Earth-Death and Universal-Life
Anthroposophical Life-Gifts
Essential Aspects of Consciousness for the Present and the Future
GA 181
6 August 1918, Berlin
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Bewußtseins-Notwendigkeiten für Gegenwart und Zukunft VII
Bewußtseins-Notwendigkeiten für Gegenwart und Zukunft VII
[ 1 ] Sie haben im Laufe der letzten Betrachtungen gesehen, daß die dabei zutage tretenden Bemühungen dahin gingen, Vorstellungen, die wir uns aus der Geisteswissenschaft heraus aneignen wollen, so zu prägen, daß sie uns dienlich sein können in der Auffassung, in dem Begreifen desjenigen, was gerade in der gegenwärtigen Zeitkultur täglich, stündlich uns umgibt. Wenn wir heute noch einiges zu diesen Betrachtungen gewissermaßen wie einen letzten Anhang hinzufügen wollen, so soll es und kann es ja nur immer aphoristisch geschehen. Es sollen einige bedeutungsvolle Charakteristiken unserer gegenwärtigen Zeit herausgehoben und mit mancherlei von dem in Verbindung gebracht werden, was in den letzten Betrachtungen schon da und dort als Grundton angeschlagen worden ist.
[ 1 ] Sie haben im Laufe der letzten Betrachtungen gesehen, daß die dabei zutage tretenden Bemühungen dahin gingen, Vorstellungen, die wir uns aus der Geisteswissenschaft heraus aneignen wollen, so zu prägen, daß sie uns dienlich sein können in der Auffassung, in dem Begreifen desjenigen, was gerade in der gegenwärtigen Zeitkultur täglich, stündlich uns umgibt. Wenn wir heute noch einiges zu diesen Betrachtungen gewissermaßen wie einen letzten Anhang hinzufügen wollen, so soll es und kann es ja nur immer aphoristisch geschehen. Es sollen einige bedeutungsvolle Charakteristiken unserer gegenwärtigen Zeit herausgehoben und mit mancherlei von dem in Verbindung gebracht werden, was in den letzten Betrachtungen schon da und dort als Grundton angeschlagen worden ist.
[ 2 ] Wenn man sich darauf einläßt, das ins Auge zu fassen, was in unserer Zeit besonders auffällig hervortritt, dann wird man finden, daß unter den mancherlei hemmenden und hindernden Dingen der Gegenwart vor allen Dingen das ist, daß die Denkweise, die Vorstellungsart, die sich in den letzten Jahrhunderten im Laufe der Entwickelung heraufgebracht hat, die Menschen dazu führt, wenig Voraussicht zu haben in bezug auf die Ereignisse, die jeweilig kommen. Es zeigt sich dies darin, daß das meiste, was gerade jetzt an die Menschen herantritt, überraschend, im ureigentlichsten Sinne überraschend den Menschen kommt, und sie haben gar nicht die Möglichkeit, durch irgend etwas einen gewissen Glauben an Voraussicht zu gewinnen. Sie denken, daß es so sein müsse, daß man sich gerade von den bedeutungsvollsten Ereignissen überraschen lasse. Wenn man von irgend etwas Kommendem spricht, dann sind die Leute verwundert, oder sie ironisieren wohl auch die scheinbare Sehnsucht nach irgendwelcher Prophetie. Würde man zum Beispiel — allerdings nach denDingen, die aus solchen Voraussetzungen heraus sich ergeben, wie die neulich hier angeführten —, würde man darnach auf das aufmerksam machen, was aus dem Fernen Osten jetzt über die Welt herüberweht, so würde man, trotzdem sich das schon allzudeutlich ankündigt, heute noch wenig Verständnis und wenig Glauben finden. Es ist allzuwenig Bedürfnis vorhanden, klar in die Dinge hineinzuschauen. Damit hängt es auch zusammen, daß man sich so wenig einlassen will auf Wahrheiten, die in jenen Grenzen, in denen das allein möglich sein kann, auf das Geschehen der Zukunft hinweisen. Natürlich ist, wie Sie wissen, hier nicht von irgendwelcher Wahrsagerei die Rede, von irgendwelcher im schlechten Sinne zu haltender Prophetie; sondern immer ist hier die Rede von ernster wissenschaftlicher Denkweise und Gesinnung. Wenn wir die Gründe für den eben besprochenen Charakterzug in der Gegenwart uns ein wenig vor die Seele führen wollen, so haben wir diese Gründe vielleicht etwas weit herzuholen. Aber gewöhnlich ist sich der Mensch gar nicht bewußt, wie weit entfernt die Gründe für etwas von dem liegen, wovon es eben die Gründe sind. Er sucht sie gewöhnlich viel zu nahe.
[ 2 ] Wenn man sich darauf einläßt, das ins Auge zu fassen, was in unserer Zeit besonders auffällig hervortritt, dann wird man finden, daß unter den mancherlei hemmenden und hindernden Dingen der Gegenwart vor allen Dingen das ist, daß die Denkweise, die Vorstellungsart, die sich in den letzten Jahrhunderten im Laufe der Entwickelung heraufgebracht hat, die Menschen dazu führt, wenig Voraussicht zu haben in bezug auf die Ereignisse, die jeweilig kommen. Es zeigt sich dies darin, daß das meiste, was gerade jetzt an die Menschen herantritt, überraschend, im ureigentlichsten Sinne überraschend den Menschen kommt, und sie haben gar nicht die Möglichkeit, durch irgend etwas einen gewissen Glauben an Voraussicht zu gewinnen. Sie denken, daß es so sein müsse, daß man sich gerade von den bedeutungsvollsten Ereignissen überraschen lasse. Wenn man von irgend etwas Kommendem spricht, dann sind die Leute verwundert, oder sie ironisieren wohl auch die scheinbare Sehnsucht nach irgendwelcher Prophetie. Würde man zum Beispiel — allerdings nach denDingen, die aus solchen Voraussetzungen heraus sich ergeben, wie die neulich hier angeführten —, würde man darnach auf das aufmerksam machen, was aus dem Fernen Osten jetzt über die Welt herüberweht, so würde man, trotzdem sich das schon allzudeutlich ankündigt, heute noch wenig Verständnis und wenig Glauben finden. Es ist allzuwenig Bedürfnis vorhanden, klar in die Dinge hineinzuschauen. Damit hängt es auch zusammen, daß man sich so wenig einlassen will auf Wahrheiten, die in jenen Grenzen, in denen das allein möglich sein kann, auf das Geschehen der Zukunft hinweisen. Natürlich ist, wie Sie wissen, hier nicht von irgendwelcher Wahrsagerei die Rede, von irgendwelcher im schlechten Sinne zu haltender Prophetie; sondern immer ist hier die Rede von ernster wissenschaftlicher Denkweise und Gesinnung. Wenn wir die Gründe für den eben besprochenen Charakterzug in der Gegenwart uns ein wenig vor die Seele führen wollen, so haben wir diese Gründe vielleicht etwas weit herzuholen. Aber gewöhnlich ist sich der Mensch gar nicht bewußt, wie weit entfernt die Gründe für etwas von dem liegen, wovon es eben die Gründe sind. Er sucht sie gewöhnlich viel zu nahe.
[ 3 ] Wenn ich Gründe für das eben Charakterisierte anführen will, so muß ich sie suchen in einem Hang, der in der gegenwärtigen Zeit in den Menschenseelen tief begründet ist: in einem Hang zu toten Begriffen und Ideen, zu nicht lebensvollen Begriffen und Ideen. Daß man nicht über Zukünftiges, über Herankommendes in denselben Ideen denken kann, wie man über Vergangenes und Festgestelltes denkt, das sollte begreiflich erscheinen. Aber man hält heute nur auf das, was sich, wie man sagt, beweisen läßt, und man denkt bei diesem Sich-Beweisenlassen eben an die besondere Art des Beweisens, die man heute gerade liebt. Wer diese besondere Art des Beweisens wirklich kennt, der weiß, daß man damit nur das beweisen kann, was Wahrheiten abgibt, die sich auf Ersterbendes im Weltenall beziehen. Daher wollen wir in der Gegenwart nur eine Wissenschaft oder nur eine Erkenntnis haben, die sich auf Ersterbendes, auf Untergehendes bezieht. Gerade diejenigen Menschen, die sich für die Aufgeklärtesten halten, lieben nur eine Erkenntnis, die sich auf Untergehendes bezieht. Sie lieben auch nur ein Wollen dazu, welches sich auf Untergehendes bezieht. Wir möchten im weitesten Sinne des Wortes, möchte ich sagen, wenn wir uns dessen auch nicht bewußt sind, in der Gegenwart nur Zugrundegehendes verwalten. Wir bringen nicht den Mut auf, Werdendes zu denken, weil Werdendes sich nicht in so starren, engbegrenzten Begriffen, die sich beweisen lassen, umfassen läßt wie Zugrundegehendes. Und man schützt sich heute gegen alle die Anfechtungen, die durch das, was ich eben gekennzeichnet habe, eigentlich kommen.
[ 3 ] Wenn ich Gründe für das eben Charakterisierte anführen will, so muß ich sie suchen in einem Hang, der in der gegenwärtigen Zeit in den Menschenseelen tief begründet ist: in einem Hang zu toten Begriffen und Ideen, zu nicht lebensvollen Begriffen und Ideen. Daß man nicht über Zukünftiges, über Herankommendes in denselben Ideen denken kann, wie man über Vergangenes und Festgestelltes denkt, das sollte begreiflich erscheinen. Aber man hält heute nur auf das, was sich, wie man sagt, beweisen läßt, und man denkt bei diesem Sich-Beweisenlassen eben an die besondere Art des Beweisens, die man heute gerade liebt. Wer diese besondere Art des Beweisens wirklich kennt, der weiß, daß man damit nur das beweisen kann, was Wahrheiten abgibt, die sich auf Ersterbendes im Weltenall beziehen. Daher wollen wir in der Gegenwart nur eine Wissenschaft oder nur eine Erkenntnis haben, die sich auf Ersterbendes, auf Untergehendes bezieht. Gerade diejenigen Menschen, die sich für die Aufgeklärtesten halten, lieben nur eine Erkenntnis, die sich auf Untergehendes bezieht. Sie lieben auch nur ein Wollen dazu, welches sich auf Untergehendes bezieht. Wir möchten im weitesten Sinne des Wortes, möchte ich sagen, wenn wir uns dessen auch nicht bewußt sind, in der Gegenwart nur Zugrundegehendes verwalten. Wir bringen nicht den Mut auf, Werdendes zu denken, weil Werdendes sich nicht in so starren, engbegrenzten Begriffen, die sich beweisen lassen, umfassen läßt wie Zugrundegehendes. Und man schützt sich heute gegen alle die Anfechtungen, die durch das, was ich eben gekennzeichnet habe, eigentlich kommen.
[ 4 ] Redet man gegen diese Dinge — und man muß dagegen reden —, dann setzt man sich der Gefahr aus, den Vorwurf zu bekommen, ein furchtbarer Phantast, Dilettant und dergleichen mehr, vielleicht noch etwas viel Schlimmeres zu sein. Man sucht heute geradezu Begriffe, welche einen decken können gegen das Denkenmüssen dessen, was fruchtbar, keimhaft für die Zukunft ist. Ein Begriff muß nach dieser Hinsicht den Menschen, die sich für die Intelligentesten, für die Führer halten, eingeimpft werden: der Begriff der «Erhaltung des Stoffes und der Kraft», so wie er heute gefaßt wird. Ganz selbstverständlich ist heute jeder vor einem gewissen Forum ein «Rindvieh», der nicht zugibt, daß dies eine fundamentale Wahrheit aller Wissenschaftlichkeit ist: die von der Unzerstörbarkeit der Kraft und des Stoffes. Und dennoch ist die Sache diese: Wenn wir in das Weltenall wirklich schauend uns vertiefen, dann ist das, was wir als den Stoff und als die Kraft ansprechen, ein Vergängliches, ein Verwehendes; und alle Wissenschaft, alle Erkenntnis, die wir über den Stoff und über die Kraft gewinnen können, ist Wissenschaft von etwas Vergänglichem. Weil man nur Wissenschaft von etwas Vergänglichem will, weil man nur das Vergängliche verwalten will in der Wissenschaft, deshalb dekretiert man dogmatisch, um doch etwas Festes, Bleibendes zu haben, der Stoff, der sich aber doch nur auf etwas Vergängliches bezieht, sei ewig, oder die Kraft sei ewig. Dieses Gesetz von der Erhaltung des Stoffes und der Kraft spielt eine große Rolle auch für die, die sich nicht auseinandersetzend mit der entsprechenden Wissenschaft befassen, eine solche Rolle, daß sie in alles hineingeheimnißt ist. Unsere wissenschaftliche Erziehung ist so, daß das, was sich als Niederschlag des Gedankens von der Erhaltung des Stoffes und der Kraft bildet, in die ganze populäre Literatur hineingeht und für die Leute etwas Selbstverständliches wird.
[ 4 ] Redet man gegen diese Dinge — und man muß dagegen reden —, dann setzt man sich der Gefahr aus, den Vorwurf zu bekommen, ein furchtbarer Phantast, Dilettant und dergleichen mehr, vielleicht noch etwas viel Schlimmeres zu sein. Man sucht heute geradezu Begriffe, welche einen decken können gegen das Denkenmüssen dessen, was fruchtbar, keimhaft für die Zukunft ist. Ein Begriff muß nach dieser Hinsicht den Menschen, die sich für die Intelligentesten, für die Führer halten, eingeimpft werden: der Begriff der «Erhaltung des Stoffes und der Kraft», so wie er heute gefaßt wird. Ganz selbstverständlich ist heute jeder vor einem gewissen Forum ein «Rindvieh», der nicht zugibt, daß dies eine fundamentale Wahrheit aller Wissenschaftlichkeit ist: die von der Unzerstörbarkeit der Kraft und des Stoffes. Und dennoch ist die Sache diese: Wenn wir in das Weltenall wirklich schauend uns vertiefen, dann ist das, was wir als den Stoff und als die Kraft ansprechen, ein Vergängliches, ein Verwehendes; und alle Wissenschaft, alle Erkenntnis, die wir über den Stoff und über die Kraft gewinnen können, ist Wissenschaft von etwas Vergänglichem. Weil man nur Wissenschaft von etwas Vergänglichem will, weil man nur das Vergängliche verwalten will in der Wissenschaft, deshalb dekretiert man dogmatisch, um doch etwas Festes, Bleibendes zu haben, der Stoff, der sich aber doch nur auf etwas Vergängliches bezieht, sei ewig, oder die Kraft sei ewig. Dieses Gesetz von der Erhaltung des Stoffes und der Kraft spielt eine große Rolle auch für die, die sich nicht auseinandersetzend mit der entsprechenden Wissenschaft befassen, eine solche Rolle, daß sie in alles hineingeheimnißt ist. Unsere wissenschaftliche Erziehung ist so, daß das, was sich als Niederschlag des Gedankens von der Erhaltung des Stoffes und der Kraft bildet, in die ganze populäre Literatur hineingeht und für die Leute etwas Selbstverständliches wird.
[ 5 ] Nun kennen wir aus der «Geheimwissenschaft im Umriß» die Entwickelung durch die Saturn-, Sonnen-, Monden- und Erdenzeit und so weiter. Nichts von dem, was heute Stoff und Kraft genannt wird, geht über das hinaus, was als Venusentwickelung bezeichnet wird. Also selbst für die dauerhaftesten Stoffe ist das, was.bis zur Venusentwickelung geht, damit an sein Ende gekommen. Wir befinden uns über der Mitte unserer Weltenevolution, so wie wir sie anschauen können, und wir stehen in der fünften Periode der Erdenentwickelung über der Mitte derselben. Wir sind über die Mitte hinaus, leben bereits in der untergehenden Periode der Erdenentwickelung, das heißt in derjenigen Zeit, in der die Abwärtsentwickelung, das Vergehen des Stoffes und der Kraft Platz gegriffen hat. Und die richtige Anschauung, wenn wir Physik und Chemie studieren, wäre die, daß wir uns sagten: Mit den Erkenntnissen, welche wir in der Physik und Chemie gewinnen, haben wir nur Erkenntnisse, die auf Vergängliches, auf im Weltenall mindestens mit der Venusentwickelung Verschwindendes sich beziehen. In dem ganzen Umkreis dessen, was heute als Wissenschaft gesucht wird, gibt es nichts, das sich auf Dauerndes bezieht; denn mit Ideen und Begriffen, die man nach der beliebten Art heute beweisen kann, kann man nur das finden, was in dem eben gekennzeichneten Sinne ein Vergängliches ist. Man bewegt sich nur im Vergänglichen.
[ 5 ] Nun kennen wir aus der «Geheimwissenschaft im Umriß» die Entwickelung durch die Saturn-, Sonnen-, Monden- und Erdenzeit und so weiter. Nichts von dem, was heute Stoff und Kraft genannt wird, geht über das hinaus, was als Venusentwickelung bezeichnet wird. Also selbst für die dauerhaftesten Stoffe ist das, was.bis zur Venusentwickelung geht, damit an sein Ende gekommen. Wir befinden uns über der Mitte unserer Weltenevolution, so wie wir sie anschauen können, und wir stehen in der fünften Periode der Erdenentwickelung über der Mitte derselben. Wir sind über die Mitte hinaus, leben bereits in der untergehenden Periode der Erdenentwickelung, das heißt in derjenigen Zeit, in der die Abwärtsentwickelung, das Vergehen des Stoffes und der Kraft Platz gegriffen hat. Und die richtige Anschauung, wenn wir Physik und Chemie studieren, wäre die, daß wir uns sagten: Mit den Erkenntnissen, welche wir in der Physik und Chemie gewinnen, haben wir nur Erkenntnisse, die auf Vergängliches, auf im Weltenall mindestens mit der Venusentwickelung Verschwindendes sich beziehen. In dem ganzen Umkreis dessen, was heute als Wissenschaft gesucht wird, gibt es nichts, das sich auf Dauerndes bezieht; denn mit Ideen und Begriffen, die man nach der beliebten Art heute beweisen kann, kann man nur das finden, was in dem eben gekennzeichneten Sinne ein Vergängliches ist. Man bewegt sich nur im Vergänglichen.
[ 6 ] Sie sehen, eine wesentliche Korrektur der Begriffe ist auf diesem fundamentalsten Gebiete notwendig, und diejenigen Leute gerade, die sich heute für besonders wissenschaftlich gebildet halten, werden viel lernen müssen, so daß sie ihre gangbaren Begriffe durch die richtigen werden ersetzen können. Aber wozu sage ich das alles, da die Sache ja doch vielleicht in ihrer Allgemeinheit nicht besonders wichtig scheint?
[ 6 ] Sie sehen, eine wesentliche Korrektur der Begriffe ist auf diesem fundamentalsten Gebiete notwendig, und diejenigen Leute gerade, die sich heute für besonders wissenschaftlich gebildet halten, werden viel lernen müssen, so daß sie ihre gangbaren Begriffe durch die richtigen werden ersetzen können. Aber wozu sage ich das alles, da die Sache ja doch vielleicht in ihrer Allgemeinheit nicht besonders wichtig scheint?
[ 7 ] Es ist doch wichtig, denn nach diesen Begriffen, die sich die Menschen nach der eben charakterisierten Richtung heute aneignen, nach diesen Begriffen, die in allem Denken heute leben, formen sich auch die andern Begriffe, nach denen man will, nach denen man sein Wollen einrichtet. Die sozialen Begriffe, die politischen Begriffe formen sich nach der Denkweise, die man sich in dieser Weise gebildet hat. Sie formen sich nach dem eigentümlichen Gebrauch, den man von solchen Kräften macht, der darin besteht, daß man nur Vergängliches in den Begriffen verwalten will, und das überträgt sich auch auf die Lebensbegriffe. In besonders auffälliger Weise zeigt sich das, wenn man auf die Programmpunkte solcher Menschen hinweist, die sich in ihrem Selbstvertrauen für die Allerfortschrittlichsten halten, zum Beispiel in den Programmpunkten mancher Sozialisten, gerade solcher Sozialisten, die heute ungeheuer viel von sich reden machen und die ja alle mehr oder weniger ihren Ausgangspunkt von der Theorie des Karl Marx haben. Diese Marxsche Theorie ist ja gegenwärtig das Unglück Rußlands, weil — aus Gründen, die ich das letzte Mal auseinandergesetzt habe — das, was nach den historischen Voraussetzungen in Rußland geschieht, eben dort aus dem Marxismus heraus geschehen kann. Diese Anschauung ist auch zugleich der extremste Ausdruck des Willens, nur das Vergehende zu verwalten. Wer sich mit den Ideen dieser Richtung bekanntmacht, der weiß, daß die, welche sich fanatisch zu den Ideen dieses Marxismus bekennen, zukunfttragende Ideen zu haben glauben. Sie haben hier gerade in diesen Ideen auf sozialem Gebiete solche, die sich nur auf das Vergehende beziehen können. Das tritt in einer naiven Weise gerade in dieser sogenannten sozialistischen Weltanschauung hervor, denn sie lehnt es überall ab, fruchtbare Zukunftsideen aufzustellen. Sie predigt gerade den Segen der Ideenlosigkeit. Sie hat vielfach die Formel: Man muß wegschaffen, was gegenwärtig vorhanden ist; dann wird sich schon von selbst, ohne daß man darüber nachdenkt, irgend etwas aus dem Kladderadatsch heraus ergeben. Das ist radikal ausgesprochen. Aber wenn auch die, welche das radikal aussprechen — im Sinne der letzten Betrachtung, die wir vor acht Tagen gepflogen haben —, die gut erzogen sind im Sinne der Kirche durch die Jahrhunderte hindurch und auch nichts anderes tun, als die Vorgänge der letzten Jahrhunderte aus der Kirche heraus zu zeigen, so muß man doch das Folgende sagen: In Wahrheit will diese Anschauung es völlig ablehnen, keimhafte Ideen zu hegen; sie will nur Ideen haben, die sich auf Zugrundegehendes beziehen, sie kann nur Ideen hervorbringen, mit denen man Einrichtungen zugrunde richten kann. Man glaubt, Keimhaftes zu haben; aber darauf kommt es nicht an, sondern wie sich die Ideen in die Wirklichkeit hineinstellen. In Wahrheit sind diese Ideen solche, die gar nicht darauf eingehen, irgend etwas Neues zu ergründen, sondern die sich nur damit befassen, Zerstörerisches in eine bestehende Institution hineinzubringen. Dieser Sozialismus kommt mir vor wie eine Dame — für die gegenwärtigen Menschen ist das allerdings schon vorüber —, welche die Krinoline nicht leiden kann. Den breiten Reifrock haßte sie. Das muß geändert werden, sagte sie. Und was tat sie? Sie wattierte ihn aus. So sah er nach außen ganz genau so aus wie früher, aber er war nach innen mit Watte ausgefüttert. So machen es diese Sozialisten: Sie denken nicht daran, das, was die Geschichte an Einrichtungen heraufgebracht hat, mit neuen Ideen zu befruchten, sondern es zu lassen, aber nur, um an die Stelle der bisherigen Verwalter sich selbst zu setzen. Sie behalten die Krinoline bei, wattieren sie aus. Auch da, bei einer extremen Anschauung, bloß die Sehnsucht, das Zugrundegehende, das Absterbende zu verwalten. Worauf beruht denn das?
[ 7 ] Es ist doch wichtig, denn nach diesen Begriffen, die sich die Menschen nach der eben charakterisierten Richtung heute aneignen, nach diesen Begriffen, die in allem Denken heute leben, formen sich auch die andern Begriffe, nach denen man will, nach denen man sein Wollen einrichtet. Die sozialen Begriffe, die politischen Begriffe formen sich nach der Denkweise, die man sich in dieser Weise gebildet hat. Sie formen sich nach dem eigentümlichen Gebrauch, den man von solchen Kräften macht, der darin besteht, daß man nur Vergängliches in den Begriffen verwalten will, und das überträgt sich auch auf die Lebensbegriffe. In besonders auffälliger Weise zeigt sich das, wenn man auf die Programmpunkte solcher Menschen hinweist, die sich in ihrem Selbstvertrauen für die Allerfortschrittlichsten halten, zum Beispiel in den Programmpunkten mancher Sozialisten, gerade solcher Sozialisten, die heute ungeheuer viel von sich reden machen und die ja alle mehr oder weniger ihren Ausgangspunkt von der Theorie des Karl Marx haben. Diese Marxsche Theorie ist ja gegenwärtig das Unglück Rußlands, weil — aus Gründen, die ich das letzte Mal auseinandergesetzt habe — das, was nach den historischen Voraussetzungen in Rußland geschieht, eben dort aus dem Marxismus heraus geschehen kann. Diese Anschauung ist auch zugleich der extremste Ausdruck des Willens, nur das Vergehende zu verwalten. Wer sich mit den Ideen dieser Richtung bekanntmacht, der weiß, daß die, welche sich fanatisch zu den Ideen dieses Marxismus bekennen, zukunfttragende Ideen zu haben glauben. Sie haben hier gerade in diesen Ideen auf sozialem Gebiete solche, die sich nur auf das Vergehende beziehen können. Das tritt in einer naiven Weise gerade in dieser sogenannten sozialistischen Weltanschauung hervor, denn sie lehnt es überall ab, fruchtbare Zukunftsideen aufzustellen. Sie predigt gerade den Segen der Ideenlosigkeit. Sie hat vielfach die Formel: Man muß wegschaffen, was gegenwärtig vorhanden ist; dann wird sich schon von selbst, ohne daß man darüber nachdenkt, irgend etwas aus dem Kladderadatsch heraus ergeben. Das ist radikal ausgesprochen. Aber wenn auch die, welche das radikal aussprechen — im Sinne der letzten Betrachtung, die wir vor acht Tagen gepflogen haben —, die gut erzogen sind im Sinne der Kirche durch die Jahrhunderte hindurch und auch nichts anderes tun, als die Vorgänge der letzten Jahrhunderte aus der Kirche heraus zu zeigen, so muß man doch das Folgende sagen: In Wahrheit will diese Anschauung es völlig ablehnen, keimhafte Ideen zu hegen; sie will nur Ideen haben, die sich auf Zugrundegehendes beziehen, sie kann nur Ideen hervorbringen, mit denen man Einrichtungen zugrunde richten kann. Man glaubt, Keimhaftes zu haben; aber darauf kommt es nicht an, sondern wie sich die Ideen in die Wirklichkeit hineinstellen. In Wahrheit sind diese Ideen solche, die gar nicht darauf eingehen, irgend etwas Neues zu ergründen, sondern die sich nur damit befassen, Zerstörerisches in eine bestehende Institution hineinzubringen. Dieser Sozialismus kommt mir vor wie eine Dame — für die gegenwärtigen Menschen ist das allerdings schon vorüber —, welche die Krinoline nicht leiden kann. Den breiten Reifrock haßte sie. Das muß geändert werden, sagte sie. Und was tat sie? Sie wattierte ihn aus. So sah er nach außen ganz genau so aus wie früher, aber er war nach innen mit Watte ausgefüttert. So machen es diese Sozialisten: Sie denken nicht daran, das, was die Geschichte an Einrichtungen heraufgebracht hat, mit neuen Ideen zu befruchten, sondern es zu lassen, aber nur, um an die Stelle der bisherigen Verwalter sich selbst zu setzen. Sie behalten die Krinoline bei, wattieren sie aus. Auch da, bei einer extremen Anschauung, bloß die Sehnsucht, das Zugrundegehende, das Absterbende zu verwalten. Worauf beruht denn das?
[ 8 ] Es beruht darauf, daß man mit den Begriffen der heute bloß auf das Sinnliche gehenden Wissenschaft, derjenigen Wissenschaft, die sich auf den Verstand stützt, der bloß mit der sinnlichen Wahrnehmung rechnet, daß man mit diesen Begriffen überhaupt nur das Vergehende treffen kann. Man kann in der Natur nur das treffen, was in der Natur zum Tode führt, nicht das, was weiterlebt. Das Lebendige kann man nicht erfassen. Man kann auch in der Kultur nur das erfassen, was abstirbt, kann nicht das Keimhafte, das Wachsende erfassen. Denn dieses Keimende, dieses Wachsende muß erfaßt werden mindestens mit Imaginationen, mindestens mit der ersten Stufe der höheren Erkenntnis, wie sie zum Beispiel beschrieben ist in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Und um zu gewissen höheren Erkenntnissen des Werdenden kommen zu können, muß man Intuition und Inspiration anwenden können. Wenn die Menschen mit den bisherigen Begriffen an die Dinge herangehen, können sie reden, so viel sie wollen, sie reden nur von dem, was Verwaltung des Zugrundegehenden ist, wenn sie sich nicht einlassen, auf das einzugehen, was in übersinnlicher Erkenntnis allein als das Werdende geschaut werden kann. Es stehen die Dinge heute tatsächlich auf des Messers Schneide. Man kann über gewisse Dinge nichts wissen und muß ins Kulturchaos hineinkommen, in dem wir ja genügend drinnen leben, wenn man nicht auf das Schauen des Geistigen eingehen will.
[ 8 ] Es beruht darauf, daß man mit den Begriffen der heute bloß auf das Sinnliche gehenden Wissenschaft, derjenigen Wissenschaft, die sich auf den Verstand stützt, der bloß mit der sinnlichen Wahrnehmung rechnet, daß man mit diesen Begriffen überhaupt nur das Vergehende treffen kann. Man kann in der Natur nur das treffen, was in der Natur zum Tode führt, nicht das, was weiterlebt. Das Lebendige kann man nicht erfassen. Man kann auch in der Kultur nur das erfassen, was abstirbt, kann nicht das Keimhafte, das Wachsende erfassen. Denn dieses Keimende, dieses Wachsende muß erfaßt werden mindestens mit Imaginationen, mindestens mit der ersten Stufe der höheren Erkenntnis, wie sie zum Beispiel beschrieben ist in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Und um zu gewissen höheren Erkenntnissen des Werdenden kommen zu können, muß man Intuition und Inspiration anwenden können. Wenn die Menschen mit den bisherigen Begriffen an die Dinge herangehen, können sie reden, so viel sie wollen, sie reden nur von dem, was Verwaltung des Zugrundegehenden ist, wenn sie sich nicht einlassen, auf das einzugehen, was in übersinnlicher Erkenntnis allein als das Werdende geschaut werden kann. Es stehen die Dinge heute tatsächlich auf des Messers Schneide. Man kann über gewisse Dinge nichts wissen und muß ins Kulturchaos hineinkommen, in dem wir ja genügend drinnen leben, wenn man nicht auf das Schauen des Geistigen eingehen will.
[ 9 ] Was wir brauchen, und was ja durch die Geisteswissenschaft angestrebt wird, ist in dem heute tauglichen Sinne eine Art Erneuerung des Mysterienwesens. Dazu ist freilich notwendig, daß der Sinn des alten Mysterienwesens verstanden werde, daß sodann der Sinn derjenigen Zeit verstanden werde, welche gewissermaßen eine Zwischenstufe war zwischen den alten Mysterien und denjenigen, die da kommen müssen als das neue Mysterienwesen. Alles dieses muß verstanden werden. Das Überraschendste für die Schüler der alten Mysterien war ja das, daß ihnen anschaulich gezeigt wurde, wie das alte, atavistische Hellseherische, wie das verborgene Wissen dem Untergang geweiht war. Das konnte man nicht mit dem schauenden Wissen selber erfassen, dazu mußte man in die Mysterien eingeweiht sein. Es wurde den Leuten gezeigt, daß etwas anderes über die Menschheit kommen müsse als das alte hellseherische Hineinschauen in die geistige Welt. Daß dieses Alte in der Seelenverfassung des Menschen, dieses Erscheinen der Weltenweiten in der Imagination dem Tode geweiht sei, das wurde den Mysterienschülern enthüllt. Etwa in folgender Art wurde es ihnen klargemacht: Was auf der Erde mit den physischen Sinnen gesehen werden kann, das ist nicht das, was die eigentlichen Geheimnisse des Erdendaseins enthält. Diese eigentlichen Geheimnisse können nur enthüllt werden, wenn sich der Menschenseele in hellsichtiger Betrachtung die Geheimnisse des Kosmos, die Geheimnisse des Außerirdischen erschließen, wenn dieser Seele das aufgeht, was im Kosmos draußen außerirdisch, außertellurisch geschieht. Denn das wurde ja im alten Hellsehen ergriffen, und nicht das, was auf der Erde geschah. Daß solch eine Erkenntnis, solch ein Hinaufgehen in den Kosmos nicht mehr möglich sein werde, wurde den Mysterienschülern enthüllt. Und denjenigen, die in das Christus-Mysterium eindringen sollten, wurde noch etwas anderes enthüllt.
[ 9 ] Was wir brauchen, und was ja durch die Geisteswissenschaft angestrebt wird, ist in dem heute tauglichen Sinne eine Art Erneuerung des Mysterienwesens. Dazu ist freilich notwendig, daß der Sinn des alten Mysterienwesens verstanden werde, daß sodann der Sinn derjenigen Zeit verstanden werde, welche gewissermaßen eine Zwischenstufe war zwischen den alten Mysterien und denjenigen, die da kommen müssen als das neue Mysterienwesen. Alles dieses muß verstanden werden. Das Überraschendste für die Schüler der alten Mysterien war ja das, daß ihnen anschaulich gezeigt wurde, wie das alte, atavistische Hellseherische, wie das verborgene Wissen dem Untergang geweiht war. Das konnte man nicht mit dem schauenden Wissen selber erfassen, dazu mußte man in die Mysterien eingeweiht sein. Es wurde den Leuten gezeigt, daß etwas anderes über die Menschheit kommen müsse als das alte hellseherische Hineinschauen in die geistige Welt. Daß dieses Alte in der Seelenverfassung des Menschen, dieses Erscheinen der Weltenweiten in der Imagination dem Tode geweiht sei, das wurde den Mysterienschülern enthüllt. Etwa in folgender Art wurde es ihnen klargemacht: Was auf der Erde mit den physischen Sinnen gesehen werden kann, das ist nicht das, was die eigentlichen Geheimnisse des Erdendaseins enthält. Diese eigentlichen Geheimnisse können nur enthüllt werden, wenn sich der Menschenseele in hellsichtiger Betrachtung die Geheimnisse des Kosmos, die Geheimnisse des Außerirdischen erschließen, wenn dieser Seele das aufgeht, was im Kosmos draußen außerirdisch, außertellurisch geschieht. Denn das wurde ja im alten Hellsehen ergriffen, und nicht das, was auf der Erde geschah. Daß solch eine Erkenntnis, solch ein Hinaufgehen in den Kosmos nicht mehr möglich sein werde, wurde den Mysterienschülern enthüllt. Und denjenigen, die in das Christus-Mysterium eindringen sollten, wurde noch etwas anderes enthüllt.
[ 10 ] Es kam ungefähr zu folgender Vorstellung. Wenn auch die alten atavistischen Hellseher nicht von dem Christus sprachen — ihre Eingebungen kamen aus der Welt, in welcher der Christus immer war, denn der Christus ist ein kosmisches Wesen. In all dem Kosmischen, in all dem Universellen der Welt, von dem aus das strömt, was dem Menschen im atavistischen Hellsehen aufgeht, lebt der Christus. Aber das wird von der Zeit an, in welcher das Mysterium von Golgatha geschehen sollte, den Menschen nicht mehr in der alten Weise zugänglich sein. — Was geschah? Nun, der Christus kam herunter aus dieser Welt, kam von dem Kosmos auf die Erde herunter. Weil der Kosmos so, wie es in alten Zeiten der Fall war, den Menschen nicht mehr zugänglich war, weil sie den Christus nach der alten Art nicht mehr hätten finden können, weil diese Art des Wissens, der Seelenverfassung, erstarb, in der früher die Welt geschaut wurde, in welcher der Christus war, deshalb mußte der Christus zu den Menschen herunterkommen. Und er kam herunter. Daher mußte alles, was jemals erleuchtete Geister in den alten Zeiten in heidnischen Mysterienkulten, in der heidnischen Mysterienwissenschaft von der geistigen Welt erkannt hatten, zusammengefaßt werden in dem Christus. Das mußte in dem Christus geschaut werden. Man mußte wissen, welches kosmische Wesen in dem Christus aus dem Kosmos auf die Erde heruntergekommen war. Das ist das eine.
[ 10 ] Es kam ungefähr zu folgender Vorstellung. Wenn auch die alten atavistischen Hellseher nicht von dem Christus sprachen — ihre Eingebungen kamen aus der Welt, in welcher der Christus immer war, denn der Christus ist ein kosmisches Wesen. In all dem Kosmischen, in all dem Universellen der Welt, von dem aus das strömt, was dem Menschen im atavistischen Hellsehen aufgeht, lebt der Christus. Aber das wird von der Zeit an, in welcher das Mysterium von Golgatha geschehen sollte, den Menschen nicht mehr in der alten Weise zugänglich sein. — Was geschah? Nun, der Christus kam herunter aus dieser Welt, kam von dem Kosmos auf die Erde herunter. Weil der Kosmos so, wie es in alten Zeiten der Fall war, den Menschen nicht mehr zugänglich war, weil sie den Christus nach der alten Art nicht mehr hätten finden können, weil diese Art des Wissens, der Seelenverfassung, erstarb, in der früher die Welt geschaut wurde, in welcher der Christus war, deshalb mußte der Christus zu den Menschen herunterkommen. Und er kam herunter. Daher mußte alles, was jemals erleuchtete Geister in den alten Zeiten in heidnischen Mysterienkulten, in der heidnischen Mysterienwissenschaft von der geistigen Welt erkannt hatten, zusammengefaßt werden in dem Christus. Das mußte in dem Christus geschaut werden. Man mußte wissen, welches kosmische Wesen in dem Christus aus dem Kosmos auf die Erde heruntergekommen war. Das ist das eine.
[ 11 ] Das andere war das Folgende. Ich sagte: Von alledem, was draußen in der Welt von Natureinrichtungen, von sozialen und Kultureinrichtungen gesehen werden kann, kann der Verstand und können die Sinne nur das Vergängliche schauen, können ein Wissen nur vom Vergänglichen der Natur gewinnen, das sich ja bis zum Venusdasein erstreckt. Aber im Kulturwissen steht man oftmals schon im Untergang drinnen, wenn man glaubt, Ideen zu haben, die ein Werden bedeuten. In dem, was durch die Sinne wahrgenommen und durch den Verstand begriffen werden kann, liegt kein Keim für die Zukunft. In alledem ist das dem Tode Geweihte. Es gäbe nur Todwissen, wenn es nur solches gäbe; denn die Wirklichkeit selbst, die uns umgibt, ist todgeweiht. Wo ist denn etwas Dauerndes? Wo ist denn das, welches als das Unvergängliche hinüberleben wird über dieses äußerlich Daseiende und dem Tode Geweihte? Wo ist denn das, was wirklich erhalten wird, während die Atome und die Kräfte, von denen physikalischer Aberglaube meint, daß sie erhalten würden, nicht erhalten werden, sondern zugrunde gehen?
[ 11 ] Das andere war das Folgende. Ich sagte: Von alledem, was draußen in der Welt von Natureinrichtungen, von sozialen und Kultureinrichtungen gesehen werden kann, kann der Verstand und können die Sinne nur das Vergängliche schauen, können ein Wissen nur vom Vergänglichen der Natur gewinnen, das sich ja bis zum Venusdasein erstreckt. Aber im Kulturwissen steht man oftmals schon im Untergang drinnen, wenn man glaubt, Ideen zu haben, die ein Werden bedeuten. In dem, was durch die Sinne wahrgenommen und durch den Verstand begriffen werden kann, liegt kein Keim für die Zukunft. In alledem ist das dem Tode Geweihte. Es gäbe nur Todwissen, wenn es nur solches gäbe; denn die Wirklichkeit selbst, die uns umgibt, ist todgeweiht. Wo ist denn etwas Dauerndes? Wo ist denn das, welches als das Unvergängliche hinüberleben wird über dieses äußerlich Daseiende und dem Tode Geweihte? Wo ist denn das, was wirklich erhalten wird, während die Atome und die Kräfte, von denen physikalischer Aberglaube meint, daß sie erhalten würden, nicht erhalten werden, sondern zugrunde gehen?
[ 12 ] Das ist nur im Menschen selbst. Von allen Wesen, von den Tieren Pflanzen, Mineralien, von Luft, Wasser und allem, was zugrunde geht, gibt es nur eines, das sich über die Erdenevolution und über die Evolution, die aus dem Erdendasein folgen wird, hinaus erhält: nur das, was im Menschen selbst lebt. Nur der Mensch trägt auf der Erde etwas in sich, was dauernd ist. Man kann nicht sprechen von der Erhaltung der Atome, des Stoffes und der Kraft, man kann nur sprechen von der Erhaltung von etwas im Menschen. Aber das kann nur geschaut werden durch Imagination, Inspiration und Intuition. Alles übrige, was nicht in übersinnlicher Erkenntnis geschaut wird, ist kein Dauerndes. Übersinnliches — das Sinnliche ist alles vergänglich —, das, was überdauernd ist, kann daher auch nur im übersinnlichen Erkennen begriffen werden. In dem Menschen, der auf der Erde herumgeht, liegt alles das, was von allem Erdendasein sich über die Erde hinaus retten wird. Wenn wir fragen: Wo ist der Keim für etwas, was über Erden-, Jupiter- und Venusentwickelung hinauswächst, was aus der gegenwärtigen Kultur in die Kultur der Zukunft hinüberwächst? — so müssen wir sagen: In nichts außerhalb der Erde, nur in dem, was im Menschen ist. In dem Teil seines Wesens, der allein der übersinnlichen Erkenntnis zugänglich ist, ist der Mensch das, was den Keim für die Zukunft in sich trägt. — Und nur der redet recht von der Zukunft, der allein den Willen hat, das Übersinnliche zu erfassen, sonst redet ein jeder, der von der Zukunft redet, irre. Daher mußte der Christus, der aus den Welten, die für die menschliche Erkenntnis immer unzugänglicher wurden, auch für die menschliche Erkenntnis heruntersteigen, mußte sich mit dem Menschen vereinigen, mußte im Jesus seinen Wohnplatz aufschlagen und so zum Christus Jesus werden, weil nur in einem Menschenleibe das war, was zukunftsträchtig für die Erdenentwickelung ist. Daher haben wir in dem Christus das Kosmische, aber jenes Kosmische, das in alter Erkenntnis ‚ allein unmittelbar ergriffen werden konnte; und in dem Jesus, zu dem der Christus gekommen ist, haben wir das, was fortan in dem Menschenwillen allein den Keim für die Zukunft trägt. Nicht begreift man den Christus, wenn man ihn nur als Christus oder nur als Jesus begreifen will. Man begreift ihn nicht, wenn man bloß von dem Christus redet; denn der Christus, von dem zum Beispiel die alten Doketen eine Art Gnostiker — gesprochen haben, könnte nicht mehr erfaßt werden; der gehört dem alten atavistischen Hellsehen an. Nicht begreift man den Jesus, wenn man nicht den Christus, der in den Jesus eingezogen ist, gelten lassen will. Man begreift nicht, daß allein durch den Menschenkeim auf Erden das Kosmische für die Zukunft gerettet werden muß, wenn man nicht den Christus in dem Jesus gelten lassen will.
[ 12 ] Das ist nur im Menschen selbst. Von allen Wesen, von den Tieren Pflanzen, Mineralien, von Luft, Wasser und allem, was zugrunde geht, gibt es nur eines, das sich über die Erdenevolution und über die Evolution, die aus dem Erdendasein folgen wird, hinaus erhält: nur das, was im Menschen selbst lebt. Nur der Mensch trägt auf der Erde etwas in sich, was dauernd ist. Man kann nicht sprechen von der Erhaltung der Atome, des Stoffes und der Kraft, man kann nur sprechen von der Erhaltung von etwas im Menschen. Aber das kann nur geschaut werden durch Imagination, Inspiration und Intuition. Alles übrige, was nicht in übersinnlicher Erkenntnis geschaut wird, ist kein Dauerndes. Übersinnliches — das Sinnliche ist alles vergänglich —, das, was überdauernd ist, kann daher auch nur im übersinnlichen Erkennen begriffen werden. In dem Menschen, der auf der Erde herumgeht, liegt alles das, was von allem Erdendasein sich über die Erde hinaus retten wird. Wenn wir fragen: Wo ist der Keim für etwas, was über Erden-, Jupiter- und Venusentwickelung hinauswächst, was aus der gegenwärtigen Kultur in die Kultur der Zukunft hinüberwächst? — so müssen wir sagen: In nichts außerhalb der Erde, nur in dem, was im Menschen ist. In dem Teil seines Wesens, der allein der übersinnlichen Erkenntnis zugänglich ist, ist der Mensch das, was den Keim für die Zukunft in sich trägt. — Und nur der redet recht von der Zukunft, der allein den Willen hat, das Übersinnliche zu erfassen, sonst redet ein jeder, der von der Zukunft redet, irre. Daher mußte der Christus, der aus den Welten, die für die menschliche Erkenntnis immer unzugänglicher wurden, auch für die menschliche Erkenntnis heruntersteigen, mußte sich mit dem Menschen vereinigen, mußte im Jesus seinen Wohnplatz aufschlagen und so zum Christus Jesus werden, weil nur in einem Menschenleibe das war, was zukunftsträchtig für die Erdenentwickelung ist. Daher haben wir in dem Christus das Kosmische, aber jenes Kosmische, das in alter Erkenntnis ‚ allein unmittelbar ergriffen werden konnte; und in dem Jesus, zu dem der Christus gekommen ist, haben wir das, was fortan in dem Menschenwillen allein den Keim für die Zukunft trägt. Nicht begreift man den Christus, wenn man ihn nur als Christus oder nur als Jesus begreifen will. Man begreift ihn nicht, wenn man bloß von dem Christus redet; denn der Christus, von dem zum Beispiel die alten Doketen eine Art Gnostiker — gesprochen haben, könnte nicht mehr erfaßt werden; der gehört dem alten atavistischen Hellsehen an. Nicht begreift man den Jesus, wenn man nicht den Christus, der in den Jesus eingezogen ist, gelten lassen will. Man begreift nicht, daß allein durch den Menschenkeim auf Erden das Kosmische für die Zukunft gerettet werden muß, wenn man nicht den Christus in dem Jesus gelten lassen will.
[ 13 ] Dies zu verstehen, inwiefern der Christus Jesus dieses Doppelwesen ist, ist eine große Aufgabe. Aber zu gleicher Zeit waren viele bemüht, Hemmnisse zu schaffen gerade für das Verständnis des Christus Jesus als eines Doppelwesens. So handelte es sich in der neueren Zeit darum, durch die verschiedensten Mittel vergessen zu machen, daß der Christus in dem Jesus gewohnt hat. Da ist auf der einen Seite jene extreme theologische Lehre, die nur immer von dem «schlichten Mann aus Nazareth» sprechen will, die also eigentlich nur von dem Menschen der sinnlichen Natur spricht und nicht von jenem Menschen, welcher den Zukunftskeim in sich hat. Da ist ferner jene Gesellschaft, die gegründet worden ist, um den Christus zu bekämpfen und zu diesem Zwecke ein falsches Jesusbild aufzustellen: die Gesellschaft des Jesuitismus, die im wesentlichen dazu da ist, das Christus-Bild aus dem Christus-Jesus-Bild auszutreiben und nur den Jesus gewissermaßen als den Tyrannen der sich entwickelnden Menschheit gelten zu lassen. Das alles muß man im Zusammenhang sehen. Denn die verschiedenen Impulse, auf die damit hingedeutet wird, wirken im Leben der Gegenwart mehr, als man denkt; sie wirken ganz intensiv im Leben der Gegenwart. Und wer nicht seine Augen aufmacht und Verlangen hat, die konkreten Erscheinungen dessen, was um ihn herum vorgeht, zu begreifen, der wird niemals anders als überrascht sein können von alledem, was kommt; er wird nicht viel über Dinge, wie sie hier angedeutet werden, zur Klarheit kommen. Unsere Gegenwart ist in vieler Beziehung allerdings viel zu bequem, um über diese Dinge zur Klarheit kommen zu wollen. Geisteswissenschaftliche Begriffe sind viel zu schwierig. Die Leute verketzern sie daher als dilettantisch, unwissenschaftlich, phantastisch und dergleichen. Sie verurteilen sich zugleich aus Gründen, die ich eben angeführt habe, [dazu,] mit nichts zu rechnen, was wirklich zukunftsträchtig sein könnte. |
[ 13 ] Dies zu verstehen, inwiefern der Christus Jesus dieses Doppelwesen ist, ist eine große Aufgabe. Aber zu gleicher Zeit waren viele bemüht, Hemmnisse zu schaffen gerade für das Verständnis des Christus Jesus als eines Doppelwesens. So handelte es sich in der neueren Zeit darum, durch die verschiedensten Mittel vergessen zu machen, daß der Christus in dem Jesus gewohnt hat. Da ist auf der einen Seite jene extreme theologische Lehre, die nur immer von dem «schlichten Mann aus Nazareth» sprechen will, die also eigentlich nur von dem Menschen der sinnlichen Natur spricht und nicht von jenem Menschen, welcher den Zukunftskeim in sich hat. Da ist ferner jene Gesellschaft, die gegründet worden ist, um den Christus zu bekämpfen und zu diesem Zwecke ein falsches Jesusbild aufzustellen: die Gesellschaft des Jesuitismus, die im wesentlichen dazu da ist, das Christus-Bild aus dem Christus-Jesus-Bild auszutreiben und nur den Jesus gewissermaßen als den Tyrannen der sich entwickelnden Menschheit gelten zu lassen. Das alles muß man im Zusammenhang sehen. Denn die verschiedenen Impulse, auf die damit hingedeutet wird, wirken im Leben der Gegenwart mehr, als man denkt; sie wirken ganz intensiv im Leben der Gegenwart. Und wer nicht seine Augen aufmacht und Verlangen hat, die konkreten Erscheinungen dessen, was um ihn herum vorgeht, zu begreifen, der wird niemals anders als überrascht sein können von alledem, was kommt; er wird nicht viel über Dinge, wie sie hier angedeutet werden, zur Klarheit kommen. Unsere Gegenwart ist in vieler Beziehung allerdings viel zu bequem, um über diese Dinge zur Klarheit kommen zu wollen. Geisteswissenschaftliche Begriffe sind viel zu schwierig. Die Leute verketzern sie daher als dilettantisch, unwissenschaftlich, phantastisch und dergleichen. Sie verurteilen sich zugleich aus Gründen, die ich eben angeführt habe, [dazu,] mit nichts zu rechnen, was wirklich zukunftsträchtig sein könnte. |
[ 14 ] So sehen wir denn jene Öde heute um uns herum mitten in dem Chaos, in welches die alten Religionsbekenntnisse und Kulturströmungen hineingeführt haben. Mitten in diesem Chaos, das die Leute heute mit einer sonderbaren Naivität Krieg nennen, während es längst kein Krieg mehr ist, sondern etwas ganz anderes, mitten in diesem Chaos sehen wir die Gedanken- und Ideenöde, weil nicht öde Ideen und nicht öde Gedanken nur aus der Erfassung des Übersinnlichen, des Geistigen kommen können, und weil sich heute der Mensch entscheiden muß, entweder nur das Vergehende, das Ersterbende zu verwalten und ein Schüler Lenins zu werden — oder mit dem Übersinnlichen zu rechnen, welches das enthält, was da kommen muß. Nicht gerade diesen einzigen Lenin, welcher jetzt in Europas Osten seinen Unfug macht, meine ich; ich nehme ihn mehr als ein Symbolum, denn wir haben solcher Lenins viele, viele im ganzen Umkreis des heutigen Lebens um uns herum, auf dem einen oder andern Gebiete. Nur will man nicht an etwas anderes herangehen als an das, was das Ersterbende ist.
[ 14 ] So sehen wir denn jene Öde heute um uns herum mitten in dem Chaos, in welches die alten Religionsbekenntnisse und Kulturströmungen hineingeführt haben. Mitten in diesem Chaos, das die Leute heute mit einer sonderbaren Naivität Krieg nennen, während es längst kein Krieg mehr ist, sondern etwas ganz anderes, mitten in diesem Chaos sehen wir die Gedanken- und Ideenöde, weil nicht öde Ideen und nicht öde Gedanken nur aus der Erfassung des Übersinnlichen, des Geistigen kommen können, und weil sich heute der Mensch entscheiden muß, entweder nur das Vergehende, das Ersterbende zu verwalten und ein Schüler Lenins zu werden — oder mit dem Übersinnlichen zu rechnen, welches das enthält, was da kommen muß. Nicht gerade diesen einzigen Lenin, welcher jetzt in Europas Osten seinen Unfug macht, meine ich; ich nehme ihn mehr als ein Symbolum, denn wir haben solcher Lenins viele, viele im ganzen Umkreis des heutigen Lebens um uns herum, auf dem einen oder andern Gebiete. Nur will man nicht an etwas anderes herangehen als an das, was das Ersterbende ist.
[ 15 ] Erinnern Sie sich bitte an etwas, worauf ich auch hier einmal aufmerksam machte. Die Pflanze lebt, sagte ich; Sie können sie beschreiben als etwas Lebendiges. Aber was beschreibt heute die gebräuchliche Wissenschaft an der Pflanze? Nicht das, was darinnen lebt, denn das ist übersinnlich; sondern sie beschreibt das, was das Lebendige ausfüllt, was darinnen das Tote, das Mineralische ist. In der heutigen Wissenschaft finden Sie nichts anderes beschrieben als das, was als Mineralisches die Lebewesen ausfüllt, und was in den Lebewesen den Tod bewirkt. Daher kann man sich auch heute nicht zu wirklich fruchtbaren Begriffen über die Natur aufschwingen. Solche Begriffe, wie man sie in der heutigen Botanik hat, sind keine lebensvollen Begriffe, sondern es wird etwas beschrieben, was mit Steinchen, mit Mineralien ausgefüllt ist. Da ist überall das zirkulierende Mineralische drinnen. Das wird auch im Tier, wird auch im Menschen beschrieben. Sobald man über dieses zirkulierende Mineralische in Pflanze, Tier und Mensch hinauskommt, werden diese etwas ganz anderes.
[ 15 ] Erinnern Sie sich bitte an etwas, worauf ich auch hier einmal aufmerksam machte. Die Pflanze lebt, sagte ich; Sie können sie beschreiben als etwas Lebendiges. Aber was beschreibt heute die gebräuchliche Wissenschaft an der Pflanze? Nicht das, was darinnen lebt, denn das ist übersinnlich; sondern sie beschreibt das, was das Lebendige ausfüllt, was darinnen das Tote, das Mineralische ist. In der heutigen Wissenschaft finden Sie nichts anderes beschrieben als das, was als Mineralisches die Lebewesen ausfüllt, und was in den Lebewesen den Tod bewirkt. Daher kann man sich auch heute nicht zu wirklich fruchtbaren Begriffen über die Natur aufschwingen. Solche Begriffe, wie man sie in der heutigen Botanik hat, sind keine lebensvollen Begriffe, sondern es wird etwas beschrieben, was mit Steinchen, mit Mineralien ausgefüllt ist. Da ist überall das zirkulierende Mineralische drinnen. Das wird auch im Tier, wird auch im Menschen beschrieben. Sobald man über dieses zirkulierende Mineralische in Pflanze, Tier und Mensch hinauskommt, werden diese etwas ganz anderes.
[ 16 ] Nehmen Sie zum Beispiel Herrn von Uexküll, der den Aufsatz geschrieben hat «Im Kampf um die Tierseele». Dieser Herr von Uexküll ist in bezug auf alle Seelenwissenschaft von masochistischer Grausamkeit besessen, in bezug auf alles besessen, was nur irgendwie an die Seelenwissenschaft erinnert. Ich sagte «masochistische Grausamkeit», weil in diesem Aufsatze zu lesen ist: Entschieden solle nicht werden, ob es eine Seele gibt oder nicht; es solle nur entschieden werden, daß die Wissenschaft nichts darüber ausmachen kann. — Wer ordentlich grausam ist, der tötet auch; wer masochistisch grausam ist wie dieser Herr von Uexküll, der probiert nur das Töten, stichelt herum. Das ist überhaupt der Typus der heutigen Wissenschaft; nur merkt man es nicht, weil man sich nicht gerne darauf einläßt. Man will nicht die Scheidewand durchbrechen, die einen trennt von dem, was in der Umgebung ist. Daher kann man sich durchaus nicht zu den Begriffen aufschwingen, die man wirklich braucht, damit der Mensch wieder einmal seine Umgebung verstehen lernt.
[ 16 ] Nehmen Sie zum Beispiel Herrn von Uexküll, der den Aufsatz geschrieben hat «Im Kampf um die Tierseele». Dieser Herr von Uexküll ist in bezug auf alle Seelenwissenschaft von masochistischer Grausamkeit besessen, in bezug auf alles besessen, was nur irgendwie an die Seelenwissenschaft erinnert. Ich sagte «masochistische Grausamkeit», weil in diesem Aufsatze zu lesen ist: Entschieden solle nicht werden, ob es eine Seele gibt oder nicht; es solle nur entschieden werden, daß die Wissenschaft nichts darüber ausmachen kann. — Wer ordentlich grausam ist, der tötet auch; wer masochistisch grausam ist wie dieser Herr von Uexküll, der probiert nur das Töten, stichelt herum. Das ist überhaupt der Typus der heutigen Wissenschaft; nur merkt man es nicht, weil man sich nicht gerne darauf einläßt. Man will nicht die Scheidewand durchbrechen, die einen trennt von dem, was in der Umgebung ist. Daher kann man sich durchaus nicht zu den Begriffen aufschwingen, die man wirklich braucht, damit der Mensch wieder einmal seine Umgebung verstehen lernt.
[ 17 ] Wir wissen aus der Geisteswissenschaft, daß aus den geistigen Welten das Wesentliche, das Zentrale des Menschen herunterkommt, sich mit dem verbindet, was als fleischliche, materielle Hülle den Menschen zwischen Geburt und Tod oder zwischen Empfängnis und Tod umgibt. Heute untersucht man die Probleme der Empfängnis, der Geburt, der embryonalen Entwickelung, aber man kann sie ja nicht untersuchen, weil man nur das in das Lebendige eingebettete Tote studiert. Damit wird man niemals zum Begreifen desjenigen kommen, was einem die Menschheit einzig und allein verständlich macht: Wenn der Mensch aus der geistigen Welt herunterkommt, so wird er empfangen von Vater und Mutter, und geht dann durch die ganze embryonale Entwickelung durch. Heute lebt die Wissenschaft in der Anmaßung, Vater und Mutter gäben dem Kinde das Dasein. Und da Vater und Mutter Mittelpunkt der Familie sind und die Familie die Grundlage der sozialen Gemeinschaft, so betrachten auch die sozialen Gemeinschaften, welche die erweiterte Familie sind, den Menschen als ihr Eigentum. Da kommt man auf sehr bittere Begriffe in der Gegenwart. — Aber so ist es nicht.
[ 17 ] Wir wissen aus der Geisteswissenschaft, daß aus den geistigen Welten das Wesentliche, das Zentrale des Menschen herunterkommt, sich mit dem verbindet, was als fleischliche, materielle Hülle den Menschen zwischen Geburt und Tod oder zwischen Empfängnis und Tod umgibt. Heute untersucht man die Probleme der Empfängnis, der Geburt, der embryonalen Entwickelung, aber man kann sie ja nicht untersuchen, weil man nur das in das Lebendige eingebettete Tote studiert. Damit wird man niemals zum Begreifen desjenigen kommen, was einem die Menschheit einzig und allein verständlich macht: Wenn der Mensch aus der geistigen Welt herunterkommt, so wird er empfangen von Vater und Mutter, und geht dann durch die ganze embryonale Entwickelung durch. Heute lebt die Wissenschaft in der Anmaßung, Vater und Mutter gäben dem Kinde das Dasein. Und da Vater und Mutter Mittelpunkt der Familie sind und die Familie die Grundlage der sozialen Gemeinschaft, so betrachten auch die sozialen Gemeinschaften, welche die erweiterte Familie sind, den Menschen als ihr Eigentum. Da kommt man auf sehr bittere Begriffe in der Gegenwart. — Aber so ist es nicht.
[ 18 ] Was gibt denn der Empfängnisakt dem Menschen? Was hat der Mensch vom Empfängnisakt? Was der Mensch empfängt — wie die Geisteswissenschaft zeigen kann —, ist die Möglichkeit, ein sterbliches Wesen zu sein; die Möglichkeit zu sterben erhält er durch den Empfängnisakt. Nehmen Sie das, was in meinen verschiedenen Büchern beschrieben ist: Sie werden erkennen, daß das, was ich jetzt sage, die notwendige Tatsachenfolge ist. Schon indem der Mensch empfangen wird, wird ihm das eingegliedert, was hier auf der Erde sein Sterben möglich macht. Das ganze Leben zwischen Geburt und Tod ist eine Entwickelung zum Tode hin, und eingeimpft wird der Tod in das Empfangene. Was der Mensch als Mensch, als Lebewesen ist, das wird nicht bei der Empfängnis irgendwie erzeugt, sondern einzig und allein wird diesem sonst Unsterblichen das eingeimpft, was die Möglichkeit zu sterben enthält. Eltern können dem Kinde nur den Tod geben — so würde es extrem ausgedrückt heißen —, nur die Möglichkeit, hier auf der Erde einen sterblichen Leib zu tragen. Was an diesem Leibe lebt, das muß durch das kommen, was aus der geistigen Welt herunterkommt. Daß dieser ganze Organismus, der ganze Mechanismus, mit dem der Mensch umkleidet wird und den er mit dem Keim des Todes durch das Empfangenwerden erhält, überhaupt lebensfähig ist, das geschieht durch das, was aus der geistigen Welt herunterkommt. Man muß lernen, den Menschen wieder in seiner konkretesten Erscheinungsform an die geistige Weltenentwickelung anzuschließen. Dazu wird man lernen müssen, nicht in jener feigen Erkenntnisfurcht vor den höchsten Problemen zu stehen, in der heute die gegenwärtige Wissenschaft vor ihnen steht, sondern diese höchsten Probleme wirklich anzufassen. Wenn man vor ihnen zurückschreckt, dann kann man auch nicht das, was in der unmittelbaren Umgebung lebt, verstehen.
[ 18 ] Was gibt denn der Empfängnisakt dem Menschen? Was hat der Mensch vom Empfängnisakt? Was der Mensch empfängt — wie die Geisteswissenschaft zeigen kann —, ist die Möglichkeit, ein sterbliches Wesen zu sein; die Möglichkeit zu sterben erhält er durch den Empfängnisakt. Nehmen Sie das, was in meinen verschiedenen Büchern beschrieben ist: Sie werden erkennen, daß das, was ich jetzt sage, die notwendige Tatsachenfolge ist. Schon indem der Mensch empfangen wird, wird ihm das eingegliedert, was hier auf der Erde sein Sterben möglich macht. Das ganze Leben zwischen Geburt und Tod ist eine Entwickelung zum Tode hin, und eingeimpft wird der Tod in das Empfangene. Was der Mensch als Mensch, als Lebewesen ist, das wird nicht bei der Empfängnis irgendwie erzeugt, sondern einzig und allein wird diesem sonst Unsterblichen das eingeimpft, was die Möglichkeit zu sterben enthält. Eltern können dem Kinde nur den Tod geben — so würde es extrem ausgedrückt heißen —, nur die Möglichkeit, hier auf der Erde einen sterblichen Leib zu tragen. Was an diesem Leibe lebt, das muß durch das kommen, was aus der geistigen Welt herunterkommt. Daß dieser ganze Organismus, der ganze Mechanismus, mit dem der Mensch umkleidet wird und den er mit dem Keim des Todes durch das Empfangenwerden erhält, überhaupt lebensfähig ist, das geschieht durch das, was aus der geistigen Welt herunterkommt. Man muß lernen, den Menschen wieder in seiner konkretesten Erscheinungsform an die geistige Weltenentwickelung anzuschließen. Dazu wird man lernen müssen, nicht in jener feigen Erkenntnisfurcht vor den höchsten Problemen zu stehen, in der heute die gegenwärtige Wissenschaft vor ihnen steht, sondern diese höchsten Probleme wirklich anzufassen. Wenn man vor ihnen zurückschreckt, dann kann man auch nicht das, was in der unmittelbaren Umgebung lebt, verstehen.
[ 19 ] In der unmittelbaren Umgebung — man kann schon so sagen leben heute die verschiedensten Völker. Denken Sie sich nur, welche unwahren Begriffe zum Beispiel Woodrow Wilson aus dem Völkerbegriff, aus dem Volksbegriff gemacht hat. Davon haben wir öfters gesprochen. Man muß sich darüber klar sein, daß man diesen Volksbegriff nicht verstehen kann, wenn man nicht auf die ganze Erdenevolution eingehen kann. Woher kommt denn die Gliederung der Menschheit in Völker?
[ 19 ] In der unmittelbaren Umgebung — man kann schon so sagen leben heute die verschiedensten Völker. Denken Sie sich nur, welche unwahren Begriffe zum Beispiel Woodrow Wilson aus dem Völkerbegriff, aus dem Volksbegriff gemacht hat. Davon haben wir öfters gesprochen. Man muß sich darüber klar sein, daß man diesen Volksbegriff nicht verstehen kann, wenn man nicht auf die ganze Erdenevolution eingehen kann. Woher kommt denn die Gliederung der Menschheit in Völker?
[ 20 ] Wir wissen aus der Geisteswissenschaft: Die Evolution ist so vor sich gegangen, daß wir erst die Saturnverkörperung der Erde hatten, daran schloß sich die Sonnenverkörperung, es folgte die Mondenverkörperung und dann der jetzige Erdenzustand; dann wird eine Jupiterverkörperung kommen und so weiter. Das ist aber nicht so glatt vor sich gegangen, daß sich einfach ein alter Saturnkörper in einen Sonnen-, Monden- und Erdenkörper verwandelt hat, sondern es hat einmal eine Abtrennung der Sonne von der Erde, dann eine Abtrennung des Mondes von der Erde stattgefunden, so daß wir eine fortlaufende Entwickelung haben und etwas, was sich abgetrennt hat, wieder vereinigt hat, wieder getrennt hat. Gerade das, was ich vorhin die kosmische Entwickelung nannte, das Abtrennen, spielte in das alte Hellsehen hinein. Und es blieb in diesem Hellsehen ganz unbewußt, blieb «chthonisch», wie man es im alten Hellsehen nennt, in der fortgehenden Erdenentwickelung das, was der Menschenkeim der Zukunft ist. Denn was aus dem Universum kommt, war ja zum Absterben bestimmt, es wurde nur dadurch erhalten, daß es von der luziferischen Kraft ergriffen wurde. So haben sich die verschiedenen Differenzierungen in Nationen, in Völker gebildet: vom Kosmos herein; aber imprägniert sind die kosmischen Kräfte mit luziferischen Kräften. Diesen verschieden differenzierten Völkern steht gegenüber, was ja auch noch in einer besseren Zeit, als die heutige ist, begriffen worden ist: das Allgemein-Menschliche. Dieses hat einen ganz andern Ursprung. Es ist das, wovon man reden kann in abstracto, wovon man aber in Wirklichkeit nur redet, wenn man das wirklich erfaßt, was als Zukunftskeim im Menschen ist. In diesem ist nichts von Nation, nichts von Volk; denn es ist das, was nicht vom Kosmos herabkam, sondern das, wozu der Christus hingegangen ist, und womit er sich verbunden hat. Der Christus hat sich nicht mit irgendeinem Nationalen verbunden, wie noch die Jehovagottheit, sondern er hat sich mit dem Allgemein-Menschlichen verbunden. Er war in der Gemeinschaft derjenigen Götter, aus denen die Nationen geworden sind, aber er verließ dieses Gebiet, als es reif zum Untergange war, kam auf die Erde und nahm Platz im Allgemein-Menschlichen. Es ist in bezug auf den Christus Jesus die größte Gotteslästerung, ihn für etwas anderes zu gebrauchen als für das Allgemein-Menschliche, wo man sagt: «Nicht ich, sondern der Christus in mir.»
[ 20 ] Wir wissen aus der Geisteswissenschaft: Die Evolution ist so vor sich gegangen, daß wir erst die Saturnverkörperung der Erde hatten, daran schloß sich die Sonnenverkörperung, es folgte die Mondenverkörperung und dann der jetzige Erdenzustand; dann wird eine Jupiterverkörperung kommen und so weiter. Das ist aber nicht so glatt vor sich gegangen, daß sich einfach ein alter Saturnkörper in einen Sonnen-, Monden- und Erdenkörper verwandelt hat, sondern es hat einmal eine Abtrennung der Sonne von der Erde, dann eine Abtrennung des Mondes von der Erde stattgefunden, so daß wir eine fortlaufende Entwickelung haben und etwas, was sich abgetrennt hat, wieder vereinigt hat, wieder getrennt hat. Gerade das, was ich vorhin die kosmische Entwickelung nannte, das Abtrennen, spielte in das alte Hellsehen hinein. Und es blieb in diesem Hellsehen ganz unbewußt, blieb «chthonisch», wie man es im alten Hellsehen nennt, in der fortgehenden Erdenentwickelung das, was der Menschenkeim der Zukunft ist. Denn was aus dem Universum kommt, war ja zum Absterben bestimmt, es wurde nur dadurch erhalten, daß es von der luziferischen Kraft ergriffen wurde. So haben sich die verschiedenen Differenzierungen in Nationen, in Völker gebildet: vom Kosmos herein; aber imprägniert sind die kosmischen Kräfte mit luziferischen Kräften. Diesen verschieden differenzierten Völkern steht gegenüber, was ja auch noch in einer besseren Zeit, als die heutige ist, begriffen worden ist: das Allgemein-Menschliche. Dieses hat einen ganz andern Ursprung. Es ist das, wovon man reden kann in abstracto, wovon man aber in Wirklichkeit nur redet, wenn man das wirklich erfaßt, was als Zukunftskeim im Menschen ist. In diesem ist nichts von Nation, nichts von Volk; denn es ist das, was nicht vom Kosmos herabkam, sondern das, wozu der Christus hingegangen ist, und womit er sich verbunden hat. Der Christus hat sich nicht mit irgendeinem Nationalen verbunden, wie noch die Jehovagottheit, sondern er hat sich mit dem Allgemein-Menschlichen verbunden. Er war in der Gemeinschaft derjenigen Götter, aus denen die Nationen geworden sind, aber er verließ dieses Gebiet, als es reif zum Untergange war, kam auf die Erde und nahm Platz im Allgemein-Menschlichen. Es ist in bezug auf den Christus Jesus die größte Gotteslästerung, ihn für etwas anderes zu gebrauchen als für das Allgemein-Menschliche, wo man sagt: «Nicht ich, sondern der Christus in mir.»
[ 21 ] Dieses zu durchschauen, gehört gewissermaßen zu den wichtigsten Vorstellungen der Zukunft. Zu den wichtigsten Vorstellungen der Zukunft gehört es, das Verhältnis des Christus Jesus zur Menschheit zu durchschauen, zu durchschauen auch, was alles bloß Völkisches außerhalb des ganzen Gebietes des Christus Jesus ist, weil es alter Rest desjenigen ist, was eigentlich zur Zeit des Mysteriums von Golgatha zum Untergange reif war. Aber alle Dinge bleiben noch über den Zeitpunkt, wo sie zum Untergange reif sind, wie verdorrte Früchte in der Welt vorhanden. So konnte von dem, was eigentlich zum Untergange reif war, nichts anderes bleiben als jene Wissenschaft, die in ihrer Erkenntnis nur das Untergehende verwalten will, die sich, wie die gegenwärtige Natur- oder Sozialwissenschaft, nur mit Ideen beschäftigt, die das Untergehende verwalten können: entweder das in der Natur Untergehende, Sterbende, oder das in Kultur Vergehende, Sterbende, wie ich gezeigt habe.
[ 21 ] Dieses zu durchschauen, gehört gewissermaßen zu den wichtigsten Vorstellungen der Zukunft. Zu den wichtigsten Vorstellungen der Zukunft gehört es, das Verhältnis des Christus Jesus zur Menschheit zu durchschauen, zu durchschauen auch, was alles bloß Völkisches außerhalb des ganzen Gebietes des Christus Jesus ist, weil es alter Rest desjenigen ist, was eigentlich zur Zeit des Mysteriums von Golgatha zum Untergange reif war. Aber alle Dinge bleiben noch über den Zeitpunkt, wo sie zum Untergange reif sind, wie verdorrte Früchte in der Welt vorhanden. So konnte von dem, was eigentlich zum Untergange reif war, nichts anderes bleiben als jene Wissenschaft, die in ihrer Erkenntnis nur das Untergehende verwalten will, die sich, wie die gegenwärtige Natur- oder Sozialwissenschaft, nur mit Ideen beschäftigt, die das Untergehende verwalten können: entweder das in der Natur Untergehende, Sterbende, oder das in Kultur Vergehende, Sterbende, wie ich gezeigt habe.
[ 22 ] Man kann in unserer Kulturgeschichte manchmal geradezu hart. aneinanderstoßen sehen dieses Untergehende, das in toten, abstrakten Ideen leben will und sich von ihnen vormacht, daß sie irgend etwas Bedeutsames wären, und das den Menschenkeim, der allein zukunftsträchtig ist, Ergreifenwollende. Ich habe öfter auf jenes bedeutsame Gespräch aufmerksam gemacht, welches Goeihe mit Schiller geführt hat, als beide einmal in einer Versammlung der Naturforschenden Gesellschaft in Jena waren, da der Botaniker Batsch über die Pflanzen vorgetragen hat, wo dann Schiller beim Weggange zu Goethe sagte: Die botanische Anschauung ist doch etwas, was alles zerstückelt, das Verbindende austreibt. — Goethe zeichnete darauf seine Pflanzenmetamorphose mit einigen charakteristischen Strichen vor Schiller hin. Da sagte dieser: Das ist aber keine Erfahrung, das ist eine Idee. — Schiller konnte sich nicht aufschwingen zu der Anschauung von dem zukunftsträchtigen Menschen, daß dieser dann auch wieder finden könne das Zukunftsträchtige draußen in der Welt, nämlich das Übersinnliche. Daher erwiderte er Goethe: Das ist keine Erfahrung, keine Beobachtung, das ist eine Idee. — Goethe sagte darauf: Dann sehe ich meine Ideen mit Augen. — Für ihn war das, was er aufzeichnete, etwas, was er auch schaute, was ihm gerade so wirklich war, wie etwas mit ‚den physischen Sinnen Angeschautes. Da stand derjenige, der, wie Schiller, nicht zu dem Übersinnlichen hinaufschauen konnte, sondern dem nur die tote abstrakte Idee vorschwebte, dem Goethe gegenüber, der aus dem in der Natur Erkannten das herausholen wollte, was das Zukunftsträchtige, das Unvergängliche im Menschen ist, demgegenüber alles Vergängliche nur ein Gleichnis ist, das er verbinden wollte mit dem Unvergänglichen, und der deshalb nicht verstanden wurde, weil er auf etwas Übersinnliches, Unvergängliches, wie auf etwas Sinnliches hinschaute, Deshalb muß das notwendige Erfordernis für unsere Zeit der weiter ausgebildete, in seinem Gebiete weitergebildete Goetheanismus sein. Und erst dann wird es hell werden, wenn man einsehen wird, daß so etwas wie die einzelnen Konfessionen, auch die mosaische, besonders die katholische, nur die Fortsetzungen sind des Alten, nicht mehr Seinsollenden, und so in die Entwickelung hereinragen wie etwas Abdorrendes, daher sich nur durch äußere Macht Festsetzendes, und wie neben diesem Alten, Hereinragenden sich dasjenige aufpflanzt, was von vornherein nur das Vergängliche mitnehmen will für die Zukunft. Was so sich ausspricht, daß es nur mitnehmen will das Vergängliche, das ist der Amerikanismus. Darauf beruht ja die Verwandtschaft zwischen Amerikanismus und Jesuitismus, von der ich das letzte Mal gesprochen habe.
[ 22 ] Man kann in unserer Kulturgeschichte manchmal geradezu hart. aneinanderstoßen sehen dieses Untergehende, das in toten, abstrakten Ideen leben will und sich von ihnen vormacht, daß sie irgend etwas Bedeutsames wären, und das den Menschenkeim, der allein zukunftsträchtig ist, Ergreifenwollende. Ich habe öfter auf jenes bedeutsame Gespräch aufmerksam gemacht, welches Goeihe mit Schiller geführt hat, als beide einmal in einer Versammlung der Naturforschenden Gesellschaft in Jena waren, da der Botaniker Batsch über die Pflanzen vorgetragen hat, wo dann Schiller beim Weggange zu Goethe sagte: Die botanische Anschauung ist doch etwas, was alles zerstückelt, das Verbindende austreibt. — Goethe zeichnete darauf seine Pflanzenmetamorphose mit einigen charakteristischen Strichen vor Schiller hin. Da sagte dieser: Das ist aber keine Erfahrung, das ist eine Idee. — Schiller konnte sich nicht aufschwingen zu der Anschauung von dem zukunftsträchtigen Menschen, daß dieser dann auch wieder finden könne das Zukunftsträchtige draußen in der Welt, nämlich das Übersinnliche. Daher erwiderte er Goethe: Das ist keine Erfahrung, keine Beobachtung, das ist eine Idee. — Goethe sagte darauf: Dann sehe ich meine Ideen mit Augen. — Für ihn war das, was er aufzeichnete, etwas, was er auch schaute, was ihm gerade so wirklich war, wie etwas mit ‚den physischen Sinnen Angeschautes. Da stand derjenige, der, wie Schiller, nicht zu dem Übersinnlichen hinaufschauen konnte, sondern dem nur die tote abstrakte Idee vorschwebte, dem Goethe gegenüber, der aus dem in der Natur Erkannten das herausholen wollte, was das Zukunftsträchtige, das Unvergängliche im Menschen ist, demgegenüber alles Vergängliche nur ein Gleichnis ist, das er verbinden wollte mit dem Unvergänglichen, und der deshalb nicht verstanden wurde, weil er auf etwas Übersinnliches, Unvergängliches, wie auf etwas Sinnliches hinschaute, Deshalb muß das notwendige Erfordernis für unsere Zeit der weiter ausgebildete, in seinem Gebiete weitergebildete Goetheanismus sein. Und erst dann wird es hell werden, wenn man einsehen wird, daß so etwas wie die einzelnen Konfessionen, auch die mosaische, besonders die katholische, nur die Fortsetzungen sind des Alten, nicht mehr Seinsollenden, und so in die Entwickelung hereinragen wie etwas Abdorrendes, daher sich nur durch äußere Macht Festsetzendes, und wie neben diesem Alten, Hereinragenden sich dasjenige aufpflanzt, was von vornherein nur das Vergängliche mitnehmen will für die Zukunft. Was so sich ausspricht, daß es nur mitnehmen will das Vergängliche, das ist der Amerikanismus. Darauf beruht ja die Verwandtschaft zwischen Amerikanismus und Jesuitismus, von der ich das letzte Mal gesprochen habe.
[ 23 ] Allen diesen Dingen steht gegenüber der Goetheanismus. Ich meine damit auch wieder nicht etwas dogmatisch Festzusetzendes, sondern Namen muß man gebrauchen für etwas, das weit über den Namen hinausgeht. Ich verstehe unter Goetheanismus nicht das, was Goethe bis zum Jahre 1832 gedacht hat, wohl aber etwas, was vielleicht erst im nächsten Jahrtausend im Sinne Goethes gedacht werden kann, was aus der Goetheschen Anschauung, aus dem Goetheschen Vorstellen und Empfinden werden kann. Darauf ist es zurückzuführen, daß gerade in dem, was mit dem Goetheanismus in irgendeinem Zusammenhange steht, alles Abdorrende seinen eigentlichen Feind sieht. Auf diesem Gebiete erlebt man ja, ich möchte sagen, die stärksten Kulturparadoxien. Es ist doch wahrlich eine Art Kulturparadoxon, daß das geistreichste Buch über Goethe — trotz allem, was dagegen spricht ein Jesuit geschrieben hat: Pater Baumgartner. Es ist ein Buch, welches Goethe in Grund und Boden bohrt. Es ist ja gerade das Charakteristische, daß alles, was irgendwie jesuitisch ist, gegnerisch in bezug auf Goethe ist. Aber dies ist ein geistvolles, tiefgründiges Buch, nicht in bloßen Apercus geschrieben, es ist doch Goethe getroffen. — Während in dem Buche des bedeutenden englischen Gentleman ZLewes ein Spießbürger des 18. Jahrhunderts beschrieben wird, der 1749 in Frankfurt am Main geboren ist, nach Leipzig als Student ging, dann nach Weimar berufen wurde und nach Italien reiste, der Johann Wolfgang Goethe genannt wurde und fälschlicherweise bewundert wird. Damit schreibt man ja kein Buch, daß man «Johann Wolfgang Goethe » darauf schreibt und im übrigen einen Spießbürger des 18. Jahrhunderts beschreibt. Ein Kulturparadoxon liegt mit dem Jesuitenbuche über Goethe aus dem Grunde vor, weil man daraus wieder sieht, wie die Kräftegegensätze in der neueren Zeit gehen, wo wirklich die wahren Kräftegegensätze sind.
[ 23 ] Allen diesen Dingen steht gegenüber der Goetheanismus. Ich meine damit auch wieder nicht etwas dogmatisch Festzusetzendes, sondern Namen muß man gebrauchen für etwas, das weit über den Namen hinausgeht. Ich verstehe unter Goetheanismus nicht das, was Goethe bis zum Jahre 1832 gedacht hat, wohl aber etwas, was vielleicht erst im nächsten Jahrtausend im Sinne Goethes gedacht werden kann, was aus der Goetheschen Anschauung, aus dem Goetheschen Vorstellen und Empfinden werden kann. Darauf ist es zurückzuführen, daß gerade in dem, was mit dem Goetheanismus in irgendeinem Zusammenhange steht, alles Abdorrende seinen eigentlichen Feind sieht. Auf diesem Gebiete erlebt man ja, ich möchte sagen, die stärksten Kulturparadoxien. Es ist doch wahrlich eine Art Kulturparadoxon, daß das geistreichste Buch über Goethe — trotz allem, was dagegen spricht ein Jesuit geschrieben hat: Pater Baumgartner. Es ist ein Buch, welches Goethe in Grund und Boden bohrt. Es ist ja gerade das Charakteristische, daß alles, was irgendwie jesuitisch ist, gegnerisch in bezug auf Goethe ist. Aber dies ist ein geistvolles, tiefgründiges Buch, nicht in bloßen Apercus geschrieben, es ist doch Goethe getroffen. — Während in dem Buche des bedeutenden englischen Gentleman ZLewes ein Spießbürger des 18. Jahrhunderts beschrieben wird, der 1749 in Frankfurt am Main geboren ist, nach Leipzig als Student ging, dann nach Weimar berufen wurde und nach Italien reiste, der Johann Wolfgang Goethe genannt wurde und fälschlicherweise bewundert wird. Damit schreibt man ja kein Buch, daß man «Johann Wolfgang Goethe » darauf schreibt und im übrigen einen Spießbürger des 18. Jahrhunderts beschreibt. Ein Kulturparadoxon liegt mit dem Jesuitenbuche über Goethe aus dem Grunde vor, weil man daraus wieder sieht, wie die Kräftegegensätze in der neueren Zeit gehen, wo wirklich die wahren Kräftegegensätze sind.
[ 24 ] Im Kleineren zeigt sich das auch bei uns. Solange wir als eine « verborgene Sekte» gelten konnten, wurde Anthroposophie wenig angegriffen. Jetzt, wo sie sich etwas verbreitet, sieht man schon die wütendsten Angriffe, zum Beispiel gerade auf jesuitischer Seite, und die Hefte der Zeitschrift «Stimmen aus Maria Laach», jetzt «Stimmen der Zeit», begnügen sich gar nicht mehr mit einem Aufsatz, sie schreiben gleich ganze Hefte über das, was von mir « Anthroposophie» genannt wird. Daher muß ich immer wieder und wieder mahnen, daran zu denken, wenn von dieser Seite Angriffe kommen, nicht zu glauben, daß es vom Gesichtspunkte jener Leute zu unserem Besten wäre, wenn gesagt würde: Wir reden doch von dem Christus, wir fördern das Christus-Verständnis und so weiter. Das verbieten ja gerade diese Leute! Das ist gerade das, was man nicht tun darf. Man darf nicht irgend etwas über den Christus behaupten, wenn es nicht zum Lehrgut der Kirche gehört. Daher sei man in unseren Kreisen nicht mehr so naiv zu glauben, dadurch, daß man ein guter Christ sei, könne man den Katholizismus versöhnen. Gerade dadurch, daß man ein guter Christ ist, daß man alles tut, um das Christentum zu fördern, macht man sich den Katholizismus zum allergrößten Feind, wie es überhaupt notwendig und immer notwendiger sein wird, darauf zu achten, daß die Naivität mit Bezug auf solche Dinge, die um uns herum leben, aus unserem Kreise verschwinde. In unseren Kreisen muß immer mehr und mehr Platz greifen, daß man sehen will, was eigentlich an Kräften, an untergehenden und an aufgehenden Kräften in unserer Umgebung lebt. Wir müssen hinauskommen über diese vielfach bei uns zu findende Sehnsucht, bloß nach ein bißchen imaginativer Welt hinzustreben. Ich habe das oft gesagt, daß wir hinaus müssen über dieses Streben nach ein bißchen imaginativer Welt. Wir müssen überall unsere Geisteswissenschaft angliedern können an die Kulturbegriffe der Gegenwart und müssen zu scharfen Beobachtern dessen werden, was in der Gegenwart lebt, denn nur vom Standpunkte dieser Geisteswissenschaft aus läßt sich diese Gegenwart wirklich beobachten. Wie viele kommen zu mir und sagen: Ich habe dieses und jenes gesehen. Nun ja, das haben sie auch gesehen. Imaginationen liegen von der menschlichen Entwickelung nicht so weit ab. War das der Hüter der Schwelle? — fragt dann mancher. Aber so einfach Ja und Nein sind die Antworten auf solche Sachen nicht, denn die Antworten schließen die ganze menschliche Entwickelung ein. Aber die Antworten sind gegeben. Ich korrigiere jetzt meine «Geheimwissenschaft», die in neuer Auflage erscheinen soll. Ich sehe, daß darinnen eigentlich alles steht, um sich solche Fragen zu beantworten. Alle Vorsichten, alle Beschränkungen, die man sich auferlegen soll, sind darin genau beschrieben. Gefühle, Empfindungen, die man entwickeln soll, sind dort beschrieben. Und deutlich ist darauf hingewiesen, nur muß man überall genau lesen. Hätte ich alles ganz ausführlich darstellen sollen, was in der Geheimwissenschaft enthalten ist, so hätte ich dreißig Bände schreiben müssen. Man muß etwas denken, wenn man dieses Buch liest, muß Konsequenzen ziehen; die kann man aber ziehen. Ich liebe es nicht, dicke Bücher zu schreiben, aber es geht klar hervor: Gewiß, wer nach der übersinnlichen Welt strebt, der strebt darnach, dem Hüter der Schwelle zu begegnen; aber diesem Hüter der Schwelle zu begegnen, ist nicht eine so einfache Sache, wie eine traumhafte Imagination zu haben. Es ist ja die bequemste Art, durch eine traumhafte Imagination in die übersinnliche Welt hineinzukommen. Die Begegnung mit dem Hüter der Schwelle ist eine Tragik, ein Lebenskampf in bezug auf alle Erkenntnisbegriffe, in bezug auf alle Erkenntnisgesetze und in bezug auf alle Zusammenhänge des Menschen mit der geistigen Welt, mit Ahriman und Luzifer. Diese Lebenskatastrophe muß sich ergeben, wenn man dem Hüter der Schwelle begegnen will. Drängt es sich bloß in traumhafter Imagination vor einen Menschen hin, so bedeutet das, daß jemand bequem daran vorbeischlüpfen will, um als Ersatz dafür — jetzt liebt man ja Ersatz — den Traum vom Hüter der Schwelle zu haben.
[ 24 ] Im Kleineren zeigt sich das auch bei uns. Solange wir als eine « verborgene Sekte» gelten konnten, wurde Anthroposophie wenig angegriffen. Jetzt, wo sie sich etwas verbreitet, sieht man schon die wütendsten Angriffe, zum Beispiel gerade auf jesuitischer Seite, und die Hefte der Zeitschrift «Stimmen aus Maria Laach», jetzt «Stimmen der Zeit», begnügen sich gar nicht mehr mit einem Aufsatz, sie schreiben gleich ganze Hefte über das, was von mir « Anthroposophie» genannt wird. Daher muß ich immer wieder und wieder mahnen, daran zu denken, wenn von dieser Seite Angriffe kommen, nicht zu glauben, daß es vom Gesichtspunkte jener Leute zu unserem Besten wäre, wenn gesagt würde: Wir reden doch von dem Christus, wir fördern das Christus-Verständnis und so weiter. Das verbieten ja gerade diese Leute! Das ist gerade das, was man nicht tun darf. Man darf nicht irgend etwas über den Christus behaupten, wenn es nicht zum Lehrgut der Kirche gehört. Daher sei man in unseren Kreisen nicht mehr so naiv zu glauben, dadurch, daß man ein guter Christ sei, könne man den Katholizismus versöhnen. Gerade dadurch, daß man ein guter Christ ist, daß man alles tut, um das Christentum zu fördern, macht man sich den Katholizismus zum allergrößten Feind, wie es überhaupt notwendig und immer notwendiger sein wird, darauf zu achten, daß die Naivität mit Bezug auf solche Dinge, die um uns herum leben, aus unserem Kreise verschwinde. In unseren Kreisen muß immer mehr und mehr Platz greifen, daß man sehen will, was eigentlich an Kräften, an untergehenden und an aufgehenden Kräften in unserer Umgebung lebt. Wir müssen hinauskommen über diese vielfach bei uns zu findende Sehnsucht, bloß nach ein bißchen imaginativer Welt hinzustreben. Ich habe das oft gesagt, daß wir hinaus müssen über dieses Streben nach ein bißchen imaginativer Welt. Wir müssen überall unsere Geisteswissenschaft angliedern können an die Kulturbegriffe der Gegenwart und müssen zu scharfen Beobachtern dessen werden, was in der Gegenwart lebt, denn nur vom Standpunkte dieser Geisteswissenschaft aus läßt sich diese Gegenwart wirklich beobachten. Wie viele kommen zu mir und sagen: Ich habe dieses und jenes gesehen. Nun ja, das haben sie auch gesehen. Imaginationen liegen von der menschlichen Entwickelung nicht so weit ab. War das der Hüter der Schwelle? — fragt dann mancher. Aber so einfach Ja und Nein sind die Antworten auf solche Sachen nicht, denn die Antworten schließen die ganze menschliche Entwickelung ein. Aber die Antworten sind gegeben. Ich korrigiere jetzt meine «Geheimwissenschaft», die in neuer Auflage erscheinen soll. Ich sehe, daß darinnen eigentlich alles steht, um sich solche Fragen zu beantworten. Alle Vorsichten, alle Beschränkungen, die man sich auferlegen soll, sind darin genau beschrieben. Gefühle, Empfindungen, die man entwickeln soll, sind dort beschrieben. Und deutlich ist darauf hingewiesen, nur muß man überall genau lesen. Hätte ich alles ganz ausführlich darstellen sollen, was in der Geheimwissenschaft enthalten ist, so hätte ich dreißig Bände schreiben müssen. Man muß etwas denken, wenn man dieses Buch liest, muß Konsequenzen ziehen; die kann man aber ziehen. Ich liebe es nicht, dicke Bücher zu schreiben, aber es geht klar hervor: Gewiß, wer nach der übersinnlichen Welt strebt, der strebt darnach, dem Hüter der Schwelle zu begegnen; aber diesem Hüter der Schwelle zu begegnen, ist nicht eine so einfache Sache, wie eine traumhafte Imagination zu haben. Es ist ja die bequemste Art, durch eine traumhafte Imagination in die übersinnliche Welt hineinzukommen. Die Begegnung mit dem Hüter der Schwelle ist eine Tragik, ein Lebenskampf in bezug auf alle Erkenntnisbegriffe, in bezug auf alle Erkenntnisgesetze und in bezug auf alle Zusammenhänge des Menschen mit der geistigen Welt, mit Ahriman und Luzifer. Diese Lebenskatastrophe muß sich ergeben, wenn man dem Hüter der Schwelle begegnen will. Drängt es sich bloß in traumhafter Imagination vor einen Menschen hin, so bedeutet das, daß jemand bequem daran vorbeischlüpfen will, um als Ersatz dafür — jetzt liebt man ja Ersatz — den Traum vom Hüter der Schwelle zu haben.
[ 25 ] Über diese Dinge muß man gesund denken. Dann wird sich herausstellen, daß in diesem gesunden Denken die Grundlage liegt für die Heilung von allem Aberglauben und von alledem, dessen die frivolen Gegner die Geisteswissenschaft bezichtigen. Außerdem liegt in der Art zu denken, in diesem Sich-Aufschwingen zum Erleben des Geistigen alles, was man braucht an Keimen, um aus der jetzigen Weltenkatastrophe wirklich herauszukommen. Was da hinausführt, es muß erfaßt werden nicht auf der Erde, nicht im Sinnlichen allein, nicht in den Institutionen, die ja abwirtschaften und mit denen Raubbau getrieben wird in bezug auf das, was da ist. Es muß erfaßt werden, was nicht da ist! Mit glühendem Eifer müssen wir ergriffen werden für die Erfassung dessen, was noch nicht da ist. Aber was noch nicht da ist, kann nur nach dem Muster dessen erfaßt werden, was durch übersinnliche Erkenntnis erfaßt wird. Mit dem Zurückschauen in die Vergangenheit ist es nicht getan. Die Kautskys schauen am liebsten zurück auf die Vergangenheit und gründen auf Anthropologie die Menschheit. Da, wo der Mensch noch fast nicht geschaflen war, wollen sie die Zustände studieren, um die sozialen Verhältnisse der Gegenwart zu verstehen. Diese echten Söhne eines mißverstandenen Katholizismus, wie es zum Beispiel Kants%y ist, wollen es so haben. Aber man kann nicht in die Vergangenheit zurückschauen, denn da ist das, was bis in die jüngste Gegenwart reicht, durch atavistische Kräfte geschaffen worden, instinktiv. In der Zukunft wird nichts mehr instinktiv gemacht. Und wenn der Mensch nur das verwalten will, was aus seinen Instinktzeiten noch da ist, dann wird er niemals zu dem Zukunftsträchtigen, zu demjenigen kommen, was über diese Katastrophe hinausführt. Es hängt schon mit der richtigen Stellung zur geistigen Welt dasjenige zusammen, was einzig und allein tätiges, ernstes Verständnis der Gegenwatt ist.
[ 25 ] Über diese Dinge muß man gesund denken. Dann wird sich herausstellen, daß in diesem gesunden Denken die Grundlage liegt für die Heilung von allem Aberglauben und von alledem, dessen die frivolen Gegner die Geisteswissenschaft bezichtigen. Außerdem liegt in der Art zu denken, in diesem Sich-Aufschwingen zum Erleben des Geistigen alles, was man braucht an Keimen, um aus der jetzigen Weltenkatastrophe wirklich herauszukommen. Was da hinausführt, es muß erfaßt werden nicht auf der Erde, nicht im Sinnlichen allein, nicht in den Institutionen, die ja abwirtschaften und mit denen Raubbau getrieben wird in bezug auf das, was da ist. Es muß erfaßt werden, was nicht da ist! Mit glühendem Eifer müssen wir ergriffen werden für die Erfassung dessen, was noch nicht da ist. Aber was noch nicht da ist, kann nur nach dem Muster dessen erfaßt werden, was durch übersinnliche Erkenntnis erfaßt wird. Mit dem Zurückschauen in die Vergangenheit ist es nicht getan. Die Kautskys schauen am liebsten zurück auf die Vergangenheit und gründen auf Anthropologie die Menschheit. Da, wo der Mensch noch fast nicht geschaflen war, wollen sie die Zustände studieren, um die sozialen Verhältnisse der Gegenwart zu verstehen. Diese echten Söhne eines mißverstandenen Katholizismus, wie es zum Beispiel Kants%y ist, wollen es so haben. Aber man kann nicht in die Vergangenheit zurückschauen, denn da ist das, was bis in die jüngste Gegenwart reicht, durch atavistische Kräfte geschaffen worden, instinktiv. In der Zukunft wird nichts mehr instinktiv gemacht. Und wenn der Mensch nur das verwalten will, was aus seinen Instinktzeiten noch da ist, dann wird er niemals zu dem Zukunftsträchtigen, zu demjenigen kommen, was über diese Katastrophe hinausführt. Es hängt schon mit der richtigen Stellung zur geistigen Welt dasjenige zusammen, was einzig und allein tätiges, ernstes Verständnis der Gegenwatt ist.
[ 26 ] Ich müßte viel sprechen, wenn ich, in diesem Tone fortfahrend, aus unseren Voraussetzungen heraus über mancherlei, was gegenwärtig naheliegt, zu Ihnen reden wollte. Allein, wenn Sie in den Wochen, in denen wir jetzt wieder nicht zusammen sein werden, sich so recht das vor die Seele führen, was in diesen Betrachtungen gesagt worden ist, und was gipfeln sollte in der Notwendigkeit der Erkenntnis einer Christus Jesus-Doppelgestalt, dann werden Sie diesen Sommer meditierend weit kommen im Begreifen des kosmischen Christus und des irdischen Jesus: daß der kosmische Christus aus geistigen Welten herunterstieg, weil diese Welten fortan dem menschlichen Anschauen verschlossen sein sollten, und weil der Mensch begreifen soll, was in ihm selbst als Zukunftskeim liegt. In diesem kosmischen Christus und in dem irdischen, in dem humanistischen Jesus und in ihrer Zusammengliederung liegt vieles von der Lösung des Weltenrätsels, wenigstens des Menschheitsrätsels. Im Menschen liegt der Keim für die Zukunft. Aber dieser Keim muß befruchtet werden durch den Christus Jesus. Wird er nicht befruchtet, so gestaltet er sich ahrimanisch, und die Erde kommt an ein wirres Ziel. Kurz, mit dem Christus Jesus-Geheimnis zusammenhängend finden Sie die Lösungen für viele, viele Fragen der Gegenwart. Sie müssen aber nur darnach trachten, die Lösungen so zu suchen, daß Sie sich nicht leichthin mit dem befriedigen, was man so oftmals für Theosophie oder Mystik oder dergleichen hält, mit einem «Vereinigen mit dem Geistigen», mit einem «vollen Aufgehen im All», sondern daß Sie die wirklichen Verhältnisse, wie sie uns umgeben, wirklich anschauen und zu durchdringen versuchen mit dem, was Ihnen aus der Geisteswissenschaft wird. Sie werden schon immer mehr und mehr dazu kommen, sich zu sagen nach Lösung vieler Fragen: Wahrhaftig, nicht Theoretisches, sondern sehr Praktisches sucht heute die Menschheit. — Sie wird sich in einer Sackgasse befinden, wird sich gestehen, daß sie nicht mehr weiter kann, wenn sie nicht mit dem Geiste weiter will. Alles, was nicht mit dem Geiste wandern will, wird sich als ein Verdorrendes erweisen.
[ 26 ] Ich müßte viel sprechen, wenn ich, in diesem Tone fortfahrend, aus unseren Voraussetzungen heraus über mancherlei, was gegenwärtig naheliegt, zu Ihnen reden wollte. Allein, wenn Sie in den Wochen, in denen wir jetzt wieder nicht zusammen sein werden, sich so recht das vor die Seele führen, was in diesen Betrachtungen gesagt worden ist, und was gipfeln sollte in der Notwendigkeit der Erkenntnis einer Christus Jesus-Doppelgestalt, dann werden Sie diesen Sommer meditierend weit kommen im Begreifen des kosmischen Christus und des irdischen Jesus: daß der kosmische Christus aus geistigen Welten herunterstieg, weil diese Welten fortan dem menschlichen Anschauen verschlossen sein sollten, und weil der Mensch begreifen soll, was in ihm selbst als Zukunftskeim liegt. In diesem kosmischen Christus und in dem irdischen, in dem humanistischen Jesus und in ihrer Zusammengliederung liegt vieles von der Lösung des Weltenrätsels, wenigstens des Menschheitsrätsels. Im Menschen liegt der Keim für die Zukunft. Aber dieser Keim muß befruchtet werden durch den Christus Jesus. Wird er nicht befruchtet, so gestaltet er sich ahrimanisch, und die Erde kommt an ein wirres Ziel. Kurz, mit dem Christus Jesus-Geheimnis zusammenhängend finden Sie die Lösungen für viele, viele Fragen der Gegenwart. Sie müssen aber nur darnach trachten, die Lösungen so zu suchen, daß Sie sich nicht leichthin mit dem befriedigen, was man so oftmals für Theosophie oder Mystik oder dergleichen hält, mit einem «Vereinigen mit dem Geistigen», mit einem «vollen Aufgehen im All», sondern daß Sie die wirklichen Verhältnisse, wie sie uns umgeben, wirklich anschauen und zu durchdringen versuchen mit dem, was Ihnen aus der Geisteswissenschaft wird. Sie werden schon immer mehr und mehr dazu kommen, sich zu sagen nach Lösung vieler Fragen: Wahrhaftig, nicht Theoretisches, sondern sehr Praktisches sucht heute die Menschheit. — Sie wird sich in einer Sackgasse befinden, wird sich gestehen, daß sie nicht mehr weiter kann, wenn sie nicht mit dem Geiste weiter will. Alles, was nicht mit dem Geiste wandern will, wird sich als ein Verdorrendes erweisen.
[ 27 ] Es ist eine wichtige Frage für die Zukunft der Menschheit, ob man mit dem Geiste wandern will. Ich möchte dies heute ganz besonders in Ihr Herz senken, was Gefühl werden kann aus den Betrachtungen, die wir eben angestellt haben. Und es ist ja auch wahrscheinlich, daß wir heute zum letzten Male hier versammelt waren in diesem Raume, den wir durch Jahre hindurch für diese unsere Betrachtungen lieb gewonnen haben. Wir haben diesen Raum als einen der ersten nach unserem eigenen Geschmack eingerichtet, und man kann ja alles nur nach Maßgabe des Vorhandenen tun. Wir haben ihn eingerichtet, weil immer in uns auch die Idee waltet, daß unser geisteswissenschaftliches Streben nicht etwas bloß Theoretisches sein soll, sondern sich ausdrücken soll in alledem, worin wir uns als Menschen begegnen. Er wird uns nun genommen. Wir müssen einen andern suchen. Wir werden diesen andern selbstverständlich in der gegenwärtigen Zeit nicht so einrichten können wie diesen; wir werden uns mit dem andern begnügen müssen. Uns ist dieser Raum lieb geworden, weil wir nicht der Ansicht sein können, daß man von dem, was wir den Zusammenhang mit dem Geistigen nennen, überall in derselben Weise reden könne wie hier, wo wir so mancherlei versucht haben, was ja in Dornach im größeren versucht worden ist. Wir haben früher mancherlei zu probieren gehabt. Vielleicht sind noch einige anwesend, die mit dabei waren, als wir von unseren Dingen sprechen mußten in einem Lokal: Ich stand da, vor mir waren die Zuhörer, hinter mir haben der Wirt oder die Wirtin die Bierkrüge gefüllt. Ein andermal waren wir in einem stallähnlichen Raum, es war eigentlich ein anderer uns bestimmt, aber man gab uns nur diesen. In andern Städten habe ich auch schon in Lokalen vorgetragen, wo kein ganzer Fußboden war, und das mußte auch hingenommen werden. Aber es ist nicht eigentlich das, was aus dem ganzen Wesen unserer Sache heraus gewollt werden kann, und es würde uns jemand doch mißverstehen, wenn er sagen würde, daß man vom Geistigen in jedem Milieu in gleicher Weise liebevoll reden könnte. Der Geist ist dazu da, daß er eindringt in die Materie und sie überall durchsetzt. Das ist ja auch der Sinn in bezug auf das soziale und wissenschaftliche Leben, wie ich es heute angedeutet habe.
[ 27 ] Es ist eine wichtige Frage für die Zukunft der Menschheit, ob man mit dem Geiste wandern will. Ich möchte dies heute ganz besonders in Ihr Herz senken, was Gefühl werden kann aus den Betrachtungen, die wir eben angestellt haben. Und es ist ja auch wahrscheinlich, daß wir heute zum letzten Male hier versammelt waren in diesem Raume, den wir durch Jahre hindurch für diese unsere Betrachtungen lieb gewonnen haben. Wir haben diesen Raum als einen der ersten nach unserem eigenen Geschmack eingerichtet, und man kann ja alles nur nach Maßgabe des Vorhandenen tun. Wir haben ihn eingerichtet, weil immer in uns auch die Idee waltet, daß unser geisteswissenschaftliches Streben nicht etwas bloß Theoretisches sein soll, sondern sich ausdrücken soll in alledem, worin wir uns als Menschen begegnen. Er wird uns nun genommen. Wir müssen einen andern suchen. Wir werden diesen andern selbstverständlich in der gegenwärtigen Zeit nicht so einrichten können wie diesen; wir werden uns mit dem andern begnügen müssen. Uns ist dieser Raum lieb geworden, weil wir nicht der Ansicht sein können, daß man von dem, was wir den Zusammenhang mit dem Geistigen nennen, überall in derselben Weise reden könne wie hier, wo wir so mancherlei versucht haben, was ja in Dornach im größeren versucht worden ist. Wir haben früher mancherlei zu probieren gehabt. Vielleicht sind noch einige anwesend, die mit dabei waren, als wir von unseren Dingen sprechen mußten in einem Lokal: Ich stand da, vor mir waren die Zuhörer, hinter mir haben der Wirt oder die Wirtin die Bierkrüge gefüllt. Ein andermal waren wir in einem stallähnlichen Raum, es war eigentlich ein anderer uns bestimmt, aber man gab uns nur diesen. In andern Städten habe ich auch schon in Lokalen vorgetragen, wo kein ganzer Fußboden war, und das mußte auch hingenommen werden. Aber es ist nicht eigentlich das, was aus dem ganzen Wesen unserer Sache heraus gewollt werden kann, und es würde uns jemand doch mißverstehen, wenn er sagen würde, daß man vom Geistigen in jedem Milieu in gleicher Weise liebevoll reden könnte. Der Geist ist dazu da, daß er eindringt in die Materie und sie überall durchsetzt. Das ist ja auch der Sinn in bezug auf das soziale und wissenschaftliche Leben, wie ich es heute angedeutet habe.
[ 28 ] Aus alledem heraus — Sie werden natürlich alle erfahren, wann Sie zum letzten Male hier sind — wird es uns gewiß außerordentlich schwer werden, nach einigen Wochen von diesem Raume zu scheiden, der mit Hilfe unserer anthroposophischen Freunde in liebevoller Weise damals eingerichtet worden ist. Aber auch solches Scheiden muß dennoch in unserem Sinne in richtiger Art als Symbolum genommen werden. Die Menschen werden von vielem scheiden müssen im Laufe der nächsten Jahrzehnte. Auch davon werden sie überrascht werden; es glauben die Menschen das nicht. Aber eines sollte in demjenigen feststehen, der wirklich den innersten Impuls der Geisteswissenschaft begriffen hat: Was auch wanken mag, das eine kann nicht wanken: was wir im Geiste ergriffen haben, und wozu wir uns entschlossen haben, es im Geiste auszuführen. Was wir aus dem Geiste heraus tun werden, gleichgültig, wie es ausschauen wird aus den chaotischen Erscheinungen heraus, es wird sich als das Richtige erweisen.
[ 28 ] Aus alledem heraus — Sie werden natürlich alle erfahren, wann Sie zum letzten Male hier sind — wird es uns gewiß außerordentlich schwer werden, nach einigen Wochen von diesem Raume zu scheiden, der mit Hilfe unserer anthroposophischen Freunde in liebevoller Weise damals eingerichtet worden ist. Aber auch solches Scheiden muß dennoch in unserem Sinne in richtiger Art als Symbolum genommen werden. Die Menschen werden von vielem scheiden müssen im Laufe der nächsten Jahrzehnte. Auch davon werden sie überrascht werden; es glauben die Menschen das nicht. Aber eines sollte in demjenigen feststehen, der wirklich den innersten Impuls der Geisteswissenschaft begriffen hat: Was auch wanken mag, das eine kann nicht wanken: was wir im Geiste ergriffen haben, und wozu wir uns entschlossen haben, es im Geiste auszuführen. Was wir aus dem Geiste heraus tun werden, gleichgültig, wie es ausschauen wird aus den chaotischen Erscheinungen heraus, es wird sich als das Richtige erweisen.
[ 29 ] So mag uns das Verlassen dieses Lokales ein Symbolum sein. Wir müssen in ein anderes hinein. Aber wir tragen das mit hinüber, wovon wir wissen, daß es nicht bloß unser tiefstes inneres Wesen ist, sondern das tiefste innere Wesen der Welt, worauf die Menschheit bauen muß, wenn sie richtig bauen will. Daß uns das, was wir uns durch Geisteswissenschaft erarbeiten, niemand nehmen kann, daß das auch der Menschheit niemand nehmen kann, sondern daß es die menschlichen Verhältnisse zur Gesundung führen muß, davon ist der Geisteswissenschafter überzeugt, das weiß er, daran hält er fest. Vielleicht wissen wir von vielem noch nicht zu sagen, wie wir es machen werden, aber wir werden es im Sinne der Geisteswissenschaft richtig machen. Davon können wir überzeugt sein, wenn wir uns durchdringen mit der Erkenntnis, was der Geisteswissenschaft gerade der Goetheanismus bedeutet, und wenn wir andererseits das nehmen, was neulich hier angeführt worden ist, daß die Welt gerade das, was mit der mitteleuropäischen Kultur vom 18. und vom Anfange des 19. Jahrhunderts zusammenhängt, verketzert und verlästert, und daß wir, wenn wir das alles uns vor die Seele führen, trotzdem auf dem Boden stehen können: Was auch geschehen mag, fruchtbar sein wird diese mitteleuropäische Kultur für die Menschenzukunft. Die Zukunft der Menschheit beruht schon darauf. Und förmlich, weil sie diese Menschheitszukunft nicht haben wollen, um sich vor ihr zu retten, deshalb verlästern sie die Gegner dieser mitteleuropäischen Kultur. Erfassen wir aber diese mitteleuropäische Kultur im Geiste, erkennen wir ihr Spirituelles, und wissen wir, daß wir darauf bauen können, dann können wir auch wissen: Und wenn alle Teufel ihr den Untergang geschworen hätten sie wird nicht untergehen! Aber nur das wird nicht untergehen, was mit dem rechten Geiste verbunden ist.
[ 29 ] So mag uns das Verlassen dieses Lokales ein Symbolum sein. Wir müssen in ein anderes hinein. Aber wir tragen das mit hinüber, wovon wir wissen, daß es nicht bloß unser tiefstes inneres Wesen ist, sondern das tiefste innere Wesen der Welt, worauf die Menschheit bauen muß, wenn sie richtig bauen will. Daß uns das, was wir uns durch Geisteswissenschaft erarbeiten, niemand nehmen kann, daß das auch der Menschheit niemand nehmen kann, sondern daß es die menschlichen Verhältnisse zur Gesundung führen muß, davon ist der Geisteswissenschafter überzeugt, das weiß er, daran hält er fest. Vielleicht wissen wir von vielem noch nicht zu sagen, wie wir es machen werden, aber wir werden es im Sinne der Geisteswissenschaft richtig machen. Davon können wir überzeugt sein, wenn wir uns durchdringen mit der Erkenntnis, was der Geisteswissenschaft gerade der Goetheanismus bedeutet, und wenn wir andererseits das nehmen, was neulich hier angeführt worden ist, daß die Welt gerade das, was mit der mitteleuropäischen Kultur vom 18. und vom Anfange des 19. Jahrhunderts zusammenhängt, verketzert und verlästert, und daß wir, wenn wir das alles uns vor die Seele führen, trotzdem auf dem Boden stehen können: Was auch geschehen mag, fruchtbar sein wird diese mitteleuropäische Kultur für die Menschenzukunft. Die Zukunft der Menschheit beruht schon darauf. Und förmlich, weil sie diese Menschheitszukunft nicht haben wollen, um sich vor ihr zu retten, deshalb verlästern sie die Gegner dieser mitteleuropäischen Kultur. Erfassen wir aber diese mitteleuropäische Kultur im Geiste, erkennen wir ihr Spirituelles, und wissen wir, daß wir darauf bauen können, dann können wir auch wissen: Und wenn alle Teufel ihr den Untergang geschworen hätten sie wird nicht untergehen! Aber nur das wird nicht untergehen, was mit dem rechten Geiste verbunden ist.
