Historical Symptomatology
GA 185
26 October 1918, Dornach
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From Symptom to Reality in Modern History, tr. Parker
Fünfter Vortrag
Lecture Five
[ 1 ] Selbst innerhalb der Grenzen, die gegenwärtig noch geboten sind, wenn man über solche Dinge spricht, kann man dasjenige, was von dem Mysterium des Bösen handelt in der fünften nachatlantischen Kulturperiode, der Periode der Bewußtseinsseele, in der wir leben, eigentlich nicht ohne tiefe Bewegung besprechen. Denn es wird damit etwas berührt, was zu den tiefsten Geheimnissen dieser fünften nachatlantischen Periode gehört, was, wenn es besprochen wird, heute noch auf sehr wenig entwickelte menschliche Fähigkeiten des Verständnisses gerade für solche Dinge stößt. Die Empfindungsmöglichkeiten, welche die heutige Menschheit für solche Dinge hat, sind noch wenig entwickelt. Dennoch muß man sagen, daß gewisse Hindeutungen auf das Mysterium des Bösen und das andere, das damit zusammenhängt, das Mysterium des Todes, in allen sogenannten Geheimgesellschaften der neueren Zeit immer wieder und wiederum bildhaft versucht worden sind. Aber diese bildhaften Darstellungen, zum Beispiel auch in den sogenannten maurerischen Gemeinschaften, sie wurden ja insbesondere in den letzten Jahrzehnten seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in einer recht wenig ernsten Weise gepflogen, oder aber sie wurden in einer solchen Art gepflogen, wie ich es vor jetzt fast zwei Jahren hier mit Bezug auf gewichtige Ereignisse der Gegenwart angedeutet habe.
[ 1 ] Even within the limits enjoined upon us by discretion at the present time when one speaks of these matters, one cannot discuss the Mystery of Evil without profound emotion. For here we touch upon one of the deepest mysteries of the fifth post-Atlantean epoch, upon something which meets with little understanding today. Man's sensitivity to these things is but little developed as yet. Nonetheless, in all the so-called secret societies of recent times repeated attempts have been made to give certain indications, in the form of symbols, of the Mystery of Evil and the Mystery of Death which is related to it. But since the last third of the nineteenth century these symbolical representations have seldom been treated seriously, even in the Masonic communities, or have been treated in the manner I indicated here two years ago with reference to important events of the present day.T1Kosmische und menschliche Geschichte, Vol II and Vol III (Bibl. Nrs. 171 and 172).
[ 2 ] Die damaligen Andeutungen machte ich auch nicht ohne tiefergehenden Beweggrund, denn wer von diesen Dingen Kenntnis hat, der weiß, welche Untiefen menschlichen Wesens man mit diesen Dingen eigentlich berührt. Allein es hat ja vieles gezeigt, wie wenig im Grunde genommen heute schon Wille zum Verständnis solcher Dinge vorhanden ist. Der Wille zum Verständnis, er wird ja gewiß kommen, und es muß dafür gesorgt werden, daß er komme. Es muß auf jedem Wege, der möglich erscheint, dafür gesorgt werden, daß dieser Wille kommt. Man muß, wenn man über diese Dinge spricht, manchmal den Schein hervorrufen, als ob man eine Art Kritik der Gegenwart nach der einen oder nach der anderen Richtung hin geben wolle. Auch dasjenige, was ich gestern zum Beispiel vorgebracht habe über die Konfiguration der Weltanschauungsbestrebungen innerhalb des Bürgertums, seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts namentlich, aber im Grunde genommen schon seit langer Zeit, das kann ja auch, wenn man es trivial auffassen will, wie eine Kritik aufgefaßt werden. Aber alles das, was hier vorgebracht wird, ist nicht so gemeint, ist nicht wie eine Kritik gemeint, sondern ist gesagt zur Charakteristik, ist dazu gesagt, daß man einsieht, welche Kräfte und Impulse gewaltet haben. Von einem gewissen Gesichtspunkte aus betrachtet, haben ja diese Impulse notwendigerweise gewaltet. Man könnte auch beweisen, daß es notwendig war, daß das Bürgertum der zivilisierten Welt die Jahrzehnte von den vierziger Jahren bis zu dem Ende der siebziger Jahre verschlafen hat; man könnte diesen Schlaf als eine welthistorische Notwendigkeit dartun. Aber dessen ungeachtet müßte die Erkenntnis dieses Schlafes, dieses Kulturschlafes, dennoch in positiver Weise wirken, das heißt, heute gewisse Erkenntnis- und Willensimpulse auslösen, die wirken sollen gegen die Zukunft hin.
[ 2 ] The indications I gave on that occasion were not without a deeper motive, for he who understands these things knows what unplumbed depths of human nature we touch upon here. There is ample evidence that in reality the will to understand these things scarcely exists today. But the will to understand will assuredly come with time and we must ensure by every means at our command that it is awakened. When speaking of these matters one must sometimes give the impression of wanting to criticize certain aspects of the contemporary scene. Even what I said yesterday, for example on the subject of the ideological aspirations of the bourgeoisie since the last third of the nineteenth century can also be regarded as a criticism if taken superficially. Nothing of what is said here is intended as a criticism; I simply wish to characterize, so that we are aware of what forces and impulses have been operative. From a certain point of view it was necessary that these impulses should predominate. One could show that it was a historical necessity that the Bourgeoisie of Europe should remain asleep from the forties to the end of the seventies. Nonetheless the knowledge of this ‘cultural sleep’ ought to have a positive effect; it ought to awaken today certain impulses of cognition and volition which will prepare the ground for the future.
[ 3 ] Zwei Mysterien — wie gesagt, ich kann diese Dinge natürlich nur innerhalb gewisser Grenzen besprechen —, zwei Mysterien sind von ganz besonderer Bedeutung für die Entwickelung der Menschheit im Zeitraum der Bewußtseinsseele, in dem wir drinnenstehen seit dem Beginne des 15. Jahrhunderts. Es ist das Mysterium des Todes und das Mysterium des Bösen. Dieses Mysterium des Todes, das für die jetzige Zeit eben mit dem Mysterium des Bösen von einer gewissen Seite her zusammenhängt, das führt zunächst zum Aufwerfen der bedeutungsvollen Frage: Wie steht es überhaupt mit dem Tode in bezug auf die menschliche Entwickelung?
[ 3 ] In the present epoch of the Consciousness Soul two mysteries (as I have already indicated, I can only speak of them within certain limits) are of particular importance for the evolution of mankind—the Mystery of Death and the Mystery of Evil. From a certain angle the Mystery of Death which is related to the Mystery of Evil during the present epoch, immediately raises the vital question: what is the meaning of death for human evolution?
[ 4 ] Ich habe neulich erst wiederum wiederholt: Das, was sich gegenwärtig Wissenschaft nennt, macht es sich bequem in solchen Dingen. Tod ist Aufhören eines Lebens für die meisten Wissenschafter. Von diesem Punkte aus ist der Tod anzuschauen bei der Pflanze, beim Tiere, beim Menschen. — Geisteswissenschaft hat es nicht so bequem, alles über einen Leisten zu schlagen. Denn sonst könnte man den Tod auch auffassen als Ende einer Taschenuhr, den Tod der Taschenuhr. Der Tod für den Menschen ist eben etwas ganz anderes als der sogenannte 'Tod anderer Wesen. Kennenlernen kann man nun dasjenige, was das Phänomen des Todes ist, nur dann, wenn man es gewissermaßen auf dem Hintergrunde jener Kräfte auffaßt, die im Weltenall tätig sind, und die über den Menschen, indem sie auch den Menschen ergreifen, den physischen Tod bringen. Es walten im Weltenall gewisse Kräfte, gewisse Impulse; wären sie nicht vorhanden, so könnte der Mensch nicht sterben. Diese Kräfte walten im Weltenall, der Mensch gehört zum Weltenall; sie durchwalten auch den Menschen, und indem sie im Menschen tätig sind, bringen sie ihm den Tod. Nun muß man sich fragen: Diese Kräfte, die im Weltenall tätig sind, was bewirken sie außer dem, daß sie den Menschen den Tod bringen? — Es wäre ganz falsch, wenn man etwa denken würde, diese Kräfte, die dem Menschen den Tod bringen, die seien im Weltenall dazu da, daß sie den Menschen sterben machen, daß sie ihm den Tod bringen. Das ist nicht der Fall. Daß diese Kräfte den Menschen den Tod bringen, ist gewissermaßen nur eine Nebenwirkung, wirklich nur eine Nebenwirkung. Nicht wahr, es wird keinem Menschen einfallen, zu sagen: Die Aufgabe der Lokomotive bei der Eisenbahn bestehe darin, nach und nach die Schienen kaputt zu machen. — Trotzdem tut das die Lokomotive, daß sie nach und nach die Schienen kaputt macht, und die Lokomotive kann nicht anders als die Schienen kaputt machen. Aber das ist jedenfalls nicht ihre Aufgabe; ihre Aufgabe ist etwas anderes. Und wenn einer definieren würde: Eine Lokomotive ist eine Maschine, welche die Aufgabe hat, die Schienen kaputt zu machen —, der würde natürlich einen Unsinn reden, trotzdem man nicht bestreiten kann, daß das Zerstören der Schienen durchaus mit dem Wesen der Lokomotive zusammenhängt. Ebensowenig denkt derjenige etwas Richtiges, der etwa sagen würde, die Kräfte im Weltenall, die den Menschen den Tod bringen, seien dazu da, um den Menschen den Tod zu bringen. Dieses ist nur eine Nebenwirkung, daß sie den Menschen den Tod bringen. Sie bewirken dies neben ihrer eigentlichen Aufgabe. Welches aber ist diese eigentliche Aufgabe der den Menschen den Tod bringenden Kräfte? Diese Aufgabe der den Menschen den Tod bringenden Kräfte ist gerade die, den Menschen zu begaben mit der vollen Fähigkeit der Bewußstseinsseele. Sie sehen, wie innig das Mysterium des Todes gerade mit der Entwickelung des fünften nachatlantischen Zeitraums zusammenhängt, wie bedeutsam es ist, daß in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum allgemein das Mysterium des Todes enthüllt werde. Denn es sind eben die Kräfte, die in ihrer Nebenwirkung dem Menschen den Tod bringen, die eigentlich dazu bestimmt sind, dem Menschen einzupflanzen, einzuimpfen in seinen Werdegang gerade die Fähigkeit, ich sage die Fähigkeit, nicht die Bewußtseinsseele, sondern die Fähigkeit der Bewußtseinsseele.
[ 4 ] I recently said once again that what passes for science today takes the line of least resistance in these questions. For most scientists death is simply cessation of life, irrespective of whether it is the death of a plant, animal or human being. Spiritual science however cannot take the easy road by treating everything alike. Otherwise the death of a man could be equated with the end of a watch, the death of a watch. For man death is something totally different from the socalled death of other beings. We can only understand the phenomenon of death against the background of those forces which are operative in the universe and which, when they lay hold of man, are responsible for his physical death. Certain forces, certain impulses are active in the universe: but for them man could not suffer death. Man is part of the universe; these forces also permeate man and when they are active in man they cause his death. The question now arises; what do these forces which are active in the universe accomplish apart from bringing death to man? It would be a mistake to imagine that their sole purpose is to bring death to man; that is only a secondary effect. It would never occur to anyone to say: the function of a railway engine is to wear down the rails. Yet that is what actually happens; the engine gradually wears down the rails, it cannot do otherwise. But that is not its function—it is designed for a different purpose. If one were to define a locomotive as a machine whose function is to wear down the rails, one would obviously be talking nonsense. Nonetheless there is no denying the fact that there is a connection between the wearing down of the track and the nature of the locomotive. It would be equally mistaken to say that the forces in the universe which bring death to man exist for this sole purpose. This is only a secondary effect. Their real function is to endow man with the capacity to develop the Consciousness Soul. You see how close is the connection between the Mystery of Death and the evolution of the fifth post-Atlantean epoch, and how important it is that in this fifth post-Atlantean epoch the Mystery of Death should be revealed to all. For the task of the forces which as a secondary effect bring death to man is to implant in him, in the course of his evolution, not the Consciousness Soul, but the capacity to develop the Consciousness Soul.
[ 5 ] Das führt Sie nicht nur zur Erfassung des Todesmysteriums, sondern es führt Sie auch dahin, in wichtigen Dingen exakt zu denken. Das heutige Denken ist in vieler Beziehung — das ist wieder keine Kritik, sondern eine Charakteristik —, wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf, aber er ist treffend, eben einfach schlampig. Das heutige Denken insbesondere in der landläufigen Wissenschaft ist fast durchweg so, wie wenn man sagen würde, die Lokomotive hat die Aufgabe, die Schienen kaputt zu machen. Denn, was in der heutigen Wissenschaft meistens gesagt wird über das eine oder das andere, das ist von dieser Qualität. Es ist von der Qualität, mit der man eben nicht auskommen wird, wenn man einen der Menschheit heilsamen Zustand für die Zukunft herbeiführen will. Und der kann ja im Zeitalter der Bewußtseinsseele nur in voller Bewußtheit herbeigeführt werden.
[ 5 ] This leads not only to an understanding of the Mystery of Death, but also encourages us to think precisely in matters of importance. In many respects modern thinking—and again this is not intended as a criticism, I merely wish to characterize—is, if I may use the familiar expression which is much to the point, simply ‘sloppy’ (schlampig). The thinking current in modern science is almost without exception typical of the kind of thinking that says: the function of the locomotive is to wear down the rails. Most scientific pronouncements today are on this level. Such thinking will prove to be inadequate if we wish to create in the future a state of affairs beneficial to mankind. And in the epoch of the Consciousness Soul this can only be achieved in full consciousness.
[ 6 ] Man muß es immer wieder betonen, daß dies eine tiefe Zeitwahrheit ist. Man hört es ja immer wieder und wieder, daß da oder dort Leute auftauchen, welche aus einer scheinbar tiefbegründeten Weisheit heraus die einen oder die anderen sozialwirtschaftlichen Vorschläge machen, immer aus dem Bewußtsein heraus, daß man heute noch sozialwirtschaftliche Vorschläge machen kann ohne die Zuhilfenahme der Geisteswissenschaft. Nur derjenige denkt heute zeitgemäß, der da weiß, daß alles, was versucht wird zu sagen über irgendeine soziale Konfiguration der Menschheit gegen die Zukunft hin, ohne die Grundlage der Geisteswissenschaft Quacksalberei ist. Nur der, der dieses voll erfaßt, der denkt zeitgemäß. Wer heute noch hört auf allerlei Professorenweisheiten aus der Sozial-Ökonomie, die auf dem Boden einer geistlosen Wissenschaft stehen, der verschläft seine Zeit. Diese Kräfte, von denen man sprechen muß als den Kräften des Todes, sie haben das menschliche Leibeswesen schon früher erfaßt. Wie, das können Sie aus meiner «Geheimwissenschaft» entnehmen. In das seelische Wesen haben sie sich da erst hineingefunden. Der Mensch muß für den Rest der Erdenentwickelung diese Kräfte des Todes in sein eigenes Wesen aufnehmen, und sie werden im Verlauf des gegenwärtigen Zeitraumes in ihm so wirken, daß er die Fähigkeit der Bewußtseinsseele in sich zum vollen Ausdruck, zur vollen Offenbarung bringt.
[ 6 ] I must constantly remind you that this is a truth of profound importance for our time. We frequently hear of people who, drawing upon a seeming fund of wisdom, suggest various social and economic measures, in the belief that it is still possible today to make these recommendations without the help of spiritual science. Only those who think in contemporary terms, in conformity with the needs of the time, realize that all proposals for a future structure of society which are not grounded in spiritual science are a snare and delusion. Only those who are fully aware of this think in conformity with the needs of the time. Those who still listen to the various learned discourses on political economy which are devoid of spiritual content are asleep to the demands of our time. These forces, which must be described as the forces of death, took possession of man's corporeal nature in earlier times—how, you will find in my book Occult Science. They first penetrated into his soul life at that time. For the remainder of his earth evolution man must assimilate these forces of death, and in the course of the present epoch their influence upon him will be such that he brings to full expression in himself the faculty of the Consciousness Soul.
[ 7 ] Indem ich so gefragt habe und so gesprochen habe über das Mysterium des Todes, das heißt über die Kräfte, die im Weltenall wirksam sind als den Menschen den Tod bringende Kräfte, kann ich auch in einer gleichen methodischen Weise hindeuten auf die Kräfte des Bösen. Auch diese Kräfte des Bösen, sie sind nicht solche, von denen man sagen kann, sie bewirken innerhalb der menschlichen Ordnung die bösen Handlungen. Das ist wiederum nur eine Nebenwirkung. Wenn es die Kräfte des Todes nicht gäbe im Weltenall, so würde der Mensch die Bewußtseinsseele nicht entwickeln können, er würde nicht entgegennehmen können in seiner weiteren Erdenentwickelung, so wie er sie entgegennehmen soll, die Kräfte des Geistselbstes, des Lebensgeistes und des Geistesmenschen. Der Mensch muß durch die Bewußtseinsseele gehen, wenn er in seiner Art die Kräfte des Geistselbstes, des Lebensgeistes, des Geistesmenschen aufnehmen will. Dazu muß er die Kräfte des Todes im Laufe des fünften nachatlantischen Zeitraums, also bis in die Mitte des vierten Jahrtausends hinein, vollständig mit seinem eigenen Wesen verbinden. Das kann er. Aber er kann nicht in der gleichen Weise die Kräfte des Bösen mit seinem eigenen Wesen verbinden. Die Kräfte des Bösen sind im Weltenall, im Kosmos so geartet, daß der Mensch sie in seiner Entwickelung erst während der Jupiterperiode so aufnehmen kann, wie er jetzt die Kräfte des Todes aufnimmt. Man kann also sagen: Mit einer geringeren Intensität, bloß einen Teil seines Wesens ergreifend, wirken die Kräfte des Bösen auf den Menschen. Will man eindringen in das Wesen dieser Kräfte des Bösen, dann darf man nicht auf die äußeren Folgen dieser Kräfte sehen, sondern dann muß man das Wesen des Bösen da aufsuchen, wo es in seiner eigenen Wesenheit vorhanden ist, wo es so wirkt, wie es wirken muß, weil die Kräfte, die als das Böse im Weltenall figurieren, auch in den Menschen hereinspielen. Und da beginnt eben das, was man nur mit einer tiefen Bewegung sagen kann, was man nur sagen kann, wenn man zugleich die Voraussetzung erhebt, daß diese Dinge wirklich mit dem allertiefsten Ernste aufgenommen werden. Wenn man das Böse im Menschen suchen will, so muß man es suchen nicht in den bösen Handlungen, die innerhalb der menschlichen Gesellschaft vollzogen werden, sondern man muß es suchen in den bösen Neigungen, in den Neigungen zum Bösen. Man muß zunächst ganz abstrahieren, ganz absehen von den Folgen dieser Neigungen, die bei dem einen Menschen mehr oder weniger eintreten, man muß den Blick hinrichten auf die bösen Neigungen. Und dann kann man fragen: Bei welchen Menschen wirken die bösen Neigungen innerhalb der fünften nachatlantischen Periode, in der wir drinnen stehen, jene Neigungen, die, wenn sie in ihrer Nebenwirkung zum Ausdrucke kommen, eben in den bösen Handlungen so anschaulich sich darleben, bei welchen Menschen wirken die bösen Neigungen?
[ 7 ] The method I adopted when enquiring into the Mystery of Death, i.e. into the forces which are active in the universe and bring death to man, is equally valid for indicating the forces of evil. Even the forces of evil are not designed to promote evil actions within the human order—that again is only a secondary effect. If these forces did not exist in the universe man could not develop the Consciousness Soul; he would be unable to receive as he should in the course of his future evolution the forces of the Spirit Self, the Life Spirit and the Spirit Man. He must first pass through the stage of the Consciousness Soul if he wishes to receive after his own fashion the forces of the Spirit Self, the Life Spirit and the Spirit Man. And to this end he must, in the course of the fifth post-Atlantean epoch, i.e. up to the middle of the fourth millennium, fully unite his being with the forces of death. This lies within his power. But he cannot unite his own being with the forces of evil in the same way. The forces of evil in the cosmos are such that only in the Jupiter epoch will he be able to assimilate them as he now assimilates the forces of death. One can say therefore that the forces of evil act upon man with less intensity, they take possession of only a part of his being. In order to understand the nature of these forces of evil we must not look to their external effects, but must look for evil where it reveals its true nature, where it acts as it must of necessity act, because the forces which appear as evil in the universe also play into man. And here we touch upon something that can be spoken of only with deep emotion, something we can only express if we assume at the same time that it will be received with the greatest seriousness. If we wish to enquire into evil in man we must not look for it in the evil actions of society, but in evil tendencies. We must first of all ignore completely the consequences of these tendencies which are manifested more or less in a particular individual and turn our attention to the evil tendencies themselves. The question then arises: in which men are evil tendencies active in our present fifth post-Atlantean epoch, those tendencies which, in their secondary effects, are so clearly manifested in evil actions? Which men are subject to these evil tendencies?
[ 8 ] Ja, die Antwort darauf bekommt man, wenn man versucht, über die sogenannte Schwelle des Hüters zu gehen und das menschliche Wesen wirklich kennenzulernen. Da ergibt sich die Antwort auf diese Frage. Und die Antwort lautet: Bei allen Menschen liegen im Unterbewußtsein seit dem Beginne der fünften nachatlantischen Periode die bösen Neigungen, die Neigungen zum Bösen. — Ja, gerade darinnen besteht das Eintreten des Menschen in die fünfte nachatlantische Periode, in die neuzeitliche Kulturperiode, daß er in sich aufnimmt die Neigungen zum Bösen. Radikal, aber sehr richtig gesprochen, kann folgendes zum Ausdrucke gebracht werden: Derjenige, der die Schwelle zur geistigen Welt überschreitet, der macht die folgende Erfahrung: Es gibt kein Verbrechen in der Welt, zu dem nicht jeder Mensch in seinem Unterbewußtsein, insofern er ein Angehöriger der fünften nachatlantischen Periode ist, die Neigung hat. Die Neigung hat; ob in dem einen oder in dem anderen Fall die Neigung zum Bösen äußerlich zu einer bösen Handlung führt, das hängt von ganz anderen Verhältnissen ab als von dieser Neigung. Sie sehen, bequeme Wahrheiten hat man nicht zu sagen, wenn man heute eben ungeschminkt der Menschheit die Wahrheit sagen muß.
[ 8 ] We receive the answer to our question when we attempt to cross what is called the ‘threshold of the Guardian’ and to acquire a real understanding of the being of man. And the answer is this: since the beginning of the fifth post-Atlantean epoch, evil tendencies are subconsciously present in all men. It is precisely this influx of evil tendencies into men that marks his entrance into the fifth post-Atlantean epoch. Expressed somewhat radically one could say with every justification: he who crosses the threshold of the spiritual world discovers that there is not a crime in the calendar to which every man, in so far as he belongs to the fifth post-Atlantean epoch, is not subconsciously prone. Whether in a particular case this tendency leads to an evil action depends upon wholly different circumstances and not upon the tendency itself. If we are to tell mankind the plain unvarnished truth today, we cannot escape unpalatable facts.
[ 9 ] Um so mehr taucht dann die Frage auf: Ja, was wollen diese Kräfte, die im Menschen die bösen Neigungen bewirken, was wollen diese Kräfte denn eigentlich im Weltenall, indem sie zunächst in die menschliche Wesenheit hineinträufeln, indem sie in die menschliche Wesenheit hineinfließen? Was wollen diese Kräfte? — Sie sind wahrhaftig im Weltenall nicht dazu da, um böse Handlungen in der menschlichen Gesellschaft herbeizuführen. Diese führen jene Kräfte aus solchen Gründen herbei, die wir noch besprechen wollen. Sie sind, ebensowenig wie die Kräfte des Todes dazu da sind, den Menschen nur sterben zu machen, im Weltenall nicht vorhanden, diese Kräfte des Bösen, um den Menschen zu verbrecherischen Handlungen zu führen, sondern sie sind im Weltenall dazu vorhanden, um, wenn der Mensch aufgerufen ist zur Bewußtseinsseele, in ihm die Neigung hervorzurufen, das geistige Leben so zu empfangen, wie wir es gestern zum Beispiel und schon das vorige Mal charakterisiert haben.
[ 9 ] The pressing question then arises: what is the purpose of these forces which induce evil tendencies in man, what is the purpose of these forces in the universe when they first infiltrate man's being? They are certainly not present in the universe in order to provoke evil acts in human society. (The reason why they promote evil acts will be discussed later.) These forces of evil do not exist in the universe for the sole purpose of inducing man to commit criminal acts any more than the forces of death exist simply to bring death to man; their function is to awaken in man, when he is called upon to develop the Consciousness Soul, the tendency to open himself to the life of the spirit, as I described yesterday.
[ 10 ] Im Weltenall walten diese Kräfte des Bösen. Der Mensch muß sie aufnehmen. Indem er sie aufnimmt, pflanzt er in sich den Keim, das spirituelle Leben überhaupt mit der Bewußtseinsseele zu erleben. Sie sind also wahrhaftig nicht da, diese Kräfte, die durch die menschliche soziale Ordnung verkehrt werden, sie sind wahrhaftig nicht da, um böse Handlungen hervorzurufen, sondern sie sind gerade dazu da, damit der Mensch auf der Stufe der Bewußtseinsseele zum geistigen Leben durchbrechen kann. Würde der Mensch nicht aufnehmen jene Neigungen zum Bösen, von denen ich eben gesprochen habe, so würde der Mensch nicht dazu kommen, aus seiner Bewußtseinsseele heraus den Impuls zu haben, den Geist, der von jetzt ab befruchten muß alles übrige Kulturelle, wenn es nicht tot sein will, den Geist aus dem Weltenall entgegenzunehmen. Und wir tun am besten, wenn wir zunächst einmal hinsehen auf das, was werden soll aus jenen Kräften, die uns in ihrer Karikatur entgegentreten in den bösen Handlungen der Menschen; wenn wir uns fragen, was unter dem Einfluß dieser Kräfte, die zu gleicher Zeit die Kräfte für die bösen Neigungen sind, in der Entwickelung der Menschheit geschehen soll.
[ 10 ] Man must assimilate these forces of evil which are operative in the universe. By so doing he implants in his being the seed which enables him to experience consciously the life of the spirit. The purpose of these forces of evil which are perverted by the social order is to enable man to break through to the life of the spirit at the level of the Consciousness Soul. If he did not open himself to these tendencies to evil he would not succeed in developing consciously the impulse to receive from the universe the spirit which henceforth must fertilize the whole sphere of cultural life if it is not to perish. Our best course is to consider first of all what is to become of those forces of which the evil actions of men are a caricature and to ask ourselves what is destined to happen in the course of the evolution of mankind under the influence of these forces which, at the same time, are the source of evil tendencies.
[ 11 ] Sehen Sie, wenn man von diesen Dingen spricht, dann muß man sehr nahe an den Nerv der Menschheitsentwickelung herangehen. Alle diese Dinge hängen ja zu gleicher Zeit mit den Verhängnissen zusammen, die in der Gegenwart die Menschheit getroffen haben. Denn die Verhängnisse, die in der Gegenwart die Menschheit getroffen haben und noch treffen werden, die sind ja nur ein Wetterleuchten für ganz andere Dinge, die über die Menschheit kommen sollen; ein Wetterleuchten, das heute oftmals das Gegenteil von dem zeigt, was da kommen soll. Nicht zum Pessimismus ist aus allen diesen Dingen heraus ein Anlaß, wohl aber zum tatkräftigen Impulse, zum Aufwachen. Nicht zum Pessimismus, sondern zum Aufwachen ist Anlaß vorhanden. Alle diese Dinge werden nicht gesagt, um Pessimismus zu erzeugen, sondern um Aufwachen zu bewirken.
[ 11 ] When one speaks of these things one must touch upon the very core of human evolution. At the same time they are related to the calamities that have overtaken mankind at the present time and will still befall it. For those disasters, like flashes of summer lightning, are harbingers of quite other things that are destined to overtake mankind—lightning flashes that today often reveal the reverse of what is destined to happen. These observations are not a reason for pessimism, but rather should serve to arouse us and stimulate us to action.
[ 12 ] Wenn wir von einer konkreten Erscheinung ausgehen, dann kommen wir vielleicht am besten zu unserem Ziel. Sehen Sie, ich habe schon gestern gesagt: Ein wesentlicher Impuls in der Entwickelung der Menschheit im Zeitalter der Bewußtseinsseele muß das Wachsen des Interesses von Mensch zu Mensch in der gestern geschilderten Weise sein. Das Interesse, das der eine Mensch an dem andern nimmt, das muß immer größer und größer werden. Dieses Interesse muß wachsen für den Rest der Erdenentwickelung, und es muß wachsen namentlich auf vier Gebieten, kann man sagen. Das erste Gebiet ist, daß der Mensch, indem er sich gegen die Zukunft hin entwickelt, in einer immer anderen und anderen Weise seine Mitmenschen sehen wird. Heute ist der Mensch, trotzdem er schon etwas mehr als ein Fünftel des Zeitalters der Bewußtseinsseele durchgemacht hat, noch wenig geneigt, seinen Mitmenschen so zu sehen, wie er ihn sehen lernen muß im Laufe des Zeitalters der Bewußtseinsseele, bis in das vierte Jahrtausend herein. Die Menschen sehen einander heute noch so, daß sie über das Allerwichtigste hinwegschauen, daß sie eigentlich keinen Blick für den anderen Menschen haben. In dieser Beziehung haben die Menschen noch nicht voll ausgenützt, was in den Seelen bisher durch die verschiedenen Inkarnationen heranerzogen ist durch die Kunst. An der Entwickelung der Kunst kann ja viel gelernt werden, und ich habe da oder dort manche Andeutung gemacht über dieses Lernen von der Entwickelung der Kunst. Es ist ja nicht zu leugnen, wenn man einigermaßen Symptomatologie treibt, wie ich es gefordert habe gerade in diesen Vorträgen, daß das künstlerische Schaffen und Genießen fast auf allen Zweigen des Künstlerischen in einem Verfall ist. Und was alles versucht worden ist gerade in den letzten Jahrzehnten auf künstlerischem Gebiete, muß jedem Empfindenden klar und deutlich zeigen, daß das Künstlerische als solches in einer Verfallsperiode drinnen ist. Das Wichtigste, was von dem Künstlerischen sich weiter fortpflanzen soll in die Entwickelung der Menschheit hinein, das ist dasjenige, was die Menschen an Erziehung für gewisse Auffassungsweisen der Zukunft aus dem Künstlerischen haben können.
[ 12 ] Perhaps we shall best achieve our purpose if we start from a concrete phenomenon. I spoke yesterday of an important impulse in the epoch of the Consciousness Soul—the development of an active concern on the part of every man for his neighbour. This mutual concern for each other must grow and develop in the course of man's subsequent evolution on earth, especially in four domains. First, as man prepares his future development, he will see his fellow man in a progressively different light. Today, when a little over a fifth of the epoch of the Consciousness Soul has run its course, man still shows little inclination to see his fellow man as he will have to learn to see him in the course of the epoch of the Consciousness Soul, up to the fourth millennium. Men still ignore the most important element in others, they have no real understanding of their neighbour. In this connection they have not taken full advantage of what art has implanted in their souls in the course of their different incarnations. Much can be learned by studying the development of art and on different occasions I have given many an indication of what can be learned from the evolution of art. If one observes the symptoms, as I have urged in these lectures, it is undeniable that in almost every branch of art artistic creation and appreciation are at a low ebb. Everything that has been undertaken in the field of art in recent decades clearly demonstrates that art is passing through a period of decadence. The most important contribution of art to the evolution of mankind is the training it provides for an understanding of future problems.
[ 13 ] Sehen Sie, alle Kunst hat etwas in sich — natürlich verästelt sich jeder Kulturzweig in der verschiedensten Weise und er hat dann alle möglichen Nebenwirkungen —, aber alle Kunst hat etwas in sich, was geeignet ist, zu tieferer, konkreterer Menschenerkenntnis zu führen. Wer sich wirklich vertieft in die künstlerischen Formen, die zum Beispiel die Malerei, die Plastik schaffen, oder in das Wesen der inneren Bewegungen, die durch Musik und Dichtung pulsieren, wer sich da hinein vertieft, wer Kunst wirklich innerlich erlebt — das tun oftmals die Künstler selber nicht in der heutigen Zeit-, wer Kunst wirklich innerlich erlebt, der durchdringt sich mit etwas, was ihn befähigt, den Menschen nach einer gewissen Richtung, nach der Richtung der menschlichen Bildnatur aufzufassen. Denn das wird es sein, was in diesem Zeitalter der Bewußtseinsseele über die Menschheit kommen muß: den Menschen bildhaft auffassen zu können. Sie haben schon einiges gehört über die Elemente zu diesem bildhaften Auffassen. Sieht man hin auf den Menschen und sieht sein Haupt, so weist es einen zurück in die Vergangenheit. Wie der Traum aufgefaßt wird als eine Reminiszenz des äußeren sinnenfälligen Lebens und dadurch seine Signatur erhält, so wird für den, der die Dinge der Wirklichkeit durchschaut, alles äußere Sinnenfällige wiederum Bild eines Geistigen. Das geistige Urbild des Menschen müssen wir durchschauen lernen durch seine Bildnatur. Durchsichtig gewissermaßen wird gegen die Zukunft hin der Mensch dem Menschen werden. Wie das Haupt geformt ist, wie der Mensch geht, wird mit anderem innerem Anteil und mit anderem innerem Interesse geschaut werden, als es heute noch in den menschlichen Neigungen liegt. Denn man wird den Menschen nur dann seinem Ich nach glauben kennenzulernen, wenn man eine solche Auffassung von seiner Bildnatur hat, wenn man mit dem Grundgefühl vor den Menschen hintreten kann, daß sich dasjenige, was die äußeren physischen Augen vom Menschen sehen, zu des Menschen wahrer geistig-übersinnlicher Wirklichkeit verhält wie das Bild, das auf die Leinwand gemalt ist, zu der Wirklichkeit, die es wiedergibt. Dieses Grundgefühl muß sich ausbilden. Man muß dem Menschen nicht so entgegentreten — das muß man lernen —, daß man in ihm nur empfindet den Zusammenhang von Knochen, Muskeln, Blut und so weiter, sondern man muß den Menschen empfinden lernen als das Bild seines ewigen, geistig-übersinnlichen Wesens. Da geht der Mensch an uns vorüber, und wir würden nicht glauben ihn zu erkennen, wenn dasjenige, was an uns vorübergeht, in uns nicht den Hinblick auferweckte auf das, was er als ein ewiger, übersinnlich-geistiger Mensch ist. So wird man den Menschen sehen. Und man wird den Menschen so sehen können. Denn dasjenige, was man so sehen wird an dem Menschen, wenn man die menschlichen Formen und die menschlichen Bewegungen und alles, was damit zusammenhängt, als Bild des Ewigen erfassen wird, das wird einem warm oder kalt machen, das wird einem mit innerer Wärme oder mit innerer Kälte nach und nach erfüllen müssen, und man wird durch die Welt wandeln, indem man die Menschen sehr intim kennenlernt. Der eine wird einem warm, der andere wird einem kalt machen. Am schlimmsten werden die Leute daran sein, die einem weder warm noch kalt machen. Man wird ein innerliches Erlebnis haben im Wärmeäther, der einen durchdringt im Artherleib. Das wird der Reflex sein des gesteigerten Interesses, das von Mensch zu Mensch entwickelt werden muß.
[ 13 ] Every branch of culture, of course, has many ramifications and consequently all kinds of secondary effects, but art by its very nature embodies something that leads to a deeper and more concrete understanding of man. He who makes a thorough study of the artistic forms in painting and sculpture, or of the nature of the inner rhythms in music and poetryand the artists themselves often fail to do this today—he who has a deep inner experience of art is imbued with something which enables him to understand the human being in his picture-nature. In the epoch of the Consciousness Soul mankind must develop the capacity to comprehend man symbolically. You are already familiar with some of the basic principles of this symbolical understanding. When we look at the human head we are reminded of man's earliest beginnings. Just as a dream is seen as a memory of the sensible world and thereby receives its characteristic stamp, so for those who understand reality everything pertaining to the sensible world is an image of the spiritual. We must learn to perceive the spiritual archetype of man through his picture-nature. In future man will become to some extent transparent to his fellow man. The form of his head, his gait, will awaken in us an inner sympathy and understanding of a different nature from what we find in human tendencies today. For we shall only know man as an ego being when we have this conception of his picture-nature, when we can approach him with the fundamental feeling that what the physical eyes perceive of man bears the same relation to the true super-sensible reality of man as the picture painted on canvas bears to the reality which it depicts. We must develop this fundamental feeling in ourselves. We must approach man in such a way that we no longer see him as a combination of bones, muscles, blood, etcetera, but as the image of his eternal, spiritual being. Supposing a man walks past us; we would not recognize him if he did not awaken in us the realization of what he is as an eternal spiritual super-sensible being. This is how we shall see man and this is how we shall be able to see him in the future. When we perceive human forms and movements and all that is associated with them as an image of the eternal, we shall feel warmth or coldness and of necessity will gradually be filled with inner warmth or coldness. As we go through life we shall come to know man very intimately; towards some we shall feel warm, towards others cold. Worst of all will be the situation of those who evoke neither warmth nor coldness. We shall have an inner experience of others in the warmth ether that penetrates our etheric body; this will be the reaction of the enhanced interest that must be developed between men.
[ 14 ] Ein zweites muß noch paradoxere Empfindungen in dem Menschen der Gegenwart hervorrufen, der ganz und gar keine Neigung hat, solche Dinge schon aufzunehmen, aber vielleicht wird sich gerade aus dieser Antipathie in nicht gar zu ferner Zeit die Sympathie für das Richtige stark entwickeln. Ein zweites ist: Die Menschen werden sich ganz anders verstehen. Vor allen Dingen werden die beiden Jahrtausende, die noch verfließen werden bis zum Ende dieses fünften nachatlantischen Zeitraums, dazu dienen. Allerdings werden die beiden Jahrtausende nicht ausreichen, es wird das, was ich jetzt sage, etwas länger dauern, es wird sich noch hineinerstrecken in den sechsten nachatlantischen Zeitraum; aber es wird sich dann zu jener Ich-Erkenntnis, von der ich eben gesprochen habe, noch eine besondere Fähigkeit entwickeln: am Menschen zu spüren, zu erfassen, indem wir ihm entgegentreten, seine Beziehung zu der dritten Hierarchie, seine Beziehung zu den Angeloi, Archangeloi und Archai. Und dies wird sich dadurch entwickeln, daß man immer mehr und mehr erkennen wird, wie die Menschheit in einer anderen Weise, als das gegenwärtig der Fall ist, sich zur Sprache verhalten wird. Die Sprachentwickelung hat ja ihren Höhepunkt bereits überschritten. Das konnten Sie aus dem entnehmen, was ich gerade in den Vorträgen dieses Herbstes Ihnen vorgebracht habe. Die Sprachentwickelung hat ihren Höhepunkt überschritten. Die Sprache ist in Wirklichkeit schon etwas Abstraktes geworden. Und es geht gegenwärtig nur eine Welle tiefster Unwahrhafligkeit über die ganze Erde hin, indem Ordnungen in der Menschheit angestrebt werden, die irgend etwas zu tun haben sollen mit den Sprachen der Völker, denn die Menschen haben nicht mehr das Verhältnis zur Sprache, das durch die Sprache hindurch auf den Menschen sieht, das durch die Sprache hindurchsieht auf das Wesen des Menschen.
[ 14 ] A second factor must provoke even more paradoxical emotions in contemporary man who has not the slightest desire to accept these new ideas. But perhaps in the not too far distant future this antipathy will be transformed into sympathy for the right understanding of man. This second phase of future development will bring a totally different understanding between men. In order to achieve this the two millennia from now until the end of the fifth postAtlantean epoch will not suffice; a longer period will be necessary, reaching into the sixth epoch. Then, to the knowledge of the ego will be added a special capacity, the capacity to feel, to sense in our neighbour when we approach him his relationship to the third Hierarchy, to the angels, archangels and archai. And this will be developed through an increasing recognition that man's response to language will be different from that of the present day. The evolution of language has already passed its zenith. In reality language has already become abstract.T2See Die Wissenschaft vom Werden des Menschen, August–September, 1918 (Bibl. Nr. 183). At the present time a wave of profound untruthfulness is sweeping over the world in that attempts are being made to create institutions on a linguistic basis. Men no longer have the relationship to language which reveals through language the being of man.
[ 15 ] Ich habe dasjenige, was so ein Ansatz sein kann, um zum Verständnis dieser Sache zu kommen, bei verschiedenen Anlässen aus einem Beispiel heraus angeführt. Ich habe es auch neulich im öffentlichen Vortrag in Zürich wiederum angeführt, weil es gut ist, diese Dinge heute auch schon vor ein öffentliches Publikum zu bringen. Aber hier habe ich ja schon darauf aufmerksam gemacht, wie überraschend es ist, wenn man Aufsätze über Geschichtsmethode von Herman Grimm, der so ganz in deutsch-mitteleuropäischer Bildung im 19. Jahrhundert drinnenstand, vergleicht mit Aufsätzen über Geschichtsmethode von Woodrow Wilson. Ich habe darauf aufmerksam gemacht, daß ich dieses Experiment sehr gewissenhaft durchgeführt habe, und daß die Möglichkeit vorhanden ist, daß man gewisse Sätze von Woodrow Wilson einfach herübernimmt und in Aufsätze von Herman Grimm hineinstellt, denn sie sind fast gleichlautend mit Sätzen in Aufsätzen von Herman Grimm. Und wiederum könnte man ganze Sätze über Geschichtsmethodologie von Herman Grimm hinübersetzen in dasjenige, was über Geschichtsmethodologie Woodrow Wilson gesprochen und dann hat drucken lassen. Und dennoch, es ist ein radikaler Unterschied zwischen beiden. Das merkt man, wenn man liest nicht dem Inhalte nach, denn der Inhalt als solcher, wortwörtlich genommen, wird immer weniger bedeutend sein für die Menschheit, insofern sie sich der Zukunft entgegenentwickelt. Bei Herman Grimm ist alles, selbst dasjenige, mit dem man nicht einverstanden sein kann, unmittelbar von ihm erkämpft, Satz für Satz, Stufe für Stufe erkämpft, bei Woodrow Wilson wie von seinem eigenen inneren Dämon, von dem er in seinem Unterbewußtsein besessen ist, herauf eingegeben in sein Bewußtsein. Auf diesen Ursprung kommt es an, auf die Entstehung unmittelbar an der Oberfläche des Bewußtseins in dem einen Fall, und auf die Eingebungen eines Dämons aus dem Unterbewußtsein herauf in dasBewußtsein in dem anderen Fall. So daß man sagen muß: Dasjenige, was von Wilsons Seite kommt, ist aus einer gewissen Besessenheit heraus.
[ 15 ] I have quoted on various occasions an example which may serve as a first step towards an understanding of this matter.T314th March, 1918, Das geschichtliche Leben der Menschheit und seine Rätsel (in Bibl. Nr. 67) and 30th March, 1918, Anthroposophischer Lebensgaben (in Bibl. Nr. 181). I cited it again in a public lecture which I gave in Zürich because it is important to draw the attention of the public to these things. I pointed out in this lecture that a surprise awaits us when we compare the articles of Herman Grimm on the methodology of history (for he was a typical representative of Central European culture) with those of Woodrow Wilson. I carried out this comparative study most conscientiously and showed that it is possible to substitute certain passages of Woodrow Wilson for passages in Hermann Grimm, for the wording is almost identical. Equally one could exchange whole passages of Grimm on historical methodology for those of Wilson on the same subject. And yet there is a radical difference between the two which we perceive when we read them without concern for the content (for the content as such, taken literally, will have increasingly less importance for mankind in the course of its future evolution). The difference is this: in Grimm, everything, even the passages with which one may not agree, are the fruit of personal endeavour; he has wrestled with them sentence by sentence, step by step. In Wilson everything seems to be prompted by his own inner daimon which subconsciously possesses him. What is important is the source, the origin of these writings: in the one case it is directly at the threshold of consciousness, in the other case in the daimonic promptings which find their way from the subconscious into consciousness ... so that one can say: the writings of Wilson are in part the product of possession.
[ 16 ] Diese Erkenntnis, ich führe sie als Beispiel an, um Ihnen zu zeigen, daß es heute nicht mehr ankommt auf das wortwörtliche Übereinstimmen. Ich empfinde es immer mit ungeheurer Wehmut, wenn mir Freunde unserer Sache von diesem oder jenem Pastor oder diesem oder jenem Professor Dinge bringen und sagen: Das klingt ja ganz anthroposophisch. — Sehen Sie einmal nach, wie anthroposophisch das klingt! In dem Kulturzeitalter, in dem wir heute stehen, kann selbst ein Professor, der politisiert, auch an einer wichtigen Stelle Dinge schreiben, die natürlich wortwörtlich übereinstimmen mit dem, was der Wirklichkeitserkenntnis der Zeit gemäß ist. Aber auf das Wortwörtliche kommt es nicht an, sondern darauf kommt es an, in welcher Region der Menschenseele die Dinge entspringen. Es kommt darauf an, durch die Sprache hindurchzusehen auf die Region, in der die Dinge entspringen. Alles, was hier gesagt wird, wird nicht bloß gesagt, um bestimmte Sätze zu formulieren, sondern auf das Wie kommt es an; darauf kommt es an, daß es durchströmt ist von jener Kraft, die unmittelbar aus dem Geiste heraus genommen ist. Und wer ein wortwörtliches Übereinstimmen nimmt, ohne zu fühlen, wie die Dinge aus dem Geistquell heraus sind und wie sie durchdrungen sind von diesem Geistquell dadurch, daß sie in den ganzen Zusammenhang der anthroposophischen Weltanschauung hineingestellt sind, wer auf dieses Wie nicht achten kann, der verkennt, was hier gemeint ist, wenn er die wortwörtliche Angabe mit jeder beliebigen äußeren Weisheit heute irgendwie identifizieren will.
[ 16 ] I quote this example in order to show you that it is no longer of significance today that the words should be identical. I always feel extremely sad when friends of our movement bring me articles of some pastor or professor and say: Do look at this, it sounds quite anthroposophical! Now in our present cultural epoch even a professor who dabbles in politics may well write things which, taken literally, of course are in keeping with the realities of our time. It is not the exact words that matter, but the region of the soul whence these things arise. It is important to discover behind the words their spiritual source. All that I have said here does not spring from a desire to lay down definite principles. It is the ‘how’ that matters. It is important that these words should be permeated by that Force which derives directly from the spirit. He who finds a verbal similarity between the articles of the pastor or professor and what I have said here without feeling that my words spring from a spiritual source and are imbued with spiritual substance because they reflect the totality of the anthroposophical Weltanschauung, he who ignores this ‘how,’ fails to understand me if he does not distinguish between modern opinions that smack of Anthroposophy and Anthroposophy itself.
[ 17 ] Es ist ja natürlich nicht gerade bequem, auf solche Beispiele hinzuweisen, weil eben die menschlichen Neigungen heute vielfach nach dem Gegenteil gehen. Allein es ist ja schon einmal eine Verpflichtung, da, wo man im Ernste spricht, wo man durch das Sprechen nicht nur eine Art Beruhigungsmittel, eine Art gutes Kulturschlafmittel hervorrufen will, da ist es schon notwendig, daß man nicht zurückschreckt, auch solche Beispiele zu wählen, die heute so vielen Menschen unangenehm sind. Denn die Menschen, die im Ernste sprechen, sollten sich heute auch anhören können, was es im Grunde genommen für die Welt bedeutet, wenn sie nicht darauf achten, daß die Welt das Schicksal treffen soll, von einem schwachsinnigen amerikanischen Professor ihre Ordnung herrichten zu lassen! Bequem ist es ja heute nicht, über die Dinge der Wirklichkeit zu sprechen, weil manchen Leuten oftmals eben das Gegenteil bequem und angenehm ist. Man spricht ja ohnedies nur über die Dinge der Wirklichkeit auf denjenigen Gebieten, auf denen es unbedingt notwendig ist und auf denen es den Menschen schon recht naheliegt, wenigstens naheliegen sollte, die Dinge zu hören.
[ 17 ] It is of course not very pleasant to point to examples of this kind because the tendency today is often to take the opposite course. But when we speak in earnest, if our words are not intended simply as an anodyne, a kind of cultural soporific, it is a duty, it is a necessity even, not to shrink from selecting such examples, though they may be distasteful to many. For those who are in earnest about the future must be prepared to face the consequences for everyone if they ignore the fact that the world may be fated to have its organization determined by a half-baked American Professor. It is not easy to speak of realities today because many are satisfied with the life of illusion. Nonetheless one speaks of realities in those spheres where it is absolutely necessary, and where it is important, or at least should be important, for man to hear of them.
[ 18 ] Durch die Sprache durchsehen, sage ich, das ist es, was über die Menschheit kommen muß. Da werden sich die Menschen aneignen müssen, in der Sprache die Gebärde zu erfassen. Und dieses Zeitalter wird nicht zu Ende gehen — das letzte wird ja allerdings in den nächsten Zeitraum hinüber dauern —, aber das dritte Jahrtausend wird nicht vorübergehen können, ohne daß die Menschen darauf kommen werden, nicht so dem Menschen zuzuhören, wenn einer zum andern spricht, wie sie jetzt zuhören; sondern sie werden in der Sprache den Ausdruck dargestellt finden für die Abhängigkeit des Menschen von der dritten Hierarchie, von Angeloi, Archangeloi und Archai, für dasjenige, durch das der Mensch ins Übersinnlich-Geistige hineinragt.
[ 18 ] Men must learn to see through words; they will have to acquire the capacity to grasp the gesture in language. Before this epoch, before this fourth millennium has run its course, men will have learnt to listen to one another differently from the way they do at the present moment; they will find in language an external expression of man's relation to the third Hierarchy, to the angels, archangels and archai, a means whereby he can attain to the super-sensible, to the spirit.
[ 19 ] Das wird dazu führen, daß durch die Sprache hindurch die Seele des Menschen gehört wird. Das gibt natürlich ein ganz anderes soziales Zusammenleben, wenn durch die Sprache hindurch die Seele des Menschen gehört wird. Und gerade von dem, was die Kräfte des Bösen, des sogenannten Bösen sind, muß viel so umgewandelt werden, daß hingehorcht werden kann auf das, was der Mensch spricht und daß durch die Sprache seine Seele gehört wird. Dann wird den Menschen überkommen, wenn aus der Sprache die Seele gehört wird, ein eigentümliches Farbengefühl, und in diesem Farbengefühl der Sprache werden sich die Menschen international verstehen lernen. Der eine Laut wird ganz selbstverständlich dieselbe Empfindung hervorrufen wie der Anblick der blauen Farbe oder einer blauen Fläche, der andere Laut wird dieselbe Empfindung hervorrufen wie der Anblick einer roten Farbe. Dasjenige, was man sonst nur als Wärme empfindet, wenn man den Menschen anschaut, wird gewissermaßen Farbe, wenn man dem Menschen zuhört. Und man wird intim miterleben müssen, was auf den Flügeln der Laute von Menschenmund zu Menschenohr tönt. Das kommt an die Menschheit heran.
[ 19 ] And thus the soul of man will be heard through language and this will lead to a totally different community life. And a large part of the so-called forces of evil must be transformed so that it will be possible by listening to what a man says to hear the soul through the words. Then when the soul is heard through the words people will experience a peculiar sensation of colour and through this sensation of colour arising from language men of all nations will learn to understand one another. A particular sound will evoke the same sensation as the perception of the colour blue or of a blue surface. Another sound will evoke the same sensation as the perception of the colour red. The normal sensation of warmth we feel when we look at a man becomes to some extent colour when we listen to him. And we shall have to experience in ourselves what echoes from human lips to human ears on the wings of sounds. This will be experienced by man in the future.
[ 20 ] Das dritte ist, daß dieMenschen die Gefühlsäußerungen, die Gefühlskonfigurationen der anderen Menschen auch intim in sich erleben werden. Es wird viel durch das Sprechen dabei bewirkt werden. Aber nicht allein durch das Sprechen, sondern wenn ein Mensch dem andern entgegentreten wird, wird er in sich erleben die Gefühlskonfiguration des andern in seinem eigenen Atem. Das Atmen wird sich gegen die Zukunft der Erdenentwickelung hin in der Zeit, von der ich spreche, nach dem Gefühlsleben des anderen Menschen richten, dem wir gegenüberstehen. Der eine wird uns zu schnellerem, der andere zu langsamerem Atmen veranlassen, und wir werden fühlen, je nachdem wir schneller oder langsamer atmen, mit einem wie gearteten Menschen wir es zu tun haben. Denken Sie, wie sich die soziale Gemeinschaft zusammengliedern will, wie intim das menschliche Zusammenleben werden will! Diese Dinge werden allerdings noch länger dauern; daß dieses Atmen sich eingliedern wird in die Menschenseele, wird über den ganzen sechsten Zeitraum hinübergehen, noch in den siebenten hinein. Und im siebenten Zeitraum wird ein Stückchen von dem erreicht werden, was nun das vierte ist. Das ist: Die Menschen werden, indem sie wollend einer Menschheitsgemeinschaft angehören, einander — verzeihen Sie das harte Wort — verdauen müssen. Indem wir mit dem einen oder mit dem anderen Menschen das eine oder das andere werden wollen müssen oder wollen wollen, werden wir ähnliche innere Erlebnisse haben, wie wir sie heute erst primitiv haben, wenn wir die eine oder die andere Speise essen. Die Menschen werden einander verdauen müssen auf dem Gebiete des Wollens. Die Menschen werden einander atmen müssen auf dem Gebiete des Fühlens. Die Menschen werden einander farbig empfinden müssen auf dem Gebiete des Verstehens durch die Sprache. Die Menschen werden einander als Ich kennenlernen, indem sie sich wirklich anschauen lernen.
[ 20 ] Thirdly, men will experience inwardly the emotional reactions of others. In this respect language will play an important role—and not only language. When one man confronts another he will experience in his own respiration the emotional configuration of the other. In future time respiration will adapt itself to the affective life of the person who confronts us. In the presence of one man we shall breathe more rapidly, in the presence of another we shall breathe more slowly. According to the changing rhythm of our respiration we shall feel the kind of man with whom we are dealing. Think how the social life of the community will be cemented, how intimate corporate life will become! It will be a long time, no doubt, before this goal is achieved. It will take the whole of the sixth postAtlantean epoch and the early years of the seventh epoch before respiration is adapted to the life of the soul. And in the seventh epoch, a part of what is now the fourth stage of development will be realized. That is, when men belong to a community of their own volition, they will have to ‘digest’ one another, if you will pardon this crude expression. When we are compelled to will this or that in common with another, or will to want it, we shall have inner experiences akin to those which we have in a primitive form today when we consume a certain food. In the sphere of will men will have to ‘digest’ one another, in the sphere of feeling to ‘breathe’ one another; in the sphere of understanding through language they will have to experience one another through sensations of colour. And men will come to know one another as ego-beings when they learn to see each other as they really are.
[ 21 ] Aber alle diese Kräfte werden mehr innerlich-seelisch sein. Denn daß sie sich voll ausbilden, diese Kräfte, dazu wird die Jupiter-, Venus- und Vulkanperiode da sein. Andeutungen von all dem, seelisch-geistige Andeutungen von all dem fordert aber schon die Erdenentwickelung von den Menschen. Und die gegenwärtige Zeit mit ihrer merkwürdigen katastrophalen Entwickelung ist ein Sträuben der Menschheit gegen dasjenige, was mit solchen Dingen kommen soll, wie ich sie jetzt besprochen habe. Die Menschheit bäumt sich auf, indem in der Zukunft überwunden werden soll alles soziale Sonderbestreben, bäumt sich heute dagegen auf, gerade indem der billige Grundsatz über die ganze Welt hin geschleudert wird, die Menschen sollen sich nach Nationen gruppieren. Was heute geschieht, das ist ein Aufbäumen gegen den gottgewollten Gang der Menschheitsentwickelung, das ist ein SichZerren zum Gegenteil desjenigen, was doch kommen muß. In diese Dinge muß man hineinschauen, wenn man eine Grundlage gewinnen will für das sogenannte Mysterium des Bösen. Denn das Böse ist vielfach eine Nebenwirkung desjenigen, was in die Entwickelung der Menschheit hineingreifen muß. Eine Lokomotive, welche, wenn sie ziemlich weithin fahren soll, auf schlechte Schienen kommt, zerstört die Schienen, kommt selber zunächst nicht weiter. Die Menschheit ist in ihrer Entwickelung zu solchen Zielen hin, wie ich es Ihnen geschildert habe, und die Aufgabe des Bewußstseinszeitalters ist es, so etwas zu erkennen, daß die Menschheit bewußt solchen Zielen entgegenstreben muß. Allein es sind vorläufig recht schlechte Schienen gelegt, und es wird auch noch ziemlich lange dauern, bis bessere Schienen da sein werden, denn man schickt sich vielfach an, die schlechten Schienen durch keineswegs bessere zu ersetzen.
[ 21 ] But all these forces will be more inward, more related to the life of the soul. They will be fully developed only in the course of the Jupiter, Venus and Vulcan epochs. The earth evolution of mankind already demands psychic and spiritual indications of this development. The present age with its strange and calamitous development is the revolt of mankind against what is destined to follow from these developments which I have just described. Because in future all particularist tendencies in society must be abandoned, mankind rebels, and the trivial doctrine of national self determination is noised abroad. What we are witnessing today is a revolt against the divinely ordered course of evolution, a struggle to resist the inevitable. We must be aware of these things if we are to lay a firm foundation for an understanding of the Mystery of Evil. For evil is often a secondary effect of the force that must intervene in human evolution. When a locomotive that has to cover a long distance strikes a bad section of the track, it destroys the rails and comes to a halt. In its evolution mankind is moving towards the goals I have described to you. And it is the task of the Consciousness Soul to recognize that mankind must press forward consciously to these goals. But the present lines are badly laid and it will be some time before better lines are in position, for often people proceed to replace the old lines by others which are not a whit better.
[ 22 ] Aber wie Sie sehen, Geisteswissenschaft geht auf etwas ganz anderes hin als auf einen Pessimismus. Geisteswissenschaft geht dahin, für den Menschen wirklich erkennbar zu machen, auf welchem Entwickelungswege er eigentlich ist. Aber Geisteswissenschaft erfordert schon einmal, daß man gewisse, heute landläufige Neigungen wenigstens für gewisse Feieraugenblicke des Lebens auch ablegen könne. Daß es so schwierig ist für die Menschen, diese Dinge abzulegen, daß jeder doch gleich wiederum in den Trödel zurückfällt, das macht es außerordentlich schwierig heute, ohne Zurückhaltung über diese Dinge zu reden. Denn man berührt da, und es liegt das in der Natur der Gegenwart, lauter Dinge, mit Bezug auf welche die Menschheit sich heute in Abgründe stürzen will, und man muß fortwährend zum Aufwachen gemahnen.
[ 22 ] But, as you see, spiritual science has no wish to be pessimistic. It sets out to show man where he really stands in evolution today. But it demands nonetheless that, at least for certain solemn moments of recollection, he can renounce certain current tendencies. And because men find it so difficult to make this sacrifice, because, in spite of everything, everyone immediately reverts to his old routine, it is extremely difficult to speak frankly on these matters today. For we touch upon here—and this is characteristic of our time—problems of the nature of evil which threaten to destroy mankind today and one must constantly exhort men to wake up.
[ 23 ] Ja, mancherlei kann eben nur innerhalb gewisser Grenzen besprochen werden. Das bedingt natürlich, daß manches ganz unterlassen wird, oder vielleicht vertagt wird, selbstverständlich. Denn nehmen Sie das Allernächstliegende, und nehmen Sie mir es nicht übel, wenn ich es in der folgenden Weise ausspreche. Es ist mir nahegelegt worden vor acht Tagen, auch etwas über die Symptomatologie der Schweizer Geschichte zu sagen. Ich habe mir während dieser acht Tage die Sache ganz reiflich überlegt, habe sie nach allen Seiten erwogen. Aber würde ich vom 15. Jahrhundert bis jetzt schweizerische Geschichtssymptomatologie als Nichtschweizer hier vor Schweizern entwickeln, ich käme doch heute noch in eine ganz sonderbare Lage. Lassen Sie mich das von einer anderen Seite einmal erläutern. Denken Sie bloß, nun, ich will sagen, im Juli dieses Jahres hätte irgendein Mensch in Deutschland oder gar in Österreich die Ereignisse und Persönlichkeiten und Impulse so dargestellt, wie es die Menschen jetzt machen, denken Sie, wie ihm das bekommen wäre, und wie es ihm erst bekommen wäre, wenn er, sagen wir, vor fünf Jahren oder gar fünfzehn oder dreißig Jahren zum Beispiel in Österreich die Verhältnisse von heute hingestellt hätte! So weiß ich, daß ich recht sehr anstoßen würde, wenn ich hier über die Schweiz so sprechen würde, wie man in der Schweiz nach zwanzig Jahren über schweizerische Geschichte sprechen wird. Denn heute würde man auch hier verlangen — man kann ja das nicht anders, deshalb sage ich: Nehmen Sie mir das nicht übel, daß ich das so ausspreche —, man kann ja nicht anders, dem nach, was heute so tief in den Seelen sitzt, als nicht hören wollen auf dasjenige, was vom Standpunkt der Zukunft gesagt werden muß. Es ist für vieles doch gültig, daß die Leute wir gehören ja schließlich alle zu den Leuten, nicht wahr — auf vielen Gebieten, besonders auf ihnen recht naheliegenden Gebieten, nicht die Wahrheit hören wollen, sondern Schlafpulver empfangen wollen. Und ich kann Ihnen die Versicherung geben, daß ich schon anstoßen würde, wenn ich nicht ein Schlafpulver geben würde auf dem Gebiete, das man mir nahegelegt hat. Nach mancherlei, was ich gerade eben mit zuziehen mußte zu meinen Erwägungen, finde ich es als mir recht sehr nahegelegt, diese Dinge vorläufig auf sich beruhen zu lassen. Denn Urteile, die jetzt gefällt werden, und mit denen man einigermaßen differieren würde, die legen es einem schon nahe, wenn man heute gewisse Dinge darstellen will, es so zu machen, wie ich es gestern gemacht habe. Hier in der Schweiz ist es verhältnismäßig harmlos, es kann schon meinetwillen sogar noch als eine bessere Sonntagnachmittagspredigt aufgefaßt werden, wenn man auf die russische Revolution exemplifiziert, und wenn man da darstellt das Verhältnis des mittleren Bürgertums zur breiten Masse und der weiter links stehenden, radikalen Elemente. Wenn man darauf exemplifiziert, nun, so wird es hier verhältnismäßig wie eine etwas bessere Sonntagnachmittagspredigt aufgefaßt werden. Das geht also. Und man kann sich dann der, ich will nicht sagen Illusion, sondern der angenehmen Erwartung hingeben, daß es doch in einige Seelen wirklich hineingeht und mehr bewirkt, als was sonst Sonntagnachmittagspredigten bewirken; obwohl ja vielfach die Erfahrung im Laufe der letzten Jahre auch das Gegenteil in bezug auf wichtige Sachen gezeigt hat. Aber auf das unmittelbar Naheliegende zu exemplifizieren, das ist etwas, was eben nicht gerade die Aufgabe sein kann desjenigen, der als Nichtschweizer zu Schweizern sprechen und eine Geschichtsbetrachtung geben würde. Auch als ich eine allgemeine Geschichtsbetrachtung der neueren Zeit gab — ich habe sie ja auch in einem öffentlichen Vortrage in Zürich gegeben —, habe ich mich natürlich, obwohl ich nicht zurückgehalten habe, die radikalsten Konsequenzen, die zu ziehen notwendig sind, wirklich auch anzugeben, doch innerhalb gewisser Grenzen halten müssen. Denn nicht wahr, es ist ja heute für die meisten Menschen einmal außerordentlich bequem, Woodrow Wilson für einen großen Mann, für einen Weltbeglücker zu halten. Und wenn man demgegenüber die Wahrheit sagen muß, so wirkt diese Wahrheit als etwas Unbequemes, und derjenige, der sie ausspricht, wird als ein Störenfried empfunden. Das ist aber immer so gegangen mit jenen Wahrheiten, die aus dem Quell des übersinnlichen Lebens heraus geschöpft werden mußten. Nur leben wir eben im Zeitalter der Bewußtseinsseele, und da ist es notwendig, daß gewisse Wahrheiten an die Menschen herangebracht werden sollen.
[ 23 ] Indeed, many things can only be discussed within certain limits and in consequence much will be omitted entirely or deferred to another occasion. Let us take an example that concerns us closely and do not take it amiss if I present it in the following way. A week ago I was asked to say something on the subject of the symptomatology of Swiss history. I have given the matter most careful thought from every angle. But if I, as a foreigner, were to embark upon the symptomatology of Swiss history from the fifteenth century until the present day in the presence of Swiss nationals here in Dornach, I would find myself in a very strange situation. Let me illustrate the problem from another angle. Suppose that in July of this year (1918) someone in Germany or even in Austria had described the events and personalities as people do today, imagine what an outburst there would have been if he had portrayed five, fifteen or thirty years ago, for example, the conditions in Austria today! I am aware, therefore, that I would cause grave offence if I were to speak of Swiss history as the Swiss will speak of it here in Switzerland twenty years hence. For people cannot do otherwise, given their innate conservatism, than close their ears to what must be said from the standpoint of the future. It is true that in many spheres ordinary people—and after all we must count ourselves amongst them—especially in spheres that touch them closely, are unwilling to hear the truth. They prefer an anodyne. I assure you that I would give offence if I did not temper to some extent the subject on which I have been asked to speak. In the light of further reflection I think it is best to leave matters alone for the present. For judgements which are passed now—and from which one would dissent to some extent—are reminders that, if we wish to portray certain events today, we should do as I did yesterday. When one criticizes the Russian revolution and when one describes the relationship of the bourgeoisie to the broad masses and to the more radical elements of the extreme left, any such criticism is regarded here in Switzerland as relatively harmless, as an edifying Sunday afternoon sermon and is tolerated. And then one can abandon oneself, I will not say to the illusion, but to the pious hope that what I have said will penetrate into a few souls and will prove more efficacious than the normal Sunday afternoon sermons ... although even in matters of moment, the experience of recent years has often demonstrated the contrary. But to comment on the immediate situation is not the task of one, who not being a Swiss national, would speak to the Swiss of their own history. When I gave a general survey of recent history in a public lecture in ZürichT4Die Geschichte der Neuzeit im Lichte geisteswissenschaftlicher Forschung, 17th October, 1918 (included in Bibl. Nr. 73). I had of course to speak with a certain reserve, although I did not hesitate to indicate the radical consequences which must be drawn from the facts. It is extremely convenient for the majority of people today to look upon Woodrow Wilson as a great man, as a benefactor of mankind. But if one denies this and speaks the truth, the truth is found to be unpalatable and one is regarded as a mischief-maker! And this has always been the case with those truths which are drawn from the well-spring of the super-sensible. But today we are living in the epoch of the Consciousness Soul and it is necessary that mankind should be aware of certain truths.
[ 24 ] Es handelt sich wahrhaftig nicht darum, daß man heute immer wieder und wiederum das außerordentlich Billige wiederholt, die Leute seien nicht zugänglich. Das ist gar keine Frage, die wir uns stellen sollen, ob die Leute zugänglich seien oder nicht, sondern ob wir das Nötige tun, um wirklich die entsprechenden Wahrheiten, wenn wir dazu Gelegenheit haben, an die Menschen heranzubringen. Und das Nächste ist, daß wir uns über die Aufnahmefähigkeit der Menschheit gegenüber den Wahrheiten keinen Illusionen hingeben, daß wir uns wahrhaftig klar sind darüber, daß die Menschen gerade heute wenig aufnahmefähig sind für dasjenige, was ihnen am allernötigsten ist; geradeso wie sie sich heute versteifen, die Welt so zu ordnen, wie sie gar nicht geordnet werden kann, wenn die Menschheit ihrem entsprechenden, in unserem Zeitalter liegenden Entwickelungsimpuls nachgeht. Man muß ja auf diesem Gebiete allerdings die herbsten Erfahrungen machen. Aber man macht sie und nimmt sie auf, nicht mit Grollen, sondern man nimmt sie so auf, daß man von ihnen lernt, wie man es für das eine oder für das andere eben machen soll.
[ 24 ] There is really no point in continually repeating the obvious—that people today are not receptive to spiritual ideas. The question is not whether people are receptive or not, but whether we ourselves take the necessary steps in order to bring before mankind the necessary truths when the opportunity arises. And in addition we should harbour no illusions about the receptivity of mankind to truths. We must be quite clear that, today especially, men are seldom receptive to what is vitally necessary for them ... and that they insist upon ordering the world in a way that does not correspond with the true evolutionary impulse of our epoch. Indeed one experiences the bitterest disappointments in this domain. But one accepts them without resentment, in order to learn from them what we are to do under certain circumstances.
[ 25 ] Ich werde auf diese Dinge noch genauer zu sprechen kommen. Sehen Sie, es wäre zum Beispiel außerordentlich schön gewesen, wenn man in Mitteleuropa nur einige Menschen gefunden hätte, die aus gewissen maurerischen Impulsen heraus erkannt hätten, welche Tragweite so etwas hat wie dasjenige, was ich ja auch Ihnen hier entwickelt habe vor zwei Jahren in bezug auf gewisse Geheimgesellschaften, die in der Welt existieren. Da aber traf man, selbstverständlich, möchte ich sagen, nur taube Ohren. Denn nichts Unfruchtbareres gab es, als die Stellung der Maurerei innerhalb Mitteleuropas in den letzten Jahrzehnten. Das zeigte sich schon daran, daß immer wieder und wieder betont wurde, daß man auf Widerstand stößt, wenn man sich dagegen wehrt, daß dasjenige, was anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft gibt, irgendwie amalgamiert werde mit mitteleuropäischem Maurertum. Dagegen trat ein Oberschwätzer auf, der allerlei törichtes, dummes Zeug zusammenschwätzte über Symbolik und dergleichen, der sogenannte Nietzsche-Forscher auch, Horneffer; das wurde in weitesten Kreisen mit einem großen Ernste aufgenommen. Der tiefere Grund von alledem liegt ja allerdings darinnen, daß gewisse Anforderungen an die Menschen gestellt werden, wenn sie sich in anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft hineinfinden wollen, und daß dies nicht so leicht geht. Sehen Sie, es gibt heute Agitatoren für eine Erneuerung des Geistes, die den Menschen begreiflich machen, sie brauchten sich nur so hinzulegen auf einen Diwan und sich sich selbst zu überlassen; dann wird das höhere Ich und der Gott, und was weiß ich noch alles, im Menschen lebendig, und man braucht nicht so furchtbare Begriffe zu entwickeln, wie diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft. Man braucht nur auf sich selber hinzuhorchen und dann sich selber gehenzulassen, dann tritt dieses höhere mystische Ich auf und man fühlt und erfährt den Gott in sich selber.
[ 25 ] I will speak later of these matters in greater detail. It would have been a splendid thing if only a few people could have been found in Central Europe who, from an understanding of certain Masonic impulses, could have realized the significance of what I said here two years ago on the subject of secret societies. But, inevitably, there was no response. One cannot imagine a more sterile attitude than that of Central European Masonry in recent decades. This is shown by the fact, frequently mentioned, that one meets with resistance when one refuses to amalgamate in any way the teachings of spiritual science with the Freemasonry of Central Europe. On the other hand when a super windbag, the so-called Nietzsche specialist, Horneifer, appeared and talked solemn nonsense about symbolism and the like, he was taken seriously in many quarters. The deeper reason for all this is that certain demands are made upon those who wish to take up spiritual science, and this is by no means easy! One finds today advocates of a renewal of the spirit who explain to people that they need only lie down on a couch and relax and the higher ego, God, and heaven knows what else will awaken in them and then there will be no need to wrestle with these terrible concepts of anthroposophically orientated spiritual science. One need only listen to one's inner voice, surrender passively, then the higher mystical ego will manifest itself and one will feel and experience the presence of God in oneself.
[ 26 ] Ich habe Staatsmänner kennengelernt, die allerdings lieber auf solche Gott-Männer hören, die ihnen also empfehlen, das Ich zu suchen auf bequemere Weise, als auf anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft hören zu wollen. Ein Freund sagte mir jüngst, einer von diesen Gott-Bringern hätte ihm, als er noch sein Anhänger war, gesagt: Ach, Sie glauben gar nicht, wie dumm ich bin! — Dennoch, derselbe Mann, der dieses Bekenntnis: Sie glauben gar nicht, wie dumm ich bin —, abgelegt hat, um dadurch anzuzeigen, daß man keine Gescheitheit braucht, um heute den Menschen die Urquellen der Weisheit zu bringen, derselbe Mann findet ein breites Publikum oben und unten, allüberall. Denn man hört solche Menschen lieber als diejenigen, die unbequemerweise von allem Möglichen reden, wenn sie den Menschen zum Erfassen der Aufgabe der Bewußtseinsseele bringen wollen, die von einem vierfachen Entwickelungsgang reden, oder gar, daß die Menschen einander erwärmen sollen, einander färben sollen, einander atmen sollen, einander ganz verdauen sollen. Und um zu so etwas vorzudringen, ist es nötig, eine ganze Reihe von Büchern in sich aufzunehmen — unbequeme Sache, höchst unbequeme Sache! Aber daß man es als eine unbequeme Sache empfindet, das ist eben zusammenhängend mit dem Impulse unserer katastrophalen Zeit, mit dem Unglück unserer Zeit. Aber auch das ruft nicht zu einem Pessimismus auf, sondern ruft auf zur Kraft, zur Umsetzung der Erkenntnis in Tat. Und das ist es, was nicht oft genug wiederholt werden kann.
[ 26 ] I have known statesmen who prefer to listen to these ‘pundits’ who recommend them to take the easy path to the higher ego rather than listen to the teachings of spiritual science. A friend told me recently that one of these pundits had said to him when he was still one of his disciples: you have no idea how stupid I am! Yet this very man who confessed to his stupidity in order to show that intelligence is not needed in order to introduce men to the primal sources of wisdom, this man has a large following everywhere. People prefer to listen to such men rather than to those who speak of the thorny path ahead if man is to understand the task of the Consciousness Soul, who tell us of four aspects of evolution or that men must experience one another through warmth, through a sensation of colour, through respiration, that they must ‘digest’ one another. In order to arrive at an understanding of this, one must swallow a whole library of books—a most unpleasant prospect! But people find this prospect unpalatable, most unpalatable! But if people find this prospect unpalatable, that is due to the impulse which is impelling our age towards catastrophe, to the tragedy of our time. This situation, however, is no cause for pessimism; rather is it a call to energetic action, to translate our knowledge into deeds. And this cannot be repeated too often.
[ 27 ] Ich überlasse es jedem, nachdem ich gestern die harmlose Exemplifizierung von dem Saug- und Druckproblem gegeben habe, ein wenig nachzudenken, ob dieses Saug- und Druckproblem nicht doch vielleicht sehr wichtig ist sich zu überlegen. Es könnte sonst sein, daß die Leute sagen: Nun ja, in Rußland hat das Bürgertum den Anschluß an das Bauerntum nicht gefunden, aber wir haben es gut, bei uns werden sich Bürger und Bauern zusammentun, dann wird es schon gehen mit dem Sozialismus. — Man bedenkt gar nicht, daß das natürlich zahlreiche Leute auch in Rußland gesagt haben, und daß es daran gerade liegt, daß sie es dort gesagt haben.
[ 27 ] I mentioned yesterday the problem of suction and pressure in connection with the Russian revolution. I leave it to each of you to ask yourselves if this problem after all is not a matter deserving of careful reflection. Otherwise people might say: It is true that in Russia the bourgeoisie failed to unite with the peasants, but here in Germany we are more fortunate, bourgeoisie and peasants will join forces and then socialism will come into its own. But they forget that many people in Russia said the same and it is precisely because people held this view that Russia collapsed.
[ 28 ] Nun, wir werden morgen weiter davon sprechen.
[ 28 ] We will continue our discussion tomorrow.
