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The Fundamental Social Demand of Our Time
In a Different Context
GA 186

15 December 1918, Dornach

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Zehnter Vortrag

Zehnter Vortrag

[ 1 ] Ich habe gestern einen Teil unserer Betrachtungen angeknüpft an einen Aufsatz von Berdjajew, der, wie Sie gesehen haben, von einem Vorurteile ausgeht, von dem unbedingten Glauben an die moderne Wissenschaft; der andererseits die merkwürdige Tatsache registriert — die nur zu begreifen ist aus dem Gegensatz von Verstandeslogik, die auch die naturwissenschaftliche Logik ist, und der Tatsachenlogik —, daß der Bolschewismus Avenarius, Mach und ähnliche Philosophen des Positivismus gewissermaßen zu seinen Amtsphilosophen gemacht hat. Es ist vielleicht notwendig, daß ich Ihnen ausdrücklich betone, daß der Aufsatz, von dem ich Ihnen gesprochen habe, schon 1908 geschrieben ist, und es ist sehr merkwürdig — und nur zu begreifen aus unseren geisteswissenschaftlichen Untergründen heraus —, daß ein am meisten mit der Gegenwart übereinstimmendes Urteil, ganz gleichgültig wie man sonst sich zu den Dingen stellen mag, daß, richtiger gesagt, ein für die Gegenwart noch anwendbares Urteil bei diesem russischen Schriftsteller vorhanden ist. Es ist für Sie vielleicht auch wichtig, zu hören, daß eben Mach und Avenarius schon als Bolschewisten-Philosophen gewissermaßen zu einer Zeit galten, wo vielleichtich will niemandem im entferntesten nahetreten —, aber «vielleicht » ein großer Teil selbst von Ihnen noch nicht gewußt hat, was der Bolschewismus eigentlich ist. Denn ein großer Teil der west- und mitteleuropäischen Menschheit weiß überhaupt vom Bolschewismus erst seit recht kurzer Zeit, während er als solcher eine alte Erscheinung ist.

[ 1 ] Ich habe gestern einen Teil unserer Betrachtungen angeknüpft an einen Aufsatz von Berdjajew, der, wie Sie gesehen haben, von einem Vorurteile ausgeht, von dem unbedingten Glauben an die moderne Wissenschaft; der andererseits die merkwürdige Tatsache registriert — die nur zu begreifen ist aus dem Gegensatz von Verstandeslogik, die auch die naturwissenschaftliche Logik ist, und der Tatsachenlogik —, daß der Bolschewismus Avenarius, Mach und ähnliche Philosophen des Positivismus gewissermaßen zu seinen Amtsphilosophen gemacht hat. Es ist vielleicht notwendig, daß ich Ihnen ausdrücklich betone, daß der Aufsatz, von dem ich Ihnen gesprochen habe, schon 1908 geschrieben ist, und es ist sehr merkwürdig — und nur zu begreifen aus unseren geisteswissenschaftlichen Untergründen heraus —, daß ein am meisten mit der Gegenwart übereinstimmendes Urteil, ganz gleichgültig wie man sonst sich zu den Dingen stellen mag, daß, richtiger gesagt, ein für die Gegenwart noch anwendbares Urteil bei diesem russischen Schriftsteller vorhanden ist. Es ist für Sie vielleicht auch wichtig, zu hören, daß eben Mach und Avenarius schon als Bolschewisten-Philosophen gewissermaßen zu einer Zeit galten, wo vielleichtich will niemandem im entferntesten nahetreten —, aber «vielleicht » ein großer Teil selbst von Ihnen noch nicht gewußt hat, was der Bolschewismus eigentlich ist. Denn ein großer Teil der west- und mitteleuropäischen Menschheit weiß überhaupt vom Bolschewismus erst seit recht kurzer Zeit, während er als solcher eine alte Erscheinung ist.

[ 2 ] Nun möchte ich einiges noch anknüpfen an die Betrachtungen, die wir jetzt im Laufe der Zeit gepflogen haben. Sie haben gesehen, daß es mir darauf ankam, Ihnen zu zeigen, wie geisteswissenschaftlich betrachtet die sozialen Impulse der Gegenwart zu beurteilen sind. Und wir mußten großen Wert darauf legen — nicht so, wie man das heute gemeiniglich aus der Abstraktion heraus tut —, daß man sich nicht lediglich dem Glauben hingebe, als ob man gleichmäßig über die ganze Welt hin über die sozialen Impulse denken könne. Gerade das wird alles Denken und Urteilen über die soziale Frage trüben und in die Irre führen, wenn man nicht Rücksicht darauf nimmt, daß über den zivilisierten Erdkreis hin die Menschengemeinschaften differenziert sind, so daß man also vermeiden muß den Fehler, in den man verfällt, wenn man sagt: In bezug auf die soziale Frage gilt das oder jenes, da muß die menschliche Gesellschaft so oder so geordnet werden. — Man muß die Frage vielmehr aufwerfen: Wie sind die Kräfte bei der Ostmenschheit, wie sind die Kräfte bei der Westmenschheit und wie bei der Menschheit, die in der Mitte drinnen ist, die zu den sozialen Forderungen führen. Und wir haben ja vom äußerlichen symptomatischen und auch vom inneren okkulten Standpunkt aus in der mannigfaltigsten Weise charakterisiert, wie diese Differenzierung zwischen der Westmenschheit, der Mittelmenschheit und der Ostmenschheit, zu welch letzterer wir namentlich auch den europäischen Osten, Rußland, rechnen, wie diese Differenzierung zu denken ist. Ohne die Kenntnis dieser Differenzierung ist überhaupt ein fruchtbares Vorstellen über die soziale Frage nicht möglich.

[ 2 ] Nun möchte ich einiges noch anknüpfen an die Betrachtungen, die wir jetzt im Laufe der Zeit gepflogen haben. Sie haben gesehen, daß es mir darauf ankam, Ihnen zu zeigen, wie geisteswissenschaftlich betrachtet die sozialen Impulse der Gegenwart zu beurteilen sind. Und wir mußten großen Wert darauf legen — nicht so, wie man das heute gemeiniglich aus der Abstraktion heraus tut —, daß man sich nicht lediglich dem Glauben hingebe, als ob man gleichmäßig über die ganze Welt hin über die sozialen Impulse denken könne. Gerade das wird alles Denken und Urteilen über die soziale Frage trüben und in die Irre führen, wenn man nicht Rücksicht darauf nimmt, daß über den zivilisierten Erdkreis hin die Menschengemeinschaften differenziert sind, so daß man also vermeiden muß den Fehler, in den man verfällt, wenn man sagt: In bezug auf die soziale Frage gilt das oder jenes, da muß die menschliche Gesellschaft so oder so geordnet werden. — Man muß die Frage vielmehr aufwerfen: Wie sind die Kräfte bei der Ostmenschheit, wie sind die Kräfte bei der Westmenschheit und wie bei der Menschheit, die in der Mitte drinnen ist, die zu den sozialen Forderungen führen. Und wir haben ja vom äußerlichen symptomatischen und auch vom inneren okkulten Standpunkt aus in der mannigfaltigsten Weise charakterisiert, wie diese Differenzierung zwischen der Westmenschheit, der Mittelmenschheit und der Ostmenschheit, zu welch letzterer wir namentlich auch den europäischen Osten, Rußland, rechnen, wie diese Differenzierung zu denken ist. Ohne die Kenntnis dieser Differenzierung ist überhaupt ein fruchtbares Vorstellen über die soziale Frage nicht möglich.

[ 3 ] Nun fragen wir uns heute einmal: Welches ist denn — wir haben das ja schon öfter berührt, wir wollen heute einzelnes herausstellen — die Grund-Seelen-Eigenschaft gerade in dem Zeitalter, das im fünfzehnten Jahrhundert begonnen hat, und das, wie ich Ihnen gesagt habe, bis ins dritte Jahrtausend hinein währen wird, welches ist die Grundeigenschaft, die die menschliche Seele zur Entwickelung bringt? Diese Grundeigenschaft, die sich jetzt noch kaum in ihrer wahren Gestalt gezeigt hat, die jetzt in ihren Anfängen ist und sich immer weiter entwickeln wird, das ist die menschliche Intelligenz, die Intelligenz als Seeleneigenschaft. So daß der Mensch im Laufe dieses Zeitraums immer mehr und mehr berufen werden soll, aus dieser seiner Intelligenz heraus über alle Dinge, namentlich auch über die sozialen, wissenschaftlichen und religiösen Dinge zu urteilen, denn sie erschöpfen ja eigentlich den Umkreis des menschlichen Lebens: die religiösen, die wissenschaftlichen, die sozialen Impulse.

[ 3 ] Nun fragen wir uns heute einmal: Welches ist denn — wir haben das ja schon öfter berührt, wir wollen heute einzelnes herausstellen — die Grund-Seelen-Eigenschaft gerade in dem Zeitalter, das im fünfzehnten Jahrhundert begonnen hat, und das, wie ich Ihnen gesagt habe, bis ins dritte Jahrtausend hinein währen wird, welches ist die Grundeigenschaft, die die menschliche Seele zur Entwickelung bringt? Diese Grundeigenschaft, die sich jetzt noch kaum in ihrer wahren Gestalt gezeigt hat, die jetzt in ihren Anfängen ist und sich immer weiter entwickeln wird, das ist die menschliche Intelligenz, die Intelligenz als Seeleneigenschaft. So daß der Mensch im Laufe dieses Zeitraums immer mehr und mehr berufen werden soll, aus dieser seiner Intelligenz heraus über alle Dinge, namentlich auch über die sozialen, wissenschaftlichen und religiösen Dinge zu urteilen, denn sie erschöpfen ja eigentlich den Umkreis des menschlichen Lebens: die religiösen, die wissenschaftlichen, die sozialen Impulse.

[ 4 ] Nun, vielleicht wird Ihnen diese Vorstellung des intelligenten Wesens, des menschlichen Wesens, die hier notwendig erweckt werden muß, leichter werden, wenn Sie sich klarmachen, daß man für den vierten nachatlantischen Zeitraum nicht in dem Sinne wie heute sprechen kann, daß der Mensch sich als Persönlichkeit ganz auf den Boden nur der Intelligenz stellen wollte. Ich habe das besonders in meinem Buch «Die Rätsel der Philosophie » mit Bezug auf das philosophische Nachdenken scharf hervorgehoben. In dem vierten nachatlantischen Zeitraum, der im fünfzehnten nachchristlichen Jahrhundert endete, war es nicht notwendig, daß die Menschen sich persönlich der Intelligenz bedienten. Mit den Wahrnehmungen der Umgebung, mit dem übrigen Lebenszusammenhang mit der Welt flossen auch, so wie die Farbe und die Töne durch die Wahrnehmung in den Menschen hereinkommen, die Begriffe, die Ideen, also das Intellektuelle, in den Menschen herein. Der Inhalt des Intellektuellen war zum Beispiel für die Griechen, war auch für die Römer Wahrnehmung.

[ 4 ] Nun, vielleicht wird Ihnen diese Vorstellung des intelligenten Wesens, des menschlichen Wesens, die hier notwendig erweckt werden muß, leichter werden, wenn Sie sich klarmachen, daß man für den vierten nachatlantischen Zeitraum nicht in dem Sinne wie heute sprechen kann, daß der Mensch sich als Persönlichkeit ganz auf den Boden nur der Intelligenz stellen wollte. Ich habe das besonders in meinem Buch «Die Rätsel der Philosophie » mit Bezug auf das philosophische Nachdenken scharf hervorgehoben. In dem vierten nachatlantischen Zeitraum, der im fünfzehnten nachchristlichen Jahrhundert endete, war es nicht notwendig, daß die Menschen sich persönlich der Intelligenz bedienten. Mit den Wahrnehmungen der Umgebung, mit dem übrigen Lebenszusammenhang mit der Welt flossen auch, so wie die Farbe und die Töne durch die Wahrnehmung in den Menschen hereinkommen, die Begriffe, die Ideen, also das Intellektuelle, in den Menschen herein. Der Inhalt des Intellektuellen war zum Beispiel für die Griechen, war auch für die Römer Wahrnehmung.

[ 5 ] Für den Menschen seit dem fünfzehnten Jahrhundert kann das Intellektuelle nicht mehr Ergebnis der Wahrnehmung sein. Aus der Wahrnehmungswelt bleibt das Wahrnehmen der Begriffe weg. Der Mensch nimmt nicht mehr die Begriffe, die Ideen mit den Wahrnehmungen zugleich auf. Es ist nur ein Irrtum, wenn man meint, daß dieser große Umschwung um die Wende des fünfzehnten Jahrhunderts nicht eingetreten sei. Dieser Irrtum, der darauf beruht, nicht unterscheiden zu können, den sahen ja manche Menschen schon im äußeren Leben. Für den Europäer zum Beispiel stellt sich sehr leicht heraus, daß er alle Japaner, trotzdem sie ebenso unterschieden sind wie die Europäer, für absolut gleich ansieht. Er unterscheidet eben nicht. So unterscheidet die heutige Wissenschaft nicht zwischen den einzelnen Zeiträumen, glaubt, alles sei gleich. Aber das ist eben nicht der Fall; sondern es ist so, dal ein gewaltiger Umschwung stattgefunden hat, gerade um die Wende des fünfzehnten Jahrhunderts, wo die Menschen aufgehört haben, mit den Wahrnehmungen zugleich die Begriffe wahrzunehmen, wo sie angefangen haben, sich auch die Begriffe erarbeiten zu müssen. Der gegenwärtige Mensch muß sich aus seiner Persönlichkeit heraus die Begriffe erarbeiten. Das ist im Anfange, aber das wird immer weiter und weiter sich ausbilden. Und gerade mit Bezug auf diese Ausbildung der Intelligenz sind die Westmenschen, Mittelmenschen und Ostmenschen im höchsten Grade verschieden. Und da die heutigen theoretischen Forderungen des Proletariats, wie es ja natürlich ist im fünften nachatlantischen Zeitraum, im Zeitraum der Bewußtseinsseele, eben als intelligente Forderungen erhoben werden, so ist es wichtig, das Verhältnis des intelligenten Wesens der menschlichen Seele, wie es sich differenziert über die Erde hin, auch mit Bezug auf die sozialen Impulse ins Auge zu fassen.

[ 5 ] Für den Menschen seit dem fünfzehnten Jahrhundert kann das Intellektuelle nicht mehr Ergebnis der Wahrnehmung sein. Aus der Wahrnehmungswelt bleibt das Wahrnehmen der Begriffe weg. Der Mensch nimmt nicht mehr die Begriffe, die Ideen mit den Wahrnehmungen zugleich auf. Es ist nur ein Irrtum, wenn man meint, daß dieser große Umschwung um die Wende des fünfzehnten Jahrhunderts nicht eingetreten sei. Dieser Irrtum, der darauf beruht, nicht unterscheiden zu können, den sahen ja manche Menschen schon im äußeren Leben. Für den Europäer zum Beispiel stellt sich sehr leicht heraus, daß er alle Japaner, trotzdem sie ebenso unterschieden sind wie die Europäer, für absolut gleich ansieht. Er unterscheidet eben nicht. So unterscheidet die heutige Wissenschaft nicht zwischen den einzelnen Zeiträumen, glaubt, alles sei gleich. Aber das ist eben nicht der Fall; sondern es ist so, dal ein gewaltiger Umschwung stattgefunden hat, gerade um die Wende des fünfzehnten Jahrhunderts, wo die Menschen aufgehört haben, mit den Wahrnehmungen zugleich die Begriffe wahrzunehmen, wo sie angefangen haben, sich auch die Begriffe erarbeiten zu müssen. Der gegenwärtige Mensch muß sich aus seiner Persönlichkeit heraus die Begriffe erarbeiten. Das ist im Anfange, aber das wird immer weiter und weiter sich ausbilden. Und gerade mit Bezug auf diese Ausbildung der Intelligenz sind die Westmenschen, Mittelmenschen und Ostmenschen im höchsten Grade verschieden. Und da die heutigen theoretischen Forderungen des Proletariats, wie es ja natürlich ist im fünften nachatlantischen Zeitraum, im Zeitraum der Bewußtseinsseele, eben als intelligente Forderungen erhoben werden, so ist es wichtig, das Verhältnis des intelligenten Wesens der menschlichen Seele, wie es sich differenziert über die Erde hin, auch mit Bezug auf die sozialen Impulse ins Auge zu fassen.

[ 6 ] Sehen Sie, man unterschätzt die Bedeutung dieser Dinge aus dem Grunde, weil sie auch heute noch so vielfach nur im Unterbewußten wirken. Der Mensch mag nicht gerne unterscheiden mit seinem bequemen Denken im vollen Bewußtsein. Aber jeder Mensch hat ja einen innerlichen Menschen in sich, der nur bis zu einem gewissen Grade heraufleuchtet in das Bewußtsein. Der unterscheidet sehr scharf, der macht zum Beispiel einen scharfen Unterschied zwischen Westmenschen, Mittelmenschen und Ostmenschen, je nach dem Gesichtspunkte, ob der Mensch selber ein Westmensch, Mittelmensch oder Ostmensch ist. Nicht die einzelne Individualität ist dabei gemeint, sondern dasjenige im Menschen, was dem Volkstum angehört. Diesen Unterschied bitte ich Sie immer zu machen. Es hebt sich natürlich der einzelne aus dem Volkstum heraus. Gewiß, es gibt Menschen, in denen das Volkstum heute kaum wirkt, es sind solche, die sich systematisch bemühen, Menschen zu sein, ohne das Volkstümliche in sich wirken zu lassen; aber insofern das Volkstümliche wirkt, drückt es sich so aus, wie wir es verschiedentlich schon charakterisiert haben und wie wir es jetzt von gewissen Gesichtspunkten noch einmal mit Bezug auf die soziale Frage ins Auge fassen wollen.

[ 6 ] Sehen Sie, man unterschätzt die Bedeutung dieser Dinge aus dem Grunde, weil sie auch heute noch so vielfach nur im Unterbewußten wirken. Der Mensch mag nicht gerne unterscheiden mit seinem bequemen Denken im vollen Bewußtsein. Aber jeder Mensch hat ja einen innerlichen Menschen in sich, der nur bis zu einem gewissen Grade heraufleuchtet in das Bewußtsein. Der unterscheidet sehr scharf, der macht zum Beispiel einen scharfen Unterschied zwischen Westmenschen, Mittelmenschen und Ostmenschen, je nach dem Gesichtspunkte, ob der Mensch selber ein Westmensch, Mittelmensch oder Ostmensch ist. Nicht die einzelne Individualität ist dabei gemeint, sondern dasjenige im Menschen, was dem Volkstum angehört. Diesen Unterschied bitte ich Sie immer zu machen. Es hebt sich natürlich der einzelne aus dem Volkstum heraus. Gewiß, es gibt Menschen, in denen das Volkstum heute kaum wirkt, es sind solche, die sich systematisch bemühen, Menschen zu sein, ohne das Volkstümliche in sich wirken zu lassen; aber insofern das Volkstümliche wirkt, drückt es sich so aus, wie wir es verschiedentlich schon charakterisiert haben und wie wir es jetzt von gewissen Gesichtspunkten noch einmal mit Bezug auf die soziale Frage ins Auge fassen wollen.

[ 7 ] Wenn nämlich so etwas wie die soziale Frage eben auftaucht, auch wenn sonst etwas auftaucht, was von der Gemeinsamkeit, nicht von dem einzelnen Menschen abhängt, dann kommt immer das Volkstümliche schon in Betracht. Und es mag noch so sehr der Angehörige der britischen Nation oder der Angehörige des deutschen Volkes oder der Bewohner der russischen Erde — ich unterscheide ganz absichtlich in dieser Weise —, es mögen diese drei als Menschen meinetwillen ganz gleich urteilen, die englische, die deutsche, die russische Politik oder die soziale Strukturgestaltung, die können nicht gleich sein, die müssen differenziert sein, weil dabei das Gemeinsame in Betracht kommt. Also nicht so sehr das individuelle Verhältnis von Mensch zu Mensch ist es, was wir hier in Frage stellen, sondern dasjenige, was von Volk zu Volk wirkt und als Volkstum von einem andern Volkstum sich unterscheidet. Ich muß das immer scharf betonen, weil zum Teil gutwillig, zum Teil böswillig diese Dinge immer wieder und wieder mißverstanden werden.

[ 7 ] Wenn nämlich so etwas wie die soziale Frage eben auftaucht, auch wenn sonst etwas auftaucht, was von der Gemeinsamkeit, nicht von dem einzelnen Menschen abhängt, dann kommt immer das Volkstümliche schon in Betracht. Und es mag noch so sehr der Angehörige der britischen Nation oder der Angehörige des deutschen Volkes oder der Bewohner der russischen Erde — ich unterscheide ganz absichtlich in dieser Weise —, es mögen diese drei als Menschen meinetwillen ganz gleich urteilen, die englische, die deutsche, die russische Politik oder die soziale Strukturgestaltung, die können nicht gleich sein, die müssen differenziert sein, weil dabei das Gemeinsame in Betracht kommt. Also nicht so sehr das individuelle Verhältnis von Mensch zu Mensch ist es, was wir hier in Frage stellen, sondern dasjenige, was von Volk zu Volk wirkt und als Volkstum von einem andern Volkstum sich unterscheidet. Ich muß das immer scharf betonen, weil zum Teil gutwillig, zum Teil böswillig diese Dinge immer wieder und wieder mißverstanden werden.

[ 8 ] Nehmen Sie zum Beispiel eines. Ich bitte, diese Dinge ganz «sine ira» aufzufassen, sie sind ja auch nicht als Kritik gemeint, sondern nur als Tatsachenangabe; ich bitte also, diese Dinge ganz ohne Sympathie und Antipathie aufzunehmen. Nehmen wir einen mitteleuropäischen Menschen, der sich ansieht das Leben des englisch sprechenden Volkstums auf der einen Seite, das Leben des russisch sprechenden Volkstums auf der andern Seite, wie sich diese ausleben in den Vorstellungsarten des Volkstums, also wieder nicht des einzelnen Menschen, sondern des Volkstums. Der Angehörige des mitteleuropäischen Volkstums wird vielleicht bewußt allerlei urteilen. Man redet natürlich heute nach der öffentlichen Meinung, was immer eine private Faulheit ist, dies oder jenes. Das mag sein, aber der innerliche Mensch, ich meine jetzt den innerlichen mitteleuropäischen, der wird, wenn er urteilt — was et sich gar nicht zum Bewußtsein zu bringen braucht —, wenn er nach Westen hinübersieht zu der englisch sprechenden Bevölkerung, wenn er das Volkstum ins Auge faßt in der Art, wie es sich politisch, sozial äußert, er wird das Urteil fällen: das ist Philistrosität. Und wenn er nach Rußland hinübersieht, wird er das Urteil fällen: das ist Boheme. Das ist natürlich etwas radikal ausgesprochen, aber so ist es. Gewiß, er selbst wird von links und rechts hören: Du magst uns Philister nennen, du magst uns Boheme nennen, aber du bist ein Pedant! Das mag sein, gewiß, das ist wiederum von dem andern Gesichtspunkte aus beurteilt. Aber diese Dinge sind mehr Realität, als man denkt, und diese Realitäten müssen aus den Untergründen des menschlichen Werdens herausgeholt werden.

[ 8 ] Nehmen Sie zum Beispiel eines. Ich bitte, diese Dinge ganz «sine ira» aufzufassen, sie sind ja auch nicht als Kritik gemeint, sondern nur als Tatsachenangabe; ich bitte also, diese Dinge ganz ohne Sympathie und Antipathie aufzunehmen. Nehmen wir einen mitteleuropäischen Menschen, der sich ansieht das Leben des englisch sprechenden Volkstums auf der einen Seite, das Leben des russisch sprechenden Volkstums auf der andern Seite, wie sich diese ausleben in den Vorstellungsarten des Volkstums, also wieder nicht des einzelnen Menschen, sondern des Volkstums. Der Angehörige des mitteleuropäischen Volkstums wird vielleicht bewußt allerlei urteilen. Man redet natürlich heute nach der öffentlichen Meinung, was immer eine private Faulheit ist, dies oder jenes. Das mag sein, aber der innerliche Mensch, ich meine jetzt den innerlichen mitteleuropäischen, der wird, wenn er urteilt — was et sich gar nicht zum Bewußtsein zu bringen braucht —, wenn er nach Westen hinübersieht zu der englisch sprechenden Bevölkerung, wenn er das Volkstum ins Auge faßt in der Art, wie es sich politisch, sozial äußert, er wird das Urteil fällen: das ist Philistrosität. Und wenn er nach Rußland hinübersieht, wird er das Urteil fällen: das ist Boheme. Das ist natürlich etwas radikal ausgesprochen, aber so ist es. Gewiß, er selbst wird von links und rechts hören: Du magst uns Philister nennen, du magst uns Boheme nennen, aber du bist ein Pedant! Das mag sein, gewiß, das ist wiederum von dem andern Gesichtspunkte aus beurteilt. Aber diese Dinge sind mehr Realität, als man denkt, und diese Realitäten müssen aus den Untergründen des menschlichen Werdens herausgeholt werden.

[ 9 ] Nun tritt das Eigentümliche ein, daß innerhalb der englisch sprechenden Bevölkerung die Intelligenz instinktiv ist. Sie wirkt instinktiv, es ist ein neuer Instinkt, der da heraufgekommen ist in der Menschheitsentwickelung, der Instinkt, intelligent zu denken. Dasjenige, was die Bewußtseinsseele gerade erziehen soll, die Intelligenz, das wird von der englisch sprechenden Bevölkerung instinktiv geübt. Das englische Volkstum ist für instinktives Üben der Intelligenz veranlagt.

[ 9 ] Nun tritt das Eigentümliche ein, daß innerhalb der englisch sprechenden Bevölkerung die Intelligenz instinktiv ist. Sie wirkt instinktiv, es ist ein neuer Instinkt, der da heraufgekommen ist in der Menschheitsentwickelung, der Instinkt, intelligent zu denken. Dasjenige, was die Bewußtseinsseele gerade erziehen soll, die Intelligenz, das wird von der englisch sprechenden Bevölkerung instinktiv geübt. Das englische Volkstum ist für instinktives Üben der Intelligenz veranlagt.

[ 10 ] Die russische Bevölkerung, die unterscheidet sich von der englisch sprechenden wie der Nordpol vom Südpol, oder — ich könnte sogar sagen — wie der Nordpol vom Äquator mit Bezug auf diesen Impuls des intelligenten Wesens. In Mitteleuropa — ich habe das auch schon angedeutet —, da hat man die Intelligenz nicht instinktiv, sondern man muß zu ihr erzogen werden; sie wird anerzogen. Das ist der große, gewaltige Unterschied. In England, in Amerika ist die Intelligenz instinktiv. Da hat sie alle Eigenschaften eines Instinktes. In Mitteleuropa wird einem von Intelligenz nichts angeboren, sondern sie muß anerzogen werden, sie muß im Werden des Menschen ergriffen werden. In Rußland — ich möchte mich da auf verschiedene literarische Kundgebungen stützen, damit Sie nicht glauben, ich konstruierte diese Dinge — ist die Sache so, daß man sozusagen darüber streitet, was die Intelligenz eigentlich ist. Nach den Angaben, welche einsichtige Russen machen, ist das etwas ganz anderes, was man dort Intelligenz nennt, als was man auch nur in Mitteleuropa, geschweige denn in England Intelligenz nennt. In Rußland ist nicht derjenige ein intelligenter Mensch, der dies oder jenes gelernt hat. Wen zählen wir hier zu den Intellektuellen? Diejenigen, die dies oder jenes gelernt haben, dies oder jenes sich angeeignet haben, sich dadurch geschult haben im Denken. Wie gesagt, in Westeuropa und Amerika ist das sogar angeboren. Aber wir werden uns doch nicht erlauben, einen Kaufmann oder einen Staatsbeamten oder einen Vertreter irgendeines liberalen Berufes nicht zur Intelligenz zu rechnen. Das tut aber der Russe. Der rechnet nicht ohne weiteres einen Kaufmann oder Staatsbeamten oder den Vertreter irgendeines liberalen Berufes zu den intelligenten Menschen, sondern ein intelligenter Mensch, der soll bei dem Russen ein Mensch sein, der aufgeweckt ist, der zu einem gewissen Selbstbewußtsein gekommen ist. Der Staatsbeamte, der viel gelernt hat, der auch über viele Dinge ein Urteil hat, der braucht kein aufgeweckter Mensch zu sein. Der Arbeiter, der nachdenkt über seinen Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Ordnung, der erweckt ist in bezug auf sein Nachdenken über sein Verhältnis zur Sozietät, der ist ein Intelligenter. Und es ist sehr bezeichnend, daß man ja sogar genötigt ist, das Wort Intelligenz in einem ganz anderen Sinne anzuwenden. Denn, sehen Sie, während im Westen die Intelligenz instinktiv ist, angeboren wird, in der Mitte anerzogen wird, oder wenigstens entwickelt wird, wird sie eigentlich im Osten wie etwas behandelt, was ganz gewiß nicht angeboren ist, nicht anerzogen, nicht entwickelt werden kann ohne weiteres, sondern was aus gewissen Tiefen der Seele heraus erweckt wird. Man wacht auf zur Intelligenz. Das bemerken ganz besonders manche Mitglieder der sogenannten Kadettenpartei, die da finden, daß dieses Glauben an das Aufgewecktwerden gerade der Grund ist, warum ein gewisser Hochmut, eine gewisse Selbstüberschätzung, trotz aller sonstigen demütigen Eigenschaften, bei der Intelligenz Rußlands beobachtet werden kann.

[ 10 ] Die russische Bevölkerung, die unterscheidet sich von der englisch sprechenden wie der Nordpol vom Südpol, oder — ich könnte sogar sagen — wie der Nordpol vom Äquator mit Bezug auf diesen Impuls des intelligenten Wesens. In Mitteleuropa — ich habe das auch schon angedeutet —, da hat man die Intelligenz nicht instinktiv, sondern man muß zu ihr erzogen werden; sie wird anerzogen. Das ist der große, gewaltige Unterschied. In England, in Amerika ist die Intelligenz instinktiv. Da hat sie alle Eigenschaften eines Instinktes. In Mitteleuropa wird einem von Intelligenz nichts angeboren, sondern sie muß anerzogen werden, sie muß im Werden des Menschen ergriffen werden. In Rußland — ich möchte mich da auf verschiedene literarische Kundgebungen stützen, damit Sie nicht glauben, ich konstruierte diese Dinge — ist die Sache so, daß man sozusagen darüber streitet, was die Intelligenz eigentlich ist. Nach den Angaben, welche einsichtige Russen machen, ist das etwas ganz anderes, was man dort Intelligenz nennt, als was man auch nur in Mitteleuropa, geschweige denn in England Intelligenz nennt. In Rußland ist nicht derjenige ein intelligenter Mensch, der dies oder jenes gelernt hat. Wen zählen wir hier zu den Intellektuellen? Diejenigen, die dies oder jenes gelernt haben, dies oder jenes sich angeeignet haben, sich dadurch geschult haben im Denken. Wie gesagt, in Westeuropa und Amerika ist das sogar angeboren. Aber wir werden uns doch nicht erlauben, einen Kaufmann oder einen Staatsbeamten oder einen Vertreter irgendeines liberalen Berufes nicht zur Intelligenz zu rechnen. Das tut aber der Russe. Der rechnet nicht ohne weiteres einen Kaufmann oder Staatsbeamten oder den Vertreter irgendeines liberalen Berufes zu den intelligenten Menschen, sondern ein intelligenter Mensch, der soll bei dem Russen ein Mensch sein, der aufgeweckt ist, der zu einem gewissen Selbstbewußtsein gekommen ist. Der Staatsbeamte, der viel gelernt hat, der auch über viele Dinge ein Urteil hat, der braucht kein aufgeweckter Mensch zu sein. Der Arbeiter, der nachdenkt über seinen Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Ordnung, der erweckt ist in bezug auf sein Nachdenken über sein Verhältnis zur Sozietät, der ist ein Intelligenter. Und es ist sehr bezeichnend, daß man ja sogar genötigt ist, das Wort Intelligenz in einem ganz anderen Sinne anzuwenden. Denn, sehen Sie, während im Westen die Intelligenz instinktiv ist, angeboren wird, in der Mitte anerzogen wird, oder wenigstens entwickelt wird, wird sie eigentlich im Osten wie etwas behandelt, was ganz gewiß nicht angeboren ist, nicht anerzogen, nicht entwickelt werden kann ohne weiteres, sondern was aus gewissen Tiefen der Seele heraus erweckt wird. Man wacht auf zur Intelligenz. Das bemerken ganz besonders manche Mitglieder der sogenannten Kadettenpartei, die da finden, daß dieses Glauben an das Aufgewecktwerden gerade der Grund ist, warum ein gewisser Hochmut, eine gewisse Selbstüberschätzung, trotz aller sonstigen demütigen Eigenschaften, bei der Intelligenz Rußlands beobachtet werden kann.

[ 11 ] Diese Intelligenz in Rußland hat eine ganz besondere Stellung in der Menschheitsentwickelung. Wenn Sie sich nicht täuschen lassen, wenn Sie sich nicht Illusionen hingeben über die äußeren Symptome, sondern auf das Innere gehen, dann können Sie über diese russische Intelligenz, wenn sie Ihnen heute auch nach Ihren west- oder mitteleuropäischen Begriffen bei dem oder jenem Russen sehr gering erscheint, und wenn Sie sich nicht durch Symptome beeinflussen lassen, sondern auf die Gründe gehen, dann können Sie sich sagen: Sie wird bewahrt vor allem Instinktiven. Sie soll sich ja — das meint der Russe — nicht anfressen lassen von irgendeinem menschlichen Instinkt, man soll auch nicht glauben, daß mit dem, was man anerzieht als Intelligenz, schon irgend etwas Besonderes erreicht wird. Der Russe will natürlich unbewußt — die Intelligenz bewahren, bis der sechste nachatlantische Zeitraum, sein Zeitraum, kommt, damit er dann durch diese Intelligenz nicht hinuntergreift in die Instinkte, sondern die Intelligenz hinaufträgt dahin, wo das Geistselbst blühen wird. Während die englisch sprechende Bevölkerung die Intelligenz heruntersinken läßt in die Instinkte, will der Russe sie gerade davor bewahren. Er will diese Intelligenz ja nicht in die Instinkte hinunterlassen, er will sie pflegen, mag sie heute noch so gering sein, damit sie bewahrt bleibe für das kommende Zeitalter, wo das Geistselbst, das rein Spirituelle, mit dieser Intelligenz durchzogen werden kann.

[ 11 ] Diese Intelligenz in Rußland hat eine ganz besondere Stellung in der Menschheitsentwickelung. Wenn Sie sich nicht täuschen lassen, wenn Sie sich nicht Illusionen hingeben über die äußeren Symptome, sondern auf das Innere gehen, dann können Sie über diese russische Intelligenz, wenn sie Ihnen heute auch nach Ihren west- oder mitteleuropäischen Begriffen bei dem oder jenem Russen sehr gering erscheint, und wenn Sie sich nicht durch Symptome beeinflussen lassen, sondern auf die Gründe gehen, dann können Sie sich sagen: Sie wird bewahrt vor allem Instinktiven. Sie soll sich ja — das meint der Russe — nicht anfressen lassen von irgendeinem menschlichen Instinkt, man soll auch nicht glauben, daß mit dem, was man anerzieht als Intelligenz, schon irgend etwas Besonderes erreicht wird. Der Russe will natürlich unbewußt — die Intelligenz bewahren, bis der sechste nachatlantische Zeitraum, sein Zeitraum, kommt, damit er dann durch diese Intelligenz nicht hinuntergreift in die Instinkte, sondern die Intelligenz hinaufträgt dahin, wo das Geistselbst blühen wird. Während die englisch sprechende Bevölkerung die Intelligenz heruntersinken läßt in die Instinkte, will der Russe sie gerade davor bewahren. Er will diese Intelligenz ja nicht in die Instinkte hinunterlassen, er will sie pflegen, mag sie heute noch so gering sein, damit sie bewahrt bleibe für das kommende Zeitalter, wo das Geistselbst, das rein Spirituelle, mit dieser Intelligenz durchzogen werden kann.

[ 12 ] Wenn man die Sache so in ihren Gründen betrachtet, dann erscheint einem auch so etwas, was man sonst mit unbefangenem Urteil in Grund und Boden kritisieren muß, doch von einer gewissen Notwendigkeit der Menschheitsentwickelung gegeben. Wie gesagt, Russen selber, einsichtsvolle Russen, die diese Dinge charakterisieren, finden ganz richtig heraus, daß die russische Intelligenz zwei Untergründe hat, die liegen in ihrer Entwickelung. Diese russische Intelligenz hat die Konfiguration, den Charakter, den sie heute hat, dadurch erhalten, daß der sich zur Intelligenz entwickelnde Russe, der ein Aufgeweckter werden will, zunächst durch die Polizeigewalt unterdrückt war. Er mußte sich wehren bis zum Martyrium gegen die Polizeigewalt. Diese mag man, wie gesagt, verurteilen, aber man muß sich ein unbefangenes Urteil darüber bilden. Auf der einen Seite ist der spezifische Charakter dieser russischen Intelligenz, die gerade sich aufbewahren will für künftige spirituelle Impulse der Menschheit, vollständig bedingt durch die polizeiliche Unterdrückung, die da war bis zum Martyrium. Und auf der anderen Seite, ganz selbstverständlich — die russischen Schriftsteller heben das fortwährend hervor — ist diese russische Intelligenz, weil sie sich aufbewahren will für kommende Zeiten, heute etwas Weltfremdes, etwas, was mit dem Leben nicht leicht fertig wird, was auf ganz anderes hingerichtet ist als auf das, was in der Welt unmittelbar pulsiert. So daß man sagen kann: Auch in dieser Beziehung ist das russische Seelenleben der Gegensatz der englisch sprechenden Bevölkerung. Man kann sagen: Im Westen ist die Intelligenz von der Polizei protegiert, im Osten ist die Intelligenz von der Polizei perhorresziert. Dem einen kann das eine, dem andern kann das andere gefallen, aber es handelt sich um die Feststellung der Tatsachen. Also im Westen ist, wie gesagt, die Intelligenz protegiert. Der eigentümliche Charakter der Intelligenz soll einfließen in das äußere Leben, soll überall drinnen sein in der sozialen Struktur. Die Menschen sollen aus ihrer Intelligenz heraus teilnehmen an der sozialen Struktur und so weiter. In Rußland, gleichgültig, ob das der Zar oder der Lenin tut, wird die Intelligenz polizeilich unterdrückt und wird noch lange polizeilich unterdrückt werden. Vielleicht liegt gerade darinnen der Nerv ihrer Stärke, daß sie polizeilich unterdrückt wird. Man kann überhaupt mit Bezug auf dieses eine ziemlich schematische, aber doch gültige Zusammenstellung machen. Man kann sagen: In Rußland wird die Intelligenz verfolgt, in Mitteleuropa gezähmt, und im Westen ist die Intelligenz schon zahm geboren.

[ 12 ] Wenn man die Sache so in ihren Gründen betrachtet, dann erscheint einem auch so etwas, was man sonst mit unbefangenem Urteil in Grund und Boden kritisieren muß, doch von einer gewissen Notwendigkeit der Menschheitsentwickelung gegeben. Wie gesagt, Russen selber, einsichtsvolle Russen, die diese Dinge charakterisieren, finden ganz richtig heraus, daß die russische Intelligenz zwei Untergründe hat, die liegen in ihrer Entwickelung. Diese russische Intelligenz hat die Konfiguration, den Charakter, den sie heute hat, dadurch erhalten, daß der sich zur Intelligenz entwickelnde Russe, der ein Aufgeweckter werden will, zunächst durch die Polizeigewalt unterdrückt war. Er mußte sich wehren bis zum Martyrium gegen die Polizeigewalt. Diese mag man, wie gesagt, verurteilen, aber man muß sich ein unbefangenes Urteil darüber bilden. Auf der einen Seite ist der spezifische Charakter dieser russischen Intelligenz, die gerade sich aufbewahren will für künftige spirituelle Impulse der Menschheit, vollständig bedingt durch die polizeiliche Unterdrückung, die da war bis zum Martyrium. Und auf der anderen Seite, ganz selbstverständlich — die russischen Schriftsteller heben das fortwährend hervor — ist diese russische Intelligenz, weil sie sich aufbewahren will für kommende Zeiten, heute etwas Weltfremdes, etwas, was mit dem Leben nicht leicht fertig wird, was auf ganz anderes hingerichtet ist als auf das, was in der Welt unmittelbar pulsiert. So daß man sagen kann: Auch in dieser Beziehung ist das russische Seelenleben der Gegensatz der englisch sprechenden Bevölkerung. Man kann sagen: Im Westen ist die Intelligenz von der Polizei protegiert, im Osten ist die Intelligenz von der Polizei perhorresziert. Dem einen kann das eine, dem andern kann das andere gefallen, aber es handelt sich um die Feststellung der Tatsachen. Also im Westen ist, wie gesagt, die Intelligenz protegiert. Der eigentümliche Charakter der Intelligenz soll einfließen in das äußere Leben, soll überall drinnen sein in der sozialen Struktur. Die Menschen sollen aus ihrer Intelligenz heraus teilnehmen an der sozialen Struktur und so weiter. In Rußland, gleichgültig, ob das der Zar oder der Lenin tut, wird die Intelligenz polizeilich unterdrückt und wird noch lange polizeilich unterdrückt werden. Vielleicht liegt gerade darinnen der Nerv ihrer Stärke, daß sie polizeilich unterdrückt wird. Man kann überhaupt mit Bezug auf dieses eine ziemlich schematische, aber doch gültige Zusammenstellung machen. Man kann sagen: In Rußland wird die Intelligenz verfolgt, in Mitteleuropa gezähmt, und im Westen ist die Intelligenz schon zahm geboren.

[ 13 ] Wenn man diese Einteilung, diese Gliederung macht, so trifft man, trotzdem die Worte sonderbar klingen, eigentlich durchaus das Richtige. In England und Amerika wird mit Bezug auf den Verfassungsstaat, mit Bezug auf die äußere Politik, auch mit Bezug auf die soziale Struktur die Intelligenz schon zahm geboren, In Mitteleuropa wird sie gezähmt. Im Osten möchte sie gern frei herumlaufen, wird aber verfolgt.

[ 13 ] Wenn man diese Einteilung, diese Gliederung macht, so trifft man, trotzdem die Worte sonderbar klingen, eigentlich durchaus das Richtige. In England und Amerika wird mit Bezug auf den Verfassungsstaat, mit Bezug auf die äußere Politik, auch mit Bezug auf die soziale Struktur die Intelligenz schon zahm geboren, In Mitteleuropa wird sie gezähmt. Im Osten möchte sie gern frei herumlaufen, wird aber verfolgt.

[ 14 ] Das sind die Dinge, die durchaus ins Auge gefaßt werden müssen, wenn man Wirklichkeit sehen will, wenn man sich nicht in einer chaotischen Weise auf die Dinge bloß einlassen will, die einen dann aber auf keine Weise zu irgendeiner Einsicht kommen läßt. Nun handelt es sich darum, daß ja auf der einen Seite die Menschen in dieser Weise, gerade mit Bezug auf die Intelligenz, differenziert sind, insofern das Volkstum in den Menschen wirkt. Sie sind so differenziert, wie ich es verschiedentlich angedeutet habe, wie ich es heute wiederum von einem gewissen Gesichtspunkte aus andeute. Aber auf der anderen Seite muß im Zeitalter der Bewußtseinsseele zugleich diese Differenzierung durchschaut werden, und man muß die Möglichkeit haben, über sie hinauszukommen.

[ 14 ] Das sind die Dinge, die durchaus ins Auge gefaßt werden müssen, wenn man Wirklichkeit sehen will, wenn man sich nicht in einer chaotischen Weise auf die Dinge bloß einlassen will, die einen dann aber auf keine Weise zu irgendeiner Einsicht kommen läßt. Nun handelt es sich darum, daß ja auf der einen Seite die Menschen in dieser Weise, gerade mit Bezug auf die Intelligenz, differenziert sind, insofern das Volkstum in den Menschen wirkt. Sie sind so differenziert, wie ich es verschiedentlich angedeutet habe, wie ich es heute wiederum von einem gewissen Gesichtspunkte aus andeute. Aber auf der anderen Seite muß im Zeitalter der Bewußtseinsseele zugleich diese Differenzierung durchschaut werden, und man muß die Möglichkeit haben, über sie hinauszukommen.

[ 15 ] Man kommt auf zweierlei Weise praktisch über diese Differenzierung im Leben hinaus. Erstens dadurch, daß man sie kennenlernt. Wenn man nur deklamiert von ganz allgemeinen abstrakten Standpunkten aus, dies oder jenes sei der richtige soziale Standpunkt, ohne eine Erkenntnis der Differenziertheit innerhalb der Menschheit, so ist das gar nichts wert, so redet man nur an der Wirklichkeit vorbei. Also die Einsicht in diese Verhältnisse ist das eine, worauf es ankommt. Das andere ist, daß man aber doch in der Lage ist, sich in einer gewissen Weise mit seinem ganzen menschlichen Erleben wiederum hinauszubringen über diese Dinge und mit der Differenzierung zu rechnen, wenn man praktisch sein will; daß man nicht glaubt, die Menschen seien über den ganzen Erdkreis gleich, und man könne die soziale Frage über den ganzen Erdkreis gleich lösen. Man muß wissen, daß man die soziale Frage auf verschiedene Art lösen muß, weil sie sich selber in verschiedener Weise lösen will, aus den Impulsen der Volkstümer heraus.

[ 15 ] Man kommt auf zweierlei Weise praktisch über diese Differenzierung im Leben hinaus. Erstens dadurch, daß man sie kennenlernt. Wenn man nur deklamiert von ganz allgemeinen abstrakten Standpunkten aus, dies oder jenes sei der richtige soziale Standpunkt, ohne eine Erkenntnis der Differenziertheit innerhalb der Menschheit, so ist das gar nichts wert, so redet man nur an der Wirklichkeit vorbei. Also die Einsicht in diese Verhältnisse ist das eine, worauf es ankommt. Das andere ist, daß man aber doch in der Lage ist, sich in einer gewissen Weise mit seinem ganzen menschlichen Erleben wiederum hinauszubringen über diese Dinge und mit der Differenzierung zu rechnen, wenn man praktisch sein will; daß man nicht glaubt, die Menschen seien über den ganzen Erdkreis gleich, und man könne die soziale Frage über den ganzen Erdkreis gleich lösen. Man muß wissen, daß man die soziale Frage auf verschiedene Art lösen muß, weil sie sich selber in verschiedener Weise lösen will, aus den Impulsen der Volkstümer heraus.

[ 16 ] Dies aber ist ja nur möglich unter einer solchen Voraussetzung, wie sie hier von der Geisteswissenschaft gemacht wird. Denn wie wollen Sie, wenn Sie irgendein mehr oder weniger chaotisches oder auch harmonisch zusammenhängendes soziales Ideal haben, dieses auf alle Menschen anwenden? Das können Sie ja nur einseitig anwenden. Sie können die allerschönsten, am besten zu beweisenden Ideen haben, Sie werden nichts anderes glauben können, als daß Sie die Menschen über die ganze Erde mit diesen schönen Ideen zu beglücken vermögen. Das ist eben geradezu das Unglück unserer Zeit, daß man zumeist so etwas will. Wer glaubt oder denkt denn heute anders, wenn er sich vor die Menschen hinstellt und von sozialen oder politischen Ideen spricht, als daß über die ganze Erde hin die Verhältnisse so und so geordnet werden können, und mit den Ideen, die ich ausdenke, mit denen kann die ganze Menschheit beglückt werden. — So denken doch die Menschen heute. Und aus den Voraussetzungen unserer Denkgewohnheiten ist überhaupt kaum anders zu denken, meine lieben Freunde.

[ 16 ] Dies aber ist ja nur möglich unter einer solchen Voraussetzung, wie sie hier von der Geisteswissenschaft gemacht wird. Denn wie wollen Sie, wenn Sie irgendein mehr oder weniger chaotisches oder auch harmonisch zusammenhängendes soziales Ideal haben, dieses auf alle Menschen anwenden? Das können Sie ja nur einseitig anwenden. Sie können die allerschönsten, am besten zu beweisenden Ideen haben, Sie werden nichts anderes glauben können, als daß Sie die Menschen über die ganze Erde mit diesen schönen Ideen zu beglücken vermögen. Das ist eben geradezu das Unglück unserer Zeit, daß man zumeist so etwas will. Wer glaubt oder denkt denn heute anders, wenn er sich vor die Menschen hinstellt und von sozialen oder politischen Ideen spricht, als daß über die ganze Erde hin die Verhältnisse so und so geordnet werden können, und mit den Ideen, die ich ausdenke, mit denen kann die ganze Menschheit beglückt werden. — So denken doch die Menschen heute. Und aus den Voraussetzungen unserer Denkgewohnheiten ist überhaupt kaum anders zu denken, meine lieben Freunde.

[ 17 ] Nehmen Sie aber das aus der Geisteswissenschaft herausgeholte Soziale, das ich Ihnen hier vor einiger Zeit vorgebracht habe. Da werden Sie sehen, daß das allerdings mit den Denkgewohnheiten unserer Zeit bricht, daß das einen ganz anderen Charakter hat. Ich habe Ihnen gesagt: Es handelt sich ja nicht darum, irgendein einheitliches soziales Ideal zu haben, sondern zu erforschen: Was will sich verwirklichen in der Realität? — Da habe ich Sie auf eine Dreigliederung desjenigen Lebens hingewiesen, was bisher chaotisch zusammengefaßt wurde im eingliedrigen Staate. Heute sehen Sie überall ez Kabinett, ein Parlament, und das gilt für die Leute als Ideal, alles chaotisch in einem Parlament zusammenzufassen. Ich habe Ihnen gesagt, daß die Wirklichkeit dahin strebt, das, was da zusammengefaßt ist in einem, auseinanderzuhalten. Das geistige Leben mit Einschluß des Juristischen — aber eben nicht Verwaltungsjustiz, sondern Zivil- und Strafjustiz —, bildet das eine Glied, das ökonomische Leben ein zweites Glied. Und dasjenige Leben, was die beiden reguliert, das bildet ein drittes, wo verwaltet wird, wo der Sicherheitsdienst geleistet wird und so weiter. Diese drei stehen einander gegenüber, wie sich heute Staaten gegenüberstehen. Sie verkehren durch Vertreter miteinander, ordnen ihre gegenseitigen Verhältnisse, aber sie sind in sich, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, souverän.

[ 17 ] Nehmen Sie aber das aus der Geisteswissenschaft herausgeholte Soziale, das ich Ihnen hier vor einiger Zeit vorgebracht habe. Da werden Sie sehen, daß das allerdings mit den Denkgewohnheiten unserer Zeit bricht, daß das einen ganz anderen Charakter hat. Ich habe Ihnen gesagt: Es handelt sich ja nicht darum, irgendein einheitliches soziales Ideal zu haben, sondern zu erforschen: Was will sich verwirklichen in der Realität? — Da habe ich Sie auf eine Dreigliederung desjenigen Lebens hingewiesen, was bisher chaotisch zusammengefaßt wurde im eingliedrigen Staate. Heute sehen Sie überall ez Kabinett, ein Parlament, und das gilt für die Leute als Ideal, alles chaotisch in einem Parlament zusammenzufassen. Ich habe Ihnen gesagt, daß die Wirklichkeit dahin strebt, das, was da zusammengefaßt ist in einem, auseinanderzuhalten. Das geistige Leben mit Einschluß des Juristischen — aber eben nicht Verwaltungsjustiz, sondern Zivil- und Strafjustiz —, bildet das eine Glied, das ökonomische Leben ein zweites Glied. Und dasjenige Leben, was die beiden reguliert, das bildet ein drittes, wo verwaltet wird, wo der Sicherheitsdienst geleistet wird und so weiter. Diese drei stehen einander gegenüber, wie sich heute Staaten gegenüberstehen. Sie verkehren durch Vertreter miteinander, ordnen ihre gegenseitigen Verhältnisse, aber sie sind in sich, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, souverän.

[ 18 ] Man kann das, was ich da sage, in Grund und Boden rezensieren, kritisieren, aber dann kritisiert man nicht eine Anschauung, sondern etwas, was sich im Laufe der nächsten vierzig bis fünfzig Jahre verwirklichen will. Diese Dreigliederung gibt Ihnen einzig und allein die Möglichkeit, nun wiederum mit der Differenzierung der Menschheit zu rechnen. Denn wenn Sie nur ein Eingliedriges haben, so müssen Sie ja das der ganzen Menschheit aufdrängen, wie wenn Sie einem kleinen, einem mittleren Menschen und einem Riesen denselben Rock anziehen wollen — wobei die Größe hier nur zur Verdeutlichung genommen wird, es sollen nicht Völker etwa damit als klein oder groß bezeichnet werden. Aber indem sie diese Dreigliedrigkeit haben, da haben Sie die Möglichkeit, etwas Universelles drinnen zu haben. Da wird der Westen sich so gestalten mit Bezug auf seine soziale Struktur, daß bei ihm überwiegt das, was Verwaltung, Verfassung, überhaupt Regulierung des öffentlichen Lebens ist, Sicherheitsdienst im umfassendsten Sinne und so weiter. Die anderen beiden sind untergeordnete Momente, sind von diesem abhängig. Und wiederum für andere Gebiete ist es anders. Da ist das eine von den dreien überwiegend, die andern beiden sind wiederum mehr oder weniger abhängig. Dadurch also, daß Sie eine Dreigliedrigkeit haben, haben Sie die Möglichkeit, auch in Ihrer Ansicht die Wirklichkeitsdifferenzierung zu finden. Was nur ein Einheitliches ist, das müssen Sie über die ganze Erde ausbreiten; was aber in sich dreigliedrig ist, von dem können Sie sagen: Im Westen ist die Eins vorherrschend, in den Mittelländern ist die Zwei vorherrschend, und im Osten ist die Drei vorherrschend. Dadurch differenziert sich dasjenige, was Sie als Ideal der sozialen Struktur finden, über die ganze Erde hin. Darin liegt der Grundunterschied der Anschauung, die hier aus der Geisteswissenschaft heraus vertreten wird, von anderen Anschauungen.

[ 18 ] Man kann das, was ich da sage, in Grund und Boden rezensieren, kritisieren, aber dann kritisiert man nicht eine Anschauung, sondern etwas, was sich im Laufe der nächsten vierzig bis fünfzig Jahre verwirklichen will. Diese Dreigliederung gibt Ihnen einzig und allein die Möglichkeit, nun wiederum mit der Differenzierung der Menschheit zu rechnen. Denn wenn Sie nur ein Eingliedriges haben, so müssen Sie ja das der ganzen Menschheit aufdrängen, wie wenn Sie einem kleinen, einem mittleren Menschen und einem Riesen denselben Rock anziehen wollen — wobei die Größe hier nur zur Verdeutlichung genommen wird, es sollen nicht Völker etwa damit als klein oder groß bezeichnet werden. Aber indem sie diese Dreigliedrigkeit haben, da haben Sie die Möglichkeit, etwas Universelles drinnen zu haben. Da wird der Westen sich so gestalten mit Bezug auf seine soziale Struktur, daß bei ihm überwiegt das, was Verwaltung, Verfassung, überhaupt Regulierung des öffentlichen Lebens ist, Sicherheitsdienst im umfassendsten Sinne und so weiter. Die anderen beiden sind untergeordnete Momente, sind von diesem abhängig. Und wiederum für andere Gebiete ist es anders. Da ist das eine von den dreien überwiegend, die andern beiden sind wiederum mehr oder weniger abhängig. Dadurch also, daß Sie eine Dreigliedrigkeit haben, haben Sie die Möglichkeit, auch in Ihrer Ansicht die Wirklichkeitsdifferenzierung zu finden. Was nur ein Einheitliches ist, das müssen Sie über die ganze Erde ausbreiten; was aber in sich dreigliedrig ist, von dem können Sie sagen: Im Westen ist die Eins vorherrschend, in den Mittelländern ist die Zwei vorherrschend, und im Osten ist die Drei vorherrschend. Dadurch differenziert sich dasjenige, was Sie als Ideal der sozialen Struktur finden, über die ganze Erde hin. Darin liegt der Grundunterschied der Anschauung, die hier aus der Geisteswissenschaft heraus vertreten wird, von anderen Anschauungen.

[ 19 ] Die Anschauung, die aus der Geisteswissenschaft heraus vertreten wird, ist von vornherein auf die Wirklichkeit anwendbar, weil sie in sich selber sich differenzieren läßt und dann differenziert auf die Wirklichkeit angewendet werden kann. Das ist der Unterschied einer abstrakten Anschauung von einer konkreten: eine abstrakte Anschauung ist eine Summe von Begriffen, bei der man glaubt, glücklich zu sein oder die Menschen beglücken zu können; eine konkrete Anschauung ist eine solche, bei der man weiß, sie ist in sich selber so, daß sich einmal das eine auswachsen kann, dann das andere oder das dritte. Dann ist das eine oder das zweite oder dritte auf andere äußere Verhältnisse anwendbar. Das ist es, was den Unterschied einer Wirklichkeitsanschauung von allem Dogmatismus bedeutet. Aber Dogmatismus schwört auf Dogmen. Dogmen aber können sich nur geltend machen, wenn sie die Wirklichkeit tyrannisieren. Eine Wirklichkeitsanschauung ist so, wie die Wirklichkeit selbst, in sich lebendig. So wie der menschliche oder ein anderer Organismus in sich beweglich und lebendig ist, nicht ein abgeschlossenes Festes gibt, so ist eine Wirklichkeitsanschauung in sich selber lebendig, wächst sich nach der einen oder nach der anderen Seite hin aus.

[ 19 ] Die Anschauung, die aus der Geisteswissenschaft heraus vertreten wird, ist von vornherein auf die Wirklichkeit anwendbar, weil sie in sich selber sich differenzieren läßt und dann differenziert auf die Wirklichkeit angewendet werden kann. Das ist der Unterschied einer abstrakten Anschauung von einer konkreten: eine abstrakte Anschauung ist eine Summe von Begriffen, bei der man glaubt, glücklich zu sein oder die Menschen beglücken zu können; eine konkrete Anschauung ist eine solche, bei der man weiß, sie ist in sich selber so, daß sich einmal das eine auswachsen kann, dann das andere oder das dritte. Dann ist das eine oder das zweite oder dritte auf andere äußere Verhältnisse anwendbar. Das ist es, was den Unterschied einer Wirklichkeitsanschauung von allem Dogmatismus bedeutet. Aber Dogmatismus schwört auf Dogmen. Dogmen aber können sich nur geltend machen, wenn sie die Wirklichkeit tyrannisieren. Eine Wirklichkeitsanschauung ist so, wie die Wirklichkeit selbst, in sich lebendig. So wie der menschliche oder ein anderer Organismus in sich beweglich und lebendig ist, nicht ein abgeschlossenes Festes gibt, so ist eine Wirklichkeitsanschauung in sich selber lebendig, wächst sich nach der einen oder nach der anderen Seite hin aus.

[ 20 ] Wenn Sie diesen Unterschied der Wirklichkeitsanschauung vom Dogmatismus ins Auge fassen, dann ist das ein außerordentlich Wichtiges für jene Umänderung der Denkgewohnheiten in Ihrer Seele, die heute den Menschen so notwendig ist und von der die Menschen heute noch so entfernt sind — viel mehr eigentlich, als sie es wissen. Und das, was ich Ihnen sage, das hängt wiederum im tiefsten Innern mit anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft zusammen.

[ 20 ] Wenn Sie diesen Unterschied der Wirklichkeitsanschauung vom Dogmatismus ins Auge fassen, dann ist das ein außerordentlich Wichtiges für jene Umänderung der Denkgewohnheiten in Ihrer Seele, die heute den Menschen so notwendig ist und von der die Menschen heute noch so entfernt sind — viel mehr eigentlich, als sie es wissen. Und das, was ich Ihnen sage, das hängt wiederum im tiefsten Innern mit anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft zusammen.

[ 21 ] Sehen Sie, für die gewöhnliche Wissenschaft, wie sie heute allein üblich ist, ist der Mensch eine Einheit. Der heutige Anatom, der heutige Physiologe betrachtet das Gehirn, die Sinnesorgane, Nerven, Leber, Milz, Herz; für ihn sind es alles Organe, die er in einen einheitlichen Organismus einordnet. Sie wissen, das tun wir nicht. Wir unterscheiden den Kopfmenschen, respektive Nerven-Sinnesmenschen, von dem Brustmenschen, respektive Atmungs-Blutzirkulationsmenschen, und den Stoffwechselmenschen oder auch Extremitätenmenschen oder auch Muskelmenschen. Wir unterscheiden, wie Sie wissen, einen dreigliedrigen Menschen, und dieser dreigliedrige Mensch, der lebt in der Welt. Und weil wir nicht abstrakt an dem eingliedrigen Menschen festhalten in anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft, so ist es auch so, daß der anthroposophisch orientierte Geisteswissenschafter diejenige soziale Ordnung findet, in die sich der Mensch als dreigliedriges Wesen hineinschließt. Denn das ist der Leitfaden, diese anthroposophische Gliederung des Menschen. Diese drei Glieder sind ja mehr oder weniger auch nur die äußeren am Menschen selbst befindlichen Symbole seines Wesens, denn der Mensch wurzelt ja in allen Welten. Aber wenn wir diese Dreigliedrigkeit betrachten, so ist sie uns ein Leitfaden, um wiederum die Differenziertheit der Menschen über die Erde hin ins Auge zu fassen.

[ 21 ] Sehen Sie, für die gewöhnliche Wissenschaft, wie sie heute allein üblich ist, ist der Mensch eine Einheit. Der heutige Anatom, der heutige Physiologe betrachtet das Gehirn, die Sinnesorgane, Nerven, Leber, Milz, Herz; für ihn sind es alles Organe, die er in einen einheitlichen Organismus einordnet. Sie wissen, das tun wir nicht. Wir unterscheiden den Kopfmenschen, respektive Nerven-Sinnesmenschen, von dem Brustmenschen, respektive Atmungs-Blutzirkulationsmenschen, und den Stoffwechselmenschen oder auch Extremitätenmenschen oder auch Muskelmenschen. Wir unterscheiden, wie Sie wissen, einen dreigliedrigen Menschen, und dieser dreigliedrige Mensch, der lebt in der Welt. Und weil wir nicht abstrakt an dem eingliedrigen Menschen festhalten in anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft, so ist es auch so, daß der anthroposophisch orientierte Geisteswissenschafter diejenige soziale Ordnung findet, in die sich der Mensch als dreigliedriges Wesen hineinschließt. Denn das ist der Leitfaden, diese anthroposophische Gliederung des Menschen. Diese drei Glieder sind ja mehr oder weniger auch nur die äußeren am Menschen selbst befindlichen Symbole seines Wesens, denn der Mensch wurzelt ja in allen Welten. Aber wenn wir diese Dreigliedrigkeit betrachten, so ist sie uns ein Leitfaden, um wiederum die Differenziertheit der Menschen über die Erde hin ins Auge zu fassen.

[ 22 ] Ich bitte, wenn ich mich über diese Sache ausspreche, sie wiederum «sine ira» zu betrachten, denn ich charakterisiere; weder kritisiere ich, noch sage ich irgend etwas, um nach der einen Seite hin abträglich oder nach der anderen Seite hin zuträglich zu wirken. Fangen wir beim russischen Menschen, beim osteuropäischen Menschen an. Man kann ihn gar nicht studieren, wenn man nur die heutige Anatomie, Physiologie oder Psychologie und nicht jenen dreigliedrigen Menschen ins Auge faßt, den ich in meinem Buche «Von Seelenrätseln » wenigstens skizzenhaft angedeutet habe. Denn faßt man das, was heutige — ich bitte zu berücksichtigen: heutige! — russische Seelen-, überhaupt russische Volks-Eigentümlichkeit ist, ins Auge, so kann man sagen: In Rußland ist — die Russen mögen mir das verzeihen, aber es ist wahr — der Kopfmensch zu Hause. Ich sage: Die Russen mögen mir das verzeihen, denn sie glauben das selber nicht; aber sie irren sich eben. Sie werden vielleicht sagen: In Rußland ist der Herzensmensch zu Hause und gerade der Kopf tritt mehr zurück. Das ist nur dann möglich zu behaupten, wenn Sie Geisteswissenschaft nicht ordentlich studieren. Denn deshalb erscheint die russische Kopfkultur vorzugsweise als eine Herzenskultur, weil, wenn ich mich trivial ausdrücken darf, der Russe das Herz im Kopfe hat, das heißt, das Herz wirkt so stark, daß es nach dem Kopfe hin wirkt; daß es die ganze Intelligenz durchkreuzt, daß es alles durchsetzt. Aber die Wirkung des Herzens auf den Kopf, auf die Begriffe, auf die Ideen, das konfiguriert die ganze osteuropäische Kultur.

[ 22 ] Ich bitte, wenn ich mich über diese Sache ausspreche, sie wiederum «sine ira» zu betrachten, denn ich charakterisiere; weder kritisiere ich, noch sage ich irgend etwas, um nach der einen Seite hin abträglich oder nach der anderen Seite hin zuträglich zu wirken. Fangen wir beim russischen Menschen, beim osteuropäischen Menschen an. Man kann ihn gar nicht studieren, wenn man nur die heutige Anatomie, Physiologie oder Psychologie und nicht jenen dreigliedrigen Menschen ins Auge faßt, den ich in meinem Buche «Von Seelenrätseln » wenigstens skizzenhaft angedeutet habe. Denn faßt man das, was heutige — ich bitte zu berücksichtigen: heutige! — russische Seelen-, überhaupt russische Volks-Eigentümlichkeit ist, ins Auge, so kann man sagen: In Rußland ist — die Russen mögen mir das verzeihen, aber es ist wahr — der Kopfmensch zu Hause. Ich sage: Die Russen mögen mir das verzeihen, denn sie glauben das selber nicht; aber sie irren sich eben. Sie werden vielleicht sagen: In Rußland ist der Herzensmensch zu Hause und gerade der Kopf tritt mehr zurück. Das ist nur dann möglich zu behaupten, wenn Sie Geisteswissenschaft nicht ordentlich studieren. Denn deshalb erscheint die russische Kopfkultur vorzugsweise als eine Herzenskultur, weil, wenn ich mich trivial ausdrücken darf, der Russe das Herz im Kopfe hat, das heißt, das Herz wirkt so stark, daß es nach dem Kopfe hin wirkt; daß es die ganze Intelligenz durchkreuzt, daß es alles durchsetzt. Aber die Wirkung des Herzens auf den Kopf, auf die Begriffe, auf die Ideen, das konfiguriert die ganze osteuropäische Kultur.

[ 23 ] Und mögen es mir die Mitteleuropäer wiederum nicht übelnehmen, aber so ist es: die haben als Wesentliches — und das charakterisiert die ganze mitteleuropäische Kultur —, daß ihnen der Kopf fortwährend in die Brust fällt, und der Unterleib oder die Extremitäten fortwährend nach dem Herzen heraufgezogen werden. Das ist das Wesentliche beim mitteleuropäischen Menschen; deshalb kommt er so furchtbar schwer zurecht, weil er weder an dem einen noch an dem anderen Ende eigentlich ist. Ich habe Ihnen das dargestellt dadurch, daß ich Ihnen gesagt habe: Beim Hüter der Schwelle kommt der mitteleuropäische Mensch dazu, das Schwanken, den Zweifel, die Unsicherheit namentlich zu erleben.

[ 23 ] Und mögen es mir die Mitteleuropäer wiederum nicht übelnehmen, aber so ist es: die haben als Wesentliches — und das charakterisiert die ganze mitteleuropäische Kultur —, daß ihnen der Kopf fortwährend in die Brust fällt, und der Unterleib oder die Extremitäten fortwährend nach dem Herzen heraufgezogen werden. Das ist das Wesentliche beim mitteleuropäischen Menschen; deshalb kommt er so furchtbar schwer zurecht, weil er weder an dem einen noch an dem anderen Ende eigentlich ist. Ich habe Ihnen das dargestellt dadurch, daß ich Ihnen gesagt habe: Beim Hüter der Schwelle kommt der mitteleuropäische Mensch dazu, das Schwanken, den Zweifel, die Unsicherheit namentlich zu erleben.

[ 24 ] Und die Westeuropäer mögen es mir wiederum nicht übelnehmen, denn — Sie ahnen schon, was nun übrig bleibt — ihre Kultur ist vorzugsweise eine Unterleibskultur, eine Muskelkultur, weil das gerade das Eigentümliche ist, daß alles, was von der Muskelkultur ausgeht — im Volkstum, nicht im einzelnen Menschen —, stark auch in den Kopf hineinwirkt. Daher das Instinktive der Intelligenz, daher auch dort die Ursprungsstätte der Muskelkultur im modernen Lebenssinn, des Sportes und so weiter. Sie können das alles, was ich sage, auch im äußeren Leben überall finden, wenn Sie nur wollen, wenn Sie nur wirklich und unbefangen auf die Verhältnisse hinschauen wollen. Einen Leitfaden dazu gibt Ihnen nur anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft. Es ist beim Russen so, daß bei ihm das Herz in den Kopf heraufraucht, bei der englisch sprechenden Bevölkerung so, daß der Unterleib in den Kopf heraufraucht, daß aber der Kopf auch wiederum zurückwirkt auf den Unterleib und ihn dirigiert. Das ist sehr wichtig, daß man diese Dinge ins Auge faßt. Man braucht sie ja nicht immer so radikal zu sagen, wie wir sie unter uns sagen, aber wir verstehen uns ja, denn wir sind unter uns vielleicht ja doch bis zu einem gewissen Grade wohlwollend und wissen diese Dinge in objektiver Weise zu nehmen, nicht mit Sympathie und Antipathie.

[ 24 ] Und die Westeuropäer mögen es mir wiederum nicht übelnehmen, denn — Sie ahnen schon, was nun übrig bleibt — ihre Kultur ist vorzugsweise eine Unterleibskultur, eine Muskelkultur, weil das gerade das Eigentümliche ist, daß alles, was von der Muskelkultur ausgeht — im Volkstum, nicht im einzelnen Menschen —, stark auch in den Kopf hineinwirkt. Daher das Instinktive der Intelligenz, daher auch dort die Ursprungsstätte der Muskelkultur im modernen Lebenssinn, des Sportes und so weiter. Sie können das alles, was ich sage, auch im äußeren Leben überall finden, wenn Sie nur wollen, wenn Sie nur wirklich und unbefangen auf die Verhältnisse hinschauen wollen. Einen Leitfaden dazu gibt Ihnen nur anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft. Es ist beim Russen so, daß bei ihm das Herz in den Kopf heraufraucht, bei der englisch sprechenden Bevölkerung so, daß der Unterleib in den Kopf heraufraucht, daß aber der Kopf auch wiederum zurückwirkt auf den Unterleib und ihn dirigiert. Das ist sehr wichtig, daß man diese Dinge ins Auge faßt. Man braucht sie ja nicht immer so radikal zu sagen, wie wir sie unter uns sagen, aber wir verstehen uns ja, denn wir sind unter uns vielleicht ja doch bis zu einem gewissen Grade wohlwollend und wissen diese Dinge in objektiver Weise zu nehmen, nicht mit Sympathie und Antipathie.

[ 25 ] Aber Sie sehen, man muß den dreigliedrigen Menschen ins Auge fassen, man muß wirklich wissen, daß der Mensch ein dreigliedriges Wesen, ein Wesen nach dem Muster der Trinität ist, wenn man die Differenzierungen auch physiologisch, psychologisch studieren will. Und das ist ja das Wesentliche, daß nicht nur so, wie es der Pastor auch sagt, die Menschen Interesse aneinander haben, daß ein Mensch sich für den andern interessiert, sondern daß wirkliches Interesse von Mensch zu Mensch herrscht. Das kann aber nur auf der Einsicht beruhen. Das bleibt ein leeres Abstraktum, wenn Sie sagen: Ich liebe alle Menschen. Verständnisvolles Eingehen auf den Menschen ist notwendig, also auch auf Menschengemeinschaften, wenn man ein Urteil haben will über Menschengemeinschaften und über die soziale Struktur von Menschengemeinschaften. Das kann man aber nur aus der dreigliedrigen Menschennatur heraus. Wenn man nicht weiß — nun mißverstehen Sie das nicht —, was der hervorstechendste Körperteil bei einer Menschengemeinschaft ist, so kann man den Menschen doch nicht erkennen. Man muß irgendwie einen Leitfaden haben, um Einsicht zu gewinnen, sonst wirft man doch alles durcheinander. Das ist es, worauf es ankommt. Deshalb ist anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft etwas, was mit der Wirklichkeit rechnet. Sie ist deshalb auch etwas, was den Menschen vielfach unangenehm ist. Denn die Menschen wollen aus gewissen Vorurteilen heraus gar nicht, daß sie durchschaut werden. Das ist sogar den Menschen im Privatleben fürchterlich unangenehm, wenn sie durchschaut werden, und man kann fast sagen: Von zehn Menschen werden mindestens neun Feinde, wenn man sie wirklich durchschaut; sie werden es schon in irgendeiner Weise; vielleicht mancher im Unbewußten, aber sie werden es. Das ist den Menschen unangenehm, durchschaut zu werden, wenn es auch in dem Lichte geschieht, wie es hier mitgeteilt ist so, daß es gerade zur Erhöhung der Menschenliebe dienen soll. Die abstrakte Menschenliebe ist eben die Liebe, die der Ofen — ich habe den Vergleich öfter gebraucht — mit seinem Wärmen entwickeln soll. Wenn man ihm zuredet: Du bist ein Ofen, also ist es deine Ofenpflicht, das Zimmer zu wärmen — und man nicht heizt, ist alles moralische Zureden nichts nütze. So auch alle Sonntagnachmittagspredigten. Wenn man den Menschen noch so sehr Liebe und Liebe und Liebe predigt und man nicht das Heizmaterial liefert, dasjenige, wodurch Menschen und Menschengemeinschaften erkannt werden, ist alles Predigen wertlos.

[ 25 ] Aber Sie sehen, man muß den dreigliedrigen Menschen ins Auge fassen, man muß wirklich wissen, daß der Mensch ein dreigliedriges Wesen, ein Wesen nach dem Muster der Trinität ist, wenn man die Differenzierungen auch physiologisch, psychologisch studieren will. Und das ist ja das Wesentliche, daß nicht nur so, wie es der Pastor auch sagt, die Menschen Interesse aneinander haben, daß ein Mensch sich für den andern interessiert, sondern daß wirkliches Interesse von Mensch zu Mensch herrscht. Das kann aber nur auf der Einsicht beruhen. Das bleibt ein leeres Abstraktum, wenn Sie sagen: Ich liebe alle Menschen. Verständnisvolles Eingehen auf den Menschen ist notwendig, also auch auf Menschengemeinschaften, wenn man ein Urteil haben will über Menschengemeinschaften und über die soziale Struktur von Menschengemeinschaften. Das kann man aber nur aus der dreigliedrigen Menschennatur heraus. Wenn man nicht weiß — nun mißverstehen Sie das nicht —, was der hervorstechendste Körperteil bei einer Menschengemeinschaft ist, so kann man den Menschen doch nicht erkennen. Man muß irgendwie einen Leitfaden haben, um Einsicht zu gewinnen, sonst wirft man doch alles durcheinander. Das ist es, worauf es ankommt. Deshalb ist anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft etwas, was mit der Wirklichkeit rechnet. Sie ist deshalb auch etwas, was den Menschen vielfach unangenehm ist. Denn die Menschen wollen aus gewissen Vorurteilen heraus gar nicht, daß sie durchschaut werden. Das ist sogar den Menschen im Privatleben fürchterlich unangenehm, wenn sie durchschaut werden, und man kann fast sagen: Von zehn Menschen werden mindestens neun Feinde, wenn man sie wirklich durchschaut; sie werden es schon in irgendeiner Weise; vielleicht mancher im Unbewußten, aber sie werden es. Das ist den Menschen unangenehm, durchschaut zu werden, wenn es auch in dem Lichte geschieht, wie es hier mitgeteilt ist so, daß es gerade zur Erhöhung der Menschenliebe dienen soll. Die abstrakte Menschenliebe ist eben die Liebe, die der Ofen — ich habe den Vergleich öfter gebraucht — mit seinem Wärmen entwickeln soll. Wenn man ihm zuredet: Du bist ein Ofen, also ist es deine Ofenpflicht, das Zimmer zu wärmen — und man nicht heizt, ist alles moralische Zureden nichts nütze. So auch alle Sonntagnachmittagspredigten. Wenn man den Menschen noch so sehr Liebe und Liebe und Liebe predigt und man nicht das Heizmaterial liefert, dasjenige, wodurch Menschen und Menschengemeinschaften erkannt werden, ist alles Predigen wertlos.

[ 26 ] Sie sehen, in welchem Sinne wir anthroposophische Geisteswissenschaft als Heizmaterial gerade für das richtige Interesse vom Menschen am Menschen, für die richtige Entwickelung der Menschenliebe auffassen können. Selbst die wichtigen geschichtlichen Tatsachen — ich habe sie als Symptomatologie vor einiger Zeit hier vor Ihnen entwickelt —, die den heutigen sozialen Impulsen zugrunde liegen, sind nur vom Gesichtspunkte einer Wirklichkeitsanschauung aus in die menschliche Einsicht hereinzubringen.

[ 26 ] Sie sehen, in welchem Sinne wir anthroposophische Geisteswissenschaft als Heizmaterial gerade für das richtige Interesse vom Menschen am Menschen, für die richtige Entwickelung der Menschenliebe auffassen können. Selbst die wichtigen geschichtlichen Tatsachen — ich habe sie als Symptomatologie vor einiger Zeit hier vor Ihnen entwickelt —, die den heutigen sozialen Impulsen zugrunde liegen, sind nur vom Gesichtspunkte einer Wirklichkeitsanschauung aus in die menschliche Einsicht hereinzubringen.

[ 27 ] Wenn wir das alles ins Auge fassen, was wir über die Differenzierung der westlichen, der mittleren und der östlichen Welt schon gesagt haben, und was noch reicher dann in Ihre Seelen einfließt, wenn Sie auf diese Welten nun wirklich verständnisvoll hinschauen, dann fragt man sich ja wohl auch: Woher rührt es denn noch außer dem schon Gesagten, daß zum Beispiel die russische Intelligenz sich aufbewahren kann für folgende Zeiten? — Es bedarf einer größeren Kraft, die Intelligenz gewissermaßen zu bewahren vor dem Ansturm der Instinkte, als es Kraft bedarf, die angeborene, die instinktive Intelligenz zu üben. Es bedarf einer größeren Kraft. Auch das ist durch gewisse, wenn ich so sagen darf, Einrichtungen in der Entwickelung der abendländischen Menschheit erreicht. Nehmen Sie nur den einen Umstand, daß Rußland in vieler Beziehung zurückgehalten worden ist von den Strömungen des Kulturlebens, die im Westen sich abgespielt haben. Ich habe Ihnen von einem anderen Gesichtspunkte dieses Zurückstauen früherer Zeitkultur nach dem Osten hin charakterisiert. Nehmen Sie, wie im neunten Jahrhunderte die Kirchenspaltung eintritt, die dann im zehnten Jahrhundert vollendet ist; wie eine frühere Gestaltung des Christentums nach Osten zurückgeschoben wird, da stationär, konservativ bleibt, so daß man sagen kann: Ein gewisser Zustand, der über das ganze Christentum verbreitet war in den ersten Jahrhunderten, ist nach Osten geschoben worden, also stationär geblieben. Der Westen hat mittlerweile sein Christentum weiterentwickelt. Es ist also etwas nach Osten zurückgeschoben worden. Das ist das eine. Auf der anderen Seite ist vorgeschoben worden in den Osten hinein, von seinem Osten aus wiederum, das Tatarentum, also dasjenige, was aus Asien herüberkam. Das alles ist aber nur der Ausdruck dafür, daß auf russischer Erde frühere Menschenkräfte zurückgestaut worden sind und dajenige in sich aufgenommen haben als Menschenkräfte, was von Asien herüberkam in einem jugendlicheren, darf ich sagen, Zustand als die westeuropäische Menschheit.

[ 27 ] Wenn wir das alles ins Auge fassen, was wir über die Differenzierung der westlichen, der mittleren und der östlichen Welt schon gesagt haben, und was noch reicher dann in Ihre Seelen einfließt, wenn Sie auf diese Welten nun wirklich verständnisvoll hinschauen, dann fragt man sich ja wohl auch: Woher rührt es denn noch außer dem schon Gesagten, daß zum Beispiel die russische Intelligenz sich aufbewahren kann für folgende Zeiten? — Es bedarf einer größeren Kraft, die Intelligenz gewissermaßen zu bewahren vor dem Ansturm der Instinkte, als es Kraft bedarf, die angeborene, die instinktive Intelligenz zu üben. Es bedarf einer größeren Kraft. Auch das ist durch gewisse, wenn ich so sagen darf, Einrichtungen in der Entwickelung der abendländischen Menschheit erreicht. Nehmen Sie nur den einen Umstand, daß Rußland in vieler Beziehung zurückgehalten worden ist von den Strömungen des Kulturlebens, die im Westen sich abgespielt haben. Ich habe Ihnen von einem anderen Gesichtspunkte dieses Zurückstauen früherer Zeitkultur nach dem Osten hin charakterisiert. Nehmen Sie, wie im neunten Jahrhunderte die Kirchenspaltung eintritt, die dann im zehnten Jahrhundert vollendet ist; wie eine frühere Gestaltung des Christentums nach Osten zurückgeschoben wird, da stationär, konservativ bleibt, so daß man sagen kann: Ein gewisser Zustand, der über das ganze Christentum verbreitet war in den ersten Jahrhunderten, ist nach Osten geschoben worden, also stationär geblieben. Der Westen hat mittlerweile sein Christentum weiterentwickelt. Es ist also etwas nach Osten zurückgeschoben worden. Das ist das eine. Auf der anderen Seite ist vorgeschoben worden in den Osten hinein, von seinem Osten aus wiederum, das Tatarentum, also dasjenige, was aus Asien herüberkam. Das alles ist aber nur der Ausdruck dafür, daß auf russischer Erde frühere Menschenkräfte zurückgestaut worden sind und dajenige in sich aufgenommen haben als Menschenkräfte, was von Asien herüberkam in einem jugendlicheren, darf ich sagen, Zustand als die westeuropäische Menschheit.

[ 28 ] Nehmen Sie, um da etwas ins Auge zu fassen, die mitteleuropäische Kultur in ihrer Abhängigkeit vom Protestantismus. Diese Abhängigkeit ist größer, als man gewöhnlich denkt. Im Grunde genommen ist die ganze mitteleuropäische Kultur konfiguriert von dem Impuls des Protestantismus, nicht von diesem oder jenem Bekenntnis, aber von dem Impuls des Protestantismus, denn der Protestantismus ist ja für den höher Betrachtenden auch nur ein Symptom. Das Wesentliche ist der geistige Impuls, der im Protestantismus wirkte. Die ganze Wissenschaft, wie siein Mitteleuropa getrieben wird, die Form, die sie erhält, ist eigentlich vom Protestantismus beeinflußt, und ohne den Protestantismus ist diese mitteleuropäische Kultur nicht denkbar. Was an einer Stelle besonders hervorragend auftritt — geradeso, wie ich es Ihnen vorhin mit der Anwendung der sozialen Aufgaben der Anthroposophie gezeigt habe, die man sogar differenziert anwenden soll —, das ist an anderer Stelle in anderer Weise, in anderen Verhältnissen zum Leben vorhanden. In Mitteleuropa ist der Protestantismus so gewesen, daß er vorzugsweise, ich möchte sagen, in Schwung gebracht hat das Sich-Stützen des Menschen auf sein intelligentes Wesen. Die mitteleuropäische Intelligenz, die anerzogen werden muß, die hängt schon zusammen mit dem Protestantismus. Sogar die katholische Aktion, die gegen den Protestantismus sich erhoben hat, ist, wenn man sie richtig betrachtet, protestantisch, wenn sie nicht gerade vom Jesuitismus ausgeht, der bewußt zurückgehalten hat, was durch den Protestantismus gekommen ist. Aber der Impuls, der durch den Protestantismus wirkt, wirkt, ich möchte sagen, in seiner Reinkultur in Mitteleuropa. Wie wirkte er in Westeuropa? Studieren Sie die geschichtlichen Verhältnisse an der Hand historischer Symptomatologie, dann werden Sie finden: In Westeuropa und in Amerika wirkt der Protestantismus so, daß er dem angeborenen intelligenten Instinkt wie eine Selbstverständlichkeit entspricht, der sich sogar mehr im politischen Leben als im religiösen Leben auslebt. Er wirkt ganz selbstverständlich. Er ist da etwas, was alles durchdringt, er hat nicht eine besondere Beschaffenheit nötig, wenn auch da und dort natürlich reformatorische Herzen erglühten; er hat nicht nötig, eine so erschütternde Reformation herbeizurufen, wie das in Mitteleuropa der Fall war. Er ist im Westen selbstverständlich da. Er ist so, daß man sagen könnte: Der moderne Westmensch wird schon als Protestant geboren; der mitteleuropäische Mensch diskutiert als Protestant. Gerade der Prötestantismus ruft die Diskussionen über die intelligenten Dinge hervor. Da ist es nicht angeboren. Der Russe lehnt den Protestantismus als Russe ab. Er will ihn nicht haben, er kann ihn auch als Russe nicht haben. Russentum und Protestantismus sind unverträglich miteinander.

[ 28 ] Nehmen Sie, um da etwas ins Auge zu fassen, die mitteleuropäische Kultur in ihrer Abhängigkeit vom Protestantismus. Diese Abhängigkeit ist größer, als man gewöhnlich denkt. Im Grunde genommen ist die ganze mitteleuropäische Kultur konfiguriert von dem Impuls des Protestantismus, nicht von diesem oder jenem Bekenntnis, aber von dem Impuls des Protestantismus, denn der Protestantismus ist ja für den höher Betrachtenden auch nur ein Symptom. Das Wesentliche ist der geistige Impuls, der im Protestantismus wirkte. Die ganze Wissenschaft, wie siein Mitteleuropa getrieben wird, die Form, die sie erhält, ist eigentlich vom Protestantismus beeinflußt, und ohne den Protestantismus ist diese mitteleuropäische Kultur nicht denkbar. Was an einer Stelle besonders hervorragend auftritt — geradeso, wie ich es Ihnen vorhin mit der Anwendung der sozialen Aufgaben der Anthroposophie gezeigt habe, die man sogar differenziert anwenden soll —, das ist an anderer Stelle in anderer Weise, in anderen Verhältnissen zum Leben vorhanden. In Mitteleuropa ist der Protestantismus so gewesen, daß er vorzugsweise, ich möchte sagen, in Schwung gebracht hat das Sich-Stützen des Menschen auf sein intelligentes Wesen. Die mitteleuropäische Intelligenz, die anerzogen werden muß, die hängt schon zusammen mit dem Protestantismus. Sogar die katholische Aktion, die gegen den Protestantismus sich erhoben hat, ist, wenn man sie richtig betrachtet, protestantisch, wenn sie nicht gerade vom Jesuitismus ausgeht, der bewußt zurückgehalten hat, was durch den Protestantismus gekommen ist. Aber der Impuls, der durch den Protestantismus wirkt, wirkt, ich möchte sagen, in seiner Reinkultur in Mitteleuropa. Wie wirkte er in Westeuropa? Studieren Sie die geschichtlichen Verhältnisse an der Hand historischer Symptomatologie, dann werden Sie finden: In Westeuropa und in Amerika wirkt der Protestantismus so, daß er dem angeborenen intelligenten Instinkt wie eine Selbstverständlichkeit entspricht, der sich sogar mehr im politischen Leben als im religiösen Leben auslebt. Er wirkt ganz selbstverständlich. Er ist da etwas, was alles durchdringt, er hat nicht eine besondere Beschaffenheit nötig, wenn auch da und dort natürlich reformatorische Herzen erglühten; er hat nicht nötig, eine so erschütternde Reformation herbeizurufen, wie das in Mitteleuropa der Fall war. Er ist im Westen selbstverständlich da. Er ist so, daß man sagen könnte: Der moderne Westmensch wird schon als Protestant geboren; der mitteleuropäische Mensch diskutiert als Protestant. Gerade der Prötestantismus ruft die Diskussionen über die intelligenten Dinge hervor. Da ist es nicht angeboren. Der Russe lehnt den Protestantismus als Russe ab. Er will ihn nicht haben, er kann ihn auch als Russe nicht haben. Russentum und Protestantismus sind unverträglich miteinander.

[ 29 ] Dieses, was ich sage, das drückt sich nicht etwa bloß dadurch aus, daß man auf das religiöse Bekenntnis sieht, sondern in der Aufnahme jeglichen Kulturimpulses drückt sich das aus. Sie können zum Beispiel den Marxismus in den Westländern verfolgen. Er wird so aufgenommen in den Westländern, daß er von vornherein ein Protest ist gegen die alten Besitzesverhältnisse und so weiter. In den Mittelländern muß viel diskutiert werden über diese Dinge, gezankt, gezweifelt, auch viel unnützes Zeug muß da geredet werden. Das entspricht dem Charakter der Mittelländer. In Osteuropa nimmt der Marxismus überhaupt sonderbare Formen an, in Osteuropa muß man ihn erst vollständig umsetzen. Und wenn Sie den Marxismus in Osteuropa nehmen, so ist er eigentlich ganz durchsetzt und gefärbt von russischer Orthodoxie. Er trägt, nicht in seinen Ideen, aber in der Art und Weise, wie sich der Russe selbst zum Marxismus stellt, das Gepräge des orthodoxen Glaubens.

[ 29 ] Dieses, was ich sage, das drückt sich nicht etwa bloß dadurch aus, daß man auf das religiöse Bekenntnis sieht, sondern in der Aufnahme jeglichen Kulturimpulses drückt sich das aus. Sie können zum Beispiel den Marxismus in den Westländern verfolgen. Er wird so aufgenommen in den Westländern, daß er von vornherein ein Protest ist gegen die alten Besitzesverhältnisse und so weiter. In den Mittelländern muß viel diskutiert werden über diese Dinge, gezankt, gezweifelt, auch viel unnützes Zeug muß da geredet werden. Das entspricht dem Charakter der Mittelländer. In Osteuropa nimmt der Marxismus überhaupt sonderbare Formen an, in Osteuropa muß man ihn erst vollständig umsetzen. Und wenn Sie den Marxismus in Osteuropa nehmen, so ist er eigentlich ganz durchsetzt und gefärbt von russischer Orthodoxie. Er trägt, nicht in seinen Ideen, aber in der Art und Weise, wie sich der Russe selbst zum Marxismus stellt, das Gepräge des orthodoxen Glaubens.

[ 30 ] Das soll nur darauf aufmerksam machen, wie es notwendig ist, über die Außendinge hinweg und auf das Innere zu sehen. Sie werden viel gewinnen, wenn Sie sich den mannigfaltigen Dingen des Lebens gegenüber daran gewöhnen, sich zu sagen: So wie wir die Worte heute gebrauchen, so sind sie schon zum großen Teile abgebrauchte Münzen. Was man heute nach dem Sprachgebrauch über die Dinge denkt, das ist eigentlich niemals recht der Wirklichkeit entsprechend. Man muß überall tiefer in die Dinge hineinsehen. Ich möchte sagen: Protestantismus, definiert so, wie das gewöhnlich nach den heutigen Denkgewohnheiten geschieht, sagt eigentlich gar nichts Wirklichkeitsgemäßes mehr. Man muß den Protestantismus so auffassen, daß man auch sagen kann: So, wie der Protestantismus auftritt im Marxismus oder meinetwillen in der Politik oder selbst in der Wissenschaft, hat man das, was der Wirklichkeit entspricht. So radikal notwendig ist es, daß heute angestrebt wird, über das bloße Wortscheingebilde, über das Begriffsscheingebilde hinaus zur lebendigen Erfassung der Wirklichkeit zu streben. Davon hängt alles ab, und davon hängt vor allen Dingen ab die richtige Auffassung des wichtigsten Impulses der Gegenwart, des sozialen Impulses. Auch hängt davon ab die richtige Beurteilung der Zeitverhältnisse. Gerade weil die Menschen gar nicht gewöhnt sind, auf das Wirkliche zu sehen, weil die Menschen ganz fern sind von wirklichkeitsgemäßen Vorstellungen, werden ja die Zeitverhältnisse so schief beurteilt. Sie fragen immer nach Schuld oder Unschuld an den letzten kriegerischen Katastrophen, obwohl diese Frage als solche nicht den allergeringsten Sinn hat. Deshalb habe ich Ihnen ja vor längerer Zeit schon hier vorgetragen, wie die Dinge eigentlich in den Weltimpulsen lagen. Gerade so, wie jene Karte heute eigentlich an der Realisierung ist, die ich vor Ihnen hier aufgezeichnet habe, so sind auch die anderen Dinge an der Realisierung. Sie realisieren sich, sie werden sich auch genau so realisieren, wie sie hier besprochen worden sind. Man muß Sinn haben für dasjenige, was wirklich ist, und nicht an Worthülsen hängen. Worthülsen müssen ja oftmals zur Charakteristik gebraucht werden, aber man darf nicht hängen bleiben an ihnen. So muß man, wenn man die Wirklichkeit sieht, auch vom Wirklichkeitsstandpunkte aus verstehen das heutige, von der Entente und den Amerikanern gebildete Urteil, das über die Mittelländer gefällt wird. Ich habe ja schon gesagt: Ich habe von vielen Seiten gehört, als diese Kriegskatastrophe begann, daß man das, was die Mittelländer getan haben, in Grund und Boden kritisiert hat. Das, was jetzt wahrhaftig genug an Gewaltpolitik und so weiter geschieht, wird von denen, die dazumal kritisiert haben, heute viel weniger kritisiert, obwohl genügend Veranlassung zu einer ähnlichen herben Kritik vorhanden wäre. Ich habe, glaube ich, niemals irgendwelche Persönlichkeiten in Schutz genommen, sondern Verhältnisse charakterisiert. Daher habe ich auch gar keine Aufgabe, Persönlichkeiten, deren maskenloses Dasein sich im Laufe der letzten Zeit enthüllt hat, irgendwie zu verteidigen. Aber, ob nun die restlose Vergötterung des Wilsonianismus zum Beispiel und alles dessen, was drum und dran hängt, weniger in dem Hang der Menschen zu irgendeinem Götzendienst liegt als dasjenige, was in den Mittelländern als Ludendorfferei entwickelt worden ist und was ja in die soziale Psychiatrie gehört, das ist doch etwas, was eben sehr sorgfältig entschieden werden muß, worüber nicht so obenhin gesprochen werden kann.

[ 30 ] Das soll nur darauf aufmerksam machen, wie es notwendig ist, über die Außendinge hinweg und auf das Innere zu sehen. Sie werden viel gewinnen, wenn Sie sich den mannigfaltigen Dingen des Lebens gegenüber daran gewöhnen, sich zu sagen: So wie wir die Worte heute gebrauchen, so sind sie schon zum großen Teile abgebrauchte Münzen. Was man heute nach dem Sprachgebrauch über die Dinge denkt, das ist eigentlich niemals recht der Wirklichkeit entsprechend. Man muß überall tiefer in die Dinge hineinsehen. Ich möchte sagen: Protestantismus, definiert so, wie das gewöhnlich nach den heutigen Denkgewohnheiten geschieht, sagt eigentlich gar nichts Wirklichkeitsgemäßes mehr. Man muß den Protestantismus so auffassen, daß man auch sagen kann: So, wie der Protestantismus auftritt im Marxismus oder meinetwillen in der Politik oder selbst in der Wissenschaft, hat man das, was der Wirklichkeit entspricht. So radikal notwendig ist es, daß heute angestrebt wird, über das bloße Wortscheingebilde, über das Begriffsscheingebilde hinaus zur lebendigen Erfassung der Wirklichkeit zu streben. Davon hängt alles ab, und davon hängt vor allen Dingen ab die richtige Auffassung des wichtigsten Impulses der Gegenwart, des sozialen Impulses. Auch hängt davon ab die richtige Beurteilung der Zeitverhältnisse. Gerade weil die Menschen gar nicht gewöhnt sind, auf das Wirkliche zu sehen, weil die Menschen ganz fern sind von wirklichkeitsgemäßen Vorstellungen, werden ja die Zeitverhältnisse so schief beurteilt. Sie fragen immer nach Schuld oder Unschuld an den letzten kriegerischen Katastrophen, obwohl diese Frage als solche nicht den allergeringsten Sinn hat. Deshalb habe ich Ihnen ja vor längerer Zeit schon hier vorgetragen, wie die Dinge eigentlich in den Weltimpulsen lagen. Gerade so, wie jene Karte heute eigentlich an der Realisierung ist, die ich vor Ihnen hier aufgezeichnet habe, so sind auch die anderen Dinge an der Realisierung. Sie realisieren sich, sie werden sich auch genau so realisieren, wie sie hier besprochen worden sind. Man muß Sinn haben für dasjenige, was wirklich ist, und nicht an Worthülsen hängen. Worthülsen müssen ja oftmals zur Charakteristik gebraucht werden, aber man darf nicht hängen bleiben an ihnen. So muß man, wenn man die Wirklichkeit sieht, auch vom Wirklichkeitsstandpunkte aus verstehen das heutige, von der Entente und den Amerikanern gebildete Urteil, das über die Mittelländer gefällt wird. Ich habe ja schon gesagt: Ich habe von vielen Seiten gehört, als diese Kriegskatastrophe begann, daß man das, was die Mittelländer getan haben, in Grund und Boden kritisiert hat. Das, was jetzt wahrhaftig genug an Gewaltpolitik und so weiter geschieht, wird von denen, die dazumal kritisiert haben, heute viel weniger kritisiert, obwohl genügend Veranlassung zu einer ähnlichen herben Kritik vorhanden wäre. Ich habe, glaube ich, niemals irgendwelche Persönlichkeiten in Schutz genommen, sondern Verhältnisse charakterisiert. Daher habe ich auch gar keine Aufgabe, Persönlichkeiten, deren maskenloses Dasein sich im Laufe der letzten Zeit enthüllt hat, irgendwie zu verteidigen. Aber, ob nun die restlose Vergötterung des Wilsonianismus zum Beispiel und alles dessen, was drum und dran hängt, weniger in dem Hang der Menschen zu irgendeinem Götzendienst liegt als dasjenige, was in den Mittelländern als Ludendorfferei entwickelt worden ist und was ja in die soziale Psychiatrie gehört, das ist doch etwas, was eben sehr sorgfältig entschieden werden muß, worüber nicht so obenhin gesprochen werden kann.

[ 31 ] Aber von einem anderen Gesichtspunkte aus habe ich Ihnen einmal hier gesagt: Wenn ein Mensch über den andern schimpft, Böses sagt, so ist nicht immer, ja sogar in den seltensten Fällen der Grund dazu in dem Menschen, über den Böses gesagt wird. Der mag auch böse sein; aber dieses, die Bösheit in ihm, ist für den objektiven Betrachter der Wirklichkeit der allergeringste Grund des Schimpfens. Der Grund des Schimpfens ist zumeist das Schimpfbedürfnis. Und dieses Schimpfbedürfnis sucht sich ein Objekt, das will sich entladen. Das sucht auch seine Ideen in eine solche Strömung zu bringen, daß diese Ideen wie berechtigt aus der Seele des schimpfenden Menschen hervorzugehen scheinen. So ist es oftmals im Verkehr der einzelnen Menschen miteinander. Aber im Großen, in der Welt, ist es auch nicht anders. Man muß dann nur darauf hinsehen, daß ja auch tiefere Gründe vorhanden sind. Sehen Sie, es ist durchaus begreiflich und selbstverständlich, daß die Leute in Ententeländern und in amerikanischen Gebieten jetzt nicht nur einzelne Machthaber, sondern auch die Bevölkerung der Mittelländer in Grund und Boden bohren und alles mögliche nach dieser Richtung hin sagen. Man kann das begreifen, denn, wie würde sich denn die Politik der Ententeländer in den jetzigen Wochen ausnehmen, wenn die Leute dort sagen würden: Diese Leute in den Mittelländern sind ja gar nicht so schlimm; es sind doch im Grunde genommen Menschen, die nur ihre besseren Seiten zu entwickeln brauchen, dann ist es ganz gut mit ihnen. — Ja, wenn sie das sagen würden, dann würde das wenig stimmen mit der Politik, die sie treiben. Man muß dasjenige sagen in der Welt, was einen rechtfertigt. Man muß wissen, wie die Dinge aus der Wirklichkeit hervorgehen. Das ist eine tiefere Anschauung. Es ist ganz selbstverständlich, daß die gesamte öffentliche Meinung der Ententeländer nicht deshalb so ist, weil es wahr ist, sondern um das eigene Verhalten zu rechtfertigen, geradeso, wie oftmals, wenn einer über den andern schimpft, er nicht deshalb schimpft, weil der Angeschimpfte so oder so ist, sondern weil er ein Schimpfbedürfnis hat, weil er es entladen will. Es handelt sich wirklich darum, die Dinge anders anzusehen, als man gewohnt ist, sie anzusehen. Das ist es, worauf es ankommt. Geisteswissenschaft im innersten Grund seiner Seele zu erfassen, ist noch in vieler Beziehung etwas ganz anderes, als was sich selbst viele, die sich der anthroposophischen Bewegung zurechnen, vorstellen.

[ 31 ] Aber von einem anderen Gesichtspunkte aus habe ich Ihnen einmal hier gesagt: Wenn ein Mensch über den andern schimpft, Böses sagt, so ist nicht immer, ja sogar in den seltensten Fällen der Grund dazu in dem Menschen, über den Böses gesagt wird. Der mag auch böse sein; aber dieses, die Bösheit in ihm, ist für den objektiven Betrachter der Wirklichkeit der allergeringste Grund des Schimpfens. Der Grund des Schimpfens ist zumeist das Schimpfbedürfnis. Und dieses Schimpfbedürfnis sucht sich ein Objekt, das will sich entladen. Das sucht auch seine Ideen in eine solche Strömung zu bringen, daß diese Ideen wie berechtigt aus der Seele des schimpfenden Menschen hervorzugehen scheinen. So ist es oftmals im Verkehr der einzelnen Menschen miteinander. Aber im Großen, in der Welt, ist es auch nicht anders. Man muß dann nur darauf hinsehen, daß ja auch tiefere Gründe vorhanden sind. Sehen Sie, es ist durchaus begreiflich und selbstverständlich, daß die Leute in Ententeländern und in amerikanischen Gebieten jetzt nicht nur einzelne Machthaber, sondern auch die Bevölkerung der Mittelländer in Grund und Boden bohren und alles mögliche nach dieser Richtung hin sagen. Man kann das begreifen, denn, wie würde sich denn die Politik der Ententeländer in den jetzigen Wochen ausnehmen, wenn die Leute dort sagen würden: Diese Leute in den Mittelländern sind ja gar nicht so schlimm; es sind doch im Grunde genommen Menschen, die nur ihre besseren Seiten zu entwickeln brauchen, dann ist es ganz gut mit ihnen. — Ja, wenn sie das sagen würden, dann würde das wenig stimmen mit der Politik, die sie treiben. Man muß dasjenige sagen in der Welt, was einen rechtfertigt. Man muß wissen, wie die Dinge aus der Wirklichkeit hervorgehen. Das ist eine tiefere Anschauung. Es ist ganz selbstverständlich, daß die gesamte öffentliche Meinung der Ententeländer nicht deshalb so ist, weil es wahr ist, sondern um das eigene Verhalten zu rechtfertigen, geradeso, wie oftmals, wenn einer über den andern schimpft, er nicht deshalb schimpft, weil der Angeschimpfte so oder so ist, sondern weil er ein Schimpfbedürfnis hat, weil er es entladen will. Es handelt sich wirklich darum, die Dinge anders anzusehen, als man gewohnt ist, sie anzusehen. Das ist es, worauf es ankommt. Geisteswissenschaft im innersten Grund seiner Seele zu erfassen, ist noch in vieler Beziehung etwas ganz anderes, als was sich selbst viele, die sich der anthroposophischen Bewegung zurechnen, vorstellen.

[ 32 ] Äußerlich, abstrakt betrachtet — und jetzt kommen wir auf ein anderes Kapitel — könnte man glauben, daß der Sozialismus der Gegenwart, die sozialen Forderungen der Gegenwart, aus sozialen Impulsen hervorgehen. Ich habe Ihnen neulich charakterisiert, wie der Mensch hin- und herpendelt zwischen sozialen und antisozialen Trieben oder Instinkten. Der abstrakt Denkende wird es als etwas ganz Selbstverständliches betrachten, daß der soziale Proletarier in der Gegenwart aus dem Sozialen geboren ist, denn es schickt sich so, nicht wahr, daß man das Soziale aus dem Sozialen definiert. Aber das ist ja nicht wahr. Wer den proletarischen Sozialismus der Gegenwart seiner Wirklichkeit gemäß betrachtet, der weiß, daß der Sozialismus, wie er heute als Marxismus auftritt, eine antisoziale Erscheinung ist. Er geht aus den antisozialen Impulsen hervor. Das ist der Unterschied zwischen abstrakten Definitionen, zwischen abstraktem Denken und wirklichkeitsgemäßem Denken. Was treibt die Menschen, die nach dieser hier gemeinten Richtung hin heute den Sozialismus verwirklichen wollen? Treiben sie etwa soziale Instinkte? Nein, antisoziale Instinkte! Ich habe es gestern sogar aus äußeren Hinweisen gezeigt, aus der Konfiguration der Grundformel: «Proletarier aller Länder, vereinigt euch!» Das heißt: Fühlet den Haß zu den anderen Klassen, damit ihr das Band der Vereinigung fühlt! — Da haben Sie einen der antisozialen Impulse. Man könnte unendlich viele der antisozialen Impulse aufführen, wenn man die Sozialpsychologie der Gegenwart studiert. Das ist der Unterschied zwischen derjenigen Denkweise, die sich heraufentwickelt, heraufentwickeln muß, und die durch anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft gefördert werden soll, und dem, was heute landläufigen Denkgewohnheiten entspricht.

[ 32 ] Äußerlich, abstrakt betrachtet — und jetzt kommen wir auf ein anderes Kapitel — könnte man glauben, daß der Sozialismus der Gegenwart, die sozialen Forderungen der Gegenwart, aus sozialen Impulsen hervorgehen. Ich habe Ihnen neulich charakterisiert, wie der Mensch hin- und herpendelt zwischen sozialen und antisozialen Trieben oder Instinkten. Der abstrakt Denkende wird es als etwas ganz Selbstverständliches betrachten, daß der soziale Proletarier in der Gegenwart aus dem Sozialen geboren ist, denn es schickt sich so, nicht wahr, daß man das Soziale aus dem Sozialen definiert. Aber das ist ja nicht wahr. Wer den proletarischen Sozialismus der Gegenwart seiner Wirklichkeit gemäß betrachtet, der weiß, daß der Sozialismus, wie er heute als Marxismus auftritt, eine antisoziale Erscheinung ist. Er geht aus den antisozialen Impulsen hervor. Das ist der Unterschied zwischen abstrakten Definitionen, zwischen abstraktem Denken und wirklichkeitsgemäßem Denken. Was treibt die Menschen, die nach dieser hier gemeinten Richtung hin heute den Sozialismus verwirklichen wollen? Treiben sie etwa soziale Instinkte? Nein, antisoziale Instinkte! Ich habe es gestern sogar aus äußeren Hinweisen gezeigt, aus der Konfiguration der Grundformel: «Proletarier aller Länder, vereinigt euch!» Das heißt: Fühlet den Haß zu den anderen Klassen, damit ihr das Band der Vereinigung fühlt! — Da haben Sie einen der antisozialen Impulse. Man könnte unendlich viele der antisozialen Impulse aufführen, wenn man die Sozialpsychologie der Gegenwart studiert. Das ist der Unterschied zwischen derjenigen Denkweise, die sich heraufentwickelt, heraufentwickeln muß, und die durch anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft gefördert werden soll, und dem, was heute landläufigen Denkgewohnheiten entspricht.

[ 33 ] Deshalb findet auch das, was als anthroposophischer Standpunkt gegenüber der sozialen Frage geltend gemacht werden muß, heute noch so viel Widerstand, weil die Leute nicht wirklichkeitsgemäß denken können, weil die Leute vor allen Dingen nicht differenziert denken können und oftmals sogar glauben, wenn jemand differenziert denken kann, so widerspricht er sich selber.

[ 33 ] Deshalb findet auch das, was als anthroposophischer Standpunkt gegenüber der sozialen Frage geltend gemacht werden muß, heute noch so viel Widerstand, weil die Leute nicht wirklichkeitsgemäß denken können, weil die Leute vor allen Dingen nicht differenziert denken können und oftmals sogar glauben, wenn jemand differenziert denken kann, so widerspricht er sich selber.

[ 34 ] Wichtige Fragen der Gegenwart sind nur zu lösen durch wirklichkeitsgemäßes Denken. Ich will Ihnen eine solche Frage, die sich anknüpft an das, was wir schon besprochen haben, sagen. Ich habe gesagt: Das, was in den proletarischen Köpfen besonders spukt, was einen treibenden Motor bildet, das ist, daß an die Stelle des alten Sklaventums die Versklaverei der Arbeit getreten ist, indem Arbeit in der heutigen sozialen Struktur Ware ist. Ich habe Ihnen gestern scharf betont, daß gerade darin die Aufgabe des sozialen Denkens besteht, die Ware loszulösen von der Arbeitskraft. Die dreigliedrige soziale Struktur, von der ich gesprochen habe, enthält schon denjenigen Impuls, der die Ware von der menschlichen Arbeit loslöst. Denn was durch diese Dreigliederung bewirkt wird, sind nicht logische Konsequenzen, sondern sind eben Wirklichkeitskonsequenzen, die auch der Anschauungswirklichkeit entsprechen.

[ 34 ] Wichtige Fragen der Gegenwart sind nur zu lösen durch wirklichkeitsgemäßes Denken. Ich will Ihnen eine solche Frage, die sich anknüpft an das, was wir schon besprochen haben, sagen. Ich habe gesagt: Das, was in den proletarischen Köpfen besonders spukt, was einen treibenden Motor bildet, das ist, daß an die Stelle des alten Sklaventums die Versklaverei der Arbeit getreten ist, indem Arbeit in der heutigen sozialen Struktur Ware ist. Ich habe Ihnen gestern scharf betont, daß gerade darin die Aufgabe des sozialen Denkens besteht, die Ware loszulösen von der Arbeitskraft. Die dreigliedrige soziale Struktur, von der ich gesprochen habe, enthält schon denjenigen Impuls, der die Ware von der menschlichen Arbeit loslöst. Denn was durch diese Dreigliederung bewirkt wird, sind nicht logische Konsequenzen, sondern sind eben Wirklichkeitskonsequenzen, die auch der Anschauungswirklichkeit entsprechen.

[ 35 ] Nun schließt sich an diese Frage eine andere an, die gewissermaßen brennend ist. Sie wissen, eine der Grundforderungen des proletarischen Materialismus, der marxistisch gefärbt ist, ist die der Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Die Produktionsmittel sollen in den Gemeinbesitz übergehen. Das würde ja nur der Anfang des Gemeinbesitzes überhaupt sein, auch des Grund und Bodens und so weiter. Und Sie wissen ja auch aus dem, was ich Ihnen vorgeführt habe als das Programm der russischen Räte-Republik, daß es zu dem Programm gehört, die Produktionsmittel und Grund und Boden zu verstaatlichen, besser gesagt, zu vergesellschaften. Das weist Sie schon hin auf die denkbar wichtigste soziale Unterfrage der Gegenwart. Die kann man so formulieren: Soll das soziale Eingreifen in die gegenwärtige Kultur, oder auch in das gegenwärtige Chaos, wenn wir auf die Mittelländer und Ostländer sehen, so geschehen, daß die Tendenz sich herausbildet, daß gegen die Zukunft hin möglichst immer mehr einzelne Menschen Eigentümer werden, Besitzer werden, oder soll es sich so entwickeln, daß die Gemeinschaft Besitzer wird? — Sie verstehen, was ich meine. — Soll es so werden, daß möglichst der einzelne Mensch einen Besitz, ein Eigentum hat, oder soll, um die Ungerechtigkeit zu vermeiden, dasjenige, was Besitz werden kann, Grund und Boden, Produktionsmittel und so weiter, Gemeinbesitz werden? Das ist eine sehr wichtige soziale Unterfrage. Die Tendenz des proletarischen Denkens strebt heute darauf hin, die Dinge zum Gemeinbesitz zu machen. Aber, es ist mit Bezug auf die wichtigsten sozialen Impulse kein Unterschied, ob ein einzelner oder eine Assoziation oder die Gesamtheit Besitzer ist. Die Gesamtheit — für den, der die Wirklichkeit studieren kann, bezeugt sich dieses — wird kein anderer, kein minder schlimmer Unternehmer sein gegenüber dem einzelnen, als es der einzelne Unternehmer ist. Das liegt einfach wie ein Naturgesetz in der Natur der Tatsachen, und das sieht man nur nicht ein; deshalb geht man in die Irre. Denn die Frage ist diese: Sollen alle Menschen Besitzer werden? — Das würde dann sein, wenn man nicht gemeinschaftlichen Besitz hätte — ich kann die Technik weiter nicht ausführen, sie ist aber vollständig durchführbar —, sondern wenn die einzelnen Individualitäten nach der Opportunität, die auf irgendeinem Territorium herrscht, wenn jeder in gerechter Weise Besitzer wäre. Sollen alle Besitzer werden, oder sollen, wie es das heutige proletarische Denken will, alle Proletarier werden? Das ist die Alternative. Das heutige proletarische Denken will alle zu Proletariern machen und nur die Gesamtheit zum Unternehmer. Was sich da ergibt, wenn man die Wirklichkeit erfassen kann, das ist das Gegenteil. Denn niemals ist es möglich, die Dreigliedrigkeit der sozialen Struktur zu erreichen, wenn man alle Menschen zu Proletariern macht. Was erreicht werden muß als Tendenz der dreigliedrigen Struktur, ist die Freiheit des einzelnen Menschen in leiblicher, seelischer und geistiger Beziehung. Das ist nicht zu erreichen, wenn alle Menschen Proletarier werden; aber sie ist für jeden Menschen zu erreichen, wenn alle eine Grundlage des Besitzes haben.

[ 35 ] Nun schließt sich an diese Frage eine andere an, die gewissermaßen brennend ist. Sie wissen, eine der Grundforderungen des proletarischen Materialismus, der marxistisch gefärbt ist, ist die der Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Die Produktionsmittel sollen in den Gemeinbesitz übergehen. Das würde ja nur der Anfang des Gemeinbesitzes überhaupt sein, auch des Grund und Bodens und so weiter. Und Sie wissen ja auch aus dem, was ich Ihnen vorgeführt habe als das Programm der russischen Räte-Republik, daß es zu dem Programm gehört, die Produktionsmittel und Grund und Boden zu verstaatlichen, besser gesagt, zu vergesellschaften. Das weist Sie schon hin auf die denkbar wichtigste soziale Unterfrage der Gegenwart. Die kann man so formulieren: Soll das soziale Eingreifen in die gegenwärtige Kultur, oder auch in das gegenwärtige Chaos, wenn wir auf die Mittelländer und Ostländer sehen, so geschehen, daß die Tendenz sich herausbildet, daß gegen die Zukunft hin möglichst immer mehr einzelne Menschen Eigentümer werden, Besitzer werden, oder soll es sich so entwickeln, daß die Gemeinschaft Besitzer wird? — Sie verstehen, was ich meine. — Soll es so werden, daß möglichst der einzelne Mensch einen Besitz, ein Eigentum hat, oder soll, um die Ungerechtigkeit zu vermeiden, dasjenige, was Besitz werden kann, Grund und Boden, Produktionsmittel und so weiter, Gemeinbesitz werden? Das ist eine sehr wichtige soziale Unterfrage. Die Tendenz des proletarischen Denkens strebt heute darauf hin, die Dinge zum Gemeinbesitz zu machen. Aber, es ist mit Bezug auf die wichtigsten sozialen Impulse kein Unterschied, ob ein einzelner oder eine Assoziation oder die Gesamtheit Besitzer ist. Die Gesamtheit — für den, der die Wirklichkeit studieren kann, bezeugt sich dieses — wird kein anderer, kein minder schlimmer Unternehmer sein gegenüber dem einzelnen, als es der einzelne Unternehmer ist. Das liegt einfach wie ein Naturgesetz in der Natur der Tatsachen, und das sieht man nur nicht ein; deshalb geht man in die Irre. Denn die Frage ist diese: Sollen alle Menschen Besitzer werden? — Das würde dann sein, wenn man nicht gemeinschaftlichen Besitz hätte — ich kann die Technik weiter nicht ausführen, sie ist aber vollständig durchführbar —, sondern wenn die einzelnen Individualitäten nach der Opportunität, die auf irgendeinem Territorium herrscht, wenn jeder in gerechter Weise Besitzer wäre. Sollen alle Besitzer werden, oder sollen, wie es das heutige proletarische Denken will, alle Proletarier werden? Das ist die Alternative. Das heutige proletarische Denken will alle zu Proletariern machen und nur die Gesamtheit zum Unternehmer. Was sich da ergibt, wenn man die Wirklichkeit erfassen kann, das ist das Gegenteil. Denn niemals ist es möglich, die Dreigliedrigkeit der sozialen Struktur zu erreichen, wenn man alle Menschen zu Proletariern macht. Was erreicht werden muß als Tendenz der dreigliedrigen Struktur, ist die Freiheit des einzelnen Menschen in leiblicher, seelischer und geistiger Beziehung. Das ist nicht zu erreichen, wenn alle Menschen Proletarier werden; aber sie ist für jeden Menschen zu erreichen, wenn alle eine Grundlage des Besitzes haben.

[ 36 ] Was zweitens erreicht werden muß, ist eine solche Regulierung der Verhältnisse, daß vor dem Gesetze oder vor der Verfassung, überhaupt vor der Regierung alle gleich sind. Freiheit auf dem geistigen Wege, Gleichheit meinetwillen im Staate, wenn man das eine Drittel weiter so nennen will, Brüderlichkeit in bezug auf das Leben in der Ökonomie. Ich kenne sehr geistvolle Bücher, die mit Recht hervorheben, daß die drei Ideen «Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit» einander widersprechen. Nun, Gleichheit widerspricht der Freiheit ganz entschieden; das haben 1848, und auch schon früher, geistvolle Schriftsteller ausgesprochen; das ist ganz richtig. Wenn man alles durcheinanderwirft, widersprechen sich die Dinge. Freiheit auf dem geistigen, juristischen Gebiete, der Religion, des Unterrichts, der Jurisprudenz; Gleichheit in der Verwaltung, in der Regierung, in dem Sicherheitsdienst; Brüderlichkeit auf ökonomischem Gebiete. — Auf ökonomischem Gebiete ist das Eigentum, das nur in entsprechender Weise für die Zukunft ausgebildet werden muß; auf dem Gebiete des Sicherheitsdienstes und der Verwaltung das Recht, und auf dem Gebiete des geistigen und juristischen Lebens die Freiheit. Wenn die Dinge nach der Trinität verteilt sind, widersprechen sie einander nicht. Denn dasjenige, was sich in Gedanken widerspricht, das ist deshalb wirklichkeitsgemäß, weil es in der Wirklichkeit auf Verschiedenes verteilt ist. Der Gedanke, der krebst nach Widersprüchen; die Wirklichkeit lebt aber nach Widersprüchen. Nun kann man die Wirklichkeit nicht erfassen, wenn man die Widersprüche nicht erfassen kann, wenn man in seinen Gedanken den Widersprüchen nicht nachkommt. Sie sehen aus alledem, daß die Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, tatsächlich etwas zu sagen hat bei den wichtigsten Fragen der Gegenwart. Das werden vielleicht doch einige von Ihnen begreifen, daß diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft einiges zu sagen hat und daß die Art, wie man über sie denken sollte, im Grunde beeinflußt werden sollte von dem Bewußtsein, wie sie zu den wichtigsten Forderungen der Zeit steht.

[ 36 ] Was zweitens erreicht werden muß, ist eine solche Regulierung der Verhältnisse, daß vor dem Gesetze oder vor der Verfassung, überhaupt vor der Regierung alle gleich sind. Freiheit auf dem geistigen Wege, Gleichheit meinetwillen im Staate, wenn man das eine Drittel weiter so nennen will, Brüderlichkeit in bezug auf das Leben in der Ökonomie. Ich kenne sehr geistvolle Bücher, die mit Recht hervorheben, daß die drei Ideen «Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit» einander widersprechen. Nun, Gleichheit widerspricht der Freiheit ganz entschieden; das haben 1848, und auch schon früher, geistvolle Schriftsteller ausgesprochen; das ist ganz richtig. Wenn man alles durcheinanderwirft, widersprechen sich die Dinge. Freiheit auf dem geistigen, juristischen Gebiete, der Religion, des Unterrichts, der Jurisprudenz; Gleichheit in der Verwaltung, in der Regierung, in dem Sicherheitsdienst; Brüderlichkeit auf ökonomischem Gebiete. — Auf ökonomischem Gebiete ist das Eigentum, das nur in entsprechender Weise für die Zukunft ausgebildet werden muß; auf dem Gebiete des Sicherheitsdienstes und der Verwaltung das Recht, und auf dem Gebiete des geistigen und juristischen Lebens die Freiheit. Wenn die Dinge nach der Trinität verteilt sind, widersprechen sie einander nicht. Denn dasjenige, was sich in Gedanken widerspricht, das ist deshalb wirklichkeitsgemäß, weil es in der Wirklichkeit auf Verschiedenes verteilt ist. Der Gedanke, der krebst nach Widersprüchen; die Wirklichkeit lebt aber nach Widersprüchen. Nun kann man die Wirklichkeit nicht erfassen, wenn man die Widersprüche nicht erfassen kann, wenn man in seinen Gedanken den Widersprüchen nicht nachkommt. Sie sehen aus alledem, daß die Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, tatsächlich etwas zu sagen hat bei den wichtigsten Fragen der Gegenwart. Das werden vielleicht doch einige von Ihnen begreifen, daß diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft einiges zu sagen hat und daß die Art, wie man über sie denken sollte, im Grunde beeinflußt werden sollte von dem Bewußtsein, wie sie zu den wichtigsten Forderungen der Zeit steht.

[ 37 ] Das ist ja etwas, was auch innig zusammenhängt mit der ganzen Art, wie ich mir zum Beispiel persönlich vorstellen muß, daß im Geistesleben der Gegenwart diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, oder ihr Träger, die anthroposophisch orientierte Geistesbewegung, stehen soll. Das ist natürlich nicht mit einem Schlage von unseren Zeitgenossen zu erreichen, daß man da richtig sieht. Glauben Sie nicht — und derjenige, der mich kennt, der wird das ganz gewiß nicht glauben —, daß es aus einer Albernheit heraus ist oder aus einer persönlichen Eitelkeit, wenn ich diese Dinge charakterisiere. Aus der Notwendigkeit der Tatsachen heraus bin ich immer wieder gezwungen, nach der einen oder anderen Richtung hin zu charakterisieren. Es ist wirklich so, und ich habe Ihnen ja das bei verschiedenen Anlässen gezeigt, daß ich das, was ich selber kann und will, gar nicht geneigt bin, zu überschätzen. Ich kenne die Grenzen und weiß manches, wovon vielleicht der eine oder andere nicht ahnt, daß ich es weiß. Aber gerade für diejenigen, die mich nach dieser Richtung ein wenig beurteilen können, darf ich vielleicht doch sagen, daß ich eines — wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, er ist nicht ganz richtig gebraucht, aber es gibt keinen andern —, daß ich eines «herbeiwünschen» möchte: Das ist eine gewisse Unterscheidung zwischen so etwas, wie es hier gewollt wird, und denjenigen Dingen, mit denen das, was hier gewollt wird, sehr häufig verwechselt wird. Wieviele gibt es heute noch, die da oder dort diese oder jene okkulte oder sich okkult nennende Gesellschaft sehen und sich nicht einlassen auf eine durch den gesunden Menschenverstand herbeigeführte Unterscheidung dessen, was hier gefunden werden kann! Denn, mag es noch so unvollkommen sein, die Bemühung liegt doch hier vor, wirklich mit dem Bewußtsein der Zeit zu rechnen. Sehen Sie sich dagegen all das Zeug an, was vielfach auch als okkulte oder ähnliche Bewegungen aufgefaßt wird, wie das mit dem Bewußtsein der Zeit rechnet. Alle diese Nieder- und Hochgrad-Maurer, auch alle die verschiedensten Religionsgemeinschaften, an ihnen ist ja gerade das Antiquierte, daß sie nicht imstande sind, mit dem Bewußtsein der Zeit wirklich zu rechnen. Wo redet man denn aus den Untergründen heraus, die in diesen Dingen zu finden sind? Wo redet man denn in einer wirklich modern eingreifenden Weise, so daß es der Wirklichkeit angepaßt ist, über die brennenden Fragen der Gegenwart? Aus den Ritualien und Vorschriften der einen oder der anderen Maurerei oder Konfessionsgemeinschaft werden Sie diese Dinge nicht herausfinden können. Da möchte man, daß ein Unterscheidungsvermögen Platz griffe!

[ 37 ] Das ist ja etwas, was auch innig zusammenhängt mit der ganzen Art, wie ich mir zum Beispiel persönlich vorstellen muß, daß im Geistesleben der Gegenwart diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, oder ihr Träger, die anthroposophisch orientierte Geistesbewegung, stehen soll. Das ist natürlich nicht mit einem Schlage von unseren Zeitgenossen zu erreichen, daß man da richtig sieht. Glauben Sie nicht — und derjenige, der mich kennt, der wird das ganz gewiß nicht glauben —, daß es aus einer Albernheit heraus ist oder aus einer persönlichen Eitelkeit, wenn ich diese Dinge charakterisiere. Aus der Notwendigkeit der Tatsachen heraus bin ich immer wieder gezwungen, nach der einen oder anderen Richtung hin zu charakterisieren. Es ist wirklich so, und ich habe Ihnen ja das bei verschiedenen Anlässen gezeigt, daß ich das, was ich selber kann und will, gar nicht geneigt bin, zu überschätzen. Ich kenne die Grenzen und weiß manches, wovon vielleicht der eine oder andere nicht ahnt, daß ich es weiß. Aber gerade für diejenigen, die mich nach dieser Richtung ein wenig beurteilen können, darf ich vielleicht doch sagen, daß ich eines — wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, er ist nicht ganz richtig gebraucht, aber es gibt keinen andern —, daß ich eines «herbeiwünschen» möchte: Das ist eine gewisse Unterscheidung zwischen so etwas, wie es hier gewollt wird, und denjenigen Dingen, mit denen das, was hier gewollt wird, sehr häufig verwechselt wird. Wieviele gibt es heute noch, die da oder dort diese oder jene okkulte oder sich okkult nennende Gesellschaft sehen und sich nicht einlassen auf eine durch den gesunden Menschenverstand herbeigeführte Unterscheidung dessen, was hier gefunden werden kann! Denn, mag es noch so unvollkommen sein, die Bemühung liegt doch hier vor, wirklich mit dem Bewußtsein der Zeit zu rechnen. Sehen Sie sich dagegen all das Zeug an, was vielfach auch als okkulte oder ähnliche Bewegungen aufgefaßt wird, wie das mit dem Bewußtsein der Zeit rechnet. Alle diese Nieder- und Hochgrad-Maurer, auch alle die verschiedensten Religionsgemeinschaften, an ihnen ist ja gerade das Antiquierte, daß sie nicht imstande sind, mit dem Bewußtsein der Zeit wirklich zu rechnen. Wo redet man denn aus den Untergründen heraus, die in diesen Dingen zu finden sind? Wo redet man denn in einer wirklich modern eingreifenden Weise, so daß es der Wirklichkeit angepaßt ist, über die brennenden Fragen der Gegenwart? Aus den Ritualien und Vorschriften der einen oder der anderen Maurerei oder Konfessionsgemeinschaft werden Sie diese Dinge nicht herausfinden können. Da möchte man, daß ein Unterscheidungsvermögen Platz griffe!

[ 38 ] Gewiß, es ist erschwert, das gebe ich zu, aus dem Grunde, weil aus den historischen Verhältnissen, wie ich sie Ihnen geschildert habe, diese Gesellschaft, um die es sich hier handelt, im Anfang konfundiert wurde mit der Theosophischen oder mit allerlei anderen Gesellschaften. In äußerer Beziehung mag es ein Fehler gewesen sein; karmisch ist es gerechtfertigt. Gescheiter wäre es gewesen, wenn diese Anthroposophische Gesellschaft sich, ganz auf sich selbst stehend, ohne irgendeine Beziehung zu anderen Gesellschaften begründet hätte. Gewiß, äußerlich gefaßt, wäre es gescheiter gewesen, denn das ganze philiströse Bourgeoistum der Theosophischen Gesellschaft, das antiquierte Zeug, all das wäre nicht eingeflossen. In die Anthroposophie ist es ja nicht eingeflossen, aber vielfach in den gesellschaftlichen Betrieb. Es könnte, wenn Anthroposophie in der richtigen Weise in unserer Gesellschaft lebte, wie sie es eben nicht tut, es könnte diese Gesellschaft schon, in einem gewissen Sinne wenigstens, das eine Drittel unserer sozialen Struktur, wie sie aus der Anthroposophie selbst folgt, das geistige Drittel, selbst mit Einschluß des Juristischen, musterhaft charakterisieren. Denn was als Recht von Individuum zu Individuum eigentlich unter Anthroposophen herrschen sollte, das sollte eine selbstverständliche Sache sein. Ich empfinde es immer als den schärfsten Bruch mit dem, was sich unter uns entwickeln soll, wenn der eine über den andern so spricht, daß er nach außen irgendwie klagen geht. Da soll sich auch das Rechtsbewußtsein, soweit es eben in dem einen Drittel der sozialen Struktur gemeint ist, entwickeln. Aber es ist eben noch weithin, bis daß eine solche anthroposophische Gesellschaft wirklich das enthält, was sie enthalten könnte, nach den anthroposophischen Impulsen, wie sie eigentlich gemeint sind. Dann muß erst noch das Ohr sich für innere Wahrheit entwickeln, dieses Ohr für innere Wahrheit, das heute die wenigsten Menschen haben. Weil diese Unterscheidung, die eigentlich von außen kommen sollte, von außen nicht kommt, deshalb ist es schon notwendig, das eine oder das andere Mal von diesem oder jenem Gesichtspunkte auf das Unterscheidende hinzuweisen. Ich möchte insbesondere mit Bezug auf gewisse Dinge heute dieses sagen: Dadurch unterscheidet sich das, was durch mich selbst in dieser anthroposophischen Bewegung lebt, von anderem, daß durchaus immer von mir gearbeitet wurde nach jenem Grundsatz, den ich bereits beim Erscheinen meiner « Theosophie» in der Vorrede ausgesprochen habe, daß ich nichts anderes mitteile als das, was ich aus persönlicher Erfahrung mitteilen kann. Hier wird nichts anderes mitgeteilt von mir, als wofür ich aus persönlicher Erfahrung einstehen kann. Hier wird nicht in irgendeinem Sinne, wie es sonst da oder dort gemacht wird, die Berufung auf Autoritäten gepflogen.

[ 38 ] Gewiß, es ist erschwert, das gebe ich zu, aus dem Grunde, weil aus den historischen Verhältnissen, wie ich sie Ihnen geschildert habe, diese Gesellschaft, um die es sich hier handelt, im Anfang konfundiert wurde mit der Theosophischen oder mit allerlei anderen Gesellschaften. In äußerer Beziehung mag es ein Fehler gewesen sein; karmisch ist es gerechtfertigt. Gescheiter wäre es gewesen, wenn diese Anthroposophische Gesellschaft sich, ganz auf sich selbst stehend, ohne irgendeine Beziehung zu anderen Gesellschaften begründet hätte. Gewiß, äußerlich gefaßt, wäre es gescheiter gewesen, denn das ganze philiströse Bourgeoistum der Theosophischen Gesellschaft, das antiquierte Zeug, all das wäre nicht eingeflossen. In die Anthroposophie ist es ja nicht eingeflossen, aber vielfach in den gesellschaftlichen Betrieb. Es könnte, wenn Anthroposophie in der richtigen Weise in unserer Gesellschaft lebte, wie sie es eben nicht tut, es könnte diese Gesellschaft schon, in einem gewissen Sinne wenigstens, das eine Drittel unserer sozialen Struktur, wie sie aus der Anthroposophie selbst folgt, das geistige Drittel, selbst mit Einschluß des Juristischen, musterhaft charakterisieren. Denn was als Recht von Individuum zu Individuum eigentlich unter Anthroposophen herrschen sollte, das sollte eine selbstverständliche Sache sein. Ich empfinde es immer als den schärfsten Bruch mit dem, was sich unter uns entwickeln soll, wenn der eine über den andern so spricht, daß er nach außen irgendwie klagen geht. Da soll sich auch das Rechtsbewußtsein, soweit es eben in dem einen Drittel der sozialen Struktur gemeint ist, entwickeln. Aber es ist eben noch weithin, bis daß eine solche anthroposophische Gesellschaft wirklich das enthält, was sie enthalten könnte, nach den anthroposophischen Impulsen, wie sie eigentlich gemeint sind. Dann muß erst noch das Ohr sich für innere Wahrheit entwickeln, dieses Ohr für innere Wahrheit, das heute die wenigsten Menschen haben. Weil diese Unterscheidung, die eigentlich von außen kommen sollte, von außen nicht kommt, deshalb ist es schon notwendig, das eine oder das andere Mal von diesem oder jenem Gesichtspunkte auf das Unterscheidende hinzuweisen. Ich möchte insbesondere mit Bezug auf gewisse Dinge heute dieses sagen: Dadurch unterscheidet sich das, was durch mich selbst in dieser anthroposophischen Bewegung lebt, von anderem, daß durchaus immer von mir gearbeitet wurde nach jenem Grundsatz, den ich bereits beim Erscheinen meiner « Theosophie» in der Vorrede ausgesprochen habe, daß ich nichts anderes mitteile als das, was ich aus persönlicher Erfahrung mitteilen kann. Hier wird nichts anderes mitgeteilt von mir, als wofür ich aus persönlicher Erfahrung einstehen kann. Hier wird nicht in irgendeinem Sinne, wie es sonst da oder dort gemacht wird, die Berufung auf Autoritäten gepflogen.

[ 39 ] Das hat das andere im Gefolge, daß ich sagen darf, daß die geistige Strömung, die durch die anthroposophische Bewegung geleitet wird, von keiner andern Strömung abhängig ist, sondern allein von der Geistigkeit abhängt, die durch die Gegenwart fließt, einzig und allein davon. Daher bin ich — ich bitte Sie, das in allem Ernste aufzufassen nicht verpflichtet, niemandem gegenüber verpflichtet, irgend etwas, wovon ich selber finde, daß es gesagt werden soll in der Gegenwart, zu verschweigen. Ein Gebot des Verschweigens gibt es bei demjenigen nicht, der niemandem gegenüber mit Bezug auf sein geistiges Gut verpflichtet ist. Das gibt schon eine Grundlage für die Unterscheidung dieser Bewegung von anderen Bewegungen. Denn, wer jemals behaupten sollte, daß dasjenige, was innerhalb der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft verkündet wird, anders verkündet wird als im Sinne dieses in meiner «Theosophie» stehenden Wortes — daß ich rein persönlich dafür eintrete —, der mag meinetwillen die Verhältnisse nicht kennen und oftmals nicht dagewesen sein, sondern sie von außen ansehen, er verkündet aber die Unwahrheit, aus Böswilligkeit oder nicht aus Böswilligkeit. Wer aber oftmals bei uns war und anderes sagt, etwa irgendeine Vergangenheit oder einen Zusammenhang dieser geistigen Bewegung mit einer anderen konstatiert, wenn er die Verhältnisse hier kennt, der lügt. Das ist es, um was es sich handelt: Entweder wird er aus Unkenntnis der Verhältnisse die Unwahrheit sagen, oder es wird bei Kenntnis der Verhältnisse gelogen. So ist auch alle Gegnerschaft gegen diese Bewegung aufzufassen.

[ 39 ] Das hat das andere im Gefolge, daß ich sagen darf, daß die geistige Strömung, die durch die anthroposophische Bewegung geleitet wird, von keiner andern Strömung abhängig ist, sondern allein von der Geistigkeit abhängt, die durch die Gegenwart fließt, einzig und allein davon. Daher bin ich — ich bitte Sie, das in allem Ernste aufzufassen nicht verpflichtet, niemandem gegenüber verpflichtet, irgend etwas, wovon ich selber finde, daß es gesagt werden soll in der Gegenwart, zu verschweigen. Ein Gebot des Verschweigens gibt es bei demjenigen nicht, der niemandem gegenüber mit Bezug auf sein geistiges Gut verpflichtet ist. Das gibt schon eine Grundlage für die Unterscheidung dieser Bewegung von anderen Bewegungen. Denn, wer jemals behaupten sollte, daß dasjenige, was innerhalb der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft verkündet wird, anders verkündet wird als im Sinne dieses in meiner «Theosophie» stehenden Wortes — daß ich rein persönlich dafür eintrete —, der mag meinetwillen die Verhältnisse nicht kennen und oftmals nicht dagewesen sein, sondern sie von außen ansehen, er verkündet aber die Unwahrheit, aus Böswilligkeit oder nicht aus Böswilligkeit. Wer aber oftmals bei uns war und anderes sagt, etwa irgendeine Vergangenheit oder einen Zusammenhang dieser geistigen Bewegung mit einer anderen konstatiert, wenn er die Verhältnisse hier kennt, der lügt. Das ist es, um was es sich handelt: Entweder wird er aus Unkenntnis der Verhältnisse die Unwahrheit sagen, oder es wird bei Kenntnis der Verhältnisse gelogen. So ist auch alle Gegnerschaft gegen diese Bewegung aufzufassen.

[ 40 ] Deshalb muß ich immer wieder betonen: Ich habe nur dasjenige zu verschweigen, von dem ich weiß, daß es der gegenwärtigen Menschheit wegen ihrer Unreife noch nicht mitgeteilt werden kann. Aber ich habe nichts aus irgendeinem Grunde zu verschweigen, weil jemandem gegenüber ein Gelöbnis oder dergleichen abgelegt wäre. Niemals ist in diese Bewegung etwas eingeflossen, was von einer anderen Seite gekommen wäre. Diese Bewegung war geistig nie abhängig von einer anderen; die Zusammenhänge waren nur äußere. Vielleicht werden die Zeiten kommen, wo Sie auch einsehen werden, daß es gut ist, wenn Sie sich daran erinnern, daß ich manchmal Dinge vorhersage, die erst nachher in ihrem richtigen Zusammenhange eingesehen werden. Es wird Ihnen vielleicht einmal, wenn Sie den guten Willen dazu haben, gut dienen können, daß Sie sich erinnern, in welchem Sinne das Geistesgut gepflegt wird, das durch die anthroposophische Bewegung fließen soll.

[ 40 ] Deshalb muß ich immer wieder betonen: Ich habe nur dasjenige zu verschweigen, von dem ich weiß, daß es der gegenwärtigen Menschheit wegen ihrer Unreife noch nicht mitgeteilt werden kann. Aber ich habe nichts aus irgendeinem Grunde zu verschweigen, weil jemandem gegenüber ein Gelöbnis oder dergleichen abgelegt wäre. Niemals ist in diese Bewegung etwas eingeflossen, was von einer anderen Seite gekommen wäre. Diese Bewegung war geistig nie abhängig von einer anderen; die Zusammenhänge waren nur äußere. Vielleicht werden die Zeiten kommen, wo Sie auch einsehen werden, daß es gut ist, wenn Sie sich daran erinnern, daß ich manchmal Dinge vorhersage, die erst nachher in ihrem richtigen Zusammenhange eingesehen werden. Es wird Ihnen vielleicht einmal, wenn Sie den guten Willen dazu haben, gut dienen können, daß Sie sich erinnern, in welchem Sinne das Geistesgut gepflegt wird, das durch die anthroposophische Bewegung fließen soll.

[ 41 ] Aber auch einen Probierstein hat jeder, der diese anthroposophische Bewegung von anderen Bewegungen unterscheiden will. Der Probierstein, der heute da ist für eine solche Bewegung, ist ein Dreifaches. Erstens, daß sich eine solche Bewegung den wissenschaftlichen und intellektuellen Anforderungen der Gegenwart gewachsen zeigt. Nehmen Sie die von mir gepflegte Literatur durch, Sie werden, mag das einzelne unvollkommen sein, durchaus die Bemühung sehen, daß hier eine Bewegung geschaffen werden soll, die nicht aus Altem, Antiquiertem heraus schafft, sondern die mit den wissenschaftlichen Mitteln der Gegenwart durchaus vertraut ist und in vollem Einklang mit dem wissenschaftlichen Bewußtsein der Gegenwart wirkt. Das ist das eine.

[ 41 ] Aber auch einen Probierstein hat jeder, der diese anthroposophische Bewegung von anderen Bewegungen unterscheiden will. Der Probierstein, der heute da ist für eine solche Bewegung, ist ein Dreifaches. Erstens, daß sich eine solche Bewegung den wissenschaftlichen und intellektuellen Anforderungen der Gegenwart gewachsen zeigt. Nehmen Sie die von mir gepflegte Literatur durch, Sie werden, mag das einzelne unvollkommen sein, durchaus die Bemühung sehen, daß hier eine Bewegung geschaffen werden soll, die nicht aus Altem, Antiquiertem heraus schafft, sondern die mit den wissenschaftlichen Mitteln der Gegenwart durchaus vertraut ist und in vollem Einklang mit dem wissenschaftlichen Bewußtsein der Gegenwart wirkt. Das ist das eine.

[ 42 ] Das zweite ist, daß eine solche Bewegung in wirklich lebensvoller Weise etwas über die Lebensfragen der Gegenwart zu sagen hat, also zum Beispiel über die soziale Frage. Was andere Bewegungen nach dieser Richtung zu sagen haben, versuchen Sie es zu vergleichen in seiner Antiguiertheit, in seiner Wirklichkeitsfremdheit, mit dem, was diese Bewegung dazu zu sagen hat.

[ 42 ] Das zweite ist, daß eine solche Bewegung in wirklich lebensvoller Weise etwas über die Lebensfragen der Gegenwart zu sagen hat, also zum Beispiel über die soziale Frage. Was andere Bewegungen nach dieser Richtung zu sagen haben, versuchen Sie es zu vergleichen in seiner Antiguiertheit, in seiner Wirklichkeitsfremdheit, mit dem, was diese Bewegung dazu zu sagen hat.

[ 43 ] Das dritte, der dritte Teil des Probiersteines ist, daß eine solche Bewegung die verschiedenen Religionsbedürfnisse bewußt über sich aufzuklären vermag, in dem Sinne aufzuklären vermag, daß sie Aufklärung über die religiösen Bedürfnisse mit einer vollständigen Wirklichkeitsvertrautheit verbindet. Dadurch schon können Sie diese Bewegung unterscheiden von all denjenigen Bewegungen, die imGrunde genommen es doch nur bis zur Sonntagnachmittagspredigt bringen, die es dahin bringen, den Leuten Moralpauken und dergleichen zu halten, gegenüber den konkreten, in der gegenwärtigen sozialen Struktur wirkenden Begriffen aber weltfremd sind. Eine heutige Wirklichkeitswissenschaft muß über Arbeit, über Kapital, über Kreditverhältnisse, über Bodenverhältnisse, über alle diese Dinge, die mit dem heutigen Leben zusammenhängen, über die Gestaltung des sozialen Lebens so reden können, wie sie zu reden versteht über das Verhältnis des Menschen zum göttlichen Wesen, über das Verhältnis des Menschen zur Nächstenliebe und so weiter. Das ist, was die Menschheit so lange versäumt hat: den Anschluß zu finden von oben herunter bis in die unmittelbarsten konkreten Gestaltungen und Prozesse des Lebens. Das ist, was Theologie und Theosophie in unserer Zeit versäumten in ihren verschiedenen Gestaltungen, was auch eine okkulte Richtung versäumte. Sie reden sozusagen von oben herunter bis dahin, wo sie den Leuten sagen können: Seid gute Menschen, und dergleichen ähnliches. Aber sie sind unfruchtbar, sie sind steril, wenn es darauf ankommt, die brennenden konkreten Fragen der Gegenwart wirklich zu erfassen. Die äußere Wissenschaft wiederum redet, aber auch wirklichkeitsfremd, von den Dingen, die das unmittelbare Leben betreffen. Ich habe Ihnen gestern gezeigt, wie fremd die Menschen diesem Leben gegenüberstehen. Wie viele Menschen wissen denn heute überhaupt, was zum Beispiel Kapital ist; was es in Realität ist? — Gewiß, sie wissen, wenn sie soundso viel Geld im Schrank haben, so ist das ein Kapital. Aber das heißt nicht: Wissen, was Kapital ist. Wissen, was Kapital ist, heißt wissen, wie die Regulierung in der sozialen Struktur mit Bezug auf gewisse Dinge und Prozesse ist. Geradeso, wie man für den einzelnen Menschen anthroposophisch die Beziehungen kennen muß, die da herrschen im Blutkreislauf, der rhythmisch das menschliche Leben reguliert, so muß man wissen, was im sozialen Leben in der verschiedensten Weise pulsiert. Aber die gegenwärtige Physiologie ist noch nicht einmal imstande, materialistisch die wichtigsten Fragen zu lösen; die können erst gelöst werden, wenn anthroposophische Einsicht in den dreigliedrigen Menschen erlangt wird.

[ 43 ] Das dritte, der dritte Teil des Probiersteines ist, daß eine solche Bewegung die verschiedenen Religionsbedürfnisse bewußt über sich aufzuklären vermag, in dem Sinne aufzuklären vermag, daß sie Aufklärung über die religiösen Bedürfnisse mit einer vollständigen Wirklichkeitsvertrautheit verbindet. Dadurch schon können Sie diese Bewegung unterscheiden von all denjenigen Bewegungen, die imGrunde genommen es doch nur bis zur Sonntagnachmittagspredigt bringen, die es dahin bringen, den Leuten Moralpauken und dergleichen zu halten, gegenüber den konkreten, in der gegenwärtigen sozialen Struktur wirkenden Begriffen aber weltfremd sind. Eine heutige Wirklichkeitswissenschaft muß über Arbeit, über Kapital, über Kreditverhältnisse, über Bodenverhältnisse, über alle diese Dinge, die mit dem heutigen Leben zusammenhängen, über die Gestaltung des sozialen Lebens so reden können, wie sie zu reden versteht über das Verhältnis des Menschen zum göttlichen Wesen, über das Verhältnis des Menschen zur Nächstenliebe und so weiter. Das ist, was die Menschheit so lange versäumt hat: den Anschluß zu finden von oben herunter bis in die unmittelbarsten konkreten Gestaltungen und Prozesse des Lebens. Das ist, was Theologie und Theosophie in unserer Zeit versäumten in ihren verschiedenen Gestaltungen, was auch eine okkulte Richtung versäumte. Sie reden sozusagen von oben herunter bis dahin, wo sie den Leuten sagen können: Seid gute Menschen, und dergleichen ähnliches. Aber sie sind unfruchtbar, sie sind steril, wenn es darauf ankommt, die brennenden konkreten Fragen der Gegenwart wirklich zu erfassen. Die äußere Wissenschaft wiederum redet, aber auch wirklichkeitsfremd, von den Dingen, die das unmittelbare Leben betreffen. Ich habe Ihnen gestern gezeigt, wie fremd die Menschen diesem Leben gegenüberstehen. Wie viele Menschen wissen denn heute überhaupt, was zum Beispiel Kapital ist; was es in Realität ist? — Gewiß, sie wissen, wenn sie soundso viel Geld im Schrank haben, so ist das ein Kapital. Aber das heißt nicht: Wissen, was Kapital ist. Wissen, was Kapital ist, heißt wissen, wie die Regulierung in der sozialen Struktur mit Bezug auf gewisse Dinge und Prozesse ist. Geradeso, wie man für den einzelnen Menschen anthroposophisch die Beziehungen kennen muß, die da herrschen im Blutkreislauf, der rhythmisch das menschliche Leben reguliert, so muß man wissen, was im sozialen Leben in der verschiedensten Weise pulsiert. Aber die gegenwärtige Physiologie ist noch nicht einmal imstande, materialistisch die wichtigsten Fragen zu lösen; die können erst gelöst werden, wenn anthroposophische Einsicht in den dreigliedrigen Menschen erlangt wird.

[ 44 ] Was weiß heutige Wissenschaft zum Beispiel von einem außerordentlich Wichtigen: Worauf rein materialistisch das Vorstellen beruht, worauf rein materialistisch der Wille beruht nach einer gewissen Richtung hin? — Solche Dinge spreche ich heute aus, weil ich dreißig bis fünfunddreißig Jahre meines Lebens über diese Dinge Forschung getrieben habe, wie ich mit Bezug auf einen anderen Punkt bereits gesagt habe. Die Vorstellung beruht darauf, daß der Mensch in sich im Verlaufe des Blutkreislaufes zum Beispiel innerlich Kohlensäure hat, die noch nicht ausgeatmet ist. Wenn innerlich Kohlensäure zirkuliert, die noch nicht ausgeatmet ist, so ist das das materielle Gegenstück, das materielle Korrelat des Gedankens. Wenn im Menschen Sauerstoff ist, der noch nicht zur Kohlensäure verarbeitet wurde, Sauerstoff, der auf dem Umwege zur Verarbeitung in Kohlensäure, zur Umlagerung in Kohlensäure ist, so ist das, nach einer gewissen Richtung hin, das materielle Korrelat für den Willen. Wo im Menschen Sauerstoff pulsiert, der noch nicht ganz verarbeitet ist und Funktionen hat, da ist materiell der. Wille betätigt. Wo im Innern des menschlichen Leibes schon Kohlensäure ist, die noch nicht ganz so bearbeitet wurde, daß sie ausgestoßen oder ausgeatmet wird, da ist die materielle Grundlage für eine Gedankenform. Aber wie diese beiden Pole, der Gedankenpol, der auch der Kohlensäurepol genannt werden kann, und der Willenspol, der der Sauerstoffpol genannt werden kann, wie diese Pole reguliert werden — das gibt nur eine Wirklichkeitswissenschaft. Nirgends finden Sie solch eine Wahrheit, wie ich sie Ihnen jetzt ausgesprochen habe, in heutigen Büchern. Weil man aber nicht das Denken mit Bezug auf eine solche Wirklichkeit schult, schult man das Denken auch nicht mit Bezug auf das, was notwendig ist für den heutigen Menschen in bezug auf die soziale Struktur. Das aber muß eintreten, das ist der Gegenwart notwendig, und das wird eintreten müssen, daß hinzugerechnet wird zu unserer sozialen Frage das geistig-seelische Sich-Hineinstellen des Menschen in die soziale Struktur.

[ 44 ] Was weiß heutige Wissenschaft zum Beispiel von einem außerordentlich Wichtigen: Worauf rein materialistisch das Vorstellen beruht, worauf rein materialistisch der Wille beruht nach einer gewissen Richtung hin? — Solche Dinge spreche ich heute aus, weil ich dreißig bis fünfunddreißig Jahre meines Lebens über diese Dinge Forschung getrieben habe, wie ich mit Bezug auf einen anderen Punkt bereits gesagt habe. Die Vorstellung beruht darauf, daß der Mensch in sich im Verlaufe des Blutkreislaufes zum Beispiel innerlich Kohlensäure hat, die noch nicht ausgeatmet ist. Wenn innerlich Kohlensäure zirkuliert, die noch nicht ausgeatmet ist, so ist das das materielle Gegenstück, das materielle Korrelat des Gedankens. Wenn im Menschen Sauerstoff ist, der noch nicht zur Kohlensäure verarbeitet wurde, Sauerstoff, der auf dem Umwege zur Verarbeitung in Kohlensäure, zur Umlagerung in Kohlensäure ist, so ist das, nach einer gewissen Richtung hin, das materielle Korrelat für den Willen. Wo im Menschen Sauerstoff pulsiert, der noch nicht ganz verarbeitet ist und Funktionen hat, da ist materiell der. Wille betätigt. Wo im Innern des menschlichen Leibes schon Kohlensäure ist, die noch nicht ganz so bearbeitet wurde, daß sie ausgestoßen oder ausgeatmet wird, da ist die materielle Grundlage für eine Gedankenform. Aber wie diese beiden Pole, der Gedankenpol, der auch der Kohlensäurepol genannt werden kann, und der Willenspol, der der Sauerstoffpol genannt werden kann, wie diese Pole reguliert werden — das gibt nur eine Wirklichkeitswissenschaft. Nirgends finden Sie solch eine Wahrheit, wie ich sie Ihnen jetzt ausgesprochen habe, in heutigen Büchern. Weil man aber nicht das Denken mit Bezug auf eine solche Wirklichkeit schult, schult man das Denken auch nicht mit Bezug auf das, was notwendig ist für den heutigen Menschen in bezug auf die soziale Struktur. Das aber muß eintreten, das ist der Gegenwart notwendig, und das wird eintreten müssen, daß hinzugerechnet wird zu unserer sozialen Frage das geistig-seelische Sich-Hineinstellen des Menschen in die soziale Struktur.

[ 45 ] Das ist versäumt worden. Denken Sie sich nur, wie es anders würde, wenn in diesem oder jenem Etablissement der einzelne Arbeiter auch geistig-seelisch hineingestellt würde in den ganzen Prozeß, den die von ihm erzeugte Ware in der Welt durchmacht, wenn er verstünde, wie er in der sozialen Struktur drinnensteht dadurch, daß er gerade diese Ware erzeugt. Das aber kann nur sein, wenn wirklich solches Interesse von Mensch zu Mensch waltet, daß nach und nach kein erwachsener wahrer Mensch mehr da ist, der nicht die wichtigsten sozialen Begriffe in einer wirklichkeitsgemäßen Weise beherrschen kann. Es muß die Zeit kommen, das ist eine soziale Forderung, in der man als Mensch einfach ebensogut weiß, was Kapital, was Kredit, was Bargeld, was ein Scheck ist in bezug auf den nationalökonomischen Effekt — und man kann es wissen, es ist nicht so schwierig, es muß nur erst selbst von denen, die es lehren sollen, richtig angepackt werden —, wie man heute weiß, daß man die Suppe nicht mit der Gabel ißt, sondern mit dem Löffel. Nicht wahr, wer die Suppe mit der Gabel ißt, der würde einen Unsinn begehen; aber ebenso begeht derjenige einen Unsinn, der die anderen Dinge nicht weiß. Das muß allgemeine öffentliche Meinung werden.

[ 45 ] Das ist versäumt worden. Denken Sie sich nur, wie es anders würde, wenn in diesem oder jenem Etablissement der einzelne Arbeiter auch geistig-seelisch hineingestellt würde in den ganzen Prozeß, den die von ihm erzeugte Ware in der Welt durchmacht, wenn er verstünde, wie er in der sozialen Struktur drinnensteht dadurch, daß er gerade diese Ware erzeugt. Das aber kann nur sein, wenn wirklich solches Interesse von Mensch zu Mensch waltet, daß nach und nach kein erwachsener wahrer Mensch mehr da ist, der nicht die wichtigsten sozialen Begriffe in einer wirklichkeitsgemäßen Weise beherrschen kann. Es muß die Zeit kommen, das ist eine soziale Forderung, in der man als Mensch einfach ebensogut weiß, was Kapital, was Kredit, was Bargeld, was ein Scheck ist in bezug auf den nationalökonomischen Effekt — und man kann es wissen, es ist nicht so schwierig, es muß nur erst selbst von denen, die es lehren sollen, richtig angepackt werden —, wie man heute weiß, daß man die Suppe nicht mit der Gabel ißt, sondern mit dem Löffel. Nicht wahr, wer die Suppe mit der Gabel ißt, der würde einen Unsinn begehen; aber ebenso begeht derjenige einen Unsinn, der die anderen Dinge nicht weiß. Das muß allgemeine öffentliche Meinung werden.

[ 46 ] Dann wird der wichtigste Impuls der Gegenwart, der soziale Impuls, auf eine ganz andere Grundlage gestellt werden.

[ 46 ] Dann wird der wichtigste Impuls der Gegenwart, der soziale Impuls, auf eine ganz andere Grundlage gestellt werden.