Earth-Death and Universal-Life
Anthroposophical Life-Gifts
Essential Aspects of Consciousness for the Present and the Future
GA 181
6 August 1918, Berlin
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Essential Aspects of Consciousness for the Present and the Future, tr. SOL
Bewußtseins-Notwendigkeiten für Gegenwart und Zukunft VII
Essential Aspects of Consciousness for the Present and the Future VII
[ 1 ] Sie haben im Laufe der letzten Betrachtungen gesehen, daß die dabei zutage tretenden Bemühungen dahin gingen, Vorstellungen, die wir uns aus der Geisteswissenschaft heraus aneignen wollen, so zu prägen, daß sie uns dienlich sein können in der Auffassung, in dem Begreifen desjenigen, was gerade in der gegenwärtigen Zeitkultur täglich, stündlich uns umgibt. Wenn wir heute noch einiges zu diesen Betrachtungen gewissermaßen wie einen letzten Anhang hinzufügen wollen, so soll es und kann es ja nur immer aphoristisch geschehen. Es sollen einige bedeutungsvolle Charakteristiken unserer gegenwärtigen Zeit herausgehoben und mit mancherlei von dem in Verbindung gebracht werden, was in den letzten Betrachtungen schon da und dort als Grundton angeschlagen worden ist.
[ 1 ] In the course of our recent reflections, you have seen that the efforts that have come to light here were aimed at shaping the concepts we seek to acquire through spiritual science in such a way that they can be of service to us in perceiving and understanding what surrounds us daily, even hourly, in today’s cultural context. If we now wish to add a few more thoughts to these reflections—as a sort of final appendix, so to speak—it can and should only be done in aphoristic form. The aim is to highlight some significant characteristics of our present age and to relate them to various aspects of what has already been touched upon here and there as a fundamental theme in the previous reflections.
[ 2 ] Wenn man sich darauf einläßt, das ins Auge zu fassen, was in unserer Zeit besonders auffällig hervortritt, dann wird man finden, daß unter den mancherlei hemmenden und hindernden Dingen der Gegenwart vor allen Dingen das ist, daß die Denkweise, die Vorstellungsart, die sich in den letzten Jahrhunderten im Laufe der Entwickelung heraufgebracht hat, die Menschen dazu führt, wenig Voraussicht zu haben in bezug auf die Ereignisse, die jeweilig kommen. Es zeigt sich dies darin, daß das meiste, was gerade jetzt an die Menschen herantritt, überraschend, im ureigentlichsten Sinne überraschend den Menschen kommt, und sie haben gar nicht die Möglichkeit, durch irgend etwas einen gewissen Glauben an Voraussicht zu gewinnen. Sie denken, daß es so sein müsse, daß man sich gerade von den bedeutungsvollsten Ereignissen überraschen lasse. Wenn man von irgend etwas Kommendem spricht, dann sind die Leute verwundert, oder sie ironisieren wohl auch die scheinbare Sehnsucht nach irgendwelcher Prophetie. Würde man zum Beispiel — allerdings nach denDingen, die aus solchen Voraussetzungen heraus sich ergeben, wie die neulich hier angeführten —, würde man darnach auf das aufmerksam machen, was aus dem Fernen Osten jetzt über die Welt herüberweht, so würde man, trotzdem sich das schon allzudeutlich ankündigt, heute noch wenig Verständnis und wenig Glauben finden. Es ist allzuwenig Bedürfnis vorhanden, klar in die Dinge hineinzuschauen. Damit hängt es auch zusammen, daß man sich so wenig einlassen will auf Wahrheiten, die in jenen Grenzen, in denen das allein möglich sein kann, auf das Geschehen der Zukunft hinweisen. Natürlich ist, wie Sie wissen, hier nicht von irgendwelcher Wahrsagerei die Rede, von irgendwelcher im schlechten Sinne zu haltender Prophetie; sondern immer ist hier die Rede von ernster wissenschaftlicher Denkweise und Gesinnung. Wenn wir die Gründe für den eben besprochenen Charakterzug in der Gegenwart uns ein wenig vor die Seele führen wollen, so haben wir diese Gründe vielleicht etwas weit herzuholen. Aber gewöhnlich ist sich der Mensch gar nicht bewußt, wie weit entfernt die Gründe für etwas von dem liegen, wovon es eben die Gründe sind. Er sucht sie gewöhnlich viel zu nahe.
[ 2 ] If one is willing to consider what stands out most strikingly in our time, one will find that, among the various inhibiting and hindering factors of the present, the foremost is that the way of thinking and the mode of perception that have emerged over the course of development in recent centuries lead people to have little foresight regarding the events that lie ahead. This is evident in the fact that most of what is happening to people right now comes as a surprise—a surprise in the truest sense of the word—and they have no way whatsoever of gaining any sense of foresight. They think it must be this way: that one is bound to be taken by surprise, especially by the most significant events. When one speaks of something that is to come, people are astonished, or they may even be ironic about the apparent longing for some kind of prophecy. If, for example—though based on the circumstances arising from such premises as those recently mentioned here—one were to draw attention to what is now sweeping across the world from the Far East, one would, despite the fact that it is already announcing itself all too clearly, still find little understanding and little belief today. There is far too little desire to look clearly into things. This is also related to the fact that people are so reluctant to engage with truths that, within the limits where this is even possible, point to future events. Of course, as you know, we are not speaking here of any kind of fortune-telling, nor of any prophecy to be regarded in a negative sense; rather, we are always speaking of a serious scientific way of thinking and attitude. If we wish to reflect a little on the reasons for the character trait we have just discussed in the present, we may have to look quite far afield for these reasons. But people are usually not at all aware of how far removed the reasons for something are from the very thing for which they are the reasons. They usually look for them far too close at hand.
[ 3 ] Wenn ich Gründe für das eben Charakterisierte anführen will, so muß ich sie suchen in einem Hang, der in der gegenwärtigen Zeit in den Menschenseelen tief begründet ist: in einem Hang zu toten Begriffen und Ideen, zu nicht lebensvollen Begriffen und Ideen. Daß man nicht über Zukünftiges, über Herankommendes in denselben Ideen denken kann, wie man über Vergangenes und Festgestelltes denkt, das sollte begreiflich erscheinen. Aber man hält heute nur auf das, was sich, wie man sagt, beweisen läßt, und man denkt bei diesem Sich-Beweisenlassen eben an die besondere Art des Beweisens, die man heute gerade liebt. Wer diese besondere Art des Beweisens wirklich kennt, der weiß, daß man damit nur das beweisen kann, was Wahrheiten abgibt, die sich auf Ersterbendes im Weltenall beziehen. Daher wollen wir in der Gegenwart nur eine Wissenschaft oder nur eine Erkenntnis haben, die sich auf Ersterbendes, auf Untergehendes bezieht. Gerade diejenigen Menschen, die sich für die Aufgeklärtesten halten, lieben nur eine Erkenntnis, die sich auf Untergehendes bezieht. Sie lieben auch nur ein Wollen dazu, welches sich auf Untergehendes bezieht. Wir möchten im weitesten Sinne des Wortes, möchte ich sagen, wenn wir uns dessen auch nicht bewußt sind, in der Gegenwart nur Zugrundegehendes verwalten. Wir bringen nicht den Mut auf, Werdendes zu denken, weil Werdendes sich nicht in so starren, engbegrenzten Begriffen, die sich beweisen lassen, umfassen läßt wie Zugrundegehendes. Und man schützt sich heute gegen alle die Anfechtungen, die durch das, was ich eben gekennzeichnet habe, eigentlich kommen.
[ 3 ] If I wish to cite reasons for what I have just described, I must look for them in a tendency that is deeply rooted in the human soul in the present age: a tendency toward dead concepts and ideas, toward concepts and ideas that lack vitality. It should be understandable that one cannot think about the future, about what is yet to come, in the same way one thinks about the past and established facts. But today people focus only on what, as they say, can be proven, and when they speak of this “provability,” they are referring precisely to the particular kind of proof that is so highly valued today. Anyone who truly understands this particular method of proof knows that it can only be used to prove truths that relate to what is passing away in the universe. That is why, in the present, we wish to have only a science or a form of knowledge that relates to what is passing away. It is precisely those people who consider themselves the most enlightened who love only a form of knowledge that relates to what is passing away. They also love only a will that relates to what is passing away. I would say that, in the broadest sense of the word—even if we are not conscious of it—we wish to manage only what is perishing in the present. We do not muster the courage to think of what is coming into being, because what is coming into being cannot be encompassed in such rigid, narrowly defined concepts—which can be proven—as that which is perishing. And today, people shield themselves against all the challenges that actually arise from what I have just described.
[ 4 ] Redet man gegen diese Dinge — und man muß dagegen reden —, dann setzt man sich der Gefahr aus, den Vorwurf zu bekommen, ein furchtbarer Phantast, Dilettant und dergleichen mehr, vielleicht noch etwas viel Schlimmeres zu sein. Man sucht heute geradezu Begriffe, welche einen decken können gegen das Denkenmüssen dessen, was fruchtbar, keimhaft für die Zukunft ist. Ein Begriff muß nach dieser Hinsicht den Menschen, die sich für die Intelligentesten, für die Führer halten, eingeimpft werden: der Begriff der «Erhaltung des Stoffes und der Kraft», so wie er heute gefaßt wird. Ganz selbstverständlich ist heute jeder vor einem gewissen Forum ein «Rindvieh», der nicht zugibt, daß dies eine fundamentale Wahrheit aller Wissenschaftlichkeit ist: die von der Unzerstörbarkeit der Kraft und des Stoffes. Und dennoch ist die Sache diese: Wenn wir in das Weltenall wirklich schauend uns vertiefen, dann ist das, was wir als den Stoff und als die Kraft ansprechen, ein Vergängliches, ein Verwehendes; und alle Wissenschaft, alle Erkenntnis, die wir über den Stoff und über die Kraft gewinnen können, ist Wissenschaft von etwas Vergänglichem. Weil man nur Wissenschaft von etwas Vergänglichem will, weil man nur das Vergängliche verwalten will in der Wissenschaft, deshalb dekretiert man dogmatisch, um doch etwas Festes, Bleibendes zu haben, der Stoff, der sich aber doch nur auf etwas Vergängliches bezieht, sei ewig, oder die Kraft sei ewig. Dieses Gesetz von der Erhaltung des Stoffes und der Kraft spielt eine große Rolle auch für die, die sich nicht auseinandersetzend mit der entsprechenden Wissenschaft befassen, eine solche Rolle, daß sie in alles hineingeheimnißt ist. Unsere wissenschaftliche Erziehung ist so, daß das, was sich als Niederschlag des Gedankens von der Erhaltung des Stoffes und der Kraft bildet, in die ganze populäre Literatur hineingeht und für die Leute etwas Selbstverständliches wird.
[ 4 ] If one speaks out against these things—and one must speak out against them—then one runs the risk of being accused of being a terrible dreamer, a dilettante, and the like, or perhaps something even worse. Today, people are actively seeking terms that can shield them from having to think about what is fruitful and has the potential to take root for the future. In this regard, one concept must be instilled in those who consider themselves the most intelligent, the leaders: the concept of the “conservation of matter and energy,” as it is understood today. It goes without saying that today, in certain circles, anyone who does not admit that this is a fundamental truth of all scientific inquiry—namely, the indestructibility of force and matter—is considered “cattle.” And yet the fact is this: When we truly immerse ourselves in contemplating the universe, what we refer to as matter and energy is transitory, fleeting; and all science, all knowledge we can gain about matter and energy, is the science of something transitory. Because one wants only the science of something transitory, because one wants only to manage the transitory in science, one dogmatically decrees—in order to have something firm and lasting after all—that matter, which nevertheless refers only to something transitory, is eternal, or that energy is eternal. This law of the conservation of matter and energy plays a major role even for those who do not engage with the relevant science—such a role, in fact, that it is woven into everything. Our scientific education is such that what emerges as a reflection of the idea of the conservation of matter and energy finds its way into all popular literature and becomes something people take for granted.
[ 5 ] Nun kennen wir aus der «Geheimwissenschaft im Umriß» die Entwickelung durch die Saturn-, Sonnen-, Monden- und Erdenzeit und so weiter. Nichts von dem, was heute Stoff und Kraft genannt wird, geht über das hinaus, was als Venusentwickelung bezeichnet wird. Also selbst für die dauerhaftesten Stoffe ist das, was.bis zur Venusentwickelung geht, damit an sein Ende gekommen. Wir befinden uns über der Mitte unserer Weltenevolution, so wie wir sie anschauen können, und wir stehen in der fünften Periode der Erdenentwickelung über der Mitte derselben. Wir sind über die Mitte hinaus, leben bereits in der untergehenden Periode der Erdenentwickelung, das heißt in derjenigen Zeit, in der die Abwärtsentwickelung, das Vergehen des Stoffes und der Kraft Platz gegriffen hat. Und die richtige Anschauung, wenn wir Physik und Chemie studieren, wäre die, daß wir uns sagten: Mit den Erkenntnissen, welche wir in der Physik und Chemie gewinnen, haben wir nur Erkenntnisse, die auf Vergängliches, auf im Weltenall mindestens mit der Venusentwickelung Verschwindendes sich beziehen. In dem ganzen Umkreis dessen, was heute als Wissenschaft gesucht wird, gibt es nichts, das sich auf Dauerndes bezieht; denn mit Ideen und Begriffen, die man nach der beliebten Art heute beweisen kann, kann man nur das finden, was in dem eben gekennzeichneten Sinne ein Vergängliches ist. Man bewegt sich nur im Vergänglichen.
[ 5 ] Now, from An Outline of Esoteric Science, we know about the evolution through the Saturn, Sun, Moon, and Earth eras, and so on. Nothing of what is today called matter and force goes beyond what is referred to as the Venusic stage of development. Thus, even for the most enduring forms of matter, what extends up to the Venusic stage of development has thereby come to an end. We are past the midpoint of our world evolution, as far as we can perceive it, and we are in the fifth period of Earth’s evolution, past its midpoint. We have passed the midpoint; we are already living in the waning period of Earth’s evolution—that is, in the era in which the downward evolution, the passing away of matter and force, has taken hold. And the correct perspective, when we study physics and chemistry, would be to say to ourselves: The insights we gain in physics and chemistry are insights that relate only to the transitory—to that which, in the universe, will disappear at the latest with the evolution of Venus. Within the entire scope of what is sought as science today, there is nothing that relates to the enduring; for with ideas and concepts that can be “proven” today in the popular sense, one can find only that which is transitory in the sense just described. One moves only within the transitory.
[ 6 ] Sie sehen, eine wesentliche Korrektur der Begriffe ist auf diesem fundamentalsten Gebiete notwendig, und diejenigen Leute gerade, die sich heute für besonders wissenschaftlich gebildet halten, werden viel lernen müssen, so daß sie ihre gangbaren Begriffe durch die richtigen werden ersetzen können. Aber wozu sage ich das alles, da die Sache ja doch vielleicht in ihrer Allgemeinheit nicht besonders wichtig scheint?
[ 6 ] As you can see, a fundamental revision of these concepts is necessary in this most fundamental area, and it is precisely those people who today consider themselves to be particularly well-educated in the sciences who will have to learn a great deal so that they can replace their current concepts with the correct ones. But why am I saying all this, since the matter, in its generality, may not seem particularly important after all?
[ 7 ] Es ist doch wichtig, denn nach diesen Begriffen, die sich die Menschen nach der eben charakterisierten Richtung heute aneignen, nach diesen Begriffen, die in allem Denken heute leben, formen sich auch die andern Begriffe, nach denen man will, nach denen man sein Wollen einrichtet. Die sozialen Begriffe, die politischen Begriffe formen sich nach der Denkweise, die man sich in dieser Weise gebildet hat. Sie formen sich nach dem eigentümlichen Gebrauch, den man von solchen Kräften macht, der darin besteht, daß man nur Vergängliches in den Begriffen verwalten will, und das überträgt sich auch auf die Lebensbegriffe. In besonders auffälliger Weise zeigt sich das, wenn man auf die Programmpunkte solcher Menschen hinweist, die sich in ihrem Selbstvertrauen für die Allerfortschrittlichsten halten, zum Beispiel in den Programmpunkten mancher Sozialisten, gerade solcher Sozialisten, die heute ungeheuer viel von sich reden machen und die ja alle mehr oder weniger ihren Ausgangspunkt von der Theorie des Karl Marx haben. Diese Marxsche Theorie ist ja gegenwärtig das Unglück Rußlands, weil — aus Gründen, die ich das letzte Mal auseinandergesetzt habe — das, was nach den historischen Voraussetzungen in Rußland geschieht, eben dort aus dem Marxismus heraus geschehen kann. Diese Anschauung ist auch zugleich der extremste Ausdruck des Willens, nur das Vergehende zu verwalten. Wer sich mit den Ideen dieser Richtung bekanntmacht, der weiß, daß die, welche sich fanatisch zu den Ideen dieses Marxismus bekennen, zukunfttragende Ideen zu haben glauben. Sie haben hier gerade in diesen Ideen auf sozialem Gebiete solche, die sich nur auf das Vergehende beziehen können. Das tritt in einer naiven Weise gerade in dieser sogenannten sozialistischen Weltanschauung hervor, denn sie lehnt es überall ab, fruchtbare Zukunftsideen aufzustellen. Sie predigt gerade den Segen der Ideenlosigkeit. Sie hat vielfach die Formel: Man muß wegschaffen, was gegenwärtig vorhanden ist; dann wird sich schon von selbst, ohne daß man darüber nachdenkt, irgend etwas aus dem Kladderadatsch heraus ergeben. Das ist radikal ausgesprochen. Aber wenn auch die, welche das radikal aussprechen — im Sinne der letzten Betrachtung, die wir vor acht Tagen gepflogen haben —, die gut erzogen sind im Sinne der Kirche durch die Jahrhunderte hindurch und auch nichts anderes tun, als die Vorgänge der letzten Jahrhunderte aus der Kirche heraus zu zeigen, so muß man doch das Folgende sagen: In Wahrheit will diese Anschauung es völlig ablehnen, keimhafte Ideen zu hegen; sie will nur Ideen haben, die sich auf Zugrundegehendes beziehen, sie kann nur Ideen hervorbringen, mit denen man Einrichtungen zugrunde richten kann. Man glaubt, Keimhaftes zu haben; aber darauf kommt es nicht an, sondern wie sich die Ideen in die Wirklichkeit hineinstellen. In Wahrheit sind diese Ideen solche, die gar nicht darauf eingehen, irgend etwas Neues zu ergründen, sondern die sich nur damit befassen, Zerstörerisches in eine bestehende Institution hineinzubringen. Dieser Sozialismus kommt mir vor wie eine Dame — für die gegenwärtigen Menschen ist das allerdings schon vorüber —, welche die Krinoline nicht leiden kann. Den breiten Reifrock haßte sie. Das muß geändert werden, sagte sie. Und was tat sie? Sie wattierte ihn aus. So sah er nach außen ganz genau so aus wie früher, aber er war nach innen mit Watte ausgefüttert. So machen es diese Sozialisten: Sie denken nicht daran, das, was die Geschichte an Einrichtungen heraufgebracht hat, mit neuen Ideen zu befruchten, sondern es zu lassen, aber nur, um an die Stelle der bisherigen Verwalter sich selbst zu setzen. Sie behalten die Krinoline bei, wattieren sie aus. Auch da, bei einer extremen Anschauung, bloß die Sehnsucht, das Zugrundegehende, das Absterbende zu verwalten. Worauf beruht denn das?
[ 7 ] It is important, after all, because the concepts that people adopt today in accordance with the direction just described—the concepts that permeate all thought today—also shape the other concepts by which one acts, by which one directs one’s will. Social concepts and political concepts take shape according to the way of thinking that one has formed in this manner. They take shape according to the peculiar use one makes of such forces, which consists in wanting to manage only the transitory within these concepts, and this also carries over into one’s concepts of life. This becomes particularly evident when one examines the programmatic points of those who, in their self-confidence, consider themselves the most progressive of all—for example, the programmatic points of certain socialists, precisely those socialists who are making a tremendous amount of noise today and who, after all, all derive their starting point, to a greater or lesser extent, from the theory of Karl Marx. This Marxist theory is, after all, the misfortune of Russia at present, because—for reasons I elaborated on last time—what is happening in Russia, given its historical conditions, can happen there precisely as a result of Marxism. This view is also, at the same time, the most extreme expression of the will to manage only that which is passing away. Anyone who familiarizes themselves with the ideas of this school of thought knows that those who fanatically profess the ideas of this Marxism believe they possess ideas that point to the future. Yet precisely in these ideas, in the social sphere, they have ones that can refer only to what is passing away. This stands out in a naive way precisely in this so-called socialist worldview, for it refuses everywhere to formulate fruitful ideas for the future. It actually preaches the blessing of ideality. It often employs the formula: One must do away with what currently exists; then something will emerge of its own accord from the jumble, without one having to think about it. That is put in radical terms. But even if those who express this radically—in the sense of the last reflection we had eight days ago—are well-educated in the spirit of the Church throughout the centuries and do nothing other than point out the events of the last few centuries as they have unfolded within the Church, one must still say the following: In truth, this view seeks to completely reject the nurturing of nascent ideas; it wants only ideas that relate to what is being destroyed; it can produce only ideas with which institutions can be brought to ruin. One believes one has nascent ideas; but that is not what matters—rather, how the ideas manifest themselves in reality. In truth, these ideas are not at all concerned with exploring anything new, but are solely focused on introducing destructive elements into an existing institution. This socialism strikes me as a lady—though for people today that is certainly a thing of the past—who cannot stand her crinoline. She hated the wide hoop skirt. “That must be changed,” she said. And what did she do? She padded it out. So from the outside it looked exactly the same as before, but on the inside it was lined with padding. That is how these socialists operate: they do not think of enriching the institutions that history has brought forth with new ideas, but rather of leaving them as they are—only to replace the previous administrators with themselves. They keep the crinoline and pad it out. There, too—in an extreme view—is merely the longing to manage what is falling apart, what is dying. What is the basis for this?
[ 8 ] Es beruht darauf, daß man mit den Begriffen der heute bloß auf das Sinnliche gehenden Wissenschaft, derjenigen Wissenschaft, die sich auf den Verstand stützt, der bloß mit der sinnlichen Wahrnehmung rechnet, daß man mit diesen Begriffen überhaupt nur das Vergehende treffen kann. Man kann in der Natur nur das treffen, was in der Natur zum Tode führt, nicht das, was weiterlebt. Das Lebendige kann man nicht erfassen. Man kann auch in der Kultur nur das erfassen, was abstirbt, kann nicht das Keimhafte, das Wachsende erfassen. Denn dieses Keimende, dieses Wachsende muß erfaßt werden mindestens mit Imaginationen, mindestens mit der ersten Stufe der höheren Erkenntnis, wie sie zum Beispiel beschrieben ist in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Und um zu gewissen höheren Erkenntnissen des Werdenden kommen zu können, muß man Intuition und Inspiration anwenden können. Wenn die Menschen mit den bisherigen Begriffen an die Dinge herangehen, können sie reden, so viel sie wollen, sie reden nur von dem, was Verwaltung des Zugrundegehenden ist, wenn sie sich nicht einlassen, auf das einzugehen, was in übersinnlicher Erkenntnis allein als das Werdende geschaut werden kann. Es stehen die Dinge heute tatsächlich auf des Messers Schneide. Man kann über gewisse Dinge nichts wissen und muß ins Kulturchaos hineinkommen, in dem wir ja genügend drinnen leben, wenn man nicht auf das Schauen des Geistigen eingehen will.
[ 8 ] It is based on the fact that, using the concepts of today’s science—which is limited to the sensory realm, the science that relies on the intellect and relies solely on sensory perception—one can, with these concepts, grasp only that which is transient. In nature, one can only grasp what leads to death, not what lives on. One cannot grasp the living. In culture, too, one can grasp only what dies; one cannot grasp what is nascent, what is growing. For this nascent, this growing must be grasped at least through imagination, at least through the first stage of higher knowledge, as described, for example, in the book How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?. And in order to arrive at certain higher insights into what is becoming, one must be able to apply intuition and inspiration. If people approach things with the concepts they have used up to now, they can talk as much as they want, but they are speaking only of the administration of what is perishing, unless they are willing to engage with what can be perceived as “what is becoming” solely through supersensible knowledge. Things are indeed on a knife’s edge today. One cannot know anything about certain things and must descend into cultural chaos—in which we already live sufficiently—if one is unwilling to engage with the perception of the spiritual.
[ 9 ] Was wir brauchen, und was ja durch die Geisteswissenschaft angestrebt wird, ist in dem heute tauglichen Sinne eine Art Erneuerung des Mysterienwesens. Dazu ist freilich notwendig, daß der Sinn des alten Mysterienwesens verstanden werde, daß sodann der Sinn derjenigen Zeit verstanden werde, welche gewissermaßen eine Zwischenstufe war zwischen den alten Mysterien und denjenigen, die da kommen müssen als das neue Mysterienwesen. Alles dieses muß verstanden werden. Das Überraschendste für die Schüler der alten Mysterien war ja das, daß ihnen anschaulich gezeigt wurde, wie das alte, atavistische Hellseherische, wie das verborgene Wissen dem Untergang geweiht war. Das konnte man nicht mit dem schauenden Wissen selber erfassen, dazu mußte man in die Mysterien eingeweiht sein. Es wurde den Leuten gezeigt, daß etwas anderes über die Menschheit kommen müsse als das alte hellseherische Hineinschauen in die geistige Welt. Daß dieses Alte in der Seelenverfassung des Menschen, dieses Erscheinen der Weltenweiten in der Imagination dem Tode geweiht sei, das wurde den Mysterienschülern enthüllt. Etwa in folgender Art wurde es ihnen klargemacht: Was auf der Erde mit den physischen Sinnen gesehen werden kann, das ist nicht das, was die eigentlichen Geheimnisse des Erdendaseins enthält. Diese eigentlichen Geheimnisse können nur enthüllt werden, wenn sich der Menschenseele in hellsichtiger Betrachtung die Geheimnisse des Kosmos, die Geheimnisse des Außerirdischen erschließen, wenn dieser Seele das aufgeht, was im Kosmos draußen außerirdisch, außertellurisch geschieht. Denn das wurde ja im alten Hellsehen ergriffen, und nicht das, was auf der Erde geschah. Daß solch eine Erkenntnis, solch ein Hinaufgehen in den Kosmos nicht mehr möglich sein werde, wurde den Mysterienschülern enthüllt. Und denjenigen, die in das Christus-Mysterium eindringen sollten, wurde noch etwas anderes enthüllt.
[ 9 ] What we need—and what spiritual science indeed strives for—is, in a sense appropriate to our times, a kind of renewal of the mystery tradition. To achieve this, however, it is necessary to understand the meaning of the ancient mystery tradition and, subsequently, to understand the significance of that period which was, in a sense, an intermediate stage between the ancient mysteries and those that must come as the new mystery tradition. All of this must be understood. The most surprising thing for the students of the ancient mysteries was, after all, that they were vividly shown how the old, atavistic clairvoyance—how the hidden knowledge—was doomed to decline. This could not be grasped through clairvoyant knowledge alone; to do so, one had to be initiated into the mysteries. People were shown that something other than the old clairvoyant gaze into the spiritual world must come to humanity. That this old aspect of the human soul—this manifestation of the vastness of the worlds in the imagination—was doomed to extinction was revealed to the students of the Mysteries. It was made clear to them in roughly the following way: What can be seen on Earth with the physical senses is not what contains the true mysteries of earthly existence. These true mysteries can only be revealed when, through clairvoyant contemplation, the human soul gains access to the mysteries of the cosmos, the mysteries of the extraterrestrial; when this soul comes to understand what is happening in the cosmos beyond Earth, in the extraterrestrial, non-terrestrial realm. For it was these things that were perceived in the clairvoyance of old, and not what took place on Earth. It was revealed to the students of the mysteries that such insight, such an ascent into the cosmos, would no longer be possible. And to those who were to penetrate the Christ Mystery, something else was revealed as well.
[ 10 ] Es kam ungefähr zu folgender Vorstellung. Wenn auch die alten atavistischen Hellseher nicht von dem Christus sprachen — ihre Eingebungen kamen aus der Welt, in welcher der Christus immer war, denn der Christus ist ein kosmisches Wesen. In all dem Kosmischen, in all dem Universellen der Welt, von dem aus das strömt, was dem Menschen im atavistischen Hellsehen aufgeht, lebt der Christus. Aber das wird von der Zeit an, in welcher das Mysterium von Golgatha geschehen sollte, den Menschen nicht mehr in der alten Weise zugänglich sein. — Was geschah? Nun, der Christus kam herunter aus dieser Welt, kam von dem Kosmos auf die Erde herunter. Weil der Kosmos so, wie es in alten Zeiten der Fall war, den Menschen nicht mehr zugänglich war, weil sie den Christus nach der alten Art nicht mehr hätten finden können, weil diese Art des Wissens, der Seelenverfassung, erstarb, in der früher die Welt geschaut wurde, in welcher der Christus war, deshalb mußte der Christus zu den Menschen herunterkommen. Und er kam herunter. Daher mußte alles, was jemals erleuchtete Geister in den alten Zeiten in heidnischen Mysterienkulten, in der heidnischen Mysterienwissenschaft von der geistigen Welt erkannt hatten, zusammengefaßt werden in dem Christus. Das mußte in dem Christus geschaut werden. Man mußte wissen, welches kosmische Wesen in dem Christus aus dem Kosmos auf die Erde heruntergekommen war. Das ist das eine.
[ 10 ] The idea was roughly as follows. Even though the ancient, atavistic clairvoyants did not speak of the Christ—their inspirations came from the world in which the Christ has always existed, for the Christ is a cosmic being. Christ lives in all that is cosmic, in all that is universal in the world, from which flows what dawns upon human beings through atavistic clairvoyance. But from the time when the Mystery of Golgotha was to take place, this would no longer be accessible to human beings in the old way. — What happened? Well, Christ came down from this world; He came down from the cosmos to Earth. Because the cosmos was no longer accessible to human beings as it had been in ancient times, because they could no longer have found the Christ in the old way, because that form of knowledge and that state of soul—in which the world in which the Christ dwelt had once been perceived—had died out, the Christ had to come down to human beings. And he did come down. Therefore, everything that enlightened spirits had ever recognized about the spiritual world in ancient times—in pagan mystery cults and in pagan mystery science—had to be synthesized in the Christ. This had to be perceived in the Christ. One had to know which cosmic being had come down from the cosmos to Earth in the Christ. That is one thing.
[ 11 ] Das andere war das Folgende. Ich sagte: Von alledem, was draußen in der Welt von Natureinrichtungen, von sozialen und Kultureinrichtungen gesehen werden kann, kann der Verstand und können die Sinne nur das Vergängliche schauen, können ein Wissen nur vom Vergänglichen der Natur gewinnen, das sich ja bis zum Venusdasein erstreckt. Aber im Kulturwissen steht man oftmals schon im Untergang drinnen, wenn man glaubt, Ideen zu haben, die ein Werden bedeuten. In dem, was durch die Sinne wahrgenommen und durch den Verstand begriffen werden kann, liegt kein Keim für die Zukunft. In alledem ist das dem Tode Geweihte. Es gäbe nur Todwissen, wenn es nur solches gäbe; denn die Wirklichkeit selbst, die uns umgibt, ist todgeweiht. Wo ist denn etwas Dauerndes? Wo ist denn das, welches als das Unvergängliche hinüberleben wird über dieses äußerlich Daseiende und dem Tode Geweihte? Wo ist denn das, was wirklich erhalten wird, während die Atome und die Kräfte, von denen physikalischer Aberglaube meint, daß sie erhalten würden, nicht erhalten werden, sondern zugrunde gehen?
[ 11 ] The other point was this: I said, “Of all that can be seen out there in the world—in natural phenomena, social institutions, and cultural institutions—the mind and the senses can perceive only the transitory; they can gain knowledge only of the transitory aspects of nature, which, after all, extend as far as the existence of Venus.” But in cultural knowledge, one is often already caught up in decline when one believes one has ideas that signify becoming. In what can be perceived by the senses and grasped by the intellect, there lies no seed for the future. In all of this lies that which is doomed to death. There would be only knowledge of death if that were all there were; for reality itself, which surrounds us, is doomed to death. Where, then, is anything enduring? Where, then, is that which, as the imperishable, will survive this outward existence that is doomed to death? Where, then, is that which will truly be preserved, while the atoms and forces—which physical superstition believes will be preserved—will not be preserved, but will perish?
[ 12 ] Das ist nur im Menschen selbst. Von allen Wesen, von den Tieren Pflanzen, Mineralien, von Luft, Wasser und allem, was zugrunde geht, gibt es nur eines, das sich über die Erdenevolution und über die Evolution, die aus dem Erdendasein folgen wird, hinaus erhält: nur das, was im Menschen selbst lebt. Nur der Mensch trägt auf der Erde etwas in sich, was dauernd ist. Man kann nicht sprechen von der Erhaltung der Atome, des Stoffes und der Kraft, man kann nur sprechen von der Erhaltung von etwas im Menschen. Aber das kann nur geschaut werden durch Imagination, Inspiration und Intuition. Alles übrige, was nicht in übersinnlicher Erkenntnis geschaut wird, ist kein Dauerndes. Übersinnliches — das Sinnliche ist alles vergänglich —, das, was überdauernd ist, kann daher auch nur im übersinnlichen Erkennen begriffen werden. In dem Menschen, der auf der Erde herumgeht, liegt alles das, was von allem Erdendasein sich über die Erde hinaus retten wird. Wenn wir fragen: Wo ist der Keim für etwas, was über Erden-, Jupiter- und Venusentwickelung hinauswächst, was aus der gegenwärtigen Kultur in die Kultur der Zukunft hinüberwächst? — so müssen wir sagen: In nichts außerhalb der Erde, nur in dem, was im Menschen ist. In dem Teil seines Wesens, der allein der übersinnlichen Erkenntnis zugänglich ist, ist der Mensch das, was den Keim für die Zukunft in sich trägt. — Und nur der redet recht von der Zukunft, der allein den Willen hat, das Übersinnliche zu erfassen, sonst redet ein jeder, der von der Zukunft redet, irre. Daher mußte der Christus, der aus den Welten, die für die menschliche Erkenntnis immer unzugänglicher wurden, auch für die menschliche Erkenntnis heruntersteigen, mußte sich mit dem Menschen vereinigen, mußte im Jesus seinen Wohnplatz aufschlagen und so zum Christus Jesus werden, weil nur in einem Menschenleibe das war, was zukunftsträchtig für die Erdenentwickelung ist. Daher haben wir in dem Christus das Kosmische, aber jenes Kosmische, das in alter Erkenntnis ‚ allein unmittelbar ergriffen werden konnte; und in dem Jesus, zu dem der Christus gekommen ist, haben wir das, was fortan in dem Menschenwillen allein den Keim für die Zukunft trägt. Nicht begreift man den Christus, wenn man ihn nur als Christus oder nur als Jesus begreifen will. Man begreift ihn nicht, wenn man bloß von dem Christus redet; denn der Christus, von dem zum Beispiel die alten Doketen eine Art Gnostiker — gesprochen haben, könnte nicht mehr erfaßt werden; der gehört dem alten atavistischen Hellsehen an. Nicht begreift man den Jesus, wenn man nicht den Christus, der in den Jesus eingezogen ist, gelten lassen will. Man begreift nicht, daß allein durch den Menschenkeim auf Erden das Kosmische für die Zukunft gerettet werden muß, wenn man nicht den Christus in dem Jesus gelten lassen will.
[ 12 ] This exists only within human beings themselves. Of all beings—animals, plants, minerals, air, water, and everything that perishes—there is only one thing that endures beyond Earth’s evolution and beyond the evolution that will follow Earth’s existence: only that which lives within human beings themselves. Only human beings carry within themselves on Earth something that is enduring. One cannot speak of the preservation of atoms, matter, or energy; one can only speak of the preservation of something within human beings. But this can only be perceived through imagination, inspiration, and intuition. Everything else that is not perceived through supersensible knowledge is not enduring. The supersensible—for the sensible is all transitory—that which is enduring can therefore only be grasped through supersensible knowledge. Within the human being walking upon the Earth lies everything from all earthly existence that will be preserved beyond the Earth. When we ask: Where is the seed of something that grows beyond the Earth, Jupiter, and Venus evolutions, something that grows from the present culture into the culture of the future? — we must say: In nothing outside the Earth, only in what is within the human being. In that part of his being which is accessible only to supersensible knowledge, the human being is that which bears within itself the seed for the future. — And only the one who has the will to grasp the supersensible speaks correctly of the future; otherwise, everyone who speaks of the future speaks erroneously. That is why the Christ, who came down from the worlds that were becoming ever more inaccessible to human knowledge, had to descend for the sake of human knowledge as well; he had to unite with humanity, had to take up residence in Jesus, and thus become Christ Jesus—because only within a human body was that which holds the promise of the future for the Earth’s evolution. That is why we find in the Christ the cosmic, but that cosmic which, in ancient knowledge, could be grasped “directly”; and in Jesus, to whom the Christ came, we find that which henceforth bears the seed for the future solely within the human will. One does not understand the Christ if one seeks to understand him only as Christ or only as Jesus. One does not understand him if one speaks merely of the Christ; for the Christ of whom, for example, the ancient Docetists—a kind of Gnostics—spoke can no longer be grasped; that belongs to the old, atavistic clairvoyance. One does not understand Jesus if one refuses to acknowledge the Christ who has entered into Jesus. One does not understand that the cosmic must be saved for the future solely through the human seed on earth if one refuses to acknowledge the Christ in Jesus.
[ 13 ] Dies zu verstehen, inwiefern der Christus Jesus dieses Doppelwesen ist, ist eine große Aufgabe. Aber zu gleicher Zeit waren viele bemüht, Hemmnisse zu schaffen gerade für das Verständnis des Christus Jesus als eines Doppelwesens. So handelte es sich in der neueren Zeit darum, durch die verschiedensten Mittel vergessen zu machen, daß der Christus in dem Jesus gewohnt hat. Da ist auf der einen Seite jene extreme theologische Lehre, die nur immer von dem «schlichten Mann aus Nazareth» sprechen will, die also eigentlich nur von dem Menschen der sinnlichen Natur spricht und nicht von jenem Menschen, welcher den Zukunftskeim in sich hat. Da ist ferner jene Gesellschaft, die gegründet worden ist, um den Christus zu bekämpfen und zu diesem Zwecke ein falsches Jesusbild aufzustellen: die Gesellschaft des Jesuitismus, die im wesentlichen dazu da ist, das Christus-Bild aus dem Christus-Jesus-Bild auszutreiben und nur den Jesus gewissermaßen als den Tyrannen der sich entwickelnden Menschheit gelten zu lassen. Das alles muß man im Zusammenhang sehen. Denn die verschiedenen Impulse, auf die damit hingedeutet wird, wirken im Leben der Gegenwart mehr, als man denkt; sie wirken ganz intensiv im Leben der Gegenwart. Und wer nicht seine Augen aufmacht und Verlangen hat, die konkreten Erscheinungen dessen, was um ihn herum vorgeht, zu begreifen, der wird niemals anders als überrascht sein können von alledem, was kommt; er wird nicht viel über Dinge, wie sie hier angedeutet werden, zur Klarheit kommen. Unsere Gegenwart ist in vieler Beziehung allerdings viel zu bequem, um über diese Dinge zur Klarheit kommen zu wollen. Geisteswissenschaftliche Begriffe sind viel zu schwierig. Die Leute verketzern sie daher als dilettantisch, unwissenschaftlich, phantastisch und dergleichen. Sie verurteilen sich zugleich aus Gründen, die ich eben angeführt habe, [dazu,] mit nichts zu rechnen, was wirklich zukunftsträchtig sein könnte. |
[ 13 ] Understanding the extent to which Christ Jesus is this dual being is a major undertaking. But at the same time, many have strived to create obstacles specifically to the understanding of Christ Jesus as a dual being. Thus, in more recent times, the aim has been to use a wide variety of means to make people forget that Christ dwelt within Jesus. On the one hand, there is that extreme theological doctrine which insists on speaking only of the “simple man from Nazareth”—that is, which speaks only of the human being of a sensory nature and not of the human being who carries within himself the seed of the future. Then there is that society founded to combat Christ and, to this end, to establish a false image of Jesus: the Society of Jesuitism, which essentially exists to expel the image of Christ from the image of Christ Jesus and to allow only Jesus, so to speak, to be regarded as the tyrant of evolving humanity. All of this must be viewed in context. For the various impulses to which this refers are at work in present-day life more than one might think; they are at work quite intensely in present-day life. And anyone who does not open their eyes and has no desire to understand the concrete manifestations of what is happening around them will never be able to do anything but be surprised by all that is to come; they will not gain much clarity about matters such as those indicated here. In many respects, our present age is, however, far too complacent to want to gain clarity on these matters. Spiritual scientific concepts are far too difficult. People therefore denounce them as amateurish, unscientific, fanciful, and the like. At the same time, for the reasons I have just cited, they condemn themselves to disregarding anything that might truly hold promise for the future. |
[ 14 ] So sehen wir denn jene Öde heute um uns herum mitten in dem Chaos, in welches die alten Religionsbekenntnisse und Kulturströmungen hineingeführt haben. Mitten in diesem Chaos, das die Leute heute mit einer sonderbaren Naivität Krieg nennen, während es längst kein Krieg mehr ist, sondern etwas ganz anderes, mitten in diesem Chaos sehen wir die Gedanken- und Ideenöde, weil nicht öde Ideen und nicht öde Gedanken nur aus der Erfassung des Übersinnlichen, des Geistigen kommen können, und weil sich heute der Mensch entscheiden muß, entweder nur das Vergehende, das Ersterbende zu verwalten und ein Schüler Lenins zu werden — oder mit dem Übersinnlichen zu rechnen, welches das enthält, was da kommen muß. Nicht gerade diesen einzigen Lenin, welcher jetzt in Europas Osten seinen Unfug macht, meine ich; ich nehme ihn mehr als ein Symbolum, denn wir haben solcher Lenins viele, viele im ganzen Umkreis des heutigen Lebens um uns herum, auf dem einen oder andern Gebiete. Nur will man nicht an etwas anderes herangehen als an das, was das Ersterbende ist.
[ 14 ] And so we see this wasteland around us today, in the midst of the chaos into which the old religious creeds and cultural currents have led us. In the midst of this chaos—which people today, with a strange naivety, call “war,” even though it has long since ceased to be a war and has become something entirely different—in the midst of this chaos, we see a wasteland of thought and ideas, because only the comprehension of the supersensible, of the spiritual, can give rise to ideas and thoughts that are not barren, and because today human beings must decide whether to merely manage what is passing away, what is dying out, and become a disciple of Lenin—or to reckon with the supersensible, which contains what must come. I do not mean specifically this one Lenin, who is now wreaking havoc in Eastern Europe; I take him more as a symbol, for we have many, many such Lenins all around us in the entire sphere of contemporary life, in one field or another. It is simply that people do not want to approach anything other than that which is passing away.
[ 15 ] Erinnern Sie sich bitte an etwas, worauf ich auch hier einmal aufmerksam machte. Die Pflanze lebt, sagte ich; Sie können sie beschreiben als etwas Lebendiges. Aber was beschreibt heute die gebräuchliche Wissenschaft an der Pflanze? Nicht das, was darinnen lebt, denn das ist übersinnlich; sondern sie beschreibt das, was das Lebendige ausfüllt, was darinnen das Tote, das Mineralische ist. In der heutigen Wissenschaft finden Sie nichts anderes beschrieben als das, was als Mineralisches die Lebewesen ausfüllt, und was in den Lebewesen den Tod bewirkt. Daher kann man sich auch heute nicht zu wirklich fruchtbaren Begriffen über die Natur aufschwingen. Solche Begriffe, wie man sie in der heutigen Botanik hat, sind keine lebensvollen Begriffe, sondern es wird etwas beschrieben, was mit Steinchen, mit Mineralien ausgefüllt ist. Da ist überall das zirkulierende Mineralische drinnen. Das wird auch im Tier, wird auch im Menschen beschrieben. Sobald man über dieses zirkulierende Mineralische in Pflanze, Tier und Mensch hinauskommt, werden diese etwas ganz anderes.
[ 15 ] Please recall something I once pointed out here as well. The plant is alive, I said; you can describe it as a living being. But what does conventional science today describe about the plant? Not what lives within it, for that is supersensible; rather, it describes what fills the living being—that which within it is dead, that which is mineral. In today’s science, you will find nothing described other than what, as the mineral, fills living beings and what causes death within them. That is why, even today, we cannot rise to truly fruitful concepts of nature. Concepts such as those found in modern botany are not life-filled concepts; rather, they describe something that is filled with tiny stones, with minerals. The circulating mineral substance is present everywhere within them. This is also described in animals and in humans. As soon as one moves beyond this circulating mineral substance in plants, animals, and humans, they become something entirely different.
[ 16 ] Nehmen Sie zum Beispiel Herrn von Uexküll, der den Aufsatz geschrieben hat «Im Kampf um die Tierseele». Dieser Herr von Uexküll ist in bezug auf alle Seelenwissenschaft von masochistischer Grausamkeit besessen, in bezug auf alles besessen, was nur irgendwie an die Seelenwissenschaft erinnert. Ich sagte «masochistische Grausamkeit», weil in diesem Aufsatze zu lesen ist: Entschieden solle nicht werden, ob es eine Seele gibt oder nicht; es solle nur entschieden werden, daß die Wissenschaft nichts darüber ausmachen kann. — Wer ordentlich grausam ist, der tötet auch; wer masochistisch grausam ist wie dieser Herr von Uexküll, der probiert nur das Töten, stichelt herum. Das ist überhaupt der Typus der heutigen Wissenschaft; nur merkt man es nicht, weil man sich nicht gerne darauf einläßt. Man will nicht die Scheidewand durchbrechen, die einen trennt von dem, was in der Umgebung ist. Daher kann man sich durchaus nicht zu den Begriffen aufschwingen, die man wirklich braucht, damit der Mensch wieder einmal seine Umgebung verstehen lernt.
[ 16 ] Take, for example, Mr. von Uexküll, who wrote the essay “In the Struggle for the Animal Soul.” This Mr. von Uexküll is obsessed with masochistic cruelty when it comes to all aspects of the science of the soul—obsessed with anything that even remotely resembles the science of the soul. I said “masochistic cruelty” because the essay states: It should not be decided whether a soul exists or not; it should only be decided that science cannot determine anything about it. — Someone who is truly cruel also kills; someone who is masochistically cruel, like this Mr. von Uexküll, merely dabbles in killing, taunting here and there. This is, in fact, the very nature of today’s science; it’s just that people don’t notice it because they are reluctant to engage with it. They do not want to break through the barrier that separates them from their surroundings. Consequently, they are utterly unable to rise to the concepts they truly need so that humanity might once again learn to understand its environment.
[ 17 ] Wir wissen aus der Geisteswissenschaft, daß aus den geistigen Welten das Wesentliche, das Zentrale des Menschen herunterkommt, sich mit dem verbindet, was als fleischliche, materielle Hülle den Menschen zwischen Geburt und Tod oder zwischen Empfängnis und Tod umgibt. Heute untersucht man die Probleme der Empfängnis, der Geburt, der embryonalen Entwickelung, aber man kann sie ja nicht untersuchen, weil man nur das in das Lebendige eingebettete Tote studiert. Damit wird man niemals zum Begreifen desjenigen kommen, was einem die Menschheit einzig und allein verständlich macht: Wenn der Mensch aus der geistigen Welt herunterkommt, so wird er empfangen von Vater und Mutter, und geht dann durch die ganze embryonale Entwickelung durch. Heute lebt die Wissenschaft in der Anmaßung, Vater und Mutter gäben dem Kinde das Dasein. Und da Vater und Mutter Mittelpunkt der Familie sind und die Familie die Grundlage der sozialen Gemeinschaft, so betrachten auch die sozialen Gemeinschaften, welche die erweiterte Familie sind, den Menschen als ihr Eigentum. Da kommt man auf sehr bittere Begriffe in der Gegenwart. — Aber so ist es nicht.
[ 17 ] We know from spiritual science that the essential, the core of the human being descends from the spiritual worlds and unites with what surrounds the human being as a physical, material shell between birth and death or between conception and death. Today, people investigate the problems of conception, birth, and embryonic development, but they cannot truly investigate them, because they study only the dead matter embedded within the living. In this way, they will never come to understand the one thing that makes humanity comprehensible: When a human being descends from the spiritual world, they are conceived by a father and a mother, and then undergo the entire process of embryonic development. Today, science lives under the presumption that the father and mother give the child its existence. And since the father and mother are the center of the family, and the family is the foundation of social community, social communities—which are the extended family—also regard the human being as their property. This leads to very bitter concepts in the present day. — But that is not how it is.
[ 18 ] Was gibt denn der Empfängnisakt dem Menschen? Was hat der Mensch vom Empfängnisakt? Was der Mensch empfängt — wie die Geisteswissenschaft zeigen kann —, ist die Möglichkeit, ein sterbliches Wesen zu sein; die Möglichkeit zu sterben erhält er durch den Empfängnisakt. Nehmen Sie das, was in meinen verschiedenen Büchern beschrieben ist: Sie werden erkennen, daß das, was ich jetzt sage, die notwendige Tatsachenfolge ist. Schon indem der Mensch empfangen wird, wird ihm das eingegliedert, was hier auf der Erde sein Sterben möglich macht. Das ganze Leben zwischen Geburt und Tod ist eine Entwickelung zum Tode hin, und eingeimpft wird der Tod in das Empfangene. Was der Mensch als Mensch, als Lebewesen ist, das wird nicht bei der Empfängnis irgendwie erzeugt, sondern einzig und allein wird diesem sonst Unsterblichen das eingeimpft, was die Möglichkeit zu sterben enthält. Eltern können dem Kinde nur den Tod geben — so würde es extrem ausgedrückt heißen —, nur die Möglichkeit, hier auf der Erde einen sterblichen Leib zu tragen. Was an diesem Leibe lebt, das muß durch das kommen, was aus der geistigen Welt herunterkommt. Daß dieser ganze Organismus, der ganze Mechanismus, mit dem der Mensch umkleidet wird und den er mit dem Keim des Todes durch das Empfangenwerden erhält, überhaupt lebensfähig ist, das geschieht durch das, was aus der geistigen Welt herunterkommt. Man muß lernen, den Menschen wieder in seiner konkretesten Erscheinungsform an die geistige Weltenentwickelung anzuschließen. Dazu wird man lernen müssen, nicht in jener feigen Erkenntnisfurcht vor den höchsten Problemen zu stehen, in der heute die gegenwärtige Wissenschaft vor ihnen steht, sondern diese höchsten Probleme wirklich anzufassen. Wenn man vor ihnen zurückschreckt, dann kann man auch nicht das, was in der unmittelbaren Umgebung lebt, verstehen.
[ 18 ] What, then, does the act of conception give to the human being? What does the human being gain from the act of conception? What the human being receives—as spiritual science can show—is the possibility of being a mortal being; through the act of conception, the human being receives the possibility of dying. Consider what is described in my various books: you will recognize that what I am saying now is the necessary sequence of events. The very moment a human being is conceived, that which makes his or her death possible here on Earth is incorporated into him or her. The entire life between birth and death is a development toward death, and death is instilled into what is received. What a human being is as a human, as a living being, is not in any way created at conception; rather, what is instilled into this otherwise immortal being is solely that which contains the possibility of dying. Parents can give the child only death—to put it in extreme terms—only the possibility of bearing a mortal body here on Earth. Whatever lives in this body must come through what descends from the spiritual world. The fact that this entire organism, this entire mechanism with which the human being is clothed and which he receives along with the seed of death through conception, is viable at all is due to what descends from the spiritual world. We must learn to reconnect human beings, in their most concrete form, to the development of the spiritual world. To do this, we will have to learn not to stand in that cowardly fear of knowledge in the face of the highest problems—as contemporary science does today—but to truly grapple with these highest problems. If we shrink back from them, then we cannot understand even what lives in our immediate surroundings.
[ 19 ] In der unmittelbaren Umgebung — man kann schon so sagen leben heute die verschiedensten Völker. Denken Sie sich nur, welche unwahren Begriffe zum Beispiel Woodrow Wilson aus dem Völkerbegriff, aus dem Volksbegriff gemacht hat. Davon haben wir öfters gesprochen. Man muß sich darüber klar sein, daß man diesen Volksbegriff nicht verstehen kann, wenn man nicht auf die ganze Erdenevolution eingehen kann. Woher kommt denn die Gliederung der Menschheit in Völker?
[ 19 ] In the immediate vicinity—one might even say—a wide variety of peoples live today. Just think of the false concepts that Woodrow Wilson, for example, derived from the concept of “peoples” and the concept of “nation.” We have spoken about this often. One must be clear that one cannot understand this concept of “nation” without taking into account the entire evolution of the Earth. Where, then, does the division of humanity into nations come from?
[ 20 ] Wir wissen aus der Geisteswissenschaft: Die Evolution ist so vor sich gegangen, daß wir erst die Saturnverkörperung der Erde hatten, daran schloß sich die Sonnenverkörperung, es folgte die Mondenverkörperung und dann der jetzige Erdenzustand; dann wird eine Jupiterverkörperung kommen und so weiter. Das ist aber nicht so glatt vor sich gegangen, daß sich einfach ein alter Saturnkörper in einen Sonnen-, Monden- und Erdenkörper verwandelt hat, sondern es hat einmal eine Abtrennung der Sonne von der Erde, dann eine Abtrennung des Mondes von der Erde stattgefunden, so daß wir eine fortlaufende Entwickelung haben und etwas, was sich abgetrennt hat, wieder vereinigt hat, wieder getrennt hat. Gerade das, was ich vorhin die kosmische Entwickelung nannte, das Abtrennen, spielte in das alte Hellsehen hinein. Und es blieb in diesem Hellsehen ganz unbewußt, blieb «chthonisch», wie man es im alten Hellsehen nennt, in der fortgehenden Erdenentwickelung das, was der Menschenkeim der Zukunft ist. Denn was aus dem Universum kommt, war ja zum Absterben bestimmt, es wurde nur dadurch erhalten, daß es von der luziferischen Kraft ergriffen wurde. So haben sich die verschiedenen Differenzierungen in Nationen, in Völker gebildet: vom Kosmos herein; aber imprägniert sind die kosmischen Kräfte mit luziferischen Kräften. Diesen verschieden differenzierten Völkern steht gegenüber, was ja auch noch in einer besseren Zeit, als die heutige ist, begriffen worden ist: das Allgemein-Menschliche. Dieses hat einen ganz andern Ursprung. Es ist das, wovon man reden kann in abstracto, wovon man aber in Wirklichkeit nur redet, wenn man das wirklich erfaßt, was als Zukunftskeim im Menschen ist. In diesem ist nichts von Nation, nichts von Volk; denn es ist das, was nicht vom Kosmos herabkam, sondern das, wozu der Christus hingegangen ist, und womit er sich verbunden hat. Der Christus hat sich nicht mit irgendeinem Nationalen verbunden, wie noch die Jehovagottheit, sondern er hat sich mit dem Allgemein-Menschlichen verbunden. Er war in der Gemeinschaft derjenigen Götter, aus denen die Nationen geworden sind, aber er verließ dieses Gebiet, als es reif zum Untergange war, kam auf die Erde und nahm Platz im Allgemein-Menschlichen. Es ist in bezug auf den Christus Jesus die größte Gotteslästerung, ihn für etwas anderes zu gebrauchen als für das Allgemein-Menschliche, wo man sagt: «Nicht ich, sondern der Christus in mir.»
[ 20 ] We know from spiritual science that evolution proceeded in such a way that we first had the Saturn incarnation of the Earth, followed by the Sun incarnation, then the Moon incarnation, and finally the present Earth state; next will come a Jupiter incarnation, and so on. However, this did not proceed so smoothly that an old Saturn body simply transformed into a solar, lunar, and terrestrial body; rather, there was first a separation of the Sun from the Earth, then a separation of the Moon from the Earth, so that we have a continuous evolution in which what has separated has reunited and separated again. Precisely what I referred to earlier as cosmic evolution—this process of separation—played a role in ancient clairvoyance. And in this clairvoyance, what is the human seed of the future remained entirely unconscious, remained “chthonic,” as it is called in ancient clairvoyance, within the ongoing evolution of the Earth. For what comes from the universe was, after all, destined to perish; it was preserved only because it was seized by the Luciferic force. Thus the various differentiations into nations and peoples were formed: coming from the cosmos; but the cosmic forces are imbued with Luciferic forces. Opposed to these variously differentiated peoples is what was also understood in a better time than the present: the universal human. This has an entirely different origin. It is that of which one can speak in the abstract, but of which one speaks in reality only when one truly grasps what lies within the human being as a seed of the future. In this there is nothing of nation, nothing of people; for it is that which did not come down from the cosmos, but rather that to which Christ went and with which he united himself. Christ did not unite Himself with any national entity, as the Jehovah deity still does, but He united Himself with the universal human. He was in the community of those gods from whom the nations arose, but He left that realm when it was ripe for decline, came to Earth, and took His place within the universal human. With regard to Christ Jesus, the greatest blasphemy is to use him for anything other than the universal human, where one says: “Not I, but Christ in me.”
[ 21 ] Dieses zu durchschauen, gehört gewissermaßen zu den wichtigsten Vorstellungen der Zukunft. Zu den wichtigsten Vorstellungen der Zukunft gehört es, das Verhältnis des Christus Jesus zur Menschheit zu durchschauen, zu durchschauen auch, was alles bloß Völkisches außerhalb des ganzen Gebietes des Christus Jesus ist, weil es alter Rest desjenigen ist, was eigentlich zur Zeit des Mysteriums von Golgatha zum Untergange reif war. Aber alle Dinge bleiben noch über den Zeitpunkt, wo sie zum Untergange reif sind, wie verdorrte Früchte in der Welt vorhanden. So konnte von dem, was eigentlich zum Untergange reif war, nichts anderes bleiben als jene Wissenschaft, die in ihrer Erkenntnis nur das Untergehende verwalten will, die sich, wie die gegenwärtige Natur- oder Sozialwissenschaft, nur mit Ideen beschäftigt, die das Untergehende verwalten können: entweder das in der Natur Untergehende, Sterbende, oder das in Kultur Vergehende, Sterbende, wie ich gezeigt habe.
[ 21 ] Understanding this is, in a sense, one of the most important concepts of the future. One of the most important insights into the future is to understand the relationship of Christ Jesus to humanity, and also to understand that everything merely “ethnic” lies outside the entire realm of Christ Jesus, because it is an old remnant of that which was actually ripe for destruction at the time of the Mystery of Golgotha. But all things remain in the world, even after the point at which they are ripe for decline, like withered fruit. Thus, of what was actually ripe for decline, nothing could remain but that science which, in its knowledge, seeks only to manage what is in decline; a science which, like contemporary natural or social science, deals only with ideas capable of managing what is in decline: either that which is in decline or dying in nature, or that which is passing away or dying in culture, as I have shown.
[ 22 ] Man kann in unserer Kulturgeschichte manchmal geradezu hart. aneinanderstoßen sehen dieses Untergehende, das in toten, abstrakten Ideen leben will und sich von ihnen vormacht, daß sie irgend etwas Bedeutsames wären, und das den Menschenkeim, der allein zukunftsträchtig ist, Ergreifenwollende. Ich habe öfter auf jenes bedeutsame Gespräch aufmerksam gemacht, welches Goeihe mit Schiller geführt hat, als beide einmal in einer Versammlung der Naturforschenden Gesellschaft in Jena waren, da der Botaniker Batsch über die Pflanzen vorgetragen hat, wo dann Schiller beim Weggange zu Goethe sagte: Die botanische Anschauung ist doch etwas, was alles zerstückelt, das Verbindende austreibt. — Goethe zeichnete darauf seine Pflanzenmetamorphose mit einigen charakteristischen Strichen vor Schiller hin. Da sagte dieser: Das ist aber keine Erfahrung, das ist eine Idee. — Schiller konnte sich nicht aufschwingen zu der Anschauung von dem zukunftsträchtigen Menschen, daß dieser dann auch wieder finden könne das Zukunftsträchtige draußen in der Welt, nämlich das Übersinnliche. Daher erwiderte er Goethe: Das ist keine Erfahrung, keine Beobachtung, das ist eine Idee. — Goethe sagte darauf: Dann sehe ich meine Ideen mit Augen. — Für ihn war das, was er aufzeichnete, etwas, was er auch schaute, was ihm gerade so wirklich war, wie etwas mit ‚den physischen Sinnen Angeschautes. Da stand derjenige, der, wie Schiller, nicht zu dem Übersinnlichen hinaufschauen konnte, sondern dem nur die tote abstrakte Idee vorschwebte, dem Goethe gegenüber, der aus dem in der Natur Erkannten das herausholen wollte, was das Zukunftsträchtige, das Unvergängliche im Menschen ist, demgegenüber alles Vergängliche nur ein Gleichnis ist, das er verbinden wollte mit dem Unvergänglichen, und der deshalb nicht verstanden wurde, weil er auf etwas Übersinnliches, Unvergängliches, wie auf etwas Sinnliches hinschaute, Deshalb muß das notwendige Erfordernis für unsere Zeit der weiter ausgebildete, in seinem Gebiete weitergebildete Goetheanismus sein. Und erst dann wird es hell werden, wenn man einsehen wird, daß so etwas wie die einzelnen Konfessionen, auch die mosaische, besonders die katholische, nur die Fortsetzungen sind des Alten, nicht mehr Seinsollenden, und so in die Entwickelung hereinragen wie etwas Abdorrendes, daher sich nur durch äußere Macht Festsetzendes, und wie neben diesem Alten, Hereinragenden sich dasjenige aufpflanzt, was von vornherein nur das Vergängliche mitnehmen will für die Zukunft. Was so sich ausspricht, daß es nur mitnehmen will das Vergängliche, das ist der Amerikanismus. Darauf beruht ja die Verwandtschaft zwischen Amerikanismus und Jesuitismus, von der ich das letzte Mal gesprochen habe.
[ 22 ] In our cultural history, one can sometimes see this dying force—which seeks to live on in dead, abstract ideas and deludes itself into believing that they are somehow significant—clashing quite fiercely with the human seed, which alone holds the promise of the future and seeks to take root. I have often drawn attention to that significant conversation Goethe had with Schiller when the two were once at a meeting of the Natural History Society in Jena, where the botanist Batsch was giving a lecture on plants, and Schiller, upon leaving, said to Goethe: “The botanical perspective is, after all, something that fragments everything and drives out what unites.” — Goethe then sketched his “plant metamorphosis” for Schiller with a few characteristic strokes. Schiller replied, “But that is not experience; that is an idea.” — Schiller could not rise to the perspective of the forward-looking human being, who is then able to rediscover what holds promise for the future out there in the world—namely, the supersensible. Therefore, he replied to Goethe: “That is no experience, no observation; that is an idea.” — Goethe then said: “Then I see my ideas with my eyes.” — For him, what he sketched was something he also saw, something that was just as real to him as something perceived with “the physical senses.” There stood the one who, like Schiller, could not look up toward the supersensible, but had only the dead, abstract idea in mind, facing Goethe, who sought to draw out from what was recognized in nature that which is the promise of the future, the imperishable in humanity—in contrast to which all that is transitory is merely a parable that he wished to connect with the imperishable, and who was therefore not understood because he looked upon the supernatural and the imperishable just as he looked upon the sensible. Therefore, the necessary requirement for our time must be a more fully developed Goetheanism, one that has been further refined within its own field. And only then will it become clear, when people come to realize that such things as the individual denominations—including the Mosaic faith, and especially the Catholic Church—are merely continuations of the old, which should no longer exist, and thus intrude upon development like something withering, something that is established only through external force; and just as alongside this old, that which seeks from the outset to carry only the transitory into the future takes root. What expresses itself in this way—that it seeks only to carry the transitory—is Americanism. This is the basis of the kinship between Americanism and Jesuitism, of which I spoke last time.
[ 23 ] Allen diesen Dingen steht gegenüber der Goetheanismus. Ich meine damit auch wieder nicht etwas dogmatisch Festzusetzendes, sondern Namen muß man gebrauchen für etwas, das weit über den Namen hinausgeht. Ich verstehe unter Goetheanismus nicht das, was Goethe bis zum Jahre 1832 gedacht hat, wohl aber etwas, was vielleicht erst im nächsten Jahrtausend im Sinne Goethes gedacht werden kann, was aus der Goetheschen Anschauung, aus dem Goetheschen Vorstellen und Empfinden werden kann. Darauf ist es zurückzuführen, daß gerade in dem, was mit dem Goetheanismus in irgendeinem Zusammenhange steht, alles Abdorrende seinen eigentlichen Feind sieht. Auf diesem Gebiete erlebt man ja, ich möchte sagen, die stärksten Kulturparadoxien. Es ist doch wahrlich eine Art Kulturparadoxon, daß das geistreichste Buch über Goethe — trotz allem, was dagegen spricht ein Jesuit geschrieben hat: Pater Baumgartner. Es ist ein Buch, welches Goethe in Grund und Boden bohrt. Es ist ja gerade das Charakteristische, daß alles, was irgendwie jesuitisch ist, gegnerisch in bezug auf Goethe ist. Aber dies ist ein geistvolles, tiefgründiges Buch, nicht in bloßen Apercus geschrieben, es ist doch Goethe getroffen. — Während in dem Buche des bedeutenden englischen Gentleman ZLewes ein Spießbürger des 18. Jahrhunderts beschrieben wird, der 1749 in Frankfurt am Main geboren ist, nach Leipzig als Student ging, dann nach Weimar berufen wurde und nach Italien reiste, der Johann Wolfgang Goethe genannt wurde und fälschlicherweise bewundert wird. Damit schreibt man ja kein Buch, daß man «Johann Wolfgang Goethe » darauf schreibt und im übrigen einen Spießbürger des 18. Jahrhunderts beschreibt. Ein Kulturparadoxon liegt mit dem Jesuitenbuche über Goethe aus dem Grunde vor, weil man daraus wieder sieht, wie die Kräftegegensätze in der neueren Zeit gehen, wo wirklich die wahren Kräftegegensätze sind.
[ 23 ] Goetheanism stands in contrast to all these things. By this, I do not mean something that can be dogmatically defined, but one must use names for something that goes far beyond the name itself. By “Goetheanism,” I do not mean what Goethe thought up until the year 1832, but rather something that may only be conceived in the spirit of Goethe in the next millennium—something that can emerge from Goethe’s worldview, from his imagination and sensibility. This explains why, precisely in everything connected in any way with Goetheanism, all that is stagnant sees its true enemy. In this realm, one experiences, I would say, the most profound cultural paradoxes. It is truly a kind of cultural paradox that the most spirited book about Goethe—despite everything that speaks against it—was written by a Jesuit: Father Baumgartner. It is a book that tears Goethe to shreds. It is, after all, precisely characteristic that everything that is in any way Jesuitical is opposed to Goethe. But this is a witty, profound book, not written in mere aphorisms; it does, after all, capture Goethe. — Whereas the book by the distinguished English gentleman Z. Lewes describes an 18th-century philistine who was born in Frankfurt am Main in 1749, went to Leipzig as a student, was then appointed to Weimar, and traveled to Italy—a man named Johann Wolfgang Goethe who is mistakenly admired. One does not write a book simply by putting “Johann Wolfgang Goethe” on the cover while, for the rest, describing an 18th-century philistine. A cultural paradox lies at the heart of the Jesuit book on Goethe, because it once again reveals how the conflicts of power play out in modern times—where the true conflicts of power actually lie.
[ 24 ] Im Kleineren zeigt sich das auch bei uns. Solange wir als eine « verborgene Sekte» gelten konnten, wurde Anthroposophie wenig angegriffen. Jetzt, wo sie sich etwas verbreitet, sieht man schon die wütendsten Angriffe, zum Beispiel gerade auf jesuitischer Seite, und die Hefte der Zeitschrift «Stimmen aus Maria Laach», jetzt «Stimmen der Zeit», begnügen sich gar nicht mehr mit einem Aufsatz, sie schreiben gleich ganze Hefte über das, was von mir « Anthroposophie» genannt wird. Daher muß ich immer wieder und wieder mahnen, daran zu denken, wenn von dieser Seite Angriffe kommen, nicht zu glauben, daß es vom Gesichtspunkte jener Leute zu unserem Besten wäre, wenn gesagt würde: Wir reden doch von dem Christus, wir fördern das Christus-Verständnis und so weiter. Das verbieten ja gerade diese Leute! Das ist gerade das, was man nicht tun darf. Man darf nicht irgend etwas über den Christus behaupten, wenn es nicht zum Lehrgut der Kirche gehört. Daher sei man in unseren Kreisen nicht mehr so naiv zu glauben, dadurch, daß man ein guter Christ sei, könne man den Katholizismus versöhnen. Gerade dadurch, daß man ein guter Christ ist, daß man alles tut, um das Christentum zu fördern, macht man sich den Katholizismus zum allergrößten Feind, wie es überhaupt notwendig und immer notwendiger sein wird, darauf zu achten, daß die Naivität mit Bezug auf solche Dinge, die um uns herum leben, aus unserem Kreise verschwinde. In unseren Kreisen muß immer mehr und mehr Platz greifen, daß man sehen will, was eigentlich an Kräften, an untergehenden und an aufgehenden Kräften in unserer Umgebung lebt. Wir müssen hinauskommen über diese vielfach bei uns zu findende Sehnsucht, bloß nach ein bißchen imaginativer Welt hinzustreben. Ich habe das oft gesagt, daß wir hinaus müssen über dieses Streben nach ein bißchen imaginativer Welt. Wir müssen überall unsere Geisteswissenschaft angliedern können an die Kulturbegriffe der Gegenwart und müssen zu scharfen Beobachtern dessen werden, was in der Gegenwart lebt, denn nur vom Standpunkte dieser Geisteswissenschaft aus läßt sich diese Gegenwart wirklich beobachten. Wie viele kommen zu mir und sagen: Ich habe dieses und jenes gesehen. Nun ja, das haben sie auch gesehen. Imaginationen liegen von der menschlichen Entwickelung nicht so weit ab. War das der Hüter der Schwelle? — fragt dann mancher. Aber so einfach Ja und Nein sind die Antworten auf solche Sachen nicht, denn die Antworten schließen die ganze menschliche Entwickelung ein. Aber die Antworten sind gegeben. Ich korrigiere jetzt meine «Geheimwissenschaft», die in neuer Auflage erscheinen soll. Ich sehe, daß darinnen eigentlich alles steht, um sich solche Fragen zu beantworten. Alle Vorsichten, alle Beschränkungen, die man sich auferlegen soll, sind darin genau beschrieben. Gefühle, Empfindungen, die man entwickeln soll, sind dort beschrieben. Und deutlich ist darauf hingewiesen, nur muß man überall genau lesen. Hätte ich alles ganz ausführlich darstellen sollen, was in der Geheimwissenschaft enthalten ist, so hätte ich dreißig Bände schreiben müssen. Man muß etwas denken, wenn man dieses Buch liest, muß Konsequenzen ziehen; die kann man aber ziehen. Ich liebe es nicht, dicke Bücher zu schreiben, aber es geht klar hervor: Gewiß, wer nach der übersinnlichen Welt strebt, der strebt darnach, dem Hüter der Schwelle zu begegnen; aber diesem Hüter der Schwelle zu begegnen, ist nicht eine so einfache Sache, wie eine traumhafte Imagination zu haben. Es ist ja die bequemste Art, durch eine traumhafte Imagination in die übersinnliche Welt hineinzukommen. Die Begegnung mit dem Hüter der Schwelle ist eine Tragik, ein Lebenskampf in bezug auf alle Erkenntnisbegriffe, in bezug auf alle Erkenntnisgesetze und in bezug auf alle Zusammenhänge des Menschen mit der geistigen Welt, mit Ahriman und Luzifer. Diese Lebenskatastrophe muß sich ergeben, wenn man dem Hüter der Schwelle begegnen will. Drängt es sich bloß in traumhafter Imagination vor einen Menschen hin, so bedeutet das, daß jemand bequem daran vorbeischlüpfen will, um als Ersatz dafür — jetzt liebt man ja Ersatz — den Traum vom Hüter der Schwelle zu haben.
[ 24 ] On a smaller scale, this is evident here as well. As long as we could be regarded as a “hidden sect,” anthroposophy was rarely attacked. Now that it has spread somewhat, we are already seeing the most furious attacks—for example, particularly from the Jesuit side—and the issues of the journal Stimmen aus Maria Laach (now Stimmen der Zeit) no longer content themselves with a single article; they devote entire issues to what I call “anthroposophy.” Therefore, I must urge you again and again to remember, when attacks come from this side, not to believe that—from those people’s point of view—it would be for our own good if they were to say: “We are, after all, speaking of Christ; we are promoting an understanding of Christ,” and so on. These very people forbid that! That is precisely what one must not do. One must not make any claims about the Christ unless they are part of the Church’s doctrine. Therefore, let us no longer be so naive in our circles as to believe that simply by being a good Christian, one can reconcile Catholicism. Precisely by being a good Christian—by doing everything to promote Christianity—one makes Catholicism one’s greatest enemy; indeed, it is absolutely necessary—and will become ever more so—to ensure that naivety regarding the realities that surround us disappears from our circles. In our circles, there must be more and more room for the desire to see what forces—both those in decline and those on the rise—are actually at work in our surroundings. We must move beyond this longing, so often found among us, to strive merely for a little imaginative world. I have often said that we must move beyond this striving for a little imaginative world. We must be able to integrate our spiritual science everywhere into the cultural concepts of the present and become keen observers of what is alive in the present, for only from the standpoint of this spiritual science can the present truly be observed. How many come to me and say: “I have seen this and that.” Well, yes, they did see that. Imaginary visions are not so far removed from human development. “Was that the Keeper of the Threshold?” — some then ask. But the answers to such questions are not as simple as “yes” or “no,” for the answers encompass the entirety of human development. Yet the answers have been given. I am now revising my Occult Science, which is to be published in a new edition. I see that it actually contains everything needed to answer such questions. All the precautions and limitations one should impose on oneself are described in detail there. The feelings and sensations one should develop are described there. And it is clearly pointed out—one just has to read carefully throughout. If I had been to present in full detail everything contained in Occult Science, I would have had to write thirty volumes. One must think for oneself when reading this book; one must draw conclusions—but these conclusions can indeed be drawn. I do not like to write thick books, but it is clear: Certainly, whoever strives toward the supersensible world strives to encounter the Keeper of the Threshold; but encountering this Keeper of the Threshold is not as simple a matter as having a dreamlike imagination. After all, the easiest way to enter the supersensible world is through a dreamlike imagination. The encounter with the Keeper of the Threshold is a tragedy, a life-and-death struggle concerning all concepts of knowledge, all laws of knowledge, and all connections between human beings and the spiritual world—with Ahriman and Lucifer. This life catastrophe must occur if one wishes to encounter the Guardian of the Threshold. If he merely appears before a person in dreamlike imagination, it means that someone wants to slip past him conveniently in order to have—as a substitute—the dream of the Guardian of the Threshold.
[ 25 ] Über diese Dinge muß man gesund denken. Dann wird sich herausstellen, daß in diesem gesunden Denken die Grundlage liegt für die Heilung von allem Aberglauben und von alledem, dessen die frivolen Gegner die Geisteswissenschaft bezichtigen. Außerdem liegt in der Art zu denken, in diesem Sich-Aufschwingen zum Erleben des Geistigen alles, was man braucht an Keimen, um aus der jetzigen Weltenkatastrophe wirklich herauszukommen. Was da hinausführt, es muß erfaßt werden nicht auf der Erde, nicht im Sinnlichen allein, nicht in den Institutionen, die ja abwirtschaften und mit denen Raubbau getrieben wird in bezug auf das, was da ist. Es muß erfaßt werden, was nicht da ist! Mit glühendem Eifer müssen wir ergriffen werden für die Erfassung dessen, was noch nicht da ist. Aber was noch nicht da ist, kann nur nach dem Muster dessen erfaßt werden, was durch übersinnliche Erkenntnis erfaßt wird. Mit dem Zurückschauen in die Vergangenheit ist es nicht getan. Die Kautskys schauen am liebsten zurück auf die Vergangenheit und gründen auf Anthropologie die Menschheit. Da, wo der Mensch noch fast nicht geschaflen war, wollen sie die Zustände studieren, um die sozialen Verhältnisse der Gegenwart zu verstehen. Diese echten Söhne eines mißverstandenen Katholizismus, wie es zum Beispiel Kants%y ist, wollen es so haben. Aber man kann nicht in die Vergangenheit zurückschauen, denn da ist das, was bis in die jüngste Gegenwart reicht, durch atavistische Kräfte geschaffen worden, instinktiv. In der Zukunft wird nichts mehr instinktiv gemacht. Und wenn der Mensch nur das verwalten will, was aus seinen Instinktzeiten noch da ist, dann wird er niemals zu dem Zukunftsträchtigen, zu demjenigen kommen, was über diese Katastrophe hinausführt. Es hängt schon mit der richtigen Stellung zur geistigen Welt dasjenige zusammen, was einzig und allein tätiges, ernstes Verständnis der Gegenwatt ist.
[ 25 ] One must think clearly about these things. Then it will become clear that this clear thinking is the foundation for healing all superstition and everything of which the frivolous opponents accuse spiritual science. Moreover, this way of thinking—this soaring toward the experience of the spiritual—contains all the seeds one needs to truly emerge from the current global catastrophe. What leads out of it must be grasped not on Earth, not in the sensory realm alone, not in the institutions that are, after all, running themselves into the ground and through which what already exists is being overexploited. It must be grasped—that which is not yet there! We must be seized with burning zeal to grasp that which is not yet there. But that which is not yet there can only be grasped according to the pattern of that which is grasped through supersensible knowledge. Looking back into the past is not enough. The Kautskys prefer to look back at the past and base their understanding of humanity on anthropology. They want to study conditions from a time when humanity had barely come into being in order to understand the social conditions of the present. These true sons of a misunderstood Catholicism—such as Kant, for example—want it this way. But one cannot look back into the past, for what extends all the way to the very recent present was created by atavistic forces, instinctively. In the future, nothing will be done instinctively anymore. And if humanity seeks only to manage what remains from its instinctual era, it will never arrive at that which holds promise for the future—that which leads beyond this catastrophe. What constitutes, solely and exclusively, an active, serious understanding of the present is already connected to the correct attitude toward the spiritual world.
[ 26 ] Ich müßte viel sprechen, wenn ich, in diesem Tone fortfahrend, aus unseren Voraussetzungen heraus über mancherlei, was gegenwärtig naheliegt, zu Ihnen reden wollte. Allein, wenn Sie in den Wochen, in denen wir jetzt wieder nicht zusammen sein werden, sich so recht das vor die Seele führen, was in diesen Betrachtungen gesagt worden ist, und was gipfeln sollte in der Notwendigkeit der Erkenntnis einer Christus Jesus-Doppelgestalt, dann werden Sie diesen Sommer meditierend weit kommen im Begreifen des kosmischen Christus und des irdischen Jesus: daß der kosmische Christus aus geistigen Welten herunterstieg, weil diese Welten fortan dem menschlichen Anschauen verschlossen sein sollten, und weil der Mensch begreifen soll, was in ihm selbst als Zukunftskeim liegt. In diesem kosmischen Christus und in dem irdischen, in dem humanistischen Jesus und in ihrer Zusammengliederung liegt vieles von der Lösung des Weltenrätsels, wenigstens des Menschheitsrätsels. Im Menschen liegt der Keim für die Zukunft. Aber dieser Keim muß befruchtet werden durch den Christus Jesus. Wird er nicht befruchtet, so gestaltet er sich ahrimanisch, und die Erde kommt an ein wirres Ziel. Kurz, mit dem Christus Jesus-Geheimnis zusammenhängend finden Sie die Lösungen für viele, viele Fragen der Gegenwart. Sie müssen aber nur darnach trachten, die Lösungen so zu suchen, daß Sie sich nicht leichthin mit dem befriedigen, was man so oftmals für Theosophie oder Mystik oder dergleichen hält, mit einem «Vereinigen mit dem Geistigen», mit einem «vollen Aufgehen im All», sondern daß Sie die wirklichen Verhältnisse, wie sie uns umgeben, wirklich anschauen und zu durchdringen versuchen mit dem, was Ihnen aus der Geisteswissenschaft wird. Sie werden schon immer mehr und mehr dazu kommen, sich zu sagen nach Lösung vieler Fragen: Wahrhaftig, nicht Theoretisches, sondern sehr Praktisches sucht heute die Menschheit. — Sie wird sich in einer Sackgasse befinden, wird sich gestehen, daß sie nicht mehr weiter kann, wenn sie nicht mit dem Geiste weiter will. Alles, was nicht mit dem Geiste wandern will, wird sich als ein Verdorrendes erweisen.
[ 26 ] I would have much to say if, continuing in this vein, I were to speak to you—based on our premises—about various matters that are currently at hand. However, if during the weeks when we will once again be apart, you truly take to heart what has been said in these reflections—and what should culminate in the necessity of recognizing the dual nature of Christ Jesus—then this summer, through meditation, you will make great strides in understanding the cosmic Christ and the earthly Jesus: that the cosmic Christ descended from the spiritual worlds because these worlds were henceforth to be closed to human perception, and because human beings are to comprehend what lies within themselves as a seed of the future. In this cosmic Christ and in the earthly, in the humanistic Jesus and in their synthesis lies much of the solution to the riddle of the worlds, at least to the riddle of humanity. The seed for the future lies within the human being. But this seed must be fertilized by Christ Jesus. If it is not fertilized, it will take on an Ahrimanic form, and the Earth will head toward a chaotic destiny. In short, in connection with the mystery of Christ Jesus, you will find the solutions to many, many questions of the present. But you must strive to seek these solutions in such a way that you do not casually settle for what is so often regarded as theosophy or mysticism or the like—a “union with the spiritual,” or a “complete merging with the universe,” but rather that you truly observe the real circumstances surrounding us and strive to penetrate them with what you gain from spiritual science. You will increasingly find yourselves saying, after resolving many questions: “Truly, it is not theory but something very practical that humanity seeks today.” — It will find itself at a dead end, will admit to itself that it can go no further unless it is willing to move forward with the Spirit. Everything that refuses to journey with the Spirit will prove to be withering away.
[ 27 ] Es ist eine wichtige Frage für die Zukunft der Menschheit, ob man mit dem Geiste wandern will. Ich möchte dies heute ganz besonders in Ihr Herz senken, was Gefühl werden kann aus den Betrachtungen, die wir eben angestellt haben. Und es ist ja auch wahrscheinlich, daß wir heute zum letzten Male hier versammelt waren in diesem Raume, den wir durch Jahre hindurch für diese unsere Betrachtungen lieb gewonnen haben. Wir haben diesen Raum als einen der ersten nach unserem eigenen Geschmack eingerichtet, und man kann ja alles nur nach Maßgabe des Vorhandenen tun. Wir haben ihn eingerichtet, weil immer in uns auch die Idee waltet, daß unser geisteswissenschaftliches Streben nicht etwas bloß Theoretisches sein soll, sondern sich ausdrücken soll in alledem, worin wir uns als Menschen begegnen. Er wird uns nun genommen. Wir müssen einen andern suchen. Wir werden diesen andern selbstverständlich in der gegenwärtigen Zeit nicht so einrichten können wie diesen; wir werden uns mit dem andern begnügen müssen. Uns ist dieser Raum lieb geworden, weil wir nicht der Ansicht sein können, daß man von dem, was wir den Zusammenhang mit dem Geistigen nennen, überall in derselben Weise reden könne wie hier, wo wir so mancherlei versucht haben, was ja in Dornach im größeren versucht worden ist. Wir haben früher mancherlei zu probieren gehabt. Vielleicht sind noch einige anwesend, die mit dabei waren, als wir von unseren Dingen sprechen mußten in einem Lokal: Ich stand da, vor mir waren die Zuhörer, hinter mir haben der Wirt oder die Wirtin die Bierkrüge gefüllt. Ein andermal waren wir in einem stallähnlichen Raum, es war eigentlich ein anderer uns bestimmt, aber man gab uns nur diesen. In andern Städten habe ich auch schon in Lokalen vorgetragen, wo kein ganzer Fußboden war, und das mußte auch hingenommen werden. Aber es ist nicht eigentlich das, was aus dem ganzen Wesen unserer Sache heraus gewollt werden kann, und es würde uns jemand doch mißverstehen, wenn er sagen würde, daß man vom Geistigen in jedem Milieu in gleicher Weise liebevoll reden könnte. Der Geist ist dazu da, daß er eindringt in die Materie und sie überall durchsetzt. Das ist ja auch der Sinn in bezug auf das soziale und wissenschaftliche Leben, wie ich es heute angedeutet habe.
[ 27 ] Whether we choose to journey with the Spirit is a crucial question for the future of humanity. Today I would like to impress this particularly deeply upon your hearts—a feeling that can arise from the reflections we have just shared. And it is indeed likely that today was the last time we were gathered here in this room, which we have grown to love over the years for our reflections. We were among the first to furnish this room according to our own taste, and of course one can only do so much within the limits of what is available. We furnished it because we have always held the conviction that our spiritual scientific endeavors should not be merely theoretical, but should find expression in everything in which we encounter one another as human beings. It is now being taken from us. We must find another. Of course, we will not be able to furnish this other space in the present time in the same way as this one; we will have to make do with the other one. We have grown fond of this room because we cannot believe that one can speak of what we call the connection with the spiritual in the same way everywhere as here, where we have tried so many different things—things that have, of course, been tried on a larger scale in Dornach. We’ve had to try various things in the past. Perhaps there are still some here who were present when we had to speak about our subjects in a pub: I stood there, with the audience in front of me, while behind me the landlord or landlady filled the beer mugs. Another time we were in a stable-like room; another one had actually been set aside for us, but we were given only this one. In other cities, I have also given lectures in pubs where there wasn’t even a complete floor, and we had to put up with that as well. But that is not really what can be expected from the very nature of our cause, and someone would misunderstand us if they were to say that one could speak lovingly about spiritual matters in the same way in every setting. The spirit exists to penetrate matter and permeate it everywhere. That is also the meaning with regard to social and scientific life, as I have indicated today.
[ 28 ] Aus alledem heraus — Sie werden natürlich alle erfahren, wann Sie zum letzten Male hier sind — wird es uns gewiß außerordentlich schwer werden, nach einigen Wochen von diesem Raume zu scheiden, der mit Hilfe unserer anthroposophischen Freunde in liebevoller Weise damals eingerichtet worden ist. Aber auch solches Scheiden muß dennoch in unserem Sinne in richtiger Art als Symbolum genommen werden. Die Menschen werden von vielem scheiden müssen im Laufe der nächsten Jahrzehnte. Auch davon werden sie überrascht werden; es glauben die Menschen das nicht. Aber eines sollte in demjenigen feststehen, der wirklich den innersten Impuls der Geisteswissenschaft begriffen hat: Was auch wanken mag, das eine kann nicht wanken: was wir im Geiste ergriffen haben, und wozu wir uns entschlossen haben, es im Geiste auszuführen. Was wir aus dem Geiste heraus tun werden, gleichgültig, wie es ausschauen wird aus den chaotischen Erscheinungen heraus, es wird sich als das Richtige erweisen.
[ 28 ] Given all of this—and of course you will all come to realize when this is your last time here—it will certainly be extremely difficult for us to part from this space after a few weeks, a space that was lovingly furnished back then with the help of our anthroposophical friends. But even such a parting must nevertheless be taken in the right way, in our view, as a symbol. People will have to part with many things over the course of the coming decades. They will be surprised by this as well; people do not believe it. But one thing should be certain for those who have truly grasped the innermost impulse of spiritual science: Whatever may waver, this one thing cannot waver: what we have grasped in the spirit, and what we have resolved to carry out in the spirit. What we will do out of the spirit—no matter how it may appear amid the chaotic phenomena—will prove to be the right thing.
[ 29 ] So mag uns das Verlassen dieses Lokales ein Symbolum sein. Wir müssen in ein anderes hinein. Aber wir tragen das mit hinüber, wovon wir wissen, daß es nicht bloß unser tiefstes inneres Wesen ist, sondern das tiefste innere Wesen der Welt, worauf die Menschheit bauen muß, wenn sie richtig bauen will. Daß uns das, was wir uns durch Geisteswissenschaft erarbeiten, niemand nehmen kann, daß das auch der Menschheit niemand nehmen kann, sondern daß es die menschlichen Verhältnisse zur Gesundung führen muß, davon ist der Geisteswissenschafter überzeugt, das weiß er, daran hält er fest. Vielleicht wissen wir von vielem noch nicht zu sagen, wie wir es machen werden, aber wir werden es im Sinne der Geisteswissenschaft richtig machen. Davon können wir überzeugt sein, wenn wir uns durchdringen mit der Erkenntnis, was der Geisteswissenschaft gerade der Goetheanismus bedeutet, und wenn wir andererseits das nehmen, was neulich hier angeführt worden ist, daß die Welt gerade das, was mit der mitteleuropäischen Kultur vom 18. und vom Anfange des 19. Jahrhunderts zusammenhängt, verketzert und verlästert, und daß wir, wenn wir das alles uns vor die Seele führen, trotzdem auf dem Boden stehen können: Was auch geschehen mag, fruchtbar sein wird diese mitteleuropäische Kultur für die Menschenzukunft. Die Zukunft der Menschheit beruht schon darauf. Und förmlich, weil sie diese Menschheitszukunft nicht haben wollen, um sich vor ihr zu retten, deshalb verlästern sie die Gegner dieser mitteleuropäischen Kultur. Erfassen wir aber diese mitteleuropäische Kultur im Geiste, erkennen wir ihr Spirituelles, und wissen wir, daß wir darauf bauen können, dann können wir auch wissen: Und wenn alle Teufel ihr den Untergang geschworen hätten sie wird nicht untergehen! Aber nur das wird nicht untergehen, was mit dem rechten Geiste verbunden ist.
[ 29 ] So leaving this room may serve as a symbol for us. We must enter another one. But we carry with us that which we know is not merely our deepest inner being, but the deepest inner being of the world—upon which humanity must build if it is to build correctly. The spiritual scientist is convinced—he knows this, and he holds fast to it—that no one can take away from us what we have gained through spiritual science, that no one can take this away from humanity either, and that it must lead human relationships toward healing. Perhaps there are many things about which we do not yet know how we will proceed, but we will do them correctly in the spirit of spiritual science. We can be convinced of this if we imbue ourselves with the realization of what Goetheanism specifically means for spiritual science, and if, on the other hand, we take to heart what was recently mentioned here—that the world denounces and vilifies precisely that which is connected with Central European culture of the 18th and early 19th centuries, and that, when we bring all this to mind, we can nevertheless stand firm: Whatever may happen, this Central European culture will bear fruit for the future of humanity. The future of humanity already rests upon it. And precisely because they do not want this future for humanity—in order to save themselves from it—the opponents of this Central European culture slander it. But if we grasp this Central European culture in spirit, recognize its spiritual essence, and know that we can build upon it, then we can also know this: Even if all the devils had sworn to bring about its downfall, it will not perish! But only that which is connected to the true spirit will not perish.
