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The Developmental-Historical Basis
of Social Judgment
GA 185a

16 November 1918, Dornach

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Vierter Vortrag

Fourth Lecture

[ 1 ] Auch wenn man Betrachtungen anstellt über die Zeitereignisse, wie wir es jetzt tun, Betrachtungen, die wir ja dann zu gewissen Perspektiven erweitern wollen, Perspektiven, die nur durch das Geisteswissenschaftliche zu erreichen sind, auch dann, wenn man solche Betrachtungen anstellt, muß man sich immer gegenwärtig halten, daß wir in der Entwickelungsströmung der Menschheit im Zeitalter der Bewußtseinsseele angelangt sind, und daß es eben geradezu Aufgabe ist des Menschen in der Gegenwart, vom Gesichtspunkte des Eintritts in die Bewußtseinsseele die Dinge zu verfolgen. Es wird der Grundimpuls unserer Gegenwart so sein, daß nur derjenige gewachsen sein kann dem, was von Menschen die schwierige Gegenwart und Zukunft fordern wird, der aus dem Jüngst- und aus dem Weitervergangenen Verständnis suchen will für die Kräfte, welche in der Gegenwart walten, der den guten Willen haben wird zum Verständnis. Denn wenn auch viele Verhältnisse so sind, daß die Kräfte durcheinandergeworfen werden, daß chaotische Zustände entstehen — oh, es könnten noch viel chaotischere Zustände entstehen, als da sind —, in dem Chaos leben doch die Fortsetzungen derjenigen Kräfte, die schon da waren. Und nur derjenige wird das Chaos verstehen, welcher die Kräfte versteht, die schon da waren und die sich fortsetzen, die sich vielleicht sehr maskiert fortsetzen, aber die sich doch aus früheren Zeiten her fortsetzen. Aber auch die Forderungen, welche an die Menschheit gestellt werden, die müssen in viel größerem Umfange, als das sich heute noch irgend viele Menschen vorstellen, verstanden werden.

[ 1 ] Even when we reflect on current events, as we are doing now—reflections that we then wish to expand into certain perspectives— perspectives that can only be attained through spiritual science—even when engaging in such reflections, we must always bear in mind that we have reached the Age of the Conscious Soul in the stream of human evolution, and that it is precisely the task of people today to view things from the standpoint of our entry into the Age of the Conscious Soul. The fundamental impulse of our present time will be such that only those who seek to understand, from the recent past and the more distant past, the forces at work in the present—and who have the good will to understand—will be able to rise to the challenges that the difficult present and future will demand of humanity. For even though many circumstances are such that forces are thrown into disarray, that chaotic conditions arise—oh, far more chaotic conditions could yet arise than there are now—within the chaos, however, the continuations of those forces that were already there still live on. And only those who understand the forces that were already there and that continue—forces that may continue in a highly disguised form, but which nonetheless continue from earlier times—will understand the chaos. But the demands placed upon humanity, too, must be understood to a far greater extent than many people can yet imagine today.

[ 2 ] Ich habe gestern darauf aufmerksam gemacht, daß ein Verständnis wird angeeignet werden müssen für die in den Dingen waltende Wahrheit. Es ist ganz bestimmt so, daß sehr viele Menschen sich heute überhaupt noch keine Vorstellung machen von der in den Dingen waltenden Wahrheit. Daß in den Dingen selbst, in den Vorgängen, Wahrheit oder Unwahrheit waltet, und daß man sich dem einen oder dem anderen hingeben kann, das glauben heute noch viele Menschen nicht, da sie nur die Abstraktion im Sinne haben, daß Wahrheit die subjektive Übereinstimmung desjenigen sei, was man vorstellt, mit irgend etwas, was außerhalb vorgeht. Aber in den Ereignissen, namentlich insofern sie das Menschenleben betreffen, waltet selbst Wahrheit oder Unwahrheit, und es ist ganz gleichgültig, ob der Mensch weiß oder nicht von manchen Unwahrheiten, denn die schlimmsten Unwahrheiten pulsieren sehr häufig gerade im Menschenleben als unterbewußte Kräfte, greifen gar nicht herauf in das menschliche Bewußtsein. Aber kennenlernen muß man gerade in der Gegenwart diese unterbewußten Kräfte, heraufholen muß man sie in das Bewußtsein. Das ist für manches außerordentlich schwierig, und aufs Nächste zunächst eingehen, das kann die Aufgabe erleichtern; auf die nächsten Zeitereignisse so einzugehen, daß sie gewissermaßen etwas lehren können, das ist wichtig. Aber es ist nicht so ganz leicht, weil es auch nach der einen oder anderen Seite hin nicht ganz bequem ist. Man hat ja in den letzten Jahren verschiedene Urteile gehört — ich habe das schon erwähnt —, Urteile von diesem oder jenem Standpunkte. Man konnte natürlich von einem gewissen oberflächlichen Gesichtspunkte aus weder den einen noch den andern Gesichtspunkt übelnehmen. Bedauerlich war nur, daß so wenig untersucht worden ist das Tiefere, das waltete in diesen ungeheueren katastrophalen Ereignissen; und das Bedauerliche ist ferner, daß man immer wieder und wiederum in die alte Bequemlichkeit zurückgefallen ist, nach Äußerlichkeiten, ich will nicht sagen nach Schlagworten, aber nach Schlagbegriffen, nach Schlagvorstellungen zu urteilen. Wenn die Ereignisse schon ganz andere Urteile herausgefordert haben, hat man noch immer nach den alten Dingen geurteilt, und auch heute urteilt man noch immer vielfach nach den alten Dingen, statt die großen Fragen, die eigentlich jetzt jeder Tag aufstellt, wirklich sich ein wenig vor Augen zu führen.

[ 2 ] Yesterday I pointed out that we will have to develop an understanding of the truth that reigns in things. It is certainly true that very many people today have absolutely no conception of the truth that reigns in things. Many people still do not believe that truth or untruth reigns within things themselves, within events, and that one can surrender to one or the other, because they have only the abstract notion that truth is the subjective correspondence between what one imagines and something that is happening outside oneself. But in events—particularly insofar as they concern human life—truth or untruth reigns, and it makes no difference whether a person is aware of certain untruths or not, for the worst untruths very often pulsate within human life as subconscious forces, never reaching up into human consciousness at all. But it is precisely in the present that we must come to know these subconscious forces; we must bring them up into consciousness. This is extraordinarily difficult for many, and focusing first on what is immediately at hand can make the task easier; it is important to approach current events in such a way that they can, so to speak, teach us something. But it is not entirely easy, because it is not entirely comfortable from one perspective or another. One has, of course, heard various opinions in recent years—as I have already mentioned—opinions from this or that standpoint. From a certain superficial point of view, of course, one could not hold either perspective against anyone. It was regrettable, however, that so little attention was paid to the deeper forces at work in these immense, catastrophic events; and it is also regrettable that people have repeatedly fallen back into the old comfort zone of judging by outward appearances—I won’t say by catchphrases, but by catch-all terms and simplistic notions. Even though the events have called for entirely different judgments, people have continued to judge according to the old ways, and even today, in many cases, they still judge according to the old ways, instead of truly taking a moment to consider the great questions that every day actually raises.

[ 3 ] Gerade mit Bezug auf das, was ich im Beginne der gestrigen Betrachtungen angeregt habe, das Sich-Versenken in die Wahrheit der Tatsachen, ist es wichtig, jetzt etwas ins Auge zu fassen. In bezug auf viele Dinge ist ja nur ein Anfang da, aber es ist in bezug auf manches auch Entscheidendes eingetreten. Es ist dasjenige eingetreten, was sich vielleicht doch auch die siegenden Mächte der Gegenwart in einer andern Art von dem Schicksal der Mittelmächte nach dem Siege vorgestellt haben. So wie es gekommen ist, dürfte es nicht gerade, wenigstens nach viereinhalb Jahren, vorgestellt worden sein. Aber es wird mit diesen Entscheidungen etwas verknüpft sein, was allerdings dem Geisteswissenschafter klar werden sollte bei ganz objektiver Beurteilung der Sachlage. Der Krieg war ja lange kein Krieg mehr, und dasjenige, was sich die Leute noch immer vorstellen, daß in den nächsten Wochen, oder, ich weiß schon nicht wann, als ein Friede geschlossen werden könnte, wird natürlich geradeso aussehen wie der kuriose Friede von Brest-Litowsk und alles dasjenige, was man gegenwärtig Friede nennt. Es ist nur eine alte Faulheit, noch immer daran zu glauben, daß die katastrophalen Ereignisse ausgehen können mit einem gewöhnlichen Friedensschlusse, wie es eine alte Faulheit ist, zu glauben, daß der Krieg ein Krieg geblieben ist, was er schon lange nicht mehr war; denn hinter ihm war dasjenige waltend, was sich durch Kleinigkeiten in abgekürzteren Erscheinungen, möchte ich sagen, zeigen kann.

[ 3 ] Precisely in light of what I suggested at the beginning of yesterday’s reflections—immersing oneself in the truth of the facts—it is important to consider something now. In many respects, we are only at the beginning, but in some respects, decisive events have also taken place. What has occurred is perhaps what even the victorious powers of the present had envisioned—albeit in a different way—regarding the fate of the Central Powers after victory. The way things have turned out is unlikely to have been exactly what they had imagined, at least after four and a half years. But there is something connected to these decisions that should become clear to the spiritual scientist upon a completely objective assessment of the situation. The war, after all, has long since ceased to be a war, and what people still imagine—that a peace might be concluded in the coming weeks, or, I don’t even know when—will naturally look just like the curious Peace of Brest-Litovsk and everything else that is currently called peace. It is merely an old habit to still believe that these catastrophic events can end with an ordinary peace treaty, just as it is an old habit to believe that the war has remained a war—which it has not been for a long time—for behind it lay that which can manifest itself, I might say, through trifles in more abbreviated forms.

[ 4 ] Sie sehen heute, daß die sogenannte deutsche Revolution, die RevoJution im ehemaligen Deutschen Reich, eine sonderbare Gestalt angenommen hat. Wahrscheinlich haben sich die allermeisten Menschen, in Deutschland und außerhalb Deutschlands, nicht vorgestellt, daß die Dinge eine solche Gestalt annehmen. Sie haben eine solche Gestalt angenommen, weil die historischen Symptome — ich habe ja wirklich zu Ihnen recht lange gesprochen über historische Symptome eben nur auf Tieferes zeigen, und schließlich ein Symptom sich so oder auch anders abspielen konnte. Schließlich ist dasjenige, was jetzt geschieht, alles nur die Folge davon, daß noch einen letzten Trumpf eine gewisse Partei innerhalb Deutschlands ausspielen wollte, die durchaus aufrechterhalten wollte dieses Deutschland, ein letztes VabanqueSpielen: es sollte die Flotte, die ja noch nicht oder wenigstens nur durch Kleinigkeiten in Tätigkeit getreten war, veranlaßt werden, eine letzte Attacke, eine letzte Tätigkeit auszuführen. Darauf haben sich die Matrosen nicht eingelassen, und so ist denn von den Matrosen aus gerade diejenige Form — nur die Form selbstverständlich — der Revolution in Szene gesetzt worden, die dann gekommen ist.

[ 4 ] You can see today that the so-called German Revolution—the revolution in the former German Empire—has taken on a peculiar form. Most people, both in Germany and outside of Germany, probably never imagined that things would take such a turn. They have taken this turn because the historical symptoms—I have, after all, spoken to you at considerable length about historical symptoms—simply point to deeper underlying causes, and ultimately a symptom could play out in one way or another. Ultimately, what is happening now is merely the consequence of a certain party within Germany wanting to play its last trump card—a party that was determined to preserve this Germany at all costs—a final gamble: the aim was to prompt the fleet, which had not yet been deployed—or at least only in minor operations—to carry out a final attack, a final operation. The sailors did not go along with this, and so it was the sailors themselves who set the stage—in form only, of course—for the revolution that subsequently took place.

[ 5 ] Ich habe Ihnen nicht umsonst über die historische Symptomatologie gesprochen, damit dasjenige bei Ihnen wenigstens der Fall sein kann, was bei den Menschen der Gegenwart und der Zukunft recht stark der Fall sein sollte: die Beurteilung des Geschehenden aus den Symptomen heraus, die eben nicht so genommen werden sollen wie in der alten Geschichte, sondern eben als Symptome, als Offenbarungen von Wirklichkeiten, die erst hinter diesen Symptomen stehen, so daß man diese Symptome eben werten und wägen muß. Allein so, wie nun diese Entscheidungen, diese vorläufigen Entscheidungen da sind, so sind sie der Ausgangspunkt von Dingen, die, nachdem so vieles lange Zeit falsch bewertet worden ist, unter verschiedenartigen Einflüssen falsch bewertet worden ist, nun doch wenigstens von einigen Menschen richtiger bewertet werden sollten.

[ 5 ] It was not for nothing that I spoke to you about historical symptomatology, so that at least in your case—and this should be very much the case for people of the present and the future—the following might hold true: the assessment of current events based on symptoms—which should not be taken at face value as in ancient history, but rather as symptoms, as revelations of realities that lie behind these symptoms, so that one must evaluate and weigh these symptoms. But just as these decisions—these preliminary decisions—now stand, they are the starting point for matters that, after so much has long been misjudged—misjudged under various influences—should now at least be judged more correctly by some people.

[ 6 ] Sehen Sie: Was alles verbrochen worden ist, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, bei den Zentralmächten, was da die verschiedenen Machthaber gesündigt haben, was da an Unwahrhaftigkeit in den Ereignissen gelegen hat, das wird zutage treten. So haben sich die Ereignisse entwickelt, daß die Welt bis ins kleinste in verhältnismäßig gar nicht ferner Zukunft erfahren wird alles das, was von den mitteleuropäischen Machthabern gesündigt worden ist. Und ich selbst werde dasjenige, was ich von den Ereignissen weiß — und ich kann nur sagen, das Karma hat mir auch die Möglichkeit gegeben, recht, recht viel gerade von den entscheidenden Dingen in diesem Falle zu wissen —, mitteilen, und, wenn mir dazu das Leben ausreicht, alles dazu beitragen, daß Wahrheit an die Stelle von dem tritt, was der Welt bisher vorgemacht worden ist. Aber auf der anderen Seite sind die Ereignisse so, daß das nicht dazu zu führen scheint. Selbstverständlich müßten Sie gerade aus den Dingen, die hier besprochen worden sind im Laufe der Jahre, wissen, daß nicht eine geringere Unwahrheit auf der anderen Seite gewaltet hat. Glauben Sie, daß die auch haarklein vor die Menschen hingestellt werden wird? Dazu sind nicht einmal die Unterlagen der Beurteilung da! Nicht einmal die intellektuellen Unterlagen der Beurteilung sind da, sondern alle Unterlagen sind dazu da, daß die Wahrheit weiter verhüllt bleibe.

[ 6 ] You see: All that has been committed—if I may use that expression—by the Central Powers, all the sins committed by the various rulers, and all the falsehoods surrounding these events will come to light. Events have unfolded in such a way that, in the relatively near future, the world will learn, down to the smallest detail, everything that the Central European rulers have done wrong. And I myself will share what I know about these events—and I can only say that karma has also given me the opportunity to know quite, quite a lot about the decisive aspects of this case in particular—and, if I live long enough, do everything in my power to ensure that truth replaces what has been presented to the world thus far. But on the other hand, the events are such that this does not seem likely to happen. Of course, you should know from the very things that have been discussed here over the years that not a single falsehood of lesser significance has prevailed on the other side. Do you believe that these will also be laid out before people in minute detail? There isn’t even the basis for such an assessment! Not even the intellectual basis for such an assessment exists; rather, all the evidence is there to ensure that the truth remains concealed.

[ 7 ] Wenn ich die Stimmung, mit welcher man die Ereignisse beurteilt hat im August, September, Oktober, November 1914 mit Bezug auf dasjenige, was von den Mittelmächten angestellt worden war, in neutralen Ländern und in den feindlichen Ländern beurteile und mit jenem Wohlwollen vergleiche, mit dem jetzt die unerhört grausamen Waffenstillstandsbedingungen für die Zentralmächte gewürdigt werden, mit jenem allgemeinen merkwürdigen Schweigen, mit dem man darüber hinweggeht, daß diese Waffenstillstandsbedingungen, so wie sie waren und wie sie ja auch nach der Milderung bleiben werden, ein wahrhaftiges Todesurteil sind, dann bemerke ich einen Unterschied, einen ganz gewaltigen Unterschied in dem Willen zum Urteil. Denn dieser Unterschied im Willen zum Urteilen beruht auch noch darauf, daß kein Wille zum Urteil da war im August, September, Oktober, November 1914 und so weiter. Auf mancherlei vielleicht kann ich nur vermutungsweise eingehen, was, wie gesagt, der Welt schon bekannt werden wird, während jetzt gar nicht notwendig ist, um zu einem Urteil zu kommen, etwas anderes zu tun, als Paragraph für Paragraph zu lesen. Ich weiß, daß ich auch damit vor tauben Ohren spreche, nach vielen Richtungen hin vor tauben Ohren spreche, aber warum sollte denn nicht, wenn man die Verpflichtung hat, die Wahrheit auszusprechen ohne Sympathie und Antipathie, rein in ihrer Objektivität, dies selbst in diesem Augenblicke, wo sie vielleicht nach dieser Richtung hin wenig gern gehört wird, warum sollte denn die Wahrheit nicht ausgesprochen werden, sintemalen ich nicht wissen kann, wie lange es noch gestattet sein wird, auch nur solche Wahrheiten auszusprechen. Diese Dinge spreche ich wahrhaftig nicht aus, um irgendeine Sympathie oder Antipathie zum Ausdruck zu bringen, sondern um eine blutig errungene Erkenntnis pflichtgemäß eben auszusprechen. Im Zeitalter der Bewußtseinsseele ist es eben notwendig, wissend auf die Dinge einzugehen, und das Wissen zu dem Impulse auch seines Handelns und namentlich zu dem Impulse der Einsicht zu machen. Und Einsicht ist notwendig — das habe ich in diesen Tagen immer wieder und wiederum betont —, Einsicht wird für die Menschen des Bewußtseins-Zeitalters notwendig sein.

[ 7 ] If I were to assess the mood with which events were judged in August, September, and October, November 1914—in light of what the Central Powers had done—in neutral countries and in enemy countries, and compare it with the goodwill with which the Central Powers’ outrageously cruel armistice terms are now regarded, with that general, strange silence with which people gloss over the fact that these armistice terms, as they were—and as they will indeed remain even after being moderated—are a veritable death sentence, then I notice a difference, a truly enormous difference in the will to judge. For this difference in the will to judge also stems from the fact that there was no will to judge in August, September, October, and November 1914, and so on. There are certain matters I can perhaps only speculate on—matters which, as I said, will eventually become known to the world—while right now it is not at all necessary to do anything other than read paragraph by paragraph in order to reach a judgment. I know that I am speaking to deaf ears—to deaf ears in many quarters—but why shouldn’t I, when one has the obligation to speak the truth without sympathy or antipathy, pure in its objectivity—even at this very moment, when it may be unwelcome in this particular context? Why shouldn’t the truth be spoken, since I cannot know how much longer it will be permitted to speak even such truths? I truly do not speak these things to express any sympathy or antipathy, but rather to fulfill my duty by articulating a hard-won insight. In the Age of the Conscious Soul, it is precisely necessary to approach things with knowledge, and to make that knowledge the impulse for one’s actions and, in particular, the impulse for insight. And insight is necessary—as I have emphasized again and again in recent days—insight will be necessary for the people of the Age of Consciousness.

[ 8 ] Es wird der Welt klar werden, daß all das Gerede, das seit viereinhalb Jahren mit Bezug auf die sogenannte Schuldfrage gewaltet hat, eben ein ganz oberflächliches Gerede war. Dasjenige, was sich vollzogen hat, ist viel mehr Tragik in einem höheren Sinne, als man von irgendwelcher Schuld sprechen kann, denn man kann nicht von Schuld sprechen, wenn zum Beispiel einen großen Anteil an einer Folge von Ereignissen die Unfähigkeit hat. Gewiß, die Unfähigkeit, wie ich Ihnen dargestellt habe, hat zum Beispiel bei den Mittelmächten an den maßgebenden Stellen eine ungeheure Rolle gespielt, aber eben die absolute intellektuelle Unfähigkeit, auch die Unfähigkeit in der Beurteilung der Verhältnisse, im Urteilsvermögen und dergleichen. Es wird da notwendig sein, manches Wirkliche eben ins Auge zu fassen. Ich will nur auf eines hinweisen.

[ 8 ] It will become clear to the world that all the talk that has raged for the past four and a half years regarding the so-called question of guilt was, in fact, nothing more than superficial chatter. What has taken place is far more a tragedy in a higher sense than one can speak of any kind of guilt, for one cannot speak of guilt when, for example, incompetence plays a major role in a sequence of events. Certainly, as I have explained to you, incompetence played an enormous role, for example, among those in positions of authority in the Central Powers—but specifically, it was absolute intellectual incompetence, as well as an inability to assess the situation, a lack of judgment, and the like. It will be necessary to take a hard look at certain realities. I want to point out just one thing.

[ 9 ] Nicht wahr, aus der Leidenschaft heraus läßt sich sehr, sehr vieles beurteilen, verurteilen, schief beurteilen und so weiter. Ja, derjenige, der auf Grundlage der Tatsachen spricht, der die Tatsachen kennt, der muß manche Fragen, die außerordentlich wichtige historische Fragen sind, in scharfen Konturen beantworten. Sehen Sie, natürlich nehmen sich die Dinge immer von verschiedenen Gesichtspunkten verschieden aus. Es gibt verschiedene Gründe, die man dafür anführen kann, warum im August 1914 von Deutschland aus nach Frankreich hinüber auch ein Krieg zustande gekommen ist. Auf einiges habe ich schon aufmerksam gemacht. Man kann sagen: Nur derjenige, der wirklich den Willen hat, genau zu sprechen, kann über diese Verhältnisse die Dinge richtig ausdrücken. Es hat ja an einem Haar gehangen, kann man sagen, so wäre 1914 im August gar kein Zweifrontenkrieg zustandegekommen, sondern der allerdings unvermeidliche Krieg gegen Rußland. Ich spreche jetzt von der Seite der Mittelmächte aus; die Sache sieht sich natürlich von anderer Seite anders an. Es hat an einem Haar gehangen. Woran hat es gehangen? Was ist dieses «Haar»? Nun, sehen Sie, der Herr, der jetzt in Holland sein soll und den insbesondere das Ausland so ungeheuer wichtig genommen hat, was ein großes, dem deutschen Volke angetanes Unrecht war, er war, wie Sie aus meiner Darstellung vor ein paar Tagen ersehen können, ein außerordentlich indiskreter Mann. Nicht wahr, als ihm — ich habe Ihnen dies erzählt — im Verlaufe der Jahre ein Bündnis angetragen war von Rußland und von Frankreich, so daß ein Bündnis Rußland-Frankreich-Deutschland gegen England zustandegekommen wäre, da rühmte er sich 1908 in der berühmten Daily-Telegraf-Affäre, daß er sofort diesen Antrag von Rußland und Frankreich seiner Großmutter mitgeteilt bat und sich dadurch ein großes Verdienst um das Britische Reich erworben hat. Man konnte maßgebende Stellen fragen, wie es denn eigentlich mit dem Einfall in Belgien war. Schließlich war dieser Herr, den ich meine, oberster Kriegsherr und konnte entscheiden. Besagter Herr — bitte, wenden Sie nicht ein, daß viele Menschen in Europa das schon gewußt haben —, aber besagter Herr hat es eben nicht gewußt, daß in Belgien eingefallen wird, bis zum 29. Juli 1914. Und warum? Weil man es ihm nicht sagen konnte, denn hätte man es ihm heute gesagt, so hätte es morgen die ganze Welt gewußt, wenn all die Leute, wie Sven Hedin und so weiter, die ihn so bewunderten, zu ihm gekommen wären. Was ist das für eine Anomalie, wenn strategisch ein Kriegsplan ausgearbeitet werden muß aus gewissen Gründen, die eben auf strategischer Basis ruhen, und der oberste Kriegsherr darf den allerwichtigsten Punkt, den Ausgangspunkt überhaupt nicht wissen! Soll dabei etwas herauskommen, was dann in der gewöhnlichen Weise beurteilt werden kann?

[ 9 ] Isn’t it true that, when driven by passion, one can judge, condemn, misjudge, and so on, very, very many things? Yes, anyone who speaks on the basis of facts—who knows the facts—must answer certain questions, which are extraordinarily important historical questions, with sharp clarity. You see, of course, things always look different from different points of view. There are various reasons one can cite for why a war broke out in August 1914, with Germany attacking France. I have already drawn attention to some of them. One can say: Only those who truly have the will to speak precisely can express the facts correctly regarding these circumstances. It hung by a hair, one might say; had it not been for that, there would have been no war on two fronts in August 1914, but rather the admittedly inevitable war against Russia. I am speaking now from the perspective of the Central Powers; naturally, the matter looks different from the other side. It hung by a hair. What was it hanging by? What is this “hair”? Well, you see, the gentleman who is now said to be in Holland—and whom foreign countries in particular have taken so incredibly seriously, which was a great injustice done to the German people—was, as you can see from my account a few days ago, an extraordinarily indiscreet man. Isn’t it true that when—as I’ve told you—an alliance was proposed to him over the years by Russia and France, which would have resulted in a Russia-France-Germany alliance against England, he boasted in 1908, during the famous Daily Telegraph affair, that he had immediately informed his grandmother of this proposal from Russia and France and had thereby rendered a great service to the British Empire. One could ask authoritative sources what actually happened with the invasion of Belgium. After all, this gentleman I am referring to was the supreme commander and had the power to decide. Said gentleman—please do not object that many people in Europe already knew this—but said gentleman simply did not know that Belgium was being invaded until July 29, 1914. And why? Because they couldn’t tell him; for if they had told him today, the whole world would have known about it tomorrow, once all those people—like Sven Hedin and so on—who admired him so much had come to him. What kind of anomaly is this, when a war plan must be drawn up strategically for certain reasons—reasons that are precisely based on strategy—and yet the supreme commander is not allowed to know the most crucial point, the very starting point, at all! Can anything come of this that can then be judged in the usual way?

[ 10 ] Nun waren die Verhältnisse so, daß durch die europäische Konstellation, nun, also, durch die sehr, sehr unschuldigen Entente-Mächte — sie sind ja nach ihrer Ansicht ganz unschuldig, nicht wahr, an dem Ausbruch dieses Krieges —, daß durch diese sehr unschuldigen EntenteMächte sich in Deutschland eben einmal seit langer Zeit, seit den neunziger Jahren, vielleicht noch früher, die Meinung ergeben hat: Man muß einmal einen Zweifrontenkrieg, einen Krieg links und rechts führen. — Ich weiß nicht, wie in andern Ländern die Verhältnisse liegen, ob man da in acht Tagen Kriegspläne macht! In Deutschland war es nicht so. Solch einen Kriegsplan zu machen, das dauert sehr lange. Man ändert ihn in einzelnen, sehr untergeordneten Partien ab, aber es dauert sehr lange. Dieser Kriegsplan war jahrzehntelang gearbeitet, gewiß in Einzelheiten abgeändert, aber in bezug auf seine Hauptsache war er jahrzehntelang gearbeitet, war in allen Einzelheiten fertig. Sie dürfen doch nicht vergessen, daß Sie die Sache rein vom militärischen Standpunkte ansehen müssen; jetzt wird man es doch etwas objektiver können, nachdem der militärische Standpunkt in der Welt, wie es scheint, überwunden ist! Wenn Sie die Sache rein vom militärischen Standpunkte aus beurteilen, so werden Sie doch objektiver darüber urteilen. Es muß jeder einzelne Zug und alles, was verladen werden muß, festgelegt werden; der Abgang jedes einzelnen Zuges von da und dort, das Anstürmen jedes einzelnen Soldaten ist festgelegt in einem solchen Kriegsplan.

[ 10 ] Now, the situation was such that, due to the European political landscape—well, that is, due to the very, very innocent Entente powers—who, in their own view, are entirely innocent, aren’t they, of the outbreak of this war—due to these very innocent Entente powers, the opinion had arisen in Germany for the first time in a long time, since the 1890s, perhaps even earlier: We must one day wage a war on two fronts, a war on the left and on the right. — I don’t know what the situation is like in other countries, whether they draw up war plans in eight days! In Germany, that was not the case. Drawing up such a war plan takes a very long time. One makes changes to individual, very minor parts of it, but it takes a very long time. This war plan had been worked on for decades; certainly, details were modified, but in terms of its main thrust, it had been worked on for decades and was complete in every detail. You must not forget that you have to view the matter purely from a military standpoint; now, surely, it will be possible to assess it somewhat more objectively, since the military standpoint in the world, it seems, has been overcome! If you assess the matter purely from a military standpoint, you will judge it more objectively. Every single train and everything that needs to be loaded must be specified; the departure of every single train from here and there, the advance of every single soldier, is laid out in such a war plan.

[ 11 ] Nun, die Ereignisse überstürzten sich. Ich sage jetzt nichts Vollständiges, sondern ich will nur ein Pröbchen geben; es wird sich vielleicht schon einmal die Gelegenheit ergeben, vor dem Forum der Welt das Vollständige in allen Einzelheiten auseinanderzusetzen. Die Verhältnisse, die hineindrängten in diese schaudervolle Katastrophe, sie überstürzten sich so, daß innerhalb Deutschlands in den letzten Tagen des Juli tatsächlich die Frage von den verschiedensten Seiten her entstand: Soll gegen Frankreich Krieg geführt werden oder nicht? Wird es notwendig werden, daß gegen Frankreich Krieg geführt wird, wird es nicht vom politischen, sondern vom militärischen Gesichtspunkte aus notwendig sein, daß gegen Frankreich Krieg geführt wird? — Der oberste Kriegsherr, der sich vielleicht jede halbe Stunde zu etwas anderem zu entschließen in der Lage war, hatte wiederholt den ernsten Vorsatz, das Heer überhaupt nicht gegen Westen marschieren zu lassen, sondern nur gegen Osten. Und es hing an einem Faden im Benehmen der britischen Staatsmannschaft, so würde zwar Merkwürdiges geschehen sein, aber es würde sich darum gehandelt haben, ein gewisses Urteil, ich will sagen, auf eine kuriose Unterlage zu stellen. Unter den sich widersprechenden Dingen war auch schon befohlen, nun gar nicht gegen Westen zu ziehen, sondern ganz nur gegen Osten zu ziehen. Da war ein Bestimmtes dagegen, und aus dem, was dagegen war, können Sie entnehmen, wenn Sie es richtig erwägen, wie merkwürdig die Dinge im Weltengange liegen. Da war dagegen, daß der deutsche Generalstab einen Kriegsplan ausgearbeitet hatte, der einen Zweifrontenkrieg vorsah, aber keinen Kriegsplan, der nur einen Einfrontenkrieg vorsah, denn so etwas war nicht strategisch vorauszusehen aus den europäischen Verhältnissen. Und der oberste Kriegsherr hat einmal zur Antwort bekommen: Ja, das können wir gar nicht machen, denn wenn wir bloß nach Osten marschieren sollen, haben wir eine ungeregelte, wüste chaotische Menge. Unser Kriegsplan ist nach zwei Fronten ausgearbei tet; wir können gar nicht anders, als nach Westen marschieren. — Nun, Ordnung muß sein, aber man kann wahrhaftig, wenn man auch solch eine Antwort einmal auf eine Sache geben kann, nicht sagen, daß da irgendwie ein spitzbübischer Gedanke waltete, das oder jenes anzuzetteln, sondern etwas ganz anderes. Und es ist noch gar nicht ausgemacht, ob, wenn Zeit vorhanden gewesen wäre, auch einen Kriegsplan so zu machen, daß der Zug nach Westen nicht die Voraussetzung für den ganzen Kriegsplan gewesen wäre, dann alle die Ereignisse ohne den Zug nach Westen geschehen wären. Die Frage berühre ich dabei nicht, ob das nicht ein riesiger welthistorischer Aufsitzer gewesen wäre, denn ich selbst glaube nie und nimmer, daß, wenn das deutsche Heer nach Osten marschiert wäre, die Franzosen schön ruhig geblieben wären. Aber ich erzähle eben Tatsachen und nicht Vermutungen und nicht Hypothesen; Tatsachen, welche geeignet sind, dem Urteil eine sachgemäße, eine wirklichkeitsgemäße Richtung zu geben.

[ 11 ] Well, events unfolded in rapid succession. I won’t go into everything in full here, but I’d just like to offer a brief glimpse; perhaps the opportunity will arise someday to present the full story in all its details before the world. The circumstances that led to this dreadful catastrophe unfolded so rapidly that, within Germany during the last days of July, the question actually arose from a wide variety of quarters: Should war be waged against France or not? If it becomes necessary to wage war against France, will it be necessary—not from a political standpoint, but from a military one—to wage war against France? — The supreme commander, who was perhaps capable of changing his mind every half hour, had repeatedly resolved not to march the army westward at all, but only eastward. And it all hung by a thread in the conduct of the British government; if that had been the case, strange things would indeed have happened, but it would have been a matter of basing a certain judgment—I might say—on a curious foundation. Among the contradictory orders, one had already been issued not to advance westward at all, but only eastward. There was a specific reason against this, and from that reason, if you consider it carefully, you can see how strange the course of world events is. There was the fact that the German General Staff had drawn up a war plan that envisaged a two-front war, but no war plan that envisaged only a one-front war, because such a scenario could not be strategically foreseen given the circumstances in Europe. And the commander-in-chief once received the following reply: “Yes, we simply cannot do that, because if we are to march only to the east, we will have an undisciplined, wild, and chaotic mob.” Our war plan is designed for two fronts; we have no choice but to march westward. — Well, order must be maintained, but one truly cannot—even if one were to give such a response to a matter—say that there was somehow a mischievous intention to instigate this or that, but rather something entirely different. And it is by no means certain that, had there been time to devise a war plan in which the march to the west was not a prerequisite for the entire war plan, all those events would have occurred without the march to the west. I am not addressing the question of whether that would have been a colossal blunder in world history, for I myself do not believe for a moment that, had the German army marched eastward, the French would have remained calmly passive. But I am simply recounting facts, not conjectures or hypotheses; facts that are capable of guiding judgment in an objective, realistic direction.

[ 12 ] Eine Vorstellung möchte ich davon hervorrufen, wie unendlich leichtsinnig es ist, wenn über die Schuldfrage so oder so gesprochen wird, namentlich nach den konfusen Rot- und Blau- und Gelb- und Blitzblaubüchern, die ausgeschrotet worden sind und die man nach jeder Richtung hin ausschroten kann, aus denen man alles mögliche machen kann. Sie werden vielleicht geneigt sein, hinter der ganzen Tatsachenfolge, die Sie mehr als Symptome ansehen, doch etwas Tieferes zu vermuten als dasjenige, was in oberflächlicher Weise so beurteilt werden darf, wie es vielfach in den letzten Jahren geschehen ist. Solches müssen Sie berücksichtigen, wie ich es Ihnen jetzt nur probeweise angedeutet habe. Die Dinge, die diesem katastrophalen Weltereignisse zugrunde liegen, sind ja im Grunde genommen unglaublich. Man muß sie eben als Tatsachen kennen, wenn man auf sie ein Urteil fußen will. Und nicht anders liegt es in den sogenannten Ententeländern.

[ 12 ] I would like to convey just how infinitely reckless it is to discuss the question of guilt in one way or another, especially in light of the confusing Red, Blue, Yellow, and Flash-Blue Books that have been cobbled together—books that can be interpreted in any direction and used to make all sorts of claims. You may be inclined to suspect that behind the entire sequence of events—which you view more as symptoms—there lies something deeper than what can be superficially judged, as has often been the case in recent years. You must take this into account, as I have now only tentatively hinted at. The events underlying this catastrophic world crisis are, after all, simply unbelievable. One must simply acknowledge them as facts if one wishes to base a judgment on them. And the situation is no different in the so-called Entente countries.

[ 13 ] Nun hat sich aber aus dem, was die Menschheit Krieg genannt hat und wovon sie den Gedanken gehegt hat, daß er durch einen Frieden abgelöst wird, dasjenige entwickelt, was ein Anfang erst ist. Ich habe hier in einem bestimmten Zeitpunkte gesagt: Man sehe auf die Dinge, die sich im Innern Rußlands abspielen, und man hat etwas viel Wichtigeres, wenn man Zukunftsfragen ins Auge faßt, als dasjenige, wovon die Menschen in den letzten Zeiten noch sehr illusionär gesprochen haben als von einem Krieg und einem Frieden, der darauf folgen sollte.

[ 13 ] But what humanity has called war—and what it has believed would be replaced by peace—has now given rise to something that is only just beginning. I said here at a certain point in time: Look at the events unfolding within Russia, and when considering questions of the future, you will find something far more important than what people have been speaking of in recent times—still in a very illusory way—as a war and the peace that was supposed to follow it.

[ 14 ] Es ist vieles entfesselt worden. Aber wenigstens das sollte verstanden werden, was da entfesselt worden ist. Sehen Sie: In Wirklichkeit haben eigentlich kaum viele literarische Erscheinungen, schriftstellerische Erscheinungen eine so ungeheuer breite Wirkung gehabt als diejenigen von Karl Marx. 1848 erschien von ihm das sogenannte «Kommunistische Manifest», worinnen die hauptsächlichsten Impulse der sozialdemokratischen Lebensauffassung kurz zusammengefaßt waren. Es klang dann aus, dieses Kommunistische Manifest, in die Worte: Proletarier aller Länder, vereinigt Euch! — Von demselben Karl Marx, der unterstützt wurde von seinem Freund Engels, rührt dann her das Buch über die «Politische Okonomie» und das Buch «Das Kapital». Was als Prinzipien diesen Büchern zugrunde liegt, ist tatsächlich über die ganze Erde hin Wissen, Vorstellungswelt geworden des tonangebenden Proletariats. In eindringlichster Weise hat sich das tonangebende Proletariat mit dem auseinandergesetzt, das aufgenommen, was gerade Marxismus ist.

[ 14 ] Much has been unleashed. But at the very least, we should understand what it is that has been unleashed. You see: In reality, hardly any literary or authorial works have had such an immensely broad impact as those of Karl Marx. In 1848, he published the so-called “Communist Manifesto,” which briefly summarized the main tenets of the social-democratic worldview. This Communist Manifesto concluded with the words: “Workers of the world, unite!” — From the same Karl Marx, supported by his friend Engels, came the book on “Political Economy” and the book “Capital.” The principles underlying these books have indeed become, throughout the entire world, the knowledge and worldview of the leading proletariat. In the most compelling way, the leading proletariat has engaged with and embraced what Marxism truly is.

[ 15 ] Schon äußerlich betachtet — aber dieses Außerliche ist vielleicht gerade das wichtigste Innerliche — ist Karl Marx und seine Leistungen etwas, was, ich möchte sagen, aus der zivilisierten Welt Europas herausgeboren ist und auch wiederum tief in das Territorium dieser zivilisierten Welt hineingewirkt hat, in die proletarische Welt, den proletarischen Teil der zivilisierten Welt. Karl Marxens Persönlichkeit und Werk ist nicht ganz einfach. Erstens trägt es eine ganz bestimmte Grundstruktur. Das ist ein angeborener Scharfsinn, außerordentlicher Scharfsinn, der immer eine gewisse Wirkung hat. Nicht wahr, man kann sich diese Wirkung schon an etwas veranschaulichen, was scheinbar fernsteht, was einem aber die Sache veranschaulichen kann. Sehen Sie: der bourgeoiseste, der philiströseste, der eigentliche Spießer-Philosoph, Kant, Immanuel Kant — namentlich für die akademischen Spießer ist er ja der Grundphilosoph —, warum wird er denn eigentlich für so besonders geistreich angesehen? Nun, ich habe noch keinen Universitätsprofessor erlebt, der den Hegel oder den Schelling verstanden hätte, aber manche — sogar Universitätsprofessoren — habe ich erlebt, die wenigstens annähernd ein Kant-Verständnis sich erworben haben. Nun, da denken sie: Ich bin ein gescheiter Mann — so denkt natürlich ein solcher Herr —, und da es mich eine solche Anstrengung kostet, den Kant zu verstehen und ich ihn zuletzt doch verstanden habe, so ist der Kant auch ein gescheiter Mann, und da es mich als einem so auserlesenen Mann solche Anstrengung gekostet hat, ihn zu verstehen, so muß der Kant der allerauserlesenste Mensch sein. — So ungefähr ist die Empfindung, die diese Leute haben. Es ist die Spießer-Empfindung, die an die akademischen Spießer und ihren Anhang, ihren journalistischen und andern Anhang, dann übergeht. So etwas ähnliches wirkte schon auch auf das Proletariat in dem Verständnis von Karl Marx, der ein sehr scharfsinniger Mann war. Man hat einige Schwierigkeiten zum Verständnis. Der Proletarier strengt sich mehr an, als mancher der Durchschnitts-Spießer, wollte sagen Durchschnitts-Bourgeois geneigt ist, sich anzustrengen, selbst wenn er proletarische Bücher liest. Der Proletarier strengt sich schon mehr an, seinen Karl Marx zu verstehen; namentlich schätzt er auch, was Anstrengung kostet. Es kostet wahrhaftig mehr Anstrengung, die Impulse der Proletarierwelt in den Büchern von Karl Marx aufzunehmen, als es der Bourgeoisie vielleicht Mühe gekostet hat, ihre Nationalökonomen zu verstehen. Aber das tun ja die wenigsten, sondern es haben sich eine Anzahl besonders vollsaftiger Bourgeois auch damit begnügt, das Proletarierleben aus Hauptmanns «Webern» kennenzulernen. Da kann man das Vergnügen, nicht wahr, sehr schön mit der Kenntnisnahme verknüpfen und dergleichen. Das ist das erste bei Karl Marx: ein gewisser angeborener Scharfsinn.

[ 15 ] Even when viewed from the outside—though this outward aspect is perhaps precisely the most important inner aspect—Karl Marx and his achievements are something that, I would say, was born out of the civilized world of Europe and, in turn, has had a profound impact deep within the territory of this civilized world, into the proletarian world, the proletarian part of the civilized world. Karl Marx’s personality and work are not entirely straightforward. First, they possess a very specific underlying structure. This is an innate acumen—an extraordinary acumen—that always has a certain effect. Isn’t it true that one can illustrate this effect using something that seems quite distant, yet which can help clarify the matter? Consider this: the most bourgeois, the most philistine, the quintessential narrow-minded philosopher, Kant, Immanuel Kant—especially for academic philistines, he is, after all, the foundational philosopher—why is he actually regarded as so particularly witty? Well, I have yet to meet a university professor who has understood Hegel or Schelling, but I have met some—even university professors—who have at least acquired a rough understanding of Kant. So they think: I am a clever man—that is, of course, how such a gentleman thinks—and since it took me such an effort to understand Kant and I finally did understand him, then Kant must also be a clever man; and since it took me, as such an exceptional man, such an effort to understand him, then Kant must be the most exceptional of all people. — That’s roughly the sentiment these people have. It is the philistine sentiment that then spreads to the academic philistines and their entourage—their journalistic and other followers. Something similar also influenced the proletariat in their understanding of Karl Marx, who was a very astute man. There are some difficulties in understanding him. The proletarian exerts himself more than many an average philistine—or rather, average bourgeois—is inclined to do, even when reading proletarian books. The proletarian does indeed make a greater effort to understand Karl Marx; in particular, he also appreciates the effort it requires. It truly takes more effort to grasp the impulses of the proletarian world in Karl Marx’s books than it perhaps took the bourgeoisie to understand their economists. But very few actually do that; instead, a number of particularly well-fed bourgeois have contented themselves with learning about proletarian life from Hauptmann’s *Webern*. There, one can very nicely combine pleasure with learning, and so on. That is the first thing about Karl Marx: a certain innate acumen.

[ 16 ] Dann ist aber nicht zu leugnen, daß die Dialektik eine große ist bei Karl Marx. Diese Dialektik, dieses Vermögen, in Begriffen zu arbeiten, was den meisten Menschen heute ganz fehlt — unserer gesamten ofhziellen Wissenschaft fehlt diese Dialektik —, diese Kunst, in Begriffen als Realitäten zu arbeiten, die hatte Karl Marx von Hegel, denn er war in dieser Beziehung ein Schüler Hegels. So daß man sagen kann: Aus deutschem Volkstum heraus hatte Karl Marx seine Dialektik, die Kunst, in Begriffen zu arbeiten. — Den sozialistischen Impetus hatte er aus dem Franzosentum heraus, wo besonders Saint-Simon und Louis Blanc auf ihn einen großen Einfluß gewonnen haben, so daß er vereinigte dasjenige, was der deutsche Hegelianer in fein ausgearbeiteten, plastischen, scharfkonturierten Begriffen entwickelt, mit dem revolutionären Impuls, dem revolutionären Impetus eines Saint-Simon und Louis Blanc. Und dieses wiederum, was da in ihm war, das konnte sich nur dadurch zum Ausdrucke bringen, wie es sich gebracht hat, daß Karl Marx nach London, nach England gegangen ist und dort durch das Studium der wirtschaftlichen Verhältnisse diese ganze Art zu denken und diese Art zu fühlen — das eine aus dem Deutschen, das andere aus dem Französischen — nun durchstudiert hat an englischen Verhältnissen, wodurch er das Ganze nur auf die materiellen wirtschaftlichen Verhältnisse angewendet hat. So ist dasjenige, was so geboren ist, wie ich es Ihnen dargestellt habe: Der Proletarier aus dem Industrie- und Maschinenzeitalter heraus, aus dem Mechanismus heraus, was also an seiner Quelle ja nur in England beobachtet werden konnte, weil es zunächst nur dort zum Ausdruck gekommen ist bis zum Jahre 1848 _ hin, das ist von Karl Marx begriffen worden mit Hegelscher Dialektik. Und dasjenige, was mit Hegelscher Dialektik begriffen worden ist, in dem waltet als, ich möchte sagen, Schlagkraft der ganze revolutionäre Impetus eines Louis Blanc oder eines Saint-Simon. Also Sie sehen: Aus Bestandteilen, die deutsch, französisch, englisch sind, auf der Grundlage des scharfsinnigen Semitismus, der dem Karl Marx, denn er war Jude, im Blute lag — das ist selbstverständlich nur ganz objektiv gemeint —, so aus vier Ingredienzien zusammen ist dasjenige geistigchemisch zusammengesetzt, was dieser Karl Marx dem Proletariat als wirksamste Waffe — denn es ist eine geistige Waffe — geliefert hat. Daher auch die eindringliche Wirkung, diese unbegrenzte Wirkung. Natürlich ist in zahlreichen populären Schriften das weiter verbreitet worden. Alle Verhältnisse sind von diesem Gesichtspunkt aus beurteilt worden.

[ 16 ] But then it cannot be denied that dialectics plays a major role in Karl Marx’s work. This dialectic—this ability to work with concepts, which most people today completely lack (our entire official science lacks this dialectic)—this art of working with concepts as realities—Karl Marx derived from Hegel, for in this respect he was a student of Hegel. So one can say: Karl Marx drew his dialectic—the art of working with concepts—from German culture. — He drew his socialist impetus from French culture, where Saint-Simon and Louis Blanc in particular exerted a great influence on him, so that he combined what the German Hegelian developed in finely crafted, vivid, sharply defined concepts with the revolutionary impulse, the revolutionary impetus of a Saint-Simon and Louis Blanc. And this, in turn—what was within him—could only find expression in the way it did: by Karl Marx going to London, to England, and there, through the study of economic conditions, thoroughly examining this entire way of thinking and this way of feeling — one derived from the German tradition, the other from the French — to English conditions, thereby applying the whole concept exclusively to material economic conditions. Thus, what was born in this way, as I have described it to you: the proletarian emerging from the age of industry and machinery, from mechanization—which, at its source, could only be observed in England, since it had initially found expression only there up until the year 1848—was grasped by Karl Marx through Hegelian dialectics. And what was grasped through Hegelian dialectics is imbued with—I would say—the sheer force of the entire revolutionary impetus of a Louis Blanc or a Saint-Simon. So you see: composed of German, French, and English elements, based on the astute Semitism that ran in Karl Marx’s blood—since he was Jewish—this is, of course, meant entirely objectively— it is from these four ingredients that the intellectual-chemical compound was formed—the very thing that Karl Marx provided to the proletariat as its most effective weapon—for it is an intellectual weapon. Hence, too, its penetrating effect, this boundless effect. Of course, this has been further disseminated in numerous popular writings. All circumstances have been judged from this point of view.

[ 17 ] Ja gewiß, dasjenige, was sich so vorbereitet hat im Laufe der Jahrzehnte, man kann es eigentlich nur dadurch wirklich abwägen, daß man zum Beispiel, sagen wir, sich Kenntnis davon erworben hat, nun, ich will sagen, wie in bourgeoisen Kreisen von irgendeinem Professor über Lessing gesprochen worden ist, und dann in Proletarierkreisen über Lessing gesprochen worden ist auf marxistische Weise. Beide Dinge sind wirklich ganz verschieden voneinander.

[ 17 ] Yes, certainly, what has developed over the course of decades—one can really only assess it properly by, for example, let’s say, having gained knowledge of it; well, I mean, by looking at how some professor in bourgeois circles spoke about Lessing, and then how Lessing was discussed in proletarian circles from a Marxist perspective. The two are really quite different from one another.

[ 18 ] Sehen Sie, die Wirkung dieses Marxismus ist keineswegs aus. Dieser Marxismus enthält nämlich sehr Bedeutsames. Durch diesen Marxismus — der also dadurch entstanden ist, daß ein gut hegelisch gebildeter Deutscher durch die Verhältnisse über Frankreich nach London gekommen ist und dort dasjenige, was in seinem Denken von Hegels Schule her lag, was in seinem Empfinden von Louis Blanc und SaintSimon lag, angewendet hat auf die äußeren, rein materiellen Verhältnisse der modernen Welt —, dadurch hat in der Tat dasjenige, was der modernste Impuls des britischen Staatswesens ist — des Staatswesens, nicht des britischen Volkes, sondern des Staatswesens, des Staatsgefüges, der sozialen Ordnung —, seinen Einzug gehalten in die Welt. Es ist nur der Anfang dieses Einzuges. Die erste Phase dieses Einzuges ist schon der Marxismus. Sie müssen nicht vergessen: Über dem lagert all dasjenige, was im allerbesten Sinne auf manchem Gebiete englische Tradition ist, denn es muß wirklich unterschieden werden zwischen dem, was zum Beispiel englische Tradition ist, und jenem Ungeheuer, welches sich gebildet hat auf Grundlage nicht allein des britischen Volkstumes, sondern der geographischen Verhältnisse der Neuzeit und der ganzen geschichtlichen Verhältnisse, was das Britische Reich ist. Die erste Ausstrahlung ist gewissermaßen der Marxismus. Diese Ausstrahlungen werden weitergehen. Denn aus dem, was jetzt als eine Basis daliegt, werden sich allerlei Zukunftsperspektiven ergeben. Da muß vor allen Dingen heute folgendes in Erwägung gezogen werden.

[ 18 ] You see, the impact of this Marxism is by no means over. For this Marxism contains something very significant. Through this Marxism—which arose, as it were, when a German well-versed in Hegel, having come to London via France due to the circumstances there, applied what lay in his thinking from Hegel’s school and what lay in his sensibilities from Louis Blanc and Saint-Simon to the external, purely material conditions of the modern world— it is indeed through this that what constitutes the most modern impulse of the British state—the state, not the British people, but the state, the state structure, the social order—has made its way into the world. This is only the beginning of this process. The first phase of this process is already Marxism. You must not forget: superimposed upon all this is everything that, in the very best sense, constitutes English tradition in many areas; for a clear distinction must indeed be made between what, for example, is English tradition and that monstrosity—the British Empire—which has formed not only on the basis of British folklore but also on the geographical conditions of the modern era and the entire historical context. The first influence is, so to speak, Marxism. These influences will continue. For all manner of future prospects will arise from what now lies as a foundation. Above all, the following must be taken into consideration today.

[ 19 ] Sehen Sie, dasjenige, was das deutsche Element in der modernen Zivilisation ist, das spielt ja im Grunde genommen eine recht andere Rolle als andere Volkselemente. Schließlich können Sie das an Einzelheiten betrachten. Die Welt hat sich angewöhnt, das Deutsche zu identifizieren mit den Mittelmächten. Nun ja, was haben denn schließlich diese Deutschen als Deutsche mit dem einen oder mit dem andern Reiche zu tun? Was haben die Deutschen Österreichs mit der Hausmonarchie der Habsburger zu tun? Niemals wären die Deutschen Österreichs in Italien die verhaßtesten Menschen, wenn nicht die Deutschen Österreichs genau ebenso behandelt worden wären vom Hause Habsburg wie der geringe Teil der Italiener, die unter dem Hause Habsburg waren. Die Deutschen haben zum mindesten vom Hause Habsburg geradesoviel gelitten, wie irgendwelcher Italiener gelitten hat, nur daß die Deutschen jetzt die Tragik haben, gehaßt zu werden von denjenigen, mit denen sie das gleiche gelitten haben. Und so ist es durch alles hindurch. Ein Verständnis fehlt des ganz und gar unnationalen Wesens der Deutschen, die für Europa der Sauerteig waren, aber niemals irgendein nationales Wesen oder irgend etwas national Aggressiives überhaupt gehabt haben. Das liegt nicht in dem deutschen Grundcharakter, es ist aufgepfropft von verschiedenen Seiten her. Dieses Deutsche hatte nichts Besonderes zu tun, weder mit dem Hause Habsburg, von dem es unterjocht war, noch mit dem anderen Herrscherhause, und es ist kein Grund, das deutsche Wesen damit zu verwechseln. Das aber geschieht in der Welt, und das geschieht, kann man sagen, mit einer gewissen Wonne. Das geschieht auch von Völkern, denen wahrhaftig kein Hindernis entgegenstand, sich als Einheit zu fühlen, vielleicht nur mit Ausnahme einiger Splitter, die ihnen entrissen worden sind. Aber man sollte doch die Hauptsache nicht vergessen: Das, was deutsches Volk ist, war nie eigentlich dazu veranlagt, irgendeine Einheit zu bilden. Es würden die allerbesten Eigenschaften verlorengehen, wenn die Deutschen so leben wollten, daß sie eine abstrakte Einheit, eine Volkseinheit bilden würden. Natürlich, unter dem Einflusse mancher europäischer Impulse haben unorganisch — zum Beispiel bei Goethe nie, aber bei anderen — gewisse Einheitsbestrebungen, wie sie in Italien waren, auch innerhalb des deutschen Volkes gelebt. Sie waren stark vom Jahre 1848 bis in die fünfziger, sechziger Jahre hinein. Aber das ging ja immer parallel vor allen Dingen mit einer Sehnsucht des deutschen Wesens, sich in die Welt hineinzuversenken. Und das ist ja erreicht worden in einer ganz besonderen Ausdehnung. Bedenken Sie doch, daß Sie kaum so verständnisvolle literarische Erzeugnisse von einem Volk zum andern finden werden in der Würdigung der anderen Völker wie innerhalb des deutschen Schrifttums. Es gibt zum Beispiel ein schönes Buch, welches wirklich in intimer Weise gerecht wird den schönsten und bedeutendsten, auch signifikantesten Impulsen, die im französischen Wesen von der Revolution bis zum zweiten Napoleon geltend waren, ein Buch, das heißt: «Die französische Staatsform und der Bonapartismus», ein Buch, das liebevoll eingeht gerade auf die signifikantesten Impulse in der französischen Entwickelung dieses neunzehnten Jahrhunderts. Der Verfasser dieses Buches heißt nämlich Heinrich von Treitschke. Das Buch ist geschrieben in der Zeit von 1865 bis 1871. Es ist eine vollständige Würdigung des Franzosentums und des italienischen Wesens in diesem Buch von Heinrich von Treitschke: «Die französische Staatsform und der Bonapartismus». So allerlei interessante Einzelheiten könnte ich Ihnen da anführen, aus denen Sie allerlei erblicken würden über die Wahrheit, der man nicht geneigt ist, ein Ohr zu leihen in der Welt. Ganz gewiß hat es niemals ein so verständnisvolles Sprechen über englisches und amerikanisches Wesen von einem Fremdvolke her gegeben wie dasjenige, was Herman Grimm entfaltet über die Amerikaner und über die Engländer.

[ 19 ] You see, the role played by the German element in modern civilization is, in essence, quite different from that of other national elements. After all, you can see this in the details. The world has become accustomed to identifying the German element with the Central Powers. Well, what do these Germans, as Germans, actually have to do with one empire or the other? What do the Germans of Austria have to do with the Habsburg monarchy? The Germans of Austria would never be the most hated people in Italy if they hadn’t been treated by the House of Habsburg in exactly the same way as the small proportion of Italians who were under the House of Habsburg. The Germans have suffered at least as much at the hands of the House of Habsburg as any Italian has suffered, except that the Germans now face the tragedy of being hated by those with whom they shared the same suffering. And so it is across the board. There is a lack of understanding of the thoroughly non-national character of the Germans, who were the leaven of Europe but never possessed any national character or anything remotely nationalistic. This is not part of the fundamental German character; it has been grafted onto it from various quarters. This “German” had nothing special to do with either the House of Habsburg, under which it was subjugated, or with the other ruling house, and there is no reason to confuse the German essence with it. Yet this is what happens in the world, and it happens, one might say, with a certain delight. It also happens among peoples who truly faced no obstacle to feeling themselves as a unity—perhaps with the sole exception of a few splinter groups that have been torn from them. But one should not forget the main point: the German people were never actually predisposed to form any kind of unity. The very best qualities would be lost if the Germans were to live in such a way as to form an abstract unity, a national unity. Of course, under the influence of certain European impulses, certain aspirations toward unity—such as those seen in Italy—have existed within the German people in an inorganic way—never in Goethe’s case, for example, but in others. They were strong from 1848 into the 1850s and 1860s. But this always proceeded, above all, in parallel with a longing inherent in the German spirit to immerse itself in the world. And this has indeed been achieved on a very special scale. Just consider that you will hardly find literary works from one people to another that are as insightful in their appreciation of other peoples as those found within German literature. There is, for example, a beautiful book that truly does justice, in an intimate way, to the most beautiful, significant, and meaningful impulses that were at work in the French spirit from the Revolution to the Second Napoleon—a book titled *The French Form of Government and Bonapartism*, a book that lovingly explores precisely the most significant impulses in French development during the nineteenth century. The author of this book is Heinrich von Treitschke. The book was written between 1865 and 1871. It is a comprehensive appreciation of the French spirit and the Italian essence in this book by Heinrich von Treitschke: *The French Form of Government and Bonapartism*. I could cite all sorts of interesting details from it, from which you would gain insight into truths that the world is not inclined to heed. Certainly, there has never been such an insightful discussion of the English and American character by a foreigner as that which Herman Grimm presents regarding the Americans and the English.

[ 20 ] Man darf natürlich nicht vergessen, daß auch alle möglichen anderen Dinge, die nicht aus dem deutschen Volkstum heraus sind, hereingespielt haben. Auf die Albernheit will ich gar nicht eingehen, die Deutschtum verwechselt mit etwas, was so undeutsch ist wie möglich, mit dem Alldeutschtum, wie man es gewohnt worden ist zu nennen. Nun, es ist eben eine Albernheit, deutsches Wesen am Alldeutschtum messen zu wollen. Anders kann man das nicht sagen. Aber wenn doch irgendeinmal Bestrebungen aufgetaucht sind, daß so etwas zustandekommen sollte wie eine deutsche Einheit, was ja ohnedies nicht sehr lange wirksam gewesen wäre — ja, studieren Sie einmal die Geschichte von 1866 bis 1870, was in Frankreich dazumal gesagt worden ist zu der erstrebten deutschen Einheit! Die konnte man nicht vertragen, die wollte man auf keinen Fall haben.

[ 20 ] Of course, one must not forget that all sorts of other factors—ones that do not stem from German folklore—have also played a role. I won’t even go into the absurdity of confusing “German-ness” with something as un-German as possible: “Pan-Germanism,” as it has come to be called. Well, it is simply foolish to try to measure German identity against “Pan-Germanism.” There’s no other way to put it. But if, at any time, efforts did arise to bring about something like German unity—which, in any case, would not have lasted very long—well, just study the history from 1866 to 1870 and see what was said in France at the time about the sought-after German unity! They could not tolerate it; they did not want it under any circumstances.

[ 21 ] Das sind schon Dinge, die die Frage auftauchen lassen: Warum eigentlich wird denn über deutsches Wesen so viel geschimpft? — Und da ist ein Quell von Unwahrhaftigkeit in der Welt, der ganz furchtbar ist, und der der Ausgangspunkt sein wird von wirksamer Unwahrheit. Aber dasjenige, was deutsches Wesen ist und was in einer gewissen Weise unorganisch gegliedert war seit dem Jahre 1871, das wird doch seine Aufgabe in der Welt haben, wenn es auch heute ein Greuel ist für viele Menschen, von der Aufgabe des deutschen Wesens zu sprechen. Es wird doch seine Aufgabe in der Welt haben. Wenn Sie bisher einen verständigen Menschen gefragt haben — ich will zum Beispiel unter diesen verständigen Menschen, die sich besonders klar über die Sache ausgesprochen haben, Heinrich Heine anführen —, da hat man zwei Pole angeführt, von denen aus seit langem zwei ganz verschiedene Grundrichtungen des menschlichen Denkens gegangen sind. Wir werden darauf noch näher einzugehen haben. Ich habe einer Dame, die mich bei meiner letzten Anwesenheit hier im Jahre 1917 gefragt hat, welches die Mission des Judentums in der Welt ist, gesagt dazumal: Das wird schon auch noch kommen, daß ich darüber zu sprechen habe.

[ 21 ] These are the very things that raise the question: Why, in fact, is there so much railing against the German spirit? — And there is a source of untruth in the world that is truly dreadful, and which will be the starting point for effective untruth. But that which constitutes the German essence—and which, in a certain sense, has been disorganized since 1871—will surely have its role to play in the world, even if speaking of the German essence’s role is an abomination to many people today. It will, after all, have its mission in the world. If you have asked any sensible person up to now—I would like to cite Heinrich Heine, for example, among those sensible people who have expressed themselves particularly clearly on the matter—two poles have been identified, from which two entirely different fundamental directions of human thought have long since emerged. We will have to go into this in more detail later. I once told a lady who asked me during my last visit here in 1917 what the mission of Judaism in the world is: “The time will surely come when I will have to speak about that.”

[ 22 ] Heinrich Heine hat angegeben diese zwei Pole, aus denen sich gewissermaßen nährt dasjenige, was an Impulsen von einem gewissen Gesichtspunkte aus in der Menschheit ist: Heinrich Heine hat angegeben das Judentum auf der einen Seite, das Griechentum auf der anderen Seite. Nun, das Judentum hat sich immer als der Großsiegelbewahrer zu erweisen gehabt für die menschliche Fähigkeit der Abstraktion, für die menschliche Fähigkeit, die Denkweise, die Weltanschauung zu vereinheitlichen. Das Griechentum hat immer die Aufgabe, der Welt zu bringen dasjenige, was an Bildhaftigkeit, an imaginativem Elemente lebt. Die Weltanschauung, die Lebensauffassung des modernen Proletariats hat alles zunächst aufgenommen vom Judentum, aber noch nichts vom Griechentum, weil ihm das imaginative Element vollständig fehlt. Das wird es noch erhalten müssen. Im Laufe der künftigen Zeit wird dann das dritte kommen, denn alle Dinge bestehen aus einer Trinität, und zum Judentum und Griechentum wird das Deutschtum treten im Laufe der Zeit — das wird die Trinität sein —, wenn jener Materialismus stark gefressen haben wird an der modernen Welt im Zeitalter der Bewußtseinsseele, der seinen Anfang genommen hat mit jener Phase, die mit dem Marxismus von dem Britischen Reich in die Welt gestrahlt ist.

[ 22 ] Heinrich Heine identified these two poles, from which, in a sense, the impulses that exist within humanity—from a certain point of view—draw their sustenance: Heinrich Heine identified Judaism on the one hand and Hellenism on the other. Now, Judaism has always had to prove itself the guardian of the great seal for the human capacity for abstraction, for the human capacity to unify ways of thinking and worldviews. Greek culture has always had the task of bringing to the world that which lives in imagery and the imaginative element. The worldview and outlook on life of the modern proletariat has, for the time being, absorbed everything from Judaism, but nothing yet from Greek culture, because it completely lacks the imaginative element. It will still have to acquire this. In the course of time to come, the third will then emerge, for all things consist of a trinity, and German culture will join Judaism and Greek culture in the course of time—that will be the trinity—when that materialism has taken a heavy toll on the modern world in the age of the consciousness soul, which began with that phase that was radiated into the world from the British Empire through Marxism.

[ 23 ] Dieser Materialismus, der von dem Britischen Reich und von Amerika aus die Welt überstrahlen wird, der hat ja seine Grundlagen gelegt; vergessen wir nicht, die Grundlagen sind gediegen gelegt. Und solche Dinge kommen doch in Betracht, daß zum Beispiel unmittelbar vor dem Kriege England, dazumal auch noch Rußland — aber das kommt nicht mehr in Betracht —, Frankreich, Belgien und Portugal zusammen 23%« Millionen englische Quadratmeilen an Kolonialbesitz hatten mit 470 Millionen Menschen auf diesem Kolonialbesitz lebend. Deutschland und die Vereinigten Staaten hatten zusammen nur 1 Million englische Quadratmeilen Kolonialbesitz mit 23 Millionen Menschen; es wird jetzt anders werden, nicht wahr, die englischsprechende Bevölkerung ist nun geeinigt. Also: England, Frankreich, Portugal, Belgien, und dann war mit etwas, was wenig in Betracht kommt, Rußland dabei: 23¾ Millionen Quadratmeilen mit 470 Millionen Menschen; dagegen Deutschland und die Vereinigten Staaten dazu — die haben ja jetzt die Welt erlöst — mit 1 Million englischer Quadratmeilen Kolonialbesitz und 23 Millionen Menschen. Der Grund ist gut gelegt. Aus diesem Grunde wird sich die materialistische und immer materialistischere, weil bloß in die wirtschaftlichen Verhältnisse hineingehende Kultur entwickeln, jene Kultur, deren erste Betonung, deren erste Nuance eben dadurch gekommen ist, denn da ist es schon im Ausgangspunkte gelegen. Man vergleiche nur Lassalle mit Karl Marx, Lassalle, der ja nur gewisse Ähnlichkeiten mit Karl Marx hat: den natürlichen Scharfsinn und den Hegelianismus, aber er hat das nicht durchgemacht, nicht das französische und nicht das englische Wesen, wie Karl Marx. Daher ist in ihm eine gewisse dialektische, auch eine gewisse scharfsinnige Auffassung der modernen Arbeiterbewegung, aber nicht das Wirksame, das im marxistischen System lag. Dieses marzistische System ist eben so entstanden, daß die Dialektik des deutschen Wesens sich ihren Inhalt geholt hat aus der materiellen Kultur, aus der materiellen Reinkultur der britischen Sozietät, des britischen Zusammenhanges, nicht des Volkstums, aber des Reichszusammenhanges, des sich bildenden Imperiums.

[ 23 ] This materialism, which will outshine the world from the British Empire and America, has indeed laid its foundations; let us not forget that these foundations are solidly laid. And such factors must be taken into account: for example, immediately before the war, England—and at that time Russia as well, though that is no longer a factor—France, Belgium, and Portugal together held 23% million square miles of colonial territory, with 470 million people living in those colonies. Germany and the United States together had only 1 million square miles of colonial territory with 23 million people; things will be different now, won’t they? The English-speaking population is now united. So: England, France, Portugal, Belgium, and then, to a lesser extent, Russia: 23¾ million square miles with 470 million people; in contrast, Germany and the United States—who have now, after all, “redeemed” the world—had 1 million English square miles of colonial territory and 23 million people. The foundation is well laid. For this reason, a materialistic and increasingly materialistic culture—one concerned solely with economic conditions—will develop; a culture whose primary emphasis, whose primary nuance, has arisen precisely from this, for it is already inherent in the starting point. One need only compare Lassalle with Karl Marx—Lassalle, who, after all, shares only certain similarities with Karl Marx: natural acumen and Hegelianism—but he did not undergo that process, nor did he embody the French or English essence, as Karl Marx did. Hence, he possesses a certain dialectical, and also a certain astute, understanding of the modern labor movement, but lacks the effective power inherent in the Marxist system. This Marxist system arose precisely because the dialectic of the German spirit drew its content from material culture—from the pure material culture of British society, of the British social context, not of the national character, but of the imperial context, of the emerging empire.

[ 24 ] Nun, die Dinge wirken nach. Dasjenige, was geschehen ist, wird ja aus den künftigen Strömungen das französische Volkstum fast ganz ausschalten, das wird nur noch wenig Bedeutung haben. Zu den Besiegten gehört schon auch das französische Volkstum. Das ist ganz gewiß in die Zukunftsperspektive einzubeziehen — und ich werde Ihnen morgen noch genauer darüber sprechen —, daß das französische Volkstum durch die Konstellation der Ereignisse ausgeschaltet ist für die zukünftige Wirkung in der Welt. Die Weltenherrschaft geht eben über auf die englischsprechenden Reiche.

[ 24 ] Well, events have lasting effects. What has happened will almost completely eliminate French national character from future trends; it will have only little significance from now on. French national character is certainly among the defeated. It must most certainly be taken into account when considering the future—and I will speak to you in greater detail about this tomorrow—that, due to the constellation of events, French national character has been sidelined and will have no future influence in the world. World domination is simply passing to the English-speaking empires.

[ 25 ] Aber wenn der erste Pol geschaffen wurde dadurch, daß Karl Marx mit einer gewissen Dialektik, die er sich aus der Hegelschen Schule geholt hat, sich in die materiellen Verhältnisse des Britischen Reiches hineinversetzt hat, so wird die Zukunft noch etwas anderes wirken. Heute kann es selbstverständlich ausgeschrotet werden nach den verschiedensten Richtungen hin, und man kann sagen, das, was ich sage, sei nur die Fortsetzung — nun, ich weiß nicht, was es da alles für Albernheiten in der Welt noch gibt — von deutschen Welteroberungsplänen oder so etwas. Und doch muß gesagt werden, was eine Wahrheit ist, die ebenso perspektivisch feststeht wie andere Wahrheiten: Geradeso, wie der deutsche Hegelianer Marx nach England gegangen ist, nach dem materiellen England gegangen ist, um von dort heraus die erste Phase der materiellen Kultur zu absorbieren, so wird, wenn diese materielle Kultur, die ja eine aufsteigende und eine absteigende Kurve haben wird, die eine gewisse Art von Geistigkeit vernichten wird, — wenn diese materielle Kultur aus dem eigenen englischen Volke die Gegenbewegung herauserzeugt haben wird, wenn diejenigen, von denen ich auch schon gesprochen habe, die sich auflehnen zum Beispiel gegen den furchtbarsten Grundsatz der Nützlichkeitslehre: «Das höchste Gut der Menschen besteht in dem größten Glück der größtmöglichen Anzahl», wogegen heute schon gerade von okkultistischer Seite aus remonstriert wird, Gehör finden, wenn einmal die Dinge so weit sein werden, daß dasjenige, was vom Britischen Reiche als materielle Kultur versengend und das Geistige ausrottend über die Erde als die Weltenherrschaft im Zeitalter der Bewußtseinsseele sich verbreitet, wenn das sich verbreitet haben wird, dann wird aus dem britischen Volke selbst heraus die Opposition erwachsen. Man wird das Bedürfnis haben, zu dem zu kommen, was geblieben ist vom Goetheanismus, der im deutschen Volkstum wurzelt, um von dem heraus den Impuls zu suchen, wie die Welt wiederum gesunden kann. Man wird zu dem dritten Elemente gehen. So wie die Menschen studiert haben, lange nachdem das Judentum gefallen war als politische Macht, die jüdischen Impulse, so wie die ganze moderne Bildung, nachdem die Römer das Griechentum zerstört haben, auf dem Griechentum basiert, so wird die Gesundung der Welt doch einmal basieren auf demjenigen, was geholt wird aus deutschem Goetheanismus. Dazu sollte einmal ein Denkmal errichtet werden. Mag dieses Denkmal selbst dieses oder jenes Schicksal erfahren, der Entschluß ist das Wichtige: daß der Entschluß einmal gefaßt worden ist.

[ 25 ] But if the first pole was created by Karl Marx immersing himself in the material conditions of the British Empire using a certain dialectic he drew from the Hegelian school, the future will bring about something else entirely. Today, of course, this can be twisted in all sorts of directions, and one might say that what I am saying is merely a continuation—well, I don’t know what other kinds of nonsense still exist in the world—of German plans for world conquest or something of the sort. And yet it must be said—and this is a truth as firmly established in perspective as other truths: just as the German Hegelian Marx went to England—to material England—in order to absorb the first phase of material culture from there, so too, when this material culture—which will, of course, follow an ascending and a descending curve and will destroy a certain kind of spirituality— — when this material culture has given rise to a counter-movement from within the English people themselves, when those of whom I have already spoken—who rebel, for example, against the most dreadful principle of utilitarianism: “The greatest good of mankind consists in the greatest happiness of the greatest number,” a principle against which protests are already being raised today, particularly from occultist quarters— will be heard; once things have reached the point where that which spreads from the British Empire as a material culture—scorching the earth and eradicating the spiritual—as world domination in the age of the soul of consciousness, once this has spread, then opposition will arise from within the British people themselves. People will feel the need to turn to what remains of Goetheanism, which is rooted in German folklore, in order to seek from it the impulse for how the world can be restored to health. People will turn to the third element. Just as people studied Jewish impulses long after Judaism had fallen as a political power, and just as all of modern education, after the Romans destroyed Greek civilization, is based on Greek civilization, so too will the world’s healing one day be based on what is drawn from German Goetheanism. A monument should one day be erected to this end. Whatever fate this monument may itself meet, what matters is the decision: that the decision has once been made.