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Past and Future Influences on Social Events
GA 190

22 March 1919, Dornach

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Vergangenheits- und Zukunftsimpulse im sozialen Geschehen
  1. Past and Future Influences on Social Events, tr. SOL

Zweiter Vortrag

Zweiter Vortrag

[ 1 ] Wir wollen heute den sozialen Organismus noch einmal betrachten, und zwar so, daß wir ihn in Parallele bringen mit dem menschlichen natürlichen Organismus. Wenn eine solche Parallele gemacht wird, muß man sie nehmen als ein Mittel, manche Dinge mit Bezug auf den sozialen Organismus besser zu verstehen. Auf der anderen Seite dürfen Sie gegenüber der Außenwelt nicht allzu aufdringlich sein mit solchen Parallelen, weil diese heute ein starkes Mißtrauen gegen solche Parallelen hat und glaubt, man wolle ein müßiges Spiel mit Analogien treiben. Dann wollen die Leute die Sache zurückweisen. Das wird für Sie besonders notwendig sein zu berücksichtigen. Geisteswissenschaftlich ist die Parallele, die wir schon öfter gezogen haben, und die wir heute unter einem gewissen Gesichtspunkte verfolgen werden, durchaus zum Ziele führend, durchaus aufklärend. Sie klärt manche soziale Erscheinung in der Gegenwart auf. Aber ich möchte Sie bitten, sie mehr im Hintergrunde zu halten, bis sich die landläufigen Vorurteile gegen eine Parallelisierung des menschlichen natürlichen Organismus mit dem sozialen Organismus verlaufen haben. Auch ich selbst gebrauche ja diese Parallele der Außenwelt gegenüber. Aber ich verwahre mich dagegen, ein müßiges Analogiespiel zu treiben. So habe ich es gemacht in meinen Zürcher Vorträgen über die soziale Frage, so mache ich es in der Schrift, die jetzt über die soziale Frage erscheinen wird. Aber diese Vorsicht wird nicht immer von Kennern der anthroposophischen Weltanschauung gebraucht. Deshalb ermahne ich ausdrücklich zur Vorsicht. Nun, mit dieser Einschränkung wollen wir einmal heute von einem gewissen Gesichtspunkte den sozialen Organismus noch einmal betrachten.

[ 1 ] Wir wollen heute den sozialen Organismus noch einmal betrachten, und zwar so, daß wir ihn in Parallele bringen mit dem menschlichen natürlichen Organismus. Wenn eine solche Parallele gemacht wird, muß man sie nehmen als ein Mittel, manche Dinge mit Bezug auf den sozialen Organismus besser zu verstehen. Auf der anderen Seite dürfen Sie gegenüber der Außenwelt nicht allzu aufdringlich sein mit solchen Parallelen, weil diese heute ein starkes Mißtrauen gegen solche Parallelen hat und glaubt, man wolle ein müßiges Spiel mit Analogien treiben. Dann wollen die Leute die Sache zurückweisen. Das wird für Sie besonders notwendig sein zu berücksichtigen. Geisteswissenschaftlich ist die Parallele, die wir schon öfter gezogen haben, und die wir heute unter einem gewissen Gesichtspunkte verfolgen werden, durchaus zum Ziele führend, durchaus aufklärend. Sie klärt manche soziale Erscheinung in der Gegenwart auf. Aber ich möchte Sie bitten, sie mehr im Hintergrunde zu halten, bis sich die landläufigen Vorurteile gegen eine Parallelisierung des menschlichen natürlichen Organismus mit dem sozialen Organismus verlaufen haben. Auch ich selbst gebrauche ja diese Parallele der Außenwelt gegenüber. Aber ich verwahre mich dagegen, ein müßiges Analogiespiel zu treiben. So habe ich es gemacht in meinen Zürcher Vorträgen über die soziale Frage, so mache ich es in der Schrift, die jetzt über die soziale Frage erscheinen wird. Aber diese Vorsicht wird nicht immer von Kennern der anthroposophischen Weltanschauung gebraucht. Deshalb ermahne ich ausdrücklich zur Vorsicht. Nun, mit dieser Einschränkung wollen wir einmal heute von einem gewissen Gesichtspunkte den sozialen Organismus noch einmal betrachten.

[ 2 ] Den gewöhnlichen natürlichen Organismus teilen wir ja in drei Glieder, in das Kopfsystem, wir können auch sagen Nerven-Sinnessystem, in das Lungen-Herzsystem, wir können auch sagen rhythmisches System, und in das Stoffwechselsystem. Alle Tätigkeit des menschlichen Organismus ist in diesen drei Systemen erschöpft. Was im menschlichen Leibe vorgeht, kann unter eine dieser drei Kategorien gebracht werden. Bemerkenswert ist dabei dieses, daß jedes dieser Systeme eine eigene, für sich bestehende Verbindung mit der Außenwelt hat. Gerade daraus ersieht man, daß es durchaus nicht willkürlich ist, den natürlichen menschlichen Organismus in diese drei Systeme zu gliedern. Das Nerven-Sinnessystem steht durch die Sinne in Verbindung mit der Außenwelt, das Atmungssystem durch die Atmungsorgane, das Stoffwechselsystem durch die Ernährungsorgane. Jedes dieser Systeme steht für sich mit der Außenwelt in einer abgesonderten Beziehung.

[ 2 ] Den gewöhnlichen natürlichen Organismus teilen wir ja in drei Glieder, in das Kopfsystem, wir können auch sagen Nerven-Sinnessystem, in das Lungen-Herzsystem, wir können auch sagen rhythmisches System, und in das Stoffwechselsystem. Alle Tätigkeit des menschlichen Organismus ist in diesen drei Systemen erschöpft. Was im menschlichen Leibe vorgeht, kann unter eine dieser drei Kategorien gebracht werden. Bemerkenswert ist dabei dieses, daß jedes dieser Systeme eine eigene, für sich bestehende Verbindung mit der Außenwelt hat. Gerade daraus ersieht man, daß es durchaus nicht willkürlich ist, den natürlichen menschlichen Organismus in diese drei Systeme zu gliedern. Das Nerven-Sinnessystem steht durch die Sinne in Verbindung mit der Außenwelt, das Atmungssystem durch die Atmungsorgane, das Stoffwechselsystem durch die Ernährungsorgane. Jedes dieser Systeme steht für sich mit der Außenwelt in einer abgesonderten Beziehung.

[ 3 ] Nun, ebenso können wir den sozialen Organismus in drei Glieder einteilen — in ein erstes, zweites und drittes Glied —, so daß sie selbständig sind. Beim sozialen Organismus haben wir dann als die drei Glieder zu unterscheiden das Wirtschaftssystem, das Staatssystem oder Rechtssystem und das System der geistigen Organisation.

[ 3 ] Nun, ebenso können wir den sozialen Organismus in drei Glieder einteilen — in ein erstes, zweites und drittes Glied —, so daß sie selbständig sind. Beim sozialen Organismus haben wir dann als die drei Glieder zu unterscheiden das Wirtschaftssystem, das Staatssystem oder Rechtssystem und das System der geistigen Organisation.

[ 4 ] I. Kopfsystem Wirtschaftssystem Nerven-Sinnessystem

[ 4 ] I. Kopfsystem Wirtschaftssystem Nerven-Sinnessystem

[ 5 ] II. Lungen-Herzsystem Staatssystem Rhythmisches System

[ 5 ] II. Lungen-Herzsystem Staatssystem Rhythmisches System

[ 6 ] III. Stoffwechselsystem geistige Organisation

[ 6 ] III. Stoffwechselsystem geistige Organisation

[ 7 ] Ich bitte Sie, das durchaus zu berücksichtigen, was ich jetzt auf die Tafel geschrieben habe, denn das ist sehr wichtig. Der Kopf des sozialen Organismus ist das Wirtschaftssystem. Das rhythmische System, das Zirkulationssystem, das Lungen-Herzsystem, das ist das Staatssystem. Und das Stoffwechselsystem, das ist in der geistigen Organisation beschlossen. Deshalb sagte ich immer: Will man sich die Sache richtig vorstellen, so muß man sich gegenüber dem menschlichen natürlichen Organismus vorstellen, daß der soziale Organismus auf dem Kopfe steht. Wenn man ein müßiges Analogiespiel treibt, dann wird man glauben, die geistige Organisation entspreche beim Menschen dem Kopfsystem. Das ist nicht der Fall. Die geistige Organisation entspricht dem Stoffwechselsystem. Wir können sagen, der soziale Organismus nährt sich von demjenigen, was die Menschen im sozialen Organismus geistig leisten. Der soziale Organismus hat seine Kopfbegabung in der Naturgrundlage. Wenn ein gewisses Volk in einer reichen Gegend wohnt mit vielen Erzgruben, mit reichen Bodenschätzen, mit fruchtbarem Boden, so ist der soziale Organismus begabt, bis zur Genialität kann er begabt sein. Wenn der Boden unfruchtbar ist, wenn wenig Bodenschätze da sind, dann ist der soziale Organismus töricht, unbegabt.

[ 7 ] Ich bitte Sie, das durchaus zu berücksichtigen, was ich jetzt auf die Tafel geschrieben habe, denn das ist sehr wichtig. Der Kopf des sozialen Organismus ist das Wirtschaftssystem. Das rhythmische System, das Zirkulationssystem, das Lungen-Herzsystem, das ist das Staatssystem. Und das Stoffwechselsystem, das ist in der geistigen Organisation beschlossen. Deshalb sagte ich immer: Will man sich die Sache richtig vorstellen, so muß man sich gegenüber dem menschlichen natürlichen Organismus vorstellen, daß der soziale Organismus auf dem Kopfe steht. Wenn man ein müßiges Analogiespiel treibt, dann wird man glauben, die geistige Organisation entspreche beim Menschen dem Kopfsystem. Das ist nicht der Fall. Die geistige Organisation entspricht dem Stoffwechselsystem. Wir können sagen, der soziale Organismus nährt sich von demjenigen, was die Menschen im sozialen Organismus geistig leisten. Der soziale Organismus hat seine Kopfbegabung in der Naturgrundlage. Wenn ein gewisses Volk in einer reichen Gegend wohnt mit vielen Erzgruben, mit reichen Bodenschätzen, mit fruchtbarem Boden, so ist der soziale Organismus begabt, bis zur Genialität kann er begabt sein. Wenn der Boden unfruchtbar ist, wenn wenig Bodenschätze da sind, dann ist der soziale Organismus töricht, unbegabt.

[ 8 ] Also Sie müssen nicht einfach analogisieren, sondern Sie müssen gerade, wenn Sie die Parallele bilden, auf das Richtige gehen. Sie wissen ja, man muß auch gegen das bloße Spielen mit Begriffen aus der geisteswissenschaftlichen Erfahrung heraus das Richtige auf anderen Gebieten suchen. Wenn die Menschen bloß ein Analogiespiel treiben, so werden sie zum Beispiel sagen: Man kann den Wachzustand des Menschen vergleichen mit dem Sommer, den Schlafzustand mit dem Winter. Sie wissen, daß das ganz falsch wäre. Ich habe Ihnen wiederholt auseinandergesetzt, daß wenn man diese Parallele zieht, Jahreszeiten und menschliches Leben, so muß man gerade umgekehrt den Sommer als den Schlafzustand und den Winter als den Wachzustand der Erde ansehen. So müssen Sie das Wirtschaftsleben als den Kopf des sozialen Organismus ansehen. Und dasjenige, was die Menschen geistig leisten — wohlgemerkt in der Wirkung auf den sozialen Organismus —, müssen Sie als die Nahrungsmittel des sozialen Organismus ansehen.

[ 8 ] Also Sie müssen nicht einfach analogisieren, sondern Sie müssen gerade, wenn Sie die Parallele bilden, auf das Richtige gehen. Sie wissen ja, man muß auch gegen das bloße Spielen mit Begriffen aus der geisteswissenschaftlichen Erfahrung heraus das Richtige auf anderen Gebieten suchen. Wenn die Menschen bloß ein Analogiespiel treiben, so werden sie zum Beispiel sagen: Man kann den Wachzustand des Menschen vergleichen mit dem Sommer, den Schlafzustand mit dem Winter. Sie wissen, daß das ganz falsch wäre. Ich habe Ihnen wiederholt auseinandergesetzt, daß wenn man diese Parallele zieht, Jahreszeiten und menschliches Leben, so muß man gerade umgekehrt den Sommer als den Schlafzustand und den Winter als den Wachzustand der Erde ansehen. So müssen Sie das Wirtschaftsleben als den Kopf des sozialen Organismus ansehen. Und dasjenige, was die Menschen geistig leisten — wohlgemerkt in der Wirkung auf den sozialen Organismus —, müssen Sie als die Nahrungsmittel des sozialen Organismus ansehen.

[ 9 ] Diese Sache ist außerordentlich wichtig, um gerade unsere Zeit zu verstehen. Unsere Zeit, das habe ich gestern betont, hat es im Grunde genommen schwer mit irgendeiner Lösung der sozialen Frage, und zwar, weil überwiegend antisoziale Triebe in der gegenwärtigen Menschheit vorhanden sind. Antisoziale Triebe sind im Verhältnis von Einzelmensch zu Einzelmensch vorhanden. Manchmal aber auch kaschieren sich, verbergen sich die antisozialen Triebe. Sie verbergen sich zum Beispiel heute hinter den nationalen Aspirationen, die sich in intensiver Weise über die Erde hin geltend machen. Mit diesen nationalen Aspirationen verbindet man ja heute etwas, was man noch immer für selbstverständlich ansieht, während das Selbstverständliche für das wirkliche Entwickeln des Menschen in unserer Zeit darin besteht, daß beginnen müßte im entscheidendsten Sinne ein internationales Element. Allein da ist mit den heutigen Menschen noch schwer zu sprechen. Für die anderen Nationen sehen gewöhnlich alle Leute ein, daß das Internationale beginnen sollte; nur für die eigene gewöhnlich nicht. Wenn man über diese Dinge mit den Leuten reden will heute, da begegnet einem das, was mir auf einem anderen Gebiete einmal vor vielen Jahren auf dem Boden der Anthroposophischen, damals Theosophischen Gesellschaft begegnet ist.

[ 9 ] Diese Sache ist außerordentlich wichtig, um gerade unsere Zeit zu verstehen. Unsere Zeit, das habe ich gestern betont, hat es im Grunde genommen schwer mit irgendeiner Lösung der sozialen Frage, und zwar, weil überwiegend antisoziale Triebe in der gegenwärtigen Menschheit vorhanden sind. Antisoziale Triebe sind im Verhältnis von Einzelmensch zu Einzelmensch vorhanden. Manchmal aber auch kaschieren sich, verbergen sich die antisozialen Triebe. Sie verbergen sich zum Beispiel heute hinter den nationalen Aspirationen, die sich in intensiver Weise über die Erde hin geltend machen. Mit diesen nationalen Aspirationen verbindet man ja heute etwas, was man noch immer für selbstverständlich ansieht, während das Selbstverständliche für das wirkliche Entwickeln des Menschen in unserer Zeit darin besteht, daß beginnen müßte im entscheidendsten Sinne ein internationales Element. Allein da ist mit den heutigen Menschen noch schwer zu sprechen. Für die anderen Nationen sehen gewöhnlich alle Leute ein, daß das Internationale beginnen sollte; nur für die eigene gewöhnlich nicht. Wenn man über diese Dinge mit den Leuten reden will heute, da begegnet einem das, was mir auf einem anderen Gebiete einmal vor vielen Jahren auf dem Boden der Anthroposophischen, damals Theosophischen Gesellschaft begegnet ist.

[ 10 ] Ich hatte auseinanderzusetzen, daß Tiere Gruppenseelen haben, und daß, wenn die Tiere sterben, sie eingehen in die Gruppenseelen, daß sie nicht eine individuelle Wiederverkörperung haben. Da erwiderte eine Dame, die einen Hund hatte, den sie sehr liebte: Bei allen anderen Tieren möge das der Fall sein, aber für diesen, ihren Hund gelte es nicht, er habe sich schon eine so entschiedene Individualseele angeeignet, daß er eine persönliche Reinkarnation erfahren werde. Es war sehr schwer, der Dame beizukommen. Nachher aber, als diese Dame weg war und man noch etwas beisammen war, da sagte eine andere Dame: Sie könne nicht begreifen, wie eine so gescheite Frau das nicht einsehen kann, daß ihr Hund keine Individualseele hat; sie habe das gleich begriffen! Aber ihr Papagei, der habe eine Individualseele! Das sei eben eine ganz andere Sache! — Das ist ein ganz lehrreiches Bei spiel dafür, wie Menschen urteilen, wenn Dinge berührt werden, die unmittelbar mit ihrer Persönlichkeit zusammenhängen.

[ 10 ] Ich hatte auseinanderzusetzen, daß Tiere Gruppenseelen haben, und daß, wenn die Tiere sterben, sie eingehen in die Gruppenseelen, daß sie nicht eine individuelle Wiederverkörperung haben. Da erwiderte eine Dame, die einen Hund hatte, den sie sehr liebte: Bei allen anderen Tieren möge das der Fall sein, aber für diesen, ihren Hund gelte es nicht, er habe sich schon eine so entschiedene Individualseele angeeignet, daß er eine persönliche Reinkarnation erfahren werde. Es war sehr schwer, der Dame beizukommen. Nachher aber, als diese Dame weg war und man noch etwas beisammen war, da sagte eine andere Dame: Sie könne nicht begreifen, wie eine so gescheite Frau das nicht einsehen kann, daß ihr Hund keine Individualseele hat; sie habe das gleich begriffen! Aber ihr Papagei, der habe eine Individualseele! Das sei eben eine ganz andere Sache! — Das ist ein ganz lehrreiches Bei spiel dafür, wie Menschen urteilen, wenn Dinge berührt werden, die unmittelbar mit ihrer Persönlichkeit zusammenhängen.

[ 11 ] Aber es gibt die verschiedensten Gründe, warum in der Gegenwart dem, was man vernünftigerweise Sozialisierung nennen kann, gewisse Hindernisse erwachsen. Wenn Sie verschiedene Dinge überblicken, die Sie aus unserer anthroposophischen Geisteswissenschaft wissen, so wird Ihnen ja klar sein, daß das Geistesleben zunächst innerhalb der menschlichen Entwickelung in absteigender Linie gegangen ist. Gewiß sind die Menschen heute stolz auf ihre weit fortgeschrittene geistige Entwickelung; jedoch ist in dem, was sie denken, was sie empfinden, eigentlich kein Geist.

[ 11 ] Aber es gibt die verschiedensten Gründe, warum in der Gegenwart dem, was man vernünftigerweise Sozialisierung nennen kann, gewisse Hindernisse erwachsen. Wenn Sie verschiedene Dinge überblicken, die Sie aus unserer anthroposophischen Geisteswissenschaft wissen, so wird Ihnen ja klar sein, daß das Geistesleben zunächst innerhalb der menschlichen Entwickelung in absteigender Linie gegangen ist. Gewiß sind die Menschen heute stolz auf ihre weit fortgeschrittene geistige Entwickelung; jedoch ist in dem, was sie denken, was sie empfinden, eigentlich kein Geist.

[ 12 ] Blicken Sie zurück nur in die dritte nachatlantische Kulturperiode, um nicht weiter zu gehen. Der Quell, aus dem die Menschen dazumal geschöpft haben, mag ja gewiß atavistisches Hellsehen gewesen sein, aber aus diesem atavistischen Hellsehen heraus haben die Menschen eine breite Weisheit gewonnen, eine Weisheit, welche spirituell inhalts voll war. Die heutigen Menschen sehen mit einem gewissen Hochmut auf dasjenige zurück, was die Chaldäer, was die Agypter hervorgebracht haben. Dieser Hochmut ist sehr, sehr unberechtigt. Dasjenige allerdings, was schulmäßig, philologisch zutage gefördert wird über die Weisheit der Ägypter und Chaldäer, das ist nicht sehr ergiebig. Aber das ist ja schließlich «der Herren eigener Geist». Das dringt nicht an die tiefen Einblicke heran, die die alten ägyptischen Priester, die alten ägyptischen Mysterienleiter, die chaldäischen Priester, die chaldäischen Mysterienleiter durch ihre allerdings noch an Atavistisches anklingende Hellseherweisheit hatten. Auch innerhalb der griechisch-lateinischen Kultur war an Weisheit noch mehr enthalten als in dem, was heute die Menschen denken und empfinden, was einfließt in ihre Ideen, in ihre Begriffe vom Spirituellen. Im Grunde ist heute der Mensch arm geworden an spirituellem Leben. Und eine besondere Verarmung an spirituellem Leben ist eingetreten eben gerade seit dem Heraufkommen der fünften nachatlantischen Kulturperiode, seit der Mitte des 15. Jahrhunderts. Da ist ungeheuer viel wirkliches geistiges Leben verfluter.

[ 12 ] Blicken Sie zurück nur in die dritte nachatlantische Kulturperiode, um nicht weiter zu gehen. Der Quell, aus dem die Menschen dazumal geschöpft haben, mag ja gewiß atavistisches Hellsehen gewesen sein, aber aus diesem atavistischen Hellsehen heraus haben die Menschen eine breite Weisheit gewonnen, eine Weisheit, welche spirituell inhalts voll war. Die heutigen Menschen sehen mit einem gewissen Hochmut auf dasjenige zurück, was die Chaldäer, was die Agypter hervorgebracht haben. Dieser Hochmut ist sehr, sehr unberechtigt. Dasjenige allerdings, was schulmäßig, philologisch zutage gefördert wird über die Weisheit der Ägypter und Chaldäer, das ist nicht sehr ergiebig. Aber das ist ja schließlich «der Herren eigener Geist». Das dringt nicht an die tiefen Einblicke heran, die die alten ägyptischen Priester, die alten ägyptischen Mysterienleiter, die chaldäischen Priester, die chaldäischen Mysterienleiter durch ihre allerdings noch an Atavistisches anklingende Hellseherweisheit hatten. Auch innerhalb der griechisch-lateinischen Kultur war an Weisheit noch mehr enthalten als in dem, was heute die Menschen denken und empfinden, was einfließt in ihre Ideen, in ihre Begriffe vom Spirituellen. Im Grunde ist heute der Mensch arm geworden an spirituellem Leben. Und eine besondere Verarmung an spirituellem Leben ist eingetreten eben gerade seit dem Heraufkommen der fünften nachatlantischen Kulturperiode, seit der Mitte des 15. Jahrhunderts. Da ist ungeheuer viel wirkliches geistiges Leben verfluter.

[ 13 ] Und immer mehr wurde der menschliche Verstand gewissermaßen ausgedörrt. Daher beschränkte er sich immer mehr und mehr darauf, Bilder des äußeren sinnlichen Lebens zu entwerfen. An wirkliche Offenbarungen aus der geistigen Welt heraus will der Mensch nicht mehr glauben und auch sich nicht mehr halten. Aber dasjenige, was der Mensch an geistigem Inhalt in sich entwickelt, das hat nicht nur für ihn eine subjektive Bedeutung. Insoferne das, was der Mensch innerlich geistig entwickelt, eine Bedeutung hat im Leben von Mensch zu Mensch, insofern ist das, was der Mensch in seinem Kopfe hat, in sich hat, zugleich Nahrung für den sozialen Organismus; davon nährt sich der soziale Organismus. Daher werden Sie es begreifen, daß derjenige, der vom sozialen Örganismus verständnisvoll'redet, sagen muß, daß dieser soziale Organismus seit der Mitte des 15. Jahrhunderts darbt, hungert. Der Niedergang des wirklichen geistigen Lebens bedeutet ein allmähliches Aushungern des sozialen Organismus, des sozialen Organismus auf allen Territorien. Und man darf schon sagen: Der soziale Organismus ine heuzesschon eine ziemlich magere; schlanke Persönlich: keit geworden und droht noch schlanker und magerer zu werden. Wenn heute einer ein Sinnbild, durch die menschliche Persönlichkeit ausgedrückt, vom sozialen Organismus entwerfen sollte, so müßte er eine magere Persönlichkeit, nicht eine feiste entwerfen. Ein gut genährtes Mönchlein etwa dürfte man heute nicht als Sinnbild des sozialen Organismus malen.

[ 13 ] Und immer mehr wurde der menschliche Verstand gewissermaßen ausgedörrt. Daher beschränkte er sich immer mehr und mehr darauf, Bilder des äußeren sinnlichen Lebens zu entwerfen. An wirkliche Offenbarungen aus der geistigen Welt heraus will der Mensch nicht mehr glauben und auch sich nicht mehr halten. Aber dasjenige, was der Mensch an geistigem Inhalt in sich entwickelt, das hat nicht nur für ihn eine subjektive Bedeutung. Insoferne das, was der Mensch innerlich geistig entwickelt, eine Bedeutung hat im Leben von Mensch zu Mensch, insofern ist das, was der Mensch in seinem Kopfe hat, in sich hat, zugleich Nahrung für den sozialen Organismus; davon nährt sich der soziale Organismus. Daher werden Sie es begreifen, daß derjenige, der vom sozialen Örganismus verständnisvoll'redet, sagen muß, daß dieser soziale Organismus seit der Mitte des 15. Jahrhunderts darbt, hungert. Der Niedergang des wirklichen geistigen Lebens bedeutet ein allmähliches Aushungern des sozialen Organismus, des sozialen Organismus auf allen Territorien. Und man darf schon sagen: Der soziale Organismus ine heuzesschon eine ziemlich magere; schlanke Persönlich: keit geworden und droht noch schlanker und magerer zu werden. Wenn heute einer ein Sinnbild, durch die menschliche Persönlichkeit ausgedrückt, vom sozialen Organismus entwerfen sollte, so müßte er eine magere Persönlichkeit, nicht eine feiste entwerfen. Ein gut genährtes Mönchlein etwa dürfte man heute nicht als Sinnbild des sozialen Organismus malen.

[ 14 ] Wenn Sie dies berücksichtigen, dann werden Sie auch verstehen können, daß im Gegenteil, während der Magen unseres sozialen Organismus, den wir eigentlich anfüllen mit unseren geistigen Leistungen, ziemlich leer ist, heute gerade der Kopf, nämlich das Wirtschaftsleben des sozialen Organismus dasjenige ist, das sich besonders betätigt. Der soziale Organismus denkt heute sehr viel, der soziale Organismus entwickelt reichlich Intellektualität. Es ist vielleicht ein etwas gefährlicher Vergleich, aber er müßte eigentlich doch gemacht werden. Sie wissen, zu starke Unterernährung, wenn eine starke Intellektualität da ist, bringt zu gleicher Zeit diese Intellektualität etwas in Unordnung. Nun darf man nichtglauben, daß unser sozialer Organismus Anlagen hat, unbedingt gleich verrückt zu werden. Aber mancherlei Dinge, die heute geschehen, und für die nicht allein die Menschen verantwortlich sind, sondern schon dasjenige, was als soziales Denken durch die Welt pulsiert, das zeigt sich krankhaft in diesem sozialen Organismus. Und gerade aus dem Grunde sprechen wir ja von der Notwendigkeit, den sozialen Organismus zur Gesundung zu bringen, weil wir fühlen, wie er krank ist. Aber davon wollen wir, wie gesagt, trotzdem der Vergleich einmal gebraucht werden muß, zunächst absehen. Gebraucht mußte der Vergleich werden aus dem Grunde, damit Sie sehen, daß die menschliche Entwickelung wirklich in einer gesetzmäßigen Weise verläuft, daß nicht bloß, weil die Menschen subjektiv wollen, das oder jenes geschieht, sondern daß das, was geschieht, einer fortlaufenden Gesetzmäßigkeit entspriäht,, Wir sind einmal in die Periode.eingetreten, wo der soziale Organismus Hunger leidet, und wo er zuviel denkt, wo er sein Kopfsystem zu stark entwickelt.

[ 14 ] Wenn Sie dies berücksichtigen, dann werden Sie auch verstehen können, daß im Gegenteil, während der Magen unseres sozialen Organismus, den wir eigentlich anfüllen mit unseren geistigen Leistungen, ziemlich leer ist, heute gerade der Kopf, nämlich das Wirtschaftsleben des sozialen Organismus dasjenige ist, das sich besonders betätigt. Der soziale Organismus denkt heute sehr viel, der soziale Organismus entwickelt reichlich Intellektualität. Es ist vielleicht ein etwas gefährlicher Vergleich, aber er müßte eigentlich doch gemacht werden. Sie wissen, zu starke Unterernährung, wenn eine starke Intellektualität da ist, bringt zu gleicher Zeit diese Intellektualität etwas in Unordnung. Nun darf man nichtglauben, daß unser sozialer Organismus Anlagen hat, unbedingt gleich verrückt zu werden. Aber mancherlei Dinge, die heute geschehen, und für die nicht allein die Menschen verantwortlich sind, sondern schon dasjenige, was als soziales Denken durch die Welt pulsiert, das zeigt sich krankhaft in diesem sozialen Organismus. Und gerade aus dem Grunde sprechen wir ja von der Notwendigkeit, den sozialen Organismus zur Gesundung zu bringen, weil wir fühlen, wie er krank ist. Aber davon wollen wir, wie gesagt, trotzdem der Vergleich einmal gebraucht werden muß, zunächst absehen. Gebraucht mußte der Vergleich werden aus dem Grunde, damit Sie sehen, daß die menschliche Entwickelung wirklich in einer gesetzmäßigen Weise verläuft, daß nicht bloß, weil die Menschen subjektiv wollen, das oder jenes geschieht, sondern daß das, was geschieht, einer fortlaufenden Gesetzmäßigkeit entspriäht,, Wir sind einmal in die Periode.eingetreten, wo der soziale Organismus Hunger leidet, und wo er zuviel denkt, wo er sein Kopfsystem zu stark entwickelt.

[ 15 ] Das bedeutet nicht etwa, daß heute zuviel gewirtschaftet wird. Es wird viel zuwenig gewirtschaftet. Die Menschheit hätte nötig, viel mehr:au produzieren, Das wird jedoch erst geschehen, wenn der soziale Organismus in seine drei Glieder richtig eingeteilt sein wird. Aber über das Wirtschaftsleben wird tatsächlich so gedacht, als wenn es ganz allein in der Welt wäre. Wenn ich von diesem Gesichtspunkte aus auf den sozialen Organismus hinschaue, wie er einseitig alles, alles verhandeln möchte nach dem Kopf des sozialen Organismus, nach dem Wirtschaftsleben, da muß ich immer denken, wie aus einer gewissen Verwechselung des sozialen Organismus mit dem einzelnen menschlichen Organismus mir einmal der österreichische Dichter Hermann Rollet — es ist jetzt sehr lange her — eine große Besorgnis über die Zukunft der Menschheit ausgedrückt hat. Hermann Rollet war ein sehr lieber Mann. Er hat jenes schöne Buch über die Goethe-Bildnisse zusammengestellt. Allein er war, wie das dazumal Mode war in den siebziger, achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, ein sehr aufgeklärter Mann und daher stolz darauf, wie weit es die Menschen mit ihrer Kopfkultur heute gebracht haben. Und da äußerte er mir einmal seine tiefe Besorgnis, was aus den Menschen werden soll, wenn sie nun immer gescheiter und gescheiter werden, wenn sie immer mehr und mehr denken. Da wird ja der Kopf immer mehr und mehr sich entwickeln auf Kosten des anderen Organismus. Und er meinte, die Menschen müßten wirklich, wenn die Erde noch weiterhin sich entwickelt, nur als bloße Köpfe, als Kugeln so über die Erde hinrollen. Damit drückte er eine wirkliche Besorgnis aus. Und diese Besorgnis trifft für den individuellen Menschen nicht zu. Aber sie trifft in einer gewissen Weise wenigstens für die heutigen Tage zu für den sozialen Organismus, der seinen Kopf im Wirtschaftssystem hat, und der droht immer mehr und mehr Kopf zu werden.

[ 15 ] Das bedeutet nicht etwa, daß heute zuviel gewirtschaftet wird. Es wird viel zuwenig gewirtschaftet. Die Menschheit hätte nötig, viel mehr:au produzieren, Das wird jedoch erst geschehen, wenn der soziale Organismus in seine drei Glieder richtig eingeteilt sein wird. Aber über das Wirtschaftsleben wird tatsächlich so gedacht, als wenn es ganz allein in der Welt wäre. Wenn ich von diesem Gesichtspunkte aus auf den sozialen Organismus hinschaue, wie er einseitig alles, alles verhandeln möchte nach dem Kopf des sozialen Organismus, nach dem Wirtschaftsleben, da muß ich immer denken, wie aus einer gewissen Verwechselung des sozialen Organismus mit dem einzelnen menschlichen Organismus mir einmal der österreichische Dichter Hermann Rollet — es ist jetzt sehr lange her — eine große Besorgnis über die Zukunft der Menschheit ausgedrückt hat. Hermann Rollet war ein sehr lieber Mann. Er hat jenes schöne Buch über die Goethe-Bildnisse zusammengestellt. Allein er war, wie das dazumal Mode war in den siebziger, achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, ein sehr aufgeklärter Mann und daher stolz darauf, wie weit es die Menschen mit ihrer Kopfkultur heute gebracht haben. Und da äußerte er mir einmal seine tiefe Besorgnis, was aus den Menschen werden soll, wenn sie nun immer gescheiter und gescheiter werden, wenn sie immer mehr und mehr denken. Da wird ja der Kopf immer mehr und mehr sich entwickeln auf Kosten des anderen Organismus. Und er meinte, die Menschen müßten wirklich, wenn die Erde noch weiterhin sich entwickelt, nur als bloße Köpfe, als Kugeln so über die Erde hinrollen. Damit drückte er eine wirkliche Besorgnis aus. Und diese Besorgnis trifft für den individuellen Menschen nicht zu. Aber sie trifft in einer gewissen Weise wenigstens für die heutigen Tage zu für den sozialen Organismus, der seinen Kopf im Wirtschaftssystem hat, und der droht immer mehr und mehr Kopf zu werden.

[ 16 ] Was ich Ihnen da sage, ist für das heutige Leben eine sehr, sehr praktische Sache. Ich habe ja jetzt mehrmals vorgetragen in proletarischen Kreisen. Die proletarische Welt selbst versteht einen gut, aber sie wird vorläufig von ihren Führern zurückgehalten. Die stehen nämlich ganz tief drinnen nicht in einem individuellen Denken, sondern in dem, was vom sozialen Denken, vom Denken des sozialen Organismus in sie übergeht. Wenn man in diesen Kreisen nun das heute Sachgemäße und unbedingt Notwendige vorträgt, daß der soziale Organismus gegliedert werden müsse in eine wirtschaftliche Organisation, in eine politisch-rechtliche oder Staatsorganisation, und in eine geistige Organisation, da kann man ganz sicher sein, daß programmäßig erwidert wird: Ja, aber es muß sich doch alles aus dem Wirtschaftssystem heraus ergeben, wozu denn die anderen Glieder? Wenn das Wirtschaftsleben auf seine richtige Grundlage gestellt wird, dann werden sich die Rechte und dann wird sich auch das geistige Leben von selbst ergeben. — Die Menschen sind sich da nicht bewußt, daß das nicht ein individuelles Denken ist, sondern daß das dasjenige Denken ist, was durchraunt durch ihre Köpfe vom sozialen Organismus her. Der denkt vor allen Dingen zuviel, das heißt, er denkt bloß im Wirtschaften. Er kann noch nicht sich entschließen, sein Herz und seine Lunge, nämlich einen wirklichen abgesonderten Staat, zu entwickeln. Ja er kann sogar nicht einmal sich klar bewußt werden seines Magens, nämlich der Notwendigkeit des Eingreifens der individuellen menschlichen Fähigkeiten in den sozialen Organismus.

[ 16 ] Was ich Ihnen da sage, ist für das heutige Leben eine sehr, sehr praktische Sache. Ich habe ja jetzt mehrmals vorgetragen in proletarischen Kreisen. Die proletarische Welt selbst versteht einen gut, aber sie wird vorläufig von ihren Führern zurückgehalten. Die stehen nämlich ganz tief drinnen nicht in einem individuellen Denken, sondern in dem, was vom sozialen Denken, vom Denken des sozialen Organismus in sie übergeht. Wenn man in diesen Kreisen nun das heute Sachgemäße und unbedingt Notwendige vorträgt, daß der soziale Organismus gegliedert werden müsse in eine wirtschaftliche Organisation, in eine politisch-rechtliche oder Staatsorganisation, und in eine geistige Organisation, da kann man ganz sicher sein, daß programmäßig erwidert wird: Ja, aber es muß sich doch alles aus dem Wirtschaftssystem heraus ergeben, wozu denn die anderen Glieder? Wenn das Wirtschaftsleben auf seine richtige Grundlage gestellt wird, dann werden sich die Rechte und dann wird sich auch das geistige Leben von selbst ergeben. — Die Menschen sind sich da nicht bewußt, daß das nicht ein individuelles Denken ist, sondern daß das dasjenige Denken ist, was durchraunt durch ihre Köpfe vom sozialen Organismus her. Der denkt vor allen Dingen zuviel, das heißt, er denkt bloß im Wirtschaften. Er kann noch nicht sich entschließen, sein Herz und seine Lunge, nämlich einen wirklichen abgesonderten Staat, zu entwickeln. Ja er kann sogar nicht einmal sich klar bewußt werden seines Magens, nämlich der Notwendigkeit des Eingreifens der individuellen menschlichen Fähigkeiten in den sozialen Organismus.

[ 17 ] Ich möchte, daß Sie verstehen, daß solches Reden heute, das nur gelten lassen will das Wirtschaftssystem, tief begründet ist in der menschlichen Entwickelung, daß es daher starke Kräfte brauchen wird, um auf diesem Wege eine Umkehr zu bewirken. Denken Sie einmal, daß es ja notwendig wird, daß das geistige Leben emanzipiert wird, auf sich selbst gestellt wird, daß die Leute werden begreifen müssen: Von der untersten Schule bis hinauf muß alles vom Staate abgesondert werden, unabhängig vom Wirtschaftsleben sich entwickeln können. Das wollen heute weder die bürgerlichen Kreise noch wollen es — die erst recht nicht — die Sozialdemokraten. Die Sozialdemokraten werden von ihrem Standpunkte aus mit Recht immer wiederum darauf hinweisen, daß das gesunde Wirtschaftsleben in der früheren Zeit gestützt war von zwei Säulen, vom Geistesleben und vom Staatsleben. Populär drückt man das so aus, daß man sagt: Das menschliche Wirtschaftsleben muß gestützt werden, wie es von jeher der Fall war, durch Thron, Staatsleben und Altar, geistiges Leben. Das sagen die einen mit Abscheu, das sagen diejenigen, die noch in alten Vorstellungen drinnen stehen, mit Begeisterung: Thron und Altar sind notwendig. In der neueren Zeit ist der Thron zuweilen Präsidentenstuhl geworden, aber das macht zumeist nur in der äußeren Ästhetik einen Unterschied; und der Altar ist zuweilen eine Wertheimsche Kasse geworden, aber das macht auch nur einen äußerlichen Unterschied. Es ist eigentlich kein tiefgehender Unterschied in bezug auf das Fühlen. Neuere Menschen haben die Wertheimsche Kasse oftmals so gerne, wie ältere Menschen den Altar hatten.

[ 17 ] Ich möchte, daß Sie verstehen, daß solches Reden heute, das nur gelten lassen will das Wirtschaftssystem, tief begründet ist in der menschlichen Entwickelung, daß es daher starke Kräfte brauchen wird, um auf diesem Wege eine Umkehr zu bewirken. Denken Sie einmal, daß es ja notwendig wird, daß das geistige Leben emanzipiert wird, auf sich selbst gestellt wird, daß die Leute werden begreifen müssen: Von der untersten Schule bis hinauf muß alles vom Staate abgesondert werden, unabhängig vom Wirtschaftsleben sich entwickeln können. Das wollen heute weder die bürgerlichen Kreise noch wollen es — die erst recht nicht — die Sozialdemokraten. Die Sozialdemokraten werden von ihrem Standpunkte aus mit Recht immer wiederum darauf hinweisen, daß das gesunde Wirtschaftsleben in der früheren Zeit gestützt war von zwei Säulen, vom Geistesleben und vom Staatsleben. Populär drückt man das so aus, daß man sagt: Das menschliche Wirtschaftsleben muß gestützt werden, wie es von jeher der Fall war, durch Thron, Staatsleben und Altar, geistiges Leben. Das sagen die einen mit Abscheu, das sagen diejenigen, die noch in alten Vorstellungen drinnen stehen, mit Begeisterung: Thron und Altar sind notwendig. In der neueren Zeit ist der Thron zuweilen Präsidentenstuhl geworden, aber das macht zumeist nur in der äußeren Ästhetik einen Unterschied; und der Altar ist zuweilen eine Wertheimsche Kasse geworden, aber das macht auch nur einen äußerlichen Unterschied. Es ist eigentlich kein tiefgehender Unterschied in bezug auf das Fühlen. Neuere Menschen haben die Wertheimsche Kasse oftmals so gerne, wie ältere Menschen den Altar hatten.

[ 18 ] Nun weist das aber noch zurück auf eine Zeit, welche in einer gewissen Weise Sinn und Empfänglichkeit hatte für das freie geistige Leben. Denken Sie, es ist ja nicht so sehr lange her, daß die freien Hochschulen, die Universitäten, von dem Staate aufgesogen worden sind. Die Universitäten hatten früher ihr eigenes Ansehen, ihre eigene Ehre. Autonom waren sie, autonome Körperschaften. Diese Autonomie haben sie vollständig verloren. Sie bilden Staatsdiener aus, brave, gute Staatsdiener auf allen Gebieten. Dem aber tritt gegenüber eine Hypertrophie des sozialen Kopfsystems, des Wirtschaftslebens. Alles wird vom Wirtschaftssystem ausgedacht, und die Perspektive Kontor und Maschine anstelle von Thron und Altar, das ist auch gerade keine Perspektive, welche auf Dinge hinwiese, die den sozialen Organismus lebensfähig machen können! Ich habe Ihnen ja öfter gesagt, da würde die Welt eine große Buchhaltung werden, die geführt würde über eine Art Werkstättenleben. Gerade die individuellen menschlichen Fähigkeiten, die die Nahrungsmittel bilden für den sozialen Organismus, die würden verkümmern und gelähmt sein, wenn an die Stelle von Thron und Altar treten würde Kontor und Fabrik, Kontor und Maschine.

[ 18 ] Nun weist das aber noch zurück auf eine Zeit, welche in einer gewissen Weise Sinn und Empfänglichkeit hatte für das freie geistige Leben. Denken Sie, es ist ja nicht so sehr lange her, daß die freien Hochschulen, die Universitäten, von dem Staate aufgesogen worden sind. Die Universitäten hatten früher ihr eigenes Ansehen, ihre eigene Ehre. Autonom waren sie, autonome Körperschaften. Diese Autonomie haben sie vollständig verloren. Sie bilden Staatsdiener aus, brave, gute Staatsdiener auf allen Gebieten. Dem aber tritt gegenüber eine Hypertrophie des sozialen Kopfsystems, des Wirtschaftslebens. Alles wird vom Wirtschaftssystem ausgedacht, und die Perspektive Kontor und Maschine anstelle von Thron und Altar, das ist auch gerade keine Perspektive, welche auf Dinge hinwiese, die den sozialen Organismus lebensfähig machen können! Ich habe Ihnen ja öfter gesagt, da würde die Welt eine große Buchhaltung werden, die geführt würde über eine Art Werkstättenleben. Gerade die individuellen menschlichen Fähigkeiten, die die Nahrungsmittel bilden für den sozialen Organismus, die würden verkümmern und gelähmt sein, wenn an die Stelle von Thron und Altar treten würde Kontor und Fabrik, Kontor und Maschine.

[ 19 ] Das aber alles hängt eben damit zusammen, daß das gegenwärtige menschliche Zusammenleben, das heißt das Individualleben, in dem Menschen auslöst vor allen Dingen ein Denken, das nach dem Wirtschaftsleben hin orientiert ist, das nur Sinn und Interesse hat für das Wirtschaftsleben. Dies ist in der neueren Zeit dadurch heraufgekommen, daß die moderne Technik Platz gegriffen hat, und mit der modernen Technik die moderne Art des Kapitalismus. Da wurden zunächst die führenden, leitenden Kreise abhängig von demjenigen, was man nennen könnte den bloß auf das Wirtschaftssystem hin orientierten sozialen Verstand. Ich habe immer wieder und wiederum hingewiesen darauf, wie gewissermaßen der Mensch aufgesogen worden ist von dem objektiven sozialen Verstande, von der Überflutung durch das bloße Kopfsystem, mit dem der soziale Organismus um uns herum denkt. In dieses Denken sind wir heute eingespannt.

[ 19 ] Das aber alles hängt eben damit zusammen, daß das gegenwärtige menschliche Zusammenleben, das heißt das Individualleben, in dem Menschen auslöst vor allen Dingen ein Denken, das nach dem Wirtschaftsleben hin orientiert ist, das nur Sinn und Interesse hat für das Wirtschaftsleben. Dies ist in der neueren Zeit dadurch heraufgekommen, daß die moderne Technik Platz gegriffen hat, und mit der modernen Technik die moderne Art des Kapitalismus. Da wurden zunächst die führenden, leitenden Kreise abhängig von demjenigen, was man nennen könnte den bloß auf das Wirtschaftssystem hin orientierten sozialen Verstand. Ich habe immer wieder und wiederum hingewiesen darauf, wie gewissermaßen der Mensch aufgesogen worden ist von dem objektiven sozialen Verstande, von der Überflutung durch das bloße Kopfsystem, mit dem der soziale Organismus um uns herum denkt. In dieses Denken sind wir heute eingespannt.

[ 20 ] Sie wissen, ich habe Sie öfter darauf hingewiesen, wie die menschliche Persönlichkeit mit ihrem eigenen Denken selbst im Kapitalleben allmählich ausgeschaltet worden ist. Es ist heute das objektive Kapital dasjenige, welches über die Erde hin arbeitet. Die menschliche Persönlichkeit ist eigentlich da ausgeschaltet, wo das Kapital recht wirtschaftet. Bald ist einer unten, bald oben, bald ist alles verloren, bald ist alles wieder gewonnen, und die Aktien wirken für sich, arbeiten immer mehr und mehr für sich. Ich gebrauche da gewöhnlich ein Symptom als Beispiel. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und bis in das letzte Drittel hinein waren die einzelnen individuellen Bankiers die Ausschlaggebenden. Dann aber sind es für die großen Unternehmen mehr die Gesellschaften geworden. Amerika, das etwas nachklappt in der Entwickelung, das hat gerade jetzt den Übergang, wird jetzt den Übergang vollziehen von der weit ausgreifenden Individualität zu der objektiven Kapitalwirkung, und wird wahrscheinlich diese Erscheinung in ganz hervorragendem Maße zeigen. Aber der einzelne Bankier war so mächtig, daß man schon seine Stellung im sozialen Leben gut trifft, wenn man aufmerksam macht — ich glaube, es war in den vierziger Jahren, ich habe das schon einmal erzählt hier —, wie der Finanzminister des Königs von Frankreich zu Rothschild ging, um — nun, was tut ein Finanzminister? —, um ihn anzupumpen für den Staat Frankreich. Rothschild war gerade mit einem Schuster oder einem Schreiner beschäftigt, und dieses Geschäft war ihm ebenso wichtig wie der Finanzminister des Königs von Frankreich, vielleicht sogar wichtiger. Der Finanzminister läßt sich anmelden. Der Diener geht hinein, kommt zurück und sagt: Der Herr Rothschild bittet, Sie möchten ein bißchen warten, es ist gerade ein Schreiner drin. — Was, ein Schreiner? Ich bin doch der Finanzminister des Königs von Frankreich! — Der Diener erwiderte: Herr Rothschild sagt, Sie möchten warten. — Der Minister reißt aber die Türe auf und stürmt hinein: Ich bin der Finanzminister des Königs von Frankreich! — Bitte, nehmen Sie einen Stuhl, ich habe erst mit dem Herrn hier zu tun. — Aber, ich bin der Finanzminister des Königs von Frankreich! — Na, bitte, dann nehmen Sie zwei Stühle!

[ 20 ] Sie wissen, ich habe Sie öfter darauf hingewiesen, wie die menschliche Persönlichkeit mit ihrem eigenen Denken selbst im Kapitalleben allmählich ausgeschaltet worden ist. Es ist heute das objektive Kapital dasjenige, welches über die Erde hin arbeitet. Die menschliche Persönlichkeit ist eigentlich da ausgeschaltet, wo das Kapital recht wirtschaftet. Bald ist einer unten, bald oben, bald ist alles verloren, bald ist alles wieder gewonnen, und die Aktien wirken für sich, arbeiten immer mehr und mehr für sich. Ich gebrauche da gewöhnlich ein Symptom als Beispiel. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und bis in das letzte Drittel hinein waren die einzelnen individuellen Bankiers die Ausschlaggebenden. Dann aber sind es für die großen Unternehmen mehr die Gesellschaften geworden. Amerika, das etwas nachklappt in der Entwickelung, das hat gerade jetzt den Übergang, wird jetzt den Übergang vollziehen von der weit ausgreifenden Individualität zu der objektiven Kapitalwirkung, und wird wahrscheinlich diese Erscheinung in ganz hervorragendem Maße zeigen. Aber der einzelne Bankier war so mächtig, daß man schon seine Stellung im sozialen Leben gut trifft, wenn man aufmerksam macht — ich glaube, es war in den vierziger Jahren, ich habe das schon einmal erzählt hier —, wie der Finanzminister des Königs von Frankreich zu Rothschild ging, um — nun, was tut ein Finanzminister? —, um ihn anzupumpen für den Staat Frankreich. Rothschild war gerade mit einem Schuster oder einem Schreiner beschäftigt, und dieses Geschäft war ihm ebenso wichtig wie der Finanzminister des Königs von Frankreich, vielleicht sogar wichtiger. Der Finanzminister läßt sich anmelden. Der Diener geht hinein, kommt zurück und sagt: Der Herr Rothschild bittet, Sie möchten ein bißchen warten, es ist gerade ein Schreiner drin. — Was, ein Schreiner? Ich bin doch der Finanzminister des Königs von Frankreich! — Der Diener erwiderte: Herr Rothschild sagt, Sie möchten warten. — Der Minister reißt aber die Türe auf und stürmt hinein: Ich bin der Finanzminister des Königs von Frankreich! — Bitte, nehmen Sie einen Stuhl, ich habe erst mit dem Herrn hier zu tun. — Aber, ich bin der Finanzminister des Königs von Frankreich! — Na, bitte, dann nehmen Sie zwei Stühle!

[ 21 ] Durch so etwas sehen Sie durchschimmern, obschon es nur ein Symptom ist, die persönliche Macht. Die persönliche Initiative, die hat in dieser Form mehr oder weniger aufgehört und war im Aufhören, bevor die Kriegskatastrophe hereinbrach, auf dem Gebiete des wirtschaftlichen Lebens. Dasjenige, was im Wirtschaftsleben selber denkt, die soziale Intelligenz, die bekam die Obermacht über die individuelle Intelligenz der einzelnen Menschen. Zunächst ist diese soziale Intelligenz, dieser aus dem Wirtschaftsleben, aus der Hypertrophie des Wirtschaftslebens herausgeborene soziale Verstand sehr nüchtern. Und das ist gerade das, was dem Kenner des sozialen Lebens von einem höheren Gesichtspunkte aus besonders auffallen müßte, wie nüchtern heute das aus dem Wirtschaftsleben heraus geborene Denken geworden ist. Zunächst tritt eine Art von neuem Gruppendenken bei den Menschen auf. Aber dieses Gruppendenken ist ungemein nüchtern. Herausgeboren wurde es aus der Bourgeoisie während der kapitalistischen Zeit, hat sich zur Spießigkeit, zur Philistrosität entwickelt, hat als Philistrosität weite Kreise gezogen und hat nunmehr ergriffen als nüchternstes Produkt das sozialistische Denken.

[ 21 ] Durch so etwas sehen Sie durchschimmern, obschon es nur ein Symptom ist, die persönliche Macht. Die persönliche Initiative, die hat in dieser Form mehr oder weniger aufgehört und war im Aufhören, bevor die Kriegskatastrophe hereinbrach, auf dem Gebiete des wirtschaftlichen Lebens. Dasjenige, was im Wirtschaftsleben selber denkt, die soziale Intelligenz, die bekam die Obermacht über die individuelle Intelligenz der einzelnen Menschen. Zunächst ist diese soziale Intelligenz, dieser aus dem Wirtschaftsleben, aus der Hypertrophie des Wirtschaftslebens herausgeborene soziale Verstand sehr nüchtern. Und das ist gerade das, was dem Kenner des sozialen Lebens von einem höheren Gesichtspunkte aus besonders auffallen müßte, wie nüchtern heute das aus dem Wirtschaftsleben heraus geborene Denken geworden ist. Zunächst tritt eine Art von neuem Gruppendenken bei den Menschen auf. Aber dieses Gruppendenken ist ungemein nüchtern. Herausgeboren wurde es aus der Bourgeoisie während der kapitalistischen Zeit, hat sich zur Spießigkeit, zur Philistrosität entwickelt, hat als Philistrosität weite Kreise gezogen und hat nunmehr ergriffen als nüchternstes Produkt das sozialistische Denken.

[ 22 ] Es ist in diesem Punkt, meine lieben Freunde, etwas sehr, sehr Bemerkenswertes zu sagen. Die Verhältnisse, die sich abgespielt haben, haben es mit sich gebracht, daß der größte Teil der proletarischen Massen freigeistig, ungläubig ist. Die Kirchenaustritte in diesen Kreisen sind ja sehr, sehr zahlreich. Diejenigen, die nicht austreten, tun es oftmals nur aus dem Grunde nicht, weil sie die Sache nicht für sehr wichtig halten. Aber man hört oftmals etwas anderes. Man hört oftmals betonen, daß dem Proletarier als Ersatz für die alten Religionen gerade die sozialistische Lehre dient. Das ist nur aus einem gewissen Begeisterungsrausch, nicht aus einer wahren Begeisterung heraus möglich; denn natürlich ist die sozialistische Lehre, die nur aus dem Wirtschaftsleben heraus denkt, etwas furchtbar Nüchternes und kann nicht irgendwie einen religiösen Charakter annehmen.

[ 22 ] Es ist in diesem Punkt, meine lieben Freunde, etwas sehr, sehr Bemerkenswertes zu sagen. Die Verhältnisse, die sich abgespielt haben, haben es mit sich gebracht, daß der größte Teil der proletarischen Massen freigeistig, ungläubig ist. Die Kirchenaustritte in diesen Kreisen sind ja sehr, sehr zahlreich. Diejenigen, die nicht austreten, tun es oftmals nur aus dem Grunde nicht, weil sie die Sache nicht für sehr wichtig halten. Aber man hört oftmals etwas anderes. Man hört oftmals betonen, daß dem Proletarier als Ersatz für die alten Religionen gerade die sozialistische Lehre dient. Das ist nur aus einem gewissen Begeisterungsrausch, nicht aus einer wahren Begeisterung heraus möglich; denn natürlich ist die sozialistische Lehre, die nur aus dem Wirtschaftsleben heraus denkt, etwas furchtbar Nüchternes und kann nicht irgendwie einen religiösen Charakter annehmen.

[ 23 ] Daraus aber werden Sie sehen, daß das Ernste, das ich in diesen Vorträgen öfters zu Ihnen gesprochen habe, auch wirklich, man möchte sagen, ein heiliges Gebot der Weltgeschichte ist. Wenn wir auf der einen Seite durch eine geisteswissenschaftliche Betrachtung die menschliche Entwickelung seit dem Zeitalter der Bewußtseinsseele verfolgen, wenn wir auf der anderen Seite dasjenige ins Auge fassen, was, die anthroposophische Anschauung bewahrheitend, uns gerade innerhalb des sozialistischen Denkens entgegentritt, wenn wir das alles ansehen, dann sagen wir uns: Ein ungeheuer wichtiges Phänomen des sozialen Organismus ise sein allmähliches Aushungern. Er verhungert ja, wenn nicht in die Menschen hineinkommt wirkliches spirituelles Leben, wenn nicht geistiges Leben die Menschen ergreift! So wie der einzelne Mensch verhungern muß, wenn er nicht Nahrungsmittel zu genießen hat, so muß ein sozialer Organismus verhungern, wenn die Menschen nicht zum spirituellen Leben kommen. Er steht wirklich auf dem Kopf, der soziale Organismus. Der einzelne Mensch braucht die Nahrungsmittel, um zu leben; der soziale Organismus braucht die menschlichen Talente, die menschlichen Begabungen, die menschlichen inneren Offenbarungen, damit aus diesen Begabungen, aus diesen inneren Offenbarungen, hervorgehe dasjenige, was allein den sozialen Organismus gesund machen kann!

[ 23 ] Daraus aber werden Sie sehen, daß das Ernste, das ich in diesen Vorträgen öfters zu Ihnen gesprochen habe, auch wirklich, man möchte sagen, ein heiliges Gebot der Weltgeschichte ist. Wenn wir auf der einen Seite durch eine geisteswissenschaftliche Betrachtung die menschliche Entwickelung seit dem Zeitalter der Bewußtseinsseele verfolgen, wenn wir auf der anderen Seite dasjenige ins Auge fassen, was, die anthroposophische Anschauung bewahrheitend, uns gerade innerhalb des sozialistischen Denkens entgegentritt, wenn wir das alles ansehen, dann sagen wir uns: Ein ungeheuer wichtiges Phänomen des sozialen Organismus ise sein allmähliches Aushungern. Er verhungert ja, wenn nicht in die Menschen hineinkommt wirkliches spirituelles Leben, wenn nicht geistiges Leben die Menschen ergreift! So wie der einzelne Mensch verhungern muß, wenn er nicht Nahrungsmittel zu genießen hat, so muß ein sozialer Organismus verhungern, wenn die Menschen nicht zum spirituellen Leben kommen. Er steht wirklich auf dem Kopf, der soziale Organismus. Der einzelne Mensch braucht die Nahrungsmittel, um zu leben; der soziale Organismus braucht die menschlichen Talente, die menschlichen Begabungen, die menschlichen inneren Offenbarungen, damit aus diesen Begabungen, aus diesen inneren Offenbarungen, hervorgehe dasjenige, was allein den sozialen Organismus gesund machen kann!

[ 24 ] Erinnern Sie sich, wie ich es öfter betont habe: Man kann heute nicht so etwas wie den Gotthardtunnel bauen, wenn man nicht als Leiter eines solchen Baues Differential- und Integralrechnung kennt. Die aber rührt von Leibniz her, die Engländer sagen: von Newton; nun, mögen sie es sagen. Aber ob es der eine oder andere ist: Nicht allein derjenige, der die Steine aufeinanderlegt, hat den Gotthardtunnel gebaut, sondern Leibniz oder Newton haben mitgebaut. Das ist nur ein Beispiel dafür, wie aus dem geistigen Leben heraus auch das Allermateriellste wirklich entsteht. Schalten Sie die geistigen individuellen Fähigkeiten aus, so vernichten Sie auch das Wirtschaftsleben. Niemals kann es sich darum handeln, eine Weltbürokratie einzurichten, durch die ganz gewiß die freie Initiative der geistigen Fähigkeiten ausgeschaltet wird! Diese Weltbürokratie, die das Ideal der Trotzkij und Lenin ist, die würde selbstverständlich den sozialen Organismus zum Verhungern bringen.

[ 24 ] Erinnern Sie sich, wie ich es öfter betont habe: Man kann heute nicht so etwas wie den Gotthardtunnel bauen, wenn man nicht als Leiter eines solchen Baues Differential- und Integralrechnung kennt. Die aber rührt von Leibniz her, die Engländer sagen: von Newton; nun, mögen sie es sagen. Aber ob es der eine oder andere ist: Nicht allein derjenige, der die Steine aufeinanderlegt, hat den Gotthardtunnel gebaut, sondern Leibniz oder Newton haben mitgebaut. Das ist nur ein Beispiel dafür, wie aus dem geistigen Leben heraus auch das Allermateriellste wirklich entsteht. Schalten Sie die geistigen individuellen Fähigkeiten aus, so vernichten Sie auch das Wirtschaftsleben. Niemals kann es sich darum handeln, eine Weltbürokratie einzurichten, durch die ganz gewiß die freie Initiative der geistigen Fähigkeiten ausgeschaltet wird! Diese Weltbürokratie, die das Ideal der Trotzkij und Lenin ist, die würde selbstverständlich den sozialen Organismus zum Verhungern bringen.

[ 25 ] Gerade wer es ehrlich meint mit der sozialen Frage in der Gegenwart, der muß immer wieder und wiederum betonen: Notwendig ist vor allen Dingen eine freie Entfaltung geistiger Wissenschaft. Das ist nicht irgendwie die Einführung eines Unpraktischen in das gegenwärtige Leben, sondern das ist das Allerallerpraktischste, weil es unmittelbar, wirklich notwendig ist. Gerade weil so lange die individuellen Fähigkeiten der Menschen unterdrückt worden sind, gerade deshalb schlugen die objektiven Ereignisse im Jahre 1914 den Menschen über den Köpfen zusammen. In den Köpfen war nichts drin, als zuweilen sogar tolle Ideen. Die objektiven Ereignisse schlugen den Menschen über den Köpfen zusammen. Die individuellen Fähigkeiten waren zurückgegangen. Die Menschen konnten das äußere Leben nicht meistern. Ihre Begriffe, ihre Ideen, ihre Vorstellungen waren zu engmaschig. Sie konnten sich nicht erstrecken über die objektiven Ereignisse. Und von gegenseitigem Verstehen war erst recht nicht das Geringste mehr vorhanden. Da mußten diese letzten viereinhalb Jahre der große Zuchtmeister der Menschheit sein, der sie lehrt, daß es notwendig ist, daß geistiges Leben wirklich als Nahrungsmittel des sozialen Organismus in diesen einfließe.

[ 25 ] Gerade wer es ehrlich meint mit der sozialen Frage in der Gegenwart, der muß immer wieder und wiederum betonen: Notwendig ist vor allen Dingen eine freie Entfaltung geistiger Wissenschaft. Das ist nicht irgendwie die Einführung eines Unpraktischen in das gegenwärtige Leben, sondern das ist das Allerallerpraktischste, weil es unmittelbar, wirklich notwendig ist. Gerade weil so lange die individuellen Fähigkeiten der Menschen unterdrückt worden sind, gerade deshalb schlugen die objektiven Ereignisse im Jahre 1914 den Menschen über den Köpfen zusammen. In den Köpfen war nichts drin, als zuweilen sogar tolle Ideen. Die objektiven Ereignisse schlugen den Menschen über den Köpfen zusammen. Die individuellen Fähigkeiten waren zurückgegangen. Die Menschen konnten das äußere Leben nicht meistern. Ihre Begriffe, ihre Ideen, ihre Vorstellungen waren zu engmaschig. Sie konnten sich nicht erstrecken über die objektiven Ereignisse. Und von gegenseitigem Verstehen war erst recht nicht das Geringste mehr vorhanden. Da mußten diese letzten viereinhalb Jahre der große Zuchtmeister der Menschheit sein, der sie lehrt, daß es notwendig ist, daß geistiges Leben wirklich als Nahrungsmittel des sozialen Organismus in diesen einfließe.

[ 26 ] Diese Zusammenhänge versteht man dann, wenn man in der Lage ist, den sozialen Organismus wirklich in dieser Beziehung als ein dreigliedriges System zu betrachten. Man muß verstehen lernen, daß im sozialen Organismus das Wirtschaftsleben selbständig seine auswärtigen Beziehungen pflegen muß, daß Staatskörper mit Staatskörper und Geistesleben mit Geistesleben in Verbindung treten muß. Es soll nicht ein einheitliches Staatssystem mit einem anderen einheitlichen Staatssystem verhandeln. Wie im menschlichen Organismus muß es sich verhalten, wo jedes der drei Systeme seine besonderen Beziehungen zur Außenwelt entwickelt. Dadurch, daß die internationalen Beziehungen der Menschen so geregelt werden, daß gewissermaßen immer das eine Glied mit dem anderen Glied nur in Korrespondenz tritt, dadurch wird am besten entgegengearbeitet solchen Konflikten, wie sie zum Beispiel 1914 zum Ausbruch gekommen sind. Denken Sie einmal, wieviel komplizierter es einmal sein wird, wenn zwei Territorien in Konflikt kommen sollen, denn es kann ja zunächst der Konflikt sich nur ergeben zwischen Staatssystem und Staatssystem. Er kann nicht ausgetragen werden, weil die geistige Organisation und das Wirtschaftssystem, wenn sie frei in sich zentralisiert sind, erst noch mitzureden haben.

[ 26 ] Diese Zusammenhänge versteht man dann, wenn man in der Lage ist, den sozialen Organismus wirklich in dieser Beziehung als ein dreigliedriges System zu betrachten. Man muß verstehen lernen, daß im sozialen Organismus das Wirtschaftsleben selbständig seine auswärtigen Beziehungen pflegen muß, daß Staatskörper mit Staatskörper und Geistesleben mit Geistesleben in Verbindung treten muß. Es soll nicht ein einheitliches Staatssystem mit einem anderen einheitlichen Staatssystem verhandeln. Wie im menschlichen Organismus muß es sich verhalten, wo jedes der drei Systeme seine besonderen Beziehungen zur Außenwelt entwickelt. Dadurch, daß die internationalen Beziehungen der Menschen so geregelt werden, daß gewissermaßen immer das eine Glied mit dem anderen Glied nur in Korrespondenz tritt, dadurch wird am besten entgegengearbeitet solchen Konflikten, wie sie zum Beispiel 1914 zum Ausbruch gekommen sind. Denken Sie einmal, wieviel komplizierter es einmal sein wird, wenn zwei Territorien in Konflikt kommen sollen, denn es kann ja zunächst der Konflikt sich nur ergeben zwischen Staatssystem und Staatssystem. Er kann nicht ausgetragen werden, weil die geistige Organisation und das Wirtschaftssystem, wenn sie frei in sich zentralisiert sind, erst noch mitzureden haben.

[ 27 ] Man muß sich nur klar sein darüber; wie anders gestaltet das ganze Leben wird, wenn.diese Dreigliederung eintritt. Man maß sich auf der anderen Seite allerdings auch wiederum klar sein darüber, wie gründlich heute die Menschen in Vorurteilen gegen solches Umdenken und Umlernen drinnenstehen. Wenn man die Frage immer wieder und wiederum aufwerfen möchte: Warum wird so großer Widerstand der Geisteswissenschaft entgegengesetzt? — so ist es ja wahrhaftig nicht die Schwierigkeit des Begreifens, das haben wir öfter betont, sondern es ist lediglich die Unfähigkeit der Menschen, den Entschluß zu fassen, ihre Denkgewohnheiten anders einzurichten, als sich diese Denkgewohnheiten in den letzten Jahrzehnten, ja Jahrhunderten allmählich geformt haben. Es ist den Menschen eben viel bequemer, im geraden Geleise fortzuwursteln. Was Wunder daher, daß gegenwärtig die Menschen auch wieder daran denken, wie in Bern der Ausdruck geprägt worden ist, einen «Überstaat» zu gründen, den Völkerbund mit einem Überparlamente. Nicht wahr, die alten Staaten haben ja so Günstiges gewirkt, haben gezeigt, was sie zustande bringen können in den letzten viereinhalb Jahren! Nun, «Überstaaten», «Überparlamente» begründen, das ist so recht ein Zeichen dafür, daß die Menschen nicht herausschlüpfen mögen aus den alten Denknetzen, daß sie drinnenbleiben möchten in diesen alten Denknetzen. Während man den einzelnen Staat zerklüften muß in seine drei Glieder, wollen die Menschen das Gegenteil. Sie wollen die ganze Erde — mit Ausnahme derjenigen, die man zunächst jetzt ausschließt — zu einem einzigen großen Staat zusammenschweißen. Sie wollen das Gegenteil von dem, was in den Entwickelungskräften der Zeit begründet ist. Deshalb sollte gerade derjenige, der im Geisteswissenschaftlichen drinnensteht, wirklich einsehen und es auch überführen in sein Wollen, daß ein starkes Anstürmen notwendig ist gegen dasjenige, was heute noch in der ganz entgegengesetzten Richtung geht. Dieses Anstürmen ist notwendig. Das muß man sich immer wieder und wiederum sagen. Und da wir uns daran gewöhnen müssen, die Dinge innerlich zu betrachten, so wird es schon gut sein, recht oft zu versuchen, das Soziale von diesem Gesichtspunkte, den ich auch heute wiederum charakterisiert habe, innerlich meditierend zu erleben, weil das unser Wollen anfeuern kann. Davon wollen wir dann morgen weiter reden. Morgen um fünf Uhr ist also die öffentliche Eurythmievorstellung hier, und ich denke, um halb acht oder Viertel vor acht Uhr werde ich dann diesen Vortrag fortsetzen.

[ 27 ] Man muß sich nur klar sein darüber; wie anders gestaltet das ganze Leben wird, wenn.diese Dreigliederung eintritt. Man maß sich auf der anderen Seite allerdings auch wiederum klar sein darüber, wie gründlich heute die Menschen in Vorurteilen gegen solches Umdenken und Umlernen drinnenstehen. Wenn man die Frage immer wieder und wiederum aufwerfen möchte: Warum wird so großer Widerstand der Geisteswissenschaft entgegengesetzt? — so ist es ja wahrhaftig nicht die Schwierigkeit des Begreifens, das haben wir öfter betont, sondern es ist lediglich die Unfähigkeit der Menschen, den Entschluß zu fassen, ihre Denkgewohnheiten anders einzurichten, als sich diese Denkgewohnheiten in den letzten Jahrzehnten, ja Jahrhunderten allmählich geformt haben. Es ist den Menschen eben viel bequemer, im geraden Geleise fortzuwursteln. Was Wunder daher, daß gegenwärtig die Menschen auch wieder daran denken, wie in Bern der Ausdruck geprägt worden ist, einen «Überstaat» zu gründen, den Völkerbund mit einem Überparlamente. Nicht wahr, die alten Staaten haben ja so Günstiges gewirkt, haben gezeigt, was sie zustande bringen können in den letzten viereinhalb Jahren! Nun, «Überstaaten», «Überparlamente» begründen, das ist so recht ein Zeichen dafür, daß die Menschen nicht herausschlüpfen mögen aus den alten Denknetzen, daß sie drinnenbleiben möchten in diesen alten Denknetzen. Während man den einzelnen Staat zerklüften muß in seine drei Glieder, wollen die Menschen das Gegenteil. Sie wollen die ganze Erde — mit Ausnahme derjenigen, die man zunächst jetzt ausschließt — zu einem einzigen großen Staat zusammenschweißen. Sie wollen das Gegenteil von dem, was in den Entwickelungskräften der Zeit begründet ist. Deshalb sollte gerade derjenige, der im Geisteswissenschaftlichen drinnensteht, wirklich einsehen und es auch überführen in sein Wollen, daß ein starkes Anstürmen notwendig ist gegen dasjenige, was heute noch in der ganz entgegengesetzten Richtung geht. Dieses Anstürmen ist notwendig. Das muß man sich immer wieder und wiederum sagen. Und da wir uns daran gewöhnen müssen, die Dinge innerlich zu betrachten, so wird es schon gut sein, recht oft zu versuchen, das Soziale von diesem Gesichtspunkte, den ich auch heute wiederum charakterisiert habe, innerlich meditierend zu erleben, weil das unser Wollen anfeuern kann. Davon wollen wir dann morgen weiter reden. Morgen um fünf Uhr ist also die öffentliche Eurythmievorstellung hier, und ich denke, um halb acht oder Viertel vor acht Uhr werde ich dann diesen Vortrag fortsetzen.