Goetheanism
An Impulse for Transformation and a Concept of Resurrection
Human and Social Science
GA 188
26 January 1919, Dornach
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Der Goetheanismus
Neunter Vortrag
Neunter Vortrag
[ 1 ] Öfter habe ich Gelegenheit genommen, bei diesen Betrachtungen darauf aufmerksam zu machen, wie gerade mit Bezug auf die wichtigsten Lebensfragen der Mensch der Gegenwart lernen kann von den einschneidenden, tiefgehenden, ja sintflutartigen Ereignissen unserer Gegenwart; wie allerdings dieses Lernen von den Ereignissen von den wenigsten Menschen der Gegenwart eigentlich schon als Methode gepflegt wird. Man meint meistens, man lerne dadurch von den Ereignissen, daß man die Ereignisse beurteilt und dann das Urteil, das man gefällt hat über die Ereignisse, als Erfahrung betrachtet. Das kann für den Menschen sehr befriedigend sein. Aber für dasjenige, was der Gegenwart so not tut, für soziales Wissen, ist es nicht nur ganz ungenügend, sondern auch ganz ungeeignet. Da handelt es sich darum, daß man nicht sein Urteil über die Ereignisse ausgießt, sondern wirklich von den Ereignissen lernt, die Ereignisse selber urteilen läßt. Und dieses werden Sie in den mannigfaltigsten Betrachtungen, die hier angestellt werden, gerade als die Methoden der Geisteswissenschaft empfinden, wenn diese Geisteswissenschaft angewendet wird auf äußeres physisches Geschehen, also zum Beispiel auf soziales Geschehen. Und da glaube ich, daß man insbesondere von einer ganz außerordentlich bedeutsamen Erscheinung der neueren Zeit mit Bezug auf das soziale Leben lernen kann. Angedeutet habe ich die Sache schon, ich möchte aber an die Spitze unserer heutigen Betrachtungen noch einmal das entsprechende Aperçu setzen.
[ 1 ] Öfter habe ich Gelegenheit genommen, bei diesen Betrachtungen darauf aufmerksam zu machen, wie gerade mit Bezug auf die wichtigsten Lebensfragen der Mensch der Gegenwart lernen kann von den einschneidenden, tiefgehenden, ja sintflutartigen Ereignissen unserer Gegenwart; wie allerdings dieses Lernen von den Ereignissen von den wenigsten Menschen der Gegenwart eigentlich schon als Methode gepflegt wird. Man meint meistens, man lerne dadurch von den Ereignissen, daß man die Ereignisse beurteilt und dann das Urteil, das man gefällt hat über die Ereignisse, als Erfahrung betrachtet. Das kann für den Menschen sehr befriedigend sein. Aber für dasjenige, was der Gegenwart so not tut, für soziales Wissen, ist es nicht nur ganz ungenügend, sondern auch ganz ungeeignet. Da handelt es sich darum, daß man nicht sein Urteil über die Ereignisse ausgießt, sondern wirklich von den Ereignissen lernt, die Ereignisse selber urteilen läßt. Und dieses werden Sie in den mannigfaltigsten Betrachtungen, die hier angestellt werden, gerade als die Methoden der Geisteswissenschaft empfinden, wenn diese Geisteswissenschaft angewendet wird auf äußeres physisches Geschehen, also zum Beispiel auf soziales Geschehen. Und da glaube ich, daß man insbesondere von einer ganz außerordentlich bedeutsamen Erscheinung der neueren Zeit mit Bezug auf das soziale Leben lernen kann. Angedeutet habe ich die Sache schon, ich möchte aber an die Spitze unserer heutigen Betrachtungen noch einmal das entsprechende Aperçu setzen.
[ 2 ] Wenn man heute sich zu verständigen versucht über die soziale Frage mit einem Mitgliede der arbeitenden Menschenbevölkerung, auf die es in allen Dingen in den heutigen Angelegenheiten ankommt, und die auf der andern Seite vorzugsweise den inneren Impuls für ihre Anschauung bekommen hat aus dem Marxismus heraus, dann erfährt man immer, daß eine solche Persönlichkeit sehr wenig zunächst hält, in bezug auf soziale Arbeit und soziales Denken, von dem sogenannten guten Willen oder von den ethischen Grundsätzen. Sie werden immer wieder finden, daß eine solche Persönlichkeit sich in der folgenden Weise verhält. Nehmen wir an, Sie sagten, Sie sähen die Grundlage einer Lösung der sozialen Frage darinnen, daß vor allen Dingen die Menschen, die gewisse Führerstellungen haben, namentlich die Menschen der sogenannten Unternehmerklasse, soziale Empfindung bekommen, daß sie Empfindung dafür bekommen, wie ein menschenwürdiges Dasein für alle Menschen unbedingt geschaffen werden müsse. Von einem Heben des moralischen Empfindungsniveaus der bürgerlichen Menschenklassen, nehmen wir an, wollten Sie zu einer solchen Persönlichkeit der breiten Masse der Arbeiterbevölkerung sprechen. So wie die Dinge heute liegen, wird zunächst dieses Mitglied der breiten Masse der Arbeiterbevölkerung, wenn Sie solch eine Ansicht kundgeben, lächeln. Es wird sagen, Sie seien naiv, daran zu glauben, daß man durch Gefühle oder Gefühlsbetätigung die soziale Frage in irgendeiner Weise heute lösen könne. Auf all das, was aus dem Gefühle der führenden Unternehmermenschenklasse fließt, wird solch ein Mitglied der breiten Masse der Arbeiterbevölkerung sagen, kommt es gar nicht an. Denn diese Unternehmermenschenklasse mag sich einbilden was sie will mit Bezug auf ihre ethischen und moralischen Gefühle, so wie die Welt einmal heute eingerichtet ist, indem sie zerfällt in eine Unternehmerklasse und eine Arbeiterklasse, so muß der Unternehmer, er mag ein noch so guter Mensch sein, ausbeuten. Und von einer Hebung des sozialen Sinnes will der Mensch der Arbeiterbevölkerung nichts wissen, weil er sagt: Das hilft alles nichts, alles hängt davon ab, daß sich die Arbeiterklasse ihrer Klassenverhältnisse bewußt werde, daß diese arbeitende Bevölkerung selber von ihren Verhältnissen aus eine solche Umformung der sozialen Lage herbeiführe, daß die allgemeine Verelendung aufhöre beziehungsweise gemildert werde. Nicht auf eine Hebung des moralischen Empfindens kommt es an, sondern darauf, daß durch diejenige Menschenklasse, die vor allen Dingen durch die gegenwärtige wirtschaftliche Kapitalwirtschaftsordnung gedrückt wird, daß durch diese gedrückte, elende Menschenklasse im Kampfe eine andere, nichtkapitalistische Wirtschaftsordnung herbeigeführt werde, eine Veränderung der Zustände, Veränderung der Wirtschaftsordnung.
[ 2 ] Wenn man heute sich zu verständigen versucht über die soziale Frage mit einem Mitgliede der arbeitenden Menschenbevölkerung, auf die es in allen Dingen in den heutigen Angelegenheiten ankommt, und die auf der andern Seite vorzugsweise den inneren Impuls für ihre Anschauung bekommen hat aus dem Marxismus heraus, dann erfährt man immer, daß eine solche Persönlichkeit sehr wenig zunächst hält, in bezug auf soziale Arbeit und soziales Denken, von dem sogenannten guten Willen oder von den ethischen Grundsätzen. Sie werden immer wieder finden, daß eine solche Persönlichkeit sich in der folgenden Weise verhält. Nehmen wir an, Sie sagten, Sie sähen die Grundlage einer Lösung der sozialen Frage darinnen, daß vor allen Dingen die Menschen, die gewisse Führerstellungen haben, namentlich die Menschen der sogenannten Unternehmerklasse, soziale Empfindung bekommen, daß sie Empfindung dafür bekommen, wie ein menschenwürdiges Dasein für alle Menschen unbedingt geschaffen werden müsse. Von einem Heben des moralischen Empfindungsniveaus der bürgerlichen Menschenklassen, nehmen wir an, wollten Sie zu einer solchen Persönlichkeit der breiten Masse der Arbeiterbevölkerung sprechen. So wie die Dinge heute liegen, wird zunächst dieses Mitglied der breiten Masse der Arbeiterbevölkerung, wenn Sie solch eine Ansicht kundgeben, lächeln. Es wird sagen, Sie seien naiv, daran zu glauben, daß man durch Gefühle oder Gefühlsbetätigung die soziale Frage in irgendeiner Weise heute lösen könne. Auf all das, was aus dem Gefühle der führenden Unternehmermenschenklasse fließt, wird solch ein Mitglied der breiten Masse der Arbeiterbevölkerung sagen, kommt es gar nicht an. Denn diese Unternehmermenschenklasse mag sich einbilden was sie will mit Bezug auf ihre ethischen und moralischen Gefühle, so wie die Welt einmal heute eingerichtet ist, indem sie zerfällt in eine Unternehmerklasse und eine Arbeiterklasse, so muß der Unternehmer, er mag ein noch so guter Mensch sein, ausbeuten. Und von einer Hebung des sozialen Sinnes will der Mensch der Arbeiterbevölkerung nichts wissen, weil er sagt: Das hilft alles nichts, alles hängt davon ab, daß sich die Arbeiterklasse ihrer Klassenverhältnisse bewußt werde, daß diese arbeitende Bevölkerung selber von ihren Verhältnissen aus eine solche Umformung der sozialen Lage herbeiführe, daß die allgemeine Verelendung aufhöre beziehungsweise gemildert werde. Nicht auf eine Hebung des moralischen Empfindens kommt es an, sondern darauf, daß durch diejenige Menschenklasse, die vor allen Dingen durch die gegenwärtige wirtschaftliche Kapitalwirtschaftsordnung gedrückt wird, daß durch diese gedrückte, elende Menschenklasse im Kampfe eine andere, nichtkapitalistische Wirtschaftsordnung herbeigeführt werde, eine Veränderung der Zustände, Veränderung der Wirtschaftsordnung.
[ 3 ] Das heißt mit andern Worten, gar kein Vertrauen haben zu der Kraft des Gedankens, gar kein Vertrauen haben dazu, daß man durch ein richtiges Erfassen, durch eine richtige Auffassung des Lebens irgend etwas in der sozialen Lage des Lebens bessern könne. Man hat es neulich einmal als eine Wahrheit empfunden, als in einem Witzblatte die Abbildung eines Menschen erschien, welcher einen ziemlich langen Körper hatte und winzig kleine Beine; er war abgebildet als der einzige, der in Deutschland noch nicht regiere, denn alle andern regieren schon in irgendeinem Rat mit, der aber mit seinen kurzen Beinchen ist immer zurückgeblieben, und so war er der einzige Mensch, der in Deutschland noch nicht einem Rat angehört und nicht regiert. — Das kann man schon als eine Art von Wahrheit empfinden. Man könnte sich ganz gut vorstellen, daß zum Beispiel heute, sagen wir in einem der vielen Räte, die in den Mittelländern gebildet werden, folgendes passiere. Man kann sich vorstellen, daß wenn man in einem solchen Zirkel heute von dem spräche, was man aus der Einsicht in die Menschheitsentwickelung und dem Menschheitsbedürfnisse heraus als das Richtige ansehen muß, einem die Menschen, die da zuhören, sagten, wenn sie der arbeitenden Bevölkerung angehören: Was willst du uns denn da überhaupt erzählen? Du gehörst der Bourgeoisie an! Dadurch, daß du der Bourgeoisie angehörst, denkst du von vornherein so, daß dein Denken im Sinne der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung ist. Viel nützlicher für die Hebung der sozialen Lage ist es, wenn wir dich unschädlich machen auf irgendeine Art und du überhaupt nichts mehr zu sagen hast, als daß wir von dir irgend etwas hören sollen, was nützlich wäre für die Fortentwickelung der sozialen Lage.
[ 3 ] Das heißt mit andern Worten, gar kein Vertrauen haben zu der Kraft des Gedankens, gar kein Vertrauen haben dazu, daß man durch ein richtiges Erfassen, durch eine richtige Auffassung des Lebens irgend etwas in der sozialen Lage des Lebens bessern könne. Man hat es neulich einmal als eine Wahrheit empfunden, als in einem Witzblatte die Abbildung eines Menschen erschien, welcher einen ziemlich langen Körper hatte und winzig kleine Beine; er war abgebildet als der einzige, der in Deutschland noch nicht regiere, denn alle andern regieren schon in irgendeinem Rat mit, der aber mit seinen kurzen Beinchen ist immer zurückgeblieben, und so war er der einzige Mensch, der in Deutschland noch nicht einem Rat angehört und nicht regiert. — Das kann man schon als eine Art von Wahrheit empfinden. Man könnte sich ganz gut vorstellen, daß zum Beispiel heute, sagen wir in einem der vielen Räte, die in den Mittelländern gebildet werden, folgendes passiere. Man kann sich vorstellen, daß wenn man in einem solchen Zirkel heute von dem spräche, was man aus der Einsicht in die Menschheitsentwickelung und dem Menschheitsbedürfnisse heraus als das Richtige ansehen muß, einem die Menschen, die da zuhören, sagten, wenn sie der arbeitenden Bevölkerung angehören: Was willst du uns denn da überhaupt erzählen? Du gehörst der Bourgeoisie an! Dadurch, daß du der Bourgeoisie angehörst, denkst du von vornherein so, daß dein Denken im Sinne der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung ist. Viel nützlicher für die Hebung der sozialen Lage ist es, wenn wir dich unschädlich machen auf irgendeine Art und du überhaupt nichts mehr zu sagen hast, als daß wir von dir irgend etwas hören sollen, was nützlich wäre für die Fortentwickelung der sozialen Lage.
[ 4 ] Die Dinge sind eben schon durchaus auf die Spitze getrieben. Und weil die Dinge auf die Spitze getrieben sind, ist es notwendig, daß man sich auch die Möglichkeit erwirbt, klar zu sehen. Nun natürlich, klar sehen wollen ja heute die meisten Menschen nicht, am wenigsten diejenigen, die in Kongreßräten gewöhnlich zusammenkommen, denn die wollen nach ganz andern Dingen urteilen als nach Klarheit. Aber das, was auch jeder Proletarier heute, jeder Angehörige der breiten Masse der Arbeiterbevölkerung, wenn man ihn im richtigen Momente erfaßt — und darauf kommt es an, denn es kommt heute wirklich an auf die Erfassung des richtigen Momentes —, einsehen müßte, das ist, daß er jede Möglichkeit, durch den Gedanken eine soziale Besserung in der Entwickelung der Menschheit herbeizuführen, ableugnet. Nun kann man ihn fragen, wodurch er zu dieser Anschauung gekommen ist, wodurch er dazugekommen ist, daß nur durch die Änderung der Zustände eine Verbesserung der sozialen Lage herbeigeführt werden könne. — Da gibt es nur eine von den Tatsachen abzulesende Antwort. Die ganze ungeheure Wucht — und sie ist eine ungeheure Wucht der modernen sozialen arbeitermäßigen Bewegung ruht auf dem Gedanken von Karl Marx und seinen Anhängern. Es ist allerdings ein durchgreifender Gedanke. Der Gedanke, daß der Gedanke nichts wert ist, das ist ja marxistische Theorie. Aber ein Gedanke ist es, der eigentlich die gegenwärtige sozialistische Empfindungsweise hervorgerufen hat. Diese sozialistische Empfindungsweise, die gar nichts von der Impulsivität des Gedankens wissen will, ruht auf der Impulsivität von Gedanken.
[ 4 ] Die Dinge sind eben schon durchaus auf die Spitze getrieben. Und weil die Dinge auf die Spitze getrieben sind, ist es notwendig, daß man sich auch die Möglichkeit erwirbt, klar zu sehen. Nun natürlich, klar sehen wollen ja heute die meisten Menschen nicht, am wenigsten diejenigen, die in Kongreßräten gewöhnlich zusammenkommen, denn die wollen nach ganz andern Dingen urteilen als nach Klarheit. Aber das, was auch jeder Proletarier heute, jeder Angehörige der breiten Masse der Arbeiterbevölkerung, wenn man ihn im richtigen Momente erfaßt — und darauf kommt es an, denn es kommt heute wirklich an auf die Erfassung des richtigen Momentes —, einsehen müßte, das ist, daß er jede Möglichkeit, durch den Gedanken eine soziale Besserung in der Entwickelung der Menschheit herbeizuführen, ableugnet. Nun kann man ihn fragen, wodurch er zu dieser Anschauung gekommen ist, wodurch er dazugekommen ist, daß nur durch die Änderung der Zustände eine Verbesserung der sozialen Lage herbeigeführt werden könne. — Da gibt es nur eine von den Tatsachen abzulesende Antwort. Die ganze ungeheure Wucht — und sie ist eine ungeheure Wucht der modernen sozialen arbeitermäßigen Bewegung ruht auf dem Gedanken von Karl Marx und seinen Anhängern. Es ist allerdings ein durchgreifender Gedanke. Der Gedanke, daß der Gedanke nichts wert ist, das ist ja marxistische Theorie. Aber ein Gedanke ist es, der eigentlich die gegenwärtige sozialistische Empfindungsweise hervorgerufen hat. Diese sozialistische Empfindungsweise, die gar nichts von der Impulsivität des Gedankens wissen will, ruht auf der Impulsivität von Gedanken.
[ 5 ] Ich habe einmal in einem Vortrage, der vor Proletariern gesprochen worden ist, gesagt: Derjenige, der sich in der Weltgeschichte umsieht und nach den wirklichen Kräften forscht, die in der Menschheitsentwickelung tätig sind, der findet, daß noch niemals, außer in einem einzigen Falle, ein wirklich wissenschaftlicher Impuls zu einem weltgeschichtlichen Impuls geworden ist. Forschen Sie überall, und forschen Sie nach den wirklichen Impulsen: Wissenschaftliche Impulse waren es nie, außer in einem einzigen Falle, wo durch Marxismus die proletarische Bewegung erneuert worden ist. Lassalle hat das richtig empfunden, als er seine große, eindringliche Rede über die Wissenschaft und die Arbeiter gehalten hat. Denn die einzige wirklich wissenschaftliche Bewegung als politische, soziale Bewegung, ist die moderne Arbeiterbewegung. Sie ist daher behaftet mit allen Fehlern, mit allen Aussichtslosigkeiten gerade der neuzeitlichen Wissenschaft, weil sie aus der neuzeitlichen Wissenschaft entsprungen ist. Aber sie geht ganz aus dem Gedanken hervor.
[ 5 ] Ich habe einmal in einem Vortrage, der vor Proletariern gesprochen worden ist, gesagt: Derjenige, der sich in der Weltgeschichte umsieht und nach den wirklichen Kräften forscht, die in der Menschheitsentwickelung tätig sind, der findet, daß noch niemals, außer in einem einzigen Falle, ein wirklich wissenschaftlicher Impuls zu einem weltgeschichtlichen Impuls geworden ist. Forschen Sie überall, und forschen Sie nach den wirklichen Impulsen: Wissenschaftliche Impulse waren es nie, außer in einem einzigen Falle, wo durch Marxismus die proletarische Bewegung erneuert worden ist. Lassalle hat das richtig empfunden, als er seine große, eindringliche Rede über die Wissenschaft und die Arbeiter gehalten hat. Denn die einzige wirklich wissenschaftliche Bewegung als politische, soziale Bewegung, ist die moderne Arbeiterbewegung. Sie ist daher behaftet mit allen Fehlern, mit allen Aussichtslosigkeiten gerade der neuzeitlichen Wissenschaft, weil sie aus der neuzeitlichen Wissenschaft entsprungen ist. Aber sie geht ganz aus dem Gedanken hervor.
[ 6 ] Denken Sie sich diesen kolossalen Widerspruch, der so hereingestellt worden ist in das moderne Leben: Der Gedanke, daß der Gedanke nichts wert sei, der hat als Gedanke am allermeisten gewirkt in den letzten sechzig bis siebzig Jahren. Das kann man lernen von dem Verlaufe der letzten sechzig bis siebzig Jahre. Und das ist eine eindringliche Lehre, eindringlich deswegen, weil man sieht, daß es bei der Wirkung der Gedanken auf etwas ganz anderes ankommt als auf den Inhalt des Gedankens. Nicht wahr, ein Gedanke, der Gedanke von Karl Marx war ganz besonders wirksam. Aber wenn wir ihn seinem Inhalte nach prüfen, so ist es der, daß der Gedankeninhalt keine Bedeutung hat, sondern nur die wirtschaftlichen Zustände. Es ist etwas Ungeheures, wenn man Begabung hat, sich in diesen Gedankenwiderspruch zu vertiefen, in diesen lebendigen Gedankenwiderspruch der neueren Zeit, für das Verständnis der Gegenwart.
[ 6 ] Denken Sie sich diesen kolossalen Widerspruch, der so hereingestellt worden ist in das moderne Leben: Der Gedanke, daß der Gedanke nichts wert sei, der hat als Gedanke am allermeisten gewirkt in den letzten sechzig bis siebzig Jahren. Das kann man lernen von dem Verlaufe der letzten sechzig bis siebzig Jahre. Und das ist eine eindringliche Lehre, eindringlich deswegen, weil man sieht, daß es bei der Wirkung der Gedanken auf etwas ganz anderes ankommt als auf den Inhalt des Gedankens. Nicht wahr, ein Gedanke, der Gedanke von Karl Marx war ganz besonders wirksam. Aber wenn wir ihn seinem Inhalte nach prüfen, so ist es der, daß der Gedankeninhalt keine Bedeutung hat, sondern nur die wirtschaftlichen Zustände. Es ist etwas Ungeheures, wenn man Begabung hat, sich in diesen Gedankenwiderspruch zu vertiefen, in diesen lebendigen Gedankenwiderspruch der neueren Zeit, für das Verständnis der Gegenwart.
[ 7 ] Und doch ist es das, was gerade in der Gegenwart so notwendig ist, in sich aufzunehmen, daß der Inhalt von Theorien, der Inhalt von Programmen eigentlich gar keine Bedeutung hat, daß die Wirksamkeit des Gedankens auf etwas wesentlich anderem beruht: auf dem Verhältnis des betreffenden Gedankens zu der Verfassung der Menschen, die diesen Gedanken bekommen. Hätte Karl Marx seinen Gedanken, wie er ihn vom Jahre 1848 an, vom «Kommunistischen Manifest» an ausgesprochen, dann durchgeführt hat in seinem System der politischen Ökonomie und in seinem großen Werke «Das Kapital», nicht vom Jahre 1848 bis in die siebziger Jahre hinein ausgeführt, sondern vielleicht, sagen wir, im Jahre 1800 oder 1796, so wäre dieser Gedanke ganz unwirksam geblieben; niemand hätte sich für diesen Gedanken interessiert. Da haben Sie einen Schlüssel für eine wichtige Sache. Denken Sie sich die Werke von Karl Marx meinetwillen nur fünfzig Jahre früher in die Welt gesetzt, sie wären Makulatur geworden! Vom Jahre 1848 an, wo der allgemeine Lebensstand des Proletariats ein bestimmter geworden war, da sind diese Werke nicht Makulatur geworden, sondern da sind sie internationaler Impuls geworden, so daß sie nun fortleben im russischen Bolschewismus, fortleben in dem ganzen mitteleuropäischen Chaos, das schon da ist und noch immer größer werden wird, das die ganze Erde ergreifen wird.
[ 7 ] Und doch ist es das, was gerade in der Gegenwart so notwendig ist, in sich aufzunehmen, daß der Inhalt von Theorien, der Inhalt von Programmen eigentlich gar keine Bedeutung hat, daß die Wirksamkeit des Gedankens auf etwas wesentlich anderem beruht: auf dem Verhältnis des betreffenden Gedankens zu der Verfassung der Menschen, die diesen Gedanken bekommen. Hätte Karl Marx seinen Gedanken, wie er ihn vom Jahre 1848 an, vom «Kommunistischen Manifest» an ausgesprochen, dann durchgeführt hat in seinem System der politischen Ökonomie und in seinem großen Werke «Das Kapital», nicht vom Jahre 1848 bis in die siebziger Jahre hinein ausgeführt, sondern vielleicht, sagen wir, im Jahre 1800 oder 1796, so wäre dieser Gedanke ganz unwirksam geblieben; niemand hätte sich für diesen Gedanken interessiert. Da haben Sie einen Schlüssel für eine wichtige Sache. Denken Sie sich die Werke von Karl Marx meinetwillen nur fünfzig Jahre früher in die Welt gesetzt, sie wären Makulatur geworden! Vom Jahre 1848 an, wo der allgemeine Lebensstand des Proletariats ein bestimmter geworden war, da sind diese Werke nicht Makulatur geworden, sondern da sind sie internationaler Impuls geworden, so daß sie nun fortleben im russischen Bolschewismus, fortleben in dem ganzen mitteleuropäischen Chaos, das schon da ist und noch immer größer werden wird, das die ganze Erde ergreifen wird.
[ 8 ] Solches wird Sie aufmerksam darauf machen, daß auf diese fünfzig Jahre des Früher- oder Später-Sagens einer Sache viel mehr ankommt als auf den Inhalt. Ein Inhalt hat nur eine Bedeutung als Inhalt in einer gewissen Zeit. Daher ist es auch nicht von mir irgendeine Liebhaberei, wenn ich auch zum Beispiel für anthroposophische Geisteswissenschaft sage: Jetzt muß sie gesagt werden, jetzt muß sie in die Herzen der Menschen hineinkommen, denn jetzt ist der Zeitpunkt, wo sie die Menschen aufnehmen sollen. — Hier handelt es sich um etwas anderes. Beim Marxismus war es etwas, was von selbst gezündet hat; bei der Geisteswissenschaft ist es etwas, was durch Freiheit von den Menschen aufgenommen werden muß. Wenn man dieses auf der einen Seite versteht, daß das Verständnis der Menschen wirklich auch etwas ist, was der Entwickelung unterworfen ist, dann wird man auch manches andere leichter begreifen, was, man darf schon sagen, so notwendig wie nur möglich ist, zu begreifen, was die Menschen eigentlich durchaus nicht einsehen wollen. Man trifft in einer Beziehung heute Ungeheuerliches, wenn man auf die Gedanken der Menschen stößt, wie sie jetzt im sogenannten Geistesleben sind, das aber kein wirkliches Geistesleben ist. Wer diese Sache nachprüfen will, kann ja überall die Stichproben machen. Man schlage zum Beispiel ein Heft einer in der Schweiz hier erscheinenden Zeitschrift auf, wo ein in dieser Zeitschrift oftmals auftretender Schriftsteller sich wieder einmal über eine bestimmte Zeitfrage ausläßt. Er kommt in diesem Aufsatz, wo er sich so ausläßt, darauf zu sprechen, was er eigentlich unter dem Volke versteht. Er redet von der Schuld der verschiedenen Persönlichkeiten am Kriege; er spricht davon, was ja auf der einen Seite viel Richtiges hat, wie führende Persönlichkeiten innerhalb der mitteleuropäischen Bevölkerung anzuklagen sind — daß man den Schuldbegriff nicht anwenden kann, das habe ich ja hier schon ausgeführt —; dann aber findet er es nötig zu sagen, was seiner Meinung nach eigentlich das Volk ist. Nun sehen wir, wie dieser Herr das Volk gewissermaßen definiert: Er rechnet zu diesem Volke neun Zehntel der Menschheit eines Gebietes, das zum Beispiel Deutschland, Österreich, England, Frankreich und so weiter umfaßt. Und von diesem Volke sagt et, es sei die Gesamtheit der ungebildeten, unfreien, in weitestem Sinne von Führern abhängigen, eben führerbedürftigen Persönlichkeiten.
[ 8 ] Solches wird Sie aufmerksam darauf machen, daß auf diese fünfzig Jahre des Früher- oder Später-Sagens einer Sache viel mehr ankommt als auf den Inhalt. Ein Inhalt hat nur eine Bedeutung als Inhalt in einer gewissen Zeit. Daher ist es auch nicht von mir irgendeine Liebhaberei, wenn ich auch zum Beispiel für anthroposophische Geisteswissenschaft sage: Jetzt muß sie gesagt werden, jetzt muß sie in die Herzen der Menschen hineinkommen, denn jetzt ist der Zeitpunkt, wo sie die Menschen aufnehmen sollen. — Hier handelt es sich um etwas anderes. Beim Marxismus war es etwas, was von selbst gezündet hat; bei der Geisteswissenschaft ist es etwas, was durch Freiheit von den Menschen aufgenommen werden muß. Wenn man dieses auf der einen Seite versteht, daß das Verständnis der Menschen wirklich auch etwas ist, was der Entwickelung unterworfen ist, dann wird man auch manches andere leichter begreifen, was, man darf schon sagen, so notwendig wie nur möglich ist, zu begreifen, was die Menschen eigentlich durchaus nicht einsehen wollen. Man trifft in einer Beziehung heute Ungeheuerliches, wenn man auf die Gedanken der Menschen stößt, wie sie jetzt im sogenannten Geistesleben sind, das aber kein wirkliches Geistesleben ist. Wer diese Sache nachprüfen will, kann ja überall die Stichproben machen. Man schlage zum Beispiel ein Heft einer in der Schweiz hier erscheinenden Zeitschrift auf, wo ein in dieser Zeitschrift oftmals auftretender Schriftsteller sich wieder einmal über eine bestimmte Zeitfrage ausläßt. Er kommt in diesem Aufsatz, wo er sich so ausläßt, darauf zu sprechen, was er eigentlich unter dem Volke versteht. Er redet von der Schuld der verschiedenen Persönlichkeiten am Kriege; er spricht davon, was ja auf der einen Seite viel Richtiges hat, wie führende Persönlichkeiten innerhalb der mitteleuropäischen Bevölkerung anzuklagen sind — daß man den Schuldbegriff nicht anwenden kann, das habe ich ja hier schon ausgeführt —; dann aber findet er es nötig zu sagen, was seiner Meinung nach eigentlich das Volk ist. Nun sehen wir, wie dieser Herr das Volk gewissermaßen definiert: Er rechnet zu diesem Volke neun Zehntel der Menschheit eines Gebietes, das zum Beispiel Deutschland, Österreich, England, Frankreich und so weiter umfaßt. Und von diesem Volke sagt et, es sei die Gesamtheit der ungebildeten, unfreien, in weitestem Sinne von Führern abhängigen, eben führerbedürftigen Persönlichkeiten.
[ 9 ] Dieser Mann definiert also das Volk als die ungebildeten, unselbständigen, abhängigen, in weitestem Sinne führerbedürftigen Menschen. Nun, wenn man die meisten heutigen Persönlichkeiten, die der bürgerlichen oder einer noch höheren Menschenklasse angehören, auf Herz und Nieren, wie man sagt, prüfen würde, so würden sie wahrscheinlich auch, wenn sie sich aussprechen sollten, was sie unter dem Volke verstehen, ungefähr dasselbe antworten: Es ist die breite, ungebildete, unselbständige, abhängige, führerbedürftige Menschheit, neun Zehntel der Gesamtmenschheit. Nur ein Zehntel, müßte man demnach sagen, ist gebildet, ist selbständig, ist unabhängig, bedarf keines Führers. Dazu rechnen sich gewöhnlich diejenigen, die sich ein Urteil zutrauen über das, was eigentlich Volk ist.
[ 9 ] Dieser Mann definiert also das Volk als die ungebildeten, unselbständigen, abhängigen, in weitestem Sinne führerbedürftigen Menschen. Nun, wenn man die meisten heutigen Persönlichkeiten, die der bürgerlichen oder einer noch höheren Menschenklasse angehören, auf Herz und Nieren, wie man sagt, prüfen würde, so würden sie wahrscheinlich auch, wenn sie sich aussprechen sollten, was sie unter dem Volke verstehen, ungefähr dasselbe antworten: Es ist die breite, ungebildete, unselbständige, abhängige, führerbedürftige Menschheit, neun Zehntel der Gesamtmenschheit. Nur ein Zehntel, müßte man demnach sagen, ist gebildet, ist selbständig, ist unabhängig, bedarf keines Führers. Dazu rechnen sich gewöhnlich diejenigen, die sich ein Urteil zutrauen über das, was eigentlich Volk ist.
[ 10 ] Gegenüber solchen Begriffen, die im eminentesten Sinne wichtig sind, wenn man sich ein soziales Urteil bilden will, ist es vor allen Dingen notwendig, sich in gültiger Weise die Frage vorzulegen, ob das ein wirklichkeitsgemäßer Begriff im weitesten Sinne des Wortes ist: neun Zehntel der Bevölkerung als ungebildete, unselbständige, abhängige, führerbedürftige Menge anzusehen. Das ist eine Frage, die jeder sich vorlegen muß, der sich ein selbständiges soziales Urteil aneignen will. Allerdings, wenn man sich über solche Fragen verständigen will, dann muß man schon die Intensität des Gedankens ein wenig sich heranbilden lassen durch das, was man an Hand der Geisteswissenschaft für diese Intensität des Gedankens gewinnen kann. Denn alles übrige, was heute dem Denken Intensität gibt, reicht nicht hin, das sieht man ja an all der Gedankenlosigkeit, die heute die Menge beherrscht. Ich weiß nicht, kann man es Zufall nennen — in Wirklichkeit gibt es ja nicht einen Zufall —, ich habe in den letzten Monaten ein Sprichwort immer wieder und wiederum zitiert gefunden, wenn so die Verhältnisse in der Öffentlichkeit besprochen wurden, bald von dem, bald von jenem. Dieses Sprichwort war: «Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber». — Die Leute finden es ganz selbstverständlich, dieses Sprichwort anzuwenden. Jeder findet es selbstverständlich, daß dieses Sprichwort einen Sinn hat. Ich finde nicht den geringsten Sinn dabei, denn ich glaube, daß das nicht die dümmsten, sondern gerade die gescheitesten Kälber wären, denn dann würden sie sich diejenigen als ihre Metzger wählen — da sie ja doch schon sterben müssen, und für anderes kommen ja diese Kälber nicht in Betracht —, die dieses Sterben am schmerzlosesten bewirken, während diejenigen, die sich nichts wählen, wahrscheinlich am schlechtesten wegkommen werden. Da wäre gerade das Gegenteil richtig: Nur die gescheitesten Kälber wählen sich ihre Metzger selber. Aber geradeso wie diese Dinge gedankenlos hingenommen werden, so werden auch wichtige Urteile, die geändert werden müssen, hingenommen; denn der Mensch will sich gern beim Überblicken des Lebens eigentlich die Gedankenarbeit, die Gedankenbetätigung ersparen, er will diese Gedankenkraft nicht anwenden.
[ 10 ] Gegenüber solchen Begriffen, die im eminentesten Sinne wichtig sind, wenn man sich ein soziales Urteil bilden will, ist es vor allen Dingen notwendig, sich in gültiger Weise die Frage vorzulegen, ob das ein wirklichkeitsgemäßer Begriff im weitesten Sinne des Wortes ist: neun Zehntel der Bevölkerung als ungebildete, unselbständige, abhängige, führerbedürftige Menge anzusehen. Das ist eine Frage, die jeder sich vorlegen muß, der sich ein selbständiges soziales Urteil aneignen will. Allerdings, wenn man sich über solche Fragen verständigen will, dann muß man schon die Intensität des Gedankens ein wenig sich heranbilden lassen durch das, was man an Hand der Geisteswissenschaft für diese Intensität des Gedankens gewinnen kann. Denn alles übrige, was heute dem Denken Intensität gibt, reicht nicht hin, das sieht man ja an all der Gedankenlosigkeit, die heute die Menge beherrscht. Ich weiß nicht, kann man es Zufall nennen — in Wirklichkeit gibt es ja nicht einen Zufall —, ich habe in den letzten Monaten ein Sprichwort immer wieder und wiederum zitiert gefunden, wenn so die Verhältnisse in der Öffentlichkeit besprochen wurden, bald von dem, bald von jenem. Dieses Sprichwort war: «Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber». — Die Leute finden es ganz selbstverständlich, dieses Sprichwort anzuwenden. Jeder findet es selbstverständlich, daß dieses Sprichwort einen Sinn hat. Ich finde nicht den geringsten Sinn dabei, denn ich glaube, daß das nicht die dümmsten, sondern gerade die gescheitesten Kälber wären, denn dann würden sie sich diejenigen als ihre Metzger wählen — da sie ja doch schon sterben müssen, und für anderes kommen ja diese Kälber nicht in Betracht —, die dieses Sterben am schmerzlosesten bewirken, während diejenigen, die sich nichts wählen, wahrscheinlich am schlechtesten wegkommen werden. Da wäre gerade das Gegenteil richtig: Nur die gescheitesten Kälber wählen sich ihre Metzger selber. Aber geradeso wie diese Dinge gedankenlos hingenommen werden, so werden auch wichtige Urteile, die geändert werden müssen, hingenommen; denn der Mensch will sich gern beim Überblicken des Lebens eigentlich die Gedankenarbeit, die Gedankenbetätigung ersparen, er will diese Gedankenkraft nicht anwenden.
[ 11 ] Schärfere Gedankentätigkeit, das ist es, was wir heute brauchen, um zu wirklichkeitsgemäßen Begriffen zu kommen. Mag bei dem sogenannten Fortgeschrittenen, wie man ihn im Sinne der heutigen Schulweisheit, der heutigen Aufklärung, des heutigen demokratischen Bewußtseins nennt, auch der Gedanke etwas noch so Verlockendes haben: die Ungebildeten, Unselbständigen, Abhängigen, Führerbedürftigen betragen neun Zehntel des gesamten Volkes- einen Wirklichkeitswert hat das nicht, und zwar aus folgendem Grunde.
[ 11 ] Schärfere Gedankentätigkeit, das ist es, was wir heute brauchen, um zu wirklichkeitsgemäßen Begriffen zu kommen. Mag bei dem sogenannten Fortgeschrittenen, wie man ihn im Sinne der heutigen Schulweisheit, der heutigen Aufklärung, des heutigen demokratischen Bewußtseins nennt, auch der Gedanke etwas noch so Verlockendes haben: die Ungebildeten, Unselbständigen, Abhängigen, Führerbedürftigen betragen neun Zehntel des gesamten Volkes- einen Wirklichkeitswert hat das nicht, und zwar aus folgendem Grunde.
[ 12 ] Gehen wir aus von der historischen Tatsache, die sehr viel lehren kann in dieser Beziehung. Nicht wahr, das Christentum entstand in einer unbekannten Provinz des Römischen Reiches durch das Mysterium von Golgatha. Innerhalb des damaligen Römischen Reiches, das ja auch das Griechentum schon in sich aufgenommen hatte, lebte eine Bevölkerung, die in ihrem Schoße wahrhaftig eine tiefe, eine bedeutungsvolle Weisheit trug. Die Kirche hat furchtbare Anstrengungen machen müssen, um die alte Gnosis — ich habe das hier einmal auseinandergesetzt — ihren Spuren nach zu verwischen. Aber diese Gnosis war da. Höchstes Wissen war da. In der Tat, innerhalb des Schoßes des Römischen Reiches war in der Zeit der Entstehung des Christentums höchste Weisheit schon vorhanden. Das ist gar nicht in irgendeiner Weise abzuleugnen. Aber es war unmöglich, daß diese höchste Weisheit den historisch starken Impuls des Christentums in sich aufgenommen hätte. Der starke Impuls des Christentums — ich habe neulich erst davon gesprochen — ist aufgenommen worden von den nördlichen Barbaren, die diese Weisheit der südländischen Bevölkerung nicht hatten. Erst als die nördlichen Barbaren entgegenkamen der Welle des Christentums, lebte sich das Christentum so aus, wie es sich für den Rest der vierten nachatlantischen Zeit und auch noch für den Anfang der fünften nachatlantischen Zeit ausleben sollte. Erst heute ist ein anderes Verhältnis gekommen.
[ 12 ] Gehen wir aus von der historischen Tatsache, die sehr viel lehren kann in dieser Beziehung. Nicht wahr, das Christentum entstand in einer unbekannten Provinz des Römischen Reiches durch das Mysterium von Golgatha. Innerhalb des damaligen Römischen Reiches, das ja auch das Griechentum schon in sich aufgenommen hatte, lebte eine Bevölkerung, die in ihrem Schoße wahrhaftig eine tiefe, eine bedeutungsvolle Weisheit trug. Die Kirche hat furchtbare Anstrengungen machen müssen, um die alte Gnosis — ich habe das hier einmal auseinandergesetzt — ihren Spuren nach zu verwischen. Aber diese Gnosis war da. Höchstes Wissen war da. In der Tat, innerhalb des Schoßes des Römischen Reiches war in der Zeit der Entstehung des Christentums höchste Weisheit schon vorhanden. Das ist gar nicht in irgendeiner Weise abzuleugnen. Aber es war unmöglich, daß diese höchste Weisheit den historisch starken Impuls des Christentums in sich aufgenommen hätte. Der starke Impuls des Christentums — ich habe neulich erst davon gesprochen — ist aufgenommen worden von den nördlichen Barbaren, die diese Weisheit der südländischen Bevölkerung nicht hatten. Erst als die nördlichen Barbaren entgegenkamen der Welle des Christentums, lebte sich das Christentum so aus, wie es sich für den Rest der vierten nachatlantischen Zeit und auch noch für den Anfang der fünften nachatlantischen Zeit ausleben sollte. Erst heute ist ein anderes Verhältnis gekommen.
[ 13 ] Dasjenige, was man dabei berücksichtigen muß, ist, daß nicht die für ein gewisses Zeitalter höchst entwickelte, abstrakt gewordene Geistigkeit den historischen Impuls in seiner größten Stärke aufzunehmen vermag, sondern daß gerade die scheinbar zurückgebliebene, mehr mit der instinktiven menschlichen Natur zusammenhängende Wesenheit des Menschen den Impuls in der stärksten Weise aufnehmen kann. Es wird nicht viel mehr gesagt mit dem Urteil, das ich gerade vorhin angegeben habe über die neun Zehntel der ungebildeten, abhängigen, führerbedürftigen Menschheit, als daß sich diese Menschheit mit Bezug auf ihre Geistigkeit unterscheide von denjenigen, die sich als die führenden Menschen dünken. Aber diese sogenannten führenden Menschen, sie haben schon einen degenerierten Verstand, eine dekadente Intelligenz. In der neun Zehntel betragenden, sogenannten ungebildeten, abhängigen, führerbedürftigen Menschheit ist, wie man sagen könnte, eine Intelligenz noch latent verborgen, die ungeheuer viel empfänglicher ist für den starken geistigen Impuls, der heute aufgenommen werden soll, der ungeheuer viel stärker ist als derjenige, der bei der sogenannten Intelligenz mit der dekadenten Intelligenz zu finden ist. Dasjenige, was heute den Träger der geistigen Impulse trennt von der empfänglichen breiten Masse, das ist nicht diese breite Masse selbst, das sind nicht die Seelen der breiten Masse der Menschheit, sondern das sind die Führer, das ist die Führerschaft. Und diese Führerschaft auch der sozialistischesten Proletarier, diese Führerschaft, die ist selbst ganz mit dem dekadenten Verstande der Bourgeoisie getränkt, durchzogen. Das ist dasjenige, was vor allen Dingen notwendig ist: ein reinliches, sauberes Geständnis, daß für die wirklichen Impulse geistiger Entwickelung der Weg zu den sogenannten ungebildeten, abhängigen, führerbedürftigen, unselbständigen Menschen wirklich zu finden ist, wenn man nur Einsicht hat in die eigentümliche Wirkung dieser Intelligenz.
[ 13 ] Dasjenige, was man dabei berücksichtigen muß, ist, daß nicht die für ein gewisses Zeitalter höchst entwickelte, abstrakt gewordene Geistigkeit den historischen Impuls in seiner größten Stärke aufzunehmen vermag, sondern daß gerade die scheinbar zurückgebliebene, mehr mit der instinktiven menschlichen Natur zusammenhängende Wesenheit des Menschen den Impuls in der stärksten Weise aufnehmen kann. Es wird nicht viel mehr gesagt mit dem Urteil, das ich gerade vorhin angegeben habe über die neun Zehntel der ungebildeten, abhängigen, führerbedürftigen Menschheit, als daß sich diese Menschheit mit Bezug auf ihre Geistigkeit unterscheide von denjenigen, die sich als die führenden Menschen dünken. Aber diese sogenannten führenden Menschen, sie haben schon einen degenerierten Verstand, eine dekadente Intelligenz. In der neun Zehntel betragenden, sogenannten ungebildeten, abhängigen, führerbedürftigen Menschheit ist, wie man sagen könnte, eine Intelligenz noch latent verborgen, die ungeheuer viel empfänglicher ist für den starken geistigen Impuls, der heute aufgenommen werden soll, der ungeheuer viel stärker ist als derjenige, der bei der sogenannten Intelligenz mit der dekadenten Intelligenz zu finden ist. Dasjenige, was heute den Träger der geistigen Impulse trennt von der empfänglichen breiten Masse, das ist nicht diese breite Masse selbst, das sind nicht die Seelen der breiten Masse der Menschheit, sondern das sind die Führer, das ist die Führerschaft. Und diese Führerschaft auch der sozialistischesten Proletarier, diese Führerschaft, die ist selbst ganz mit dem dekadenten Verstande der Bourgeoisie getränkt, durchzogen. Das ist dasjenige, was vor allen Dingen notwendig ist: ein reinliches, sauberes Geständnis, daß für die wirklichen Impulse geistiger Entwickelung der Weg zu den sogenannten ungebildeten, abhängigen, führerbedürftigen, unselbständigen Menschen wirklich zu finden ist, wenn man nur Einsicht hat in die eigentümliche Wirkung dieser Intelligenz.
[ 14 ] Phantastischer als dasjenige Bürgertum, welches die Phantasie heute so sehr verpönt, war eigentlich noch keine Menschenklasse. Denn das Phantastischste ist die heutige Praxis. Alles das, was heute lebenspraktisch sein will, ist es eigentlich bloß dadurch, daß es sich sozusagen gesetzlich die Möglichkeit verschafft hat, sich durchzudrücken, sich durchzudrängen, während der andere, der sich nicht die Möglichkeit verschafft hat, sich durchzudrängen, an sich noch so geschickt, noch so praktisch sein mag, er drückt sich eben nicht durch. Man muß eine Empfindung haben dafür, daß wirklich heute in den breiten Massen, die nicht geführt sind, sondern verführt durch ihre Führer, etwas nachgedrängt hat aus jener Zeit, die gewöhnlich in der Geschichte, wenn auch etwas unrichtig, als die Zeit der Völkerwanderung bezeichnet wird. Damals kamen gewissermaßen barbarische Völker herauf, die gerade dasjenige aufgenommen haben, was die entwickelten Völker nicht mehr aufnehmen konnten. Heute strebt nicht von irgendeinem Orte her, sondern von dem proletarischen Untergrunde der Menschheit strebt herauf eine Völkerwanderung. Das ist das Wichtige. Aber dieser Völkerwanderung muß entgegengekommen werden. Setzen Sie eine Hypothese. Denken Sie einmal: All das, was gewöhnlich in den Geschichtsbüchern durch die Völkerwanderung bezeichnet wird, all diese Wanderungen der Goten, der Hunnen, der Vandalen, der Sueven und so weiter, später der Mongolen, die gewöhnlich als Völkerwanderung geschildert werden, die hätten sich vollzogen, aber indem sich diese Völkerwanderungen vollzogen hätten in der Richtung von Osten nach Südwesten, wäre ihnen nicht entgegengekommen die Welle des Christentums. Nehmen wir an, diese Welle des Christentums wäre weggeblieben; denken Sie sich, wie anders die Welt geworden wäre! Sie können sich überhaupt die ganze spätere Zeit nur dadurch vorstellen, daß diese barbarischen Stämme herübergezogen sind aus dem Osten nach dem Südwesten und ihnen die christliche Welle entgegengekommen ist.
[ 14 ] Phantastischer als dasjenige Bürgertum, welches die Phantasie heute so sehr verpönt, war eigentlich noch keine Menschenklasse. Denn das Phantastischste ist die heutige Praxis. Alles das, was heute lebenspraktisch sein will, ist es eigentlich bloß dadurch, daß es sich sozusagen gesetzlich die Möglichkeit verschafft hat, sich durchzudrücken, sich durchzudrängen, während der andere, der sich nicht die Möglichkeit verschafft hat, sich durchzudrängen, an sich noch so geschickt, noch so praktisch sein mag, er drückt sich eben nicht durch. Man muß eine Empfindung haben dafür, daß wirklich heute in den breiten Massen, die nicht geführt sind, sondern verführt durch ihre Führer, etwas nachgedrängt hat aus jener Zeit, die gewöhnlich in der Geschichte, wenn auch etwas unrichtig, als die Zeit der Völkerwanderung bezeichnet wird. Damals kamen gewissermaßen barbarische Völker herauf, die gerade dasjenige aufgenommen haben, was die entwickelten Völker nicht mehr aufnehmen konnten. Heute strebt nicht von irgendeinem Orte her, sondern von dem proletarischen Untergrunde der Menschheit strebt herauf eine Völkerwanderung. Das ist das Wichtige. Aber dieser Völkerwanderung muß entgegengekommen werden. Setzen Sie eine Hypothese. Denken Sie einmal: All das, was gewöhnlich in den Geschichtsbüchern durch die Völkerwanderung bezeichnet wird, all diese Wanderungen der Goten, der Hunnen, der Vandalen, der Sueven und so weiter, später der Mongolen, die gewöhnlich als Völkerwanderung geschildert werden, die hätten sich vollzogen, aber indem sich diese Völkerwanderungen vollzogen hätten in der Richtung von Osten nach Südwesten, wäre ihnen nicht entgegengekommen die Welle des Christentums. Nehmen wir an, diese Welle des Christentums wäre weggeblieben; denken Sie sich, wie anders die Welt geworden wäre! Sie können sich überhaupt die ganze spätere Zeit nur dadurch vorstellen, daß diese barbarischen Stämme herübergezogen sind aus dem Osten nach dem Südwesten und ihnen die christliche Welle entgegengekommen ist.
[ 15 ] Heute ist die Sache so, daß aus den Tiefen heraufkommt das proletarische Element. Und heute muß diesem proletarischen Element entgegenkommen von oben ein Geistiges, ein geisteswissenschaftliches Ergreifen der sozialen Verhältnisse, der Weltanschauung überhaupt. Und derjenige, der nicht glauben will, daß es nötig ist, daß dieser Völkerwanderung, die heute nur nicht in waagrechter, sondern einfach in senkrechter Richtung vor sich geht, entgegenkommt eine neue geistige Offenbarung, der stehenbleiben will bei der alten, für die waagrechte Richtung geeigneten geistigen Offenbarung, kurz, wer stehenbleiben will bei der römischen Form der Christentumsverbreitung, wer nicht sich finden will durch die Sprache der Geisteswissenschaft zu der Ergreifung der neuen Offenbarung des durch das Mysterium von Golgatha gegangenen Christus, der versäumt das Allerwichtigste, was für die Gegenwart notwendig ist, der versäumt so viel, wie in dem Beginne des Mittelalters versäumt worden wäre, wenn der barbarischen Welle, die vom Osten nach dem Südwesten sich wälzte, nicht die Welle der Christentumsverbreitung entgegengekommen wäre. Auch damals standen zwischen der Welle des Christentums und der Welle der Barbaren alle diejenigen Menschen, die gerade die Gebildeten waren des Griechenreiches und des Römerreiches. Heute stehen zwischen der Welle, die als geistige Welle nach unten entgegendringen soll der nach oben gehenden proletarischen Welle, ja alle diejenigen, die an den alten Begriffen festhalten wollen unter der Führung der sogenannten Intelligenz und namentlich der auf diesem Gebiete ganz unfruchtbaren Wissenschaft. Das aber, wozu man es bringen muß, das ist vor allen Dingen Vorurteilslosigkeit für solche Begriffe, wie wir sie gestern und vorgestern hier entwickelt haben, welche einem die Möglichkeit geben, ein soziales Urteil zu bilden. Ein soziales Urteil bekommt man nicht, wenn man nicht den sozialen Organismus versteht. Wissen Sie, was das ist, das herauskommt, wenn heute so ein richtiger Durchschnittsprofessor der Volkswirtschaftslehre, dem dann die andern folgen, oder so ein richtiger politischer Führer über Volks- und soziale Zusammenhänge und so weiter spricht, wissen Sie, was da herauskommt in bezug auf den sozialen Organismus? Der soziale Homunkulus! Das ist dasjenige, was man endlich einsehen sollte, daß alle die Leute, die versucht haben, den sozialen Organismus ohne die Erkenntnis der Dreigliedrigkeit in Gedanken zu fassen, mit Bezug auf den sozialen Organismus bloß den Homunkulus herbeigeführt haben, wie Goethe meint, daß durch die gewöhnliche sinnliche und verstandesmäßige Auffassung man auch nur zum Homunkulus, nicht zum Homo kommt.
[ 15 ] Heute ist die Sache so, daß aus den Tiefen heraufkommt das proletarische Element. Und heute muß diesem proletarischen Element entgegenkommen von oben ein Geistiges, ein geisteswissenschaftliches Ergreifen der sozialen Verhältnisse, der Weltanschauung überhaupt. Und derjenige, der nicht glauben will, daß es nötig ist, daß dieser Völkerwanderung, die heute nur nicht in waagrechter, sondern einfach in senkrechter Richtung vor sich geht, entgegenkommt eine neue geistige Offenbarung, der stehenbleiben will bei der alten, für die waagrechte Richtung geeigneten geistigen Offenbarung, kurz, wer stehenbleiben will bei der römischen Form der Christentumsverbreitung, wer nicht sich finden will durch die Sprache der Geisteswissenschaft zu der Ergreifung der neuen Offenbarung des durch das Mysterium von Golgatha gegangenen Christus, der versäumt das Allerwichtigste, was für die Gegenwart notwendig ist, der versäumt so viel, wie in dem Beginne des Mittelalters versäumt worden wäre, wenn der barbarischen Welle, die vom Osten nach dem Südwesten sich wälzte, nicht die Welle der Christentumsverbreitung entgegengekommen wäre. Auch damals standen zwischen der Welle des Christentums und der Welle der Barbaren alle diejenigen Menschen, die gerade die Gebildeten waren des Griechenreiches und des Römerreiches. Heute stehen zwischen der Welle, die als geistige Welle nach unten entgegendringen soll der nach oben gehenden proletarischen Welle, ja alle diejenigen, die an den alten Begriffen festhalten wollen unter der Führung der sogenannten Intelligenz und namentlich der auf diesem Gebiete ganz unfruchtbaren Wissenschaft. Das aber, wozu man es bringen muß, das ist vor allen Dingen Vorurteilslosigkeit für solche Begriffe, wie wir sie gestern und vorgestern hier entwickelt haben, welche einem die Möglichkeit geben, ein soziales Urteil zu bilden. Ein soziales Urteil bekommt man nicht, wenn man nicht den sozialen Organismus versteht. Wissen Sie, was das ist, das herauskommt, wenn heute so ein richtiger Durchschnittsprofessor der Volkswirtschaftslehre, dem dann die andern folgen, oder so ein richtiger politischer Führer über Volks- und soziale Zusammenhänge und so weiter spricht, wissen Sie, was da herauskommt in bezug auf den sozialen Organismus? Der soziale Homunkulus! Das ist dasjenige, was man endlich einsehen sollte, daß alle die Leute, die versucht haben, den sozialen Organismus ohne die Erkenntnis der Dreigliedrigkeit in Gedanken zu fassen, mit Bezug auf den sozialen Organismus bloß den Homunkulus herbeigeführt haben, wie Goethe meint, daß durch die gewöhnliche sinnliche und verstandesmäßige Auffassung man auch nur zum Homunkulus, nicht zum Homo kommt.
[ 16 ] Denn sehen Sie, mit Bezug auf den sozialen Organismus können die meisten Menschen heute überhaupt noch nicht denken, weil ihnen die Leitmotive dieses Denkens fehlen. Ich habe es ja schon einmal erwähnt: Die Menschen gehen auf diesen Gebieten aus von der sonderbaren, grotesken Idee, daß ein einzelner Staat oder ein einzelnes Volksgebiet ein Organismus für sich sei. Sie wollen geradezu Volksorganismen errichten. Das ist an sich ein Unsinn. Ich habe es einmal ausgeführt: Wenn man etwas vergleichen will in bezug auf das Zusammenleben der Menschen über die Erde hin, so darf man nur die ganze Erde wie einen Organismus ansehen; ein einzelnes staatliches oder volksmäßiges Gebiet kann nur ein Glied sein im Organismus. Will man den Begriff des Organismus gebrauchen, so muß das ein abgeschlossener Organismus sein. Derjenige, welcher Nationalökonomie, Volkswirtschaftslehre, Sozialismus begründen will auf dem Gebiete eines einzelnen Landes, der gleicht einem Menschen, der, sagen wir, die Anatomie des ganzen Menschen aus der bloßen Hand oder dem Bein oder dem Magen begründen möchte. Darauf kommt es in viel höherem Maße an, als sich die Menschen heute vorstellen. Denn diese Dreigliederung, die ich Ihnen angeführt habe, die gibt “nicht solche abstrakten Zusammenfassungen, wie sie die heutigen Menschen gewohnt sind, sondern die gibt gerade ein lebendiges Hineinstellen in das volkswirtschaftliche Getriebe, in das soziale Getriebe. Wer bloß gelernt hat die Anatomie des Magens, der wird nicht verstehen die Anatomie des Kopfes, des Halses. Wer aber die Anatomie des Menschen kennt, der wird, wenn es darauf ankommt, auch den Magen richtig beurteilen können, den Kopf richtig beurteilen, den Hals richtig beurteilen können. So ist es: Wer den sozialen Organismus in seinen inneren Lebensbedingungen — und das ist etwas, das ausgehen muß von dieser Dreigliederung — kennt, der weiß sich in die richtigen Verhältnisse zu setzen, ob er nun die sozialen Verhältnisse in Rußland oder England oder in Deutschland oder irgendwo sonst zu beurteilen hat.
[ 16 ] Denn sehen Sie, mit Bezug auf den sozialen Organismus können die meisten Menschen heute überhaupt noch nicht denken, weil ihnen die Leitmotive dieses Denkens fehlen. Ich habe es ja schon einmal erwähnt: Die Menschen gehen auf diesen Gebieten aus von der sonderbaren, grotesken Idee, daß ein einzelner Staat oder ein einzelnes Volksgebiet ein Organismus für sich sei. Sie wollen geradezu Volksorganismen errichten. Das ist an sich ein Unsinn. Ich habe es einmal ausgeführt: Wenn man etwas vergleichen will in bezug auf das Zusammenleben der Menschen über die Erde hin, so darf man nur die ganze Erde wie einen Organismus ansehen; ein einzelnes staatliches oder volksmäßiges Gebiet kann nur ein Glied sein im Organismus. Will man den Begriff des Organismus gebrauchen, so muß das ein abgeschlossener Organismus sein. Derjenige, welcher Nationalökonomie, Volkswirtschaftslehre, Sozialismus begründen will auf dem Gebiete eines einzelnen Landes, der gleicht einem Menschen, der, sagen wir, die Anatomie des ganzen Menschen aus der bloßen Hand oder dem Bein oder dem Magen begründen möchte. Darauf kommt es in viel höherem Maße an, als sich die Menschen heute vorstellen. Denn diese Dreigliederung, die ich Ihnen angeführt habe, die gibt “nicht solche abstrakten Zusammenfassungen, wie sie die heutigen Menschen gewohnt sind, sondern die gibt gerade ein lebendiges Hineinstellen in das volkswirtschaftliche Getriebe, in das soziale Getriebe. Wer bloß gelernt hat die Anatomie des Magens, der wird nicht verstehen die Anatomie des Kopfes, des Halses. Wer aber die Anatomie des Menschen kennt, der wird, wenn es darauf ankommt, auch den Magen richtig beurteilen können, den Kopf richtig beurteilen, den Hals richtig beurteilen können. So ist es: Wer den sozialen Organismus in seinen inneren Lebensbedingungen — und das ist etwas, das ausgehen muß von dieser Dreigliederung — kennt, der weiß sich in die richtigen Verhältnisse zu setzen, ob er nun die sozialen Verhältnisse in Rußland oder England oder in Deutschland oder irgendwo sonst zu beurteilen hat.
[ 17 ] Heute machen Sie die sonderbar betrübliche Entdeckung, daß die Menschen über die Länder reden, als wenn diese Länder für sich da wären. Sie denken, sie können irgendwelche Sozialisierungen oder dergleichen bewirken mit Bezug auf einzelne abgetrennte Gebiete. Das ist dasjenige, was darstellt einen der Grundirrtümer unserer Zeit, und was in der Praxis wirklich zu dem allergrößten Unheil führen kann. Heute ist es nur unheilsam zu glauben, daß man auf einem gewissen beschränkten Territorium irgend etwas machen kann, ohne Rücksicht zu nehmen darauf, daß seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die Erde ein Gesamtorganismus in sozialer Beziehung ist. Mit der Wirklichkeit muß eben einfach gerechnet werden, sonst kommt man auf keine Weise irgendwie weiter.
[ 17 ] Heute machen Sie die sonderbar betrübliche Entdeckung, daß die Menschen über die Länder reden, als wenn diese Länder für sich da wären. Sie denken, sie können irgendwelche Sozialisierungen oder dergleichen bewirken mit Bezug auf einzelne abgetrennte Gebiete. Das ist dasjenige, was darstellt einen der Grundirrtümer unserer Zeit, und was in der Praxis wirklich zu dem allergrößten Unheil führen kann. Heute ist es nur unheilsam zu glauben, daß man auf einem gewissen beschränkten Territorium irgend etwas machen kann, ohne Rücksicht zu nehmen darauf, daß seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die Erde ein Gesamtorganismus in sozialer Beziehung ist. Mit der Wirklichkeit muß eben einfach gerechnet werden, sonst kommt man auf keine Weise irgendwie weiter.
[ 18 ] Sie sehen daraus, daß es sich vor allen Dingen darum handelt, sich Vorurteilslosigkeit zu erwerben, wirklich gewachsen zu werden durch Vorurteilslosigkeit dem Urteil, das man den Dingen selbst überlassen kann. Denn nur durch Vorurteilslosigkeit kann man von den Dingen lernen. Ein Ausspruch, der Ihnen immer wieder und wiederum entgegentreten wird, wenn so über die sozialen Verhältnisse gesprochen wird, wie hier gesprochen wird, das ist der, daß man sich ja kaum vorstellen kann, wie der volkswirtschaftliche Wert getrennt werden soll von der menschlichen Arbeit. Am wenigsten können sich das heute die gelehrten Volkswirtschafter denken. Würden die Leute ein klein wenig von der Geschichte lernen, so würden sie sich sagen: Plato und Aristoteles haben sich noch nicht denken können, daß unter den volkswirtschaftlichen Werten nicht der Sklave sei; Plato und Aristoteles betrachteten noch als volkswirtschaftlich notwendig das Vorhandensein einer ziemlich großen Sklavenbevölkerung. Nun, heute betrachtet kein vernünftiger Mensch das Vorhandensein einer Sklavenbevölkerung im Sinne des alten Griechen- und Römerreiches als eine volkswirtschaftliche Notwendigkeit. Aber die Menschen betrachten es heute noch als eine Notwendigkeit, daß menschliche Arbeitskraft in demselben Sinne eine Ware sein soll wie irgendein anderes Gut.
[ 18 ] Sie sehen daraus, daß es sich vor allen Dingen darum handelt, sich Vorurteilslosigkeit zu erwerben, wirklich gewachsen zu werden durch Vorurteilslosigkeit dem Urteil, das man den Dingen selbst überlassen kann. Denn nur durch Vorurteilslosigkeit kann man von den Dingen lernen. Ein Ausspruch, der Ihnen immer wieder und wiederum entgegentreten wird, wenn so über die sozialen Verhältnisse gesprochen wird, wie hier gesprochen wird, das ist der, daß man sich ja kaum vorstellen kann, wie der volkswirtschaftliche Wert getrennt werden soll von der menschlichen Arbeit. Am wenigsten können sich das heute die gelehrten Volkswirtschafter denken. Würden die Leute ein klein wenig von der Geschichte lernen, so würden sie sich sagen: Plato und Aristoteles haben sich noch nicht denken können, daß unter den volkswirtschaftlichen Werten nicht der Sklave sei; Plato und Aristoteles betrachteten noch als volkswirtschaftlich notwendig das Vorhandensein einer ziemlich großen Sklavenbevölkerung. Nun, heute betrachtet kein vernünftiger Mensch das Vorhandensein einer Sklavenbevölkerung im Sinne des alten Griechen- und Römerreiches als eine volkswirtschaftliche Notwendigkeit. Aber die Menschen betrachten es heute noch als eine Notwendigkeit, daß menschliche Arbeitskraft in demselben Sinne eine Ware sein soll wie irgendein anderes Gut.
[ 19 ] Nun, suchen wir dahin zu wirken, daß die hier angeführte Dreigliederung sich allmählich realisiert. Sie kann sich nur langsam realisieren. Nicht auf Umsturz plötzlicher Art wird hier hingearbeitet, sondern auf Richtunggeben, auf Treffen von Maßnahmen im einzelnen im Sinne dieser Richtung. Und alles kann heute schon so eingerichtet werden in allen Einzelheiten, was einrichtungsbedürftig ist, daß diese Richtlinien wirklich eingehalten werden, wenn man nicht stupider Programmensch ist, sondern wenn man ein lebendiger Wirklichkeitsmensch ist, der sich hineinbegeben will in die Tatsachen selbst, in die lebendige Bewegung der Tatsachen, und das sollte eben heute der Mensch, darauf kommt es eben an. Wirkt man im Sinne jener Richtung, die allmählich die Dreigliederung einführt, indem man die drei Glieder trennt, die so zusammengeschmolzen sind in der letzten Entwickelung und dadurch einen kranken sozialen Organismus hervorgebracht haben, der sich in der letzten krankhaften Katastrophe ausgelebt hat, versucht man dasjenige, was sich so zusammengeschmolzen hat, auseinanderzutreiben in die drei Glieder, wie ich sie immer charakterisiere hier: dann kommt man zu einer gesunden, wirklichkeitsgemäßen Entwickelung. Und dann realisiert sich schon von selber die allmähliche Abtrennung des volkswirtschaftlichen Wertbegriffes von dem menschlichen Arbeitsbegriff. Geradeso wie der Sklave aufgehört hat, eine Ware zu sein, geradeso wird die menschliche Arbeitskraft aufhören, eine Ware zu sein. Nicht dadurch, daß man Gesetze macht, in denen man verbietet, die menschliche Arbeitskraft als Ware zu betrachten, sondern dadurch, daß man das wirkliche Auseinandergehen der geistigen, der wirtschaftlichen und der staatlichen Verrichtungen betreibt. Dadurch wird das Gut, das allein als Ware volkswirtschaftlichen Wert darstellt, gelöst von dem, was heute kristallisiert ist in der Ware: die aufgewendete menschliche Arbeitskraft.
[ 19 ] Nun, suchen wir dahin zu wirken, daß die hier angeführte Dreigliederung sich allmählich realisiert. Sie kann sich nur langsam realisieren. Nicht auf Umsturz plötzlicher Art wird hier hingearbeitet, sondern auf Richtunggeben, auf Treffen von Maßnahmen im einzelnen im Sinne dieser Richtung. Und alles kann heute schon so eingerichtet werden in allen Einzelheiten, was einrichtungsbedürftig ist, daß diese Richtlinien wirklich eingehalten werden, wenn man nicht stupider Programmensch ist, sondern wenn man ein lebendiger Wirklichkeitsmensch ist, der sich hineinbegeben will in die Tatsachen selbst, in die lebendige Bewegung der Tatsachen, und das sollte eben heute der Mensch, darauf kommt es eben an. Wirkt man im Sinne jener Richtung, die allmählich die Dreigliederung einführt, indem man die drei Glieder trennt, die so zusammengeschmolzen sind in der letzten Entwickelung und dadurch einen kranken sozialen Organismus hervorgebracht haben, der sich in der letzten krankhaften Katastrophe ausgelebt hat, versucht man dasjenige, was sich so zusammengeschmolzen hat, auseinanderzutreiben in die drei Glieder, wie ich sie immer charakterisiere hier: dann kommt man zu einer gesunden, wirklichkeitsgemäßen Entwickelung. Und dann realisiert sich schon von selber die allmähliche Abtrennung des volkswirtschaftlichen Wertbegriffes von dem menschlichen Arbeitsbegriff. Geradeso wie der Sklave aufgehört hat, eine Ware zu sein, geradeso wird die menschliche Arbeitskraft aufhören, eine Ware zu sein. Nicht dadurch, daß man Gesetze macht, in denen man verbietet, die menschliche Arbeitskraft als Ware zu betrachten, sondern dadurch, daß man das wirkliche Auseinandergehen der geistigen, der wirtschaftlichen und der staatlichen Verrichtungen betreibt. Dadurch wird das Gut, das allein als Ware volkswirtschaftlichen Wert darstellt, gelöst von dem, was heute kristallisiert ist in der Ware: die aufgewendete menschliche Arbeitskraft.
[ 20 ] In bezug darauf ist es geradezu furchtbar, welchen Begriffsverwirrungen man bei Menschen begegnet, die heute oft reden und mitreden wollen bei der notwendigen Neugestaltung der Verhältnisse. Dafür lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel anführen. Da ist die breite Masse der sogenannten Marxisten, die sind sich klar darüber: Wenn ich ein Gut heute erwerbe, eine Ware erwerbe, so ist in dieser Ware aufgespeichert die menschliche Arbeitskraft, durch die diese Ware erzeugt worden ist. Ich muß mitbezahlen die menschliche Arbeitskraft, die dadrinnen ist, indem ich die Ware bezahle. — Ja, unter den heutigen Verhältnissen ist es natürlich so; aber darum handelt es sich ja gerade, daß man abtrennt im realen Prozeß, nicht bloß im Begriff, die Arbeitskraft von der eigentlichen Ware. Dazu ist es natürlich notwendig, daß man über diese Dinge sich wirklich klare Begriffe aneignet.
[ 20 ] In bezug darauf ist es geradezu furchtbar, welchen Begriffsverwirrungen man bei Menschen begegnet, die heute oft reden und mitreden wollen bei der notwendigen Neugestaltung der Verhältnisse. Dafür lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel anführen. Da ist die breite Masse der sogenannten Marxisten, die sind sich klar darüber: Wenn ich ein Gut heute erwerbe, eine Ware erwerbe, so ist in dieser Ware aufgespeichert die menschliche Arbeitskraft, durch die diese Ware erzeugt worden ist. Ich muß mitbezahlen die menschliche Arbeitskraft, die dadrinnen ist, indem ich die Ware bezahle. — Ja, unter den heutigen Verhältnissen ist es natürlich so; aber darum handelt es sich ja gerade, daß man abtrennt im realen Prozeß, nicht bloß im Begriff, die Arbeitskraft von der eigentlichen Ware. Dazu ist es natürlich notwendig, daß man über diese Dinge sich wirklich klare Begriffe aneignet.
[ 21 ] Nun läßt sich das leicht widerlegen, daß in der Ware aufgespeicherte Arbeitskraft als volkswirtschaftlicher Wert drinnen liegt. Einer, der eben nicht Marxist ist, der die Sache wiederum von einem andern Gesichtspunkte betrachtet, sagt, es sei unrichtig, daß die Volkswirtschaft getrieben würde zu einem Zusammenkleben von Arbeitskraft und Ware; es sei gerade umgekehrt. Ware, fertige Ware, die man hat, die sei eigentlich da heute in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, um Arbeit zu ersparen. — Und in der Tat, gewissermaßen kaufkräftige Ware ist schon da, um Arbeitskraft zu ersparen. Denken Sie einmal, Sie seien Maler; Sie malen ein Bild, das zehntausend Franken wert ist, für zehntausend Franken unter den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen verkauft werden kann. Da können Sie für diese zehntausend Franken unter den heutigen Verhältnissen so und so viel Leute für sich arbeiten lassen. Dadurch, daß Sie den Wertgegenstand dieses Bildes haben, dadurch können Sie so und so viel Leute für sich arbeiten lassen. Denken Sie, wenn Sie das Bild nicht verkaufen würden und Sie würden alles das selber tun müssen, was Sie andere für sich arbeiten lassen, dadurch, daß Sie das Bild um zehntausend Franken verkaufen, was Sie da alles arbeiten müßten! Sie müßten sich Ihre Schuhe machen und nicht nur Ihre Kleider, sondern sogar den Stoff für die Kleider müßten Sie sich selber weben und dergleichen; Sie müßten sich erst die Rohstoffe verschaffen und das alles, der wirtschaftliche Prozeß ist ja ein ungeheuer komplizierter. Aber damit hat es nichts zu tun, meint irgendein volkswirtschaftlicher Denker, daß Arbeit kristallisiert ist in der Ware, sondern damit, daß man gerade dadurch, daß man verkaufsfähige Ware hat, Arbeit erspart. Also der volkswirtschaftliche Wert eines Gutes beruhe gerade darauf, wieviel Arbeit man dadurch erspare; nicht wieviel Arbeit auf dieses Gut verwendet worden ist, sondern wieviel Arbeit erspart werde.
[ 21 ] Nun läßt sich das leicht widerlegen, daß in der Ware aufgespeicherte Arbeitskraft als volkswirtschaftlicher Wert drinnen liegt. Einer, der eben nicht Marxist ist, der die Sache wiederum von einem andern Gesichtspunkte betrachtet, sagt, es sei unrichtig, daß die Volkswirtschaft getrieben würde zu einem Zusammenkleben von Arbeitskraft und Ware; es sei gerade umgekehrt. Ware, fertige Ware, die man hat, die sei eigentlich da heute in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, um Arbeit zu ersparen. — Und in der Tat, gewissermaßen kaufkräftige Ware ist schon da, um Arbeitskraft zu ersparen. Denken Sie einmal, Sie seien Maler; Sie malen ein Bild, das zehntausend Franken wert ist, für zehntausend Franken unter den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen verkauft werden kann. Da können Sie für diese zehntausend Franken unter den heutigen Verhältnissen so und so viel Leute für sich arbeiten lassen. Dadurch, daß Sie den Wertgegenstand dieses Bildes haben, dadurch können Sie so und so viel Leute für sich arbeiten lassen. Denken Sie, wenn Sie das Bild nicht verkaufen würden und Sie würden alles das selber tun müssen, was Sie andere für sich arbeiten lassen, dadurch, daß Sie das Bild um zehntausend Franken verkaufen, was Sie da alles arbeiten müßten! Sie müßten sich Ihre Schuhe machen und nicht nur Ihre Kleider, sondern sogar den Stoff für die Kleider müßten Sie sich selber weben und dergleichen; Sie müßten sich erst die Rohstoffe verschaffen und das alles, der wirtschaftliche Prozeß ist ja ein ungeheuer komplizierter. Aber damit hat es nichts zu tun, meint irgendein volkswirtschaftlicher Denker, daß Arbeit kristallisiert ist in der Ware, sondern damit, daß man gerade dadurch, daß man verkaufsfähige Ware hat, Arbeit erspart. Also der volkswirtschaftliche Wert eines Gutes beruhe gerade darauf, wieviel Arbeit man dadurch erspare; nicht wieviel Arbeit auf dieses Gut verwendet worden ist, sondern wieviel Arbeit erspart werde.
[ 22 ] So gibt es also heute zwei Parteien, von denen die eine behauptet, der volkswirtschaftliche Wert bestehe in dem, wieviel Arbeit hineingemacht worden ist in dieses Gut. Nun, da kann man bei einem Bild wirklich nicht vergleichen die Arbeit, die da hineinverwoben worden ist, mit der Arbeit, die erspart wurde dadurch, daß man das Bild nach jenem Werte, den das Bild in der volkswirtschaftlichen Zirkulation hat, verkauft. Unter Umständen kann ein begabter Maler ein solches Bild, sagen wir, in einem Monat verkaufsfertig zustande bringen. Dann ist seine Arbeitskraft das, was hineinkristallisiert ist in einem Monat. Aber darauf kommt es viel weniger an, als auf die Arbeit, die er dadurch erspart. Dadurch wird er ja dann zum Kapitalisten, daß er Arbeit erspart; dadurch wird gerade die kapitalistische Wirtschaftsordnung hervorgerufen, daß er so und so viel Leute beschäftigen kann durch die Arbeit, die er erspart durch sein Gut.
[ 22 ] So gibt es also heute zwei Parteien, von denen die eine behauptet, der volkswirtschaftliche Wert bestehe in dem, wieviel Arbeit hineingemacht worden ist in dieses Gut. Nun, da kann man bei einem Bild wirklich nicht vergleichen die Arbeit, die da hineinverwoben worden ist, mit der Arbeit, die erspart wurde dadurch, daß man das Bild nach jenem Werte, den das Bild in der volkswirtschaftlichen Zirkulation hat, verkauft. Unter Umständen kann ein begabter Maler ein solches Bild, sagen wir, in einem Monat verkaufsfertig zustande bringen. Dann ist seine Arbeitskraft das, was hineinkristallisiert ist in einem Monat. Aber darauf kommt es viel weniger an, als auf die Arbeit, die er dadurch erspart. Dadurch wird er ja dann zum Kapitalisten, daß er Arbeit erspart; dadurch wird gerade die kapitalistische Wirtschaftsordnung hervorgerufen, daß er so und so viel Leute beschäftigen kann durch die Arbeit, die er erspart durch sein Gut.
[ 23 ] Sie haben da zwei entgegengesetzte Definitionen. Die eine Definition: Der volkswirtschaftliche Wert eines Gutes oder einer Ware besteht darin, wieviel Arbeitskraft verwendet worden ist, um diese Ware herzustellen. Die andere Definition: Der volkswirtschaftliche Wert einer Ware besteht darin, wieviel Arbeit man erspart dadurch, daß man dieses Gut oder diese Ware hat. Zwei ganz entgegengesetzte Definitionen, die aber entgegengesetzt sind in bezug auf ihre Wirklichkeitsbedeutung. Denn es wäre ganz verschieden, wenn wirklich bewertet würde irgendein Gut nach der Herstellungsarbeit oder nach der ersparten Arbeit. Im volkswirtschaftlichen Zirkulationsprozeß findet nämlich weder das eine noch das andere statt. Sie brauchen sich nur eines, wenn ich das Beispiel weiter ausführen soll, vorzustellen: Denken Sie sich, dieses Bild, von dem ich rede, das also nach den Vorstellungen, die man in einem bestimmten Zeitalter, also sagen wit, in der Gegenwart hat, für zehntausend Franken dem Maler abgekauft wird, denken Sie sich, dieses Bild sei noch beim Maler. Da ist es also zehntausend Franken wert. Nehmen wir an, es sei aber nun gekauft, es sei jetzt im Salon des Herrn Mendelssohn, der kein Maler ist; da hängt es drinnen, da sehen es nur wenige Leute an. Definieren Sie nun den volkswirtschaftlichen Wert dieses Bildes, der besteht in der Summe der aufgewendeten Arbeit. Sie sehen, das können Sie nicht anwenden, weder auf Lenbach, noch auf den Herrn Mendelssohn, denn für beide besteht der volkswirtschaftliche Wert nicht darinnen. Also für Lenbach oder irgendeinen Maler der Gegenwart besteht unmittelbar der Wert freilich in der Arbeit, die er erspart; aber für den Herrn Mendelssohn schon nicht mehr, denn er erspart nichts. Also wenn Sie volkswirtschaftlich die Sache ansehen wollen, können Sie, wenn Sie einseitig sind, anwenden diesen Begriff auf den Maler, der das Bild produziert; da können Sie diese Definition geben. Wenn Sie definieren wollen mit Bezug auf den, der das Bild gekauft hat und es sich ins Zimmer hängt, dann existiert schon in der Wirklichkeit nicht mehr diese volkswirtschaftliche Definition des Wertes. Das ist es, was so ungeheuer wichtig ist, daß die Menschen heute geneigt sind, leicht zu definieren, wenn sie irgendwo etwas abgeguckt haben von den Verhältnissen. Da definieren sie gleich. Dann ist es gar kein Wunder, daß der eine diese Ansicht hat, der andere jene. Selbstverständlich, derjenige, der sich die volkswirtschaftliche Definition eines Bildes aus dem Atelier von Lenbach entnimmt, kommt zu einer ganz andern Ansicht als der, der sich die volkswirtschaftliche Definition eines Bildes aus dem Salon des Herrn Mendelssohn entnimmt. Dann können die Leute auch streiten.
[ 23 ] Sie haben da zwei entgegengesetzte Definitionen. Die eine Definition: Der volkswirtschaftliche Wert eines Gutes oder einer Ware besteht darin, wieviel Arbeitskraft verwendet worden ist, um diese Ware herzustellen. Die andere Definition: Der volkswirtschaftliche Wert einer Ware besteht darin, wieviel Arbeit man erspart dadurch, daß man dieses Gut oder diese Ware hat. Zwei ganz entgegengesetzte Definitionen, die aber entgegengesetzt sind in bezug auf ihre Wirklichkeitsbedeutung. Denn es wäre ganz verschieden, wenn wirklich bewertet würde irgendein Gut nach der Herstellungsarbeit oder nach der ersparten Arbeit. Im volkswirtschaftlichen Zirkulationsprozeß findet nämlich weder das eine noch das andere statt. Sie brauchen sich nur eines, wenn ich das Beispiel weiter ausführen soll, vorzustellen: Denken Sie sich, dieses Bild, von dem ich rede, das also nach den Vorstellungen, die man in einem bestimmten Zeitalter, also sagen wit, in der Gegenwart hat, für zehntausend Franken dem Maler abgekauft wird, denken Sie sich, dieses Bild sei noch beim Maler. Da ist es also zehntausend Franken wert. Nehmen wir an, es sei aber nun gekauft, es sei jetzt im Salon des Herrn Mendelssohn, der kein Maler ist; da hängt es drinnen, da sehen es nur wenige Leute an. Definieren Sie nun den volkswirtschaftlichen Wert dieses Bildes, der besteht in der Summe der aufgewendeten Arbeit. Sie sehen, das können Sie nicht anwenden, weder auf Lenbach, noch auf den Herrn Mendelssohn, denn für beide besteht der volkswirtschaftliche Wert nicht darinnen. Also für Lenbach oder irgendeinen Maler der Gegenwart besteht unmittelbar der Wert freilich in der Arbeit, die er erspart; aber für den Herrn Mendelssohn schon nicht mehr, denn er erspart nichts. Also wenn Sie volkswirtschaftlich die Sache ansehen wollen, können Sie, wenn Sie einseitig sind, anwenden diesen Begriff auf den Maler, der das Bild produziert; da können Sie diese Definition geben. Wenn Sie definieren wollen mit Bezug auf den, der das Bild gekauft hat und es sich ins Zimmer hängt, dann existiert schon in der Wirklichkeit nicht mehr diese volkswirtschaftliche Definition des Wertes. Das ist es, was so ungeheuer wichtig ist, daß die Menschen heute geneigt sind, leicht zu definieren, wenn sie irgendwo etwas abgeguckt haben von den Verhältnissen. Da definieren sie gleich. Dann ist es gar kein Wunder, daß der eine diese Ansicht hat, der andere jene. Selbstverständlich, derjenige, der sich die volkswirtschaftliche Definition eines Bildes aus dem Atelier von Lenbach entnimmt, kommt zu einer ganz andern Ansicht als der, der sich die volkswirtschaftliche Definition eines Bildes aus dem Salon des Herrn Mendelssohn entnimmt. Dann können die Leute auch streiten.
[ 24 ] Und so sind alle die Streite, die auf sozialen Gebieten heute vorkommen, weil die Menschen nicht bis zu den ursprünglichen Impulsen zurückgehen. Dazu gehört allerdings Wirklichkeitssinn, den nur die Schulung der Geisteswissenschaft gibt. Sie können heute Hunderte von Definitionen auf volkswirtschaftlichem Gebiete finden, und Sie werden nur Herzschmerz bekommen über die Wirklichkeitsfremdheit dieser Definitionen, über das furchtbar Wirklichkeitsfremde dieser Definitionen, die Sie immer beweisen können, weil sie immer wiederum auf ein gewisses Gebiet passen. Sie können sagen: Der volkswirtschaftliche Wert besteht in der Arbeit, die man erspart —, wenn Sie just vom Gesichtspunkt des geistigen Arbeiters reden sollen. Sie können auch sagen: Der volkswirtschaftliche Wert besteht in der aufgewendeten Arbeit —, wenn Sie vom Standpunkt des proletarischen Handarbeiters sprechen wollen.
[ 24 ] Und so sind alle die Streite, die auf sozialen Gebieten heute vorkommen, weil die Menschen nicht bis zu den ursprünglichen Impulsen zurückgehen. Dazu gehört allerdings Wirklichkeitssinn, den nur die Schulung der Geisteswissenschaft gibt. Sie können heute Hunderte von Definitionen auf volkswirtschaftlichem Gebiete finden, und Sie werden nur Herzschmerz bekommen über die Wirklichkeitsfremdheit dieser Definitionen, über das furchtbar Wirklichkeitsfremde dieser Definitionen, die Sie immer beweisen können, weil sie immer wiederum auf ein gewisses Gebiet passen. Sie können sagen: Der volkswirtschaftliche Wert besteht in der Arbeit, die man erspart —, wenn Sie just vom Gesichtspunkt des geistigen Arbeiters reden sollen. Sie können auch sagen: Der volkswirtschaftliche Wert besteht in der aufgewendeten Arbeit —, wenn Sie vom Standpunkt des proletarischen Handarbeiters sprechen wollen.
[ 25 ] Ich habe Ihnen ein anderes Beispiel aus der Volkswirtschaft angegeben. Es gibt, wie ich Ihnen sagte, auf dem Gebiete der Volkswirtschaft die sogenannten Nominalisten und Metallisten in bezug auf die Theorie des Geldes. Ja, die streiten sich furchtbar herum. Die einen betrachten das Geld so, daß es als Ware gilt, daß es das wert ist, was es als Gold oder Silber wert ist, die andern nur als Zeichen für einen vorhandenen Wert. Die einen, die Nominalisten, die andern, die Metallisten, die streiten sich auf Tod und Leben, definieren und streiten sich. Ja, die Leute wissen alle nichts von der Wirklichkeit. Das Geld wird nämlich so, daß der Nominalismus richtig ist, wenn man in der Zeit lebt, in welcher ein starker Rückgang in der Produktion ist; wenn Not da ist, dann wird der Nominalismus richtig. Wenn Überfluß da ist, wird der Metallismus richtig. Es ist eben beides richtig vor der Wirklichkeit, das eine Mal das, das andere Mal jenes. Niemals sind die Begriffe so, wie sich die Menschen sie einseitig bilden, jemals heilsam anzuwenden auf eine Totalität. Bei der Totalität handelt es sich immer darum, daß man das Vollständige zusammenbringt, daß man nicht einseitig definiert, und daß man einen Sinn dafür hat, wo man packen kann in der Wirklichkeit dasjenige, was Aufschluß gibt.
[ 25 ] Ich habe Ihnen ein anderes Beispiel aus der Volkswirtschaft angegeben. Es gibt, wie ich Ihnen sagte, auf dem Gebiete der Volkswirtschaft die sogenannten Nominalisten und Metallisten in bezug auf die Theorie des Geldes. Ja, die streiten sich furchtbar herum. Die einen betrachten das Geld so, daß es als Ware gilt, daß es das wert ist, was es als Gold oder Silber wert ist, die andern nur als Zeichen für einen vorhandenen Wert. Die einen, die Nominalisten, die andern, die Metallisten, die streiten sich auf Tod und Leben, definieren und streiten sich. Ja, die Leute wissen alle nichts von der Wirklichkeit. Das Geld wird nämlich so, daß der Nominalismus richtig ist, wenn man in der Zeit lebt, in welcher ein starker Rückgang in der Produktion ist; wenn Not da ist, dann wird der Nominalismus richtig. Wenn Überfluß da ist, wird der Metallismus richtig. Es ist eben beides richtig vor der Wirklichkeit, das eine Mal das, das andere Mal jenes. Niemals sind die Begriffe so, wie sich die Menschen sie einseitig bilden, jemals heilsam anzuwenden auf eine Totalität. Bei der Totalität handelt es sich immer darum, daß man das Vollständige zusammenbringt, daß man nicht einseitig definiert, und daß man einen Sinn dafür hat, wo man packen kann in der Wirklichkeit dasjenige, was Aufschluß gibt.
[ 26 ] Nun kann die Frage auftauchen: Wo entsteht der volkswirtschaftliche Wert? Er entsteht nicht bei dem Hineinkristallisieren der Arbeit in die Ware, nicht bei dem Ersparen der Arbeit durch die Ware; da entsteht überall nicht der volkswirtschaftliche Wert. Der volkswirtschaftliche Wert ist ein Spannungszustand. Nicht wahr, wenn Sie hier einen elektrischen Konduktor haben (es wird gezeichnet), der sich hier entladen kann, und hier die Elektrizität aufgefangen wird, so entsteht zwischen den zweien, zwischen Entlader und dem, worauf die Entladung übergeht, ein Spannungszustand. Es strebt mit einer gewissen Stärke hinüber, um sich zu entladen. Wenn die Spannung nicht groß genug ist, findet keine Entladung statt. Wenn die Spannung groß genug ist, findet eine Entladung statt.
[ 26 ] Nun kann die Frage auftauchen: Wo entsteht der volkswirtschaftliche Wert? Er entsteht nicht bei dem Hineinkristallisieren der Arbeit in die Ware, nicht bei dem Ersparen der Arbeit durch die Ware; da entsteht überall nicht der volkswirtschaftliche Wert. Der volkswirtschaftliche Wert ist ein Spannungszustand. Nicht wahr, wenn Sie hier einen elektrischen Konduktor haben (es wird gezeichnet), der sich hier entladen kann, und hier die Elektrizität aufgefangen wird, so entsteht zwischen den zweien, zwischen Entlader und dem, worauf die Entladung übergeht, ein Spannungszustand. Es strebt mit einer gewissen Stärke hinüber, um sich zu entladen. Wenn die Spannung nicht groß genug ist, findet keine Entladung statt. Wenn die Spannung groß genug ist, findet eine Entladung statt.
[ 27 ] In ähnlicher Weise ist auch der volkswirtschaftliche Wert eine Art Spannungszustand, ein solcher volkswirtschaftlicher Wert, den man beschreiben kann, indem man sagt: Auf der einen Seite steht das Gut, die Ware, in ihren Qualitäten und außerdem mit Bezug auf den Ort, an dem sie konsumiert werden kann; also auf der einen Seite steht die Ware an einem bestimmten Ort und in bestimmter Zeit. Auf der andern Seite steht das menschliche Bedürfnis, was dasselbe ist wie künstliches oder natürliches Interesse. Dieser Spannungszustand gibt den wahren volkswirtschaftlichen Wert, nichts anderes. Der Arbeitsbegriff ist da gar nicht darinnen. Der muß sich in einer andern Weise assoziieren mit dem Warenzirkulationsprozeß im sozialen Organismus. Das, was drinnen ist in der Erzeugung des volkswirtschaftlichen Wertes, das ist die eigentümliche Spannung, die wie die Spannung zwischen einem elektrischen Konduktor und einem Empfänger besteht, zwischen dem Vorhandensein einer bestimmt qualifizierten Ware an einem bestimmten Orte und einer bestimmten Zeit, und dem menschlichen Bedürfnis, das nach dieser Ware da ist. Das bestimmt allein den volkswirtschaftlichen Wert. Die Mühe, die Herr Lenbach aufwenden muß, um durch sein Talent das Bild in einer bestimmten Zeit fertigzukriegen, und die Arbeit, die er sich durch das Bild erspart, bestimmen nur den Privatbesitzeswert des Herrn Lenbach. So ist es aber auch bei aller andern Arbeit und ihrem Verhältnis zur Ware. Das bestimmt alles nicht den volkswirtschaftlichen Wert. Aber der volkswirtschaftliche Wert in jedem Moment ist gegeben durch das Verlangen, das Bedürfnis auf der einen Seite, und die bestimmt qualifizierte Ware an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit auf der andern Seite. Das macht den konkreten volkswirtschaftlichen Wert einer Ware aus. Dieses können Sie überall anwenden. Nur kommen Sie dadurch aus dem bloßen volkswirtschaftlichen Organismus eben gerade hinaus, und hier kommen Sie gerade hinein in die soziale Dreiteilung. Denn Sie haben auf der einen Seite das Gut, die Ware, die Sie hinführt nach der Wirtschaft, die niemals durch die bloße Zirkulation geschaffen werden kann, sondern nach Grund und Boden, nach der andern Naturgrundlage. Diese Naturgrundlage muß da sein. Die kann nicht dem Staate aufgebuckelt werden. Die muß auf der einen Seite da sein. Auf der andern Seite haben Sie das Bedürfnis. Dies führt Sie aber nach dem Geistigen hin, das führt in die geistige Welt des Menschen ein; denn wie verschieden sind die Bedürfnisse unkultivierter Barbaren und kultivierter Menschen! Da spielen in das rein volkswirtschaftliche Wesen zwei andere Elemente hinein. Das ist das Wichtige, das ist dasjenige, worauf es ankommt: daß da zwei andere Elemente hineinspielen. So daß wir den sozialen Organismus geradeso haben wie den menschlichen Organismus, der auf der einen Seite die Brust, den Kopf hat, in den die geistige Welt hineinspielt, und auf der andern Seite hat den Nahrungsorganismus, wo die physische Seite hineinspielt. Dadurch ist der Mensch ein dreigliedriges Wesen. Aber auch der soziale Organismus ist ein dreigliedriger, indem auf der einen Seite alles dasjenige hineinspielt, was die Bedürfnisse selbst erzeugt, die niemals durch den volkswirtschaftlichen Prozeß erzeugt werden dürfen als solche, und auf der andern Seite dasjenige, was die Natur erzeugt. Das führt zur Dreigliedrigkeit. In der Mitte ist dasjenige, was beide verbindet.
[ 27 ] In ähnlicher Weise ist auch der volkswirtschaftliche Wert eine Art Spannungszustand, ein solcher volkswirtschaftlicher Wert, den man beschreiben kann, indem man sagt: Auf der einen Seite steht das Gut, die Ware, in ihren Qualitäten und außerdem mit Bezug auf den Ort, an dem sie konsumiert werden kann; also auf der einen Seite steht die Ware an einem bestimmten Ort und in bestimmter Zeit. Auf der andern Seite steht das menschliche Bedürfnis, was dasselbe ist wie künstliches oder natürliches Interesse. Dieser Spannungszustand gibt den wahren volkswirtschaftlichen Wert, nichts anderes. Der Arbeitsbegriff ist da gar nicht darinnen. Der muß sich in einer andern Weise assoziieren mit dem Warenzirkulationsprozeß im sozialen Organismus. Das, was drinnen ist in der Erzeugung des volkswirtschaftlichen Wertes, das ist die eigentümliche Spannung, die wie die Spannung zwischen einem elektrischen Konduktor und einem Empfänger besteht, zwischen dem Vorhandensein einer bestimmt qualifizierten Ware an einem bestimmten Orte und einer bestimmten Zeit, und dem menschlichen Bedürfnis, das nach dieser Ware da ist. Das bestimmt allein den volkswirtschaftlichen Wert. Die Mühe, die Herr Lenbach aufwenden muß, um durch sein Talent das Bild in einer bestimmten Zeit fertigzukriegen, und die Arbeit, die er sich durch das Bild erspart, bestimmen nur den Privatbesitzeswert des Herrn Lenbach. So ist es aber auch bei aller andern Arbeit und ihrem Verhältnis zur Ware. Das bestimmt alles nicht den volkswirtschaftlichen Wert. Aber der volkswirtschaftliche Wert in jedem Moment ist gegeben durch das Verlangen, das Bedürfnis auf der einen Seite, und die bestimmt qualifizierte Ware an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit auf der andern Seite. Das macht den konkreten volkswirtschaftlichen Wert einer Ware aus. Dieses können Sie überall anwenden. Nur kommen Sie dadurch aus dem bloßen volkswirtschaftlichen Organismus eben gerade hinaus, und hier kommen Sie gerade hinein in die soziale Dreiteilung. Denn Sie haben auf der einen Seite das Gut, die Ware, die Sie hinführt nach der Wirtschaft, die niemals durch die bloße Zirkulation geschaffen werden kann, sondern nach Grund und Boden, nach der andern Naturgrundlage. Diese Naturgrundlage muß da sein. Die kann nicht dem Staate aufgebuckelt werden. Die muß auf der einen Seite da sein. Auf der andern Seite haben Sie das Bedürfnis. Dies führt Sie aber nach dem Geistigen hin, das führt in die geistige Welt des Menschen ein; denn wie verschieden sind die Bedürfnisse unkultivierter Barbaren und kultivierter Menschen! Da spielen in das rein volkswirtschaftliche Wesen zwei andere Elemente hinein. Das ist das Wichtige, das ist dasjenige, worauf es ankommt: daß da zwei andere Elemente hineinspielen. So daß wir den sozialen Organismus geradeso haben wie den menschlichen Organismus, der auf der einen Seite die Brust, den Kopf hat, in den die geistige Welt hineinspielt, und auf der andern Seite hat den Nahrungsorganismus, wo die physische Seite hineinspielt. Dadurch ist der Mensch ein dreigliedriges Wesen. Aber auch der soziale Organismus ist ein dreigliedriger, indem auf der einen Seite alles dasjenige hineinspielt, was die Bedürfnisse selbst erzeugt, die niemals durch den volkswirtschaftlichen Prozeß erzeugt werden dürfen als solche, und auf der andern Seite dasjenige, was die Natur erzeugt. Das führt zur Dreigliedrigkeit. In der Mitte ist dasjenige, was beide verbindet.
[ 28 ] Sie brauchen nur folgendes sich zu überlegen, so werden Sie die ungeheure Fruchtbarkeit, die soziale Fruchtbarkeit desjenigen, was hier ausgesprochen ist, schon merken. Nach dem, was ich hier eben schon ausgesprochen habe, darf niemals das Bedürfnis durch einen sozialen Eigenprozeß, durch einen wirtschaftlichen Eigenprozeß erzeugt werden, sondern das Bedürfnis muß gerade von außen herein entwickelt werden durch einen andern, sei es durch einen ethischen oder einen andern Kulturprozeß. In ungesunden Zeiten werden Bedürfnisse rein volkswirtschaftlich entwickelt, und darüber sind die ungesund denkenden Menschen eigentlich froh. Sie haben in der Zeit, die gerade zu unserer sozialen Katastrophe geführt hat, in der Zeit, wo das soziale Karzinom, die soziale Krebskrankheit sich allmählich heraufgesteigert hat, an allen Ecken und Enden sehen können, wie das Bedürfnis, das nicht aus der sozialen Struktur selber kommen, sondern das von anderen Kulturaufgaben der Menschheit her hineinkommen sollte in die soziale Struktur, wie das durch den sozialen Prozeß selbst erzeugt werden sollte. Eine Zeitlang las man immer wieder: Kocht mit Maggi gute Suppen! — Nun, das Bedürfnis nach Maggi wäre ganz gewiß nicht entstanden ohne diese Reklame! Diese Reklame ist aus der reinen Volkswirtschaft heraus. Das ist kein Bedürfnis, das sich auf wirkliche Weise ergeben hat. So Bedürfnisse erzeugen, so ein künstliches Interesse für ein bestimmtes Produkt erzeugen, das ist geradeso unheilsam und muß zur Krankheit des sozialen Organismus führen, als wenn Sie als Arzt zum Beispiel den Knaben, der etwas lernen soll, nicht durch moralische Mittel zum Fleiß anfeuern wollten, sondern wenn Sie ihm ein Pülverchen gäben, damit er durch dieses Pülverchen vielleicht da oder dort eine Aufrüttelung erlebe und durch seinen Magen fleißiger werde. Solche sozialen Pfuschereien, die dadurch zustande gekommen sind, daß man alles aufgebuckelt hat einem sogenannten Monon, einem sozialen Homunkulus, das ist es, was unsere katastrophale Gegenwart herbeigeführt hat. Denn es darf eben nicht der soziale Organismus selber auf der einen Seite die Bedürfnisse erzeugen, und auf der andern Seite darf er auch nicht Ware erzeugen, die nur dem sozialen Organismus als solchem dienen soll. Der soziale Organismus muß die Ware geliefert bekommen von der Naturgrundlage. Er muß die Bedürfnisse geliefert bekommen auf der andern Seite von der Menschheitsentwickelung selbst.
[ 28 ] Sie brauchen nur folgendes sich zu überlegen, so werden Sie die ungeheure Fruchtbarkeit, die soziale Fruchtbarkeit desjenigen, was hier ausgesprochen ist, schon merken. Nach dem, was ich hier eben schon ausgesprochen habe, darf niemals das Bedürfnis durch einen sozialen Eigenprozeß, durch einen wirtschaftlichen Eigenprozeß erzeugt werden, sondern das Bedürfnis muß gerade von außen herein entwickelt werden durch einen andern, sei es durch einen ethischen oder einen andern Kulturprozeß. In ungesunden Zeiten werden Bedürfnisse rein volkswirtschaftlich entwickelt, und darüber sind die ungesund denkenden Menschen eigentlich froh. Sie haben in der Zeit, die gerade zu unserer sozialen Katastrophe geführt hat, in der Zeit, wo das soziale Karzinom, die soziale Krebskrankheit sich allmählich heraufgesteigert hat, an allen Ecken und Enden sehen können, wie das Bedürfnis, das nicht aus der sozialen Struktur selber kommen, sondern das von anderen Kulturaufgaben der Menschheit her hineinkommen sollte in die soziale Struktur, wie das durch den sozialen Prozeß selbst erzeugt werden sollte. Eine Zeitlang las man immer wieder: Kocht mit Maggi gute Suppen! — Nun, das Bedürfnis nach Maggi wäre ganz gewiß nicht entstanden ohne diese Reklame! Diese Reklame ist aus der reinen Volkswirtschaft heraus. Das ist kein Bedürfnis, das sich auf wirkliche Weise ergeben hat. So Bedürfnisse erzeugen, so ein künstliches Interesse für ein bestimmtes Produkt erzeugen, das ist geradeso unheilsam und muß zur Krankheit des sozialen Organismus führen, als wenn Sie als Arzt zum Beispiel den Knaben, der etwas lernen soll, nicht durch moralische Mittel zum Fleiß anfeuern wollten, sondern wenn Sie ihm ein Pülverchen gäben, damit er durch dieses Pülverchen vielleicht da oder dort eine Aufrüttelung erlebe und durch seinen Magen fleißiger werde. Solche sozialen Pfuschereien, die dadurch zustande gekommen sind, daß man alles aufgebuckelt hat einem sogenannten Monon, einem sozialen Homunkulus, das ist es, was unsere katastrophale Gegenwart herbeigeführt hat. Denn es darf eben nicht der soziale Organismus selber auf der einen Seite die Bedürfnisse erzeugen, und auf der andern Seite darf er auch nicht Ware erzeugen, die nur dem sozialen Organismus als solchem dienen soll. Der soziale Organismus muß die Ware geliefert bekommen von der Naturgrundlage. Er muß die Bedürfnisse geliefert bekommen auf der andern Seite von der Menschheitsentwickelung selbst.
[ 29 ] Daher darf auch niemals eine soziale Frage werden die Frage der Bevölkerung. Und das bedeutet eben die Verkennung des richtigen Verhältnisses zwischen Mensch und Volkswirtschaft, auf die ich gestern hingedeutet habe. Das bedeutet, daß man in unserer Zeit nicht weiß den Unterschied zwischen Schwein und Mensch, wie ich gestern am Schluß angedeutet habe, das bedeutet eben, daß man das Bevölkerungsproblem zu einem sozialen Problem macht. Ob wünschenswert ist eine starke Vermehrung der Menschen oder ein Erhalten der Bevölkerung auf einem bestimmten Niveau der Bevölkerungszahl, das darf niemals von volkswirtschaftlichen Erwägungen abhängen, sondern da müssen andere, ethische, spirituelle Erwägungen mitsprechen. Bei Erörterung dieser Frage muß ganz besonders bedacht werden, daß, wenn man künstlich durch Volkswirtschaft hinarbeitet auf eine bedeutende Vermehrung der Bevölkerung, daß man dann Seelen, die vielleicht sich erst nach vier oder fünf Jahrzehnten haben verkörpern wollen, zwingt, daß sie jetzt schon herunterkommen, um in um so schlechterem Zustande auf diese Weise herunterzukommen. So daß eine Bevölkerungszunahme unter Umständen einen Zwang bedeutet, den Sie auf die Seelen ausüben, die dann in um so schlechterer Verfassung in die Körperinkarnation hinein müssen. Dadurch kommt dann das moralische Sumpfniveau unter Umständen. Die Frage der Bevölkerungszunahme oder Stabilität oder selbst die der Bevölkerungsabnahme, die darf niemals eine volkswirtschaftliche Frage, sondern muß eine Frage der ethischen, der moralischen, kurz, überhaupt der geistigen und sogar der spirituellen Lebens- und Weltanschauung sein. Alle diese Dinge kommen nur in eine gesunde Sphäre hinein, wenn sie geisteswissenschaftlich erfaßt werden. Daher werden Sie begreifen die Notwendigkeit einer geisteswissenschaftlichen Fundierung alles sozialen Denkens. Wenn Sie sich wirklich befassen möchten mit all dem scheusäligen Zeug, was über die soziale Frage gegenwärtig geredet, geschrieben wird, dann würden Sie, indem Sie sehen, welche Unfruchtbarkeit eben in all diesen Dingen steckt, schon dadurch getrieben werden, endlich jenes scharfe Denken anwenden zu wollen, das zu diesen Dingen notwendig ist.
[ 29 ] Daher darf auch niemals eine soziale Frage werden die Frage der Bevölkerung. Und das bedeutet eben die Verkennung des richtigen Verhältnisses zwischen Mensch und Volkswirtschaft, auf die ich gestern hingedeutet habe. Das bedeutet, daß man in unserer Zeit nicht weiß den Unterschied zwischen Schwein und Mensch, wie ich gestern am Schluß angedeutet habe, das bedeutet eben, daß man das Bevölkerungsproblem zu einem sozialen Problem macht. Ob wünschenswert ist eine starke Vermehrung der Menschen oder ein Erhalten der Bevölkerung auf einem bestimmten Niveau der Bevölkerungszahl, das darf niemals von volkswirtschaftlichen Erwägungen abhängen, sondern da müssen andere, ethische, spirituelle Erwägungen mitsprechen. Bei Erörterung dieser Frage muß ganz besonders bedacht werden, daß, wenn man künstlich durch Volkswirtschaft hinarbeitet auf eine bedeutende Vermehrung der Bevölkerung, daß man dann Seelen, die vielleicht sich erst nach vier oder fünf Jahrzehnten haben verkörpern wollen, zwingt, daß sie jetzt schon herunterkommen, um in um so schlechterem Zustande auf diese Weise herunterzukommen. So daß eine Bevölkerungszunahme unter Umständen einen Zwang bedeutet, den Sie auf die Seelen ausüben, die dann in um so schlechterer Verfassung in die Körperinkarnation hinein müssen. Dadurch kommt dann das moralische Sumpfniveau unter Umständen. Die Frage der Bevölkerungszunahme oder Stabilität oder selbst die der Bevölkerungsabnahme, die darf niemals eine volkswirtschaftliche Frage, sondern muß eine Frage der ethischen, der moralischen, kurz, überhaupt der geistigen und sogar der spirituellen Lebens- und Weltanschauung sein. Alle diese Dinge kommen nur in eine gesunde Sphäre hinein, wenn sie geisteswissenschaftlich erfaßt werden. Daher werden Sie begreifen die Notwendigkeit einer geisteswissenschaftlichen Fundierung alles sozialen Denkens. Wenn Sie sich wirklich befassen möchten mit all dem scheusäligen Zeug, was über die soziale Frage gegenwärtig geredet, geschrieben wird, dann würden Sie, indem Sie sehen, welche Unfruchtbarkeit eben in all diesen Dingen steckt, schon dadurch getrieben werden, endlich jenes scharfe Denken anwenden zu wollen, das zu diesen Dingen notwendig ist.
[ 30 ] Geradeso wie sich die Nachfolger von Plato und Aristoteles entschließen mußten zu sagen: Der Mensch als Sklave darf nicht Ware sein —, so müssen sich eben die Nachfolger der heutigen Menschheit sagen lernen: Auf keinen Fall darf die Arbeitskraft Ware sein —, sondern durch andere Impulse muß der Mensch zum Dienen, zum Arbeiten für seine Mitmenschen getrieben werden, nicht durch den Wert desjenigen, was er erzeugt. Der volkswirtschaftliche Wert desjenigen, was erzeugt wird, wird niemals geregelt werden dürfen nach der aufgewendeten oder ersparten Arbeit, sondern lediglich nach dem berechtigten Entspannungsverhältnis der Ware und solchen menschlichen Bedürfnissen. Da entscheidet also weder aufgespeicherte noch ersparte Arbeitskraft; denn man steht nicht durch seine Arbeit im volkswirtschaftlichen Prozesse, man arbeitet nicht für Ersparung der Arbeit, sondern man arbeitet lediglich Ware fertig, damit sie in ein bestimmtes Spannungsverhältnis zum entsprechenden Bedürfnisse trete. Das entsprechende Bedürfnis kann bestimmen, daß eine Ware, auf die sehr viele Arbeit aufgewendet wird, unter Umständen billig sein muß, das Bedürfnis kann bestimmen im gesunden volkswirtschaftlichen Prozesse, daß eine Arbeit, auf die wenig Arbeit aufgewendet werden muß, vielleicht sogar teurer ist; die aufgewendete Arbeit kann nicht entscheidend sein. Das ergibt sich aus der heutigen Auseinandersetzung. Daher ergibt sich für den, der diese Dinge durchschaut, die radikale Forderung, den Impuls zum menschlichen Arbeiten von ganz anderer Seite her zu holen als von dem volkswirtschaftlichen Wert der Ware, der eben bestimmt wird durch das angedeutete Spannungsverhältnis.
[ 30 ] Geradeso wie sich die Nachfolger von Plato und Aristoteles entschließen mußten zu sagen: Der Mensch als Sklave darf nicht Ware sein —, so müssen sich eben die Nachfolger der heutigen Menschheit sagen lernen: Auf keinen Fall darf die Arbeitskraft Ware sein —, sondern durch andere Impulse muß der Mensch zum Dienen, zum Arbeiten für seine Mitmenschen getrieben werden, nicht durch den Wert desjenigen, was er erzeugt. Der volkswirtschaftliche Wert desjenigen, was erzeugt wird, wird niemals geregelt werden dürfen nach der aufgewendeten oder ersparten Arbeit, sondern lediglich nach dem berechtigten Entspannungsverhältnis der Ware und solchen menschlichen Bedürfnissen. Da entscheidet also weder aufgespeicherte noch ersparte Arbeitskraft; denn man steht nicht durch seine Arbeit im volkswirtschaftlichen Prozesse, man arbeitet nicht für Ersparung der Arbeit, sondern man arbeitet lediglich Ware fertig, damit sie in ein bestimmtes Spannungsverhältnis zum entsprechenden Bedürfnisse trete. Das entsprechende Bedürfnis kann bestimmen, daß eine Ware, auf die sehr viele Arbeit aufgewendet wird, unter Umständen billig sein muß, das Bedürfnis kann bestimmen im gesunden volkswirtschaftlichen Prozesse, daß eine Arbeit, auf die wenig Arbeit aufgewendet werden muß, vielleicht sogar teurer ist; die aufgewendete Arbeit kann nicht entscheidend sein. Das ergibt sich aus der heutigen Auseinandersetzung. Daher ergibt sich für den, der diese Dinge durchschaut, die radikale Forderung, den Impuls zum menschlichen Arbeiten von ganz anderer Seite her zu holen als von dem volkswirtschaftlichen Wert der Ware, der eben bestimmt wird durch das angedeutete Spannungsverhältnis.
[ 31 ] Der allein, der diese Dinge durchschaut, kann dann entscheiden über die zwei wichtigen heute sozial vorliegenden Fragen: Arbeitszwang, Zwang zur Arbeit, wie die Bolschewisten es wollen, oder Recht auf Arbeit, wie man es auch nenne. Derjenige aber, der nicht in solchen Tiefen schürft, auf welche wir heute hingedeutet haben, der wird immer nur konfuses, törichtes Zeug reden, gleichgültig ob er auf irgendeinem Posten oder zu irgendeinem Zwecke von Arbeitsrecht oder Arbeitszwang redet. Nur wenn man im Tiefen schürft, hat man ein Recht, über solche Fragen zu sprechen. Und es ist heute eine ernste Frage, sich ein Recht zu erwerben, bei diesen Dingen mitsprechen zu dürfen. Davon dann das nächste Mal weiter.
[ 31 ] Der allein, der diese Dinge durchschaut, kann dann entscheiden über die zwei wichtigen heute sozial vorliegenden Fragen: Arbeitszwang, Zwang zur Arbeit, wie die Bolschewisten es wollen, oder Recht auf Arbeit, wie man es auch nenne. Derjenige aber, der nicht in solchen Tiefen schürft, auf welche wir heute hingedeutet haben, der wird immer nur konfuses, törichtes Zeug reden, gleichgültig ob er auf irgendeinem Posten oder zu irgendeinem Zwecke von Arbeitsrecht oder Arbeitszwang redet. Nur wenn man im Tiefen schürft, hat man ein Recht, über solche Fragen zu sprechen. Und es ist heute eine ernste Frage, sich ein Recht zu erwerben, bei diesen Dingen mitsprechen zu dürfen. Davon dann das nächste Mal weiter.
