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The Polarity of Duration and Development in Human Life
GA 184

20 September 1918, Dornach

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Siebenter Vortrag

Siebenter Vortrag

[ 1 ] Im besonderen heute Gedanken an die Fünfjahrfeier der Grundsteinlegung unseres Baues zu knüpfen, ist ja nicht nötig. Es ist insbesondere nicht nötig innerhalb desjenigen Kreises, der durch diese fünf Jahre hindurch mit dem Bau mehr oder weniger räumlich verbunden war. Auch ist in dieser katastrophalen Epoche wahrhaftig nicht die Zeit zu besonderen Feierlichkeiten, und es soll auch nicht gerade das Gedenktagfeiern ein Gebrauch innerhalb unserer Bewegung werden. Nur die paar Worte seien heute zu Ihnen gesprochen.

[ 1 ] Im besonderen heute Gedanken an die Fünfjahrfeier der Grundsteinlegung unseres Baues zu knüpfen, ist ja nicht nötig. Es ist insbesondere nicht nötig innerhalb desjenigen Kreises, der durch diese fünf Jahre hindurch mit dem Bau mehr oder weniger räumlich verbunden war. Auch ist in dieser katastrophalen Epoche wahrhaftig nicht die Zeit zu besonderen Feierlichkeiten, und es soll auch nicht gerade das Gedenktagfeiern ein Gebrauch innerhalb unserer Bewegung werden. Nur die paar Worte seien heute zu Ihnen gesprochen.

[ 2 ] Der Bau, er konnte nicht in der Zeit vollendet werden, in der es sich vielleicht mancher vorgestellt hat, der dazumal die Grundsteinlegung mitgemacht hat, oder an der Grundsteinlegung irgendwie in Gedanken oder sonst beteiligt war. Aber das ist ja zunächst nicht das Wesentliche. Das Wesentliche ist bei diesem Bau, auch wenn er heute unfertig vor uns steht, daß er überhaupt da ist. Selbst wenn er noch unfertiger wäre, wäre das Wesentliche, daß er da ist, und daß man aus seinen Formen sieht, aus welchem Geiste heraus er da sein soll. Über sein inneres Gefüge, über sein Wesen haben wir ja öfter gesprochen. Daß der Bau da ist, das wollen wir aber gründlich verzeichnen für uns selber als eine Tatsache, als eine Tatsache, die uns in einer gewissen Weise auch verpflichtet. Es ist eben doch nicht ein und dasselbe, ob diese letzten fünf Jahre die Anthroposophische Gesellschaft oder unsere geisteswissenschaftliche Bewegung ohne diesen Bau bestanden hätte, oder ob sie mit diesem Bau besteht. Es ist nicht dasselbe, ganz und gar nicht dasselbe. Dieser Bau ist vor allen Dingen ein Wahrzeichen für diese Bewegung. Dieser Bau ist dasjenige, was in gewissem Sinne den Menschen weithin sichtbar macht, daß eine solche Bewegung in der Welt zu sein hat. Daß der Bau uns verpflichtet, zeigt uns ja auch das Verhalten der Außenwelt zu diesem Bau. Diese Außenwelt wäre weit weniger auf unsere ganze Bewegung aufmerksam geworden, wenn dieser Bau nicht da wäre. Es ist in der heutigen Zeit, abgesehen von allem übrigen, schon einmal so, daß das sichtbare Zeichen für die Menschen heute viel bedeutet. Bei dem Umstande, daß ja wohl ein gut Stück des Wirkens für die geisteswissenschaftliche Bewegung in der nächsten Zeit Kampf sein wird gegen feindliche Bewegungen, muß gar wohl bedacht werden, daß der Bau als Tatsache nicht wenig dazu beiträgt, daß in kräftiger Weise feindliche Bewegungen da sind. Man würde sich weniger um uns kümmern, wenn dieser Bau nicht da wäre. Daher genügt es nicht, wenn wir eine gewisse Befriedigung darüber haben, daß der Bau hat entstehen können, sondern es ist notwendig, mit dieser Befriedigung auch das Gefühl zu verbinden, daß es, wie der Südpol zum Nordpol oder der Nordpol zum Südpol, zu dem Hinschauen auf diesen Bau als unsere Sache gehört, daß wit in der rechten Art für die anthroposophische Sache eintreten. Ich möchte sagen, wir dürften eigentlich keine Freude, keine Befriedigung haben an dem Bau, wenn wir nicht zu gleicher Zeit alle Kraft daransetzen würden, für die anthroposophische Sache einzutreten. Denn der Bau würde die Veranlassung sein für die Zerstörung unserer Sache, wenn sich nicht genügend verteidigende Kraft finden würde. Ich möchte sagen, wenn wir keinen Bau hätten, könnten wir uns den Luxus gönnen, der anthroposophischen Sache nur anzugehören, denn sie hätte eben nicht das sichtbare Zeichen, das auch diejenigen Menschen aufmerksam macht, die sichtbare Zeichen brauchen. Aber wenn wir Freude haben am Bau, wenn wir Befriedigung haben über den Bau, dann müssen wir auch damit eine gewisse Verpflichtung verbinden, für die anthroposophische Sache einzutreten.

[ 2 ] Der Bau, er konnte nicht in der Zeit vollendet werden, in der es sich vielleicht mancher vorgestellt hat, der dazumal die Grundsteinlegung mitgemacht hat, oder an der Grundsteinlegung irgendwie in Gedanken oder sonst beteiligt war. Aber das ist ja zunächst nicht das Wesentliche. Das Wesentliche ist bei diesem Bau, auch wenn er heute unfertig vor uns steht, daß er überhaupt da ist. Selbst wenn er noch unfertiger wäre, wäre das Wesentliche, daß er da ist, und daß man aus seinen Formen sieht, aus welchem Geiste heraus er da sein soll. Über sein inneres Gefüge, über sein Wesen haben wir ja öfter gesprochen. Daß der Bau da ist, das wollen wir aber gründlich verzeichnen für uns selber als eine Tatsache, als eine Tatsache, die uns in einer gewissen Weise auch verpflichtet. Es ist eben doch nicht ein und dasselbe, ob diese letzten fünf Jahre die Anthroposophische Gesellschaft oder unsere geisteswissenschaftliche Bewegung ohne diesen Bau bestanden hätte, oder ob sie mit diesem Bau besteht. Es ist nicht dasselbe, ganz und gar nicht dasselbe. Dieser Bau ist vor allen Dingen ein Wahrzeichen für diese Bewegung. Dieser Bau ist dasjenige, was in gewissem Sinne den Menschen weithin sichtbar macht, daß eine solche Bewegung in der Welt zu sein hat. Daß der Bau uns verpflichtet, zeigt uns ja auch das Verhalten der Außenwelt zu diesem Bau. Diese Außenwelt wäre weit weniger auf unsere ganze Bewegung aufmerksam geworden, wenn dieser Bau nicht da wäre. Es ist in der heutigen Zeit, abgesehen von allem übrigen, schon einmal so, daß das sichtbare Zeichen für die Menschen heute viel bedeutet. Bei dem Umstande, daß ja wohl ein gut Stück des Wirkens für die geisteswissenschaftliche Bewegung in der nächsten Zeit Kampf sein wird gegen feindliche Bewegungen, muß gar wohl bedacht werden, daß der Bau als Tatsache nicht wenig dazu beiträgt, daß in kräftiger Weise feindliche Bewegungen da sind. Man würde sich weniger um uns kümmern, wenn dieser Bau nicht da wäre. Daher genügt es nicht, wenn wir eine gewisse Befriedigung darüber haben, daß der Bau hat entstehen können, sondern es ist notwendig, mit dieser Befriedigung auch das Gefühl zu verbinden, daß es, wie der Südpol zum Nordpol oder der Nordpol zum Südpol, zu dem Hinschauen auf diesen Bau als unsere Sache gehört, daß wit in der rechten Art für die anthroposophische Sache eintreten. Ich möchte sagen, wir dürften eigentlich keine Freude, keine Befriedigung haben an dem Bau, wenn wir nicht zu gleicher Zeit alle Kraft daransetzen würden, für die anthroposophische Sache einzutreten. Denn der Bau würde die Veranlassung sein für die Zerstörung unserer Sache, wenn sich nicht genügend verteidigende Kraft finden würde. Ich möchte sagen, wenn wir keinen Bau hätten, könnten wir uns den Luxus gönnen, der anthroposophischen Sache nur anzugehören, denn sie hätte eben nicht das sichtbare Zeichen, das auch diejenigen Menschen aufmerksam macht, die sichtbare Zeichen brauchen. Aber wenn wir Freude haben am Bau, wenn wir Befriedigung haben über den Bau, dann müssen wir auch damit eine gewisse Verpflichtung verbinden, für die anthroposophische Sache einzutreten.

[ 3 ] Gewiß, die hauptsächlichsten Mißverständnisse knüpfen sich an die anthroposophische Sache selbst, aber auch über den Bau wird man unzählig die gröbsten Mißverständnisse heute noch hören. Man braucht nur immer wieder und wieder die Bekanntschaft von dem oder jenem zu machen, der diesen Bau besucht oder der von diesem Bau spricht, so wird man schon sehen, welche Mißverständnisse herrschen. Wir sollten uns bemühen, solche Mißverständnisse richtigzustellen. Mannigfaltiges anderes zeigt ja auch, wie das Positive wirkt, und dieser Bau ist eben auch ein Positives. Wir werden mit manchem negativen Zurechtrückenwollen böswilliger Angriffe wahrhaftig nicht sehr weit kommen; aber wir werden weit kommen, wenn wir uns bemühen, das Positive vor der Welt in das rechte Licht zu rücken. Leute, die am Bau gewesen sind — dafür gibt es Zeugnisse —, die den Bau auf sich haben wirken lassen, sie haben eben Positives gesehen, und sie haben, wenigstens mancher, keine schlechte Meinung über die Sache, die mit diesem Bau verbunden ist, bekommen. Wir müssen uns nur hüten, gerade an diesen Bau, wenn die Leute ihn besuchen, anzuknüpfen alle möglichen Mystizismen. Dasjenige, was der Bau ist, kann wirken, wenn wir objektiv als künstlerische Auswirkung der geisteswissenschaftlichen Grundtatsachen und Grundbeobachtungen den Bau interpretieren. Den Leuten allerlei Mystisches aufbinden wollen, das wird ganz gewiß den Bau und unsere ganze Sache kompromittieren.

[ 3 ] Gewiß, die hauptsächlichsten Mißverständnisse knüpfen sich an die anthroposophische Sache selbst, aber auch über den Bau wird man unzählig die gröbsten Mißverständnisse heute noch hören. Man braucht nur immer wieder und wieder die Bekanntschaft von dem oder jenem zu machen, der diesen Bau besucht oder der von diesem Bau spricht, so wird man schon sehen, welche Mißverständnisse herrschen. Wir sollten uns bemühen, solche Mißverständnisse richtigzustellen. Mannigfaltiges anderes zeigt ja auch, wie das Positive wirkt, und dieser Bau ist eben auch ein Positives. Wir werden mit manchem negativen Zurechtrückenwollen böswilliger Angriffe wahrhaftig nicht sehr weit kommen; aber wir werden weit kommen, wenn wir uns bemühen, das Positive vor der Welt in das rechte Licht zu rücken. Leute, die am Bau gewesen sind — dafür gibt es Zeugnisse —, die den Bau auf sich haben wirken lassen, sie haben eben Positives gesehen, und sie haben, wenigstens mancher, keine schlechte Meinung über die Sache, die mit diesem Bau verbunden ist, bekommen. Wir müssen uns nur hüten, gerade an diesen Bau, wenn die Leute ihn besuchen, anzuknüpfen alle möglichen Mystizismen. Dasjenige, was der Bau ist, kann wirken, wenn wir objektiv als künstlerische Auswirkung der geisteswissenschaftlichen Grundtatsachen und Grundbeobachtungen den Bau interpretieren. Den Leuten allerlei Mystisches aufbinden wollen, das wird ganz gewiß den Bau und unsere ganze Sache kompromittieren.

[ 4 ] An ein paar solche praktische Gedanken wollte ich heute anknüpfen. Das Wichtigste ist, daß wir gedenken der vor fünf Jahren erfolgten Grundsteinlegung, der Wesensbedeutung dieses Baues, die ja aus der inneren Natur der anthroposophischen Sache heraus als allerlebendigste Empfindung vor unserer Seele stehen soll. Gedanken über den Bau haben wir oftmals geäußert, werden wir bei den mannigfaltigsten Gelegenheiten auch künftig äußern. Heute hüllen wir in ein an den Bau uns treu bindendes Gefühl die Gedanken, die uns in der Seele erstehen, wenn wir zurückblicken auf die Zeit, da wir hier auf diesem Hügel vor fünf Jahren den Grundstein legten.

[ 4 ] An ein paar solche praktische Gedanken wollte ich heute anknüpfen. Das Wichtigste ist, daß wir gedenken der vor fünf Jahren erfolgten Grundsteinlegung, der Wesensbedeutung dieses Baues, die ja aus der inneren Natur der anthroposophischen Sache heraus als allerlebendigste Empfindung vor unserer Seele stehen soll. Gedanken über den Bau haben wir oftmals geäußert, werden wir bei den mannigfaltigsten Gelegenheiten auch künftig äußern. Heute hüllen wir in ein an den Bau uns treu bindendes Gefühl die Gedanken, die uns in der Seele erstehen, wenn wir zurückblicken auf die Zeit, da wir hier auf diesem Hügel vor fünf Jahren den Grundstein legten.

[ 5 ] Oftmals habe ich Ihnen davon gesprochen, wie die menschliche Seele sich im Laufe der Menschheitsentfaltung verwandelt hat, wie kurzsichtig es ist, zu glauben, daß die Seelenverfassung von heute verstanden werden könne, wenn man nicht zurückblicken will auf die verschiedenen Verwandlungsformen, welche diese menschliche Seele durchgemacht hat. Wir blicken — ich brauche das nicht zu wiederholen — zurück auf die verschiedensten Epochen der Erdenentwickelung, haben insbesondere öfter charakterisiert die nachatlantische Epoche, um darauf hinzuweisen, wie sich die Seelenverfassung der Menschen in dieser nachatlantischen Epoche fortwährend verändert hat. Man muß, gerade wenn man von diesen Dingen spricht, vom Abstrakten zum Konkreten fortschreiten. Man muß versuchen, immer intensiver und intensiver die Frage zu beantworten: Wie hat es denn in vorzeitlichen Epochen in dieser Menschenseele eigentlich ausgesehen? Wir blicken ja zurück zu einer Urepoche, in welcher — man darf es von ihr mehr als im bildlichen Sinne sagen — göttliche Lehrer selber die Menschen unterrichteten über die heiligen Geheimnisse des Daseins. Und wir wissen, daß sich von dieser Urepoche an in der mannigfaltigsten Weise die Menschen dann bekanntgemacht haben mit diesen Geheimnissen des Daseins. Von Epoche zu Epoche sind eben wirklich die Vorstellungen der menschlichen Seele andere und andere geworden. Vorstellungen, die wir heute auch haben in der Weise, daß wir sie alle Augenblicke mit Worten benennen, sie leben in uns, sie lebten auch in früheren Verfassungen unserer Seele; aber sie lebten in früheren Verfassungen unserer Seele ganz, ganz anders. Viele unserer landläufigsten Begriffe lebten gar sehr anders. Und ich will heute von scheinbar recht landläufigen Begriffen sprechen, zwei Begriffen, die heute in der menschlichen Seele leben. Wenigstens bezeichnet sie alle Augenblicke der Mensch aus seinem Sprachschatz heraus durch Worte, die früher auch lebten in der menschlichen Seele, aber ganz, ganz anders. Ich will von den zwei Vorstellungen Raum und Zeit sprechen.

[ 5 ] Oftmals habe ich Ihnen davon gesprochen, wie die menschliche Seele sich im Laufe der Menschheitsentfaltung verwandelt hat, wie kurzsichtig es ist, zu glauben, daß die Seelenverfassung von heute verstanden werden könne, wenn man nicht zurückblicken will auf die verschiedenen Verwandlungsformen, welche diese menschliche Seele durchgemacht hat. Wir blicken — ich brauche das nicht zu wiederholen — zurück auf die verschiedensten Epochen der Erdenentwickelung, haben insbesondere öfter charakterisiert die nachatlantische Epoche, um darauf hinzuweisen, wie sich die Seelenverfassung der Menschen in dieser nachatlantischen Epoche fortwährend verändert hat. Man muß, gerade wenn man von diesen Dingen spricht, vom Abstrakten zum Konkreten fortschreiten. Man muß versuchen, immer intensiver und intensiver die Frage zu beantworten: Wie hat es denn in vorzeitlichen Epochen in dieser Menschenseele eigentlich ausgesehen? Wir blicken ja zurück zu einer Urepoche, in welcher — man darf es von ihr mehr als im bildlichen Sinne sagen — göttliche Lehrer selber die Menschen unterrichteten über die heiligen Geheimnisse des Daseins. Und wir wissen, daß sich von dieser Urepoche an in der mannigfaltigsten Weise die Menschen dann bekanntgemacht haben mit diesen Geheimnissen des Daseins. Von Epoche zu Epoche sind eben wirklich die Vorstellungen der menschlichen Seele andere und andere geworden. Vorstellungen, die wir heute auch haben in der Weise, daß wir sie alle Augenblicke mit Worten benennen, sie leben in uns, sie lebten auch in früheren Verfassungen unserer Seele; aber sie lebten in früheren Verfassungen unserer Seele ganz, ganz anders. Viele unserer landläufigsten Begriffe lebten gar sehr anders. Und ich will heute von scheinbar recht landläufigen Begriffen sprechen, zwei Begriffen, die heute in der menschlichen Seele leben. Wenigstens bezeichnet sie alle Augenblicke der Mensch aus seinem Sprachschatz heraus durch Worte, die früher auch lebten in der menschlichen Seele, aber ganz, ganz anders. Ich will von den zwei Vorstellungen Raum und Zeit sprechen.

[ 6 ] Der Raum, er ist heute für die Menschen das denkbar Abstrakteste. Was stellen sich die Menschen heute viel unter Raum vor! Drei aufeinander senkrecht stehende Dimensionen, oder, wenn man Philosophielehrbücher durchliest, das Ausgedehntsein der physischen Gegenstände, oder noch andere Definitionen des Raumes gibt es. Aber das alles — denken Sie, wie nüchtern, kalt, abstrakt das alles ist! Drei aufeinander senkrecht stehende Dimensionen, oder alles dasjenige selbst, was über den Raum die Geometrie lehrt: wie furchtbar abstrakt, wie nüchtern begriffsmäßig! So begriffsmäßig, daß der ganze Raum — mit der Zeit übrigens — für Kant zum subjektiven Schatten, zur bloßen Anschauungsform der sinnlichen Erscheinungen geworden ist. Dieses Abstraktum Raum, von dem der heutige Mensch kaum viel mehr weiß, als daß es Länge, Breite und Höhe hat, dieses Abstraktum Raum war eine ganz, ganz andere Vorstellung in ferner Vergangenheit, eine Vorstellung, von der allerdings einiges bei besonders empfindenden Menschen heute noch vorhanden ist; doch nur eine Spur davon ist heute noch vorhanden. Man muß aber gar nicht so außerordentlich weit zurückgehen — bis ins 6., 7., 8. vorchristliche Jahrhundert — und man darf schon behaupten: In dieser Zeit war Raum, so wie man Raum erlebte, etwas ganz anderes für die Menschenseele als dieses nüchterne Abstraktum, das der Raum heute für die Menschenseele ist. Die Menschenseele erlebte noch in der frühgriechischen Zeit, indem sie den Raum erlebte, etwas, womit sie sich lebendig verbunden fühlte. Sie empfand sich hineingestellt in ein lebendiges Etwas, indem sie sich in den Raum hineingestellt empfand.

[ 6 ] Der Raum, er ist heute für die Menschen das denkbar Abstrakteste. Was stellen sich die Menschen heute viel unter Raum vor! Drei aufeinander senkrecht stehende Dimensionen, oder, wenn man Philosophielehrbücher durchliest, das Ausgedehntsein der physischen Gegenstände, oder noch andere Definitionen des Raumes gibt es. Aber das alles — denken Sie, wie nüchtern, kalt, abstrakt das alles ist! Drei aufeinander senkrecht stehende Dimensionen, oder alles dasjenige selbst, was über den Raum die Geometrie lehrt: wie furchtbar abstrakt, wie nüchtern begriffsmäßig! So begriffsmäßig, daß der ganze Raum — mit der Zeit übrigens — für Kant zum subjektiven Schatten, zur bloßen Anschauungsform der sinnlichen Erscheinungen geworden ist. Dieses Abstraktum Raum, von dem der heutige Mensch kaum viel mehr weiß, als daß es Länge, Breite und Höhe hat, dieses Abstraktum Raum war eine ganz, ganz andere Vorstellung in ferner Vergangenheit, eine Vorstellung, von der allerdings einiges bei besonders empfindenden Menschen heute noch vorhanden ist; doch nur eine Spur davon ist heute noch vorhanden. Man muß aber gar nicht so außerordentlich weit zurückgehen — bis ins 6., 7., 8. vorchristliche Jahrhundert — und man darf schon behaupten: In dieser Zeit war Raum, so wie man Raum erlebte, etwas ganz anderes für die Menschenseele als dieses nüchterne Abstraktum, das der Raum heute für die Menschenseele ist. Die Menschenseele erlebte noch in der frühgriechischen Zeit, indem sie den Raum erlebte, etwas, womit sie sich lebendig verbunden fühlte. Sie empfand sich hineingestellt in ein lebendiges Etwas, indem sie sich in den Raum hineingestellt empfand.

[ 7 ] Davon hat der Mensch heute höchstens noch eine Spur von Empfindung; einige Menschen haben Spuren von Empfindungen — davon will ich gleich nachher sprechen — von diesem mit der Persönlichkeit selber, mit dem menschlichen Wesen Darinnenstehen im Raume. Aber der Mensch der Vorzeit sagte etwas aus, womit er eine bedeutsame Beziehung von sich zum Weltenall meinte, wenn er unterschied oben und unten, rechts und links, vorne und hinten. Von unseren abstrakten drei Dimensionen, die sich mit sonst gar nichts beschäftigen, als daß sie aufeinander senkrecht stehen — was eine sehr einförmige Beschäftigung durch die Ewigkeit sein würde, wenn man gar nichts anderes täte, als senkrecht aufeinanderstehen wie die drei Dimensionen der Geometrie —, mit diesen drei Dimensionen hat das Lebendige, das man meinte, wenn man in alten Zeiten von oben und unten, von rechts und links, von vorne und hinten sprach, eigentlich furchtbar wenig zu tun.

[ 7 ] Davon hat der Mensch heute höchstens noch eine Spur von Empfindung; einige Menschen haben Spuren von Empfindungen — davon will ich gleich nachher sprechen — von diesem mit der Persönlichkeit selber, mit dem menschlichen Wesen Darinnenstehen im Raume. Aber der Mensch der Vorzeit sagte etwas aus, womit er eine bedeutsame Beziehung von sich zum Weltenall meinte, wenn er unterschied oben und unten, rechts und links, vorne und hinten. Von unseren abstrakten drei Dimensionen, die sich mit sonst gar nichts beschäftigen, als daß sie aufeinander senkrecht stehen — was eine sehr einförmige Beschäftigung durch die Ewigkeit sein würde, wenn man gar nichts anderes täte, als senkrecht aufeinanderstehen wie die drei Dimensionen der Geometrie —, mit diesen drei Dimensionen hat das Lebendige, das man meinte, wenn man in alten Zeiten von oben und unten, von rechts und links, von vorne und hinten sprach, eigentlich furchtbar wenig zu tun.

[ 8 ] Oben und unten: es war etwas Lebendiges, als der Mensch noch in alten Zeiten empfand, wie er zuerst ein kleines Kind war und sich von unten nach oben aufrichtete, als er empfand, wie der Lebenslauf besteht in einer Entfaltung in der Richtung von oben und unten. Der Lebenslauf besteht im Erleben der Richtung des Oben und Unten. Nur ein kleines Stück Weges von der Erde weg legt man im normalen Leben von der Erde nach aufwärts im Wachsen zurück, wenn man nicht in der ahrimanischen Zeit der Luftschiffe lebt oder in der atlantischen Zeit — aber da war es nicht sehr hoch über der Erde, Sie wissen das aus meiner Beschreibung der Atlantis —, und empfindet sich dabei erlebend im Oben und Unten, im Gegensatze von oben und unten, Aber dieser Gegensatz von oben und unten, er war empfunden in den alten Zeiten als der Gegensatz der Bewußtseinswelt und der objektiven Welt, der bewußten und der unbewußten Welt. Wie sich Subjekt zum Objekt verhält, das wurde tief empfunden, wenn man oben und unten empfand. Oben, und immer weiter und weiter nach oben kommen die Götterwelten, nach unten die Welten, die den Göttern gegensätzlich sind, und der Mensch ist hineingestellt in das Oben und Unten.

[ 8 ] Oben und unten: es war etwas Lebendiges, als der Mensch noch in alten Zeiten empfand, wie er zuerst ein kleines Kind war und sich von unten nach oben aufrichtete, als er empfand, wie der Lebenslauf besteht in einer Entfaltung in der Richtung von oben und unten. Der Lebenslauf besteht im Erleben der Richtung des Oben und Unten. Nur ein kleines Stück Weges von der Erde weg legt man im normalen Leben von der Erde nach aufwärts im Wachsen zurück, wenn man nicht in der ahrimanischen Zeit der Luftschiffe lebt oder in der atlantischen Zeit — aber da war es nicht sehr hoch über der Erde, Sie wissen das aus meiner Beschreibung der Atlantis —, und empfindet sich dabei erlebend im Oben und Unten, im Gegensatze von oben und unten, Aber dieser Gegensatz von oben und unten, er war empfunden in den alten Zeiten als der Gegensatz der Bewußtseinswelt und der objektiven Welt, der bewußten und der unbewußten Welt. Wie sich Subjekt zum Objekt verhält, das wurde tief empfunden, wenn man oben und unten empfand. Oben, und immer weiter und weiter nach oben kommen die Götterwelten, nach unten die Welten, die den Göttern gegensätzlich sind, und der Mensch ist hineingestellt in das Oben und Unten.

[ 9 ] Bis zu solchen Menschen wie Goethe — Sie brauchen nur seinen «Faust» zu studieren — finden Sie noch Reste des Bewußtseins von oben und unten. Und zu diesem Oben und Unten empfand dann der Mensch hinzu das Rechts und Links. Abstraktionen müssen wir gebrauchen, wenn wir heute von rechts und links sprechen. Dem Menschen der Vorzeit war ein Erleben in rechts und links wirkliche Erfahrung, man möchte sagen, eine wirkliche Beobachtungswelt. Das Oben und Unten ist die Linie von Unendlichkeit zu Unendlichkeit oder vom Bewußten zum Unbewußten. Rechts und links: man empfand, indem man rechts und links empfand, den Zusammenhang in der Welt zwischen Sinn und Gestalt, zwischen Weisheit und Form. Sie brauchen sich nur einmal eine Symmetrieachse zu zeichnen; dasjenige, was rechts davon und links davon ist, gibt zusammen die Form, und Sie können nicht das Rechts und Links verbinden, ohne sinnvoll es zu verbinden, ohne es aufeinander zu beziehen.

[ 9 ] Bis zu solchen Menschen wie Goethe — Sie brauchen nur seinen «Faust» zu studieren — finden Sie noch Reste des Bewußtseins von oben und unten. Und zu diesem Oben und Unten empfand dann der Mensch hinzu das Rechts und Links. Abstraktionen müssen wir gebrauchen, wenn wir heute von rechts und links sprechen. Dem Menschen der Vorzeit war ein Erleben in rechts und links wirkliche Erfahrung, man möchte sagen, eine wirkliche Beobachtungswelt. Das Oben und Unten ist die Linie von Unendlichkeit zu Unendlichkeit oder vom Bewußten zum Unbewußten. Rechts und links: man empfand, indem man rechts und links empfand, den Zusammenhang in der Welt zwischen Sinn und Gestalt, zwischen Weisheit und Form. Sie brauchen sich nur einmal eine Symmetrieachse zu zeichnen; dasjenige, was rechts davon und links davon ist, gibt zusammen die Form, und Sie können nicht das Rechts und Links verbinden, ohne sinnvoll es zu verbinden, ohne es aufeinander zu beziehen.

[ 10 ] Ist oben und unten hinweisend auf des Menschen geheimnisvolle Beziehung zu den geistigen und materiellen Welten, so ist die Erfahrung des Rechts und Links die Beziehung des Menschen zu der in der Form sich ausbreitenden Welt. Und indem er die Form im Rechts und Links aufeinander bezieht, indem er Weisheit walten läßt in den symmetrisch rechts und links angeordneten Formen, empfindet er sich in diesem zweiten Elemente des Raumes. Dieses Erleben des Sinnes in der Gestalt, der Weisheit in der Form, in allen möglichen Variationen, dieses Sich-drinnen-Fühlen in diesem Zusammenklange von Sinn und Gestalt, von Weisheit und Form, das erlebte der alte Mensch als dasjenige, was uns heute die abstrakte zweite Dimension ist. Und das Oben und Unten und das Rechts und Links verband sich zu dem, was die Ebene ist, was die Fläche ist, was noch nicht im Sinnenfälligen existieren kann, was Dicke braucht, Vorne und Hinten braucht, wenn es im Sinnenfälligen existieren soll.

[ 10 ] Ist oben und unten hinweisend auf des Menschen geheimnisvolle Beziehung zu den geistigen und materiellen Welten, so ist die Erfahrung des Rechts und Links die Beziehung des Menschen zu der in der Form sich ausbreitenden Welt. Und indem er die Form im Rechts und Links aufeinander bezieht, indem er Weisheit walten läßt in den symmetrisch rechts und links angeordneten Formen, empfindet er sich in diesem zweiten Elemente des Raumes. Dieses Erleben des Sinnes in der Gestalt, der Weisheit in der Form, in allen möglichen Variationen, dieses Sich-drinnen-Fühlen in diesem Zusammenklange von Sinn und Gestalt, von Weisheit und Form, das erlebte der alte Mensch als dasjenige, was uns heute die abstrakte zweite Dimension ist. Und das Oben und Unten und das Rechts und Links verband sich zu dem, was die Ebene ist, was die Fläche ist, was noch nicht im Sinnenfälligen existieren kann, was Dicke braucht, Vorne und Hinten braucht, wenn es im Sinnenfälligen existieren soll.

[ 11 ] Und in diesem dritten, in dem Vorne und Hinten, da empfand der alte Mensch das Hereinspringen des Materiellen in das Geistige.

[ 11 ] Und in diesem dritten, in dem Vorne und Hinten, da empfand der alte Mensch das Hereinspringen des Materiellen in das Geistige.

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[ 12 ] Oben und unten, links und rechts empfand er noch als Geistiges. Es kann kein materielles Dasein haben, wenn etwas bloß oben und unten ist, und rechts und links; es ist bloß Bild, muß bloß Bild sein im Raume. Erst durch die Dicke wird es materiell. Und der Mensch empfand in alten Zeiten lebhaft: Indem du wächst, machst du wenige Schritte vom Erdboden nach aufwärts in der Richtung des Oben und Unten. Indem du gehst, kannst du dich frei bewegen, du bist in dem Elemente deines Willens: vorne und hinten. Dazwischen steht das Sich-völlig-frei-Bewegen rechts und links beim Stehenbleiben.

[ 12 ] Oben und unten, links und rechts empfand er noch als Geistiges. Es kann kein materielles Dasein haben, wenn etwas bloß oben und unten ist, und rechts und links; es ist bloß Bild, muß bloß Bild sein im Raume. Erst durch die Dicke wird es materiell. Und der Mensch empfand in alten Zeiten lebhaft: Indem du wächst, machst du wenige Schritte vom Erdboden nach aufwärts in der Richtung des Oben und Unten. Indem du gehst, kannst du dich frei bewegen, du bist in dem Elemente deines Willens: vorne und hinten. Dazwischen steht das Sich-völlig-frei-Bewegen rechts und links beim Stehenbleiben.

[ 13 ] Diesen dreifachen Gegensatz als in das All hineingestellt in seinem Wesen, empfand der alte Mensch: dieses Stehenbleiben gegenüber dem Rechts und Links, dieses Hineinschreiten in die Welt gegenüber dem Vorne und Hinten, dieses sich langsam von unten nach oben Bewegen in der Richtung oben-unten. So empfand der alte Mensch. Und er empfand, indem er das Oben und Unten erlebte, im Weltenall webend alles dasjenige, was wir heute die Intelligenz, die Vernunft des Weltenalls nennen. Ihm war dem Raume einverwoben mit dem Oben und Unten alles dasjenige, was an Intelligenz waltet im Weltenall; und dadurch, daß er teilnehmen kann in seinem Wachsen von unten nach oben an dieser Intelligenz des Weltenalls, fühlte sich der Mensch selbst intelligent. Die Teilnahme an dem Oben und Unten war ihm zu gleicher Zeit die Teilnahme an der Weltenintelligenz. Und die Teilnahme an dem Rechts und Links, an dem Zusammen-Verwobensein von Sinn und Gestalt, von Weisheit und Form, war ihm das Gefühl, das durch die Welt webt. Und sein Verhalten im ruhigen Stehen, die Welt überschauen, war ihm sein Verbundensein in bezug auf sein eigenes Gefühl mit dem Weltengefühl. Und sein Schreiten durch den Raum in der Richtung vorne und hinten war ihm die Entfaltung seines Willens, das Sich-Hineinstellen in das Weltenall, in den Weltenwillen, mit seinem eigenen Willen. So empfand er sein Lebendigsein wie verwoben mit dem Oben und Unten, mit dem Rechts und Links, mit dem Vorne und Hinten. Bewußtes und Unbewußtes — oben und unten; Weisheit und Form — rechts und links; Geist und Materie — vorne und hinten. So empfand der alte Mensch.

[ 13 ] Diesen dreifachen Gegensatz als in das All hineingestellt in seinem Wesen, empfand der alte Mensch: dieses Stehenbleiben gegenüber dem Rechts und Links, dieses Hineinschreiten in die Welt gegenüber dem Vorne und Hinten, dieses sich langsam von unten nach oben Bewegen in der Richtung oben-unten. So empfand der alte Mensch. Und er empfand, indem er das Oben und Unten erlebte, im Weltenall webend alles dasjenige, was wir heute die Intelligenz, die Vernunft des Weltenalls nennen. Ihm war dem Raume einverwoben mit dem Oben und Unten alles dasjenige, was an Intelligenz waltet im Weltenall; und dadurch, daß er teilnehmen kann in seinem Wachsen von unten nach oben an dieser Intelligenz des Weltenalls, fühlte sich der Mensch selbst intelligent. Die Teilnahme an dem Oben und Unten war ihm zu gleicher Zeit die Teilnahme an der Weltenintelligenz. Und die Teilnahme an dem Rechts und Links, an dem Zusammen-Verwobensein von Sinn und Gestalt, von Weisheit und Form, war ihm das Gefühl, das durch die Welt webt. Und sein Verhalten im ruhigen Stehen, die Welt überschauen, war ihm sein Verbundensein in bezug auf sein eigenes Gefühl mit dem Weltengefühl. Und sein Schreiten durch den Raum in der Richtung vorne und hinten war ihm die Entfaltung seines Willens, das Sich-Hineinstellen in das Weltenall, in den Weltenwillen, mit seinem eigenen Willen. So empfand er sein Lebendigsein wie verwoben mit dem Oben und Unten, mit dem Rechts und Links, mit dem Vorne und Hinten. Bewußtes und Unbewußtes — oben und unten; Weisheit und Form — rechts und links; Geist und Materie — vorne und hinten. So empfand der alte Mensch.

[ 14 ] Aber er empfand zu gleicher Zeit unbestimmt — ich drücke mich kraß aus —: Stellt man sich auf den Kopf, so ist das Unten oben, und das Oben unten. Aber so ist es auch bei den Gegenfüßlern, und wenn man sich selber mit zur Erde rechnet: das Unten oben, das Oben unten. Und so kann man sich auch vorstellen, daß einmal durch irgend etwas anderes das, was sonst rechts ist, vorne, und was sonst links ist, hinten ist. Diese Richtungen, sie sind ebenso webend und lebend im Raume, wie sie in einer gewissen Beziehung ununterscheidbar sind, wie sie ineinanderwebend sind. Der alte Mensch empfand, indem er also sich in dem dreigeteilten Raume drinnen erlebte, daß das Göttliche in dieser Dreiteilung waltet. Das Göttliche im Raume waltend, wies den Menschen auf das Göttliche in der Dauer.

[ 14 ] Aber er empfand zu gleicher Zeit unbestimmt — ich drücke mich kraß aus —: Stellt man sich auf den Kopf, so ist das Unten oben, und das Oben unten. Aber so ist es auch bei den Gegenfüßlern, und wenn man sich selber mit zur Erde rechnet: das Unten oben, das Oben unten. Und so kann man sich auch vorstellen, daß einmal durch irgend etwas anderes das, was sonst rechts ist, vorne, und was sonst links ist, hinten ist. Diese Richtungen, sie sind ebenso webend und lebend im Raume, wie sie in einer gewissen Beziehung ununterscheidbar sind, wie sie ineinanderwebend sind. Der alte Mensch empfand, indem er also sich in dem dreigeteilten Raume drinnen erlebte, daß das Göttliche in dieser Dreiteilung waltet. Das Göttliche im Raume waltend, wies den Menschen auf das Göttliche in der Dauer.

[ 15 ] Und er erlebte — und das, was ich jetzt sage, erlebte der Mensch wirklich — im Raume das Göttliche in seiner Offenbarung dreigeteilt waltend. Und ihm war es das Abbild des dreifaltigen Gottes: Vater, Sohn und Geist, oder wie sonst der dreigeteilte Gott hieß. Die Dreifaltigkeit ist wahrhaftig nicht im Gedanken ausgesonnen, ist nicht im Gedanken erfunden. Die Dreifaltigkeit mit all ihren Eigentümlichkeiten, sie war erlebt im Abbilde, als der alte Mensch den dreigeteilten Raum lebendig erfuhr.

[ 15 ] Und er erlebte — und das, was ich jetzt sage, erlebte der Mensch wirklich — im Raume das Göttliche in seiner Offenbarung dreigeteilt waltend. Und ihm war es das Abbild des dreifaltigen Gottes: Vater, Sohn und Geist, oder wie sonst der dreigeteilte Gott hieß. Die Dreifaltigkeit ist wahrhaftig nicht im Gedanken ausgesonnen, ist nicht im Gedanken erfunden. Die Dreifaltigkeit mit all ihren Eigentümlichkeiten, sie war erlebt im Abbilde, als der alte Mensch den dreigeteilten Raum lebendig erfuhr.

[ 16 ] Und so wie Unklarheit in einer gewissen Beziehung herrschen kann über das Oben und Unten, wie rechts und links auch vorne und hinten werden kann, so kann unter Umständen auch Unklarheit hineinkommen in die Wechselbeziehungen von Gott, Sohn und Geist. Aber indem im Gebiete der Vergänglichkeit, im Gebiete des Raumes der Mensch in den drei Dimensionen, nicht abstrakt, nicht geometrisch wie wir, sondern konkret erlebte, wie sich im Raume das Göttliche auslebt, und indem er dies erlebte, auch das Vergängliche erlebte, da bezog er dieses Vergängliche auf das Element der Dauer, und es wurde ihm der dreigeteilte Raum das Abbild der dreigeteilten Geistigkeit.

[ 16 ] Und so wie Unklarheit in einer gewissen Beziehung herrschen kann über das Oben und Unten, wie rechts und links auch vorne und hinten werden kann, so kann unter Umständen auch Unklarheit hineinkommen in die Wechselbeziehungen von Gott, Sohn und Geist. Aber indem im Gebiete der Vergänglichkeit, im Gebiete des Raumes der Mensch in den drei Dimensionen, nicht abstrakt, nicht geometrisch wie wir, sondern konkret erlebte, wie sich im Raume das Göttliche auslebt, und indem er dies erlebte, auch das Vergängliche erlebte, da bezog er dieses Vergängliche auf das Element der Dauer, und es wurde ihm der dreigeteilte Raum das Abbild der dreigeteilten Geistigkeit.

[ 17 ] Lebe ich hier unten auf der Erde, so lebe ich eben in der Dreifaltigkeit des Raumes; aber diese Dreifaltigkeit des Raumes, sie ist der abbildliche Beweis für die Dreifaltigkeit des göttlichen Ursprungs der Welt. Das ist ungefähr die Idee des alten Menschen. Heute ist der Raum ein Abstraktum geworden, und nur einige Menschen empfinden die Tiefendimension, die Dickendimension, wie sie entstehen: Oben und unten, vorne, hinten; rechts und links die Ebenendimension. Davon ist auch bei Philosophen heute nicht viel Erlebnis zu finden. Aber darum kommen doch einige Menschen, die sich die Dinge überlegen, die nicht ganz schlafen, darauf, daß die Tiefendimension eigentlich erst in der gar nicht sehr weit unter dem Bewußtsein liegenden unbewußten Beobachtung zustande kommt. Das Tiefesehen erleben noch die Menschen, aber das ist der letzte schattenhafte Rest des Raumeserlebens.

[ 17 ] Lebe ich hier unten auf der Erde, so lebe ich eben in der Dreifaltigkeit des Raumes; aber diese Dreifaltigkeit des Raumes, sie ist der abbildliche Beweis für die Dreifaltigkeit des göttlichen Ursprungs der Welt. Das ist ungefähr die Idee des alten Menschen. Heute ist der Raum ein Abstraktum geworden, und nur einige Menschen empfinden die Tiefendimension, die Dickendimension, wie sie entstehen: Oben und unten, vorne, hinten; rechts und links die Ebenendimension. Davon ist auch bei Philosophen heute nicht viel Erlebnis zu finden. Aber darum kommen doch einige Menschen, die sich die Dinge überlegen, die nicht ganz schlafen, darauf, daß die Tiefendimension eigentlich erst in der gar nicht sehr weit unter dem Bewußtsein liegenden unbewußten Beobachtung zustande kommt. Das Tiefesehen erleben noch die Menschen, aber das ist der letzte schattenhafte Rest des Raumeserlebens.

[ 18 ] In den entwickelten Religionen ist nun vorangegangen dem wirklichen Verständnis der Dreifaltigkeit das Verständnis für die Einheit des Gottes. Das Verständnis für die Einheit des Gottes hat einen ähnlichen Ursprung wie das Verständnis für die Dreifaltigkeit des Gottes durch den Raum.

[ 18 ] In den entwickelten Religionen ist nun vorangegangen dem wirklichen Verständnis der Dreifaltigkeit das Verständnis für die Einheit des Gottes. Das Verständnis für die Einheit des Gottes hat einen ähnlichen Ursprung wie das Verständnis für die Dreifaltigkeit des Gottes durch den Raum.

[ 19 ] Geisteswissenschaft, sie sucht ihre Dinge aus den göttlichen Tatsachen selbst heraus. Törichte Menschen kommen dann und sagen, es gäbe diese oder jene äußeren Belege nicht. Nun ja, darüber haben wir schon manches erzählt, ich könnte noch vieles erzählen, es soll uns heute nicht beschäftigen. Nur darauf will ich hinweisen, daß es vielfach nur die Unwissenschaftlichkeit der heutigen sogenannten Wissenschaft ist, wenn man die Belege nicht finden kann. Ich will Ihnen nur ein einziges sagen, gewissermaßen auch als äußeren Beleg dafür, daß der alte Mensch so empfunden hat, wie ich es Ihnen heute dargestellt habe. Warum haben denn die alten Rabbiner Gott auch Raum genannt? Weil sie das so empfunden haben in älteren Zeiten, auch innerhalb des Judentums, was ich Ihnen eben für die Menschheit dargestellt habe. Könnte auf verschiedenen Gebieten die Wissenschaft wirklich denken, so würde sie unzählige Rätsel finden, die aber zu gleicher Zeit wahrhaftige Beweise sind, äußere Beweise für dasjenige, was die Geisteswissenschaft, allerdings aus den geistigen Tatsachen heraus, zu finden hat. Einer der Gottesnamen bei den Rabbinern ist auch Raum; Raum und Gott ist dasselbe.

[ 19 ] Geisteswissenschaft, sie sucht ihre Dinge aus den göttlichen Tatsachen selbst heraus. Törichte Menschen kommen dann und sagen, es gäbe diese oder jene äußeren Belege nicht. Nun ja, darüber haben wir schon manches erzählt, ich könnte noch vieles erzählen, es soll uns heute nicht beschäftigen. Nur darauf will ich hinweisen, daß es vielfach nur die Unwissenschaftlichkeit der heutigen sogenannten Wissenschaft ist, wenn man die Belege nicht finden kann. Ich will Ihnen nur ein einziges sagen, gewissermaßen auch als äußeren Beleg dafür, daß der alte Mensch so empfunden hat, wie ich es Ihnen heute dargestellt habe. Warum haben denn die alten Rabbiner Gott auch Raum genannt? Weil sie das so empfunden haben in älteren Zeiten, auch innerhalb des Judentums, was ich Ihnen eben für die Menschheit dargestellt habe. Könnte auf verschiedenen Gebieten die Wissenschaft wirklich denken, so würde sie unzählige Rätsel finden, die aber zu gleicher Zeit wahrhaftige Beweise sind, äußere Beweise für dasjenige, was die Geisteswissenschaft, allerdings aus den geistigen Tatsachen heraus, zu finden hat. Einer der Gottesnamen bei den Rabbinern ist auch Raum; Raum und Gott ist dasselbe.

[ 20 ] Einen ähnlichen Ursprung wie die Dreifaltigkeit des Göttlichen hat auch die Einheit des Göttlichen. Die hängt zusammen mit dem lebendigen Erleben der Zeit. Auch die Zeit ist nicht als’jenes Abstraktum von den alten Menschen empfunden worden, als welches wir sie heute empfinden; nur ging das konkrete Erleben der Zeit noch früher verloren als das konkrete Erleben des Raumes. Liest heute einer mit wirklichem Verständnis Plato oder Aristoteles, nicht so, wie mancher Schulmeister ihn liest — ich habe Ihnen ja öfter jene Notiz, die sich Hebbel in sein Tagebuch geschrieben hat, angeführt, wo ein Schulmeister vor der Tatsache steht, daß der wiederverkörperte Plato in seiner Schule als Schüler sitzt, und siehe da, der Schullehrer liest mit seiner Klasse gerade einen Dialog des Plato und der wiederverkörperte Plato bekommt von diesem Schulmeister eine recht schlechte Zensur; das hat sich Hebbel in sein Tagebuch notiert —, wer also heute mit wirklichem, tieferem Verständnis Plato und Aristoteles liest, der liest überall noch in Plato und Aristoteles, wie in dem 6., 7., 8. Jahrhundert der vorchristlichen Zeit eigentlich ein gutes Gefühl dafür noch voll vorhanden war. Wenn es auch schon abgeschattet war bei Plato und Aristoteles, so ist es doch noch deutlich fühlbar, dieses Erfühlen vom Raum, von dem ich gesprochen habe. Aber das Gefühl für das lebendige Erlebnis der Zeit ist noch früher verlorengegangen. So ganz und gar lebendig war es im zweiten nachatlantischen Zeitraum, in der urpersischen Zeit, wo es natürlich bei den Zarathustra-Schülern ein Frösteln hervorgerufen hätte, wenn man ihnen davon gesprochen hätte, daß die Zeit so eine Linie ist, die ganz gleichmäßig von der Vergangenheit in die Zukunft verläuft.

[ 20 ] Einen ähnlichen Ursprung wie die Dreifaltigkeit des Göttlichen hat auch die Einheit des Göttlichen. Die hängt zusammen mit dem lebendigen Erleben der Zeit. Auch die Zeit ist nicht als’jenes Abstraktum von den alten Menschen empfunden worden, als welches wir sie heute empfinden; nur ging das konkrete Erleben der Zeit noch früher verloren als das konkrete Erleben des Raumes. Liest heute einer mit wirklichem Verständnis Plato oder Aristoteles, nicht so, wie mancher Schulmeister ihn liest — ich habe Ihnen ja öfter jene Notiz, die sich Hebbel in sein Tagebuch geschrieben hat, angeführt, wo ein Schulmeister vor der Tatsache steht, daß der wiederverkörperte Plato in seiner Schule als Schüler sitzt, und siehe da, der Schullehrer liest mit seiner Klasse gerade einen Dialog des Plato und der wiederverkörperte Plato bekommt von diesem Schulmeister eine recht schlechte Zensur; das hat sich Hebbel in sein Tagebuch notiert —, wer also heute mit wirklichem, tieferem Verständnis Plato und Aristoteles liest, der liest überall noch in Plato und Aristoteles, wie in dem 6., 7., 8. Jahrhundert der vorchristlichen Zeit eigentlich ein gutes Gefühl dafür noch voll vorhanden war. Wenn es auch schon abgeschattet war bei Plato und Aristoteles, so ist es doch noch deutlich fühlbar, dieses Erfühlen vom Raum, von dem ich gesprochen habe. Aber das Gefühl für das lebendige Erlebnis der Zeit ist noch früher verlorengegangen. So ganz und gar lebendig war es im zweiten nachatlantischen Zeitraum, in der urpersischen Zeit, wo es natürlich bei den Zarathustra-Schülern ein Frösteln hervorgerufen hätte, wenn man ihnen davon gesprochen hätte, daß die Zeit so eine Linie ist, die ganz gleichmäßig von der Vergangenheit in die Zukunft verläuft.

[ 21 ] Wiederum war in der Gnosis ein mehr schattenhaftes Gefühl vorhanden — aber kaum, daß es noch zu erkennen ist — von dem Lebendigen der Zeit, indem man nicht davon sprach, daß da so eine Linie von der Vergangenheit in die Zukunft verläuft, sondern indem man von Äonen sprach, von den Schöpfern, die früher da waren und aus denen die späteren hervorgegangen sind, wo ein Äon an den andern immer die Impulse der Schöpfung übergeben hat. Gewissermaßen war die Zeit in der Imagination so vorgestellt, daß in der Hierarchienfolge das vorhergehende Wesen immer an das nächstfolgende die Impulse abgab, und das nächstfolgende war gewissermaßen immer hervorgebracht von dem vorhergehenden, das vorhergehende war das nächstfolgende umfassend. Man blickte hinauf zum Vorhergehenden als zu dem Göttlicheren gegenüber dem Nachfolgenden. «Später» erlebte man als ungöttlicher, «früher» erlebte man als göttlicher. Dieses Hinblicken auf die Wendung, welche die Entwickelung vom Göttlichen ins Ungöttliche nimmt, das war im lebendigen Erleben und Erfahren der Zeit enthalten. Es würde alles auseinanderfallen, wenn sich nicht zur Einheit weben wollte das Göttliche und das Ungöttliche, was identisch ist mit unseren heutigen Abstraktionen von Vergangenem und Zukünftigem.

[ 21 ] Wiederum war in der Gnosis ein mehr schattenhaftes Gefühl vorhanden — aber kaum, daß es noch zu erkennen ist — von dem Lebendigen der Zeit, indem man nicht davon sprach, daß da so eine Linie von der Vergangenheit in die Zukunft verläuft, sondern indem man von Äonen sprach, von den Schöpfern, die früher da waren und aus denen die späteren hervorgegangen sind, wo ein Äon an den andern immer die Impulse der Schöpfung übergeben hat. Gewissermaßen war die Zeit in der Imagination so vorgestellt, daß in der Hierarchienfolge das vorhergehende Wesen immer an das nächstfolgende die Impulse abgab, und das nächstfolgende war gewissermaßen immer hervorgebracht von dem vorhergehenden, das vorhergehende war das nächstfolgende umfassend. Man blickte hinauf zum Vorhergehenden als zu dem Göttlicheren gegenüber dem Nachfolgenden. «Später» erlebte man als ungöttlicher, «früher» erlebte man als göttlicher. Dieses Hinblicken auf die Wendung, welche die Entwickelung vom Göttlichen ins Ungöttliche nimmt, das war im lebendigen Erleben und Erfahren der Zeit enthalten. Es würde alles auseinanderfallen, wenn sich nicht zur Einheit weben wollte das Göttliche und das Ungöttliche, was identisch ist mit unseren heutigen Abstraktionen von Vergangenem und Zukünftigem.

[ 22 ] Aber in diesem Bilde der Zeit, zurückblickend und immer Umfassenderes und Umfassenderes umfassend, bis zum «Alten der Tage», in dieser Imagination empfand man das Abbild des Einheitsgottes. So wie der dreigeteilte Raum, der dreifaltige Raum als das Abbild erlebt worden ist der Dreifaltigkeit des Gottes, so wurde die Zeit empfunden als das Abbild der Einheitlichkeit des Gottes. Der Grund des Monotheismus liegt im alten Zeiterleben; der Grund, die Trinität zu empfinden, liegt in dem alten Raumerleben. So hat sich der Menschen Seelenverfassung geändert; so ist gewissermaßen abstrakt und nüchtern geworden, was lebendig war. So paradox es klingen mag: Der gegenwärtige Mensch stellt sich ganz gewiß etwas Abstraktes vor, wenn er vom Raume spricht, und er stellt sich, wie ich glaube, eine lebendige Beziehung vor, wenn er von einem Freunde spricht. Aber jene Konkretheit, jenes elementare Erleben, das heute von Freund zu Freund spricht, das ist zum Beispiel noch abstrakt gegen das intensive Weltenerleben, das der alte Mensch hatte, indem er Raum und Zeit erlebte, die ihm die Abbilder der Einheit und der Dreiheit des Göttlichen waren.

[ 22 ] Aber in diesem Bilde der Zeit, zurückblickend und immer Umfassenderes und Umfassenderes umfassend, bis zum «Alten der Tage», in dieser Imagination empfand man das Abbild des Einheitsgottes. So wie der dreigeteilte Raum, der dreifaltige Raum als das Abbild erlebt worden ist der Dreifaltigkeit des Gottes, so wurde die Zeit empfunden als das Abbild der Einheitlichkeit des Gottes. Der Grund des Monotheismus liegt im alten Zeiterleben; der Grund, die Trinität zu empfinden, liegt in dem alten Raumerleben. So hat sich der Menschen Seelenverfassung geändert; so ist gewissermaßen abstrakt und nüchtern geworden, was lebendig war. So paradox es klingen mag: Der gegenwärtige Mensch stellt sich ganz gewiß etwas Abstraktes vor, wenn er vom Raume spricht, und er stellt sich, wie ich glaube, eine lebendige Beziehung vor, wenn er von einem Freunde spricht. Aber jene Konkretheit, jenes elementare Erleben, das heute von Freund zu Freund spricht, das ist zum Beispiel noch abstrakt gegen das intensive Weltenerleben, das der alte Mensch hatte, indem er Raum und Zeit erlebte, die ihm die Abbilder der Einheit und der Dreiheit des Göttlichen waren.

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[ 23 ] So sind wir nüchtern geworden und abstrakt mit Bezug auf Raum und Zeit, und ein anderes muß an die Stelle von Raum und Zeit treten, das wir wiederum erleben müssen, das verinnerlichter werden muß, verinnerlichter sein muß. Wir müssen lernen, jenen Dualismus, jenen Gegensatz in der Welt zu empfinden, von dem ich in der letzten Woche gesprochen habe. Denken Sie sich einmal, jemand würde nur die sich kräuselnde Wasseroberfläche sehen. Diese sich kräuselnde Wasseroberfläche ist im Grunde eine abstrakte Linie. Was ist das Konkrete? Da unten das Wasser, und da oben die Luft. Und aus der Zweiheit Luft und Wasser, in dem Zusammenwirken ihrer Kräfte, entsteht die Maja, die sich kräuselnde Oberfläche. So ist aber unsere Welt die sich kräuselnde Oberfläche, und so sind wir als Menschen, wenn wir uns nur so anschauen, wie wir uns innerhalb der Maja anschauen. Schauen wir uns in Wirklichkeit an, so müssen wir uns hier auch sehen: unten das Wasser, oben die Luft. Unten das Wasser — wir sehen es, indem wir die vergängliche Entwickelung beobachten, wie ich sie in der letzten Woche Ihnen vorgeführt habe, wo der Mensch sich so entwickelt, daß er dasjenige, was er als Kind vorstellen kann, erst als Greis begreifen würde. Was er in der Zeit der Geschlechtsreife vorstellt, weiß er etwas früher, aber doch auch erst gegen die Greisenhaftigkeit zu und so weiter, wie ich den menschlichen Lebenslauf dargestellt habe, wo man erst im Alter dasjenige an sich selber begreift, was man in der Kindheit und Jugend gewesen ist. Es verläuft das Leben nicht scheinbar, sondern in Wirklichkeit so an der Oberfläche. Ich habe gesagt: Solch eine Übersicht brauche man vielleicht zum Leben auch heute an der Oberfläche nicht, aber zum Sterben braucht man sie. — Das ist die Vorstellung vom Unteren; dazu gehört die Vorstellung des realen Oberen, der Region der Dauer, von der ich Ihnen am letzten Sonntag gesprochen habe, wo der Mensch nicht sich entwickelt, sondern das, was der Dauer angehört, auch sein ganzes Leben hindurch von der Geburt bis zum Tode hat. Aber heute können wir nicht betrachten, wie das Untere und das Obere sich verweben, wenn wir nicht das Untere da erfassen, wo es droht, starr zu werden, wo es droht, sich zu verhärten; und wenn wir nicht das Obere da erfassen, wo es droht, sich zu verflüchtigen, sich zu vergeistigen; wenn wir nicht die Empfindung entwickeln für den Gegensatz: Göttliches Luziferisches — Ahrimanisches. Der alte Mensch hatte etwas Lebendiges in seiner Seele, wenn er von seinem Raumerlebnis, von seinem Zeiterlebnis sprach; der Mensch der Erdenzukunft muß innerliche Begriffe, innerliche Vorstellungsimpulse entwickeln: Göttliches — Ahrimanisches — Luziferisches.

[ 23 ] So sind wir nüchtern geworden und abstrakt mit Bezug auf Raum und Zeit, und ein anderes muß an die Stelle von Raum und Zeit treten, das wir wiederum erleben müssen, das verinnerlichter werden muß, verinnerlichter sein muß. Wir müssen lernen, jenen Dualismus, jenen Gegensatz in der Welt zu empfinden, von dem ich in der letzten Woche gesprochen habe. Denken Sie sich einmal, jemand würde nur die sich kräuselnde Wasseroberfläche sehen. Diese sich kräuselnde Wasseroberfläche ist im Grunde eine abstrakte Linie. Was ist das Konkrete? Da unten das Wasser, und da oben die Luft. Und aus der Zweiheit Luft und Wasser, in dem Zusammenwirken ihrer Kräfte, entsteht die Maja, die sich kräuselnde Oberfläche. So ist aber unsere Welt die sich kräuselnde Oberfläche, und so sind wir als Menschen, wenn wir uns nur so anschauen, wie wir uns innerhalb der Maja anschauen. Schauen wir uns in Wirklichkeit an, so müssen wir uns hier auch sehen: unten das Wasser, oben die Luft. Unten das Wasser — wir sehen es, indem wir die vergängliche Entwickelung beobachten, wie ich sie in der letzten Woche Ihnen vorgeführt habe, wo der Mensch sich so entwickelt, daß er dasjenige, was er als Kind vorstellen kann, erst als Greis begreifen würde. Was er in der Zeit der Geschlechtsreife vorstellt, weiß er etwas früher, aber doch auch erst gegen die Greisenhaftigkeit zu und so weiter, wie ich den menschlichen Lebenslauf dargestellt habe, wo man erst im Alter dasjenige an sich selber begreift, was man in der Kindheit und Jugend gewesen ist. Es verläuft das Leben nicht scheinbar, sondern in Wirklichkeit so an der Oberfläche. Ich habe gesagt: Solch eine Übersicht brauche man vielleicht zum Leben auch heute an der Oberfläche nicht, aber zum Sterben braucht man sie. — Das ist die Vorstellung vom Unteren; dazu gehört die Vorstellung des realen Oberen, der Region der Dauer, von der ich Ihnen am letzten Sonntag gesprochen habe, wo der Mensch nicht sich entwickelt, sondern das, was der Dauer angehört, auch sein ganzes Leben hindurch von der Geburt bis zum Tode hat. Aber heute können wir nicht betrachten, wie das Untere und das Obere sich verweben, wenn wir nicht das Untere da erfassen, wo es droht, starr zu werden, wo es droht, sich zu verhärten; und wenn wir nicht das Obere da erfassen, wo es droht, sich zu verflüchtigen, sich zu vergeistigen; wenn wir nicht die Empfindung entwickeln für den Gegensatz: Göttliches Luziferisches — Ahrimanisches. Der alte Mensch hatte etwas Lebendiges in seiner Seele, wenn er von seinem Raumerlebnis, von seinem Zeiterlebnis sprach; der Mensch der Erdenzukunft muß innerliche Begriffe, innerliche Vorstellungsimpulse entwickeln: Göttliches — Ahrimanisches — Luziferisches.