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Earth-Death and Universal-Life
Anthroposophical Life-Gifts
Essential Aspects of Consciousness for the Present and the Future
GA 181

1 April 1918, Berlin

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Anthroposophische Lebensgaben II

Anthroposophische Lebensgaben II

[ 1 ] Als ich vorgestern versuchte, auseinanderzusetzen die Beeinflussung des Menschen durch den Teil der Erde, auf dem er sich als physischer Mensch entwickelt, da hatte ich vorzugsweise im Auge, einmal besonders deutlich darauf hinzudeuten, wie die gesamte Erde ein Organismus, ein beseelter, durchgeistigter Organismus ist. Denn wie ein Organismus seine einzelnen verschiedenen, differenzierten Glieder hat, von denen jedes eine besondere Aufgabe hat — die Arme haben nicht die Aufgabe der Beine, das Herz nicht die Aufgabe des Gehirns und so weiter —, so hat, wenn man die Erde als Ganzes, als beseelten, durchgeistigten Organismus betrachtet, jeder Teil der Erde seine besondere Aufgabe. Diese besondere Aufgabe der einzelnen menschlichen organischen Glieder ist ersichtlich an der Gestalt dieser einzelnen Glieder. Die Arme sind anders geformt als die Beine, das Herz anders als das Gehirn. Bei der Erde ist das nicht so deutlich mit Bezug auf das Physische. Wer nur als äußerer materialistischer Geograph die einzelnen Kontinente oder sonst irgendwie Teile der Erde, nach diesen oder jenen Gesichtspunkten geordnet, betrachtet, dem fällt nicht von vorneherein auf, daß diese verschiedenen Glieder der Erde verschiedene Wirkungsweisen haben. Das fällt erst dem auf, der gewissermaßen das Seelische und das Geistige der Erde ins Auge fassen kann. Dies erkennen, heißt aber tatsächlich, sich im Konkreten zu der Anschauung aufschwingen, daß die Erde ein beseelter, durchgeistigter Organismus ist, und daß der Mensch, wie er als physischer Mensch auf der Erde lebt, ein Glied innerhalb dieses Organismus ist.

[ 1 ] Als ich vorgestern versuchte, auseinanderzusetzen die Beeinflussung des Menschen durch den Teil der Erde, auf dem er sich als physischer Mensch entwickelt, da hatte ich vorzugsweise im Auge, einmal besonders deutlich darauf hinzudeuten, wie die gesamte Erde ein Organismus, ein beseelter, durchgeistigter Organismus ist. Denn wie ein Organismus seine einzelnen verschiedenen, differenzierten Glieder hat, von denen jedes eine besondere Aufgabe hat — die Arme haben nicht die Aufgabe der Beine, das Herz nicht die Aufgabe des Gehirns und so weiter —, so hat, wenn man die Erde als Ganzes, als beseelten, durchgeistigten Organismus betrachtet, jeder Teil der Erde seine besondere Aufgabe. Diese besondere Aufgabe der einzelnen menschlichen organischen Glieder ist ersichtlich an der Gestalt dieser einzelnen Glieder. Die Arme sind anders geformt als die Beine, das Herz anders als das Gehirn. Bei der Erde ist das nicht so deutlich mit Bezug auf das Physische. Wer nur als äußerer materialistischer Geograph die einzelnen Kontinente oder sonst irgendwie Teile der Erde, nach diesen oder jenen Gesichtspunkten geordnet, betrachtet, dem fällt nicht von vorneherein auf, daß diese verschiedenen Glieder der Erde verschiedene Wirkungsweisen haben. Das fällt erst dem auf, der gewissermaßen das Seelische und das Geistige der Erde ins Auge fassen kann. Dies erkennen, heißt aber tatsächlich, sich im Konkreten zu der Anschauung aufschwingen, daß die Erde ein beseelter, durchgeistigter Organismus ist, und daß der Mensch, wie er als physischer Mensch auf der Erde lebt, ein Glied innerhalb dieses Organismus ist.

[ 2 ] Da entstehen denn, wenn man dies berücksichtigt, mancherlei Fragen, und wer das Leben des Menschen so betrachtet, als ob es nur ein Mal zwischen Geburt und Tod verliefe, der wird mit diesen Fragen sehr wenig vernünftigerweise zurechtkommen. Denn der Mensch, wie er als physischer Mensch einmal ist, kann sich ja nur einem bestimmten Teile der Erde eingliedern. Er würde also dazu verurteilt sein, sich ganz spezialisieren, differenzieren zu lassen durch diesen besonderen Teil der Erde, gewissermaßen nicht irgendwie ein Ganzes sein zu können, sondern nur ein Glied im Erdenorganismus. Aber auf der “andern Seite ergibt sich gerade aus dieser Einsicht in das Beseelte, Durchgeistigte der Erde eine wichtige Erkenntnis, die Erkenntnis, daß das eigentliche, tiefere Wesen des Menschen, zu dem der Mensch im eigentlichen Sinne «Ich» sagt, nicht unmittelbar, sondern nur mittelbar mit dieser Differenzierung des Menschen über die Erde hin zusammenhängen kann, daß des Menschen seelisch-geistiger Wesenskern in demjenigen gewissermaßen nur wohnt, was so durch die Besonderheit der Erde spezifiziert wird. Also gerade die Erkenntnis kann der Mensch aus so etwas sich allmählich erringen, daß in dem, was uns zunächst am Menschen entgegentritt, sein geistig-seelischer Kern nicht bestehen kann, daß gewissermaßen dasjenige, in dem der Mensch uns entgegentritt, nur das Wohnhaus, das durch die besonderen Verhältnisse der Erde bestimmte Wohnhaus des Menschen sein kann. — Ich erwähne das nicht, weil es dem schon mit der Geisteswissenschaft Bekannten als eine besonders erhebliche Wahrheit erscheinen könnte. Das kann es natürlich nicht sein. Aber es soll zeigen, wie wirkliches, eindringlicheres Nachdenken über die Verhältnisse der Erde den Menschen dazu führen kann, sich durch dieses Nachdenken rein vernunftgemäß an die Geisteswissenschaft heranzubilden. Denn das muß als eines der fatalsten Vorurteile hinweggeräumt werden, was sich darin ausdrückt, daß man sagt: Geisteswissenschaft könne doch nur für den begreiflich sein, der in die geistige Welt hineinsieht! — Dies ist das Vorurteil, welches immer wieder und wieder, ich möchte sagen, zur Beruhigung aller der Bequemlinge sich geltend machen will, welche, weil sie sich darauf berufen, sie könnten nicht an das hellschauende Erkennen heran, Geisteswissenschaft zunächst wie eine Art Provisorium oder wie irgend etwas hinstellen möchten, was die Menschheit überhaupt nichts angehe. In Wahrheit kann umfassendes, eindringliches Denken wirklich das Geisteswissenschaftliche begreifen. Nur muß das Denken eben eindringlich, umfassend sein. Es muß dieses Denken bereit sein, die Erscheinungen des Lebens an das heranzutragen, was die Geisteswissenschaft konstatiert. Wer das, was ihm erreichbar ist an Wissen über die Charaktereigenschaften der verschiedenen Völker auf der Erde, der verschiedenen Erdenbewohner, wer es an das heranbringt, was ihm die Geisteswissenschaft sagt, der wird schon erkennen: An den Charaktereigenschaften der Völker bewahrheitet sich das, was hier das letzte Mal auseinandergesetzt worden ist. Man muß das, was einem das Leben bietet, wirklich an diese Erkenntnis herantragen. Man muß bereit sein, vorurteilsfrei an den Lebenserfahrungen die geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse zu prüfen, dann führt vernünftiges Durchschauen der Sache zur Anerkennung der Geisteswissenschaft.

[ 2 ] Da entstehen denn, wenn man dies berücksichtigt, mancherlei Fragen, und wer das Leben des Menschen so betrachtet, als ob es nur ein Mal zwischen Geburt und Tod verliefe, der wird mit diesen Fragen sehr wenig vernünftigerweise zurechtkommen. Denn der Mensch, wie er als physischer Mensch einmal ist, kann sich ja nur einem bestimmten Teile der Erde eingliedern. Er würde also dazu verurteilt sein, sich ganz spezialisieren, differenzieren zu lassen durch diesen besonderen Teil der Erde, gewissermaßen nicht irgendwie ein Ganzes sein zu können, sondern nur ein Glied im Erdenorganismus. Aber auf der “andern Seite ergibt sich gerade aus dieser Einsicht in das Beseelte, Durchgeistigte der Erde eine wichtige Erkenntnis, die Erkenntnis, daß das eigentliche, tiefere Wesen des Menschen, zu dem der Mensch im eigentlichen Sinne «Ich» sagt, nicht unmittelbar, sondern nur mittelbar mit dieser Differenzierung des Menschen über die Erde hin zusammenhängen kann, daß des Menschen seelisch-geistiger Wesenskern in demjenigen gewissermaßen nur wohnt, was so durch die Besonderheit der Erde spezifiziert wird. Also gerade die Erkenntnis kann der Mensch aus so etwas sich allmählich erringen, daß in dem, was uns zunächst am Menschen entgegentritt, sein geistig-seelischer Kern nicht bestehen kann, daß gewissermaßen dasjenige, in dem der Mensch uns entgegentritt, nur das Wohnhaus, das durch die besonderen Verhältnisse der Erde bestimmte Wohnhaus des Menschen sein kann. — Ich erwähne das nicht, weil es dem schon mit der Geisteswissenschaft Bekannten als eine besonders erhebliche Wahrheit erscheinen könnte. Das kann es natürlich nicht sein. Aber es soll zeigen, wie wirkliches, eindringlicheres Nachdenken über die Verhältnisse der Erde den Menschen dazu führen kann, sich durch dieses Nachdenken rein vernunftgemäß an die Geisteswissenschaft heranzubilden. Denn das muß als eines der fatalsten Vorurteile hinweggeräumt werden, was sich darin ausdrückt, daß man sagt: Geisteswissenschaft könne doch nur für den begreiflich sein, der in die geistige Welt hineinsieht! — Dies ist das Vorurteil, welches immer wieder und wieder, ich möchte sagen, zur Beruhigung aller der Bequemlinge sich geltend machen will, welche, weil sie sich darauf berufen, sie könnten nicht an das hellschauende Erkennen heran, Geisteswissenschaft zunächst wie eine Art Provisorium oder wie irgend etwas hinstellen möchten, was die Menschheit überhaupt nichts angehe. In Wahrheit kann umfassendes, eindringliches Denken wirklich das Geisteswissenschaftliche begreifen. Nur muß das Denken eben eindringlich, umfassend sein. Es muß dieses Denken bereit sein, die Erscheinungen des Lebens an das heranzutragen, was die Geisteswissenschaft konstatiert. Wer das, was ihm erreichbar ist an Wissen über die Charaktereigenschaften der verschiedenen Völker auf der Erde, der verschiedenen Erdenbewohner, wer es an das heranbringt, was ihm die Geisteswissenschaft sagt, der wird schon erkennen: An den Charaktereigenschaften der Völker bewahrheitet sich das, was hier das letzte Mal auseinandergesetzt worden ist. Man muß das, was einem das Leben bietet, wirklich an diese Erkenntnis herantragen. Man muß bereit sein, vorurteilsfrei an den Lebenserfahrungen die geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse zu prüfen, dann führt vernünftiges Durchschauen der Sache zur Anerkennung der Geisteswissenschaft.

[ 3 ] Dies ist in der heutigen Zeit recht wichtig zu betonen. Denn man kann sagen: Traditionen, die im geisteswissenschaftlichen Sinne das eine oder das andere enthalten, gibt es in viel größerer Verbreitung, als man gewöhnlich denkt. Aber es gibt eine gewisse Meinung, welche bis zum Heranrücken der neueren geschichtlichen Zeit ihre gute Berechtigung hatte, die aber von manchen geisteswissenschaftlich Wissenden auch in unsere Zeit herein fortgepflanzt wird, die Meinung, daß man gewisse tiefere Erkenntnisse über das Leben nicht öffentlich mitteilen sollte. Ich habe öfter die Gründe auseinandergesetzt, welche die Leute, die etwas von diesen Dingen wissen, für dieses Nichtmitteilen haben, und ich habe auch darauf hingewiesen, warum diese Gründe für die heutige Zeit nicht mehr gelten. Aber in gewisser Beziehung bieten gerade diese Tatsachen eine Schwierigkeit. Denn man hat nicht nur das Sich-Stemmen des weitaus größten Teiles der Menschheit gegen die Geisteswissenschaft gegen sich, sondern man hat auch die Meinung derer, die etwas wissen, gegen sich: daß derjenige unrecht habe, der aus dem Born der Geisteswissenschaft der Öffentlichkeit Dinge übergibt, wie man andere Wahrheiten der Öffentlichkeit übergibt. Die da glauben, daß der Schleier des Geheimnisses über gewisse Dinge noch immer nicht gelüftet werden darf, sie werden dann geheilt werden, wenn sie das Wichtige anerkennen, das zum Beispiel — allerdings in etwas wissenschaftlicher Form, aber deutlich genug, wie mir scheint — in dem Vorworte und in der Einleitung zu meinem Buche «Vom Menschenrätsel» gesagt worden ist.

[ 3 ] Dies ist in der heutigen Zeit recht wichtig zu betonen. Denn man kann sagen: Traditionen, die im geisteswissenschaftlichen Sinne das eine oder das andere enthalten, gibt es in viel größerer Verbreitung, als man gewöhnlich denkt. Aber es gibt eine gewisse Meinung, welche bis zum Heranrücken der neueren geschichtlichen Zeit ihre gute Berechtigung hatte, die aber von manchen geisteswissenschaftlich Wissenden auch in unsere Zeit herein fortgepflanzt wird, die Meinung, daß man gewisse tiefere Erkenntnisse über das Leben nicht öffentlich mitteilen sollte. Ich habe öfter die Gründe auseinandergesetzt, welche die Leute, die etwas von diesen Dingen wissen, für dieses Nichtmitteilen haben, und ich habe auch darauf hingewiesen, warum diese Gründe für die heutige Zeit nicht mehr gelten. Aber in gewisser Beziehung bieten gerade diese Tatsachen eine Schwierigkeit. Denn man hat nicht nur das Sich-Stemmen des weitaus größten Teiles der Menschheit gegen die Geisteswissenschaft gegen sich, sondern man hat auch die Meinung derer, die etwas wissen, gegen sich: daß derjenige unrecht habe, der aus dem Born der Geisteswissenschaft der Öffentlichkeit Dinge übergibt, wie man andere Wahrheiten der Öffentlichkeit übergibt. Die da glauben, daß der Schleier des Geheimnisses über gewisse Dinge noch immer nicht gelüftet werden darf, sie werden dann geheilt werden, wenn sie das Wichtige anerkennen, das zum Beispiel — allerdings in etwas wissenschaftlicher Form, aber deutlich genug, wie mir scheint — in dem Vorworte und in der Einleitung zu meinem Buche «Vom Menschenrätsel» gesagt worden ist.

[ 4 ] Es ist nämlich notwendig, einzusehen, daß dieser Begriff von Wahrheit und von Richtigkeit, den die meisten Menschen heute noch haben, eben überwunden wird. Die meisten Menschen haben heute den Begriff: Etwas ist richtig — etwas ist unrichtig. Aber immer wieder muß ich betonen und habe es auch in der Vorrede der «Menschenrätsel» besonders betont: Was des Menschen einzelne Ansicht über eine Sache von einer bestimmten Seite ist, nimmt sich aus wie die Photographie eines Gegenstandes von einer bestimmten Seite her. Wenn man einen Baum erst von der einen Seite, nachher von einer andern Seite photographiert, so ist das zweite Bild doch ein Bild desselben Baumes, es sieht nur anders aus. Nur heute, wo die Menschen so sehr abstrakt geworden sind, wo sie sich so sehr an das 'Theoretische gewöhnt haben, trotzdem sie glauben, Wirklichkeitsmenschen zu sein, heute gilt eine Ansicht von einer Sache als allumfassend, als die Wirklichkeit begreifend. Man glaubt, in einem Gedanken — oder in etwas anderem — die Wirklichkeit aussprechen zu können. Man ist insbesondere hochmütig in diesem Glauben, die Wirklichkeit durch einen Gedanken aussprechen zu können. Ich meine hochmütig etwa in der folgenden Art. Die Leute sagen: Wir haben heute die Kopernikanische Weltanschauung. Und die Menschheit vor Kopernikus man spricht es nicht in dieser Schroffheit aus, aber man denkt es doch —, das waren alles Kinder, wenn man nicht gar sagen möchte: Rindviecher, denn sie haben noch nicht die Kopernikanische Weltanschauung gehabt! Die ist richtig, denkt man, die andern Weltanschauungen sind falsch. — Das ist etwas, was überwunden werden muß. Auch die Kopernikanische Weltanschauung ist eben eine Ansicht, ist eine bestimmte Art, sich über die Dinge Gedanken, Vorstellungen, Bilder zu machen. Es gibt allerdings heute Menschen, welche die Geisteswissenschaft, sobald sie nur bemerken, daß sie eine Ansicht, eine reguläre Ansicht über eine Sache geben kann, bekämpfen, indem sie eine andere Ansicht der Sache ihr gegenüberstellen. Das wird derjenige aber auch gar nicht leugnen, der da weiß, daß es verschiedene Ansichten über eine Sache gibt. Nur wollen heute manche Menschen noch etwas ganz Besonderes, was sich etwa damit vergleichen läßt, daß man, wenn man zum Beispiel in einem Zimmer ist, sagen würde: Wenn man das Zimmer von einem Punkte aus beleuchtet hat und es dann von dieser Stelle aus durch die Beleuchtung übersieht, dann gibt das doch immer nur eine perspektivische Ansicht; das ist nicht die Wirklichkeit, löschen wir vielmehr das Licht aus, machen wir das Zimmer ganz finster und tasten wir alles einzelne ab. Dann haben wir alle, die wir so die Dinge abtasten, dieselbe Ansicht. Wenn wir das Zimmer im Lichte anschauen, dann hat der eine, der dort steht, diese Ansicht, ein anderer, der woanders steht, hat jene Ansicht und so weiter. — So möchte heute ein gewisses Ideal der Naturwissenschaft das Licht auslöschen und alles nur abtasten. Demgegenüber muß die Geisteswissenschaft allerdings das Licht anzünden. Dann aber sind natürlich die Ansichten etwas von verschiedenen Punkten Aufgenommenes.

[ 4 ] Es ist nämlich notwendig, einzusehen, daß dieser Begriff von Wahrheit und von Richtigkeit, den die meisten Menschen heute noch haben, eben überwunden wird. Die meisten Menschen haben heute den Begriff: Etwas ist richtig — etwas ist unrichtig. Aber immer wieder muß ich betonen und habe es auch in der Vorrede der «Menschenrätsel» besonders betont: Was des Menschen einzelne Ansicht über eine Sache von einer bestimmten Seite ist, nimmt sich aus wie die Photographie eines Gegenstandes von einer bestimmten Seite her. Wenn man einen Baum erst von der einen Seite, nachher von einer andern Seite photographiert, so ist das zweite Bild doch ein Bild desselben Baumes, es sieht nur anders aus. Nur heute, wo die Menschen so sehr abstrakt geworden sind, wo sie sich so sehr an das 'Theoretische gewöhnt haben, trotzdem sie glauben, Wirklichkeitsmenschen zu sein, heute gilt eine Ansicht von einer Sache als allumfassend, als die Wirklichkeit begreifend. Man glaubt, in einem Gedanken — oder in etwas anderem — die Wirklichkeit aussprechen zu können. Man ist insbesondere hochmütig in diesem Glauben, die Wirklichkeit durch einen Gedanken aussprechen zu können. Ich meine hochmütig etwa in der folgenden Art. Die Leute sagen: Wir haben heute die Kopernikanische Weltanschauung. Und die Menschheit vor Kopernikus man spricht es nicht in dieser Schroffheit aus, aber man denkt es doch —, das waren alles Kinder, wenn man nicht gar sagen möchte: Rindviecher, denn sie haben noch nicht die Kopernikanische Weltanschauung gehabt! Die ist richtig, denkt man, die andern Weltanschauungen sind falsch. — Das ist etwas, was überwunden werden muß. Auch die Kopernikanische Weltanschauung ist eben eine Ansicht, ist eine bestimmte Art, sich über die Dinge Gedanken, Vorstellungen, Bilder zu machen. Es gibt allerdings heute Menschen, welche die Geisteswissenschaft, sobald sie nur bemerken, daß sie eine Ansicht, eine reguläre Ansicht über eine Sache geben kann, bekämpfen, indem sie eine andere Ansicht der Sache ihr gegenüberstellen. Das wird derjenige aber auch gar nicht leugnen, der da weiß, daß es verschiedene Ansichten über eine Sache gibt. Nur wollen heute manche Menschen noch etwas ganz Besonderes, was sich etwa damit vergleichen läßt, daß man, wenn man zum Beispiel in einem Zimmer ist, sagen würde: Wenn man das Zimmer von einem Punkte aus beleuchtet hat und es dann von dieser Stelle aus durch die Beleuchtung übersieht, dann gibt das doch immer nur eine perspektivische Ansicht; das ist nicht die Wirklichkeit, löschen wir vielmehr das Licht aus, machen wir das Zimmer ganz finster und tasten wir alles einzelne ab. Dann haben wir alle, die wir so die Dinge abtasten, dieselbe Ansicht. Wenn wir das Zimmer im Lichte anschauen, dann hat der eine, der dort steht, diese Ansicht, ein anderer, der woanders steht, hat jene Ansicht und so weiter. — So möchte heute ein gewisses Ideal der Naturwissenschaft das Licht auslöschen und alles nur abtasten. Demgegenüber muß die Geisteswissenschaft allerdings das Licht anzünden. Dann aber sind natürlich die Ansichten etwas von verschiedenen Punkten Aufgenommenes.

[ 5 ] Nun wird ja gerade bei uns die Bemühung zugrunde gelegt, in der Welt herumzugehen, um an verschiedene Punkte zu kommen, von verschiedenen Punkten aus Ansichten aufzunehmen — das wird schon seit Jahren angestrebt —, von verschiedenen Punkten aus Ansichten aufzunehmen. Dazu könnte nun mancher sagen: Das eine widerspricht dem andern. — Aber das ist gerade das Wesentliche, daß in dem “ eben ausgesprochenen Sinne eines dem andern widerspricht, denn dadurch bekommt man gerade die allseitige Ansicht einer Sache. Und darauf kommt es gerade an. Nur ist dies durchaus nicht bequem. Denn die Menschen möchten am liebsten ein Büchelchen haben, möglichst dünn, worin eine ganze Weltanschauung notifiziert ist. Oder, wenn sie schon öfter über Weltanschauungen gesprochen haben wollen, dann möchten sie, daß immer dieselbe Sache abgebetet wird. Das kann ja natürlich nicht sein. Unsere gedruckten Zyklen mehren sich, werden immer mehr, um von verschiedenen Seiten die Dinge zu beleuchten, um von verschiedenen Seiten Anschauungen, Ansichten zu gewinnen, die dann erst ein Gesamtbild der Wirklichkeit geben können. Man muß allerdings — das eben Gesagte wird es Ihnen begreiflich erscheinen lassen — in einer gewissen Beziehung die Leute vor den Kopf stoßen, wenn man mit den geisteswissenschaftlichen Wahrheiten gegen die angekündigten und angedeuteten Vorurteile immer mehr verstoßen muß. Namentlich aber, wenn man also sündigt gegen die Forderung gewisser Geheimwissenschafter, wichtige Dinge nicht der Öffentlichkeit mitzuteilen, muß man über Sachen sprechen, welche die Leute schockieten, vielleicht auch ärgern und aufreizen, weil diese Dinge unter vielem andern eben zum Beispiel Anstoß erregen bei allen, die da sagen: Etwas kann doch nur richtig oder unrichtig sein. — Die Anschauung muß vielmehr Platz greifen, daß in der Aufeinanderfolge der Entwickelungszustände der Menschheit es niemals einen Zustand geben kann, in dem man sagen kann: Jetzt haben wir in bezug auf irgendein Gedankenmaterial die absolute Wahrheit —, oder: Wir wissen jetzt, was das absolut Unrichtige ist. — Das kann es gar nicht geben. Nicht darum kommen gewisse Anschauungen herauf, um den Menschen endlich das «Richtige» zu geben, so daß sie nun hochmütig auf die Vorfahren als auf Kinder oder noch etwas anderes hinschauen, sondern aus einem ganz andern Grunde. | |

[ 5 ] Nun wird ja gerade bei uns die Bemühung zugrunde gelegt, in der Welt herumzugehen, um an verschiedene Punkte zu kommen, von verschiedenen Punkten aus Ansichten aufzunehmen — das wird schon seit Jahren angestrebt —, von verschiedenen Punkten aus Ansichten aufzunehmen. Dazu könnte nun mancher sagen: Das eine widerspricht dem andern. — Aber das ist gerade das Wesentliche, daß in dem “ eben ausgesprochenen Sinne eines dem andern widerspricht, denn dadurch bekommt man gerade die allseitige Ansicht einer Sache. Und darauf kommt es gerade an. Nur ist dies durchaus nicht bequem. Denn die Menschen möchten am liebsten ein Büchelchen haben, möglichst dünn, worin eine ganze Weltanschauung notifiziert ist. Oder, wenn sie schon öfter über Weltanschauungen gesprochen haben wollen, dann möchten sie, daß immer dieselbe Sache abgebetet wird. Das kann ja natürlich nicht sein. Unsere gedruckten Zyklen mehren sich, werden immer mehr, um von verschiedenen Seiten die Dinge zu beleuchten, um von verschiedenen Seiten Anschauungen, Ansichten zu gewinnen, die dann erst ein Gesamtbild der Wirklichkeit geben können. Man muß allerdings — das eben Gesagte wird es Ihnen begreiflich erscheinen lassen — in einer gewissen Beziehung die Leute vor den Kopf stoßen, wenn man mit den geisteswissenschaftlichen Wahrheiten gegen die angekündigten und angedeuteten Vorurteile immer mehr verstoßen muß. Namentlich aber, wenn man also sündigt gegen die Forderung gewisser Geheimwissenschafter, wichtige Dinge nicht der Öffentlichkeit mitzuteilen, muß man über Sachen sprechen, welche die Leute schockieten, vielleicht auch ärgern und aufreizen, weil diese Dinge unter vielem andern eben zum Beispiel Anstoß erregen bei allen, die da sagen: Etwas kann doch nur richtig oder unrichtig sein. — Die Anschauung muß vielmehr Platz greifen, daß in der Aufeinanderfolge der Entwickelungszustände der Menschheit es niemals einen Zustand geben kann, in dem man sagen kann: Jetzt haben wir in bezug auf irgendein Gedankenmaterial die absolute Wahrheit —, oder: Wir wissen jetzt, was das absolut Unrichtige ist. — Das kann es gar nicht geben. Nicht darum kommen gewisse Anschauungen herauf, um den Menschen endlich das «Richtige» zu geben, so daß sie nun hochmütig auf die Vorfahren als auf Kinder oder noch etwas anderes hinschauen, sondern aus einem ganz andern Grunde. | |

[ 6 ] Erinnern wir uns an etwas, was wir alle wissen. Mit dem 15. Jahrhundert unserer Zeitrechnung ist die Menschheit in den fünften Kulturzeitraum der nachatlantischen Entwickelung eingetreten, was wir den Zeitraum der menschlichen Bewußtseinsseelenentwickelung nennen. Was mit diesem fünften Kulturzeitraum besonders heraufgekommen ist, hat also mit dem 15. nachchristlichen Jahrhundert begonnen. Bis dahin war es die Verstandes- oder Gemütsseele, die sich im Laufe der Kulturentwickelung der Menschheit besonders ergeben hat. Damit dann aber die Bewußtseinsseele herauskommen kann, nahmen gewisse Gedanken, gewisse Vorstellungsarten ein ganz bestimmtes Gepräge an. Nicht weil dieKopernikanische Weltanschauung das absolut Richtige ist — daß sie heraufkommen mußte, betone auch ich oft genug, und daß sie in gewisser Beziehung das für uns Zeitgemäße ist, werde ich immer wieder und wieder betonen —, aber nicht weil sie das absolut Richtige ist, kam sie herauf, sondern weil sie der Entwickelung der Bewußtseinsseele dient, weil der Mensch am besten zur Entwickelung der Bewußtseinsseele kommt, wenn er die Kopernikanische Weltanschauung allmählich sich in Fleisch und Blut übergehen läßt, wenn er es dahin bringt, durch die Kopernikanische Weltanschauung gewisse Konstellationen der Sterne so errechnen zu können, wie es die neuere Zeit errechnet.

[ 6 ] Erinnern wir uns an etwas, was wir alle wissen. Mit dem 15. Jahrhundert unserer Zeitrechnung ist die Menschheit in den fünften Kulturzeitraum der nachatlantischen Entwickelung eingetreten, was wir den Zeitraum der menschlichen Bewußtseinsseelenentwickelung nennen. Was mit diesem fünften Kulturzeitraum besonders heraufgekommen ist, hat also mit dem 15. nachchristlichen Jahrhundert begonnen. Bis dahin war es die Verstandes- oder Gemütsseele, die sich im Laufe der Kulturentwickelung der Menschheit besonders ergeben hat. Damit dann aber die Bewußtseinsseele herauskommen kann, nahmen gewisse Gedanken, gewisse Vorstellungsarten ein ganz bestimmtes Gepräge an. Nicht weil dieKopernikanische Weltanschauung das absolut Richtige ist — daß sie heraufkommen mußte, betone auch ich oft genug, und daß sie in gewisser Beziehung das für uns Zeitgemäße ist, werde ich immer wieder und wieder betonen —, aber nicht weil sie das absolut Richtige ist, kam sie herauf, sondern weil sie der Entwickelung der Bewußtseinsseele dient, weil der Mensch am besten zur Entwickelung der Bewußtseinsseele kommt, wenn er die Kopernikanische Weltanschauung allmählich sich in Fleisch und Blut übergehen läßt, wenn er es dahin bringt, durch die Kopernikanische Weltanschauung gewisse Konstellationen der Sterne so errechnen zu können, wie es die neuere Zeit errechnet.

[ 7 ] Was ist denn eigentlich das Gute an der Kopernikanischen Weltanschauung? Nicht das ist es, daß sie uns endlich das «Richtige» gesagt hat gegenüber dem «Falschen» früherer Jahrtausende, sondern daß sie eine geistige Mauer aufrichtete zwischen der Erde und dem Himmel, zwischen der physischen Welt und der geistigen Welt. Es kommt natürlich gleich etwas furchtbar Paradoxes heraus, etwas, womit man selbstverständlich bei denjenigen Menschen Anstoß erregt, welche die früher charakterisierten Vorurteile haben. Aber wahr ist es: Darum handelt es sich, daß die Menschen anfingen, kopernikanisch den Umkteis, den kosmischen Umkreis der Erde zu denken, weil sie, indem die kopernikanischen Vorstellungen sie in den Umkreis der Erde versetzten, eine geistige Mauer aufrichteten. Da kann man nicht durch. Dadurch ist man vom Geistigen abgeschlossen und kann mit seinen Vorstellungen im Umkreis der Erde bleiben und aus dem Umkreis der Erde gerade die Bewußtseinsseele entwickeln. Also, damit der Mensch möglichst egoistisch sich beschränkt auf das Irdische, wurde ihm die Kopernikanische Weltanschauung zuteil, die eine geistige Mauer um die Erde herum aufrichtet. Je vollkommener die Kopernikanische Weltanschauung sich ausbildet, desto sicherer ist es, daß der Mensch durch die äußere Anschauung von der geistigen Welt abgeschlossen wird, desto notwendiger wird es aber auch, daß er durch die innere Anschauung, durch die Belebung seines Inneren den Zusammenhang mit dem Geistigen wiederfindet. Es gehen merkwürdige Dinge parallel, ganz merkwürdige Dinge. Ich muß da schon ein wenig schwierig werden, wenn solche Dinge erörtert werden, aber, ich möchte sagen, da in der ganzen weiten Welt, um diese Dinge zu verstehen, nichts ist, als just die Anthroposophie, so müssen die Anthroposophen sich eben Mühe geben, diese Dinge zu verstehen.

[ 7 ] Was ist denn eigentlich das Gute an der Kopernikanischen Weltanschauung? Nicht das ist es, daß sie uns endlich das «Richtige» gesagt hat gegenüber dem «Falschen» früherer Jahrtausende, sondern daß sie eine geistige Mauer aufrichtete zwischen der Erde und dem Himmel, zwischen der physischen Welt und der geistigen Welt. Es kommt natürlich gleich etwas furchtbar Paradoxes heraus, etwas, womit man selbstverständlich bei denjenigen Menschen Anstoß erregt, welche die früher charakterisierten Vorurteile haben. Aber wahr ist es: Darum handelt es sich, daß die Menschen anfingen, kopernikanisch den Umkteis, den kosmischen Umkreis der Erde zu denken, weil sie, indem die kopernikanischen Vorstellungen sie in den Umkreis der Erde versetzten, eine geistige Mauer aufrichteten. Da kann man nicht durch. Dadurch ist man vom Geistigen abgeschlossen und kann mit seinen Vorstellungen im Umkreis der Erde bleiben und aus dem Umkreis der Erde gerade die Bewußtseinsseele entwickeln. Also, damit der Mensch möglichst egoistisch sich beschränkt auf das Irdische, wurde ihm die Kopernikanische Weltanschauung zuteil, die eine geistige Mauer um die Erde herum aufrichtet. Je vollkommener die Kopernikanische Weltanschauung sich ausbildet, desto sicherer ist es, daß der Mensch durch die äußere Anschauung von der geistigen Welt abgeschlossen wird, desto notwendiger wird es aber auch, daß er durch die innere Anschauung, durch die Belebung seines Inneren den Zusammenhang mit dem Geistigen wiederfindet. Es gehen merkwürdige Dinge parallel, ganz merkwürdige Dinge. Ich muß da schon ein wenig schwierig werden, wenn solche Dinge erörtert werden, aber, ich möchte sagen, da in der ganzen weiten Welt, um diese Dinge zu verstehen, nichts ist, als just die Anthroposophie, so müssen die Anthroposophen sich eben Mühe geben, diese Dinge zu verstehen.

[ 8 ] Es gibt heute so etwas wie eine Erkenntnistheorie; namentlich diejenige philosophische Wissenschaft, die auf Kant fußt, wird Erkenntnistheorie genannt. Doch diese Erkenntnistheorie ist wirklich, man möchte schon sagen, ein Nagel zum Sarge der menschlichen Erkenntnis. Nehmen Sie nur einen Hauptgedanken, wie er heute gewöhnlich den Leuten über die landläufige Erkenntnistheorie durch den Kopf schießt. Da sagt man: Draußen ist das Ding. Aber was da draußen ist, das ist eigentlich nur Äthervibration, etwas, was nichts zu tun hat mit der Farbe, mit dem Ton, sondern das ist Bewegung kleinster Teile im Raume. Draußen schwingt die Luft, tonlos. Diese Lufterschütterungen kommen an unser Ohr heran — Schopenhauer sagte etwas respektlos gegen die Erkenntnistheorie: trommeln an das Ohr heran — und werden nachher zu dem, was wir Ton nennen. Draußen ist alles stumm, dort sind bloß Erschütterungen in der Luft. Dann sind draußen Ätherwellen. Die kommen an das Auge heran. Aber jetzt ist ja die Sache nicht fertig: Es kommen die Wellen an das Auge heran, auf der Netzhaut wird das Bild erzeugt; von diesem Bilde aber weiß der Mensch nichts, wenn es nicht durch die Wissenschaft erforscht wird. Dann pflanzen sich die Vorgänge auf den Sehnerv fort. Diese können aber nur materieller Natur sein; sie gehen bis zur Gehirnrinde, und dort geht ein ganz geheimnisvoller Prozeß vor sich. Da kommt die Seele dazu, das, was draußen ist, was finster und stumm ist, leuchtend und farbig, warm und kalt und so weiter vorzustellen, schafft da die Dinge erst in sich selber, «träumt» die ganze Welt.

[ 8 ] Es gibt heute so etwas wie eine Erkenntnistheorie; namentlich diejenige philosophische Wissenschaft, die auf Kant fußt, wird Erkenntnistheorie genannt. Doch diese Erkenntnistheorie ist wirklich, man möchte schon sagen, ein Nagel zum Sarge der menschlichen Erkenntnis. Nehmen Sie nur einen Hauptgedanken, wie er heute gewöhnlich den Leuten über die landläufige Erkenntnistheorie durch den Kopf schießt. Da sagt man: Draußen ist das Ding. Aber was da draußen ist, das ist eigentlich nur Äthervibration, etwas, was nichts zu tun hat mit der Farbe, mit dem Ton, sondern das ist Bewegung kleinster Teile im Raume. Draußen schwingt die Luft, tonlos. Diese Lufterschütterungen kommen an unser Ohr heran — Schopenhauer sagte etwas respektlos gegen die Erkenntnistheorie: trommeln an das Ohr heran — und werden nachher zu dem, was wir Ton nennen. Draußen ist alles stumm, dort sind bloß Erschütterungen in der Luft. Dann sind draußen Ätherwellen. Die kommen an das Auge heran. Aber jetzt ist ja die Sache nicht fertig: Es kommen die Wellen an das Auge heran, auf der Netzhaut wird das Bild erzeugt; von diesem Bilde aber weiß der Mensch nichts, wenn es nicht durch die Wissenschaft erforscht wird. Dann pflanzen sich die Vorgänge auf den Sehnerv fort. Diese können aber nur materieller Natur sein; sie gehen bis zur Gehirnrinde, und dort geht ein ganz geheimnisvoller Prozeß vor sich. Da kommt die Seele dazu, das, was draußen ist, was finster und stumm ist, leuchtend und farbig, warm und kalt und so weiter vorzustellen, schafft da die Dinge erst in sich selber, «träumt» die ganze Welt.

[ 9 ] Es liegt das sehr Merkwürdige vor: Das ist der Weg, auf dem die Erkenntnistheorie von der äußeren materiellen Welt zum menschlichen Geist vordringen will. Aber was ist eigentlich in dieser Erkenntnistheorie? Es ist kurios, wenn man draußen bei den Dingen bleibt, die Töne und Farben haben — die Erkenntnistheorie nennt es naiven Realismus, den die ungebildeten Leute haben —, dann hat man wenigstens eine tönende und farbige Welt. Aber jetzt führt man diese Welt durch die Erkenntnistheorie zum Beispiel an das Auge heran. Jetzt hat man das Bild auf der Netzhaut, drinnen hat man dann nur die Fortpflanzung des Bildes in den Vorgängen auf den Sehnerv; im Großhirn ist nichts von der äußeren Welt, aber das Innere zaubert wieder aus den Schwingungen die ganze Welt heraus. Man hat dabei das Gefühl: Es ist schon der Münchhausen, der sich an seinem eigenen Haarschopf heraufzieht! Erst wird alles weggeschafft, dann hat man nichts mehr als Gehirnvibrationen, und nachher schafft wieder die Seele die Außenwelt, die man erst weggeschafft hat — wie Münchhausen: Man faßt sich beim eigenen Haarschopf und hebt sich in die Höhe. Aber das ist gründliche philosophische Wissenschaft, und wer das nicht hat, der steht nicht auf der Höhe der heutigen Erkenntnis!

[ 9 ] Es liegt das sehr Merkwürdige vor: Das ist der Weg, auf dem die Erkenntnistheorie von der äußeren materiellen Welt zum menschlichen Geist vordringen will. Aber was ist eigentlich in dieser Erkenntnistheorie? Es ist kurios, wenn man draußen bei den Dingen bleibt, die Töne und Farben haben — die Erkenntnistheorie nennt es naiven Realismus, den die ungebildeten Leute haben —, dann hat man wenigstens eine tönende und farbige Welt. Aber jetzt führt man diese Welt durch die Erkenntnistheorie zum Beispiel an das Auge heran. Jetzt hat man das Bild auf der Netzhaut, drinnen hat man dann nur die Fortpflanzung des Bildes in den Vorgängen auf den Sehnerv; im Großhirn ist nichts von der äußeren Welt, aber das Innere zaubert wieder aus den Schwingungen die ganze Welt heraus. Man hat dabei das Gefühl: Es ist schon der Münchhausen, der sich an seinem eigenen Haarschopf heraufzieht! Erst wird alles weggeschafft, dann hat man nichts mehr als Gehirnvibrationen, und nachher schafft wieder die Seele die Außenwelt, die man erst weggeschafft hat — wie Münchhausen: Man faßt sich beim eigenen Haarschopf und hebt sich in die Höhe. Aber das ist gründliche philosophische Wissenschaft, und wer das nicht hat, der steht nicht auf der Höhe der heutigen Erkenntnis!

[ 10 ] Es ist eigentümlich: Man versucht, die ganze mannigfaltige Welt bis in den Menschen hinein zu verfolgen. Was hat man zuletzt? Die Vorgänge in der Großhirnrinde sind nämlich gar nicht so kompliziert wie die Vorgänge im Sehnerv, sondern sie sind die einfachsten. Wenn man untersucht, wie die Welt im Menschen ist, so kommt man zu etwas höchst Einfachem. Man sucht den Geist, aber man kommt doch nur zu einem Geist, der die Welt träumt. Da muß man einen Sprung machen, denn es ist bisher noch keinem gelungen, den Geist herauszudestillieren. Auf der Suche nach dem Geist kommt man zuerst zu den Gehirnvibrationen, dann muß man [das, was nicht mehr da ist, wieder herschaffen]. Das ist der Weg, den die Wissenschaft genommen hat, um von der äußeren Sinneswelt hinein zum Geist zu kommen.

[ 10 ] Es ist eigentümlich: Man versucht, die ganze mannigfaltige Welt bis in den Menschen hinein zu verfolgen. Was hat man zuletzt? Die Vorgänge in der Großhirnrinde sind nämlich gar nicht so kompliziert wie die Vorgänge im Sehnerv, sondern sie sind die einfachsten. Wenn man untersucht, wie die Welt im Menschen ist, so kommt man zu etwas höchst Einfachem. Man sucht den Geist, aber man kommt doch nur zu einem Geist, der die Welt träumt. Da muß man einen Sprung machen, denn es ist bisher noch keinem gelungen, den Geist herauszudestillieren. Auf der Suche nach dem Geist kommt man zuerst zu den Gehirnvibrationen, dann muß man [das, was nicht mehr da ist, wieder herschaffen]. Das ist der Weg, den die Wissenschaft genommen hat, um von der äußeren Sinneswelt hinein zum Geist zu kommen.

[ 11 ] Auf der Erde haben wir eine Mannigfaltigkeit von Lebensverhältnissen, von Lebenseinflüssen, eine große Mannigfaltigkeit, vor der wir ehrfurchtsvoll erstaunen. Wenn wir die Verschiedenheit der Menschen über die Erde hin betrachten — mögen uns die einzelnen menschlichen Charaktere sympathisch oder unsympathisch anmuten, darauf kommt es nicht an —, und wenn wir bedenken, was da an Differenziertheit der Menschen herauskommt, so ist es im Grunde genommen so mannigfaltig, wie die Sinneswelt draußen im Verhältnis zum Menschen ist. In jener Vorzeit, als die «Kinder-Rindviecher» gelebt haben, da haben die Menschen versucht, diese Mannigfaltigkeit der Erde zu begreifen, indem sie hinaufgestiegen sind zum Himmel, indem sie vom Sinnlichen zum Geistigen hinaufgestiegen sind. Das tun sie nicht mehr. Indem man aufsteigt von der mannigfaltigen Erde, immer weiter und weiter, geht es einem so, wie wenn man von der äußeren Sinneswelt durch das Auge und das Gehirn zum menschlichen Geist kommt: Man kommt zu dem, was der Kopernikanismus aus dem großen geistigen Kosmos vorstellt. Geradeso wie die physiologische Erkenntnistheorie zu der Methode gegriffen hat, in den Vibrationen des Gehirns das Brett aufzurichten, um von der Außenwelt nicht zur Menschenseele zu kommen, geradeso verschlägt der Kopernikanismus geistig die Welt, eben gegen die geistige Welt hin.

[ 11 ] Auf der Erde haben wir eine Mannigfaltigkeit von Lebensverhältnissen, von Lebenseinflüssen, eine große Mannigfaltigkeit, vor der wir ehrfurchtsvoll erstaunen. Wenn wir die Verschiedenheit der Menschen über die Erde hin betrachten — mögen uns die einzelnen menschlichen Charaktere sympathisch oder unsympathisch anmuten, darauf kommt es nicht an —, und wenn wir bedenken, was da an Differenziertheit der Menschen herauskommt, so ist es im Grunde genommen so mannigfaltig, wie die Sinneswelt draußen im Verhältnis zum Menschen ist. In jener Vorzeit, als die «Kinder-Rindviecher» gelebt haben, da haben die Menschen versucht, diese Mannigfaltigkeit der Erde zu begreifen, indem sie hinaufgestiegen sind zum Himmel, indem sie vom Sinnlichen zum Geistigen hinaufgestiegen sind. Das tun sie nicht mehr. Indem man aufsteigt von der mannigfaltigen Erde, immer weiter und weiter, geht es einem so, wie wenn man von der äußeren Sinneswelt durch das Auge und das Gehirn zum menschlichen Geist kommt: Man kommt zu dem, was der Kopernikanismus aus dem großen geistigen Kosmos vorstellt. Geradeso wie die physiologische Erkenntnistheorie zu der Methode gegriffen hat, in den Vibrationen des Gehirns das Brett aufzurichten, um von der Außenwelt nicht zur Menschenseele zu kommen, geradeso verschlägt der Kopernikanismus geistig die Welt, eben gegen die geistige Welt hin.

[ 12 ] Wenn man den Wert einer Weltanschauung erkennen will, muß man den Gesichtspunkt wissen, von dem aus diese Weltanschauung da ist. Der Gesichtspunkt des Kopernikanismus ist nicht der, einmal das Richtige an die Stelle des Falschen gestellt zu haben, sondern der: die Welt mit Brettern zu verschlagen, damit der Mensch innerhalb dieser irdischen Bretterbude seine Bewußtseinsseele ausbilde. Das ist es, worauf es ankommt. Diese Dinge muß man mit kühlem Blut und Energie anschauen. Man muß zuerst bei sich das erschüttern können, worauf die Bequemlinge der heutigen Weltanschauungen so festzustehen glauben. Solange man es nicht wird erschüttern können, solange man nicht wird einsehen können, daß eigentlich durch den Kopernikanismus die Welt mit Brettern verschlagen ist, so lange wird man nicht dazu kommen, ein Verhältnis zur Geisteswissenschaft zu gewinnen. Denn diese Geisteswissenschaft hat mancherlei notwendig.

[ 12 ] Wenn man den Wert einer Weltanschauung erkennen will, muß man den Gesichtspunkt wissen, von dem aus diese Weltanschauung da ist. Der Gesichtspunkt des Kopernikanismus ist nicht der, einmal das Richtige an die Stelle des Falschen gestellt zu haben, sondern der: die Welt mit Brettern zu verschlagen, damit der Mensch innerhalb dieser irdischen Bretterbude seine Bewußtseinsseele ausbilde. Das ist es, worauf es ankommt. Diese Dinge muß man mit kühlem Blut und Energie anschauen. Man muß zuerst bei sich das erschüttern können, worauf die Bequemlinge der heutigen Weltanschauungen so festzustehen glauben. Solange man es nicht wird erschüttern können, solange man nicht wird einsehen können, daß eigentlich durch den Kopernikanismus die Welt mit Brettern verschlagen ist, so lange wird man nicht dazu kommen, ein Verhältnis zur Geisteswissenschaft zu gewinnen. Denn diese Geisteswissenschaft hat mancherlei notwendig.

[ 13 ] Man stelle sich nur einmal vor, was, von der Erde abgesehen, der Kosmos für die bloße Kopernikanische Weltanschauung ist: ein Rechenexempel! Für die Geisteswissenschaft kann er kein Rechenexempel sein, sondern muß er etwas sein, was sich eben dem geistigen Erkennen darbietet. Warum haben wir eine Geologie, die da glaubt, daß sich die Erde nur durch die rein mineralische Welt entwickelt habe? Weil die Kopernikanische Weltanschauung selbstverständlich die heutige materialistische Geologie heraufbringen mußte! Denn die hat nichts in sich, was zeigen könnte, wie vom Kosmos oder vom Geistigen herein die Erde als ein durchseeltes, durchgeistigtes Wesen aufzufassen wäre. Ein kopernikanisch gedachtes Weltall könnte nur eine tote Erde sein! Eine belebte, durchseelte und durchgeistigte Erde muß von einem andern Kosmos aus vorgestellt werden, wirklich von einem andern Kosmos aus, als der kopernikanische ist. Da kann man natürlich nur immer einzelne Züge des Erdenwesens angeben, wie es sich ausnimmt, wenn es vom Kosmos aus angeschaut wird.

[ 13 ] Man stelle sich nur einmal vor, was, von der Erde abgesehen, der Kosmos für die bloße Kopernikanische Weltanschauung ist: ein Rechenexempel! Für die Geisteswissenschaft kann er kein Rechenexempel sein, sondern muß er etwas sein, was sich eben dem geistigen Erkennen darbietet. Warum haben wir eine Geologie, die da glaubt, daß sich die Erde nur durch die rein mineralische Welt entwickelt habe? Weil die Kopernikanische Weltanschauung selbstverständlich die heutige materialistische Geologie heraufbringen mußte! Denn die hat nichts in sich, was zeigen könnte, wie vom Kosmos oder vom Geistigen herein die Erde als ein durchseeltes, durchgeistigtes Wesen aufzufassen wäre. Ein kopernikanisch gedachtes Weltall könnte nur eine tote Erde sein! Eine belebte, durchseelte und durchgeistigte Erde muß von einem andern Kosmos aus vorgestellt werden, wirklich von einem andern Kosmos aus, als der kopernikanische ist. Da kann man natürlich nur immer einzelne Züge des Erdenwesens angeben, wie es sich ausnimmt, wenn es vom Kosmos aus angeschaut wird.

[ 14 ] Ist das eine ganz irreale Vorstellung: vom Kosmos aus das Erdenwesen vorzustellen? Es ist keine irreale Vorstellung, es ist eine sehr reale Vorstellung, eine Vorstellung, die zum Beispiel einmal Herman Grimm vorgeschwebt hat; aber er hat sich gleich hinterher entschuldigt, als er diese Vorstellung hingeschrieben hat. In einem Aufsatz aus dem Jahre 1858 sagt er, man könnte sich vorstellen — aber er bemerkt dazu sogleich: «Ich stelle hier keinen Glaubensartikel auf, es ist nur eine Phantasie» —, daß die Seele des Menschen, wenn sie vom Leibe befreit ist, frei im Kosmos sich um die Erde herumbewegte und dann die Erde von außerhalb in dieser freien Bewegung betrachten würde; da erschiene das, was auf der Erde vorgeht, dem Menschen in einem ganz andern Lichte, meint Herman Grimm. Der Mensch würde alle Ereignisse von einem andern Gesichtspunkte aus kennenlernen. Er würde zum Beispiel in die menschlichen Herzen hineinschauen «wie in einen gläsernen Bienenkorb». Die im menschlichen Herzen entstehenden Gedanken würden wie einem gläsernen Bienenkorbe entspringen! — Das ist ein schönes Bild. — Und dann stelle man sich weiter vor: Dieser Mensch, der eine Zeitlang die Erde umschwebt hat, sie von außen angeschaut hat, käme nun dazu, sich wieder auf der Erde zu verkörpern. Er hätte Vater und Mutter, hätte Patriam und alles, was es auf der Erde gibt, und müßte nun alles vergessen, was er von einem andern Standpunkte aus erlebt hat. Und wenn er etwa Geschichtsschreiber im heutigen Sinne wäre — Herman Grimm schildert hier subjektiv —, so könnte er nicht anders, als jenes andere vergessen, da man mit dem andern Vorstellen nicht Geschichte schreiben kann.

[ 14 ] Ist das eine ganz irreale Vorstellung: vom Kosmos aus das Erdenwesen vorzustellen? Es ist keine irreale Vorstellung, es ist eine sehr reale Vorstellung, eine Vorstellung, die zum Beispiel einmal Herman Grimm vorgeschwebt hat; aber er hat sich gleich hinterher entschuldigt, als er diese Vorstellung hingeschrieben hat. In einem Aufsatz aus dem Jahre 1858 sagt er, man könnte sich vorstellen — aber er bemerkt dazu sogleich: «Ich stelle hier keinen Glaubensartikel auf, es ist nur eine Phantasie» —, daß die Seele des Menschen, wenn sie vom Leibe befreit ist, frei im Kosmos sich um die Erde herumbewegte und dann die Erde von außerhalb in dieser freien Bewegung betrachten würde; da erschiene das, was auf der Erde vorgeht, dem Menschen in einem ganz andern Lichte, meint Herman Grimm. Der Mensch würde alle Ereignisse von einem andern Gesichtspunkte aus kennenlernen. Er würde zum Beispiel in die menschlichen Herzen hineinschauen «wie in einen gläsernen Bienenkorb». Die im menschlichen Herzen entstehenden Gedanken würden wie einem gläsernen Bienenkorbe entspringen! — Das ist ein schönes Bild. — Und dann stelle man sich weiter vor: Dieser Mensch, der eine Zeitlang die Erde umschwebt hat, sie von außen angeschaut hat, käme nun dazu, sich wieder auf der Erde zu verkörpern. Er hätte Vater und Mutter, hätte Patriam und alles, was es auf der Erde gibt, und müßte nun alles vergessen, was er von einem andern Standpunkte aus erlebt hat. Und wenn er etwa Geschichtsschreiber im heutigen Sinne wäre — Herman Grimm schildert hier subjektiv —, so könnte er nicht anders, als jenes andere vergessen, da man mit dem andern Vorstellen nicht Geschichte schreiben kann.

[ 15 ] Dies ist eine Vorstellung, die sehr stark an die Wahrheit herankommt. Denn es ist durchaus richtig, daß die Menschenseele zwischen Tod und neuer Geburt wie schwebend ist um die Erde herum, aber wie ich es oft geschildert habe — durch die karmischen Verbindungen bedingt, auf die Erde hinunterschaut. Dann aber hat die Seele durchaus das Gefühl: Diese Erde ist ein beseelter und durchgeistigter Organismus, und das Vorurteil hört auf, als wenn sie nur etwas Unbeseeltes, nur etwas Geologisches wäre. Und dann wird die Erde recht differenziert, dann wird sie für das Anschauen zwischen Tod und neuer Geburt so differenziert, daß in der Tat der Orient zum Beispiel anders ausschaut als der amerikanische Okzident. Mit den Toten läßt sich nicht so über die Erde reden, wie man mit Geologen über sie redet; denn die geologischen Vorstellungen verstehen die Toten nicht. Aber sie wissen: Wenn aus dem Weltenraume herab der Orient, von Asien bis herüber tief in Rußland hinein, angeschaut wird, so erscheint die Erde wie von einem bläulichen Schein belegt, bläulich, bläulich-violettlich; so ist die Erde auf dieser Seite aus dem Weltenraume gesehen. Kommt man nach der westlichen Halbkugel, schaut man sie an, wo sie amerikanisch ist, so erscheint sie mehr oder weniger in brennendem Rot. Da haben Sie eine Polarität der Erde, aus dem Kosmos angeschaut. Das kann die Kopernikanische Weltanschauung von sich aus selbstverständlich nicht geben; aber es ist ein anderes Anschauen von einem andern Gesichtspunkte aus. Und demjenigen, der diesen Gesichtspunkt hat, wird jetzt begreiflich: Diese Erde, dieser beseelte Erdenorganismus zeigt sich nach außen hin anders in seiner östlichen Hälfte als in seiner westlichen. In seiner östlichen hat er seine blaue Überdeckung, in seiner westlichen hat er etwas wie ein Auflodern seines Inneren nach außen hin, daher das rötlich Brennende nach außen hin. — Da haben Sie eines der Beispiele, wie sich der Mensch zwischen 'Tod und neuer Geburt nach dem richten kann, was er dann erkennen lernt. Er lernt die Konfiguration der Erde erkennen, das verschiedene Aussehen der Erde nach dem Kosmos und nach dem Geistigen hinaus. Er lernt erkennen: Sie ist nach der einen Seite bläulich-violettlich, nach der andern brennend-rot. Und je nach seinem geistigen Bedürfnis, das er aus seinem Karma heraus entwickeln wird, ist das für ihn in bezug darauf bestimmend, wo er sich wieder verkörpern will. Natürlich muß man sich die Dinge viel komplizierter vorstellen, als ich es jetzt gesagt habe. Aber aus solchen Verhältnissen heraus entwickelt der Mensch zwischen Tod und neuer Geburt die Kräfte, die ihn dann dahin bringen, in eine bestimmte vererbte Kindesleiblichkeit hinein sich zu verkörpern.

[ 15 ] Dies ist eine Vorstellung, die sehr stark an die Wahrheit herankommt. Denn es ist durchaus richtig, daß die Menschenseele zwischen Tod und neuer Geburt wie schwebend ist um die Erde herum, aber wie ich es oft geschildert habe — durch die karmischen Verbindungen bedingt, auf die Erde hinunterschaut. Dann aber hat die Seele durchaus das Gefühl: Diese Erde ist ein beseelter und durchgeistigter Organismus, und das Vorurteil hört auf, als wenn sie nur etwas Unbeseeltes, nur etwas Geologisches wäre. Und dann wird die Erde recht differenziert, dann wird sie für das Anschauen zwischen Tod und neuer Geburt so differenziert, daß in der Tat der Orient zum Beispiel anders ausschaut als der amerikanische Okzident. Mit den Toten läßt sich nicht so über die Erde reden, wie man mit Geologen über sie redet; denn die geologischen Vorstellungen verstehen die Toten nicht. Aber sie wissen: Wenn aus dem Weltenraume herab der Orient, von Asien bis herüber tief in Rußland hinein, angeschaut wird, so erscheint die Erde wie von einem bläulichen Schein belegt, bläulich, bläulich-violettlich; so ist die Erde auf dieser Seite aus dem Weltenraume gesehen. Kommt man nach der westlichen Halbkugel, schaut man sie an, wo sie amerikanisch ist, so erscheint sie mehr oder weniger in brennendem Rot. Da haben Sie eine Polarität der Erde, aus dem Kosmos angeschaut. Das kann die Kopernikanische Weltanschauung von sich aus selbstverständlich nicht geben; aber es ist ein anderes Anschauen von einem andern Gesichtspunkte aus. Und demjenigen, der diesen Gesichtspunkt hat, wird jetzt begreiflich: Diese Erde, dieser beseelte Erdenorganismus zeigt sich nach außen hin anders in seiner östlichen Hälfte als in seiner westlichen. In seiner östlichen hat er seine blaue Überdeckung, in seiner westlichen hat er etwas wie ein Auflodern seines Inneren nach außen hin, daher das rötlich Brennende nach außen hin. — Da haben Sie eines der Beispiele, wie sich der Mensch zwischen 'Tod und neuer Geburt nach dem richten kann, was er dann erkennen lernt. Er lernt die Konfiguration der Erde erkennen, das verschiedene Aussehen der Erde nach dem Kosmos und nach dem Geistigen hinaus. Er lernt erkennen: Sie ist nach der einen Seite bläulich-violettlich, nach der andern brennend-rot. Und je nach seinem geistigen Bedürfnis, das er aus seinem Karma heraus entwickeln wird, ist das für ihn in bezug darauf bestimmend, wo er sich wieder verkörpern will. Natürlich muß man sich die Dinge viel komplizierter vorstellen, als ich es jetzt gesagt habe. Aber aus solchen Verhältnissen heraus entwickelt der Mensch zwischen Tod und neuer Geburt die Kräfte, die ihn dann dahin bringen, in eine bestimmte vererbte Kindesleiblichkeit hinein sich zu verkörpern.

[ 16 ] Das sind nur zwei Farbenbestimmungen, die ich angegeben habe. Es sind natürlich außer Farben noch andere Bestimmungen, viele andere. Ich will vorläufig nur erwähnen, zwischen dem Osten und dem Westen, in der Mitte, ist die Erde mehr grünlich, nach außen hin gesehen, für unsere Gegenden zum Beispiel grünlich. So daß in der Tat damit schon eine Dreigliedrigkeit gegeben ist, die wichtige Aufschlüsse geben kann über die Art und Weise, wie der Mensch das, was er zwischen Tod und neuer Geburt schaut, für sich bestimmend machen kann, um da oder dort auf der Erde zu erscheinen.

[ 16 ] Das sind nur zwei Farbenbestimmungen, die ich angegeben habe. Es sind natürlich außer Farben noch andere Bestimmungen, viele andere. Ich will vorläufig nur erwähnen, zwischen dem Osten und dem Westen, in der Mitte, ist die Erde mehr grünlich, nach außen hin gesehen, für unsere Gegenden zum Beispiel grünlich. So daß in der Tat damit schon eine Dreigliedrigkeit gegeben ist, die wichtige Aufschlüsse geben kann über die Art und Weise, wie der Mensch das, was er zwischen Tod und neuer Geburt schaut, für sich bestimmend machen kann, um da oder dort auf der Erde zu erscheinen.

[ 17 ] Wenn man dies berücksichtigt, wird man allmählich die Vorstellung bekommen, daß in dem Verhältnis zwischen dem hier im physischen Leibe verkörperten Menschen und zwischen dem entkörperten Menschen gewisse Dinge mitspielen, die meistens gar nicht in Erwägung gezogen werden. Wenn wir in ein fremdes Land gehen und die Leute verstehen wollen, müssen wir uns ihre Sprache aneignen. Auch wenn wir mit den Toten in Verständigung kommen wollen, müssen wir uns allmählich die Sprache der Toten aneignen. Die ist aber die Sprache der Geisteswissenschaft zugleich, denn diese Sprache sprechen alle sogenannten Lebenden und alle sogenannten Toten. Sie ist das, was von drüben herüber- und von hier hinüberreicht. Aber besonders wichtig ist es, nicht bloß abstrakte Vorstellungen, sondern Bilder vom Weltenall sich. anzueignen. Wir bekommen ein Bild von der Erde, wenn wir uns vorstellen: eine im Weltenraume schwebende Kugel, die von der einen Seite bläulich-violettlich glimmt, nach der andern Seite rötlich-gelblich brennt, sprüht; und dazwischen ist ein grüner Gürtel. Bildliche Vorstellungen tragen den Menschen allmählich hinüber in die geistige Welt. Darauf kommt es an. Man ist natürlich genötigt, solche bildliche Vorstellungen hinzustellen, wenn man im Ernste von den geistigen Welten spricht, und es ist weiter nötig, daß nicht nur geglaubt werde, es handle sich bei solchen bildlichen Vorstellungen um irgendwelche Erdichtungen, sondern man ist darauf angewiesen, daß etwas daraus gemacht werde. — Fassen wir noch einmal ins Auge: die bläulich-violettlich glimmende Osterde, die rötlich-gelblich sprühende Westerde. Aber da kommen noch verschiedene Differenzierungen hinein. Wenn der Tote in unserem gegenwärtigen Zeitenzyklus gewisse Punkte betrachtet, dann bekommt er von der Stätte aus, die hier auf der Erde dadurch signiert ist, daß es Palästina, daß es Jerusalem ist, mitten aus dem Bläulich-Violettlichen heraus etwas von goldigem Gebilde, von goldigem Kristallgebilde zu schauen, das sich dann belebt: das ist Jerusalem, vom Geiste aus gesehen! Das ist das, was auch in der Apokalypse — indem ich von Imaginationen spreche — als «himmlisches Jerusalem» hineinspielt. Das sind keine ausgedachten Dinge, das sind Dinge, die geschaut werden können. Geistig betrachtet war es mit dem Mysterium von Golgatha so, wie man es bei der physischen Betrachtung erleben kann, wenn heute der Astronom sein Fernrohr in den Weltenraum hinausrichtet und dann schaut, was ihn in Verwunderung versetzt, wie zum Beispiel das Aufleuchten von Sternen. Geistig, vom Weltenall aus betrachtet, war das Ereignis von Golgatha das Aufleuchten eines Goldsternes in der blauen Erdenaura der Osthälfte der Erde. Da haben Sie die Imagination für das, was ich vorgestern am Schlusse entwickelt habe. Es handelt sich wirklich darum, daß man durch solche Imaginationen sich wiederum Vorstellungen vom Weltenall verschafft, welche die Menschenseele in den Geist dieses Weltenalls fühlend hineinstellen.

[ 17 ] Wenn man dies berücksichtigt, wird man allmählich die Vorstellung bekommen, daß in dem Verhältnis zwischen dem hier im physischen Leibe verkörperten Menschen und zwischen dem entkörperten Menschen gewisse Dinge mitspielen, die meistens gar nicht in Erwägung gezogen werden. Wenn wir in ein fremdes Land gehen und die Leute verstehen wollen, müssen wir uns ihre Sprache aneignen. Auch wenn wir mit den Toten in Verständigung kommen wollen, müssen wir uns allmählich die Sprache der Toten aneignen. Die ist aber die Sprache der Geisteswissenschaft zugleich, denn diese Sprache sprechen alle sogenannten Lebenden und alle sogenannten Toten. Sie ist das, was von drüben herüber- und von hier hinüberreicht. Aber besonders wichtig ist es, nicht bloß abstrakte Vorstellungen, sondern Bilder vom Weltenall sich. anzueignen. Wir bekommen ein Bild von der Erde, wenn wir uns vorstellen: eine im Weltenraume schwebende Kugel, die von der einen Seite bläulich-violettlich glimmt, nach der andern Seite rötlich-gelblich brennt, sprüht; und dazwischen ist ein grüner Gürtel. Bildliche Vorstellungen tragen den Menschen allmählich hinüber in die geistige Welt. Darauf kommt es an. Man ist natürlich genötigt, solche bildliche Vorstellungen hinzustellen, wenn man im Ernste von den geistigen Welten spricht, und es ist weiter nötig, daß nicht nur geglaubt werde, es handle sich bei solchen bildlichen Vorstellungen um irgendwelche Erdichtungen, sondern man ist darauf angewiesen, daß etwas daraus gemacht werde. — Fassen wir noch einmal ins Auge: die bläulich-violettlich glimmende Osterde, die rötlich-gelblich sprühende Westerde. Aber da kommen noch verschiedene Differenzierungen hinein. Wenn der Tote in unserem gegenwärtigen Zeitenzyklus gewisse Punkte betrachtet, dann bekommt er von der Stätte aus, die hier auf der Erde dadurch signiert ist, daß es Palästina, daß es Jerusalem ist, mitten aus dem Bläulich-Violettlichen heraus etwas von goldigem Gebilde, von goldigem Kristallgebilde zu schauen, das sich dann belebt: das ist Jerusalem, vom Geiste aus gesehen! Das ist das, was auch in der Apokalypse — indem ich von Imaginationen spreche — als «himmlisches Jerusalem» hineinspielt. Das sind keine ausgedachten Dinge, das sind Dinge, die geschaut werden können. Geistig betrachtet war es mit dem Mysterium von Golgatha so, wie man es bei der physischen Betrachtung erleben kann, wenn heute der Astronom sein Fernrohr in den Weltenraum hinausrichtet und dann schaut, was ihn in Verwunderung versetzt, wie zum Beispiel das Aufleuchten von Sternen. Geistig, vom Weltenall aus betrachtet, war das Ereignis von Golgatha das Aufleuchten eines Goldsternes in der blauen Erdenaura der Osthälfte der Erde. Da haben Sie die Imagination für das, was ich vorgestern am Schlusse entwickelt habe. Es handelt sich wirklich darum, daß man durch solche Imaginationen sich wiederum Vorstellungen vom Weltenall verschafft, welche die Menschenseele in den Geist dieses Weltenalls fühlend hineinstellen.

[ 18 ] Versuchen Sie mit einem Hingestorbenen zu denken die in Goldglanz sich aufbauende Kristallgestalt des himmlischen Jerusalems innerhalb der blau-violetten Erdenaura, so wird das Sie nahebringen; denn das ist etwas, was zu den Imaginationen gehört, wohinein der Tote stirbt: Ex Deo nascimur — In Christo morimur!

[ 18 ] Versuchen Sie mit einem Hingestorbenen zu denken die in Goldglanz sich aufbauende Kristallgestalt des himmlischen Jerusalems innerhalb der blau-violetten Erdenaura, so wird das Sie nahebringen; denn das ist etwas, was zu den Imaginationen gehört, wohinein der Tote stirbt: Ex Deo nascimur — In Christo morimur!

[ 19 ] Es gibt ein Mittel, wie man sich von der geistigen Wirklichkeit abschließen kann, und es gibt eines, wie man sich ihr nähern kann. Abschließen kann man sich von der geistigen Wirklichkeit, indem man versucht, die Wirklichkeit zu errechnen. Zwar ist die Mathematik noch Geist, sogar reiner Geist, aber in ihrer Anwendung auf die physische Wirklichkeit ist sie das Mittel, um sich vom Geistigen abzuschließen. Soviel Sie errechnen, soviel schließen Sie sich vom Geiste ab. Kant hat einmal gesagt: Es ist so viel Wissenschaft in der Welt, als Mathematik in ihr ist. — Aber man könnte von dem andern Standpunkte aus, der ebenso berechtigt ist, auch sagen: Es ist so viel Finsternis in der Welt, als es den Menschen gelungen ist, von der Welt zu errechnen. Und man nähert sich dem geistigen Leben, wenn man von der äußeren Anschauung, besonders von den abstrakten Vorstellungen, immer mehr und mehr zu den Imaginationen, zu den Bildvorstellungen vordringt. Kopernikus hat die Menschen dazu gebracht, das Weltenall zu errechnen. Die entgegengesetzte Anschauung muß die Menschen dazu bringen, sich das Weltenall wieder zu verbildlichen, ein Weltenall zu denken, mit dem sich die Menschenseele identifizieren kann, so daß die Erde erscheint wie der ins Weltenall hineinleuchtende Organismus: blau-violett, mit dem goldstrahlenden himmlischen Jerusalem auf der einen Seite, rötlich-gelb sprühend nach der andern Seite.

[ 19 ] Es gibt ein Mittel, wie man sich von der geistigen Wirklichkeit abschließen kann, und es gibt eines, wie man sich ihr nähern kann. Abschließen kann man sich von der geistigen Wirklichkeit, indem man versucht, die Wirklichkeit zu errechnen. Zwar ist die Mathematik noch Geist, sogar reiner Geist, aber in ihrer Anwendung auf die physische Wirklichkeit ist sie das Mittel, um sich vom Geistigen abzuschließen. Soviel Sie errechnen, soviel schließen Sie sich vom Geiste ab. Kant hat einmal gesagt: Es ist so viel Wissenschaft in der Welt, als Mathematik in ihr ist. — Aber man könnte von dem andern Standpunkte aus, der ebenso berechtigt ist, auch sagen: Es ist so viel Finsternis in der Welt, als es den Menschen gelungen ist, von der Welt zu errechnen. Und man nähert sich dem geistigen Leben, wenn man von der äußeren Anschauung, besonders von den abstrakten Vorstellungen, immer mehr und mehr zu den Imaginationen, zu den Bildvorstellungen vordringt. Kopernikus hat die Menschen dazu gebracht, das Weltenall zu errechnen. Die entgegengesetzte Anschauung muß die Menschen dazu bringen, sich das Weltenall wieder zu verbildlichen, ein Weltenall zu denken, mit dem sich die Menschenseele identifizieren kann, so daß die Erde erscheint wie der ins Weltenall hineinleuchtende Organismus: blau-violett, mit dem goldstrahlenden himmlischen Jerusalem auf der einen Seite, rötlich-gelb sprühend nach der andern Seite.

[ 20 ] Woher stammt das Blauviolette auf der einen Seite der Erdenaura? Wenn man diese Seite der Erdenkugel sieht, so verschwindet das Physische der Erde, von außen gesehen; es wird mehr die Lichtaura durchsichtig, und das Dunkle der Erde verschwindet. Das macht das Blau, was da durchschaut. Sie können sich die Erscheinung aus der Goetheschen Farbenlehre erklären. Weil aber das Innere der Erde heraufsprüht aus der Westhälfte, so heraufsprüht, daß da wahr ist, was ich vorgestern geschildert habe: In Amerika ist der Mensch vom Unterirdischen bestimmt, von dem, was unter der Erde ist, deshalb strahlt und sprüht auch das Innere der Erde wie ein rot-gelber Schimmer, wie ein rötlich-gelbes Sprühfeuer in das Weltenall hinaus. — Dies soll nur ein in ganz schwachen Umrissen entworfenes Bild sein. Es soll Ihnen aber zeigen, wie es doch möglich ist, nicht bloß in allgemeinen, abstrakten Gedanken heute schon über die Welt zu reden, in der wir zwischen Tod und neuer Geburt leben, sondern in sehr, sehr konkreten Vorstellungen. Schließlich ist das alles dazu geeignet, unsere Seele zu präparieren, um Verbindung zu bekommen mit der geistigen Welt, Verbindung zu bekommen mit den höheren Hierarchien, Verbindung zu bekommen mit jener Welt, in welcher der Mensch lebt zwischen Tod und neuer Geburt. Doch davon will ich noch morgen besonders sprechen. Heute möchte ich nur noch eines erwähnen.

[ 20 ] Woher stammt das Blauviolette auf der einen Seite der Erdenaura? Wenn man diese Seite der Erdenkugel sieht, so verschwindet das Physische der Erde, von außen gesehen; es wird mehr die Lichtaura durchsichtig, und das Dunkle der Erde verschwindet. Das macht das Blau, was da durchschaut. Sie können sich die Erscheinung aus der Goetheschen Farbenlehre erklären. Weil aber das Innere der Erde heraufsprüht aus der Westhälfte, so heraufsprüht, daß da wahr ist, was ich vorgestern geschildert habe: In Amerika ist der Mensch vom Unterirdischen bestimmt, von dem, was unter der Erde ist, deshalb strahlt und sprüht auch das Innere der Erde wie ein rot-gelber Schimmer, wie ein rötlich-gelbes Sprühfeuer in das Weltenall hinaus. — Dies soll nur ein in ganz schwachen Umrissen entworfenes Bild sein. Es soll Ihnen aber zeigen, wie es doch möglich ist, nicht bloß in allgemeinen, abstrakten Gedanken heute schon über die Welt zu reden, in der wir zwischen Tod und neuer Geburt leben, sondern in sehr, sehr konkreten Vorstellungen. Schließlich ist das alles dazu geeignet, unsere Seele zu präparieren, um Verbindung zu bekommen mit der geistigen Welt, Verbindung zu bekommen mit den höheren Hierarchien, Verbindung zu bekommen mit jener Welt, in welcher der Mensch lebt zwischen Tod und neuer Geburt. Doch davon will ich noch morgen besonders sprechen. Heute möchte ich nur noch eines erwähnen.

[ 21 ] Der jetzige Zeitraum der Menschheitsentwickelung, dieser fünfte nachatlantische, der zur Ausbildung der Bewußtseinsseele da ist, enthält gar mancherlei Geheimnisse. Eines derselben wird besonders gut gehütet von denjenigen, die da glauben, daß man der heutigen Menschheit solche Wahrheiten noch nicht mitteilen dürfe. Das ist wieder etwas schwierig. Aber da auf der ganzen weiten Welt niemand weiter da ist, um die Geneigtheit zu haben, solche Dinge aufzunehmen, so müssen Sie sich schon herbeilassen, solche Dinge anzuerkennen. — Im Laufe dieses, mit dem 15. Jahrhundert unserer Zeitrechnung beginnenden Kulturzeitraumes begann eine merkwürdige Sehnsucht der Menschen sich geltend zu machen, die zunächst im Unterbewußtsein lebt, aber immer mehr und mehr ins Bewußtsein heraufgeholt werden muß. Diese Sehnsucht rührt von etwas ganz Bestimmtem her.

[ 21 ] Der jetzige Zeitraum der Menschheitsentwickelung, dieser fünfte nachatlantische, der zur Ausbildung der Bewußtseinsseele da ist, enthält gar mancherlei Geheimnisse. Eines derselben wird besonders gut gehütet von denjenigen, die da glauben, daß man der heutigen Menschheit solche Wahrheiten noch nicht mitteilen dürfe. Das ist wieder etwas schwierig. Aber da auf der ganzen weiten Welt niemand weiter da ist, um die Geneigtheit zu haben, solche Dinge aufzunehmen, so müssen Sie sich schon herbeilassen, solche Dinge anzuerkennen. — Im Laufe dieses, mit dem 15. Jahrhundert unserer Zeitrechnung beginnenden Kulturzeitraumes begann eine merkwürdige Sehnsucht der Menschen sich geltend zu machen, die zunächst im Unterbewußtsein lebt, aber immer mehr und mehr ins Bewußtsein heraufgeholt werden muß. Diese Sehnsucht rührt von etwas ganz Bestimmtem her.

[ 22 ] Ich habe öfter gesagt: Der Mensch ist ein zwiespältiges Wesen. Er ist ein mehrspältiges Wesen, besonders aber ein zwiespältiges und besteht als solches aus dem Haupte und dem übrigen Organismus. Das Haupt, sagte ich, ist besonders das, worauf man die Darwinsche Theorie anwenden sollte, denn das Haupt ist das, was auf Tierformen zurückführt. Während der alten Mondenzeit hatte der Mensch Tierformen, aber nicht die der jetzigen Tierheit, sondern noch eine geistigere, ätherische Tierform. Die hat sich zum menschlichen Kopf verhärtet. Und jetzt, wo sich die Tiere auf der Erde so entwickeln, wie sie sind, da entwickelt sich der Mensch nicht unter denselben Bedingungen, wie sie einmal für sein Haupt zutrafen, denn das hat er ererbt, sondern nach den Bedingungen seines übrigen Organismus. Aber der stammt nicht von den Tieren ab. Das Haupt stammt von den Tieren ab, aber auch nur von den ätherischen Tieren. Wir tragen daher in unserem Haupt eine Tierheit, aber eine ätherische Tierheit. Das kam ins Unbewußte der Menschen im fünften nachatlantischen Zeitraume hinein. Immer mehr und mehr spürten sie: Es ist etwas vom Tier im Menschen —, aber sie konnten es sich nicht mehr geistig vorstellen. Sie setzten sich in den Kopf, daß sich der Mensch «tierisch» fühlen müsse, was dann gipfelte in der Darwinschen Abstammungstheorie des Menschen vom Tier. Aber dies kam nicht bloß in der Darwinschen Abstammungslehre zum Ausdruck. Das Tier nimmt die Dinge anders wahr als der Mensch; es steht mit den Dingen in einer innigeren Verbindung als der Mensch. Der Mensch ist gerade dadurch dieses vorzügliche Wesen auf der Erde, daß er sich von den Dingen abtrennt, um dann erst wieder von sich aus die Brücke zu den Dingen schlagen zu müssen. Das Tier erlebt die Außenwelt viel mehr in sich als der Mensch. Wenn es philosophisch veranlagt wäre, würde es nicht von Erkenntnisgrenzen sprechen, weil es für das Tier keine Erkenntnisgrenzen in dem Sinne gibt, wie der Mensch davon redet; die sind erst gerade durch die höhere Organisation des Menschen da. Das Tier fühlt gewissermaßen durch seine Gruppenseele das ganze Weltenall in sich, es hat keine Erkenntnisgrenzen, kennt nichts davon. — Das fing man an, immer mehr und mehr zu fühlen: Man trägt ein Tier in sich. Geistig, übersinnlich, ätherisch wollte man es nicht vorstellen; physisch dachte man den Menschen mit den Tieren verwandt. Nun wollte man auch eine Erkenntnis unterbewußt haben, wie das Tier. Man konnte aber nur beweisen, daß man diese nicht haben konnte. Das Tier lebt mit dem «Ding an sich». Dem Menschen wird das «Ding an sich» unbekannt, wenn er sagt: Ich möchte eigentlich ein Tier sein, ich möchte es so gut haben wie das Tier, aber ich kann es nicht so gut haben. — Ein «Ding an sich» zu konstatieren, welches uns Erkenntnisgrenzen entgegensetzt, das geht hervor aus der Sehnsucht des Menschen, sich tierisch zu fühlen und doch einzusehen, daß man nicht eine solche Erkenntnis haben kann wie das Tier. Das ist das Geheimnis des Kantianismus! Es hängt innig zusammen mit der Bewegung der modernen Menschheit zum Bewußtsein von der Tierheit, was auch von den Erkenntnisgrenzen gesagt werden kann. Die Alten haben gewußt, daß das Tier keine Erkenntnisgrenzen hat; daher empfanden sie es als ein Glück, die Sprache der Tiere zum Beispiel zu verstehen. Sie kennen alle die entsprechende Sage.

[ 22 ] Ich habe öfter gesagt: Der Mensch ist ein zwiespältiges Wesen. Er ist ein mehrspältiges Wesen, besonders aber ein zwiespältiges und besteht als solches aus dem Haupte und dem übrigen Organismus. Das Haupt, sagte ich, ist besonders das, worauf man die Darwinsche Theorie anwenden sollte, denn das Haupt ist das, was auf Tierformen zurückführt. Während der alten Mondenzeit hatte der Mensch Tierformen, aber nicht die der jetzigen Tierheit, sondern noch eine geistigere, ätherische Tierform. Die hat sich zum menschlichen Kopf verhärtet. Und jetzt, wo sich die Tiere auf der Erde so entwickeln, wie sie sind, da entwickelt sich der Mensch nicht unter denselben Bedingungen, wie sie einmal für sein Haupt zutrafen, denn das hat er ererbt, sondern nach den Bedingungen seines übrigen Organismus. Aber der stammt nicht von den Tieren ab. Das Haupt stammt von den Tieren ab, aber auch nur von den ätherischen Tieren. Wir tragen daher in unserem Haupt eine Tierheit, aber eine ätherische Tierheit. Das kam ins Unbewußte der Menschen im fünften nachatlantischen Zeitraume hinein. Immer mehr und mehr spürten sie: Es ist etwas vom Tier im Menschen —, aber sie konnten es sich nicht mehr geistig vorstellen. Sie setzten sich in den Kopf, daß sich der Mensch «tierisch» fühlen müsse, was dann gipfelte in der Darwinschen Abstammungstheorie des Menschen vom Tier. Aber dies kam nicht bloß in der Darwinschen Abstammungslehre zum Ausdruck. Das Tier nimmt die Dinge anders wahr als der Mensch; es steht mit den Dingen in einer innigeren Verbindung als der Mensch. Der Mensch ist gerade dadurch dieses vorzügliche Wesen auf der Erde, daß er sich von den Dingen abtrennt, um dann erst wieder von sich aus die Brücke zu den Dingen schlagen zu müssen. Das Tier erlebt die Außenwelt viel mehr in sich als der Mensch. Wenn es philosophisch veranlagt wäre, würde es nicht von Erkenntnisgrenzen sprechen, weil es für das Tier keine Erkenntnisgrenzen in dem Sinne gibt, wie der Mensch davon redet; die sind erst gerade durch die höhere Organisation des Menschen da. Das Tier fühlt gewissermaßen durch seine Gruppenseele das ganze Weltenall in sich, es hat keine Erkenntnisgrenzen, kennt nichts davon. — Das fing man an, immer mehr und mehr zu fühlen: Man trägt ein Tier in sich. Geistig, übersinnlich, ätherisch wollte man es nicht vorstellen; physisch dachte man den Menschen mit den Tieren verwandt. Nun wollte man auch eine Erkenntnis unterbewußt haben, wie das Tier. Man konnte aber nur beweisen, daß man diese nicht haben konnte. Das Tier lebt mit dem «Ding an sich». Dem Menschen wird das «Ding an sich» unbekannt, wenn er sagt: Ich möchte eigentlich ein Tier sein, ich möchte es so gut haben wie das Tier, aber ich kann es nicht so gut haben. — Ein «Ding an sich» zu konstatieren, welches uns Erkenntnisgrenzen entgegensetzt, das geht hervor aus der Sehnsucht des Menschen, sich tierisch zu fühlen und doch einzusehen, daß man nicht eine solche Erkenntnis haben kann wie das Tier. Das ist das Geheimnis des Kantianismus! Es hängt innig zusammen mit der Bewegung der modernen Menschheit zum Bewußtsein von der Tierheit, was auch von den Erkenntnisgrenzen gesagt werden kann. Die Alten haben gewußt, daß das Tier keine Erkenntnisgrenzen hat; daher empfanden sie es als ein Glück, die Sprache der Tiere zum Beispiel zu verstehen. Sie kennen alle die entsprechende Sage.

[ 23 ] Das ist das eine, was die Alten gewußt haben: daß das Tier keine Erkenntnisgrenzen in dem Sinne habe, wie sie der Mensch in der modernen Zeit kennt. Aber noch etwas anderes wußten sie: daß diejenigen Wesen, die in die Hierarchie der Angeloi gehören, freie Wesen sind, Wesen mit Freiheit des Willens sind. Und sie wußten, daß der Mensch auf dem Wege zum Engel ist. Wenn die Erde von der Jupiterzeit abgelöst sein wird, dann wird der Mensch auf der Stufe der Engel stehen. Er ist jetzt auf dem Wege zur Freiheit. Die Freiheit entwickelt sich in ihm. Aber was bleibt der Zeit übrig, die allmählich mit der Entwickelung der Bewußtseinsseele heraufkommt, wenn die Menschheit die Entwickelung zur Stufe der Angeloi ablehnt? Es bleibt übrig der Gedanke: Freiheit ist eine Illusion! Der Mensch unterliegt in bezug auf seine Tätigkeit der Naturnotwendigkeit. So viel Erkenntnisgrenzen aufgerichtet werden, so viel wird von der Entwickelung zur Freiheit abgelehnt. Die hängt innig zusammen mit dem, was dann, nur in gröberer Weise, in der Statuierung der Abstammung des Menschen von den Tieren herausgekommen ist, während er in Wahrheit eine so komplizierte Abstammung hat, wie ich es auseinandergesetzt habe.

[ 23 ] Das ist das eine, was die Alten gewußt haben: daß das Tier keine Erkenntnisgrenzen in dem Sinne habe, wie sie der Mensch in der modernen Zeit kennt. Aber noch etwas anderes wußten sie: daß diejenigen Wesen, die in die Hierarchie der Angeloi gehören, freie Wesen sind, Wesen mit Freiheit des Willens sind. Und sie wußten, daß der Mensch auf dem Wege zum Engel ist. Wenn die Erde von der Jupiterzeit abgelöst sein wird, dann wird der Mensch auf der Stufe der Engel stehen. Er ist jetzt auf dem Wege zur Freiheit. Die Freiheit entwickelt sich in ihm. Aber was bleibt der Zeit übrig, die allmählich mit der Entwickelung der Bewußtseinsseele heraufkommt, wenn die Menschheit die Entwickelung zur Stufe der Angeloi ablehnt? Es bleibt übrig der Gedanke: Freiheit ist eine Illusion! Der Mensch unterliegt in bezug auf seine Tätigkeit der Naturnotwendigkeit. So viel Erkenntnisgrenzen aufgerichtet werden, so viel wird von der Entwickelung zur Freiheit abgelehnt. Die hängt innig zusammen mit dem, was dann, nur in gröberer Weise, in der Statuierung der Abstammung des Menschen von den Tieren herausgekommen ist, während er in Wahrheit eine so komplizierte Abstammung hat, wie ich es auseinandergesetzt habe.

[ 24 ] Ich habe Ihnen heute einige schwierigere Vorstellungen zugemutet. Aber sie sind nötig gewesen, und wir werden dann morgen namentlich über den Zusammenhang des gegenwärtigen irdischen Lebens im physischen Leibe mit dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt von einem gewissen Gesichtspunkte aus sprechen können. Die Vorstellungen werden dann nicht so schwierig sein. Was Sie aber heute so gut waren anzuhören mit Bezug auf schwierigere Vorstellungen, das wird Ihnen morgen in bezug auf andere Vorstellungen helfen.

[ 24 ] Ich habe Ihnen heute einige schwierigere Vorstellungen zugemutet. Aber sie sind nötig gewesen, und wir werden dann morgen namentlich über den Zusammenhang des gegenwärtigen irdischen Lebens im physischen Leibe mit dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt von einem gewissen Gesichtspunkte aus sprechen können. Die Vorstellungen werden dann nicht so schwierig sein. Was Sie aber heute so gut waren anzuhören mit Bezug auf schwierigere Vorstellungen, das wird Ihnen morgen in bezug auf andere Vorstellungen helfen.