Mystery Truths and Christmas Impulses
Ancient Myths and Their Significance
GA 180
12 January 1918, Dornach
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Ancient Myths, tr. Cotterell
Dreizehnter Vortrag
Lecture Six
[ 1 ] Die Dinge, die wir jetzt besprechen, hängen zusammen mit einer Tatsache, die paradox klingt, wenn man sie so einfach hinspricht, die aber doch einer bedeutsamen, tiefen Wahrheit entspricht: Der Mensch wandelt auf der Erde herum, aber der Mensch versteht sich selbst eigentlich sehr schlecht. Nun gilt dieser Ausspruch, man könnte sagen, in unmittelbarer Anwendung am meisten gerade für unser Zeitalter. Wir wissen ja, daß die große, bedeutsame Aufschrift des Apollotempels, «Erkenne dich selbst», wie eine Aufforderung an die geistige Zusammenhänge suchenden Menschen einstmals im alten Griechenlande war. Und diese Aufschrift auf dem delphischen Tempel, «Erkenne dich selbst», ist ja — das geht aus unseren verschiedensten Betrachtungen hervor — in jener Zeit nicht etwa nur eine Phrase gewesen, sondern es war schon möglich auch noch in dieser Griechenzeit, eine tiefere Erkenntnis des Menschen herbeizuführen, als das in der Gegenwart der Fall ist. Aber diese Gegenwart ist auch eine Aufforderung an uns, nach wirklicher Menschenerkenntnis wieder zu streben, nach der Erkenntnis dessen, was der Mensch eigentlich auf der Erde ist.
[ 1 ] The matters which we are now discussing are connected with a fact that sounds strange at first hearing but which corresponds to a deep and significant truth—namely, man wanders over the earth but has in reality no true understanding of himself. One could say that this statement applies particularly to our own time. We know that once in ancient Greece the great and significant inscription ‘Know thyself’ stood on Apollo's temple as a challenge to those who sought for spiritual things. Nor was this inscription on the Delphic temple ‘Know thyself’ merely a phrase at that time, as we know from our various studies. For even in this Grecian age it was still possible to bring about a deeper knowledge of man than is possible at the present time. This present time, however, is also a challenge to us to strive again for a real knowledge of man, for a knowledge of what man on the earth actually is.
[ 2 ] Nun scheint es, als ob die Dinge, die man im Zusammenhange mit dieser Frage sagen muß, schwer verständlich wären. Sie sind es in Wirklichkeit nicht, trotzdem sie sich so anhören, wie wenn sie schwer verständlich wären. Sie sind es nur deshalb für die Gegenwart, weil man nicht gewöhnt ist, sein Denken, sein Empfinden in solche Strömungen zu leiten, wie sie notwendig sind, damit man so etwas richtig versteht. Es handelt sich darum, daß alles dasjenige, was wir in der Gegenwart Verstehen nennen, eigentlich darauf hinauskommt, daß wir immer durch abstrakte Begriffe zu verstehen suchen. Man kann aber nicht alles durch abstrakte Begriffe verstehen. Vor allen Dingen kann man nicht den Menschen durch abstrakte Begriffe verstehen. Man braucht etwas anderes zum Verständnisse des Menschen als abstrakte Begriffe. Man muß sich in die Lage versetzen, den Menschen so, wie er auf der Erde herumwandelt, gewissermaßen als ein Bild zu nehmen, als ein Bild, welches etwas ausspricht, welches etwas verrät, welches uns etwas offenbaren will. Man muß wieder auffrischen das Bewußtsein, daß der Mensch ein Rätsel ist, das gelöst werden will. Man wird aber das Menschenrätsel nicht lösen, wenn man wird fortfahren wollen, so bequem zu sein im Denken, so theoretisch zu sein im Denken, wie man es jetzt liebt. Denn der Mensch ist, das haben wir ja immer wieder und wiederum betonen müssen, ein kompliziertes Wesen. Der Mensch ist mehr, reichlich mehr als das physische Gebilde, das vor unseren Augen als Mensch herumwandelt; reichlich mehr ist der Mensch. Aber dieses physische Gebilde, das vor unseren Augen als Mensch herumwandelt, und alles, was zu diesem physischen Gebilde gehört, das ist doch ein Ausdruck für die ganze umfassende Wesenheit des Menschen. Und man kann sagen: Nicht nur dasjenige kann man erkennen an der menschlichen Gestalt, an dem physischen Menschen, der unter uns herumwandelt, nicht nur das kann man in ihm erkennen, was der Mensch ist zwischen seiner Geburt und seinem Tode hier in der physischen Welt, sondern auch das kann man, wenn man nur will, am Menschen erkennen, was er ist als unsterbliche, als ewige Seelenwesenheit. — Man muß nur ein Gefühl dafür entwickeln, daß diese menschliche Gestalt etwas Kompliziertes ist. Unsere Wissenschaft, die ja heute populär gemacht wird und so zu allen Menschen kommt, ist nicht geeignet, ein Gefühl davon hervorzurufen, was für ein Wunderbau dieser Mensch eigentlich ist, der auf der Erde herumwandelt. Man muß den Menschen ganz anders ansehen.
[ 2 ] Now it seems as if the things that must be said in connection with this question are difficult to understand. In reality they are not, in spite of the fact that they sound as if they were difficult. They are only so for the present day because people are not accustomed to let their thinking and feeling flow into such currents as are necessary for a right understanding of something of this nature. The point is, that what we call understanding at the present day is actually the result of our always seeking to understand through abstract concepts. But one cannot understand everything through abstract concepts. Above all one cannot understand the human being through abstract concepts; one requires something different for the understanding of man. One must put oneself in the position of taking man as he wanders about over the earth, as a picture, as a picture which expresses something, which discloses something, which wants to reveal something to us. One must revive the consciousness that the human being is a riddle that wants to be solved. We shall not, however, solve the riddle of man if we are content to continue to be so indolent, so theoretic in our thinking as we now prefer. For you see, the human being is—this we have stressed again and again—a complicated being. Man is more, vastly more than the physical form that wanders about before our eyes as man—far, far more is man. But this physical structure that wanders round before our eyes as man, and all that belongs to it, is none the less an expression for the whole comprehensive being of man. And one can say: Not only can one recognize in the human form, in the physical man that goes about among us, what man is between birth and death here in the physical word, but, if one only will, one can also recognize in the human being what he is as immortal, as eternal being of soul. One must only develop a feeling that this human form is a complexity. Our modern science, which is made popular and so can reach everyone, is not fitted to call forth a feeling of what a miraculous structure this human being actually is, who wanders about on earth. One must regard man quite differently.
[ 3 ] Erinnern Sie sich einmal — Sie haben gewiß schon alle ein menschliches Skelett gesehen —, erinnern Sie sich nur, daß ein solches menschliches Skelett eigentlich zweifach ist, wenn man von allem übrigen absieht. Man kann viel genauer darüber sprechen, aber wenn man von allem übrigen absieht, so ist dieses Skelett eine Zweiheit. Sie können ja sehr leicht vom Skelett den Schädel abheben, der eigentlich nur daraufgesetzt ist, dann bleibt der übrige Mensch schädellos übrig. Der Schädel läßt sich sehr leicht abheben. Dieser übrige Mensch außer dem Schädel ist noch immer ein recht kompliziertes Wesen; allein wir wollen ihn jetzt als eine Einheit auffassen, wir wollen von seiner Komplikation absehen. Aber diese Zweiheit wollen wir zunächst ins Auge fassen, die uns eben vor Augen tritt, wenn wir den Menschen betrachten, sagen wir als Kopfmenschen und als übrigen Menschen, als Rumpfmenschen. So ist er ja auch nicht nur im Skelett, so ist er, obwohl das weniger deutlich hervortritt, auch als ganzer fleischlicher Mensch eine Zweiheit.
[ 3 ] You have assuredly all seen a human skeleton—remember then that the human skeleton is actually twofold, if one disregards everything else. One could speak much more exactly, but if one disregards all the rest, the skeleton is a duality. You can easily lift up the skull from the skeleton; it is really only set upon it, and then the rest of the human being remains skull-less. The skull is very easily lifted off. The rest of the man without the skull is still a very complicated being, but we will now grasp it as a unit and leave aside its complexity. But we will first consider the duality which we see when we look at a human being, as, let us say, head-man, and for the rest trunk-man. And so too is the complete flesh and blood man a duality, though it is there less clearly shown.
[ 4 ] Nun brauchen wir auf geisteswissenschaftlichem Boden Vergleiche nicht zu lieben in der Form, daß wir sie etwa verabsolutieren, metaphysisch ausbauen. Das wollen wir nicht, aber verdeutlichen wollen wir uns allerlei Dinge, indem wir Vergleiche gebrauchen. Und da ist es naheliegend, weil es wirklich der Anschauung entspricht, sich zu sagen, der Mensch ist in bezug auf seinen Kopf hauptsächlich durch die Kugelform beherrscht. Will man irgendwie schematisch das ausdrücken, was das menschliche Haupt, der menschliche Kopf ist, so können wir sagen, der Mensch ist durch die Kugelform beherrscht.
[ 4 ] Now in spiritual science we need not be so fond of comparisons as to treat them as absolute, develop them metaphysically—that we will not do. But by employing comparisons we wish to make various things clear. And so it is very natural, since it actually corresponds to what we see, to say: man in respect of his head is above all ruled by the spherical form. If one desires to express in a diagram what the human head is, we can say: man is ruled by the spherical form (see diagram).


[ 5 ] Wollten wir für den übrigen Menschen ein schematisches Bild haben, so würden wir natürlich die Komplikationen ins Auge fassen müssen, allein das wollen wir heute nicht tun. Sie werden aber leicht einsehen: von gewissen Kompliziertheiten abgesehen, ebenso wie man schematisch den menschlichen Kopf als eine Kugelform auffassen kann, so kann man den übrigen Menschen als eine solche Form auffassen (siehe Zeichnung: Mondform), wobei nur selbstverständlich in der Stellung dieser zwei Kreise je nach der Korpulenz der einzelnen unterschieden werden muß.
[ 5 ] If we wish to have a diagrammatic picture for the rest of man, we should naturally have to pay attention to the complications, only we will not do that today. You will, however, easily see that disregarding certain complications, just as schematically one can picture the human head as a sphere, so one can picture the rest of man in such a form as this (see diagram: moon form), only, of course, the two circles must be placed in varied positions according to the corpulence of each individual.
[ 6 ] Aber so können wir schon den Menschen auffassen gewissermaßen als Kugelform und als Mondenform. Das hat eine tief-innerliche Berechtigung; über diese wollen wir aber heute nicht sprechen, sondern wir wollen nur eingedenk des Umstandes sein, daß der Mensch in diese zwei Glieder zerfällt.
[ 6 ] But we can, as it were, really conceive of man so—as spherical form and as moon-form. This has a deep inner justification; however we will not discuss this, but only think of the fact that the human being falls into these two members.
[ 7 ] Nun ist das Haupt des Menschen ein wirklicher Apparat zunächst für die geistige Betätigung. Für alles dasjenige, was der Mensch aufbringen kann an menschlichen Gedanken, menschlichen Empfindungen ist das Haupt, der Kopf der Apparat. Aber wenn wir angewiesen wären auf dasjenige, was der Kopf als Apparat leisten kann im Denken, Empfinden, würden wir niemals imstande sein, das Wesen des Menschen wirklich zu verstehen. Wenn wir überhaupt angewiesen wären, nur den Kopf als Werkzeug unseres Geisteslebens zu benützen, würden wir niemals imstande sein, zu uns wirklich Ich zu sagen. Denn, was ist dieser Kopf? Dieser Kopf ist in Wahrheit, so wie er uns in seiner Kugelform entgegentritt, ein Abbild des ganzen Kosmos, wie Ihnen der Kosmos zunächst erscheint mit all seinen Sternen, Fixsternen, Planeten und Kometen, sogar Meteorsteinen — die Unregelmäßigkeiten spuken ja in manchen Köpfen. Der menschliche Kopf ist ein Abbild des Makrokosmos, ist ein Abbild der ganzen Welt. Und nur das Vorurteil unserer Zeit — ich habe das schon in anderem Zusammenhang angedeutet — weiß nichts davon, daß die ganze Welt daran beteiligt ist, daß ein menschliches Haupt zustande kommt.
[ 7 ] Now, man's head is in the first place a true apparatus for spiritual activity, for all that man can produce by way of human thoughts, human feelings. The head, the apparatus ... but, if we were committed to the thoughts, the feelings, that the head as apparatus can supply, we should never be in the position of really understanding the being of man. If we were committed to use the head alone as an instrument of our spiritual life, we should never be in the position of really saying ‘I’ to ourselves. For what is this head? This head is in truth, as it meets us in its globular form, an image of the whole cosmos, as the cosmos appears to you with all its stars, fixed stars, planets and comets; even meteors—irregularities, as we know—make their appearance in many heads. The human head is an image of the macrocosm, an image of the whole world. And only the prejudice of our time—I have indicated this in another connection—knows nothing of the fact that the whole world has a share in the coming about of a human head.
[ 8 ] Aber wenn dieses menschliche Haupt nun durch die Vererbung, durch die Geburt auf die Erde versetzt ist, so kann dieses menschliche Haupt kein Apparat sein, um die Wesenheit des Menschen selbst zu begreifen. Uns wird gewissermaßen in unserem Haupte ein Apparat gegeben, der wie ein Extrakt der ganzen Welt ist, der aber nicht imstande ist, den Menschen zu begreifen. Warum? Ja, aus dem Grunde, weil der Mensch mehr ist als alles dasjenige, was wir sehen, denken können durch unsern Kopf. Heute sagen viele Leute, das menschliche Erkennen hätte Grenzen, man könne nicht weiter über diese Grenzen hinauskommen. Das rührt aber nur davon her, weil diese Menschen bloß die Weisheit des Kopfes gelten lassen wollen, und die Weisheit des Kopfes geht allerdings nicht über gewisse Grenzen hinaus. Diese Weisheit des Kopfes hat aber auch gemacht dasjenige, was wir vor einigen Tagen beschrieben haben als die griechischen Götter. Die griechischen Götter sind aus der Weisheit des Kopfes hervorgegangen. Sie sind die oberen Götter; sie sind daher nur Götter für alles dasjenige, was der Kopf des Menschen mit seiner Weisheit umspannen kann.
[ 8 ] But now, if through heredity, through birth, this human head is transposed to the earth, it can be no apparatus for comprehending the being of man himself. We have been given in our head an apparatus, as it were, which is like an extract of the whole world, but which is not competent to comprehend man. Why? Well, by reason of the fact that man is more than all that we can see and can think through our head. Many people say nowadays ‘there are limits to human knowledge, one cannot get beyond these limits!’ But this is only because they merely reckon with the wisdom of the head, and the wisdom of the head, it is true, does not get beyond certain limits. This wisdom of the head, my dear friends, has also made what a few days ago we described as the Greek Gods. The Greek Gods have proceeded from the wisdom of the head. They are the upper Gods; they are therefore only Gods for all that the head of man can encompass with its wisdom.
[ 9 ] Nun habe ich Sie öfter darauf aufmerksam gemacht: die Griechen hatten außer dieser äußeren Götterlehre ihre Mysterien. In den Mysterien verehrten die Griechen außer den himmlischen Göttern noch andere Götter, die chthonischen Götter. Und von demjenigen, der in die Mysterien eingeweiht wurde, sagte man mit Recht: Er lernt kennen die oberen und die unteren Götter. — Die oberen Götter, das waren diejenigen des Zeuskreises; aber sie haben nur Herrschaft über dasjenige, was vor den Sinnen ausgebreitet ist und was der Verstand begreifen kann. Der Mensch ist mehr als dieses. Der Mensch wurzelt mit seiner Wesenheit im Reiche der unteren Götter, im Reiche der chthonischen Götter.
[ 9 ] Now I have often brought to your attention that besides this external mythology the Greeks had their Mysteries. The Greeks revered in the Mysteries other Gods as well as the celestial Gods, namely, the Chthonic Gods. And of one who was initiated in the Mysteries one could say with truth: he learns to know the upper and the lower Gods, the Upper and the Lower Gods. The upper Gods were those of the Zeus-circle; but they only have rulership over what is spread out before the senses, and what the intellect can understand. The human being is more than this. Man is rooted with his being in the kingdom of the lower Gods, in the kingdom of the Chthonic Gods.
[ 10 ] Aber man kommt nicht zurecht, wenn man nur dasjenige vom Menschen ins Auge faßt, was ich schematisch hier aufgezeichnet habe. Wenn man das Wurzeln des Menschen im Bereiche der unteren Götter ins Auge fassen will, dann muß man schon diese Zeichnung vervollständigen und muß sie so machen: Man muß auch gewissermaßen den nicht belichteten Mond einbeziehen (siehe Zeichnung S. 234). Man muß, mit andern Worten, den Kopf des Menschen anders betrachten als den übrigen Organismus. Beim übrigen Organismus muß man viel mehr ins Auge fassen dasjenige, was geistig ist, was übersinnlich, was unsichtbar ist. Der Kopf des Menschen ist äußerlich, so wie er uns entgegentritt, gewissermaßen eine Vollkommenheit. Alles, was geistig ist, hat sich ein Abbild geschaffen im Kopfe. Im übrigen Menschen ist das nicht der Fall. Der übrige Mensch ist nur ein Fragment als physischer Mensch, und man kommt nicht zurecht mit dem übrigen Menschen, wenn man dieses fleischliche Fragment nimmt, das sichtbarlich auf der Erde herumwandelt.
[ 10 ] But it is no good, my dear friends, if one only looks at the part of man which I have drawn here in the sketch. If one is to turn one's mind to the rooting of man in the kingdom of the lower Gods then one must complete this drawing and make it so: one must also, as it were, include the unillumined moon. (See drawing below.) In other words, one must regard the head of man differently from the rest of the organism. With the rest of the organism one must far more have in mind what is spiritual, what is super-sensible and invisible. The head of man as it confronts us is externally complete. All that is spiritual has formed for itself an image in the head. In the rest of man that is not the case; the remaining part is only a fragment as physical man, and it is not enough for the rest of man if one takes this bodily fragment which wanders visibly about on earth.


[ 11 ] Nun, das zeigt uns schon, daß wir den Menschen kompliziert nehmen müssen. Aber tritt das irgendwie im l.eben hervor, was ich jetzt gesagt habe? Es scheint abstrakt zu sein, was ich jetzt gesagt habe, es scheint paradox und schwer verständlich zu sein, aber die Frage muß doch auftauchen: Tritt es im leben irgendwie hervor? Das ist das Wichtige: es tritt im l.eben nämlich ganz klar hervor. Der Kopf ist der Apparat unserer Weisheit; er ist der Apparat unserer Weisheit so stark, daß mit seiner Entwickelung unsere zunächstige Weisheit zusammenhängt. Aber selbst die äußere anatomisch-physiologische Betrachtung zeigt — sehen Sie sich an, wie ein Haupt sich entwickelt, wie ein Mensch aufwächst —, daß der Kopf eine ganz andere Entwickelung durchmacht als der übrige Organismus. Der Kopf entwickelt sich rasch, der übrige Organismus langsam. Verhältnismäßig ist der Kopf schon ganz ausgebildet beim Kinde, entwickelt sich viel weniger weiter. Der übrige Organismus ist noch wenig ausgebildet, macht langsam seine Stadien durch. Das hängt zusammen damit, daß wir in der Tat ein Doppelmensch auch im Leben sind. Nicht nur unser Skelett zeigt den Kopf und den übrigen Menschen, sondern unser Leben zeigt selbst diese Zwienatur unseres Wesens: unser Kopf entwickelt sich schnell, unser übriger Organismus entwickelt sich langsam. Unser Kopf macht in unserer Zeit ungefähr schon bis zu unserem achtundzwanzigsten oder siebenundzwanzigsten Jahre seine Entwickelung durch, der übrige Organismus braucht dazu das ganze Leben bis zum Tode. Erleben nämlich kann man dasjenige, was der Kopf verhältnismäßig in kurzer Zeit sich aneignet, nur im ganzen Leben. Es hängt das mit vielen Geheimnissen zusammen.
[ 11 ] Now this already shows us that we must accept man as complicated. But, does what I have just said ever come before us in life? What I have just said seems to be abstract, it seems paradoxical and hard to understand, but yet the question must arise: does it ever come before us in life? That is the important thing: it appears in life quite clearly. The head is the instrument of our wisdom; it is so strongly the instrument of our wisdom, that our immediate wisdom is connected with its development. But even external anatomical physiological observation—look how a head develops, how a man grows up—shows that the head goes through a quite different development from the rest of the organism. The head develops quickly, the remaining organism slowly. The head in a child is relatively already quite finished, it develops very little further. The rest of the organism is still little perfected and goes slowly through its stages. This is connected with the fact that in life as well we are really a duplex being. Not only does our skeleton show the head and the remaining organism, but life itself shows this twofold nature: our head develops quickly, the rest of our organism slowly. At our present time the head develops practically up to our twenty-eighth or twenty-seventh year, the rest of the organism needs the whole of life up to death to do this. One can in fact only experience in a whole lifetime what the head acquires in a relatively short time. This is connected with many mysteries.
[ 12 ] Der Geistesforscher erkennt diese Dinge insbesondere dann, wenn er einmal den Blick richtet auf einen Unglücksfall. Es klingt wiederum paradox, aber es entspricht der völligen Wahrheit. Denken Sie sich einmal, ein Mensch wird erschlagen, er geht durch einen Unglücksfall zugrunde. Nehmen wir an, ein Mensch wird in seinem dreiBigsten Jahre erschlagen. Für die äußere physische Betrachtung ist solch ein plötzlicher Tod eine Art Zufall; aber es ist vor der geisteswissenschaftlichen Betrachtung einfach lächerlich, eine solche Sache als Zufall zu betrachten. Denn in dem Momente, wo durch eine äußere Veranlassung, von außen her, ein Mensch plötzlich in den Tod kommt, geht rasch ungeheuer viel mit ihm vor sich. Denken Sie sich, im gewöhnlichen Zusammenhange der Dinge wäre dieser selbe Mensch, der mit dreißig Jahren erschlagen worden ist, vielleicht siebzig, achtzig, neunzig Jahre alt geworden. Da hätte er dadurch, daß er vom dreißigsten bis neunzigsten Jahre noch gelebt hätte, langsam hintereinander mancherlei im I.eben zugenommen an Lebenserfahrung. Das, was er so in sechzig Jahren durchgemacht hätte an Lebenserfahrung, macht er, wenn er im dreißigsten Jahre erschlagen wird, kurz, vielleicht in einer halben Minute könnte es sein, durch. Die Zeitverhältnisse sind, wenn die geistige Welt in Betracht kommt, eben andere als sie uns hier im physischen Plan erscheinen. Ein rascher Tod, der durch äußere Verhältnisse herbeigeführt wird — man muß die Sache ganz genau nehmen —, kann unter Umständen rasch die Erfahrung, die Erfahrung sage ich, die Lebensweisheit des ganzen Lebens durchmachen lassen, das noch hätte kommen können.
[ 12 ] The spiritual investigator has a special knowledge of these things if he is able to observe a fatal accident... again it sounds strange but it expresses the full truth, in a fatal accident. Imagine that a person is struck down, dies by an accident. Let us suppose that a man is struck dead in his thirtieth year. To outer physical observation such a sudden death is a kind of accident: but from a spiritual science outlook it is simply absurd to regard such an affair as accidental. For in the moment when from outside, from any external cause, a man suddenly meets with death, an immense amount rapidly takes place. Think to yourselves: this same man who has been killed at the age of thirty would have become in the ordinary course of things perhaps seventy, eighty, ninety years old. If he had still lived from thirty to ninety years he would slowly have gone through, one after another, many life experiences. What he would thus have experienced during sixty years of life, he now goes through rapidly, it might even be in half-a-minute, if he is killed at the age of thirty. When it is a matter of the spiritual world, time relationships are different from what they seem to us here on the physical plane. A sudden death caused by external circumstances—one must treat the matter quite exactly—can cause the experience, I say the experience, the life-wisdom of the whole life that might still have been lived, to be passed through under certain circumstances very rapidly.
[ 13 ] Daran kann man studieren, wie das ist, was der Mensch sein Leben hindurch an Lebensweisheit, an Lebenserfahrung sich aneignet. Und man kann daran studieren, wie sich verhält dasjenige, was der Kopf leisten kann mit seiner kurzen Entwickelung, gegenüber dem, was der übrige Mensch leisten kann mit seiner langen Entwickelung im sozialen Leben. Es ist wirklich so, daß der Mensch während seiner Jugendzeit gewisse Begriffe, gewisse Vorstellungen aufnimmt, die er lernt; aber er lernt sie eben da nur. Sie sind dann Kopfwissen. Das übrige Leben, das langsamer verläuft, ist dazu bestimmt, das Kopfwissen umzuwandeln allmählich in Herzwissen — ich nenne jetzt den andern Menschen nicht den Kopfmenschen, ich nenne ihn den Herzensmenschen —, umzuwandeln das Kopfwissen in Herzenswissen, in Wissen, an dem der ganze Mensch beteiligt ist, nicht nur der Kopf.
[ 13 ] One is in this way enabled to see how a man assimilates life-wisdom, life-experience all his life through. And one can study through it the relation between what the head can provide with its short development, and what the rest of the human being can furnish with its long development in the social life. It is really true that during his young days a man takes in certain ideas and concepts that he learns; but he then only learns them. They are then head-knowledge. The rest of life that runs more slowly, is destined to transform the head-knowledge gradually into heart-knowledge—I now call the other man not the head-man, I call him the heart-man—to transform head-knowledge into heart-knowledge, knowledge in which the whole man shares, not only the head.
[ 14 ] Um das Kopfwissen in Herzenswissen umzuwandeln, brauchen wir viel länger, als um uns das Kopfwissen anzueignen. Um uns das Kopfwissen anzueignen — wenn es schon ein ganz besonders gescheites Wissen ist, braucht man heute die Zeit bis in die Zwanzigerjahre hinein. Nicht wahr, dann wird man ein ganz gescheiter Mensch, akademisch ganz gescheiter Mensch, aber um dieses Wissen wirklich mit dem ganzen Menschen zu vereinigen, muß man beweglich bleiben sein Leben hindurch. Und man braucht, um das Kopfwissen in Herzenswissen umzuwandeln, eben um so viel länger, als man länger lebt als bis zum siebenundzwanzigsten oder sechsundzwanzigsten Jahre. Insofern ist man auch als Mensch eine Zwienatur. Man eignet sich rasch das Kopfwissen an und kann es dann umwandeln im Laufe des Lebens in Herzenswissen.
[ 14 ] We need much longer to transform head-knowledge into heart-knowledge than to assimilate the head-knowledge. Even if the head-knowledge is an especially clever knowledge, one needs today the time into the twenties, is it not so? then one is a quite clever person, academically quite clever. But in order to unite this knowledge fully with the whole man, one must keep flexible one's whole life through. And one needs just as much longer to change head-knowledge into heart-knowledge as one lives longer than to the twenty-seventh or twenty-sixth year. In so far is the human being also of a twofold nature. One quickly acquires the head-knowledge and can then in the course of life change it into heart-knowledge.
[ 15 ] Zu wissen, was das eigentlich bedeutet, ist nicht ganz leicht. Und ich darf, wir sind ja unter uns, für diese Sache vielleicht eine Erfahrung des Geistesforschers anführen, durch die leichter über diese Dinge etwas gewußt werden kann als durch andere geistesforscherische Arbeiten. Man kann, wenn man sich bekannt macht mit der Sprache, welche die Menschenseelen sprechen, die durch den Tod hindurchgegangen sind, die in der geistigen Welt leben nach dem Tode, man kann, wenn man die Sprache der Toten, der sogenannten Toten einigermaßen versteht, dann die Erfahrung machen, daß die Toten sich über manche Dinge, die im Zusammenhange mit dem Menschenleben stehen, in ganz besonderer Weise ausdrücken. Die Toten haben heute schon eine Sprache, die wir Lebenden noch nicht ganz gut verstehen können. Es gehen die Verständnisse der Toten und der Lebenden heute ziemlich weit auseinander. Der Tote hat durchaus ein Bewußtsein davon, daß der Mensch sich als Kopfmensch rasch entwickelt, als Herzensmensch langsam entwickelt. Und der Tote sagt, wenn er ausdrücken will, was da eigentlich geschieht, wenn sich allmählich das rasch erworbene Kopfwissen in das langsamer verlaufende Herzenswissen einlebt: Das bloße Weisheitswissen wird umgewandelt durch die aus dem Menschen aufsteigende Herzenswärme oder Liebe. Weisheit wird im Menschen von der Liebe befruchtet. — So sagt der Tote.
[ 15 ] It is not quite easy to know what this actually signifies. And, perhaps I may venture to instance an experience of the spiritual investigator through which something may be more easily known concerning these things than through other results of spiritual research. If one makes oneself acquainted with the speech which the human souls speak who have gone through the gate of death, who live in the spiritual world after death, one understands to some degree the speech of the dead, the so-called dead, one can then make the experience that the dead express themselves in a very special way upon many things connected with human life. The dead have a speech today that we who are living cannot yet quite understand. The comprehensions of the dead and the living lie somewhat far apart from one another today. The dead have a thorough consciousness of how man develops quickly as headman and slowly as heart-man. And if the dead wish to express what really happens when the quickly gained head-knowledge lives itself into the slower course of the heart-knowledge, they say there wisdom-knowledge is transformed through what ascends from man as heart-warmth or love. Wisdom is fructified in man by love. So say the dead.1See also ‘The Inner Nature of Man and Life between Death and Rebirth’.
[ 16 ] Und das ist in der Tat ein tiefes, bedeutsames Lebensgesetz. Man kann das Kopfwissen rasch erwerben, man kann ungeheuer viel wissen gerade in unserer Zeit, denn die Naturwissenschaft — nicht die Naturwissenschafter, aber die Naturwissenschaft — ist in unserer Zeit recht sehr fortgeschritten und hat reichen Inhalt. Aber dieser Inhalt ist so, daß er nicht umgewandelt ist in Herzenswissen, daß das Kopfwissen überall geblieben ist; weil die Menschen — ich habe schon gestern darauf aufmerksam gemacht — das andere, was dann anrückt im Leben nach dem siebenundzwanzigsten Jahre, nicht mehr beachten, weil die Menschen nicht verstehen, alt zu werden, beziehungsweise könnte ich auch sagen: jung zu bleiben, indem sie alt werden.
[ 16 ] And that is in fact a profound and significant law of life. One can acquire head-knowledge rapidly, one can know a tremendous amount precisely in our age, for natural science—not the natural-scientist—natural science has made very great advances in our time and has a rich content. But this content has remained head-knowledge, it has not been transformed into heart-knowledge because people—I pointed this out yesterday—no longer pay attention to what approaches in life after the twenty-seventh year, because people do not understand how to become old—or I could say, to remain young in growing old.
[ 17 ] Weil die Menschen die innerliche Lebendigkeit sich nicht erhalten, da erkaltet ihr Herz; es strömt die Herzenswärme nicht nach dem Kopfe hinauf, es befruchtet die Liebe, die aus dem übrigen Organismus kommt, den Kopf nicht. Das Kopfwissen bleibt kalte Theorie. Aber es braucht nicht kalte Theorie zu bleiben, es kann alles Kopfwissen umgewandelt werden in Herzenswissen. Und das ist gerade die Aufgabe der Zukunft, daß das Kopfwissen allmählich in Herzenswissen umgewandelt wird. Da wird ein wirkliches Wunder geschehen, wenn das Kopfwissen in Herzenswissen umgewandelt wird.
[ 17 ] Because men do not keep the inner livingness their heart grows cold; the heart warmth does not stream up to the head; love, which comes from the rest of the organism, does not fructify the head. The head-knowledge remains cold theory. There is no necessity for it to remain cold theory, all head-knowledge can be transformed into heart-knowledge. And that is precisely the task of the future; that head-knowledge shall gradually be transformed into heart-knowledge. A real miracle will happen if head-knowledge is transformed into heart-knowledge!
[ 18 ] Man hat vollständig Recht, wenn man heute nach allen Noten die materialistische Naturwissenschaft oder namentlich die materialistische Naturphilosophie abkanzelt. Man hat vollständig Recht, aber trotzdem ist noch etwas anderes wahr: diese Naturwissenschaft, die in Haeckel, in Spencer, in Huxley und so weiter bloßes Kopfwissen geblieben ist und daher Materialismus ist, die wird, wenn sie Herzenswissenschaft werden wird, wenn sie aufgenommen werden wird vom ganzen Menschen, wenn die Menschheit verstehen wird, älter zu werden oder jünger zu werden im Ältersein, wie ich das gestern gemeint habe, dann wird diese, gerade diese Wissenschaft der Gegenwart der reinste Spiritualismus werden, die reinste Bekräftigung für den Geist und sein Dasein werden. Es gibt keine bessere Grundlage als die Naturwissenschaft der Gegenwart, wenn sie sich umwandelt in dasjenige, was dem Kopf des Menschen zufließen kann aus dem übrigen Organismus, aber jetzt aus dem geistigen Teil des übrigen Organismus. Das Wunder wird sich vollziehen, indem die Menschen lernen werden, die Verjüngung ihres Ätherleibes auch zu fühlen, so daß die materialistische Naturwissenschaft der Gegenwart Spiritualismus werden wird. Sie wird um so eher Spiritualismus werden, je mehr Leute sich finden werden, ihr ihren gegenwärtigen Materialismus, ihre materialistische Torheit vorzuhalten.
[ 18 ] One is completely right if one vigorously declaims today against the materialistic natural science, or, really, natural-philosophy—one is completely right, but all the same, something else is true. If this natural science which has remained mere head-knowledge in Haeckel, Spencer, Huxley, etc. and is therefore materialism, became heart-knowledge, if it were absorbed by the whole man, if humanity were to understand how to become old, or younger in old age as I showed yesterday, this science of today would become really spiritual, the true pursuit for the spirit and its existence. There is no better foundation than the natural science of the present day, if it is transformed into what can flow to the head from the rest of man's organism, that is to say from the spiritual part of the organism. The miracle will be accomplished when men also learn to feel the rejuvenation of their etheric body so that the materialistic natural science of today will become spirituality. It will the sooner become spirituality the greater the number of people who reproach it with its present materialism, its materialistic folly.
[ 19 ] Damit wird aber eine vollständige Umwandlung verknüpft sein, die derjenige, der nur einigermaßen Empfindung für das hat, was in der Gegenwart vorgeht, empfinden kann: damit wird verknüpft sein eine vollständige Umwandlung des Erziehungs- und Unterrichtswesens. Wer könnte sich verhehlen, wenn er ein offenes Auge hat für die sozialen, sittlichen, geschichtlichen Verhältnisse der Gegenwart, wer könnte sich verhehlen, daß wir heute gar nicht in der Lage sind als ganze Menschheit — nun, wenn man es grotesk ausdrücken will —, den Kindern eine angemessene Erziehung, insbesondere einen angemessenen Unterricht zu geben. Gewiß, wir können die Kinder zu Beamten, wir können sie zu Industriellen machen, wir können sie sogar zu Pastoren und so weiter machen, aber wir sind wenig in der Lage, die Kinder heute zu vollständigen Menschen, zu allseitig entwickelten Menschen zu machen. Denn es ist eine tiefe Forderung der Zeit: Wenn der Mensch ein vollständiger, ein allseitig entwickelter geistig-seelischer Organismus sein soll, dann muß er in die Lage kommen, dasjenige, was er als Kind aufnimmt, schnell, rasch aufnimmt, das umzuwandeln sein ganzes Leben hindurch. Das ganze Leben hindurch muß der Mensch frisch bleiben, um umzuwandeln dasjenige, was er aufgenommen hat.
[ 19 ] But together with this will be linked a complete transforming which can be felt by one who has but a slight feeling for what is taking place at the present time: linked with it will be a complete transforming of the nature of education and instruction. Who could deny, if he has an open eye for the social, moral, historical conditions of the present, who could deny that mankind as a whole is not in a position—though it sounds grotesque—to give children an adequate education, especially an adequate instruction? We can, to be sure, make children officials, industrialists, we can even make them pastors, etc. etc., but we are but little in a position to make children today into complete human beings, into all-round developed men. For it is a deep demand of the time that if man is to be a complete all-round developed organism of soul and spirit, he must be in the position to transform all his life through what he took in quickly, rapidly as a child. The whole life through must the human being remain fresh in order to transform what he has absorbed.
[ 20 ] Was tun wir denn heute — man sieht diese Dinge nur nicht unbefangen genug an —, was tun wir denn heute eigentlich im späteren Leben? Wir haben in der Jugend etwas gelernt, der eine viel, der andere weniger. Nicht wahr, man ist ja stolz darauf, daß man keine Analphabeten mehr hat in Westeuropa. Einer lernt viel, der andere weniger, aber alle lernen etwas in der Jugend. Und was tut man im späteren Leben mit dem, was man gelernt hat, gleichgültig, ob man viel oder wenig gelernt hat? Es ist ja alles so veranlagt, daß man sich nur erinnert an das, was man gelernt hat; es ist so im Menschen vorhanden, daß man sich erinnert daran. Was arbeiten denn die Menschen da? Es ist nicht so der Menschenseele beigebracht, daß es in der Menschenseele arbeitet, daß aus Kopfinhalt Herzensinhalt wird. Dazu ist es gar nicht veranlagt. Da muß auch noch manches Wasser den Rhein hinunterfließen, wenn das, was wir heute der Jugend geben können — betrachten wir es nur auf einem Felde, aber es ist auf alle Felder anwendbar —, etwas werden soll, was geeignet ist, wirklich in Herzenswissen umgewandelt zu werden. Was muß das sein? Wir haben ja heute gar keine Möglichkeit, unsern Kindern etwas zu geben, was wirklich Herzenswissen werden könnte. Dazu fehlen zwei Bedingungen. Diese zwei Bedingungen kann nur die wirklich richtig verstandene Geisteswissenschaft herbeiführen.
[ 20 ] For what do we really do today in later life? (These things are not looked on unprejudicedly [?] enough). We have learnt a certain amount in youth, the one more, the other less; we are proud, are we not, that we have no more illiterates in Western Europe? One learns much, another less, but all have learnt something in youth. And what do we do in later life with what we learnt, no matter whether it was much or little? It is all of such a nature that one only remembers what one has learnt, it is present in man in such a way that one can remember it. But what do men work on there? It is not conveyed to the human soul so as to work in the soul, so that heart-contents may arise from head-knowledge. It is in no way fitted for that. Much water must still flow down the Rhine, if what we can give to youth today—(let us observe it only in one field, but it is applicable in all fields) is to be something that is fitted really to be transformed into heart-knowledge. What must that be? We have in fact today no possibility at all of giving our children anything that could really become heart-knowledge. For that we lack two conditions, and only Spiritual Science rightly understood can bring about these two conditions.
[ 21 ] Zwei Bedingungen fehlen, um heute den Kindern wirklich etwas Lebenerfrischendes zu geben, etwas zu geben, was das ganze Dasein hindurch ein Quell von Lebensfreude und Lebensgetragenheit sein kann. Zwei Dinge fehlen. Das eine ist, daß der Mensch heute nach allen gangbaren Begriffen, die wir haben, die die heutige Bildung dem Menschen anweisen kann, keine Vorstellung gewinnen kann über seine Stellung zum Weltenall. Bedenken Sie nur einmal alles dasjenige, was einem in der Schule überliefert wird. Den kleinsten Kindern wird ja das heute schon überliefert, wenigstens wird das, was ihnen gesagt wird, in solchen Worten gesagt, daß das drinnen liegt, was wir nun aussprechen wollen. Bedenken Sie, daß der Mensch heute heranwächst unter den Vorstellungen: Da ist die Erde; sie schwebt mit so und so viel Geschwindigkeit durch den Weltenraum, und außer der Erde die Sonne und Planeten, Fixsterne. Und was nun von der Sonne, den Planeten, den Fixsternen gesagt wird, das ist höchstens eine Art Weltenphysik, mehr ist es nicht, Weltenmechanik, Weltenphysik.
[ 21 ] Two conditions are lacking for really giving to children today something that refreshes life, something which throughout life can be a source of joy in life and a supporting of life. Two things are lacking. The one is that, from all the current ideas that we have today, that modern culture can give us, man can gain no conception of how he stands in relation to the universe. Just think of all that is conveyed to one in school. It is imparted even to the smallest children—at least, what they are told is put into such words as contain what I am now expressing to you. Reflect that the human being grows up today under these ideas: there is the earth, it swings with such and such a velocity through universal space, and beyond the earth there are the sun, planets, fixed stars. And then what is said of the sun, the planets, the fixed stars, is at most a kind of cosmic physics—it is no more—cosmic mechanics, cosmic physics.
[ 22 ] Dasjenige, was da der Astronom heute sagt, was unsere Bildung überhaupt heute sagt über das Weltengebäude, hat das etwas zu tun mit diesem Menschen, der hier auf der Erde unten heramwandelt? Doch gewiß nicht! Nicht wahr, für die naturwissenschaftliche Weltanschauung geht der Mensch als ein etwas höher entwickeltes Tier herum, wird geboren, stirbt, wird begraben, ein anderer kommt, wird geboren, stirbt, wird begraben und so weiter. So geht es von Generation zu Generation. Draußen im großen Weltenraume spielen sich die Ereignisse ab, die rein mathematisch berechnet werden wie in einer großen Weltenmaschinerie. Aber was hat das alles zu tun für den heutigen gescheiten Menschen, was sich da draußen in der großen Welt abspielt, mit dem, daß hier auf der Erde dieses etwas höher entwickelte Tier geboren wird und stirbt? Priester, Pastoren wissen keine andere Weisheit an die Stelle dieser trostlosen Weisheit zu setzen. Und weil sie das nicht wissen, so sagen sie, sie befassen sich überhaupt nicht mit dieser Wissenschaft, sondern der Glaube muß einen ganz andern Ursprung haben.
[ 22 ] What the astronomer says today, what our general culture today says about the structure of the universe, has that anything to do with this human being who walks about here below upon the earth? Most certainly not! Is it not true that for the natural scientific idea of the world, man goes about as a somewhat more highly developed animal; he is born, dies, is buried, another comes, is born, dies, is buried, etc. etc. and so it goes from generation to generation. Out in the great cosmic space events take place which are calculated purely mathematically as in a great world machine. But for the modern clever men what has all that takes place out there in the universe to do with the fact that here on earth this somewhat more highly evolved animal is born and dies? Priests, pastors, know no other wisdom to put in place of this comfortless wisdom. And since they do not know that, they say that they do not occupy themselves in any way with science, but that faith must have an entirely different origin.
[ 23 ] Na ja, das brauchen wir nicht weiter auszuführen. Aber es sind einmal zwei recht verschiedene Dinge: das, wovon die atheistische Wissenschaft redet, und die notdürftig das theistische Element aufrechterhaltende sogenannte Gläubigkeit dieser oder jener Bekenntniskirche. Es war notwendig, daß gegenüber der früheren Anschauung über das Weltenall die jetzige eine Zeitlang in der Menschheitsentwickelung Platz gegriffen hat. Wir brauchen nicht weit zurückzugehen — man denkt heute nur nicht daran —, da hatten die Menschen noch ein Bewußtsein, daß sie nicht bloß als höhere Tiere hier unten herumwandeln auf der Erde, geboren werden und begraben werden, sondern sie brachten sich in Zusammenhang mit der Sternenwelt, in Zusammenhang mit dem ganzen Weltenall, wußten in ihrer Art, in anderer Art, als das jetzt angestrebt werden muß, aber wußten in ihrer Art von dem Zusammenhang mit dem Weltenall. Da mußte man aber das Weltenall auch anders vorstellen.
[ 23 ] Well, we need not enlarge on this. But they are two utterly different things that are spoken of by atheistic science and by the so-called religious faith of this or that Confession at Church, feebly upholding the theistic element. It was essential that for a certain time in humanity's evolution the present world conception should take the place of the earlier ideas. We need not go back very far—only people don't think of it today—and men were then still aware that they did not wander on the earth as higher animals who were just born and buried. Rather did they bring themselves into connection with the star-world, with the whole universe, and knew in their own way, in a different way from that in which it must be striven for now, of the connection with the universe. But one must therefore also conceive of the universe differently.
[ 24 ] Eine solche Weltanschauung, wie sie heute schon den Kindern beigebracht wird, war im 12., 13. Jahrhundert undenkbar; man konnte gar nicht daran denken, solch eine Anschauung von der Sternenwelt irgendwie zu haben. Man blickte hinauf zu den Sternen, man blickte auf, wie heute zu den Planeten, aber man rechnete nicht nur, wie heute der mathematische Astronom das tut, die Planetenbahnen aus und hatte die Vorstellung: Da oben ist eine Kugel, die da durch den Weltenraum geht —, sondern die mittelalterliche Wissenschaft sah in jeder Kugel den Leib eines geistigen Wesens. Es wäre ein einfacher Unsinn gewesen, sich eine bloße materielle Kugel vorzustellen unter einem Planeten. Lesen Sie nach bei Thomas von Aquino. Sie werden überall finden, daß er in jedem Planeten die englische Intelligenz sieht nicht engländische, die engelische Intelligenz. Und so in den übrigen Sternen. Ein Weltenall, wie es die heutige Astronomie fabriziert, stellte man sich nicht vor. Man mußte aber, um fortzuschreiten, eine Zeitlang, ich möchte sagen, die Seele aus dem Weltenall heraustreiben, um das Skelett, die reine Maschinerie des Weltenalls, vorzustellen. Die Kopernikanische, die Galileische, die Keplersche Weltanschauung mußte kommen. Aber nur Toren sehen sie als etwas letztlich Gültiges an. Sie sind ein Anfang, aber ein Anfang, der sich weiter entwickeln muß.
[ 24 ] You see, such a world conception as is imparted even to children today would be unthinkable in the twelfth, thirteenth centuries; they could not in the least imagine having such an opinion of the world of the stars. They looked up to the stars, to the planets as we do today, but they did not merely calculate, as the modern mathematical astronomer does, the orbits of the planets, and believe that up there is a globe which passes through world space—the science of the Middle Ages saw in each globe the body of a spiritual being. It would have been simply a piece of folly to represent a planet as a mere material globe. Read about it in Thomas Aquinas.2Compare ‘The Philosophy of Thomas Aquinas’. You will find everywhere that in each planet he sees an Angelic Intelligence. And so in the other stars. Such a universe as modern astronomy fabricates was not imagined. But for a certain length of time, in order to progress, one must drive the soul, as it were, out of the universe, in order to conceive the skeleton, the pure machinery of the universe. The Copernicus, the Galileo, the Kepler world conceptions had to come. But only the foolish see them as something valid for all time. They are a beginning, but a beginning that must evolve further.
[ 25 ] Manche Dinge weiß heute schon die Geisteswissenschaft, die die äußere Astronomie noch nicht weiß. Aber wichtig ist, daß gerade diese Dinge, welche die Geisteswissenschaft weiß, die äußere Astronomie noch nicht weiß, übergehen in das allgemeine Menschheitsbewußtsein. Und wenn sie auch heute noch schwierig erscheinen, diese Begriffe, sie werden so werden, daß man sie den Kindern schon beibringen kann; sie werden gerade für die Kinder ein wichtiges Gut sein, um die Seele lebendig zu erhalten. Wir müssen allerdings diese Dinge noch in schwierigen Begriffen besprechen. Denn so lange die Geisteswissenschaft so genommen wird von der äußeren Welt, wie sie jetzt genommen wird, hat sie keine Gelegenheit, die Dinge in solche Begriffe, in solche Vorstellungen zu gießen, wie sie gebraucht werden, wenn sie Gegenstand der Kindererziehung werden sollen.
[ 25 ] Many things are known already to Spiritual Science which official astronomy does not yet know. But it is important that just these things which Spiritual Science knows and official astronomy does not yet know, should pass over into the general consciousness of humanity. And although these concepts may seem difficult today they will become something that one can impart to the children, they will be an important possession for the children, to keep the soul full of life. We still have to speak of these things, however, in difficult concepts. For as long as Spiritual Science is received, as it is at present by the external world, it has no opportunity of pouring things into such concepts and such pictures as are needed if they are to become the subject of children's education.
[ 26 ] Von etwas zum Beispiel weiß die heutige Astronomie nichts: sie weiß nichts davon, daß die Erde, indem sie durch das Weltenall rast, zu schnell rast. Sie rast zu schnell, die Erde. Und weil sie zu schnell rast, weil die Erde schnell sich bewegt, können wir auch unsere Kopfentwickelung schneller haben, als wir sie hätten, wenn die Erde sich so langsam bewegen würde, daß sie dem entsprechen würde, was unserer ganzen Lebensdauer entspricht. Die Schnelligkeit unserer Kopfentwickelung hängt einfach damit zusammen, daß die Erde zu schnell durch den Weltenraum rast. Unser Kopf macht mit diese Schnelligkeit der Erde, unser übriger Organismus macht sie nicht mit; unser übriger Organismus entzieht sich den kosmischen Ereignissen. Unser Kopf, welcher als eine Kugel nachgebildet ist dem Himmelsbau, der muß auch mitmachen dasjenige, was die Erde mitmacht im Himmelsraume.
[ 26 ] There is something, for instance, of which modern astronomy knows nothing. It knows nothing of the fact that the earth speeding through the universe, speeds too fast. She rushes too fast, the earth! And since she rushes too fast, since the earth moves quickly, we also have our head-development quicker than we should have if the earth were to move as slowly as to correspond with our whole life's duration. The rapidity of our head-development simply depends on the fact that the earth races too quickly through universal space. Our head takes part in this speed of the earth, the rest of our organism takes no part in it, the rest of our organism withdraws itself from cosmic events. Our head which, as a sphere, is an image of the heavens, must also participate in what the earth performs in celestial space.
[ 27 ] Unser übriger Organismus, der nicht nachgebildet ist dem ganzen Weltenbau, macht das nicht mit, der macht seine Entwickelung langsamer. Würde unser ganzer Organismus die Schnelligkeit der Erde heute mitmachen, würde er sich so entwickeln, daß es der Schnelligkeit der Erde entsprechen würde, so würden wir alle niemals älter werden können als siebenundzwanzig Jahre. Da würden siebenundzwanzig Jahre so im Durchschnitt das Lebensalter der Menschen sein. Denn in der Tat: unser Haupt, unser Kopf, ist mit siebenundzwanzig Jahren fertig; wenn es auf ihn ankäme, könnte der Mensch mit siebenundzwanzig Jahren sterben. Nur dadurch, daß der übrige Mensch für eine längere Lebensdauer angelegt ist und dem Kopfe nach dem siebenundzwanzigsten Jahre fortwährend seine Kräfte zuführt, leben wir, so lang wir eben leben. Das ist der geistige Teil des übrigen Menschen, der dem Kopfe seine Kräfte zuführt. Es ist der Herzensteil, der mit dem Kopf seine Kräfte tauscht.
[ 27 ] Our remaining organism which is not formed on the model of the whole universe, does not participate, it makes its development more slowly. Were our whole organism to participate today in the speed of the earth, were it to develop in correspondence to the speed of the earth, then none of us could ever be older than twenty-seven years. Twenty-seven years would be the average life of man. For in fact our head is finished when we are twenty-seven years old; if it depended on the head, man would die at the age of twenty-seven. Only because the rest of man is planned for a longer life time, and continually sends its forces to the head after the twenty-seventh year, do we live as long as we do. It is the spiritual part of the remaining organism which sends its forces to the head. It is the heart portion that exchanges its forces with the head.
[ 28 ] Wird die Menschheit einmal erkennen, daß sie eine Zwienatur hat, eine Kopfnatur und Herzensnatur, dann wird sie auch erkennen, daß der Kopf ganz andern Weltengesetzen gehorcht als der übrige Organismus. Dann steht der Mensch wiederum drinnen im ganzen Makrokosmos; dann kann der Mensch gar nicht anders, als sich Vorstellungen bilden, die so gehen, daß er sich sagt: Ich stehe nicht bloß als ein höheres Tier hier auf der Erde, werde geboren und sterbe, sondern ich bin ein Wesen, das aus dem ganzen Weltenall heraus gebaut ist. Mein Haupt, das mir aufgebaut ist, ist aus dem ganzen Weltenall heraus; die Erde hat mir den übrigen Organismus angegliedert, der die Bewegungen des Weltenalls in dieser Weise zunächst nicht mitmacht, wie sie der Kopf in anderer Weise mitmacht.
[ 28 ] If humanity knows some day that it has a twofold nature, a head-nature and a heart-nature, then it will know too that the head obeys quite other cosmic laws than the rest of the organism. Then the human being takes his place again within the whole macrocosm, then man can do no other than form concepts that lead him to say ‘I do not stand here upon earth as merely a higher animal, to be born and to die, but I am a being formed from out the whole universe. My head is built up for me out of the whole universe, the earth has attached to me the rest of my organization, and this does not follow the movements of the cosmos as my head does.’
[ 29 ] So, wenn man den Menschen nicht abstrakt betrachtet, wie es die gegenwärtige Wissenschaft macht, sondern wenn man ihn als Bild in seiner Zweiheit betrachtet: als Kopfmenschen und Herzensmenschen im Zusammenhange mit dem Weltenall, da stellt sich der Mensch wiederum in das Weltenall hinein. Und ich weiß, und andere, die so etwas beurteilen können, wissen es auch: Wird man sich herzenswarme Vorstellungen machen können darüber, daß, wenn man hinschaut auf das menschliche Haupt, man in dem menschlichen Haupte ein Abbild des ganzen sternbesäten Weltenraumes mit seinen Wundern sieht, dann werden in die menschliche Seele hereinkommen alle Bilder über den Zusammenhang des Menschen mit dem weiten, weiten Weltenall. Und diese Bilder werden zu Erzählungsformen, die wir heute noch nicht haben; und diese Erzählungsformen werden nicht abstrakt, aber empfindungsgemäß zum Ausdruck bringen dasjenige, was wir in die Herzen der jüngsten Kinder gießen können, so daß diese Herzen der jüngsten Kinder empfinden: Hier auf der Erde stehe ich als Mensch, aber als Mensch bin ich ein Ausdruck des ganzen sternbesäten Weltenraumes; in mir spricht sich aus die ganze Welt. Empfindungsgemäß wird der Mensch erzogen werden können zu einem Mitgliede des ganzen Kosmos. Das ist die eine Bedingung.
[ 29 ] Thus, when we do not look at man abstractly, as modern science does, but regard him as picture in his duality, as head-man and heart-man in connection with the universe, then the human being is placed again into the cosmos. And I know, my dear friends, and others who can judge such things know it also: if man can make heart-warm concepts of the fact that when one looks at the human head it is seen to be an image of the whole star-strewn space of the world with its wonders, then there will enter the human soul all the pictures of the connection of man with the wide, wide universe. And these pictures become forms of narrative which we have not yet got, and which will bring to expression, not abstractly, but linked with feeling, what we can pour into the hearts of the youngest children. Then these hearts of young children will feel: here upon earth I stand as human being, but as man I am the expression of the whole star-strewn universal space: the whole world expresses itself in me. It will be possible to train the human being to feel himself a member of the whole cosmos. That is the one condition.
[ 30 ] Die andere Bedingung ist die folgende. Wenn wir die ganze Erziehung, wenn wir alles Unterrichtsgemäße so imstande sind zu veranlagen, daß der Mensch gewahr wird: in seinem Haupte ist er ein Abbild des Weltenalls, mit seinem übrigen Organismus entzieht er sich diesem Weltenall; er hat mit seinem übrigen Organismus dasjenige, was wie ein Seelenregen herabträufelt, das ganze Weltenall zu verarbeiten, so daß es selbständig wird hier auf der Erde im Menschen —, dann wird dieses ein besonderes inneres Erlebnis sein. Denken Sie sich diesen zwiefachen Menschen, den ich jetzt in dieser kuriosen Form zeichnen will. Wenn er wissen wird: Da kommt aus dem ganzen Weltenall in sein Haupt unbewußt dasjenige, was die Geheimnisse aller Sterne sind; dies aber, indem es die Kräfte seines Hauptes anregt, hat er sein ganzes Leben hindurch zu verarbeiten mit seinem übrigen Organismus, damit er es hier auf Erden konserviere, es durch den Tod trage und in die geistige Welt wieder zurücktrage — wenn dies eine lebendige Empfindung wird, dann wird sich der Mensch wissen als eine Zwienatur, er wird sich wissen als Kopf- und Herzensmensch. Denn verbunden ist das, was ich jetzt sage, damit, daß der Mensch lernen wird, sich selber zu enträtseln, sich zu sagen: Indem ich Herzensmensch werde immer mehr und mehr, indem ich jung bleibe, sehe ich, wenn ich altere, durch das, was mein Herz mir gibt, dasjenige an, was ich als Kind in der Jugend gelernt habe durch den Kopf. Das Herz blickt zum Kopfe auf, und das Herz wird im Kopfe sehen ein Abbild des ganzen Sternenhimmels. Der Kopf aber wird zum Herzen blicken, und wird im Herzen die Geheimnisse des Menschenrätsels finden, wird lernen, das eigentliche Wesen des Menschen im Herzen zu ergründen.
[ 30 ] The other condition is the following: when we are able to arrange the whole of education and instruction so that man knows that he is an image of the universe in his head, and in the remaining organism is withdrawn from the universe, that with his remaining organism he must so work upon what falls down like a rain of the soul—the whole universe—that it becomes independent in man here upon earth, then this will be a particular inner experience. Think of this two-fold human being, whom I will now draw in this curious fashion. When he comes to know that from the whole universe there flow unconsciously into his head, stimulating its forces, the secrets of the stars, but that all this must be worked upon his whole life through by the rest of his organism, so that he may conserve it on earth, carry it through death back again into the spiritual world—when this becomes a living experience, then man will know his twofold nature, he will know himself as head-man and heart-man. For what I am now saying means that man will learn to solve his own riddle, to say to himself: inasmuch as I become more and more heart-man, inasmuch as I remain young, I view in later years through what my heart gives me, that which in childhood and youth I learnt through my head. The heart gazes up to the head and will see there an image of the whole starry heavens. The head however will look to the heart and will find there the mysteries of the human riddle, will learn to fathom in the heart the actual being of man.

[ 31 ] Der Mensch wird sich so erzogen fühlen, daß er sich sagen wird: Gewiß, ich kann mit meinem Kopfe mancherlei lernen. Aber indem ich lebe, indem ich dem Tode entgegenlebe, der mich in die geistige Welt hineintragen soll, wird dasjenige, was ich mit dem Kopfe erlerne, dereinst von der aus dem übrigen Organismus aufsteigenden Liebe befruchtet, wird etwas ganz anderes. Es gibt etwas in mir als Menschen, das es nur in mir als Menschen gibt; ich habe etwas zu erwarten. — In diesen Worten liegt viel, und viel bedeutet es, wenn der Mensch so erzogen wird, daß er sagt: Ich habe etwas zu erwarten. Ich werde dreißig, vierzig, fünfzig, sechzig Jahre alt werden, und indem ich von Jahrzehnt zu Jahrzehnt älter werde, kommt durch das Älterwerden etwas vom Geheimnis des Menschen mir entgegen. Ich habe etwas zu erwarten von dem, daß ich lebe.
[ 31 ] The human being will feel as regards his education: To be sure, I can learn all sorts of things with my head. But as I go on living, as I live on towards death that is to bear me into the spiritual world, what I learn through the head is fructified in the future through the love ascending from the rest of the organism and becomes something quite different. There is something in me as man that is only to be found in me as man; I have to await something. Very much lies in these words and it means very much when man is so educated that he says: I have something to await. I shall be thirty, forty, fifty, sixty years old, and as I grow older from decade to decade, there comes towards me through growing older something of the mystery of man. I have something to await from the fact that I live on.
[ 32 ] Denken Sie sich, wenn das nicht bloße Theorie ist, wenn das TLebensweisheit ist, soziale Lebensweisheit, dann wird das Kind so erzogen, daß es weiß: Ich kann etwas lernen; aber derjenige, der mich erzieht, der hat etwas in sich, was ich nicht lernen kann, wozu ich erst so alt werden muß wie er, damit ich es in mir selber finden kann. Wenn er es mir erzählt, dann gibt er mir etwas, was ein heiliges Geheimnis für mich sein muß, weil ich es aus seinem Munde hören, in mir aber nicht finden kann. — Denken Sie sich, was daraus wiederum für ein Verhältnis zwischen den Kindern und den Alten geschaffen wird, das in unserer Zeit vollständig verwischt ist, wenn der Mensch wissen wird: Die Lebensalter bieten etwas, was zu erwarten ist. In mir kann, wenn ich noch nicht vierzig Jahre alt bin, nicht jene Summe von Geheimnissen sitzen, welche sitzen können in demjenigen, der schon vierzig Jahre alt geworden ist. Und teilt er es mir mit, so bekomme ich es eben als Mitteilung, ich kann es nicht durch mich selber wissen. — Welches Band menschlicher Gemeinschaft wird dadurch geknüpft, daß in dieser Weise ein neuer Ernst, eine neue Tiefe in das Leben hineinkommt!
[ 32 ] Imagine if that were not mere theory, if it were life-wisdom, social life-wisdom. Then the child is educated in such a way that he knows ‘I can learn something; but he who teaches me possesses something that I cannot learn; I must first be as old as he before I can find it in myself. If he relates it to me, he gives me something which must be a sacred mystery for me, since I can hear it from his mouth, but cannot find it in myself.’ Just think what a relationship is created again between children and their elders, which is entirely lost in our age—if man knows that age offers something that is to be awaited. If I am not yet forty years old, that sum of mysteries cannot lie in me that can lie in one who is already forty years old. And if he imparts it to me, I receive it just as information, I cannot know it through myself. What a bond of human fellowship would be formed, if in this way a new earnestness, a new profundity came into life!
[ 33 ] Dieser Ernst, diese Tiefe ist es gerade, die unserem Leben fehlt, die unser Leben nicht hat, weil unser Leben nur Kopfwissen vorläufig achtet. Dadurch aber wird das wirkliche Soziale sterben, der Auflösung entgegengehen; denn hier auf der Erde wandeln Menschen dann herum, die gar nicht wissen, was sie sind, die eigentlich nur dasjenige ernst nehmen, was bis zum siebenundzwanzigsten Jahre ist, und das übrige Leben dazu benützen, um den Kadaver in sich zu tragen für den Rest, aber nicht umzuwandeln den ganzen Menschen in etwas, was die Jugend noch durch den Tod tragen kann.
[ 33 ] This earnestness, this depth, is precisely what is lacking to our life, what our life does not possess. Our present life only values head-knowledge. But true social life will in this way die out, approach dissolution, for here on earth men wander about who have no idea what they are, who really only take seriously what there is up to the age of twenty-seven, and then employ the remainder of life in carrying about the corpse in them, but not in transforming the whole man into something which can still carry youthfulness through death.
[ 34 ] Weil man dies nicht versteht, weil ein Zeitalter gekommen ist, das dies nicht verstehen konnte, deshalb blieben alle die Dinge, die sich auf Geistiges bezogen, so unbefriedigende Dinge, wie ich es gestern sagen mußte von Friedrich Schlegel. Er war ein genialer Kopf, er hat vieles verstanden, aber er wußte nicht, daß eine neue Geistoffenbarung notwendig ist. Er glaubte einfach, das alte Christentum nehmen zu können. Mit Worten, mit wörtlichem Schallklang konnte er sogar in vieler Beziehung das Richtige aussprechen. Denken Sie nur einmal, eine Stelle aus dem letzten Vortrage von Friedrich Schlegel vom Jahre 1828 will ich Ihnen doch mitteilen. Er versuchte zu beweisen, so sagt er, «daß in dem Gange derselben» — nämlich der Weltgeschichte — «eine göttlich führende Hand und Fügung zu erkennen ist, daß nicht bloß irdisch sichtbare Kräfte in dieser Entwickelung und in dem sie hemmenden Gegensatze mitwirkend sind, sondern daß der Kampf zum Teil auch unter dem göttlichen Beistande gegen unsichtbare Mächte gerichtet ist; davon hoffe ich die Überzeugung, wenn auch nicht mathematisch erwiesen, was hier gar nicht angemessen, noch anwendbar wäre, doch bleibend erweckt und lebendig begründet zu haben».
[ 34 ] Because people do not understand this, my dear friends, because an age has come that could not understand this, everything that refers to spiritual things remains so unsatisfying, as I had to say yesterday concerning Friedrich Schlegel. He was a gifted man, he had understood much, but he did not know that a new revelation of the spirit was necessary, he thought that one could simply take the old Christianity. In many respects he could even express right ideas with ringing words—I will read you a passage from the last lecture by Friedrich Schlegel in the year 1828. He sought to prove, as he said, ‘that in the course of world-history a divine guiding hand and disposition is to be recognized, that not merely earthly visible forces are co-operating in this evolution, or opposing and hindering it, but that the conflict is in part directed under divine assistance against invisible powers. I hope to have established a conviction of this, even I though it is not proved mathematically, which would here be neither proper nor applicable, and that it will nevertheless remain active and vigorous.’
[ 35 ] Daß der Mensch also, indem er die Geschichte durchlebt, sich hereinzuleben hat in die Geschichte göttlicher Kräfte und mit diesen göttlichen Kräften zusammen gegen widerstrebende geistige Mächte—er sagt ausdrücklich: widerstrebende geistige Mächte — kämpft, davon hatte er eine Ahnung, aber es fehlte jedes lebendige Bewußtsein. Denn die wirkliche Wissenschaft vom Geiste, die flieht man ja in gewisser Beziehung. Seit dem 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung, als im Abendlande entstanden ist das Vorurteil, wie man es nannte, gegen die Einrede der falschen Gnosis — so nannte man es: die Einrede der falschen Gnosis —, da kam man allmählich dazu, abzulehnen alles dasjenige, was der Mensch wissen kann über die geistigen Welten. Und so ist es denn gekommen, daß auch die religiösen Impulse den Materialismus zubereitet haben, daß diese religiösen Impulse nicht verhindern konnten, daß wir eigentlich heute nichts haben, was wir der Jugend wirklich geben können. Unsere Wissenschaft dient nicht der Jugend, denn man kann sich im späteren Alter nur an sie erinnern, sie kann nicht Herzensweisheit werden.
[ 35 ] He had a presentiment, but not a living consciousness that man, by living through history, has to become familiar in history with divine forces, and together with these divine forces fights against opposing spiritual powers—he says expressly, ‘opposing spiritual powers’. For in certain respects people flee from the real science of the spirit. Since the third century of our era, when in the West the prejudice as it was called, arose against the persuasion of the false gnosis (so they called it: the persuasion of the false gnosis!) people have gradually begun to turn aside from all that can be known of the spiritual worlds. And so it came about that even religious impulses prepared materialism, and that these religious impulses could not prevent the fact that we have really nothing to give to youth. Our science does not serve the young; in later life one can only remember it, it cannot become heart-wisdom.
[ 36 ] Selbst auf religiösem Gebiete ist es so. Schließlich ist ja die Menschheit nur, ich möchte sagen, zu zwei Extremen gekommen. Den übersinnlichen Christus zu fassen hat ja die Menschheit ziemlich verlernt. Sie will nichts wissen von jener kosmischen Macht, von der die Geisteswissenschaft wieder sprechen muß als der Macht des Christus Jesus. Auf der einen Seite ist ja eine ganz liebliche, wirklich liebliche Vorstellung all dasjenige, was sich im Laufe des Mittelalters und der neueren Zeit durch Dichter, durch Musiker entwickelt hat, eine liebliche poetische Vorstellung, was sich in Anlehnung an das Jesuskind entwickelt hat; aber, religiös ausfüllen kann es doch nicht den Menschen sein ganzes Leben hindurch, was sich an Vorstellungen anknüpft an das liebe Jesulein! Es ist ja schon charakteristisch, daß eine geradezu paradoxe Liebe in unzähligen Liedern und dergleichen für das liebe Jesulein sich ausdrückt. Dagegen ist gar nichts einzuwenden, aber es kann nicht das einzige bleiben.
[ 36 ] In the religious field it is just the same. Man has finally come, one might say, to two extremes. He seems to have forgotten how to conceive of the super-sensible Christ and desires to know nothing of that cosmic power of which spiritual science must speak again as the power of Christ-Jesus. On the other hand there is the quite delightful, really lovely and charming picture which developed in the course of the Middle Ages and modern times through poets and musicians—a charming poetic picture which has developed round the Infant-Jesus. But pictures and ideas related to the dear Jesus-Babe cannot satisfy a man religiously his whole life through! It is in fact characteristic that a really paradoxical love for the sweet little Jesus is expressed in countless songs and so on. There is nothing to be objected to in this, but it cannot remain the only thing.
[ 37 ] Das ist das eine, wo sich der Mensch, weil er sich zu dem Großen nicht erheben kann, an das Kleinste gemacht hat, um wenigstens etwas zu haben. Aber ausfüllen kann es das Leben nicht. Und auf der andern Seite der «bon dieu citoyen», wie wir ihn zu Weihnachten mit den Worten Heinrich Heines kennengelernt haben, der gute Bürgergott Jesus, der aller Göttlichkeit entkleidet ist, der Gott der liberalen Pastoren und liberalen Priester. Glauben Sie, daß er nun wirklich das Leben ergreifen kann? Glauben Sie insbesondere, daß er die Jugend gefangennehmen kann? Er ist vom Anfange an ein totes Theologieprodukt, nicht einmal ein Theologieprodukt, sondern ein Theologiegeschichteprodukt. Aber die Menschheit ist auch auf diesem Gebiete weit davon entfernt, die Blicke hinzurichten auf dasjenige, was geistige Macht in der Geschichte ist.
[ 37 ] That is the one aspect, where man, in order to have at least something, has clung to the smallest, since he cannot raise himself to the great. But it cannot fill up life. And on the other hand the ‘bon Dieu citoyen’, as at Christmas we learnt to know him in Heinrich Heine's words, the ‘bon citoyen’ Jesus, who is divested of all divinity, the God of the liberal pastors and liberal priests. Now do you believe that he can really grip life? Do you believe in particular that he can take youth captive? He is from the outset a dead theology-product, not even a theology-product, but a theology-history-product. In this sphere, however, mankind is far removed from directing its gaze to what is spiritual power in history.
[ 38 ] Warum ist das so? Weil eben eine Zeitlang die Menschheit das schon durchmachen mußte, rein materiell in die Welt zu blicken. Es ist auch die Zeit herangekommen, wo die Umwandlung gerade des zur Spiritualität tauglichen Naturwissens der Gegenwart in Herzenswissen sich vollziehen muß. Unsere Naturwissenschaft ist entweder spottschlecht, wenn sie so bleibt, wie sie ist, oder sie ist etwas ganz außerordentlich Großartiges, wenn sie sich umwandelt in Herzensweisheit. Denn dann wird sie Geisteswissenschaft. Die alte, ältere Wissenschaft, die in mancherlei Traditionen befangen ist, hatte schon die Kopfwissenschaft in Herzenswissenschaft umgewandelt. Die neuere Zeit hat keine Begabung gehabt, das, was sie als Wissenschaft neu gewonnen hat bis jetzt, in Herzenswissenschaft umzuwandeln. Und so ist es denn gekommen, daß insbesondere auf sozialem Gebiete die Kopfwissenschaft die einzige wirkliche Arbeit geleistet hat und daher das einseitigste Produkt zustande gebracht hat, das es geben kann.
[ 38 ] Why is this so? Simply because for a time mankind must go through a stage of gazing into the world purely from a materialistic standpoint. The time has also come when modern natural science which is so fitted for spirituality must be transformed into heart-knowledge. Our natural science is either execrable, if it remains as it is, or it is something quite extraordinarily grand, if it changes into heart-knowledge. For then it becomes spiritual science. The older science which is involved in all sorts of traditions had already transformed head-science into heart-science; the modern age has had no gift for transforming into heart-science the science it has acquired up to the present, and so it has come about that head-science, especially in the social field, has performed the only real work, and has thus brought about the most one-sided product it is possible to have.
[ 39 ] Der Kopf des Menschen kann vom Menschenwesen überhaupt nichts wissen. Wenn der Kopf des Menschen daher über das Menschenwesen, wie es sich im sozialen Zusammenhange auslebt, nachdenkt, so muß der Kopf etwas ganz Fremdes in dem sozialen Zusammenleben zustande bringen, und das ist der moderne Sozialismus, wie er sich als sozialdemokratische Theorie ausdrückt. Es gibt nichts, was so rein Kopfwissen ist, wie die marxistische Sozialdemokratie, nur weil die übrige Menschheit versäumt hat, sich überhaupt mit Weltproblemen zu beschäftigen, und man in diesen Kreisen sich allein mit sozialen Theorien beschäftigt hat. Die übrigen haben nur — na, ich will höflich sein — die Professorengedanken sich vorsagen lassen, die nur traditionell sind. Aber die Kopfweisheit, das ist Sozialtheorie geworden. Das heißt, mit einem Instrumente hat man versucht, eine soziale Theorie zu begründen, das gerade am allerwenigsten geeignet ist, über die Menschenwesenheit etwas zu wissen. Das ist ein Fundamentalirrtum der gegenwärtigen Menschheit, der nur ganz aufgedeckt werden kann, wenn man wissen wird, wie es mit dem Kopf- und Herzenswissen ist. Niemals wird der Kopf widerlegen können den Sozialismus, marxistischen Sozialismus, weil der Kopf hinausdenken muß in unserem Zeitalter. Widerlegen können wird ihn nur die Geisteswissenschaft, weil die Geisteswissenschaft durch das Herz umgewandelte Kopfweisheit ist.
[ 39 ] You see, man's head can know nothing at all of the being of man. Hence when man's head ponders over the being of man and his connection with the social life, it has to bring something quite foreign into the social common life. And that is the modern socialism, expressed as social-democratic theory. There is nothing that is such pure head-knowledge as the Marxist social-democracy. This is only because the rest of mankind has shirked any concern in world problems, and in the Marxist circles they have only occupied themselves with social theories. The others have only—no, I will be polite—let themselves be prompted by professorial-thoughts, which are purely traditional. But head-wisdom has become social theory. That is to say, people have tried to establish a social theory with an instrument which is least of all capable of knowing anything about the human being. This is a fundamental error of present-day mankind, which can only be fully disclosed when people know about head-knowledge and heart-knowledge. The head will never be able to refute socialism, Marxist socialism, because in our times the head's task is to think out and devise. It will only be refuted through Spiritual Science, since Spiritual Science is head wisdom transformed through the heart.
[ 40 ] Das ist außerordentlich wichtig, daß man diese Dinge ins Auge faßt. Sie sehen, warum untaugliche Mittel vorhanden waren selbst bei einem solchen Menschen wie Schlegel, weil er Altes nehmen wollte, trotzdem er einsah: der Mensch muß wiederum sich einen Blick aneignen für das Unsichtbare, das unter uns herumgeht. Aber unsere Zeit ist eine Aufforderung, den Blick hinzurichten auf dieses Unsichtbare. Unsichtbare Mächte waren immer da, so wie Schlegel das ahnt; unsichtbare Mächte haben mitgearbeitet und mitgewirkt an dem, was in der Menschheit sich vollzieht. Die Menschheit aber muß sich entwickeln. Das ging bis zu einem gewissen Grade, daß in den letzten Jahrhunderten die Menschen keine Rücksicht genommen haben auf die übersinnlichen, unsichtbaren Kräfte zum Beispiel im sozialen Leben. In Zukunft wird das nicht gehen. In der Zukunft wird das gegenüber den realen Verhältnissen nicht gehen. Viele Beispiele könnte ich dafür anführen; eines will ich anführen.
[ 40 ] It is extraordinarily important that one should realize these things. You see why even such a man as Schlegel suggested unsuitable means—since he was willing to accept the old, although he realized that man must re-acquire vision for the invisible that goes about amongst us. But our age is a challenge to direct the gaze to what is thus invisible. Invisible powers were always at hand as Schlegel divined: unseen powers have taken part in working upon what is being accomplished in mankind. Humanity, however, must evolve. Up to a certain degree it did not matter so much if people in the last few centuries gave no thought to the super-sensible, invisible forces, for instance, in social life. That will not do in the future. In the future, in face of the real conditions, that won't do! I could quote many examples to show this; I will bring forward one.
[ 41 ] Ich habe von andern Gesichtspunkten aus im Laufe der letzten anderthalb Jahrzehnte darüber gesprochen. Wer das soziale Verhältnis in Europa betrachtet, wie es sich herausgebildet hat seit dem 8., 9. Jahrhundert, der weiß, daß verschiedenes in die Struktur des europäischen Lebens hineingearbeitet hat, in dieses komplizierte europäische I,eben, das im Westen sich behalten hat das athanasianische Christentum, das zurückgeschoben hat, wie ich das vor Wochen hier gesagt habe, nach dem Osten ein älteres Christentum, das urverwandt ist mit asiatischen Traditionen: das russische Christentum, das orthodoxe Christentum; das im Westen ausgebildet hat — indem es allmählich einen Gliedkörper geschaffen hat aus dem konservierten Romanentum mit dem neu auflebenden Germanentum und Slawentum in Europa — die verschiedenen europäischen Glieder dieses europäischen sozialen Ganzen, einen komplizierten Organismus. Man konnte sich bis jetzt in ihm bewegen, indem man dasjenige, was unsichtbar in ihm lebte, unberücksichtigt ließ; denn die Konfiguration Europas, sie hat viel Kraft in ihrer Struktur. Aber eine wichtige, wesentliche Kraft in dieser Struktur ist unter anderem das Verhältnis, in dem Frankreich zum übrigen Europa gestanden hat. Ich meine jetzt nicht bloß das politische Verhältnis, ich meine das ganze Verhältnis von Frankreich zum übrigen Europa und verstehe darunter alles dasjenige, was irgendein Europäer irgendeinem, der sich zum französischen Wesen rechnet, gegenüber fühlen konnte im Laufe der Jahrhunderte, seit dem 8., 9. Jahrhundert. Es besteht das Eigentümliche, daß, soweit das Verhältnis des übrigen Europa zu Frankreich in Betracht kommt, das Verhältnis des übrigen Europa zu Frankreich in Sympathie- und Antipathiegefühlen sich ausdrückt. Wir haben es zu tun mit Sympathie und Antipathie. Aber so ist es mit einem reinen Phänomen des physischen Planes. Man kann verstehen, was in Europa hereingespielt hat zwischen Frankreich und dem übrigen Europa in bezug auf Menschenverhältnisse, wenn man studiert, was Herzen, was Menschenseelen ausleben auf dem physischen Plan. Was jedenfalls außerhalb Frankreichs sich für Frankreich entwickelt hat, ist zu verstehen nach Verhältnissen des physischen Planes. Daher hat es nichts geschadet — andere Verhältnisse in Europa waren in den letzten Jahrhunderten ähnlich —, wenn man versäumt hat zu sehen, was an übersinnlichen Mächten in die Dinge hineingespielt hat, weil die Sympathien und Antipathien nach den Verhältnissen des physischen Planes eingestellt waren.
[ 41 ] In the course of the last decade and a half I have spoken of this from other points of view. Anyone who observes the social state of Europe, as it has developed since the 8th, 9th centuries, knows that many different things have worked into the structure of European life, into this complicated European life. In the West it has retained the Athanasian Christianity, it has thrust back eastwards (as I said here a few weeks ago) an older Christianity, originally linked with Asiatic traditions, the Russian Christianity, the Orthodox Christianity. It has developed in the West the various European members of this European social totality—inasmuch as it has gradually created a member out of the preserved Roman element with the newly revived German and Slav elements in Europe—altogether a complicated organism. One could find one's way about in it up to now, if one disregarded what lives there unseen; for the configuration of Europe has much force in its structure. But an essential and important force in this structure is, among others, the relation in which France has stood to the rest of Europe. I do not now mean merely the political relation, I mean the whole relation of France to the rest of Europe, and by this I mean all that any European could feel in the course of centuries, since the 8th, 9th centuries, with regard to anyone belonging to the French nation. There is this peculiarity, my dear friends, that, so far as the relation of the rest of Europe to France is concerned, it comes to expression in feelings of sympathy and antipathy. We have to do with sympathy and antipathy, and hence purely with a phenomenon of the physical plane. One can understand the human relationship coming into play between France and the rest of Europe if one studies what hearts, what human souls live out on the physical plane. What has developed for France, at any rate outside France, is to be understood through physical plane conditions. Hence it did no harm—there were similar relationships in Europe in the last centuries—it did no harm if people neglected to see the super-sensible powers playing into things, since the sympathies and antipathies were caused by relations of the physical plane.
[ 42 ] Vieles von dem, was durch Jahrhunderte so gespielt hat, wird anders werden. Wir stehen vor mächtigen Umwälzungen, auch in bezug auf die innersten Verhältnisse, die über die europäische soziale Struktur hingehen. Man darf nicht glauben, daß es leichten Herzens hingesprochen war, wenn ich jetzt wiederholt darauf aufmerksam gemacht habe, daß die Dinge wichtiger zu nehmen sind, als man heute geneigt ist, es zu tun. Wir stehen vor mächtigen Umwälzungen, und notwendig wird es sein, daß in der Zukunft die Menschen ihr Auge, ihr Seelenauge richten auf geistige Verhältnisse; denn man wird nach bloßen Verhältnissen des physischen Planes nicht mehr verstehen können, was sich abspielt. Man wird es nur verstehen können, wenn man geistige Verhältnisse wird in Betracht ziehen können. Was sich im März abgespielt hat — der Sturz des Zarentums —, das hat einen metaphysischen Charakter. Man kann es nur verstehen, wenn man den metaphysischen Charakter ins Auge faßt.
[ 42 ] Much of what has thus played its part for centuries will become different. We are standing before mighty revolutions, even in regard to innermost relations that are coming over the European social structure. One need not believe it to have been lightly spoken if I have once again stressed the fact that things are to be taken more earnestly than men nowadays are inclined to take them. We are standing before mighty revolutions—and it will be necessary in the future for men to turn their eyes—the eyes of the mind—to spiritual relationships; for it will no longer be possible merely from physical plane relations to understand what is going on. It can only be understood if one can take spiritual relations into consideration.
[ 43 ] Wir sind unter uns, solche Dinge können unbefangen besprochen werden. Warum gab es denn überhaupt ein Zarentum? Die Frage kann in einem höheren Sinne aufgefaßt werden als im äußeren trivial-historischen Sinne. Warum gab es denn überhaupt ein Zarentum? Wenn man absieht von einzelnen pazifistischen Querköpfen, die in den Firlefanzereien des zaristischen Friedensmanifestes etwas Ernsthaftes gesehen haben, dann muß man sagen: Selbst diejenigen, welche aus allerlei Gründen mit dem russischen Reiche sich [gut] gestellt haben —, das Zarentum haben sie nicht geliebt! Und diejenigen, die es geliebt haben, bei denen war die Liebe sicherlich nicht sehr echt. Warum gab es denn überhaupt ein Zarentum? Es gab ein Zarentum — ich will es jetzt paradox ausdrücken, etwas extrem —, damit Europa etwas zu hassen hatte. Diese Kräfte des Hasses waren notwendig aufzubringen. Es gab ein Zarentum, und das Zarentum benahm sich so, wie es sich benahm, damit Europa etwas zu hassen hatte. Diesen Haß brauchte Europa als den Vorspann zu etwas anderem. Der Zar mußte dasein, um zunächst den Punkt abzugeben, auf den sich der Haß konzentrierte; denn eine Welle des Hasses bereitete sich vor, die nach diesen Tagen auch schon äußerlich beurteilt werden kann. Dasjenige, was sich jetzt abspielt, wird sich in mächtige Hassesgefühle umwandeln, die nicht mehr zu verstehen sein werden, wie die Sympathie und Antipathie von früher, wie ich auseinandergesetzt habe, nach dem physischen Plane zu verstehen sind. Denn es werden nicht bloß Menschen hassen. Mittel- und Osteuropa wird gehaßt werden, nicht von Menschen, sondern von gewissen Dämonen, die in Menschen wohnen werden. Die Zeit, wo Osteuropa vielleicht noch mehr gehaßt wird als Mitteleuropa, die wird schon kommen.
[ 43 ] What took place in March—the fall of the Czar—has a metaphysical character. One can only understand it if one has in mind its metaphysical character. Why then was there a Czar at all? The question can be grasped in a higher sense than in the external trivial-historical sense. Why was there a Czar at all? If one disregards individual pacifist cranks who have seen something serious in the tomfoolery of the Czar's Peace-Manifesto, then one must say: even those who from all sorts of reasons have ranged themselves with the Russian realm have not loved Czardom. And in those who loved it, the love was certainly not very genuine. But why was there a Czardom? There was a Czardom—my dear friends, I will now express it paradoxically, somewhat extremely:—so that Europe had something to hate. It was necessary to provoke those forces of hatred. There was a Czardom, and the Czardom behaved as it did, so that Europe had something to hate. Europe needed this hate as a sort of fresh impetus to something else. The Czar must be there in order in the first place to serve as the point on which the hatred concentrated; for a wave of hatred was prepared, as may now even be seen externally. What is now taking place will be transformed into powerful feelings of hatred. It will no longer be possible to understand these, as the sympathy and antipathy of former times were to be understood—from the aspect of the physical plane. For, my dear friends, not mere human beings will hate. Central and Eastern Europe will be hated, not by men, but by certain demons which will dwell in men. The time will certainly come when Eastern Europe will perhaps be hated even more than Central Europe.
[ 44 ] Diese Dinge müssen verstanden werden, diese Dinge dürfen nicht leicht genommen werden. Sie können nur verstanden werden, wenn die Menschen sich dazu aufschwingen, Zusammenhang zu suchen mit der geistigen Welt. Denn das muß doch kommen, was solche Geister wie Friedrich Schlegel schon ein wenig geahnt haben, aber wofür sie die Grundlagen und die Wurzeln eben nicht gesehen haben. Das muß kommen, daß die Dinge unbefangen ins Seelenauge gefaßt werden, damit der Mensch zurückschauen kann auf die letzten Jahrhunderte, auf das, was sie gebracht haben — und dann wird er mitarbeiten können an dem, was begründet werden muß.
[ 44 ] These things must be understood and they must not be taken lightly. They can only be understood if men lift themselves to seek a connection with the spiritual world. For what has already been to some extent divined by such spirits as Friedrich Schlegel, will certainly come to pass, though they have not seen the foundations and the roots. Things must be grasped without prejudice in the eye of the soul, so that man can look back over the last centuries and what they have brought ... and then they will be able to co-operate in what must be founded.
[ 45 ] Unter den schönen Sätzen, die sich zuweilen in den Schlegelschen Vorlesungen finden, ist auch der, daß es in der Entwickelung der Menschheit ankommt auf das Innere der Seele und auf die Wahrhaftigkeit im Innern der Seele, und daß schädlich ist vor allem jede politische Abgötterei. Das ist ein schöner Satz von Friedrich Schlegel. Diese politische Abgötterei, wie hat sie unsere Zeit erfaßt! Wie beherrscht sie unsere Zeit! Und die politische Abgötterei hat sich selber ein schönes Symptom geschaffen, an dem man erkennen konnte, was da ist.
[ 45 ] Among the fine passages that occur from time to time in Schlegel's addresses there is this: ‘In the evolution of mankind all depends on the inner being of the soul and on the sincerity in the soul, and harmful above all is every kind of political idolatry.’ That is a fine passage of Friedrich Schlegel's. This political idolatry, how it has laid hold of our time! How it rules our time! And the political idolatry has created a fine symptom for itself, by which one is able to recognize what is there.
[ 46 ] Aber man muß Zusammenhänge durchschauen. Man muß es empfinden, was in unserer Zeit lebt. Wir haben nicht die Möglichkeit — wir verstehen es, sobald wir hinblicken auf das wahre Wesen des Kopf- und Herzensmenschen —, wir haben heute nicht die Möglichkeit, wenn wir das Wissen nicht herzlich vertiefen, den Kindern dasjenige zu geben, was sie brauchen, um das Leben lebensfähig jung hindurchzuerhalten. Wir haben diese Möglichkeit noch nicht. Das muß begründet werden, das muß kommen. Wir können sagen, wenn wir die Dinge in ein paar Worte zusammenfassen wollen: ganz und gar nicht kann die Schulmeisterei ihre Aufgabe heute erfüllen. Was Schulmeisterei ist, das ist weltenfremd dem wahren Wesen des Menschen. Die Welt aber droht beherrscht zu werden von einem politisch abgöttisch verehrten Schulmeister. Die Schulmeisterei, das Ungeeignetste zur Menschenlenkung in dem heutigen Zeitabschnitte, soll große Politik werden.
[ 46 ] But one must look through circumstances! Yes, my dear friends, one must perceive what is living in our times. We have no possibility today, if we do not deepen knowledge through the heart, of giving children what they need in order to keep young and fitted for life all their life through. We have not yet this possibility3The first of over eighty Waldorf Schools was not founded until 1919.—and we understand that as soon as we look at the true nature of the head-man and heart-man. It must be established, it must come. If we want to put things in a few words we can say: Schoolmastering is utterly and entirely unable to fulfil its mission today. What ranks as Schoolmastering is completely foreign to the true being of man. But the world threatens to be ruled by a schoolmaster,4Woodrow Wilson. revered through political idolatry. Schoolmastering, the least of all fitted for guiding men in the modern epoch, is supposed to be high politics.
[ 47 ] Diese Dinge sollten wenigstens einige Menschen einsehen, denn das sind Dinge, die tief zusammenhängen mit den tiefen Erkenntnissen, die man sich allein erwerben kann, wenn man ein wenig hineinzudringen versucht in die Geheimnisse der Menschheit. Mit Trieben und Instinkten, mit Chauvinismen und Nationalismen läßt sich heute die Welt weder begreifen noch irgendwie regieren — allein mit dem guten Willen, der eindringen will in die wahre Wirklichkeit. Davon wollen wir dann morgen weitersprechen.
[ 47 ] At least some few people ought to realize these things. For they are things which are profoundly connected with the deep knowledge which man can only gain if he seeks a little to penetrate the secrets of humanity. The world today can neither be grasped nor in any way governed through desires and instincts, through Chauvinism and nationalism, but solely through the good will which tries to penetrate into true reality.
