The Polarity of Duration and Development in Human Life
GA 184
11 October 1918, Dornach
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Three Streams of Human Evolution, tr. Davy
Dreizehnter Vortrag
Lecture Four
[ 1 ] Sie wissen jetzt schon von den allerverschiedensten Seiten her, daß die Entwickelung der neuzeitlichen Menschheit einen entscheidenden Punkt durchgemacht hat im 15. Jahrhundert, dem Beginne des fünften nachatlantischen Kulturzeitalters. Es ist ja, wie wir wissen, dadurch charakterisiert, daß mit diesem Zeitpunkt der Eintritt der Menschheit in die Entwickelung durch die Bewußtseinsseele beginnt, während in dem vorhergehenden griechisch-römischen Zeitraume die Entwickelung der Menschheit vorzugsweise verlaufen ist in der Region der Verstandes- oder Gemütsseele. Nun handelt es sich darum, daß man eine solche Wahrheit, wie diese ist, daß wir mit dem 15. Jahrhundert in das Zeitalter der Bewußtseinsseele eingetreten sind, nicht allein theoretisch, nicht abstrakt nimmt, sondern mit dem vollen Lebensernst, daß man gewissermaßen den Willen hat, immerfort zu bedenken: wie muß es mit unserer Seelenverfassung stehen, was müssen wir zu dieser Seelenverfassung tun, damit genügt werde der Tatsache, daß wir eben im Zeitalter der Entwickelung der Bewußtseinsseele stehen?
[ ] You have come to know from the most diverse aspects that the evolution of modern man passed through a decisive moment in the fifteenth century, when the fifth post-Atlantean culture-epoch began. As we are well aware, this epoch received its special character from the entry of mankind into the development of the Consciousness Soul,1Sometimes translated “Spiritual Soul.” whereas in the previous epoch, the Graeco-Roman, human evolution ran its course pre-eminently in the sphere of the Intellectual or Mind Soul. Now it is important that such a truth as this—that with the fifteenth century the age of the Consciousness Soul began—shall be taken not merely theoretically and in the abstract but with all possible earnestness in life, so that we have the will constantly to ask ourselves: What must be our attitude of soul, what must we do to this attitude of soul, in order to do full justice to the fact that we are living in the epoch of the development of the Consciousness Soul?
[ 2 ] Nun, vor allen Dingen handelt es sich darum, daß wegen dieses Zeitalters der Bewußtseinsseele eben die Menschheit veranlaßt ist, sich bewußt zu gewissen Anschauungen hindurchzuringen, die in früheren Zeitaltern nicht bewußt erstrebt worden sind. Wir wissen ja, daß unter den vielen, mehr oder weniger wichtigen Dingen, die von dem eben Angeführten betroffen werden, auch das wichtigste Ereignis, welches im Erdenleben sich abgespielt hat, mit betroffen wird: das Ereignis von Golgatha. Denn wir haben es öfter betont: das Ereignis von Golgatha ist so in die Menschheitsentwickelung eingetreten, daß es zunächst nicht vollbewußt von den Menschenseelen in seiner Bedeutung erfaßt werden konnte, sondern daß dieses vollbewußte Erfassen nach und nach nur eintreten kann. Und wir haben ja auch öfter betont, daß immer durch die uns bekannten Kräfte die Neigung der Menschheit entsteht, auf der einen Seite in ihrer Entwickelung zurückzubleiben, auf der andern Seite über das Ziel hinauszuschießen. So finden wir in der menschlichen Geisteskultur zahlreiche Bestrebungen, die unbewußte Art des Erfassens des Ereignisses von Golgatha beizubehalten und möglichst wenig die bewußte Entwickelung, welche die Menschheit durchmacht, anzuwenden auf dieses Ereignis von Golgatha. Wir haben ja in jüngster Zeit erst sich abspielen sehen auf dem Gebiete einer religiösen Gemeinschaft den Kampf zwischen der Bestrebung, möglichst nur das Althergebrachte, Unbewußte über das Mysterium von Golgatha gelten zu lassen, während sich mit allerdings unzulänglichen Mitteln, aber immerhin doch eben geltend gemacht hat in dem, was man modernistische katholische Bestrebungen nannte, das Streben, bewußter, als es bisher geschehen ist, zu einem Begreifen auch des Mysteriums von Golgatha vorzudringen. Das Sträuben gegen das geisteswissenschaftliche Vordringen zum Mysterium von Golgatha ist ja kein anderes als das Streben derjenigen, die dieses Mysterium von Golgatha möglichst in der unbewußten Sphäre in bezug auf die Menschenseelen erhalten wollen.
[ ] The main point is that through this epoch of the Consciousness Soul mankind receives the impulse to strive consciously for certain conceptions that were not striven for consciously in earlier epochs. We know that among the many more or less important things with a bearing on this circumstance, we find the most important event ever enacted in earthly life—the Event of Golgotha. For we have often emphasised that the Event of Golgotha entered human evolution in such a way that its significance could not at first be grasped by the human soul in full consciousness; fully conscious comprehension can come only little by little. We have often emphasised that, by reason of forces well known to us, the inclination is always arising in man to lag behind in his evolution on the one hand, and on the other hand to overshoot his mark. Thus in cultural history we see numerous endeavours to retain the unconscious realisation of the Event of Golgotha, while applying to it as little as possible the development of consciousness that mankind is going through. Quite recently, in the sphere of a religious community, we have witnessed a struggle between the endeavour to maintain as far as possible only the traditional and unconscious relation to the Mystery of Golgotha, while Roman Catholic modernism has tried—though certainly with inadequate means—to claim equal validity for its endeavour to press on to a more conscious understanding of the Mystery of Golgotha. Opposition to the spiritual-scientific approach to the Mystery of Golgotha represents simply the striving of those who wish to keep the Mystery of Golgotha as much as possible in the unconscious regions of man's soul.
[ 3 ] Will man sich ersprießlich nähern dem Verständnisse, das für die Entwickelung der Bewußtseinsseele ganz besonders notwendig ist, dann muß man vor allen Dingen versuchen, von den verschiedensten Seiten her sich über das eigene Menschenwesen aufzuklären, aufzuklären nicht durch Redereien, sondern durch Orientierung an den Tatsachen. Betrachten wir also unser Zeitalter möglichst tatsachengemäß; machen wir zunächst auf Tatsachen aufmerksam, die ganz besonders bedeutsam sind für die Entwickelung innerhalb des Zeitalters der Bewußtseinsseele.
[ ] If we wish to approach fruitfully the comprehension particularly necessary for the development of the Consciousness Soul, we must above all try to enlighten ourselves from the most varied aspects concerning man's own being—not by discussion but by getting our bearings from the facts. Let us therefore consider our epoch as much as possible in accordance with the facts; let us first pay attention to those facts which in the epoch of the Consciousness Soul are of special importance for its development.
[ 4 ] Mit großem Stolze, mit einem wahren Hochmut redet man ja in der neueren Zeit in diesem Zeitalter der Bewußtseinsseele von dem naturwissenschaftlichen Zeitalter. Man hat mit diesem Reden in einem gewissen Sinne recht, denn nicht nur diejenigen, die heute naturwissenschaftlich gebildet sind, leben in diesem naturwissenschaftlichen Zeitalter, sondern es leben unter den gebildeten Menschen weitaus die meisten in der naturwissenschaftlichen Strömung des Zeitalters; denn es kommt nicht darauf an, um im naturwissenschaftlichen Zeitalter zu leben, ob man denkt, wie heute Botaniker über die Pflanzen, Zoologen über die Tiere, Anthropologen über die Menschen denken, es kommt nicht darauf an, daß man mehr oder weniger von der Anthropologie, der Botanik, der Zoologie weiß, sondern es kommt darauf an, daß man seine Gedanken über die Welt so ausbildet, daß sie in der Richtung des naturwissenschaftlichen Denkens liegen. Und diese Richtung des naturwissenschaftlichen Denkens, die schlagen eigentlich die meisten Menschen ein, die heute irgend etwas sogar nur mit Schulbildung zu tun haben, die also nicht Analphabeten oder nahezu Analphabeten sind. Also die Menschen, die heute überhaupt in Betracht kommen, sie schlagen eine naturwissenschaftliche Denkungsart ein; daran hindert sie nicht, daß sie manchmal fleißig in die Kirche gehen, den Predigten zuhören, daß sie, wie man sagt, religiös, fromm sind. Denn fragen Sie sich nur einmal, wieviel diese religiöse Frommheit heute noch wirkt im allgemeinen Menschenleben, selbst wenn man glaubt, noch so fromm zu sein oder sein zu sollen? Auf die Gedanken über die Welt haben die religiösen Empfindungen, die in diesem oder jenem Religionsbekenntnis entwickelt werden, außerordentlich wenig Kraft, einzuwirken. Überall im äußeren Leben, in weitesten Kreisen der heutigen Bevölkerung, denkt man eben naturwissenschaftlich orientiert. Das Religiöse ist mehr oder weniger für die meisten Menschen der Gegenwart nur eine Beigabe. Man kann also schon sagen, das neuere Zeitalter der Bewußtseinsseele ist stolz, ja hochmütig auf seine naturwissenschaftlichen Errungenschaften und die damit zusammenhängende naturwissenschaftliche Richtung seines Denkens, und es sieht dieses Zeitalter mit einem gewissen Hochmut auf frühere Zeitalter hin.
[ ] In these times, in the epoch of the Consciousness Soul, the scientific age is spoken of with great pride, even with real arrogance. In a certain sense those who speak thus have right on their side, for most educated people to-day are living in the scientific stream of the age. For it does not matter whether we think as modern botanists do about plants, zoologists about animals, anthropologists about man; nor does it matter how much we learn from anthropology, botany or zoology; what does matter is whether people form their thoughts about the world so that these are in line with scientific thinking. This line is followed to-day by most people who have any kind of schooling and are therefore not illiterate or nearly so. Thus the people whom we have to consider pursue a scientific kind of thinking, but that does not hinder many of them from diligently attending church to hear the sermon, or from being what is called religious, pious. Now just ask yourselves to what extent this religious piety is still working in the general life of men, even when they believe themselves to be pious or believe they should be. The religious feelings developed in any particular religious faith have extraordinarily little power to work into thoughts about the world. Everywhere to-day in external life, in the widest circles, thinking takes a scientific direction. Nowadays for most people religion is more or less a side line. One can indeed say that this modern epoch of the Consciousness Soul is proud even to arrogance of its scientific achievements and of the scientific kind of thinking that goes with it. And it adopts an attitude of condescension towards earlier ages.
[ 5 ] Denken Sie nur, mit welchen Empfindungen, mit welchen spießigsaftig selbstzufriedenen Empfindungen der richtige heutige Mensch zurücksieht auf die Vorfahren, von denen er sagt, daß sie an Gespenster geglaubt haben. Man braucht sich nicht so sehr gegen diese Behauptung zu wenden, die Vorfahren hätten an Gespenster geglaubt. Das haben sie getan. Wir wollen heute weniger die Aufmerksamkeit wenden auf den Begriffsinhalt des Satzes: Unsere Vorfahren haben an Gespenster geglaubt, und wir sind so gescheit, daß wir nicht mehr an Gespenster glauben —, sondern wir wollen uns mehr halten an den Gefühlsinhalt, den man dabei empfindet, wenn wir in die Gegenwart hineinschauen, wie sie urteilt über die dummen Vorfahren, die an Gespenster geglaubt haben, und wie wir nun endlich darüber hinaus sind im naturwissenschaftlichen Zeitalter und nicht mehr an Gespenster glauben. Dieses Urteil, daß die Vorfahren an Gespenster geglaubt haben, das ist an sich eine halbe und deshalb eine außerordentlich gefährliche Wahrheit; denn halbe Wahrheiten sind oftmals schlimmer als ganze Irrtümer, weil man die ganzen Irrtümer leicht erkennt, die halben Wahrheiten aber in der Welt selbst gespenstisch spuken.
[ ] Just think with what feelings, what narrow-minded, self-satisfied feelings, the thoroughly modern man looks back on his forebears when referring to their belief in ghosts. There is no need to object to the assertion that our ancestors had this belief! They certainly had it. To-day we will take the statement—our ancestors believed in ghosts, but we are so clever that we no longer believe in them—and pay attention not so much to the idea it expresses as to the feeling it arouses in us—the feeling we have when we see how the present age passes judgment on our stupid ancestors who believed in ghosts and is sure that in this scientific age we have at last left all that behind. The statement that our forebears believed in ghosts is in itself a half-truth, and on that account extraordinarily dangerous; for half-truths are often more harmful than downright falsities, because a downright falsity can be easily detected, whereas half-truths haunt the world themselves like ghosts.
[ 6 ] Es ist ja richtig: Wenn man zurückgeht ins frühere Zeitalter, zurückgeht in die Zeit vor und nach dem Mysterium von Golgatha und in noch länger zurückliegende Zeiten, ins dritte nachatlantische Kulturzeitalter, da findet man in der Hauptsache, daß die Menschen an Gespenster, an Dämonen glauben, wie ich Ihnen das neulich selbst bei dem großen Tertullianus vorgeführt habe. Das ist richtig. Aber diesem Zeitalter geht ein anderes voran, wo die Menschen auch von Gespenstern geredet haben, aber nicht in dem Sinne, wie sie in den eben charakterisierten Zeitaltern an diese Gespenster geglaubt haben. Sie haben geredet von den Gespenstern im zweiten, im ersten nachatlantischen Kulturzeitalter, indem sie sich bewußt waren: Das, was sie vorstellen, das ist ein Ergebnis ihrer Vorstellungskraft. Sie können sich nach ihrer Vorstellungskraft nur Gespenster vorstellen. Aber indem sie sich Gespenster vorstellen, sind die Gespenster Bilder von der dahinterstehenden geistigen Welt. — Also es gab ein langes Zeitalter, in dem die Menschen zwar die Vorstellungen von Gespenstern sich gebildet haben, aber wußten, daß hinter den Gespenstern, die sie als Bilder angesehen haben, die geistige Welt war. Sie bildeten sich gewissermaßen in ihrer Vorstellungswelt, die sie gespenstisch ausmalten, die geistige Welt ab. Dann aber hatte man die geistige Welt mehr oder weniger vergessen, besser gesagt, aus der Anschauung verloren; es blieben die bloßen Bilder, die man dann als Realitäten ansah, und daraus entstand der Gespensteraberglaube, der also Verfall desjenigen ist, aus dem er hervorgegangen ist.
[ ] It is indeed true that if we go back to the time before and after the Mystery of Golgotha, or further back to the third post-Atlantean culture-epoch, we find that people for the most part believed in ghosts, in demons, as I mentioned recently in the case of the great Tertullian. This is indeed so. But there is a still earlier epoch when men also talked of ghosts, but not in the sense that ghosts were believed in during the epochs just described. In the second and in the first post-Atlantean culture-epochs they spoke of ghosts, but they were conscious that the ghosts were visualised by their own minds, and were pictures of the spiritual world existing behind them. Thus for a long period men had conceptions of ghosts, but with the knowledge that behind these ghosts, seen as pictures, there was a spiritual world. In their conceptual world, with its ghostlike visualisations, they formed an image of the spiritual world. But then men more or less forgot the spiritual world, or perhaps we might say it disappeared from their vision; there remained mere pictures which were looked upon as realities, and from this there arose the superstition about ghosts which is the debased form of those earlier beliefs.
[ 7 ] So daß man sagen kann: Die Alten haben sich ihr Bewußtsein so ausgebildet, daß sie eben jene Kräfte zur Entwickelung brachten, die dem Bewußtsein gegeben waren, und sie beschränkten sich instinktiv darauf, in ihren Vorstellungen nichts anderes zu haben als Gespenster. In alten Zeiten haben sie durch die Gespenster die Götter vorgestellt, und später haben sie die Gespenster als Realitäten genommen. Nicht daß die Gespenster falsch gewesen wären, sondern die Ansicht der Menschen über die Gespenster ist falsch geworden.
[ ] Thus it may be said that the men of old developed their consciousness in such a way that they brought to development just those forces that were bestowed upon consciousness, and they instinctively limited themselves to having in their conceptions nothing but ghosts. In ancient times they pictured the Gods as ghosts, and later took the ghosts to be realities. Not that the ghosts were false: what was false was the attitude of men towards them.
[ 8 ] Nun, daß die Vorfahren sich Gespenster vorgestellt haben und daß Gespenstervorstellen ein Aberglaube ist, das gesteht der moderne Mensch in seinem Urteile über die Alten zu, leckt sich die Finger ab in Selbstzufriedenheit und findet sich gescheit. Daß in noch älteren Zeiten die Menschen durch die Gespenster die geistige Welt vorgestellt haben, das zu erkennen, darauf läßt er sich nicht ein, denn die geistige Welt interessiert ihn heute nicht besonders, nur die natürliche Welt. Und so fühlt er sich unendlich erhaben über die Vorfahren, indem er aus seinem Bewußtsein heraus sich Vorstellungen bildet über die Natur. Das Zeitalter der Bewußtseinsseele verlangt aber etwas anderes von uns, als die Vorfahren gekonnt haben. Wir müssen uns aufklären über das, was wir eigentlich haben, wenn wir die Naturanschauung haben.
[ ] The fact that our forefathers conceived of ghosts, and that all such notions are superstition—this is taken for granted by modern man in his judgment on the people of former ages; he pats himself on the back and thinks he is very clever. He docs not get as far as recognising that through ghosts, in still older times, people formed their conception of the spiritual world; for to-day it is not the spiritual world that interests people but the world of nature. The ability of modern men to form conceptions about nature makes them feel infinitely superior to their forefathers. But the age of the Consciousness Soul asks of us something different from what our forefathers could do; we must be clear what it is that we actually have in our outlook on nature.
[ 9 ] Nun, wir bilden uns ja auch Vorstellungen aus unserem Bewußtsein heraus, wenn wir so recht moderne, selbstzufriedene, aufgeklärte, gescheite Menschen sind; wir bilden uns Vorstellungen über die Natur. Aber wenn man diese ganze Vorstellungswelt über die Natur nimmt und sie prüft, vorurteilslos prüft, dann findet man, daß wir zwar die Vorstellungen haben, aber daß wir die Natur in diesem Vorstellen nicht einfangen können. Es bleiben, wie die Leute dann sagen, Grenzen des Naturerkennens. Ich habe öfter einen Philosophen der Gegenwart angeführt, der ja als philosophischer Schriftsteller wenig bekanntgeworden ist, aber der manches ausgeschwatzt hat von dem, was die andern nicht ausschwatzten, weil sie es nicht so tief untersucht haben: Richard Wahle, der zwei große Bücher und allerlei kleine geschrieben hat, ein großes Buch schon in den neunziger Jahren, welches heißt: «Das Ganze der Philosophie und ihr Ende»; und vor einigen Jahren hat er das Buch geschrieben «Über den Mechanismus des geistigen Lebens». Dieser Richard Wahle ist ein Mensch, den man einen Exponenten der Menschen der Gegenwart nennen könnte, man könnte sagen, wie Richard Wahle denkt, so denken eigentlich alle Menschen, die in naturwissenschaftlicher Weise orientiert sind. Sie denken so wie er; nur zieht er die letzten Konsequenzen, und so tritt denn bei ihm der sonderbare, krasse Fall ein, daß er Professor der Philosophie wurde, und über das Ende der Philosophie gleich ein dickes Buch schrieb, ein Buch, in dem er den Beweis zu führen suchte aus der naturwissenschaftlichen Denkweise heraus, daß es keine Philosophie geben soll. In diesem seinem Bande: «Über den Mechanismus des geistigen Lebens» drückt sich dieser Professor der Philosophie und philosophische Schriftsteller ganz sonderbar über seine Kollegen, die Philosophen aus. Er sagt nämlich über seine Kollegen so ungefähr: Die Philosophen glichen und die Philosophie gleiche einem Restautant; früher seien Köche und Kellner herumgestanden und hätten ungenießbare Speisen bereitet und an die Gäste abgegeben; jetzt stünden sie herum und hätten überhaupt nichts zu tun. Also dieser eine Koch oder Kellner oder Philosoph, der sagt, daß die Philosophie mit einem Restaurant zu vergleichen sei, in dem früher lauter ungesunde Speisen fabriziert wurden von Köchen und Kellnern — von Kollegen dieses Philosophen — und jetzt ist die Sache gar so weit gekommen, daß nicht einmal mehr ungesunde Speisen durch die Philosophenköche der Gegenwart gekocht werden, sondern daß die Köche und Kellner herumstehen. Er muß sich natürlich, da er ein solcher Koch oder Kellner oder Philosoph ist, selbst so vorkommen, daß er eigentlich höchst unnötig herumsteht. Da hat er sich denn in seinen beiden Büchern eine letzte Aufgabe, wie er glaubt, gestellt; nachher soll es keine Philosophen mehr geben, er soll der letzte sein. So ungefähr ist der tiefere Gehalt seiner Bücher. Er soll der letzte sein, denn er hat sich nun die Aufgabe gestellt — ja, wie soll ich diese nun charakterisieren? Richard Wahle also als einer der Kellner oder Köche unter den andern Köchen oder Kellnern, die früher ungesunde Speisen der Philosophie fabriziert und jetzt überhaupt nichts mehr zu tun haben, ist unter diesen Köchen und Kellnern damit beschäftigt, ein Gift zu fabrizieren, woran sie alle verenden! Das ist ein außerordentlich interessantes Schauspiel! Und wenn man gewöhnt ist, die Geschichte in ihrer Entwickelung symptomatisch zu betrachten, so ist es ein ernstes und sehr bemerkenswertes Symptom der Gegenwart. Denn scharfsinnig und tief eingedrungen in die Probleme des naturwissenschaftlichen Denkens ist dieser Philosoph.
[ ] Now as strictly modern, self-satisfied men, enlightened, clever men, out of our consciousness we form conceptions about nature. But when we take this whole world of conceptions about nature and test it, test it without prejudice—well, then we find that we have the conceptions, certainly, but with these conceptions we are unable to lay hold of nature. There are, as people say, limits to our knowledge of nature. I have often cited a present-day philosopher, little known by his writings, who has said openly many things that others have not said, because they have not gone so deeply into the matter. I am speaking of Richard Wahle, who has written two big books and all manner of small ones. One of the larger books, published in the eighties, was called The Whole of Philosophy and its End, and a few years ago he wrote The Mechanism of the Human Spirit. This Richard Wahle might be called a spokesman of the men of to-day; in fact we could say that as Richard Wahle thinks, so do all those who find their way about in life through natural science. They think as he does, but he carries things to their logical conclusion, and so in him we have the strange and flagrant case of a Professor of Philosophy who wrote a large tome about the end of philosophy—a tome in which he sought to prove, out of the scientific method of thinking, that there ought to be no such thing as philosophy. In his book, The Mechanism of the Human Spirit, this Professor of Philosophy, this philosophical author, expresses himself about his fellow-philosophers in the most singular way. This is approximately what he says.—Philosophers and philosophy resemble a restaurant in which formerly there used to be cooks and waiters preparing unappetising food and handing it to their patrons; now the cooks and waiters stand about with absolutely nothing to do. Thus, this cook, or waiter, or philosopher, says that formerly philosophy was to be compared with a restaurant where indigestible foods were concocted and served by cooks and waiters—the colleagues of our professor—and that now things have come to such a pass that not even indigestible foods are cooked any longer by the philosopher-cooks, and the cooks and waiters just stand around. Naturally, since our author is a cook, waiter, or philosopher of this kind, he must appear to himself as standing quite uselessly around. In his two books, then, he has set himself, as he thinks, a final task: henceforth there should be no more philosophers, he is to be the last. This is the deeper meaning of his books. He is to be the last philosopher, for he has set himself this task ... now how is this to be explained? Richard Wahle as waiter or cook among other waiters and cooks who have formerly concocted indigestible food, and now have nothing whatever to do except with other cooks and waiters to concoct a poison which will be the end of them all—this is an extraordinarily interesting spectacle! When we accustom ourselves to studying symptomatically the development of history, we find this to be a symptom of the times which is worthy of our attention. For this philosopher is quick-witted and deeply imbued with the problems of scientific thinking.
[ 10 ] Nun bin ich zwar überzeugt, daß die allermeisten von Ihnen, wenn Sie eines dieser Bücher in die Hand nehmen, es sehr bald wiederum aus der Hand legen, weil diese Bücher außerdem in der modernen Philosophengelehrtensprache gehalten sind, und diese ja, nicht wahr, mit einer Terminologie ausgerüstet ist, die derjenige, der nicht eingefuchst darinnen ist, nicht versteht, die er erst lernen muß. Aber dennoch, wer diese Sprache handhaben kann, der kann wissen, daß in diesen Büchern eine Unsumme von Scharfsinn steckt, wie er in der Gegenwart fabriziert werden kann, und daß in den jammervollen Umschreibungen, die gerade in diesen Büchern stecken, eine ahnende Erkenntnis liegt, die allerdings ganz anders präzisiert werden muß, als sie Richard Wahle präzisiert. Aber man möchte sagen: Diese eigentümliche Leidenschaft, dieses eigentümliche Leidenschaftliche, das er hat, loszugehen auf die Fabrikation dieses Giftes, von dem ich gesprochen habe, für die andern Köche und Kellner, die bezeugt, daß diese Erkenntnis in ihm pulst, sonst würde er nicht als wohlbestallter Professor der Philosophie gesagt haben, der Mensch habe nicht mehr Weisheit als ein Tier, und unterscheide sich vom Tier nur dadurch, daß das Tier wenigstens nicht so vernünftig sei, nach Weisheit zu streben, der Mensch aber sogar nach Weisheit strebt, also vernünftig ist, weil er dasjenige ahnt, was es für ihn gar nicht geben kann.
[ ] Now I am quite convinced that the majority of you, on taking up these books, would very soon put them down again; for they are written in the learned language of modern philosophers and this language has a terminology unintelligible to those who are not versed in it—they first have to learn it. Nevertheless, whoever can cope with this language knows, or can know, that concealed in these books there is an immense amount of ingenuity of the kind that is possible to-day, and that in their painfully roundabout style there lies a kind of prophetic knowledge—though this should certainly be cultivated in a way quite different from his. However, we might perhaps say that this characteristic passion of his, to get to work on concocting the poison I spoke of for the other cooks and waiters, bears witness to the inner activity of this knowledge; otherwise, as an established Professor of Philosophy, he would never have said r Man has no more wisdom than an animal and is differentiated from the animal only by the fact that the animal lacks the mental capacity to seek after wisdom; man docs indeed seek after wisdom and is therefore rational because he has a foreshadowing of something he is unable to acquire.
[ 11 ] Da pulst eben eine wichtige Erkenntnis, wenn diese Erkenntnis auch mehr oder weniger negativer Natur ist: darinnen pulst die Erkenntnis über das Naturwissen der Gegenwart. Dieses Naturwissen soll nämlich über die Natur handeln, es soll gewissermaßen vorstellungsgemäß die Natur vergegenwärtigen für das moderne Bewußtsein. Aber wenn man nun wirklich Umschau hält in den Vorstellungen, die man sich heute bildet über die Natur gerade in den allergelehrtesten Zusammenhängen, dann findet man, daß das menschliche Bewußtsein heute eigentlich kurioserweise auch nichts anderes tut, als Gespenster ausdenken, nur daß die Alten Gespenster über die Götter ausgedacht haben, und die modernen Menschen Gespenster über die Naturtatsachen ausdenken. Denn dasjenige, was sich die modernen Menschen als Naturwissenschaft vorstellen, ist nicht die Natur, sondern verhält sich zur Natur wie ein Gespenst zu der Wirklichkeit. Das ahnt nämlich solch ein Mensch wie Richard Wahle, daß das Zeitalter der Bewußtseinsseele darauf kommen muß: Wir sind gar nicht so sehr erhaben über unsere Vorfahren; die verwendeten die Bewußtseinskräfte und bildeten sich Vorstellungen von Gespenstern, und wir bilden uns auch Vorstellungen von Gespenstern. Der Unterschied ist nur der, daß die Vorfahren schönere Gespenster hatten als die Gespenster sind, welche die heutigen naturwissenschaftlichen Denker fabrizieren, und die im Grunde genommen schreckliche Gespinste von abstrakten Begriffen sind. Aber Gespenster sind es, wie die Gespenster unserer Vorfahren Gespenster waren, Und nicht anders verhalten sich diese Gespenster der Naturwissenschaft, verhält sich diese gespenstische Naturwissenschaft selber zur Wirklichkeit, als die alten Gespenster sich zu der göttlichen Wirklichkeit verhielten.
[ ] These words are symptomatic of important knowledge—knowledge of a more or less negative character, knowledge about present-day natural science. This natural science is meant to treat of nature; it is meant in a certain sense to bring home nature to modern consciousness in a conceptual way. If, however, we look around at these conceptions, which to-day are formed about nature in the most learned way, we find, curiously enough, that human consciousness is merely inventing ghosts; but whereas the people of old invented ghosts to represent the Gods, to-day they are invented to represent the facts of nature. For what modern men conceive as natural science is related to nature as a ghost is related to reality. It was indeed divined by Richard Wahle that the age of the Consciousness Soul had come to this conclusion: We are not after all so superior to our forefathers; they used the forces of consciousness and formed conceptions of ghosts; we too form conceptions of ghosts. The only difference is that they had more beautiful ghosts than those invented by scientific thinkers, which, to speak the truth, are a horrible weaving in abstract concepts. But they are ghosts, just as the ghosts pictured by our forefathers were ghosts. And these ghosts of natural science are related to reality, this ghostly natural science itself is related to reality, in the same way as the ghosts of old were related to divine reality.
[ 12 ] Dem Zeitalter der Bewußtseinsseele geziemt es nun, darauf zu kommen, daß dies so ist, daß man nun wirklich in Gespenstern lebt, wenn man in Vorstellungen lebt. Es ist außerordentlich wichtig, daß man im Zeitalter der Bewußtseinsseele auf dieses bedeutungsvolle Faktum kommt. Die Alten haben nicht im Zeitalter der Bewußtseinsseele gelebt, daher durften sie unbewußt bleiben über die Tatsache, daß sie Gespenster vorstellten. Unsere Naturforscher stellen auch Gespenster vor; aber wir haben im Zeitalter der Bewußtseinsseele die Aufgabe, zu wissen, daß wir auch Gespenster vorstellen, daß wir nicht die Natur vorstellen, sondern nur Naturgespenster. Und wie unsere Vorfahren sich herausentwickelt haben von ihren weiter zurückliegenden Vorfahren, welche die Gespenster nicht für Wirklichkeit genommen haben, sondern für Abbilder göttlicher Wirksamkeiten, für Abbilder übersinnlicher Intelligenzen, so müssen wir gerade durch das Zeitalter der Bewußtseinsseele aufsteigen zu dem wirklichen Geständnis: Unsere naturwissenschaftlichen Gespenster sind nicht Wirklichkeiten, wie die heutigen Naturwissenschafter glauben, sondern sind Hinweise auf die Wirklichkeiten, die man eigentlich durch sie suchen soll. Täuscht man sich über das Gespenstige der Naturwissenschaft, so kann man auch nicht zu einer Aufklärung über den Menschen kommen. Denn die Natur können wir mit unseren gespenstischen Vorstellungen anschauen, sie tritt doch in ihrer wahren Gestalt vor unsere Augen; den Menschen selbst müssen wir vom Zeitalter der Bewußtseinsseele an bewußt erleben. Da geht es nicht, daß wir bloß gespenstische Vorstellungen anwenden, sonst machen wir uns selber zum Gespenst. Das ist auch schon reichlich geschehen.
[ ] Now it behoves this age of the Consciousness Soul to realise that this is so—that living in conceptions is really living with ghosts. In this age of the Consciousness Soul it is extraordinarily important for man to face this significant fact. The men of old did not live in the age of the Consciousness Soul; hence they had no need to be aware that they were forming conceptions of ghosts. Our natural scientists also form conceptions of ghosts, but in this age of the Consciousness Soul it is our task to know that we also are forming conceptions of ghosts—not conceptions of nature but only of ghosts of nature. And as our forefathers were preceded by their own remote forefathers, who took ghosts to be images of divine activity, images of supersensible intelligence and not real in themselves, so by virtue of this age of the Consciousness Soul we have once more to rise again to a recognition of the truth: to recognise that our scientific ghosts have not the reality ascribed to them by modern scientists, but are only pointers to a reality which is to be sought through them. If we are deceived by the ghostly nature of natural science, we can never come to any clear knowledge of man. With our ghostly conceptions we are still able to perceive nature, for nature appears before our eyes in her true form; as to man himself, in the age of the Consciousness Soul we have to experience him consciously. It will not do to apply merely ghostly conceptions to man, for then we turn ourselves into ghosts. This has indeed happened to a very large extent.
[ 13 ] Die Evolutionslehre, die Goethesche Entwickelungslehre, ist nicht falsch, sondern sie tendiert nach dem Richtigen, weil sie die Menschen als Wirklichkeit erfassen will. Die materialistische, darwinistisch gefärbte Evolutionslehre, die redet von der Abstammung des Menschen von den Tieren. Aber die Sache ist diese, daß etwas in uns schon abstammt von den Tieren, oder wenigstens eine gemeinschaftliche Abstammung von den Tieren hat, doch das sind wir nicht als Menschen, sondern das ist das Gespenst, das die Naturwissenschaft von uns kennt. Erst macht die Naturwissenschaft auch den Menschen zum Gespenst, indem sie nur von seiner Gespensterscheinung weiß, und dann frägt sie: Woher stammt dieses Gespenst? Erst wenn man darauf kommen wird, daß nicht der Mensch, sondern sein Gespenst so behandelt werden kann, wie die moderne Naturwissenschaft das tut, dann wird man auf diesem Felde das Richtige treffen. Aber man muß leben, und Sie werden mir ohne weiteres zugeben: So wie Sie hierher gegangen, hierher gekommen sind, wären Sie nicht hierher gekommen, wenn Sie bloß den Homunkulus, das Gespenst hergeschickt hätten, als welches Sie sich nach naturwissenschaftlichen Vorstellungen vorstellen müssen. Und säßen nur die Homunkuli da, die in Ihrem Bewußtsein von Ihnen selber leben, dann würde ich auch nicht zu diesen Homunkuli sprechen können! Sie tragen schon Ihren wirklichen Menschen hierher, aber nicht im Bewußtsein. Wohl aber muß das Zeitalter der Bewußtseinsseele den wirklichen Menschen ins Bewußtsein hereinkriegen. Es muß aufrücken vom Homunkulus zum Homo. Wenn das nämlich nicht geschähe, so würde der Mensch dahin kommen, auch den polarischen Gegensatz von seinem Gespenstischsein zu erleben. Wenn man sich nicht als Gespenst nimmt, sondern in seiner Wirklichkeit, wie es die Alten getan haben — die sich zwar als Gespenster vorgestellt haben, aber weil sie atavistische Kräfte in sich hatten, konnte die Wirklichkeit in sie noch hinein, während in den heutigen Menschen nur das herein kommt, was durch seine Bewußtseinsseele kommen kann —, wenn man aber in der Bewußtseinsseele nur das Gespenst vom Menschen hat, dann kommen durch diese Bewußtseinsseele moralisch-spirituelle Impulse nicht herein. Und wenn Sie sich die Begleiterscheinungen der gespenstischen Naturwissenschaft anschauen, ja, dann finden Sie schon, daß dieses neuere Zeitalter, das eine gespenstische Naturwissenschaft hat, niemals eigentlich gelten lassen will, daß aus der geistigen Welt selber Impulse herankommen für das sittliche Handeln. Diejenigen sittlichen Impulse, mit denen die heutige Menschheit arbeitet, sind uralt, stammen noch aus atavistischen Zeitaltern; denn die heutige Menschheit will nicht den Geist fragen, wenn Impulse für das Handeln herauskommen, sondern sie will die Natur fragen. Sie will fragen: Was ist die menschliche Natur? Was sind da für Triebe in der menschlichen Natur?
[ ] The theory of evolution, Goethe's theory of evolution, is not wrong; it takes the right direction because it wishes to grasp man in his reality. The materialistic theory of evolution, with its Darwinian colouring, talks of man's descent from the animals. The truth, however, is this—there is something in us which originates in the animals, or at least has a common origin with the animals, yet this is not what we are as human beings; it is the ghost that natural science takes for man. Science turns man also into a ghost because it knows him only as a ghostly phenomenon, and then it asks: Whence comes this ghost? When we reach the point of recognising that it is not man but only his ghost that can be dealt with in the manner of modern science, then in this sphere we shall reach the truth. You will surely be ready to admit that you would never have come here had you sent only Homunculus, the ghost, which is the conception of yourselves forced upon you by natural science. And if only the Homunculi who represent you in your consciousness were here, I should not be able to speak to them! You carry real human beings here with you, but not in your consciousness. The age of the Consciousness Soul, however, has to raise into consciousness the real man. From Homunculus he must rise to man. If this were not to come about, man would get to the point of experiencing the polaric opposite of his ghostly being. The men of old did conceive of themselves as ghosts, it is true, but they could also receive the reality because atavistic forces were still active in them, whereas into the men of to-day there can enter only what comes through the Consciousness Soul; and when in the Consciousness Soul man has only the ghost of himself, moral spiritual impulses cannot get through. And when you perceive the accompanying phenomena of a ghostly natural science, then you find that this modern age, with its ghostly natural science, will never allow that impulses for moral action come down from the spiritual world. The moral impulses with which men work to-day are of primeval origin, springing from times when atavistic forces were still strong; for people to-day, when impulses for action arise, will not ask the spirit, they will only ask nature: What is the nature of man? What kind of driving forces are there in human nature?
[ 14 ] Es ist furchtbar, wie die neuere Menschheit eigentlich nur die Natur befragen will, aber von der Natur kennt sie nur ein Gespenst. Daher lastet und kraftet in dem modernen Menschen unbewußt die Wirklichkeit und fordert Einlaß durch das Bewußtsein, weil wir im Zeitalter der Bewußtseinsseele leben.
[ ] It is terrible how in these days men are willing only to question nature—and of nature they can know only its ghost. Hence the reality becomes oppressively active in the unconscious, demanding entrance into consciousness, for we live in the epoch of the Consciousness Soul.
[ 15 ] Damit habe ich Ihnen etwas vom Wichtigen in der Situation der Gegenwart klargestellt. Ich habe Sie darauf hingeführt, daß in dieser Situation der Gegenwart die Sache so liegt, daß auf der einen Seite die Menschen sich gespenstische Vorstellungen über die Natur bilden und experimentierende Naturforscher werden auf allen Gebieten; dann tritt der Mensch selber in seiner Wirklichkeit an sie heran, und dann betrachten diese Leute diesen Menschen in seiner Wirklichkeit. Aber die gespenstischen Begriffe der Naturwissenschaft sind unzulängliche Mittel. Daher werden jene Leute keine Menschenbeobachter, sondern nur Beobachter des Menschengespenstes: Psychoanalytiker. Psychoanalyse ist so recht das Kind der gespenstischen Naturwissenschaft; deshalb nenne ich immer die Psychoanalyse etwas, was mit unzulänglichen Mitteln arbeitet.
[ ] Thus I have made clear to you something important in the situation we are facing to-day. I have led you to see how it is that men form ghostly conceptions of nature, while scientific experimenters are found on all sides. ... Then a man in his reality appears before them, and the scientists study him. But the ghostly concepts of natural science are inadequate for this; hence the scientists are observers not of man, but only of his ghost—psycho-analysts. Psycho-analysis is the unmistakable child of a ghostly natural science; thus I always speak of psycho-analysis as working with inadequate means.
[ 16 ] Nun können wir fragen: Wodurch ist denn diese Situation herbeigeführt worden? Diese Situation ist herbeigeführt worden dadurch, daß durch die Konstellation, die hervorgerufen worden ist in der Erdenentwickelung, ein ganz bestimmtes Verhältnis vorliegt zwischen der ureigenen menschlichen Entwickelung und den beiden Seitenströmungen, der ahrimanischen und der luziferischen. Ich habe in der verschiedensten Weise auf die normale Entwickelung gewissermaßen hingewiesen, dann auch auf die beiden Seitenströmungen: die luziferische, die ins Erdenleben in der lemurischen Zeit, die ahrimanische, die in der atlantischen Zeit eingeflossen ist. So sind sie drinnen in der Menschheitsentwickelung, diese drei Strömungen, und dasjenige, was in der Menschheitsentwickelung geschieht, steht unter dem Einflusse dieser drei Strömungen.
[ ] At this point we may ask: How has this situation come about? It has come about through the pattern of events which has taken shape in earthly evolution, causing a quite definite relation between the primeval evolution of man and the two side-streams, the Ahrimanic and the Luciferic. I have shown you the normal evolution from diverse aspects, and then the two side-streams—the Luciferic flowing into earthly life in the Lemurian period, the Ahrimanic in the Atlantean. Thus they are within human evolution, these three streams, and all that happens in the evolution of mankind is under their influence.
[ 17 ] Alles das, was in diesen Strömungen drinnenliegt, bewirkte, daß ein wichtiger Knotenpunkt in der ganzen menschlichen Entwickelung um ein bestimmtes Jahr herum auftrat. Es lag in diesem Jahr, da, wo die drei Strömungen zusammenfließen, ein Knotenpunkt menschlicher Entwickelung, der nur durch die verworrenen äußeren Verhältnisse verdeckt ist, so daß man nicht genau sieht, was geschieht, sondern nur das Verworrene sieht. Dieser wichtige Knotenpunkt lag um das Jahr 666 nach dem Mysterium von Golgatha herum. Dazumal, 666 nach Christi Geburt, hätte etwas geschehen sollen und auch geschehen können, was nicht geschehen ist. Sie werden gleich hören, aus welchem Grunde es nicht geschehen ist.
[ ] As a consequence of all that goes with these streams, human evolution as a whole came to an important crossroads in a certain definite year. During this year the three streams flowed together into a critical conjunction which was concealed only by a confusion in outer conditions, so that only the confusion was seen but not what was actually happening. This critical point occurred about 666 years after the Mystery of Golgotha. At that time—666 years after the birth of Christ—something was due to happen and could have happened, but did not happen. The reason why it did not happen you will now hear.
[ 18 ] Im Jahre 666 hätte kommen können — sichtbarlich für die äußere Menschheit, namentlich für die abendländische Menschheit — ein bedeutsames Wesen, das nicht auf dem physischen Plane aufgetreten wäre, aber sich der Menschheit sehr deutlich vernehmbar gemacht hätte auch äußerlich, so daß die Menschen ihm verfallen wären. Wenn dieses Wesen in der Gestalt, wie es selbst die Sache projektiert hat, aufgetreten wäre, dann würden wir heute nicht 1918 schreiben, sondern — minus 666 — erst 1252; denn dieses Wesen würde die Menschen so inspiriert haben, daß sie auch die Zeitrechnung danach gerichtet hätten. Dieses Wesen würde, wenn es hätte so erscheinen können, wie es selbst dies projektiert hat, etwas sehr Eigentümliches bewirkt haben. Die Sache liegt nämlich so: 333 Jahre vorher, also gerade im Jahre 333 nach Christo, da war die Mitte des vierten nachatlantischen Zeitraumes, gerade die Mitte des griechisch-lateinischen Zeitraumes. Nun können Sie sich ja ausrechnen: 747 beginnt es, 1413 schließt es, das sind 2160 Jahre, wie es sein soll. Nehmen Sie die Hälfte von 2160 Jahren, so bekommen Sie 1080 Jahre, so daß 1080 Jahre seit 747 verflossen waren in der Mitte des nachatlantischen Zeitalters. Also wenn wir 747 wegrechnen, haben wir 333: so daß also im Jahre 333 nach unserer Zeitrechnung die Mitte des griechisch-römischen Zeitalters war. Sie war nicht vor dem Mysterium von Golgatha, sondern eigentlich erst nach dem Mysterium von Golgatha, diese Mitte; sie bedeutet die höchste mögliche, aber eigentlich nicht äußerliche Wirklichkeit, weil ja in der äußeren Wirklichkeit die andern Strömungen mit einlaufen. Aber wenn die Entwickelung geradlinig fortgegangen wäre und nicht die seitlichen Strömungen gekommen wären, dann wäre das die richtige Mitte, und es wäre der Höhepunkt gewesen des Zeitalters der Verstandes- oder Gemütsseele. Da hätte die Verstandesoder Gemütsseele zu ihrer äußersten, höchsten Entfaltung kommen müssen. So ist es nicht gekommen, weil gewissermaßen schon der Wurm nagte, der da projektierte, 333 Jahre danach, 666, eine ganz bestimmte Prozedur mit der Menschenentwickelung vorzunehmen. Die Prozedur, die da mit der Menschenentwickelung vorgenommen werden sollte durch dieses Wesen, den Sorat, das Tier, sollte darin bestehen, daß dieses Wesen, das schon voll ausgebildet hatte die Bewußtseinsseele, während der Mensch erst bei der Verstandes- oder Gemütsseele angekommen war, dem Menschen geben wollte alle die seelisch-geistigen Errungenschaften, die der Mensch damals nicht hatte vermöge seiner Verstandes- oder Gemütsseele, sondern die er erst bekommen kann mit der Bewußtseinsseele, die also dem Menschen erst eignen können im späteren Zeitalter. Verfrüht sollte sie dem Menschen zukommen, die Kultur der Bewußtseinsseele. Und nach den Weltenverhältnissen war 666 der günstigste Zeitpunkt; da konnte dieses Wesen solchen Einfluß auf die Erde nehmen, daß es hätte sagen können: Ich lehre jetzt den Menschen alles, was sie jemals durch ihre Bewußtseinsseele finden können. Ich träufle das, was die andern Götter, die ich bekämpfe, erst im nächsten Kulturzeitalter den Menschen geben wollen, den Menschen jetzt schon ein in dem Zeitalter der Verstandes- oder Gemütsseele. — Die Vermischung der Verstandesoder Gemütsseele mit der Bewußtseinsseele auf ungerechtfertigte Art, das war dasjenige, was beabsichtigt war.
[ ] In the year 666 there could have come—visibly for ordinary people, particularly for men of the West—an important being who would not have entered the physical plane, but would have made himself very clearly perceptible to mankind even in an external way, so that they would have become his victims. Had this being appeared in the form he intended, we should not be writing 1918 to-day but 1918 minus 666, or 1252; for this being would have inspired men in such a way that they would have regulated their chronology accordingly. Had he been able to appear according to plan, this being would have brought about something very strange. Now the matter is like this: 333 years earlier, or 333 years after Christ, we have exactly the middle of the fourth post-Atlantean epoch; the middle, that is, of the Graeco-Latin epoch. Now you can do this sum: it begins with 747 B.C. and ends with 1413; this makes 2,160 years, as it should. Take half 2,160 years and you get 1,080 years, so that 1,080 years since 747 B.C. had gone past by the middle of the post-Atlantean epoch. Take away 747 and you have 333, so that the year 333 of our era was the middle of the Graeco-Roman epoch. It was not before the Mystery of Golgotha, this mid-point, but after. It signifies the highest possible reality but not an external reality, because in external reality the two other streams flow in. If, however, evolution had proceeded in a straight line, without the side-streams flowing in, then 747 would have been the true centre and it would have been the zenith of the epoch of the Intellectual or Mind Soul. The Intellectual or Mind Soul would then have reached its highest degree of external development: But it did not come about like that, because in a certain sense the serpent was already at work, having planned to apply in 666—333 years later—a quite definite procedure to human evolution. The intention of this being, the Sorat, the Beast—who had fully developed the Consciousness Soul, whereas man had reached only the age of the Intellectual or Mind Soul—was to bestow prematurely on men all the soul-spiritual achievements unobtainable through the Intellectual or Mind Soul, and within reach only of the Consciousness Soul. In effect, the culture-epoch of the Consciousness Soul was to come prematurely to man. According to world conditions, 666 was the most favourable point of time for this; the Sorat would then have been able to exercise such influence upon the earth that he could have said: “I am now teaching men everything they will ever be able to gain through the Consciousness Soul. Little by little I am pouring into man now, in the epoch of the Intellectual or Mind Soul, all that the other gods, whom I oppose, wish to give him only in the next culture-epoch.” An unjustified mingling of the Intellectual or Mind Soul with the Consciousness Soul was the object in view.
[ 19 ] Es wäre ja wohl kaum gelungen, etwa die ganze Menschheit, die ja wiederum natürlich auf verschiedenen Stufen der Entwickelung steht, dazu zu bringen, in die Verstandes- oder Gemütsseele herein schon den Inhalt der Bewußtseinsseele zu bringen, aber bei einer großen Anzahl von Menschen hätte es gelingen können. Es hätte so gelingen können, daß, wenn dieses Wesen wirklich seinen Zweck erreicht hätte, dann unter den Menschen, namentlich der gebildeten Welt des Abendlandes, eine Anzahl Genies aufgestanden wären. Denn Genies wären sie ja gewesen. Das, was Menschen, die nicht ganz hätten mitgehen können, die noch mit der Entwickelung zurückbleiben, normalerweise erst im Jahre 2493 wissen werden — denken Sie, in der Mitte des Zeitalters, das 1413 begonnen hat; denn wenn Sie zu 1413 die Hälfte eines Kulturzeitalters dazurechnen, also 1080, so bekommen Sie 2493 —, das hätte dazumal — zwar nicht so, wie diesen Menschen dann, aber durch geniale Kräfte der ahnungsvollen Phantasie — hinübersprudeln und der ahnungslosen abendländischen Menschheit sich offenbaren können.
[ ] It would hardly have been possible to bring the content of the Consciousness Soul into the Intellectual or Mind Soul in the case of every man, for naturally men were at various stages of evolution; but in the case of a great number the attempt might have met with success, in the following way. When this being had reached his aim, a number of geniuses would have arisen, particularly among educated people in the West. For geniuses they would have been—just think of the middle of the epoch which began in 1413; when you add half a culture-epoch—1,080 years—to 1413, you get 2493. The knowledge that in the normal way men will have in 2493 would have sprouted up in 666, not indeed in men as they then were by nature, but through prophetic imagination inspired with the forces of genius, and would have revealed itself to unsuspecting Western peoples.
[ 20 ] Es waren merkwürdige Erscheinungen projektiert. Wenn Sie sich die naturwissenschaftlichen Ideale der Gegenwart denken, die Leute schildern hören, wie wir es in den letzten Jahrzehnten so herrlich weit gebracht haben — denken Sie sich nun, was dieselben Menschen sich für Vorstellungen machen könnten von dem, wie die Erdenmenschheit im Jahre 2493 sein werde, wenn sie nun schon im Jahre 1918 so gescheit sind! Also Maschinen und so weiter würden die Menschen nicht gemacht haben, würden nicht experimentiert haben, nicht den Schleppgang gegangen sein, aber mit genialen Kräften würden sie alles vorher geahnt haben und vieles auch gemacht haben. Dieses Jahr 666 war bestimmt, die Menschheit geradezu zu überschwemmen mit einem Erkennen und mit einer Kultur, die von den der Menschheit ureigenen Göttern eben erst im dritten Jahrtausend der Menschheit zugedacht ist. Es ist nicht auszudenken, braucht auch nicht ausgedacht zu werden, in welche Situation die sogenannte gebildete Welt gekommen wäre, wenn sie in solcher Weise mit diesem sechshundertsechsundsechziger Wissen überschwemmt worden wäre. Die Menschen würden in ihrer mangelnden Selbstzucht verkommen sein. Denn schlagen Sie die Geschichten auf, die ja immer nur die einseitigen Dinge erzählen über die Seelenverfassung, welche die Menschen 666 hatten, so werden Sie schon darauf kommen, wie die Menschen sich verhalten haben würden, wenn sie nun in dieser Weise Genialitäten unter sich gehabt hätten. Sie haben es schon so herrlich weit gebracht mit dem, was sie nun entwickelt haben bis zum Jahre 1914; wohin würden die Menschen erst gekommen sein, wenn sie nun mit all dieser Weisheit des Tieres überschwemmt worden wären! Aber projektiert war es von gewissen höheren Geistern, namentlich von einem Wesen ahrimanischer Natur, das der Führer dieser Geister sein sollte, das dann erschienen wäre, wenn auch nicht auf dem physischen Plane, aber das eben wirklich erschienen wäre.
[ ] Remarkable phenomena were planned. If you consider the scientific ideals of to-day and hear people describing the wonderful progress made in recent decades ... just think what sort of picture these people could form of humanity in 2493, when in 1918 they are already so clever! People would not have built machines and so on, would not have made experiments, would not have gone the slow way ... with the forces of genius they would have foreseen everything and would also have created much. This year 666 was intended to deluge humanity with a knowledge and a culture which the primal gods had intended for men only during the third millennium. It cannot be conceived—need not be conceived—into what situation the so-called civilised world would have come if it had been deluged with this wisdom in the year 666! With their lack of self-discipline people would have come utterly to grief. For go to your history books and see what they say about man's unbalanced mood of soul in 666, and you will get some idea of how people would then have behaved if in this way genius had come among them. They have indeed brought things to a wonderful pass in what they have developed up to the year 1914 ... whatever would have become of them had they been deluged with all this wisdom of the Beast? It was nevertheless planned by certain higher spirits, particularly by a being of Ahrimanic nature who was to lead these spirits, that this being should appear, even if not on the physical plane—but he was to appear.
[ 21 ] Das mußte verhindert werden. Und wenn auch noch so viele glauben, man soll doch der Menschheit nichts vorenthalten, wenn ihr so etwas gegeben werden kann: da es nicht im geistigen Sinne der menschlichen Entwickelung lag, mußte es verhindert werden. Und es konnte verhindert werden dadurch, daß die Waage gehalten wurde. Denken Sie, 333 war der Zeitpunkt der Mitte des vierten nachatlantischen Zeitalters; 333 Jahre später war 666; da hätten die ahrimanischen Mächte mächtig allen Hochmut materialistischer Art, aber mit genialen Kräften, in die Höhe gebracht. Da konnte nur das Gleichgewicht gehalten werden dadurch, daß 333 Jahre früher, also im Beginne der Zeitrechnung, das Wesen aufgetreten war, das seine eigene Substanz in die Menschheitsentwickelung zum Gleichgewicht hineinsetzte und verhinderte, daß 333 Jahre nach 333 dieses Wesen auftrat, von dem ich gesprochen habe.
[ ] This had to be prevented. However many people there are who believe that nothing of this kind that can be given to mankind should be withheld, it had to be prevented, because it did not belong to human evolution in the spiritual sense. It could be prevented by the establishing of balance. Now, consider: 333 was the mid-point of the fourth post-Atlantean epoch; 333 years after that brings us to 666, when the Ahrimanic powers in all their strength would have brought to a climax the whole pride of materialism, but through the forces of genius. A state of balance could be maintained only by the appearance 333 years earlier—that is, at the beginning of our era—of that Being who threw into the balance His own substance, and prevented that being of whom I have spoken from appearing 333 years after 333.
[ 22 ] Da haben Sie den einen Waagebalken: von 333 bis 666 sind 333 Jahre. Da haben Sie den andern Waagebalken, der das Gleichgewicht bewirkt: von 333 zurück bis zum Mysterium von Golgatha. Dadurch ist ein Gleichgewichtszustand hervorgerufen. Dadurch ist etwas geschehen, das gewissermaßen hinter den Kulissen der äußeren profanen enden Geschichte sich abgespielt hat. Etwas, was hätte geschehen können, ist verhindert worden durch etwas anderes, was wirklich geschehen ist, aber eben auch nur, wie ich neulich auseinandergesetzt habe, mit übersinnlichen Kräften erfaßt werden kann, weil der ganze Vorgang mit übersinnlicher Bedeutung sich für die Erdenentwickelung abspielte.
[ ] There you have one side of the scales—from 333 to 666 is 333 years. Here you have the other side bringing about equilibrium—from 333 back to the Mystery of Golgotha. Thus a state of balance was brought about. Thereby something has been enacted behind the scenes of external profane history. Something that could have happened was prevented by an actual event—which, however, as I have lately explained, can be grasped only with supersensible forces, because for earthly evolution the whole proceeding was of supersensible significance.


[ 23 ] Was hätte denn also eigentlich geschehen sollen von 666 an, wenn das Tier dazumal in die Menschheitsentwickelung hätte eingreifen können, ohne daß vorher das Mysterium von Golgatha dagewesen wäre? Was hätte denn geschehen können? Sie werden sich eine Vorstellung von dem machen können, was hätte geschehen können, wenn Sie das bedenken, was ich vorhin gerade charakterisiert habe. Die Menschen eilten zu dem 15. Jahrhundert; hätte das Tier von 666 an seinen Unfug mit den Menschen getrieben bis ins 15. Jahrhundert hinein, dann hätte es sich ganz und gar bemächtigt dessen, was heranzog. Es zog heran das gespenstische naturwissenschaftliche Erfassen der Welt, und damit die Emanzipation der menschlichen Triebe. Weil die Bewußtseinsseele nur erfassen sollte das Gespenst vom Menschen, blieb der wirkliche Mensch zurück; er erfaßte sich nicht. Nun kann im Zeitalter der Bewußtseinsseele der Mensch nur dadurch Mensch werden, daß er es bewußt wird, sonst bleibt er Tier, bleibt er zurück hinter seiner Menschheitsentwickelung.
[ ] What, then, was meant to happen from 666 on, if the Mystery of Golgotha had not occurred and the Beast of that time had been able to intervene in the evolution of mankind; what could have happened? You will be able to form some idea of what might have happened if you think over what I have just been describing. Men were hurrying on towards the fifteenth century; if the Beast had gone on stirring up mischief among men from 666 until the fifteenth century, he would by then have gained complete control of what was approaching. What was approaching was the grasping of the world through a ghost-like natural science—and with that the unleashing of human instincts. Because the Consciousness Soul was to grasp man as a mere ghost, the real man lagged behind; he did not understand himself. And in the age of the Consciousness Soul man can become man only by becoming conscious of what he is; otherwise he remains an animal, lags behind in his human evolution.
[ 24 ] Das aber wollte das Wesen, das da 666 eingreifen wollte: sich zum Gotte machen. Es sagte: Da werden Menschen kommen; auf den Geist werden sie ihre Blicke nicht mehr hinrichten, der Geist wird sie nicht interessieren. Ich werde dafür sorgen — das hat ja dieses Wesen noch erreicht —, daß im Jahre 869 in Konstantinopel ein Konzil abgehalten wird, wo der Geist abgeschafft werden wird. Die Menschen werden sich weiter nicht für den Geist interessieren, sie werden ihr Interesse der Natur zuwenden, gespenstische Vorstellungen über die Natur ausbilden. Und dann werde ich, was die Menschen dann nicht bemerken, weil sie sich nicht als wirkliche Menschen erkennen werden, sondern als Gespenst, dann werde ich alle Regierung über die Bewußtseinsseele in die Hand bekommen. Ich werde den Menschen über sich selber irreführen; ich werde ihn dabei lassen, daß er nur sich als Gespenst faßt, und ich werde dann in seine Verstandes- oder Gemütsseele schon alle Weisheit der Bewußtseinsseele hineingießen. Dann habe ich ihn, dann habe ich ihn erfaßt.
[ ] But the aim of the being who hoped to intervene in 666 was to make himself God. He said: “Men will come who no longer direct their gaze to the Spirit—the Spirit will not interest them. I shall see to it (and this he actually brought about) that in the year 869 a Council will be held in Constantinople at which the Spirit will be abolished. Men will no longer be interested in the Spirit; they will turn their attention to nature and form ghostlike concepts of nature. Then I shall do something that men will not notice, because they will not recognise themselves as real men, only as ghosts. I shall get complete control of the Consciousness Soul. I shall lead men astray about their own nature; I shall let them go on grasping only the ghost of themselves and I shall pour all the wisdom of the Consciousness Soul into their Intellectual or Mind Soul. Then I have them—then I shall have caught them.”
[ 25 ] Denn, was wäre dann erreicht? Der Mensch muß, wenn er einigermaßen normal sich entwickelt, wenn er so sich entwickeln würde, daß jenes Wesen nichts weiter dabei zu tun hätte, vorschreiten zum Geistselbst, Lebensgeist, Geistesmensch; das wäre ihm gründlich weggenommen. Er sollte bei der Bewußtseinsseele bleiben, er sollte das erhalten, was die Erde ihm geben kann, aber nicht mehr, nicht hinausgehen zu Jupiter-, Venus- und Vulkanentwickelung. Käme es dazu, daß er im richtigen Zeitalter durch die ihm ureigenen Kräfte den Inhalt der Bewußtseinsseele bekommt, dann wäre schon in ihm durch die Entwickelung, die er mittlerweile im normalen Sinne durchgemacht hat, die Anlage vorhanden, auch zum Geistselbst und so weiter aufzusteigen. Aber das sollte verhindert werden. Deshalb sollten die Menschen die Bewußtseinsseele mit ihrem Inhalte schon früher in die Verstandes- oder Gemütsseele eingeflößt, eingeimpft erhalten. Dann wäre der Mensch in seiner Entwickelung bei der Bewußtseinsseele stehen geblieben; dann wäre er ein Unding von Wissen, welches ihm vom sechsten Zeitraum an überlassen sein würde! Dann aber wäre es mit ihm aus; er würde sich nicht weiterentwickeln, sondern das seiner Bewußtseinsseele einverleiben, alles in seinen äußersten Egoismus stellen, in den Dienst der Bewußtseinsseele.
[ ] What would that signify? If man is to evolve at all normally, with no further intervention from this being, he will have to progress to Spirit-Self, Life-Spirit, Spirit-Man; and of this possibility he would have been absolutely deprived. He would have remained at the stage of the Consciousness Soul; he would have been able to receive what the earth could give him but never to go on to the Jupiter, Venus and Vulcan evolutions. If he succeeds in acquiring the content of the Consciousness Soul in the proper epoch through his primal forces, then, because of the evolution he will have gone through in the normal way, the predisposition will be in him to rise to Spirit-Self and so on. But that was to be prevented. He was to receive the Consciousness Soul with its content into the Intellectual or Mind Soul as an inoculation. Then he would have remained at the stage of the Consciousness Soul, and he would have been an automaton in face of the knowledge that from the sixth epoch onwards would have been poured into him. But then it would have been all over with him: he would have developed no further. He would have drawn this knowledge into his Consciousness Soul, would have placed it all with the utmost egoism at the service of the Consciousness Soul.
[ 26 ] Das war dieses Wesens Absicht, das da 666 erscheinen wollte: abzuschneiden, dafür zu sorgen, daß abgeschnitten werde die zukünftige Erdenentwickelung; daß die Entwickelung, nachdem die Saturn-, Sonnen-, Monden- und Erdenentwickelung verlaufen ist, abgeschlossen wird, der Mensch dann nicht weiter den Gang einschlägt, den diejenigen Wesen der höheren Hierarchien mit ihm gehen wollen, die vom Anfange an seine normale Entwickelung in die Hand genommen haben.
[ ] That was the intention of the being who wanted to appear in 666—to cut off the possibility of all future earthly evolution. After the evolutions of Saturn, Sun, Moon, Earth had run their course, evolution was to be finished; man would have gone no further along the path on which those Beings of the higher Hierarchies wished to accompany him who from the beginning have taken his normal human evolution in hand.
[ 27 ] Das konnte nur dadurch verhindert werden, daß diese Waage, dieser Gleichgewichtszustand, in die Weltenentwickelung des Menschen eingeflossen ist, daß ebensoweit zurück von der Mitte der vierten nachatlantischen Zeit, wie der Zeitpunkt vorwärts gelegen wäre, in den das Tier hat eingreifen wollen, ebensoweit zurück das Eingreifen Christi, das Mysterium von Golgatha, gelegt worden ist.
[ ] This could be prevented only by this balance, this state of equilibrium, flowing into the world-evolution of man; by the fact that Christ intervened, through the Mystery of Golgotha, at the point in time which lay as far behind the middle of the fourth post-Atlantean epoch as the point of time when the Beast wished to intervene lay ahead.
[ 28 ] Sie sehen, welche Zusammenhänge sich unter den Tatsachen verbergen, welche die äußere Maja eigentlich enthält. Im Zeitalter der Bewußtseinsseele kann es gar nicht anders gehen, als daß die Menschen sich aufklären über solche Dinge. Denn das heißt ja, bewußt werden, daß man nicht mehr unbewußt hinlebe. Denken Sie, wir stehen doch alle drinnen in dem, was nur dadurch herbeigeführt worden ist, daß — wie sich ein gewisser «Katholischer Brief» in den Evangelien ausdrückt — das Tier in Fesseln geschlagen worden ist durch den Christus Jesus. Das ist eine höchst merkwürdige Tatsache, daß in diesem Brief des Jakobus, der in manchen Originalevangelien als echt angesehen wird, als apokryph von der abendländischen Kirche ausgegeben wird, gerade die wichtigste Tatsache von dem «die Waage halten» des Tieres durch den Christus Jesus ausgesprochen wird. Man wußte in gewissen Kreisen, was man nicht unter die Menschen des Abendlandes kommen lassen soll, wenn man verhindern will, daß die Erkenntnis über die Geheimnisse Christi immer mehr und mehr in die Bewußtseinsseele übergehen.
[ ] You see what connections are concealed behind the maya of externally apparent facts. In the epoch of the Consciousness Soul the essential thing is for men to be enlightened about such matters—to become conscious of them. Just think—we are involved in what could be brought about only through the Beast being put in chains by Christ Jesus, as an Epistle expresses it. It is a most remarkable fact that in this Epistle of Barnabas,2See Excluded Books of the New Testament (published by Eveleigh Nash and Grayson, London). The relevant passage occurs in Section 4 (p. 214) of The Epistle of Barnabas, translated by Bishop Lightfoot. In the Introduction to this collection of early Christian documents, J. Armitage Robinson, D.D., refers to four books (of which The Epistle of Barnabas is one) as being “so near to the possibility of being included in the Canon of the New Testament that they are actually found in one or other of two of our earliest manuscripts of the whole Greek Bible.” The text of The Epistle of Barnabas is included at the end of the Sinaitic Codex (fourth century). looked upon as genuine in many early editions of the New Testament but judged as apocryphal by the Western Church, there is an indication of this most important fact of Christ holding the Beast in balance. Certain circles knew very well what needed to be withheld from Western man if an increasing knowledge of the Christ Mysteries was to be prevented from passing into the Consciousness Soul.
[ 29 ] Wenn Sie das, was ich heute gesagt habe, nehmen, dann werden Sie auch nicht verwundert sein, daß der Schreiber der Apokalypse mit einem gewissen Temperament darüber spricht. Sie werden leicht dasjenige, was ich heute über das Zeitliche sage, vereinigen können mit dem, was ich von andern Gesichtspunkten aus über das Tier von 666 gesagt habe. Die Dinge sind ja immer von verschiedenen Aspekten her beleuchtet, Sie wissen, das müssen wir tun. Der Schreiber der Apokalypse drückt sich mit einem gewissen Temperament aus an der Stelle, wo er von dem Auftreten des Tieres spricht und ungefähr sagt: «Die Zahl dieses Tieres ist 666, und es ist eines Menschen Zahl.» — Besser gesagt, es ist des Menschen Zahl, des Menschen, der sich sträuben will dagegen, zu sagen «Nicht ich, sondern der Christus in mir». Immer bewußter und bewußter müssen doch diese Dinge für die Menschen werden, da die Menschen schon einmal in das Zeitalter der Bewußtseinsseele eingetreten sind.
[ ] If you take what I have said to-day, you will not be surprised that the writer of the Apocalypse speaks of this rather heatedly. What I have said to-day from the temporal aspect you can easily connect with what I have said about the Beast of 666 from other aspects—these matters are always given light from various directions. You know we have to do this. The writer of the Apocalypse expresses himself with a certain vehemence in the passage where he speaks of the appearance of the Beast, and he uses approximately these words: The number of the Beast is 666 and it is the number of a man. Or, put better: It is the number of the man, the man who struggles against saying “Not I, but Christ in me.” These things must become ever more conscious for men, since men have now entered upon the epoch of the Consciousness Soul.
[ 30 ] Aber nehmen Sie nur die Tatsachen, wie sie heute noch liegen! Bilden Sie daraus nicht eine tantenhafte Kritik, sondern eine Aufforderung zu wirklichem Tun, aber nehmen Sie doch die Sache, wie sie liegt. Würde man heute zu den ganz gescheiten Menschen der Gegenwart sprechen von solchen Dingen, wie wir eben gesprochen haben, denken Sie sich, man setzte sich mit jemandem von den auf irgendeinem Gebiete ganz gescheiten führenden Menschen der Gegenwart zusammen und erzählte eine solche Sache: Malen Sie sich nur aus, was der sich für ein Urteil heute bildet! Aber nehmen Sie das, was Sie sich da ausmalen müssen, ja im rechten Ernste, dann werden Sie sich sagen müssen: Wir sind allerdings in das Zeitalter der Menschheitsentwickelung eingetreten, in dem man am wenigsten verstanden wird, wenn man von der geistigen Wissenschaft spricht, welche gerade diesem Zeitalter am allerangemessensten ist.
[ ] If you will only take the facts as they come before you to-day! Do not just criticise them pedantically; take them as a challenge to real activity—but consider how it would be if you were to speak of such things to the clever people of to-day in the way we have just been doing. Suppose you were to sit down with one of these very clever people, a shining light in some sphere or other, and you told him about a matter of this sort—imagine what sort of opinion he would form! But take in real earnest the picture you must make for yourselves, and you will have to say: We have certainly entered the age of human evolution in which one meets with the least understanding when speaking of the spiritual knowledge most suited to this particular age.
[ 31 ] Ich möchte sagen, niemals haben zwei Parteien in der Welt sich so wenig verstanden, wie heute die geistige und die ungeistige sich verstehen. Das heißt, die geistigen können schon die ungeistigen verstehen, es ist ja auch nicht besonders schwer; aber die ungeistigen wehren sich mit Händen und Füßen und besonders mit dem Mund gegen irgendwie geartetes Verständnis des Geistigen.
[ ] I might say that never have two parties in the world understood each other so little as do the spiritual and the non-spiritual to-day. Those who are spiritual can certainly understand the non-spiritual; that is not particularly difficult; but the non-spiritual defend themselves with all the weapons they have—especially with their tongues—against any understanding of the spiritual.
[ 32 ] Nun, wundern sollte man sich über diese Tatsache doch nicht, denn auch andere Dinge der Gegenwart passen ja wenig zusammen, und unser Zeitalter ist ja das Zeitalter der großen Diskrepanzen und der großen Disharmonien, wo Entgegengesetztes unmittelbar zusammenstößt. Wenn heute ein Mensch, der zu den «Gescheiten» gehört, einen Aufsatz über solche Dinge in die Hand bekommt, wie sie heute vorgetragen sind, so wird er sagen: Es ist merkwürdig, wie das in unser Zeitalter hereinkommt, es paßt doch gar nicht herein! — Denn er findet, daß dasjenige, was er denkt, allein in dieses Zeitalter herein paßt, er findet das andere gar nicht zusammenstimmend. Daß es, wenn auch nicht sinnlich, so doch übersinnlich zusammenstimmt, das wollen wir morgen und übermorgen besprechen.
[ ] Now these facts should not astonish us, for other things too are out of harmony to-day, and our age is the age of great disharmonies, great discrepancies, with opposing sides coming into direct conflict. If nowadays some article on the matters that are lectured about here comes into the hands of a man who is numbered among the “clever” folk, he will say: “It is remarkable to find all this appearing in our time; it is quite out of keeping with the present day.” For he considers that his own outlook is the only one suited to the times; anything else he regards as out of place. To-morrow and the day after we shall be discussing how all this, if it does not harmonise with the sense-world, is nevertheless in harmony with the supersensible.
[ 33 ] Aber andere Dinge stimmen auch nicht in unserer Gegenwart zusammen. Man nehme nur einmal so recht mit dem Ernste einer Lebensbetrachtung solche Schilderungen in die Hand, reflektierende Schilderungen, wie es die Menschheit bis ins 20. Jahrhundert herein so herrlich weit gebracht habe in Humanität, in gegenseitigem Verständnis der Völker! Sie können aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts nach dieser Richtung großartig geschriebene Aufsätze, ganze Bücher finden, butterig geschrieben, süß geschrieben! Ein so richtig fortgeschrittener Mensch der Gegenwart empfand die Schilderung seines eigenen Zeitalters wie etwas, was er wie Honig ablecken konnte. Es gibt schon solche Schilderungen: zahlreich sind diese Schilderungen, wie es so herrlich weit gebracht hat diese Menschheit! Nun, und dann vergleichen Sie damit die Gegenwart seit vier Jahren, ob das so wirklich richtig zusammenstimmt.
[ ] There are other things, however, in these days which are out of harmony—you need only bring a serious study of life to bear on some of the descriptive accounts, reflective accounts, which tell you how in this twentieth century mankind has come such a wonderfully long way in humane feeling and understanding between peoples! From the beginning of the century you will find high-sounding articles—whole books—on these lines, written with unction and heavily sugared, so that a properly progressive man of to-day could take in this picture of his times as though he were tasting honey. There are indeed such descriptions, innumerable descriptions, of how splendidly far mankind has progressed! Well—compare all this with the last four years, ask whether it is all sweet harmony.
[ 34 ] Aber, es beruht das doch alles auf der Furcht, die man hat vor dem Eintreten in die Bewußtseinsseele. Denn indem man wirklich in das Zeitalter der Bewußtseinsseele eintritt, muß manches an Wahrheiten über die Menschenentwickelung herauskommen. Und deshalb kommt heute in den wichtigsten Sachen so viel Unsinn zustande, weil die Menschen Furcht haben, weil alle bewußt reden sollten und doch nicht bewußt reden wollen. Darüber wollen wir morgen weitersprechen.
[ ] All this springs from the fear men have at the entry into the Consciousness Soul. For if we are really to enter into the epoch of the Consciousness Soul, many truths about human evolution will have to emerge. In the most important matters to-day so much folly is shown just because men are full of fear; because everyone should be speaking with conscious awareness, and that is just what they do not want to do.
[ 35 ] [Diesen Worten folgte noch die kurze Schilderung eines Beispieles für die Gescheitheit der damaligen Behörden, die von den Herausgebern ursprünglich nicht aufgenommen worden war, da offensichtlich die Stenographin Mühe gehabt hat, der Darstellung zu folgen und sie exakt mitzuschreiben. Nachfolgend der überlieferte Wortlaut:
[ ] Not translated
[ 36 ] «Denn bei manchem, was heute für recht gescheit angesehen wird, meine lieben Freunde, wird man erinnert an eine Notiz, die ich neulich gelesen habe, wo eine Behörde kund und zu wissen tut, daß sie demnächst, ich weiß nicht für welche Eßware, Karten ausgeben wird von 500 Gramm. Also eine Behörde tut kund und zu wissen, daß sie nächstens — was weiß ich — Butterkarten oder so irgend etwas von 500 Gramm ausgegeben wird. Es steht wirklich auf dem Erlaß der betreffenden Behörde. Na, diese Karten werden Sie sich sonderbar einstecken, die ein halbes Kilo schwer sind, jede einzelne Karte! Na, wenn die Sache so grobklotzig ist, bemerkt man's ja gleich. Aber die müssen’s doch nicht bemerken, die’s hingeschrieben haben. Aber siehe da, solche Urteile werden viele gefällt, solche Reden viele geführt. Und würde man, wo man’s nicht so naheliegend hat, manches, was in der Gegenwart gesagt und geschrieben wird, näher prüfen, so würde es sich gerade so ausnehmen, wie diese Brot- oder Fett- oder Käsekarte von 500 Gramm.
[ ] Not translated
[ 37 ] Darüber wollen wir morgen weiter sprechen. Wir werden uns morgen Abend um sieben Uhr hier treffen, Sonntag dann wiederum um halb vier Uhr»]
[ ] Not translated
