliches anzuschauen, daß immer mit einer gewissen Notwendigkeit das Folgende wie eine Wirkung hervorgeht aus einer voranliegenden Ursache. Dann sagt man, indem man vielleicht glaubt, recht sachgemäß zu denken: Nun, irgendein Ereignis — auch ein solches Ereignis wie das, was jetzt so furchtbar katastrophal in unser Weltgeschehen hereingebrochen ist — sei eben eine Notwendigkeit.

[ 3 ] In diesem Sinne, das heißt mit dem Begriff «naturwissenschaftliche Notwendigkeit», ist die Anschauung eine völlig unsinnige, wenn auch der Ausdruck: irgendein Ereignis sei eine Notwendigkeit, nach anderer Richtung hin seinen guten Sinn hat. Wenn Sie bedenken, was gestern wiederum vor unsere Seele getreten ist, die Kompliziertheit der menschlichen Natur, dann werden Sie auch gefühlsmäßig, nicht nur verstandesmäßig, einen Einblick gewinnen in die Tiefe der Weltenordnung überhaupt und werden allmählich sich abgewöhnen zu glauben, daß mit den abstrakten naturwissenschaftlichen Gesetzesvorstellungen irgendwie diese Wirklichkeit zu umfassen ist.

[ 3 ] In diesem Sinne, das heißt mit dem Begriff «naturwissenschaftliche Notwendigkeit», ist die Anschauung eine völlig unsinnige, wenn auch der Ausdruck: irgendein Ereignis sei eine Notwendigkeit, nach anderer Richtung hin seinen guten Sinn hat. Wenn Sie bedenken, was gestern wiederum vor unsere Seele getreten ist, die Kompliziertheit der menschlichen Natur, dann werden Sie auch gefühlsmäßig, nicht nur verstandesmäßig, einen Einblick gewinnen in die Tiefe der Weltenordnung überhaupt und werden allmählich sich abgewöhnen zu glauben, daß mit den abstrakten naturwissenschaftlichen Gesetzesvorstellungen irgendwie diese Wirklichkeit zu umfassen ist.

[ 4 ] Ihr Blick wird sich dann auch auf gewisse Naturerscheinungen lenken, die, wenn man sie nur im rechten Lichte betrachten würde, den Menschen mancherlei lehren könnten, auf Naturerscheinungen, wie etwa die folgende. Im Meere entwickelt sich alljährlich eine große Anzahl von Lebenskeimen, die nicht zu Lebewesen werden. Lebenskeime werden abgelegt und gehen zugrunde. Nur ein kleiner Teil davon wird zu wirklichen Lebewesen. Das geschieht nun natürlich nicht bloß im weiten Meere, das geschieht in der ganzen Natur überhaupt. Lenken Sie nur den Blick darauf, wieviel eigentlich, wenn Sie nur ein Jahr betrachten, zum Leben vorbestimmt ist, indem die Lebenskeime, die Eier, in ihrer ersten Anlage abgelegt werden und nicht zur Entwickelung kommen. Wieviel zum Leben vorbestimmt ist, das nicht Leben wird! Müssen wir da nicht sagen: Alle diese Lebenskeime enthalten Ursachen, aus denen nicht Wirkungen werden? — In der Tat, wer die Natur nicht nach vorgefaßten theoretischen Meinungen betrachtet, namentlich nicht nach der allerbestimmtesten theoretischen Meinung: Alle Ursache hat ihre Wirkung und alle Wirkung hat ihre Ursache — wer die Natur unbefangen betrachtet, der wird finden, daß es Zahlloses in der Natur gibt, was bezeichnet werden muß in vollem Sinne des Wortes als Ursache, ohne daß daraus eine Wirkung wird in dem Sinne, wie sie es werden müßte, wenn die Ursache sich völlig ausleben würde. Wir sehen gleichsam an unzähligen Punkten immer wieder und wiederum das Leben gewissermaßen aufgehalten, nicht zu seinem Ziele gelangt.

[ 4 ] Ihr Blick wird sich dann auch auf gewisse Naturerscheinungen lenken, die, wenn man sie nur im rechten Lichte betrachten würde, den Menschen mancherlei lehren könnten, auf Naturerscheinungen, wie etwa die folgende. Im Meere entwickelt sich alljährlich eine große Anzahl von Lebenskeimen, die nicht zu Lebewesen werden. Lebenskeime werden abgelegt und gehen zugrunde. Nur ein kleiner Teil davon wird zu wirklichen Lebewesen. Das geschieht nun natürlich nicht bloß im weiten Meere, das geschieht in der ganzen Natur überhaupt. Lenken Sie nur den Blick darauf, wieviel eigentlich, wenn Sie nur ein Jahr betrachten, zum Leben vorbestimmt ist, indem die Lebenskeime, die Eier, in ihrer ersten Anlage abgelegt werden und nicht zur Entwickelung kommen. Wieviel zum Leben vorbestimmt ist, das nicht Leben wird! Müssen wir da nicht sagen: Alle diese Lebenskeime enthalten Ursachen, aus denen nicht Wirkungen werden? — In der Tat, wer die Natur nicht nach vorgefaßten theoretischen Meinungen betrachtet, namentlich nicht nach der allerbestimmtesten theoretischen Meinung: Alle Ursache hat ihre Wirkung und alle Wirkung hat ihre Ursache — wer die Natur unbefangen betrachtet, der wird finden, daß es Zahlloses in der Natur gibt, was bezeichnet werden muß in vollem Sinne des Wortes als Ursache, ohne daß daraus eine Wirkung wird in dem Sinne, wie sie es werden müßte, wenn die Ursache sich völlig ausleben würde. Wir sehen gleichsam an unzähligen Punkten immer wieder und wiederum das Leben gewissermaßen aufgehalten, nicht zu seinem Ziele gelangt.

[ 5 ] Das ist etwas, was wir draußen in der materiellen Natur sehen können. Wenn nun der Geistesforscher sich frägt: Wie ist es entsprechend in der geistigen Welt? — da kommt er auf sehr Merkwürdiges. Er kommt auf etwas, was in einem gewissen Sinne genau entspricht dem Stehenbleiben des Lebens in der Natur, aber eben so, wie Geistiges Natürlichem entspricht. Und wir wissen aus zahllosen Betrachtungen, daß in sehr vielen Fragen, nicht in allen, das Geistige gerade dadurch zu charakterisieren ist, daß es in seinen Eigenschaften entgegengesetzt dem Natürlichen ist, gerade entgegengesetzt. So wie wir in den Fällen, von denen ich gesprochen habe, Naturursachen haben, die nicht zu ihren Wirkungen kommen, wo wir also gleichsam sehen: hier bricht der Prozeß ab und bricht dasjenige ab, was in ihm, wie man sagt, veranlagt ist und nicht zur Ausbildung gelangt — obwohl das Wort «veranlagt» wiederum zu den schlechtesten Worten gehört, die da sind, um die Wirklichkeit zu verstehen —, so sehen wir umgekehrt als Geistesforscher in der geistigen Welt Wirkungen auftauchen, Wirkungen entstehen, von denen ebensowenig gesagt werden kann, da sind Ursachen, wie von den eben charakterisierten Ursachen gesagt werden kann, da sind Wirkungen.

[ 5 ] Das ist etwas, was wir draußen in der materiellen Natur sehen können. Wenn nun der Geistesforscher sich frägt: Wie ist es entsprechend in der geistigen Welt? — da kommt er auf sehr Merkwürdiges. Er kommt auf etwas, was in einem gewissen Sinne genau entspricht dem Stehenbleiben des Lebens in der Natur, aber eben so, wie Geistiges Natürlichem entspricht. Und wir wissen aus zahllosen Betrachtungen, daß in sehr vielen Fragen, nicht in allen, das Geistige gerade dadurch zu charakterisieren ist, daß es in seinen Eigenschaften entgegengesetzt dem Natürlichen ist, gerade entgegengesetzt. So wie wir in den Fällen, von denen ich gesprochen habe, Naturursachen haben, die nicht zu ihren Wirkungen kommen, wo wir also gleichsam sehen: hier bricht der Prozeß ab und bricht dasjenige ab, was in ihm, wie man sagt, veranlagt ist und nicht zur Ausbildung gelangt — obwohl das Wort «veranlagt» wiederum zu den schlechtesten Worten gehört, die da sind, um die Wirklichkeit zu verstehen —, so sehen wir umgekehrt als Geistesforscher in der geistigen Welt Wirkungen auftauchen, Wirkungen entstehen, von denen ebensowenig gesagt werden kann, da sind Ursachen, wie von den eben charakterisierten Ursachen gesagt werden kann, da sind Wirkungen.

[ 6 ] Fragen wir jetzt einmal im Konkreten: Was gibt sich denn den Blicken des Geistesforschers kund, wenn er das Seelenauge auf solche aufgehaltene Lebensvorgänge richtet wie die charakterisierten? Das physische Auge sieht, daß da einfach Keimanlagen zugrunde gehen; aber das geistige, das Seelenauge sieht, daß da, wo solche Keimanlagen scheinbar nur — zugrunde gehen, Wesenhaftes entsteht auf einer früheren Stufe, auf einer noch nicht materiellen Stufe. Würde der Mensch verfolgen wollen, was in einem solchen Falle, wo gewissermaßen materielle Ursachen keine Wirkungen haben, wirklich geschieht, dann müßte er, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, kosmisch träumen. Der Mensch kann im gewöhnlichen Bewußtsein nur egoistisch träumen. Wenn er in der Nacht träumt, so träumt er in Gebundenheit an seinen eigenen Organismus; er ist im Traume nicht verbunden mit der Umgebung. Kann er verbunden sein mit der Umgebung und dieselben Kräfte entwickeln, die er sonst im Traume entwickelt, so ist er eben im imaginativen Vorstellen.

[ 6 ] Fragen wir jetzt einmal im Konkreten: Was gibt sich denn den Blicken des Geistesforschers kund, wenn er das Seelenauge auf solche aufgehaltene Lebensvorgänge richtet wie die charakterisierten? Das physische Auge sieht, daß da einfach Keimanlagen zugrunde gehen; aber das geistige, das Seelenauge sieht, daß da, wo solche Keimanlagen scheinbar nur — zugrunde gehen, Wesenhaftes entsteht auf einer früheren Stufe, auf einer noch nicht materiellen Stufe. Würde der Mensch verfolgen wollen, was in einem solchen Falle, wo gewissermaßen materielle Ursachen keine Wirkungen haben, wirklich geschieht, dann müßte er, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, kosmisch träumen. Der Mensch kann im gewöhnlichen Bewußtsein nur egoistisch träumen. Wenn er in der Nacht träumt, so träumt er in Gebundenheit an seinen eigenen Organismus; er ist im Traume nicht verbunden mit der Umgebung. Kann er verbunden sein mit der Umgebung und dieselben Kräfte entwickeln, die er sonst im Traume entwickelt, so ist er eben im imaginativen Vorstellen.

[ 7 ] Was da aufgehalten wird im Naturprozeß, was nicht zu physischen Lebewesen wird, das wird zu etwas, was nun der imaginativen Vorstellung sehr wohl zum Bewußtsein kommen kann. Wesen entstehen aus solchen aufgehaltenen Lebenskeimen, die nur den imaginativen Vorstellungen zugänglich sind, Wesen, von denen man träumen könnte, wenn man nicht als Mensch träumte, sondern als ein Wesen aus der Hierarchie der Angeloi träumte. Die Angeloi träumen in der Tat, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, von jenen Wesen, die alljährlich zahlreich aufsteigen als elementarische Gestaltungen aus dem Meere, aus der Erde, die nichts anderes sind als Produkte der scheinbar zugrunde gegangenen Lebenskeime.

[ 7 ] Was da aufgehalten wird im Naturprozeß, was nicht zu physischen Lebewesen wird, das wird zu etwas, was nun der imaginativen Vorstellung sehr wohl zum Bewußtsein kommen kann. Wesen entstehen aus solchen aufgehaltenen Lebenskeimen, die nur den imaginativen Vorstellungen zugänglich sind, Wesen, von denen man träumen könnte, wenn man nicht als Mensch träumte, sondern als ein Wesen aus der Hierarchie der Angeloi träumte. Die Angeloi träumen in der Tat, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, von jenen Wesen, die alljährlich zahlreich aufsteigen als elementarische Gestaltungen aus dem Meere, aus der Erde, die nichts anderes sind als Produkte der scheinbar zugrunde gegangenen Lebenskeime.

[ 8 ] Wenn Sie sich den Gedanken recht lebendig machen, da sehen Sie aus der Erde aufsteigen wie einen geistigen Duft elementarisches Leben, in das wir eingebettet sind, in dem wir drinnenstehen mit unserer Seele. Aber wir stehen in einer viel intensiveren Weise noch in diesem elementarischen Leben drinnen, denn wir sind beteiligt an dem Prozesse, von dem ich gesprochen habe. Wir sind gar sehr als Menschen daran beteiligt. Und die Tiere sind auch daran beteiligt. Wieso? Nun, es ist gar keine Verschiedenheit zwischen dem, was da geschieht, wenn im Meere so und so viel Fischeier abgelegt werden, die nicht Fische werden, sondern die nur zu einem elementarischen Dasein die Veranlassung geben, und dem, was dann geschieht, wenn wir auf einem Felde aus der Erde die Saat herauswachsen sehen, sagen wir die Weizensaat. Wie viele Weizenkörner wachsen da heraus, die alle als Ursachen vorbestimmt sind, selbst wiederum Weizenhalme zu bilden, und die es nicht werden, weil wir sie essen! Da sind wir es selbst in unserem in der Welt stehenden Prozesse, welche sich verbinden mit dem, was da als elementarisches Dasein sich entwickelt. Wir halten auch in den Weizenkörnern und in den andern Produkten, aus denen wir unser Leben nähren, den fortlaufenden, den fortgehenden Prozeß auf. Wir lassen nicht wirkliche Wesen daraus werden, sondern wir bewirken durch unser eigenes Dasein die Verwandlung desjenigen, was zu ganz anderem bestimmt ist, in elementarischen Prozessen, die nur durch Imaginationen erreichbar sind. Aber diese Wirklichkeit, die diesem imaginativen Leben zugrunde liegt, spielt sich dadurch ab, daß wir selbst hineingestellt sind in den Prozeß, daß wir daran teilnehmen. Aus den Weizenkörnern, aus den Roggenkörnern, aus allem übrigen, was wir in dieser Weise aus der Natur genießen, aus alledem entwickelt sich elementarisches Leben, und dieses elementarische Leben zieht durch uns. Dieses elementarische Leben nehmen wir auf, in diesem elementarischen Leben stehen wir drinnen.

[ 8 ] Wenn Sie sich den Gedanken recht lebendig machen, da sehen Sie aus der Erde aufsteigen wie einen geistigen Duft elementarisches Leben, in das wir eingebettet sind, in dem wir drinnenstehen mit unserer Seele. Aber wir stehen in einer viel intensiveren Weise noch in diesem elementarischen Leben drinnen, denn wir sind beteiligt an dem Prozesse, von dem ich gesprochen habe. Wir sind gar sehr als Menschen daran beteiligt. Und die Tiere sind auch daran beteiligt. Wieso? Nun, es ist gar keine Verschiedenheit zwischen dem, was da geschieht, wenn im Meere so und so viel Fischeier abgelegt werden, die nicht Fische werden, sondern die nur zu einem elementarischen Dasein die Veranlassung geben, und dem, was dann geschieht, wenn wir auf einem Felde aus der Erde die Saat herauswachsen sehen, sagen wir die Weizensaat. Wie viele Weizenkörner wachsen da heraus, die alle als Ursachen vorbestimmt sind, selbst wiederum Weizenhalme zu bilden, und die es nicht werden, weil wir sie essen! Da sind wir es selbst in unserem in der Welt stehenden Prozesse, welche sich verbinden mit dem, was da als elementarisches Dasein sich entwickelt. Wir halten auch in den Weizenkörnern und in den andern Produkten, aus denen wir unser Leben nähren, den fortlaufenden, den fortgehenden Prozeß auf. Wir lassen nicht wirkliche Wesen daraus werden, sondern wir bewirken durch unser eigenes Dasein die Verwandlung desjenigen, was zu ganz anderem bestimmt ist, in elementarischen Prozessen, die nur durch Imaginationen erreichbar sind. Aber diese Wirklichkeit, die diesem imaginativen Leben zugrunde liegt, spielt sich dadurch ab, daß wir selbst hineingestellt sind in den Prozeß, daß wir daran teilnehmen. Aus den Weizenkörnern, aus den Roggenkörnern, aus allem übrigen, was wir in dieser Weise aus der Natur genießen, aus alledem entwickelt sich elementarisches Leben, und dieses elementarische Leben zieht durch uns. Dieses elementarische Leben nehmen wir auf, in diesem elementarischen Leben stehen wir drinnen.

[ 9 ] Da sehen Sie auf den Grund eines elementarischen Lebens. Da sehen Sie, wie wir gewissermaßen nur dadurch in der Welt da sein können, daß wir einen andern fortgehenden Prozeß aufhalten und ihn zur Vergeistigung bringen. Auch wenn wir essen, bringen wir einen Prozeß, der sonst rein materiell zu verlaufen bestimmt ist, zur Vergeistigung.

[ 9 ] Da sehen Sie auf den Grund eines elementarischen Lebens. Da sehen Sie, wie wir gewissermaßen nur dadurch in der Welt da sein können, daß wir einen andern fortgehenden Prozeß aufhalten und ihn zur Vergeistigung bringen. Auch wenn wir essen, bringen wir einen Prozeß, der sonst rein materiell zu verlaufen bestimmt ist, zur Vergeistigung.

[ 10 ] Das Umgekehrte ist in der geistigen Welt vorhanden. Da ist die Sache so, daß nun Wirkungen da sind, welche nicht in demselben Sinne Ursachen haben wie die Bewegungen einer Billardkugel, die durch eine andere gestoßen wird, sondern welche gewissermaßen auftreten, ohne daß anzugeben ist: dies oder jenes ist ihre Ursache. Der Begriff von Ursache und Wirkung verliert eben, wenn wir den Blick auf solche Dinge wenden, seinen Sinn. In unser seelisch-geistiges Leben treten Wirkungen herein, Wirkungen aus der geistigen Welt, von denen nicht gesagt werden kann, daß sie verursacht seien. So wie wir nun den elementarischen Wirkungen, die gewissermaßen als Duft aufsteigen aus den geschilderten Prozessen, mit Begierde gegenüberstehen, mit jener Begierde, die aus unserer Lebensnotwendigkeit entspringt: wir wollen uns nähren, daher sind wir angewiesen, in jene elementarischen Prozesse, die geschildert worden sind, uns einzuspinnen —, so wie wir diesen Prozessen mit einer gewissen Begierde gegenüberstehen, so stehen wir, insofern wir Menschen des physischen Planes sind, eigentlich den geistigen Wirkungen, die in gewissem Sinne ursachenlos sind, mit Abneigung, mit Antipathie gegenüber. Wir haben das Bestreben, solche Wirkungen, die aus dem Geistigen kommen, insofern wir physische Menschen sind, nicht in uns hereinkommen zu lassen.

[ 10 ] Das Umgekehrte ist in der geistigen Welt vorhanden. Da ist die Sache so, daß nun Wirkungen da sind, welche nicht in demselben Sinne Ursachen haben wie die Bewegungen einer Billardkugel, die durch eine andere gestoßen wird, sondern welche gewissermaßen auftreten, ohne daß anzugeben ist: dies oder jenes ist ihre Ursache. Der Begriff von Ursache und Wirkung verliert eben, wenn wir den Blick auf solche Dinge wenden, seinen Sinn. In unser seelisch-geistiges Leben treten Wirkungen herein, Wirkungen aus der geistigen Welt, von denen nicht gesagt werden kann, daß sie verursacht seien. So wie wir nun den elementarischen Wirkungen, die gewissermaßen als Duft aufsteigen aus den geschilderten Prozessen, mit Begierde gegenüberstehen, mit jener Begierde, die aus unserer Lebensnotwendigkeit entspringt: wir wollen uns nähren, daher sind wir angewiesen, in jene elementarischen Prozesse, die geschildert worden sind, uns einzuspinnen —, so wie wir diesen Prozessen mit einer gewissen Begierde gegenüberstehen, so stehen wir, insofern wir Menschen des physischen Planes sind, eigentlich den geistigen Wirkungen, die in gewissem Sinne ursachenlos sind, mit Abneigung, mit Antipathie gegenüber. Wir haben das Bestreben, solche Wirkungen, die aus dem Geistigen kommen, insofern wir physische Menschen sind, nicht in uns hereinkommen zu lassen.

[ 11 ] Fassen Sie diesen etwas subtilen Gedanken, dann werden Sie sehen: Wir sind gewissermaßen von einem geistigen Wollen umgeben, das in uns herein will, das in uns herein strebt, und dem wir zunächst nicht mit Begierde gegenüberstehen, das wir zunächst gar nicht die Geneigtheit haben, ohne weiteres in uns aufzunehmen. Es ist, wie wenn in der Luft um uns herum fortwährend Willensregungen schwebten, denen gegenüber wir uns abweisend verhalten. Das ist auch etwas, worauf das hellseherische Bewußtsein bald führt, wenn es zur Entwickelung gelangt ist: die Einsicht, wie gewissermaßen Bildhaftes in unserer Umgebung wandelt, wallt, und wie wir innere Widerstände haben, dieses Bildhafte in uns aufzunehmen.

[ 11 ] Fassen Sie diesen etwas subtilen Gedanken, dann werden Sie sehen: Wir sind gewissermaßen von einem geistigen Wollen umgeben, das in uns herein will, das in uns herein strebt, und dem wir zunächst nicht mit Begierde gegenüberstehen, das wir zunächst gar nicht die Geneigtheit haben, ohne weiteres in uns aufzunehmen. Es ist, wie wenn in der Luft um uns herum fortwährend Willensregungen schwebten, denen gegenüber wir uns abweisend verhalten. Das ist auch etwas, worauf das hellseherische Bewußtsein bald führt, wenn es zur Entwickelung gelangt ist: die Einsicht, wie gewissermaßen Bildhaftes in unserer Umgebung wandelt, wallt, und wie wir innere Widerstände haben, dieses Bildhafte in uns aufzunehmen.

[ 12 ] Betrachten wir dieses Bildhafte als eine Wirklichkeit. So wahr jedes Jahr auf der Erde so und so viele Lebenskeime zugrunde gehen, so wahr lebt in der Welt, die uns als geistige Welt immer umgibt, Geistig-Bildhaftes, durch Imagination auch zu Erreichendes, dem wir aber durch unsere Menschenanlage leicht Widerstand entgegensetzen.

[ 12 ] Betrachten wir dieses Bildhafte als eine Wirklichkeit. So wahr jedes Jahr auf der Erde so und so viele Lebenskeime zugrunde gehen, so wahr lebt in der Welt, die uns als geistige Welt immer umgibt, Geistig-Bildhaftes, durch Imagination auch zu Erreichendes, dem wir aber durch unsere Menschenanlage leicht Widerstand entgegensetzen.

[ 13 ] Die Widerstände sind nun nicht in Abstraktheit bloß allgemein zu fassen, sondern diese Widerstände sind konkret differenziert zu fassen. Was sich im physischen Leben wie aufsteigendes elementarisches Leben jedes Jahr entwickelt, das entwickelt sich in andern Zeitperioden, geistig herabsteigend, zu einem solchen, das wir ablehnen — in andern Zeiträumen eben, und zwar nicht in ganz regelmäßigen Zeiträumen. Es gibt Zeiten, in denen gewissermaßen das geistige Leben vehement uns umspielt und vieles an uns heran will. Andere Zeiten gibt es, in denen gewissermaßen die Geistesluft um uns herum ärmer ist. Der Mensch kann sich nun mehr oder weniger empfangend verhalten, obwohl er im allgemeinen Abneigung hat, diese durch Imaginationen erreichbare bildhafte Wesenheit in sich aufzunehmen. Er kann sich aber doch empfänglich durch irgendwelche Vorbedingungen verhalten, von denen wir noch zu sprechen haben werden, oder er kann sich ganz ablehnend verhalten.

[ 13 ] Die Widerstände sind nun nicht in Abstraktheit bloß allgemein zu fassen, sondern diese Widerstände sind konkret differenziert zu fassen. Was sich im physischen Leben wie aufsteigendes elementarisches Leben jedes Jahr entwickelt, das entwickelt sich in andern Zeitperioden, geistig herabsteigend, zu einem solchen, das wir ablehnen — in andern Zeiträumen eben, und zwar nicht in ganz regelmäßigen Zeiträumen. Es gibt Zeiten, in denen gewissermaßen das geistige Leben vehement uns umspielt und vieles an uns heran will. Andere Zeiten gibt es, in denen gewissermaßen die Geistesluft um uns herum ärmer ist. Der Mensch kann sich nun mehr oder weniger empfangend verhalten, obwohl er im allgemeinen Abneigung hat, diese durch Imaginationen erreichbare bildhafte Wesenheit in sich aufzunehmen. Er kann sich aber doch empfänglich durch irgendwelche Vorbedingungen verhalten, von denen wir noch zu sprechen haben werden, oder er kann sich ganz ablehnend verhalten.

[ 14 ] Nehmen wir an, es wäre in irgendeinem Zeitalter, ich möchte sagen, ein besonderer Andrang von solchen Wesenheiten, von Wesenheiten, die gewissermaßen geistig an den Menschen heran wollen, und der Mensch wäre abgeneigt, diese Wesenhaftigkeit in sich aufzunehmen. Was wird geschehen? Dann wird das geschehen, daß der Mensch, dadurch daß er ablehnt, solches ihm zukommendes Geistig-Wesenhaftes aufzunehmen, in sich selbst die Gelegenheit schafft — die Menschheit also in sich selbst die Gelegenheit schafft —, daß das Alte, das dürr geworden ist, trocken geworden ist, sich fortspinnt und, statt zu lebendiger Wirkung zu kommen, eine tote Wirkung hervorbringt: geradeso wie wenn eine Pflanze, die ihre Lebenszeit absolviert hat, nicht weggeschafft würde, sondern als verholzte Pflanze trocken und ausgedörrt noch weiter zum Schaden der Umgebung bestehen würde.

[ 14 ] Nehmen wir an, es wäre in irgendeinem Zeitalter, ich möchte sagen, ein besonderer Andrang von solchen Wesenheiten, von Wesenheiten, die gewissermaßen geistig an den Menschen heran wollen, und der Mensch wäre abgeneigt, diese Wesenhaftigkeit in sich aufzunehmen. Was wird geschehen? Dann wird das geschehen, daß der Mensch, dadurch daß er ablehnt, solches ihm zukommendes Geistig-Wesenhaftes aufzunehmen, in sich selbst die Gelegenheit schafft — die Menschheit also in sich selbst die Gelegenheit schafft —, daß das Alte, das dürr geworden ist, trocken geworden ist, sich fortspinnt und, statt zu lebendiger Wirkung zu kommen, eine tote Wirkung hervorbringt: geradeso wie wenn eine Pflanze, die ihre Lebenszeit absolviert hat, nicht weggeschafft würde, sondern als verholzte Pflanze trocken und ausgedörrt noch weiter zum Schaden der Umgebung bestehen würde.

[ 15 ] Im geschichtlichen Werden nimmt sich das in der folgenden Weise aus: Wenn ein Zeitalter kommt — und ein solches Zeitalter war im wesentlichen der Beginn des 20. Jahrhunderts —, wo Geistig-Wesenhaftes gewissermaßen wartet, um an den Menschen heranzukommen, wo für den Menschen alle Aufforderung dazu besteht, die Seele zu öffnen für neue Offenbarungen und der Mensch diese Offenbarungen nicht aufnehmen will, abgeneigt ist für solche Offenbarungen, dann spinnt sich das Alte in ungehöriger Weise fort. Denn dieses Alte braucht Neubefruchtung auf dem Umwege durch den Menschen. Die wird nicht vollzogen. Unbefruchtetes spinnt sich dürr, trocken fort, und dann entstehen solche Ereignisse, wie das gegenwärtige katastrophale Ereignis ist.

[ 15 ] Im geschichtlichen Werden nimmt sich das in der folgenden Weise aus: Wenn ein Zeitalter kommt — und ein solches Zeitalter war im wesentlichen der Beginn des 20. Jahrhunderts —, wo Geistig-Wesenhaftes gewissermaßen wartet, um an den Menschen heranzukommen, wo für den Menschen alle Aufforderung dazu besteht, die Seele zu öffnen für neue Offenbarungen und der Mensch diese Offenbarungen nicht aufnehmen will, abgeneigt ist für solche Offenbarungen, dann spinnt sich das Alte in ungehöriger Weise fort. Denn dieses Alte braucht Neubefruchtung auf dem Umwege durch den Menschen. Die wird nicht vollzogen. Unbefruchtetes spinnt sich dürr, trocken fort, und dann entstehen solche Ereignisse, wie das gegenwärtige katastrophale Ereignis ist.

[ 16 ] Unter den mancherlei Ursachen, die man in der geistigen Welt finden kann, ist diese geradezu eine der hauptsächlichsten, daß die Entwickelung gegen das 20. Jahrhundert zu so gegangen ist, daß die Menschen sich gesträubt haben — aus Ursachen, die wir noch besprechen werden — gegen neue Offenbarung. Man könnte sagen: Die geistige Welt war voll von dem, was sich der Menschheit anbot an neuen geistigen Erkenntnissen, an neuen geistigen Impulsen, und die Menschheit hat es zurückgewiesen. Aus welchem Grunde? Gewiß, solche Dinge hängen auch mit Entwickelungsbedingungen der Menschheit zusammen. Wir wissen ja, es mußte die materialistische Zeit kommen, denn sie hat nach gewissen andern Seiten hin ihre guten Eigenschaften. Also diese materialistische Zeit kam, und eine Folge dieser materialistischen Zeit war die, daß die Menschen Begriffe ausbildeten, welche nur auf einen Teil der Menschennatur sich beziehen.

[ 16 ] Unter den mancherlei Ursachen, die man in der geistigen Welt finden kann, ist diese geradezu eine der hauptsächlichsten, daß die Entwickelung gegen das 20. Jahrhundert zu so gegangen ist, daß die Menschen sich gesträubt haben — aus Ursachen, die wir noch besprechen werden — gegen neue Offenbarung. Man könnte sagen: Die geistige Welt war voll von dem, was sich der Menschheit anbot an neuen geistigen Erkenntnissen, an neuen geistigen Impulsen, und die Menschheit hat es zurückgewiesen. Aus welchem Grunde? Gewiß, solche Dinge hängen auch mit Entwickelungsbedingungen der Menschheit zusammen. Wir wissen ja, es mußte die materialistische Zeit kommen, denn sie hat nach gewissen andern Seiten hin ihre guten Eigenschaften. Also diese materialistische Zeit kam, und eine Folge dieser materialistischen Zeit war die, daß die Menschen Begriffe ausbildeten, welche nur auf einen Teil der Menschennatur sich beziehen.

[ 17 ] Denken Sie an dasjenige, was wir gestern besprochen haben. Wir haben gestern besprochen, daß dieser viergliedrige Mensch, der, im groben Sinne genommen, aus dem physischen, dem Äther- oder Bildekräfteleib, dem astralischen Leib und dem Ich besteht, eigentlich mit Bezug auf alle diese Teile, diese Glieder verschiedenes Alter hat. Wenn ein Mensch achtundzwanzig Jahre alt ist, dann ist er nur in bezug auf seinen physischen Leib, sagte ich gestern, achtundzwanzig Jahre alt, mit Bezug auf den sogenannten Ätherleib einundzwanzig Jahre, mit Bezug auf den astralischen Leib vierzehn Jahre, mit Bezug auf das Ich erst sieben Jahre. Sie können gut aus dem, was gestern besprochen worden ist, die Anschauung gewinnen: da steht ein Mensch mit achtundzwanzig Lebensjahren; aber das ist im uneigentlichen Sinne gesprochen: der Mensch mit diesen achtundzwanzig Lebensjahren ist nur als physischer Mensch achtundzwanzig Jahre alt. In diesem Menschen lebt zum Beispiel das Ich — wenn wir von dem andern absehen —, das langsamer lebt, das dann noch ein Kind von sieben Jahren ist, wenn der Mensch achtundzwanzig Jahre alt ist. Dieses Kind von sieben Jahren, wenn der Mensch seinem physischen Leibe nach achtundzwanzig Jahre alt ist, das steht in der Tat mit ganz andern Welten in Verbindung, als diejenige Welt ist, in der naturwissenschaftliche Notwendigkeit herrscht. Aber in dem materialistischen Zeitalter haben die Menschen sich gewöhnt, nur diejenigen Begriffe sich zu bilden, welche anwendbar sind auf das Verhältnis des physischen Leibes des Menschen zu der physischen Umgebung, und nach diesem wird alles beurteilt. Der Mensch ist als wirklicher Mensch, wie er drinnensteht in der Welt, eine komplizierte Wesenheit, so kompliziert, wie wir das gestern wieder besprochen haben und von vielen Betrachtungen her kennen. Was der Mensch über sich zu wissen glaubt, was er von sich aussagt, das ist für unser materialistisches Zeitalter eigentlich nur ein Viertel von dem, was sich auf den Menschen bezieht, nur dasjenige, was sich auf den physischen Leib bezieht. Nur für dieses Verhältnis des physischen Leibes zur Umgebung kann man von naturwissenschaftlicher Notwendigkeit sprechen. Wovon muß man sprechen, wenn wir von dem übrigen wieder absehen, in bezug auf das, was zum Beispiel in dem achtundzwanzigjährigen Menschen noch ein siebenjähriges Kind ist? Da muß man von etwas ganz anderem sprechen, von dem diese unendlich aufgeklärte Gegenwart, diese unendlich gescheite Gegenwart sich ganz abgewender hat. Da muß man sprechen, so sonderbar das den Menschen der Gegenwart klingt, von dem Wunder.

[ 17 ] Denken Sie an dasjenige, was wir gestern besprochen haben. Wir haben gestern besprochen, daß dieser viergliedrige Mensch, der, im groben Sinne genommen, aus dem physischen, dem Äther- oder Bildekräfteleib, dem astralischen Leib und dem Ich besteht, eigentlich mit Bezug auf alle diese Teile, diese Glieder verschiedenes Alter hat. Wenn ein Mensch achtundzwanzig Jahre alt ist, dann ist er nur in bezug auf seinen physischen Leib, sagte ich gestern, achtundzwanzig Jahre alt, mit Bezug auf den sogenannten Ätherleib einundzwanzig Jahre, mit Bezug auf den astralischen Leib vierzehn Jahre, mit Bezug auf das Ich erst sieben Jahre. Sie können gut aus dem, was gestern besprochen worden ist, die Anschauung gewinnen: da steht ein Mensch mit achtundzwanzig Lebensjahren; aber das ist im uneigentlichen Sinne gesprochen: der Mensch mit diesen achtundzwanzig Lebensjahren ist nur als physischer Mensch achtundzwanzig Jahre alt. In diesem Menschen lebt zum Beispiel das Ich — wenn wir von dem andern absehen —, das langsamer lebt, das dann noch ein Kind von sieben Jahren ist, wenn der Mensch achtundzwanzig Jahre alt ist. Dieses Kind von sieben Jahren, wenn der Mensch seinem physischen Leibe nach achtundzwanzig Jahre alt ist, das steht in der Tat mit ganz andern Welten in Verbindung, als diejenige Welt ist, in der naturwissenschaftliche Notwendigkeit herrscht. Aber in dem materialistischen Zeitalter haben die Menschen sich gewöhnt, nur diejenigen Begriffe sich zu bilden, welche anwendbar sind auf das Verhältnis des physischen Leibes des Menschen zu der physischen Umgebung, und nach diesem wird alles beurteilt. Der Mensch ist als wirklicher Mensch, wie er drinnensteht in der Welt, eine komplizierte Wesenheit, so kompliziert, wie wir das gestern wieder besprochen haben und von vielen Betrachtungen her kennen. Was der Mensch über sich zu wissen glaubt, was er von sich aussagt, das ist für unser materialistisches Zeitalter eigentlich nur ein Viertel von dem, was sich auf den Menschen bezieht, nur dasjenige, was sich auf den physischen Leib bezieht. Nur für dieses Verhältnis des physischen Leibes zur Umgebung kann man von naturwissenschaftlicher Notwendigkeit sprechen. Wovon muß man sprechen, wenn wir von dem übrigen wieder absehen, in bezug auf das, was zum Beispiel in dem achtundzwanzigjährigen Menschen noch ein siebenjähriges Kind ist? Da muß man von etwas ganz anderem sprechen, von dem diese unendlich aufgeklärte Gegenwart, diese unendlich gescheite Gegenwart sich ganz abgewender hat. Da muß man sprechen, so sonderbar das den Menschen der Gegenwart klingt, von dem Wunder.

[ 18 ] Wunder in dem Sinne, wie vielfach Menschen sich Wunder vorstellen, Wunder, wie sich auch diejenigen Menschen vorstellen, die gern in spiritistische Sitzungen gehen, das sind Dinge, von denen die wahre Geisteswissenschaft nicht sprechen kann. Wunder liegen auf ganz andern Gebieten. Wunder liegen im geistigen Geschehen. Denn wie im äußeren, natürlichen Geschehen Notwendigkeit liegt, so liegen die Wunder auf dem Felde des geistigen Geschehens. Kein Mensch, der hereintritt aus der geistigen Welt in die physische Welt, der zur physischen Verkörperung schreitet, ist eine physische Notwendigkeit. Eine Notwendigkeit ist er, weil er diese Notwendigkeit sich selbst setzt, weil er aus der geistigen Welt heraus den überbewußten Beschluß faßt, sich mit irgendeiner Vererbungsströmung zu verbinden. Bei Vater und Mutter braucht nicht die Ursache zu liegen, liegt nur die Gelegenheit. Jedes Menschen Auftreten in der physischen Welt ist ein Wunder. Daß dies hereintritt in die physische Welt, was in unserem achtundzwanzigsten Jahre erst sieben Jahre alt ist, das ist immer ein wirkliches Wunder, gegenüber dem jedes Fragen in naturwissenschaftlicher Weise nach der Ursache ein ganz gewöhnlicher Unsinn ist. Dasjenige, was so langsam in uns lebt, daß es im achtundzwanzigsten Jahre erst sieben Jahre alt ist, aus der Vererbung herzuleiten, das ist ein Unding. Wollen wir wirklich eine Herleitung vornehmen, wollen wir fragen: Woraus stammt das, was da im achtundzwanzigsten Jahre erst sieben Jahre alt ist? — so kommen wir zurück in die geistige Welt, in jene Welt, die wir mit den sogenannten Toten gemeinschaftlich haben, in jene Welt, die wir mitbevölkert haben, bevor wir herabgestiegen sind zu unserem Körper. Geister, welche unbefangen denken konnten, vermochten sich schon Begriffe von solchen Sachen zu verschaffen, wenn auch in unserem materialistischen Zeitalter nur auf schwierige Weise.

[ 18 ] Wunder in dem Sinne, wie vielfach Menschen sich Wunder vorstellen, Wunder, wie sich auch diejenigen Menschen vorstellen, die gern in spiritistische Sitzungen gehen, das sind Dinge, von denen die wahre Geisteswissenschaft nicht sprechen kann. Wunder liegen auf ganz andern Gebieten. Wunder liegen im geistigen Geschehen. Denn wie im äußeren, natürlichen Geschehen Notwendigkeit liegt, so liegen die Wunder auf dem Felde des geistigen Geschehens. Kein Mensch, der hereintritt aus der geistigen Welt in die physische Welt, der zur physischen Verkörperung schreitet, ist eine physische Notwendigkeit. Eine Notwendigkeit ist er, weil er diese Notwendigkeit sich selbst setzt, weil er aus der geistigen Welt heraus den überbewußten Beschluß faßt, sich mit irgendeiner Vererbungsströmung zu verbinden. Bei Vater und Mutter braucht nicht die Ursache zu liegen, liegt nur die Gelegenheit. Jedes Menschen Auftreten in der physischen Welt ist ein Wunder. Daß dies hereintritt in die physische Welt, was in unserem achtundzwanzigsten Jahre erst sieben Jahre alt ist, das ist immer ein wirkliches Wunder, gegenüber dem jedes Fragen in naturwissenschaftlicher Weise nach der Ursache ein ganz gewöhnlicher Unsinn ist. Dasjenige, was so langsam in uns lebt, daß es im achtundzwanzigsten Jahre erst sieben Jahre alt ist, aus der Vererbung herzuleiten, das ist ein Unding. Wollen wir wirklich eine Herleitung vornehmen, wollen wir fragen: Woraus stammt das, was da im achtundzwanzigsten Jahre erst sieben Jahre alt ist? — so kommen wir zurück in die geistige Welt, in jene Welt, die wir mit den sogenannten Toten gemeinschaftlich haben, in jene Welt, die wir mitbevölkert haben, bevor wir herabgestiegen sind zu unserem Körper. Geister, welche unbefangen denken konnten, vermochten sich schon Begriffe von solchen Sachen zu verschaffen, wenn auch in unserem materialistischen Zeitalter nur auf schwierige Weise.

[ 19 ] Bedenken Sie, wieviel Goethe sich befaßt hat mit naturwissenschaftlichen Vorstellungen, wie er es geradezu zu musterhaft naturwissenschaftlichen Vorstellungen gebracht hat! In ihm lebte, wie Sie wissen, die fortdauernde Sehnsucht nach Italien, bevor er nach Italien gekommen ist. Und als er in Italien die großen Kunstwerke, die ihm eine Vorstellung von der griechischen künstlerischen Schöpfertätigkeit gegeben haben, gesehen hat, schrieb er an seine Freunde in Weimar: «Da ist die Notwendigkeit, da ist Gott.» Er sprach von einer andern Notwendigkeit, als die ist, von der die bloße Naturwissenschaft spricht. Von dieser Notwendigkeit hätte er gerade nach seinen naturwissenschaftlichen Vorstellungen früher schon eine Empfindung haben können; die Notwendigkeit, die hereinleuchtete aus der geistigen Welt und die identisch ist mit dem Wunder, die empfand er, als er in Italien der griechischen Kunstwerke ansichtig wurde.

[ 19 ] Bedenken Sie, wieviel Goethe sich befaßt hat mit naturwissenschaftlichen Vorstellungen, wie er es geradezu zu musterhaft naturwissenschaftlichen Vorstellungen gebracht hat! In ihm lebte, wie Sie wissen, die fortdauernde Sehnsucht nach Italien, bevor er nach Italien gekommen ist. Und als er in Italien die großen Kunstwerke, die ihm eine Vorstellung von der griechischen künstlerischen Schöpfertätigkeit gegeben haben, gesehen hat, schrieb er an seine Freunde in Weimar: «Da ist die Notwendigkeit, da ist Gott.» Er sprach von einer andern Notwendigkeit, als die ist, von der die bloße Naturwissenschaft spricht. Von dieser Notwendigkeit hätte er gerade nach seinen naturwissenschaftlichen Vorstellungen früher schon eine Empfindung haben können; die Notwendigkeit, die hereinleuchtete aus der geistigen Welt und die identisch ist mit dem Wunder, die empfand er, als er in Italien der griechischen Kunstwerke ansichtig wurde.

[ 20 ] Aber unsere Zeit ist aufgeklärt, die Menschen unserer Zeit sind sehr gescheit. Daher haben sie nicht nur den unberechtigten Wunderbegriff abgelehnt, sondern das Wunder überhaupt als solches auch aus der geistigen Welt verbannt. Aber das Wunder aus der geistigen Welt verbannen, das heißt nichts anderes, als alles das zu tun, um diese geistige Welt überhaupt nicht verstehen zu können. Denn aus der geistigen Welt treten die Dinge so heraus, daß wir nur Wirkungen sehen; wenn wir die Ursache suchen, so können wir sie nicht finden. Gerade dann, wenn man Geistesforscher ist, drängt sich einem das als eine unbedingte Wahrheit auf. Und weil die Gefühllosigkeit der Menschheit am Ende des 19. Jahrhunderts für die Verwunderung, für die Ehrfurcht desjenigen, was sich aus der Welt heraus offenbaren will, bis zu einem gewissen hohen Grade gestiegen war, so war eine Abneigung gegen die Offenbarung vorhanden. Denn in demselben Sinne, in dem sich die Ehrfurcht entwickelt gegenüber allem, was Welttiefe ist, in demselben Maße kommen diese Offenbarungen auch an den Menschen heran.

[ 20 ] Aber unsere Zeit ist aufgeklärt, die Menschen unserer Zeit sind sehr gescheit. Daher haben sie nicht nur den unberechtigten Wunderbegriff abgelehnt, sondern das Wunder überhaupt als solches auch aus der geistigen Welt verbannt. Aber das Wunder aus der geistigen Welt verbannen, das heißt nichts anderes, als alles das zu tun, um diese geistige Welt überhaupt nicht verstehen zu können. Denn aus der geistigen Welt treten die Dinge so heraus, daß wir nur Wirkungen sehen; wenn wir die Ursache suchen, so können wir sie nicht finden. Gerade dann, wenn man Geistesforscher ist, drängt sich einem das als eine unbedingte Wahrheit auf. Und weil die Gefühllosigkeit der Menschheit am Ende des 19. Jahrhunderts für die Verwunderung, für die Ehrfurcht desjenigen, was sich aus der Welt heraus offenbaren will, bis zu einem gewissen hohen Grade gestiegen war, so war eine Abneigung gegen die Offenbarung vorhanden. Denn in demselben Sinne, in dem sich die Ehrfurcht entwickelt gegenüber allem, was Welttiefe ist, in demselben Maße kommen diese Offenbarungen auch an den Menschen heran.

[ 21 ] Dasjenige, was als Wunderwirkung eintreten kann in die Weltenordnung, das kann auch ausbleiben, das kann auch weg sein. Mit dieser Abstumpfung der Menschheit für das Wunder hängt das zusammen, was in dem Zeitalter, das gegen das 20. Jahrhundert heranrückte, unterlassen worden ist. Und wenn man von Ursachen sprechen will zu unseren katastrophalen Ereignissen, dann sind diese Ursachen nicht solche, welche die Menschen geschaffen haben, sondern es sind diese Ursachen Unterlassungssünden. Das ist das Wesentliche, worauf es ankommt.

[ 21 ] Dasjenige, was als Wunderwirkung eintreten kann in die Weltenordnung, das kann auch ausbleiben, das kann auch weg sein. Mit dieser Abstumpfung der Menschheit für das Wunder hängt das zusammen, was in dem Zeitalter, das gegen das 20. Jahrhundert heranrückte, unterlassen worden ist. Und wenn man von Ursachen sprechen will zu unseren katastrophalen Ereignissen, dann sind diese Ursachen nicht solche, welche die Menschen geschaffen haben, sondern es sind diese Ursachen Unterlassungssünden. Das ist das Wesentliche, worauf es ankommt.

[ 22 ] Ich habe in früheren Jahren in einem Vortrage, den ich öfter gehalten habe, aufmerksam gemacht, wie in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein ausgezeichneter Philosoph gelebt hat: Karl Christian Planck. Ich habe an vielen Orten Gelegenheit genommen, auf diesen Karl Christian Planck hinzuweisen, aus dem Grunde, weil er eine Schrift geschrieben hat, die er gewissermaßen als sein philosophisch-literarisches Testament hinterlassen hat. Und in dieser Schrift ist bis in große Einzelheiten, auch bis in geistige Einzelheiten die gegenwärtige Weltkatastrophe, man kann nicht einmal sagen, angedeutet, sondern im vorhinein geschildert. Das Buch war 1880 geschrieben. Warum konnte er das? Weil Planck eben zu denjenigen Geistern gehörte, die zur richtigen Zeit sahen, was geschieht. Wenn Sie irgendein Haus haben, das baufällig ist, so muß es zur rechten Zeit ausgebessert werden. Warten Sie, bis es nicht mehr ausgebessert werden kann, so fällt es zusammen, und es kommt die Katastrophe. Und unsere jetzige Katastrophe ist nichts anderes als ein Zusammenfallen. In Wirklichkeit betrachtet, ist es ein Zusammenfallen. Für das, was hätte geschehen sollen, waren die siebziger, achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts die richtige Zeit. Solche Geister wie Karl Christian Planck, die hingewiesen haben auf das, was da kommen muß, die sind ja bekanntlich niemals geeignet, im äußeren Leben führende Persönlichkeiten zu werden! Wenn es sich irgendwo darum handelt, zu einer führenden Persönlichkeit zu greifen, einen Staatsmann zu finden oder dergleichen, da greift man selbstverständlich nicht zu denjenigen, die im Sinne von Karl Christian Planck etwas wissen — die kann man doch nicht nehmen, nicht wahr —, sondern man greift zu andern, die sehr oft nicht die Möglichkeit finden, das baufällige Haus zu stützen. Aber man kann heute den historischen Nachweis liefern, wenn man nur in die Hintergründe des Lebens sieht — und Karl Christian Planck ist nicht der einzige, es gibt manche andere —, daß zur rechten Zeit manchen Leuten aus der geistigen Welt die Offenbarung gekommen ist, welchem Ereignisse dieMenschheit entgegengeht. Damals wäre auch noch die Zeit gewesen, diesem Ereignisse einen andern Lauf zu geben. Natürlich wurde Karl Christian Planck nicht gehört.

[ 22 ] Ich habe in früheren Jahren in einem Vortrage, den ich öfter gehalten habe, aufmerksam gemacht, wie in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein ausgezeichneter Philosoph gelebt hat: Karl Christian Planck. Ich habe an vielen Orten Gelegenheit genommen, auf diesen Karl Christian Planck hinzuweisen, aus dem Grunde, weil er eine Schrift geschrieben hat, die er gewissermaßen als sein philosophisch-literarisches Testament hinterlassen hat. Und in dieser Schrift ist bis in große Einzelheiten, auch bis in geistige Einzelheiten die gegenwärtige Weltkatastrophe, man kann nicht einmal sagen, angedeutet, sondern im vorhinein geschildert. Das Buch war 1880 geschrieben. Warum konnte er das? Weil Planck eben zu denjenigen Geistern gehörte, die zur richtigen Zeit sahen, was geschieht. Wenn Sie irgendein Haus haben, das baufällig ist, so muß es zur rechten Zeit ausgebessert werden. Warten Sie, bis es nicht mehr ausgebessert werden kann, so fällt es zusammen, und es kommt die Katastrophe. Und unsere jetzige Katastrophe ist nichts anderes als ein Zusammenfallen. In Wirklichkeit betrachtet, ist es ein Zusammenfallen. Für das, was hätte geschehen sollen, waren die siebziger, achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts die richtige Zeit. Solche Geister wie Karl Christian Planck, die hingewiesen haben auf das, was da kommen muß, die sind ja bekanntlich niemals geeignet, im äußeren Leben führende Persönlichkeiten zu werden! Wenn es sich irgendwo darum handelt, zu einer führenden Persönlichkeit zu greifen, einen Staatsmann zu finden oder dergleichen, da greift man selbstverständlich nicht zu denjenigen, die im Sinne von Karl Christian Planck etwas wissen — die kann man doch nicht nehmen, nicht wahr —, sondern man greift zu andern, die sehr oft nicht die Möglichkeit finden, das baufällige Haus zu stützen. Aber man kann heute den historischen Nachweis liefern, wenn man nur in die Hintergründe des Lebens sieht — und Karl Christian Planck ist nicht der einzige, es gibt manche andere —, daß zur rechten Zeit manchen Leuten aus der geistigen Welt die Offenbarung gekommen ist, welchem Ereignisse dieMenschheit entgegengeht. Damals wäre auch noch die Zeit gewesen, diesem Ereignisse einen andern Lauf zu geben. Natürlich wurde Karl Christian Planck nicht gehört.

[ 23 ] Aber werden denn jetzt die Menschen gehört, die von dem reden, was eben, wenn es wirksam sein soll, Jahre vor dem ausgesprochen werden muß, bevor der Zusammenbruch eintritt? Man muß leider sagen: Die Art und Weise, wie die Menschheit dieses katastrophale Ereignis bis jetzt durchlebt, läßt deutlich erkennen, daß, wenn dieses katastrophale Ereignis noch vier Jahre andauert, die Menschen sich daran gewöhnt haben werden und es hinnehmen werden — nun, wie eben das normale Leben; denn bis zu einem hohen Grade ist diese Gewöhnung schon fortgeschritten. Wer aber die Zeichen der Zeit versteht, der frägt heute: Was muß geschehen? — weil, wenn etwas nicht geschieht, nach Jahrzehnten dasjenige sich zeigt, was da kommen muß, weil etwas nicht zur rechten Zeit geschehen ist.

[ 23 ] Aber werden denn jetzt die Menschen gehört, die von dem reden, was eben, wenn es wirksam sein soll, Jahre vor dem ausgesprochen werden muß, bevor der Zusammenbruch eintritt? Man muß leider sagen: Die Art und Weise, wie die Menschheit dieses katastrophale Ereignis bis jetzt durchlebt, läßt deutlich erkennen, daß, wenn dieses katastrophale Ereignis noch vier Jahre andauert, die Menschen sich daran gewöhnt haben werden und es hinnehmen werden — nun, wie eben das normale Leben; denn bis zu einem hohen Grade ist diese Gewöhnung schon fortgeschritten. Wer aber die Zeichen der Zeit versteht, der frägt heute: Was muß geschehen? — weil, wenn etwas nicht geschieht, nach Jahrzehnten dasjenige sich zeigt, was da kommen muß, weil etwas nicht zur rechten Zeit geschehen ist.

[ 24 ] Aber aus der umliegenden physischen Welt heraus kann das nicht gefunden werden, was nach den heutigen Zeitbedingungen geschehen soll. Heute muß man schon, wenn man das Richtige hören will, diejenigen hören, die aus der geistigen Welt heraus sprechen können. Natürlich, für unbedeutendere Dinge vollziehen sich die Dinge rascher. Man kann sagen: In fünf Jahren werden vielleicht die Menschen einsehen, daß sie auf manches hätten hören sollen, was sie heute schon hätten wissen können, wenn sie hingehört hätten. Doch sie sind nicht geneigt, diese Dinge zu hören, weil sie nur geneigt sind, auf das zu hören, wofür sich schon die Anzeichen in der äußeren physischen Welt zeigen. Aber die physische Welt ist für das geschichtliche Werden unbedeutend. Sie zeigt nicht dasjenige, was Anstoß, Impuls sein soll zum Geschehen. Was Anstoß, Impuls sein soll zum Geschehen im sozialen, im sittlichen Leben, das muß aus der geistigen Welt stammen.

[ 24 ] Aber aus der umliegenden physischen Welt heraus kann das nicht gefunden werden, was nach den heutigen Zeitbedingungen geschehen soll. Heute muß man schon, wenn man das Richtige hören will, diejenigen hören, die aus der geistigen Welt heraus sprechen können. Natürlich, für unbedeutendere Dinge vollziehen sich die Dinge rascher. Man kann sagen: In fünf Jahren werden vielleicht die Menschen einsehen, daß sie auf manches hätten hören sollen, was sie heute schon hätten wissen können, wenn sie hingehört hätten. Doch sie sind nicht geneigt, diese Dinge zu hören, weil sie nur geneigt sind, auf das zu hören, wofür sich schon die Anzeichen in der äußeren physischen Welt zeigen. Aber die physische Welt ist für das geschichtliche Werden unbedeutend. Sie zeigt nicht dasjenige, was Anstoß, Impuls sein soll zum Geschehen. Was Anstoß, Impuls sein soll zum Geschehen im sozialen, im sittlichen Leben, das muß aus der geistigen Welt stammen.

[ 25 ] Nun, für ein größtes Ereignis im Verlaufe der Menschheitsentwickelung soll gerade die Menschheit in unserem Zeitalter erzogen werden: an Freiheit auch in der historischen Entwickelung zu glauben. An einem bestimmten Punkte des geistigen Lebens soll die Menschheit der Gegenwart mit aller Gewalt darauf gestoßen werden, an Freiheit — und identisch damit ist dann das Wunder — zu glauben. Und dieser Punkt ist in der Auffassung des Christus-Impulses, in der Auffassung des Mysteriums von Golgatha gelegen. Wie die Menschheit zum Mysterium von Golgatha stand, das war ganz anders in früheren Zeiten und war immer mehr anders, je weiter wir zurückgehen in der geschichtlichen Entwickelung. Wir haben öfters davon gesprochen. Heute gibt es nicht in den Menschen — gerade nicht in den im Sinne des Zeitgeistes fortgeschrittensten Menschen — die Möglichkeit, das Ereignis von Golgatha als historisches Ereignis wie andere historische Ereignisse hinzustellen. Ich brauche für Sie das, was hier als Voraussetzung in Betracht kommt, nur anzudeuten: Sie wissen, die Evangelien sind als historische Dokumente in ihrer Bedeutung erschüttert. Nicht in demselben Sinne, wie wir die Dokumente über Sokrates oder Plato oder über Alkibiades oder Cäsar als historische Dokumente nehmen, können wir nach dem, wie heute geschichtlich geforscht wird, die Evangelien als Dokumente ansehen, ebensowenig die andern Dokumente, die im Neuen Testament über das Ereignis von Golgatha vereinigt sind. So wie der Mensch heute über geschichtliches Forschen denkt, so entzieht sich diesem geschichtlichen Forschen die Möglichkeit, die Evangelien als historische Dokumente zu betrachten und aus den Evangelien das Ereignis von Golgatha als ein historisches anzusehen, als ein historisch beweisbares, meine ich, als ein in dem Sinne historisch beweisbares, wie man andere historische Geschehnisse und Tatsachen geschichtlich belegt und geschichtlich beweist. Man kann nicht in demselben Sinne über den Christus Jesus als eine historische Persönlichkeit sprechen, wie man über Karl den Großen nach dem, was man heute historische Quellen nennt, als eine historische Persönlichkeit sprechen kann.

[ 25 ] Nun, für ein größtes Ereignis im Verlaufe der Menschheitsentwickelung soll gerade die Menschheit in unserem Zeitalter erzogen werden: an Freiheit auch in der historischen Entwickelung zu glauben. An einem bestimmten Punkte des geistigen Lebens soll die Menschheit der Gegenwart mit aller Gewalt darauf gestoßen werden, an Freiheit — und identisch damit ist dann das Wunder — zu glauben. Und dieser Punkt ist in der Auffassung des Christus-Impulses, in der Auffassung des Mysteriums von Golgatha gelegen. Wie die Menschheit zum Mysterium von Golgatha stand, das war ganz anders in früheren Zeiten und war immer mehr anders, je weiter wir zurückgehen in der geschichtlichen Entwickelung. Wir haben öfters davon gesprochen. Heute gibt es nicht in den Menschen — gerade nicht in den im Sinne des Zeitgeistes fortgeschrittensten Menschen — die Möglichkeit, das Ereignis von Golgatha als historisches Ereignis wie andere historische Ereignisse hinzustellen. Ich brauche für Sie das, was hier als Voraussetzung in Betracht kommt, nur anzudeuten: Sie wissen, die Evangelien sind als historische Dokumente in ihrer Bedeutung erschüttert. Nicht in demselben Sinne, wie wir die Dokumente über Sokrates oder Plato oder über Alkibiades oder Cäsar als historische Dokumente nehmen, können wir nach dem, wie heute geschichtlich geforscht wird, die Evangelien als Dokumente ansehen, ebensowenig die andern Dokumente, die im Neuen Testament über das Ereignis von Golgatha vereinigt sind. So wie der Mensch heute über geschichtliches Forschen denkt, so entzieht sich diesem geschichtlichen Forschen die Möglichkeit, die Evangelien als historische Dokumente zu betrachten und aus den Evangelien das Ereignis von Golgatha als ein historisches anzusehen, als ein historisch beweisbares, meine ich, als ein in dem Sinne historisch beweisbares, wie man andere historische Geschehnisse und Tatsachen geschichtlich belegt und geschichtlich beweist. Man kann nicht in demselben Sinne über den Christus Jesus als eine historische Persönlichkeit sprechen, wie man über Karl den Großen nach dem, was man heute historische Quellen nennt, als eine historische Persönlichkeit sprechen kann.

[ 26 ] Für den, der die Dinge durchschaut, ist heute der Zeitpunkt herangekommen, wo der aufrichtige, Wahrheit-durchdringende Menschensinn sich sagen muß: Was man für historische Quellen hielt in bezug auf das Mysterium von Golgatha, ist durch die Gestalt, welche die Geschichtsforschung angenommen hat, erschüttert. Und man muß schon so etwas wie ein Stumpfling sein, wie zum Beispiel Adolf Harnack, der berühmte Theologe, um sich immer wieder und wiederum hinzustellen und von dem, was man, wie er sagt, auf einer Quartseite zusammenstellen kann über den Christus Jesus, zu behaupten: darinnen seien doch historische Dokumente im Sinne der heutigen Geschichte gegeben. Es sind natürlich in diesen Dingen, die auf dieser Quartseite stehen, ebensowenig historische Dokumente gegeben, wie in den Evangelien nach Harnack selber — historische Dokumente gegeben sind. Aber solches Unterfangen wie das Harnacksche, dem hunderte und hunderte von andern gegenüberstehen, hängt eben zusammen mit der ganzen Unwahrhaftigkeit unserer Zeit in solchen Dingen, die niemals bis zu den radikalen Folgerungen gehen will, welche aber eben einfach die richtigen Folgerungen sind.

[ 26 ] Für den, der die Dinge durchschaut, ist heute der Zeitpunkt herangekommen, wo der aufrichtige, Wahrheit-durchdringende Menschensinn sich sagen muß: Was man für historische Quellen hielt in bezug auf das Mysterium von Golgatha, ist durch die Gestalt, welche die Geschichtsforschung angenommen hat, erschüttert. Und man muß schon so etwas wie ein Stumpfling sein, wie zum Beispiel Adolf Harnack, der berühmte Theologe, um sich immer wieder und wiederum hinzustellen und von dem, was man, wie er sagt, auf einer Quartseite zusammenstellen kann über den Christus Jesus, zu behaupten: darinnen seien doch historische Dokumente im Sinne der heutigen Geschichte gegeben. Es sind natürlich in diesen Dingen, die auf dieser Quartseite stehen, ebensowenig historische Dokumente gegeben, wie in den Evangelien nach Harnack selber — historische Dokumente gegeben sind. Aber solches Unterfangen wie das Harnacksche, dem hunderte und hunderte von andern gegenüberstehen, hängt eben zusammen mit der ganzen Unwahrhaftigkeit unserer Zeit in solchen Dingen, die niemals bis zu den radikalen Folgerungen gehen will, welche aber eben einfach die richtigen Folgerungen sind.

[ 27 ] Die Folgerung, die ja gezogen werden muß, ist diese, daß der Mensch nach dem, was vorliegt, sich heute gestehen muß: sucht er auf äußerlich historische Weise den Christus Jesus, so kann er ihn nicht finden. Finden muß er ihn auf dem Wege der Geisteserforschung. Da findet er ihn aber sicher. Da findet er das historische Ereignis von Golgatha. Warum? Weil das historische Ereignis von Golgatha ein solches war, das durch Freiheit in der Menschheitsentwickelung aufgetreten ist, durch eine Freiheit in noch viel höherem Sinne als andere historische Ereignisse, und weil dieses freie Ereignis gerade in unserem Zeitraum an den Menschen so herantreten soll, daß nichts ihn zwingt, seine Geltung anzunehmen, sondern er diese Geltung aus innerer Freiheit annehmen muß. Wofür ein historischer Beweis schon da ist, für dessen Annahme ist man nicht frei. Wofür ein äußerer historischer Beweis nicht da ist, das nimmt man an aus geistigen Gründen, und auf dem geistigen Boden ist man frei. Christ wird man durch Freiheit. Und das ist gerade dasjenige, was notwendig ist dem heutigen Zeitalter zu verstehen, daß man Christ in Wirklichkeit nur sein kann aus voller Freiheit, nicht einmal gezwungen durch historische Dokumente. In unserem Zeitalter soll das Christentum jene Wahrheit gewinnen — das ist vorbestimmt dieser Zeit —, wodurch es zu dem großen Impuls des menschlichen Verständnisses für die Freiheit wird. Das gehört zu den Fundamentalwahrheiten in unserer Zeit, daß dies eingesehen wird, daß eingesehen wird, daß die Beweise für das Christentum in der geistigen Welt gesucht werden müssen.

[ 27 ] Die Folgerung, die ja gezogen werden muß, ist diese, daß der Mensch nach dem, was vorliegt, sich heute gestehen muß: sucht er auf äußerlich historische Weise den Christus Jesus, so kann er ihn nicht finden. Finden muß er ihn auf dem Wege der Geisteserforschung. Da findet er ihn aber sicher. Da findet er das historische Ereignis von Golgatha. Warum? Weil das historische Ereignis von Golgatha ein solches war, das durch Freiheit in der Menschheitsentwickelung aufgetreten ist, durch eine Freiheit in noch viel höherem Sinne als andere historische Ereignisse, und weil dieses freie Ereignis gerade in unserem Zeitraum an den Menschen so herantreten soll, daß nichts ihn zwingt, seine Geltung anzunehmen, sondern er diese Geltung aus innerer Freiheit annehmen muß. Wofür ein historischer Beweis schon da ist, für dessen Annahme ist man nicht frei. Wofür ein äußerer historischer Beweis nicht da ist, das nimmt man an aus geistigen Gründen, und auf dem geistigen Boden ist man frei. Christ wird man durch Freiheit. Und das ist gerade dasjenige, was notwendig ist dem heutigen Zeitalter zu verstehen, daß man Christ in Wirklichkeit nur sein kann aus voller Freiheit, nicht einmal gezwungen durch historische Dokumente. In unserem Zeitalter soll das Christentum jene Wahrheit gewinnen — das ist vorbestimmt dieser Zeit —, wodurch es zu dem großen Impuls des menschlichen Verständnisses für die Freiheit wird. Das gehört zu den Fundamentalwahrheiten in unserer Zeit, daß dies eingesehen wird, daß eingesehen wird, daß die Beweise für das Christentum in der geistigen Welt gesucht werden müssen.

[ 28 ] Wird diese Einsicht so intensiv in der menschlichen Natur, wie sie werden soll, so wird sie auch andere Einsichten erzeugen, wird manches andere noch hervorbringen. Was sie zunächst hervorbringen sollte, das ist, daß der Mensch überhaupt lerne, sich die Frage zu beantworten: Wie mache ich mich empfänglicher für das, was mich nicht aus der physischen Welt heraus zwingt, es anzuerkennen, sondern wogegen ich zunächst vielleicht sogar eine Abneigung, eine Antipathie habe? Was macht mich geneigter dazu?

[ 28 ] Wird diese Einsicht so intensiv in der menschlichen Natur, wie sie werden soll, so wird sie auch andere Einsichten erzeugen, wird manches andere noch hervorbringen. Was sie zunächst hervorbringen sollte, das ist, daß der Mensch überhaupt lerne, sich die Frage zu beantworten: Wie mache ich mich empfänglicher für das, was mich nicht aus der physischen Welt heraus zwingt, es anzuerkennen, sondern wogegen ich zunächst vielleicht sogar eine Abneigung, eine Antipathie habe? Was macht mich geneigter dazu?

[ 29 ] Wirklich nicht aus persönlicher Eitelkeit und Albernheit, sondern weil ich eben nur ein konkretes Exempel dabei statuieren will, muß ich bei einer solchen Gelegenheit immer wieder darauf aufmerksam machen, daß ich meine schriftstellerische Laufbahn damit begonnen habe, indem ich nicht meine Meinungen zunächst vertreten habe, sondern alles dasjenige, was ich vertreten habe, in Anknüpfung an Goetheschen Geist publizierte, im bewußten Zurückblicken zu einem Geiste, der schon 1832 in das geistige Reich der sogenannten Toten hinaufgestiegen ist. Aber lesen Sie das, was ich so in Anknüpfung an Goethe in den Zeiten, die meiner «Philosophie der Freiheit» vorangegangen sind, geschrieben habe! Die sogenannten Goethe-Forscher sehen es zumeist daraufhin an, ob es Goethesche Ansichten wiedergibt. Goethesche Ansichten sind diesen Leuten dann gegeben, wenn man ein literarischer Wiederkäuer ist, das heißt, wenn man das, was Goethe in seiner Inkarnation gesagt hat bis 1832, wiederkaut. Ich war immer der Ansicht, daß dasjenige, was Goethe gesagt hat, wirklich nicht von dem oder jenem Schulmeister und auch nicht von mir wiedergesagt zu werden braucht, denn Goethe hat, was er hat sagen wollen, schon selber besser gesagt. Es ist immer besser, wenn die Goetheschen Werke gelesen werden, als die Ansichten der Schulmeister, und wären es selbst so ausgezeichnete Schulmeister und Magister, wie zum Beispiel Lewes mit seiner berühmten Goethe-Biographie ist. Was ich versuchte zu schreiben, ist dasjenige, was auf der Inspiration des nicht mehr auf der Erde weilenden Goethe beruhte: die Fortbildung seiner Ansichten auf einem gewissen Gebiete nach seinem Tode, was geschrieben werden konnte aus einem gewissen Gefühl lebendiger Verbindung mit sogenannten verstorbenen Seelen.

[ 29 ] Wirklich nicht aus persönlicher Eitelkeit und Albernheit, sondern weil ich eben nur ein konkretes Exempel dabei statuieren will, muß ich bei einer solchen Gelegenheit immer wieder darauf aufmerksam machen, daß ich meine schriftstellerische Laufbahn damit begonnen habe, indem ich nicht meine Meinungen zunächst vertreten habe, sondern alles dasjenige, was ich vertreten habe, in Anknüpfung an Goetheschen Geist publizierte, im bewußten Zurückblicken zu einem Geiste, der schon 1832 in das geistige Reich der sogenannten Toten hinaufgestiegen ist. Aber lesen Sie das, was ich so in Anknüpfung an Goethe in den Zeiten, die meiner «Philosophie der Freiheit» vorangegangen sind, geschrieben habe! Die sogenannten Goethe-Forscher sehen es zumeist daraufhin an, ob es Goethesche Ansichten wiedergibt. Goethesche Ansichten sind diesen Leuten dann gegeben, wenn man ein literarischer Wiederkäuer ist, das heißt, wenn man das, was Goethe in seiner Inkarnation gesagt hat bis 1832, wiederkaut. Ich war immer der Ansicht, daß dasjenige, was Goethe gesagt hat, wirklich nicht von dem oder jenem Schulmeister und auch nicht von mir wiedergesagt zu werden braucht, denn Goethe hat, was er hat sagen wollen, schon selber besser gesagt. Es ist immer besser, wenn die Goetheschen Werke gelesen werden, als die Ansichten der Schulmeister, und wären es selbst so ausgezeichnete Schulmeister und Magister, wie zum Beispiel Lewes mit seiner berühmten Goethe-Biographie ist. Was ich versuchte zu schreiben, ist dasjenige, was auf der Inspiration des nicht mehr auf der Erde weilenden Goethe beruhte: die Fortbildung seiner Ansichten auf einem gewissen Gebiete nach seinem Tode, was geschrieben werden konnte aus einem gewissen Gefühl lebendiger Verbindung mit sogenannten verstorbenen Seelen.

[ 30 ] Ich erwähne dies als ein Exempel, wirklich nicht aus alberner Eitelkeit, sondern weil es zusammenhängt mit der Frage: Was sollen die Menschen tun, um sich empfänglicher zu machen für dasjenige, was aus der geistigen Welt heraus kommt? Verbinden müssen sich die Menschen mit den Toten. Den Weg müssen sie finden in diejenigen Welten, worinnen die Toten leben, aber in einer vernünftigen, verständigen Weise, in einer wirklich entsprechenden Weise, nicht nach spiritistischer Weise. Die Toten reden weiter nach ihrem Tode. Und das, was sie reden, was sie impulsieren, es lebt, wie wir gesehen haben, zwar nicht in unseren Sinneserfahrungen, nicht in unserem Vorstellen, wohl aber in unserem Gefühl und in der Realität unserer Willensimpulse. Da lebt es drinnen.

[ 30 ] Ich erwähne dies als ein Exempel, wirklich nicht aus alberner Eitelkeit, sondern weil es zusammenhängt mit der Frage: Was sollen die Menschen tun, um sich empfänglicher zu machen für dasjenige, was aus der geistigen Welt heraus kommt? Verbinden müssen sich die Menschen mit den Toten. Den Weg müssen sie finden in diejenigen Welten, worinnen die Toten leben, aber in einer vernünftigen, verständigen Weise, in einer wirklich entsprechenden Weise, nicht nach spiritistischer Weise. Die Toten reden weiter nach ihrem Tode. Und das, was sie reden, was sie impulsieren, es lebt, wie wir gesehen haben, zwar nicht in unseren Sinneserfahrungen, nicht in unserem Vorstellen, wohl aber in unserem Gefühl und in der Realität unserer Willensimpulse. Da lebt es drinnen.

[ 31 ] Dann müssen wir aber auch das in uns finden, was uns geneigt macht, an die geistige Welt überhaupt heranzutreten. Mit dem Unglauben an ein Herantreten an die geistige Welt ist verbunden die Antipathie gegen die Imaginationen, die herein wollen aus der geistigen Welt, die unser Handeln auch im sozialen Menschengeschehen, im moralischen, im ethischen Menschengeschehen impulsieren wollen, und die doch einzig und allein den Menschen frei machen können.

[ 31 ] Dann müssen wir aber auch das in uns finden, was uns geneigt macht, an die geistige Welt überhaupt heranzutreten. Mit dem Unglauben an ein Herantreten an die geistige Welt ist verbunden die Antipathie gegen die Imaginationen, die herein wollen aus der geistigen Welt, die unser Handeln auch im sozialen Menschengeschehen, im moralischen, im ethischen Menschengeschehen impulsieren wollen, und die doch einzig und allein den Menschen frei machen können.

[ 32 ] Zwei Dinge sind in unserer Zeit notwendig: einzusehen, daß das Bekenntnis zum Mysterium von Golgatha eine freie Tat der menschlichen Seele sein muß und dieses ganz zu durchdringen. Und auf der andern Seite: real, nicht bloß abstrakt, nicht bloß in einem abstrakten Glauben, sondern real die Brücke zu suchen zu den Toten. Auch gegen das letztere spricht viel in unserer Zeit. DieMenschen sehen nicht gleich ganz ein, was alles dagegen spricht. Was stellen sich die Menschen heute für das soziale Geschehen als ein Ideal vor? Sie stellen sich vor: Wir sind gescheit, denn wir sind geboren, wir sind in die Schule gegangen, wir sind also gescheite Wesen, gescheite Menschen, daher wissen wir ohne weiteres, was im sozialen Leben zu geschehen hat. Wir bilden Versammlungen, Gemeinderäte, Staatsräte, Parlamente, wie man es nennt, da bespricht man selbstverständlich dasjenige, was zu geschehen hat im sozialen Leben, denn wir sind gescheit, und wenn sich so gescheite Leute, wie es die Menschen der Gegenwart sind, zusammensetzen, so wird immer das Richtige herauskommen.

[ 32 ] Zwei Dinge sind in unserer Zeit notwendig: einzusehen, daß das Bekenntnis zum Mysterium von Golgatha eine freie Tat der menschlichen Seele sein muß und dieses ganz zu durchdringen. Und auf der andern Seite: real, nicht bloß abstrakt, nicht bloß in einem abstrakten Glauben, sondern real die Brücke zu suchen zu den Toten. Auch gegen das letztere spricht viel in unserer Zeit. DieMenschen sehen nicht gleich ganz ein, was alles dagegen spricht. Was stellen sich die Menschen heute für das soziale Geschehen als ein Ideal vor? Sie stellen sich vor: Wir sind gescheit, denn wir sind geboren, wir sind in die Schule gegangen, wir sind also gescheite Wesen, gescheite Menschen, daher wissen wir ohne weiteres, was im sozialen Leben zu geschehen hat. Wir bilden Versammlungen, Gemeinderäte, Staatsräte, Parlamente, wie man es nennt, da bespricht man selbstverständlich dasjenige, was zu geschehen hat im sozialen Leben, denn wir sind gescheit, und wenn sich so gescheite Leute, wie es die Menschen der Gegenwart sind, zusammensetzen, so wird immer das Richtige herauskommen.

[ 33 ] Das ist das Ideal. Aber das geht von einer Voraussetzung aus, die nicht richtig ist. Es geht von der Voraussetzung aus, daß man ohne weiteres wisse, was das Richtige ist. Wissen Sie, was das Richtige ist? Wissen Sie, wer es weiß, was das Richtige ist im Jahre 1917? Nicht diejenigen, die jetzt in den Zwanzigerjahren sind und sich in den Parlamenten am liebsten so zum Reden bloß zusammensetzen und darüber urteilen, was das Richtige sei für 1917, sondern das wissen die am besten, die längst gestorben sind! Bei denen sollte man fragen, wie man sich zu verhalten hat! Hier liegt ein gut Teil von dem, was die Frage beantwortet: Wie kann unser soziales Leben aufgebessert werden? — Wenn wir lernen, die Toten zu befragen.

[ 33 ] Das ist das Ideal. Aber das geht von einer Voraussetzung aus, die nicht richtig ist. Es geht von der Voraussetzung aus, daß man ohne weiteres wisse, was das Richtige ist. Wissen Sie, was das Richtige ist? Wissen Sie, wer es weiß, was das Richtige ist im Jahre 1917? Nicht diejenigen, die jetzt in den Zwanzigerjahren sind und sich in den Parlamenten am liebsten so zum Reden bloß zusammensetzen und darüber urteilen, was das Richtige sei für 1917, sondern das wissen die am besten, die längst gestorben sind! Bei denen sollte man fragen, wie man sich zu verhalten hat! Hier liegt ein gut Teil von dem, was die Frage beantwortet: Wie kann unser soziales Leben aufgebessert werden? — Wenn wir lernen, die Toten zu befragen.

[ 34 ] Bis zu seinem Lebensende weiß man in der Regel hier als physischer Mensch alles doch nur so weit, als es einem selber persönlich frommt. Recht reif wird das Wissen erst, wenn man gestorben ist. Dann wird es erst so reif, daß es richtig anwendbar ist auf das soziale Leben. Aber man darf nicht glauben, daß nun die Toten wie mit physischen Händen unmittelbar eingreifen sollen, so ungefähr wie Menschen, die hier im physischen Leib leben. Die Toten können besser wissen als die Lebendigen, was sozial zu geschehen hat, aber sie müssen gehört werden von den Menschen, und die ausführenden Organe müssen die hier im Physischen lebenden Menschen sein. Lernen müssen vor allen Dingen die Menschen in der Gegenwart, solche ausführenden Organe zu sein. Aber von solchen — wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, er ist so unangenehm — von solchen «Parlamenten», wo sich die Menschen bestreben werden, die Toten mitreden zu lassen, wird man noch lange nicht hören. Es wird jedoch auf gewissen Gebieten nicht Heil kommen, wenn man nicht die Toten wird mitreden lassen wollen, wenn nicht auch von dieser Seite her das soziale Leben spiritualisiert werden kann. Bevor man sich dem Glauben hingibt, daß die hier auf der Erde errungene, durch die Geburt, Welt und Schulung errungene Weisheit reif für soziale Impulse ist, sollte man sich vertiefen in das, was wirklich reif geworden ist für soziale Impulse: diejenige Weisheit, die schon den physischen Leib abgelegt hat, und die, wenn wir sie wirklich durchforschen, uns erst bedeutsame Perspektiven eröffnet.

[ 34 ] Bis zu seinem Lebensende weiß man in der Regel hier als physischer Mensch alles doch nur so weit, als es einem selber persönlich frommt. Recht reif wird das Wissen erst, wenn man gestorben ist. Dann wird es erst so reif, daß es richtig anwendbar ist auf das soziale Leben. Aber man darf nicht glauben, daß nun die Toten wie mit physischen Händen unmittelbar eingreifen sollen, so ungefähr wie Menschen, die hier im physischen Leib leben. Die Toten können besser wissen als die Lebendigen, was sozial zu geschehen hat, aber sie müssen gehört werden von den Menschen, und die ausführenden Organe müssen die hier im Physischen lebenden Menschen sein. Lernen müssen vor allen Dingen die Menschen in der Gegenwart, solche ausführenden Organe zu sein. Aber von solchen — wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, er ist so unangenehm — von solchen «Parlamenten», wo sich die Menschen bestreben werden, die Toten mitreden zu lassen, wird man noch lange nicht hören. Es wird jedoch auf gewissen Gebieten nicht Heil kommen, wenn man nicht die Toten wird mitreden lassen wollen, wenn nicht auch von dieser Seite her das soziale Leben spiritualisiert werden kann. Bevor man sich dem Glauben hingibt, daß die hier auf der Erde errungene, durch die Geburt, Welt und Schulung errungene Weisheit reif für soziale Impulse ist, sollte man sich vertiefen in das, was wirklich reif geworden ist für soziale Impulse: diejenige Weisheit, die schon den physischen Leib abgelegt hat, und die, wenn wir sie wirklich durchforschen, uns erst bedeutsame Perspektiven eröffnet.

[ 35 ] Bedenken Sie, wie das Gefühlsleben vertieft wird, das ganze menschliche Gemüt eine Vertiefung erfährt, wenn das, was ich jetzt als Ideen ausgesprochen habe, eben Gefühl und Empfindung wird; wenn an die Stelle des alten Mythos, der den Gegenwartsmenschen verband mit den Vorfahren, dasjenige Band tritt, das ich angedeutet habe: ein konkretes geistiges Leben, das unsere geistige Atmosphäre wiederum anfüllen wird; und wenn, was so durch die Geisteswissenschaft als Ideen erfaßt werden kann, übergeht in Gemüt und Empfindung und die Menschen wahrhaftig drinnen leben wollen.

[ 35 ] Bedenken Sie, wie das Gefühlsleben vertieft wird, das ganze menschliche Gemüt eine Vertiefung erfährt, wenn das, was ich jetzt als Ideen ausgesprochen habe, eben Gefühl und Empfindung wird; wenn an die Stelle des alten Mythos, der den Gegenwartsmenschen verband mit den Vorfahren, dasjenige Band tritt, das ich angedeutet habe: ein konkretes geistiges Leben, das unsere geistige Atmosphäre wiederum anfüllen wird; und wenn, was so durch die Geisteswissenschaft als Ideen erfaßt werden kann, übergeht in Gemüt und Empfindung und die Menschen wahrhaftig drinnen leben wollen.