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Earth-Death and Universal-Life
Anthroposophical Life-Gifts
Essential Aspects of Consciousness for the Present and the Future
GA 181

30 July 1918, Berlin

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Essential Aspects of Consciousness for the Present and the Future, tr. SOL
  1. A Sound Outlook for To-day, tr. Unknown
  2. Erdensterben und Weltenleben

Bewußtseins-Notwendigkeiten für Gegenwart und Zukunft VI

Essential Aspects of Consciousness for the Present and the Future VI

[ 1 ] Ich werde heute einiges weiter skizzieren aus dem Zusammenhange heraus, den wir im Laufe der letzten Betrachtungen schon zu verstehen versucht haben. Die Gegenwart mit ihren verschiedensten Strömungen, geistigen, materiellen Strömungen zu verstehen, ist ja außerordentlich schwierig, und man sollte gar nicht glauben, daß man sie verstehen könnte, diese verworrene Gegenwart, ohne den Willen, dasjenige zu erkennen, was sich für diese Gegenwart im Grunde genommen lange, lange im Schoße der Geschichte vorbereitet hat. Wir wollen heute in dem Sinne, wie wir das aus unserer Geisteswissenschaft heraus versuchen können, zurückschauen auf den sogenannten vierten nachatlantischen Zeitraum.

[ 1 ] Today I will outline a few more points within the context that we have already been trying to understand in the course of our recent reflections. Understanding the present, with its diverse currents—both spiritual and material—is, of course, extraordinarily difficult, and one should not even imagine that one could understand this bewildering present without the will to recognize what has, in essence, been preparing for this present for a long, long time in the bosom of history. Today, in the way that we can attempt to do so from the perspective of our spiritual science, we want to look back at the so-called fourth post-Atlantean epoch.

[ 2 ] Sie wissen, wir müssen diesen Zeitraum beginnen lassen ungefähr mit dem Jahre 747 vor dem Mysterium von Golgatha, und er schließt für uns mit dem Beginn des 15. Jahrhunderts, etwa mit dem Jahre 1413. Wir blicken also auf diesen Zeitraum — die Zahlen sind natürlich so aufzunehmen, wie überhaupt in bezug auf diese Dinge die Zahlen —, weil wir in diesem Zeitraum gewisse zusammengehörige, miteinander verwandte Kräfte sehen, die sich von all den Kräften, die im vorhergehenden und im nachfolgenden Zeitraum herrschen, ganz wesentlich unterscheiden. Dieser Zeitraum, den wir die Entwickelung der Verstandes- oder Gemütsseele in der Menschennatur nennen, kann uns wiederum in drei kleinere Epochen zerfallen: in einen Zeitraum, den wir etwa so begrenzen können, daß wir ihn beginnen lassen etwa 747 vor Christus — das ist ja auch die wahre Begründuneszahl von Rom und schließen etwa im Jahre 27 vor dem Mysterium von Golgatha. Der zweite kleinere Zeitraum würde sich dann erstrecken von diesem Jahre 27 bis etwa zum Ende des 7. Jahrhunderts, bis zum Jahre 693 nach Begründung des Christentums; und der letzte, der dritte kleinere Zeitraum in diesem größeren, umschließt die Zeit von 693 bis etwa 1413. Seit jenem Zeitpunkte, seit etwa 1413, stehen wir dann in derjenigen Zeit drinnen, die unserer Seelenentwickelung die uns ja in ihrer Eigenart bis zu einem gewissen Grade schon bekannten Seelenkräfte gibt. So wie man den vierten nachatlantischen Zeitraum in bezug auf die Seelenentwickelung der Menschheit scharf abgrenzen kann von den drei vorhergehenden, dem urindischen, dem urpersischen und dem ägyptisch-chaldäischen, und wie man ihn wieder scharf abgrenzen kann von dem, was darauf schon gefolgt ist und noch kommen muß, so kann man auch wieder innerhalb dieses Zeitraumes schon charakteristische Momente hervorheben für die Entwickelung der Kulturmenschheit, insofern sie im Prozeß der Fortentwickelung der Menschheit innerhalb dieser kleineren angegebenen Zeiträume in Betracht kommen.

[ 2 ] As you know, we must let this period begin around the year 747 before the Mystery of Golgotha, and for us it ends with the beginning of the 15th century, around the year 1413. So we are looking at this period—the dates, of course, are to be taken as they are, as is always the case with such matters—because in this period we see certain related, interconnected forces that differ quite significantly from all the forces prevailing in the preceding and subsequent periods. This period, which we call the development of the intellectual or emotional soul in human nature, can in turn be divided into three smaller epochs: a period that we can roughly delimit as beginning around 747 B.C.—which is, after all, the true founding date of Rome—and ending around the year 27 B.C., prior to the Mystery of Golgotha. The second smaller period would then extend from the year 27 to approximately the end of the 7th century, up to the year 693 after the founding of Christianity; and the last, the third smaller period within this larger one, encompasses the time from 693 to approximately 1413. Since that point in time, since about 1413, we have been living in the era that endows our soul development with those soul forces that, in their distinctive nature, are already familiar to us to a certain degree. Just as one can clearly distinguish the fourth post-Atlantean epoch—in terms of humanity’s soul development—from the three preceding ones—the Proto-Indian, the Proto-Persian, and the Egyptian-Chaldean—and just as one can again clearly distinguish it from what has already followed it and what is yet to come, so, too, can one highlight characteristic moments within this period for the development of civilized humanity, insofar as they come into play in the process of humanity’s further development within these smaller, specified periods.

[ 3 ] Für den Zeitraum von 747 bis 27 vor dem Mysterium von Golgatha kommen ja selbstverständlich vorzugsweise jene Völker in Betracht, die um das Mittelmeer herum wohnen. Bei diesen Völkern sehen wir eine ganz bestimmte Seelenverfassung sich ausbilden. Die Geschichte sagt wenig über diese Seelenverfassung, weil die Geschichte in diesem Falle sich die Ideen, die Begriffe nicht verschaffen will, um auf das eigentlich Charakteristische dabei einzugehen. Will man diesen Zeitraum, den ich eben begrenzt habe, charakterisieren, so kann man sagen: Die Menschenseelen entwickeln sich in dieser Zeit aus inneren Gründen der menschheitlichen Entwickelung heraus so, daß sie sich gewissermaßen als Seelen von dem Zusammenhange mit der allgeistigen Welt lösen. Wenn wir ins Ägyptertum, ins Chaldäertum zurückgehen — das ist ja der Zeitraum der Empfindungsseele —, so finden wir da für das menschliche Bewußtsein ein ausgesprochenes Gefühl der Zusammengehörigkeit dieser Menschenseele mit dem Kosmos vor. Die Empfindungsseele in der Menschennatur verspürte damals, daß der Mensch ein Glied des ganzen Kosmos ist. Man kommt nicht mit der Charakteristik dessen zurecht, was man als ägyptische, als chaldäische, babylonische Entwickelung kennt, wenn man nicht berücksichtigt, daß damals der Mensch gewissermaßen mit der Empfindung, mit der sinnlichen Empfindung aus der Weltenbeobachtung etwas hereinnahm, was in ihm dieses Zusammengehörigkeitsgefühl mit dem geistigen Kosmos ausdrückte. So wie unsere Finger an der Hand sich gleichsam als eins mit uns selber fühlen, so fühlte sich noch der ägyptische, der chaldäische Mensch als ein Glied des geistigen Kosmos. Mit Bezug auf dieses kosmische Gefühl war im 8. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung eine Krisis, eine richtige Katastrophe über die Menschheit hereingekommen. Die Menschenseelen hatten ja ihr früheres Zusammengehörigkeitsgefühl mit dem Kosmos ihrem alten atavistischen, mehr traumhaften Hellsehen verdankt. Die Menschen nahmen in jenen alten Zeiten nicht so wahr, wie wir heute wahrnehmen. Sie nahmen — die profane, aber in diesem Sinne nichts wissende Wissenschaft nennt es « Animismus» —, indem sie mit den Sinnen wahrnahmen, zugleich das Geistige, das Göttliche wahr. Dadurch fühlten sie sich im Zusammenhange mit dem Geiste des Kosmos.

[ 3 ] For the period from 747 to 27 before the Mystery of Golgotha, it goes without saying that the peoples living around the Mediterranean are the ones primarily under consideration. Among these peoples, we see a very specific state of soul developing. History says little about this state of mind, because in this case history does not seek to develop the ideas and concepts necessary to address what is truly characteristic of this period. If one wishes to characterize this period, which I have just defined, one can say: During this time, human souls develop—for inner reasons related to human evolution—in such a way that, in a sense, they detach themselves as souls from their connection to the all-spiritual world. If we go back to Egyptian and Chaldean times—which is, after all, the period of the feeling soul—we find there, in human consciousness, a pronounced sense of the human soul’s oneness with the cosmos. The feeling soul within human nature sensed at that time that the human being is a part of the entire cosmos. One cannot properly understand the nature of what is known as Egyptian, Chaldean, or Babylonian development unless one takes into account that, at that time, human beings, through their sensory perception of the world, took in something that expressed within them this sense of belonging to the spiritual cosmos. Just as the fingers on our hand feel, as it were, as one with ourselves, so too did the Egyptian and Chaldean people still feel themselves to be a part of the spiritual cosmos. With regard to this cosmic feeling, a crisis—a veritable catastrophe—had befallen humanity in the 8th century B.C. Human souls had, after all, owed their former sense of belonging to the cosmos to their ancient, atavistic, more dreamlike clairvoyance. In those ancient times, people did not perceive the world as we do today. They perceived—what secular science, which knows nothing in this regard, calls “animism”—the spiritual and the divine at the same time as they perceived with their senses. Through this, they felt connected to the spirit of the cosmos.

[ 4 ] Dieser Zusammenhang schwand. Auf der einen Seite hatte dieses Schwinden viele Dekadenzerscheinungen zur Folge, auf der andern Seite hatte es aber auch die ganze wunderbare griechische Kultur zur Folge. Denn diese griechische Kultur, die vorzugsweise auf das begründet war, was der Mensch als Mensch, als isoliert im Weltenall dastehender Mensch erlebt, diese griechische Kultur ist dem Umstande zu verdanken, daß der Mensch sich nicht mehr als ein Glied des Kosmos fühlte, sondern als eine menschliche Totalität, als etwas in sich Abgeschlossenes als Mensch. Er hatte sich gewissermaßen herausgestellt im Kosmos, er hatte 'ein Totalleben in sich selbst begonnen. Wenn über das griechische Geistesleben dieselbe Seelenverfassung ausgegossen wäre, die aus alten Zeiten, zum Beispiel im Indertum, zurückgeblieben war, und die noch eine gewisse Zusammengehörigkeit mit dem Kosmischen hatte, so könnten Sie sich nicht denken, daß unter diesem Zusammengehörigkeitsgefühl mit dem Kosmos die schöne griechische Kultur hätte entstehen können. Alles, was in der griechischen Kultur als Glanz und Glorie zum Vorschein gekommen ist, was auf andern Gebieten in weniger erfreulicher Art sich herausgebildet hat, das alles hat sich herausgebildet in der Zeit vom 8. bis 1. vorchristlichen Jahrhundert. Die Menschheit hat sich in das Seelische, in das rein Menschliche zurückgezogen. In dieses Zeitalter hinein fiel dann die Hinbewegung der Menschheit zu dem Mysterium von Golgatha. Vergessen wir nicht, daß das Mysterium von Golgatha immer etwas haben muß, was gewissermaßen nicht ganz in das menschliche, auch nicht in das menschliche übersinnliche Verständnis aufgehen kann. Es wird immer ein ungelöster Rest bleiben. Was sich mit dem Eintritt des Christus in die Erdenentwickelung vollzogen hat, das kann, wie ich bei verschiedenen früheren Betrachtungen ausgeführt habe, nicht vollständig in menschliche Begriffe, auch nicht einmal in menschliche Gefühle und Empfindungen sich auflösen. Damit aber hängt es zusammen, daß dieses Mysterium von Golgatha sich gewissermaßen so entwickeln mußte, daß die Kulturmenschheit während dieses Ereignisses dazu vorbereitet war, dieses Mysterium von Golgatha nicht eigentlich so voll mitzuerleben, son‚dern es neben dem eigenen menschlichen Erleben für sich verfließen zu lassen. Denken Sie doch einmal, daß dieses neben dem eigentlichen menschlichen Erleben für sich Verfließenlassen historisch als ziemlich deutlich zutage tritt. Wieviel hat denn eigentlich die Kulturmenschheit um das Mittelmeer herum von dem berücksichtigt, was da in der entfernten Judenprovinz Palästina sich mit dem Christus Jesus abgespielt hat? Wie wenig ist das noch in das Bewußtsein der Kulturmenschheit eingeflossen, selbst für Tacitus, der ein Jahrhundert nach dem Mysterium von Golgatha geschrieben hat!

[ 4 ] This connection faded. On the one hand, this fading gave rise to many manifestations of decadence; on the other hand, however, it also gave rise to the entire marvelous Greek culture. For this Greek culture, which was based primarily on what human beings experience as human beings—as individuals standing alone in the universe—owes its existence to the fact that human beings no longer felt themselves to be a part of the cosmos, but rather as a human totality, as something self-contained in their humanity. In a sense, he had emerged from the cosmos; he had “begun a total life within himself.” If the same state of mind that had lingered from ancient times—for example, in Indian culture—and which still maintained a certain sense of belonging to the cosmic had permeated Greek intellectual life, you could not imagine that the beautiful Greek culture could have arisen out of this sense of belonging to the cosmos. Everything that emerged in Greek culture as splendor and glory—and which took shape in other areas in a less edifying manner—all of this developed during the period from the 8th to the 1st century B.C. Humanity had withdrawn into the spiritual realm, into what is purely human. It was during this era that humanity’s movement toward the Mystery of Golgotha began. Let us not forget that the Mystery of Golgotha must always contain something that, in a sense, cannot be fully comprehended by human understanding—nor even by human supersensible understanding. There will always remain an unresolved remnant. What took place with the entry of the Christ into the development of the Earth—as I have explained in various earlier reflections—cannot be fully dissolved into human concepts, nor even into human feelings and sensations. This, however, is connected to the fact that the Mystery of Golgotha had to unfold in such a way that, during this event, civilized humanity was prepared not to experience this Mystery of Golgotha in its fullness, but rather to let it pass by alongside their own human experience. Just consider how this letting it pass by alongside one’s own human experience emerges quite clearly in history. How much, after all, did civilized humanity around the Mediterranean actually take to heart what had taken place in the distant Jewish province of Palestine with the Christ Jesus? How little of this has actually found its way into the consciousness of civilized humanity—even for Tacitus, who wrote a century after the Mystery of Golgotha!

[ 5 ] Auf der einen Seite haben wir die Strömung der Kulturmenschheit und auf der andern Seite jene Strömung, innerhalb welcher das Mysterium von Golgatha spielt. Beide vollziehen sich gewissermaßen nebeneinander. Das konnte nur dadurch geschehen, daß, während sich das göttliche Ereignis vollzog, der Mensch, der Kulturmensch sich von dem Göttlichen abgeschnürt hatte, ein Leben lebte, das mit dem Geistigen keinen unmittelbaren Zusammenhang hatte. So geschah auf dem Erdenrund selbst ein geistiges Ereignis, das eigentlich neben der menschlichen Kultur einhergeht. Ein solches Verhältnis des Nebeneinanderlebens von äußerer Kultur und einem Mysterienereignis ist in allen früheren Kulturperioden der Menschheit ganz undenkbar. Niemals spielte sich dergleichen früher ab, weil die Menschheitskultur sich früher im Zusammenhang wußte mit dem, was göttlich-geistig vorgeht. Das ist sehr charakteristisch, sehr bedeutsam, daß eigentlich die profane Kultur, welche mit dem Mysterium von Golgatha parallel ablief, diesem Ereignisse fernstand, daß der Mensch sich abgeschnürt hatte.

[ 5 ] On the one hand, we have the current of cultural humanity, and on the other, the current within which the Mystery of Golgotha unfolds. Both unfold, so to speak, side by side. This could only happen because, while the divine event was taking place, human beings—civilized human beings—had cut themselves off from the divine and were living a life that had no direct connection to the spiritual. Thus, a spiritual event took place on Earth itself that actually runs parallel to human civilization. Such a coexistence of external culture and a mystery event is entirely unthinkable in all earlier cultural periods of humanity. Nothing of the sort ever took place before, because human culture used to be aware of its connection to what was happening in the divine-spiritual realm. It is very characteristic and very significant that secular culture, which unfolded in parallel with the Mystery of Golgotha, was actually distant from this event—that humanity had cut itself off.

[ 6 ] Und im zweiten Zeitraume, der also etwa 27 vor dem Mysterium von Golgatha beginnt und 693 nach ihm abschließt, ist eigentlich die ganze mitteleuropäische Kultur darauf angelegt, die profane Kultur in Wahrheit doch nicht an das Verständnis des Mysteriums von Golgatha herankommen zu lassen. Es könnte sehr sonderbar aussehen, was ich sage, wenn man doch bedenkt, daß das Christentum sich in diese europäische Profankultur eingelebt hat, daß es sich über die mitteleuropäische Kultur ausgebreitet hat. Aber die Ausbreitung ist in dem Sinne erfolgt, wie ich es schon neulich charakterisiert habe. Das Mysterium von Golgatha war einsam für sich. Gewiß, in äußerlich dogmatischer Weise nahm man in die profane Kultur allerlei herüber, was sich so ausdrückt: Der Christus war da, hat Apostel gehabt, hat dieses oder jenes für die Menschheit eingeholt, hat über die Beziehung des Menschen zum Göttlichen dieses und jenes gesagt. Man nahm in Form von äußeren Sätzen dies in die Profankultur recht sehr auf, aber neben diesem Aufnehmen in äußerlicher Weise war das andere doch durchaus geltend: daß eigentlich diese ganze Menschheit, welche gerade in diesen Jahrhunderten das Christentum aufnahm, sich von dem innerlichen Verständnis des Mysteriums von Golgatha gerade fernhielt. Mit Hilfe der Gnosis, mit Hilfe mancher Vorbereitung durch das, was aus dem alten Heidentum an Weisheitsschätzen überliefert war, hätte man sich gerade dem nähern können: Was ist da eigentlich mit dem Mysterium von Golgatha geschehen? Man hat es nicht getan. Man hat eigentlich alles für Ketzerei erklärt, was zum Verständnis des Mysteriums von Golgatha hätte führen können, und man versuchte mehr oder weniger in triviale Formeln hineinzugießen, was sich niemals in triviale Formeln hineingießen läßt, was in bezug auf das Mysterium von Golgatha nur mit den höchsten Inhalten des Weisheitsstrebens erfaßt werden kann.

[ 6 ] And in the second period—which thus begins approximately 27 years before the Mystery of Golgotha and ends 693 years after it—the entire Central European culture is, in fact, structured in such a way as to prevent secular culture from truly coming to terms with the Mystery of Golgotha. What I am saying might seem very strange, considering that Christianity has become established within this European secular culture and has spread throughout Central European culture. But this spread has taken place in the sense that I described recently. The Mystery of Golgotha stood alone. Certainly, in an outwardly dogmatic way, all sorts of things were incorporated into secular culture, expressed as follows: Christ was there, had apostles, accomplished this or that for humanity, and said this or that about the relationship between human beings and the divine. These ideas were indeed incorporated quite extensively into secular culture in the form of external statements, but alongside this external incorporation, the opposite was certainly true: that in fact, the whole of humanity—which embraced Christianity precisely during these centuries—kept itself deliberately distant from an inner understanding of the Mystery of Golgotha. With the help of Gnosis, and through certain preparations drawn from the treasures of wisdom handed down from ancient paganism, one could have approached the very question: What actually happened with the Mystery of Golgotha? This was not done. In fact, anything that might have led to an understanding of the Mystery of Golgotha was declared heresy, and people attempted, to a greater or lesser extent, to cast into trivial formulas that which can never be cast into trivial formulas—that which, with regard to the Mystery of Golgotha, can be grasped only through the highest contents of the quest for wisdom.

[ 7 ] So waren die Einrichtungen, die in den ersten Jahrhunderten der christlichen Entwickelung gepflogen wurden, eigentlich nicht dazu da, sich mit dem Mysterium von Golgatha zu verbinden, sondern in der Menschenseele etwas leben zu lassen, was dem wirklichen inneren verständnisvollen Zusammengehörigkeitsgefühl mit dem Mysterium von Golgatha eigentlich recht ferne blieb. Die Kirche war eher eine Einrichtung zum Nichtverstehen des Mysteriums von Golgatha als zum Verstehen. Wer verfolgt, was die verschiedenen Konzilien, was überhaupt die kirchlichen Machinationen in diesen Zeiten zu bewirken sich bestrebt haben, der findet, daß all das, was so angestrebt worden ist, dahin ging, gewisse dogmatische Vorstellungen ins menschliche Leben hereinzunehmen, aber über diejenigen Dinge, die mit dem Mysterium von Golgatha zusammenhängen, doch so zu denken, daß diese sich eigentlich unabhängig vom menschlichen Seelenleben vollziehen. Es tendiert alles nach einem gewissen Punkte hin, nach jenem Punkt, den man etwa, wenn man etwas radikal charakterisiert, in der folgenden Weise schildern könnte. Man kann sagen: Die Menschen suchten sich hier auf der Erde mit gewissen Vorstellungen über das Mysterium von Golgatha und seine Wirkungen einzurichten. Aber das Wichtigste war ihnen nicht, was sie wissen konnten, was sie in ihre Seele aufnahmen, sondern das Wichtigste war ihnen, daß sie die Voraussetzung haben können: Was wir Menschen auch begreifen, das Mysterium von Golgatha hat sich für sich selbst vollzogen, und der Christus sorgt schon dafür, daß wir selig werden! — Und die Tendenz ging dahin, die Realität der geistigen Ereignisse immer mehr und mehr in ein Jenseits des Seelischen abzuschieben, nicht die eigentlichen — wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf — geistig-heiligen Ereignisse im Zusammenhange mit dem zu denken, was sich in der Menschenbrust abspielt, sondern beide möglichst zu trennen. In dieser Tendenz lag ein selbstverständlich nicht ausgesprochenes, aber unbewußt wirkendes Ziel, ein Ziel, das dann beim achten Konzil in Konstantinopel im Jahre 869 erst recht herausgekommen ist. Das Ziel, es lag darinnen, den Menschengeist von seiner individuellen, seiner persönlichen Beschäftigung mit dem Geistigen, das man ja jetzt auf das Mysterium von Golgatha beschränken wollte, abzuhalten, also von der Hinneigung, von der individuellen und empfindungsgemäßen Hinneigung zum Verständnisse des Mysteriums von Golgatha. Unverstanden sollte es bleiben. Dadurch konnte sich die Kirche nach und nach dazu entwickeln, Menschen unter sich zu haben, die nur Profanverständnis haben, die immer mehr und mehr zu dem Glauben kommen: Über das Übersinnliche kann man überhaupt nicht nachdenken, denn das Übersinnliche entzieht sich den Kräften der eigenen Menschenseele. Das menschliche Nachdenken soll sich nur ‘ auf das beschränken, was hier in der physischen Welt lebt. — Aus den Menschenseelen heraus sollten sich keine Kräfte entwickeln, die für sich selbst geeignet sein könnten, Verständnis zu suchen für das Mysterium von Golgatha. In gewissen Beschlüssen gerade des achten Konzils von Konstantinopel liegt klar ausgesprochen, daß die Menschen Europas nicht nachdenken sollten — weil die menschlichen Seelenkräfte nicht heranreichen an das Gebiet —, nicht nachdenken sollten über das Gebiet, in welchem das Leben verflossen ist, dem das Mysterium von Golgatha angehört.

[ 7 ] Thus, the practices that were observed during the first centuries of Christian development were not actually intended to connect with the Mystery of Golgotha, but rather to foster within the human soul something that remained quite distant from a genuine, inner, and understanding sense of belonging to the Mystery of Golgotha. The Church was more of an institution designed to prevent understanding of the Mystery of Golgotha than to foster it. Anyone who traces what the various councils—and indeed the ecclesiastical machinations of those times—sought to achieve will find that all their efforts were directed toward incorporating certain dogmatic concepts into human life, while regarding the matters connected with the Mystery of Golgotha as taking place independently of the life of the human soul. Everything tends toward a certain point—that point which, if one were to characterize it rather radically, could be described as follows. One might say: People sought to come to terms with life here on earth by means of certain ideas about the Mystery of Golgotha and its effects. But what mattered most to them was not what they could know or what they took into their souls; rather, what mattered most to them was that they could have the assurance: Whatever we humans may comprehend, the Mystery of Golgotha has unfolded in and of itself, and Christ will see to it that we attain salvation! — And the tendency was to push the reality of spiritual events further and further into a realm beyond the soul, not to think of the actual—if I may use the expression—spiritual-sacred events in connection with what takes place within the human heart, but to separate the two as much as possible. This tendency contained a goal that was, of course, not explicitly stated but operated unconsciously—a goal that then came to the fore all the more clearly at the Eighth Council of Constantinople in the year 869. The goal was to prevent the human spirit from engaging individually and personally with the spiritual—which one now wished to limit to the Mystery of Golgotha—that is, from the inclination, the individual and emotionally driven inclination, toward an understanding of the Mystery of Golgotha. It was to remain misunderstood. In this way, the Church was able to gradually develop a congregation consisting of people who possessed only a profane understanding, people who increasingly came to believe: One cannot think about the supersensible at all, for the supersensible eludes the powers of the human soul itself. Human thought should be limited only to what lives here in the physical world. — No powers should develop within human souls that might be capable of seeking an understanding of the Mystery of Golgotha on their own. Certain decrees of the Eighth Council of Constantinople explicitly state that the people of Europe should not reflect—because the powers of the human soul do not extend to that realm—on the realm in which the life to which the Mystery of Golgotha belongs has passed.

[ 8 ] So vollzog sich gerade in diesem mittleren Zeitraum des vierten nachatlantischen Zeitabschnittes von etwa 27 vor dem Mysterium von Golgatha bis 693 nach demselben für die Menschheit das, daß man sagen kann: Diese Menschheit sollte zu dem Glauben bestimmt werden, daß alles menschliche Erkennen, alles menschliche Empfinden nur für das sinnenfällige Diesseits berechnet sei; das Nichtsinnenfällige, das Übersinnliche oder, wie man es nennen will, Jenseitige sollte dem menschlichen Empfinden und Erkennen, dem unmittelbaren erkenntnismäßigen Empfinden entzogen werden. Die ganze Geschichte dieser Jahrhunderte versteht man eigentlich nur, wenn man dieses eben Charakterisierte eigentlich ins Auge faßt. Alle Maßnahmen der katholischen Kirche in jenen Jahrhunderten waren darauf angelegt, den Menschen zu dem Glauben zu bringen: Dein seelisches Erkennen ist nur für das Diesseits berechnet; was das Übersinnliche betrifft, so mußt du es auf eine Weise an dich herankommen lassen, die nichts mit deinem Verständnis, mit deinem Eigenerkennen zu tun hat. — Das hat bewirkt, daß dann nach dem Ende dieses Zeitraumes, also im 8., 9. Jahrhundert, eine Art Verfinsterung der europäischen Menschheit eingetreten ist in bezug auf den Zusammenhang der Menschenseele mit dem Übersinnlichen. Und solche Erscheinungen, wie ich sie geschildert habe, unter denen eine solche wie später Bernhard von ClJairvaux typisch ist, die erklären sich gerade daraus, daß sie gewissermaßen jenseits bleiben von allem Physisch-Sinnlichen und demjenigen die Seele ganz hingeben, woran das natürliche menschliche Verständnis nicht heranreicht. Dieser Enthusiasmus für das, was doch jenseits alles menschlichen Verstehens liegt, muß hinzugedacht werden zu der ganzen Seelenverfassung eines Bernhard von Clairvaux, so wie man sie versteht. Man kann gerade in dieser Persönlichkeit manche Züge finden, die groß und gewaltig wirken, weil alles, was einen mehr oder weniger verzerrten Zug haben kann, auch einen schönen, einen großen, gloriosen Zug haben kann. Aber man wird bei Bernhard eben Züge finden, die in seinem Seelencharakter ganz deutlich anzeigen, daß er herausgeboren ist aus jener Seelenstimmung, die sich in der geschilderten Weise in den angegebenen Jahrhunderten innerhalb der abendländischen Kultur entwickelt hat. Man könnte außer Bernhard von Clairvaux manche andere Gestalt nennen, er ist nur eine typische Figur, so zum Beispiel, wenn er seinen Anhängern deren Kreis war ein großer — davon spricht, was alles mit dem von ihm beabsichtigten Kreuzzug der Menschheit beschert sein sollte. Dann kam das Mißlingen der ganzen Sache. Und wie spricht er, dieser gottinnige Mensch, gerade über dieses Mißlungene? Ungefähr so: Wenn alles, alles schlimm ausgeht, so möge das Urteil über den schlimmen Ausgang mich treffen, aber nicht das Göttliche, denn das muß immer recht haben. — Selbst da, wo sich der Mensch im Zusammenhange wissen konnte mit dem, was er als göttlich-geistige Kraft hinter den Erscheinungen denkt — das eine sondert er von den andern ab —, da sagt er: Die Sünde möge mich treffen; das Richtige ist etwas, was für sich verläuft, was gewissermaßen jenseits des Stromes verfließt, in welchen die Menschenseele eingespannt ist.

[ 8 ] Thus, precisely during this middle period of the fourth post-Atlantean epoch—from about 27 years before the Mystery of Golgotha to 693 years after it—the following took place for humanity, so that one can say: Humanity was to be led to believe that all human knowledge and all human perception were intended solely for the sensory world of this life; that which is not sensory—the supersensible, or, as one might call it, the otherworldly—was to be withdrawn from human perception and knowledge, from immediate cognitive experience. One can truly understand the entire history of these centuries only by taking this very characteristic into account. All the measures taken by the Catholic Church during those centuries were designed to lead people to believe: Your spiritual cognition is intended solely for this world; as for the supersensible, you must allow it to approach you in a way that has nothing to do with your understanding or your own cognition. — This led to a kind of spiritual eclipse among the European people after the end of this period—that is, in the 8th and 9th centuries—regarding the connection between the human soul and the supersensible. And phenomena such as those I have described—of which figures like Bernard of Clairvaux, who came later, are typical—can be explained precisely by the fact that they remain, so to speak, beyond all that is physical and sensory, and devote the soul entirely to that which lies beyond the reach of natural human understanding. This enthusiasm for that which lies beyond all human understanding must be taken into account when considering the entire spiritual disposition of Bernard of Clairvaux, as it is understood. One can find in this very personality certain traits that appear grand and powerful, because everything that may have a more or less distorted aspect can also possess a beautiful, grand, and glorious aspect. But in Bernard, one will find traits that quite clearly indicate in the character of his soul that he was born out of that spiritual disposition which developed in the manner described, during the specified centuries, within Western culture. One could name many other figures besides Bernard of Clairvaux; he is merely a typical example—for instance, when he speaks to his followers—whose circle was a large one—about all that his intended crusade was to bestow upon humanity. Then came the failure of the whole endeavor. And how does he, this God-fearing man, speak specifically about this failure? Something like this: If everything—everything—turns out badly, then let the judgment for the bad outcome fall upon me, but not upon the Divine, for the Divine must always be right. — Even where a person could know themselves to be connected to what they conceive as a divine-spiritual force behind appearances—setting that apart from the rest—even there they say: Let sin befall me; what is right is something that proceeds of its own accord, something that, so to speak, flows beyond the stream in which the human soul is bound.

[ 9 ] So war mit dem Beginne dieses dritten Zeitabschnittes des vierten nachatlantischen Kulturzeitraumes etwas wie eine Verfinsterung über die Menschheit gekommen. Die drückt sich am besten darin aus, daß man hinblickt, wie die Menschheit in ihren Begriffen keinen Zusammenhang mehr mit den realen geistigen Strömungen und Impulsen zu erkennen vermochte. Man lerne nur die Philosophie der Jahrhunderte zwischen dem 8. und 15. Jahrhundert kennen, wie sie überall darauf hinzielt, nachzuweisen, daß man mit den menschlichen Ideen und Begriffen auf keinen Fall das zu erfassen versuchen sollte, was in der geistigen Wirklichkeit vor sich geht, wie das — man hatte es glücklich auf eine Formel gebracht — der Offenbarung überlassen werden muß, wie das dem Lehramt der Kirche überlassen werden muß.

[ 9 ] Thus, with the beginning of this third phase of the fourth post-Atlantean cultural epoch, something like an eclipse had come over humanity. This is best expressed by observing how humanity, in its concepts, was no longer able to recognize any connection with the real spiritual currents and impulses. One need only study the philosophy of the centuries between the 8th and 15th centuries to see how it aims everywhere to demonstrate that one should under no circumstances attempt to grasp, through human ideas and concepts, what is taking place in spiritual reality—as this, as was aptly put into a formula — must be left to revelation, and to the magisterium of the Church.

[ 10 ] So hatte sich die Macht der Kirche herausgebildet. Diese Macht der Kirche ist nicht bloß aus theologischen Impulsen heraus entstanden, sondern sie hatte sich dadurch herausgebildet, daß die Menschen darauf verwiesen worden sind, ihre eigenen Erkenntniskräfte, ihre eigenen Seelenkräfte nur auf das physisch-sinnliche Leben zu beziehen und nicht an eine Erkenntnis des Übersinnlichen zu denken. Daraus entwickelte sich der spätere, in den ersten Jahrhunderten durchaus noch nicht vorhandene — man datiert ihn nur zurück — Glaubensbegriff. Dieser Glaubensbegriff besagt: Über das Geistig-Göttliche könne man nur einen Glauben haben — kein Wissen. Diese Trennung zwischen Glaubenswahrheit und Wissenswahrheit bildete sich tatsächlich aus gewissen geschichtlichen Hintergründen heraus, die bedeutsam sind, und die man in solchen Dingen suchen muß, wie wir sie angeführt haben.

[ 10 ] This is how the power of the Church had developed. This power of the Church did not arise merely from theological impulses; rather, it had developed because people had been directed to apply their own powers of cognition, their own spiritual faculties, solely to physical, sensory life and not to consider any knowledge of the supersensible. From this developed the later concept of faith—one that certainly did not exist in the first centuries, though it is often retroactively attributed to that time. This concept of faith holds that one can have only faith—not knowledge—regarding the spiritual-divine. This separation between the truth of faith and the truth of knowledge did indeed arise from certain historical contexts that are significant and that must be sought in matters such as those we have cited.

[ 11 ] Nun leben wir seit dem 15. Jahrhundert, approximativ seit dem Jahre 1413, in einem Zeitraume — das wird erst das 3. Jahrtausend zeigen —, in dem wir es zu tun haben zum Teil mit der Erbschaft alles desjenigen, was unter solchen Einflüssen, die ich hier charakterisiert habe, geschehen ist. Mit Erbstücken aus der damaligen Zeit haben wir es auf der einen Seite zu tun, und auf der andern Seite haben wir es weiter mit etwas zu tun, was sich als ganz Neues in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum bildet. In jenem vierten Zeitraume, wenn wir ihn überblicken, haben wir es zu tun mit einer Art Abschnürung der Menschenseele vom Geistig-Göttlichen, mit einem Verwiesenwerden auf die bloß äußeren physisch-sinnlichen Vorgänge. Das war damals für diesen vierten Zeitraum auch neu. Ich habe ja vorhin angedeutet, daß es im ägyptisch-chaldäischen Zeitalter nicht vorhanden war. Mit einem solchen ähnlichen Neuen haben wir es auch in unserem Zeitraume zu tun, und die Aufgabe der Menschheit — die Menschheit ist ja allmählich in ein Zeitalter eingetreten, in welchem die Bewußtheit eine immer größere Rolle spielen muß —, die Aufgabe der Menschheit wäre, dies alles eben einzusehen, einzusehen, was auf der einen Seite Erbschaft ist aus der eben charakterisierten vergangenen Zeit, und was auf der andern Seite neu aus unserem Zeitalter entsteht. Wollen wir einmal zuerst auf die Erbschaft hinblicken.

[ 11 ] Since the 15th century—approximately since the year 1413—we have been living in an era—as the third millennium will reveal—in which we are dealing, in part, with the legacy of everything that has taken place under the influences I have described here. On the one hand, we are dealing with legacies from that time, and on the other hand, we are also dealing with something that is taking shape as something entirely new in this fifth post-Atlantean epoch. If we look back at that fourth epoch, we see a kind of severing of the human soul from the spiritual-divine, a confinement to merely external, physical-sensory processes. That, too, was new for that fourth epoch. As I indicated earlier, this was not present in the Egyptian-Chaldean era. We are also dealing with a similar new development in our own era, and the task of humanity—for humanity has gradually entered an era in which consciousness must play an ever-greater role— the task of humanity would be to recognize all of this—to recognize what, on the one hand, is a legacy from the past era just described, and what, on the other hand, is emerging anew in our own era. Let us first turn our attention to this legacy.

[ 12 ] Wir haben gesehen, daß diese Erbschaft darin besteht, daß der Mensch sich gewissermaßen gezwungen fühlt, sein Seelisches abseits von dem Übersinnlichen zu entwickeln. Und Erbschaft davon ist wieder etwas anderes, was Sie, wenn Sie die historischen Vorgänge immer genauer und genauer überblicken werden, auch gerade immer besser einsehen werden. Gerade durch genaues Überblicken wird die Sache nicht etwa irgendwie einem Zweifel unterworfen, sondern gerade in die Bewahrheitung hineingestellt. Sie werden nämlich sehen, wie das, was sich damals herausbildete, daß man die menschliche Seelenkraft im Sinnlichen erhalten, von dem Übersinnlichen abschließen will, dann im fünften nachatlantischen Kulturzeitraum seit dem 15. Jahrhundert — sich dahin entwickelte, dieses Übersinnliche überhaupt abzulehnen. Damals wollte man gewissermaßen das Übersinnliche vom Menschen fernhalten, und dadurch ist gerade das achte Konzil zu Konstantinopel vom Jahr 869 charakterisiert. Nun entwickelte sich aus diesem Fernhalten, das sich gerade die Kirche zur Aufgabe machte, die Ablehnung des Übersinnlichen. Es entwickelte sich der Glaube, daß das Übersinnliche überhaupt nur von Menschen ausgedacht sei, daß es keine Wirklichkeit habe. Will man historisch-psychologisch den Ursprung des neueren Materialismus wirklich verstehen, so muß man ihn bei der Kirche suchen. Natürlich ist die Kirche auch nur der äußere Ausdruck für tiefere, in der Menschheitsentwickelung wirkende Kräfte, aber man erwirbt sich eine Erkenntnis dieser Menschheitsentwickelung, wenn man genauer zusieht, wie das eine aus dem andern wirklich entsteht. Der Rechtgläubige im vierten nachatlantischen Zeitraum sagte: Das menschliche Erkenntnisvermögen ist nur dazu bestimmt, die sinnlichen Zusammenhänge zu verstehen; das Übersinnliche muß der Offenbarung überlassen sein, da darf nicht hineingeredet werden; denn alles was hineingeredet wird, ist Ketzerei und kann nur zu einem Irrwahn führen. — Der moderne Marxist, der moderne Sozialdemokrat, welcher der rechte Sohn dieser Anschauung ist, die nichts anderes ist als die Konsequenz des Katholizismus aus den früheren Jahrhunderten, der sagt: Alle Wissenschaft, die dieses Namens würdig ist, kann nur von sinnlich-physischen Ereignissen handeln; Geisteswissenschaft gibt es nicht, weil es keinen Geist gibt; Geisteswissenschaft ist höchstens Gesellschaftswissenschaft, Wissenschaft vom menschlichen Zusammenleben. — Natürlich hat sich in den verschiedensten Gebieten der Kulturländer diese eben charakterisierte Tendenz ausgelebt, aber das nur als Nuance.

[ 12 ] We have seen that this legacy consists in the fact that human beings feel, as it were, compelled to develop their inner life apart from the supersensible. And this legacy is something else entirely, which you will come to understand more and more clearly as you examine the historical events with ever greater precision. It is precisely through this careful examination that the matter is not in any way subjected to doubt, but rather firmly established as truth. For you will see how what emerged at that time—the desire to preserve the human soul’s power within the sensory realm and to separate it from the supersensible—then developed, in the fifth post-Atlantean cultural epoch beginning in the 15th century, into a rejection of the supersensible altogether. At that time, people wanted, so to speak, to keep the supersensible away from human beings, and this is precisely what characterizes the Eighth Council of Constantinople in the year 869. Now, this very act of keeping the supersensible at a distance—which the Church in particular made its task—gave rise to the rejection of the supersensible. The belief developed that the supersensible was merely a figment of human imagination, that it had no reality whatsoever. If one truly wishes to understand the origin of modern materialism from a historical-psychological perspective, one must look to the Church. Of course, the Church is merely the outward expression of deeper forces at work in human evolution, but one gains insight into this human evolution by observing more closely how one thing truly arises from another. The orthodox believer in the fourth post-Atlantean epoch said: The human faculty of cognition is intended only to understand sensory relationships; the supersensible must be left to revelation; one must not interfere with it; for everything that is imposed upon it is heresy and can only lead to delusion. — The modern Marxist, the modern social democrat—who is the true heir to this view, which is nothing other than the logical consequence of Catholicism from earlier centuries—says: “All science worthy of the name can deal only with sensory-physical phenomena; there is no such thing as the science of the spirit, because there is no spirit; the science of the spirit is, at most, the social science—the science of human coexistence. — Of course, this tendency just described has played out in the most diverse fields of civilized nations, but that is merely a nuance.

[ 13 ] So ist es nötig geworden, daß vom 9. Jahrhunderte ab in den mittleren und westlichen Ländern Europas darauf Rücksicht genommen wurde, daß sich das menschliche Seelenleben in einer gewissen Weise doch mitbetätigt, indem es glaubt an das Übersinnliche und nichts von ihm weiß als durch Offenbarung, aber an das Übersinnliche glaubt. Die Rassen- und Volkseigenschaften Mitteleuropas waren so, daß man auf sie Rücksicht nehmen mußte, daß man sie nicht einfach so lassen konnte. Den Leuten sagen: Eure menschlichen Kräfte müssen sich beschränken auf Essen und Trinken, und was sonst in der Welt geschieht, das andere lebt über euch —, ganz so konnte man es in Westeuropa nicht machen; man tat das aber in Osteuropa, und das ist der Sinn der Kirchenspaltung zwischen Ost- und Westeuropa. In Osteuropa wurde der Mensch wirklich auf die Sinneswelt beschränkt, dort sollten sich seine Kräfte entwickeln. Und innerhalb der Mysterienhöhen, ganz unberührt vom Sinnlichen, sollte sich das entwickeln, was dann zur orthodoxen Religion führte. Da wurde wirklich streng getrennt das, was der Mensch über sein Menschentum herausbrachte, und das, was die wirkliche geistige Welt war, die einzig und allein schwebte und lebte in dem über den Menschen schwebenden Kultus.

[ 13 ] Thus, from the 9th century onward, it became necessary in the central and western countries of Europe to take into account that the human soul does, in a certain way, play an active role by believing in the supernatural—knowing nothing of it except through revelation, yet believing in it nonetheless. The racial and national characteristics of Central Europe were such that they had to be taken into account; they could not simply be ignored. To tell people: “Your human powers must be limited to eating and drinking, and whatever else happens in the world—the rest exists beyond you”—one could not do that quite so in Western Europe; but that is what was done in Eastern Europe, and that is the meaning of the schism between the Eastern and Western European churches. In Eastern Europe, human beings were truly confined to the sensory world; that is where their powers were to develop. And within the heights of the mysteries, completely untouched by the sensory realm, that which later led to the Orthodox religion was to develop. There, a strict separation was made between what human beings brought forth through their humanity and what constituted the true spiritual world, which existed solely and exclusively in the cult that hovered above humanity.

[ 14 ] Was mußte sich da entwickeln? Es mußte sich, wiederum in verschiedenen Nuancen, die Anschauung, die Empfindung entwickeln: Bedeutung, Wirklichkeit hat eigentlich nur das Sinnlich-Physische. Man könnte sagen: Kräfte, die nicht geübt werden, sondern die man so behandelt, daß sich der Mensch ihnen gegenüber in der Weise verhält, sie in sich abzusperren, solche Kräfte entwickeln sich auch nicht, die verkümmern. Hatte man also den Menschen durch Jahrhunderte hindurch davon abgehalten, in seinem Geist das Übersinnliche zu erfassen, so wurden seine Kräfte auch immer ungeübter, um dieses Übersinnliche zu erfassen, und es entschwand ihm vollständig. Und dieses vollständige Verschwinden finden wir in den modernen sozialistischen Weltanschauungen, deren Unglück nicht in ihrem Sozialismus, sondern darin besteht, daß sie das Geistig-Übersinnliche vollständig ablehnen und sich daher beschränken müssen auf die bloße soziale Struktur des Animalischen im Menschen. Diese bloße soziale Struktur des Animalischen im Menschen ist vorbereitet worden durch das Lahmlegen der übersinnlichen Kräfte des Menschen. Sie hat sich dadurch ergeben, daß die Menschen gezwungen sind, sich zu sagen: Wir wollen gar nicht unsere Seele erkennend und erlebend mit dem verbinden, was den Strom seines Lebens für sich lebt, so daß unsere Seligkeit durch es bewirkt wird und worin das Mysterium von Golgatha eingespannt ist.

[ 14 ] What had to develop there? What had to develop—again, in various nuances—was the perception, the feeling that only the sensory-physical actually has meaning and reality. One could say: Powers that are not exercised, but rather treated in such a way that people behave toward them by shutting them out within themselves—such powers do not develop either; they atrophy. Thus, if people had been prevented over the centuries from grasping the supersensible in their minds, their powers to grasp this supersensible would have become increasingly untrained, and it would have vanished from them completely. And we find this complete disappearance in modern socialist worldviews, whose misfortune lies not in their socialism, but in the fact that they completely reject the spiritual and supersensible and must therefore limit themselves to the mere social structure of the animal nature within human beings. This mere social structure of the animal nature within human beings has been brought about by the crippling of human beings’ supersensible powers. It has arisen because people are forced to say to themselves: We do not want to connect our soul—through recognition and experience—with that which lives the stream of its life for itself, so that our bliss is brought about through it and in which the Mystery of Golgotha is embodied.

[ 15 ] Womit hängt das zusammen? Es hängt damit zusammen, daß gerade in diesem vierten nachatlantischen Zeitraum ganz besonders stark die luziferischen Kräfte wirkten. Sie lösten den Menschen los von dem Kosmos; denn diese Kräfte sind immer darauf aus, den Menschen egoistisch zu isolieren, ihn loszuschnüren vom ganzen geistigen Kosmos, auch in seinem Wissen vom Zusammenhang mit dem physischen Kosmos. Daher gab es keine Naturwissenschaften, als diese Loslösung in der höchsten Blüte stand. Luziferisches ist das. Daher muß man sagen: Was damals wirkte in der Trennung sinnlichen Wissens und übersinnlicher Dogmatik, das ist luziferische Art. Dem Luziferischen steht entgegen das Ahrimanische. Das sind die zwei Gegner der menschlichen Seele. Dieses Verkümmernlassen der übersinnlichen Menschenkräfte — was dann zur rein animalischen Form des Sozialismus geführt hat, der jetzt verheerend und zerstörend über die Menschheit hereinbrechen muß — ist auf luziferische Kräfte zurückzuführen. Das Neue, was sich in unserem Zeitalter entwickelt, ist anderer Natur; das ist mehr ahrimanischer Natur. Das Luziferische will den Menschen isolieren, abschnüren vom Geistig-Übersinnlichen, will ihn in sich selbst die Illusion einer Totalität erleben lassen. Das Ahrimanische dagegen jagt dem Menschen Furcht ein vor dem Geistigen, läßt ihn nicht an das Geistige herankommen, gibt ihm die Illusion, daß das Geistige doch nicht vom Menschen erreicht werden kann. Muß die luziferische Abhaltung des Menschen vom Übersinnlichen mehr erzieherischer, kulturerzieherischer Art sein, so ist die ahrimanische Abhaltung vom Übersinnlichen, die auf der Furcht vor dem Geistigen beruht, mehr eine natürliche, die in dem Zeitalter seit dem 15. Jahrhundert besonders hervorbricht. Und wie die luziferische Abschnürung vom Geistigen in dem Leben unter der Decke des orthodoxen Christentums des Ostens besonders zum Ausdruck kommen konnte, so die ahrimanische Furcht, die Zurückhaltung vor dem Geistigen besonders in dem Element der westlichen Kultur und besonders auch in dem Element der amerikanischen Kultur.

[ 15 ] What is the connection here? It is connected to the fact that, particularly during this fourth post-Atlantean epoch, the Luciferic forces were at work with exceptional intensity. They severed humanity’s connection to the cosmos; for these forces are always intent on isolating human beings in selfishness, on severing them from the entire spiritual cosmos—including their knowledge of their connection to the physical cosmos. That is why there were no natural sciences when this detachment was at its peak. That is the Luciferic principle. Therefore, one must say: What was at work back then in the separation of sensory knowledge and supersensory dogmatism is of the Luciferic kind. Opposed to the Luciferic is the Ahrimanic. These are the two adversaries of the human soul. This atrophy of the human’s supersensible powers—which then led to the purely animalistic form of socialism that must now descend upon humanity in a devastating and destructive manner—can be traced back to Luciferic forces. The new development emerging in our age is of a different nature; it is more of an Ahrimanic nature. The Luciferic force seeks to isolate human beings, to cut them off from the spiritual and supersensible, and to make them experience within themselves the illusion of totality. The Ahrimanic force, on the other hand, instills fear of the spiritual in human beings, prevents them from approaching the spiritual, and gives them the illusion that the spiritual cannot, after all, be attained by human beings. While the Luciferic alienation of human beings from the supersensible is of a more educational, cultural-educational nature, the Ahrimanic alienation from the supersensible—which is based on fear of the spiritual—is more of a natural phenomenon that has particularly come to the fore in the era since the 15th century. And just as the Luciferic estrangement from the spiritual found particular expression in life under the guise of Eastern Orthodox Christianity, so too has the Ahrimanic fear and reluctance toward the spiritual found particular expression in the realm of Western culture and especially in the realm of American culture.

[ 16 ] Solche Wahrheiten mögen heute unbequem sein, aber sie sind eben Wahrheiten, und wir kommen heute nicht dadurch vorwärts, daß wir im Allgemeinen herumreden — wenn auch noch so mystisch oder theosophisch — von dem Zusammenhang des Menschen mit dem Göttlichen, oder wie sonst die Frage heißen möge. Sondern nur dadurch kommen wir vorwärts, daß wir die Wirklichkeit erkennen, wie sie ist. Nur dadurch können wir wieder eine Ordnung in unserem Chaos finden, daß wir die verschiedenen nebeneinander lebenden Strömungen in ihrer Eigenart erkennen. Denn ihrerseits entwickeln sich die verschiedenen Strömungen aus ihren Voraussetzungen, lokal, und verbreiten sich dann, und in dem modernen Kuddelmuddel, den man dann Kultur nennt, geht doch alles durcheinander. — Was ich jetzt nennen möchte «Amerikanismus», das Amerikanische als Kollektivbegriff — nicht auf die einzelnen Amerikaner bezüglich —, das ist die Furcht vor dem Geistigen, ist die Sehnsucht, nur mit dem physisch-sinnlichen Plan zu leben, höchstens noch mit dem, was von unten herauf in diesen physisch-sinnlichen Plan an Grobgeistigem, Spiritistischem und dergleichen hereinkommt, was nicht ein wirklich Geistiges ist. Furcht vor dem Geistigen ist es, was den Amerikanismus charakterisiert. Aber der Amerikanismus lebt nun nicht etwa bloß in Amerika — da lebt er ganz und gar im sozialen Pol willenhaft, nicht menschlich —, er lebt vor allem in aller Wissenschaft. Diese Wissenschaft hat nämlich in diesem Zeitraume seit dem 15. Jahrhundert immer mehr und mehr auch dasjenige herausgebildet, was man nennen könnte «Furcht vor dem Geistigen». Als objektive Wissenschaft wird ja nur dasjenige bezeichnet, was womöglichst nicht mit lebendigen, im Inneren der Seele erzeugten Begriffen sich befaßt. Was irgendwie eine Idee, ein Begriff ist, die im Inneren der Seele erzeugt werden, darf nicht in die Naturbeobachtung eingreifen. Es darf nur das Tote der Naturbeobachtung, nicht das durchgeistigte Lebendige in die Wissenschaft eingehen. Wenn man, ich will sagen, etwa in Hegelscher Weise, was eine richtige mitteleuropäische Weise ist — aber auch in Schellingscher Weise, in Goethescher Weise —, den Begriff in die Naturbetrachtung einführt, dann glaubt man sogleich, daß man dadurch ins Unsichere komme; denn man traut sich nicht zu, etwas objektiv Wirkliches im geistigen Erfassen, im geistigen Erleben zu erfahren. Man glaubt, da könne nur Willkür leben, da komme man gleich ins Nichtobjektive hinein, wenn man irgend etwas Subjektives in die Erfahrungen hineinträgt. Das ist ahrimanisch. Die Wissenschaft ist universalistisch-amerikanisch, insofern sie diesen Grundsatz hat, alles Subjektive aus der Naturbetrachtung herauszuwerfen. Das ist das, was sich elementar herausgebildet hat aus dieser früheren Abschnürung des Geistigen im vierten nachatlantischen Zeitraum.

[ 16 ] Such truths may be uncomfortable today, but they are, after all, truths, and we will not make progress today by generally talking in vague terms—no matter how mystical or theosophical—about humanity’s connection to the divine, or whatever else the question may be called. Rather, we can only move forward by recognizing reality as it is. We can only restore order to our chaos by recognizing the distinct characteristics of the various currents coexisting side by side. For these various currents, in turn, develop from their own local premises and then spread, and in the modern jumble that is called “culture,” everything ends up in a state of confusion. — What I would now like to call “Americanism,” “Americanism” as a collective concept—not referring to individual Americans—is the fear of the spiritual; it is the longing to live solely on the physical-sensual plane, or at most with what rises from below into this physical-sensual plane in the form of crude spiritualism, spiritism, and the like—things that are not truly spiritual. Fear of the spiritual is what characterizes Americanism. But Americanism does not merely exist in America—there it exists entirely in the social sphere, driven by will rather than humanity—it exists above all in all of science. For in the period since the fifteenth century, this science has increasingly developed what one might call “fear of the spiritual.” After all, only that which, as far as possible, does not deal with living concepts generated within the soul is designated as objective science. Anything that is in any way an idea or a concept generated within the soul must not interfere with the observation of nature. Only the lifeless aspect of nature observation, not the spiritualized living aspect, may enter into science. If one introduces the concept into the observation of nature—say, in the Hegelian manner, which is a truly Central European approach, but also in the Schellingian or Goethean manner—one immediately believes that this leads one into uncertainty; for one does not trust oneself to experience anything objectively real through spiritual comprehension or spiritual experience. One believes that only arbitrariness can thrive there, that one immediately enters the non-objective realm if one introduces anything subjective into one’s experiences. That is Ahrimanic. Science is universalistic-American insofar as it adheres to the principle of expelling everything subjective from the observation of nature. This is what has emerged as a fundamental consequence of that earlier constriction of the spiritual in the fourth post-Atlantean epoch.

[ 17 ] So haben wir zu jenem Erbstück das Neue hinzugefügt, jenes Neue, das sich in die Zukunft hinein neben dem, was sich als fruchttragend entwickeln muß, aber bewußt entwickeln muß, immer mehr und mehr als ein Zerstörendes geltend macht. Dieses Neue ist im wesentlichen ahrimanischer Natur, ist Furcht vor dem Geistigen und wirkt zerstörend, wirkt auflösend auf alle Menschheitskultur, die doch eben im Geistigen fußen muß.

[ 17 ] Thus we have added something new to that legacy—something new that, alongside what must develop as fruitful but must do so consciously, is asserting itself more and more as a destructive force in the future. This new element is essentially of an Ahrimanic nature; it is a fear of the spiritual and has a destructive, dissolving effect on all human culture, which must, after all, be rooted in the spiritual.

[ 18 ] An der Wende des vierten zum fünften nachatlantischen Zeitraum, besonders im fünften, kamen gerade diese Impulse, die ich jetzt charakterisiert habe, immer mehr und mehr heraus. Mit der Entdeckung Amerikas und der Verpflanzung europäischen Wesens nach Amerika entwickelte sich drüben jene Furcht vor dem geistigen Leben. Aber auf der andern Seite entstand, ich möchte sagen, eine Spannung in den Menschenseelen; denn die Volkskräfte Europas waren nicht so, daß sie nicht aus sich heraus von dem Zusammenhange mit dem Geistigen des Kosmos doch etwas verspürt hätten. Es entstand eine Spannung gewissermaßen an der Wende zwischen dem vierten und dem fünften nachatlantischen Kulturzeitraum, in den Jahrhunderten, in denen sich das herausbildete, was man als neuere Geschichte bezeichnet. Da entstand diese Spannung des unterdrückten Geistigen in der Menschenbrust. Dem mußte ein Damm entgegengesetzt werden, teilweise, indem man gut verstand, was als altes Erbgut vorhanden war, und teilweise, indem man das neuherankommende Ahrimanische sehr sachgemäß ins Auge faßte. Da entstand dann jene Geistesströmung, die doch einen viel größeren Einfluß hat, als die meisten Menschen denken — ich habe schon das letzte Mal von einem andern Gesichtspunkte aus darauf hingewiesen —, jene Geistesströmung, die sich bemüht, dieses Zurückgehaltenwerden der Menschenseele von dem Übersinnlichen zu perpetuieren, fortzusetzen. Es entstand, mit andern Worten, der Jesuitismus. Sein inneres Prinzip besteht darin, alles das in der Menschheitsentwickelung zu tun, was den Menschen fernhalten kann von dem Zusammenhange mit dem Übersinnlichen, von dem wirklichen Zusammenhange mit dem Übersinnlichen. Selbstverständlich wird man um so mehr dieses Getrenntsein dadurch erreichen, daß man dieses Übersinnliche gerade von jesuitischer Seite strikte dogmatisch als etwas hinstellt, woran das menschliche Erkennen nicht rühren kann. Aber das jesuitische Vorgehen rechnet auf der andern Seite damit sehr gut, und es will keine innere Verwandtschaft als die zwischen der modernen Wissenschaft und dem Amerikanismus, zwischen moderner Wissenschaft und Jesuitismus. Darin ist der Jesuitismus ja groß: die physische Wissenschaft tief bedeutsam zu treiben. Die Jesuiten sind große Geister auf dem Felde der physisch-sinnlichen Wissenschaft, denn der Jesuitismus rechnet mit diesem elementaren Hang der Menschennatur — der eben überwunden werden muß durch die Hinlenkung der Menschennatur auf die geistige Welt —: Furcht zu haben vor dem Geistigen. Und er rechnet damit, daß man diese Furcht sozialisieren kann dadurch, daß man gewissermaßen dem Menschen sagt: Du kannst und sollst nicht an das Geistige heran; wir verwalten dir das Geistige, wir bringen es in der rechten Weise an dich heran.

[ 18 ] At the turn of the fourth to the fifth post-Atlantic epoch, especially in the fifth, it was precisely these impulses that I have just described that came to the fore more and more. With the discovery of America and the transplantation of the European spirit to America, a fear of spiritual life developed there. But on the other hand, I would say, a tension arose in people’s souls; for the collective forces of Europe were not such that they could not, from within themselves, have sensed at least something of the connection with the spiritual realm of the cosmos. A tension arose, so to speak, at the turning point between the fourth and fifth post-Atlantean cultural epochs, during the centuries in which what is called modern history took shape. That is when this tension of the suppressed spiritual arose within the human breast. A barrier had to be erected against this, partly by gaining a clear understanding of what existed as an ancient heritage, and partly by viewing the newly emerging Ahrimanic forces in a very appropriate light. This gave rise to that spiritual current which, after all, has a much greater influence than most people realize—I already pointed this out last time from a different perspective—that spiritual current which strives to perpetuate and continue this holding back of the human soul from the supersensible. In other words, Jesuitism arose. Its inner principle consists in doing everything in the course of human development that can keep people away from a connection with the supersensible—from a genuine connection with the supersensible. Of course, this separation is achieved all the more by the Jesuit side presenting the supersensible in a strictly dogmatic manner as something beyond the reach of human cognition. But the Jesuit approach, on the other hand, counts on this very well, and it seeks no inner kinship other than that between modern science and Americanism, between modern science and Jesuitism. This is indeed where Jesuitism excels: in advancing physical science with profound significance. The Jesuits are great minds in the field of physical-sensory science, for Jesuitism counts on this fundamental tendency of human nature—which must be overcome by directing human nature toward the spiritual world—namely, a fear of the spiritual. And it counts on the fact that this fear can be socialized by, as it were, telling people: You cannot and must not approach the spiritual; we administer the spiritual for you, we bring it to you in the proper way.

[ 19 ] Diese beiden Strömungen — Amerikanismus und Jesuitismus arbeiten gewissermaßen ineinander; nur dürfen Sie es nicht leicht nehmen, sondern müssen bei alledem die tiefer wirksamen Impulse in der Menschheitsentwickelung suchen. Wer nach den Kräften suchen wird, welche die jetzige Katastrophe herbeigeführt haben, der wird ein merkwürdiges Zusammenarbeiten finden von Amerikanismus in dem hier gemeinten Sinne — und Jesuitismus. Wenn man dies alles überblickt, dann findet man, wie auf der einen Seite Erbschaft aus früheren Zeiten in unserem Kulturleben wirkt, und wie auf der andern Seite Neues dazutritt. Indem man dies bezeichnet als das Luziferische auf der einen Seite, als das Ahrimanische auf der andern Seite, bezeichnet man gerade das Gegnerische gegenüber dem, was als richtiges Geistesleben zur Rettung der Menschheit in die Entwickelung der Menschheit hineingegossen werden muß. Wer mit innigem Anteil nun an eine solche Gestalt herangeht, wie es Bernhard von Clairvaux ist, der gewissermaßen nach der einen Seite hintendiert, der rechnet damit: Das menschliche Erkennen ist doch nur auf das PhysischSinnliche gerichtet, also richten wir die Seele auf das Geistig-Göttliche in Inbrunst, in elementarem Erleben. Dadurch kommt etwas Enthusiastisches in diese Natur hinein. — Man könnte sagen: Was da nach der einen Seite, nach dem Geistigen in den Menschenseelen lebt, das lebt nach der andern Seite auch in unserer Zeit, aber nach der dunkeln, nach der finstern Seite. Das 12. Jahrhundert hatte seinen Bernhard von Clairvaux, und unser Jahrhundert hat solche Gestalten wie Lenin und Trotzki. Wie dort die Hinneigung zum Übersinnlichen wirkte, so lebt in diesen Gestalten der Haß gegen das Übersinnliche, wenn das auch in andern Worten, in andern Inhalten zum Ausdruck kommt. Das ist die finstere Kehrseite jener Zeiten: dort das Eingießen der Menschenseele in das Göttliche, hier das Eingießen des Menschenwesens in das Animalische, das allein eine soziale Struktur erhalten soll.

[ 19 ] These two currents—Americanism and Jesuitism—interact, so to speak; but you must not take this lightly; rather, you must seek the deeper, more influential forces at work in human development. Anyone who seeks the forces that have brought about the current catastrophe will find a remarkable interplay between Americanism—in the sense intended here—and Jesuitism. When one surveys all of this, one sees how, on the one hand, the legacy of earlier times continues to influence our cultural life, and how, on the other hand, new elements are added. By designating this as the Luciferic on the one hand and the Ahrimanic on the other, one is precisely identifying the opposing forces to what must be infused into the development of humanity as true spiritual life for the salvation of humanity. Anyone who now approaches a figure such as Bernard of Clairvaux with deep devotion—a figure who, in a sense, leans toward one side—expects the following: Since human cognition is directed solely toward the physical-sensory realm, we must turn the soul toward the spiritual-divine with fervor, through elemental experience. This brings an element of enthusiasm into this nature. — One could say: What lives on one side—the spiritual side—in human souls also lives on the other side in our time, but on the dark, the sinister side. The 12th century had its Bernard of Clairvaux, and our century has figures such as Lenin and Trotsky. Just as the inclination toward the supersensible was at work back then, so too does hatred of the supersensible live on in these figures, even if it is expressed in different words and with different content. This is the dark flip side of those times: back then, the infusion of the human soul into the divine; here, the infusion of the human being into the animalistic, which alone is meant to sustain a social structure.

[ 20 ] Diese Dinge versteht man allerdings nur, wenn man sich über eines ganz klar ist, was allerdings dem Verständnis der Gegenwart recht fern liegt. Diese unsere Gegenwart ist theoriengläubig, denn sie glaubt an den Inhalt dessen, was Ideen und Programme sind. Ich habe das des öfteren besprochen. Aber nie kommt es auf den Inhalt von Theorien und Programmen an, sondern auf die Wirksamkeit kommt es an. Der moderne Marxist würde vor diesem Weltkrieg, um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert, natürlich gesprochen haben: So lehrt Marx, so lehrt Eingels, so Lassalle; das ist noch alles, was man erstreben muß. Denn er weiß, daß man dies erstreben muß zum Heile der Menschheit und so weiter. Man nahm eben den Inhalt von Programmen und Ideen. Darauf aber kommt es in Wirklichkeit nie an, denn Ideen führen sich nie im Leben ihrem Inhalte nach aus, sondern durch Kräfte, die abgesehen von ihrem Inhalte in ihnen sind. Und nur der kennt die Wirklichkeit, der weiß, daß die Ideen mit der Wirklichkeit oft so wenig zu tun haben, daß sie entstehen neben dem, was die Ideen an Inhalt haben. Man kann ein sehr schönes Programm entwerfen, kann es wissenschaftlich sehr gut fundieren, dann kann man glühen für sein Programm, wie es die Marxisten für das ihrige getan haben. Aber darauf kommt es nicht an; das ist für eine Zeit, die so ungeistig ist wie die unserige, das Spielen mit dem Feuer. Die Menschen glauben dann, für den Inhalt der Ideen zu wirken. Wer aber weiß, wie es im Leben zugeht, der weiß auch, daß die Wirksamkeiten ganz andere sind. Ideen werden sogar Mißgeburten im Kulturleben, wenn sie nicht vom geistigen Verständnis aufgenommen werden. Aber die Ideen des Marxismus können nicht vom geistigen Verständnis aufgenommen werden, da sie den Geist austreiben wollen. Sie müssen, wenn sie noch so schön sind, Mißgeburten werden. Nur wenn man von der Idee absieht und am Morgen nicht fragt: Warum ist es hell geworden durch das, was auf der Erde geschehen ist? — sondern wenn man sich sagt: Es ist hell geworden, weil die Sonne scheint —, wenn man also aus der Erde hinausgeht, kann man sich erklären, warum es hell geworden ist. So muß man von dem, was in der unmittelbaren Gegenwart geschieht, zu demjenigen hingehen, was in einer fernen Vergangenheit vor sich gegangen ist, um sich das erklären zu können, was heute geschieht. Sie verstehen den Bolschewismus nicht, wenn Sie nicht wissen, wie er als eine Nachwirkung des achten ökumenischen Konzils vom Jahre 869 geworden ist. Sie verstehen ihn nicht, wenn Sie ihn nicht verstehen als ein Erzeugnis der Verkümmerung der geistigen Kräfte für die übersinnliche Welt. Das ist der innere Zusammenhang, den man haben muß, wenn man das, was in der äußeren Welt geschieht, wirklich so verstehen will, daß man sich ihm gegenüberstellen kann. Für den, der die Zusammenhänge in der Geschichte durchschaut, ist es das Fürchterlichste, wenn er so etwas sieht wie Bewegungen, die sich anmaßen, die Welt reformieren zu wollen, und die nur mit den Inhalten von Ideen rechnen, die nicht eingehen wollen auf die Wirksamkeit der Ideen, ganz abgesehen von dem schönen oder unschönen Inhalt der Ideen. — Ein Kind wird geboren. Es ist ein schönes Kind. Die Mutter kann entzückt sein von ihm. Mütter sind manchmal sogar entzückt, wenn die Kinder nicht schön sind. Es wird ein Taugenichts, wird ein Tunichtgut, wird vielleicht ein Verbrecher. Ist es deshalb vielleicht nicht doch wahr, daß das Kind schön war? Hat man nicht ein Recht, es schön zu nennen? Steht dieser Schönheit vielleicht entgegen, daß Dinge eintreten im Leben, die man sich nicht vorgestellt hat? So leben in gewissen Kreisen von Menschen Ideeninhalte, die sie bewunderten, durch die sie die Welt reformieren wollten. Diese Ideen wurden zu Mißgeburten! Denn Ideen sind an sich etwas Totes; sie müssen erst belebt werden, indem sie einfließen in das lebendige Geistesleben.

[ 20 ] However, one can only understand these things if one is absolutely clear about one thing—which, however, is quite far removed from our current understanding. Our present age is devoted to theories, for it believes in the content of what ideas and programs are. I have discussed this on numerous occasions. But it is never the content of theories and programs that matters; what matters is their effectiveness. A modern Marxist, on the eve of this world war, at the turn of the 19th to the 20th century, would naturally have said: This is what Marx teaches, this is what Engels teaches, this is what Lassalle teaches; that is still all one must strive for. For he knows that one must strive for this for the good of humanity and so on. People simply focused on the content of programs and ideas. But in reality, that is never what matters, for ideas are never realized in life according to their content, but through forces that exist within them, independent of their content. And only those who know that ideas often have so little to do with reality—that they arise alongside what the ideas contain—truly understand reality. One can draft a very beautiful program, can ground it very well scientifically, and then one can be passionate about one’s program, just as the Marxists were about theirs. But that is not what matters; for a time as unspiritual as ours, that is playing with fire. People then believe they are working for the content of the ideas. But anyone who knows how life really works also knows that the actual effects are quite different. Ideas even become monstrosities in cultural life if they are not taken up by spiritual understanding. But the ideas of Marxism cannot be taken up by spiritual understanding, since they seek to drive out the spirit. No matter how beautiful they may be, they are bound to become monstrosities. Only if one looks beyond the idea—and in the morning does not ask, “Why has it become light because of what has happened on Earth?”—but instead says to oneself, “It has become light because the sun is shining”—that is, if one steps outside the realm of the Earth—can one explain to oneself why it has become light. Thus, one must move from what is happening in the immediate present to what took place in the distant past in order to explain what is happening today. You do not understand Bolshevism unless you know how it arose as an aftereffect of the Eighth Ecumenical Council of 869. You will not understand it unless you see it as a product of the atrophy of the spiritual powers related to the supersensible world. This is the inner context one must possess if one truly wishes to understand what is happening in the outer world in such a way as to be able to confront it. For those who see through the interconnections in history, the most terrifying thing is to witness movements that presume to want to reform the world, yet rely solely on the content of ideas without taking into account the effectiveness of those ideas—quite apart from whether the content of the ideas is beautiful or ugly. — A child is born. It is a beautiful child. The mother may be delighted by it. Mothers are sometimes even delighted when their children are not beautiful. The child becomes a good-for-nothing, a ne’er-do-well, perhaps even a criminal. Does that mean it is not true, after all, that the child was beautiful? Do we not have the right to call it beautiful? Does this beauty perhaps conflict with the fact that things happen in life that one did not imagine? Thus, in certain circles of people, the content of ideas they admired—through which they wanted to reform the world—takes root. These ideas became monstrosities! For ideas are, in themselves, something dead; they must first be brought to life by flowing into the living spiritual life.

[ 21 ] Wer moderne sozialistische Schriften liest, der wird, wenn er von gewissen Differenzen absieht, eine große Ähnlichkeit finden zwischen ihnen und — wenn es auch auf andere Weise ausgedrückt ist, und namentlich über andere Gebiete gesprochen wird — zwischen den Schriften derjenigen, die aus dem Kirchenprinzip des Katholizismus heraus schreiben. Ich habe Ihnen zum Beispiel letzthin aus einer Broschüre vorgelesen. Nehmen Sie die Gedankenformen dieser Broschüre, die Art des Denkens; vergleichen Sie das, was da ausgesprochen ist, mit wütenden, allmählich zum Bolschewismus hingehenden Kulturtendenzen oder Unkulturtendenzen; vergleichen Sie es mit dem, was Anfang ist, sagen wir einer Kautskyschen Schrift oder einer Leninschen Schrift: Sie werden dieselben Gedanken finden. Das eine ist ein Entwickelungsprodukt aus dem andern. Man fühlt sich nirgends «katholischer» angesprochen, als wenn man gewisse dogmatische sozialistische Schriften liest. Nur ist das, was beim Katholizismus verboten ist, über gewisse Dinge zu philosophieren, zur Leidenschaft, zum Prinzip geworden, zum Prinzip: alle Wissenschaft nur aus dem Bourgeoistum heraus zu erklären und alle geistige Entwickelung nur aus dem Klassenkampf. Dieses Prinzip ist Wirkung des katholischen Prinzipes. Der Bolschewismus wird in der Form, wie er aufgetreten ist, vielleicht nur ein kurzes Dasein haben; aber mit dem, was hinter ihm steckt, wird die ganze Menschheit sehr lange zu tun haben, und für den, der die Zusammenhänge kennt, ist es kein Wunder, daß der Bolschewismus seine erste Morgenröte an der Stätte gezeigt hat, wo dieses menschliche Denken, wie es animalisch verläuft, unter der Decke des Kultusministers der orthodoxen Religion gelebt hat, so daß die eine Strömung ganz abgesondert war von der andern.

[ 21 ] Anyone who reads modern socialist writings will, if they set aside certain differences, find a great similarity between them and—even if expressed differently and focusing on other areas—the writings of those who draw on the ecclesiastical principles of Catholicism. For example, I recently read to you from a pamphlet. Take the patterns of thought in that pamphlet, the way of thinking; compare what is expressed there with the frenzied cultural—or rather, anti-cultural—tendencies that are gradually moving toward Bolshevism; compare it with what is at the beginning of, say, a Kautsky or a Lenin text: you will find the same ideas. One is a product of the other’s development. Nowhere does one feel more “Catholic” than when reading certain dogmatic socialist writings. Only, what is forbidden in Catholicism—philosophizing about certain things—has become a passion, a principle: the principle of explaining all science solely in terms of the bourgeoisie and all intellectual development solely in terms of class struggle. This principle is an effect of the Catholic principle. Bolshevism, in the form in which it has appeared, may have only a short existence; but with what lies behind it, all of humanity will have to contend for a very long time, and for those who understand the connections, it is no wonder that Bolshevism first dawned in the very place where this human thought, in its animalistic form, lived under the umbrella of the Minister of Cults of the Orthodox religion, so that one current was completely isolated from the other.

[ 22 ] Alle diese Dinge muß man durchschauen, damit man ein Bewußtsein bekommt von der Notwendigkeit, sich in der richtigen Art dem geistigen Leben zu nähern. Alles mystische Herumreden ist heute nicht am Platze. Heute ist am Platze, die geistige Erkenntnis dazu zu verwenden, um in die Wirklichkeit hineinzuschauen und diejenigen Zusammenhänge zu entdecken, die da bestehen; denn nur aus der Erkenntnis der Zusammenhänge kann ein richtiges Eingreifen ins Weltengeschehen hervorgehen, nicht aus den Erbstücken und nicht aus jenem Furchthaben und aus dem elementaren Neuen, das ich dargestellt habe, das nur weit in das Chaos führen muß. In dem animalisch gearteten Sozialismus hat man zu sehen die eine Ausgestaltung desjenigen, was sich im vierten nachatlantischen Zeitraum gebildet hat. Darin ist etwas Luziferisches enthalten: die luziferische Erbsünde ist darinnen. Aber was sich jetzt entwickelt, das ist schon wie die Strafe für diese Erbsünde, das ist schon die Strafe in der Weise, daß jene Fähigkeiten, denen man gebot, sich nicht auf das Übersinnliche anwenden zu lassen, wirklich unfähig geworden sind, auf das Übersinnliche angewendet zu werden und einen Haß und Abscheu vor dem Übersinnlichen haben. Das ist nicht mehr bloß Haß und Erbsünde, das ist schon Strafe für das Sich-Abwenden vom Übersinnlichen. Das gilt für vieles, was jetzt geschieht.

[ 22 ] One must see through all these things in order to become aware of the necessity of approaching spiritual life in the right way. All this mystical talk has no place today. What is appropriate today is to use spiritual insight to look into reality and discover the connections that exist there; for only from an understanding of these connections can a proper intervention in world events arise—not from inherited traditions, nor from that fear, nor from the elemental novelty I have described, which can only lead far into chaos. In animalistic socialism, one must see one manifestation of what has taken shape in the fourth post-Atlantean epoch. There is something Luciferic contained within it: the Luciferic original sin is present there. But what is now developing is already like a punishment for this original sin; it is already a punishment in the sense that those faculties, which were commanded not to be applied to the supersensible, have truly become incapable of being applied to the supersensible and harbor a hatred and loathing of the supersensible. This is no longer merely hatred and original sin; it is already punishment for turning away from the supersensible. This applies to much of what is happening now.

[ 23 ] In verschiedenen Nuancen, sagte ich, lebt sich das aus, was so als Impulse durch die Menschheitsentwickelung geht. Nur indem man diese Nuancen versteht, kann man heute das verstehen, was geschieht.

[ 23 ] “In various nuances,” I said, “what runs through human development as impulses finds its expression. Only by understanding these nuances can we understand what is happening today.”

[ 24 ] Die Völker der italienischen, der spanischen Halbinsel sind ergriffen worden von dem sich ausbreitenden Christentum, ebenso die Völker des heutigen Frankreich und die Völker der heutigen britischen Inseln. Wir wissen schon einiges von dem, was sich dort ausgebreitet hat. Wir wissen, daß auf der spanischen, auf der italienischen Halbinsel vorzugsweise die Empfindungsseele sich erhalten habe, in französischen Gegenden die Verstandes- oder Gemütsseele, in den britischen Gegenden die Bewußtseinsseele, hier in Mitteleuropa das Ich, und in Osteuropa kommt in ähnlicher Weise eine Kultur des Geistselbst in Betracht, das aber erst in der Zukunft wirksam sein kann und jetzt erst ganz verborgene Keime hat. Würde man doch einmal diesen Westen Europas anschauen, um ihn zu verstehen, so wie ihn die Geisteswissenschaft enträtseln kann! Die Charaktere zum Beispiel des italienischen Gebietes — nicht als Charakter des einzelnen Menschen, der natürlich überall über das Volksmäßige hinauswächst —, diese Charaktere entwickeln sich anders als die der französischen oder der britischen Menschheit. Die britische Menschheit ist so geartet, daß das Volksmäßige seinen Zusammenhang mit der Bewußtseinsseele hat. Von gewissen Gesichtspunkten aus habe ich das längst charakterisiert. Durch das Leben in der Bewußtseinsseele aber wird der Mensch gerade herausgetrieben auf den physischen Plan, auf den britischen Inseln nicht so stark wie in Amerika, er wird aber doch auf den physischen Plan herausgetrieben. Die Folge ist, daß der Mensch, den die kirchliche Entwickelung erst von dem Übersinnlichen abschnürte, nun wieder zusammengeführt wird mit dem Kosmischen. Aber er wird nur mit dem äußerlich Kosmischen zusammengeführt, wenn es sich um die Bewußtseinsseele handelt. Die Folge davon ist, daß eigentlich der britische Mensch, als Brite, mit dem Kosmos nur zusammenwächst durch ökonomische Prinzipien. Das britische Denken ist im wesentlichen das ökonomische, das Denken in ökonomischen Kategorien. Wer den inneren Zusammenhang der Bewußtseinsseele mit der physischen Welt erkennt, begreift dies als Notwendigkeit; er begreift auch als eine Notwendigkeit, daß der französische Volkscharakter — nicht der des einzelnen Franzosen —, der an die Verstandes- oder Gemütsseele herankommt, vorzugsweise das politische Denken, das politische Empfinden entwickelt, Italiener und Spanier in ähnlicher Weise das Animalische, weil dort die Empfindungsseele unmittelbar von dem Volksmäßigen ergriffen wird. Ich kann dies nur skizzieren, aber es drückt das aus, was in den Volkscharakteren selber lebt.

[ 24 ] The peoples of the Italian and Spanish peninsulas were swept up by the spread of Christianity, as were the peoples of what is now France and the peoples of what are now the British Isles. We already know quite a bit about what spread there. We know that on the Iberian and Italian peninsulas, the feeling soul has been preserved above all; in French regions, the intellectual or emotional soul; in British regions, the conscious soul; here in Central Europe the “I,” and in Eastern Europe, similarly, a culture of the spiritual self comes into consideration, though this can only become effective in the future and currently has only entirely hidden seeds. If only one would look at this Western Europe in order to understand it, just as spiritual science can unravel it! The national character of the Italian region, for example—not as the character of the individual human being, who naturally transcends national traits everywhere—develops differently from that of the French or British peoples. The British people are such that their national character is connected to the consciousness soul. I have long characterized this from certain points of view. But through life in the consciousness soul, the human being is driven out onto the physical plane—not as strongly in the British Isles as in America, but driven out onto the physical plane nonetheless. The result is that the human being, whom ecclesiastical development had previously cut off from the supersensible, is now reunited with the cosmic. But when it comes to the soul of consciousness, he is reunited only with the outwardly cosmic. The consequence of this is that, in fact, the British person, as a Briton, grows together with the cosmos solely through economic principles. British thinking is essentially economic thinking—thinking in economic categories. Anyone who recognizes the inner connection between the consciousness soul and the physical world understands this as a necessity; they also understand as a necessity that the French national character—not that of the individual Frenchman—which corresponds to the intellectual or emotional soul, develops primarily political thought and political sentiment, while Italians and Spaniards similarly develop the animistic aspect, because there the feeling soul is directly influenced by the national character. I can only sketch this out, but it expresses what lives within the national characters themselves.

[ 25 ] Blicken wir auf das deutsche, auf dieses in so tragischer Entwickelung drinnen stehende deutsche Wesen, so ergreift dort das Volksmäßige das Ich. Die ganze deutsche Geschichte wird hell, wenn man diese Tatsache ins Auge faßt, die aus der übersinnlichen Welt sich enthüllt. Dieses Ich des Menschen ist ja das, was am wenigsten nach außen heute entwickelt ist, was am geistigsten geblieben ist. Daher hängt der Deutsche, indem er durch das Ich mit der geistigen Welt zusammenhängt, am geistigsten mit ihr zusammen. Er kann nicht durch seine Wesenheit ökonomisch und politisch und animalisch mit dem Kosmos zusammenhängen. Er kann nur so mit dem Kosmischen zusammenhängen, wie’ es sich im geistigen Leben, im Seelenleben einzelner Individualitäten — das Ich lebt ja immer in den Individualitäten — offenbart und dann über das Volk sich ergießt. Da ist die deutsche Entwickelung doch am charakteristischsten zum Ausdruck kommend in dem, was als Substantialität im Goetheanismus, im Herderianismus, im Lessingianismus sich zeigt, etwas, was eine Stufe höher abgemacht wird, als das Physisch-Sinnliche. Daher auch eine gewisse Fremdheit gegenüber dem Physisch-Sinnlichen, ein Gefühl, daß man dieses Substantielle nicht recht dazugehörig hält, wenn es sich bloß um das Physisch-Sinnliche handelt, und daher die letzten Jahrzehnte so viel Amerikanismus und auf der andern Seite so viel von dem, was ich nicht näher bezeichnen will, über Deutschland ergossen haben und es seinem ursprünglichen volksmäßigen Wirken entfremdet haben.

[ 25 ] When we look at the German spirit—this German essence caught up in such a tragic development—we see that the national character takes hold of the “I.” The whole of German history becomes clear when one considers this fact, which reveals itself from the supersensible world. This human “I” is, after all, what is least developed outwardly today, what has remained most spiritual. Therefore, because the German is connected to the spiritual world through the “I,” he is most intimately connected to it. He cannot be connected to the cosmos economically, politically, or in an animalistic sense through his very being. He can only be connected to the cosmic in the way it reveals itself in spiritual life, in the soul life of individual personalities—for the “I” always lives within these individualities—and then pours forth through the people. German development is most characteristically expressed in what manifests as substantiality in Goetheanism, Herderianism, and Lessingianism—something that is regarded as a level higher than the physical-sensual. Hence, too, a certain estrangement from the physical-sensory realm, a feeling that this substantial element does not quite belong when it comes solely to the physical-sensory, and hence the fact that in recent decades so much “Americanism” and, on the other hand, so much of what I do not wish to specify in detail have poured over Germany and alienated it from its original, folk-based activity.

[ 26 ] Auf eine noch höhere Weise wird der Osten Europas in seinem Volkstum mit dem Geistigen zusammenhängen und eine noch höhere Kultur in geistiger Beziehung entwickeln — ein Gegenschlag gegenüber dem, was sich eben jetzt aus den angegebenen Gründen ausbildet. Aber das ist Sache der Zukunft, ist heute noch nicht vorhanden, ist noch im Animalischen beschlossen, aus dem es sich erst herausentwickeln muß.

[ 26 ] In an even higher sense, Eastern Europe will be connected to the spiritual realm through its folk culture and will develop an even higher culture in a spiritual sense—a counterforce to what is currently taking shape for the reasons stated. But that is a matter for the future; it does not yet exist today, but is still contained within the animalic realm, from which it must first develop.

[ 27 ] Durchaus wie in rechter Erbschaft aus dem Alten hängen die westlichen Länder Europas mit dem vierten nachatlantischen Zeitraume zusammen. Etwas, was neuer ist, aber was entgegengesetzt ist dem Amerikanismus, liegt schon im deutschen Wesen: eine’ gewisse Beziehung zur geistigen Welt, die innerhalb des Geistigen selbst gesucht wird. Der deutsche Mensch hat, wenn er seiner ureigenen Natur folgt, nicht Furcht vor dem Geistigen, sondern jene Hinneigung zum Geistigen, die wir zum Beispiel im Goetheanismus typisch, wenn auch auf höherer Stufe, ausgeprägt finden.

[ 27 ] Just as they have inherited from the past, the Western countries of Europe are connected to the fourth post-Atlantic epoch. Something that is newer, yet opposed to Americanism, is already inherent in the German character: a certain relationship to the spiritual world that is sought within the spiritual realm itself. When the German person follows his or her very own nature, he or she does not fear the spiritual, but rather possesses that inclination toward the spiritual which we find, for example, typically expressed—albeit at a higher level—in Goetheanism.

[ 28 ] Wenn man solche Dinge sagt, muß man sie freilich radikal aussprechen. Aber Sie wissen, nicht aus Chauvinismus, sondern aus der Erkenntnis heraus werden solche Sachen hier angeführt. Es ist wahrhaftig nicht gesagt, um irgend jemand heute zuliebe zu reden. Sie haben das letzte Mal gesehen, daß ich auch verstehe, nicht zuliebe zu reden. Aber das eine muß doch gesagt werden: Innerhalb dessen, was in Mitteleuropa vielfach vergessen ist, was aber doch deutsches Wesen ist, liegt eine Beziehung des Menschengeistes zur übersinnlichen Welt veranlagt, die ausgebildet werden muß, die das volle Gegenteil ist von allem übrigen, was sich auf der Erde heute zeigt. Oh, würden wir das anerkennen, würden nicht die letzten Jahrzehnte leider eher den Amerikanismus auf diesem Gebiete gebracht haben und das Russentum, so würde sich der Betrieb der Wissenschaft in Mitteleuropa in anderer Weise entwickelt haben. Sie wissen aus meinen andern Ausführungen, eine wie geistige, wie spirituelle Wissenschaft aus dem Goetheanismus hätte werden können. Aber der Goetheanismus blieb auch eine jenseitige Strömung. Ist er eigentlich erfaßt worden? Bis jetzt nicht. Aber er ist das richtige deutsche Wesen in allem, was ihm zugrunde liegt. Dieses Wesen ist, wie Sie aus der heutigen Charakteristik sehen können, fremd den andern. Die andern sind sehr, sehr verquickt mit den Erbstücken und mit dem Neuen. Nur in diesem Mitteleuropa hat sich etwas entwickelt, was mehr oder weniger sich herausgeschält hat aus den Erbstücken und aus dem Neuen.

[ 28 ] When one says such things, one must, of course, express them in no uncertain terms. But you know that these matters are raised here not out of chauvinism, but out of a deeper understanding. It is truly not said to please anyone today. You saw last time that I, too, understand how to speak without seeking to please. But one thing must be said: Within what is often forgotten in Central Europe—yet is, after all, the German essence—lies an innate relationship between the human spirit and the supersensible world that must be cultivated, a relationship that is the exact opposite of everything else manifesting on Earth today. Oh, if only we would acknowledge this—if only the last few decades had not, unfortunately, tended to promote Americanism and Russianism in this realm—then the practice of science in Central Europe would have developed in a different way. You know from my other remarks what a spiritual science could have emerged from Goetheanism. But Goetheanism also remained a transcendent current. Has it actually been grasped? Not yet. But it embodies the true German essence in everything that underlies it. This essence, as you can see from today’s characterization, is foreign to the others. The others are very, very intertwined with the legacy and with the new. Only in this Central Europe has something developed that has more or less emerged from the legacy and from the new.

[ 29 ] Wie der Goetheanismus unberührt bleibt von der materialistischen Wissenschaft — man lobt selbstverständlich Goethe, aber man macht, wie ich gesagt habe, den ehemaligen Finanzminister Kreuzwendedich mit Vornamen, zum Präsidenten der Goethe-Gesellschaft —, das kann man an mancherlei Dingen sehen. Man wird gerade das, was in diesem eigentlichen inneren Element des Deutschtums vorhanden ist, auf den andern Gebieten wie einen fortwährenden Vorwurf empfinden müssen; denn man rettet sich am besten gegen dasjenige, was man durch seine Natur nicht anerkennen kann, indem man es verlästert. Dem muß man rückhaltlos ins Auge schauen. Was als ein lebendiger Vorwurf da ist, demgegenüber ist es am besten, man stellt es als Verbrechertum hin. Dadurch rettet man sich subjektiv vor der Tatsache, daß es wie ein Vorwurf da ist. Man berührt damit eine wichtige psychologische Tatsache. Die Verlästerung wird immer weiter und weiter gehen, aber sie wird ihre Gründe darin haben, daß es unbehaglich ist, daß diese sonderbare Stellung dieses Ich zum Geistigen vorhanden ist. Aber die Notwendigkeit ist da, auf diesen Gebieten klar zu sehen, das klare Sehen nicht zu fliehen, wie es gemacht wird. Würden wir nicht selbst so viel Philistertum, so viel Amerikanismus in uns haben, so würden wir es einsehen, daß dies zwei Gegenpole sind: deutscher Goetheanismus und Amerikanismus, und wir würden dann wissen, daß wir uns zu den Strömungen der Gegenwart nur dann in der richtigen Weise verhalten können, wenn wir eben in diese Strömungen ganz vorurteilsfrei hineinschauen. Wir sollten uns eigentlich gerade jeden Chauvinismus abgewöhnen, wir sollten völlig nur auf das Objektive sehen.

[ 29 ] The fact that Goetheanism remains untouched by materialistic science—Goethe is, of course, praised, but, as I have said, the former Minister of Finance, Kreuzwendedich, is addressed by his first name and made president of the Goethe Society—can be seen in various ways. One will inevitably perceive precisely what is present in this very inner element of Germanness as a constant reproach in other areas; for the best way to protect oneself against that which one cannot acknowledge by one’s very nature is to denigrate it. One must look this squarely in the face without reservation. When something exists as a living reproach, the best course of action is to portray it as criminality. In this way, one subjectively defends oneself against the fact that it exists as a reproach. This touches upon an important psychological reality. The vilification will go on and on, but it will stem from the fact that it is uncomfortable to acknowledge this peculiar stance of the “I” toward the spiritual. Yet there is a necessity to see clearly in these areas, not to flee from clear seeing, as is commonly done. If we ourselves did not harbor so much philistinism, so much Americanism within us, we would realize that these are two opposites: German Goetheanism and Americanism; and we would then know that we can only relate to the currents of the present in the right way if we look into these currents entirely without prejudice. We should actually rid ourselves of all chauvinism; we should focus entirely on what is objective.

[ 30 ] Aber gerade dann würden wir von jeder Verhimmelung des Amerikanismus, dem wir uns ja auch hinlänglich hingegeben haben, zurückkommen und würden gerade deshalb, weil die Furcht vor dem Geistigen das charakteristische Element im Amerikanismus ist, einsehen, daß in den gegenwärtigen katastrophalen Ereignissen das amerikanische Element als das eigentlich radikale Böse immer mehr und mehr wirken wird. Kurzsichtige sind es, die anderes über die Dinge sagen, weil sie nicht aus den Zusammenhängen heraus urteilen. Alles, was aus der politischen Lage der Franzosen, alles, was aus der rein ökonomischen Starrheit, die dem Britischen naturgemäß ist, alles, was aus dem animalischen Furor, diesem «heiligen Egoismus», des italienischen Volkes fließt, das ist im Hinblick auf die großen Angelegenheiten, die sich abspielen, eine Kleinigkeit gegenüber dem eigentlich bösen Element, das aus dem Amerikanismus aufgeht. Denn es gibt drei Strömungen, die durch ihre innere Verwandtschaft das Zerstörerische für die Menschheitsentwickelung haben. Dadurch, daß sie in ‚verschiedener Weise die Erbstücke und dasNeue aufgenommen haben, wie ich es heute skizzenhaft zu charakterisieren versuchte, dadurch sind sie das Zerstörerische. Vorzugsweise in drei Strömungen liegt dieses Zerstörerische: Erstens in alledem, was man Amerikanismus nennt, denn das tendiert immer mehr und mehr dahin, die Furcht vor dem Geiste auszubilden, die Welt nur zu einer Gelegenheit zu machen, in ihr physisch leben zu können. Es ist doch etwas ganz anderes, wenn das Britentum die Welt zu einer Art Handelshaus machen will. Der Amerikanismus will sie eigentlich zu einer möglichst mit Komfort ausgestatteten physischen Wohnung machen, in der man bequem und reich leben kann. Und in der Welt bequem und reich leben zu können, das ist das politische Element des Amerikanismus. Wer das nicht durchschaut, sieht die Dinge nicht, sondern will sich selbst betäuben. Unter dem Einfluß dieser Strömung muß aber der Zusammenhang des Menschen mit der geistigen Welt ersterben. In diesen amerikanischen Kräften liegt das, was wesentlich die Erde zum Ende führen muß, liegt das Zerstörerische, was zuletzt die Erde zum Tode bringen muß, weil der Geist davon abgehalten werden soll. Das zweite Zerstörerische ist nicht bloß der katholische, sondern aller Jesuitismus, denn der ist im wesentlichen mit dem Amerikanismus verwandt. Ist der Amerikanismus die Pflege der amerikanischen Strömung, welche die Furcht vor dem Geist ausbilden will, so sucht der Jesuitismus den Glauben zu erwecken: nicht tasten an den Geist, an den wir nicht heran können, und die geistigen Güter von denen verwalten lassen, die dazu durch das Lehramt der katholischen Kirche berufen sind. Und diese Strömung will die Kräfte in der Menschennatur verkümmern lassen, die nach dem Übersinnlichen gehen. Und das Dritte ist das, was heute in einzelnen Symptomen im Osten so furchtbar heraufzieht, was aber doch seinen Grund hat in dem rein das Animalische sozialisierenden Sozialismus; es ist das — das Wort soll damit nicht gleich irgendwie dogmatisiert werden —, was man als Bolschewismus bezeichnet, den die Menschheit nicht leicht überwinden wird.

[ 30 ] But it is precisely then that we would turn away from any idealization of Americanism—to which we have, after all, devoted ourselves sufficiently—and would realize, precisely because the fear of the spiritual is the defining element of Americanism, that in the current catastrophic events, the American element will increasingly come to be seen as the truly radical evil. It is the short-sighted who say otherwise, because they do not judge matters within their proper context. Everything that stems from the political situation of the French, everything that stems from the purely economic rigidity inherent in the British, and everything that flows from the animalistic fury—this “sacred egoism”—of the Italian people is, in light of the great events unfolding, a trifle compared to the truly evil element that arises from Americanism. For there are three currents which, by virtue of their inner kinship, possess a destructive force for human development. Because they have, in various ways, absorbed the legacies of the past and the new—as I have attempted to sketch out today—they are, in this respect, destructive. This destructive force is found primarily in three currents: first, in everything that is called Americanism, for it tends more and more to foster a fear of the spirit, to reduce the world to nothing more than an opportunity to live in it physically. It is quite something else, however, when British culture seeks to turn the world into a kind of trading post. Americanism actually seeks to turn it into a physical dwelling equipped with as much comfort as possible, in which one can live comfortably and in wealth. And being able to live comfortably and in wealth in the world—that is the political element of Americanism. Anyone who fails to see through this does not see things as they are, but seeks to delude themselves. Under the influence of this current, however, humanity’s connection to the spiritual world must wither away. In these American forces lies what must essentially lead the earth to its end; there lies the destructive force that must ultimately bring the earth to its death, because the spirit is to be kept at bay. The second destructive force is not merely Catholic Jesuitism, but all forms of Jesuitism, for it is essentially related to Americanism. If Americanism is the cultivation of the American current that seeks to instill fear of the spirit, then Jesuitism seeks to awaken faith: do not meddle with the spirit, which we cannot approach, and let the spiritual goods be administered by those who are called to do so through the magisterium of the Catholic Church. And this current seeks to stunt the forces within human nature that strive toward the supernatural. And the third is what is now rising so terribly in individual manifestations in the East, but which nevertheless has its root in socialism, which socializes the purely animal nature; it is—and the term is not meant to be dogmatized in any way—what is called Bolshevism, which humanity will not easily overcome.

[ 31 ] Das sind die drei zerstörerischen Elemente der modernen Menschheitsentwickelung. Ihnen Erkenntnis entgegenzubringen, damit man in der richtigen Weise sich den Ereignissen der Gegenwart gegenüberstellt, das ist doch nur auf geisteswissenschaftlichem Boden möglich. Darüber möchte ich heute über acht Tage sprechen.

[ 31 ] These are the three destructive elements of modern human development. To counter them with insight, so that we may face the events of the present in the right way—this is possible only on the foundation of spiritual science. I would like to speak about this over the next eight days.