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Past and Future Influences on Social Events
GA 190

21 March 1919, Dornach

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Past and Future Influences on Social Events, tr. SOL
  1. Vergangenheits- und Zukunftsimpulse im sozialen Geschehen

Erster Vortrag

First Lecture

[ 1 ] Ich habe schon öfter darauf hingewiesen, wie das Bedürfnis der neueren Menschheit nach einer Sozialisierung der gesellschaftlichen Ordnung gerade aus den in der Gegenwart stärker als in früheren Zeiten hervortretenden antisozialen Impulsen der Menschen entspringt. Die Menschen sind ihrem Empfindungsleben, überhaupt ihrem Seelenleben nach heute wesentlich antisozialer als in früheren Zeiten. Und man möchte sagen: In bezug auf die mehr elementarische, natürliche Entwickelung der Menschheit nehmen die antisozialen Triebe zu. Man kann ferner sagen: Im Laufe der vier letzten Jahrhunderte haben sich die Menschen mehr oder weniger — es liegt dem ja eine geschichtliche Notwendigkeit zugrunde — gewissen antisozialen Impulsen im weiten Umkreise des gesellschaftlichen Lebens überlassen. Und die Gegenströmung gegen dieses Sich-den-antisozialen-Impulsen-Überlassen ist der Ruf nach Sozialisierung. Gerade deshalb flammt im Bewußtsein der Menschen dieser Ruf nach Sozialisierung auf, weil im Unterbewußten der Menschen starke antisoziale Triebe erwachen.

[ 1 ] I have often pointed out how modern humanity’s need for a socialization of the social order stems precisely from the antisocial impulses in people, which are more pronounced today than in earlier times. In terms of their emotional life—and indeed their entire inner life—people today are fundamentally more antisocial than in earlier times. And one might say: In relation to the more elemental, natural development of humanity, antisocial impulses are on the rise. One can further say: Over the course of the last four centuries, people have more or less—and this is, after all, based on a historical necessity—surrendered to certain antisocial impulses across a wide range of social life. And the countercurrent to this surrender to antisocial impulses is the call for socialization. It is precisely because strong antisocial impulses are awakening in people’s subconscious that this call for socialization is flaring up in their consciousness.

[ 2 ] Man kann dieses heute bis in das intimste Seelenleben hinein verfolgen. Niemals ist es jedoch den Menschen so schwer gewesen, sich von irgend etwas zu überzeugen, das ihnen als Meinung entgegentritt oder auch als die Beweisführung eines anderen, niemals war die Starrköpfigkeit mit Bezug auf das Stehenbleiben auf Meinungen so groß, wie sie in der Gegenwart ist. Und wenn es einmal vorkommt, daß jemand auf das Einseitige einer jeden menschlichen Meinung, ja auch auf das Einseitige alles dessen, was man menschliche Wahrheit nennt, aufmerksam macht, wenn es einmal vorkommt, daß jemand die Dinge von verschiedenen Seiten her beleuchtet, dann macht man ihm den Vorwurf, daß er einmal die eine, einmal die andere Meinung äußere. Wir werden zu gesunder Sozialisierung, die auf sozialem Verständnis der Menschen beruht, nicht kommen, wenn nicht diese Fähigkeit der Anpassung des Einzelmenschen an den anderen auch für die menschliche Seele eintritt.

[ 2 ] Today, one can trace this all the way into the most intimate recesses of the soul. Yet never has it been so difficult for people to be convinced by anything that challenges their opinions or even by another person’s line of reasoning; never has the stubbornness in clinging to one’s opinions been as great as it is today. And if it ever happens that someone draws attention to the one-sidedness of every human opinion—indeed, to the one-sidedness of everything we call human truth—if it ever happens that someone examines things from different angles, then they are accused of expressing one opinion one moment and another the next. We will not achieve healthy socialization, based on social understanding among people, unless this ability of the individual to adapt to others is also recognized as a quality of the human soul.

[ 3 ] Nun ist es natürlich in der geschichtlichen Entwickelung tief, ganz tief begründet, daß das heute so ist mit den antisozialen Trieben. Denn die Menschen entwickeln sich ja seit der Mitte des 15. Jahrhunderts im Zeitalter der Bewußtseinsseele. Die Menschen sollen nach und nach auf die Grundlage des individuellen Bewußtseins sich stellen. Sie können also zu einem sozialen Leben auch nur auf eine andere Art gelangen als in früheren Zeitaltern, wo noch die Gruppeninstinkte, die Gruppen-Iche eine viel größere Rolle spielten, als sie heute spielen. Daher sehen wir überall heute in dem gesellschaftlichen Leben der Menschen Diskrepanzen. Wir sehen merkwürdiges Nichtzusammenstimmen. Der Mensch hat immer etwas in sich irgendwo in den Untergründen seiner Seele, durch das er alles, was in irgendeiner Zeit sich offenbaren kann, versteht. Nur ist er gewöhnlich mit seinem Kopfverständnis, mit seinem Verstande, nicht weit genug. Da kann dann die merkwürdige Erscheinung eintreten — die gerade von denjenigen beobachtet werden sollte, die sich einer geisteswissenschaftlichen Bewegung anschließen —, daß gerade diejenigen, die zuviel gelernt haben in irgendeiner Richtung, zurückbleiben in der Entwickelung. Wir erleben das heute in ausreichendstem Maße. Wir würden heute in bezug auf das Verständnis des sozial Notwendigen viel raschere Fortschritte machen können, wenn nicht die Massen von denjenigen zurückgehalten würden, die von dem Alten zuviel gelernt haben, die zuviel in alten Begriffen leben, die zu starrköpfig sich angepaßt haben den alten Begriffen. Im Ganzen kann man sagen, daß heute die breite Masse des Proletariats für die fortgeschrittensten Impulse ganz gewiß Verständnis haben würde, wenn sie nicht zurückgehalten würde von jener Führerschaft, welche seit Jahrzehnten sich eingepaßt hat in ganz bestimmte starre Begriffe, und nun nicht weiterkann. Das Zurückgehaltenwerden der Menschen durch diejenigen, die zuviel gelernt haben, gerade zuviel gelernt haben von demjenigen, was man im 19. Jahrhundert lernen konnte, das ist etwas sehr Bedeutsames für das psychologische Verständnis unserer Zeit. Man wird deshalb nur langsam und allmählich etwas einsehen können, was aber ganz intensiv notwendig ist einzusehen.

[ 3 ] Of course, the fact that antisocial impulses are so prevalent today is deeply, very deeply rooted in historical development. For since the mid-15th century, human beings have been developing in the age of the conscious soul. Human beings are meant to gradually establish themselves on the foundation of individual consciousness. Consequently, they can only attain a social life in a different way than in earlier eras, when group instincts and group egos played a much greater role than they do today. That is why we see discrepancies everywhere in people’s social lives today. We see strange inconsistencies. Human beings always have something within them, somewhere in the depths of their soul, through which they understand everything that may reveal itself at any given time. But usually, their intellectual understanding—their reason—does not go far enough. This can then give rise to a curious phenomenon—one that should be observed precisely by those who join a spiritual scientific movement—namely, that it is precisely those who have learned too much in a particular direction who lag behind in their development. We are experiencing this to a more than sufficient degree today. We would be able to make much faster progress today in understanding what is socially necessary if the masses were not held back by those who have learned too much from the old ways, who live too much in old concepts, who have adapted themselves too stubbornly to those old concepts. On the whole, one can say that today the broad masses of the proletariat would certainly have an understanding of the most progressive impulses if they were not held back by that leadership which, for decades, has conformed to very specific, rigid concepts and is now unable to move forward. The fact that people are held back by those who have learned too much—specifically, too much of what could be learned in the 19th century—is something of great significance for the psychological understanding of our time. Consequently, people will only be able to come to realize something slowly and gradually, even though it is absolutely essential to do so.

[ 4 ] Woran — das muß man immer wieder und wieder fragen — haben denn die gegenwärtig führenden Menschen ihre Begriffe, ihre Vorstellungen, ihre Empfindungen, auch ihr soziales Wollen ausgebildet? Sie haben es ausgebildet an den naturwissenschaftlichen Vorstellungen, die im 19. Jahrhundert eine so große, eine so entscheidende Rolle gespielt haben. Man darf sich darüber keiner Täuschung hingeben. Naturwissenschaftliche Vorstellungen sind überall eingedrungen. Aber naturwissenschaftliche Vorstellungen, so wie sie sich in den letzten vier Jahrhunderten ergeben haben, sind nur anwendbar für das Tote, Ersterbende, für dasjenige, was kein Leben mehr hat. Es ist nicht eine Außerlichkeit, sondern es ist tief im Wesen der Sache begründet, daß die gegenwärtigen Vorstellungen über das Wesen des Menschen nur dasjenigegelten lassen, was man an der Leiche gewinnt, was man überhaupt außer dem Zusammenhang des Lebens gewinnt, Was naturwissenschaftliche Vorstellungen geben können über den Menschen, das führt nicht zum Menschen, nicht zum Homo, das führt bloß zum Homunkulus. Und darum denken die Menschen, wenn sie sozial zu denken beginnen heute, eigentlich immer an der Wirklichkeit vorbei. Sie denken nur an dasjenige, was im Grunde genommen die soziale Organisation zerstört, was sie abbaut, und nicht an das, was der sozialen Organisation neues befruchtendes Leben zuführt. Weil die Menschen in den letzten vier Jahrhunderten keine Vorstellungen über das Lebendige aufgenommen haben, haben sie auch nicht gelernt, dem gesunden Organismus fruchtbares Leben zuzuführen. Es ist die Tragik der gegenwärtigen Zeit, daß wir nur von Begriffen über das Tote leben, und daß der soziale Organismus von uns fordert, Impulse geltend zu machen, die dem Leben gelten. Aber wir haben gerade innerhalb desjenigen, was heute als die Menschheitsbildung angesehen wird, keinen Begriff vom Lebendigen. Frägt denn heute jemand nach dem sozialen Organismus wie nach einem Lebendigen? Er tut das nicht.

[ 4 ] Where—and this is a question we must ask again and again—have today’s leaders formed their concepts, their ideas, their feelings, and even their social aspirations? They have formed them based on the scientific ideas that played such a major, such a decisive role in the 19th century. We must not delude ourselves about this. Scientific concepts have permeated every sphere of life. But scientific concepts, as they have developed over the last four centuries, are applicable only to the dead, to what is dying, to that which no longer possesses life. It is not a superficial matter, but is deeply rooted in the very nature of the matter, that current conceptions of human nature accept only what is derived from a corpse—what is derived entirely outside the context of life. What scientific conceptions can offer about human beings does not lead to the human being, not to Homo; it leads merely to the homunculus. And that is why, when people today begin to think in social terms, they actually always miss the mark when it comes to reality. They think only of what, in essence, destroys social organization—what breaks it down—and not of what infuses social organization with new, life-giving vitality. Because people have not absorbed any concepts of the living over the past four centuries, they have also failed to learn how to infuse a healthy organism with fruitful life. It is the tragedy of our time that we live solely on concepts of the dead, and that the social organism demands of us that we bring to bear impulses that are directed toward life. But precisely within what is regarded today as human education, we have no concept of the living. Does anyone today ask about the social organism as if it were a living being? They do not.

[ 5 ] Ich habe Sie schon neulich darauf hingewiesen: Stellen wir uns vor, daß jemand die Frage aufwürfe: Warum sollen wir immer essen? Wir sättigen uns durch das Essen, aber wir erreichen nichts anderes, als daß wir nachher wiederum Hunger haben; also könnten wir ja gleich den Hunger behalten! — Nicht wahr, es wäre eine Torheit, wenn jemand dem narüclichen: Organismus gegenüber so dächte; aber nach diesem Torenmuster denkt man eigentlich immer mit Bezug auf den sozialen Organismus! Das bewirkt, daß dieser soziale Organismus immer wiederum durchzittert und durchbebt werden muß von Erschütterungen, die, wenn das Mißverstehen des sozialen Lebens ganz besonders lange dauert, eben revolutionsartige Erschütterungen und sogar Revolutionen im Großen werden müssen. Weil in den letzten Jahrhunderten die Menschen sich verrannt haben in alle möglichen sozialen Illusionen, deshalb ist der furchtbare revolutionäre Zug in unserer Zeit entstanden. Was kann da nur helfen? Es kann nur helfen, das soziale Leben als etwas wirklich Lebendiges anzusehen. Was ist denn eigentlich eine Revolution? Sehen Sie, eine Revolution ist nichts anderes als das, was sich summiert aus lauter notwendigen kleinen Revolutionen. Revolutionen gibt es nämlich immer. Wie im natürlichen menschlichen Organismus, der auch von einer Sättigungsperiode zur anderen sehr bedeutsame Revolutionen durchmacht, so gibt es immer Revolutionen im sozialen Organismus. Warum? Weil es gar nicht anders sein kann, als daß durch das Zusammenwirken der individuellen menschlichen Fähigkeiten, des geistigen Anteiles des Menschen mit dem Wirtschaftsleben fortwährend die Neigung entsteht, daß einzelne Menschen die Oberhand gewinnen über andere. Diese Tendenz ist einfach im Wirtschaftsleben und im geistigen Leben immer vorhanden. Es ist im Wirtschaftsleben zum Beispiel immer die Neigung vorhanden, Kapital zu bilden. Würde diese Neigung des Wirtschaftslebens nicht vorhanden sein, Kapital zu bilden, so würde das Wirtschaftsleben überhaupt ersterben müssen. Denn nur durch das Kapital ist es möglich, daß in unserer fortgeschrittenen Zeit die komplizierten Produktionsmittel da sind.

[ 5 ] I pointed this out to you the other day: Let’s imagine that someone were to ask, “Why do we always have to eat?” We satisfy our hunger by eating, but we achieve nothing other than feeling hungry again afterward; so we might as well just stay hungry! — Wouldn’t it be foolish for anyone to think that way about the natural organism? Yet people actually always think along these foolish lines when it comes to the social organism! This means that this social organism must constantly be shaken and shaken again by upheavals which, if the misunderstanding of social life persists for a particularly long time, inevitably become revolutionary upheavals and even full-scale revolutions. Because in recent centuries people have become entangled in all manner of social illusions, this is why the terrible revolutionary trend has arisen in our time. What can possibly help here? The only solution is to view social life as something truly alive. What, after all, is a revolution? You see, a revolution is nothing other than the sum total of countless necessary small revolutions. Revolutions, in fact, are always taking place. Just as in the natural human organism, which also undergoes very significant revolutions from one period of saturation to the next, so too are there always revolutions in the social organism. Why? Because it cannot be otherwise: through the interplay of individual human abilities—the spiritual aspect of human beings—with economic life, there is a constant tendency for some individuals to gain the upper hand over others. This tendency is simply always present in economic life and in spiritual life. In economic life, for example, there is always a tendency to accumulate capital. If this tendency to accumulate capital were not present in economic life, economic life itself would have to come to a standstill. For it is only through capital that the complex means of production can exist in our advanced age.

[ 6 ] Aber die Arbeitsleistung an diesen Produktionsmitteln läßt sich durch gar nichts anderes erreichen als durch die individuellen menschlichen Fähigkeiten. Indem sich Kapital bildet, bilden sich selbstverständlich immer kleine Revolutionsherde. Und das Regieren muß darinnen bestehen, wachsam zu sein über das Bilden der kleinen Revolutionsherde. Fortwährend muß der Revolution entgegengearbeitet werden, aber nicht indem man frägt: Wie kann man verhindern, daß Kapital entsteht? —, sondern: Was muß mit dem Kapital geschehen, wenn es eine gewisse Zeit hindurch an einem Orte sich entwickelt hat? — Es muß übergeleitet werden von der einen Individualität auf die andere! Das ist es, worauf es ankommt. Es muß der Weg gefunden werden, auch für die materiellen Güter, die sich in den Produktionsmitteln ausdrücken, der, wie ich neulich zu Ihnen gesagt habe, für das schofelste Gut, das die heutige Menschheit als schofelstes Gut eben ansieht, als der gangbare befunden wird. Was man geistig produziert, geht nach einiger Zeit für die Familie des Produzenten verloren, es geht in die Allgemeinheit über. Die materiellen Güter müssen sogar schon in dem Augenblicke, wo sie keinen Zusammenhang mehr haben mit der individuellen Fähigkeit des Menschen, ihren Übergang finden in den sozialen Organismus, so daß sie wiederum durch andere individuelle Fähigkeiten am besten verwertet werden. Sozialistische Denker stellen heute mit Bezug auf den sozialen Organismus ganz falsche Fragen. Sozialistische Denker fragen heute: Wie kann man das Privateigentum an Produktionsmitteln, auch an Grund und Boden, verhindern? Das heißt: Wie kann man das Leben des sozialen Organismus abtöten? Man hat eben gesehen im Lauf der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, daß das Privatkapital an Produktionsmitteln und an Grund und Boden große Schäden hervorbringt. Die einfachste Frage scheint dann diese: Wie schafft man dasjenige, was Schäden hervorbringt, ab, wie läßt man es gar nicht aufkommen? Aber das ist eine ertötende Frage. Eine lebendige Frage ist diese: Was macht man mit dem Privatkapital, damit es nicht weiter Schaden anrichte? Wie trennt man es in entsprechender Weise von dem Privatkapitalisten und führt es über, wenn er selber nicht mehr im Dienste des sozialen Organismus produziert, an einen anderen Produzenten? Die Fragen schon müssen aus einem viel tieferen Verständnis heraus gestellt werden, als die gegenwärtige Menschheit auch nur ahnt. Die gegenwärtige Menschheit lebt eigentlich in ihren Illusionen nur deshalb, weil sie die Konsequenzen dieser Illusionen nicht in der Wirklichkeit zieht. Allerlei nationalökonomische Professoren über alle Universitäten der Welt hin lehren heute mancherlei Dinge nach dem Rezept: Wasch mir den Pelz, doch mach ihn nicht naß. — Das ist die Grundlage dieser Lehren, die so etwas nach Sozialisierung hinschielen. Die ganz alten antisozialen Lehren werden nur noch von einigen alten Knöpfen vertreten. Aber daß diese braven Professoren diese Dinge lehren, ist ja nur darum möglich, weil sie nicht die Konsequenzen ziehen. Die Konsequenzen desjenigen, was diese Professoren lehren, die ziehen Lenin und Trotzkij. Da ist ein kontinuierlicher Zusammenhang. Und man müßte eigentlich sich aufschwingen zu einem ganz anderen Denken gegenüber dem sozialen Organismus. Man müßte eben nicht bei den alten Denkgewohnheiten stehenbleiben, sondern zu neuen Denkgewohnheiten übergehen, weil die alten Denkgewohnheiten, konsequent durchgeführt, zum Raubbau führen müssen an der alten gesellschaftlichen Ordnung. Und dazu können sich die Menschen so schwer entschließen, sich zu neuen Denkgewohnheiten zu bequemen. Das wird vielleicht so lange nicht eintreten, bis die Menschen wirklich geisteswissenschaftlich denken und an den Gedanken, die sie sich an der Geisteswissenschaft angewöhnen, auch die Lehrmeister, vielleicht besser die Zuchtmeister, haben werden für die Art, wie sie sozial denken sollen. Es wird doch immer etwas Halbes bleiben, wenn man bloß soziale Lehren heute verbreitet, ohne sie zu durchtränken mit den eigentlich geisteswissenschaftlichen Lehren, die das Denken und das Empfinden und das Vorstellen, vor allen Dingen das Urteilen erst so biegsam machen, wie wir es heute brauchen, wenn wir uns hineinfügen wollen in die große Lebenskomplikation, die nun einmal über die neuere Menschheit notwendig heraufgezogen ist.

[ 6 ] But the output of these means of production can be achieved by nothing other than individual human abilities. As capital accumulates, small hotbeds of revolution naturally arise. And governing must consist of being vigilant about the formation of these small hotbeds of revolution. We must constantly work against the revolution, but not by asking: How can we prevent capital from arising? — but rather: What must happen to capital once it has developed in one place for a certain period of time? — It must be transferred from one individual to another! That is what matters. A way must be found—even for material goods, which are expressed in the means of production—that, as I recently told you, is deemed the most practical for the most mundane good that today’s humanity regards as the most mundane good. What is produced intellectually is, after some time, lost to the producer’s family; it passes into the public domain. Material goods, on the other hand, must be transferred to the social organism the very moment they no longer have any connection to an individual’s capacity, so that they may in turn be put to the best use by other individual capacities. Socialist thinkers today ask entirely the wrong questions with regard to the social organism. Socialist thinkers today ask: How can we prevent private ownership of the means of production, including land? In other words: How can one kill the life of the social organism? We have just seen, in the course of the capitalist economic order, that private capital in the means of production and in land causes great harm. The simplest question then seems to be this: How does one eliminate that which causes harm; how does one prevent it from arising in the first place? But that is a destructive question. A living question is this: What should be done with private capital so that it no longer causes harm? How can it be appropriately separated from the private capitalist and transferred—when he himself no longer produces in the service of the social organism—to another producer? These questions must be posed from a much deeper understanding than present-day humanity even suspects. Humanity today actually lives in its illusions only because it does not draw the real-world consequences of these illusions. All sorts of professors of economics at universities around the world today teach various things according to the formula: “Wash my fur, but don’t get it wet.”—That is the foundation of these teachings, which are only half-heartedly aimed at socialization. The very old antisocial doctrines are now advocated only by a few old fogies. But the fact that these respectable professors teach such things is only possible because they do not draw the necessary conclusions. Lenin and Trotsky are the ones who draw the conclusions from what these professors teach. There is a continuous connection here. And we really ought to rise to a completely different way of thinking about the social organism. We simply must not remain stuck in old ways of thinking, but must move on to new ways of thinking, because the old ways of thinking, if carried out consistently, must lead to the overexploitation of the old social order. And yet people find it so difficult to bring themselves to adopt new ways of thinking. This may not happen until people truly think in terms of the spiritual sciences and, alongside the ideas they acquire through the spiritual sciences, also have teachers—or perhaps, more accurately, disciplinarians—to guide the way they think socially. It will always remain a half-measure, after all, if one merely disseminates social teachings today without imbuing them with the actual spiritual-scientific teachings—which are what make thinking, feeling, and imagining, and above all judgment, as flexible as we need them to be today if we wish to adapt to the great complexity of life that has inevitably descended upon modern humanity.

[ 7 ] Muß man denn nicht eigentlich fragen: Was ist denn dieser Mensch, der hineingestellt sein soll in den sozialen Organismus, diesen menschheitlichen Organismus? Kann man eigentlich sich versprechen, über den sozialen Organismus richtig zu empfinden, wenn man nicht zuerst richtig empfindet über den Menschen selber? Denn der Mensch ist ja ein Glied dieses sozialen Organismus. Nun hat aber die Naturwissenschaft trotz aller ihrer großen: Fortschritte vom Verständnis des wirklichen Menschen weggeführt, nicht dazu hingeführt. Das ist dasjenige, was ins Auge gefaßt werden muß.

[ 7 ] Shouldn’t we actually ask: What, then, is this human being who is to be placed within the social organism, this human organism? Can we really hope to have a proper understanding of the social organism if we do not first have a proper understanding of the human being himself? For the human being is, after all, a member of this social organism. Yet, despite all its great advances, natural science has led us away from an understanding of the real human being, not toward it. This is what must be taken into account.

[ 8 ] Wenn man heute den Leuten davon spricht: Seht, der gesunde soziale Organismus muß aus den drei selbständigen Gliedern, der geistigen Organisation, der politischen Staats- und Rechtsorganisation und der Wirtschaftsorganisation bestehen, und wenn man dann hinweist darauf, daß der natürliche Mensch auch aus drei Gliedern besteht, aus dem Nerven-Sinnessystem, aus dem Lungen-Herz- oder rhythmischen System, und aus dem Stoffwechselsystem, da kommen die gescheiten Leute und sagen: Wieder solch ein Spiel mit Analogien! Es handelt sich aber nicht um ein Spiel mit Analogien, es handelt sich darum, daß man auf der einen Seite den Geist an einem richtigen Verständnis des natürlichen Menschen schult, damit man mit dem so geschulten Geist auch den sozialen Organismus richtig auffassen kann. Nicht darum handelt es sich, von dem einen auf das andere hinüberzuschließen, wie früher der Schäffle, jetzt wieder der Meray es getan haben, sondern darum, sein Denken so beweglich zu machen an dem menschlichen Organismus, daß man auch wirklich den sozialen Organismus in seinen Bedürfnissen verstehen kann.

[ 8 ] When you talk to people about this today: “Look, a healthy social organism must consist of three independent members: the spiritual organization, the political and legal organization, and the economic organization,” and when you then point out that the natural human being also consists of three members—the nervous-sensory system, the lung-heart or rhythmic system, and the metabolic system—the clever people come along and say: “There goes that game of analogies again!” But this is not a game of analogies; the point is to train the spirit, on the one hand, to correctly understand the natural human being, so that with a spirit thus trained, one can also correctly grasp the social organism. It is not a matter of drawing conclusions from one to the other, as Schäffle did in the past and Meray is doing now, but rather of making one’s thinking so flexible in relation to the human organism that one can truly understand the social organism in terms of its needs.

[ 9 ] Eines der Grundphänomene des zukünftigen Menschenverständnisses wird eben dieses sein, wie der Mensch durch die Geburt aus einem geistigen Leben heruntersteigt, wie er zwischen der Geburt und dem Tode lebt in seinem physischen Dasein und mit der Gesellschaft ein soziales Leben lebt, und dann durch den Tod wiederum in die geistige Welt zurückgeht. Da handelt es sich darum, schon einmal diesen Menschen als solchen wirklich in seiner Dreigliederung zu verstehen. Der gegenwärtige Anatom, der gegenwärtige Physiologe, der hat den Menschen vor sich; für den ist ein Muskel im Kopf dasselbe, wie ein Muskel am Arm. Er gliedert nicht den Menschen in seine drei Teile, er weiß nichts davon, dieser gegenwärtige Naturforscher, wie des Menschen Ursprung aus drei Quellen kommt. Er frägt nicht sachgemäß, daher kommt er auch zu keiner sachgemäßen Antwort, was der Mensch zum Beispiel hat von der Mutter und was von dem Vater. Wir haben öfters über die Sache gesprochen, wir können heute wiederum von einem gewissen Gesichtspunkte aus über die Sache sprechen. Sie wissen, wenn der Mensch in diesem gewöhnlichen Leben lebt, so lebt er in zwei voneinander verschiedenen Lebens- oder Bewußtseinszuständen. Wachend durchdringen einander physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib, Ich. Im Schlaf liegen im Bette physischer Leib und Ätherleib; in der geistigen Welt sind Ich und astralischer Leib. Morgens verbinden sich wiederum das Ich und der astralische Leib mit dem physischen Leib und Ätherleib. Fassen Sie das einmal ins Auge vom Menschen, was, wenn der Mensch schläft, ohne das Ich und ohne den astralischen Leib im Bette liegt. Das ist natürlich kein Mensch; aber es ist doch etwas Wesentliches von dem Menschen, der auf der physischen Erde lebt. Sie können dasjenige, was da ist von dem Menschen, der auf der physischen Erde lebt, wenn er schläft, und das im physischen Leib und Ätherleib sich offenbart, sehr genau abtrennen von dem ganzen Menschen. Sehen wir nun zunächst ab von dem ganzen Menschen, sehen wir auf dasjenige, was in der Nacht im Bette liegt, wenn das Ich und der astralische Leib fort sind, und fragen wir nach dem Ursprunge dieses Menschen, der aus dem physischen Leib und Ätherleib besteht, der in der Nacht im Bette liegt, fragen wir nach dessen nächstem Ursprung: Woher kommt das? Es ist ja nur ein Stück Mensch, aber woher kommt das? — Was da im Bette liegt, das kommt seiner Anlage nach, seinen Kräften nach, nicht wie es zunächst beim Vollmenschen, beim erwachsenen Menschen gestaltet ist, sondern seinen Anlagen, seinen Kräften nach kommt das von der Mutter und ist schon bei der Mutter vor einer jeglichen Befruchtung. Dasjenige, was sich bloß durch die Frau hereinstellt an Kräften, das ist dasjenige, was dann ganz ausgewachsen vom Menschen im Bette liegt, wenn er schläft. Das ist kein Mensch; aber es kann das auch kein Mensch werden, was bloß von der Mutter kommt.

[ 9 ] One of the fundamental aspects of our future understanding of the human being will be precisely this: how the human being descends from a spiritual life at birth, how he lives his physical existence between birth and death and leads a social life within society, and then returns to the spiritual world through death. The point here is to truly understand the human being as such in his threefold nature. The modern anatomist, the modern physiologist, has the human being before him; for him, a muscle in the head is the same as a muscle in the arm. He does not divide the human being into his three parts; this modern natural scientist knows nothing of how the human being originates from three sources. He does not ask the right questions, and therefore he does not arrive at the correct answer regarding, for example, what a human being receives from the mother and what from the father. We have spoken about this matter often; today we can once again discuss it from a certain perspective. You know that when a human being lives this ordinary life, he lives in two distinct states of life or consciousness. While awake, the physical body, the etheric body, the astral body, and the “I” interpenetrate one another. During sleep, the physical body and the etheric body lie in bed; in the spiritual world are the “I” and the astral body. In the morning, the ego and the astral body reunite with the physical body and the etheric body. Try to visualize this: when a person sleeps, they lie in bed without the ego and without the astral body. Of course, that is not a human being; yet it is still something essential of the human being who lives on the physical Earth. You can very clearly distinguish that which remains of the human being who lives on the physical Earth—and which manifests itself in the physical body and etheric body while he sleeps—from the whole human being. Let us now set aside the whole human being for the moment; let us look at that which lies in bed at night when the I and the astral body are absent, and let us ask about the origin of this human being—who consists of the physical body and the etheric body—who lies in bed at night; let us ask about its immediate origin: Where does this come from? It is, after all, only a part of a human being, but where does it come from? — What lies there in bed, in terms of its constitution and its powers, is not as it is initially formed in the fully developed human being, the adult, but in terms of its constitution and its powers, it comes from the mother and is already present in the mother before any fertilization takes place. That which enters merely through the woman in terms of forces is what then lies fully formed in bed when the human being sleeps. That is not a human being; nor can it ever become a human being, since it comes solely from the mother.

[ 10 ] Es ist nicht ein willkürliches Gerede, wenn man den Menschen einteilt in diese Glieder, von denen man gewöhnlich spricht, sondern es weist auf sehr reale Dinge hin. Wenn man vom physischen Leib und Ätherleib spricht, so spricht man von dem, was in der Mutter veranlagt ist vor der Befruchtung, was immer in der Mutter veranlagt ist. Wenn der Mensch aus geistigen Höhen, nachdem er eine Zeitlang durchlebt hat das Leben zwischen Tod und neuer Geburt, wiederum sich neigt zum physischen Leben, dann verspürt er gewissermaßen, daß sich bei einer ihm verwandten weiblichen Persönlichkeit diejenige Anlage findet, in die er hineingießen kann dasjenige, was bei ihm sich entwickelt hat seit dem letzten Leben von dem übrigen Organismus zum Kopf. Die menschliche Embryonalbildung geht ja deshalb vom Kopf aus. Der Kopf ist das, was sich zuerst in einer gewissen Vollkommenheit in der menschlichen Embryonalbildung ausbildet. Das, was wirkt auf diese eigentlich aus dem Kosmos kommende Kopfbildung, das ist schon im Ich und im astralischen Leib. Und daß das Ich und der astralische Leib zusammensein können mit dem physischen Leib und dem Ätherleib, das rührt von der Befruchtung her. Die Befruchtung vermittelt das Zusammenleben zwischen dem Ich und dem astralischen Leib, und dem physischen Leib und dem Ätherleib. Worauf geht nur die Befruchtung? Die Befruchtung geht zunächst auf das bloße Stoffwechselleben des Menschen. Sie geht darauf, ihm einen neuen Stoffwechsel- und Atmungsorganismus zu geben, denn die Kräfte des Kopforganismus rühren aus der vorhergehenden Inkarnation her. Alles dasjenige also, was den Menschen, der aus der vorigen Inkarnation kommt, mit dem Kopforganismus zusammenbringt, das verdankt der Mensch seinem Verhältnis zur geistigen Welt. Alles dasjenige, was gewissermaßen in den Menschen hineinfährt im Embryonalleben, wenn die Befruchtung stattgefunden hat, das verdankt der Mensch dem Zusammenleben mit dem Erdenwesen, mit dem irdischen Wesen.

[ 10 ] Classifying human beings into these parts—which are commonly referred to—is not mere idle talk, but points to very real things. When we speak of the physical body and the etheric body, we are referring to what is predisposed in the mother before conception—whatever is predisposed in the mother. When a human being, from spiritual heights—after having lived for a time through the life between death and rebirth—turns once more toward physical life, he senses, as it were, that within a female personality related to him lies the predisposition into which he can pour that which has developed within him since his last life, from the rest of the organism to the head. Human embryonic development, after all, begins at the head. The head is what first develops to a certain degree of perfection in human embryonic development. What influences this formation of the head—which actually originates from the cosmos—is already present in the “I” and in the astral body. And the fact that the “I” and the astral body can coexist with the physical body and the etheric body stems from fertilization. Conception mediates the coexistence of the I and the astral body with the physical body and the etheric body. What is the purpose of conception? Conception is primarily aimed at the human being’s mere metabolic life. It is aimed at giving the human being a new metabolic and respiratory organism, for the forces of the head organism originate from the previous incarnation. Thus, everything that brings the human being—coming from the previous incarnation—into connection with the head organism is owed to the human being’s relationship with the spiritual world. Everything that, so to speak, enters into the human being during embryonic life once fertilization has taken place is owed to the human being’s coexistence with the earthly being.

[ 11 ] Da sehen Sie, wie kompliziert das zustande kommt, was der Mensch eigentlich ist. Dem Menschen werden gewissermaßen seine Gliedmaßen, zu denen auch das Stoffwechselsystem gehört innerlich, von der Erde aus gegeben. Dasjenige, was im menschlichen Kopf funktioniert, das wird ihm von der geistigen Welt aus gegeben. Und dasjenige, was Atmung und Herzsystem ist, das steckt dazwischen.

[ 11 ] There you can see how complex the process is that results in what a human being actually is. In a sense, a human being’s physical members—which also include the internal metabolic system—are given to them from the Earth. What functions within the human head is given to them from the spiritual world. And what constitutes the respiratory and cardiovascular systems lies in between.

[ 12 ] Und jetzt können Sie fragen: Worinnen liegt denn das Eigentliche, das wir von unserem Vater und unserer Mutter erben können? In welchem System des Menschen liegen denn die Kräfte, durch die wir etwas durch unseren Vater und durch unsere Mutter erben können? — Wir erben nichts für unseren Kopf von unserem Vater und unserer Mutter, denn, was in unserem Kopf funktioniert, das bringen wir uns aus der vorigen Inkarnation mit. Wir erben nichts für unser Stoffwechselsystem, denn das gibt uns nach der Befruchtung erst die Erde. Wir erben bloß innerhalb des Lungen-Herzsystems, wir erben bloß in all den Kräften, die im Atmen und in der Blutzirkulation leben; da erben wir. Nur ein Glied, das mittlere Glied des Menschen, das AtmungsZirkulationsglied, das ist dasjenige, was den beiden Geschlechtern den Ursprung verdankt. So kompliziert ist der Mensch. Er ist ein dreigliedriges Wesen auch seinem physischen Organismus nach. Er hat seinen Kopf, den er nur brauchen kann für dasjenige, was nicht irdisch ist; er hat seine Gliedmaßen mit dem Stoffwechselsystem, die er nur brauchen kann für dasjenige, was irdisch ist; und er hat dasjenige, was in Atmung und Zirkulation liegt, durch das Verhältnis von Mensch zu Mensch.

[ 12 ] And now you might ask: What, exactly, is it that we can inherit from our father and mother? In which system of the human being do the forces lie through which we can inherit something from our father and mother? — We inherit nothing for our mind from our father and mother, for what functions in our mind is something we bring with us from our previous incarnation. We inherit nothing for our metabolic system, for that is given to us by the Earth only after conception. We inherit only within the lung-heart system; we inherit only in all the forces that are active in breathing and blood circulation—that is where we inherit. Only one member—the middle member of the human being, the respiratory-circulatory member—is the one that owes its origin to both sexes. That is how complex the human being is. He is a threefold being even in terms of his physical organism. He has his head, which he can use only for that which is not earthly; he has his limbs with the metabolic system, which he can use only for that which is earthly; and he has that which lies in respiration and circulation, through the relationship from human to human.

[ 13 ] Ich kann Ihnen hier nur andeuten, was auf ein weites, weites Feld von Menschenkenntnis führt. Was ich Ihnen angedeutet habe, das schaut aus wie eine Theorie. Aber für unsere Zeit ist es keine Theorie, sondern es gibt heute im Menschen etwas, was im Sinne dessen, was ich eben gesagt habe, empfindet, Es entwickelt sich inder Gegenwart etwas, was in diesem dreigliedrigen Sinne im Menschen empfindet. Der Mensch hat heute im Innersten seines Wesens, ohne daß er das schon vollständig weiß, komplizierte Empfindungen. Er weiß sich durch seinen Kopf als Bürger eines Außerirdischen, er weiß sich durch sein Lungen-Herzsystem in einem Verhältnis von Mensch zu Mensch. Da sagt etwas im Inneren des Menschen: Wenn ich einem anderen Menschen begegne, so ist diese Begegnung ein Abbild desjenigen, was in mich verpflanzt wurde auch von Mensch zu Mensch, nämlich durch Vater und Mutter. Durch sein Lungen-Herzsystem fühlt sich der Mensch so recht hineingestellt unter Menschen. Durch sein Stoffwechselsystem fühlt sich der Mensch als ein Glied der Erde, als zur Erde gehörig. Diese dreierlei Empfindungsweisen sind heute schon im Menschen. Aber der Verstand will nicht mit. Der Verstand möchte alles einfach haben, der Verstand möchte, daß man alles auf irgendein Monon zurückführen könne. Und daran kranken die Menschen der Gegenwart. Sie werden erst dann nicht mehr daran kranken, wenn der dreigliedrigen Empfindung im Inneren, die sich wirklich jetzt schon in den Menschen findet, ein dreigliedriger sozialer Organismus entspricht, wenn der Mensch außen ein Spiegelbild seines Wesens findet.

[ 13 ] I can only hint at what leads to a vast, vast field of knowledge of human nature. What I have hinted at may seem like a theory. But for our time, it is not a theory; rather, there is something within people today that feels in the sense of what I have just said. Something is developing in the present that feels within people in this threefold sense. Today, deep within their being, people have complex feelings, even though they are not yet fully aware of them. Through their head, they know themselves as a citizen of an extraterrestrial realm; through their lung-heart system, they know themselves in a relationship from human to human. Something within the human being says: When I encounter another human being, this encounter is a reflection of what has been implanted within me, also from human to human—namely, through father and mother. Through their lung-heart system, human beings feel truly placed among other human beings. Through his metabolic system, a person feels himself to be a part of the earth, as belonging to the earth. These three modes of perception are already present in people today. But the intellect refuses to go along with them. The intellect wants everything to be simple; the intellect wants everything to be reducible to some kind of “monon.” And this is what ails people today. They will cease to be afflicted by this only when the threefold sensibility within—which is truly already present in human beings—is matched by a threefold social organism, when human beings find a reflection of their being in the external world.

[ 14 ] Sehen Sie, das ist das Furchtbare, was im Unterbewußtsein bei den Leuten liegt, die heute der sozialen Bewegung angehören. Seit drei bis vier Jahrhunderten hat sich das Geistesleben und alles, was das gesellschaftliche Zusammenleben der Menschen beherrscht, so entwickelt, daß dieses Geistesleben ein Spiegel des materiellen Lebens ist. Im Inneren aber pulst die Sehnsucht, das äußere Leben soll ein Spiegel des inneren sein. Daran krankt die heutige Menschheit. Sie möchte das äußere Leben so gestalten, daß der äußere soziale Organismus ein Bild des Menschen ist, während heute der Mensch ein Bild der Außenwelt ist. Und daran sehen die Menschen in der Gegenwart vorbei, das finden sie kompliziert, das finden sie theoretisch. Sie finden es einfacher, den Menschen als ein Ganzes hinzustellen. Es ist natürlich komplizierter, jemandem auf die Frage: Was ist der Mensch? — antworten zu müssen: Sieh dir in der Mitte den Menschheitsrepräsentanten an und oben Luzifer und unten Ahriman! Alle drei gehören zusammen in die Einheit des Menschen. Aber der Mensch ist eben dreigliedrig und anders verstehst du den Menschen nicht.

[ 14 ] You see, this is the terrible thing that lies in the subconscious of people who belong to the social movement today. For three to four centuries, spiritual life and everything that governs human social coexistence has developed in such a way that this spiritual life has become a mirror of material life. But deep down, there is a longing for external life to be a mirror of inner life. This is what ails humanity today. People would like to shape external life so that the external social organism is a reflection of the human being, whereas today the human being is a reflection of the external world. And people today overlook this; they find it complicated, they find it theoretical. They find it easier to present the human being as a whole. It is, of course, more complicated to have to answer the question, “What is the human being?” by saying: “Look at the representative of humanity in the middle, Lucifer above, and Ahriman below!” All three belong together in the unity of the human being. But the human being is, in fact, threefold, and you cannot understand the human being otherwise.

[ 15 ] Das ist nicht eine Theorie, sondern etwas, was sehr, sehr lebenswirklich ist, was auftritt in der menschlichen Natur. Weil der Mensch anfängt, über sich und über die Welt dreigliedrig zu empfinden, fordert er im Unterbewußtsein einen dreigliedrigen sozialen Organismus, nicht nur einen einheitlichen monistischen Staatsorganismus, der das Wirtschaftsleben und das Staatsleben auch umschließt: Eine geistige Organisation für sich, eine Rechts- oder politische oder Staatsorganisation für sich, und eine Wirtschaftsorganisation für sich. Nur dann wird der Mensch sich selber finden in dieser Außenwelt. Und die erdbebenartigen Erschütterungen in unserer Zeit rühren davon her, daß eine Kulmination, ein höchster Punkt erreicht ist mit Bezug auf das Nichtentsprechen des äußeren sozialen Organismus gegenüber dem menschlichen Inneren. Während die Menschen im Grunde danach streben, die selbständige Dreigliederung des sozialen Organismus zu empfinden, treten ihre Führer auf, die Führer der Sozialisten, und sagen: Aus dem Wirtschaftsleben heraus wird sich schon alles ergeben, wenn wir das Wirtschaftsleben richtig sich entwickeln lassen, wenn wir es nur ein bißchen umkehren, daß dasjenige, was bisher unten war, nach ‚oben, und das, was oben war, nach unten kommt; dann wird sich schon das Richtige entwickeln.

[ 15 ] This is not a theory, but something that is very, very real in life, something that occurs in human nature. Because human beings begin to perceive themselves and the world in a threefold way, they subconsciously demand a threefold social organism—not merely a unified, monistic state organism that also encompasses economic and political life: a spiritual organization in its own right, a legal, political, or state organization in its own right, and an economic organization in its own right. Only then will human beings find themselves in this external world. And the earthquake-like upheavals of our time stem from the fact that a culmination—a peak—has been reached in terms of the mismatch between the external social organism and the human inner life. While people are essentially striving to perceive the independent threefold structure of the social organism, their leaders—the leaders of the socialists—step forward and say: “Everything will work itself out from economic life if we allow economic life to develop properly; if we just reverse it a little, so that what was previously at the bottom moves to the ‘top,’ and what was at the top moves to the bottom—then the right thing will develop.”

[ 16 ] Es wird sich aus dem Wirtschaftsleben allein heraus nichts Richtiges entwickeln, sondern nur dann, wenn man die Selbständigkeit zugibt des Wirtschaftslebens auf der einen Seite, und auf der zweiten Seite des politischen Rechtslebens, des Sicherheitslebens, und auf der anderen Seite der geistigen Organisation als solcher. Wenn man wirklich das geistige Leben auf sich selbst stellt, dann muß es seine Wirklichkeit aus sich selbst heraus gestalten. Sonst werden immer die Abgründe bleiben zwischen den menschlichen Klassen. Man ahnt heute gar nicht, wie diese Abgründe eigentlich sich aufgetan haben. Man kann ja wirklich manchmal dem Allerberechtigtsten im Sinne eben der Gegenwartskultur gegenüberstehen, und man wird nicht darauf kommen, wie dasjenige, was der eine, der einer Klasse angehört, als ganz berechtigt empfinden muß, dem anderen nicht verständlich werden kann.

[ 16 ] Nothing meaningful will develop from economic life alone; rather, it will develop only if we acknowledge the independence of economic life on the one hand, and on the other hand, that of political and legal life, security, and spiritual organization as such. If one truly places spiritual life on its own footing, then it must shape its reality from within itself. Otherwise, the chasms between the human classes will always remain. Today, people have no idea how these chasms actually came to be. After all, one can sometimes find oneself face to face with the most justified view in the sense of contemporary culture, and yet fail to realize how what one person—belonging to a particular class—must perceive as entirely justified cannot be understood by another.

[ 17 ] Nehmen Sie einmal, um ein naheliegendes Beispiel zu wählen, eine gut gemalte Landschaft, eine recht künstlerisch gemalte Landschaft. Da hat sich nun der Angehörige der bürgerlichen Klasse gewisse Empfindungen, gewisse Vorstellungen angeeignet, wie eine gut gemalte Landschaft ausschauen soll. Er stellt sich mit diesen Empfindungen, mit diesen Vorstellungen vor ein in einen Rahmen eingespanntes Landschaftsbild und bewundert das. Der Proletarier mag ja veranlaßt werden, das auch zu bewundern, weil man ihm nach und nach einreden kann, daß das zur «Bildung» gehört, so etwas zu bewundern; manche, die nicht Proletarier sind, verstehen ja auch nichts von einem Landschaftsbild und bewundern es, weil man ihnen eben eingeredet hat, daß das zur Bildung gehört. Das züchtet aber sogar die Unwahrhaftigkeit, denn wenn man nicht der Klasse angehört, wo unter denjenigen, die körperlich arbeiten. auch einige gezüchtet werden, die körperlich müRiggehen dürfen, damit sie malen können, damit sie sich ausdenken können, wie man malen muß, der bleibt nur wahr, wenn er sich einer solchen Landschaft etwa so gegenüberstellt, daß er sagt: Wozu das? Da macht einer mit Farbenklecksen auf eine Leinwand ein Stück Wald, das sehe ich ja alle Tage, wenn ich durch den Wald gehe, viel schöner. Man kann niemals ein Landschaftsbild so schön machen, als es draußen in der Natur ist. Wozu hängen die Leute, die nicht in die Natur hineinschauen wollen, um sich das Stück Landschaft anzuschauen, ein Stück Landschaft, das doch nur eine tapsige Nachahmung der Natur ist, in einem Goldrahmen in ihrem Zimmer auf? — Das würde die wahrhaftige Empfindung sein. Und diese Empfindung ruht auf dem Seelengrunde vieler Leute, die nicht herangebändigt werden, aus Bildungsuntergründen heraus die Dinge zu bewundern. Gewiß ist die Bewunderung einer gewissen Klasse ehrlich; aber die Bewunderung der weitaus größten Masse der Menschen für eine solche Landschaft kann nicht ehrlich sein, weil sie nicht mit den anderen erzogen sind.

[ 17 ] Take, for example—to choose an obvious one—a well-painted landscape, a landscape painted with real artistic skill. The member of the bourgeois class has now acquired certain feelings, certain ideas about what a well-painted landscape should look like. Armed with these feelings and these ideas, he stands before a framed landscape painting and admires it. The proletarian may well be led to admire it as well, because he can gradually be persuaded that admiring such a thing is part of “culture”; after all, many who are not proletarians also know nothing about a landscape painting and admire it precisely because they have been persuaded that this is part of their education. But this even fosters insincerity, for if one does not belong to the class—among those who perform physical labor— and even some are bred who are allowed to engage in physical labor so that they can paint, so that they can figure out how one must paint—one remains true only if one confronts such a landscape in such a way that one says: What’s the point of this? Someone is creating a patch of forest on a canvas with splashes of paint—I see that every day when I walk through the forest, and it’s much more beautiful. You can never make a landscape painting as beautiful as it is out in nature. Why do people who don’t want to look into nature hang a piece of landscape—a piece of landscape that is, after all, only a clumsy imitation of nature—in a gold frame in their room? — That would be the true feeling. And this feeling lies deep in the souls of many people who cannot be trained, for educational reasons, to admire things in a certain way. Certainly, the admiration of a certain class is sincere; but the admiration of the vast majority of people for such a landscape cannot be sincere, because they have not been raised in the same way.

[ 18 ] Man muß an viel tiefere Dinge im Empfindungsleben rühren, wenn man heute begreifen will, was für Abgründe zwischen Menschenseelen liegen. Wir werden nicht eher Verständnis für die Kunst erwecken und Sie können das auf andere Zweige des Lebens übertragen —, bis man zum Beispiel auch in der Malerei dasjenige wird verfolgen wollen, was man nicht jeden Tag draußen in der Natur sehen kann, sondern was heruntergetragen werden muß aus der geistigen Welt. Das werden alle Menschen verstehen, und es wird auf diesem Umwege etwas anderes kommen. Das Geistige muß aus der geistigen Welt heruntergetragen werden durch Menschen. Es wird wiederum Vertrauen entstehen von Mensch zu Mensch, weil durch den einen Menschen das, durch den anderen Menschen jenes aus der geistigen Welt heruntergetragen werden muß. Auf einem anderen Wege als dadurch, daß man aus der geistigen Welt die Dinge herunterträgt, wird es nicht möglich sein, daß Seele sich wiederum mit Seele sozial findet.

[ 18 ] One must tap into much deeper aspects of emotional life if one wants to understand today what abysses lie between human souls. We will not awaken an appreciation for art—and you can apply this to other areas of life—until, for example, even in painting, people seek to capture not what can be seen every day in nature, but what must be brought down from the spiritual world. Everyone will understand this, and through this detour, something new will emerge. The spiritual must be brought down from the spiritual world by human beings. Trust will arise once again from person to person, because one person must bring down this from the spiritual world, and another person that. It will not be possible for soul to find social connection with soul again in any way other than by bringing things down from the spiritual world.

[ 19 ] Also man muß, ich möchte sagen, tiefer hineinreden in dasjenige, was heute durch die Zeit pulst, als man es gewöhnlich tut. Salbungsvolle Prediger, welche eigentlich doch nur einen Abklatsch bringen von dem, was die katholischen Kanzelredner in ihrer Art besser können, die gehen jetzt viel herum und reden davon, daß «innerlich» die Menschen sich wieder finden sollten, nachdem diese furchtbare Katastrophe der letzten viereinhalb Jahre gezeigt hat, wie wenig die Menschen zu einem in sich harmonischen Leben geneigt sind. Ja, aber innerlich kann man die Menschen nicht durch Redensarten sich finden lassen, innerlich kann man sie nur sich finden lassen, wenn man heute den Willen hat, wirklich radikal zu anderen Denk- und Empfindungsgewohnheiten überzugehen. Neulich hat einer gesagt, man müsse die Armut kennengelernt haben, um soziales Empfinden in sich zu entwickeln. Das genügt heute nicht, daß man die Armut angeschaut hat, daß man in irgendein Stadtviertel einer Großstadt gegangen ist und gesehen hat, wie die Leute zerlumpt sind, wie wenig sie zu essen haben; das genügt heute nicht. Heute genügt nur, daß man wirklich die Seelen derjenigen, die sich sozial heraufarbeiten wollen, kennt. Nicht bloß die Armut zu kennen, ist heute notwendig, sondern die Armen in ihren Seelen, in ihrem innersten Leben zu kennen, das ist heute notwendig. Dazu aber gelangt man auf keine andere Weise, als daß man einen neuen Weg zu der menschlichen Seele findet, als daß man wirklich lernt, einzudringen in das innerste Wesen des Menschen. Und dann wird man finden, daß die Menschen fürderhin nichts sein können, ohne daß sie den Spiegel ihres eigenen Wesens im sozialen äußeren Organismus finden.

[ 19 ] So one must, I would say, delve deeper into what is pulsing through our times today than is usually done. Unctuous preachers—who are really just offering a pale imitation of what Catholic pulpit orators do better in their own way—are now going around a lot, talking about how people should “find themselves inwardly,” now that this terrible catastrophe of the last four and a half years has shown how little people are inclined toward a life of inner harmony. Yes, but people cannot be led to find themselves “inwardly” through mere platitudes; they can only find themselves inwardly if they have the will today to truly and radically shift to different habits of thought and feeling. Recently, someone said that one must have experienced poverty in order to develop a sense of social awareness. It is not enough today simply to have observed poverty, to have walked through some neighborhood in a large city and seen how ragged people are, how little they have to eat; that is not enough today. Today, it is enough only to truly know the souls of those who want to work their way up socially. It is not merely necessary today to know poverty, but to know the poor in their souls, in their innermost lives—that is what is necessary today. But one can only achieve this by finding a new path to the human soul, by truly learning to penetrate the innermost essence of the human being. And then one will find that people can no longer be anything unless they find the mirror of their own being in the external social organism.

[ 20 ] Man muß fähig werden, die Menschen auf der einen Seite zu den höchsten Höhen des Geisteslebens zu führen und auf der anderen Seite mit dem Geiste wirklich in die wirtschaftlichen Probleme untertauchen zu können. Man muß allerdings heute merkwürdige Dinge sagen. Man muß auf der einen Seite sagen: Nehmt dem Staat die Schulen ab, nehmt ihm das geistige Leben ab, gründet das geistige Leben auf sich selbst, laßt es durch sich selbst verwalten, dann werdet ihr dieses geistige Leben nötigen, den Kampf fortwährend aus seiner eigenen Kraft zu führen. Dann wird aber dieses geistige Leben auch von sich aus in der richtigen Weise zum Rechtsstaat und zum Wirtschaftsleben sich stellen können, wird zum Beispiel das geistige Leben gerade — ich habe das in meiner sozialen Schrift, die nunmehr fertig wird in den nächsten Tagen, ausgeführt —, dann wird das geistige Leben auch der richtige Verwalter des Kapitals sein.

[ 20 ] One must be able, on the one hand, to lead people to the highest heights of spiritual life and, on the other hand, to truly immerse oneself in economic problems with one’s spirit. One has to say some strange things these days, though. On the one hand, one must say: Take the schools away from the state, take spiritual life away from it, ground spiritual life in itself, let it administer itself—then you will compel this spiritual life to wage the struggle continuously out of its own strength. Then, however, this spiritual life will also be able to relate to the constitutional state and economic life in the proper way of its own accord; for example, spiritual life will—as I have elaborated in my social treatise, which will be completed in the next few days—then spiritual life will also be the proper steward of capital.

[ 21 ] Auf der anderen Seite: Man stelle das Wirtschaftsleben auf sich selbst. Das ist in bezug auf konkrete Fragen wahrhaftig nicht eine Phrase. Wenn Sie das Wirtschaftsleben auf sich selbst stellen, es dem Staate abnehmen, so müssen Sie vor allen Dingen dem Staate etwas sehr, sehr Konkretes abnehmen, nämlich das Geld, die Verwaltung über die Währung. Die Verwaltung über die Währung müssen Sie dem Wirtschaftsleben zurückgeben. Die Menschen haben auf den verschiedenen Territorien, wo sie sich heraufgearbeitet haben aus der Naturalwirtschaft in die Geldwirtschaft, zunächst es gehalten mit einem Geldrepräsentanten, der so ein Zwitterding ist zwischen Ware und bloßer Anweisung. Die sehr gelehrten Leute streiten sich herum, ob Geld eine bloße Anweisung ist, ob ein Geldschein eine bloße Anweisung ist, oder ‚ob Geld eine Ware ist. Man kann sich lange darüber herumstreiten, weil Geld eben das eine und das andere ist. Das eine ist es dadurch, weil es den wirtschaftlichen Prozeß vermittelt; dadurch ist Geld eine Ware. Das andere ist es dadurch, daß der Staat durch sein Gesetz den Wert der betreffenden Münze bestimmt. Aber das Geld muß ganz dem Wirtschaftsleben zurückgegeben werden. Dann wird eines eintreten, allerdings nur nach und nach. Damit es eintrete, muß gerade dies, was ich jetzt berühre, international werden. Das wird noch lange dauern, weil der führende Handelsstaat England von dem es ja in Wirklichkeit abhängt, daß wir Goldwährung haben, von der Goldwährung nicht leicht lassen wird. Also das wird lange Zeit dauern. Aber die auf sich selbst gestellte Wirtschaftsorganisation, der auch die Währung überlassen wird, das Geldsystem, die wird nicht mehr nötig haben, eine Ware «Gold» zwischen die anderen Waren hineinzustellen als Austauschmittel. Das braucht die Wirtschaftsorganisation nicht. Die Wirtschaftsorganisation wird allerdings auch Geld haben, aber nur zur Verteilung des Warenaustausches. Denn es wird sich ergeben, daß immer dasjenige, was die solide, wirkliche Grundlage des Wirtschaftslebens ist, daß das die Währungsgrundlage auch für das Geld ist. Gold ist nur deshalb Geld, weil Gold unter den Menschen nach und nach eine besonders beliebte Ware geworden ist, weil die Menschen übereingekommen sind, das Gold zu schätzen. Das sieht dilettantisch aus, wenn man es sagt, aber es ist viel richtiger als dasjenige, was die Nichtdilettanten, die heutigen Gelehrten, sagen. Der Wert des Goldes beruht bloß auf dem stillschweigenden Übereinkommen der Menschen über diesen Wert des Goldes. Es könnte auch etwas anderes zu einer solchen Schätzung kommen. Aber bei der Zentralisation der drei sozialen Glieder wird immer irgend etwas, was eigentlich einen bloßen Scheinwert hat, im Wirtschaftsleben zu dieser Schätzung kommen. Gold hat ja in Wirklichkeit nur einen Scheinwert. Sie können Gold nicht essen. Sie können sehr reich sein an Gold; wenn Ihnen niemand etwas dafür gibt, können Sie vom Golde natürlich nicht leben. Das beruht nur auf einer stillschweigenden Übereinkunft der Menschen. Man braucht es im innerstaatlichen Verkehr überhaupt nicht. Im zwischenstaatlichen Verkehre braucht man es eben nur, um gewisse Ausgleiche herbeizuführen, die sonst nicht herbeigeführt werden können, weil nicht das nötige große Vertrauen besteht. Aber dieser Scheinwert, der einem bestimmten Metall zugeschrieben wird, der wird aufhören, wenn man die Verwaltung des Geldes dem Wirtschaftskörper übergibt und der Staat nichts mehr hineinzureden hat in die Verwaltung des Geldes. Dann bleibt der Staat auf dem Boden des bloßen Rechtes, bleibt auf der Grundlage dessen, was nur zwischen Mensch und Mensch ausgemacht werden kann auf demokratischer Grundlage.

[ 21 ] On the other hand: Let economic life stand on its own. When it comes to concrete issues, this is truly not just a catchphrase. If you make economic life self-sufficient—that is, take it out of the hands of the state—then, above all, you must take something very, very concrete away from the state: namely, money, the administration of the currency. You must return the administration of the currency to economic life. In the various regions where people have worked their way up from a barter economy to a monetary economy, they initially managed this with a monetary representative that is a sort of hybrid between a commodity and a mere instruction. Highly learned people argue back and forth about whether money is merely an instruction, whether a banknote is merely an instruction, or ‘whether money is a commodity.’ One can argue about this at length, because money is, in fact, both one thing and the other. It is one thing because it mediates the economic process; in this sense, money is a commodity. It is the other because the state, through its laws, determines the value of the currency in question. But money must be returned entirely to economic life. Then a change will take place—albeit only gradually. For this to happen, precisely what I am now addressing must become an international matter. This will take a long time, because England, the leading trading nation—on which our gold standard actually depends—will not easily relinquish the gold standard. So this will take a long time. But the self-sufficient economic organization—to which the currency, the monetary system, will also be entrusted—will no longer need to insert a commodity like “gold” among the other commodities as a medium of exchange. The economic organization has no need for that. The economic organization will, of course, still have money, but only for the purpose of facilitating the exchange of commodities. For it will become apparent that whatever constitutes the solid, real foundation of economic life will also serve as the monetary basis for money. Gold is money only because it has gradually become a particularly popular commodity among people, because people have agreed to value gold. This may sound amateurish when put that way, but it is far more accurate than what the “non-amateurs”—today’s scholars—say. The value of gold rests solely on people’s tacit agreement regarding this value of gold. Something else could also come to be valued in this way. But with the centralization of the three social members, something that actually has only a nominal value will always come to be valued in this way in economic life. Gold, after all, has in reality only a nominal value. You cannot eat gold. You can be very rich in gold; but if no one gives you anything in exchange for it, you obviously cannot live off the gold. This is based solely on a tacit agreement among people. It is not needed at all in domestic transactions. In international transactions, it is needed only to bring about certain balances that otherwise cannot be achieved because the necessary high level of trust does not exist. But this nominal value attributed to a specific metal will cease to exist once the management of money is handed over to the economic community and the state no longer has a say in the management of money. Then the state will remain within the realm of mere law, based solely on what can be agreed upon between individuals on a democratic basis.

[ 22 ] Nun hat, wenn bestimmte Geldzeichen, Geldanweisungen im Umlaufe sind, der Staat einen bestimmten Goldschatz. Was wird dann da sein, wenn die Wahrheit an die Stelle des Scheins getreten sein wird durch die Dreiteilung? Dann wird alles dasjenige da sein als Dekkung für das Geld, was in Wahrheit nicht dem einzelnen gehören wird, woran der einzelne nur arbeiten wird, was aber für alle Menschen einen gleichen Wert hat, die im sozialen Organismus drinnen wohnen: An die Stelle des Goldes werden treten die Produktionsmittel, dasjenige, wodurch man etwas für den Warencharakter zubereiten kann. Dadurch, daß die Produktionsmittel in Fluß gebracht werden, wie heute nur die geistigen Produktionen in Fluß sind, dadurch wird allmählich herbeigeführt der Charakter der Produktionsmittel als Geldgrundlage.

[ 22 ] Now, when certain monetary symbols or money orders are in circulation, the state possesses a certain amount of gold reserves. What will be there then, when truth has taken the place of appearance through the tripartite division? Then everything that serves as backing for the money—which in truth will not belong to the individual, but which the individual will merely work to produce, and which has equal value for all people living within the social organism—will be there: Gold will be replaced by the means of production—that which enables one to produce goods. By setting the means of production in motion—just as only intellectual productions are in motion today—the character of the means of production as the basis of money will gradually be established.

[ 23 ] Diese Dinge sind sehr schwierig, und man muß sehr komplizierte nationalökonomische Voraussetzungen machen — die ich bei Ihnen natürlich nicht voraussetze —, wenn man sie wissenschaftlich beweisen will; sie lassen sich aber ganz wissenschaftlich beweisen. Ich will Ihnen aber lieber ein konkretes Beispiel für das anführen, was ich meine. Sehen Sie, ich habe einmal selber eine merkwürdige Geldsorte kennengelernt — ich habe schon einmal, glaube ich, hier davon gesprochen. Diese merkwürdige Geldsorte bestand nämlich in Goethe-Briefen und Goethe-Manuskripten. Ich habe einen Herrn, nein mehrere, kennengelernt, die waren eigentlich recht klug als Finanzmänner. Sie fingen so in den fünfziger Jahren an, durch die fünfziger, sechziger, siebziger, achtziger Jahre billig Goethe-Briefe, Goethe-Manuskripte zu kaufen. Man brauchte damals nicht viel dafür zu bezahlen. Nun hatten sie sie. Nun kam die Zeit, wo alles schon aufgekauft war, wo durch Umstände, deren Schilderung zu weit führen würde, Goethe-Briefe und GoetheManuskripte einen großen Wert bekamen. Da wurden diese Briefe und Manuskripte verkauft. Das war ein merkwürdiges Geld, dessen Wert in ungefähr dreißig bis vierzig Jahren wesentlich gestiegen ist. Mir hat selbst einer der Herren, der das getan hat, versichert, daß keine Börsenpapiere sich so haben fruktifizieren lassen, eine Zeitlang, als Goethe-Briefe. Sie waren das beste Papier, und sie hatten eigentlich einen Geldcharakter angenommen. Man bekam sehr viel dafür. Nun denken Sie, wovon das abhing. Das hing davon ab, daß Konstellationen eingetreten waren, die ganz und gar unabhängig waren von dem ersten Entstehen. Nicht wahr, als Goethe seine Briefe geschrieben hat, waren diese Briefe vielleicht seelisch für den Empfänger sehr viel wert. Gekauft hat sie keiner. Geld waren sie dazumal noch nicht. Brot konnte man sich nicht dafür kaufen. Herr von Loeper, der in den fünfziger Jahren Goethe-Briefe kaufte, der konnte sich sehr viel Brot erwerben im Jahre 1895 für diese Goethe-Briefe. Sie waren wie gutes Geld. Die Art und Weise, wie im Wirtschaftsorganismus gewöhnliches Geld drinnensteht, ist auch nicht anders, als dieses Drinnenstehen bei den GoetheBriefen war. Da beruhte der Wert dieser Papierstücke, auf denen Goethesche Buchstaben waren, der beruhte auf einem sozialen Prozeß, auf einem sozialen Vorgang, auf dem, was geschehen war im Zusammenhange mit der Persönlichkeit Goethes von den fünfziger Jahren zu den neunziger Jahren. Man muß eben den sozialen Organismus gut kennen, wenn man diese merkwürdigen Vorgänge beurteilen will, wo etwas, was zu einer bestimmten Zeit gar nichts besonderes im Wirtschaftsprozeß wert zu sein braucht, Wert wird.

[ 23 ] These matters are very difficult, and one must make very complex economic assumptions—which I do not, of course, expect you to have—if one wishes to prove them scientifically; yet they can indeed be proven scientifically. However, I would rather give you a concrete example of what I mean. You see, I once came across a peculiar form of currency myself—I believe I’ve mentioned it here before. This peculiar form of currency consisted of Goethe’s letters and manuscripts. I met a gentleman—no, several—who were actually quite shrewd as financiers. They began in the 1950s, and throughout the 1950s, 1960s, 1970s, and 1980s, they bought Goethe’s letters and manuscripts on the cheap. You didn’t have to pay much for them back then. Now they had them. Then came the time when everything had already been bought up, when—due to circumstances that would take too long to describe—Goethe’s letters and manuscripts became very valuable. That’s when these letters and manuscripts were sold. It was a peculiar form of investment whose value had risen significantly over the course of about thirty to forty years. One of the gentlemen who did this assured me personally that, for a time, no securities on the stock market yielded as much profit as Goethe’s letters. They were the best securities, and they had, in effect, taken on the character of money. You could get a great deal for them. Now think about what that depended on. It depended on the fact that circumstances had arisen that were entirely independent of their original creation. After all, when Goethe wrote his letters, they were perhaps of great emotional value to the recipient. No one bought them. They weren’t money back then. You couldn’t buy bread with them. Mr. von Loeper, who bought Goethe’s letters in the 1850s, was able to purchase a great deal of bread in 1895 with those Goethe letters. They were like good money. The way ordinary money functions within the economic organism is no different from the way it functioned with the Goethe letters. The value of these pieces of paper bearing Goethe’s handwriting was based on a social process, on a social phenomenon, on what had happened in connection with Goethe’s personality from the 1850s to the 1890s. One simply must have a good understanding of the social organism if one wishes to assess these remarkable processes, in which something that, at a given time, need not be worth anything special within the economic process, nevertheless acquires value.

[ 24 ] Die gewöhnliche Forderung der Sozialdemokraten nach Vergesellschaftung der Produktionsmittel würde natürlich zur Lähmung der geistigen Eigenschaften, der geistigen Begabungen der Menschen führen. Das ist etwas, was unmöglich durchzuführen ist. Denken Sie sich aber nur beispielsweise — natürlich kann man es sich in der mannigfaltigsten Weise variiert denken —: Derjenige, welcher gewisse Begabungen hat für irgendeinen Wirtschaftszweig, der wird in völlig freier Konkurrenz zu Kapital kommen können, nämlich zu erspartem Kapital, das er sich als Darlehen zusammensammelt. Da können natürlich Vermittlungen da sein; ich reduziere gewissermaßen den Vorgang auf die einfachste Form. Der Betreffende wird gewisse Ansprüche stellen für seine geistige Leistung, für seine Führerleistung, für seine Leitung. Wenn einmal ein wirklicher Vertrag zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer geschlossen wird — der heute übliche Vertrag ist nur ein Scheinvertrag —, wird der Arbeitnehmer einsehen, daß seine Interessen am besten vertreten sind, wenn der Unternehmer den Betrieb mit seinen individuellen Kräften gut leitet, ohne ihn aber zu besitzen. Und dies ist eben dann möglich, wenn der Unternehmer ursprünglich aus freier Initiative die Forderung für seine geistige Leistung aufstellt und darüber mit den Arbeitern verhandelt. Kann diese Forderung nicht erfüllt werden, muß der Unternehmer mit seiner Forderung eben heruntergehen. Aber die Forderung muß aus völlig freier Initiative ursprünglich gestellt werden. Findet der Unternehmer keine Abnehmer, so muß er, was sich von selbst versteht, heruntergehen. Aber nun muß es dabei bleiben. Er bezieht nun aus dem Unternehmen heraus nichts weiter als den vereinbarten Anteil, der, wenn sich seine Arbeit vergröBert, vergrößert werden kann. Aber es bleibt Zins. Daneben besteht die Produktivität der Produktionsmittel selber, der Profit, der aus dem Betrieb hervorgeht. Das sind zwei ganz verschiedene Dinge, das, was man durch seine geistige Leistung erwirbt, und das, was aus dem Betrieb herausgeht. Es ist nämlich etwas ganz anderes, mit Produktionsmitteln zu arbeiten, als sein erspartes Kapital in Produktionsmittel hineinzustecken. Diese Dinge unterscheidet man heute nicht. Diese Dinge werden im gesunden sozialen Organismus unterschieden werden.

[ 24 ] The Social Democrats’ customary demand for the socialization of the means of production would, of course, lead to the paralysis of people’s intellectual qualities and talents. This is something that is impossible to carry out. But just imagine, for example—and of course one can imagine this in a wide variety of ways—: Anyone who possesses certain talents for any branch of the economy will be able to enter into completely free competition with capital—namely, with saved capital that he raises in the form of loans. Of course, there may be intermediaries involved; I am, so to speak, reducing the process to its simplest form. The individual in question will make certain demands in return for his intellectual contribution, his leadership, and his management. Once a genuine contract is concluded between employer and employee—the contract customary today is merely a sham contract—the employee will realize that his interests are best served when the entrepreneur manages the business well using his own individual abilities, without, however, owning it. And this is precisely possible when the entrepreneur initially sets the terms for his intellectual contribution of his own free will and negotiates them with the workers. If these terms cannot be met, the entrepreneur must simply lower his demands. But the demands must originally be made entirely of his own free will. If the entrepreneur finds no takers, he must, of course, lower his demands. But that is where it must end. He now receives nothing more from the enterprise than the agreed-upon share, which can be increased if his work expands. But it remains interest. Alongside this is the productivity of the means of production themselves—the profit that arises from the enterprise. These are two entirely different things: what one earns through one’s intellectual contribution, and what comes out of the enterprise. For it is quite one thing to work with means of production and quite another to invest one’s saved capital in means of production. Today, no distinction is made between these things. In a healthy social organism, a distinction will be made between them.

[ 25 ] Wenn ich ein gewisses Kapital, das ich selber erspart habe, in eine Fabrik hineinstecke, so ist das etwas ganz anderes, als wenn ich dieses Kapital verwende, um mir eine Zimmereinrichtung zu kaufen. Wenn ich nämlich das Kapital verwende, um es in eine Fabrik hineinzustecken, so habe ich, indem ich das Kapital mir erspart habe, für den sozialen Organismus gearbeitet. Wenn ich es verwende, um mir eine Zimmereinrichtung zu verschaffen, so lasse ich den sozialen Organismus für mich arbeiten. Diese Dinge werden im gesunden sozialen Organismus unterschieden. Sie werden nicht unterschieden in dem heutigen kranken sozialen Organismus. Selbstverständlich sage ich nicht, daß keiner sich eine Zimmereinrichtung kaufen soll. Aber das Kaufen einer Zimmereinrichtung wird eben in dem gesunden sozialen Organismus etwas ganz anderes bedeuten, als es heute bedeutet. Heute kann es Ausbeutung sein; nachher wird es sein das Sich-Bedienen der Zimmereinrichtung als Produktionsmittel, weil man nichts haben wird von der Zimmereinrichtung, wenn man nicht mit Hilfe der Zimmereinrichtung für den sozialen Organismus irgend etwas hervorbringt, was es auch sei. Der Begriff «Produktionsmittel» wird erst auf eine gesunde Basis gestellt im gesunden sozialen Organismus.

[ 25 ] If I invest a certain amount of capital that I have saved myself in a factory, that is something entirely different from using that capital to buy furniture for my room. For when I use the capital to invest in a factory, by having saved that capital myself, I have worked for the social organism. When I use it to buy furniture for my room, I am making the social organism work for me. These things are distinguished in a healthy social organism. They are not distinguished in today’s sick social organism. Of course, I am not saying that no one should buy furniture. But in a healthy social organism, buying furniture will mean something entirely different than it does today. Today it may be exploitation; later, it will mean using home furnishings as a means of production, because one will have nothing from them unless, with their help, one produces something—whatever it may be—for the social organism. The concept of “means of production” will only be placed on a healthy foundation in a healthy social organism.

[ 26 ] Da sehen Sie, daß man genau unterscheiden kann zwischen dem, was jemand als Zins bezieht, und dem, was aus der Selbstarbeit der Produktionsmittel stammt. Solange einer den Produktionsmittelgewinn verwendet, um den Betrieb zu vergrößern, gut, es bleibt dabei. In dem Augenblicke aber, wo aus den Produktionsmitteln etwas gewonnen wird, was nicht zur Vergrößerung des Betriebes, zur Erweiterung des Betriebes verwendet wird, dann ist der Leiter verpflichtet, das Gewonnene überzuführen auf einen anderen, der wieder produzieren kann.

[ 26 ] There you can see that it is possible to make a clear distinction between what someone receives as interest and what comes from the direct use of the means of production. As long as someone uses the profit from the means of production to expand the business, fine—that’s how it should be. However, the moment something is gained from the means of production that is not used to expand the business, the manager is obligated to transfer what has been gained to someone else who can use it for further production.

[ 27 ] Da haben Sie eine Zirkulation des Kapitals. Da haben Sie die Überleitung auf eine andere Individualität. Wer sich nicht für fähig hält, sein Kapital auf eine andere Individualität überzuleiten, der überträgt es auf eine Korporation der geistigen Organisation, die es nicht selbst verwenden darf, die es wiederum an einen einzelnen oder an eine Menschengruppe, auf eine Assoziation übertragen wird. Da bringen Sie alles das, was durch die Produktionsmittel hervorgebracht wird, in den sozialen Fluß, in eine wirkliche soziale Zirkulation hinein. Dasjenige, was so zirkuliert im sozialen Organismus, was in einer fortwährenden Zirkulation ist, das hat einen Dauerwert, trotzdem es sich immerfort ändert. Aber es hat deshalb einen Dauerwert, weil das, was abgenutzt ist, wieder ersetzt werden muß. Wenn Sie heute in nationalökonomischen Büchern nachlesen, warum sich das Gold so gut zum Geld eignet, da finden Sie allerlei schöne Eigenschaften des Goldes; also erstens, daß es bei allen Menschen übereinstimmend beliebt ist, zweitens, daß es dauerhaft ist, sich nicht abnützt, nicht oxydiert und so weiter. Alle diese schönen Eigenschaften hat dieses Idealgut, das zirkuliert als Produktionsmittel. Die zukünftigeDeckung für dieGeldnoten wird, wenn im Wirtschaftsorganismus, nicht im Staatsorganismus das Geld geschaffen wird, das Geld verwaltet wird, zirkulieren, die Deckung werden sein die nicht im Privateigentum sich ansammelnden Kapitalgüter, es werden die Produktionsmittel sein, die wirklich fruktifiziert werden können im Wirtschaftsprozeß.

[ 27 ] There you have the circulation of capital. There you have the transfer to another individual. Anyone who does not consider themselves capable of transferring their capital to another individual transfers it to a corporation of the intellectual organization, which is not permitted to use it itself, but which in turn transfers it to an individual or a group of people, or to an association. In this way, you bring everything produced by the means of production into the social flow, into a genuine social circulation. That which circulates in this way within the social organism—that which is in a continuous cycle—has lasting value, even though it is constantly changing. But it has lasting value precisely because what is worn out must be replaced. If you look up in economics textbooks today why gold is so well-suited to serve as money, you will find all sorts of admirable qualities of gold; first, that it is universally popular among all people; second, that it is durable, does not wear out, does not oxidize, and so on. This ideal commodity, which circulates as a means of production, possesses all these admirable qualities. The future backing for banknotes—if money is created and managed within the economic organism rather than the state organism—will be the capital goods that do not accumulate as private property; it will be the means of production that can truly generate returns in the economic process.

[ 28 ] In den sauren Apfel, an dies zu glauben, meine lieben Freunde, werden zunächst vor allem die mitteleuropäischen Staaten und besonders auch Rußland beißen müssen. Die Weststaaten werden zunächst noch nicht daran glauben, so lange, als die Galgenfrist noch dauert; die werden zunächst noch an das Gold glauben. Die Mittelund die Oststaaten werden daran glauben müssen, daß ihre nunmehr ganz deroutierte Währung, ihre ganz zugrunde gegangene Valuta überhaupt auf keine andere Weise wieder in die Höhe kommt, als indem sie das Wirtschaftsleben auf sich stellen. Es können noch so viele Projekte über die Verbesserung der Währung in den Mittel- und Oststaaten auftauchen — alle werden unnütz sein, werden zu nichts führen; einzig und allein die Abtretung der Währung vom Staate an das Wirtschaftsleben wird die Währungsfrage bei diesen Mittel- und Oststaaten lösen. Gewiß, es werden die Wirtschaftsorganisationen in den Mittel- und Oststaaten, solange bestanden wird auf dem Golde, mit Gold arbeiten müssen. Aber das wird nur eine Scheindekoration sein. Wenn mit den Weststaaten einmal wieder Handel getrieben werden wird, so wird der Goldschatz da sein müssen. Aber der eigentliche Wohlstand, die eigentliche Deckung für das Geld wird liegen müssen in dem, was zirkulierende Produktionsmittel sind.

[ 28 ] My dear friends, it will be the Central European states—and Russia in particular—who will have to swallow the bitter pill of believing this first and foremost. The Western states will not believe in this for the time being, as long as the reprieve lasts; they will continue to believe in gold for now. The Central and Eastern states will have to accept that their now completely derailed currency, their utterly ruined currency, cannot recover in any other way than by taking economic life into their own hands. No matter how many projects for improving the currency in the Central and Eastern European states may emerge—all will be useless and lead nowhere; only the transfer of currency authority from the state to the economy will resolve the currency issue in these Central and Eastern European states. Certainly, as long as the gold standard is maintained, economic organizations in the Central and Eastern European states will have to operate with gold. But that will be nothing more than window dressing. Once trade with the Western states resumes, the gold reserves will have to be available. But true prosperity—the true backing for the currency—must lie in the circulating means of production.

[ 29 ] Da beginnt nämlich an einem ganz konkreten Punkte diese Dreigliederung internationale Angelegenheit zu werden. Es glauben die Leute so leicht, daß diese Dreigliederung, von der ich jetzt immer spreche, eine bloße innerstaatliche Angelegenheit ist. Und deshalb habe ich in dem «Aufruf» eben geltend gemacht, daß ein gesundes Verhandeln der Mittelstaaten mit den Weststaaten, wenn es einmal eintreten sollte, nur darauf wird beruhen können, daß in den Mittelstaaten die Delegierten selbständig vom Wirtschaftskörper, vom Rechtskörper und vom geistigen Körper gewählt werden. Den Weststaaten kann es schließlich gleich sein, mit wem sie zu verhandeln haben; sie können sagen: Uns sind sie alle gleich, darauf kommt es nicht an. — Aber diese Mittelstaaten können nur von sich aus zu einer wirklichen Gesundung kommen, indem sie zu einer wirklichen Dreigliederung kommen. Die Weststaaten können sich einstweilen noch Illusionen hingeben, daß sie über die Dreigliederung hinweggehen. Aber anders wird es in der Welt nicht gehen, als so, daß sich die Menschen zu dieser Dreigliederung bekehren, um den Entwickelungskräften gemäß zu leben, die sich in den nächsten zwanzig bis dreißig Jahren eben in der zivilisierten Welt verwirklichen wollen. Es könnte ja sein, daß gerade solche Staaten, in denen es noch verhältnismäßig gut zugeht, wie die Schweiz, sich bequemen würden, bevor es drunter und drüber geht, zu einer solchen Dreigliederung zu greifen. Die anderen aber, die sollten jetzt schon einsehen, die Mittel- und Oststaaten, daß sie entweder weiter zerstören müssen, oder zur Dreigliederung vorschreiten müssen. Davon wollen wir dann morgen weiter reden.

[ 29 ] It is precisely at this very specific point that this threefold division begins to become an international matter. People are so quick to believe that this threefold division, which I keep referring to, is merely a domestic matter. And that is why I argued in the “Appeal” that healthy negotiations between the middle states and the Western states—should they ever take place—can only be based on the middle states electing their delegates independently from the economic body, the legal body, and the spiritual body. After all, it makes no difference to the Western states whom they have to negotiate with; they can say: They are all the same to us; that is not what matters. — But these Central States can only achieve true recovery on their own by establishing a genuine threefold social order. For the time being, the Western nations can still cling to the illusion that they can bypass this threefold social order. But the world will not function any other way than by people embracing this threefold social order in order to live in accordance with the forces of development that are set to manifest themselves in the civilized world over the next twenty to thirty years. It could well be that precisely those countries where things are still going relatively well—such as Switzerland—would take the initiative to adopt such a threefold social order before everything goes haywire. The others, however—the Central and Eastern European countries—should realize even now that they must either continue on their destructive path or move toward this threefold social order. We will discuss this further tomorrow.