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How Can Humanity Rediscover the Christ?
The Fall of the Spirits of Darkness
GA 187

31 December 1918, Dornach

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Siebenter Vortrag

Siebenter Vortrag

[ 1 ] Es entspricht wohl einem elementarischen Bedürfnisse jeder einzelnen Menschenseele, an dem Tage, der das Jahr schließt, bevor das neue Jahr beginnt, die Gedanken hinzulenken auf die Vergänglichkeit des Zeitlichen. Und der Mensch schaut wohl aus diesem elementarischen Bedürfnisse heraus prüfend, forschend, selbsterkennend zurück auf das, was in dem verflossenen Jahre an sein äußeres Leben, an seine Seele herangetreten ist. Er schaut wohl auch zurück auf die Fortschritte, die er im Leben gemacht hat, auf die Früchte der Erfahrungen, die sich ihm durch das Leben ergeben haben. Wenn solche Rückschau gehalten wird, dann fällt gewissermaßen von dieser Rückschau aus eine Art Beleuchtung auf jenes Gefühl, welches uns das Menschenleben mehr oder weniger wertvoll, mehr oder weniger problematisch oder auch mehr oder weniger befriedigend erscheinen läßt. Wir sind niemals in der Lage, unser Leben nur so zu betrachten, wie wir es als einzelne Menschenindividualität führen. Wir fühlen uns gedrängt, unser Leben im Zusammenhange mit dem Weltganzen und mit dem Menschenganzen zu betrachten. Treiben wir im Ernst eine geisteswissenschaftliche Weltanschauung, so wird sich insbesondere die Notwendigkeit vor unsere Seele hinstellen, unser Verhältnis zur Welt immer wieder und wiederum an diesem Jahreswendepunkte, dem Abschluß des einen und dem Beginn des andern Jahres, zu betrachten. Ä

[ 1 ] Es entspricht wohl einem elementarischen Bedürfnisse jeder einzelnen Menschenseele, an dem Tage, der das Jahr schließt, bevor das neue Jahr beginnt, die Gedanken hinzulenken auf die Vergänglichkeit des Zeitlichen. Und der Mensch schaut wohl aus diesem elementarischen Bedürfnisse heraus prüfend, forschend, selbsterkennend zurück auf das, was in dem verflossenen Jahre an sein äußeres Leben, an seine Seele herangetreten ist. Er schaut wohl auch zurück auf die Fortschritte, die er im Leben gemacht hat, auf die Früchte der Erfahrungen, die sich ihm durch das Leben ergeben haben. Wenn solche Rückschau gehalten wird, dann fällt gewissermaßen von dieser Rückschau aus eine Art Beleuchtung auf jenes Gefühl, welches uns das Menschenleben mehr oder weniger wertvoll, mehr oder weniger problematisch oder auch mehr oder weniger befriedigend erscheinen läßt. Wir sind niemals in der Lage, unser Leben nur so zu betrachten, wie wir es als einzelne Menschenindividualität führen. Wir fühlen uns gedrängt, unser Leben im Zusammenhange mit dem Weltganzen und mit dem Menschenganzen zu betrachten. Treiben wir im Ernst eine geisteswissenschaftliche Weltanschauung, so wird sich insbesondere die Notwendigkeit vor unsere Seele hinstellen, unser Verhältnis zur Welt immer wieder und wiederum an diesem Jahreswendepunkte, dem Abschluß des einen und dem Beginn des andern Jahres, zu betrachten. Ä

[ 2 ] Aber wenn diese Betrachtung jetzt stattfindet, in einem Zeitabschnitte, in dem so vieles an unserer Seele vorbeigezogen ist, in dem vor allen Dingen alles das vor unserer Seele steht, was die Menschheit in den letzten viereinhalb Jahren durchgemacht hat, und wenn man als Geisteswissenschafter sein Verhältnis in Betracht zieht zu Welt und Menschheit auf dem Hintergrunde der ja unvergleichlichen Weltereignisse der letzten Jahre, dann nimmt sich wohl gerade die Jahresschau dieses Jahres in einer ganz besonderen Weise aus.

[ 2 ] Aber wenn diese Betrachtung jetzt stattfindet, in einem Zeitabschnitte, in dem so vieles an unserer Seele vorbeigezogen ist, in dem vor allen Dingen alles das vor unserer Seele steht, was die Menschheit in den letzten viereinhalb Jahren durchgemacht hat, und wenn man als Geisteswissenschafter sein Verhältnis in Betracht zieht zu Welt und Menschheit auf dem Hintergrunde der ja unvergleichlichen Weltereignisse der letzten Jahre, dann nimmt sich wohl gerade die Jahresschau dieses Jahres in einer ganz besonderen Weise aus.

[ 3 ] Episodisch, ich möchte sagen, abgestimmt auf all das, was ich jetzt eben angeschlagen habe, herausfallend aus unserem übrigen Zusammenhange, mögen daher diejenigen Gedanken von Ihnen aufgenommen werden, die ich heute vorbringen möchte. Vergänglichkeit, Wechsel der Zeit und der Ereignisse in dieser Zeit, wie das alles an die Menschenseele herantritt, das steht vor unserem Geistesauge in diesem Augenblicke. Aber als Geisteswissenschafter werden wir nicht vergessen, daß, wenn wir auf die verfließende Zeit, die Erfahrungen, die wir in dieser verfließenden Zeit gemacht haben, zurückblicken, mancherlei Schwierigkeiten der Betrachtung auch sich geltend machen. Schwierigkeiten der Weltbetrachtung sind es vor allem, welche an dasjenige Gemüt herantreten, das sich im Ernste und in aller Würde geisteswissenschaftlichen Gedanken hingibt.

[ 3 ] Episodisch, ich möchte sagen, abgestimmt auf all das, was ich jetzt eben angeschlagen habe, herausfallend aus unserem übrigen Zusammenhange, mögen daher diejenigen Gedanken von Ihnen aufgenommen werden, die ich heute vorbringen möchte. Vergänglichkeit, Wechsel der Zeit und der Ereignisse in dieser Zeit, wie das alles an die Menschenseele herantritt, das steht vor unserem Geistesauge in diesem Augenblicke. Aber als Geisteswissenschafter werden wir nicht vergessen, daß, wenn wir auf die verfließende Zeit, die Erfahrungen, die wir in dieser verfließenden Zeit gemacht haben, zurückblicken, mancherlei Schwierigkeiten der Betrachtung auch sich geltend machen. Schwierigkeiten der Weltbetrachtung sind es vor allem, welche an dasjenige Gemüt herantreten, das sich im Ernste und in aller Würde geisteswissenschaftlichen Gedanken hingibt.

[ 4 ] Sie kennen alle jene eigentümliche Erscheinung, welche Leute befällt, die noch nicht oft im Eisenbahnzug gefahren sind. Sie sehen zum Fenster hinaus, und es kommt ihnen vor, als wenn sich die ganze Landschaft bewegte, als wenn die ganze Landschaft ihnen entgegeneilte. Sie spüren nicht, daß sie selbst im Zuge in Bewegung sind, sondern sie schreiben die Bewegung der Landschaft zu, durch die sie mit dem Zuge hindurchfahren. Erst allmählich, durch Lebensgewohnheiten, verliert man diese Illusion und setzt auch für das gewöhnliche Anschauen, das sich einem darbietet, wenn man zum Fenster hinausblickt, das Richtige. Im Grunde sind wir dem Weltengetriebe gegenüber immer in der Lage, wie solch ein Mensch im Eisenbahnzuge ist, nur in einer etwas komplizierteren Weise. Er täuscht sich, dieser Mensch, über die Ruhe und Bewegung dessen, was draußen in der Landschaft ist. Der Mensch durcheilt die Weltenereignisse, indem er eingebettet ist in seine physisch-ätherische Körperlichkeit, die ihm wie ein Fuhrwerk gegeben wird, wenn er hereintritt aus geistigen Gebieten in das physische Dasein zwischen Geburt und Tod. Durch die Werkzeuge dieses physischen Fuhrwerkes, in dem er seinen physischen Lebenslauf durcheilt, betrachtet er die Welt. Und in dieser Weltbetrachtung erscheint das weitaus meiste in einer illusionären Weise. So daß wir wirklich den Vergleich wagen können: Wir sehen die Welt so falsch wie derjenige, der, ungewohnt des Eisenbahnfahrens, die Landschaft draußen sieht, von der er vermeint, daß sie an ihm vorübersaust. Und die Korrektur dieser illusionären Weltanschauung, der sich die Menschen hingeben, ist nicht so leicht wie die Korrektur beim Hinausschauen aus dem Fenster des Eisenbahnzuges.

[ 4 ] Sie kennen alle jene eigentümliche Erscheinung, welche Leute befällt, die noch nicht oft im Eisenbahnzug gefahren sind. Sie sehen zum Fenster hinaus, und es kommt ihnen vor, als wenn sich die ganze Landschaft bewegte, als wenn die ganze Landschaft ihnen entgegeneilte. Sie spüren nicht, daß sie selbst im Zuge in Bewegung sind, sondern sie schreiben die Bewegung der Landschaft zu, durch die sie mit dem Zuge hindurchfahren. Erst allmählich, durch Lebensgewohnheiten, verliert man diese Illusion und setzt auch für das gewöhnliche Anschauen, das sich einem darbietet, wenn man zum Fenster hinausblickt, das Richtige. Im Grunde sind wir dem Weltengetriebe gegenüber immer in der Lage, wie solch ein Mensch im Eisenbahnzuge ist, nur in einer etwas komplizierteren Weise. Er täuscht sich, dieser Mensch, über die Ruhe und Bewegung dessen, was draußen in der Landschaft ist. Der Mensch durcheilt die Weltenereignisse, indem er eingebettet ist in seine physisch-ätherische Körperlichkeit, die ihm wie ein Fuhrwerk gegeben wird, wenn er hereintritt aus geistigen Gebieten in das physische Dasein zwischen Geburt und Tod. Durch die Werkzeuge dieses physischen Fuhrwerkes, in dem er seinen physischen Lebenslauf durcheilt, betrachtet er die Welt. Und in dieser Weltbetrachtung erscheint das weitaus meiste in einer illusionären Weise. So daß wir wirklich den Vergleich wagen können: Wir sehen die Welt so falsch wie derjenige, der, ungewohnt des Eisenbahnfahrens, die Landschaft draußen sieht, von der er vermeint, daß sie an ihm vorübersaust. Und die Korrektur dieser illusionären Weltanschauung, der sich die Menschen hingeben, ist nicht so leicht wie die Korrektur beim Hinausschauen aus dem Fenster des Eisenbahnzuges.

[ 5 ] Solch ein Gedanke mag Ihrer Seele kommen zu Silvester gerade dieses Jahres, im Laufe dessen wir mancherlei von landläufigen Weltvotstellungen zu berichtigen hatten. Sie wissen, wie ich Ihnen gesprochen habe über die Erfahrungen, die wir machen würden, wenn wir bewußt das Leben so durchlaufen würden, wie wir es unbewußt machen von der Kindheit bis ins späte Alter. Ich habe Ihnen gesagt, wie der Mensch erst in bestimmten Jahren seines Alters reif wird, das oder jenes aus sich selbst heraus wirklich zu wissen. Mit Bezug auf diese verschiedenen Reifezustände des menschlichen Lebens muß sich der Mensch aus den Gründen, die ich eben jetzt angedeutet habe, mancherlei Illusionen hingeben.

[ 5 ] Solch ein Gedanke mag Ihrer Seele kommen zu Silvester gerade dieses Jahres, im Laufe dessen wir mancherlei von landläufigen Weltvotstellungen zu berichtigen hatten. Sie wissen, wie ich Ihnen gesprochen habe über die Erfahrungen, die wir machen würden, wenn wir bewußt das Leben so durchlaufen würden, wie wir es unbewußt machen von der Kindheit bis ins späte Alter. Ich habe Ihnen gesagt, wie der Mensch erst in bestimmten Jahren seines Alters reif wird, das oder jenes aus sich selbst heraus wirklich zu wissen. Mit Bezug auf diese verschiedenen Reifezustände des menschlichen Lebens muß sich der Mensch aus den Gründen, die ich eben jetzt angedeutet habe, mancherlei Illusionen hingeben.

[ 6 ] Zweierlei Illusionen sind es vor allen Dingen, denen wir im Leben unterworfen sind, die sich auch sogleich in unser Gemüt hineinsenken, wenn wir etwa zu Silvester einen Rückblick auf das verflossene Jahr oder einen Vorblick auf das nächstliegende Jahr machen, zwei Illusionen, die davon kommen, daß wir keine Ahnung haben im gewöhnlichen Bewußtsein, wie wir eigentlich mit Bezug auf gewisse Verhältnisse zur Außenwelt stehen. Diese Außenwelt ist nicht nur eine räumlich geordnete Summe von Dingen, sondern diese Außenwelt ist ein Verlauf von Ereignissen. Sie beobachten durch Ihre Sinne die äußeren Ereignisse, die um Sie herum vorgehen, insofern diese Ereignisse Naturereignisse sind. Auch die Naturereignisse im Menschenreiche betrachten Sie so. Die Welt ist im Werden, die Welt ist in Vorgängen begriffen. Man denkt gewöhnlich nicht daran, aber es ist doch so! Diese Vorgänge spielen sich ab mit einer gewissen Geschwindigkeit. Was sich abspielt, hat immer eine gewisse Geschwindigkeit. Dann können Sie von diesen Vorgängen hinblicken auf dasjenige, was sich in Ihnen selbst abspielt. Sie wissen, bewußte und unbewußte Vorgänge spielen sich in Ihnen selbst ab. Nicht nur als ein fertiges, abgeschlossenes Raumeswesen stehen Sie der Welt gegenüber, sondern Sie stehen der Welt so gegenüber, daß Sie eigentlich in einem fortwährenden Geschehen, gegenüber einem fortwährenden Werden, in fortwährenden Vorgängen drinnen sind, und die spielen sich auch wiederum mit einer gewissen Geschwindigkeit ab.

[ 6 ] Zweierlei Illusionen sind es vor allen Dingen, denen wir im Leben unterworfen sind, die sich auch sogleich in unser Gemüt hineinsenken, wenn wir etwa zu Silvester einen Rückblick auf das verflossene Jahr oder einen Vorblick auf das nächstliegende Jahr machen, zwei Illusionen, die davon kommen, daß wir keine Ahnung haben im gewöhnlichen Bewußtsein, wie wir eigentlich mit Bezug auf gewisse Verhältnisse zur Außenwelt stehen. Diese Außenwelt ist nicht nur eine räumlich geordnete Summe von Dingen, sondern diese Außenwelt ist ein Verlauf von Ereignissen. Sie beobachten durch Ihre Sinne die äußeren Ereignisse, die um Sie herum vorgehen, insofern diese Ereignisse Naturereignisse sind. Auch die Naturereignisse im Menschenreiche betrachten Sie so. Die Welt ist im Werden, die Welt ist in Vorgängen begriffen. Man denkt gewöhnlich nicht daran, aber es ist doch so! Diese Vorgänge spielen sich ab mit einer gewissen Geschwindigkeit. Was sich abspielt, hat immer eine gewisse Geschwindigkeit. Dann können Sie von diesen Vorgängen hinblicken auf dasjenige, was sich in Ihnen selbst abspielt. Sie wissen, bewußte und unbewußte Vorgänge spielen sich in Ihnen selbst ab. Nicht nur als ein fertiges, abgeschlossenes Raumeswesen stehen Sie der Welt gegenüber, sondern Sie stehen der Welt so gegenüber, daß Sie eigentlich in einem fortwährenden Geschehen, gegenüber einem fortwährenden Werden, in fortwährenden Vorgängen drinnen sind, und die spielen sich auch wiederum mit einer gewissen Geschwindigkeit ab.

[ 7 ] Betrachten wir nun unsere eigene Geschwindigkeit, mit der wir die Welt durcheilen, im Verhältnisse zu der Geschwindigkeit, die die Naturereignisse haben. Die äußere Wissenschaft des Menschen beachtet nicht, daß ein gewaltiger Unterschied ist zwischen unserer eigenen Geschwindigkeit, mit der wir durch die Welt gehen, und zwischen der Geschwindigkeit der Naturereignisse. Wenn wir denjenigen Teil unseres Lebens, der an die sinnliche Beobachtung der Außenwelt geknüpft ist und aus der sinnlichen Beobachtung der Außenwelt seine Erfahrungen schöpft, wenn wir diesen Teil unseres Lebensgehaltes, den wir den Sinnen verdanken, in bezug auf sein Werden, in bezug auf sein Dahinfließen vergleichen mit den äußeren Naturereignissen, auf die diese Sinne gerichtet sind, so gehen wir viel langsamer durch den Zeitenstrom als die Naturereignisse. Das ist wichtig, daß wir das ins Auge fassen. Die Naturereignisse gehen verhältnismäßig schnell, wir gehen langsam. Sie wissen, ich habe, als ich einmal hier in der Nachbarschaft, in Liestal, den Vortrag hielt «Das menschliche Leben vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft», auf diese Verschiedenheit hingewiesen. Wir Menschen brauchen von dem Punkte an, wo wir geboren werden, bis zum Zahnwechsel, zum Ausbilden unseres physischen Leibes sieben Jahre, dann wiederum zum Ausbilden unseres Ätherleibes weitere sieben Jahre. Wenn wir das Pflanzenreich, das wir in dieser Beziehung als repräsentativ betrachten können, zum Beispiel mit Bezug auf unseren Ätherleib, vergleichen mit uns selbst, so sagen wir uns: Das Pflanzenreich, so wie es nun einmal bei den einjährigen Pflanzen ist, durcheilt im Laufe eines einzigen Jahres alle Entwickelung, die es im Ätherleib durchmachen kann. Wir brauchen sieben Jahre zu dem, was die einjährige Pflanze in einem Jahre durchmacht. Das heißt: Die Natur draußen, insoferne sie sich in der Pflanzenwelt enthüllt, eilt siebenmal schneller dahin als wit. Und vieles steht in derselben Gesetzmäßigkeit wie das, was sich in der Pflanzenwelt enthüllt, nämlich alles, insoferne es der ätherischen Welt untersteht.

[ 7 ] Betrachten wir nun unsere eigene Geschwindigkeit, mit der wir die Welt durcheilen, im Verhältnisse zu der Geschwindigkeit, die die Naturereignisse haben. Die äußere Wissenschaft des Menschen beachtet nicht, daß ein gewaltiger Unterschied ist zwischen unserer eigenen Geschwindigkeit, mit der wir durch die Welt gehen, und zwischen der Geschwindigkeit der Naturereignisse. Wenn wir denjenigen Teil unseres Lebens, der an die sinnliche Beobachtung der Außenwelt geknüpft ist und aus der sinnlichen Beobachtung der Außenwelt seine Erfahrungen schöpft, wenn wir diesen Teil unseres Lebensgehaltes, den wir den Sinnen verdanken, in bezug auf sein Werden, in bezug auf sein Dahinfließen vergleichen mit den äußeren Naturereignissen, auf die diese Sinne gerichtet sind, so gehen wir viel langsamer durch den Zeitenstrom als die Naturereignisse. Das ist wichtig, daß wir das ins Auge fassen. Die Naturereignisse gehen verhältnismäßig schnell, wir gehen langsam. Sie wissen, ich habe, als ich einmal hier in der Nachbarschaft, in Liestal, den Vortrag hielt «Das menschliche Leben vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft», auf diese Verschiedenheit hingewiesen. Wir Menschen brauchen von dem Punkte an, wo wir geboren werden, bis zum Zahnwechsel, zum Ausbilden unseres physischen Leibes sieben Jahre, dann wiederum zum Ausbilden unseres Ätherleibes weitere sieben Jahre. Wenn wir das Pflanzenreich, das wir in dieser Beziehung als repräsentativ betrachten können, zum Beispiel mit Bezug auf unseren Ätherleib, vergleichen mit uns selbst, so sagen wir uns: Das Pflanzenreich, so wie es nun einmal bei den einjährigen Pflanzen ist, durcheilt im Laufe eines einzigen Jahres alle Entwickelung, die es im Ätherleib durchmachen kann. Wir brauchen sieben Jahre zu dem, was die einjährige Pflanze in einem Jahre durchmacht. Das heißt: Die Natur draußen, insoferne sie sich in der Pflanzenwelt enthüllt, eilt siebenmal schneller dahin als wit. Und vieles steht in derselben Gesetzmäßigkeit wie das, was sich in der Pflanzenwelt enthüllt, nämlich alles, insoferne es der ätherischen Welt untersteht.

[ 8 ] Sie kommen darauf, was das für eine Bedeutung hat, wenn Sie nur einmal sich überlegen, wie es sich ausnimmt zum Beispiel, wenn Sie in einem langsam fahrenden Zuge fahren neben einem in der gleichen Richtung, aber schneller fahrenden Zug. Es wird Ihnen die Schnelligkeit dieses andern Zugs nicht so schnell erscheinen, wenn Sie selbst langsamer fahren, als wenn Sie stillstehen; oder aber, wenn Sie nun nicht in einem ganz langsamen Zuge fahren, sondern in einem etwas schnelleren Zuge, der aber immer noch langsamer geht als der andere Schnellzug, so erscheint Ihnen der Schnellzug ganz langsam gehend. Fahren Sie aber gerade so schnell wie der Schnellzug, so bleiben Sie immer neben dem Schnellzug. Sie sehen, die Art und Weise, wie Sie den andern Zug sehen, ändert sich, je nachdem Sie selbst sich mit einer gewissen Geschwindigkeit bewegen.

[ 8 ] Sie kommen darauf, was das für eine Bedeutung hat, wenn Sie nur einmal sich überlegen, wie es sich ausnimmt zum Beispiel, wenn Sie in einem langsam fahrenden Zuge fahren neben einem in der gleichen Richtung, aber schneller fahrenden Zug. Es wird Ihnen die Schnelligkeit dieses andern Zugs nicht so schnell erscheinen, wenn Sie selbst langsamer fahren, als wenn Sie stillstehen; oder aber, wenn Sie nun nicht in einem ganz langsamen Zuge fahren, sondern in einem etwas schnelleren Zuge, der aber immer noch langsamer geht als der andere Schnellzug, so erscheint Ihnen der Schnellzug ganz langsam gehend. Fahren Sie aber gerade so schnell wie der Schnellzug, so bleiben Sie immer neben dem Schnellzug. Sie sehen, die Art und Weise, wie Sie den andern Zug sehen, ändert sich, je nachdem Sie selbst sich mit einer gewissen Geschwindigkeit bewegen.

[ 9 ] Nun, die Geschwindigkeit, von der wir hier reden, die Geschwindigkeit, mit der wir unser eigenes ätherisches Leben ablaufen lassen, enthält viel mehr als bloß die Raumesbeziehungen; sie enthält unser ganzes Beurteilen, unser ganzes Empfinden, unsere ganze Verfassung gegenüber der Welt draußen. Der Geisteswissenschafter, der diese Sache untersuchen kann, sagt: Wie wäre denn das eigentlich, wenn wir als Menschen anders organisiert wären, wenn wir zum Beispiel so organisiert wären, daß wir vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife nur ein Jahr brauchten, also genau dieselbe Geschwindigkeit hätten wie das, was draußen in der Natur dem Ätherleben unterworfen ist, wenn wir also im Ablaufe des ersten Jahres unsere zweiten Zähne bekämen und nach Ablauf des zweiten Jahres so weit wären, wie wir bis zur Geschlechtsreife im vierzehnten bis fünfzehnten Jahre sind? Da würden wir mit unserem eigenen Lebenslauf ganz in dem Lauf der Naturereignisse, insoferne sie dem Ätherleben unterliegen, drinnenstehen. Da würden wir uns gar nicht unterscheiden können von der Natur. Denn wir unterscheiden uns im wesentlichen dadurch, daß wir eine andere Geschwindigkeit haben im Vorwärtsbewegen durch den Zeitenstrom. Wir würden auf ganz natürliche Weise die Meinung haben, wir gehören zur Natur dazu. Und vor allen Dingen muß eins gesagt werden: Würden wir in dieser Weise in dieselbe Geschwindigkeit eingeschaltet sein wie die äußeren Naturereignisse, wir könnten niemals von innen heraus krank werden. Denn alle Krankheit, die von innen heraus an den Menschen herantreten kann, die rührt durchaus auch davon her, daß wir verschiedene Geschwindigkeit haben von der Geschwindigkeit der Ereignisse der äußeren Natur, insofern diese dem Ätherleben unterliegen. Also ganz anders wäre unser Menschenleben, wenn wir uns nicht dadurch von der äußeren Welt unterscheiden würden, daß wir siebenmal langsamer leben, als die äußere Natur lebt.

[ 9 ] Nun, die Geschwindigkeit, von der wir hier reden, die Geschwindigkeit, mit der wir unser eigenes ätherisches Leben ablaufen lassen, enthält viel mehr als bloß die Raumesbeziehungen; sie enthält unser ganzes Beurteilen, unser ganzes Empfinden, unsere ganze Verfassung gegenüber der Welt draußen. Der Geisteswissenschafter, der diese Sache untersuchen kann, sagt: Wie wäre denn das eigentlich, wenn wir als Menschen anders organisiert wären, wenn wir zum Beispiel so organisiert wären, daß wir vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife nur ein Jahr brauchten, also genau dieselbe Geschwindigkeit hätten wie das, was draußen in der Natur dem Ätherleben unterworfen ist, wenn wir also im Ablaufe des ersten Jahres unsere zweiten Zähne bekämen und nach Ablauf des zweiten Jahres so weit wären, wie wir bis zur Geschlechtsreife im vierzehnten bis fünfzehnten Jahre sind? Da würden wir mit unserem eigenen Lebenslauf ganz in dem Lauf der Naturereignisse, insoferne sie dem Ätherleben unterliegen, drinnenstehen. Da würden wir uns gar nicht unterscheiden können von der Natur. Denn wir unterscheiden uns im wesentlichen dadurch, daß wir eine andere Geschwindigkeit haben im Vorwärtsbewegen durch den Zeitenstrom. Wir würden auf ganz natürliche Weise die Meinung haben, wir gehören zur Natur dazu. Und vor allen Dingen muß eins gesagt werden: Würden wir in dieser Weise in dieselbe Geschwindigkeit eingeschaltet sein wie die äußeren Naturereignisse, wir könnten niemals von innen heraus krank werden. Denn alle Krankheit, die von innen heraus an den Menschen herantreten kann, die rührt durchaus auch davon her, daß wir verschiedene Geschwindigkeit haben von der Geschwindigkeit der Ereignisse der äußeren Natur, insofern diese dem Ätherleben unterliegen. Also ganz anders wäre unser Menschenleben, wenn wir uns nicht dadurch von der äußeren Welt unterscheiden würden, daß wir siebenmal langsamer leben, als die äußere Natur lebt.

[ 10 ] So blicken wir zurück zu Silvester auf ein Jahr und denken nicht daran, daß wir eigentlich in diesem Jahre mit unserem eigenen Erleben aus dem Weltenleben herausgefallen sind. Das werden wir erst gewahr, wenn wir wirklich in ernster Weise — nachdem wir schon einen gewissen starken Lebensverlauf erlangt haben — wiederholt solche Silvesterbetrachtungen angestellt haben. Leute, welche darüber entscheiden können, werden mir bei ordentlicher Selbstrückschau recht geben, schon aus der ganz gewöhnlichen äußeren Lebenserfahtung heraus, daß, wenn wir zum Beispiel in die Fünfzigerjahre gekommen sind und solche Rückschau immer wieder gepflogen haben, wir uns sagen müssen: Eigentlich sind wir so, daß wir niemals aus einem Jahreslauf dasjenige herausgezogen haben, was sich herausziehen läßt. Wir lassen gewissermaßen die Erfahrung, die wir machen könnten, die uns bereichern könnte, ungenützt. Wir lernen siebenmal weniger, als wir lernen könnten von der Natur, wenn wir nicht siebenmal langsamer als die Natur selbst unseren Lebenslauf durcheilten. Und eigentlich — so sagen wir uns, wenn wir in die Fünfzigerjahre gekommen sind —, wenn du jedes Jahr so hättest ausnützen können, daß du alles aus diesem Jahr gesogen hättest, was das Jahr dir hat geben wollen, dann brauchtest du jetzt im Grunde genommen nur sieben oder acht Jahre oder höchstens zehn oder zwölf Jahre alt zu sein, und du würdest in diesen zehn oder zwölf Jahren alles herausgesogen haben, was du jetzt erst nach Jahrzehnten herausgesogen hast. |

[ 10 ] So blicken wir zurück zu Silvester auf ein Jahr und denken nicht daran, daß wir eigentlich in diesem Jahre mit unserem eigenen Erleben aus dem Weltenleben herausgefallen sind. Das werden wir erst gewahr, wenn wir wirklich in ernster Weise — nachdem wir schon einen gewissen starken Lebensverlauf erlangt haben — wiederholt solche Silvesterbetrachtungen angestellt haben. Leute, welche darüber entscheiden können, werden mir bei ordentlicher Selbstrückschau recht geben, schon aus der ganz gewöhnlichen äußeren Lebenserfahtung heraus, daß, wenn wir zum Beispiel in die Fünfzigerjahre gekommen sind und solche Rückschau immer wieder gepflogen haben, wir uns sagen müssen: Eigentlich sind wir so, daß wir niemals aus einem Jahreslauf dasjenige herausgezogen haben, was sich herausziehen läßt. Wir lassen gewissermaßen die Erfahrung, die wir machen könnten, die uns bereichern könnte, ungenützt. Wir lernen siebenmal weniger, als wir lernen könnten von der Natur, wenn wir nicht siebenmal langsamer als die Natur selbst unseren Lebenslauf durcheilten. Und eigentlich — so sagen wir uns, wenn wir in die Fünfzigerjahre gekommen sind —, wenn du jedes Jahr so hättest ausnützen können, daß du alles aus diesem Jahr gesogen hättest, was das Jahr dir hat geben wollen, dann brauchtest du jetzt im Grunde genommen nur sieben oder acht Jahre oder höchstens zehn oder zwölf Jahre alt zu sein, und du würdest in diesen zehn oder zwölf Jahren alles herausgesogen haben, was du jetzt erst nach Jahrzehnten herausgesogen hast. |

[ 11 ] Aber noch ein anderes findet statt. Wir würden niemals zu der Anschauung kommen können, daß die Welt eine materielle ist, wenn wir uns mit ihr in gleicher Geschwindigkeit bewegten. Dadurch, daß wir uns nicht in gleicher Geschwindigkeit bewegen, erscheint uns die Welt draußen, die rascher geht, in stofflicher Art, materiell, und unser eigenes Leben erscheint uns geistig-seelisch. Der Unterschied tritt durch die verschiedene Geschwindigkeit des Lebens auf. Würden wir uns mit der gleichen Geschwindigkeit vorwärtsbewegen wie die äußere Natur, so wäre kein Unterschied zwischen unserem SeelischGeistigen und dem äußeren Naturlaufe; wir würden uns zu der äußeren Natur zählen, und alles als geistig-seelisch gleichbedeutend mit uns empfinden. Wir würden also dann in ganz anderer Weise in die Welt hineingeschaltet sein. Daß wir unsere eigene Geschwindigkeit haben, die viel langsamer ist als die Geschwindigkeit der Welt, das täuscht uns, wenn wir zu Silvester zurückblicken auf das Jahr. Denn wir blicken wohl zurück, aber vieles fällt aus diesem Rückblicke heraus, was nicht herausfallen würde, wenn wir mit der Welt eben die gleiche Geschwindigkeit hätten. Das sollte aus geisteswissenschaftlichen Untergründen heraus gewissermaßen wie ein Unterton jene ernste Stimmung durchziehen, die wohl demjenigen, der sich der Geisteswissenschaft widmet, in einem solchen Jahresrückblicke geziemt. Das sollte uns sagen, wie wir als Menschen wohl nötig haben, andere Zugänge zur Welt zu suchen als diejenigen, die wir nur aus diesem äußeren Lebenslauf, der uns also in Illusionen versetzt, ziehen können.

[ 11 ] Aber noch ein anderes findet statt. Wir würden niemals zu der Anschauung kommen können, daß die Welt eine materielle ist, wenn wir uns mit ihr in gleicher Geschwindigkeit bewegten. Dadurch, daß wir uns nicht in gleicher Geschwindigkeit bewegen, erscheint uns die Welt draußen, die rascher geht, in stofflicher Art, materiell, und unser eigenes Leben erscheint uns geistig-seelisch. Der Unterschied tritt durch die verschiedene Geschwindigkeit des Lebens auf. Würden wir uns mit der gleichen Geschwindigkeit vorwärtsbewegen wie die äußere Natur, so wäre kein Unterschied zwischen unserem SeelischGeistigen und dem äußeren Naturlaufe; wir würden uns zu der äußeren Natur zählen, und alles als geistig-seelisch gleichbedeutend mit uns empfinden. Wir würden also dann in ganz anderer Weise in die Welt hineingeschaltet sein. Daß wir unsere eigene Geschwindigkeit haben, die viel langsamer ist als die Geschwindigkeit der Welt, das täuscht uns, wenn wir zu Silvester zurückblicken auf das Jahr. Denn wir blicken wohl zurück, aber vieles fällt aus diesem Rückblicke heraus, was nicht herausfallen würde, wenn wir mit der Welt eben die gleiche Geschwindigkeit hätten. Das sollte aus geisteswissenschaftlichen Untergründen heraus gewissermaßen wie ein Unterton jene ernste Stimmung durchziehen, die wohl demjenigen, der sich der Geisteswissenschaft widmet, in einem solchen Jahresrückblicke geziemt. Das sollte uns sagen, wie wir als Menschen wohl nötig haben, andere Zugänge zur Welt zu suchen als diejenigen, die wir nur aus diesem äußeren Lebenslauf, der uns also in Illusionen versetzt, ziehen können.

[ 12 ] Dies ist die eine Täuschung. Insofern wir der Welt mit unseren Sinnen gegenüberstehen, gehen wir viel langsamer durch die Welt, als die äußere Natur läuft. Aber noch eine andere Täuschung liegt vor, und die tritt vor uns, wenn wir all das in Erwägung ziehen, was unser Denken durchglüht, was unser Denken beflügelt, insofern dieses Denken aus unserem eigenen Inneren aufsteigt, wenn wir das Nachdenken in Betracht ziehen, das von unserem Willen abhängt. Die äußere Sinnenwelt gibt uns nicht nach unserem Willen das, was sie uns geben könnte, sondern wir müssen erst vor die Dinge hintreten. Die Ereignisse treten an uns heran. Das ist etwas anderes, als wenn wir unsere Begriffe, unsere Ideen fassen, die aus unserem eigenen Willen erglimmen. Das ist wieder eine andere Geschwindigkeit. Wenn wir jenes Seelenleben, das zwar ein Gedankenleben ist, aber mit unserem Willen, mit unserem Begehren, mit unseren Wünschen zusammenhängt, ins Auge fassen, so ist da wieder eine andere Geschwindigkeit als die Geschwindigkeit der Welt, die wir als Menschen zwischen Geburt und Tod durchziehen. Und da zeigt sich, wenn man die Sache geisteswissenschaftlich untersucht, das Kuriose: Mit unseren Gedanken, insofern sie von unserem Willen abhängig sind, bewegen wir uns viel schneller als der äußere Weltenlauf.

[ 12 ] Dies ist die eine Täuschung. Insofern wir der Welt mit unseren Sinnen gegenüberstehen, gehen wir viel langsamer durch die Welt, als die äußere Natur läuft. Aber noch eine andere Täuschung liegt vor, und die tritt vor uns, wenn wir all das in Erwägung ziehen, was unser Denken durchglüht, was unser Denken beflügelt, insofern dieses Denken aus unserem eigenen Inneren aufsteigt, wenn wir das Nachdenken in Betracht ziehen, das von unserem Willen abhängt. Die äußere Sinnenwelt gibt uns nicht nach unserem Willen das, was sie uns geben könnte, sondern wir müssen erst vor die Dinge hintreten. Die Ereignisse treten an uns heran. Das ist etwas anderes, als wenn wir unsere Begriffe, unsere Ideen fassen, die aus unserem eigenen Willen erglimmen. Das ist wieder eine andere Geschwindigkeit. Wenn wir jenes Seelenleben, das zwar ein Gedankenleben ist, aber mit unserem Willen, mit unserem Begehren, mit unseren Wünschen zusammenhängt, ins Auge fassen, so ist da wieder eine andere Geschwindigkeit als die Geschwindigkeit der Welt, die wir als Menschen zwischen Geburt und Tod durchziehen. Und da zeigt sich, wenn man die Sache geisteswissenschaftlich untersucht, das Kuriose: Mit unseren Gedanken, insofern sie von unserem Willen abhängig sind, bewegen wir uns viel schneller als der äußere Weltenlauf.

[ 13 ] Also denken Sie, mit alldem, was mit unseren Sinnen zusammenhängt, bewegen wir uns langsamer, mit alledem, was mit unserem Denken zusammenhängt, bewegen wir uns viel schneller, als der äußere Lebenslauf ist. Eigentlich bewegen wir uns mit unseren Gedanken, insofern diese von unserem Willen, von unseren Sehnsuchten, von unseren Wünschen beherrscht sind, so schnell, daß wir, wenn auch unbewußt, das Gefühl haben können — und das hat auch ein jeder —, daß eigentlich das Jahr viel zu lang ist. Für unsere Sinnesauffassung ist es siebenmal zu kurz. Für unsere Gedankenauffassung, insofern die Gedanken abhängig sind von unseren Wünschen und von unseren Sehnsuchten, hat in den Tiefen der Mensch unbewußt das Gefühl: das Jahr ist viel zu lang. Er will eigentlich das Jahr viel kürzer haben, denn er ist überzeugt davon, daß er in einer viel kürzeren Zeit die Gedanken fassen könnte, die er so aus seinen eigenen Wünschen und aus seinem eigenen Willen heraus faßt. Es ist in der Tiefe der Seele eines jeden Menschen etwas, was er sich nicht zum Bewußtsein bringt, was aber in dem ganzen Empfinden, in der ganzen Seelenstimmung wirkt, was alles färbt, was wir in unserem subjektiven Innenleben haben. Es ist etwas, was uns sagt: Uns genügte das Jahr in bezug auf die Gedanken, die wir uns bilden, wenn wir nur die Sonntage hätten und gar keine Wochentage. Denn in bezug auf diese Art der Gedanken lebt der Mensch so, daß er eigentlich nichts anderes will, als nur die Sonntage erleben. Von den Wochentagen denkt er, wenn er sich das auch nicht mehr zum Bewußtsein bringt, sie halten ihn nur auf; sie stellen sich in das Leben nur wie etwas hinein, was er eigentlich nicht nötig hat, um mit seinen Gedanken vorwärts zu kommen. In bezug auf die Gedanken, die von unserem Willen, die von unseren Sehnsuchten und Wünschen abhängig sind, sind wir schnell fertig, da bewegen wir uns rasch. Das ist einer der Gründe für unseren Egoismus. Und das ist einer der Gründe dafür, daß wir mit Bezug auf unsere Gedanken so eigensinnig sind.

[ 13 ] Also denken Sie, mit alldem, was mit unseren Sinnen zusammenhängt, bewegen wir uns langsamer, mit alledem, was mit unserem Denken zusammenhängt, bewegen wir uns viel schneller, als der äußere Lebenslauf ist. Eigentlich bewegen wir uns mit unseren Gedanken, insofern diese von unserem Willen, von unseren Sehnsuchten, von unseren Wünschen beherrscht sind, so schnell, daß wir, wenn auch unbewußt, das Gefühl haben können — und das hat auch ein jeder —, daß eigentlich das Jahr viel zu lang ist. Für unsere Sinnesauffassung ist es siebenmal zu kurz. Für unsere Gedankenauffassung, insofern die Gedanken abhängig sind von unseren Wünschen und von unseren Sehnsuchten, hat in den Tiefen der Mensch unbewußt das Gefühl: das Jahr ist viel zu lang. Er will eigentlich das Jahr viel kürzer haben, denn er ist überzeugt davon, daß er in einer viel kürzeren Zeit die Gedanken fassen könnte, die er so aus seinen eigenen Wünschen und aus seinem eigenen Willen heraus faßt. Es ist in der Tiefe der Seele eines jeden Menschen etwas, was er sich nicht zum Bewußtsein bringt, was aber in dem ganzen Empfinden, in der ganzen Seelenstimmung wirkt, was alles färbt, was wir in unserem subjektiven Innenleben haben. Es ist etwas, was uns sagt: Uns genügte das Jahr in bezug auf die Gedanken, die wir uns bilden, wenn wir nur die Sonntage hätten und gar keine Wochentage. Denn in bezug auf diese Art der Gedanken lebt der Mensch so, daß er eigentlich nichts anderes will, als nur die Sonntage erleben. Von den Wochentagen denkt er, wenn er sich das auch nicht mehr zum Bewußtsein bringt, sie halten ihn nur auf; sie stellen sich in das Leben nur wie etwas hinein, was er eigentlich nicht nötig hat, um mit seinen Gedanken vorwärts zu kommen. In bezug auf die Gedanken, die von unserem Willen, die von unseren Sehnsuchten und Wünschen abhängig sind, sind wir schnell fertig, da bewegen wir uns rasch. Das ist einer der Gründe für unseren Egoismus. Und das ist einer der Gründe dafür, daß wir mit Bezug auf unsere Gedanken so eigensinnig sind.

[ 14 ] Wenn Sie nicht so organisiert wären, wie ich es jetzt charakterisiert habe, wenn Sie mit Ihren Gedanken wirklich dem äußeren Lauf der Welt folgen würden, wenn Sie da nicht viel schneller vorwärtsgingen, siebenmal schneller als der äußere Weltenlauf, wenn Sie da nicht bloß auf die Sonntage Rücksicht nehmen würden, dann würden Sie sich so in der Welt seelisch gestimmt finden, daß Ihnen niemals Ihre eigene Meinung wertvoller wäre als die Meinung eines andern. Sie würden sich immer leicht in die Meinung eines andern hineinfinden können. Aber bedenken Sie, darauf beruht ein großer Teil unseres Menschenwesens, daß wir uns immer zuschreiben, daß unsere Meinung doch die wertvollere ist. Wir denken, wenigstens von einem gewissen Gesichtspunkte: Der andere hat doch immer unrecht; mindestens hat er erst dann recht, wenn wir uns befugt fühlen, ihm recht zu geben.

[ 14 ] Wenn Sie nicht so organisiert wären, wie ich es jetzt charakterisiert habe, wenn Sie mit Ihren Gedanken wirklich dem äußeren Lauf der Welt folgen würden, wenn Sie da nicht viel schneller vorwärtsgingen, siebenmal schneller als der äußere Weltenlauf, wenn Sie da nicht bloß auf die Sonntage Rücksicht nehmen würden, dann würden Sie sich so in der Welt seelisch gestimmt finden, daß Ihnen niemals Ihre eigene Meinung wertvoller wäre als die Meinung eines andern. Sie würden sich immer leicht in die Meinung eines andern hineinfinden können. Aber bedenken Sie, darauf beruht ein großer Teil unseres Menschenwesens, daß wir uns immer zuschreiben, daß unsere Meinung doch die wertvollere ist. Wir denken, wenigstens von einem gewissen Gesichtspunkte: Der andere hat doch immer unrecht; mindestens hat er erst dann recht, wenn wir uns befugt fühlen, ihm recht zu geben.

[ 15 ] Also wir sind ein merkwürdig zwiespältiges Wesen als Mensch. Wir bewegen uns auf der einen Seite viel langsamer, als der äußere Weltenlauf ist, insoferne wir Sinnesmensch sind; wir bewegen uns in Gedanken viel schneller, als der äußere Weltenlauf ist, insofern wir Willensmenschen sind. Das trübt unseren Blick, wenn wir in die äußere Welt hineinschauen. Wir wissen, weil wir uns dann immer Illusionen hingeben, nicht, daß wir aus der Natur herausfallen und dadurch die Möglichkeit haben, krank zu werden, dadurch materialistische Vorstellungen über die Welt gewinnen. Diese Vorstellungen sind gerade so falsch, wie die Vorstellung falsch ist, daß die Landschaft draußen in entgegengesetzter Richtung des Zuges vorbeiläuft; und sie sind nur deshalb da, diese materialistischen Vorstellungen, weil wir uns siebenmal langsamer bewegen als die Welt. Und wir hegen den geheimen Wunsch: Wenn es nur immer Sonntag wäre! — weil uns, vergleichsweise gesprochen, die Wochentage eigentlich unnötig erscheinen für das, was wir von der Welt rein äußerlich aus unseren Wünschen, aus unserem Willen heraus vorstellen wollen. Dieser geheime Wunsch ist in jedem Menschen. Die Seelenverfassung der Menschen wird ja nicht immer so treffend bezeichnet wie im folgenden. Bismarck hat einmal über jenen Kaiser, der der letzte der Hohenzollern war, ein merkwürdiges Wort gesagt. Als er seine Bedenken darüber aussprach, was über Deutschland durch diesen Kaiser kommen werde, sagte er: Dieser Mann will so leben, wie wenn er jeden Tag Geburtstag hätte; unsereiner ist froh, wenn er den Geburtstag wieder vorüber hat, weil er all den Wünschen und alldem, was der Geburtstag an Aufregungen bedeutet, ausgesetzt ist; der aber möchte jeden Tag Geburtstag haben! — Das ist ein Wort, das Bismarck sorgenvoll einmal ganz im Anfange der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts zur Charakteristik des Kaisers gesprochen hat. Nun, den Geburtstag, den hebt der menschliche Egoismus so stark heraus, daß er sich den Unterschied klarmacht von den übrigen Tagen; immer Geburtstag zu haben, wünscht der Mensch gerade nicht, aber er wünscht von einem gewissen Gesichtspunkte aus, daß es immer Sonntag wäre, denn da würde er genug wissen. Und vieles in unserer Seelenstimmung, das sich in ganz anderer Weise maskiert, beruht darauf, daß wir eigentlich nur die Sonntage mögen.

[ 15 ] Also wir sind ein merkwürdig zwiespältiges Wesen als Mensch. Wir bewegen uns auf der einen Seite viel langsamer, als der äußere Weltenlauf ist, insoferne wir Sinnesmensch sind; wir bewegen uns in Gedanken viel schneller, als der äußere Weltenlauf ist, insofern wir Willensmenschen sind. Das trübt unseren Blick, wenn wir in die äußere Welt hineinschauen. Wir wissen, weil wir uns dann immer Illusionen hingeben, nicht, daß wir aus der Natur herausfallen und dadurch die Möglichkeit haben, krank zu werden, dadurch materialistische Vorstellungen über die Welt gewinnen. Diese Vorstellungen sind gerade so falsch, wie die Vorstellung falsch ist, daß die Landschaft draußen in entgegengesetzter Richtung des Zuges vorbeiläuft; und sie sind nur deshalb da, diese materialistischen Vorstellungen, weil wir uns siebenmal langsamer bewegen als die Welt. Und wir hegen den geheimen Wunsch: Wenn es nur immer Sonntag wäre! — weil uns, vergleichsweise gesprochen, die Wochentage eigentlich unnötig erscheinen für das, was wir von der Welt rein äußerlich aus unseren Wünschen, aus unserem Willen heraus vorstellen wollen. Dieser geheime Wunsch ist in jedem Menschen. Die Seelenverfassung der Menschen wird ja nicht immer so treffend bezeichnet wie im folgenden. Bismarck hat einmal über jenen Kaiser, der der letzte der Hohenzollern war, ein merkwürdiges Wort gesagt. Als er seine Bedenken darüber aussprach, was über Deutschland durch diesen Kaiser kommen werde, sagte er: Dieser Mann will so leben, wie wenn er jeden Tag Geburtstag hätte; unsereiner ist froh, wenn er den Geburtstag wieder vorüber hat, weil er all den Wünschen und alldem, was der Geburtstag an Aufregungen bedeutet, ausgesetzt ist; der aber möchte jeden Tag Geburtstag haben! — Das ist ein Wort, das Bismarck sorgenvoll einmal ganz im Anfange der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts zur Charakteristik des Kaisers gesprochen hat. Nun, den Geburtstag, den hebt der menschliche Egoismus so stark heraus, daß er sich den Unterschied klarmacht von den übrigen Tagen; immer Geburtstag zu haben, wünscht der Mensch gerade nicht, aber er wünscht von einem gewissen Gesichtspunkte aus, daß es immer Sonntag wäre, denn da würde er genug wissen. Und vieles in unserer Seelenstimmung, das sich in ganz anderer Weise maskiert, beruht darauf, daß wir eigentlich nur die Sonntage mögen.

[ 16 ] Die Illusionen, die von diesen Dingen herrühren, sind in älteren Zeiten der Menschheitsentwickelung durch das atavistische Hellsehen in der mannigfaltigsten Weise korrigiert worden. Sie werden in unserem Zeitalter am wenigsten korrigiert. Dasjenige, was sie aber korrigiert und was eintreten muß, und was ich Sie bitte, als eine Art sozialen Impuls heute in Ihre Seele aufzunehmen, das ist, daß, wenn wir uns in die Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, vertiefen, so daß wir sie nicht als Theorie, sondern in jener Lebendigkeit aufnehmen, von der ich oftmals gesprochen habe, wir dann in dieser Geisteswissenschaft eine Möglichkeit haben, innerlich seelenmäßig die Illusionen, die aus diesen zwei Irrtumsquellen herkommen, zu korrigieren. Geisteswissenschaft — machen wir uns das insbesondere an der Jahreswende klar — ist etwas, was uns auf der einen Seite dasjenige draußen in der Welt wirklichkeitsgemäß erleben läßt, was wir nicht wirklichkeitsgemäß erleben, weil wir zu langsam durch die Welt gehen. Es hängt wirklich alles ab von der Art, wie wir selbst uns zu den Dingen stellen. Denken Sie doch nur einmal, was alles davon abhängt, wie wir selber uns zu der Welt stellen! Wir müssen, um uns solche Dinge klarzumachen, manchmal hypothetisch unmögliche Gedanken uns vor die Seele rücken. Denken Sie, der Physiker sagt Ihnen: Gewisse Töne, das C, D, E einer gewissen Oktave, haben so und so viele Schwingungen, das heißt, die Luft vollführt so und so viele Schwingungen. Sie vernehmen nichts von den Schwingungen, Sie hören den Ton. Aber denken Sie, wenn Sie so organisiert wären — es ist natürlich ein unmöglicher Gedanke, aber man kann sich daran etwas klarmachen —, daß Sie jede einzelne Luftschwingung wahrnehmen würden, so würden Sie vom Tone nichts hören können. Welche Geschwindigkeit Ihr eigenes Leben hat, hängt lediglich davon ab, wie Sie irgend etwas wahrnehmen. Die Welt schaut so aus, wie sie ausschauen muß nach der Geschwindigkeit, die wir selbst gegenüber der Welt haben. Geisteswissenschaft aber macht uns aufmerksam auf jene Wirklichkeit, welche vorhanden ist, abgesehen von unserem Verhältnis zur Welt.

[ 16 ] Die Illusionen, die von diesen Dingen herrühren, sind in älteren Zeiten der Menschheitsentwickelung durch das atavistische Hellsehen in der mannigfaltigsten Weise korrigiert worden. Sie werden in unserem Zeitalter am wenigsten korrigiert. Dasjenige, was sie aber korrigiert und was eintreten muß, und was ich Sie bitte, als eine Art sozialen Impuls heute in Ihre Seele aufzunehmen, das ist, daß, wenn wir uns in die Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, vertiefen, so daß wir sie nicht als Theorie, sondern in jener Lebendigkeit aufnehmen, von der ich oftmals gesprochen habe, wir dann in dieser Geisteswissenschaft eine Möglichkeit haben, innerlich seelenmäßig die Illusionen, die aus diesen zwei Irrtumsquellen herkommen, zu korrigieren. Geisteswissenschaft — machen wir uns das insbesondere an der Jahreswende klar — ist etwas, was uns auf der einen Seite dasjenige draußen in der Welt wirklichkeitsgemäß erleben läßt, was wir nicht wirklichkeitsgemäß erleben, weil wir zu langsam durch die Welt gehen. Es hängt wirklich alles ab von der Art, wie wir selbst uns zu den Dingen stellen. Denken Sie doch nur einmal, was alles davon abhängt, wie wir selber uns zu der Welt stellen! Wir müssen, um uns solche Dinge klarzumachen, manchmal hypothetisch unmögliche Gedanken uns vor die Seele rücken. Denken Sie, der Physiker sagt Ihnen: Gewisse Töne, das C, D, E einer gewissen Oktave, haben so und so viele Schwingungen, das heißt, die Luft vollführt so und so viele Schwingungen. Sie vernehmen nichts von den Schwingungen, Sie hören den Ton. Aber denken Sie, wenn Sie so organisiert wären — es ist natürlich ein unmöglicher Gedanke, aber man kann sich daran etwas klarmachen —, daß Sie jede einzelne Luftschwingung wahrnehmen würden, so würden Sie vom Tone nichts hören können. Welche Geschwindigkeit Ihr eigenes Leben hat, hängt lediglich davon ab, wie Sie irgend etwas wahrnehmen. Die Welt schaut so aus, wie sie ausschauen muß nach der Geschwindigkeit, die wir selbst gegenüber der Welt haben. Geisteswissenschaft aber macht uns aufmerksam auf jene Wirklichkeit, welche vorhanden ist, abgesehen von unserem Verhältnis zur Welt.

[ 17 ] Man spricht davon in der Geisteswissenschaft, daß sich unsere Erde allmählich gebildet habe, indem sie zuerst eine Saturn-, eine Sonnen-, eine Mondenzeit durchgemacht hat und dann zu dieser Erdenzeit vorgerückt ist. Aber natürlich ist alles immer da. In dem Dasein, in dem wir jetzt als dem Erdendasein drinnen leben, bereiten andere Welten ihr Saturndasein, andere Welten ihr Sonnendasein vor. Man kann das geisteswissenschaftlich beobachten. Das Saturndasein ist auch jetzt noch da. Wir wissen nur, unsere Erde hat dieses Stadium überwunden; andere Welten sind erst in diesem Saturnstadium. Da kann man dann beobachten, wie es hereinragt. Aber dieses Saturnstadium beobachten zu können, das hängt davon ab, daß man die Geschwindigkeit sich erst ändert, mit der man die Ereignisse verfolgt, sonst kann man sie nicht sehen. Also Geisteswissenschaft bringt uns in einer gewissen Beziehung das Zusammenleben mit der wahren Wirklichkeit, mit dem, was in der Welt wahrhaftig vor sich geht. Und nehmen wir sie lebendig auf, diese Geisteswissenschaft, von der ich gesprochen habe als der Offenbarung der Geister der Persönlichkeit, die als Schöpfer neu eingreifen, nehmen wir sie für unsere Zeit nicht bloß als Menschenwerk, sondern, wie ich sagte, als von Himmelshöhen geoflenbart, nehmen wir die Impulse dieser Geisteswissenschaft lebendig in uns auf, dann bringen sie uns — was für unsere Zeit so notwendig ist — über die Täuschungen unserer mit der Welt verschiedenen Geschwindigkeit hinaus, dann bringen sie uns mit der Welt so zusammen, daß wir wenigstens in unserem Empfinden gegenüber der Welt manches korrigieren können.

[ 17 ] Man spricht davon in der Geisteswissenschaft, daß sich unsere Erde allmählich gebildet habe, indem sie zuerst eine Saturn-, eine Sonnen-, eine Mondenzeit durchgemacht hat und dann zu dieser Erdenzeit vorgerückt ist. Aber natürlich ist alles immer da. In dem Dasein, in dem wir jetzt als dem Erdendasein drinnen leben, bereiten andere Welten ihr Saturndasein, andere Welten ihr Sonnendasein vor. Man kann das geisteswissenschaftlich beobachten. Das Saturndasein ist auch jetzt noch da. Wir wissen nur, unsere Erde hat dieses Stadium überwunden; andere Welten sind erst in diesem Saturnstadium. Da kann man dann beobachten, wie es hereinragt. Aber dieses Saturnstadium beobachten zu können, das hängt davon ab, daß man die Geschwindigkeit sich erst ändert, mit der man die Ereignisse verfolgt, sonst kann man sie nicht sehen. Also Geisteswissenschaft bringt uns in einer gewissen Beziehung das Zusammenleben mit der wahren Wirklichkeit, mit dem, was in der Welt wahrhaftig vor sich geht. Und nehmen wir sie lebendig auf, diese Geisteswissenschaft, von der ich gesprochen habe als der Offenbarung der Geister der Persönlichkeit, die als Schöpfer neu eingreifen, nehmen wir sie für unsere Zeit nicht bloß als Menschenwerk, sondern, wie ich sagte, als von Himmelshöhen geoflenbart, nehmen wir die Impulse dieser Geisteswissenschaft lebendig in uns auf, dann bringen sie uns — was für unsere Zeit so notwendig ist — über die Täuschungen unserer mit der Welt verschiedenen Geschwindigkeit hinaus, dann bringen sie uns mit der Welt so zusammen, daß wir wenigstens in unserem Empfinden gegenüber der Welt manches korrigieren können.

[ 18 ] Und dann stellt sich für uns auch die Folge dieser geisteswissenschaftlichen Bestrebungen ein. Ich habe auch im Laufe dieses Jahres auf manche Folge dieser Bestrebungen hingewiesen. Heute möchte ich in Silvesterrückschau Sie nur hinweisen darauf, was ich von einem andern Gesichtspunkte aus schon gesagt habe: Geisteswissenschaft, lebendig aufgenommen, erhält den Menschen in einer gewissen Weise jung, läßt uns nicht so altern, wie wir sonst altern. Das ist eine der Folgen der Geisteswissenschaft. Und für die heutige Zeit ist diese Folge ganz besonders wichtig. Sie besteht darin, daß wir wirklich imstande sein können, wenn wir auch noch so sehr schon in reiferen Jahren sind, etwas lernen zu können, wie man als Kind gelernt hat. Ist man in die Fünfzigerjahre gekommen, so fühlt man sich vom Standpunkte des gewöhnlichen Bewußtseins aus in der Regel ziemlich alt in der Welt. Fragen Sie einmal Ihre Zeitgenossen, ob sie gerade eine große Neigung haben, mit fünfzig Jahren noch viel zu lernen! Wenn sie es auch sagen, versuchen Sie, ob sie es tun, ob sie es in Wirklichkeit tun. Geisteswissenschaftliche Begriffe und Ideen, lebendig aufgenommen, können den Menschen wirklich nach und nach in die Möglichkeit versetzen, in reifen Jahren noch so zu lernen, wie man sonst als Kind gelernt hat, auch Dinge, die man als Kind eben nicht gelernt hat, gewissermaßen einen weiteren Menschen und immer weiteren Menschen in sich aufzunehmen. Sie bringt den Menschen dazu, seelisch sich immer mehr jung zu fühlen, aber nicht bloß abstrakt, wie man das oftmals tut, sondern so, daß man wirklich in einer ähnlichen Weise etwas lernen mag, wie man gelernt hat, als man acht oder neun Jahre alt war. Dadurch wird in einer gewissen Weise ausgeglichen, was durch die verschiedene Geschwindigkeit mit der Welt in dem Menschen bewirkt wird. Dadurch sind wir zwar in reiferen Jahren natürlich alt, aber unsere Seele läßt uns nicht alt sein, unsere Seele läßt uns in einer gewissen Weise Kind sein, uns der Welt gegenüber wie ein Kind benehmen. Dann sagen wir uns, wenn wir in die Fünfzigerjahre gekommen sind: Du hast eigentlich dadurch, daß du langsamer lebtest als der äußere Weltenlauf, nur das in dich aufgenommen, was, wenn du ebenso schnell lebtest wie der äußere Weltenlauf, du in sieben oder zehn Jahren aufnehmen würdest. Aber ist man frisch geblieben, dann bewahrt man sich auch die Möglichkeit, so sich zu verhalten, wie man sich verhalten würde, wenn man nur sieben, acht, neun, zehn Jahre durchlebt hätte. Das ist ein voller Ausgleich. Und das bedingt, weil sich in der Welt die Dinge immer die Waage halten, den andern Ausgleich: daß man auch die schnellere Geschwindigkeit, diese Willkürgedanken, diese Sonntagswünsche, wie ich sie Ihnen charakterisiert habe, auch in einer gewissen Weise hinunterdrückt, daß man sich die Möglichkeit verschaflt, nicht immer nur Sonntage haben zu wollen, sondern auch die Wochentage für das Lernen auszunützen, das ganze Leben zur Schule zu machen.

[ 18 ] Und dann stellt sich für uns auch die Folge dieser geisteswissenschaftlichen Bestrebungen ein. Ich habe auch im Laufe dieses Jahres auf manche Folge dieser Bestrebungen hingewiesen. Heute möchte ich in Silvesterrückschau Sie nur hinweisen darauf, was ich von einem andern Gesichtspunkte aus schon gesagt habe: Geisteswissenschaft, lebendig aufgenommen, erhält den Menschen in einer gewissen Weise jung, läßt uns nicht so altern, wie wir sonst altern. Das ist eine der Folgen der Geisteswissenschaft. Und für die heutige Zeit ist diese Folge ganz besonders wichtig. Sie besteht darin, daß wir wirklich imstande sein können, wenn wir auch noch so sehr schon in reiferen Jahren sind, etwas lernen zu können, wie man als Kind gelernt hat. Ist man in die Fünfzigerjahre gekommen, so fühlt man sich vom Standpunkte des gewöhnlichen Bewußtseins aus in der Regel ziemlich alt in der Welt. Fragen Sie einmal Ihre Zeitgenossen, ob sie gerade eine große Neigung haben, mit fünfzig Jahren noch viel zu lernen! Wenn sie es auch sagen, versuchen Sie, ob sie es tun, ob sie es in Wirklichkeit tun. Geisteswissenschaftliche Begriffe und Ideen, lebendig aufgenommen, können den Menschen wirklich nach und nach in die Möglichkeit versetzen, in reifen Jahren noch so zu lernen, wie man sonst als Kind gelernt hat, auch Dinge, die man als Kind eben nicht gelernt hat, gewissermaßen einen weiteren Menschen und immer weiteren Menschen in sich aufzunehmen. Sie bringt den Menschen dazu, seelisch sich immer mehr jung zu fühlen, aber nicht bloß abstrakt, wie man das oftmals tut, sondern so, daß man wirklich in einer ähnlichen Weise etwas lernen mag, wie man gelernt hat, als man acht oder neun Jahre alt war. Dadurch wird in einer gewissen Weise ausgeglichen, was durch die verschiedene Geschwindigkeit mit der Welt in dem Menschen bewirkt wird. Dadurch sind wir zwar in reiferen Jahren natürlich alt, aber unsere Seele läßt uns nicht alt sein, unsere Seele läßt uns in einer gewissen Weise Kind sein, uns der Welt gegenüber wie ein Kind benehmen. Dann sagen wir uns, wenn wir in die Fünfzigerjahre gekommen sind: Du hast eigentlich dadurch, daß du langsamer lebtest als der äußere Weltenlauf, nur das in dich aufgenommen, was, wenn du ebenso schnell lebtest wie der äußere Weltenlauf, du in sieben oder zehn Jahren aufnehmen würdest. Aber ist man frisch geblieben, dann bewahrt man sich auch die Möglichkeit, so sich zu verhalten, wie man sich verhalten würde, wenn man nur sieben, acht, neun, zehn Jahre durchlebt hätte. Das ist ein voller Ausgleich. Und das bedingt, weil sich in der Welt die Dinge immer die Waage halten, den andern Ausgleich: daß man auch die schnellere Geschwindigkeit, diese Willkürgedanken, diese Sonntagswünsche, wie ich sie Ihnen charakterisiert habe, auch in einer gewissen Weise hinunterdrückt, daß man sich die Möglichkeit verschaflt, nicht immer nur Sonntage haben zu wollen, sondern auch die Wochentage für das Lernen auszunützen, das ganze Leben zur Schule zu machen.

[ 19 ] Gewiß, ich stelle Ihnen da eine Art Ideal so geisteswissenschaftlich streng hin. Aber vielleicht hat schon mancher von Ihnen die Silvester der letzten vier Jahre als ernstere empfunden als die früheren. Derjenige aber, der etwas tiefer in die Weltenereignisse blickt, wird wohl den diesjährigen Silvester, auch im Vergleiche mit den Silvestern der verflossenen vier Jahre, als allerernstesten betrachten. Er fordert uns schon auf, tief hineinzuschauen in das, was in der Welt vor sich geht, und diesen Gedanken zu verbinden mit dem, was wir doch aus unserem Verhältnis zur Geisteswissenschaft gewinnen können an Vorstellungen über das, was der Welt in der Gegenwart und in der nächsten Zukunft notwendig ist. Wir sollen ja gewissermaßen durch Geisteswissenschaft aufwachen für die Weltenereignisse, wir sollen wachende Menschen werden. Ein flüchtiger Blick kann die Menschen heute belehren, wie sehr das Schlafen verbreitet ist. Vergleichen Sie nur das heutige Leben mit dem Leben früherer Epochen, dann werden Sie schon darauf aufmerksam werden, wie schließlich das Jugend- und Altersleben sich geändert hat. Die Jugend von heute in ihrer überwiegenden Mehrheit, wie wirkt auf sie die materialistische Zeit? So frisch, so hell, so lebendig wie die Jugendideale in früheren Epochen waren, sind sie heute nicht. Die Jugend ist eine fordernde geworden. Man will das, was die Jugend bietet, in seiner Seelenstimmung nicht so sehr darauf verwenden, um in das Zukunftsleben zu schauen, um weithin leuchtende Ideale sich vorzumalen und von diesen Idealen ein gehobenes Leben zu haben; man will schon in der Jugend das, was man als Leben hat, verbrauchen. Das aber bedingt ein Alter, welches nun nicht dasjenige aufnehmen kann, was geeignet wäre, gerade durch das Alter erst recht aufgenommen zu werden. Unsere Jugend verbraucht ihre Kräfte, und das Alter läßt die Schätze des Lebens auf dem Wege liegen. Unsere Jugend ist nicht mehr hoffnungsreich genug; unser Alter ist wesenlos resignierend. Unsere Jugend wendet sich nicht mehr an das Alter, um zu fragen: Verwirklichen sich die Jugendträume, die selbstverständlich aus meinem Herzen hervorquellen ? — Unser Alter wäre aber auch kaum in der Lage, zu sagen: Ja, sie verwirklichen sich. — Unser Alter sagt mehr oder weniger ausgesprochen heute nur allzu oft: Auch ich habe das geträumt; diese Jugendträume gehen leider nicht in Erfüllung. — Man wird ernüchtert durch das Leben.

[ 19 ] Gewiß, ich stelle Ihnen da eine Art Ideal so geisteswissenschaftlich streng hin. Aber vielleicht hat schon mancher von Ihnen die Silvester der letzten vier Jahre als ernstere empfunden als die früheren. Derjenige aber, der etwas tiefer in die Weltenereignisse blickt, wird wohl den diesjährigen Silvester, auch im Vergleiche mit den Silvestern der verflossenen vier Jahre, als allerernstesten betrachten. Er fordert uns schon auf, tief hineinzuschauen in das, was in der Welt vor sich geht, und diesen Gedanken zu verbinden mit dem, was wir doch aus unserem Verhältnis zur Geisteswissenschaft gewinnen können an Vorstellungen über das, was der Welt in der Gegenwart und in der nächsten Zukunft notwendig ist. Wir sollen ja gewissermaßen durch Geisteswissenschaft aufwachen für die Weltenereignisse, wir sollen wachende Menschen werden. Ein flüchtiger Blick kann die Menschen heute belehren, wie sehr das Schlafen verbreitet ist. Vergleichen Sie nur das heutige Leben mit dem Leben früherer Epochen, dann werden Sie schon darauf aufmerksam werden, wie schließlich das Jugend- und Altersleben sich geändert hat. Die Jugend von heute in ihrer überwiegenden Mehrheit, wie wirkt auf sie die materialistische Zeit? So frisch, so hell, so lebendig wie die Jugendideale in früheren Epochen waren, sind sie heute nicht. Die Jugend ist eine fordernde geworden. Man will das, was die Jugend bietet, in seiner Seelenstimmung nicht so sehr darauf verwenden, um in das Zukunftsleben zu schauen, um weithin leuchtende Ideale sich vorzumalen und von diesen Idealen ein gehobenes Leben zu haben; man will schon in der Jugend das, was man als Leben hat, verbrauchen. Das aber bedingt ein Alter, welches nun nicht dasjenige aufnehmen kann, was geeignet wäre, gerade durch das Alter erst recht aufgenommen zu werden. Unsere Jugend verbraucht ihre Kräfte, und das Alter läßt die Schätze des Lebens auf dem Wege liegen. Unsere Jugend ist nicht mehr hoffnungsreich genug; unser Alter ist wesenlos resignierend. Unsere Jugend wendet sich nicht mehr an das Alter, um zu fragen: Verwirklichen sich die Jugendträume, die selbstverständlich aus meinem Herzen hervorquellen ? — Unser Alter wäre aber auch kaum in der Lage, zu sagen: Ja, sie verwirklichen sich. — Unser Alter sagt mehr oder weniger ausgesprochen heute nur allzu oft: Auch ich habe das geträumt; diese Jugendträume gehen leider nicht in Erfüllung. — Man wird ernüchtert durch das Leben.

[ 20 ] Mit all diesen Dingen hängt aber zusammen das Unglück unserer Zeit. Mit all diesen Dingen hängt doch zusammen, was die Menschheit heute tief erschüttert. Dann aber, wenn Sie auf das hinblicken, dann werden Sie auch die Notwendigkeit geisteswissenschaftlicher Impulse tief in die Seele sich einschreiben können. Denn an diesem Jahreswendetage muß man sich doch fragen, wenn man wach sein will: Wie stellt sich denn eigentlich diese Zeit dar? Was kann werden in der Zukunft? Was kann aus dem hervorgehen, was sich bis heute aus den Wirrsalen der letzten Jahre für die zivilisierte Menschheit ergeben hat? — Wenn man sich diese Fragen als wacher Mensch vorlegt, entsteht eine wesentlich andere Frage, eine Frage, die ganz tief zusammenhängt mit allen unseren möglichen Hoffnungen für die Menschheitszukunft. Solche Hoffnungen, oder solche Sorgen könnte ich auch sagen, sie stiegen einem in den letzten Jahren oftmals auf, ganz besonders dann, wenn man den Blick hinwendete auf diejenigen Menschenwesen, die heute vier, fünf, sechs, sieben, acht Jahre alt sind. Wir, die Älteren, haben manches hinter uns, was unsere Seelenstimmung gegenüber dem, was da kommt, beeinflussen kann. Wir haben manches hinter uns, was uns auch solche Freude bereitet hat, die diejenigen nicht haben werden, die heute fünf, sechs, acht, neun Jahre alt sind. Aber nichts ist absolut in der Welt, nicht einmal, wenn man zu Silvester den Rückblick macht auf das Jahr. Alles, was uns da erscheint, erscheint uns illusionär, weil wir auf der einen Seite zu langsam, auf der andern Seite zu schnell zum Weltenlaufe gehen. Nichts ist absolut, alles ist relativ. Und die Frage, die aber nicht eine bloße theoretische, sondern eine reale Frage ist, wie Sie gleich sehen werden, diese Frage tritt vor uns auf: Wie kann es denn heute eigentlich in der Seele eines Menschen ausschauen, der nicht an geisteswissenschaftliche Vorstellungen herantreten kann, wenn sich dieser Mensch Fragen stellt über die Zukunft der Menschheit? Man kann schlafen, und das bedeutet gegenüber dem Fortschritte der Menschheit unehrlich sein, wenn auch unbewußt unehrlich sein. Aber man kann auch wachen, und man sollte wachen. Dann kann diese Frage insbesondere gegenüber der allgemeinen Menschheitsverfassung in unserer Zeit auftreten: Wie malt sich denn wohl in den Menschenseelen die Menschenzukunft, wenn diese Menschenseelen nicht in der Lage sind, an Geisteswissenschaftliches heranzutreten? Solche Menschen sind nur allzu zahlreich in dieser Welt gegenwärtig. Ich meine nicht die trockenen, selbstgefälligen Materialisten allein, sondern ich meine jene zahlreichen andern, die es heute schon gibt, die eine gewisse Furcht haben vor dem wirklich Geistigen, und die doch in ihrer Art Idealisten sein möchten. Sie sind abstrakte Idealisten, die von allem möglichen Schönen, von: Liebet eure Feinde —, von schönen sozialen Reformen reden, die aber nicht zum wirklichen konkreten Erfassen der Welt kommen können. Sie sind aus Schwäche zwar Idealisten, aber nicht Geistschauer. Sie wollen nicht den Geist schauen, sie halten sich ferne von dem Geist.

[ 20 ] Mit all diesen Dingen hängt aber zusammen das Unglück unserer Zeit. Mit all diesen Dingen hängt doch zusammen, was die Menschheit heute tief erschüttert. Dann aber, wenn Sie auf das hinblicken, dann werden Sie auch die Notwendigkeit geisteswissenschaftlicher Impulse tief in die Seele sich einschreiben können. Denn an diesem Jahreswendetage muß man sich doch fragen, wenn man wach sein will: Wie stellt sich denn eigentlich diese Zeit dar? Was kann werden in der Zukunft? Was kann aus dem hervorgehen, was sich bis heute aus den Wirrsalen der letzten Jahre für die zivilisierte Menschheit ergeben hat? — Wenn man sich diese Fragen als wacher Mensch vorlegt, entsteht eine wesentlich andere Frage, eine Frage, die ganz tief zusammenhängt mit allen unseren möglichen Hoffnungen für die Menschheitszukunft. Solche Hoffnungen, oder solche Sorgen könnte ich auch sagen, sie stiegen einem in den letzten Jahren oftmals auf, ganz besonders dann, wenn man den Blick hinwendete auf diejenigen Menschenwesen, die heute vier, fünf, sechs, sieben, acht Jahre alt sind. Wir, die Älteren, haben manches hinter uns, was unsere Seelenstimmung gegenüber dem, was da kommt, beeinflussen kann. Wir haben manches hinter uns, was uns auch solche Freude bereitet hat, die diejenigen nicht haben werden, die heute fünf, sechs, acht, neun Jahre alt sind. Aber nichts ist absolut in der Welt, nicht einmal, wenn man zu Silvester den Rückblick macht auf das Jahr. Alles, was uns da erscheint, erscheint uns illusionär, weil wir auf der einen Seite zu langsam, auf der andern Seite zu schnell zum Weltenlaufe gehen. Nichts ist absolut, alles ist relativ. Und die Frage, die aber nicht eine bloße theoretische, sondern eine reale Frage ist, wie Sie gleich sehen werden, diese Frage tritt vor uns auf: Wie kann es denn heute eigentlich in der Seele eines Menschen ausschauen, der nicht an geisteswissenschaftliche Vorstellungen herantreten kann, wenn sich dieser Mensch Fragen stellt über die Zukunft der Menschheit? Man kann schlafen, und das bedeutet gegenüber dem Fortschritte der Menschheit unehrlich sein, wenn auch unbewußt unehrlich sein. Aber man kann auch wachen, und man sollte wachen. Dann kann diese Frage insbesondere gegenüber der allgemeinen Menschheitsverfassung in unserer Zeit auftreten: Wie malt sich denn wohl in den Menschenseelen die Menschenzukunft, wenn diese Menschenseelen nicht in der Lage sind, an Geisteswissenschaftliches heranzutreten? Solche Menschen sind nur allzu zahlreich in dieser Welt gegenwärtig. Ich meine nicht die trockenen, selbstgefälligen Materialisten allein, sondern ich meine jene zahlreichen andern, die es heute schon gibt, die eine gewisse Furcht haben vor dem wirklich Geistigen, und die doch in ihrer Art Idealisten sein möchten. Sie sind abstrakte Idealisten, die von allem möglichen Schönen, von: Liebet eure Feinde —, von schönen sozialen Reformen reden, die aber nicht zum wirklichen konkreten Erfassen der Welt kommen können. Sie sind aus Schwäche zwar Idealisten, aber nicht Geistschauer. Sie wollen nicht den Geist schauen, sie halten sich ferne von dem Geist.

[ 21 ] Diese Frage möchte ich heute als eine Jahreswendefrage aufwerfen: Wenn nun einmal solch ein Mensch ehrlich ist, der zwar glaubt, er lebe für den Geist, der auch glaubt, durch seinen Glauben überzeugt zu sein von dem Weben und Wesen des Geistes in der Welt, der aber nicht den Mut hat, hinzugehen zu jenem konkreten Geistigen, zu der geistigen Wirklichkeit, welche durch Geisteswissenschaft sich heute den Menschen offenbaren will, wenn sich in einem solchen Menschen das Ganze der gegenwärtigen Welt oder nur ein Teil ehrlich malt, was entsteht dann für ein Bild? Ich möchte Ihnen nicht eine abstrakte Schilderung geben, ich möchte Ihnen eine Schilderung geben, die gegenwärtig durch die Weltblätter geht und die von einem Menschen herrührt, den ich in einem andern Zusammenhange auch schon erwähnte, von einem Menschen, der sich eben aus den Gründen, die ich jetzt erörtert habe, fernhält von wirklichem Eintritt in die Geisteswissenschaft, der glaubt, soziale Ideale gewinnen zu können ohne Geisteswissenschaft, der glaubt, reden zu können über Menschenfortschritt und Menschenwesenheit, ohne in Geisteswissenschaft eintreten zu wollen, aber ein Mensch, der ehrlich ist von diesem seinem Gesichtspunkte aus. Ich habe öfter erwähnt den Namen Walther Rathenau, erwähnt manches, was entschieden schwach ist an ihm; aber Sie erinnern sich, daß ich seine «Kritik der Zeit» auch einstmals anerkennend erwähnt habe. Das ist so recht ein Typ, und zwar einer der besten Typen von Menschen unserer Zeit, die Idealisten sind, die auch den Glauben haben, daß ein Geistiges die Welt durchwebt und durchlebt, die aber das konkrete Geistige nicht finden können, jenes Geistige, welches allein Heilung bringen kann gegenüber den Schäden, die jetzt die Welt durchbeben. Deshalb ist es nützlich zu fragen, was denn ein solcher, der der Geisteswissenschaft ferne steht, aber ehrlich ist, der den heutigen Weltenlauf von seinem Orte aus betrachtet, was ein solcher sich sagt. Das ist immerhin lehrreich. Deshalb möchte ich, daß auch wir hier, weil Sie es vielleicht nicht alle gelesen haben, vor unsere Seele treten lassen jene Worte, welche Walther Rathenau in diesen Tagen an die ganze Welt richtet. Er sagt: «Ein Deutscher wendet sich an alle Nationen. Mit welchem Recht? Mit dem Rechte eines, der den kommenden Krieg verkündete, der das Ende voraussah, die Katastrophe erkannte, dem Spott, Hohn und Zweifel trotzte und vier lange Jahre den Machthabern zur Versöhnung riet. Mit dem Rechte eines, der das Vorgefühl des tiefsten Sturzes jahrzehntelang in sich trug, und weiß, daß der Sturz tiefer ist, als Menschen, Freunde und Feinde ahnen. Mit dem Rechte eines, der niemals ein einziges Unrecht seines Volkes verschwiegen hat, und nun für das Recht seines Volkes eintreten darf.

[ 21 ] Diese Frage möchte ich heute als eine Jahreswendefrage aufwerfen: Wenn nun einmal solch ein Mensch ehrlich ist, der zwar glaubt, er lebe für den Geist, der auch glaubt, durch seinen Glauben überzeugt zu sein von dem Weben und Wesen des Geistes in der Welt, der aber nicht den Mut hat, hinzugehen zu jenem konkreten Geistigen, zu der geistigen Wirklichkeit, welche durch Geisteswissenschaft sich heute den Menschen offenbaren will, wenn sich in einem solchen Menschen das Ganze der gegenwärtigen Welt oder nur ein Teil ehrlich malt, was entsteht dann für ein Bild? Ich möchte Ihnen nicht eine abstrakte Schilderung geben, ich möchte Ihnen eine Schilderung geben, die gegenwärtig durch die Weltblätter geht und die von einem Menschen herrührt, den ich in einem andern Zusammenhange auch schon erwähnte, von einem Menschen, der sich eben aus den Gründen, die ich jetzt erörtert habe, fernhält von wirklichem Eintritt in die Geisteswissenschaft, der glaubt, soziale Ideale gewinnen zu können ohne Geisteswissenschaft, der glaubt, reden zu können über Menschenfortschritt und Menschenwesenheit, ohne in Geisteswissenschaft eintreten zu wollen, aber ein Mensch, der ehrlich ist von diesem seinem Gesichtspunkte aus. Ich habe öfter erwähnt den Namen Walther Rathenau, erwähnt manches, was entschieden schwach ist an ihm; aber Sie erinnern sich, daß ich seine «Kritik der Zeit» auch einstmals anerkennend erwähnt habe. Das ist so recht ein Typ, und zwar einer der besten Typen von Menschen unserer Zeit, die Idealisten sind, die auch den Glauben haben, daß ein Geistiges die Welt durchwebt und durchlebt, die aber das konkrete Geistige nicht finden können, jenes Geistige, welches allein Heilung bringen kann gegenüber den Schäden, die jetzt die Welt durchbeben. Deshalb ist es nützlich zu fragen, was denn ein solcher, der der Geisteswissenschaft ferne steht, aber ehrlich ist, der den heutigen Weltenlauf von seinem Orte aus betrachtet, was ein solcher sich sagt. Das ist immerhin lehrreich. Deshalb möchte ich, daß auch wir hier, weil Sie es vielleicht nicht alle gelesen haben, vor unsere Seele treten lassen jene Worte, welche Walther Rathenau in diesen Tagen an die ganze Welt richtet. Er sagt: «Ein Deutscher wendet sich an alle Nationen. Mit welchem Recht? Mit dem Rechte eines, der den kommenden Krieg verkündete, der das Ende voraussah, die Katastrophe erkannte, dem Spott, Hohn und Zweifel trotzte und vier lange Jahre den Machthabern zur Versöhnung riet. Mit dem Rechte eines, der das Vorgefühl des tiefsten Sturzes jahrzehntelang in sich trug, und weiß, daß der Sturz tiefer ist, als Menschen, Freunde und Feinde ahnen. Mit dem Rechte eines, der niemals ein einziges Unrecht seines Volkes verschwiegen hat, und nun für das Recht seines Volkes eintreten darf.

[ 22 ] Das deutsche Volk ist schuldlos. Schuldlos hat es ein Unrecht begangen. Schuldlos hat es aus alter, kindlicher Abhängigkeit seinen Herrn und Machthabern gedient. Es wußte nicht, daß diese Herren und Machthaber, äußerlich unverändert, sich innerlich gewandelt hatten. Es wußte nichts von der Selbstverantwortung der Völker. Es kannte keine Revolutionen. Es duldete den Militarismus und Feudalismus, es ließ sich leiten und organisieren. Es ließ sich töten und tötete, wenn es befohlen war. Es glaubte, was seine angebornen Führer ihm sagten. Schuldlos hat es das Unrecht begangen: zu glauben.

[ 22 ] Das deutsche Volk ist schuldlos. Schuldlos hat es ein Unrecht begangen. Schuldlos hat es aus alter, kindlicher Abhängigkeit seinen Herrn und Machthabern gedient. Es wußte nicht, daß diese Herren und Machthaber, äußerlich unverändert, sich innerlich gewandelt hatten. Es wußte nichts von der Selbstverantwortung der Völker. Es kannte keine Revolutionen. Es duldete den Militarismus und Feudalismus, es ließ sich leiten und organisieren. Es ließ sich töten und tötete, wenn es befohlen war. Es glaubte, was seine angebornen Führer ihm sagten. Schuldlos hat es das Unrecht begangen: zu glauben.

[ 23 ] Unser Unrecht wird schwer auf uns lasten. Unsere Schuldlosigkeit werden die Mächte erkennen, die in die Herzen blicken.»

[ 23 ] Unser Unrecht wird schwer auf uns lasten. Unsere Schuldlosigkeit werden die Mächte erkennen, die in die Herzen blicken.»

[ 24 ] Also Sie sehen, es ist ein Mensch, der hinweist auf dasjenige, auf was Judentum und Christentum hinwiesen, auf die Vorsehung, die aber in abstrakte Formen gefaßt wird.

[ 24 ] Also Sie sehen, es ist ein Mensch, der hinweist auf dasjenige, auf was Judentum und Christentum hinwiesen, auf die Vorsehung, die aber in abstrakte Formen gefaßt wird.

[ 25 ] «Deutschland gleicht jenen künstlich fruchtbaren Ländern, die grünen, solange ein Netz von Kanälen sie bewässert. Zerbricht eine einzige Schleuse, so stirbt alles Leben, das Land vertrocknet zur Wüste.

[ 25 ] «Deutschland gleicht jenen künstlich fruchtbaren Ländern, die grünen, solange ein Netz von Kanälen sie bewässert. Zerbricht eine einzige Schleuse, so stirbt alles Leben, das Land vertrocknet zur Wüste.

[ 26 ] Wir haben Nahrung für die Hälfte unserer Menschen. Die andere Hälfte muß Lohnarbeit für andere Völker leisten, Rohstoffe kaufen und Ware verkaufen. Nimmt man ihr die Arbeit oder den Ertrag der Arbeit, so stirbt sie oder wird heimatlos. Mit der äußersten Arbeit, deren ein Volk fähig ist, ersparten wir im Jahre fünf bis sechs Milliarden. Die dienten dazu, Werkzeuge und Werkstätten zu bauen, Bahnen und Häfen zu schaffen, Werke der Forschung zu betreiben. Das gab uns die Möglichkeit, erwerbsfähig zu bleiben und uns in natürlicher Fruchtbarkeit zu vermehren. Man nimmt uns die Kolonien, das Reichsland, die Erze und Schiffe, und wir werden ein machtloses, dürftiges Land. Mag das hingehen, auch unsere Vorfahren waren arm und machtlos und haben dem Geist der Erde besser gedient als wir. Man beschränkt unsern Güteraustausch, man nimmt, wie man uns androht, entgegen dem Geiste der Wilsonschen Stipulationen, das Dreifache oder Vierfache der belgischen und nordfranzösischen Schäden, die sich auf etwa zwanzig Milliarden belaufen: was geschieht? Unsere Wirtschaft wird ertraglos. Wir arbeiten, um kümmerlich ersparnislos zu leben. Wir können nichts instand halten, nichts erneuern, nichts erweitern. Das Land, seine Bauten, Straßen, Einrichtungen verkommen. Die Technik wird rückständig, die Forschung hört auf. Wir haben die Wahl: Unfruchtbarkeit, Abwanderung oder tiefstes Elend.

[ 26 ] Wir haben Nahrung für die Hälfte unserer Menschen. Die andere Hälfte muß Lohnarbeit für andere Völker leisten, Rohstoffe kaufen und Ware verkaufen. Nimmt man ihr die Arbeit oder den Ertrag der Arbeit, so stirbt sie oder wird heimatlos. Mit der äußersten Arbeit, deren ein Volk fähig ist, ersparten wir im Jahre fünf bis sechs Milliarden. Die dienten dazu, Werkzeuge und Werkstätten zu bauen, Bahnen und Häfen zu schaffen, Werke der Forschung zu betreiben. Das gab uns die Möglichkeit, erwerbsfähig zu bleiben und uns in natürlicher Fruchtbarkeit zu vermehren. Man nimmt uns die Kolonien, das Reichsland, die Erze und Schiffe, und wir werden ein machtloses, dürftiges Land. Mag das hingehen, auch unsere Vorfahren waren arm und machtlos und haben dem Geist der Erde besser gedient als wir. Man beschränkt unsern Güteraustausch, man nimmt, wie man uns androht, entgegen dem Geiste der Wilsonschen Stipulationen, das Dreifache oder Vierfache der belgischen und nordfranzösischen Schäden, die sich auf etwa zwanzig Milliarden belaufen: was geschieht? Unsere Wirtschaft wird ertraglos. Wir arbeiten, um kümmerlich ersparnislos zu leben. Wir können nichts instand halten, nichts erneuern, nichts erweitern. Das Land, seine Bauten, Straßen, Einrichtungen verkommen. Die Technik wird rückständig, die Forschung hört auf. Wir haben die Wahl: Unfruchtbarkeit, Abwanderung oder tiefstes Elend.

[ 27 ] Es ist die Vernichtung.

[ 27 ] Es ist die Vernichtung.

[ 28 ] Wir werden nicht viel klagen, sondern unser Schicksal auf uns nehmen und schweigend zugrunde gehen. Die Besten von uns werden nicht auswandern und sich nicht töten, sondern das Geschick ihrer Brüder teilen. Die meisten kennen ihr Geschick noch nicht, sie wissen nicht, daß sie und ihre Kinder geopfert sind. Auch die Völker der Erde wissen noch nicht, daß es um das Leben eines Menschenvolkes geht. Vielleicht wissen es nicht einmal die, mit denen wir gekämpft haben. Einzelne sagen: Gerechtigkeit. Andere sagen: Vergeltung. Es gibt auch welche, die sagen: Rache. Wissen sie, daß das, was sie Gerechtigkeit, Vergeltung, Rache nennen, daß es der Mord ist?

[ 28 ] Wir werden nicht viel klagen, sondern unser Schicksal auf uns nehmen und schweigend zugrunde gehen. Die Besten von uns werden nicht auswandern und sich nicht töten, sondern das Geschick ihrer Brüder teilen. Die meisten kennen ihr Geschick noch nicht, sie wissen nicht, daß sie und ihre Kinder geopfert sind. Auch die Völker der Erde wissen noch nicht, daß es um das Leben eines Menschenvolkes geht. Vielleicht wissen es nicht einmal die, mit denen wir gekämpft haben. Einzelne sagen: Gerechtigkeit. Andere sagen: Vergeltung. Es gibt auch welche, die sagen: Rache. Wissen sie, daß das, was sie Gerechtigkeit, Vergeltung, Rache nennen, daß es der Mord ist?

[ 29 ] Wir, die wir in unser Schicksal gehen, stumm, nicht blind: noch einmal erheben wir unsere Stimme, so daß die Welt sie hört, und klagen an. Den Völkern der Erde, denen, die neutral, und denen, die befreundet waren, den freien überseeischen Staaten, den jungen Staatsgebilden, die neu entstanden sind, den Nationen unserer bisherigen Feinde, den Völkern, die sind und denen, die nach uns kommen, in tiefem, feierlichem Schmerz, in der Wehmut des Scheidens und in flammender Klage rufen wir das Wort in ihre Seelen:

[ 29 ] Wir, die wir in unser Schicksal gehen, stumm, nicht blind: noch einmal erheben wir unsere Stimme, so daß die Welt sie hört, und klagen an. Den Völkern der Erde, denen, die neutral, und denen, die befreundet waren, den freien überseeischen Staaten, den jungen Staatsgebilden, die neu entstanden sind, den Nationen unserer bisherigen Feinde, den Völkern, die sind und denen, die nach uns kommen, in tiefem, feierlichem Schmerz, in der Wehmut des Scheidens und in flammender Klage rufen wir das Wort in ihre Seelen:

[ 30 ] Wir werden vernichtet. Deutschlands lebendiger Leib und Geist wird getötet. Millionen deutscher Menschen werden in Not und Tod, in Heimatlosigkeit, Sklaverei und Verzweiflung getrieben. Eines der geistigsten Völker im Kreise der Erde verlischt. Seine Mütter, seine Kinder, seine Ungebornen werden zu Tode getroffen.»

[ 30 ] Wir werden vernichtet. Deutschlands lebendiger Leib und Geist wird getötet. Millionen deutscher Menschen werden in Not und Tod, in Heimatlosigkeit, Sklaverei und Verzweiflung getrieben. Eines der geistigsten Völker im Kreise der Erde verlischt. Seine Mütter, seine Kinder, seine Ungebornen werden zu Tode getroffen.»

[ 31 ] Das ist nicht aus Leidenschaft heraus gesagt, das ist berechnet, das ist mit kältestem Verstande berechnet. Das ist eben jemand, der Materialist zwar ist, aber der mit kaltem Verstande die wirklichen Verhältnisse berechnen kann, der sich nicht Illusionen hingibt, sondern ehrlich die Wahrheit gesteht, eben von seinem materialistischen Standpunkte aus. Das ist errechnet, das ist nicht etwas, was sich widerlegen läßt mit ein paar Worten oder Empfindungen aus Sympathie oder Antipathie heraus, sondern was mit kaltem Verstande berechnet ist von einem Menschen, der jahrzehntelang das sagen konnte: es wird so kommen —, der auch den Mut hatte, während des Krieges die Dinge zu sagen.

[ 31 ] Das ist nicht aus Leidenschaft heraus gesagt, das ist berechnet, das ist mit kältestem Verstande berechnet. Das ist eben jemand, der Materialist zwar ist, aber der mit kaltem Verstande die wirklichen Verhältnisse berechnen kann, der sich nicht Illusionen hingibt, sondern ehrlich die Wahrheit gesteht, eben von seinem materialistischen Standpunkte aus. Das ist errechnet, das ist nicht etwas, was sich widerlegen läßt mit ein paar Worten oder Empfindungen aus Sympathie oder Antipathie heraus, sondern was mit kaltem Verstande berechnet ist von einem Menschen, der jahrzehntelang das sagen konnte: es wird so kommen —, der auch den Mut hatte, während des Krieges die Dinge zu sagen.

[ 32 ] Hier war es zwecklos; in Berlin und andern Orten Deutschlands habe ich in meine Vorträge immer eingeschaltet, was gerade Rathenau nach dieser Richtung hin gesagt hat.

[ 32 ] Hier war es zwecklos; in Berlin und andern Orten Deutschlands habe ich in meine Vorträge immer eingeschaltet, was gerade Rathenau nach dieser Richtung hin gesagt hat.

[ 33 ] «Wir werden vernichtet, wissend und sehend, von Wissenden und Sehenden. Nicht wie dumpfe Völker des Altertums, die ahnungslos und stumpf in Verbannung und Sklaverei geführt wurden, nicht von fanatischen Götzendienern, die einen Moloch zu verherrlichen glauben. Wir werden vernichtet von Brudervölkern europäischen Blutes, die sich zu Gott und Christus bekennen, deren Leben und Verfassung auf Sittlichkeit beruht, die sich auf Menschlichkeit, Ritterlichkeit und Zivilisation berufen, die um vergossenes Menschenblut trauern, die den Frieden der Gerechtigkeit und den Völkerbund verkünden, die die Verantwortung für das Schicksal des Erdkreises tragen.

[ 33 ] «Wir werden vernichtet, wissend und sehend, von Wissenden und Sehenden. Nicht wie dumpfe Völker des Altertums, die ahnungslos und stumpf in Verbannung und Sklaverei geführt wurden, nicht von fanatischen Götzendienern, die einen Moloch zu verherrlichen glauben. Wir werden vernichtet von Brudervölkern europäischen Blutes, die sich zu Gott und Christus bekennen, deren Leben und Verfassung auf Sittlichkeit beruht, die sich auf Menschlichkeit, Ritterlichkeit und Zivilisation berufen, die um vergossenes Menschenblut trauern, die den Frieden der Gerechtigkeit und den Völkerbund verkünden, die die Verantwortung für das Schicksal des Erdkreises tragen.

[ 34 ] Wehe dem und seiner Seele, der es wagt, dieses Blutgericht Gerechtigkeit zu nennen. Habt den Mut, sprecht es aus, nennt es bei seinem Namen: es heißt Rache.

[ 34 ] Wehe dem und seiner Seele, der es wagt, dieses Blutgericht Gerechtigkeit zu nennen. Habt den Mut, sprecht es aus, nennt es bei seinem Namen: es heißt Rache.

[ 35 ] Euch aber frage ich, geistige Menschen aller Völker, Geistliche aller Konfessionen und Gelehrte, Staatsmänner und Künstler; euch frage ich, Arbeiter, Proletarier, Bürger aller Nationen; dich frage ich, ehrwürdiger Vater und höchster Herr der katholischen Kirche, dich frage ich im Namen Gottes:

[ 35 ] Euch aber frage ich, geistige Menschen aller Völker, Geistliche aller Konfessionen und Gelehrte, Staatsmänner und Künstler; euch frage ich, Arbeiter, Proletarier, Bürger aller Nationen; dich frage ich, ehrwürdiger Vater und höchster Herr der katholischen Kirche, dich frage ich im Namen Gottes:

[ 36 ] Darf um der Rache willen ein Volk der Erde von seinen Brudervölkern vernichtet werden, und wäre es das letzte und armseligste aller Völker? Darf ein lebendiges Volk geistiger, europäischer Menschen mit seinen Kindetn und Ungebornen seines geistigen und leiblichen Daseins beraubt, zur Fronarbeit verurteilt, ausgestrichen wetden aus dem Kreis der Lebenden?

[ 36 ] Darf um der Rache willen ein Volk der Erde von seinen Brudervölkern vernichtet werden, und wäre es das letzte und armseligste aller Völker? Darf ein lebendiges Volk geistiger, europäischer Menschen mit seinen Kindetn und Ungebornen seines geistigen und leiblichen Daseins beraubt, zur Fronarbeit verurteilt, ausgestrichen wetden aus dem Kreis der Lebenden?

[ 37 ] Wenn dieses Ungeheuerste geschieht, gegen das der schrecklichste aller Kriege nur ein Vorspiel war, so soll die Welt wissen, was geschieht, sie soll wissen, was sie zu tun im Begriffe steht. Sie soll niemals sagen dürfen: wir haben es nicht gewußt, wir haben es nicht gewollt. Sie soll vor dem Angesicht Gottes und vor der Verantwortung der Ewigkeit ruhig und kalt das Wort aussprechen: Wir wissen es. Und wir wollen es.»

[ 37 ] Wenn dieses Ungeheuerste geschieht, gegen das der schrecklichste aller Kriege nur ein Vorspiel war, so soll die Welt wissen, was geschieht, sie soll wissen, was sie zu tun im Begriffe steht. Sie soll niemals sagen dürfen: wir haben es nicht gewußt, wir haben es nicht gewollt. Sie soll vor dem Angesicht Gottes und vor der Verantwortung der Ewigkeit ruhig und kalt das Wort aussprechen: Wir wissen es. Und wir wollen es.»

[ 38 ] Auch er, Rathenau, will, daß die Menschheit aufwacht, zu sehen.

[ 38 ] Auch er, Rathenau, will, daß die Menschheit aufwacht, zu sehen.

[ 39 ] «Milliarden! Fünfzig, hundert, zweihundert Milliarden — was ist das? Handelt es sich also um Geld?

[ 39 ] «Milliarden! Fünfzig, hundert, zweihundert Milliarden — was ist das? Handelt es sich also um Geld?

[ 40 ] Geld, Reichtum und Armut eines Menschen bedeutet wenig. Jeder einzelne von uns wird mit Freude und Stolz arm sein, wenn das Land gerettet wird. Doch in der traurigen Sprache unseres wirtschaftlichen Denkens haben wir keinen andern Ausdruck für die lebendige Kraft eines Volkes als den armseligen Begriff der Milliarde. Wir bemessen nicht die Lebenskraft eines Menschen nach den viertausend Gramm Blut, die er in sich hat; wir können die Lebenskraft eines Volkes nicht anders messen als nach den zwei- oder dreihundert Milliarden seines Besitzes. Vermögenslosigkeit ist hier nicht nur Armut und Not, sondern Sklaverei, und doppelt für ein Volk, das die Hälfte seines notdürftigen Lebensunterhaltes kaufen muß. Nicht die willkürliche, persönliche, grausame oder milde Sklaverei des Altertums, sondern die anonyme, systematische, wissenschaftliche Fronarbeit von Volk zu Volk. In dem abstrakten Begriff der hundert Milliarden steckt nicht allein Geld und Wohlstand, sondern Blut und Freiheit. Die Forderung ist nicht die des Kaufmanns: zahle mir Geld, sondern die Forderung Shylocks: gib mir das Blut deines Leibes. Es ist nicht die Börse, sondern nach der Verstümmelung des Staatskörpers durch Abtretung von Land und Macht ist es das Leben. Wer in zwanzig Jahren Deutschland betritt...»

[ 40 ] Geld, Reichtum und Armut eines Menschen bedeutet wenig. Jeder einzelne von uns wird mit Freude und Stolz arm sein, wenn das Land gerettet wird. Doch in der traurigen Sprache unseres wirtschaftlichen Denkens haben wir keinen andern Ausdruck für die lebendige Kraft eines Volkes als den armseligen Begriff der Milliarde. Wir bemessen nicht die Lebenskraft eines Menschen nach den viertausend Gramm Blut, die er in sich hat; wir können die Lebenskraft eines Volkes nicht anders messen als nach den zwei- oder dreihundert Milliarden seines Besitzes. Vermögenslosigkeit ist hier nicht nur Armut und Not, sondern Sklaverei, und doppelt für ein Volk, das die Hälfte seines notdürftigen Lebensunterhaltes kaufen muß. Nicht die willkürliche, persönliche, grausame oder milde Sklaverei des Altertums, sondern die anonyme, systematische, wissenschaftliche Fronarbeit von Volk zu Volk. In dem abstrakten Begriff der hundert Milliarden steckt nicht allein Geld und Wohlstand, sondern Blut und Freiheit. Die Forderung ist nicht die des Kaufmanns: zahle mir Geld, sondern die Forderung Shylocks: gib mir das Blut deines Leibes. Es ist nicht die Börse, sondern nach der Verstümmelung des Staatskörpers durch Abtretung von Land und Macht ist es das Leben. Wer in zwanzig Jahren Deutschland betritt...»

[ 41 ] Und das, was jetzt kommt, ist wiederum Berechnung, mit kaltem Verstande berechnet. Das ist nicht so gesprochen, wie andere Menschen oftmals schlafend die Weltereignisse beobachten!

[ 41 ] Und das, was jetzt kommt, ist wiederum Berechnung, mit kaltem Verstande berechnet. Das ist nicht so gesprochen, wie andere Menschen oftmals schlafend die Weltereignisse beobachten!

[ 42 ] «Wer in zwanzig Jahren Deutschland betritt, das er als eines der blühendsten Länder der Erde gekannt hat, wird niedersinken vor Scham und Trauer. Die großen Städte des Altertums, Babylon, Niniveh, Theben, waren von weichem Lehm gebaut, die Natur ließ sie zerfallen und glättete Boden und Hügel. Die deutschen Städte werden nicht als Trümmer stehen, sondern als halberstorbene steinerne Blöcke, noch zum Teil bewohnt von kümmerlichen Menschen. Ein paar Stadtviertel sind belebt, aber aller Glanz und alle Heiterkeit ist gewichen. Müde Gefährte bewegen sich auf dem morschen Pflaster, Spelunken sind erleuchtet. Die Landstraßen sind zertreten, die Wälder sind abgeschlagen, auf den Feldern keimt dürftige Saat. Häfen, Bahnen, Kanäle verkommen, und überall stehen, traurige Mahnungen, die hohen, verwitternden Bauten aus der Zeit der Größe. Ringsumher blühen erstarkt alte und neue Länder im Glanz und Leben neuer Technik und Kraft, ernährt vom Blut des erstorbenen Landes, bedient von seinen vertriebenen Söhnen. Der deutsche Geist, der für die Welt gesungen und gedacht hat, wird Vergangenheit. Ein Volk, das Gott zum Leben geschaffen hat, das noch heute jung und stark ist, lebt und ist tot.

[ 42 ] «Wer in zwanzig Jahren Deutschland betritt, das er als eines der blühendsten Länder der Erde gekannt hat, wird niedersinken vor Scham und Trauer. Die großen Städte des Altertums, Babylon, Niniveh, Theben, waren von weichem Lehm gebaut, die Natur ließ sie zerfallen und glättete Boden und Hügel. Die deutschen Städte werden nicht als Trümmer stehen, sondern als halberstorbene steinerne Blöcke, noch zum Teil bewohnt von kümmerlichen Menschen. Ein paar Stadtviertel sind belebt, aber aller Glanz und alle Heiterkeit ist gewichen. Müde Gefährte bewegen sich auf dem morschen Pflaster, Spelunken sind erleuchtet. Die Landstraßen sind zertreten, die Wälder sind abgeschlagen, auf den Feldern keimt dürftige Saat. Häfen, Bahnen, Kanäle verkommen, und überall stehen, traurige Mahnungen, die hohen, verwitternden Bauten aus der Zeit der Größe. Ringsumher blühen erstarkt alte und neue Länder im Glanz und Leben neuer Technik und Kraft, ernährt vom Blut des erstorbenen Landes, bedient von seinen vertriebenen Söhnen. Der deutsche Geist, der für die Welt gesungen und gedacht hat, wird Vergangenheit. Ein Volk, das Gott zum Leben geschaffen hat, das noch heute jung und stark ist, lebt und ist tot.

[ 43 ] Es gibt Franzosen, die sagen: dies Volk sterbe. Wir wollen nie mehr einen starken Nachbar haben. Es gibt Engländer, die sagen: dies Volk sterbe. Wir wollen nie mehr einen kontinentalen Nebenbuhler haben. Es gibt Amerikaner, die sagen: dies Volk sterbe. Wir wollen nie mehr einen Konkurrenten der Wirtschaft haben. Sind diese Menschen die wahren Vertreter ihrer Nationen? Niemals. Alle starken Nationen werden die Stimmen der Furchtsamen und Neidischen verleugnen. Sind die Rachedurstigen die wahren Vertreter ihrer Nationen? Niemals. Diese schreckliche Leidenschaft ist bei gesitteten Menschen nicht von Dauer.

[ 43 ] Es gibt Franzosen, die sagen: dies Volk sterbe. Wir wollen nie mehr einen starken Nachbar haben. Es gibt Engländer, die sagen: dies Volk sterbe. Wir wollen nie mehr einen kontinentalen Nebenbuhler haben. Es gibt Amerikaner, die sagen: dies Volk sterbe. Wir wollen nie mehr einen Konkurrenten der Wirtschaft haben. Sind diese Menschen die wahren Vertreter ihrer Nationen? Niemals. Alle starken Nationen werden die Stimmen der Furchtsamen und Neidischen verleugnen. Sind die Rachedurstigen die wahren Vertreter ihrer Nationen? Niemals. Diese schreckliche Leidenschaft ist bei gesitteten Menschen nicht von Dauer.

[ 44 ] Dennoch: wenn die Furchtsamen, die Neidischen und die Rachsüchtigen in einer einzigen Stunde, in der Stunde der Entscheidung, siegen und die drei großen Staatsmänner ihrer Nationen mit sich reißen, ist das Schicksal erfüllt.

[ 44 ] Dennoch: wenn die Furchtsamen, die Neidischen und die Rachsüchtigen in einer einzigen Stunde, in der Stunde der Entscheidung, siegen und die drei großen Staatsmänner ihrer Nationen mit sich reißen, ist das Schicksal erfüllt.

[ 45 ] Dann ist aus dem Gewölbe Europas der einstmals stärkste Stein zermalmt, dann ist die Grenze Asiens an den Rhein gerückt, dann reicht der Balkan bis zur Nordsee. Dann wird eine Horde von Verzweifelten, ein uneuropäischer Wirtschaftsgeist vor den Toren der westlichen Zivilisation lagern, der nicht mit Waffen, sondern mit Ansteckung die gesicherten Nationen bedroht.

[ 45 ] Dann ist aus dem Gewölbe Europas der einstmals stärkste Stein zermalmt, dann ist die Grenze Asiens an den Rhein gerückt, dann reicht der Balkan bis zur Nordsee. Dann wird eine Horde von Verzweifelten, ein uneuropäischer Wirtschaftsgeist vor den Toren der westlichen Zivilisation lagern, der nicht mit Waffen, sondern mit Ansteckung die gesicherten Nationen bedroht.

[ 46 ] Nie kann aus Unrecht Recht und Glück entstehen.

[ 46 ] Nie kann aus Unrecht Recht und Glück entstehen.

[ 47 ] Das Unrecht seiner Abhängigkeit und Unselbständigkeit, das Deutschland schuldlos auf sich lud, büßen wir, wie nie ein Unrecht gebüßt worden ist. Wenn aber die westlichen Nationen in ruhiger, kalter Überlegung aus Vorsicht, Interesse oder Rachegefühl Deutschland langsam töten und diese Tat Gerechtigkeit nennen, indem sie ein neues Leben der Völker, einen ewigen Frieden der Versöhnung und einen Völkerbund verkünden, so wird Gerechtigkeit nie wieder sein, was sie ist, und niemals wieder wird die Menschheit froh werden, trotz allen Triumphen. Ein Bleigewicht wird auf dem Planeten liegen, und die kommenden Geschlechter werden mit einem Gewissen geboren werden, das nicht mehr frei ist. Die Kette der Schuld, die jetzt noch zerschnitten werden kann, wird unzerreißbar und unendlich den Leib der Erde umschnüren. Der Zwist und Streit der künftigen Epoche wird bitterer und vielspältiger sein als je zuvor, weil er mit dem Gefühl gemeinsamen Unrechts getränkt ist. Nie hat gleiche Macht und gleiche Verantwortung auf den Stirnen eines Triumvirats gelastet. Wenn die Geschichte der Menschheit, die sinnvoll es gewollt hat, daß eine einzige Stunde durch den Entschluß dreier Männer über Jahrhunderte der Erde und eine Menschheit von Millionen entscheidet, so hat sie dies eine gewollt, eine einzige große Frage des Bekenntnisses sollte den siegreich zivilisierten und religiösen Nationen gestellt werden.

[ 47 ] Das Unrecht seiner Abhängigkeit und Unselbständigkeit, das Deutschland schuldlos auf sich lud, büßen wir, wie nie ein Unrecht gebüßt worden ist. Wenn aber die westlichen Nationen in ruhiger, kalter Überlegung aus Vorsicht, Interesse oder Rachegefühl Deutschland langsam töten und diese Tat Gerechtigkeit nennen, indem sie ein neues Leben der Völker, einen ewigen Frieden der Versöhnung und einen Völkerbund verkünden, so wird Gerechtigkeit nie wieder sein, was sie ist, und niemals wieder wird die Menschheit froh werden, trotz allen Triumphen. Ein Bleigewicht wird auf dem Planeten liegen, und die kommenden Geschlechter werden mit einem Gewissen geboren werden, das nicht mehr frei ist. Die Kette der Schuld, die jetzt noch zerschnitten werden kann, wird unzerreißbar und unendlich den Leib der Erde umschnüren. Der Zwist und Streit der künftigen Epoche wird bitterer und vielspältiger sein als je zuvor, weil er mit dem Gefühl gemeinsamen Unrechts getränkt ist. Nie hat gleiche Macht und gleiche Verantwortung auf den Stirnen eines Triumvirats gelastet. Wenn die Geschichte der Menschheit, die sinnvoll es gewollt hat, daß eine einzige Stunde durch den Entschluß dreier Männer über Jahrhunderte der Erde und eine Menschheit von Millionen entscheidet, so hat sie dies eine gewollt, eine einzige große Frage des Bekenntnisses sollte den siegreich zivilisierten und religiösen Nationen gestellt werden.

[ 48 ] Diese Frage lautet: Menschlichkeit oder Gewalt, Versöhnung oder Rache, Freiheit oder Unterdrückung?

[ 48 ] Diese Frage lautet: Menschlichkeit oder Gewalt, Versöhnung oder Rache, Freiheit oder Unterdrückung?

[ 49 ] Menschen aller Völker bedenkt es! Diese Stunde entscheidet nicht nur über uns Deutsche, sie entscheidet über uns und euch, über uns alle.

[ 49 ] Menschen aller Völker bedenkt es! Diese Stunde entscheidet nicht nur über uns Deutsche, sie entscheidet über uns und euch, über uns alle.

[ 50 ] Entscheidet sie gegen uns, so werden wir unser Schicksal tragen und in die irdische Vernichtung gehen. Unsere Klage werdet ihr nicht hören. Dennoch wird sie da gehört werden, wo noch nie eine Klage aus Menschenbrust ungehört verhallte.»

[ 50 ] Entscheidet sie gegen uns, so werden wir unser Schicksal tragen und in die irdische Vernichtung gehen. Unsere Klage werdet ihr nicht hören. Dennoch wird sie da gehört werden, wo noch nie eine Klage aus Menschenbrust ungehört verhallte.»

[ 51 ] Ich habe Ihnen dieses aus nüchternstem Verstande Errechnete, wahrhaftig nicht aus Chauvinismus hervorgegangene Urteil, das aber das Urteil des materialistischen Denkens ist, ich habe Ihnen dieses Urteil vorgebracht; vorgebracht schon auch aus dem Grunde, weil wir ja mitten in einer Welt leben, in der die Menschen heute noch immer nicht geneigt sind, irgendwie darüber nachzudenken, daß Ernst da ist. Wie unzählige Menschen werden heute Silvester feiern, so, wie sie nicht nur während der letzten vier Jahre, sondern wie sie auch vor den katastrophalen Ereignissen Silvester feierten! Und unzählige Menschen werden es als eine Beeinträchtigung ihrer Ruhe, als eine Beeinträchtigung ihrer sorglosen Seele empfinden, wenn man sie nur aufmerksam darauf macht, daß so etwas auf dem Spiele steht. Ach, so arg wird es nicht werden — wenn die Menschen auch nicht diesen Satz sagen, in ihrem Innersten fühlen die Menschen so, sonst würden sie die ganze Beurteilung der Zeit anders einstellen.

[ 51 ] Ich habe Ihnen dieses aus nüchternstem Verstande Errechnete, wahrhaftig nicht aus Chauvinismus hervorgegangene Urteil, das aber das Urteil des materialistischen Denkens ist, ich habe Ihnen dieses Urteil vorgebracht; vorgebracht schon auch aus dem Grunde, weil wir ja mitten in einer Welt leben, in der die Menschen heute noch immer nicht geneigt sind, irgendwie darüber nachzudenken, daß Ernst da ist. Wie unzählige Menschen werden heute Silvester feiern, so, wie sie nicht nur während der letzten vier Jahre, sondern wie sie auch vor den katastrophalen Ereignissen Silvester feierten! Und unzählige Menschen werden es als eine Beeinträchtigung ihrer Ruhe, als eine Beeinträchtigung ihrer sorglosen Seele empfinden, wenn man sie nur aufmerksam darauf macht, daß so etwas auf dem Spiele steht. Ach, so arg wird es nicht werden — wenn die Menschen auch nicht diesen Satz sagen, in ihrem Innersten fühlen die Menschen so, sonst würden sie die ganze Beurteilung der Zeit anders einstellen.

[ 52 ] Wie viele gibt es denn, welche anerkennen, was wir immer wieder und wiederum sagen mußten in diesen Jahren, in denen man so oft hörte: Nun, wenn wieder Friede ist, dann ist es eben wieder so wie früher, dann ist es gewiß so und so und so weiter —, wie viele gibt es denn, die sich bewußt wurden dessen, was immer wieder gesagt werden mußte von der Unmöglichkeit eines solchen Zustandes, wie sich die Menschen ihn vorstellen?

[ 52 ] Wie viele gibt es denn, welche anerkennen, was wir immer wieder und wiederum sagen mußten in diesen Jahren, in denen man so oft hörte: Nun, wenn wieder Friede ist, dann ist es eben wieder so wie früher, dann ist es gewiß so und so und so weiter —, wie viele gibt es denn, die sich bewußt wurden dessen, was immer wieder gesagt werden mußte von der Unmöglichkeit eines solchen Zustandes, wie sich die Menschen ihn vorstellen?

[ 53 ] Eine errechnete Sache ist es, um die es sich da handelt. Allerdings nehmen sich die Dinge anders aus, ob man sie errechnet mit materialistischem Geiste, oder ob man in Verbindung steht mit dem, was aus geisteswissenschaftlichen Impulsen folgen kann. Äußerlich betrachtet, bleiben die Dinge so richtig. Es besteht keine Aussicht, daß nicht wissend das getan wird, was Walther Rathenau noch im letzten Augenblicke abwenden will, indem er den Leuten zu Gewissen redet. Ja, dieses Zu-Gewissen-Reden! ... Man kann nur Punkte machen. Es wird schon nicht abgewendet werden! Äußerlich werden sich die Dinge so vollziehen. Es gibt nur eines, wenn wir hinblicken auf das, was durch die Vergangenheit angerichtet worden ist — angerichtet wahrlich nicht von dem oder jenem Volk, angerichtet von der ganzen zivilisierten Menschheit der Erde —, es gibt nur eines: wie in einer großen Weltsilvesterbetrachtung hinzublicken auf das, was die Menschheit bisher durchlebt hat, und dann gewahr zu werden, daß nun in einem gewissen Sinne die Menschheit reif war, an ein Ende zu kommen, und eingetreten ist in das, was die neuen Geister der Persönlichkeit aus Himmelshöhen auf die Erde hereintragen wollen. Aber hier begegnen sich Einsicht und Wille. Das, was die Geister der Persönlichkeit als neue Schöpfer offenbaren wollen, es wird nur in die Welt kommen können, wenn es in Menschenherzen und in Menschenseelen, in Menschengemütern einen fruchtbaren Boden findet, wenn die Menschen sich hinfinden zu den geisteswissenschaftlichen Impulsen. Was ein nüchterner, materialistischer Geist sagt über die materiellen Impulse, die da wirken können, es stimmt schon. Es sollten sich einmal diejenigen solche Dinge von einem nüchternen Geiste anhören, die heute von einem frivoleren Standpunkte aus, als es Walther Rathenau getan hat, davon reden, was aus unserer Zeit werden soll! Als die Menschen in vollem Rausch und Träumen waren, als die Menschen im Grunde genommen, wenn man nur ein wenig vorwärtsblickte, lauter Unsinn redeten — den sie sich ja jetzt, wenigstens ein Teil der Menschheit, gründlich abgewöhnt haben —, da konnte man hören, aus diesem Kriege würde hervorgehen ein neuer Idealismus, eine neue Religiosität. Oh, ich habe das oftmals gehört! Und besonders Professoren, auch sogar Professoren der Theologie, haben das immer wieder und wiederum geschrieben. Sie brauchen sogar nicht gerade weit zu gehen: wenn es nicht gerade Sonntag ist, können Sie in zehn Minuten diese Theologieprofessoren erreichen, die auch solche prophetische Weisheit verkündet haben. Jetzt reden die Leute schon anders. Die jetzt in die Höhe gekommen sind, sagen: Nun wird wohl eine Zeit gesunden Atheismus kommen; die Menschheit wird geheilt sein von der Religionsspielerei, die insbesondere Poeten und Literaten in der letzten Zeit getrieben haben. — Diese Urteile tauchen schon auf. Diese Urteile sind bei denjenigen zu finden, die so ein wenig anhören sollten, was ihnen ein Mensch sagt, der nüchtern rechnen kann, wie die Wirklichkeit sich gestaltet.

[ 53 ] Eine errechnete Sache ist es, um die es sich da handelt. Allerdings nehmen sich die Dinge anders aus, ob man sie errechnet mit materialistischem Geiste, oder ob man in Verbindung steht mit dem, was aus geisteswissenschaftlichen Impulsen folgen kann. Äußerlich betrachtet, bleiben die Dinge so richtig. Es besteht keine Aussicht, daß nicht wissend das getan wird, was Walther Rathenau noch im letzten Augenblicke abwenden will, indem er den Leuten zu Gewissen redet. Ja, dieses Zu-Gewissen-Reden! ... Man kann nur Punkte machen. Es wird schon nicht abgewendet werden! Äußerlich werden sich die Dinge so vollziehen. Es gibt nur eines, wenn wir hinblicken auf das, was durch die Vergangenheit angerichtet worden ist — angerichtet wahrlich nicht von dem oder jenem Volk, angerichtet von der ganzen zivilisierten Menschheit der Erde —, es gibt nur eines: wie in einer großen Weltsilvesterbetrachtung hinzublicken auf das, was die Menschheit bisher durchlebt hat, und dann gewahr zu werden, daß nun in einem gewissen Sinne die Menschheit reif war, an ein Ende zu kommen, und eingetreten ist in das, was die neuen Geister der Persönlichkeit aus Himmelshöhen auf die Erde hereintragen wollen. Aber hier begegnen sich Einsicht und Wille. Das, was die Geister der Persönlichkeit als neue Schöpfer offenbaren wollen, es wird nur in die Welt kommen können, wenn es in Menschenherzen und in Menschenseelen, in Menschengemütern einen fruchtbaren Boden findet, wenn die Menschen sich hinfinden zu den geisteswissenschaftlichen Impulsen. Was ein nüchterner, materialistischer Geist sagt über die materiellen Impulse, die da wirken können, es stimmt schon. Es sollten sich einmal diejenigen solche Dinge von einem nüchternen Geiste anhören, die heute von einem frivoleren Standpunkte aus, als es Walther Rathenau getan hat, davon reden, was aus unserer Zeit werden soll! Als die Menschen in vollem Rausch und Träumen waren, als die Menschen im Grunde genommen, wenn man nur ein wenig vorwärtsblickte, lauter Unsinn redeten — den sie sich ja jetzt, wenigstens ein Teil der Menschheit, gründlich abgewöhnt haben —, da konnte man hören, aus diesem Kriege würde hervorgehen ein neuer Idealismus, eine neue Religiosität. Oh, ich habe das oftmals gehört! Und besonders Professoren, auch sogar Professoren der Theologie, haben das immer wieder und wiederum geschrieben. Sie brauchen sogar nicht gerade weit zu gehen: wenn es nicht gerade Sonntag ist, können Sie in zehn Minuten diese Theologieprofessoren erreichen, die auch solche prophetische Weisheit verkündet haben. Jetzt reden die Leute schon anders. Die jetzt in die Höhe gekommen sind, sagen: Nun wird wohl eine Zeit gesunden Atheismus kommen; die Menschheit wird geheilt sein von der Religionsspielerei, die insbesondere Poeten und Literaten in der letzten Zeit getrieben haben. — Diese Urteile tauchen schon auf. Diese Urteile sind bei denjenigen zu finden, die so ein wenig anhören sollten, was ihnen ein Mensch sagt, der nüchtern rechnen kann, wie die Wirklichkeit sich gestaltet.

[ 54 ] Demgegenüber kann man nur sagen: Wenn nur die äußeren materialistischen Impulse wirken in der Welt und in den Menschenköpfen und in den Menschenherzen, dann wird es so werden! Dann wird mit einer furchtbaren Sklavenkette wahrhaftig nicht nur Deutschland und die Mittelländer und Rußland, sondern die ganze zivilisierte Erde wird nach und nach mit furchtbaren Sklavenketten umgürtet werden und niemals wieder froh werden. Denn durch dasjenige, was nur von altersher heraufkommt, ist die Welt an einem Ende! Neues kommt nicht daher. Neues muß kommen aus der geistigen Welt. Aber es kommt nicht, wenn der Mensch sich ihm nicht nahen will, wenn der Mensch nicht in freiem Willen es aufnehmen will. Rettung kann nur kommen, wenn Menschenseelen sich finden, die dem Geist entgegengehen, der sich in der neuen Weise durch die Geister der Persönlichkeit offenbaren will, die aus bloßen Zeitgeistern Schöpfer werden wollen. Es gibt keinen andern Ausweg. Ehrlich kann man nur auf zweierlei Art sein: entweder so sprechen wie Walther Rathenau oder aber hinweisen auf die Notwendigkeit des Sich-Hinneigens zur geistigen Welt.

[ 54 ] Demgegenüber kann man nur sagen: Wenn nur die äußeren materialistischen Impulse wirken in der Welt und in den Menschenköpfen und in den Menschenherzen, dann wird es so werden! Dann wird mit einer furchtbaren Sklavenkette wahrhaftig nicht nur Deutschland und die Mittelländer und Rußland, sondern die ganze zivilisierte Erde wird nach und nach mit furchtbaren Sklavenketten umgürtet werden und niemals wieder froh werden. Denn durch dasjenige, was nur von altersher heraufkommt, ist die Welt an einem Ende! Neues kommt nicht daher. Neues muß kommen aus der geistigen Welt. Aber es kommt nicht, wenn der Mensch sich ihm nicht nahen will, wenn der Mensch nicht in freiem Willen es aufnehmen will. Rettung kann nur kommen, wenn Menschenseelen sich finden, die dem Geist entgegengehen, der sich in der neuen Weise durch die Geister der Persönlichkeit offenbaren will, die aus bloßen Zeitgeistern Schöpfer werden wollen. Es gibt keinen andern Ausweg. Ehrlich kann man nur auf zweierlei Art sein: entweder so sprechen wie Walther Rathenau oder aber hinweisen auf die Notwendigkeit des Sich-Hinneigens zur geistigen Welt.

[ 55 ] Das letztere wird Gegenstand unserer Neujahrsbetrachtung sein.

[ 55 ] Das letztere wird Gegenstand unserer Neujahrsbetrachtung sein.

[ 56 ] Die Silvesterbetrachtung sollte für jeden wachen Menschen nicht so sein, daß er sich wohlig ins neue Jahr hinüberbegibt; sie soll ihn ernst stimmen, sie soll ihm vor Augen führen dasjenige, was in der Zeiten Schoß liegt, wenn nicht in diesem Zeitenschoß das Geistkind geboren wird. Bei diesem Geisteslicht allein kann eine richtige Neujahrsperspektive empfunden werden. Wollen wir einmal von heute zu morgen versuchen, uns in unserer Seele ernst zu stimmen! Ich durfte heute nicht anders schließen als mit ernstem Hinweis, den ich noch dazu nicht selber geben wollte. Aufmerksam wollte ich machen, wie diese Silvesterbetrachtung sich ausnimmt in der Seele eines Menschen, der ehrlich ist, der hinschaut auf die Welt, aber nur die materiellen Mächte geltend findet. So muß es aussehen in den Köpfen, in den Herzen, in den Gemütern, in den Seelen — wenn sie ehrlich sind — derjenigen, die nicht geistig werden wollen; die andern, die auch Materialisten sind, sind nicht ehrlich, und sie schlafen, damit sie sich ihre Unehrlichkeit nicht zu gestehen brauchen.

[ 56 ] Die Silvesterbetrachtung sollte für jeden wachen Menschen nicht so sein, daß er sich wohlig ins neue Jahr hinüberbegibt; sie soll ihn ernst stimmen, sie soll ihm vor Augen führen dasjenige, was in der Zeiten Schoß liegt, wenn nicht in diesem Zeitenschoß das Geistkind geboren wird. Bei diesem Geisteslicht allein kann eine richtige Neujahrsperspektive empfunden werden. Wollen wir einmal von heute zu morgen versuchen, uns in unserer Seele ernst zu stimmen! Ich durfte heute nicht anders schließen als mit ernstem Hinweis, den ich noch dazu nicht selber geben wollte. Aufmerksam wollte ich machen, wie diese Silvesterbetrachtung sich ausnimmt in der Seele eines Menschen, der ehrlich ist, der hinschaut auf die Welt, aber nur die materiellen Mächte geltend findet. So muß es aussehen in den Köpfen, in den Herzen, in den Gemütern, in den Seelen — wenn sie ehrlich sind — derjenigen, die nicht geistig werden wollen; die andern, die auch Materialisten sind, sind nicht ehrlich, und sie schlafen, damit sie sich ihre Unehrlichkeit nicht zu gestehen brauchen.

[ 57 ] Das ist die Perspektive nach rückwärts, das ist die Silvesterstimmung!

[ 57 ] Das ist die Perspektive nach rückwärts, das ist die Silvesterstimmung!

[ 58 ] Morgen wollen wir sehen, wie sich aus der Betrachtung der geistigen Welt die Zukunftsperspektive, die Neujahrsstimmung empfinden läßt.

[ 58 ] Morgen wollen wir sehen, wie sich aus der Betrachtung der geistigen Welt die Zukunftsperspektive, die Neujahrsstimmung empfinden läßt.