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The Developmental-Historical Basis
of Social Judgment
GA 185a

16 November 1918, Dornach

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Entwicklungsgeschichtliche Unterlagen zur Bildung eines sozialen Urteils
  1. The Developmental-Historical Basis of Social Judgment, tr. SOL

Vierter Vortrag

Vierter Vortrag

[ 1 ] Auch wenn man Betrachtungen anstellt über die Zeitereignisse, wie wir es jetzt tun, Betrachtungen, die wir ja dann zu gewissen Perspektiven erweitern wollen, Perspektiven, die nur durch das Geisteswissenschaftliche zu erreichen sind, auch dann, wenn man solche Betrachtungen anstellt, muß man sich immer gegenwärtig halten, daß wir in der Entwickelungsströmung der Menschheit im Zeitalter der Bewußtseinsseele angelangt sind, und daß es eben geradezu Aufgabe ist des Menschen in der Gegenwart, vom Gesichtspunkte des Eintritts in die Bewußtseinsseele die Dinge zu verfolgen. Es wird der Grundimpuls unserer Gegenwart so sein, daß nur derjenige gewachsen sein kann dem, was von Menschen die schwierige Gegenwart und Zukunft fordern wird, der aus dem Jüngst- und aus dem Weitervergangenen Verständnis suchen will für die Kräfte, welche in der Gegenwart walten, der den guten Willen haben wird zum Verständnis. Denn wenn auch viele Verhältnisse so sind, daß die Kräfte durcheinandergeworfen werden, daß chaotische Zustände entstehen — oh, es könnten noch viel chaotischere Zustände entstehen, als da sind —, in dem Chaos leben doch die Fortsetzungen derjenigen Kräfte, die schon da waren. Und nur derjenige wird das Chaos verstehen, welcher die Kräfte versteht, die schon da waren und die sich fortsetzen, die sich vielleicht sehr maskiert fortsetzen, aber die sich doch aus früheren Zeiten her fortsetzen. Aber auch die Forderungen, welche an die Menschheit gestellt werden, die müssen in viel größerem Umfange, als das sich heute noch irgend viele Menschen vorstellen, verstanden werden.

[ 1 ] Auch wenn man Betrachtungen anstellt über die Zeitereignisse, wie wir es jetzt tun, Betrachtungen, die wir ja dann zu gewissen Perspektiven erweitern wollen, Perspektiven, die nur durch das Geisteswissenschaftliche zu erreichen sind, auch dann, wenn man solche Betrachtungen anstellt, muß man sich immer gegenwärtig halten, daß wir in der Entwickelungsströmung der Menschheit im Zeitalter der Bewußtseinsseele angelangt sind, und daß es eben geradezu Aufgabe ist des Menschen in der Gegenwart, vom Gesichtspunkte des Eintritts in die Bewußtseinsseele die Dinge zu verfolgen. Es wird der Grundimpuls unserer Gegenwart so sein, daß nur derjenige gewachsen sein kann dem, was von Menschen die schwierige Gegenwart und Zukunft fordern wird, der aus dem Jüngst- und aus dem Weitervergangenen Verständnis suchen will für die Kräfte, welche in der Gegenwart walten, der den guten Willen haben wird zum Verständnis. Denn wenn auch viele Verhältnisse so sind, daß die Kräfte durcheinandergeworfen werden, daß chaotische Zustände entstehen — oh, es könnten noch viel chaotischere Zustände entstehen, als da sind —, in dem Chaos leben doch die Fortsetzungen derjenigen Kräfte, die schon da waren. Und nur derjenige wird das Chaos verstehen, welcher die Kräfte versteht, die schon da waren und die sich fortsetzen, die sich vielleicht sehr maskiert fortsetzen, aber die sich doch aus früheren Zeiten her fortsetzen. Aber auch die Forderungen, welche an die Menschheit gestellt werden, die müssen in viel größerem Umfange, als das sich heute noch irgend viele Menschen vorstellen, verstanden werden.

[ 2 ] Ich habe gestern darauf aufmerksam gemacht, daß ein Verständnis wird angeeignet werden müssen für die in den Dingen waltende Wahrheit. Es ist ganz bestimmt so, daß sehr viele Menschen sich heute überhaupt noch keine Vorstellung machen von der in den Dingen waltenden Wahrheit. Daß in den Dingen selbst, in den Vorgängen, Wahrheit oder Unwahrheit waltet, und daß man sich dem einen oder dem anderen hingeben kann, das glauben heute noch viele Menschen nicht, da sie nur die Abstraktion im Sinne haben, daß Wahrheit die subjektive Übereinstimmung desjenigen sei, was man vorstellt, mit irgend etwas, was außerhalb vorgeht. Aber in den Ereignissen, namentlich insofern sie das Menschenleben betreffen, waltet selbst Wahrheit oder Unwahrheit, und es ist ganz gleichgültig, ob der Mensch weiß oder nicht von manchen Unwahrheiten, denn die schlimmsten Unwahrheiten pulsieren sehr häufig gerade im Menschenleben als unterbewußte Kräfte, greifen gar nicht herauf in das menschliche Bewußtsein. Aber kennenlernen muß man gerade in der Gegenwart diese unterbewußten Kräfte, heraufholen muß man sie in das Bewußtsein. Das ist für manches außerordentlich schwierig, und aufs Nächste zunächst eingehen, das kann die Aufgabe erleichtern; auf die nächsten Zeitereignisse so einzugehen, daß sie gewissermaßen etwas lehren können, das ist wichtig. Aber es ist nicht so ganz leicht, weil es auch nach der einen oder anderen Seite hin nicht ganz bequem ist. Man hat ja in den letzten Jahren verschiedene Urteile gehört — ich habe das schon erwähnt —, Urteile von diesem oder jenem Standpunkte. Man konnte natürlich von einem gewissen oberflächlichen Gesichtspunkte aus weder den einen noch den andern Gesichtspunkt übelnehmen. Bedauerlich war nur, daß so wenig untersucht worden ist das Tiefere, das waltete in diesen ungeheueren katastrophalen Ereignissen; und das Bedauerliche ist ferner, daß man immer wieder und wiederum in die alte Bequemlichkeit zurückgefallen ist, nach Äußerlichkeiten, ich will nicht sagen nach Schlagworten, aber nach Schlagbegriffen, nach Schlagvorstellungen zu urteilen. Wenn die Ereignisse schon ganz andere Urteile herausgefordert haben, hat man noch immer nach den alten Dingen geurteilt, und auch heute urteilt man noch immer vielfach nach den alten Dingen, statt die großen Fragen, die eigentlich jetzt jeder Tag aufstellt, wirklich sich ein wenig vor Augen zu führen.

[ 2 ] Ich habe gestern darauf aufmerksam gemacht, daß ein Verständnis wird angeeignet werden müssen für die in den Dingen waltende Wahrheit. Es ist ganz bestimmt so, daß sehr viele Menschen sich heute überhaupt noch keine Vorstellung machen von der in den Dingen waltenden Wahrheit. Daß in den Dingen selbst, in den Vorgängen, Wahrheit oder Unwahrheit waltet, und daß man sich dem einen oder dem anderen hingeben kann, das glauben heute noch viele Menschen nicht, da sie nur die Abstraktion im Sinne haben, daß Wahrheit die subjektive Übereinstimmung desjenigen sei, was man vorstellt, mit irgend etwas, was außerhalb vorgeht. Aber in den Ereignissen, namentlich insofern sie das Menschenleben betreffen, waltet selbst Wahrheit oder Unwahrheit, und es ist ganz gleichgültig, ob der Mensch weiß oder nicht von manchen Unwahrheiten, denn die schlimmsten Unwahrheiten pulsieren sehr häufig gerade im Menschenleben als unterbewußte Kräfte, greifen gar nicht herauf in das menschliche Bewußtsein. Aber kennenlernen muß man gerade in der Gegenwart diese unterbewußten Kräfte, heraufholen muß man sie in das Bewußtsein. Das ist für manches außerordentlich schwierig, und aufs Nächste zunächst eingehen, das kann die Aufgabe erleichtern; auf die nächsten Zeitereignisse so einzugehen, daß sie gewissermaßen etwas lehren können, das ist wichtig. Aber es ist nicht so ganz leicht, weil es auch nach der einen oder anderen Seite hin nicht ganz bequem ist. Man hat ja in den letzten Jahren verschiedene Urteile gehört — ich habe das schon erwähnt —, Urteile von diesem oder jenem Standpunkte. Man konnte natürlich von einem gewissen oberflächlichen Gesichtspunkte aus weder den einen noch den andern Gesichtspunkt übelnehmen. Bedauerlich war nur, daß so wenig untersucht worden ist das Tiefere, das waltete in diesen ungeheueren katastrophalen Ereignissen; und das Bedauerliche ist ferner, daß man immer wieder und wiederum in die alte Bequemlichkeit zurückgefallen ist, nach Äußerlichkeiten, ich will nicht sagen nach Schlagworten, aber nach Schlagbegriffen, nach Schlagvorstellungen zu urteilen. Wenn die Ereignisse schon ganz andere Urteile herausgefordert haben, hat man noch immer nach den alten Dingen geurteilt, und auch heute urteilt man noch immer vielfach nach den alten Dingen, statt die großen Fragen, die eigentlich jetzt jeder Tag aufstellt, wirklich sich ein wenig vor Augen zu führen.

[ 3 ] Gerade mit Bezug auf das, was ich im Beginne der gestrigen Betrachtungen angeregt habe, das Sich-Versenken in die Wahrheit der Tatsachen, ist es wichtig, jetzt etwas ins Auge zu fassen. In bezug auf viele Dinge ist ja nur ein Anfang da, aber es ist in bezug auf manches auch Entscheidendes eingetreten. Es ist dasjenige eingetreten, was sich vielleicht doch auch die siegenden Mächte der Gegenwart in einer andern Art von dem Schicksal der Mittelmächte nach dem Siege vorgestellt haben. So wie es gekommen ist, dürfte es nicht gerade, wenigstens nach viereinhalb Jahren, vorgestellt worden sein. Aber es wird mit diesen Entscheidungen etwas verknüpft sein, was allerdings dem Geisteswissenschafter klar werden sollte bei ganz objektiver Beurteilung der Sachlage. Der Krieg war ja lange kein Krieg mehr, und dasjenige, was sich die Leute noch immer vorstellen, daß in den nächsten Wochen, oder, ich weiß schon nicht wann, als ein Friede geschlossen werden könnte, wird natürlich geradeso aussehen wie der kuriose Friede von Brest-Litowsk und alles dasjenige, was man gegenwärtig Friede nennt. Es ist nur eine alte Faulheit, noch immer daran zu glauben, daß die katastrophalen Ereignisse ausgehen können mit einem gewöhnlichen Friedensschlusse, wie es eine alte Faulheit ist, zu glauben, daß der Krieg ein Krieg geblieben ist, was er schon lange nicht mehr war; denn hinter ihm war dasjenige waltend, was sich durch Kleinigkeiten in abgekürzteren Erscheinungen, möchte ich sagen, zeigen kann.

[ 3 ] Gerade mit Bezug auf das, was ich im Beginne der gestrigen Betrachtungen angeregt habe, das Sich-Versenken in die Wahrheit der Tatsachen, ist es wichtig, jetzt etwas ins Auge zu fassen. In bezug auf viele Dinge ist ja nur ein Anfang da, aber es ist in bezug auf manches auch Entscheidendes eingetreten. Es ist dasjenige eingetreten, was sich vielleicht doch auch die siegenden Mächte der Gegenwart in einer andern Art von dem Schicksal der Mittelmächte nach dem Siege vorgestellt haben. So wie es gekommen ist, dürfte es nicht gerade, wenigstens nach viereinhalb Jahren, vorgestellt worden sein. Aber es wird mit diesen Entscheidungen etwas verknüpft sein, was allerdings dem Geisteswissenschafter klar werden sollte bei ganz objektiver Beurteilung der Sachlage. Der Krieg war ja lange kein Krieg mehr, und dasjenige, was sich die Leute noch immer vorstellen, daß in den nächsten Wochen, oder, ich weiß schon nicht wann, als ein Friede geschlossen werden könnte, wird natürlich geradeso aussehen wie der kuriose Friede von Brest-Litowsk und alles dasjenige, was man gegenwärtig Friede nennt. Es ist nur eine alte Faulheit, noch immer daran zu glauben, daß die katastrophalen Ereignisse ausgehen können mit einem gewöhnlichen Friedensschlusse, wie es eine alte Faulheit ist, zu glauben, daß der Krieg ein Krieg geblieben ist, was er schon lange nicht mehr war; denn hinter ihm war dasjenige waltend, was sich durch Kleinigkeiten in abgekürzteren Erscheinungen, möchte ich sagen, zeigen kann.

[ 4 ] Sie sehen heute, daß die sogenannte deutsche Revolution, die RevoJution im ehemaligen Deutschen Reich, eine sonderbare Gestalt angenommen hat. Wahrscheinlich haben sich die allermeisten Menschen, in Deutschland und außerhalb Deutschlands, nicht vorgestellt, daß die Dinge eine solche Gestalt annehmen. Sie haben eine solche Gestalt angenommen, weil die historischen Symptome — ich habe ja wirklich zu Ihnen recht lange gesprochen über historische Symptome eben nur auf Tieferes zeigen, und schließlich ein Symptom sich so oder auch anders abspielen konnte. Schließlich ist dasjenige, was jetzt geschieht, alles nur die Folge davon, daß noch einen letzten Trumpf eine gewisse Partei innerhalb Deutschlands ausspielen wollte, die durchaus aufrechterhalten wollte dieses Deutschland, ein letztes VabanqueSpielen: es sollte die Flotte, die ja noch nicht oder wenigstens nur durch Kleinigkeiten in Tätigkeit getreten war, veranlaßt werden, eine letzte Attacke, eine letzte Tätigkeit auszuführen. Darauf haben sich die Matrosen nicht eingelassen, und so ist denn von den Matrosen aus gerade diejenige Form — nur die Form selbstverständlich — der Revolution in Szene gesetzt worden, die dann gekommen ist.

[ 4 ] Sie sehen heute, daß die sogenannte deutsche Revolution, die RevoJution im ehemaligen Deutschen Reich, eine sonderbare Gestalt angenommen hat. Wahrscheinlich haben sich die allermeisten Menschen, in Deutschland und außerhalb Deutschlands, nicht vorgestellt, daß die Dinge eine solche Gestalt annehmen. Sie haben eine solche Gestalt angenommen, weil die historischen Symptome — ich habe ja wirklich zu Ihnen recht lange gesprochen über historische Symptome eben nur auf Tieferes zeigen, und schließlich ein Symptom sich so oder auch anders abspielen konnte. Schließlich ist dasjenige, was jetzt geschieht, alles nur die Folge davon, daß noch einen letzten Trumpf eine gewisse Partei innerhalb Deutschlands ausspielen wollte, die durchaus aufrechterhalten wollte dieses Deutschland, ein letztes VabanqueSpielen: es sollte die Flotte, die ja noch nicht oder wenigstens nur durch Kleinigkeiten in Tätigkeit getreten war, veranlaßt werden, eine letzte Attacke, eine letzte Tätigkeit auszuführen. Darauf haben sich die Matrosen nicht eingelassen, und so ist denn von den Matrosen aus gerade diejenige Form — nur die Form selbstverständlich — der Revolution in Szene gesetzt worden, die dann gekommen ist.

[ 5 ] Ich habe Ihnen nicht umsonst über die historische Symptomatologie gesprochen, damit dasjenige bei Ihnen wenigstens der Fall sein kann, was bei den Menschen der Gegenwart und der Zukunft recht stark der Fall sein sollte: die Beurteilung des Geschehenden aus den Symptomen heraus, die eben nicht so genommen werden sollen wie in der alten Geschichte, sondern eben als Symptome, als Offenbarungen von Wirklichkeiten, die erst hinter diesen Symptomen stehen, so daß man diese Symptome eben werten und wägen muß. Allein so, wie nun diese Entscheidungen, diese vorläufigen Entscheidungen da sind, so sind sie der Ausgangspunkt von Dingen, die, nachdem so vieles lange Zeit falsch bewertet worden ist, unter verschiedenartigen Einflüssen falsch bewertet worden ist, nun doch wenigstens von einigen Menschen richtiger bewertet werden sollten.

[ 5 ] Ich habe Ihnen nicht umsonst über die historische Symptomatologie gesprochen, damit dasjenige bei Ihnen wenigstens der Fall sein kann, was bei den Menschen der Gegenwart und der Zukunft recht stark der Fall sein sollte: die Beurteilung des Geschehenden aus den Symptomen heraus, die eben nicht so genommen werden sollen wie in der alten Geschichte, sondern eben als Symptome, als Offenbarungen von Wirklichkeiten, die erst hinter diesen Symptomen stehen, so daß man diese Symptome eben werten und wägen muß. Allein so, wie nun diese Entscheidungen, diese vorläufigen Entscheidungen da sind, so sind sie der Ausgangspunkt von Dingen, die, nachdem so vieles lange Zeit falsch bewertet worden ist, unter verschiedenartigen Einflüssen falsch bewertet worden ist, nun doch wenigstens von einigen Menschen richtiger bewertet werden sollten.

[ 6 ] Sehen Sie: Was alles verbrochen worden ist, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, bei den Zentralmächten, was da die verschiedenen Machthaber gesündigt haben, was da an Unwahrhaftigkeit in den Ereignissen gelegen hat, das wird zutage treten. So haben sich die Ereignisse entwickelt, daß die Welt bis ins kleinste in verhältnismäßig gar nicht ferner Zukunft erfahren wird alles das, was von den mitteleuropäischen Machthabern gesündigt worden ist. Und ich selbst werde dasjenige, was ich von den Ereignissen weiß — und ich kann nur sagen, das Karma hat mir auch die Möglichkeit gegeben, recht, recht viel gerade von den entscheidenden Dingen in diesem Falle zu wissen —, mitteilen, und, wenn mir dazu das Leben ausreicht, alles dazu beitragen, daß Wahrheit an die Stelle von dem tritt, was der Welt bisher vorgemacht worden ist. Aber auf der anderen Seite sind die Ereignisse so, daß das nicht dazu zu führen scheint. Selbstverständlich müßten Sie gerade aus den Dingen, die hier besprochen worden sind im Laufe der Jahre, wissen, daß nicht eine geringere Unwahrheit auf der anderen Seite gewaltet hat. Glauben Sie, daß die auch haarklein vor die Menschen hingestellt werden wird? Dazu sind nicht einmal die Unterlagen der Beurteilung da! Nicht einmal die intellektuellen Unterlagen der Beurteilung sind da, sondern alle Unterlagen sind dazu da, daß die Wahrheit weiter verhüllt bleibe.

[ 6 ] Sehen Sie: Was alles verbrochen worden ist, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, bei den Zentralmächten, was da die verschiedenen Machthaber gesündigt haben, was da an Unwahrhaftigkeit in den Ereignissen gelegen hat, das wird zutage treten. So haben sich die Ereignisse entwickelt, daß die Welt bis ins kleinste in verhältnismäßig gar nicht ferner Zukunft erfahren wird alles das, was von den mitteleuropäischen Machthabern gesündigt worden ist. Und ich selbst werde dasjenige, was ich von den Ereignissen weiß — und ich kann nur sagen, das Karma hat mir auch die Möglichkeit gegeben, recht, recht viel gerade von den entscheidenden Dingen in diesem Falle zu wissen —, mitteilen, und, wenn mir dazu das Leben ausreicht, alles dazu beitragen, daß Wahrheit an die Stelle von dem tritt, was der Welt bisher vorgemacht worden ist. Aber auf der anderen Seite sind die Ereignisse so, daß das nicht dazu zu führen scheint. Selbstverständlich müßten Sie gerade aus den Dingen, die hier besprochen worden sind im Laufe der Jahre, wissen, daß nicht eine geringere Unwahrheit auf der anderen Seite gewaltet hat. Glauben Sie, daß die auch haarklein vor die Menschen hingestellt werden wird? Dazu sind nicht einmal die Unterlagen der Beurteilung da! Nicht einmal die intellektuellen Unterlagen der Beurteilung sind da, sondern alle Unterlagen sind dazu da, daß die Wahrheit weiter verhüllt bleibe.

[ 7 ] Wenn ich die Stimmung, mit welcher man die Ereignisse beurteilt hat im August, September, Oktober, November 1914 mit Bezug auf dasjenige, was von den Mittelmächten angestellt worden war, in neutralen Ländern und in den feindlichen Ländern beurteile und mit jenem Wohlwollen vergleiche, mit dem jetzt die unerhört grausamen Waffenstillstandsbedingungen für die Zentralmächte gewürdigt werden, mit jenem allgemeinen merkwürdigen Schweigen, mit dem man darüber hinweggeht, daß diese Waffenstillstandsbedingungen, so wie sie waren und wie sie ja auch nach der Milderung bleiben werden, ein wahrhaftiges Todesurteil sind, dann bemerke ich einen Unterschied, einen ganz gewaltigen Unterschied in dem Willen zum Urteil. Denn dieser Unterschied im Willen zum Urteilen beruht auch noch darauf, daß kein Wille zum Urteil da war im August, September, Oktober, November 1914 und so weiter. Auf mancherlei vielleicht kann ich nur vermutungsweise eingehen, was, wie gesagt, der Welt schon bekannt werden wird, während jetzt gar nicht notwendig ist, um zu einem Urteil zu kommen, etwas anderes zu tun, als Paragraph für Paragraph zu lesen. Ich weiß, daß ich auch damit vor tauben Ohren spreche, nach vielen Richtungen hin vor tauben Ohren spreche, aber warum sollte denn nicht, wenn man die Verpflichtung hat, die Wahrheit auszusprechen ohne Sympathie und Antipathie, rein in ihrer Objektivität, dies selbst in diesem Augenblicke, wo sie vielleicht nach dieser Richtung hin wenig gern gehört wird, warum sollte denn die Wahrheit nicht ausgesprochen werden, sintemalen ich nicht wissen kann, wie lange es noch gestattet sein wird, auch nur solche Wahrheiten auszusprechen. Diese Dinge spreche ich wahrhaftig nicht aus, um irgendeine Sympathie oder Antipathie zum Ausdruck zu bringen, sondern um eine blutig errungene Erkenntnis pflichtgemäß eben auszusprechen. Im Zeitalter der Bewußtseinsseele ist es eben notwendig, wissend auf die Dinge einzugehen, und das Wissen zu dem Impulse auch seines Handelns und namentlich zu dem Impulse der Einsicht zu machen. Und Einsicht ist notwendig — das habe ich in diesen Tagen immer wieder und wiederum betont —, Einsicht wird für die Menschen des Bewußtseins-Zeitalters notwendig sein.

[ 7 ] Wenn ich die Stimmung, mit welcher man die Ereignisse beurteilt hat im August, September, Oktober, November 1914 mit Bezug auf dasjenige, was von den Mittelmächten angestellt worden war, in neutralen Ländern und in den feindlichen Ländern beurteile und mit jenem Wohlwollen vergleiche, mit dem jetzt die unerhört grausamen Waffenstillstandsbedingungen für die Zentralmächte gewürdigt werden, mit jenem allgemeinen merkwürdigen Schweigen, mit dem man darüber hinweggeht, daß diese Waffenstillstandsbedingungen, so wie sie waren und wie sie ja auch nach der Milderung bleiben werden, ein wahrhaftiges Todesurteil sind, dann bemerke ich einen Unterschied, einen ganz gewaltigen Unterschied in dem Willen zum Urteil. Denn dieser Unterschied im Willen zum Urteilen beruht auch noch darauf, daß kein Wille zum Urteil da war im August, September, Oktober, November 1914 und so weiter. Auf mancherlei vielleicht kann ich nur vermutungsweise eingehen, was, wie gesagt, der Welt schon bekannt werden wird, während jetzt gar nicht notwendig ist, um zu einem Urteil zu kommen, etwas anderes zu tun, als Paragraph für Paragraph zu lesen. Ich weiß, daß ich auch damit vor tauben Ohren spreche, nach vielen Richtungen hin vor tauben Ohren spreche, aber warum sollte denn nicht, wenn man die Verpflichtung hat, die Wahrheit auszusprechen ohne Sympathie und Antipathie, rein in ihrer Objektivität, dies selbst in diesem Augenblicke, wo sie vielleicht nach dieser Richtung hin wenig gern gehört wird, warum sollte denn die Wahrheit nicht ausgesprochen werden, sintemalen ich nicht wissen kann, wie lange es noch gestattet sein wird, auch nur solche Wahrheiten auszusprechen. Diese Dinge spreche ich wahrhaftig nicht aus, um irgendeine Sympathie oder Antipathie zum Ausdruck zu bringen, sondern um eine blutig errungene Erkenntnis pflichtgemäß eben auszusprechen. Im Zeitalter der Bewußtseinsseele ist es eben notwendig, wissend auf die Dinge einzugehen, und das Wissen zu dem Impulse auch seines Handelns und namentlich zu dem Impulse der Einsicht zu machen. Und Einsicht ist notwendig — das habe ich in diesen Tagen immer wieder und wiederum betont —, Einsicht wird für die Menschen des Bewußtseins-Zeitalters notwendig sein.

[ 8 ] Es wird der Welt klar werden, daß all das Gerede, das seit viereinhalb Jahren mit Bezug auf die sogenannte Schuldfrage gewaltet hat, eben ein ganz oberflächliches Gerede war. Dasjenige, was sich vollzogen hat, ist viel mehr Tragik in einem höheren Sinne, als man von irgendwelcher Schuld sprechen kann, denn man kann nicht von Schuld sprechen, wenn zum Beispiel einen großen Anteil an einer Folge von Ereignissen die Unfähigkeit hat. Gewiß, die Unfähigkeit, wie ich Ihnen dargestellt habe, hat zum Beispiel bei den Mittelmächten an den maßgebenden Stellen eine ungeheure Rolle gespielt, aber eben die absolute intellektuelle Unfähigkeit, auch die Unfähigkeit in der Beurteilung der Verhältnisse, im Urteilsvermögen und dergleichen. Es wird da notwendig sein, manches Wirkliche eben ins Auge zu fassen. Ich will nur auf eines hinweisen.

[ 8 ] Es wird der Welt klar werden, daß all das Gerede, das seit viereinhalb Jahren mit Bezug auf die sogenannte Schuldfrage gewaltet hat, eben ein ganz oberflächliches Gerede war. Dasjenige, was sich vollzogen hat, ist viel mehr Tragik in einem höheren Sinne, als man von irgendwelcher Schuld sprechen kann, denn man kann nicht von Schuld sprechen, wenn zum Beispiel einen großen Anteil an einer Folge von Ereignissen die Unfähigkeit hat. Gewiß, die Unfähigkeit, wie ich Ihnen dargestellt habe, hat zum Beispiel bei den Mittelmächten an den maßgebenden Stellen eine ungeheure Rolle gespielt, aber eben die absolute intellektuelle Unfähigkeit, auch die Unfähigkeit in der Beurteilung der Verhältnisse, im Urteilsvermögen und dergleichen. Es wird da notwendig sein, manches Wirkliche eben ins Auge zu fassen. Ich will nur auf eines hinweisen.

[ 9 ] Nicht wahr, aus der Leidenschaft heraus läßt sich sehr, sehr vieles beurteilen, verurteilen, schief beurteilen und so weiter. Ja, derjenige, der auf Grundlage der Tatsachen spricht, der die Tatsachen kennt, der muß manche Fragen, die außerordentlich wichtige historische Fragen sind, in scharfen Konturen beantworten. Sehen Sie, natürlich nehmen sich die Dinge immer von verschiedenen Gesichtspunkten verschieden aus. Es gibt verschiedene Gründe, die man dafür anführen kann, warum im August 1914 von Deutschland aus nach Frankreich hinüber auch ein Krieg zustande gekommen ist. Auf einiges habe ich schon aufmerksam gemacht. Man kann sagen: Nur derjenige, der wirklich den Willen hat, genau zu sprechen, kann über diese Verhältnisse die Dinge richtig ausdrücken. Es hat ja an einem Haar gehangen, kann man sagen, so wäre 1914 im August gar kein Zweifrontenkrieg zustandegekommen, sondern der allerdings unvermeidliche Krieg gegen Rußland. Ich spreche jetzt von der Seite der Mittelmächte aus; die Sache sieht sich natürlich von anderer Seite anders an. Es hat an einem Haar gehangen. Woran hat es gehangen? Was ist dieses «Haar»? Nun, sehen Sie, der Herr, der jetzt in Holland sein soll und den insbesondere das Ausland so ungeheuer wichtig genommen hat, was ein großes, dem deutschen Volke angetanes Unrecht war, er war, wie Sie aus meiner Darstellung vor ein paar Tagen ersehen können, ein außerordentlich indiskreter Mann. Nicht wahr, als ihm — ich habe Ihnen dies erzählt — im Verlaufe der Jahre ein Bündnis angetragen war von Rußland und von Frankreich, so daß ein Bündnis Rußland-Frankreich-Deutschland gegen England zustandegekommen wäre, da rühmte er sich 1908 in der berühmten Daily-Telegraf-Affäre, daß er sofort diesen Antrag von Rußland und Frankreich seiner Großmutter mitgeteilt bat und sich dadurch ein großes Verdienst um das Britische Reich erworben hat. Man konnte maßgebende Stellen fragen, wie es denn eigentlich mit dem Einfall in Belgien war. Schließlich war dieser Herr, den ich meine, oberster Kriegsherr und konnte entscheiden. Besagter Herr — bitte, wenden Sie nicht ein, daß viele Menschen in Europa das schon gewußt haben —, aber besagter Herr hat es eben nicht gewußt, daß in Belgien eingefallen wird, bis zum 29. Juli 1914. Und warum? Weil man es ihm nicht sagen konnte, denn hätte man es ihm heute gesagt, so hätte es morgen die ganze Welt gewußt, wenn all die Leute, wie Sven Hedin und so weiter, die ihn so bewunderten, zu ihm gekommen wären. Was ist das für eine Anomalie, wenn strategisch ein Kriegsplan ausgearbeitet werden muß aus gewissen Gründen, die eben auf strategischer Basis ruhen, und der oberste Kriegsherr darf den allerwichtigsten Punkt, den Ausgangspunkt überhaupt nicht wissen! Soll dabei etwas herauskommen, was dann in der gewöhnlichen Weise beurteilt werden kann?

[ 9 ] Nicht wahr, aus der Leidenschaft heraus läßt sich sehr, sehr vieles beurteilen, verurteilen, schief beurteilen und so weiter. Ja, derjenige, der auf Grundlage der Tatsachen spricht, der die Tatsachen kennt, der muß manche Fragen, die außerordentlich wichtige historische Fragen sind, in scharfen Konturen beantworten. Sehen Sie, natürlich nehmen sich die Dinge immer von verschiedenen Gesichtspunkten verschieden aus. Es gibt verschiedene Gründe, die man dafür anführen kann, warum im August 1914 von Deutschland aus nach Frankreich hinüber auch ein Krieg zustande gekommen ist. Auf einiges habe ich schon aufmerksam gemacht. Man kann sagen: Nur derjenige, der wirklich den Willen hat, genau zu sprechen, kann über diese Verhältnisse die Dinge richtig ausdrücken. Es hat ja an einem Haar gehangen, kann man sagen, so wäre 1914 im August gar kein Zweifrontenkrieg zustandegekommen, sondern der allerdings unvermeidliche Krieg gegen Rußland. Ich spreche jetzt von der Seite der Mittelmächte aus; die Sache sieht sich natürlich von anderer Seite anders an. Es hat an einem Haar gehangen. Woran hat es gehangen? Was ist dieses «Haar»? Nun, sehen Sie, der Herr, der jetzt in Holland sein soll und den insbesondere das Ausland so ungeheuer wichtig genommen hat, was ein großes, dem deutschen Volke angetanes Unrecht war, er war, wie Sie aus meiner Darstellung vor ein paar Tagen ersehen können, ein außerordentlich indiskreter Mann. Nicht wahr, als ihm — ich habe Ihnen dies erzählt — im Verlaufe der Jahre ein Bündnis angetragen war von Rußland und von Frankreich, so daß ein Bündnis Rußland-Frankreich-Deutschland gegen England zustandegekommen wäre, da rühmte er sich 1908 in der berühmten Daily-Telegraf-Affäre, daß er sofort diesen Antrag von Rußland und Frankreich seiner Großmutter mitgeteilt bat und sich dadurch ein großes Verdienst um das Britische Reich erworben hat. Man konnte maßgebende Stellen fragen, wie es denn eigentlich mit dem Einfall in Belgien war. Schließlich war dieser Herr, den ich meine, oberster Kriegsherr und konnte entscheiden. Besagter Herr — bitte, wenden Sie nicht ein, daß viele Menschen in Europa das schon gewußt haben —, aber besagter Herr hat es eben nicht gewußt, daß in Belgien eingefallen wird, bis zum 29. Juli 1914. Und warum? Weil man es ihm nicht sagen konnte, denn hätte man es ihm heute gesagt, so hätte es morgen die ganze Welt gewußt, wenn all die Leute, wie Sven Hedin und so weiter, die ihn so bewunderten, zu ihm gekommen wären. Was ist das für eine Anomalie, wenn strategisch ein Kriegsplan ausgearbeitet werden muß aus gewissen Gründen, die eben auf strategischer Basis ruhen, und der oberste Kriegsherr darf den allerwichtigsten Punkt, den Ausgangspunkt überhaupt nicht wissen! Soll dabei etwas herauskommen, was dann in der gewöhnlichen Weise beurteilt werden kann?

[ 10 ] Nun waren die Verhältnisse so, daß durch die europäische Konstellation, nun, also, durch die sehr, sehr unschuldigen Entente-Mächte — sie sind ja nach ihrer Ansicht ganz unschuldig, nicht wahr, an dem Ausbruch dieses Krieges —, daß durch diese sehr unschuldigen EntenteMächte sich in Deutschland eben einmal seit langer Zeit, seit den neunziger Jahren, vielleicht noch früher, die Meinung ergeben hat: Man muß einmal einen Zweifrontenkrieg, einen Krieg links und rechts führen. — Ich weiß nicht, wie in andern Ländern die Verhältnisse liegen, ob man da in acht Tagen Kriegspläne macht! In Deutschland war es nicht so. Solch einen Kriegsplan zu machen, das dauert sehr lange. Man ändert ihn in einzelnen, sehr untergeordneten Partien ab, aber es dauert sehr lange. Dieser Kriegsplan war jahrzehntelang gearbeitet, gewiß in Einzelheiten abgeändert, aber in bezug auf seine Hauptsache war er jahrzehntelang gearbeitet, war in allen Einzelheiten fertig. Sie dürfen doch nicht vergessen, daß Sie die Sache rein vom militärischen Standpunkte ansehen müssen; jetzt wird man es doch etwas objektiver können, nachdem der militärische Standpunkt in der Welt, wie es scheint, überwunden ist! Wenn Sie die Sache rein vom militärischen Standpunkte aus beurteilen, so werden Sie doch objektiver darüber urteilen. Es muß jeder einzelne Zug und alles, was verladen werden muß, festgelegt werden; der Abgang jedes einzelnen Zuges von da und dort, das Anstürmen jedes einzelnen Soldaten ist festgelegt in einem solchen Kriegsplan.

[ 10 ] Nun waren die Verhältnisse so, daß durch die europäische Konstellation, nun, also, durch die sehr, sehr unschuldigen Entente-Mächte — sie sind ja nach ihrer Ansicht ganz unschuldig, nicht wahr, an dem Ausbruch dieses Krieges —, daß durch diese sehr unschuldigen EntenteMächte sich in Deutschland eben einmal seit langer Zeit, seit den neunziger Jahren, vielleicht noch früher, die Meinung ergeben hat: Man muß einmal einen Zweifrontenkrieg, einen Krieg links und rechts führen. — Ich weiß nicht, wie in andern Ländern die Verhältnisse liegen, ob man da in acht Tagen Kriegspläne macht! In Deutschland war es nicht so. Solch einen Kriegsplan zu machen, das dauert sehr lange. Man ändert ihn in einzelnen, sehr untergeordneten Partien ab, aber es dauert sehr lange. Dieser Kriegsplan war jahrzehntelang gearbeitet, gewiß in Einzelheiten abgeändert, aber in bezug auf seine Hauptsache war er jahrzehntelang gearbeitet, war in allen Einzelheiten fertig. Sie dürfen doch nicht vergessen, daß Sie die Sache rein vom militärischen Standpunkte ansehen müssen; jetzt wird man es doch etwas objektiver können, nachdem der militärische Standpunkt in der Welt, wie es scheint, überwunden ist! Wenn Sie die Sache rein vom militärischen Standpunkte aus beurteilen, so werden Sie doch objektiver darüber urteilen. Es muß jeder einzelne Zug und alles, was verladen werden muß, festgelegt werden; der Abgang jedes einzelnen Zuges von da und dort, das Anstürmen jedes einzelnen Soldaten ist festgelegt in einem solchen Kriegsplan.

[ 11 ] Nun, die Ereignisse überstürzten sich. Ich sage jetzt nichts Vollständiges, sondern ich will nur ein Pröbchen geben; es wird sich vielleicht schon einmal die Gelegenheit ergeben, vor dem Forum der Welt das Vollständige in allen Einzelheiten auseinanderzusetzen. Die Verhältnisse, die hineindrängten in diese schaudervolle Katastrophe, sie überstürzten sich so, daß innerhalb Deutschlands in den letzten Tagen des Juli tatsächlich die Frage von den verschiedensten Seiten her entstand: Soll gegen Frankreich Krieg geführt werden oder nicht? Wird es notwendig werden, daß gegen Frankreich Krieg geführt wird, wird es nicht vom politischen, sondern vom militärischen Gesichtspunkte aus notwendig sein, daß gegen Frankreich Krieg geführt wird? — Der oberste Kriegsherr, der sich vielleicht jede halbe Stunde zu etwas anderem zu entschließen in der Lage war, hatte wiederholt den ernsten Vorsatz, das Heer überhaupt nicht gegen Westen marschieren zu lassen, sondern nur gegen Osten. Und es hing an einem Faden im Benehmen der britischen Staatsmannschaft, so würde zwar Merkwürdiges geschehen sein, aber es würde sich darum gehandelt haben, ein gewisses Urteil, ich will sagen, auf eine kuriose Unterlage zu stellen. Unter den sich widersprechenden Dingen war auch schon befohlen, nun gar nicht gegen Westen zu ziehen, sondern ganz nur gegen Osten zu ziehen. Da war ein Bestimmtes dagegen, und aus dem, was dagegen war, können Sie entnehmen, wenn Sie es richtig erwägen, wie merkwürdig die Dinge im Weltengange liegen. Da war dagegen, daß der deutsche Generalstab einen Kriegsplan ausgearbeitet hatte, der einen Zweifrontenkrieg vorsah, aber keinen Kriegsplan, der nur einen Einfrontenkrieg vorsah, denn so etwas war nicht strategisch vorauszusehen aus den europäischen Verhältnissen. Und der oberste Kriegsherr hat einmal zur Antwort bekommen: Ja, das können wir gar nicht machen, denn wenn wir bloß nach Osten marschieren sollen, haben wir eine ungeregelte, wüste chaotische Menge. Unser Kriegsplan ist nach zwei Fronten ausgearbei tet; wir können gar nicht anders, als nach Westen marschieren. — Nun, Ordnung muß sein, aber man kann wahrhaftig, wenn man auch solch eine Antwort einmal auf eine Sache geben kann, nicht sagen, daß da irgendwie ein spitzbübischer Gedanke waltete, das oder jenes anzuzetteln, sondern etwas ganz anderes. Und es ist noch gar nicht ausgemacht, ob, wenn Zeit vorhanden gewesen wäre, auch einen Kriegsplan so zu machen, daß der Zug nach Westen nicht die Voraussetzung für den ganzen Kriegsplan gewesen wäre, dann alle die Ereignisse ohne den Zug nach Westen geschehen wären. Die Frage berühre ich dabei nicht, ob das nicht ein riesiger welthistorischer Aufsitzer gewesen wäre, denn ich selbst glaube nie und nimmer, daß, wenn das deutsche Heer nach Osten marschiert wäre, die Franzosen schön ruhig geblieben wären. Aber ich erzähle eben Tatsachen und nicht Vermutungen und nicht Hypothesen; Tatsachen, welche geeignet sind, dem Urteil eine sachgemäße, eine wirklichkeitsgemäße Richtung zu geben.

[ 11 ] Nun, die Ereignisse überstürzten sich. Ich sage jetzt nichts Vollständiges, sondern ich will nur ein Pröbchen geben; es wird sich vielleicht schon einmal die Gelegenheit ergeben, vor dem Forum der Welt das Vollständige in allen Einzelheiten auseinanderzusetzen. Die Verhältnisse, die hineindrängten in diese schaudervolle Katastrophe, sie überstürzten sich so, daß innerhalb Deutschlands in den letzten Tagen des Juli tatsächlich die Frage von den verschiedensten Seiten her entstand: Soll gegen Frankreich Krieg geführt werden oder nicht? Wird es notwendig werden, daß gegen Frankreich Krieg geführt wird, wird es nicht vom politischen, sondern vom militärischen Gesichtspunkte aus notwendig sein, daß gegen Frankreich Krieg geführt wird? — Der oberste Kriegsherr, der sich vielleicht jede halbe Stunde zu etwas anderem zu entschließen in der Lage war, hatte wiederholt den ernsten Vorsatz, das Heer überhaupt nicht gegen Westen marschieren zu lassen, sondern nur gegen Osten. Und es hing an einem Faden im Benehmen der britischen Staatsmannschaft, so würde zwar Merkwürdiges geschehen sein, aber es würde sich darum gehandelt haben, ein gewisses Urteil, ich will sagen, auf eine kuriose Unterlage zu stellen. Unter den sich widersprechenden Dingen war auch schon befohlen, nun gar nicht gegen Westen zu ziehen, sondern ganz nur gegen Osten zu ziehen. Da war ein Bestimmtes dagegen, und aus dem, was dagegen war, können Sie entnehmen, wenn Sie es richtig erwägen, wie merkwürdig die Dinge im Weltengange liegen. Da war dagegen, daß der deutsche Generalstab einen Kriegsplan ausgearbeitet hatte, der einen Zweifrontenkrieg vorsah, aber keinen Kriegsplan, der nur einen Einfrontenkrieg vorsah, denn so etwas war nicht strategisch vorauszusehen aus den europäischen Verhältnissen. Und der oberste Kriegsherr hat einmal zur Antwort bekommen: Ja, das können wir gar nicht machen, denn wenn wir bloß nach Osten marschieren sollen, haben wir eine ungeregelte, wüste chaotische Menge. Unser Kriegsplan ist nach zwei Fronten ausgearbei tet; wir können gar nicht anders, als nach Westen marschieren. — Nun, Ordnung muß sein, aber man kann wahrhaftig, wenn man auch solch eine Antwort einmal auf eine Sache geben kann, nicht sagen, daß da irgendwie ein spitzbübischer Gedanke waltete, das oder jenes anzuzetteln, sondern etwas ganz anderes. Und es ist noch gar nicht ausgemacht, ob, wenn Zeit vorhanden gewesen wäre, auch einen Kriegsplan so zu machen, daß der Zug nach Westen nicht die Voraussetzung für den ganzen Kriegsplan gewesen wäre, dann alle die Ereignisse ohne den Zug nach Westen geschehen wären. Die Frage berühre ich dabei nicht, ob das nicht ein riesiger welthistorischer Aufsitzer gewesen wäre, denn ich selbst glaube nie und nimmer, daß, wenn das deutsche Heer nach Osten marschiert wäre, die Franzosen schön ruhig geblieben wären. Aber ich erzähle eben Tatsachen und nicht Vermutungen und nicht Hypothesen; Tatsachen, welche geeignet sind, dem Urteil eine sachgemäße, eine wirklichkeitsgemäße Richtung zu geben.

[ 12 ] Eine Vorstellung möchte ich davon hervorrufen, wie unendlich leichtsinnig es ist, wenn über die Schuldfrage so oder so gesprochen wird, namentlich nach den konfusen Rot- und Blau- und Gelb- und Blitzblaubüchern, die ausgeschrotet worden sind und die man nach jeder Richtung hin ausschroten kann, aus denen man alles mögliche machen kann. Sie werden vielleicht geneigt sein, hinter der ganzen Tatsachenfolge, die Sie mehr als Symptome ansehen, doch etwas Tieferes zu vermuten als dasjenige, was in oberflächlicher Weise so beurteilt werden darf, wie es vielfach in den letzten Jahren geschehen ist. Solches müssen Sie berücksichtigen, wie ich es Ihnen jetzt nur probeweise angedeutet habe. Die Dinge, die diesem katastrophalen Weltereignisse zugrunde liegen, sind ja im Grunde genommen unglaublich. Man muß sie eben als Tatsachen kennen, wenn man auf sie ein Urteil fußen will. Und nicht anders liegt es in den sogenannten Ententeländern.

[ 12 ] Eine Vorstellung möchte ich davon hervorrufen, wie unendlich leichtsinnig es ist, wenn über die Schuldfrage so oder so gesprochen wird, namentlich nach den konfusen Rot- und Blau- und Gelb- und Blitzblaubüchern, die ausgeschrotet worden sind und die man nach jeder Richtung hin ausschroten kann, aus denen man alles mögliche machen kann. Sie werden vielleicht geneigt sein, hinter der ganzen Tatsachenfolge, die Sie mehr als Symptome ansehen, doch etwas Tieferes zu vermuten als dasjenige, was in oberflächlicher Weise so beurteilt werden darf, wie es vielfach in den letzten Jahren geschehen ist. Solches müssen Sie berücksichtigen, wie ich es Ihnen jetzt nur probeweise angedeutet habe. Die Dinge, die diesem katastrophalen Weltereignisse zugrunde liegen, sind ja im Grunde genommen unglaublich. Man muß sie eben als Tatsachen kennen, wenn man auf sie ein Urteil fußen will. Und nicht anders liegt es in den sogenannten Ententeländern.

[ 13 ] Nun hat sich aber aus dem, was die Menschheit Krieg genannt hat und wovon sie den Gedanken gehegt hat, daß er durch einen Frieden abgelöst wird, dasjenige entwickelt, was ein Anfang erst ist. Ich habe hier in einem bestimmten Zeitpunkte gesagt: Man sehe auf die Dinge, die sich im Innern Rußlands abspielen, und man hat etwas viel Wichtigeres, wenn man Zukunftsfragen ins Auge faßt, als dasjenige, wovon die Menschen in den letzten Zeiten noch sehr illusionär gesprochen haben als von einem Krieg und einem Frieden, der darauf folgen sollte.

[ 13 ] Nun hat sich aber aus dem, was die Menschheit Krieg genannt hat und wovon sie den Gedanken gehegt hat, daß er durch einen Frieden abgelöst wird, dasjenige entwickelt, was ein Anfang erst ist. Ich habe hier in einem bestimmten Zeitpunkte gesagt: Man sehe auf die Dinge, die sich im Innern Rußlands abspielen, und man hat etwas viel Wichtigeres, wenn man Zukunftsfragen ins Auge faßt, als dasjenige, wovon die Menschen in den letzten Zeiten noch sehr illusionär gesprochen haben als von einem Krieg und einem Frieden, der darauf folgen sollte.

[ 14 ] Es ist vieles entfesselt worden. Aber wenigstens das sollte verstanden werden, was da entfesselt worden ist. Sehen Sie: In Wirklichkeit haben eigentlich kaum viele literarische Erscheinungen, schriftstellerische Erscheinungen eine so ungeheuer breite Wirkung gehabt als diejenigen von Karl Marx. 1848 erschien von ihm das sogenannte «Kommunistische Manifest», worinnen die hauptsächlichsten Impulse der sozialdemokratischen Lebensauffassung kurz zusammengefaßt waren. Es klang dann aus, dieses Kommunistische Manifest, in die Worte: Proletarier aller Länder, vereinigt Euch! — Von demselben Karl Marx, der unterstützt wurde von seinem Freund Engels, rührt dann her das Buch über die «Politische Okonomie» und das Buch «Das Kapital». Was als Prinzipien diesen Büchern zugrunde liegt, ist tatsächlich über die ganze Erde hin Wissen, Vorstellungswelt geworden des tonangebenden Proletariats. In eindringlichster Weise hat sich das tonangebende Proletariat mit dem auseinandergesetzt, das aufgenommen, was gerade Marxismus ist.

[ 14 ] Es ist vieles entfesselt worden. Aber wenigstens das sollte verstanden werden, was da entfesselt worden ist. Sehen Sie: In Wirklichkeit haben eigentlich kaum viele literarische Erscheinungen, schriftstellerische Erscheinungen eine so ungeheuer breite Wirkung gehabt als diejenigen von Karl Marx. 1848 erschien von ihm das sogenannte «Kommunistische Manifest», worinnen die hauptsächlichsten Impulse der sozialdemokratischen Lebensauffassung kurz zusammengefaßt waren. Es klang dann aus, dieses Kommunistische Manifest, in die Worte: Proletarier aller Länder, vereinigt Euch! — Von demselben Karl Marx, der unterstützt wurde von seinem Freund Engels, rührt dann her das Buch über die «Politische Okonomie» und das Buch «Das Kapital». Was als Prinzipien diesen Büchern zugrunde liegt, ist tatsächlich über die ganze Erde hin Wissen, Vorstellungswelt geworden des tonangebenden Proletariats. In eindringlichster Weise hat sich das tonangebende Proletariat mit dem auseinandergesetzt, das aufgenommen, was gerade Marxismus ist.

[ 15 ] Schon äußerlich betachtet — aber dieses Außerliche ist vielleicht gerade das wichtigste Innerliche — ist Karl Marx und seine Leistungen etwas, was, ich möchte sagen, aus der zivilisierten Welt Europas herausgeboren ist und auch wiederum tief in das Territorium dieser zivilisierten Welt hineingewirkt hat, in die proletarische Welt, den proletarischen Teil der zivilisierten Welt. Karl Marxens Persönlichkeit und Werk ist nicht ganz einfach. Erstens trägt es eine ganz bestimmte Grundstruktur. Das ist ein angeborener Scharfsinn, außerordentlicher Scharfsinn, der immer eine gewisse Wirkung hat. Nicht wahr, man kann sich diese Wirkung schon an etwas veranschaulichen, was scheinbar fernsteht, was einem aber die Sache veranschaulichen kann. Sehen Sie: der bourgeoiseste, der philiströseste, der eigentliche Spießer-Philosoph, Kant, Immanuel Kant — namentlich für die akademischen Spießer ist er ja der Grundphilosoph —, warum wird er denn eigentlich für so besonders geistreich angesehen? Nun, ich habe noch keinen Universitätsprofessor erlebt, der den Hegel oder den Schelling verstanden hätte, aber manche — sogar Universitätsprofessoren — habe ich erlebt, die wenigstens annähernd ein Kant-Verständnis sich erworben haben. Nun, da denken sie: Ich bin ein gescheiter Mann — so denkt natürlich ein solcher Herr —, und da es mich eine solche Anstrengung kostet, den Kant zu verstehen und ich ihn zuletzt doch verstanden habe, so ist der Kant auch ein gescheiter Mann, und da es mich als einem so auserlesenen Mann solche Anstrengung gekostet hat, ihn zu verstehen, so muß der Kant der allerauserlesenste Mensch sein. — So ungefähr ist die Empfindung, die diese Leute haben. Es ist die Spießer-Empfindung, die an die akademischen Spießer und ihren Anhang, ihren journalistischen und andern Anhang, dann übergeht. So etwas ähnliches wirkte schon auch auf das Proletariat in dem Verständnis von Karl Marx, der ein sehr scharfsinniger Mann war. Man hat einige Schwierigkeiten zum Verständnis. Der Proletarier strengt sich mehr an, als mancher der Durchschnitts-Spießer, wollte sagen Durchschnitts-Bourgeois geneigt ist, sich anzustrengen, selbst wenn er proletarische Bücher liest. Der Proletarier strengt sich schon mehr an, seinen Karl Marx zu verstehen; namentlich schätzt er auch, was Anstrengung kostet. Es kostet wahrhaftig mehr Anstrengung, die Impulse der Proletarierwelt in den Büchern von Karl Marx aufzunehmen, als es der Bourgeoisie vielleicht Mühe gekostet hat, ihre Nationalökonomen zu verstehen. Aber das tun ja die wenigsten, sondern es haben sich eine Anzahl besonders vollsaftiger Bourgeois auch damit begnügt, das Proletarierleben aus Hauptmanns «Webern» kennenzulernen. Da kann man das Vergnügen, nicht wahr, sehr schön mit der Kenntnisnahme verknüpfen und dergleichen. Das ist das erste bei Karl Marx: ein gewisser angeborener Scharfsinn.

[ 15 ] Schon äußerlich betachtet — aber dieses Außerliche ist vielleicht gerade das wichtigste Innerliche — ist Karl Marx und seine Leistungen etwas, was, ich möchte sagen, aus der zivilisierten Welt Europas herausgeboren ist und auch wiederum tief in das Territorium dieser zivilisierten Welt hineingewirkt hat, in die proletarische Welt, den proletarischen Teil der zivilisierten Welt. Karl Marxens Persönlichkeit und Werk ist nicht ganz einfach. Erstens trägt es eine ganz bestimmte Grundstruktur. Das ist ein angeborener Scharfsinn, außerordentlicher Scharfsinn, der immer eine gewisse Wirkung hat. Nicht wahr, man kann sich diese Wirkung schon an etwas veranschaulichen, was scheinbar fernsteht, was einem aber die Sache veranschaulichen kann. Sehen Sie: der bourgeoiseste, der philiströseste, der eigentliche Spießer-Philosoph, Kant, Immanuel Kant — namentlich für die akademischen Spießer ist er ja der Grundphilosoph —, warum wird er denn eigentlich für so besonders geistreich angesehen? Nun, ich habe noch keinen Universitätsprofessor erlebt, der den Hegel oder den Schelling verstanden hätte, aber manche — sogar Universitätsprofessoren — habe ich erlebt, die wenigstens annähernd ein Kant-Verständnis sich erworben haben. Nun, da denken sie: Ich bin ein gescheiter Mann — so denkt natürlich ein solcher Herr —, und da es mich eine solche Anstrengung kostet, den Kant zu verstehen und ich ihn zuletzt doch verstanden habe, so ist der Kant auch ein gescheiter Mann, und da es mich als einem so auserlesenen Mann solche Anstrengung gekostet hat, ihn zu verstehen, so muß der Kant der allerauserlesenste Mensch sein. — So ungefähr ist die Empfindung, die diese Leute haben. Es ist die Spießer-Empfindung, die an die akademischen Spießer und ihren Anhang, ihren journalistischen und andern Anhang, dann übergeht. So etwas ähnliches wirkte schon auch auf das Proletariat in dem Verständnis von Karl Marx, der ein sehr scharfsinniger Mann war. Man hat einige Schwierigkeiten zum Verständnis. Der Proletarier strengt sich mehr an, als mancher der Durchschnitts-Spießer, wollte sagen Durchschnitts-Bourgeois geneigt ist, sich anzustrengen, selbst wenn er proletarische Bücher liest. Der Proletarier strengt sich schon mehr an, seinen Karl Marx zu verstehen; namentlich schätzt er auch, was Anstrengung kostet. Es kostet wahrhaftig mehr Anstrengung, die Impulse der Proletarierwelt in den Büchern von Karl Marx aufzunehmen, als es der Bourgeoisie vielleicht Mühe gekostet hat, ihre Nationalökonomen zu verstehen. Aber das tun ja die wenigsten, sondern es haben sich eine Anzahl besonders vollsaftiger Bourgeois auch damit begnügt, das Proletarierleben aus Hauptmanns «Webern» kennenzulernen. Da kann man das Vergnügen, nicht wahr, sehr schön mit der Kenntnisnahme verknüpfen und dergleichen. Das ist das erste bei Karl Marx: ein gewisser angeborener Scharfsinn.

[ 16 ] Dann ist aber nicht zu leugnen, daß die Dialektik eine große ist bei Karl Marx. Diese Dialektik, dieses Vermögen, in Begriffen zu arbeiten, was den meisten Menschen heute ganz fehlt — unserer gesamten ofhziellen Wissenschaft fehlt diese Dialektik —, diese Kunst, in Begriffen als Realitäten zu arbeiten, die hatte Karl Marx von Hegel, denn er war in dieser Beziehung ein Schüler Hegels. So daß man sagen kann: Aus deutschem Volkstum heraus hatte Karl Marx seine Dialektik, die Kunst, in Begriffen zu arbeiten. — Den sozialistischen Impetus hatte er aus dem Franzosentum heraus, wo besonders Saint-Simon und Louis Blanc auf ihn einen großen Einfluß gewonnen haben, so daß er vereinigte dasjenige, was der deutsche Hegelianer in fein ausgearbeiteten, plastischen, scharfkonturierten Begriffen entwickelt, mit dem revolutionären Impuls, dem revolutionären Impetus eines Saint-Simon und Louis Blanc. Und dieses wiederum, was da in ihm war, das konnte sich nur dadurch zum Ausdrucke bringen, wie es sich gebracht hat, daß Karl Marx nach London, nach England gegangen ist und dort durch das Studium der wirtschaftlichen Verhältnisse diese ganze Art zu denken und diese Art zu fühlen — das eine aus dem Deutschen, das andere aus dem Französischen — nun durchstudiert hat an englischen Verhältnissen, wodurch er das Ganze nur auf die materiellen wirtschaftlichen Verhältnisse angewendet hat. So ist dasjenige, was so geboren ist, wie ich es Ihnen dargestellt habe: Der Proletarier aus dem Industrie- und Maschinenzeitalter heraus, aus dem Mechanismus heraus, was also an seiner Quelle ja nur in England beobachtet werden konnte, weil es zunächst nur dort zum Ausdruck gekommen ist bis zum Jahre 1848 _ hin, das ist von Karl Marx begriffen worden mit Hegelscher Dialektik. Und dasjenige, was mit Hegelscher Dialektik begriffen worden ist, in dem waltet als, ich möchte sagen, Schlagkraft der ganze revolutionäre Impetus eines Louis Blanc oder eines Saint-Simon. Also Sie sehen: Aus Bestandteilen, die deutsch, französisch, englisch sind, auf der Grundlage des scharfsinnigen Semitismus, der dem Karl Marx, denn er war Jude, im Blute lag — das ist selbstverständlich nur ganz objektiv gemeint —, so aus vier Ingredienzien zusammen ist dasjenige geistigchemisch zusammengesetzt, was dieser Karl Marx dem Proletariat als wirksamste Waffe — denn es ist eine geistige Waffe — geliefert hat. Daher auch die eindringliche Wirkung, diese unbegrenzte Wirkung. Natürlich ist in zahlreichen populären Schriften das weiter verbreitet worden. Alle Verhältnisse sind von diesem Gesichtspunkt aus beurteilt worden.

[ 16 ] Dann ist aber nicht zu leugnen, daß die Dialektik eine große ist bei Karl Marx. Diese Dialektik, dieses Vermögen, in Begriffen zu arbeiten, was den meisten Menschen heute ganz fehlt — unserer gesamten ofhziellen Wissenschaft fehlt diese Dialektik —, diese Kunst, in Begriffen als Realitäten zu arbeiten, die hatte Karl Marx von Hegel, denn er war in dieser Beziehung ein Schüler Hegels. So daß man sagen kann: Aus deutschem Volkstum heraus hatte Karl Marx seine Dialektik, die Kunst, in Begriffen zu arbeiten. — Den sozialistischen Impetus hatte er aus dem Franzosentum heraus, wo besonders Saint-Simon und Louis Blanc auf ihn einen großen Einfluß gewonnen haben, so daß er vereinigte dasjenige, was der deutsche Hegelianer in fein ausgearbeiteten, plastischen, scharfkonturierten Begriffen entwickelt, mit dem revolutionären Impuls, dem revolutionären Impetus eines Saint-Simon und Louis Blanc. Und dieses wiederum, was da in ihm war, das konnte sich nur dadurch zum Ausdrucke bringen, wie es sich gebracht hat, daß Karl Marx nach London, nach England gegangen ist und dort durch das Studium der wirtschaftlichen Verhältnisse diese ganze Art zu denken und diese Art zu fühlen — das eine aus dem Deutschen, das andere aus dem Französischen — nun durchstudiert hat an englischen Verhältnissen, wodurch er das Ganze nur auf die materiellen wirtschaftlichen Verhältnisse angewendet hat. So ist dasjenige, was so geboren ist, wie ich es Ihnen dargestellt habe: Der Proletarier aus dem Industrie- und Maschinenzeitalter heraus, aus dem Mechanismus heraus, was also an seiner Quelle ja nur in England beobachtet werden konnte, weil es zunächst nur dort zum Ausdruck gekommen ist bis zum Jahre 1848 _ hin, das ist von Karl Marx begriffen worden mit Hegelscher Dialektik. Und dasjenige, was mit Hegelscher Dialektik begriffen worden ist, in dem waltet als, ich möchte sagen, Schlagkraft der ganze revolutionäre Impetus eines Louis Blanc oder eines Saint-Simon. Also Sie sehen: Aus Bestandteilen, die deutsch, französisch, englisch sind, auf der Grundlage des scharfsinnigen Semitismus, der dem Karl Marx, denn er war Jude, im Blute lag — das ist selbstverständlich nur ganz objektiv gemeint —, so aus vier Ingredienzien zusammen ist dasjenige geistigchemisch zusammengesetzt, was dieser Karl Marx dem Proletariat als wirksamste Waffe — denn es ist eine geistige Waffe — geliefert hat. Daher auch die eindringliche Wirkung, diese unbegrenzte Wirkung. Natürlich ist in zahlreichen populären Schriften das weiter verbreitet worden. Alle Verhältnisse sind von diesem Gesichtspunkt aus beurteilt worden.

[ 17 ] Ja gewiß, dasjenige, was sich so vorbereitet hat im Laufe der Jahrzehnte, man kann es eigentlich nur dadurch wirklich abwägen, daß man zum Beispiel, sagen wir, sich Kenntnis davon erworben hat, nun, ich will sagen, wie in bourgeoisen Kreisen von irgendeinem Professor über Lessing gesprochen worden ist, und dann in Proletarierkreisen über Lessing gesprochen worden ist auf marxistische Weise. Beide Dinge sind wirklich ganz verschieden voneinander.

[ 17 ] Ja gewiß, dasjenige, was sich so vorbereitet hat im Laufe der Jahrzehnte, man kann es eigentlich nur dadurch wirklich abwägen, daß man zum Beispiel, sagen wir, sich Kenntnis davon erworben hat, nun, ich will sagen, wie in bourgeoisen Kreisen von irgendeinem Professor über Lessing gesprochen worden ist, und dann in Proletarierkreisen über Lessing gesprochen worden ist auf marxistische Weise. Beide Dinge sind wirklich ganz verschieden voneinander.

[ 18 ] Sehen Sie, die Wirkung dieses Marxismus ist keineswegs aus. Dieser Marxismus enthält nämlich sehr Bedeutsames. Durch diesen Marxismus — der also dadurch entstanden ist, daß ein gut hegelisch gebildeter Deutscher durch die Verhältnisse über Frankreich nach London gekommen ist und dort dasjenige, was in seinem Denken von Hegels Schule her lag, was in seinem Empfinden von Louis Blanc und SaintSimon lag, angewendet hat auf die äußeren, rein materiellen Verhältnisse der modernen Welt —, dadurch hat in der Tat dasjenige, was der modernste Impuls des britischen Staatswesens ist — des Staatswesens, nicht des britischen Volkes, sondern des Staatswesens, des Staatsgefüges, der sozialen Ordnung —, seinen Einzug gehalten in die Welt. Es ist nur der Anfang dieses Einzuges. Die erste Phase dieses Einzuges ist schon der Marxismus. Sie müssen nicht vergessen: Über dem lagert all dasjenige, was im allerbesten Sinne auf manchem Gebiete englische Tradition ist, denn es muß wirklich unterschieden werden zwischen dem, was zum Beispiel englische Tradition ist, und jenem Ungeheuer, welches sich gebildet hat auf Grundlage nicht allein des britischen Volkstumes, sondern der geographischen Verhältnisse der Neuzeit und der ganzen geschichtlichen Verhältnisse, was das Britische Reich ist. Die erste Ausstrahlung ist gewissermaßen der Marxismus. Diese Ausstrahlungen werden weitergehen. Denn aus dem, was jetzt als eine Basis daliegt, werden sich allerlei Zukunftsperspektiven ergeben. Da muß vor allen Dingen heute folgendes in Erwägung gezogen werden.

[ 18 ] Sehen Sie, die Wirkung dieses Marxismus ist keineswegs aus. Dieser Marxismus enthält nämlich sehr Bedeutsames. Durch diesen Marxismus — der also dadurch entstanden ist, daß ein gut hegelisch gebildeter Deutscher durch die Verhältnisse über Frankreich nach London gekommen ist und dort dasjenige, was in seinem Denken von Hegels Schule her lag, was in seinem Empfinden von Louis Blanc und SaintSimon lag, angewendet hat auf die äußeren, rein materiellen Verhältnisse der modernen Welt —, dadurch hat in der Tat dasjenige, was der modernste Impuls des britischen Staatswesens ist — des Staatswesens, nicht des britischen Volkes, sondern des Staatswesens, des Staatsgefüges, der sozialen Ordnung —, seinen Einzug gehalten in die Welt. Es ist nur der Anfang dieses Einzuges. Die erste Phase dieses Einzuges ist schon der Marxismus. Sie müssen nicht vergessen: Über dem lagert all dasjenige, was im allerbesten Sinne auf manchem Gebiete englische Tradition ist, denn es muß wirklich unterschieden werden zwischen dem, was zum Beispiel englische Tradition ist, und jenem Ungeheuer, welches sich gebildet hat auf Grundlage nicht allein des britischen Volkstumes, sondern der geographischen Verhältnisse der Neuzeit und der ganzen geschichtlichen Verhältnisse, was das Britische Reich ist. Die erste Ausstrahlung ist gewissermaßen der Marxismus. Diese Ausstrahlungen werden weitergehen. Denn aus dem, was jetzt als eine Basis daliegt, werden sich allerlei Zukunftsperspektiven ergeben. Da muß vor allen Dingen heute folgendes in Erwägung gezogen werden.

[ 19 ] Sehen Sie, dasjenige, was das deutsche Element in der modernen Zivilisation ist, das spielt ja im Grunde genommen eine recht andere Rolle als andere Volkselemente. Schließlich können Sie das an Einzelheiten betrachten. Die Welt hat sich angewöhnt, das Deutsche zu identifizieren mit den Mittelmächten. Nun ja, was haben denn schließlich diese Deutschen als Deutsche mit dem einen oder mit dem andern Reiche zu tun? Was haben die Deutschen Österreichs mit der Hausmonarchie der Habsburger zu tun? Niemals wären die Deutschen Österreichs in Italien die verhaßtesten Menschen, wenn nicht die Deutschen Österreichs genau ebenso behandelt worden wären vom Hause Habsburg wie der geringe Teil der Italiener, die unter dem Hause Habsburg waren. Die Deutschen haben zum mindesten vom Hause Habsburg geradesoviel gelitten, wie irgendwelcher Italiener gelitten hat, nur daß die Deutschen jetzt die Tragik haben, gehaßt zu werden von denjenigen, mit denen sie das gleiche gelitten haben. Und so ist es durch alles hindurch. Ein Verständnis fehlt des ganz und gar unnationalen Wesens der Deutschen, die für Europa der Sauerteig waren, aber niemals irgendein nationales Wesen oder irgend etwas national Aggressiives überhaupt gehabt haben. Das liegt nicht in dem deutschen Grundcharakter, es ist aufgepfropft von verschiedenen Seiten her. Dieses Deutsche hatte nichts Besonderes zu tun, weder mit dem Hause Habsburg, von dem es unterjocht war, noch mit dem anderen Herrscherhause, und es ist kein Grund, das deutsche Wesen damit zu verwechseln. Das aber geschieht in der Welt, und das geschieht, kann man sagen, mit einer gewissen Wonne. Das geschieht auch von Völkern, denen wahrhaftig kein Hindernis entgegenstand, sich als Einheit zu fühlen, vielleicht nur mit Ausnahme einiger Splitter, die ihnen entrissen worden sind. Aber man sollte doch die Hauptsache nicht vergessen: Das, was deutsches Volk ist, war nie eigentlich dazu veranlagt, irgendeine Einheit zu bilden. Es würden die allerbesten Eigenschaften verlorengehen, wenn die Deutschen so leben wollten, daß sie eine abstrakte Einheit, eine Volkseinheit bilden würden. Natürlich, unter dem Einflusse mancher europäischer Impulse haben unorganisch — zum Beispiel bei Goethe nie, aber bei anderen — gewisse Einheitsbestrebungen, wie sie in Italien waren, auch innerhalb des deutschen Volkes gelebt. Sie waren stark vom Jahre 1848 bis in die fünfziger, sechziger Jahre hinein. Aber das ging ja immer parallel vor allen Dingen mit einer Sehnsucht des deutschen Wesens, sich in die Welt hineinzuversenken. Und das ist ja erreicht worden in einer ganz besonderen Ausdehnung. Bedenken Sie doch, daß Sie kaum so verständnisvolle literarische Erzeugnisse von einem Volk zum andern finden werden in der Würdigung der anderen Völker wie innerhalb des deutschen Schrifttums. Es gibt zum Beispiel ein schönes Buch, welches wirklich in intimer Weise gerecht wird den schönsten und bedeutendsten, auch signifikantesten Impulsen, die im französischen Wesen von der Revolution bis zum zweiten Napoleon geltend waren, ein Buch, das heißt: «Die französische Staatsform und der Bonapartismus», ein Buch, das liebevoll eingeht gerade auf die signifikantesten Impulse in der französischen Entwickelung dieses neunzehnten Jahrhunderts. Der Verfasser dieses Buches heißt nämlich Heinrich von Treitschke. Das Buch ist geschrieben in der Zeit von 1865 bis 1871. Es ist eine vollständige Würdigung des Franzosentums und des italienischen Wesens in diesem Buch von Heinrich von Treitschke: «Die französische Staatsform und der Bonapartismus». So allerlei interessante Einzelheiten könnte ich Ihnen da anführen, aus denen Sie allerlei erblicken würden über die Wahrheit, der man nicht geneigt ist, ein Ohr zu leihen in der Welt. Ganz gewiß hat es niemals ein so verständnisvolles Sprechen über englisches und amerikanisches Wesen von einem Fremdvolke her gegeben wie dasjenige, was Herman Grimm entfaltet über die Amerikaner und über die Engländer.

[ 19 ] Sehen Sie, dasjenige, was das deutsche Element in der modernen Zivilisation ist, das spielt ja im Grunde genommen eine recht andere Rolle als andere Volkselemente. Schließlich können Sie das an Einzelheiten betrachten. Die Welt hat sich angewöhnt, das Deutsche zu identifizieren mit den Mittelmächten. Nun ja, was haben denn schließlich diese Deutschen als Deutsche mit dem einen oder mit dem andern Reiche zu tun? Was haben die Deutschen Österreichs mit der Hausmonarchie der Habsburger zu tun? Niemals wären die Deutschen Österreichs in Italien die verhaßtesten Menschen, wenn nicht die Deutschen Österreichs genau ebenso behandelt worden wären vom Hause Habsburg wie der geringe Teil der Italiener, die unter dem Hause Habsburg waren. Die Deutschen haben zum mindesten vom Hause Habsburg geradesoviel gelitten, wie irgendwelcher Italiener gelitten hat, nur daß die Deutschen jetzt die Tragik haben, gehaßt zu werden von denjenigen, mit denen sie das gleiche gelitten haben. Und so ist es durch alles hindurch. Ein Verständnis fehlt des ganz und gar unnationalen Wesens der Deutschen, die für Europa der Sauerteig waren, aber niemals irgendein nationales Wesen oder irgend etwas national Aggressiives überhaupt gehabt haben. Das liegt nicht in dem deutschen Grundcharakter, es ist aufgepfropft von verschiedenen Seiten her. Dieses Deutsche hatte nichts Besonderes zu tun, weder mit dem Hause Habsburg, von dem es unterjocht war, noch mit dem anderen Herrscherhause, und es ist kein Grund, das deutsche Wesen damit zu verwechseln. Das aber geschieht in der Welt, und das geschieht, kann man sagen, mit einer gewissen Wonne. Das geschieht auch von Völkern, denen wahrhaftig kein Hindernis entgegenstand, sich als Einheit zu fühlen, vielleicht nur mit Ausnahme einiger Splitter, die ihnen entrissen worden sind. Aber man sollte doch die Hauptsache nicht vergessen: Das, was deutsches Volk ist, war nie eigentlich dazu veranlagt, irgendeine Einheit zu bilden. Es würden die allerbesten Eigenschaften verlorengehen, wenn die Deutschen so leben wollten, daß sie eine abstrakte Einheit, eine Volkseinheit bilden würden. Natürlich, unter dem Einflusse mancher europäischer Impulse haben unorganisch — zum Beispiel bei Goethe nie, aber bei anderen — gewisse Einheitsbestrebungen, wie sie in Italien waren, auch innerhalb des deutschen Volkes gelebt. Sie waren stark vom Jahre 1848 bis in die fünfziger, sechziger Jahre hinein. Aber das ging ja immer parallel vor allen Dingen mit einer Sehnsucht des deutschen Wesens, sich in die Welt hineinzuversenken. Und das ist ja erreicht worden in einer ganz besonderen Ausdehnung. Bedenken Sie doch, daß Sie kaum so verständnisvolle literarische Erzeugnisse von einem Volk zum andern finden werden in der Würdigung der anderen Völker wie innerhalb des deutschen Schrifttums. Es gibt zum Beispiel ein schönes Buch, welches wirklich in intimer Weise gerecht wird den schönsten und bedeutendsten, auch signifikantesten Impulsen, die im französischen Wesen von der Revolution bis zum zweiten Napoleon geltend waren, ein Buch, das heißt: «Die französische Staatsform und der Bonapartismus», ein Buch, das liebevoll eingeht gerade auf die signifikantesten Impulse in der französischen Entwickelung dieses neunzehnten Jahrhunderts. Der Verfasser dieses Buches heißt nämlich Heinrich von Treitschke. Das Buch ist geschrieben in der Zeit von 1865 bis 1871. Es ist eine vollständige Würdigung des Franzosentums und des italienischen Wesens in diesem Buch von Heinrich von Treitschke: «Die französische Staatsform und der Bonapartismus». So allerlei interessante Einzelheiten könnte ich Ihnen da anführen, aus denen Sie allerlei erblicken würden über die Wahrheit, der man nicht geneigt ist, ein Ohr zu leihen in der Welt. Ganz gewiß hat es niemals ein so verständnisvolles Sprechen über englisches und amerikanisches Wesen von einem Fremdvolke her gegeben wie dasjenige, was Herman Grimm entfaltet über die Amerikaner und über die Engländer.

[ 20 ] Man darf natürlich nicht vergessen, daß auch alle möglichen anderen Dinge, die nicht aus dem deutschen Volkstum heraus sind, hereingespielt haben. Auf die Albernheit will ich gar nicht eingehen, die Deutschtum verwechselt mit etwas, was so undeutsch ist wie möglich, mit dem Alldeutschtum, wie man es gewohnt worden ist zu nennen. Nun, es ist eben eine Albernheit, deutsches Wesen am Alldeutschtum messen zu wollen. Anders kann man das nicht sagen. Aber wenn doch irgendeinmal Bestrebungen aufgetaucht sind, daß so etwas zustandekommen sollte wie eine deutsche Einheit, was ja ohnedies nicht sehr lange wirksam gewesen wäre — ja, studieren Sie einmal die Geschichte von 1866 bis 1870, was in Frankreich dazumal gesagt worden ist zu der erstrebten deutschen Einheit! Die konnte man nicht vertragen, die wollte man auf keinen Fall haben.

[ 20 ] Man darf natürlich nicht vergessen, daß auch alle möglichen anderen Dinge, die nicht aus dem deutschen Volkstum heraus sind, hereingespielt haben. Auf die Albernheit will ich gar nicht eingehen, die Deutschtum verwechselt mit etwas, was so undeutsch ist wie möglich, mit dem Alldeutschtum, wie man es gewohnt worden ist zu nennen. Nun, es ist eben eine Albernheit, deutsches Wesen am Alldeutschtum messen zu wollen. Anders kann man das nicht sagen. Aber wenn doch irgendeinmal Bestrebungen aufgetaucht sind, daß so etwas zustandekommen sollte wie eine deutsche Einheit, was ja ohnedies nicht sehr lange wirksam gewesen wäre — ja, studieren Sie einmal die Geschichte von 1866 bis 1870, was in Frankreich dazumal gesagt worden ist zu der erstrebten deutschen Einheit! Die konnte man nicht vertragen, die wollte man auf keinen Fall haben.

[ 21 ] Das sind schon Dinge, die die Frage auftauchen lassen: Warum eigentlich wird denn über deutsches Wesen so viel geschimpft? — Und da ist ein Quell von Unwahrhaftigkeit in der Welt, der ganz furchtbar ist, und der der Ausgangspunkt sein wird von wirksamer Unwahrheit. Aber dasjenige, was deutsches Wesen ist und was in einer gewissen Weise unorganisch gegliedert war seit dem Jahre 1871, das wird doch seine Aufgabe in der Welt haben, wenn es auch heute ein Greuel ist für viele Menschen, von der Aufgabe des deutschen Wesens zu sprechen. Es wird doch seine Aufgabe in der Welt haben. Wenn Sie bisher einen verständigen Menschen gefragt haben — ich will zum Beispiel unter diesen verständigen Menschen, die sich besonders klar über die Sache ausgesprochen haben, Heinrich Heine anführen —, da hat man zwei Pole angeführt, von denen aus seit langem zwei ganz verschiedene Grundrichtungen des menschlichen Denkens gegangen sind. Wir werden darauf noch näher einzugehen haben. Ich habe einer Dame, die mich bei meiner letzten Anwesenheit hier im Jahre 1917 gefragt hat, welches die Mission des Judentums in der Welt ist, gesagt dazumal: Das wird schon auch noch kommen, daß ich darüber zu sprechen habe.

[ 21 ] Das sind schon Dinge, die die Frage auftauchen lassen: Warum eigentlich wird denn über deutsches Wesen so viel geschimpft? — Und da ist ein Quell von Unwahrhaftigkeit in der Welt, der ganz furchtbar ist, und der der Ausgangspunkt sein wird von wirksamer Unwahrheit. Aber dasjenige, was deutsches Wesen ist und was in einer gewissen Weise unorganisch gegliedert war seit dem Jahre 1871, das wird doch seine Aufgabe in der Welt haben, wenn es auch heute ein Greuel ist für viele Menschen, von der Aufgabe des deutschen Wesens zu sprechen. Es wird doch seine Aufgabe in der Welt haben. Wenn Sie bisher einen verständigen Menschen gefragt haben — ich will zum Beispiel unter diesen verständigen Menschen, die sich besonders klar über die Sache ausgesprochen haben, Heinrich Heine anführen —, da hat man zwei Pole angeführt, von denen aus seit langem zwei ganz verschiedene Grundrichtungen des menschlichen Denkens gegangen sind. Wir werden darauf noch näher einzugehen haben. Ich habe einer Dame, die mich bei meiner letzten Anwesenheit hier im Jahre 1917 gefragt hat, welches die Mission des Judentums in der Welt ist, gesagt dazumal: Das wird schon auch noch kommen, daß ich darüber zu sprechen habe.

[ 22 ] Heinrich Heine hat angegeben diese zwei Pole, aus denen sich gewissermaßen nährt dasjenige, was an Impulsen von einem gewissen Gesichtspunkte aus in der Menschheit ist: Heinrich Heine hat angegeben das Judentum auf der einen Seite, das Griechentum auf der anderen Seite. Nun, das Judentum hat sich immer als der Großsiegelbewahrer zu erweisen gehabt für die menschliche Fähigkeit der Abstraktion, für die menschliche Fähigkeit, die Denkweise, die Weltanschauung zu vereinheitlichen. Das Griechentum hat immer die Aufgabe, der Welt zu bringen dasjenige, was an Bildhaftigkeit, an imaginativem Elemente lebt. Die Weltanschauung, die Lebensauffassung des modernen Proletariats hat alles zunächst aufgenommen vom Judentum, aber noch nichts vom Griechentum, weil ihm das imaginative Element vollständig fehlt. Das wird es noch erhalten müssen. Im Laufe der künftigen Zeit wird dann das dritte kommen, denn alle Dinge bestehen aus einer Trinität, und zum Judentum und Griechentum wird das Deutschtum treten im Laufe der Zeit — das wird die Trinität sein —, wenn jener Materialismus stark gefressen haben wird an der modernen Welt im Zeitalter der Bewußtseinsseele, der seinen Anfang genommen hat mit jener Phase, die mit dem Marxismus von dem Britischen Reich in die Welt gestrahlt ist.

[ 22 ] Heinrich Heine hat angegeben diese zwei Pole, aus denen sich gewissermaßen nährt dasjenige, was an Impulsen von einem gewissen Gesichtspunkte aus in der Menschheit ist: Heinrich Heine hat angegeben das Judentum auf der einen Seite, das Griechentum auf der anderen Seite. Nun, das Judentum hat sich immer als der Großsiegelbewahrer zu erweisen gehabt für die menschliche Fähigkeit der Abstraktion, für die menschliche Fähigkeit, die Denkweise, die Weltanschauung zu vereinheitlichen. Das Griechentum hat immer die Aufgabe, der Welt zu bringen dasjenige, was an Bildhaftigkeit, an imaginativem Elemente lebt. Die Weltanschauung, die Lebensauffassung des modernen Proletariats hat alles zunächst aufgenommen vom Judentum, aber noch nichts vom Griechentum, weil ihm das imaginative Element vollständig fehlt. Das wird es noch erhalten müssen. Im Laufe der künftigen Zeit wird dann das dritte kommen, denn alle Dinge bestehen aus einer Trinität, und zum Judentum und Griechentum wird das Deutschtum treten im Laufe der Zeit — das wird die Trinität sein —, wenn jener Materialismus stark gefressen haben wird an der modernen Welt im Zeitalter der Bewußtseinsseele, der seinen Anfang genommen hat mit jener Phase, die mit dem Marxismus von dem Britischen Reich in die Welt gestrahlt ist.

[ 23 ] Dieser Materialismus, der von dem Britischen Reich und von Amerika aus die Welt überstrahlen wird, der hat ja seine Grundlagen gelegt; vergessen wir nicht, die Grundlagen sind gediegen gelegt. Und solche Dinge kommen doch in Betracht, daß zum Beispiel unmittelbar vor dem Kriege England, dazumal auch noch Rußland — aber das kommt nicht mehr in Betracht —, Frankreich, Belgien und Portugal zusammen 23%« Millionen englische Quadratmeilen an Kolonialbesitz hatten mit 470 Millionen Menschen auf diesem Kolonialbesitz lebend. Deutschland und die Vereinigten Staaten hatten zusammen nur 1 Million englische Quadratmeilen Kolonialbesitz mit 23 Millionen Menschen; es wird jetzt anders werden, nicht wahr, die englischsprechende Bevölkerung ist nun geeinigt. Also: England, Frankreich, Portugal, Belgien, und dann war mit etwas, was wenig in Betracht kommt, Rußland dabei: 23¾ Millionen Quadratmeilen mit 470 Millionen Menschen; dagegen Deutschland und die Vereinigten Staaten dazu — die haben ja jetzt die Welt erlöst — mit 1 Million englischer Quadratmeilen Kolonialbesitz und 23 Millionen Menschen. Der Grund ist gut gelegt. Aus diesem Grunde wird sich die materialistische und immer materialistischere, weil bloß in die wirtschaftlichen Verhältnisse hineingehende Kultur entwickeln, jene Kultur, deren erste Betonung, deren erste Nuance eben dadurch gekommen ist, denn da ist es schon im Ausgangspunkte gelegen. Man vergleiche nur Lassalle mit Karl Marx, Lassalle, der ja nur gewisse Ähnlichkeiten mit Karl Marx hat: den natürlichen Scharfsinn und den Hegelianismus, aber er hat das nicht durchgemacht, nicht das französische und nicht das englische Wesen, wie Karl Marx. Daher ist in ihm eine gewisse dialektische, auch eine gewisse scharfsinnige Auffassung der modernen Arbeiterbewegung, aber nicht das Wirksame, das im marxistischen System lag. Dieses marzistische System ist eben so entstanden, daß die Dialektik des deutschen Wesens sich ihren Inhalt geholt hat aus der materiellen Kultur, aus der materiellen Reinkultur der britischen Sozietät, des britischen Zusammenhanges, nicht des Volkstums, aber des Reichszusammenhanges, des sich bildenden Imperiums.

[ 23 ] Dieser Materialismus, der von dem Britischen Reich und von Amerika aus die Welt überstrahlen wird, der hat ja seine Grundlagen gelegt; vergessen wir nicht, die Grundlagen sind gediegen gelegt. Und solche Dinge kommen doch in Betracht, daß zum Beispiel unmittelbar vor dem Kriege England, dazumal auch noch Rußland — aber das kommt nicht mehr in Betracht —, Frankreich, Belgien und Portugal zusammen 23%« Millionen englische Quadratmeilen an Kolonialbesitz hatten mit 470 Millionen Menschen auf diesem Kolonialbesitz lebend. Deutschland und die Vereinigten Staaten hatten zusammen nur 1 Million englische Quadratmeilen Kolonialbesitz mit 23 Millionen Menschen; es wird jetzt anders werden, nicht wahr, die englischsprechende Bevölkerung ist nun geeinigt. Also: England, Frankreich, Portugal, Belgien, und dann war mit etwas, was wenig in Betracht kommt, Rußland dabei: 23¾ Millionen Quadratmeilen mit 470 Millionen Menschen; dagegen Deutschland und die Vereinigten Staaten dazu — die haben ja jetzt die Welt erlöst — mit 1 Million englischer Quadratmeilen Kolonialbesitz und 23 Millionen Menschen. Der Grund ist gut gelegt. Aus diesem Grunde wird sich die materialistische und immer materialistischere, weil bloß in die wirtschaftlichen Verhältnisse hineingehende Kultur entwickeln, jene Kultur, deren erste Betonung, deren erste Nuance eben dadurch gekommen ist, denn da ist es schon im Ausgangspunkte gelegen. Man vergleiche nur Lassalle mit Karl Marx, Lassalle, der ja nur gewisse Ähnlichkeiten mit Karl Marx hat: den natürlichen Scharfsinn und den Hegelianismus, aber er hat das nicht durchgemacht, nicht das französische und nicht das englische Wesen, wie Karl Marx. Daher ist in ihm eine gewisse dialektische, auch eine gewisse scharfsinnige Auffassung der modernen Arbeiterbewegung, aber nicht das Wirksame, das im marxistischen System lag. Dieses marzistische System ist eben so entstanden, daß die Dialektik des deutschen Wesens sich ihren Inhalt geholt hat aus der materiellen Kultur, aus der materiellen Reinkultur der britischen Sozietät, des britischen Zusammenhanges, nicht des Volkstums, aber des Reichszusammenhanges, des sich bildenden Imperiums.

[ 24 ] Nun, die Dinge wirken nach. Dasjenige, was geschehen ist, wird ja aus den künftigen Strömungen das französische Volkstum fast ganz ausschalten, das wird nur noch wenig Bedeutung haben. Zu den Besiegten gehört schon auch das französische Volkstum. Das ist ganz gewiß in die Zukunftsperspektive einzubeziehen — und ich werde Ihnen morgen noch genauer darüber sprechen —, daß das französische Volkstum durch die Konstellation der Ereignisse ausgeschaltet ist für die zukünftige Wirkung in der Welt. Die Weltenherrschaft geht eben über auf die englischsprechenden Reiche.

[ 24 ] Nun, die Dinge wirken nach. Dasjenige, was geschehen ist, wird ja aus den künftigen Strömungen das französische Volkstum fast ganz ausschalten, das wird nur noch wenig Bedeutung haben. Zu den Besiegten gehört schon auch das französische Volkstum. Das ist ganz gewiß in die Zukunftsperspektive einzubeziehen — und ich werde Ihnen morgen noch genauer darüber sprechen —, daß das französische Volkstum durch die Konstellation der Ereignisse ausgeschaltet ist für die zukünftige Wirkung in der Welt. Die Weltenherrschaft geht eben über auf die englischsprechenden Reiche.

[ 25 ] Aber wenn der erste Pol geschaffen wurde dadurch, daß Karl Marx mit einer gewissen Dialektik, die er sich aus der Hegelschen Schule geholt hat, sich in die materiellen Verhältnisse des Britischen Reiches hineinversetzt hat, so wird die Zukunft noch etwas anderes wirken. Heute kann es selbstverständlich ausgeschrotet werden nach den verschiedensten Richtungen hin, und man kann sagen, das, was ich sage, sei nur die Fortsetzung — nun, ich weiß nicht, was es da alles für Albernheiten in der Welt noch gibt — von deutschen Welteroberungsplänen oder so etwas. Und doch muß gesagt werden, was eine Wahrheit ist, die ebenso perspektivisch feststeht wie andere Wahrheiten: Geradeso, wie der deutsche Hegelianer Marx nach England gegangen ist, nach dem materiellen England gegangen ist, um von dort heraus die erste Phase der materiellen Kultur zu absorbieren, so wird, wenn diese materielle Kultur, die ja eine aufsteigende und eine absteigende Kurve haben wird, die eine gewisse Art von Geistigkeit vernichten wird, — wenn diese materielle Kultur aus dem eigenen englischen Volke die Gegenbewegung herauserzeugt haben wird, wenn diejenigen, von denen ich auch schon gesprochen habe, die sich auflehnen zum Beispiel gegen den furchtbarsten Grundsatz der Nützlichkeitslehre: «Das höchste Gut der Menschen besteht in dem größten Glück der größtmöglichen Anzahl», wogegen heute schon gerade von okkultistischer Seite aus remonstriert wird, Gehör finden, wenn einmal die Dinge so weit sein werden, daß dasjenige, was vom Britischen Reiche als materielle Kultur versengend und das Geistige ausrottend über die Erde als die Weltenherrschaft im Zeitalter der Bewußtseinsseele sich verbreitet, wenn das sich verbreitet haben wird, dann wird aus dem britischen Volke selbst heraus die Opposition erwachsen. Man wird das Bedürfnis haben, zu dem zu kommen, was geblieben ist vom Goetheanismus, der im deutschen Volkstum wurzelt, um von dem heraus den Impuls zu suchen, wie die Welt wiederum gesunden kann. Man wird zu dem dritten Elemente gehen. So wie die Menschen studiert haben, lange nachdem das Judentum gefallen war als politische Macht, die jüdischen Impulse, so wie die ganze moderne Bildung, nachdem die Römer das Griechentum zerstört haben, auf dem Griechentum basiert, so wird die Gesundung der Welt doch einmal basieren auf demjenigen, was geholt wird aus deutschem Goetheanismus. Dazu sollte einmal ein Denkmal errichtet werden. Mag dieses Denkmal selbst dieses oder jenes Schicksal erfahren, der Entschluß ist das Wichtige: daß der Entschluß einmal gefaßt worden ist.

[ 25 ] Aber wenn der erste Pol geschaffen wurde dadurch, daß Karl Marx mit einer gewissen Dialektik, die er sich aus der Hegelschen Schule geholt hat, sich in die materiellen Verhältnisse des Britischen Reiches hineinversetzt hat, so wird die Zukunft noch etwas anderes wirken. Heute kann es selbstverständlich ausgeschrotet werden nach den verschiedensten Richtungen hin, und man kann sagen, das, was ich sage, sei nur die Fortsetzung — nun, ich weiß nicht, was es da alles für Albernheiten in der Welt noch gibt — von deutschen Welteroberungsplänen oder so etwas. Und doch muß gesagt werden, was eine Wahrheit ist, die ebenso perspektivisch feststeht wie andere Wahrheiten: Geradeso, wie der deutsche Hegelianer Marx nach England gegangen ist, nach dem materiellen England gegangen ist, um von dort heraus die erste Phase der materiellen Kultur zu absorbieren, so wird, wenn diese materielle Kultur, die ja eine aufsteigende und eine absteigende Kurve haben wird, die eine gewisse Art von Geistigkeit vernichten wird, — wenn diese materielle Kultur aus dem eigenen englischen Volke die Gegenbewegung herauserzeugt haben wird, wenn diejenigen, von denen ich auch schon gesprochen habe, die sich auflehnen zum Beispiel gegen den furchtbarsten Grundsatz der Nützlichkeitslehre: «Das höchste Gut der Menschen besteht in dem größten Glück der größtmöglichen Anzahl», wogegen heute schon gerade von okkultistischer Seite aus remonstriert wird, Gehör finden, wenn einmal die Dinge so weit sein werden, daß dasjenige, was vom Britischen Reiche als materielle Kultur versengend und das Geistige ausrottend über die Erde als die Weltenherrschaft im Zeitalter der Bewußtseinsseele sich verbreitet, wenn das sich verbreitet haben wird, dann wird aus dem britischen Volke selbst heraus die Opposition erwachsen. Man wird das Bedürfnis haben, zu dem zu kommen, was geblieben ist vom Goetheanismus, der im deutschen Volkstum wurzelt, um von dem heraus den Impuls zu suchen, wie die Welt wiederum gesunden kann. Man wird zu dem dritten Elemente gehen. So wie die Menschen studiert haben, lange nachdem das Judentum gefallen war als politische Macht, die jüdischen Impulse, so wie die ganze moderne Bildung, nachdem die Römer das Griechentum zerstört haben, auf dem Griechentum basiert, so wird die Gesundung der Welt doch einmal basieren auf demjenigen, was geholt wird aus deutschem Goetheanismus. Dazu sollte einmal ein Denkmal errichtet werden. Mag dieses Denkmal selbst dieses oder jenes Schicksal erfahren, der Entschluß ist das Wichtige: daß der Entschluß einmal gefaßt worden ist.