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The Social Question as a Question of Consciousness
GA 189

15 February 1919, Dornach

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Erster Vortrag

First Lecture

[ 1 ] Unter den Vorträgen, die ich in der letzten Zeit hier gehalten habe, waren eine Anzahl über die jetzt drängende, brennende soziale Frage. Daß das, was man soziale Frage seit langem auch in der Gegenwart nennt, etwas im sozialen Leben der ganzen Menschheit Drängendes und Brennendes ist, das kann ja heute jeder wissen, der nicht wie ein seelisch Schlafender die Ereignisse, in die sein eigenes Dasein hinein versponnen ist, beobachtet. Inwiefern in den Lebensnotwendigkeiten der modernen Menschheit, und inwiefern in der ganzen neueren Entwickelung der Menschheit die soziale Frage eine bestimmte Gestaltung — die Gestaltung, die heute so einschneidend für das Leben ist — angenommen hat, das kann aus den Vorträgen ersehen werden, die ich hier gehalten habe, und die ich auch, wenigstens in ihrem Extrakt, an einzelnen Orten der Schweiz öffentlich gehalten habe. So ist unter uns, die wir in die anthroposophische Bewegung hinein verstrickt sind, gewissermaßen das Bedürfnis gekommen, auch von unserem Gesichtspunkte aus über die Schicksale der Menschheit, namentlich auch mit Bezug auf die soziale Frage, irgendwie zu einem Urteil zu kommen, das durch die uns mögliche Weise in die Wirklichkeit umgesetzt werden könnte.

[ 1 ] Among the lectures I have given here recently, several dealt with the now pressing and burning social issue. That what has long been called the social question—and is still called that today—is something pressing and burning in the social life of all humanity is something that anyone can know today who does not observe the events in which their own existence is entangled as if in a spiritual slumber. To what extent the social question has taken on a specific form—the form that is so decisive for life today—in the necessities of modern human life and in the entire recent development of humanity can be seen from the lectures I have given here, and which I have also presented publicly, at least in summary form, at various locations throughout Switzerland. Thus, among us who are involved in the anthroposophical movement, a certain need has arisen to arrive, from our own perspective, at some kind of judgment regarding the fate of humanity—particularly with regard to the social question—that could be translated into reality in whatever way is possible for us.

[ 2 ] Längere Zeit schon haben sich Mitglieder von uns bemüht, ihre Kraft in den Dienst unserer so schwierigen Zeit zu stellen. Mancherlei ist dabei bedacht, mancherlei in Aussicht genommen worden. Selbstverständlich, meine lieben Freunde, kann ja jeder nur in der Weise in die Ereignisse eingreifen wollen, in der er durch sein Schicksal, durch sein Karma, durch seine, sagen wir, Menschheitsposition vorbestimmt ist, die ihm vorgezeichnet ist. Nun, aus den verschiedenerlei Aspirationen, die aus unserer Mitte herausgekommen sind, ergab sich dann das Folgende: die drei Herren, welche es sich zur besonderen Aufgabe gesetzt haben, in Stuttgart zu arbeiten in einem Sinne, der den Lebensnotwendigkeiten der gegenwärtigen Zeit angemessen ist, diese drei Herren, die Sie ja gut kennen — Herr Molt, Herr Dr. Boos, Herr Kühn —, erschienen bei mir im Beginne des Februar, und es entstand die Absicht, dasjenige, was wir aus unserer Weltauffassung und Lebensanschauung gewinnen können, so gut es zunächst geht und wie es zunächst zweckmäßig erscheint, gewissermaßen praktisch zu machen. Nun, meine lieben Freunde, wenn es sich nicht um Betrachtungen, sondern wenn es sich um Wirklichkeiten handelt, dann kann ja immer nur die Rede davon sein, was in einem ganz bestimmten Zeitpunkte das Angemessene, das Entsprechende ist; was geeignet ist, in einer gewissen Beziehung einen Anfang zu machen. Wer nicht einen Anfang, einen angemessenen Anfang machen will, sondern gleich, wie man sagt, mit der Tür ins Haus fallen will, wird in der Regel nichts Besonderes erreichen.

[ 2 ] For quite some time now, members of our group have been striving to devote their energy to serving our community during these difficult times. Many things have been considered in this regard, and many possibilities have been explored. Of course, my dear friends, each person can only seek to intervene in events in the way that is predetermined by their destiny, by their karma, and by their—let us say—position in humanity, which has been laid out for them. Well, from the various aspirations that have emerged from our midst, the following has resulted: the three gentlemen who have set themselves the special task of working in Stuttgart in a way that is appropriate to the necessities of life in the present time—these three gentlemen, whom you know well — Mr. Molt, Dr. Boos, and Mr. Kühn —, came to see me in early February, and the intention arose to put into practice, so to speak, what we can derive from our worldview and outlook on life, as best we can for the time being and as seems appropriate for now. Well, my dear friends, when it comes not to abstract considerations but to concrete realities, then we can only ever speak of what is appropriate and fitting at a very specific point in time—what is suitable for making a start in a certain respect. Anyone who does not want to make a start—an appropriate start—but instead wants to, as the saying goes, “get straight to the point,” will generally achieve nothing of note.

[ 3 ] Nach den Antezedenzien, die da vorlagen, handelte es sich uns darum, zunächst irgend etwas zu tun, was uns im gegenwärtigen Zeitpunkt richtig scheinen kann gerade mit Bezug auf das schwergeprüfte deutsche Volk. Wenn man den Blick auf die gegenwärtigen Ereignisse wirft, dann stellt sich ja als zunächst bedeutsamste Erscheinung die heraus — ich habe sie oftmals hier charakterisiert —, daß eine Kluft, ein Abgrund ist zwischen den Menschenklassen: auf der einen Seite alles, was die bisher die Geschicke der Menschheit mehr oder weniger leitenden Kreise waren — und auf der anderen Seite das eben gerade mit den realen Forderungen der sozialen Frage heraufrückende Proletariat. Das Proletariat kommt allerdings für den Einsichtigen in zwei Gestalten in Betracht: das Proletariat als solches und die Führer des Proletariats. Ich habe oftmals hier auseinandergesetzt, wie alle die Gedanken, Empfindungen, die Aspirationen, die Impulse, welche die Führer des Proletariats in ihren Köpfen haben, und von denen aus sie ihren Einfluß gewinnen innerhalb des Proletariats, im Grunde die Erbschaft des bourgeoisen Denkens der letzten Jahrhunderte sind. Nun, darüber haben wir von den verschiedensten Gesichtspunkten aus hier ja gesprochen und die Dinge zu erhärten versucht.

[ 3 ] Given the circumstances at the time, our priority was to do something—anything—that seemed right to us at that moment, especially with regard to the German people, who were facing such severe hardships. If one looks at current events, the most significant phenomenon that emerges—one I have often described here—is that there is a chasm, an abyss, between the classes of people: on the one hand, all those circles that have more or less guided the fate of humanity up to now—and on the other hand, the proletariat, which is now coming to the fore precisely with the real demands of the social question. To the discerning observer, however, the proletariat appears in two forms: the proletariat as such and the leaders of the proletariat. I have often discussed here how all the thoughts, feelings, aspirations, and impulses that the leaders of the proletariat hold in their minds—and from which they derive their influence within the proletariat—are, at their core, the legacy of bourgeois thought from the past centuries. Well, we have discussed this here from a wide variety of perspectives and have attempted to substantiate these points.

[ 4 ] Also eine der bedeutsamsten Erscheinungen aber blieb doch diese, daß eine tiefe Kluft zwischen diesen beiden, sagen wir, Menschengruppen ist. In den letzten Tagen konnte ja jedem, der die Zeitgeschichte miterlebt, diese Kluft deutlich vor Augen treten: auf der einen Seite Paris, wo von einem gewissen Gesichtspunkte aus, der eben derjenige der bisher leitenden Kreise der Menschheit ist, diese Geschicke der Menschheit und der Gegenwart in die Hand genommen werden — auf der anderen Seite Bern mit einer Versammlung, in der alles dasjenige lebt, was durch eine tiefe Kluft geschieden ist von dem anderen. Wer aufmerksam verfolgt hat, was von Paris ausgeht, wer aufmerksam verfolgt hat, was in Bern versucht worden ist auf dem sozialistischen Kongreß, der wird nicht umhin können, sich zu gestehen, daß das Wesentliche, das, was bedeutsam, dauernd eingreifen wird in die Menschheitsentwickelung, zunächst wohl gar nicht dasjenige ist, was in Paris, in Bern gedacht und gewollt wird, sondern das Wesentliche ist, daß an diesen zwei Orten zwei ganz verschiedene soziale Sprachen gesprochen werden. Und wenn man innerlich ehrlich ist, so kann man nicht anders, als sich gestehen: das sind zwei total voneinander verschiedene Sprachen, in denen man sich vorläufig nicht verstehen kann.

[ 4 ] One of the most significant developments, however, remained the fact that there is a deep divide between these two—let’s say—groups of people. In recent days, this divide has become clearly evident to anyone who has been following current events: on the one hand, Paris, where—from a certain perspective, namely that of the circles that have hitherto led humanity—the fate of humanity and the present is being taken into hand; on the other hand, Bern, with an assembly in which everything that is separated from the other by a deep chasm is alive. Anyone who has closely followed what is emanating from Paris, anyone who has closely followed what was attempted at the socialist congress in Bern, will have no choice but to admit that what is essential—that which is significant and will have a lasting impact on human development—is, for the time being, not at all what is conceived and intended in Paris in Bern—but rather that two entirely different social languages are spoken in these two places. And if one is inwardly honest, one cannot help but admit: these are two languages that are completely different from one another, in which, for the time being, mutual understanding is impossible.

[ 5 ] Das ist eine so fundamental wichtige Erscheinung, eine so bedeutsame Erscheinung, daß gerade bei gehöriger Betrachtung jedem die Richtigkeit dessen auffallen kann, was ich hier oftmals gesagt habe: daß das Aufsuchen viel tieferer Grundlagen nötig ist, um diese Dinge zu verstehen, um an den Lösungsmöglichkeiten dieser Dinge mitzuarbeiten, als die Grundlagen sind, die auf der einen oder anderen Seite heute noch gesucht werden. Es kommt einem immer wiederum so vor, wie ich vorgestern im öffentlichen Vortrage in Basel gesagt habe: da ist heute die soziale Frage, die soziale Bewegung über einen großen Teil der zivilisierten Menschheit schon als eine Tatfrage, als eine Freignisfrage von so einschneidender Bedeutung im geschichtlichen Leben der Menschheit da, daß wohl kaum in diesem geschichtlichen Leben je etwas so tief Einschneidendes für die ganze Menschheit der Erde da war; denn so läßt es sich für jeden Einsichtigen an. Die Grundlagen müssen tiefer sein. Und wie oft habe ich hier darauf aufmerksam gemacht: die tieferen Grundlagen findet man nur in jener Wirklichkeitsbetrachtung, von der hier in der geisteswissenschaftlichen Bewegung, in der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft, auch für die soziale Betrachtung des Lebens und der Dinge ausgegangen wird.

[ 5 ] This is such a fundamentally important phenomenon, such a significant phenomenon, that upon proper consideration, anyone can see the truth of what I have often said here: that in order to understand these things and to contribute to finding possible solutions to them, we must seek out much deeper foundations than those that are still being sought today on one side or the other. It always seems, as I said the day before yesterday in my public lecture in Basel: Today, the social question—the social movement—already stands before a large part of civilized humanity as a matter of action, as a question of freedom of such decisive significance in the historical life of humanity that there has hardly ever been anything in this historical life that has had such a profound impact on all of humanity on Earth; for this is how it appears to anyone with insight. The foundations must be deeper. And how often have I pointed this out here: the deeper foundations can only be found in that view of reality which is taken as the starting point here in the spiritual science movement—in anthroposophically oriented spiritual science—even for the social consideration of life and things.

[ 6 ] Ich habe gerade bei unserer Silvesterbetrachtung auf etwas Bedeutsames, wie ich glaube, hingewiesen, darauf, daß es heute möglich ist, ganz und gar in bezug auf die Menschheit pessimistisch zu sein, pessimistisch zu sein nicht auf Grundlage irgendeines emotionellen Urteiles, sondern auf Grundlage wirklicher sozialer Rechnung. Ich habe Ihnen dazumal einen Aufsatz vorgelesen von einem Manne, der wirklich so sozial rechnen kann. Und ich habe Ihnen gesagt: es ist nur nüchtern, so pessimistisch zu denken, wenn man nicht auf der anderen Seite das volle Bewußtsein noch haben kann, daß das Sich-Wenden an den Geist noch helfen kann. Aber dieses Bewußtsein sollte sich immer weiter und weiter verbreiten, daß nur Grund ist zum Glauben an zerstörerische Kräfte, die furchtbar wirken werden in den nächsten Jahrzehnten, wenn die Menschen sich nicht an das, was für die Wirklichkeitsbetrachtung aus der Geisteswissenschaft folgt, wenden wollen. Selbstverständlich sind nicht die Dogmen der einen oder anderen geisteswissenschaftlichen Richtung gemeint, sondern gemeint ist überhaupt ein Appellieren an die Geisteskräfte, welche in diesem bedeutsamen Wendepunkte der Entwickelung der Menschheit die einzig heilsamen und helfenden Kräfte sein können.

[ 6 ] I just pointed out something significant, I believe, in our New Year’s Eve reflection—namely, that it is possible today to be completely pessimistic about humanity, not on the basis of some emotional judgment, but on the basis of a realistic social assessment. I read you an essay back then by a man who is truly capable of such social analysis. And I told you: it is only realistic to think so pessimistically if, on the other hand, one cannot still have the full awareness that turning to the spirit can still help. But this awareness should spread further and further: there is reason to believe in destructive forces that will have a terrible effect in the coming decades if people are unwilling to turn to what follows from spiritual science in terms of our view of reality. Of course, this does not refer to the dogmas of any particular spiritual scientific school, but rather to an appeal to the spiritual forces, which, at this significant turning point in human development, can be the only healing and helpful forces.

[ 7 ] So wird in einer gewissen Weise diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, weil sie ja nicht aus einer Willkür hervorgegangen ist, sondern aus der Beobachtung der Zeitenkräfte, zugleich in einem ihrer Glieder im eminentesten Sinne ein Zeitheilmittel. Sie ist ja wirklich nicht aus der Willkür entsprungen. Sie ist ja wirklich nicht ein Programm eines Einzelnen oder einzelner Individuen, sondern sie ist hervorgegangen aus der Beobachtung dessen, was die geistige Weltenlenkung selber diktiert als notwendig zum Hereinkommen in den gegenwärtigen Menschheitsverlauf. Deshalb nur kann man von anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft so sprechen, sonst wäre solches Sprechen ja selbstverständlich eine Anmaßung. Aber was seinem Ursprunge nach aus ehrlicher Bescheidenheit hervorgeht, braucht, wenn es sich geltend machen will, nicht vor dem Vorwurf zurückzuschrecken, den die Torheit machen kann, daß es sich um eine Anmaßung handelt.

[ 7 ] Thus, in a certain sense, this anthroposophically oriented spiritual science—because it did not arise out of arbitrariness but from the observation of the forces of the times—becomes, in one of its aspects, a remedy for the times in the most eminent sense. It truly did not spring from arbitrariness. It is truly not the program of a single person or a few individuals, but has arisen from the observation of what the spiritual guidance of the world itself dictates as necessary for entering into the current course of human history. Only for this reason can one speak of an anthroposophically oriented spiritual science in this way; otherwise, such speech would, of course, be presumptuous. But what, in its origin, springs from honest modesty need not, if it wishes to assert itself, shrink from the accusation—which folly may level—that it is a matter of presumption.

[ 8 ] Man kann sagen, von Paris strahlt aus alles dasjenige, was auf den Schwingen einer Lebensauffassung strömte, welche deutlich zeigt, daß sie sich in den letzten viereinhalb Jahren ad absurdum geführt hat. Von Bern strömte aus, was eine Anzahl von Menschen für ein Heilmittel hält, was aber aus einem nicht genügend tiefen Quell geschöpft ist. Von Paris strömt aus, wovor sich fast die ganze Menschheit fürchtet; von Bern wollte dasjenige ausströmen, worauf eine große Anzahl von Menschen glaubt hoffen zu können. Und diese beiden Dinge sprechen heute noch eine ganz verschiedene Sprache. Man kann sich hinüber und herüber über den Abgrund nicht verständigen. Man wird sich erst verständigen, wenn man den inneren Appell der Seele an die Geisteswissenschaft wird stellen wollen.

[ 8 ] One could say that Paris radiates everything that has flowed on the wings of a worldview which has clearly shown itself to have been reduced to absurdity over the past four and a half years. From Bern flowed what a number of people consider a remedy, but which is drawn from a source that is not deep enough. From Paris flows what nearly all of humanity fears; from Bern, there was an attempt to let flow what a large number of people believe they can hope for. And these two things still speak very different languages today. It is impossible to communicate across the chasm. We will only be able to communicate when we are willing to heed the soul’s inner call to spiritual science.

[ 9 ] Aus solchen Impulsen heraus entstand der Gedanke, zunächst zum Verständnis wenigstens eines Teiles der Menschen zu sprechen. Denn auf Verständnis kommt es an. Das habe ich immer wieder und wiederum betont: wir kommen nicht weiter im sozialen Chaos, wenn es uns nicht gelingt, bevor die Instinkte allzu zügellos werden, bei einer genügend großen Anzahl von Menschen der zivilisierten Welt Verständnis hervorzurufen. Das ist ja auch dasjenige, was dem Geiste meiner Vorträge Jetzt zugrunde gelegen hat in Zürich, Bern und Basel. Mit den verschiedenen Menschen, mit denen ich gesprochen habe in dieser Zeit, konnte immer wieder und wiederum die Frage erörtert werden: Wie kann man den Zugang zum Verständnisse finden —, oder: Ist es denn überhaupt noch möglich, bevor ein vollständiges Debakel hereinbricht, den Weg zum Verständnis der Menschen zu finden? — Nun, die letztere Frage kann ja für einen in der Wirklichkeit denkenden Menschen nicht aufgeworfen werden. Denn ein in der Wirklichkeit denkender Mensch stellt nicht Hypothesen auf über dasjenige, was möglich oder unmöglich ist, sondern er greift zu dem, von dem er für notwendig hält, daß es getan werde. Wenn man einen Weg geht, dann handelt es sich darum, den ersten Schritt zu machen. Und man soll ja nicht glauben, wenn der erste Schritt anders ausschaut als das, was man als Ziel ansehen will, daß deshalb dieser erste Schritt unzweckmäßig sein könnte. Der erste Schritt eines weiten Weges kann sich ja immer nur erstrecken über eine sehr kleine Strecke dieses Weges. Es handelt sich nur darum, daß, wenn man nach einem bestimmten Ziele geht, man erstens nicht nach der entgegengesetzten Richtung oder nach links oder nach rechts von dem Ziele geht, und zweitens handelt es sich darum, daß man den Willen hat, wenn man die Wegrichtung einmal angetreten hat, bei dieser Wegrichtung auch zu verbleiben, sich nicht durch alles mögliche nach links und rechts stoßen zu lassen. Außerdem muß man bei Zeitereignissen anknüpfen an dasjenige, was da ist, nicht in die Luft hinein bauen, wenn man sich auf einen gewissen Wirklichkeitsstandpunkt stellen will. Der Gedanke muß an irgend etwas anknüpfen, was gewissermaßen gezeigt hat, daß sich nach einer Richtung hin eine reale Strömung ergießt. Manchmal kann es auch scheinen, als ob der erste Schritt etwas höchst Unglückseliges wäre. Daß er es nicht ist, kann sich vielleicht erst nach einiger Zeit herausstellen.

[ 9 ] It was from such impulses that the idea arose to first appeal to the understanding of at least some people. For understanding is what matters. I have emphasized this time and again: we will make no progress amid social chaos unless we succeed—before instincts run too wild—in fostering understanding among a sufficiently large number of people in the civilized world. This, indeed, is what has underlain the spirit of my recent lectures in Zurich, Bern, and Basel. With the various people I have spoken with during this time, the question has been raised time and again: How can one find the path to understanding—or: Is it even still possible, before a complete debacle sets in, to find the way to people’s understanding? — Well, the latter question cannot really be posed for a person who thinks in terms of reality. For a person who thinks in terms of reality does not formulate hypotheses about what is possible or impossible, but rather takes hold of what they consider necessary to be done. When one sets out on a path, the task is to take the first step. And one should not assume that, just because the first step looks different from what one regards as the goal, this first step might therefore be inappropriate. After all, the first step on a long path can only ever cover a very short distance of that path. The point is simply that, when one is heading toward a specific goal, one must, first of all, not go in the opposite direction or to the left or right of the goal; and second, one must have the will, once one has set out in a certain direction, to remain on that path and not allow oneself to be pushed off course to the left or right by all sorts of things. Furthermore, when dealing with current events, one must build upon what actually exists, not construct things out of thin air, if one wishes to adopt a certain realistic standpoint. The thought must be grounded in something that has, so to speak, demonstrated that a real current is flowing in a certain direction. Sometimes it may even seem as if the first step were something highly unfortunate. That it is not may only become clear after some time has passed.

[ 10 ] Als nun die drei genannten Herren, Herr Molt, Herr Dr. Boos und Herr Kühn, mit mir verhandeln wollten über die Sache, so konnte es sich zunächst einmal darum handeln — da es sich ja um einen geistigen Anhub handeln mußte, um einen Appell an das Verständnis der Menschen —, die Frage aufzuwerfen: Wo hat man gesehen, daß zunächst auf die Gedanken der Menschen etwas wirkte? Da erinnern Sie sich einmal an jenen Aufruf an die Kulturwelt, sogenannte Kulturwelt, welchen einmal — es waren größtenteils, glaube ich, Professoren — neunundneunzig deutsche Persönlichkeiten erlassen haben. Man kann vielleicht gar nicht einmal, wenn man nicht aus Emotionen heraus, sondern wieder aus der Wirklichkeit heraus urteilt, ein anderes Urteil fällen, als daß dieser Aufruf an die Kulturwelt reichlich ungeschickt war. Na, es waren Professoren zum großen Teil. Aber er hat Eindruck gemacht, er hat den Weg zu den Gedanken in einer recht unglückseligen Weise gefunden. Und er spukt heute noch immer. Er war in einem gewissen Sinne eine Wirklichkeit, gerade eine Wirklichkeit, die zum Unheil des deutschen Volkes mehr beigetragen hat als manches andere, denn er hat Wellen geschlagen.

[ 10 ] When the three gentlemen mentioned—Mr. Molt, Dr. Boos, and Mr. Kühn—wanted to discuss the matter with me, the first thing to consider—since this had to be an intellectual initiative, an appeal to people’s understanding—was to raise the question: Where has it ever been seen that something had an effect on people’s thoughts in the first place? Just recall that appeal to the cultural world—the so-called cultural world—which was once issued by ninety-nine German figures, most of whom, I believe, were professors. Perhaps, if one judges not on the basis of emotion but rather from reality, one cannot even arrive at any other conclusion than that this appeal to the cultural world was quite clumsy. Well, they were mostly professors. But it made an impression; it found its way into people’s minds in a rather unfortunate way. And it still haunts us today. In a certain sense, it was a reality—precisely a reality that contributed more to the misfortune of the German people than many other things, for it caused quite a stir.

[ 11 ] Und so konnte man denken: Wie wäre es, wenn man dieser Summe von Gedanken, die dazumal zur Unzeit erlassen worden ist — losgelassen worden ist auf die Menschheit aus Vorstellungen heraus, die ihre Antiquiertheit an der Stirne trugen —, wie wäre es, wenn man jetzt, wo alles drängt und brennt, um etwas zu tun zur Verständigung, wenn man jetzt einen aus den wirklichen Lebensverhältnissen der gegenwärtigen Menschheit herausgeholten Appell an die Menschheit richten würde; zunächst, wie sich aus der Sache selbst ergibt, gerade an das deutsche Volk, welches ja das Schicksal erlebt hat, seine vermeintliche Aufgabe in einem gewissen Staatsrahmen dadurch verloren zu sehen, daß dieser Staatsrahmen einfach weggefegt ist, wenn man zunächst an dieses deutsche Volk appelliert, es aufmerksam macht darauf, daß ja die Tatsachen zu ihm sprechen, nicht bloß irgendwelche Worte, nicht bloß irgendwelche Urteile, irgendwelche Gedanken, sondern die Tatsachen. Während einem großen Teile der Menschheit gegenüber vielleicht ein solches Wort noch deshalb vergeblich ist, weil die alten Rahmen noch da sind, wird vielleicht doch das deutsche Volk hören — so kann man wohl denken —, weil der alte Rahmen ihm einfach entzogen ist, weil es nicht mehr auf dem Boden des Alten stehenbleiben kann, sondern einen neuen Boden für seine Lebensaufgabe notwendig suchen muß. Die Menschen sind ja einmal so: solange das Alte nur ein bißchen hält — wenn es nicht gerade Röcke sind —, halten sie am Alten unbedingt fest und verschlafen alles, was sagt, daß es unmöglich ist, an diesem Alten noch festzuhalten. Man glaubt gar nicht, welche Rolle Bequemlichkeit im innersten Leben des Menschen eigentlich spielt.

[ 11 ] And so one might think: What if this body of ideas, which was imposed on humanity at the wrong time — unleashed upon humanity based on ideas that bore the mark of their obsolescence on their foreheads —, what if, now that everything is urgent and pressing, we were to do something to foster understanding; what if we were now to issue an appeal to humanity drawn from the real living conditions of today’s people; first of all—as the matter itself dictates—specifically to the German people, who have, after all, experienced the fate of seeing their supposed mission within a certain state framework lost because that state framework has simply been swept away—if we were to appeal first to this German people, drawing their attention to the fact that it is the facts that speak to them, not merely words, not merely judgments, just any thoughts, but the facts themselves. While such a message might still be in vain for a large part of humanity—perhaps because the old frameworks are still in place—the German people might yet listen—so one might well think—because the old framework has simply been taken away from them, because they can no longer stand on the ground of the old, but must necessarily seek new ground for their life’s mission. People are like that, after all: as long as the old way holds on even a little—unless we’re talking about skirts—they cling to it unconditionally and miss everything that suggests it’s impossible to hold on to it any longer. You wouldn’t believe what a role comfort actually plays in the innermost life of human beings.

[ 12 ] Aus diesem Gedanken heraus, meine lieben Freunde, habe ich nun eine Art Manifest verfaßt, von dem ich mir denke, daß es gehört werden könnte von den Seelen, die heute für eine Verständigung auf einem gesunden Boden der Wirklichkeit in bezug auf unsere eigentümliche Kulturfrage zu gewinnen sind; daß es verstanden werden kann zunächst von den verständigen Menschen des deutschen Volkes, an das es unmittelbar gerichtet ist. Ich meine aber, daß es auch von den Feinden des deutschen Volkes gelesen werden sollte als etwas, was angemessen gefunden wird in der Gegenwart, von diesem deutschen Volke bedacht und in die Wirklichkeit umgesetzt zu werden. Ich dachte: neunundneunzig haben dazumal unterschrieben; wenn man wiederum neunundneunzig findet aus den Reihen der Deutschen Deutschlands, des ehemaligen Deutschlands, des ehemaligen Österreichs und vielleicht diese neunundneunzig vermehren kann um eine kleine Anzahl von Persönlichkeiten, die für ein Verständnis der gegenwärtigen Lebensnotwendigkeiten in neutralen Ländern, namentlich in der Schweiz, zu gewinnen sind, so wäre etwas Positives getan im Gegensatze zu dem damals von den neunundneunzig unternommenen Negativen.

[ 12 ] Based on this idea, my dear friends, I have now written a kind of manifesto that I believe could be heard by those whose hearts can be won today to an understanding grounded in the healthy reality of our unique cultural question; that it can be understood first and foremost by the discerning members of the German people, to whom it is directly addressed. But I believe that it should also be read by the enemies of the German people as something deemed appropriate in the present, to be considered by this German people and put into practice. I thought: ninety-nine signed it back then; if, in turn, one can find ninety-nine from the ranks of the Germans of Germany, of the former Germany, of the former Austria—and perhaps add to these ninety-nine a small number of individuals who can be won over to an understanding of the current necessities of life in neutral countries, notably Switzerland—then something positive would have been accomplished in contrast to the negative actions undertaken by the ninety-nine at that time.

[ 13 ] Also ich bitte, mich richtig zu verstehen: Der Appell ist zunächst an das deutsche Volk gerichtet. Es ist aber gewollt, daß das, was innerhalb des deutschen Volkes dergestalt besprochen wird, in der ganzen Kulturwelt gehört werde. Ich werde nun diesen Appell hier zur Verlesung bringen, meine lieben Freunde. Die Gedanken werden Ihnen ja bekannt und vertraut sein, weil wir sie oftmals besprochen haben. Natürlich, in aller Kürze kann auch nur alles ganz kurz sein. Dasjenige, was gewollt wird, ist ja nicht, jemanden zu belehren, sondern etwas zu sagen, was die Menschen aufmerksam darauf machen kann, daß es einen Weg gibt, und was sie aufmerksam darauf machen soll, den rechten Zugang zu diesem Wege zu finden. Gewiß, man kann Anstoß nehmen an der Kürze der Darstellung. Aber es handelt sich ja nicht um ein Schulbuch, sondern es handelt sich darum, etwas zu sagen als Hinweis darauf, daß innerhalb der Menschheit etwas da ist, was helfen kann. Also der Aufruf heißt:

[ 13 ] So please understand me correctly: This appeal is directed first and foremost to the German people. However, it is our intention that what is discussed in this way among the German people be heard throughout the entire civilized world. I will now have this appeal read aloud here, my dear friends. These ideas will, of course, be familiar to you, since we have discussed them many times. Naturally, when keeping things brief, everything must be very concise. The intention here is not to lecture anyone, but to say something that can draw people’s attention to the fact that there is a path, and to help them find the right way to that path. Certainly, some may take offense at the brevity of the presentation. But this is not a textbook; rather, the aim is to say something that points to the fact that there is something within humanity that can help. So the call is:

[ 14 ] An das deutsche Volk und an die Kulturwelt!

[ 14 ] To the German people and to the cultural world!

[ 15 ] Sicher gefügt für unbegrenzte Zeiten glaubte das deutsche Volk seinen vor einem halben Jahrhundert aufgeführten Reichsbau. Im August 1914 meinte es, die kriegerische Katastrophe, an deren Beginn es sich gestellt sah, werde diesen Bau als unbesieglich erweisen. Heute kann es nur auf dessen Trümmer blicken. Selbstbesinnung muß nach solchem Erlebnis eintreten. Denn dieses Erlebnis hat die Meinung eines halben Jahrhunderts, hat insbesondere die herrschenden Gedanken der Kriegsjahre als einen tragisch wirkenden Irrtum erwiesen. Wo liegen die Gründe dieses verhängnisvollen Irrtums? Diese Frage muß Selbstbesinnung in die Seelen der Glieder des deutschen Volkes treiben. Ob jetzt die Kraft zu solcher Selbstbesinnung vorhanden ist, davon hängt die Lebensmöglichkeit des deutschen Volkes ab. Dessen Zukunft hängt davon ab, ob es sich die Frage in ernster Weise zu stellen vermag: Wie bin ich in meinen Irrtum verfallen? — Stellt es sich diese Frage heute, dann wird ihm die Erkenntnis aufleuchten, daß es vor einem halben Jahrhundert ein Reich gegründet, jedoch unterlassen hat, diesem Reich eine aus dem Wesensinhalt der deutschen Volkheit entspringende Aufgabe zu stellen. — Das Reich war gegründet. In den ersten Zeiten seines Bestandes war man bemüht, seine inneren Lebensmöglichkeiten nach den Anforderungen, die sich durch alte Traditionen und neue Bedürfnisse von Jahr zu Jahr zeigten, in Ordnung zu bringen. Später ging man dazu über, die in materiellen Kräften begründete äußere Machtstellung zu festigen und zu vergrößern. Damit verband man Maßnahmen in bezug auf die von der neuen Zeit geborenen sozialen Anforderungen, die zwar manchem Rechnung trugen, was der Tag als Notwendigkeit erwies, denen aber doch ein großes Ziel fehlte, wie es sich hätte ergeben sollen aus einer Erkenntnis der Entwickelungskräfte, denen die neuere Menschheit sich zuwenden muß. So war das Reich in den Weltenzusammenhang hineingestellt ohne wesenhafte, seinen Bestand rechtfertigende Zielsetzung. Der Verlauf der Kriegskatastrophe hat dieses in trauriger Weise geoffenbart. Bis zum Ausbruche derselben hatte die außerdeutsche Welt in dem Verhalten des Reiches nichts sehen können, was ihr die Meinung hätte erwecken können: die Verwalter dieses Reiches erfüllen eine weltgeschichtliche Sendung, die nicht hinweggefegt werden darf. Das Nichtfinden einer solchen Sendung durch diese Verwalter hat notwendig die Meinung in der außerdeutschen Welt erzeugt, die für den wirklich Einsichtigen der tiefere Grund des deutschen Niederbruches ist.

[ 15 ] The German people believed that the Reich they had built half a century earlier was secure for all time. In August 1914, they believed that the military catastrophe they found themselves facing at its outset would prove this edifice to be invincible. Today, they can only look upon its ruins. After such an experience, self-reflection must set in. For this experience has shown that the prevailing opinion of half a century—and in particular the dominant ideas of the war years—were a tragically fatal error. What are the reasons for this fateful error? This question must drive self-reflection into the souls of the members of the German people. Whether the strength for such self-reflection exists now is what determines the German people’s very survival. Their future depends on whether they are able to ask themselves this question in earnest: How did I fall into my error? — If it asks itself this question today, it will come to realize that half a century ago it founded an empire, yet failed to assign to that empire a mission springing from the very essence of the German people. — The Reich was founded. In the early days of its existence, efforts were made to organize its internal conditions for survival in accordance with the demands that arose year after year from old traditions and new needs. Later, the focus shifted to consolidating and expanding the external position of power grounded in material resources. This was accompanied by measures addressing the social demands born of the new era, which, while taking into account what the day-to-day situation dictated as necessary, nevertheless lacked a grand purpose—one that should have emerged from an understanding of the forces of development to which modern humanity must turn. Thus, the Reich was placed within the context of world affairs without an essential purpose that would justify its existence. The course of the catastrophe of war has revealed this in a tragic way. Until the outbreak of the war, the non-German world had been unable to discern anything in the Empire’s conduct that might have led it to believe that the rulers of this Empire were fulfilling a mission of world-historical significance that could not be swept aside. The failure of these rulers to find such a mission inevitably gave rise to the view in the non-German world which, for those with true insight, is the deeper cause of Germany’s downfall.

[ 16 ] Unermeßlich vieles hängt nun für das deutsche Volk an seiner unbefangenen Beurteilung der Sachlage. Im Unglück müßte die Einsicht auftauchen, welche sich in den letzten fünfzig Jahren nicht hat zeigen wollen. An die Stelle des kleinen Denkens über die allernächsten Forderungen der Gegenwart müßte jetzt ein großer Zug der Lebensanschauung treten, welcher die Entwickelungskräfte der neueren Menschheit mit starken Gedanken zu erkennen strebt, und der mit mutigem Wollen sich ihnen widmet. Aufhören müßte der kleinliche Drang, der alle diejenigen als unpraktische Idealisten unschädlich macht, die ihren Blick auf diese Entwickelungskräfte richten. Aufhören müßte die Anmaßung und der Hochmut derer, die sich als Praktiker dünken, und die doch durch ihren als Praxis maskierten engen Sinn das Unglück herbeigeführt haben. Berücksichtigt müßte werden, was die als Idealisten verschrieenen, aber in Wahrheit wirklichen Praktiker über die Entwickelungsbedürfnisse der neuen Zeit zu sagen haben.

[ 16 ] An immeasurable amount now depends on the German people’s unbiased assessment of the situation. In the midst of misfortune, the insight that has refused to emerge over the past fifty years must finally come to light. In place of narrow-minded thinking about the most immediate demands of the present, there must now emerge a broad outlook on life that strives to recognize the forces of development in modern humanity through powerful ideas and that devotes itself to them with courageous determination. The petty urge that renders all those who focus their gaze on these forces of development harmless by labeling them as impractical idealists must cease. The arrogance and haughtiness of those who consider themselves practical must cease—for it is they who, through their narrow-mindedness masked as practicality, have brought about this misfortune. Consideration must be given to what those who are denounced as idealists—but who are in truth genuine practitioners—have to say about the developmental needs of the new era.

[ 17 ] Die «Praktiker» aller Richtungen sahen zwar das Heraufkommen ganz neuer Menschheitsforderungen seit langer Zeit. Aber sie wollten diesen Forderungen innerhalb des Rahmens altüberlieferter Denkgewohnheiten und Einrichtungen gerecht werden. Das Wirtschaftsleben der neueren Zeit hat die Forderungen hervorgebracht. Ihre Befriedigung auf dem Wege privater Initiative schien unmöglich. Überleitung des privaten Arbeitens in gesellschaftliches drängte sich der einen Menschenklasse auf einzelnen Gebieten als notwendig auf; und sie wurde verwirklicht da, wo es dieser Menschenklasse nach ihrer Lebensanschauung als ersprießlich schien. Radikale Überführung aller Einzelarbeit in gesellschaftliche wurde das Ziel einer anderen Klasse, die durch die Entwickelung des neuen Wirtschaftslebens an der Erhaltung der überkommenen Privatziele kein Interesse hat.

[ 17 ] “Practical thinkers” of all persuasions had, admittedly, long recognized the emergence of entirely new demands on humanity. But they sought to meet these demands within the framework of time-honored ways of thinking and established institutions. Modern economic life gave rise to these demands. Satisfying them through private initiative seemed impossible. The transition from private to social labor became a necessity for one class of people in certain areas; and it was realized wherever this class deemed it beneficial according to their worldview. The radical transformation of all individual labor into social labor became the goal of another class, which, due to the development of the new economic life, has no interest in preserving the traditional private goals.

[ 18 ] Allen Bestrebungen, die bisher in Anbetracht der neueren Menschheitsforderungen hervorgetreten sind, liegt ein Gemeinsames zugrunde. Sie drängen nach Vergesellschaftung des Privaten und rechnen dabei auf die Übernahme des letzteren durch die Gemeinschaften (Staat, Kommune), die aus Voraussetzungen stammen, welche nichts mit den neuen Forderungen zu tun haben. Oder auch, man rechnet mit neueren Gemeinschaften (z.B. Genossenschaften), die nicht voll im Sinne dieser neuen Forderungen entstanden sind, sondern die aus überlieferten Denkgewohnheiten heraus den alten Formen nachgebildet sind.

[ 18 ] All the efforts that have emerged to date in response to humanity’s new demands are based on a common principle. They push for the socialization of the private sphere and, in doing so, count on the latter being taken over by communities (the state, the municipality) that stem from conditions having nothing to do with these new demands. Alternatively, they rely on newer communities (e.g., cooperatives) that did not arise fully in accordance with these new demands, but rather are modeled after the old forms based on traditional ways of thinking.

[ 19 ] Die Wahrheit ist, daß keine im Sinne dieser alten Denkgewohnheiten gebildete Gemeinschaft aufnehmen kann, was man von ihr aufgenommen wissen will. Die Kräfte der Zeit drängen nach der Erkenntnis einer sozialen Struktur der Menschheit, die ganz anderes ins Auge faßt, als was heute gemeiniglich ins Auge gefaßt wird. Die sozialen Gemeinschaften haben sich bisher zum größten Teil aus den sozialen Instinkten der Menschheit gebildet. Ihre Kräfte mit vollem Bewußtsein zu durchdringen, wird Aufgabe der Zeit.

[ 19 ] The truth is that no community formed according to these old ways of thinking can accept what people want it to accept. The forces of our time are pushing toward an understanding of a social structure for humanity that envisages something entirely different from what is commonly envisaged today. Social communities have, for the most part, been formed thus far out of humanity’s social instincts. Penetrating their forces with full consciousness will be the task of our time.

[ 20 ] Der soziale Organismus ist gegliedert wie der natürliche. Und wie der natürliche Organismus das Denken durch den Kopf und nicht durch die Lunge besorgen muß, so ist dem sozialen Organismus die Gliederung in Systeme notwendig, von denen keines die Aufgabe des anderen übernehmen kann, jedes aber unter Wahrung seiner Selbständigkeit mit den anderen zusammenwirken muß.

[ 20 ] The social organism is structured like the natural organism. And just as the natural organism must carry out thinking through the head and not through the lungs, so too is the social organism necessarily structured into systems, none of which can take over the task of another, but each of which must interact with the others while maintaining its independence.

[ 21 ] Das wirtschaftliche Leben kann nur gedeihen, wenn es als selbständiges Glied des sozialen Organismus nach seinen eigenen Kräften und Gesetzen sich ausbildet, und wenn es nicht dadurch Verwirrung in sein Gefüge bringt, daß es sich von einem anderen Gliede des sozialen Organismus, dem politisch wirksamen, aufsaugen läßt. Dieses politisch wirksame Glied muß vielmehr in voller Selbständigkeit neben dem wirtschaftlichen bestehen, wie im natürlichen Organismus das Atmungssystem neben dem Kopfsystem. Ihr heilsames Zusammenwirken kann nicht dadurch erreicht werden, daß beide Glieder von einem einzigen Gesetzgebungs- und Verwaltungsorgan aus versorgt werden, sondern daß jedes seine eigene Gesetzgebung und Verwaltung hat, die lebendig zusammenwirken. Denn das politische System muß die Wirtschaft vernichten, wenn es sie übernehmen will; und das wirtschaftliche System verliert seine Lebenskräfte, wenn es politisch werden will.

[ 21 ] Economic life can flourish only if it develops as an independent component of the social organism, according to its own forces and laws, and if it does not disrupt the fabric of that organism by allowing itself to be absorbed by another component of the social organism—the politically active one. Rather, this politically active component must exist alongside the economic one in full independence, just as the respiratory system exists alongside the nervous system in the natural organism. Their beneficial interaction cannot be achieved by having both components governed by a single legislative and administrative body, but rather by each having its own legislation and administration that interact dynamically. For the political system must destroy the economy if it seeks to take it over; and the economic system loses its vitality if it seeks to become political.

[ 22 ] Zu diesen beiden Gliedern des sozialen Organismus muß in voller Selbständigkeit und aus seinen eigenen Lebensmöglichkeiten heraus gebildet ein drittes treten: das der geistigen Produktion, zu dem auch der geistige Anteil der beiden anderen Gebiete gehört, der ihnen von dem mit eigener gesetzmäßiger Regelung und Verwaltung ausgestatteten dritten Gliede überliefert werden muß, der aber nicht von ihnen verwaltet und anders beeinflußt werden kann, als die nebeneinander bestehenden Gliedorganismen eines natürlichen Gesamtorganismus sich gegenseitig beeinflussen. Man kann schon heute das hier über die Notwendigkeiten des sozialen Organismus Gesagte in allen Einzelheiten vollwissenschaftlich begründen und ausbauen. In diesen Ausführungen können nur die Richtlinien hingestellt werden, für alle diejenigen, welche diesen Notwendigkeiten nachgehen wollen.

[ 22 ] A third element must be formed in full independence and based on its own life potential to join these two elements of the social organism: that of spiritual production, which also includes the spiritual component of the other two spheres—a component that must be entrusted to them by the third component, which is endowed with its own lawful regulation and administration, but which cannot be administered by them or influenced in any way other than how the coexisting component-organisms of a natural overall organism influence one another. Even today, what has been said here about the necessities of the social organism can be fully substantiated and elaborated upon in every detail from a strictly scientific standpoint. These remarks can serve only to set forth guidelines for all those who wish to investigate these necessities.

[ 23 ] Die deutsche Reichsgründung fiel in eine Zeit, in der diese Notwendigkeiten an die neuere Menschheit herantraten. Seine Verwaltung hat nicht verstanden, dem Reich eine Aufgabe zu stellen durch den Blick auf diese Notwendigkeiten. Dieser Blick hätte ihm nicht nur das rechte innere Gefüge gegeben; er hätte seiner äußeren Politik auch eine berechtigte Richtung verliehen. Mit einer solchen Politik hätte das deutsche Volk mit den außerdeutschen Völkern zusammenleben können.

[ 23 ] The founding of the German Empire coincided with a time when these necessities were presenting themselves to modern humanity. Its administration failed to understand how to define a mission for the Empire by taking these necessities into account. Such a perspective would not only have given it the proper internal structure; it would also have provided its foreign policy with a justifiable direction. With such a policy, the German people could have coexisted with non-German peoples.

[ 24 ] Nun müßte aus dem Unglück die Einsicht reifen. Man müßte den Willen zum möglichen sozialen Organismus entwickeln. Nicht ein Deutschland, das nicht mehr da ist, müßte der Außenwelt gegenübertreten, sondern ein geistiges, politisches und wirtschaftliches System in ihren Vertretern müßten als selbständige Delegationen mit denen verhandeln wollen, von denen das Deutschland niedergeworfen worden ist, das sich durch die Verwirrung der drei Systeme zu einem unmöglichen sozialen Gebilde gemacht hat.

[ 24 ] Now, insight must grow out of this misfortune. We must develop the will to create a viable social organism. It is not a Germany that no longer exists that should face the outside world, but rather an intellectual, political, and economic system—represented by its delegates—that should be willing to negotiate as independent delegations with those who brought down the Germany that, through the confusion of the three systems, had turned itself into an impossible social entity.

[ 25 ] Man hört im Geiste die Praktiker, welche über die Kompliziertheit des hier Gesagten sich ergehen, die unbequem finden, über das Zusammenwirken dreier Körperschaften auch nur zu denken, weil sie nichts von den wirklichen Forderungen des Lebens wissen mögen, sondern alles nach den bequemen Forderungen ihres Denkens gestalten wollen. Ihnen muß klar werden: entweder man wird sich bequemen, mit seinem Denken den Anforderungen der Wirklichkeit sich zu fügen, oder man wird vom Unglücke nichts gelernt haben, sondern das herbeigeführte durch weiter entstehendes ins Unbegrenzte vermehren.

[ 25 ] One can almost hear the practical-minded people in one’s mind complaining about the complexity of what has been said here, finding it inconvenient even to think about the interaction of three bodies, because they may know nothing of life’s real demands but want to shape everything according to the convenient demands of their own thinking. They must realize: either one will adapt one’s thinking to the demands of reality, or one will have learned nothing from misfortune, but will instead multiply the misfortune one has brought upon oneself through further misfortunes, ad infinitum.



[ 26 ] Mit diesem Aufrufe sind nun die drei genannten Herren nach Deutschland gereist, und in der Zeit, während ich meine Zürcher, Basler und Berner Vorträge hielt, haben sie sich bemüht, das in Wirklichkeit überzuführen, was wir uns vorgenommen hatten: etwa gegen hundert Unterschriften zu finden. Herr Stein hat die Aufgabe für Österreich übernommen, andere Herren haben sich hier in der Schweiz bemüht.

[ 26 ] In response to this call, the three gentlemen mentioned above have now traveled to Germany, and while I was giving my lectures in Zurich, Basel, and Bern, they worked to put into practice what we had set out to do: to collect about a hundred signatures. Mr. Stein took on the task for Austria, while other gentlemen worked on it here in Switzerland.

[ 27 ] Nun, es war ja bisher nur kurze Zeit, aber immerhin, wir, die wir ja einen ersten Schritt machen wollten, können voll damit zufrieden sein, was sich bis jetzt ergeben hat, denn einen solchen Aufruf, der unterstützt ist in der gleichen Weise, wie es der unglückselige Aufruf von dazumal war, den haben wir. Bei meinen letzten Vorträgen in Zürich — die ja ganz absichtlich in Zürich gehalten wurden, weil gewissermaßen jetzt die Schweiz der Drehpunkt ist für alle Verhältnisse der zivilisierten Welt —, bestand für mich die Absicht, schon darauf hinweisen zu können, daß da oder dort Menschen sich finden, bei denen das Verständnis angreift. Und so war es natürlich darum zu tun, das Ergebnis kennenzulernen vor dem letzten Zürcher Vortrage. Und es ergab sich das sehr Erfreuliche, daß mir schon am 11. gemeldet werden konnte: bis jetzt ungefähr hundert Namen, exklusive Schweiz und Wien, beisammen. Das wurde mir von Deutschland gemeldet, wo sich unsere Freunde nach allen Richtungen hin auf die Strümpfe gemacht haben, um diese Sache in der entsprechenden Weise in Wirklichkeit umzusetzen. Von Wien bekam ich das Telegramm an demselben Tage: Haben derzeit, 11. mittags, dreiundsiebzig Unterschriften, morgen sicher mehr. — Und am folgenden Tage: Gesamtresultat dreiundneunzig Unterschriften. — Das konnte Herr Stein melden. Dann ergaben sich noch eine weitere Anzahl von Unterschriften, die nachträglich gemeldet worden sind. Es sind also die Resultate bisher durchaus in befriedigender Weise zu verzeichnen. Und es wäre zu wünschen, da wir ja jetzt so weit sind, daß eine Anzahl von Menschen, und darauf kommt es ja bei einer solchen Aktion immer an, unter denen immerhin auch solche sind, die bekannt sind, auf die man etwas geben wird, daß eine Anzahl von Menschen einen solchen Aufruf, wo es nur sein kann, veröffentlichen, so daß er gesehen, gelesen wird, damit er vor die Augen derer kommt, die es angeht. Eigentlich geht er alle Menschen in der Gegenwart an. Man kann schon sagen: in den Untergründen der menschlichen Seelen gibt es etwas, was die Menschen dazu aufruft, sich an das Verständnis einer solchen Sache zu machen.

[ 27 ] Well, it’s only been a short time so far, but still, we—who wanted to take a first step—can be fully satisfied with what has come of it so far, because we now have a call to action that is supported in the same way as that ill-fated call from back then. During my most recent lectures in Zurich—which were deliberately held there, since Switzerland is now, in a sense, the linchpin of all conditions in the civilized world—my intention was to be able to point out that here and there people are coming forward for whom the message is taking hold. And so, naturally, the task was to find out the results before the final lecture in Zurich. And it turned out—to my great delight—that I was already informed on the 11th: so far, about a hundred names have been collected, excluding Switzerland and Vienna. This was reported to me from Germany, where our friends have set out in all directions to put this matter into practice in the appropriate manner. I received a telegram from Vienna on the same day: “As of noon on the 11th, we have seventy-three signatures; certainly more tomorrow.” — And the following day: “Total result: ninety-three signatures.” — That was the report from Mr. Stein. Then there were a number of additional signatures that were reported later. So the results so far are certainly satisfactory. And it would be desirable—since we have now come this far—that a number of people, and this is always what matters in such a campaign, including among them those who are well-known and whose opinions carry weight, publish such an appeal wherever possible, so that it is seen and read, and thus comes to the attention of those it concerns. In fact, it concerns everyone living today. One could even say: deep within the human soul there is something that calls upon people to strive to understand such a matter.

[ 28 ] Ich habe Ihnen ja im Laufe der Vorträge erzählt, wie die Idee, die jetzt in dieser Form zutage tritt, ja durchaus bei mir nicht neu ist, sondern in der Zeit, in der die kriegerische Katastrophe in eine entscheidende Wendung eingetreten war, habe ich mich bemüht, diesem notwendigen Impuls an den Stellen, die für mich in Betracht kamen, zur Wirksamkeit zu verhelfen. Ich habe Ihnen geschildert, wie das geschehen ist. Ich sagte dazumal Leuten, die für die Sache in Betracht kamen: Es ist nicht ein Programm, nicht ein Ideal, sondern es ist dasjenige, was beobachtet ist als Entwickelungskräfte der neueren Menschheit, was sich unbedingt in den nächsten zehn, zwanzig, dreißig Jahren verwirklichen will und verwirklichen wird. Nicht darum kann es sich handeln, ob es sich verwirklicht oder nicht, sondern lediglich darum, wie es sich verwirklicht. Und gar manchem, auf den es dazumal ankam, sagte ich: Sie haben nun die Wahl, entweder Vernunft anzunehmen und durch Vernunft so etwas zu verwirklichen — oder soziale Kataklysmen und Revolutionen zu erleben. Überzeugen konnten sich die Leute nur zu bald, daß das letztere keine falsche Prophezeiung war. Aber schwer findet der heutige bequeme Mensch den Weg von einem gewissen Verständnis zu dem Lebensmut, der notwendig ist, um so, wie es ihm nach seiner Position möglich ist, die Sache in die Wirklichkeit überzuführen.

[ 28 ] As I have told you in the course of these lectures, the idea that is now coming to light in this form is by no means new to me; rather, at the time when the catastrophe of war had reached a decisive turning point, I endeavored to help this necessary impulse take effect in the areas that were relevant to me. I have described to you how that happened. At the time, I told people who were relevant to the cause: It is not a program, not an ideal, but rather that which is observed as the developmental forces of modern humanity—forces that will inevitably come to fruition in the next ten, twenty, or thirty years. The question is not whether it will come to pass or not, but solely how it will come to pass. And to quite a few people who were key at the time, I said: You now have a choice—either to embrace reason and bring something like this about through reason—or to experience social cataclysms and revolutions. People were only too soon convinced that the latter was no false prophecy. But today’s complacent person finds it difficult to make the transition from a certain understanding to the courage to face life that is necessary to bring the cause to fruition, as far as his position allows.

[ 29 ] Hier in der Schweiz sind ja auch schon einzelne Unterschriften geleistet worden. Man hat hier immer das Bedenken, daß ja im ersten Teile dieses Aufrufes einiges gesagt ist über die notwendige Selbstbesinnung des deutschen Volkes und über den Irrtum, in dem das deutsche Volk befangen war. Da sagt man dann, man habe als Schweizer doch nicht die Möglichkeit, dem deutschen Volke Lehren zu geben über die Grenzen hinüber. Ich glaube, meine lieben Freunde, so sollte man heute nicht mehr sprechen. Solche Dinge mögen als alte Gedankenmumien eine gewisse Bedeutung gehabt haben vor dem Jahre 1914; aber in der Gegenwart haben diese Dinge keine Bedeutung mehr. In der Gegenwart sollte auch die Engherzigkeit, die aus einer solchen nationalen Beurteilungsweise kommt, aufhören. Das sollte nämlich das Unglück der letzten viereinhalb Jahre die Menschen gelehrt haben. Man sollte schon heute anders denken können — verzeihen Sie — auch in der Schweiz, als man vor viereinhalb Jahren gedacht hat; man sollte das. Denn man sollte auch hier einiges gelernt haben, so daß es entspricht dem, was einen da überkommt, wenn man mit einiger Einsicht die letzten viereinhalb Jahre verfolgt hat. Sie erscheinen einem dann wirklich wie Jahrhunderte, die sich über die Menschheit ergossen haben. Und höchst merkwürdig erscheint es einem, wenn aus den alten nationalen und sonstigen Vorurteilen heraus, die nun wirklich mit dem Jahre 1914 ihren Abschluß gefunden haben sollten, wenn aus diesen nationalen Vorurteilen oder aus Gedankenmumien heraus die Leute heute eine neue Weltordnung gestalten wollen, eine neue europäische Karte gestalten wollen. Dieses europäische Kartengebäude, das wird schnellstens umgeworfen durch die anderen Kräfte, die die allein mächtigen sind in der Gegenwart, die die einzigen bestimmenden sind für das, was man Politik genannt hat: die sozialen Faktoren. Denn alles übrige ist heute Maske. Das aber ist die Wirklichkeit. Und die Europäer werden sich sehr täuschen, wenn sie aus den alten Gedankenmumien heraus urteilen und auch ihre Einwände machen.

[ 29 ] Here in Switzerland, too, a few signatures have already been collected. People here always have the concern that the first part of this appeal says quite a bit about the German people’s need for self-reflection and about the error in which the German people were caught up. So they say that, as Swiss, they certainly do not have the right to lecture the German people from across the border. I believe, my dear friends, that we should no longer speak that way today. Such ideas may have had a certain significance as outdated relics of thought before 1914; but today, they no longer hold any significance. Today, the narrow-mindedness that stems from such a nationalistic way of thinking should also come to an end. For that is precisely what the misfortunes of the past four and a half years should have taught people. We should already be able to think differently today—forgive me—even in Switzerland, than we did four and a half years ago; we really should. For we should have learned a thing or two here as well, so that it corresponds to what comes over one when one has followed the last four and a half years with some insight. They then truly seem like centuries that have poured down upon humanity. And it seems highly strange to one when, out of the old national and other prejudices—which really should have come to an end in 1914—when, out of these national prejudices or out of mummified ideas, people today want to shape a new world order, want to shape a new map of Europe. This European map-making will be overturned in no time by the other forces—the only ones that are powerful in the present, the only ones that determine what has been called politics: the social factors. For everything else today is a mask. But that is reality. And Europeans will be greatly mistaken if they judge and raise their objections based on these old mummified ideas.

[ 30 ] Natürlich kann man sagen — ich könnte Ihnen nämlich sehr leicht ein Vademecum aller Widerlegungen geben —, natürlich kann jemand sagen: Ja, aber das ist ja gewissermaßen eine Angabe der Impulse für alle Staaten, das könnte ja erst werden, wenn alle Staaten den Anfang damit machen. Nein, meine lieben Freunde, ein einziger sogenannter Staat kann damit den Anfang machen; es ist dazu geeignet, daß ein einziger den Anfang machen kann. Und wenn einer den Anfang macht, dann hat er etwas getan für die ganze Menschheit. Das ist ja eben gerade das Unglück für das deutsche Volk, daß seine Reichsgründung in die Zeit der neueren Geschichte hineingefallen ist, in der, wenn ein neues Reich gegründet wurde, schon die Notwendigkeit vorhanden war, dieses Reich anzufüllen mit dieser Aufgabe. Und weil es dieses Reich nicht anfüllte mit dieser Aufgabe, hat man nicht verstanden, wozu es überhaupt in der Welt da ist. Wäre es angefüllt gewesen mit dieser Aufgabe, so wären alle Ereignisse anders verlaufen, denn man hätte seine Daseinsbedingungen ad oculus gesehen, oder seine Daseinsberechtigung eingesehen.

[ 30 ] Of course, one could say—and I could very easily provide you with a handbook of all the counterarguments—that this is, in a sense, a call to action for all states, and it could only come to pass if all states were to take the first step. No, my dear friends, a single so-called state can take the first step; the nature of the matter is such that a single state can take the first step. And if one does take the lead, then it has done something for all of humanity. That is precisely the misfortune of the German people: that the founding of their empire fell into a period of modern history in which, whenever a new empire was founded, there was already a need to fill that empire with this task. And because this empire did not fulfill this task, people failed to understand why it existed in the world at all. Had it fulfilled this task, all events would have unfolded differently, for people would have seen its conditions of existence clearly, or recognized its raison d’être.

[ 31 ] Heute urteilen ja die Leute aus Gedankenmumien heraus. Sehen Sie, es gibt auch eine Menge von Leuten in Europa, die nicht von ihren alten europäischen Gedankenmumien loskommen und die aber doch die Allerweltspersönlichkeit Wilson heute aus einem gewissen Schreck heraus — ich weiß nicht, wie ich es sagen soll — wie einen Erlöser betrachten. Aber die Leute müssen sich doch sagen: Sehen wir jetzt ganz ab von einer Beurteilung Wilsons, stellen wir aber die Tatsachenfrage: Wodurch ist denn dieser Wilson in seinem Lande der einflußreiche Mensch geworden, der er ist? — Dadurch, daß er gegen alle anderen Parteien diejenige Politik getrieben hat, aus einem gesunden amerikanischen Instinkt heraus, die genau entgegengesetzt ist dem, wohinein jetzt ein großer Teil von Europa segeln will. Ein großer Teil von Europa will hineinsegein in eine Gemeinschaft, in eine gesellschaftliche Gemeinschaftspolitik, in der die freiheitlichen, individuellen Kräfte des einzelnen Menschen untergehen. Wilson verdankt seine Wahl, seinen Einfluß, einzig und allein dem Umstande, daß er als amerikanischer Demokrat zur Entfesselung derjenigen Kräfte beigetragen hat, die als individuelle Kräfte im Wirtschaftsleben drinnensteckten. Nehmen wir einmal hypothetisch an: Europa erreicht die Ideale des Bolschewismus, erreicht die Ideale der Berner Sozialdemokratie, das heißt der Sozialdemokratie des sozialistischen Kongresses. Nehmen wir an, das werde verwirklicht; die Leute erreichten das, wovon sie träumen. Dann würde Europa ein Gebilde, aus dem — trotz aller nationalen Vorurteile — nach dem freien Amerika hinüber, in dem Wilson gerade durch das Entgegengesetzte groß geworden ist, alle freien Kräfte notwendigerweise abfluten würden. Eine furchtbare Konkurrenz zwischen Europa und Amerika müßte sich entspinnen, bei der unmöglich anderes geschehen kann, als daß Europa in Pauperismus verfällt und Amerika reich würde, nicht aus einem Unrecht heraus, sondern aus einer Torheit der europäischen Sozialpolitik heraus. Denn die Dinge würden sich so gestalten, wenn nicht die sozialen Kräfte, die zu entwickeln geradezu die Aufgabe der europäischen Menschheit ist, wenn nicht diese sozialen Kräfte so gedacht und verwirklicht würden, daß sie dem gesunden sozialen Organismus entsprechen.

[ 31 ] Today, people judge things based on their mental mummies. You see, there are also a lot of people in Europe who can’t break free from their old European mental mummies, and yet—out of a certain sense of dread, I don’t know how to put it—they view Wilson, this run-of-the-mill figure, as some kind of savior. But people must ask themselves: Let’s set aside any judgment of Wilson for now and focus on the facts: How did this Wilson become the influential figure he is in his own country? — Because, in contrast to all other parties, he has pursued—out of a sound American instinct—a policy that is exactly the opposite of the direction in which a large part of Europe now wants to sail. A large part of Europe wants to enter into a community, into a social policy of collective action, in which the liberal, individual forces of the single person are submerged. Wilson owes his election and his influence solely to the fact that, as an American Democrat, he helped unleash the forces that were latent as individual forces within economic life. Let us assume, hypothetically, that Europe achieves the ideals of Bolshevism, achieves the ideals of Bernese social democracy—that is, the social democracy of the Socialist Congress. Let us assume this were to be realized; that people achieved what they dream of. Then Europe would become an entity from which—despite all national prejudices—all free forces would necessarily flow toward free America, where Wilson has become great precisely through the opposite approach. A terrible competition between Europe and America would ensue, in which the only possible outcome would be that Europe would sink into pauperism and America would become rich—not as a result of any injustice, but because of the folly of European social policy. For this is how things would turn out if the social forces—the very development of which is the task of European humanity—were not conceived and realized in such a way that they correspond to a healthy social organism.

[ 32 ] Wir haben es in diesem Aufrufe nicht etwa bloß mit etwas zu tun, was ausgedacht ist, sondern mit etwas, das auf Kräfte verweist, die überall in der Wirklichkeit vorhanden sind, die verwirklicht werden müssen, ohne deren Verwirklichung wahrhaftig nicht nur das Schicksal Deutschlands und Österreichs, sondern das Schicksal von ganz Europa das sein muß, der Verarmung, der Verelendung und der Ungeistigkeit zu verfallen.

[ 32 ] In this appeal, we are not merely dealing with something that has been conceived, but with something that points to forces that are present everywhere in reality—forces that must be realized; without their realization, the fate of not only Germany and Austria, but of all of Europe, will truly be one of impoverishment, impoverishment, destitution, and spiritual decline.

[ 33 ] Wir leben eben in einer ernsten Zeit, in der sich mit kleinen Gedanken nicht auskommen läßt. In den Leuten lebt auch etwas, was sie hinzieht zu dem, was in diesem Aufrufe ausgesprochen ist. Man kann das schon beobachten. Und weil das so ist, weil man hoffen kann, doch den Zugang zu den Seelen, zu den Herzen der Menschen zu finden, ist nun versucht worden, das, was während der kriegerischen Katastrophe in der damals notwendigen Form versucht worden ist, wie ich es Ihnen erzählt habe, so umzugestalten, wie es für die heutigen Verhältnisse notwendig ist.

[ 33 ] We are living in serious times, when petty thoughts are not enough. There is also something within people that draws them to what is expressed in this appeal. You can already see this. And because this is the case—because there is hope of finding a way to reach people’s souls and hearts—an attempt has now been made to adapt what was attempted during the catastrophe of war, in the form necessary at that time—as I have told you—to what is necessary under today’s circumstances.

[ 34 ] Ich möchte nur hoffen, daß niemand denke, daß so eine Sache eine absolute Bedeutung hat. Ich habe einem Herrn, auf den es später ankam, im Januar 1918 in der Form, in der es dazumal verfaßt war, von dieser Sache gesprochen, aber so, daß ich sagte: Diese Sache kann natürlich nach den Zeitverhältnissen immer andere und andere Formen annehmen, denn es handelt sich nicht um eine Theorie, nicht um ein Programm, nicht um ein Ideal, sondern es handelt sich um etwas, was aus der Wirklichkeit heraus gedacht ist. — Und ich habe weiter gesagt: Weil es aus der Wirklichkeit heraus gedacht ist, so handelt es sich mir gar nicht darum, worum es sich vielen Utopisten handelt. Die Utopisten, die Programme aufstellen, denken sich, daß alles schlecht ist, wenn diese Dinge nicht so verwirklicht werden, wie sie sie in ihren Programmen formulieren. Mir kommt es darauf überhaupt nicht an. Es könnte zum Beispiel sein, daß eine solche Sache in die Seelen einschlägt, daß man sie, weil sie praktisch gedacht ist, beginnt, in das praktische Leben umzusetzen. Es kann auf jedem Gebiete heute schon ganz klar gesagt werden, wie man es anzufangen hat, um es auf einem Gebiete ins praktische Leben umzusetzen. Aber ich könnte mir denken, daß dann von dem, was hier gesagt ist, was auch in meinen Vorträgen in Zürich, Bern und Basel gesagt worden ist, kein Stein bleibt, sondern sich alles anders gestaltet. Wer wirklichkeitsgemäß denkt, dem kommt es nicht darauf an, daß seine Formeln, seine Sätze sich verwirklichen, sondern daß irgendwo in der Wirklichkeit angefaßt wird. Man wird dann schon sehen, was herauskommt. Darauf kommt es an; vielleicht wird alles anders — das will ich durchaus als eine Möglichkeit andeuten —, daß aber dasjenige herauskommen muß, was den Verhältnissen angemessen ist, das ist sicher. Denn es ist nicht irgendein abstraktes Ideal, nicht irgendein Programm aufgestellt, sondern es sind einfach die Wirklichkeitskräfte angefaßt. So weit als möglich entfernt von aller Phantasterei, von aller Schulmeisterei soll dasjenige sein, um was es sich jetzt handelt. Daher war ich so erstaunt, als mir eine vielgenannte Persönlichkeit, von der die Voraussetzung gemacht wurde durch einen der drei Herren, die ich genannt habe, daß sie auch diesen Aufruf unterschreiben könnte, als mir diese vielgenannte Persönlichkeit sagen ließ: Ja, er hätte geglaubt, daß gerade ich, wenn ich einen solchen Aufruf machte, mehr an den Geist der Menschheit appellierte und sagte, daß jetzt nur ein Heil in die Menschheit kommen kann, wenn die Menschheit den Weg wiederum zum Geist findet.

[ 34 ] I can only hope that no one thinks such a matter has absolute significance. In January 1918, I spoke to a gentleman—who would later play an important role—about this matter in the form in which it was written at the time, but I said: This matter can, of course, take on ever-changing forms depending on the circumstances of the time, for it is not a theory, not a program, not an ideal, but rather something conceived out of reality. — And I went on to say: Because it is conceived out of reality, I am not at all concerned with what many utopians are concerned with. The utopians who draw up programs imagine that everything is bad if these things are not realized exactly as they are formulated in their programs. That is not at all what matters to me. It could be, for example, that such an idea strikes a chord in people’s hearts, so that—because it is conceived in practical terms—they begin to put it into practice in everyday life. In every field today, it can already be stated quite clearly how to go about putting it into practice in that particular field. But I could imagine that then, of what has been said here—and what was also said in my lectures in Zurich, Bern, and Basel—not a single stone will remain standing; rather, everything will take on a different form. For those who think in terms of reality, what matters is not that their formulas or statements come to pass, but that a hold is gained on reality somewhere. We’ll see what comes of it. That’s what matters; perhaps everything will turn out differently—I certainly want to suggest that as a possibility—but what must emerge is what is appropriate to the circumstances; that is certain. For it is not some abstract ideal, nor is some program being set forth, but rather the forces of reality are simply being engaged. What is at stake now should be as far removed as possible from all fantasy and all pedantry. That is why I was so astonished when a much-discussed figure—about whom one of the three gentlemen I mentioned had assumed might also sign this appeal—had it conveyed to me: “Yes, he would have believed that I, of all people, if I were to issue such an appeal, would appeal more to the spirit of humanity and say that salvation can now come to humanity only if humanity finds its way back to the spirit.”

[ 35 ] Also die Leute wollen, daß man die Phrase vom Geist immer wieder und wiederum wiederholt: Geist, Geist und Geist! Aber darum handelt es sich nicht; sondern darum, daß sich der Geist zeigt, daß der Geist sich imstande erweist, die Tatsachen wirklich zu gestalten. Das sind die größten Schädlinge im Grunde, die fortwährend vom Geiste reden, ohne irgendwie auf die Wirklichkeit dieses Geistes hindeuten zu wollen. Denn sie reden eigentlich nur im Sinne einer Ideologie und nicht vom Geiste. Und es ist dankenswert, meine lieben Freunde, daß sich aus dem Schoße unserer Gesellschaft heraus Persönlichkeiten gefunden haben, welche Verständnis haben — aber Tatverständnis, so daß sie auch wirklich etwas tun —, Tatverständnis haben für dasjenige, was hier gewollt wird. Und immerhin zeigen sich ja die Echos.

[ 35 ] So people want us to repeat the phrase “the Spirit” over and over again: Spirit, Spirit, and Spirit! But that is not the point; the point is that the Spirit reveals itself, that the Spirit proves itself capable of truly shaping reality. These are, in essence, the greatest pests—those who constantly speak of the Spirit without ever intending to point to the reality of that Spirit. For they are actually speaking only in the sense of an ideology, and not of the Spirit. And we should be grateful, my dear friends, that from within our society there have emerged individuals who possess understanding—but practical understanding, such that they actually do something—practical understanding of what is intended here. And after all, the echoes are beginning to be heard.

[ 36 ] Unser Freund Dr. Boos hat dann, nachdem mein letzter Vortrag in Zürich geschlossen war und ich hingewiesen hatte auf das Ergebnis und auf diesen Aufruf, seinerseits seinen Appell erlassen, daß sich gleich aus der Versammlung heraus eine Anzahl von Menschen melden sollten und ihre Adressen abgeben sollten, die gewillt waren, praktisch an der Sache mitzuarbeiten. Und auch da war das Ergebnis ein für diesen Abend ja außerordentlich befriedigendes. Gewiß, es sind auch Einwendungen gemacht worden. Ich kann die Einwendungen gut verstehen. Aber diese Einwendungen sind so, daß man eben daraus sieht: die Leute stehen heute nicht in der Wirklichkeit, sind Schwarmgeister. Wirklich, es sind ja gerade diejenigen, die man bis heute für die größten Praktiker gehalten hat, eigentlich Schwarmgeister. Deshalb habe ich in Zürich bei einem Vortrage gesagt: Was ist so recht ein Beispiel für einen Schwarmgeist der Gegenwart, für einen Schwärmer? — Der General Ludendorff! Das ist der Typus, der Repräsentant eines Schwarmgeistes; ein Mensch, der sich meinetwillen gut oder schlecht — aber meiner Meinung nach schlecht — auf Strategie verstanden hat, aber in bezug auf alles andere ganz fern allem Leben gestanden hat, zum Unheil einen großen Einfluß gehabt hat, ganz fern aller Wirklichkeit gestanden hat, nichts ahnte von den Bedingungen der Wirklichkeit, in der er tätig sein sollte, ein so abstrakter Idealist war, wie nur irgendein sozialistischer Utopist abstrakter Idealist ist. Man sollte endlich diesen verruchten Begriff des «Praktikers», der so unendliches Unheil über die Menschheit gebracht hat, einmal ganz tüchtig ins Auge fassen. Diese Praxis, die bisher gegolten hat, die nichts anderes ist, als durch Brutalität in Wirklichkeit umgesetzte Schwarmgeisterei, unwirkliche Denkungsweise, die ist es, die vor allen Dingen verschwinden muß. Darauf kommt es an, meine lieben Freunde. Und aus solchem Geiste heraus ist dasjenige, was kommen muß gerade aus anthroposophisch orientierter geisteswissenschaftlicher Bewegung.

[ 36 ] After my last lecture in Zurich had concluded and I had referred to the outcome and to this call to action, our friend Dr. Boos issued his own appeal, urging a number of people in the audience to come forward immediately and provide their addresses if they were willing to actively participate in the effort. And there, too, the result was extraordinarily satisfying for that evening. Certainly, objections were raised. I can well understand these objections. But these objections are such that one can see from them: people today are not grounded in reality; they are dreamers. Indeed, it is precisely those who have been regarded until now as the greatest practitioners who are, in fact, dreamers. That is why I said during a lecture in Zurich: What is a good example of a modern-day dreamer, of an idealist? — General Ludendorff! He is the archetype, the representative of a dreamer; a man who, for better or worse—but in my opinion for the worse—understood strategy, but who, in every other respect, was completely detached from all of life, exerted a great and disastrous influence, stood entirely removed from all reality, had no inkling of the conditions of the reality in which he was supposed to operate, and was as abstract an idealist as any socialist utopian could be. We should finally take a good, hard look at this nefarious concept of the “practitioner,” which has brought such infinite harm upon humanity. This “practice,” which has prevailed until now—and which is nothing other than fanciful idealism and an unrealistic way of thinking, brutally imposed upon reality—is what must disappear above all else. That is what matters, my dear friends. And it is out of this very spirit that what must come will emerge precisely from the anthroposophically oriented spiritual-scientific movement.

[ 37 ] Das habe ich Ihnen heute als etwas, was ja immerhin auch aus dem Schoße unserer Bewegung hervorgegangen ist, mitteilen wollen in diesem episodisch sich in unsere Vortragsreihe einreihenden Abend.

[ 37 ] That is what I wanted to share with you today—as something that, after all, also emerged from the very heart of our movement—on this evening, which is part of our lecture series.