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The Rudolf Steiner Archive

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Mystery Truths and Christmas Impulses
Ancient Myths and Their Significance
GA 180

23 December 1917, Basel

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Erster Vortrag

First Lecture

[ 1 ] Der Sinn, der verbunden ist mit der Kraft des menschlichen Sehnens, wie sie viele Jahrhunderte hindurch in den menschlichen Herzen Platz gegriffen hat mit dem Feste, dessen Symbolum in der neueren Zeit der Weihnachtsbaum geworden ist, dieser Sinn ist auszudrücken in den Worten, die da ertönen seit dem Beginn der Zeitrechnung, welche vom Mysterium von Golgatha ausgeht, und die sich in die Entwickelung des Erdenwesens weiter hineinverpflanzen sollen. Dieser Sinn, der durch diese Zeit hindurchleuchtet, ist verbunden mit den Worten: «Et incarnatus est de spiritn sancto ex Maria virgine

[ 1 ] The meaning associated with the power of human longing—which has taken root in human hearts over many centuries through the festival whose symbol in more recent times has become the Christmas tree—this meaning is expressed in the words that have resounded since the beginning of the Christian era, words that spring from the Mystery of Golgotha, and which are to take further root in the evolution of earthly existence. This meaning, which shines through this era, is connected with the words: “Et incarnatus est de spiritn sancto ex Maria virgine.”

[ 2 ] Man darf sagen, ein großer Teil der neueren Menschheit wird mit den Worten «Et incarnatus est de spiritu sancto ex Maria virgine» ebensowenig Bedeutung verbinden wie mit dem Auferstehungsmysterium der Osterzeit. Man darf gewissermaßen sagen, so unwahrscheinlich es dem nicht mehr der spirituellen Welt zugewandten neueren Sinn erscheint, das Mittelpunktsmysterium des Christentums in der Auferstehung vom Tode zu sehen, ebensowenig erscheint es demselben Denken, demselben Empfinden wahrscheinlich, die geistige Tatsache anzunehmen, die mit dem Weihnachtsmysterium verbunden ist: die Fleischwerdung, die Verkörperung aus der jungfräulichen Geburt heraus. Ja, man kann wohl sagen, ein großer Teil der neueren Menschheit wird dem Naturforscher, welcher das Mysterium der jungfräulichen Geburt genannt hat «eine freche Verhöhnung der menschlichen Vernunft», mehr zustimmen als demjenigen, der im spirituellen Sinne dieses Mysterium ernst nehmen will.

[ 2 ] It is fair to say that a large portion of modern humanity attaches just as little significance to the words “Et incarnatus est de spiritu sancto ex Maria virgine” as it does to the mystery of the Resurrection during the Easter season. One might say, in a sense, that just as it seems improbable to the modern mind—which is no longer turned toward the spiritual world—to see the central mystery of Christianity in the Resurrection from the dead, so too does it seem just as improbable to that same way of thinking and feeling to accept the spiritual reality associated with the mystery of Christmas: the Incarnation, the embodiment resulting from the virgin birth. Indeed, one can safely say that a large portion of modern humanity will agree more with the natural scientist who called the mystery of the virgin birth “a brazen mockery of human reason” than with those who wish to take this mystery seriously in a spiritual sense.

[ 3 ] Und dennoch, in dem christlichen Sinne ist das Mysterium von der Inkarnation vom Heiligen Geiste aus Maria der Jungfrau heraus geltend seit dem Mysterium von Golgatha. In einem andern Sinne war es gültig bereits vor dem Mysterium von Golgatha. Diejenigen, welche dem in der Krippe liegenden Kind dargebracht haben die Symbole, oder besser gesagt die symbolischen Gaben Gold, Weihrauch, Myrrhen, sie haben in den Sternen gelesen im Sinne der alten Wissenschaft seit Jahrtausenden das Mysterium von der jungfräulichen Geburt, also das Weihnachtsmysterium. Und sie, die Magier mit dem Golde, dem Weihrauch, den Myrrhen, sie sind gekommen, weil sie die Zeichen der Zeit geschaut haben. Was waren das für Zeichen der Zeit? Die Magier mit dem Golde, dem Weihrauch, den Myrrhen, sie waren in dem Sinne, in dem die alte Weisheit dies verstand, Astrologen. Sie waren bekannt mit jenen geistigen Vorgängen, die sich im Kosmos abspielen, wenn sich gewisse Zeichen am Himmel zeigen.

[ 3 ] And yet, in the Christian sense, the Mystery of the Incarnation—the Holy Spirit’s conception in the Virgin Mary—has been valid since the Mystery of Golgotha. In another sense, it was already valid before the Mystery of Golgotha. Those who presented the symbols—or rather, the symbolic gifts of gold, frankincense, and myrrh—to the Child lying in the manger had, for millennia, read the Mystery of the Virgin Birth—that is, the Christmas Mystery—in the stars, in accordance with ancient science. And they—the Magi with their gold, frankincense, and myrrh—came because they had seen the signs of the times. What were these signs of the times? The Magi with their gold, frankincense, and myrrh were, in the sense that ancient wisdom understood it, astrologers. They were familiar with those spiritual processes that unfold in the cosmos when certain signs appear in the sky.

[ 4 ] Ein solches Zeichen war für sie, daß in der Nacht vom 24. auf den 25.Dezember — in dem Jahre, das wir heute als das der Geburt des Christus Jesus bezeichnen — die Sonne, das große Weltensymbolum des Weltenerlösers, herfunkelte vom Himmelsgewölbe, herfunkelte aus dem Sternbilde der Jungfrau. Sie sagten, wenn die Konstellation am Himmel eintreten werde, daß die Sonne in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember in dem Sternbilde der Jungfrau stehen werde, dann wird mit der Erde eine wichtige Verwandlung vor sich gehen. Dann ist die Zeit gekommen, wo wir das Gold, das heißt das Symbolum unserer Erkenntnis der göttlichen Weltenlenkung, die wir bisher in den Konstellationen der Sterne allein gesucht haben, darbringen werden jenem Impuls, der sich einfügt der irdischen Menschheitsentwickelung; wo wir den Weihrauch, den Opfersinn, der zu gleicher Zeit symbolisiert die höchste menschliche Tugend, so hinzuopfern haben, daß wir uns zur Verrichtung dieser höchsten menschlichen Tugend verbinden mit der Kraft, die von dem Christus ausgeht, der inkarniert werden soll in derjenigen menschlichen Persönlichkeit, der wir den Weihrauch als symbolische Gabe darbringen; und als drittes die Myrrhen als das Symbolum desjenigen, was ewig ist im Menschen. Was wir verbunden gefühlt haben durch die Jahrtausende mit den Kräften, die aus den Sternenkonstellationen herunter sprechen, wir suchen es im weiteren, indem wir es als Gabe darbringen Dem, der der Menschheit ein neuer Impuls werden sollte. Wir suchen unsere Unsterblichkeit dadurch, daß wir unsere Seele verbinden dem Impulse des Christus Jesus. Wenn aus der Jungfrau das kosmische Symbolum der Weltenkraft, der Sonnen-Weltenkraft, herunterleuchten wird, dann wird eine neue Erdenzeit beginnen.

[ 4 ] For them, a sign of this was that on the night of December 24–25—in the year we now call the year of the birth of Jesus Christ—the sun, the great cosmic symbol of the Savior of the world, shone from the vault of heaven, shining from the constellation of Virgo. They said that when this celestial alignment occurred—when the sun stood in the constellation of Virgo on the night of December 24–25—an important transformation would take place on Earth. Then the time will have come when we will offer the gold—that is, the symbol of our recognition of divine guidance of the world, which we have hitherto sought solely in the constellations of the stars—to that impulse which is woven into the earthly development of humanity; when we will offer the frankincense—the spirit of sacrifice, which at the same time symbolizes the highest human virtue—in such a way that, in order to fulfill this highest human virtue, we unite ourselves with the power emanating from the Christ, who is to be incarnated in that human personality to whom we offer the frankincense as a symbolic gift; and thirdly, myrrh as the symbol of that which is eternal in the human being. What we have felt connected to throughout the millennia with the forces that speak down from the constellations, we seek to continue by offering it as a gift to the One who is to become a new impulse for humanity. We seek our immortality by uniting our soul with the impulse of Christ Jesus. When the cosmic symbol of the world force—the solar world force—shines down from the Virgin, a new era on Earth will begin.

[ 5 ] So war es geglaubt, so war es angesehen durch Jahrtausende hindurch. Und als sich die Magier veranlaßt fühlten, die Weisheit vom Göttlichen, den menschlichen Tugendsinn, die Erfühlung der menschlichen Unsterblichkeit — symbolisch ausgedrückt in Gold, Weihrauch und Myrrhen — hinzulegen vor dem göttlichen Kinde, da wiederholten sie als in einem geschichtlichen Ereignisse dasjenige, was in unzähligen Mysterien, in unzähligen Opferhandlungen durch die Jahrtausende eben symbolisch dargestellt worden ist, indem man wie eine prophetische Hinweisung auf das Ereignis, das eintreten sollte, wenn die Sonne um die Mitternacht vom 24. auf den 25. Dezember aus der Jungfrau vom Himmel herunterscheint, dem symbolischen Götterkinde, das in den alten Tempeln als der Repräsentant der Sonne aufbewahrt wurde, in dieser Weihnachtsnacht opferte Gold, Weihrauch, Myrrhen. So spricht auf christliche Weise das «Incarnatus est de spiritu sancto ex Maria virgine» seit bald zwei Jahrtausenden, so spricht dasselbe Incarnatus seit Menschengedenken auf der Erde. Die Zeit, in der wir leben, ihr gegenüber stellen wir die Frage: Wissen die Menschen noch so recht, wozu sie eigentlich aufschauen sollen, wenn sie ihr Weihnachtsfest feiern? Ist in der Gegenwart ein volles Bewußtsein vorhanden davon, daß aus kosmischen Höhen, unter kosmischen Zeichen erschienen ist eine Weltenkraft durch jungfräuliche Geburt, im spirituellen Sinne erfaßt, und daß die Weihnachtslichter in unser Herz gießen sollen ein Bewußtsein davon, daß die menschliche Seele verbunden ist, durch ihre innigsten Bande verbunden ist mit dem, was da nicht nur als ein irdisches Ereignis, was als ein kosmisch-irdisches Ereignis erschaut werden kann?

[ 5 ] This is what was believed, this is how it was viewed for millennia. And when the Magi felt compelled to lay before the divine Child the wisdom of the divine, the human sense of virtue, and the sense of human immortality—symbolically expressed in gold, frankincense, and myrrh—before the divine Child, they were repeating, as in a historical event, precisely what had been symbolically represented in countless mysteries and countless sacrificial rites throughout the millennia, as if in a prophetic allusion to the event that was to occur when the sun, at midnight on December 24, to the 25th of December, the symbolic divine child—who was enshrined in the ancient temples as the representative of the sun—offered gold, frankincense, and myrrh on this Christmas night. Thus, in a Christian sense, the “Incarnatus est de spiritu sancto ex Maria virgine” has spoken for nearly two millennia; thus, the same Incarnatus has spoken on Earth since time immemorial. In the age in which we live, we pose this question: Do people still truly know what they should actually be looking up to when they celebrate Christmas? Is there, in the present, a full awareness that from cosmic heights, under cosmic signs, a world force has appeared through a virgin birth—understood in a spiritual sense— and that the Christmas lights are meant to pour into our hearts an awareness that the human soul is connected—bound by its most intimate ties—to that which can be perceived not merely as an earthly event, but as a cosmic-earthly event?

[ 6 ] Die Zeiten sind ernst, und es ist wohl auch angemessen, in solchen ernsten Zeiten Fragen wie die eben aufgeworfenen in heiligen Stunden sich ernst zu beantworten. Und so wollen wir denn einmal zunächst eine kleine Umschau halten bei Gedanken von besten Mitgliedern der Menschheit im abgelaufenen 19. Jahrhundert, um zu sehen, ob die Idee des Christus Jesus so lebte in der neueren Menschheit, daß wir finden können: das Weihnachtsmysterium hat seinen Sinn dadurch, daß die Menschheit ein Ewiges feiern will unter dem Schein der Weihnachtslichter.

[ 6 ] These are serious times, and it is surely appropriate, in such serious times, to seriously address questions such as those just raised during moments of devotion. And so let us first take a brief look at the thoughts of the finest members of humanity in the past 19th century, to see whether the idea of Christ Jesus lived so vividly in modern humanity that we can conclude: the Christmas mystery has its meaning in that humanity wishes to celebrate the Eternal under the glow of the Christmas lights.

[ 7 ] Wir wollen uns einige Stimmen bester Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts vergegenwärtigen. Zunächst seien Worte einer Persönlichkeit angeführt, die sich viel beschäftigt hat mit der Ergründung des Wesens Jesu, die versucht hat, ein Bild von dem Christus Jesus zu geben aus dem Bewußtsein des 19. Jahrhunderts heraus: Ernest Renan. Ernest Renan richtete seinen Blick in echt realistisch-materialistischer Weise mit äußeren physischen Augen auf die Stätten von Palästina. Wieder auferwecken will er aus der unmittelbar materiellen Anschauung in seiner eigenen Seele ein Bild derjenigen Persönlichkeit, die durch die Jahrhunderte, ja Jahrtausende hindurch genannt worden ist der Weltenerlöser. Wir hören von Ernest Renan aus dem «Leben Jesu»:

[ 7 ] Let us consider the views of some of the most prominent figures of the 19th century. First, let us quote the words of a figure who devoted much of his life to exploring the nature of Jesus and who sought to portray Christ Jesus from the perspective of 19th-century consciousness: Ernest Renan. Ernest Renan turned his gaze—in a truly realistic and materialistic manner, with his own physical eyes—toward the sites of Palestine. From this immediate, material observation, he seeks to evoke within his own soul an image of the figure who, throughout the centuries—indeed, millennia—has been called the Savior of the world. We hear from Ernest Renan in *The Life of Jesus*:

[ 8 ] «Eine reizende Natur trug dazu bei, jenen, wenn ich sagen darf, monotheistischen Geist zu schaffen, der allen Träumen Galiläas eine idyllische und reizende Prägung gab. Der traurigste Landstrich der Welt mag vielleicht die Umgebung Jerusalems sein. Galiläa dagegen war ein sehr begrüntes, sehr schattiges und sehr lachendes Gefilde, die rechte Heimat des Hohenliedes und der Lieder des Vielgeliebten. In den Monaten März und April ist dieses Gebiet ein Blumenteppich von unvergleichlicher Farbenfrische. Die Tiere sind hier klein, aber sehr zahm. Zierliche, lebhafte Turteltauben, blaue Amseln, so leicht, daß sie sich auf einen Halm setzen, ohne ihn niederzudrücken, Haubenlerchen, die sich fast vor den Füßen des Wanderers niederlassen, kleine Bachschildkröten mit lebendigen, sanften Augen, Störche mit gravitätischen, ernsten Mienen lassen den Menschen ganz nah an sich herankommen, ja sie scheinen ihn sogar zu rufen.»

[ 8 ] “A charming natural setting helped to create—if I may say so—that monotheistic spirit which gave all the dreams of Galilee an idyllic and charming character. The saddest stretch of land in the world may well be the area around Jerusalem. Galilee, on the other hand, was a very green, very shady, and very cheerful region—the true home of the Song of Songs and the songs of the Beloved. In March and April, this region is a carpet of flowers of incomparable vividness of color. The animals here are small but very tame. Delicate, lively turtle doves, blue blackbirds so light that they can perch on a blade of grass without crushing it, crested larks that alight almost at the hiker’s feet, small pond turtles with lively, gentle eyes, and storks with dignified, serious expressions—all allow people to come very close to them; indeed, they even seem to be calling out to them.”

[ 9 ] Und Ernest Renan wird nicht müde, so recht zu schildern dieses von der großen Weltgeschichte so vollständig abgelegene Idyll von Galiläa, damit sich in diesem Idyll, in dieser anspruchslosen Landschaft mit den Turteltäubchen und Störchen, dasjenige habe abspielen können, was die Menschheit durch die Jahrhunderte in Verbindung bringt mit dem Weltenerlöser.

[ 9 ] And Ernest Renan never tires of so vividly describing this idyll in Galilee, so completely removed from the grand sweep of world history, so that in this idyll—in this unassuming landscape with its turtledoves and storks—that which humanity has associated with the Savior of the world throughout the centuries could have taken place.

[ 10 ] Der Sinn der Erde, dasjenige, wozu die Menschheit durch Jahrhunderte hat aufblicken wollen, ist für den Denker des 19. Jahrhunderts nur dann reizend, wenn er es schildern kann als ein Idyll mit Turteltäubchen und Störchen.

[ 10 ] The meaning of the Earth—that which humanity has sought to contemplate for centuries—is appealing to the 19th-century thinker only if he can depict it as an idyll featuring lovebirds and storks.

[ 11 ] «So ist denn die ganze Geschichte der Entstehung des Christentums» — sagt Ernest Renan weiter — «eine köstliche Idylle geworden. Ein Messias beim Hochzeitsgelage, den die Courtisane und der gute Zacchäus zu seinen Festen gerufen, die Stifter des göttlichen Reichs wie ein Zug Brautführer — das ist es, was Galiläa gewagt hat, was es zur Annahme gebracht hat.»

[ 11 ] “Thus, the entire history of the origins of Christianity,” Ernest Renan continues, “has become a delightful idyll. A Messiah at a wedding feast, invited to his celebrations by the courtesan and the good Zacchaeus; the founders of the divine kingdom like a procession of groomsmen—that is what Galilee dared to do, what it managed to bring about.”

[ 12 ] Dies eine der Stimmen. Hören wir daneben aus dem weiteren Chor der Stimmen des 19. Jahrhunderts eine andere Stimme, die Stimme John Stuart Mills, der sich auch zurechtfinden will aus dem Bewußtsein des 19. Jahrhunderts mit derjenigen Wesenheit, in welcher die Menschheit durch Jahrhunderte und der prophetische Sinn der Menschheit durch Jahrtausende vorher den Weltenerlöser gesehen hat.

[ 12 ] This is one of those voices. Let us also hear, from the broader chorus of 19th-century voices, another voice—the voice of John Stuart Mill, who, too, seeks to reconcile the consciousness of the 19th century with that essence in which humanity, for centuries, and the prophetic sense of humanity, for millennia before, had seen the Savior of the world.

[ 13 ] «Was immer sonst» — sagt John Stuart Mill — «die Vernunftkritik am Christentum zerstören mag, Christus bleibt uns: eine einzig dastehende Gestalt, seinen Vorgängern so unähnlich wie allen seinen Nachfolgern, sogar denen, die sich des Vorteils seiner persönlichen Unterweisung erfreuten. Dieser Schätzung tut es keinen Eintrag, wenn man sagt, der Christus der Evangelien sei nicht historisch, und daß wir nicht wissen können, wieviel von dem, was bewunderungswürdig an ihm ist, von seinen Anhängern hinzugefügt worden sei... [Denn] wer unter seinen Jüngern oder den von diesen Bekehrten ist imstande gewesen, die Jesus zugeschriebenen Reden zu ersinnen oder ein Leben auszudenken und eine Persönlichkeit zu gestalten, wie sie uns aus den Evangelien entgegentritt? Sicherlich nicht die Fischerleute aus Galiläa, und ebensowenig St. Paulus, dessen Charakter und Neigungen von ganz anderer Art waren; am wenigsten jedoch die ersten christlichen Schriftsteller. Was von einem Schüler hinzugefügt und eingeschoben werden konnte, läßt sich aus den mystischen Teilen des Evangeliums Johannes ersehen, welche dem Philo und den alexandrinischen Platonikern entlehnt und dem Heiland in den Mund gelegt werden, und zwar in langen Reden über sich selbst, wovon die anderen Evangelien nicht die leiseste Spur enthalten... Der Orient war voll von solchen Männern, die jede beliebige Menge von solchem Zeug gestohlen haben konnten, wie es die vielerlei Sekten der orientalischen Gnostiker später taten. Aber dem I.eben und den Reden Jesu ist der Stempel des Tiefsinns und eine so persönliche Originalität aufgeprägt, daß sie — wenn wir der müßigen Erwartung entsagen, wissenschaftliche Genauigkeit da zu finden, wo es auf etwas ganz anderes abgesehen war — den Propheten von Nazareth, selbst in der Schätzung derer, welche an seine Inspiration nicht glauben, in die erste Reihe der erhabensten Männer stellen, deren unser Geschlecht sich rühmen darf. Da dieser außerordentliche Geist außerdem noch mit den Eigenschaften des wahrscheinlich größten Reformators und Märtyrers ausgestattet war, der je auf Erden gelebt hat, so kann man nicht sagen, daß die Religion eine schlechte Wahl getroffen habe» — eine Wahl getroffen! Man wählt ja im 19. Jahrhundert! — «daß die Religion eine schlechte Wahl getroffen habe, indem sie diesen Mann als idealen Vertreter und Führer der Menschheit aufstellte; auch jetzt würde es, selbst für einen Ungläubigen, nicht leicht sein, eine bessere Übertragung der Tugendregeln vom Abstrakten ins Konkrete zu finden, als so zu leben, daß Christus unser Leben guthieße. Berücksichtigt man schließlich noch, daß sogar für den Skeptiker immerhin die Möglichkeit bestehen bleibt, daß Christus wirklich das war, wofür er sich selbst ausgab — nicht Gott, denn der zu sein hatte er nie den leisesten Anspruch erhoben; auch würde er in einem solchen Anspruch wahrscheinlich eine ebenso große Gotteslästerung erblickt haben wie die Männer, die ihn verurteilten —: wohl aber der von Gott ausdrücklich mit der einzigen Mission, die Menschheit zur Wahrheit und zur Tugend zu führen, betraute Mann, so dürfen wir sicherlich schließen, daß die Einflüsse der Religion auf den Charakter, die verbleiben werden, nachdem die Vernunftkritik ihr Äußerstes gegen die Beweise der Religion getan haben wird, der Erhaltung wohl wert sind, und daß, was ihnen im Vergleiche mit denen eines andern, besser begründeten Glaubens an direkter Beweiskraft abgeht, durch die größere Wahrheit und Richtigkeit der Sittlichkeit, die sie sanktionieren, mehr als aufgewogen wird.»

[ 13 ] “Whatever else,” says John Stuart Mill, “the critical analysis of reason may destroy in Christianity, Christ remains to us: a figure standing alone, as unlike his predecessors as he is all his successors, even those who enjoyed the benefit of his personal instruction. This assessment is not diminished by the claim that the Christ of the Gospels is not historical, and that we cannot know how much of what is admirable about him was added by his followers... [For] who among his disciples or those converted by them was capable of devising the sayings attributed to Jesus, or of conceiving a life and shaping a personality such as we encounter in the Gospels? Certainly not the fishermen of Galilee, nor St. Paul, whose character and inclinations were of an entirely different nature; least of all, however, the early Christian writers. What a disciple might have added and inserted can be seen in the mystical passages of the Gospel of John, which were borrowed from Philo and the Alexandrian Platonists and attributed to the Savior—specifically in long discourses about himself, of which the other Gospels contain not the slightest trace... The Orient was full of such men who could have stolen any amount of such material, as the various sects of Eastern Gnostics later did. But the life and discourses of Jesus bear the stamp of profundity and such personal originality that—if we renounce the futile expectation of to find scientific precision where something entirely different was intended—we must place the Prophet of Nazareth, even in the estimation of those who do not believe in his inspiration, among the foremost of the most sublime men of whom our race may boast. Since this extraordinary mind was, moreover, endowed with the qualities of what is probably the greatest reformer and martyr who ever lived on earth, one cannot say that “religion has made a poor choice”—a choice! After all, that’s how people make choices in the 19th century! — “that religion made a poor choice by presenting this man as the ideal representative and leader of humanity; even now, it would not be easy, even for a nonbeliever, to find a better way to translate the rules of virtue from the abstract to the concrete than to live in such a way that Christ would approve of our lives. If we finally take into account that even for the skeptic there remains, after all, the possibility that Christ really was what he claimed to be—not God, for he never made the slightest claim to be God; and he would likely have regarded such a claim as just as great a blasphemy as did the men who condemned him—but rather the man expressly entrusted by God with the sole mission of leading humanity to truth and virtue—then we may certainly conclude that the influences of religion on character that will remain, after the critique of reason has done its utmost against the evidence of religion, are well worth preserving, and that whatever they may lack in direct evidential power compared to that of another, better-founded faith is more than offset by the greater truth and correctness of the morality they sanction.”

[ 14 ] Da haben wir das Bild, welches die Philistrosität des 19. Jahrhunderts, indem sie Geist von ihrem Geiste nahm, dem Wesen aufprägte, das die Menschheit durch Jahrhunderte den Weltenerlöser genannt hat. Sehen wir uns noch eine andere Stimme an eines in gewissem Sinne internationalen Geistes, Heinrich Heines:

[ 14 ] There we have the image that 19th-century philistinism, by stripping the Spirit of its essence, imposed upon the being whom humanity has for centuries called the Savior of the World. Let us now consider another voice of a spirit that was, in a certain sense, international—Heinrich Heine:

[ 15 ] «Christus ist der Gott, den ich am meisten liebe — nicht weil er so ein legitimer Gott ist, dessen Vater schon Gott war und seit undenklicher Zeit die Welt beherrschte: sondern weil er, obgleich ein geborener Dauphin des Himmels, dennoch, demokratisch gesinnt, keinen höfischen Zeremonialprunk liebt, weil er kein Gott einer Aristokratie von geschorenen Schriftgelehrten und galonierten Lanzenknechten, und weil er ein bescheidener Gott des Volkes ist, ein Bürgergott, un bon dieu citoyen. Wahrlich, wenn Christus noch kein Gott wäre, so würde ich ihn dazu wählen, und viel lieber als einem aufgezwungenen absoluten Gotte würde ich ihm gehorchen, ihm, dem Wahlgotte, dem Gotte meiner Wahl. ...»

[ 15 ] “Christ is the God I love most—not because he is some legitimate God whose father was already God and who has ruled the world since time immemorial: but because, although he was born the Dauphin of Heaven, nevertheless, being democratically minded, does not love courtly ceremonial pomp, because he is not the God of an aristocracy of shaven-headed scribes and braided-uniformed lancers, and because he is a humble God of the people, a citizen God, un bon dieu citoyen. Truly, if Christ were not yet a god, I would elect him to be one, and I would much rather obey him—him, the elected god, the god of my choice—than an imposed, absolute god. ...»

[ 16 ] «Nur solange die Religionen mit anderen zu rivalisieren haben und weit mehr verfolgt werden als selbst verfolgen, sind sie herrlich und ehrenwert, nur da gibt’s Begeisterung, Aufopferung, Märtyrer und Palmen. Wie schön, wie heilig lieblich, wie heimlich süß war das Christentum der ersten Jahrhunderte, als es selbst noch seinem göttlichen Stifter glich im Heldentum des Leidens. Da war’s noch die schöne Legende von einem heimlichen Gotte, der in sanfter Jünglingsgestalt unter den Palmen Palästinas wandelte und Menschenliebe predigte und jene Freiheits- und Gleichheitslehre offenbarte, die auch später die Vernunft der größten Denker als wahr erkannt hat, und die, als französisches Evangelium, unsere Zeit begeistert. »

[ 16 ] “Only as long as religions have to compete with others and are persecuted far more than they themselves persecute, are they glorious and honorable; only then are there enthusiasm, self-sacrifice, martyrs, and palm branches. How beautiful, how sacredly lovely, how secretly sweet was Christianity in the first centuries, when it still resembled its divine founder in the heroism of suffering. Back then, there was still the beautiful legend of a secret God who, in the gentle form of a young man, walked among the palm trees of Palestine, preaching love for humanity and revealing that doctrine of freedom and equality which later even the reason of the greatest thinkers recognized as true, and which, as the French Gospel, inspires our time.”

[ 17 ] Nun haben wir dieses Heine-Bekenntnis, worinnen derjenige, den die Menschheit durch Jahrhunderte den Weltenerlöser genannt hat, gelobt wird, weil man ihn nach demokratischer Weise jetzt wählen würde, wenn er nicht schon dastehen würde, und weil er dasselbe Evangelium, das dann am Ende des 18. Jahrhunderts gepredigt worden ist, auch schon gepredigt hat. Er war also brav genug dazu, schon so groß zu sein wie diejenigen, die dieses Evangelium verstehen können!

[ 17 ] Now we have this confession by Heine, in which the one whom humanity has called the Savior of the World for centuries is praised because, in a democratic manner, he would be elected today if he were not already in office, and because he had already preached the very same Gospel that was preached at the end of the 18th century. So he was good enough to already be as great as those who can understand this Gospel!

[ 18 ] Nehmen wir einen andern Geist des 19. Jahrhunderts. Sie wissen, daß ich Eduard von Hartmann sehr schätze. Ich führe nur diejenigen an, die ich schätze, um an ihnen zu zeigen, in welchem Sinne sich die Gedanken über den Christus Jesus im 19. Jahrhundert bewegt haben.

[ 18 ] Let us consider another thinker of the 19th century. You know that I hold Eduard von Hartmann in high regard. I cite only those whom I admire in order to illustrate, through them, the direction in which thought about Jesus Christ developed in the 19th century.

[ 19 ] «Man sieht» — sagt Eduard von Hartmann, der Philosoph —, «daß ohne den Zauber einer imponierenden und gewinnenden Persönlichkeit Jesus durch seine geistigen Fähigkeiten nicht wohl solche Erfolge hätte erzielen können. Diese Persönlichkeit äußerte sich zunächst in einer ungewöhnlichen oratorischen Begabung. Es muß aber auch seine stille Hoheit und hingebende Weichheit etwas ungemein Fesselndes für die sich ihm Anschließenden gehabt haben, nicht bloß für Männer, sondern auch für Weiber, deren viele sich ihm anschlossen, Prostituierte (Luc. 7,37), verheiratete Frauen höherer Stände (Luc. 8,3) und ehrbare Jungfrauen ohne Unterschied. Meist waren es exaltierte Personen, Epileptische, Hysterische und Wahnsinnige, zum Teil vielleicht solche, die sich von ihm geheilt glaubten. Bekanntlich sind solche Frauen immer am leichtesten geneigt, ihre religiöse Schwärmerei auf einen anziehenden männlichen Gegenstand zu konzentrieren und zu individualisieren und diesen mit einem Kultus zu umgeben. Es kann nichts näherliegen, als daß diese Frauen es auch gewesen sind, die in Jesus die Idee seiner Messianität wo nicht geweckt, so doch genährt haben und durch ihre vergötternden Huldigungen haben Wurzel schlagen lassen. Nach unseren heutigen psychologischen und psychiatrischen Ansichten kann auf solchem krankhaften Boden eine gesunde Religiosität nicht erwachsen, und wir würden heute einem religiösen Reformator oder Propheten den Rat geben, solche Bestandteile aus seinem Gefolge nach Möglichkeit auszuscheiden, da sie ihn und seine Sache allzu leicht kompromittieren können.»

[ 19 ] “One can see,” says Eduard von Hartmann, the philosopher, “that without the magic of an imposing and winning personality, Jesus could hardly have achieved such success through his intellectual abilities alone. This personality manifested itself first and foremost in an extraordinary gift for oratory. But his quiet dignity and devoted gentleness must also have held something extraordinarily captivating for those who followed him—not only for men, but also for women, many of whom joined him: prostitutes (Luke 7:37), married women of high social standing (Luke 8:3), and respectable virgins, without distinction. For the most part, they were highly emotional individuals—epileptics, hysterics, and the mentally ill—some of whom perhaps believed themselves to have been healed by him. As is well known, such women are always most inclined to focus and personalize their religious fervor on an attractive male figure and to surround him with a cult of personality. It stands to reason that it was these very women who, if not awakened, then certainly nurtured the idea of Jesus’ messianism and, through their idolatrous adoration, allowed it to take root. According to our current psychological and psychiatric views, healthy religiosity cannot flourish on such pathological ground, and today we would advise a religious reformer or prophet to remove such elements from his entourage as far as possible, since they can all too easily compromise him and his cause.”

[ 20 ] Noch eine andere Stimme möchte ich anführen, die Stimme einer der Hauptpersönlichkeiten in einem Romane, der im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts großen Einfluß gewonnen hat auf die Urteile der sogenannten gebildeten Menschen eines weiten Gebietes. In Paul Heyses «Die Kinder der Welt», findet sich das Tagebuch der Lea. In diesem Tagebuch der Lea ist ein Urteil über den Christus Jesus enthalten, und derjenige, der die Welt kennt, der weiß, daß das Urteil, das die Lea in den «Kindern der Welt» über den Christus Jesus fällt, dasjenige ist, das unzählige Menschen im Lauf des 19. Jahrhunderts gefällt haben. Paul Heyses läßt Lea schreiben:

[ 20 ] I would like to cite yet another voice—that of one of the main characters in a novel that, in the last third of the 19th century, exerted a great influence on the judgments of so-called educated people across a wide region. In Paul Heyse’s *Die Kinder der Welt* (*The Children of the World*), we find Lea’s diary. This diary of Lea contains a judgment about Jesus Christ, and anyone who knows the world knows that the judgment Lea passes on Jesus Christ in *The Children of the World* is the very one that countless people have passed over the course of the 19th century. Paul Heyse has Lea write:

[ 21 ] «Ich habe vorgestern zu schreiben aufgehört, weil es mich plötzlich trieb, einmal wieder im Neuen Testament zu lesen. Ich hatte es nicht wieder aufgeschlagen, seit so mancher unbegreifliche, drohende und verdammende Spruch darin mein Herz befremdet und ganz auf sich selbst zurückgewiesen hat. Jetzt, da ich die kindische Furcht verloren, als erschalle darin die Stimme eines unfehlbaren Geistes, eines Allwissenden, seit ich die Geschichte eines der edelsten und wunderbarsten Menschen darin erblicke, jetzt habe ich viel darin gefunden, was mich sehr erquickt hat. Nur die gedämpfte Stimmung des Ganzen hat mich zuletzt wieder beklommen gemacht. Was haben wir Menschen Befreienderes, Holderes, Tröstlicheres als die Freude, die Freude an der Schönheit, an der Güte, an der Heiterkeit der Welt! Und während wir diese Schrift lesen» — sie meint also das Neue Testament — «wandeln wir immer im Halbdunkel der Erwartung und Hoffnung, das Ewige ist nie erfüllt, sondern soll erst anbrechen, wenn wir uns durch die Zeit hindurchgerungen haben, nie erglänzt ein voller Schein der Fröhlichkeit, kein Scherz, kein Lachen — die Freude dieser Welt ist eitel — wir werden in eine Zukunft verwiesen, die alle Gegenwart wertlos macht, und die höchste Erdenwonne, uns in einen reinen, tiefen und liebevollen Gedanken zu versenken, soll uns auch verdächtig werden, da nur derer das Himmelreich sein soll, die arm an Geist sind. — Ich bin es, aber es macht mich unselig, daß ich es fühle und zugleich fühle, wenn ich diese Beschränkung durchbrechen könnte, würde ich nicht mehr die sein, die ich bin, also meiner Erlösung und Beseligung doch nicht gewahr werden. Denn was über mich hinausgeht, ist doch nicht mehr mein.

[ 21 ] “I stopped writing the day before yesterday because I was suddenly moved to read the New Testament again. I hadn’t opened it again since so many incomprehensible, threatening, and damning sayings in it had alienated my heart and caused it to withdraw entirely into itself. Now that I have lost that childish fear—as if the voice of an infallible Spirit, an Omniscient One, were resounding within it—and since I see in it the story of one of the noblest and most wondrous human beings, I have now found much in it that has greatly refreshed me. Only the subdued mood of the whole work has made me feel uneasy again of late. What do we humans have that is more liberating, more delightful, more comforting than joy—the joy of beauty, of goodness, of the cheerfulness of the world! And while we read this scripture”—she means, of course, the New Testament—“we always walk in the twilight of expectation and hope; the eternal is never fulfilled, but is to dawn only when we have struggled our way through time; never does the full radiance of joy shine forth, no jest, no laughter—the joy of this world is vain—we are referred to a future that renders the present worthless, and even the highest earthly delight, immersing ourselves in a pure, deep, and loving thought, is to become suspect to us, since the kingdom of heaven is to belong only to those who are poor in spirit. — It is I, but it makes me miserable that I feel this, and at the same time I feel that if I could break through this limitation, I would no longer be who I am, and thus would not attain my salvation and bliss after all. For what transcends me is, after all, no longer mine.

[ 22 ] Und dann, daß dieser sanfte, gottbewußte Mensch, um der ganzen Menschheit anzugehören, mit so seltsamer Härte sich von den Seinigen abwandte, daß er familienlos wurde — es hat wohl sein müssen —, aber es erkältet meine Empfindung. Alles Große, was ich sonst liebgewonnen habe, war traulich, heiter, mitten in der Majestät durch die Fäden menschlicher Bedürftigkeit mit meinem Wesen verbunden.»

[ 22 ] And then, that this gentle, God-conscious man, in order to belong to all of humanity, turned away from his own with such strange harshness that he became familyless—it must have been necessary—but it chills my heart. Everything great that I have otherwise come to love was intimate, cheerful, and, even in the midst of its majesty, connected to my very being through the threads of human need.”

[ 23 ] Nun, da haben Sie es, wie das Neue Testament sein müßte, wenn es solch einer Repräsentantin des 19. Jahrhunderts hätte genügen sollen! Denn sie sagt, daß alles Große, was sie sonst liebgewonnen, traulich, heiter, mitten in der Majestät durch die Fäden menschlicher Bedürftigkeit mit dem eigenen Wesen verbunden sei. — Weil das Neue Testament nun doch eine Kraft enthält, die man nicht gerade bezeichnen kann so, daß man sie sanft liebzugewinnen hat, daß sie traulich ist, heiter, mitten in der Majestät durch die Fäden menschlicher Bedürftigkeit mit dem eigenen Wesen verbunden ist, so taugt das Evangelium für einen Menschen des 19. Jahrhunderts nicht mehr so recht.

[ 23 ] Well, there you have it—what the New Testament would have to be like if it were to satisfy such a representative of the 19th century! For she says that everything great that she has otherwise come to love is intimately and cheerfully connected to her own being, even in the midst of majesty, through the threads of human need. — Since the New Testament does, after all, contain a power that cannot exactly be described as something one must gently grow to love, as something that is intimate, cheerful, and connected to one’s own being through the threads of human need even in the midst of majesty, the Gospel is no longer quite suitable for a person of the 19th century.

[ 24 ] «Wenn ich Goethe’s Briefe lese — Schillers enge Häuslichkeit — von Luther und den Seinigen — von Ältern noch, bis zu Sokrates’ böser Frau — immer spüre ich einen Hauch von dem Mutterboden, aus dem die Pflanze ihres Geistes gewachsen ist,» — also selbst von der seligen Xanthippe fühlt sich die gute Lea noch mehr angezogen, als von den Gestalten des Neuen Testaments! — «der auch meinen so viel geringeren nährt und trägt.»

[ 24 ] “When I read Goethe’s letters—Schiller’s intimate domestic life—about Luther and his family—about parents, even as far back as Socrates’ wicked wife—I always sense a hint of the fertile soil from which the plant of their spirit grew,” — so even the blessed Xanthippe draws good Lea in more than the figures of the New Testament! — “which also nourishes and sustains mine, so much smaller.”

[ 25 ] So ist dasjenige, was die Meinung von Tausenden und aber Tausenden von Menschen des 19. Jahrhunderts ist.

[ 25 ] This is the opinion of thousands upon thousands of people in the 19th century.

[ 26 ] «Aber die Weltlosigkeit ängstigt und entfremdet mich, und zur Entschuldigung dafür habe ich freilich nicht den guten Glauben, daß das alles, als bei einem Gott, ganz in der Ordnung sei. »

[ 26 ] “But this worldlessness frightens and alienates me, and, to be honest, I do not have the good faith to believe that all of this is, as with God, entirely in order.”

[ 27 ] Es geziemt sich wohl, in dieser ernsten Stunde zu fragen: Was ist also eigentlich der Gehalt in der Seele, den heute die Menschheit den Weihnachtslichtern entgegenbringt? Denn dieser Gehalt in den Seelen setzt sich zusammen aus solchen Stimmen, wie wir sie jetzt vernommen haben und wie wir sie vermehren könnten ins Hundertfache, ins Tausendfache. Und es geziemt sich nicht, in ernster Stunde leichten Sinnes hinwegzusehen über dasjenige, was in bezug auf das größte Mysterium des Erdenwesens gesagt worden ist. Es geziemt sich vielmehr, heute zu fragen: Was vermochten die offiziellen Vertreter des Christentums aller Konfessionen zu tun, um hintanzuhalten eine Entwickelung, die also hinweggeführt hat von einem wirklich innerlich wahrhaftigen und ehrlichen Sich-Bekennen zu demjenigen, was hinter den Weihnachtslichtern steht? Denn, kann eine Menschheit ein solches Fest als etwas anderes denn als eine umfassende Lüge feiern, wenn sie die eben vorgebrachten Gedanken in ihren besten Repräsentanten an diejenige Wesenheit anknüpft, welche durch das Weihnachtsmysterium geschaut werden soll als der Impuls, der sich aus dem Kosmos heraus mit dem Erdengeschicke verbunden hat?

[ 27 ] It is indeed fitting, at this solemn hour, to ask: What, then, is the true essence in the soul that humanity brings to the Christmas lights today? For this essence in the souls is composed of voices such as we have just heard—and which we could multiply a hundredfold, a thousandfold. And it is not fitting, at this solemn hour, to lightly overlook what has been said regarding the greatest mystery of earthly existence. Rather, it is fitting to ask today: What could the official representatives of Christianity of all denominations have done to prevent a development that has thus led away from a truly inner, sincere, and honest profession of faith in that which lies behind the Christmas lights? For can humanity celebrate such a festival as anything other than a comprehensive lie if, through its finest representatives, it links the thoughts just expressed to that entity which, through the Christmas mystery, is to be perceived as the impulse that has connected itself from the cosmos to the destiny of the Earth?

[ 28 ] Was wollten die Magier aus dem Morgenlande, als sie göttliche Weisheit, Tugend und Unsterblichkeit hintrugen zu der Krippe, nach dem Ereignisse, das sie in dem Zeichen des Erscheinens der Sonne aus dem Sternbilde der Jungfrau geschaut hatten in der Nacht vom 24. auf den 25.Dezember, im ersten Jahre unserer Zeitrechnung? Was wollten die Magier aus dem Morgenlande? Sie wollten damit den großen geschichtlichen Beweis liefern, daß sie verstanden haben, daß dasjenige, was an Kräften aus dem Kosmos auf die Erde herunterströmte bisher, nicht in derselben Weise — durch bloßes Hinaufblicken zum Kosmos, zu den Konstellationen der Sterne — in der Zukunft für die Menschen erreichbar ist. Sie wollten zeigen, daß notwendig ist, daß die Menschen nunmehr beginnen, den Blick hinzuwenden selbst auf dasjenige, was innerhalb des geschichtlichen Werdens, des sozialen, des sittlichen Werdens in der Erdenmenschheit selbst geschieht, daß der Christus beruntergestiegen ist aus den Regionen, aus denen die Sonne aus der Jungfrau erscheint, aus denen alle Sternkonstellationen mit ihren Kräften kommen, die den Mikrokosmos als ein Nachbild des Makrokosmos erscheinen lassen. Daß dieser Geist, daß dieses Wesen eingezogen ist in die unmittelbare Erdenentwickelung, daß die Erdenentwickelung selber fortan mit solcher innerer Weisheit nur durchschaut werden kann, wie früher die Sternkonstellationen durchschaut worden sind, das wollten die Magier aus dem Morgenlande sagen. Und dessen muß man heute noch immer eingedenk sein.

[ 28 ] What did the Magi from the East seek when they brought divine wisdom, virtue, and immortality to the manger, following the event they had observed in the sign of the sun’s appearance from the constellation of Virgo on the night of December 24–25, in the first year of our era? What did the Magi from the East intend to do? They intended to provide the great historical proof that they had understood that the forces which had hitherto flowed down from the cosmos to Earth would not be accessible to humankind in the future in the same way—by merely looking up at the cosmos, at the constellations of the stars. They wanted to show that it is necessary for people to now begin to turn their gaze toward that which is taking place within the historical development, of social and moral development taking place within humanity itself—that Christ has descended from the regions from which the Sun rises in Virgo, from which all the constellations come with their forces that cause the microcosm to appear as a reflection of the macrocosm. That this Spirit, that this Being has entered into the immediate development of the Earth, that the development of the Earth itself can henceforth be understood with such inner wisdom as the constellations were once understood—this is what the Magi from the East sought to convey. And we must still bear this in mind today.

[ 29 ] Der Mensch sieht heute auf die Geschichte so hin, als ob immer nur das Frühere die Ursache des Späteren wäre, als ob, wenn wir die Ereignisse des Jahres 1914, 1915, 1916, 1917 betrachten wollen, wir einfach zurückgehen müßten auf 1913, 1912, 1911 und so weiter, um das geschichtliche Werden so zu betrachten, wie man auch das natürliche Werden betrachtet, wo man von der Wirkung aus auf das Anstoßende geht, um in diesem Anstoßenden die Ursache zu finden. Aus dieser Gesinnung heraus hat sich jene Fable convenue gebildet, die heute unserer Jugend zu deren Unheil als «Geschichte» eingeimpft wird.

[ 29 ] People today view history as if the earlier events were always the cause of the later ones, as if, when we want to examine the events of 1914, 1915, 1916, and 1917, we simply had to go back to 1913, 1912, 1911, and so on, in order to view historical development in the same way one views natural development—where one proceeds from the effect to its origin in order to find the cause in that origin. It is from this mindset that the “fable convenue” has emerged, which is today instilled in our youth—to their detriment—as “history.”

[ 30 ] Wahres Christentum und insbesondere ehrliches und aufrichtiges Durchschauen des Weihnachts- und Ostermysteriums ist der schärfste Protest gegen diese ins Naturwissenschaftliche verkarikierte Weltgeschichte. Das Christentum hat die Weltgeheimnisse in Zusammenhang gebracht mit dem Jahreslauf. Es läßt in der Zeit, die immer erinnern soll an die Urkonstellation vom Jahre 1, vom 24. auf den 25.Dezember, vom Erscheinen der Sonne aus dem Sternbilde der Jungfrau, es läßt diese Zeit jedes Jahr als das Weihnachtsfest feiern. Die christliche Anschauung hat das Weihnachtsfest unter diesem Gesichtspunkt festgesetzt. Sie läßt dann Ostern feiern, indem sie eine gewisse Himmelskonstellation nimmt; wir wissen, der Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang ist der festgesetzte Tag der heute schon von der materialistischen Gesinnung bestritten wird —, der festgesetzte Tag für die Feier des Osterfestes.

[ 30 ] True Christianity—and in particular, an honest and sincere understanding of the mysteries of Christmas and Easter—is the strongest protest against this caricature of world history reduced to a purely scientific framework. Christianity has linked the mysteries of the world to the cycle of the year. It designates the time—which is meant to forever recall the primordial constellation of Year 1, from December 24 to 25, when the sun emerges from the constellation of Virgo—as the time to celebrate Christmas each year. The Christian view has established Christmas from this perspective. It then celebrates Easter by taking a certain celestial constellation as its basis; we know that the Sunday after the first full moon following the beginning of spring is the designated day—a day already contested by materialistic thinking—for the celebration of Easter.

[ 31 ] In der Zeit von Weihnachten bis zu Ostern schaut im Jahreslauf als einen Teil desselben derjenige, der in ehrlicher und aufrichtiger Weise seinen Sinn verbinden will mit dem Mysterium von Golgatha, ein Bild des dreiunddreißigjährigen Christus-Lebens. Vor dem Mysterium von Golgatha, zu dem ich auch das Weihnachtsmysterium rechne, wiesen die Magier auf den Himmel, wenn sie irgendwelche Geheimnisse, auch über die Menschheitsentwickelung, behandeln wollten. Auf die Konstellationen wiesen sie hin. Wie ein Stern sich zum andern stellt, in dem erschauten sie, was hier unten auf der Erde vor sich geht. In dem Augenblicke aber, als sie geschaut haben, was auf der Erde vor sich ging, aus dem Zeichen des Standes der Sonne in der Jungfrau vom 24. auf den 25. Dezember, da sagten sie: Es muß nun auch die Sternenkonstellation in den menschlichen Handlungen auf der Erde selbst in unmittelbarer Weise geschaut werden.

[ 31 ] During the period from Christmas to Easter—which, as part of the annual cycle, is viewed as a single whole by those who wish to connect their minds in an honest and sincere way with the Mystery of Golgotha—one beholds a picture of the thirty-three years of Christ’s life. Before the Mystery of Golgotha—which I also count as part of the Christmas Mystery—the Magi pointed to the heavens whenever they wished to discuss any mysteries, including those concerning human evolution. They referred to the constellations. In the way one star relates to another, they perceived what was taking place here on Earth. But at the very moment when they observed what was taking place on Earth—as indicated by the position of the Sun in Virgo from December 24 to 25—they said: “Now the constellation of stars must also be directly observed in human actions on Earth itself.”

[ 32 ] Ist Sternenkonstellation in den menschlichen Handlungen? Meine lieben Freunde, lesen können, das ist die Anforderung; lesen können dasjenige, was gemeint ist mit der wunderbaren Anleitung zum Lesen, die in den Jahresmysterien des Christentums gegeben ist, welche Jahresmysterien nur wiederum aufgebaut sind auf den sämtlichen andern Jahresmysterien aller Völker des Erdenlebens. Dreiunddreißig Jahre sind gemeint für die Zeit von Weihnachten zu Ostern. Das muß verstanden werden, das muß ins Auge gefaßt werden. Dreiunddreißig Jahre, so ist die Meinung, sollen vergehen zwischen Weihnachten und Ostern.

[ 32 ] Is there a constellation of stars in human actions? My dear friends, the requirement is to be able to read—to read what is meant by the wonderful guidance on reading found in the annual mysteries of Christianity, which in turn are built upon all the other annual mysteries of all peoples of earthly life. Thirty-three years are meant to represent the period from Christmas to Easter. This must be understood; this must be taken to heart. Thirty-three years, so the view goes, are to elapse between Christmas and Easter.

[ 33 ] Was folgt daraus? Daraus folgt, daß das Weihnachtsfest, das wir dies Jahr feiern, erst gehört zu dem Osterfeste, das in dreiunddreißig Jahren kommen wird, und daß das Osterfest, das wir in diesem Jahre [1917] feierten, zu dem Weihnachtsfeste gehört vom Jahre 1884. 1884 feierte die Menschheit ein Weihnachtsfest, welches zu dem diesjährigen Osterfest gehört. Und das Weihnachtsfest, das wir in diesem Jahre feiern, das gehört nicht zu dem Osterfeste des nächsten Jahres, das gehört zu dem OÖsterfeste, das dreiunddreißig Jahre darauf folgen wird. Eine vollständige Menschheitsgeneration ist die Zeit von dreiunddreißig Jahren, so rechnet man. Eine Menschheitsgenerationszeit muß vergehen zwischen dem zusammengehörigen Weihnachts- und Osterfeste. Dies ist die Anleitung, um die neue Astrologie zu lesen, jene Astrologie, welche auf die Sterne, die in der geschichtlichen Menschheitsentwickelung selber glänzen, das Augenmerk hinlenkt.

[ 33 ] What follows from this? It follows that the Christmas we are celebrating this year belongs to the Easter that will come in thirty-three years, and that the Easter we celebrated this year [1917] belongs to the Christmas of the year 1884. In 1884, humanity celebrated a Christmas that belongs to this year’s Easter. And the Christmas we are celebrating this year does not belong to next year’s Easter; it belongs to the Easter that will follow thirty-three years from now. A complete human generation is a period of thirty-three years—that is how it is calculated. A human generation must elapse between the corresponding Christmas and Easter celebrations. This is the guide to interpreting the new astrology—the astrology that directs our attention to the stars that shine within the historical development of humanity itself.

[ 34 ] Wie kann das erfüllt werden? So kann das erfüllt werden, daß der Mensch das Weihnachtsfest dazu anwendet, um sich bewußt zu werden: Dasjenige, was ungefähr — man kann natürlich von diesen Dingen nur sagen ungefähr — in dieser Zeit geschieht, weist im historischen Zusammenhang so zurück, daß es seinen Geburtsausgang genommen hat vor dreiunddreißig Jahren, daß es selber wiederum der Geburtsausgang ist für dasjenige, was sich im Lauf der nächsten dreiunddreißig Jahre abwickelt.

[ 34 ] How can this be fulfilled? It can be fulfilled by people using the Christmas season to become aware of the following: What happens—roughly speaking, for of course one can only speak in general terms about these matters—during this time points back, in a historical context, to the fact that it began thirty-three years ago, and that it itself is, in turn, the starting point for what will unfold over the course of the next thirty-three years.

[ 35 ] Im einzelnen persönlichen Leben, im individuellen Dasein, waltet unser Karma. Da ist jeder für sich selbst verantwortlich; da muß aber auch jeder dasjenige, was in seinem Karma liegt, hinnehmen. Da muß er erwarten, daß ein unbedingter Zusammenhang besteht im karmischen Sinne zwischen dem Vorangehenden und Nachfolgenden.

[ 35 ] Our karma governs our individual personal lives and our individual existence. Each person is responsible for themselves; but each must also accept whatever is part of their karma. They must expect that there is an unconditional connection, in the karmic sense, between what has gone before and what follows.

[ 36 ] Wie ist es mit dem geschichtlichen Zusammenhange? Mit dem geschichtlichen Zusammenhange ist es so, daß für unseren gegenwärtigen Menschheitszyklus wir nicht verstehen können, wir nicht begreifen und richtig empfinden können ein Ereignis, das sich heute, 1917, vollzieht, wo sein Osterjahr ist, wenn wir nicht zurückschauen bis in die Zeit, da sein Weihnachtsjahr war, wenn wir nicht zurückschauen in das Jahr 1884. Für das Jahr 1914 ist also zurückzuschauen in das Jahr 1881. Was die Generation, die vorher an der Geschichte mitgetan hat, für Impulse hineingeworfen hat in den Strom des geschichtlichen Werdens, das hat eine Lebenszeit von dreiunddreißig Jahren; dann ist sein Osteranfang, dann ist seine Auferstehung. Wann wurde der Keim gelegt zu jenen Ostern, die die Menschheit nun durch Jahre, seit dem Jahre 1914 hat? Vor dreiunddreißig Jahren.

[ 36 ] What about the historical context? The historical context is such that, for our present human cycle, we cannot understand, grasp, or truly feel an event taking place today, in 1917—which is its “Easter year”—unless we look back to the time of its “Christmas year,” unless we look back to the year 1884. For the year 1914, then, we must look back to the year 1881. The impulses that the previous generation, which had previously participated in history, threw into the stream of historical development have a lifespan of thirty-three years; then comes its Easter beginning, then its resurrection. When was the seed sown for those Easters that humanity has now been experiencing year after year since 1914? Thirty-three years ago.

[ 37 ] Zusammenhänge in Intervallen von dreiunddreißig zu dreiunddreißig Jahren, das ist dasjenige, was Verständnis bringt in dem fortlaufenden Strom des geschichtlichen Werdens. Und eine Zeit muß kommen, wo der Mensch in der Weihezeit, die ihren Anfang nimmt mit der Weihenacht vom 24. auf den 25.Dezember, sich darauf besinnt: Was du — so möge er sich sagen —, was du jetzt tust, das wird fortwirken und erst auferstehen und erst äußere Tat werden, nicht im persönlichen, im geschichtlichen Sinne, nach dreiunddreißig Jahren. Ich verstehe dasjenige, was jetzt geschieht, wenn ich zurückblicke — selbst im äußeren Geschehen verstehe ich dasjenige, was jetzt geschieht — auf die Zeit, die sich jetzt nach der Regel der dreiunddreißig Jahre erfüllen muß.

[ 37 ] Patterns that recur at intervals of thirty-three to thirty-three years—that is what brings understanding to the continuous flow of historical development. And a time must come when, during the season of Christmas—which begins with Christmas Eve, from December 24 to 25—a person reflects on this: “What you,” he may say to himself, “what you are doing now will continue to have an effect and will only come to life and become an outward deed—not in a personal sense, but in a historical sense—after thirty-three years.” I understand what is happening now when I look back—even in external events, I understand what is happening now—to the time that must now be fulfilled according to the rule of thirty-three years.

[ 38 ] Als im Beginne der achtziger Jahre der Aufstand des mohammedanischen Propheten, des Mahdi, auftrat, als er damit endete, daß die englische Herrschaft sich über Ägypten ausdehnte, als in derselben Zeit von französischer Seite Hinterindien sogar durch einen Krieg mit China für die europäische Herrschaft erobert werden mußte, als die Kongo-Konferenz gehalten worden ist, als die andern Ereignisse von dieser Art stattfanden — studieren Sie alles, was jetzt, 1917, eine dreiunddreißigjährige Erfüllung hat! —, da wurde die Ursache gelegt zu demjenigen, was jetzt geschieht. Damals hätten die Menschen sich fragen sollen: Welche Aussichten für das Ostern nach dreiunddreißig Jahren verspricht das Weihnachten von diesem Jahre? — Denn alle Dinge im geschichtlichen Werden erstehen nach dreiunddreißig Jahren in verwandelter Gestalt aus dem Grabe, durch eine Gewalt, die zusammenhängt mit dem Heiligsten und Erlösendsten, das die Menschheit durch das Mysterium von Golgatha bekommen hat.

[ 38 ] When, in the early 1880s, the uprising led by the Muslim prophet, the Mahdi, , when it culminated in the extension of British rule over Egypt, when, at the same time, the French had to conquer the East Indies—even through a war with China—to secure European dominance, when the Congo Conference was held, when other events of this kind took place—study everything that now, 1917, finds its fulfillment after thirty-three years! — for it was then that the seeds were sown for what is happening now. At that time, people should have asked themselves: What prospects for Easter thirty-three years later does this year’s Christmas promise? — For all things in the course of history rise from the grave in a transformed form after thirty-three years, through a power connected with the most sacred and redemptive gift that humanity has received through the Mystery of Golgotha.

[ 39 ] Aber das Mysterium von Golgatha will nicht nur sentimental beschwätzt werden. Das Mysterium von Golgatha will verstanden werden mit den höchsten Weisheitskräften, die dem Menschen zugänglich sind. Das Mysterium von Golgatha will empfunden werden mit dem Tiefsten, was der Mensch in seiner Seele erregen kann, wenn er das, was die Weisheit in ihm entzünden kann, in den Untergründen der Seele selber sucht, wenn er von Liebe nicht bloß redet, sondern diese Liebe entflammt dadurch, daß er seine Seele verbindet mit dem, was als Weltenseele wallt und strömt durch der Zeiten Wende, wenn er sich aneignet Sinn und Verständnis für die Geheimnisse des Werdens. Denn so, wie einstmals zu den alten Magiern sprach der Sternenhimmel, wie sie ihn fragten, wenn sie irgend etwas vollbringen wollten im sozialen Menschenwerden, so hat derjenige, der in der heutigen Zeit irgend etwas im sozialen Menschenwerden vollbringen will, hinzuschauen auf die Sterne, die auf- und untergehen im geschichtlichen Werden. Und wie berechnet worden ist die Umlaufszeit der Sterne um die Sonne, so ist berechnet in der wahren geschichtlichen Menschenweisheit die Umlaufszeit der geschichtlichen Ereignisse. Und diese Umlaufszeit ist von einem Weihnachten zu einem Ostern, das dreiunddreißig Jahre nachher liegt. So regeln die Geister der Umlaufszeiten dasjenige, in dem die Menschenseele lebt und webt, indem sie nicht bloß eine persönliche Wesenheit ist, indem sie eine in das geschichtliche Werden hineinverwobene Wesenheit ist.

[ 39 ] But the Mystery of Golgotha is not meant to be merely sentimentalized. The Mystery of Golgotha is meant to be understood with the highest powers of wisdom accessible to human beings. The Mystery of Golgotha is meant to be felt with the deepest emotions that a human being can stir within his or her soul, when he seeks within the depths of his own soul that which wisdom can kindle within him, when he does not merely speak of love but kindles this love by uniting his soul with that which, as the World Soul, surges and flows through the turning of the ages, when he acquires meaning and understanding for the mysteries of becoming. For just as the starry sky once spoke to the ancient magicians when they consulted it, whenever they wished to accomplish something in the social evolution of humanity, so too must anyone who wishes to accomplish anything in the social evolution of humanity in the present age look to the stars that rise and set in the course of historical development. And just as the orbital period of the stars around the sun has been calculated, so too has the orbital period of historical events been calculated in true historical human wisdom. And this orbital period extends from one Christmas to one Easter that lies thirty-three years later. Thus the spirits of the cycles govern that in which the human soul lives and weaves, inasmuch as it is not merely a personal being, but a being woven into the fabric of historical development.

[ 40 ] Wenn wir in dieser Zeit uns versenken in das Weihnachtsmysterium, tun wir es dann am besten, wenn wir uns bekanntmachen mit den Geheimnissen, die enthüllt werden sollen gerade in unserer Zeit, um die bereichert werden soll der Strom der christlichen Überlieferung, wie sie sich anschließt an das Mysterium von Golgatha und an dasjenige, was durch das Weihnachtsmysterium ausgedrückt wird. Der Christus sprach zu der Menschheit: «Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Erdenzeiten.» Diejenigen, die sich heute seine Jünger nennen, die sprechen aber oftmals davon, daß die Offenbarungen aus der geistigen Welt wohl da waren zur Zeit des Christus Jesus selber, daß sie aber aufgehört haben, und daß heute derjenige etwas Ruchloses vollbringt, der behauptet, daß jetzt noch immer in wunderbarer Weise aus der geistigen Welt heraus die spirituellen Offenbarungen geschehen können. So ist in vieler Beziehung dasjenige, was sich heute offizielles Christentum nennt, eine Bestrebung geworden zur Verhinderung der christlichen Entwickelung.

[ 40 ] When we immerse ourselves in the mystery of Christmas during this season, we do so best by familiarizing ourselves with the mysteries that are to be revealed precisely in our time—mysteries that are meant to enrich the stream of Christian tradition as it connects to the mystery of Golgotha and to that which is expressed through the mystery of Christmas. Christ spoke to humanity: “I am with you always, even to the end of the age.” Those who call themselves his disciples today, however, often speak of how the revelations from the spiritual world were indeed present in the time of Christ Jesus himself, but that they have ceased, and that anyone who claims that spiritual revelations can still occur in a wondrous way from the spiritual world today is committing a wicked act. Thus, in many respects, what is today called official Christianity has become an effort to hinder Christian development.

[ 41 ] Dasjenige aber, was geblieben ist, die heiligen Symbole — und eines der heiligsten ist dasjenige, das aus dem Weihnachtsmysterium spricht —, sie sind selber ein lebendiger Protest gegen die Unterdrückung des wahren Christentums, wie sie oftmals durch das offizielle Christentum verkündet wird.

[ 41 ] But what remains—the sacred symbols—and one of the holiest is the one that speaks of the mystery of Christmas—are themselves a living protest against the suppression of true Christianity, as it is often proclaimed by official Christianity.

[ 42 ] Zeugnis geben will anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft — unter manchem andern, was sie will — von der Bedeutung des Mystetiums von Golgatha, von der Bedeutung des Weihnachtsmysteriums. Und es gehört zu ihrer Aufgabe, Zeugnis von dem zu geben, was der Erde Sinn, und Bedeutung gibt dem Menschenleben. Und wenn der Weihnachtsbaum in der neueren Zeit — er ist ja kaum mehr als einige Jahrhunderte alt — zum Symbolum der Weihnachtsfeier geworden ist, so möge derjenige, der heute unter dem Weihnachtsbaum steht, sich fragen: Ist es noch eine Wahrheit für dich, was über dem Weihnachtsbaum geschrieben steht? Geschrieben steht durch das Zeugnis der Geschichte: «Et incarnatus est de spiritu sancto ex Maria virgine.» Ist es noch eine Wahrheit für dich? — Daß es Wahrheit ist, das zu erkennen, dazu braucht man spirituelle Erkenntnis. Und keine Naturforschung kann Antwort geben auf die Fragen nach der jungfräulichen Geburt und nach der Auferstehung, sondern jede Naturforschung muß ablehnen die jungfräuliche Geburt und die Auferstehung. Verstanden werden können sie nur aus einem Gebiete heraus, in dem da nicht waltet Geburt in der Art, wie sie in der Sinneswelt waltet, und nicht der Tod waltet, wie er in der Sinneswelt waltet. Wie der Christus Jesus so durch den Tod gegangen ist, daß dieser Tod eine Maja ist und die Auferstehung die Wahrheit — was das Ostermysterium enthält —, so ist auch der Christus Jesus durch die Geburt gegangen, so daß diese Geburt eine Maja ist, und die Wahrheit eine Verwandlung des Wesens innerhalb der geistigen Welt ist. Denn in der geistigen Welt gibt es nicht Geburt und Tod, sondern nur Verwandlung, wie wir wissen, nur Metamorphose.

[ 42 ] Anthroposophically oriented spiritual science seeks—among many other things—to bear witness to the significance of the Mystery of Golgotha and the significance of the Christmas Mystery. And it is part of its task to bear witness to that which gives meaning to the Earth and significance to human life. And if the Christmas tree has become a symbol of the Christmas celebration in more recent times—it is, after all, barely more than a few centuries old—then let those who stand beneath the Christmas tree today ask themselves: Is what is written above the Christmas tree still a truth for you? It is written, through the testimony of history: “Et incarnatus est de spiritu sancto ex Maria virgine.” Is this still a truth for you? — To recognize that it is the truth requires spiritual insight. And no natural science can provide an answer to the questions concerning the virgin birth and the Resurrection; rather, every natural science must reject the virgin birth and the Resurrection. They can only be understood from a realm in which birth does not reign as it does in the sensory world, nor does death reign as it does in the sensory world. Just as Christ Jesus passed through death in such a way that this death is an illusion and the Resurrection is the truth—which is what the Easter Mystery contains—so too did Christ Jesus pass through birth in such a way that this birth is an illusion, and the truth is a transformation of being within the spiritual world. For in the spiritual world there is no birth and death, but only transformation, as we know, only metamorphosis.

[ 43 ] Nur wenn die Menschheit geneigt sein wird, aufzublicken zu derjenigen Welt, wo Geburt und Tod im sinnenfälligen Sinne ihren Sinn verlieren, werden Weihnachtsfest und Osterfest ihren würdigen Inhalt bekommen. Dann, aber auch nur dann wird sich auch unser Herz, wird sich unsere Seele erfüllen mit jener Wärme des Tones, mit der ausgerüstet wir wiederum hintreten können vor diejenigen, vor die wir hintreten sollen, um ihnen schon in der allerfrühesten Kindheit zu sprechen von dem Kinde, das in der Krippe gelegen hat, und von den Magiern des Morgenlandes, und wie von ihnen jenem Kinde Weisheit, Tugend und Unsterblichkeit dargebracht worden sind. Den Kindern gegenüber müssen wir davon reden können. Denn, was wir zu dem Kinde von dem Weihnachtsmysterium heute sagen, das wird in dem Kinde das Osterfest feiern, auferstehen, nachdem das Kind dreiunddreißig weitere Jahre durchgemacht hat.

[ 43 ] Only when humanity is willing to look up toward that world where birth and death lose their meaning in the sensory sense will Christmas and Easter take on their true significance. Then, and only then, will our hearts and souls be filled with that warmth of tone, equipped with which we can once again stand before those to whom we are called to speak—even in their earliest childhood—of the Child who lay in the manger, and of the Magi from the East, and how they offered that Child wisdom, virtue, and immortality. We must be able to speak of this to the children. For what we say to the child today about the mystery of Christmas will, within that child, celebrate Easter and rise again after the child has lived through thirty-three more years.

[ 44 ] Im geschichtlichen Werden ist die Menschheit so mit Verantwortlichkeit durchtränkt, daß die vorhergehende Generation in den Weihnachtsimpuls nur legen kann, was die nachfolgende Generation als Osterimpuls zu empfangen hat. Werde man sich bewußt, daß eine Generation zu der nachfolgenden so hinzuschauen hat, daß sie zu gedenken hat: Im Weihnachtssterne lehre ich dich pflanzen in deiner Seele als Geburt dasjenige, was auferstehen wird im Ostersterne nach dreiunddreißig Jahren. Weiß ich diesen Zusammenhang zwischen dieser und der folgenden Generation, dann habe ich gewonnen — so kann sich jeder sagen — einen Impuls in aller Arbeit, der hinausreicht über den Tag. Denn die Zeit zwischen Weihnachten und Ostern dauert nicht nur die Wochen, die verlaufen zwischen Weihnachten und Ostern; sie dauert in Wahrheit dreiunddreißig Jahre, so lange als umläuft ein Impuls, den ich in die Seele eines Kindes versenkt habe als einen Weihnachtsimpuls, der nach dreiunddreißig Jahren auferstehen wird als ein Osterimpuls.

[ 44 ] In the course of history, humanity is so imbued with responsibility that the preceding generation can only place within the Christmas impulse that which the following generation is to receive as the Easter impulse. One must become aware that one generation must look upon the next in such a way that it must remember: In the Christmas star, I teach you to plant within your soul, as a birth, that which will rise again in the Easter star after thirty-three years. If I understand this connection between this generation and the next, then I have gained—as everyone can tell themselves—an impulse in all my work that extends beyond the day. For the time between Christmas and Easter does not last merely the weeks that elapse between Christmas and Easter; in truth, it lasts thirty-three years—as long as it takes for an impulse that I have planted in a child’s soul as a Christmas impulse to complete its cycle, only to rise again after thirty-three years as an Easter impulse.

[ 45 ] Solche Dinge sind nicht allein für theoretisches, eitles Wissen. Solche Dinge gewinnen einen Wert allein, wenn sie praktische Tat werden, wenn unsere Seele sich erfüllt mit der Überzeugung von ihnen also, daß sie gar nicht anders kann, als in ihrem Lichte handeln. Dann aber ist die Seele voll von Liebe zu denjenigen Wesen, an denen die Taten in diesem Lichte getan werden sollen. Dann ist die Liebe eine konkrete, dann ist die Liebe eine solche, welche mit der Weltenwärme verbunden ist, und hat nichts von jener sentimentalen Liebe, die heute auf allen Lippen ist und die zum größten Hassesimpuls in der Menschheit in unserem katastrophalen Zeitalter geführt hat.

[ 45 ] Such things are not merely for theoretical, vain knowledge. Such things gain value only when they become practical action, when our soul is so filled with conviction of them that it cannot help but act in their light. Then, however, the soul is filled with love for those beings toward whom actions in this light are to be performed. Then love is concrete; then love is a love connected to the warmth of the world, and has nothing of that sentimental love that is on everyone’s lips today and that has led to the greatest impulse of hatred in humanity in our catastrophic age.

[ 46 ] Diejenigen, die lange Zeit die Liebe im Munde führten, die haben kein Recht, weiter zu sprechen von dieser Liebe, die sich in Haß umgedreht hat; sie haben vielmehr die Pflicht, sich zu fragen: Was haben wir mit unserem Liebesgerede, mit unserem WeihnachtsLiebesgerede unterlassen, daß also eine Saat des Hasses daraus werden konnte? — Zu fragen aber hat die Menschheit: Was haben wir zu suchen in den geistigen Welten, damit wir wieder finden können dasjenige, was verloren ist: die Liebe, welche durch alle Wesen wärmend wallt und lebt, aber Liebe nur ist, wenn sie herausquillt aus dem lebendigen Verständnis des Seins. Denn lieben ein Wesen heißt, dieses Wesen verstehen. Lieben heißt nicht, sein Herz mit egoistischer Wärme so zu erfüllen, daß der Mund in sentimentalen Reden übersprudelt; lieben heißt, die Wesen, an denen man Taten tun soll, so in sein Auge fassen zu können, daß man sie bis ins Innerste hinein versteht, versteht nicht nur mit dem Intellekt, versteht mit dem ganzen Wesen seines menschlichen Seins.

[ 46 ] Those who have long spoken of love have no right to continue speaking of this love, which has turned into hatred; rather, they have a duty to ask themselves: What did we fail to do with our talk of love—with our Christmas talk of love—that it could thus become a seed of hatred? — But humanity must ask: What are we seeking in the spiritual worlds so that we may once again find that which is lost: the love that flows and lives, warming all beings, but which is love only when it springs forth from a living understanding of being. For to love a being means to understand that being. To love does not mean filling one’s heart with selfish warmth to the point that one’s mouth overflows with sentimental words; to love means being able to look into the eyes of the beings toward whom one is to act in such a way that one understands them down to their very core—understands them not only with the intellect, but with the whole being of one’s human existence.

[ 47 ] Daß solche Liebe, die aus spirituell-innigstem Verständnis quellen kann, in der Menschheit Platz greife, daß nach solcher Liebe Sehnsucht ist, daß es Wille werde, solche Liebe zu pflegen, das möge sich jetzt in dieser ernsten Zeit der Mensch sagen, der nachfolgen will den Magiern aus dem Morgenlande zur Krippe von Bethlehem hin. Er möge sich sagen: So wie die Magier aus dem Morgenlande Verständnis suchten, um zu finden den Weg, den Weg der Liebe zu der Krippe von Bethlehem hin, so will ich suchen den Weg, der mir den Einblick eröffnet in jenes Licht, unter dem die wahren Taten der Menschenliebe getan werden.

[ 47 ] May humanity now, in these solemn times, recognize that such love—which can spring from the deepest spiritual understanding—has a place within us; that there is a longing for such love; and that the will to nurture such love may arise. Let this be the message to those who wish to follow the Magi from the East to the manger in Bethlehem. Let them say to themselves: Just as the Magi from the East sought understanding in order to find the way—the way of love leading to the manger in Bethlehem—so will I seek the way that opens my eyes to that light under which the true deeds of love for humanity are performed.

[ 48 ] Wie die Magier aus dem Morgenlande die äußeren Sternenkonstellationen als nicht mehr maßgeblich hielten, sondern hintrugen das Wissen von diesen Sternenkonstellationen, den Opfersinn für diese Sternenkonstellationen, die Verbindung der Unsterblichkeit mit diesen Sternenkonstellationen vor das Christus-Kind der Weihnachtsnacht, so trage die neuere Menschheit dasjenige, was sie an tiefsten Impulsen in ihrer Seele aufbringen kann, hin vor dasjenige, wofür das Weihnachtsfest der symbolische Jahresausdruck ist! In solchem Bewußtsein werden wiederum würdige Weihnachtsfest, ehrliche, aufrichtige Weihnachtsfeste von der Menschheit gefeiert werden. Denn in dem Feiern wird liegen nicht eine Ableugnung, sondern ein Wissen von dem Wesen, dem wir die Weihnachtslichter anzünden.

[ 48 ] Just as the Magi from the East no longer regarded the external constellations as authoritative, but instead brought the knowledge of these constellations, the spirit of sacrifice for them, and the connection of immortality with them before the Christ Child on Christmas night, so too should modern humanity bring forth whatever deepest impulses it can muster in its soul before that which the Christmas festival symbolically expresses each year! With such awareness, humanity will once again celebrate worthy Christmases—honest, sincere Christmases. For in this celebration there will lie not a denial, but a knowledge of the Being for whom we light the Christmas candles.