The Social Question as a
Question of Consciousness
GA 191
5 October 1919, Dornach
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Die soziale Frage als Bewußtseinsfrage
Dritter Vortrag
Dritter Vortrag
[ 1 ] Ich habe in diesen Tagen davon gesprochen, wie der Mensch vorrücken kann von dem jetzigen Erdenbewußtsein zu einem Weltenbewußtsein, so wie er vorgerückt ist vom alten Griechen- und Römertum zu dem Mittelalter und dem Ende des Mittelalters, indem sich verwandelt hat sein Landbewußtsein in ein Erdenbewußtsein. Diese Dinge nehmen wir nicht abstrakt, sondern wir versuchen in diese Dinge wirklich so einzudringen, daß sie uns konkrete Glieder unseres Bewußtseins werden.
[ 1 ] Ich habe in diesen Tagen davon gesprochen, wie der Mensch vorrücken kann von dem jetzigen Erdenbewußtsein zu einem Weltenbewußtsein, so wie er vorgerückt ist vom alten Griechen- und Römertum zu dem Mittelalter und dem Ende des Mittelalters, indem sich verwandelt hat sein Landbewußtsein in ein Erdenbewußtsein. Diese Dinge nehmen wir nicht abstrakt, sondern wir versuchen in diese Dinge wirklich so einzudringen, daß sie uns konkrete Glieder unseres Bewußtseins werden.
[ 2 ] Im Zusammenhang mit dieser Idee von der Erweiterung des Bewußtseins habe ich zu Ihnen gesagt, daß der Mensch in den drei ersten Epochen seines Lebens unter dem Einfluß von Kräften steht, die wir eigentlich als untersinnliche Kräfte bezeichnen können. Der Mensch steht von seiner Geburt bis zum siebenten Jahr im Zusammenhang mit Kräften des Erdenplaneten selbst. Die Gestaltungskräfte, die da im menschlichen Organismus wirken, sind im wesentlichen diejenigen, die verankert sind im Erdenplaneten selbst, im Inneren dieses Erdenplaneten. Und was dann wirkt, organisierend den Menschen, durchlebend den Menschen vom siebenten bis vierzehnten Lebensjahr, das sind die Kräfte des Luftkreises, die dann namentlich auf dem Umwege der Atmung den Menschen durchwellen, durchdringen, und durch die er die in den ersten sieben Lebensjahren veranlagten Gestaltungen und Formen eben durchlebt. Dann beginnt für den Menschen die Zeit, in der er, aber ohne daß das in sein Bewußtsein heraufdringt, ausgesetzt ist den Kräften, die von dem Planetensystem auf den Menschen mittelbar durch die Erde wirken.
[ 2 ] Im Zusammenhang mit dieser Idee von der Erweiterung des Bewußtseins habe ich zu Ihnen gesagt, daß der Mensch in den drei ersten Epochen seines Lebens unter dem Einfluß von Kräften steht, die wir eigentlich als untersinnliche Kräfte bezeichnen können. Der Mensch steht von seiner Geburt bis zum siebenten Jahr im Zusammenhang mit Kräften des Erdenplaneten selbst. Die Gestaltungskräfte, die da im menschlichen Organismus wirken, sind im wesentlichen diejenigen, die verankert sind im Erdenplaneten selbst, im Inneren dieses Erdenplaneten. Und was dann wirkt, organisierend den Menschen, durchlebend den Menschen vom siebenten bis vierzehnten Lebensjahr, das sind die Kräfte des Luftkreises, die dann namentlich auf dem Umwege der Atmung den Menschen durchwellen, durchdringen, und durch die er die in den ersten sieben Lebensjahren veranlagten Gestaltungen und Formen eben durchlebt. Dann beginnt für den Menschen die Zeit, in der er, aber ohne daß das in sein Bewußtsein heraufdringt, ausgesetzt ist den Kräften, die von dem Planetensystem auf den Menschen mittelbar durch die Erde wirken.
[ 3 ] Der Mensch ist also tatsächlich so organisiert, daß die in ihm organisierenden Kräfte nicht bloß solche sind, die er in seinem Leibe oder innerhalb der Grenzen seines Leibes trägt, sondern es sind Kräfte, die ihre Ausstrahlungen nehmen von dem Erdenplaneten und später von dem ganzen Planetensystem. Und zu einem Bewußtsein davon, daß der Mensch eine Einheit bildet mit der ganzen Erde, müssen wir allmählich durch solche Erwägungen durchdringen.
[ 3 ] Der Mensch ist also tatsächlich so organisiert, daß die in ihm organisierenden Kräfte nicht bloß solche sind, die er in seinem Leibe oder innerhalb der Grenzen seines Leibes trägt, sondern es sind Kräfte, die ihre Ausstrahlungen nehmen von dem Erdenplaneten und später von dem ganzen Planetensystem. Und zu einem Bewußtsein davon, daß der Mensch eine Einheit bildet mit der ganzen Erde, müssen wir allmählich durch solche Erwägungen durchdringen.
[ 4 ] Ich habe in früheren Zeiten öfter einen Vergleich gebraucht, um von einem anderen Gesichtspunkte aus dieses Bewußtsein zu charakterisieren. Ich habe gesagt: Ein menschlicher Finger ist ein menschlicher Finger aber nur, solange er in Verknüpfung ist mit dem menschlichen Leibe. In dem Augenblick, wo wir ihn abschneiden, verdorrt er. — Geradeso wie der Finger, so sagte ich öfter, zu unserem Leibe steht, so steht der Mensch zu der ganzen Erde, ja zu unserem ganzen Planetensystem. Wenn Sie den Menschen wegheben würden von der Erde und von dem ganzen Planetensystem, er würde verdorren, er würde absterben wie der Finger, wenn man ihn weghebt von dem menschlichen Leib. Es handelt sich darum, daß man allmählich im menschlichen Leben dazu aufrückt, von der Wahrnehmung des Teiles zu der Wahrnehmung eines größeren Ganzen zu kommen. Der Mensch, so wie er sich selbst betrachten kann, ist wirklich eine Teilwesenheit, insofern er ein physischer Organismus ist und auch insofern er ein Ätherleib ist. Er wird nur als ein Organismus betrachtet, wenn er im Zusammenhang mit der Erde und sogar mit dem ganzen Planetensystem ist. Wenn man aber das ganz lebendig in sein Bewußtsein aufnimmt, so weiß man sich als zugehörig mehr zu der Welt als zu der bloßen Erde, denn die Erde hat ihre Kräfte vom Weltenall, und indem wir zuerst nur abhängig sind von der Erde, gehen wir allmählich über zu der Abhängigkeit von dem Weltenall.
[ 4 ] Ich habe in früheren Zeiten öfter einen Vergleich gebraucht, um von einem anderen Gesichtspunkte aus dieses Bewußtsein zu charakterisieren. Ich habe gesagt: Ein menschlicher Finger ist ein menschlicher Finger aber nur, solange er in Verknüpfung ist mit dem menschlichen Leibe. In dem Augenblick, wo wir ihn abschneiden, verdorrt er. — Geradeso wie der Finger, so sagte ich öfter, zu unserem Leibe steht, so steht der Mensch zu der ganzen Erde, ja zu unserem ganzen Planetensystem. Wenn Sie den Menschen wegheben würden von der Erde und von dem ganzen Planetensystem, er würde verdorren, er würde absterben wie der Finger, wenn man ihn weghebt von dem menschlichen Leib. Es handelt sich darum, daß man allmählich im menschlichen Leben dazu aufrückt, von der Wahrnehmung des Teiles zu der Wahrnehmung eines größeren Ganzen zu kommen. Der Mensch, so wie er sich selbst betrachten kann, ist wirklich eine Teilwesenheit, insofern er ein physischer Organismus ist und auch insofern er ein Ätherleib ist. Er wird nur als ein Organismus betrachtet, wenn er im Zusammenhang mit der Erde und sogar mit dem ganzen Planetensystem ist. Wenn man aber das ganz lebendig in sein Bewußtsein aufnimmt, so weiß man sich als zugehörig mehr zu der Welt als zu der bloßen Erde, denn die Erde hat ihre Kräfte vom Weltenall, und indem wir zuerst nur abhängig sind von der Erde, gehen wir allmählich über zu der Abhängigkeit von dem Weltenall.
[ 5 ] Aber man kann diese Dinge noch vertiefen. Unter denjenigen Sternen, die als Planetensystem die Erde umgeben, sind die vornehmlichsten, wie Sie ja wissen, die Sonne und der Mond. Und indem wir nach und nach vom vierzehnten Lebensjahre an, also in der dritten Lebensepoche des Menschen hineinwachsen in einen Zustand, durch den wir abhängig werden vom Planetensystem, werden wir zwar auch abhängig von den anderen Gliedern des Planetensystems, von Merkur, Mars und so weiter, aber wir werden vorzugsweise abhängig von Sonne und Mond. Die Abhängigkeit des Menschen von Sonne und Mond kann man aber nur richtig beurteilen, wenn man nicht nur von der äußeren Beobachtung her weiß, was Sonne und Mond vorstellen. Die äußere Beobachtung zeigt dem Menschen den Mond, Voll- und Neumond, erstes, letztes Viertel als eine Scheibe, von der er annimmt, sie sei an sich dunkel, werde von der Sonne bestrahlt und wende ihm daher einen Teil ihres Wesens in Beleuchtung zu. Aber das erschöpft nicht das Wesen des Mondes. Dasjenige, was im Weltenall ist, lernt man eigentlich nur erkennen, wenn man es immer als eine Summe von Kräften, einen Zusammenhang von Kräften sieht. Und man muß sich fragen: Welche Art von Kräften ist denn eigentlich im Monde konzentriert? — Im Monde sind vorzugsweise konzentriert menschliche Willenskräfte, besser gesagt Kräfte, welche verwandt sind den menschlichen Willenskräften, Kräfte, welche verwandt sind alledem, was aus dem Untersinnlichen auf den Menschen wirkt. Also vom Monde strahlen aus diejenigen Kräfte, die mit dem Untersinnlichen des Menschenwesens verwandt sind. Der Physiker erzählt einem sehr schön, daß der Mond eine Art Schlacke sei, daß die Sonne irgend etwas wie ein glühender, brennender Weltenkörper sei, der eine Korona hat, der Strahlungen seines Feuers hinaussendet in die Welt; so daß ungefähr der Mensch die Vorstellung hat, wenn er da so wandern könnte langsam oder schnell und an die Sonne herankäme, so würde er in einen Glutkörper hineinkommen. Ich habe Ihnen schon öfter gesagt, das ist nicht der Fall; sondern die Wahrheit ist, daß dort, wo die Sonne ist, ein Hohlraum ist, ein Nichts ist, und daß nur von der Oberfläche der Sonne aus das Licht strahlt. In Wahrheit ist dort nichts, wo man vermutet, daß etwas Physisches ist; denn das Sonnenwesen ist durchaus übersinnlich, wie das Mondenwesen untersinnlich ist. Dieses Übersinnliche und Untersinnliche des Planetensystems, wie sie konzentriert sind in Sonne und Mond, die beginnen also zu wirken auf die menschliche Organisation von dem vierzehnten Lebensjahr an ungefähr. Sie wirken erstens auf die Organisation des Menschen insofern, als das Mondenhafte mehr verwandt ist dem weiblichen Elemente, allem Weiblichen in der Welt, das Sonnenhafte mehr verwandt ist dem Männlichen in der Welt. Aber sie wirken auch so, daß der Mensch in alledem, was er erkenntnismäßig entwickelt, in alledem, was er so entwickelt, daß er denkt, ein Sonnenhaftes hat, in alledem, was er »zJ), in allen Impulsen des Wollens, ein Mondenhaftes hat. Sonne und Mond sind nicht nur da draußen im kosmischen Raume, Sonne und Mond sind in uns. Und insofern wir denken, sind wir Sonnenwesen, insofern wir wollen, sind wir Mondenwesen. Besser gesagt: Insofern wir in uns Organe ausbilden, die die Vermittler des Denkens sind, wirken zur Ausbildung dieser Organe von unserem vierzehnten Jahre an die Sonnenkräfte, das Übersinnliche; insofern wir Organe ausbilden, die das Wollen vermitteln, wirken in uns vom vierzehnten Jahre an die Mondenkräfte, das Untersinnliche.
[ 5 ] Aber man kann diese Dinge noch vertiefen. Unter denjenigen Sternen, die als Planetensystem die Erde umgeben, sind die vornehmlichsten, wie Sie ja wissen, die Sonne und der Mond. Und indem wir nach und nach vom vierzehnten Lebensjahre an, also in der dritten Lebensepoche des Menschen hineinwachsen in einen Zustand, durch den wir abhängig werden vom Planetensystem, werden wir zwar auch abhängig von den anderen Gliedern des Planetensystems, von Merkur, Mars und so weiter, aber wir werden vorzugsweise abhängig von Sonne und Mond. Die Abhängigkeit des Menschen von Sonne und Mond kann man aber nur richtig beurteilen, wenn man nicht nur von der äußeren Beobachtung her weiß, was Sonne und Mond vorstellen. Die äußere Beobachtung zeigt dem Menschen den Mond, Voll- und Neumond, erstes, letztes Viertel als eine Scheibe, von der er annimmt, sie sei an sich dunkel, werde von der Sonne bestrahlt und wende ihm daher einen Teil ihres Wesens in Beleuchtung zu. Aber das erschöpft nicht das Wesen des Mondes. Dasjenige, was im Weltenall ist, lernt man eigentlich nur erkennen, wenn man es immer als eine Summe von Kräften, einen Zusammenhang von Kräften sieht. Und man muß sich fragen: Welche Art von Kräften ist denn eigentlich im Monde konzentriert? — Im Monde sind vorzugsweise konzentriert menschliche Willenskräfte, besser gesagt Kräfte, welche verwandt sind den menschlichen Willenskräften, Kräfte, welche verwandt sind alledem, was aus dem Untersinnlichen auf den Menschen wirkt. Also vom Monde strahlen aus diejenigen Kräfte, die mit dem Untersinnlichen des Menschenwesens verwandt sind. Der Physiker erzählt einem sehr schön, daß der Mond eine Art Schlacke sei, daß die Sonne irgend etwas wie ein glühender, brennender Weltenkörper sei, der eine Korona hat, der Strahlungen seines Feuers hinaussendet in die Welt; so daß ungefähr der Mensch die Vorstellung hat, wenn er da so wandern könnte langsam oder schnell und an die Sonne herankäme, so würde er in einen Glutkörper hineinkommen. Ich habe Ihnen schon öfter gesagt, das ist nicht der Fall; sondern die Wahrheit ist, daß dort, wo die Sonne ist, ein Hohlraum ist, ein Nichts ist, und daß nur von der Oberfläche der Sonne aus das Licht strahlt. In Wahrheit ist dort nichts, wo man vermutet, daß etwas Physisches ist; denn das Sonnenwesen ist durchaus übersinnlich, wie das Mondenwesen untersinnlich ist. Dieses Übersinnliche und Untersinnliche des Planetensystems, wie sie konzentriert sind in Sonne und Mond, die beginnen also zu wirken auf die menschliche Organisation von dem vierzehnten Lebensjahr an ungefähr. Sie wirken erstens auf die Organisation des Menschen insofern, als das Mondenhafte mehr verwandt ist dem weiblichen Elemente, allem Weiblichen in der Welt, das Sonnenhafte mehr verwandt ist dem Männlichen in der Welt. Aber sie wirken auch so, daß der Mensch in alledem, was er erkenntnismäßig entwickelt, in alledem, was er so entwickelt, daß er denkt, ein Sonnenhaftes hat, in alledem, was er »zJ), in allen Impulsen des Wollens, ein Mondenhaftes hat. Sonne und Mond sind nicht nur da draußen im kosmischen Raume, Sonne und Mond sind in uns. Und insofern wir denken, sind wir Sonnenwesen, insofern wir wollen, sind wir Mondenwesen. Besser gesagt: Insofern wir in uns Organe ausbilden, die die Vermittler des Denkens sind, wirken zur Ausbildung dieser Organe von unserem vierzehnten Jahre an die Sonnenkräfte, das Übersinnliche; insofern wir Organe ausbilden, die das Wollen vermitteln, wirken in uns vom vierzehnten Jahre an die Mondenkräfte, das Untersinnliche.
[ 6 ] So können wir, wenn wir eine solche Erkenntnis in lebendiges Wesen verwandeln, in uns fühlen: Du Mensch, du bist so, daß in dir lebt nicht nur, was hier auf der Erde ist, daß in dir lebt, was Sonne und Mond konstituiert. Sonne und Mond sind in dir. Du bist ein Weltenbürger. Du wärest nicht, was du bist als Mensch, wenn nicht das Weltenall in dir wirkte.
[ 6 ] So können wir, wenn wir eine solche Erkenntnis in lebendiges Wesen verwandeln, in uns fühlen: Du Mensch, du bist so, daß in dir lebt nicht nur, was hier auf der Erde ist, daß in dir lebt, was Sonne und Mond konstituiert. Sonne und Mond sind in dir. Du bist ein Weltenbürger. Du wärest nicht, was du bist als Mensch, wenn nicht das Weltenall in dir wirkte.
[ 7 ] Abstrakt solche Dinge zu wissen, hat keinen großen Wert; aber in sich fühlen, man sei ein solches Wesen, in dem Sonne und Mond wirken, das gibt innerliches Leben. Zu fühlen alles, was man übersinnlich erdenken kann und untersinnlich wollen kann, das kommt von Sonne und Mond, das läßt den Menschen zu sich sagen: Ich wandle zwar auf der Erde herum, aber bei jedem Schritt, den ich auf der Erde mache, lebt in mir nicht nur das, was auf der Erde sprießt und sproßt, und was auf der Erde sich freut und auf der Erde leidet, sondern bei jedem Schritt, den ich auf der Erde mache, leben in mir Sonne und Mond. Ich bin nicht bloß Erdenbürger, ich bin Weltenbürger. — Wenn das als lebendiges Leben im Menschen wellt und kraftet, dann kommt über sein Denken eine gewisse Kraft, die er ohne dieses Bewußtsein nicht hat. Die Menschen sollten besonders in der Gegenwart fühlen lernen, wenn sie eben auf der Erde wandeln, daß in ihnen das Weltenall lebt. Das sollte Gefühl, das sollte Empfindung werden. Gleichsam sollte der Mensch, indem er zur Sonne hinaufblickt, sich sagen: Ich bin auch von deinem Wesen, o Sonne! — Indem er zum Monde hinaufblickt, sollte er sagen: Ich bin auch von deinem Wesen, o Mond!
[ 7 ] Abstrakt solche Dinge zu wissen, hat keinen großen Wert; aber in sich fühlen, man sei ein solches Wesen, in dem Sonne und Mond wirken, das gibt innerliches Leben. Zu fühlen alles, was man übersinnlich erdenken kann und untersinnlich wollen kann, das kommt von Sonne und Mond, das läßt den Menschen zu sich sagen: Ich wandle zwar auf der Erde herum, aber bei jedem Schritt, den ich auf der Erde mache, lebt in mir nicht nur das, was auf der Erde sprießt und sproßt, und was auf der Erde sich freut und auf der Erde leidet, sondern bei jedem Schritt, den ich auf der Erde mache, leben in mir Sonne und Mond. Ich bin nicht bloß Erdenbürger, ich bin Weltenbürger. — Wenn das als lebendiges Leben im Menschen wellt und kraftet, dann kommt über sein Denken eine gewisse Kraft, die er ohne dieses Bewußtsein nicht hat. Die Menschen sollten besonders in der Gegenwart fühlen lernen, wenn sie eben auf der Erde wandeln, daß in ihnen das Weltenall lebt. Das sollte Gefühl, das sollte Empfindung werden. Gleichsam sollte der Mensch, indem er zur Sonne hinaufblickt, sich sagen: Ich bin auch von deinem Wesen, o Sonne! — Indem er zum Monde hinaufblickt, sollte er sagen: Ich bin auch von deinem Wesen, o Mond!
[ 8 ] Wenn dies der Mensch als Empfindung, als Gefühl in sich trägt, dann wird er erst reif, soziale Ideen zu fassen. Sonst trägt sein Denken eine gewisse Erdenschwere. Gewiß, man kann in abstracto gewisse Ideen fassen, aber man kann sie nicht im Konkreten innerlich in sich beleben. Das Soziale ist etwas, worin der Mensch als Mensch tätig ist. Naturwissenschaft begreift nur dasjenige, bei dem der Mensch nicht dabei ist. Nach dem Muster naturwissenschaftlicher Vorstellungen kann man niemals soziale Kräfte, soziale Betätigungen verstehen. Soziale Betätigung kann man nur mit jenem leichten Denken verstehen, welches man erhält aus einem solchen Gefühle heraus, das uns als Weltbürger uns erfühlen läßt. Es ist einfach so, daß ein solches weltbürgerliches Bewußtsein aus der Verwandtschaft mit Sonne und Mond entspringen muß. Erst wenn der Mensch nicht mehr sich so fühlt, daß er gewissermaßen auf die Erde angewiesen ist, wenn er sich so fühlt, als ob er ein vorübergehender Bewohner der Erde sei, der hereinträgt in dieses Erdendasein Sonnen- und Mondenkräfte, erst dann wird sein Denken so kraftvoll und zu gleicher Zeit so leicht, daß er die sozialen Begriffe wirklich so auffassen kann, wie sie im sozialen Dasein leben. Denn sehen Sie, gar mancher nationalökonomische Denker denkt, er könne mit der gewöhnlichen, der Naturwissenschaft nachgebildeten Vorstellungsart auch soziale Begriffe fassen. Sie können heute in nationalökonomischen Werken viele Begriffe lesen, viele Interpretationen lesen über den Begriff der Ware, über den Begriff der Arbeit — ich habe darüber auch schon einige Andeutungen gemacht — und über den Begriff des Kapitals. Aber alle diese Begriffe sind eigentlich gewöhnlich nicht zu gebrauchen. Sie treffen nicht das, was wirklich lebt im sozialen Leben. Wenn Sie versuchen wollen, einen Begriff zu schaffen von dem, was in dem Wirtschaftsleben als Ware zirkuliert, und Sie schaffen diesen Begriff so, wie Sie den Begriff eines Kristalles oder einer Pflanze oder eines Tieres oder selbst des physischen Menschen erzeugen, so wird nichts daraus. Sie können nicht nach dem Muster naturwissenschaftlicher Vorstellung den Begriff der Ware fassen. Wollen Sie ihn im lebendigen Leben erhaschen, wie er im sozialen Leben drinnensteht, dann brauchen Sie im Grunde doch eine Imagination; denn der Ware haftet etwas an, das untrennbar ist vom Menschen. Es ist jeder Ware etwas vom Menschen mitgegeben, ob die Ware nun besteht in einem genähten Rock oder in einem Gemälde — denn nationalökonomisch ist ein Gemälde auch nur eine Ware —, oder ob sie besteht in einer Untertichtsstunde. Auch eine Unterrichtsstunde ist ja nationalökonomisch genommen nur Ware. Aber dasjenige, was den Waren-Begriff. ausmacht, das hängt zusammen mit der Leistung des Menschen, Und nicht das gewöhnliche, voll bewußte Leben geht in die Ware hinein, sondern in die Ware geht hinein vielfach etwas von dem unterbewußten Leben. Daher brauchen Sie eine Imagination, um den WarenBegriff richtig zu fassen. Und Sie brauchen eine Inspiration, um den Arbeits-Begriff zu fassen, und Sie brauchen eine Intuition, um den Begriff des Kapitals zu fassen. Denn der Begriff des Kapitals ist ein sehr geistiger Begriff, nur ein umgekehrt geistiger Begriff. Daher bezeichnet die Bibel dasjenige, was mit dem Kapitalismus zusammenhängt, ganz richtig als Mammon, als etwas, was mit dem Geistigen zu tun hat; nur ist es nicht gerade der allerbeste Geist, der damit zu tun hat. Aber man dringt in die höchsten Regionen des geistigen Erkennens hinauf, wenn man das, was eigentlich Kapital im wirtschaftlichen Leben tut, erfassen will.
[ 8 ] Wenn dies der Mensch als Empfindung, als Gefühl in sich trägt, dann wird er erst reif, soziale Ideen zu fassen. Sonst trägt sein Denken eine gewisse Erdenschwere. Gewiß, man kann in abstracto gewisse Ideen fassen, aber man kann sie nicht im Konkreten innerlich in sich beleben. Das Soziale ist etwas, worin der Mensch als Mensch tätig ist. Naturwissenschaft begreift nur dasjenige, bei dem der Mensch nicht dabei ist. Nach dem Muster naturwissenschaftlicher Vorstellungen kann man niemals soziale Kräfte, soziale Betätigungen verstehen. Soziale Betätigung kann man nur mit jenem leichten Denken verstehen, welches man erhält aus einem solchen Gefühle heraus, das uns als Weltbürger uns erfühlen läßt. Es ist einfach so, daß ein solches weltbürgerliches Bewußtsein aus der Verwandtschaft mit Sonne und Mond entspringen muß. Erst wenn der Mensch nicht mehr sich so fühlt, daß er gewissermaßen auf die Erde angewiesen ist, wenn er sich so fühlt, als ob er ein vorübergehender Bewohner der Erde sei, der hereinträgt in dieses Erdendasein Sonnen- und Mondenkräfte, erst dann wird sein Denken so kraftvoll und zu gleicher Zeit so leicht, daß er die sozialen Begriffe wirklich so auffassen kann, wie sie im sozialen Dasein leben. Denn sehen Sie, gar mancher nationalökonomische Denker denkt, er könne mit der gewöhnlichen, der Naturwissenschaft nachgebildeten Vorstellungsart auch soziale Begriffe fassen. Sie können heute in nationalökonomischen Werken viele Begriffe lesen, viele Interpretationen lesen über den Begriff der Ware, über den Begriff der Arbeit — ich habe darüber auch schon einige Andeutungen gemacht — und über den Begriff des Kapitals. Aber alle diese Begriffe sind eigentlich gewöhnlich nicht zu gebrauchen. Sie treffen nicht das, was wirklich lebt im sozialen Leben. Wenn Sie versuchen wollen, einen Begriff zu schaffen von dem, was in dem Wirtschaftsleben als Ware zirkuliert, und Sie schaffen diesen Begriff so, wie Sie den Begriff eines Kristalles oder einer Pflanze oder eines Tieres oder selbst des physischen Menschen erzeugen, so wird nichts daraus. Sie können nicht nach dem Muster naturwissenschaftlicher Vorstellung den Begriff der Ware fassen. Wollen Sie ihn im lebendigen Leben erhaschen, wie er im sozialen Leben drinnensteht, dann brauchen Sie im Grunde doch eine Imagination; denn der Ware haftet etwas an, das untrennbar ist vom Menschen. Es ist jeder Ware etwas vom Menschen mitgegeben, ob die Ware nun besteht in einem genähten Rock oder in einem Gemälde — denn nationalökonomisch ist ein Gemälde auch nur eine Ware —, oder ob sie besteht in einer Untertichtsstunde. Auch eine Unterrichtsstunde ist ja nationalökonomisch genommen nur Ware. Aber dasjenige, was den Waren-Begriff. ausmacht, das hängt zusammen mit der Leistung des Menschen, Und nicht das gewöhnliche, voll bewußte Leben geht in die Ware hinein, sondern in die Ware geht hinein vielfach etwas von dem unterbewußten Leben. Daher brauchen Sie eine Imagination, um den WarenBegriff richtig zu fassen. Und Sie brauchen eine Inspiration, um den Arbeits-Begriff zu fassen, und Sie brauchen eine Intuition, um den Begriff des Kapitals zu fassen. Denn der Begriff des Kapitals ist ein sehr geistiger Begriff, nur ein umgekehrt geistiger Begriff. Daher bezeichnet die Bibel dasjenige, was mit dem Kapitalismus zusammenhängt, ganz richtig als Mammon, als etwas, was mit dem Geistigen zu tun hat; nur ist es nicht gerade der allerbeste Geist, der damit zu tun hat. Aber man dringt in die höchsten Regionen des geistigen Erkennens hinauf, wenn man das, was eigentlich Kapital im wirtschaftlichen Leben tut, erfassen will.
[ 9 ] Da tritt uns das ganz Kuriose entgegen, die Notwendigkeit tritt uns entgegen: Um richtige nationalökonomische Begriffe zu bekommen, muß man eine Idee haben von übersinnlichen Erkenntnissen. Daher sind alle nationalökonomischen Begriffe, die heute zutage gefördert werden, so dilettantisch, weil die Leute keine übersinnlichen Erkenntnisse haben und daher diese Begriffe falsch fassen.
[ 9 ] Da tritt uns das ganz Kuriose entgegen, die Notwendigkeit tritt uns entgegen: Um richtige nationalökonomische Begriffe zu bekommen, muß man eine Idee haben von übersinnlichen Erkenntnissen. Daher sind alle nationalökonomischen Begriffe, die heute zutage gefördert werden, so dilettantisch, weil die Leute keine übersinnlichen Erkenntnisse haben und daher diese Begriffe falsch fassen.
[ 10 ] Nun, mißverstehen Sie mich aber nicht. Wenn Sie in meinen «Kernpunkten der sozialen Frage» nachlesen, so werden Sie sagen: Das ist aber keine Imagination, die du da gibst, wenn du von Ware redest; es ist keine Inspiration, die du da gibst, wenn du von Arbeit redest, und keine Intuition, die du da gibst, wenn du vom Kapital redest. — Ganz gewiß nicht. Man braucht nicht in die höheren Welten hinaufzusteigen, um Ware, Arbeit und Kapital zu sehen, obwohl das auch sehr interessant ist, die Spiegelbilder der Ware, der Arbeit und des Kapitals in den höheren Welten zu sehen. Aber man braucht nicht hinaufzusteigen. Man muß aber nur bekannt sein mit dem, was Imagination, Inspiration und Intuition sind, damit man das Richtige sagt über das Kapital. Das ist es, um was es sich handelt. Derjenige, der nicht bekannt ist mit Imagination, Inspiration und Intuition, der sagt eben nicht das Richtige über Ware, Arbeit und Kapital. So hängen innerlich zusammen Geisteswissenschaft und die heutige soziale Wissenschaft, und es gibt für den heutigen Menschen keinen anderen Weg als den, aufzusteigen aus dem Erdenbewußtsein zum Weltenbewußtsein so, damit er die Leichtigkeit und auch das Kraftvolle des Denkens bekommt, das ihn befähigt, das soziale Leben zu erfassen. Solange der Mensch nur so hinkriecht auf der Erde und im Grunde genommen glaubt, er sei nichts anderes als dasjenige, was er aus Pflanze, Tier und Mineralien aufnimmt, das sich nur ein bißchen anders zusammensetzt in ihm, so lange weiß sich der Mensch nicht als das richtige Wesen, das er ist. Erst dann, wenn er sich sagt: Sonne und Mond wirken in mir — dann weiß sich der Mensch als das richtige Wesen, das er ist. Das Weltenbewußtsein muß eben auf geistige Art errungen werden; auf geistige Art muß der Mensch erkennen, wie er einem größeren Weltenteil angehört, als die Erde ist.
[ 10 ] Nun, mißverstehen Sie mich aber nicht. Wenn Sie in meinen «Kernpunkten der sozialen Frage» nachlesen, so werden Sie sagen: Das ist aber keine Imagination, die du da gibst, wenn du von Ware redest; es ist keine Inspiration, die du da gibst, wenn du von Arbeit redest, und keine Intuition, die du da gibst, wenn du vom Kapital redest. — Ganz gewiß nicht. Man braucht nicht in die höheren Welten hinaufzusteigen, um Ware, Arbeit und Kapital zu sehen, obwohl das auch sehr interessant ist, die Spiegelbilder der Ware, der Arbeit und des Kapitals in den höheren Welten zu sehen. Aber man braucht nicht hinaufzusteigen. Man muß aber nur bekannt sein mit dem, was Imagination, Inspiration und Intuition sind, damit man das Richtige sagt über das Kapital. Das ist es, um was es sich handelt. Derjenige, der nicht bekannt ist mit Imagination, Inspiration und Intuition, der sagt eben nicht das Richtige über Ware, Arbeit und Kapital. So hängen innerlich zusammen Geisteswissenschaft und die heutige soziale Wissenschaft, und es gibt für den heutigen Menschen keinen anderen Weg als den, aufzusteigen aus dem Erdenbewußtsein zum Weltenbewußtsein so, damit er die Leichtigkeit und auch das Kraftvolle des Denkens bekommt, das ihn befähigt, das soziale Leben zu erfassen. Solange der Mensch nur so hinkriecht auf der Erde und im Grunde genommen glaubt, er sei nichts anderes als dasjenige, was er aus Pflanze, Tier und Mineralien aufnimmt, das sich nur ein bißchen anders zusammensetzt in ihm, so lange weiß sich der Mensch nicht als das richtige Wesen, das er ist. Erst dann, wenn er sich sagt: Sonne und Mond wirken in mir — dann weiß sich der Mensch als das richtige Wesen, das er ist. Das Weltenbewußtsein muß eben auf geistige Art errungen werden; auf geistige Art muß der Mensch erkennen, wie er einem größeren Weltenteil angehört, als die Erde ist.
[ 11 ] Nun handelt es sich darum, daß man wirklich erfasse, wie man über die gewöhnlichen Alltagsbegriffe hinauskommen muß, um zu solchem Denken zu kommen, das hier gemeint ist. Sie wissen, es gibt in der Welt materialistische Denker. Heute ist die Zahl der materialistischen Denker sehr groß, und Sie alle sind ja wahrscheinlich in Ihrem innersten Wesen überzeugt, daß man kein materialistischer Denker sein dürfe. Wenigstens waren Sie bis zu einem gewissen Grade überzeugt und sind deshalb zu einem mehr spirituellen Denken gekommen, haben sich hingezogen gefühlt zu dem spirituellen Denken, das gepflegt wird in dieser anthroposophischen Bewegung. Wir wollen also von uns selbst hier absehen. Aber es gibt ja auch andere Leute, die den Geist vertreten, und zahlreiche solche Menschen in der Welt, die sagen: Nun, da läuft all das Menschenzeug herum, welches nur alles für materielle Vorgänge und materielle Wesenheiten hält. Diesen materialistisch Denkenden, materialistisch Fühlenden, stehen die spirituell Denkenden und spitrituell Fühlenden gegenüber. — Die letzteren glauben an den Geist und werden dafür von den materialistisch Denkenden oftmals als Phantasten verachtet. Sie nehmen diese Verachtung aber hin, weil sie glauben, daß die Materialisten nicht einsehen, wie recht sie, die Phantasten, haben, wenn sie an dem Spirituellen festhalten. Man macht diesen Unterschied und bemerkt diesen Unterschied in der Welt zwischen materialistischem Denken und spirituellem Denken, und man streitet viel untereinander, wer Recht hat, der materialistische Denker oder der spirituelle Denker. Aus manchem, das hier besprochen worden ist, sollten Sie erkennen, daß im Grunde genommen der noch nicht in den Sinn der Geisteswissenschaft eingedrungen ist, der über solche Dinge streitet, sondern erst der ist richtig in den Sinn der Geisteswissenschaft eingedrungen, der sagt: Du bist Materialist; das kann man sein, das geht ganz gut. Du bist Spiritualist, das kann man auch sein, das geht auch sehr gut. — Gerade so, wie man einen Baum photographieren kann von der einen Seite und photographieren kann von der anderen Seite: er schaut von den verschiedenen Seiten verschieden aus, aber es ist immer derselbe Baum. Wenn man materiell die Welt erfaßt, so ist das nur die Photographie von der einen Seite. Wenn man spirituell die Welt erfaßt, so ist das die Photographie von einer anderen Seite. Der Materialismus sieht ganz anders aus als der Spiritualismus. Aber das Geheimnis besteht darin, daß man weder in dem Materialismus noch in dem Spiritualismus die Welt hat, sondern daß das eigentlich nur zwei Photographien von verschiedenen Standpunkten aus sind. Im Grunde genommen hat der Materialist ebenso Recht wie der Spiritualist und der Spiritualist ebenso wie der Materialist. Denn diese Begriffe, Spiritualität und Materialität, haben nur auf dem physischen Plane ihre Gültigkeit. Sobald man über den physischen Plan hinauskommt, sind diese Begriffe überwunden. Da streitet man nicht mehr, ob die Welt materiell oder spiritueil ist, weil man weiß, daß das zwei verschiedene Aspekte sind. Aber, warum streitet denn eigentlich der Mensch darüber, ob der Mensch materiell oder spirituell ist? Warum streitet denn der Mensch darüber, ob einer ein bloß leibliches Wesen oder ein bloß seelisches Wesen hat? Warum sehen die einen in dem Menschen bloß, ich möchte sagen, physische Körperlichkeit, die anderen neben der physischen Körperlichkeit auch SeelischGeistiges? Weil der Mensch beides ist! Und das Geheimnis des Lebens besteht eigentlich darin, daß der Mensch beides ist. Wenn Sie sagen: Ein Gedanke, der ist bloß eine geistige Entität, der ist bloß etwas Geistiges —, so haben Sie recht, denn der Gedanke ist bloß etwas Geistiges. Aber niemals ist der Gedanke als Geistig-Seelisches in Ihnen, ohne daß er einen physischen Abdruck hat, so daß Sie eigentlich immer auch den physischen Abdruck nachweisen können; der ist da. So daß jeder Gedanke auch etwas Materielles ist. Man möchte sagen: Das Weltenall, das hat unparteiisch dafür gesorgt, daß man sowohl Spiritualist wie Materialist sein kann. Denn man ist in der Tat seelisch-geistig; faßt man das auf, so kann man Spiritualist sein. Man ist aber durchaus auch ein materieller Abdruck des Seelisch-Geistigen, faßt man das auf und läßt das andere aus dem Auge, so kann man Materialist sein, weil der Mensch beides ist, und weil das eine nur ein Abdruck des anderen ist, weil das eine dem anderen gleich ist. Deshalb handelt es sich wirklich nur darum, ob der Mensch mehr sich setzt in sein physisches Wesen, dann wird er Materialist; oder ob er sich mehr setzt in sein seelisch-geistiges Wesen, dann wird er Spiritualist.
[ 11 ] Nun handelt es sich darum, daß man wirklich erfasse, wie man über die gewöhnlichen Alltagsbegriffe hinauskommen muß, um zu solchem Denken zu kommen, das hier gemeint ist. Sie wissen, es gibt in der Welt materialistische Denker. Heute ist die Zahl der materialistischen Denker sehr groß, und Sie alle sind ja wahrscheinlich in Ihrem innersten Wesen überzeugt, daß man kein materialistischer Denker sein dürfe. Wenigstens waren Sie bis zu einem gewissen Grade überzeugt und sind deshalb zu einem mehr spirituellen Denken gekommen, haben sich hingezogen gefühlt zu dem spirituellen Denken, das gepflegt wird in dieser anthroposophischen Bewegung. Wir wollen also von uns selbst hier absehen. Aber es gibt ja auch andere Leute, die den Geist vertreten, und zahlreiche solche Menschen in der Welt, die sagen: Nun, da läuft all das Menschenzeug herum, welches nur alles für materielle Vorgänge und materielle Wesenheiten hält. Diesen materialistisch Denkenden, materialistisch Fühlenden, stehen die spirituell Denkenden und spitrituell Fühlenden gegenüber. — Die letzteren glauben an den Geist und werden dafür von den materialistisch Denkenden oftmals als Phantasten verachtet. Sie nehmen diese Verachtung aber hin, weil sie glauben, daß die Materialisten nicht einsehen, wie recht sie, die Phantasten, haben, wenn sie an dem Spirituellen festhalten. Man macht diesen Unterschied und bemerkt diesen Unterschied in der Welt zwischen materialistischem Denken und spirituellem Denken, und man streitet viel untereinander, wer Recht hat, der materialistische Denker oder der spirituelle Denker. Aus manchem, das hier besprochen worden ist, sollten Sie erkennen, daß im Grunde genommen der noch nicht in den Sinn der Geisteswissenschaft eingedrungen ist, der über solche Dinge streitet, sondern erst der ist richtig in den Sinn der Geisteswissenschaft eingedrungen, der sagt: Du bist Materialist; das kann man sein, das geht ganz gut. Du bist Spiritualist, das kann man auch sein, das geht auch sehr gut. — Gerade so, wie man einen Baum photographieren kann von der einen Seite und photographieren kann von der anderen Seite: er schaut von den verschiedenen Seiten verschieden aus, aber es ist immer derselbe Baum. Wenn man materiell die Welt erfaßt, so ist das nur die Photographie von der einen Seite. Wenn man spirituell die Welt erfaßt, so ist das die Photographie von einer anderen Seite. Der Materialismus sieht ganz anders aus als der Spiritualismus. Aber das Geheimnis besteht darin, daß man weder in dem Materialismus noch in dem Spiritualismus die Welt hat, sondern daß das eigentlich nur zwei Photographien von verschiedenen Standpunkten aus sind. Im Grunde genommen hat der Materialist ebenso Recht wie der Spiritualist und der Spiritualist ebenso wie der Materialist. Denn diese Begriffe, Spiritualität und Materialität, haben nur auf dem physischen Plane ihre Gültigkeit. Sobald man über den physischen Plan hinauskommt, sind diese Begriffe überwunden. Da streitet man nicht mehr, ob die Welt materiell oder spiritueil ist, weil man weiß, daß das zwei verschiedene Aspekte sind. Aber, warum streitet denn eigentlich der Mensch darüber, ob der Mensch materiell oder spirituell ist? Warum streitet denn der Mensch darüber, ob einer ein bloß leibliches Wesen oder ein bloß seelisches Wesen hat? Warum sehen die einen in dem Menschen bloß, ich möchte sagen, physische Körperlichkeit, die anderen neben der physischen Körperlichkeit auch SeelischGeistiges? Weil der Mensch beides ist! Und das Geheimnis des Lebens besteht eigentlich darin, daß der Mensch beides ist. Wenn Sie sagen: Ein Gedanke, der ist bloß eine geistige Entität, der ist bloß etwas Geistiges —, so haben Sie recht, denn der Gedanke ist bloß etwas Geistiges. Aber niemals ist der Gedanke als Geistig-Seelisches in Ihnen, ohne daß er einen physischen Abdruck hat, so daß Sie eigentlich immer auch den physischen Abdruck nachweisen können; der ist da. So daß jeder Gedanke auch etwas Materielles ist. Man möchte sagen: Das Weltenall, das hat unparteiisch dafür gesorgt, daß man sowohl Spiritualist wie Materialist sein kann. Denn man ist in der Tat seelisch-geistig; faßt man das auf, so kann man Spiritualist sein. Man ist aber durchaus auch ein materieller Abdruck des Seelisch-Geistigen, faßt man das auf und läßt das andere aus dem Auge, so kann man Materialist sein, weil der Mensch beides ist, und weil das eine nur ein Abdruck des anderen ist, weil das eine dem anderen gleich ist. Deshalb handelt es sich wirklich nur darum, ob der Mensch mehr sich setzt in sein physisches Wesen, dann wird er Materialist; oder ob er sich mehr setzt in sein seelisch-geistiges Wesen, dann wird er Spiritualist.
[ 12 ] Dem, was damit vorliegt, entkommt man eigentlich nicht, solange man in den Vorstellungen des gewöhnlichen alltäglichen Lebens oder auch in den Vorstellungen der gewöhnlichen Wissenschaft bleibt. Man kann allerlei Theorien erfinden. Was gibt es nicht alles für Theorien über das Seelisch-Leibliche und über die Wechselbeziehung oder den Parallelismus und was noch alles! Aber das sind alles ausgedachte Dinge, das ist nicht irgend etwas, was im Realen wurzelt. Denn die Menschen haben verlernt — ich habe auch das schon öfter hervorgehoben —, über diese Dinge richtig vorzustellen, weil es ihnen im Laufe der geschichtlichen Entwickelung ja verboten worden ist, wie ich gesagt habe. Im Jahre 869 war in Konstantinopel das achte allgemeine Konzil, und das hat ja den Geist abgeschafft, das hat das Dogma aufgestellt, daß der Mensch nicht besteht, wie bis an hin eine gnostische Wissenschaft gewußt hat, aus Leib, Seele und Geist, sondern das achte ökumenische Konzil hat bestimmt, daß der Mensch nur besteht aus Leib und Seele, und daß die Seele einige geistige Eigenschaften hat, daher die mittelalterlichen Scholastiker eine furchtbare Scheu hatten, von der sogenannten Trichotomie zu sprechen, von Leib, Seele und Geist; denn, das war verboten. Die heutigen Philosophieprofessoren haben zwar keine Scheu, denn sie haben sich die Scheu abgewöhnt; aber sie haben das römische Gebot noch nicht überwunden. Sie reden auch nur von Leib und Seele, von einer Zweiheit, und glauben, unbefangene vorurteilslose Wissenschaft zu tradieren, während sie nur römisch-katholische Dogmatik des achten allgemeinen Konzils von Konstantinopel eigentlich lehren. Sie glauben, es folgt aus ihrem unbefangenen Forschen, was sie aber nur sagen, weil sie in der Historie drinnenstecken.
[ 12 ] Dem, was damit vorliegt, entkommt man eigentlich nicht, solange man in den Vorstellungen des gewöhnlichen alltäglichen Lebens oder auch in den Vorstellungen der gewöhnlichen Wissenschaft bleibt. Man kann allerlei Theorien erfinden. Was gibt es nicht alles für Theorien über das Seelisch-Leibliche und über die Wechselbeziehung oder den Parallelismus und was noch alles! Aber das sind alles ausgedachte Dinge, das ist nicht irgend etwas, was im Realen wurzelt. Denn die Menschen haben verlernt — ich habe auch das schon öfter hervorgehoben —, über diese Dinge richtig vorzustellen, weil es ihnen im Laufe der geschichtlichen Entwickelung ja verboten worden ist, wie ich gesagt habe. Im Jahre 869 war in Konstantinopel das achte allgemeine Konzil, und das hat ja den Geist abgeschafft, das hat das Dogma aufgestellt, daß der Mensch nicht besteht, wie bis an hin eine gnostische Wissenschaft gewußt hat, aus Leib, Seele und Geist, sondern das achte ökumenische Konzil hat bestimmt, daß der Mensch nur besteht aus Leib und Seele, und daß die Seele einige geistige Eigenschaften hat, daher die mittelalterlichen Scholastiker eine furchtbare Scheu hatten, von der sogenannten Trichotomie zu sprechen, von Leib, Seele und Geist; denn, das war verboten. Die heutigen Philosophieprofessoren haben zwar keine Scheu, denn sie haben sich die Scheu abgewöhnt; aber sie haben das römische Gebot noch nicht überwunden. Sie reden auch nur von Leib und Seele, von einer Zweiheit, und glauben, unbefangene vorurteilslose Wissenschaft zu tradieren, während sie nur römisch-katholische Dogmatik des achten allgemeinen Konzils von Konstantinopel eigentlich lehren. Sie glauben, es folgt aus ihrem unbefangenen Forschen, was sie aber nur sagen, weil sie in der Historie drinnenstecken.


[ 13 ] Heute haben wir die Aufgabe, wiederum zurückzukehren zu der Anerkenntnis von Leib, Seele und Geist. Denn betrachten wir die äußere Welt und unsere menschliche Organisation, insofern sie so wahrgenommen wird wie die äußere Welt, so nehmen wir ein Leibliches wahr. Schauen wir dann in unser Inneres hinein, mögen wir unser Denken, Wollen, unser Fühlen in einer äußeren, oberflächlichen Selbsterkenntnis betrachten, oder mögen wir mystisch tief hinuntersteigen: Wir erleben ein Seelisches — außen Leibliches, innen Seelisches. Aber die Verbindung, das Ineinanderschauen der beiden, das fortwährende Ineinanderschauen von Geistig-Seelischem und Leiblich-Physischem, das bewirkt das Dritte — wir haben nicht einmal ein ordentliches Wort, wir müssen das Wort von der einen Seite her nehmen —, das bewirkt der Geist. So daß wir sagen können: Zwei verschiedene Aspekte sind Leib, Seele, aber die Verbindung bildet der Geist. Wir müssen wiederum zu der gesunden Vorstellung von Leib, Seele und Geist zurückkehren, sonst werden uns immer Leib und Seele auseinanderfallen. Man kann in dem Seelischen nichts Leibliches, in dem Leiblichen nichts Seelisches finden, solange man nicht den Geist in ihnen, in ihrer Mitte hat.
[ 13 ] Heute haben wir die Aufgabe, wiederum zurückzukehren zu der Anerkenntnis von Leib, Seele und Geist. Denn betrachten wir die äußere Welt und unsere menschliche Organisation, insofern sie so wahrgenommen wird wie die äußere Welt, so nehmen wir ein Leibliches wahr. Schauen wir dann in unser Inneres hinein, mögen wir unser Denken, Wollen, unser Fühlen in einer äußeren, oberflächlichen Selbsterkenntnis betrachten, oder mögen wir mystisch tief hinuntersteigen: Wir erleben ein Seelisches — außen Leibliches, innen Seelisches. Aber die Verbindung, das Ineinanderschauen der beiden, das fortwährende Ineinanderschauen von Geistig-Seelischem und Leiblich-Physischem, das bewirkt das Dritte — wir haben nicht einmal ein ordentliches Wort, wir müssen das Wort von der einen Seite her nehmen —, das bewirkt der Geist. So daß wir sagen können: Zwei verschiedene Aspekte sind Leib, Seele, aber die Verbindung bildet der Geist. Wir müssen wiederum zu der gesunden Vorstellung von Leib, Seele und Geist zurückkehren, sonst werden uns immer Leib und Seele auseinanderfallen. Man kann in dem Seelischen nichts Leibliches, in dem Leiblichen nichts Seelisches finden, solange man nicht den Geist in ihnen, in ihrer Mitte hat.
[ 14 ] Ich habe vor vielen Jahren, um Ihnen dieses klarzumachen, einen Vergleich gebraucht. Nehmen Sie an, hier sei ein Petschaft, und da sei eingraviert in das Petschaft, sagen wir, damit es ein recht «seltener» ist, der Name Müller. Und jetzt nehme ich hier Siegellack, etwa auf einen Brief, da kann ich den Namen Müller in den Siegellack hineindrücken.
[ 14 ] Ich habe vor vielen Jahren, um Ihnen dieses klarzumachen, einen Vergleich gebraucht. Nehmen Sie an, hier sei ein Petschaft, und da sei eingraviert in das Petschaft, sagen wir, damit es ein recht «seltener» ist, der Name Müller. Und jetzt nehme ich hier Siegellack, etwa auf einen Brief, da kann ich den Namen Müller in den Siegellack hineindrücken.
[ 15 ] Nun könnten die Kantianer und die Physiologen kommen und sagen: Es gibt keine Beziehung zwischen dem Petschaft, das vielleicht aus Bronze ist, und dem, was aus Siegellack ist. — Gewiß, das ist ganz Bronze, das andere ist ganz Siegellack. Niemals geht aus der Bronze etwas über in den Siegellack und niemals aus dem Siegellack etwas in die Bronze. Die beiden sind durchaus zweierlei. So ist es mit Leib und Seele. Das eine drückt sich im anderen ab, aber es geht nichts von dem einen in das andere über, jedes hat seine eigene Substantialität, und nichts, gar nichts, geht von dem einen in das andere über. Und dennoch, wenn Sie abgedruckt haben, dann haben Sie da im Siegellack «Müller» stehen und auf dem Petschaft auch «Müller» stehen, ein und dasselbe. Aber die Vermittlung ist nicht dadurch geschehen, daß irgend etwas sehr Feines herübergeronnen oder herübergeträufelt wäre vom Petschaft in den Siegellack; das ist nicht geschehen, sondern es ist etwas geschehen, was weder Siegellack noch Bronze ist, was aber in beiden das gleiche ist. Und daß das gerade «Müller» ist, das hängt wahrlich weder zusammen mit der Bronze noch mit all dem, was da in der Bronze ist, sondern das ist im Lebendigen. Daß irgendeiner den Namen Müller erhalten hat, das hängt mit dem Leben zusammen, das weist hin auf die ganze Breite des Lebens. So haben wir das Geistig-Seelische, so haben wir das Leibliche. Das Geistig-Seelische drückt sich im Leiblichen ab. Aber dasjenige, was da in beiden dasselbe ist, der Geist, das ist eine ganze weite Welt. Aber wir erfassen den Geist nicht, wenn wir bloß immer das Seelische ansehen, geradesowenig wie wir den Müller erkennen lernen, wenn wir nur das Petschaft anschauen. Wir erfassen den Geist auch nicht, wenn wir bloß hineinschauen in die materielle Welt, geradesowenig wie wir den Müller erkennen können, wenn wir auf den Siegellack schauen.
[ 15 ] Nun könnten die Kantianer und die Physiologen kommen und sagen: Es gibt keine Beziehung zwischen dem Petschaft, das vielleicht aus Bronze ist, und dem, was aus Siegellack ist. — Gewiß, das ist ganz Bronze, das andere ist ganz Siegellack. Niemals geht aus der Bronze etwas über in den Siegellack und niemals aus dem Siegellack etwas in die Bronze. Die beiden sind durchaus zweierlei. So ist es mit Leib und Seele. Das eine drückt sich im anderen ab, aber es geht nichts von dem einen in das andere über, jedes hat seine eigene Substantialität, und nichts, gar nichts, geht von dem einen in das andere über. Und dennoch, wenn Sie abgedruckt haben, dann haben Sie da im Siegellack «Müller» stehen und auf dem Petschaft auch «Müller» stehen, ein und dasselbe. Aber die Vermittlung ist nicht dadurch geschehen, daß irgend etwas sehr Feines herübergeronnen oder herübergeträufelt wäre vom Petschaft in den Siegellack; das ist nicht geschehen, sondern es ist etwas geschehen, was weder Siegellack noch Bronze ist, was aber in beiden das gleiche ist. Und daß das gerade «Müller» ist, das hängt wahrlich weder zusammen mit der Bronze noch mit all dem, was da in der Bronze ist, sondern das ist im Lebendigen. Daß irgendeiner den Namen Müller erhalten hat, das hängt mit dem Leben zusammen, das weist hin auf die ganze Breite des Lebens. So haben wir das Geistig-Seelische, so haben wir das Leibliche. Das Geistig-Seelische drückt sich im Leiblichen ab. Aber dasjenige, was da in beiden dasselbe ist, der Geist, das ist eine ganze weite Welt. Aber wir erfassen den Geist nicht, wenn wir bloß immer das Seelische ansehen, geradesowenig wie wir den Müller erkennen lernen, wenn wir nur das Petschaft anschauen. Wir erfassen den Geist auch nicht, wenn wir bloß hineinschauen in die materielle Welt, geradesowenig wie wir den Müller erkennen können, wenn wir auf den Siegellack schauen.
[ 16 ] Also es handelt sich darum, daß uns der Geist vermittelt dasjenige, was als Beziehung ist zwischen dem Seelischen und dem Leiblichen. Und wir leben in unserem Zeitalter in einer Entwikkelungsphase der Menschheit, in der wir gerade diesen Tatbestand ordentlich durchschauen müssen.
[ 16 ] Also es handelt sich darum, daß uns der Geist vermittelt dasjenige, was als Beziehung ist zwischen dem Seelischen und dem Leiblichen. Und wir leben in unserem Zeitalter in einer Entwikkelungsphase der Menschheit, in der wir gerade diesen Tatbestand ordentlich durchschauen müssen.
[ 17 ] Wenn Sie die neuere naturwissenschaftliche Wissenschaft ansehen, dann werden Sie finden, daß sie Ihnen allerlei Leibliches, eigentlich nur Leibliches vermittelt. Wenn Sie manche aus den älteren Zeiten stammende psychologische Begriffe nehmen, sie vermitteln Ihnen Seelisches. Mit beiden kommen wir nur zurecht, wenn wir uns zum Geiste aufschwingen, denn nur durch die geistige Erfassung unseres Wesens werden wir Weltenbürger, im Gegensatze zu den Erdenbürgern, die wir waren bis in die heutige Zeit. Wir müssen, wie Sie daraus erkennen können, nicht bloß dasjenige, was Leib ist an dem Menschen, so erfassen, wie wir die äußere Leiblichkeit erfassen können, sondern wir müssen den Menschen in weiteren Beziehungen überschauen. Ich will Ihnen einen solchen Fall sagen, damit uns dieser Fall als Beispiel dienen kann.
[ 17 ] Wenn Sie die neuere naturwissenschaftliche Wissenschaft ansehen, dann werden Sie finden, daß sie Ihnen allerlei Leibliches, eigentlich nur Leibliches vermittelt. Wenn Sie manche aus den älteren Zeiten stammende psychologische Begriffe nehmen, sie vermitteln Ihnen Seelisches. Mit beiden kommen wir nur zurecht, wenn wir uns zum Geiste aufschwingen, denn nur durch die geistige Erfassung unseres Wesens werden wir Weltenbürger, im Gegensatze zu den Erdenbürgern, die wir waren bis in die heutige Zeit. Wir müssen, wie Sie daraus erkennen können, nicht bloß dasjenige, was Leib ist an dem Menschen, so erfassen, wie wir die äußere Leiblichkeit erfassen können, sondern wir müssen den Menschen in weiteren Beziehungen überschauen. Ich will Ihnen einen solchen Fall sagen, damit uns dieser Fall als Beispiel dienen kann.
[ 18 ] Die gewöhnliche Naturwissenschaft, die sieht den Menschen allein bis zu seinem Tode. Dann verfolgt sie das Übriggebliebene, das hier auf der Erde Übriggebliebene, den Leib, verfolgt ihn, wie er verbrannt wird oder wie er der Erde mitgeteilt wird, zu Staub wird. Nun könnten Sie untersuchen, welche Bestandteile in diesem Menschenstaube sind, der zurückgeblieben ist von einem menschlichen Organismus. Dann wird die Naturwissenschaft sagen: Da zerfällt die menschliche Substanz, teilt sich der Erde mit. — Ja, das ist nicht einmal eine Viertels-, nicht einmal eine Achtelswahrheit, das ist gar keine Wahrheit, wenn man das ausspricht. Denn das, was da der Erde mitgeteilt ist, gleichgültig ob durch das Verbrennen oder durch das Beerdigen, das hat menschliche Form gehabt, menschliche Form auch dadurch gehabt, daß vor der Geburt beziehungsweise vor der Konzeption ein geistig-seelisches Wesen heruntergestiegen ist aus den geistigen Welten, gearbeitet hat bis zum Tode hin in diesem physischen Leibe. Dann teilen Sie diesen physischen Leib der Erde mit. Da arbeitet das, was Menschenform ist, in der Erde weiter, ganz gleichgültig, ob es verbrannt oder beerdigt worden ist, es arbeitet an der Erde mit. Die Erde bekommt fortwährend dasjenige mitgeteilt, was sie nicht haben würde, wenn ihr nicht Menschenleiber nach dem Tode der Menschen mitgeteilt würden. Das ist etwas für die Erde, daß ihr Menschenleiber nach dem Tode mitgeteilt werden. Die Erde hätte sonst nur Substanzen, die irdisch sind, wenn ihr nicht Menschenleiber mitgeteilt würden.
[ 18 ] Die gewöhnliche Naturwissenschaft, die sieht den Menschen allein bis zu seinem Tode. Dann verfolgt sie das Übriggebliebene, das hier auf der Erde Übriggebliebene, den Leib, verfolgt ihn, wie er verbrannt wird oder wie er der Erde mitgeteilt wird, zu Staub wird. Nun könnten Sie untersuchen, welche Bestandteile in diesem Menschenstaube sind, der zurückgeblieben ist von einem menschlichen Organismus. Dann wird die Naturwissenschaft sagen: Da zerfällt die menschliche Substanz, teilt sich der Erde mit. — Ja, das ist nicht einmal eine Viertels-, nicht einmal eine Achtelswahrheit, das ist gar keine Wahrheit, wenn man das ausspricht. Denn das, was da der Erde mitgeteilt ist, gleichgültig ob durch das Verbrennen oder durch das Beerdigen, das hat menschliche Form gehabt, menschliche Form auch dadurch gehabt, daß vor der Geburt beziehungsweise vor der Konzeption ein geistig-seelisches Wesen heruntergestiegen ist aus den geistigen Welten, gearbeitet hat bis zum Tode hin in diesem physischen Leibe. Dann teilen Sie diesen physischen Leib der Erde mit. Da arbeitet das, was Menschenform ist, in der Erde weiter, ganz gleichgültig, ob es verbrannt oder beerdigt worden ist, es arbeitet an der Erde mit. Die Erde bekommt fortwährend dasjenige mitgeteilt, was sie nicht haben würde, wenn ihr nicht Menschenleiber nach dem Tode der Menschen mitgeteilt würden. Das ist etwas für die Erde, daß ihr Menschenleiber nach dem Tode mitgeteilt werden. Die Erde hätte sonst nur Substanzen, die irdisch sind, wenn ihr nicht Menschenleiber mitgeteilt würden.
[ 19 ] Aber diesen Menschenleib hat bewohnt ein seelisch-geistiges Wesen, das vor der Geburt beziehungsweise vor der Konzeption herabgestiegen ist aus seelisch-geistigen Welten und die Struktur verliehen hat diesem Menschenleibe. Diese Struktur bleibt als ein Wesentliches in jedem Stäubchen, geht in die Erde oder in die Atmosphäre beim Verbrennen, gleichgültig wie, eben über, und die Erde empfängt mit diesem Menschenleib dasjenige, was heruntergestiegen ist aus den geistigen Welten. Das ist nicht ohne Bedeutung. Das ist nicht etwa bloß eine gewöhnliche Wahrheit, sondern das hat sogar eine sehr, sehr große Bedeutung. Denn unsere Erde ist nicht mehr in Entwickelung, und es wäre längst so, daß kein Mensch sie heute mehr, vielleicht auch keine Tiere — die Tiere vielleicht — bewohnen könnten, wenn ihr nicht fortwährend Auffrischungskräfte geistig-seelischer Art durch die Menschenleiber zukämen. Daß die Erde heute noch ein für Menschen bewohnbarer Weltenort ist, das ist dem Umstande verdankt, daß ihr fortwährend Menschenleiber mitgeteilt werden. Diese frischen die Erdenkräfte immer wiederum auf. Seit der Mitte der atlantischen Zeit ist die Erde bereits im Verdorren. Sie hat keine Aufgangskräfte mehr; die hatte sie in der alten polarischen, lemurischen und so weiter Zeit. Aber seit der Mitte der atlantischen Zeit hat die Erde aus sich selbst nur verdorrende Kräfte und wird nur aufgefrischt für weiteres Bestehen dadurch, daß ihr die Formkräfte der Menschenleiber mitgeteilt werden. Die wirken in der Erde weiter. Die nur machen die Erde noch für die Menschen bewohnbar.
[ 19 ] Aber diesen Menschenleib hat bewohnt ein seelisch-geistiges Wesen, das vor der Geburt beziehungsweise vor der Konzeption herabgestiegen ist aus seelisch-geistigen Welten und die Struktur verliehen hat diesem Menschenleibe. Diese Struktur bleibt als ein Wesentliches in jedem Stäubchen, geht in die Erde oder in die Atmosphäre beim Verbrennen, gleichgültig wie, eben über, und die Erde empfängt mit diesem Menschenleib dasjenige, was heruntergestiegen ist aus den geistigen Welten. Das ist nicht ohne Bedeutung. Das ist nicht etwa bloß eine gewöhnliche Wahrheit, sondern das hat sogar eine sehr, sehr große Bedeutung. Denn unsere Erde ist nicht mehr in Entwickelung, und es wäre längst so, daß kein Mensch sie heute mehr, vielleicht auch keine Tiere — die Tiere vielleicht — bewohnen könnten, wenn ihr nicht fortwährend Auffrischungskräfte geistig-seelischer Art durch die Menschenleiber zukämen. Daß die Erde heute noch ein für Menschen bewohnbarer Weltenort ist, das ist dem Umstande verdankt, daß ihr fortwährend Menschenleiber mitgeteilt werden. Diese frischen die Erdenkräfte immer wiederum auf. Seit der Mitte der atlantischen Zeit ist die Erde bereits im Verdorren. Sie hat keine Aufgangskräfte mehr; die hatte sie in der alten polarischen, lemurischen und so weiter Zeit. Aber seit der Mitte der atlantischen Zeit hat die Erde aus sich selbst nur verdorrende Kräfte und wird nur aufgefrischt für weiteres Bestehen dadurch, daß ihr die Formkräfte der Menschenleiber mitgeteilt werden. Die wirken in der Erde weiter. Die nur machen die Erde noch für die Menschen bewohnbar.
[ 20 ] Daraus können Sie erkennen, daß der Mensch auf der einen Seite, wie ich Ihnen erzählt habe, die inneren Kräfte des Planeten in sich wirksam hat, die Kräfte der Atmosphäre. Aber er gibt wiederum geistig-seelische Kräfte an die Erde zurück, er versorgt auch die Erde mit geistig-seelischen Kräften. Er trägt, indem er geboren wird, die geistig-seelischen Kräfte aus dem geistigen Weltenall in die Erde herein, braucht sie so lange, als er sie nötig hat, bis zu seinem Tode, übergibt sie dann in Formkräften der Erde und ist so der Mitbauer der zukünftigen Erde. Die äußere naturwissenschaftliche Weltanschauung würde, wenn sie gefragt würde, was der Mensch für die Erde bedeutet, etwa sagen: Nun, wenn der Mensch niemals auf der Erde entstanden wäre, so wäre alles auch so gekommen, wie es ist; der Mensch wäre nur nicht da. Die Häuser wären natürlich auch nicht da. Städte wären nicht da und so weiter, also dasjenige, was der Mensch durch seine Kultur hervorbringt, das wäre nicht da; aber sonst wäre alles da, nur der Mensch wäre nicht da. — Geistige Wissenschaft lehrt uns, daß der Mensch nicht bloß ein Zuschauer hier auf der Erde ist, sondern daß er durch sein Dasein ein Mitbauer, ein Mitgestalter der Erde ist, und daß noch durch den Leib, den er der Erde übergibt, er der Erde ein Vermittler wird zwischen der geistigen Welt und dieser physischen Erdenwelt.
[ 20 ] Daraus können Sie erkennen, daß der Mensch auf der einen Seite, wie ich Ihnen erzählt habe, die inneren Kräfte des Planeten in sich wirksam hat, die Kräfte der Atmosphäre. Aber er gibt wiederum geistig-seelische Kräfte an die Erde zurück, er versorgt auch die Erde mit geistig-seelischen Kräften. Er trägt, indem er geboren wird, die geistig-seelischen Kräfte aus dem geistigen Weltenall in die Erde herein, braucht sie so lange, als er sie nötig hat, bis zu seinem Tode, übergibt sie dann in Formkräften der Erde und ist so der Mitbauer der zukünftigen Erde. Die äußere naturwissenschaftliche Weltanschauung würde, wenn sie gefragt würde, was der Mensch für die Erde bedeutet, etwa sagen: Nun, wenn der Mensch niemals auf der Erde entstanden wäre, so wäre alles auch so gekommen, wie es ist; der Mensch wäre nur nicht da. Die Häuser wären natürlich auch nicht da. Städte wären nicht da und so weiter, also dasjenige, was der Mensch durch seine Kultur hervorbringt, das wäre nicht da; aber sonst wäre alles da, nur der Mensch wäre nicht da. — Geistige Wissenschaft lehrt uns, daß der Mensch nicht bloß ein Zuschauer hier auf der Erde ist, sondern daß er durch sein Dasein ein Mitbauer, ein Mitgestalter der Erde ist, und daß noch durch den Leib, den er der Erde übergibt, er der Erde ein Vermittler wird zwischen der geistigen Welt und dieser physischen Erdenwelt.
[ 21 ] Auch das gehört dazu, wenn man allmählich das Bewußtsein bekommen soll, man sei nicht bloß Erdenbürger, sondern Weltenbürger. Der Erdenbürger, der ist von Mutter und Vater geboren, trägt in sich die Vererbungsmerkmale, erwirbt einiges, das er als Erbschaft hinterläßt seinen physischen Erben, hat Kinder und so weiter. Derjenige Mensch, der sich als Weltenbürger weiß, der sagt sich: Indem ich durch die Geburt ins Dasein trete, trage ich herein in diese Welt ein Seelisch-Geistiges. Damit baue ich an dem künftigen Erdendasein mit, auch noch, nachdem ich mich entfernt habe durch den Tod von dieser Erde. — Der Mensch wird dadurch, daß er Weltenbürger ist, sich erst recht bewußt, wie sein Dasein mit dem irdischen Dasein zusammenhängt, wie er mit der Erde ein Wesen ist, aber ein Wesen, das der Erde im Grunde genommen erst ihre Geistigkeit gibt.
[ 21 ] Auch das gehört dazu, wenn man allmählich das Bewußtsein bekommen soll, man sei nicht bloß Erdenbürger, sondern Weltenbürger. Der Erdenbürger, der ist von Mutter und Vater geboren, trägt in sich die Vererbungsmerkmale, erwirbt einiges, das er als Erbschaft hinterläßt seinen physischen Erben, hat Kinder und so weiter. Derjenige Mensch, der sich als Weltenbürger weiß, der sagt sich: Indem ich durch die Geburt ins Dasein trete, trage ich herein in diese Welt ein Seelisch-Geistiges. Damit baue ich an dem künftigen Erdendasein mit, auch noch, nachdem ich mich entfernt habe durch den Tod von dieser Erde. — Der Mensch wird dadurch, daß er Weltenbürger ist, sich erst recht bewußt, wie sein Dasein mit dem irdischen Dasein zusammenhängt, wie er mit der Erde ein Wesen ist, aber ein Wesen, das der Erde im Grunde genommen erst ihre Geistigkeit gibt.
[ 22 ] Alle diese Begriffe, die man sich so aneignet aus der Geisteswissenschaft, sollte man sich nicht aneignen wie ein gewöhnliches Wissen. Ich möchte sagen, obwohl das vielleicht ein wenig paradox gesprochen ist: Wissen ist überhaupt nichts besonders Wertvolles. Erst das ist wertvoll, was wir durch das Wissen werden. Das gilt auch für die Erziehung. Daß wir dem Kinde Geographie beibringen, hat ja äußerlich eine gewisse Bedeutung, aber nicht eigentlich eine seelische Bedeutung. Äußerlich hat es die Bedeutung, daß es später, wenn es von Dornach, sagen wir, nach Zürich reisen will, nicht verwechselt Zürich mit Bern und dergleichen. Äußerlich hat das also eine gewisse Bedeutung, daß man Geographie lernt. Aber eine innerliche Bedeutung hat das, was aus der Seele wird, indem die Seele Geographie lernt. Man wird in der Seele so, daß man sich orientieren kann in der Welt. Man löst los aus den Tiefen, aus den Wurzeln der Seele gewisse geistige Kräfte, und auf die Loslösung dieser geistigen Kräfte kommt es an.
[ 22 ] Alle diese Begriffe, die man sich so aneignet aus der Geisteswissenschaft, sollte man sich nicht aneignen wie ein gewöhnliches Wissen. Ich möchte sagen, obwohl das vielleicht ein wenig paradox gesprochen ist: Wissen ist überhaupt nichts besonders Wertvolles. Erst das ist wertvoll, was wir durch das Wissen werden. Das gilt auch für die Erziehung. Daß wir dem Kinde Geographie beibringen, hat ja äußerlich eine gewisse Bedeutung, aber nicht eigentlich eine seelische Bedeutung. Äußerlich hat es die Bedeutung, daß es später, wenn es von Dornach, sagen wir, nach Zürich reisen will, nicht verwechselt Zürich mit Bern und dergleichen. Äußerlich hat das also eine gewisse Bedeutung, daß man Geographie lernt. Aber eine innerliche Bedeutung hat das, was aus der Seele wird, indem die Seele Geographie lernt. Man wird in der Seele so, daß man sich orientieren kann in der Welt. Man löst los aus den Tiefen, aus den Wurzeln der Seele gewisse geistige Kräfte, und auf die Loslösung dieser geistigen Kräfte kommt es an.
[ 23 ] Wenn wir die Zeit nehmen seit der Mitte des 15. Jahrhunderts, so ist das die Zeit, in der die Menschen am wenigsten geneigt waren, geistig-seelische Kräfte loszulösen in sich. Sie haben sich mehr an den Abdruck gehalten, an den Siegellack. Die Menschen sind tatsächlich in das materielle Zeitalter übergegangen seit der Mitte des 15. Jahrhunderts. Aber jetzt sind wir in dem Zeitpunkt, in welchem wir uns dessen bewußt werden müssen und in welchem wir wiederum zum Spirituellen zurückkehren und das Spirituelle verbinden mit dem Materiellen.
[ 23 ] Wenn wir die Zeit nehmen seit der Mitte des 15. Jahrhunderts, so ist das die Zeit, in der die Menschen am wenigsten geneigt waren, geistig-seelische Kräfte loszulösen in sich. Sie haben sich mehr an den Abdruck gehalten, an den Siegellack. Die Menschen sind tatsächlich in das materielle Zeitalter übergegangen seit der Mitte des 15. Jahrhunderts. Aber jetzt sind wir in dem Zeitpunkt, in welchem wir uns dessen bewußt werden müssen und in welchem wir wiederum zum Spirituellen zurückkehren und das Spirituelle verbinden mit dem Materiellen.
[ 24 ] Warum ist denn das eigentlich alles geschehen? Oberflächliche Denker könnten sagen: Ja, der Herrgott hätte es sich bequemer machen können. Er hätte einfach den Menschen das spirituelle Leben gleich im 15. Jahrhundert geben können, dann hätten sie nicht den ganzen Umweg durchzumachen brauchen durch das materialistische Ringen. — Vielleicht hätte er es gekonnt. Man beleidigt das evangelische Bewußtsein, wenn man sagt, er habe es nicht gekonnt. Aber das ist ja etwas, das uns hier weniger interessiert. Aber er hat es eben nicht getan, sondern er hat die Menschen sich durchringen lassen durch den Materialismus. Und so waren sie im 19. Jahrhundert im Tiefpunkt des Materialismus angekommen. Sollten sie sich jetzt zur Spiritualität durchwinden, so brauchten sie einen starken inneren Ruck; dieser starke innere Ruck, der ist der Erlöser der Freiheit, der ist der Erlöser dazu, daß der Mensch aus sich selbst, nicht durch göttliche Einimpfung, zur Spiritualität sich hinwendet. Wäre der Mensch nicht vertieft worden in das Materielle, dann könnte er nicht aus seiner eigenen Freiheit sich durchringen zum Spirituellen. Um den Menschen auf der Erde zur Selbständigkeit aufzurufen, war dieses Durchringen, dieses Durchringen durch das Materielle so stark, daß selbst noch die Religionen und die Theologie materiell geworden sind. Sehen Sie, irgend etwas Geistiges begreift selbst der heutige Theologe schwer, manchmal am schwersten, wirklich am schwersten. Ich habe neulich einmal eine Probe machen können, indem ich mit einem katholischen Theologen etwas besprach, und es schickte sich gerade so, daß ich mit diesem katholischen Theologen diese Besprechung hatte unter dem bekannten Raffaelischen Bilde, der sogenannten «Disputa». Das Gespräch brachte es mit sich, daß ich versuchte, etwas zu exemplifizieren von der «Disputa» aus. Ich sagte: Wir müssen wiederum dazu kommen — alle diejenigen, die sich um das spirituelle Leben bemühen wollen —, daß verstanden werden kann, warum eigentlich Raffael diese «Disputa» aus seinem Zeitbewußtsein heraus gemalt hat. Da oben sind die himmlischen Welten mit der Dreifaltigkeit, unten das Sanctissimum auf dem Altar und die Kirchenväter und Theologen. Das alles ist aber nicht das Wesentliche in dem Bilde, sondern das Wesentliche ist, daß ein Theologe, der nicht ein Frivolling war — das waren ja allerdings dazumal schon viele —, der es noch ernst meinte mit seiner Theologie und aus dessen Seele heraus Raffael malte, das Bewußtsein hatte: Wenn die Hostie, das Sanctissimum, konsekriert ist und man durch sie hindurchschaut, dann schaut man auf die Welt, die Raffael im oberen Teil der «Disputa» gemalt hat. — Es ist wirklich die konsekrierte Hostie das Mittel, um durchzuschauen und in die geistige Welt hineinzuschauen. Deshalb hat Raffael die Sache gemalt. Das wollte ich exemplifizieren. Ich wollte sagen: Wir müssen wiederum den Weg zurückfinden, um ein solches Bild, das noch aus einem anderen Bewußtsein heraus gemalt ist, wiederum mit seinem richtigen Inhalt zu verstehen. — Ich kann Ihnen nicht jetzt im Augenblick das Bild vormalen von dem Gesicht, das dieser Theologe gemacht hat, indem ihm zugemutet worden ist, sein Allerheiligstes in solchem spirituellem Sinne zu sehen. Die Theologie ist eben auch durchaus vermaterialisiert, die Theologie vielleicht am meisten. Sie knüpft nicht mehr an an wirklich Spirituelles, daher die Christologie selbst materialistisch geworden ist. Denn das Hauptaugenmerk hinzuwenden auf den «schlichten Mann aus Nazareth», das wäre für den Theologen des 15. Jahrhunderts noch eine Unmöglichkeit gewesen. In dem war noch lebendig das Innewohnen des Christus in dem Jesus von Nazareth. Es ist aus dem Bewußtsein verschwunden. Nur ein etwas höherer Mensch als Sokrates und Plato oder Aristoteles ist der schlichte Mann aus Nazareth. Aber er wird selbst von Theologen als der schlichte Mann aus Nazareth definiert und angesehen. Die Theologie selbst ist vermaterialisiert.
[ 24 ] Warum ist denn das eigentlich alles geschehen? Oberflächliche Denker könnten sagen: Ja, der Herrgott hätte es sich bequemer machen können. Er hätte einfach den Menschen das spirituelle Leben gleich im 15. Jahrhundert geben können, dann hätten sie nicht den ganzen Umweg durchzumachen brauchen durch das materialistische Ringen. — Vielleicht hätte er es gekonnt. Man beleidigt das evangelische Bewußtsein, wenn man sagt, er habe es nicht gekonnt. Aber das ist ja etwas, das uns hier weniger interessiert. Aber er hat es eben nicht getan, sondern er hat die Menschen sich durchringen lassen durch den Materialismus. Und so waren sie im 19. Jahrhundert im Tiefpunkt des Materialismus angekommen. Sollten sie sich jetzt zur Spiritualität durchwinden, so brauchten sie einen starken inneren Ruck; dieser starke innere Ruck, der ist der Erlöser der Freiheit, der ist der Erlöser dazu, daß der Mensch aus sich selbst, nicht durch göttliche Einimpfung, zur Spiritualität sich hinwendet. Wäre der Mensch nicht vertieft worden in das Materielle, dann könnte er nicht aus seiner eigenen Freiheit sich durchringen zum Spirituellen. Um den Menschen auf der Erde zur Selbständigkeit aufzurufen, war dieses Durchringen, dieses Durchringen durch das Materielle so stark, daß selbst noch die Religionen und die Theologie materiell geworden sind. Sehen Sie, irgend etwas Geistiges begreift selbst der heutige Theologe schwer, manchmal am schwersten, wirklich am schwersten. Ich habe neulich einmal eine Probe machen können, indem ich mit einem katholischen Theologen etwas besprach, und es schickte sich gerade so, daß ich mit diesem katholischen Theologen diese Besprechung hatte unter dem bekannten Raffaelischen Bilde, der sogenannten «Disputa». Das Gespräch brachte es mit sich, daß ich versuchte, etwas zu exemplifizieren von der «Disputa» aus. Ich sagte: Wir müssen wiederum dazu kommen — alle diejenigen, die sich um das spirituelle Leben bemühen wollen —, daß verstanden werden kann, warum eigentlich Raffael diese «Disputa» aus seinem Zeitbewußtsein heraus gemalt hat. Da oben sind die himmlischen Welten mit der Dreifaltigkeit, unten das Sanctissimum auf dem Altar und die Kirchenväter und Theologen. Das alles ist aber nicht das Wesentliche in dem Bilde, sondern das Wesentliche ist, daß ein Theologe, der nicht ein Frivolling war — das waren ja allerdings dazumal schon viele —, der es noch ernst meinte mit seiner Theologie und aus dessen Seele heraus Raffael malte, das Bewußtsein hatte: Wenn die Hostie, das Sanctissimum, konsekriert ist und man durch sie hindurchschaut, dann schaut man auf die Welt, die Raffael im oberen Teil der «Disputa» gemalt hat. — Es ist wirklich die konsekrierte Hostie das Mittel, um durchzuschauen und in die geistige Welt hineinzuschauen. Deshalb hat Raffael die Sache gemalt. Das wollte ich exemplifizieren. Ich wollte sagen: Wir müssen wiederum den Weg zurückfinden, um ein solches Bild, das noch aus einem anderen Bewußtsein heraus gemalt ist, wiederum mit seinem richtigen Inhalt zu verstehen. — Ich kann Ihnen nicht jetzt im Augenblick das Bild vormalen von dem Gesicht, das dieser Theologe gemacht hat, indem ihm zugemutet worden ist, sein Allerheiligstes in solchem spirituellem Sinne zu sehen. Die Theologie ist eben auch durchaus vermaterialisiert, die Theologie vielleicht am meisten. Sie knüpft nicht mehr an an wirklich Spirituelles, daher die Christologie selbst materialistisch geworden ist. Denn das Hauptaugenmerk hinzuwenden auf den «schlichten Mann aus Nazareth», das wäre für den Theologen des 15. Jahrhunderts noch eine Unmöglichkeit gewesen. In dem war noch lebendig das Innewohnen des Christus in dem Jesus von Nazareth. Es ist aus dem Bewußtsein verschwunden. Nur ein etwas höherer Mensch als Sokrates und Plato oder Aristoteles ist der schlichte Mann aus Nazareth. Aber er wird selbst von Theologen als der schlichte Mann aus Nazareth definiert und angesehen. Die Theologie selbst ist vermaterialisiert.
[ 25 ] Wir haben nötig, den Ruck zu vollziehen, aus der innersten Erfassung unseres Menschentums selbst in Freiheit zum Spirituellen zu kommen. Das können wir nicht dadurch, daß wir spirituelle Phrasen drechseln, daß wir vom Geiste reden, wir können es nur dadurch, daß wir geistig denken. Und geistig gedacht ist es, wenn wir sagen: Erkenntnis hängt zusammen mit den Sonnenkräften, Wille mit den Mondenkräften. Indem hier auf der Erde sich durch die Vererbungsströmung Menschenleiber bilden, wirkt nicht ein Irdisches, es wirkt ein Sonnenhaftes in der männlichen Kraft, es wirkt ein Mondenhaftes in der weiblichen Kraft. Die Erde übersät und bedeckt sich mit Sonnen-Mondenkraft auch in der Menschheits-Fortpflanzung, und diese Menschheits-Fortpflanzung ist wiederum verwandt mit Erkenntnis- und Willenskräften. Das Geistige durchdringt das Physische, das Physische drückt sich geistig ab. Die Synthesis, die Zusammenfassung des Seelischen und des Leiblichen, das ist erst dasjenige, was heute gesucht werden muß, unbedingt gesucht werden muß. Dazu gehören nicht jene Schattenbegriffe, die die neuere Zeit seit der Mitte des 15. Jahrhunderts ausgebildet hat — es sind ja nur Gedanken, die die neuere Zeit seit dem 15. Jahrhundert ausgebildet hat —, dazu gehören nicht innerlich erdachte Begriffe, dazu gehört innerlich erlebtes Geistesleben. Aber erlebtes Geistesleben ist nur dasjenige, das auch zugleich praktisch wirken kann. Wir haben lange genug ein im Grunde unpraktisches Geistesleben gehabt. Die Menschen haben, wie ich Ihnen schon sagte, durch lange Zeiten viel gesprochen darüber, wie man gut ist, wie man brüderlich ist, wie man Nächstenliebe übt. Aber das waren Begriffe, die in einer gewissen Sphäre geblieben sind, die nicht Stoßkraft ins praktische Leben hinein gehabt haben. Denken Sie nur einmal: So ein richtiger moderner Kaufmann, ein richtiger moderner Industrieller oder, sagen wir, ein Staatsbeamter — damit wir alle drei Sorten haben —, er kann, das kommt ja auch vor, sogar ein frommer Mann sein. Aber es ist ja doch ein erheblicher Unterschied zwischen dem, was ein Kaufmann vielleicht als sein religiöses Bekenntnis innerlich in der Seele erlebt, und jener Lebensbetätigung, die ihren Ausdruck in seinen Kontobüchern findet! Dasjenige, was in seinem religiösen Leben lebt, das hat keine Stoßkraft, hineinzudringen in die Kontobücher. Und der Staatsbeamte, er wird vorbereitet nicht zum Menschen, sondern eben zum Beamten. Das, was er als Beamter gelernt hat, was hat das zu tun mit dem, was er vielleicht innerlich religiös bekennt? — Das religiöse Leben ist eine Strömung, die sogenannte Lebenspraxis ist die zweite Strömung. Weil die Begriffe, die Ideen schwach geworden sind und nicht hinunterstoßen können in die Lebenspraxis, deshalb können wir heute keine so lebendigen, so starken Begriffe finden, die ins soziale Leben hineinführen. Dazu bedarf es der Auffrischung durch die Geisteswissenschaft, damit die Begriffe stark genug werden, damit sie nicht nur so weit dringen wie die Predigerbegriffe eines Sonntagnachmittag-Predigers, die warmes Gefühl im Herzen hervorrufen, innerliche Seelenwollust hervorrufen, aber die nicht hineindringen in die Betätigung, die im Kontobuch ihren Ausdruck findet. Weiter hineinstoßen in das praktische Leben müssen die Begriffe, die aus dem Geistigsten hervorgeholt sind. Denn die Begriffe sind nicht geistig, die nicht durch ihre innere Kraft bis in das tiefste Wesen der Materie herunterdringen. Das ist gerade die Geistigkeit der Begriffe, daß die Begriffe stark sind und bis in das tiefste Wesen der Materie hinunterdringen.
[ 25 ] Wir haben nötig, den Ruck zu vollziehen, aus der innersten Erfassung unseres Menschentums selbst in Freiheit zum Spirituellen zu kommen. Das können wir nicht dadurch, daß wir spirituelle Phrasen drechseln, daß wir vom Geiste reden, wir können es nur dadurch, daß wir geistig denken. Und geistig gedacht ist es, wenn wir sagen: Erkenntnis hängt zusammen mit den Sonnenkräften, Wille mit den Mondenkräften. Indem hier auf der Erde sich durch die Vererbungsströmung Menschenleiber bilden, wirkt nicht ein Irdisches, es wirkt ein Sonnenhaftes in der männlichen Kraft, es wirkt ein Mondenhaftes in der weiblichen Kraft. Die Erde übersät und bedeckt sich mit Sonnen-Mondenkraft auch in der Menschheits-Fortpflanzung, und diese Menschheits-Fortpflanzung ist wiederum verwandt mit Erkenntnis- und Willenskräften. Das Geistige durchdringt das Physische, das Physische drückt sich geistig ab. Die Synthesis, die Zusammenfassung des Seelischen und des Leiblichen, das ist erst dasjenige, was heute gesucht werden muß, unbedingt gesucht werden muß. Dazu gehören nicht jene Schattenbegriffe, die die neuere Zeit seit der Mitte des 15. Jahrhunderts ausgebildet hat — es sind ja nur Gedanken, die die neuere Zeit seit dem 15. Jahrhundert ausgebildet hat —, dazu gehören nicht innerlich erdachte Begriffe, dazu gehört innerlich erlebtes Geistesleben. Aber erlebtes Geistesleben ist nur dasjenige, das auch zugleich praktisch wirken kann. Wir haben lange genug ein im Grunde unpraktisches Geistesleben gehabt. Die Menschen haben, wie ich Ihnen schon sagte, durch lange Zeiten viel gesprochen darüber, wie man gut ist, wie man brüderlich ist, wie man Nächstenliebe übt. Aber das waren Begriffe, die in einer gewissen Sphäre geblieben sind, die nicht Stoßkraft ins praktische Leben hinein gehabt haben. Denken Sie nur einmal: So ein richtiger moderner Kaufmann, ein richtiger moderner Industrieller oder, sagen wir, ein Staatsbeamter — damit wir alle drei Sorten haben —, er kann, das kommt ja auch vor, sogar ein frommer Mann sein. Aber es ist ja doch ein erheblicher Unterschied zwischen dem, was ein Kaufmann vielleicht als sein religiöses Bekenntnis innerlich in der Seele erlebt, und jener Lebensbetätigung, die ihren Ausdruck in seinen Kontobüchern findet! Dasjenige, was in seinem religiösen Leben lebt, das hat keine Stoßkraft, hineinzudringen in die Kontobücher. Und der Staatsbeamte, er wird vorbereitet nicht zum Menschen, sondern eben zum Beamten. Das, was er als Beamter gelernt hat, was hat das zu tun mit dem, was er vielleicht innerlich religiös bekennt? — Das religiöse Leben ist eine Strömung, die sogenannte Lebenspraxis ist die zweite Strömung. Weil die Begriffe, die Ideen schwach geworden sind und nicht hinunterstoßen können in die Lebenspraxis, deshalb können wir heute keine so lebendigen, so starken Begriffe finden, die ins soziale Leben hineinführen. Dazu bedarf es der Auffrischung durch die Geisteswissenschaft, damit die Begriffe stark genug werden, damit sie nicht nur so weit dringen wie die Predigerbegriffe eines Sonntagnachmittag-Predigers, die warmes Gefühl im Herzen hervorrufen, innerliche Seelenwollust hervorrufen, aber die nicht hineindringen in die Betätigung, die im Kontobuch ihren Ausdruck findet. Weiter hineinstoßen in das praktische Leben müssen die Begriffe, die aus dem Geistigsten hervorgeholt sind. Denn die Begriffe sind nicht geistig, die nicht durch ihre innere Kraft bis in das tiefste Wesen der Materie herunterdringen. Das ist gerade die Geistigkeit der Begriffe, daß die Begriffe stark sind und bis in das tiefste Wesen der Materie hinunterdringen.
[ 26 ] Das brauchen wir, wenn wir überhaupt über die Kluft hinwegkommen wollen, die aufgerichtet ist zwischen der heutigen Menschheit, die alle möglichen Erbschaften aus der früheren Zeit noch hat, und der künftigen Menschheit, die wirklich die Synthesis, die Zusammenfassung vollziehen muß zwischen dem Materiellen und dem Spirituellen. Es ist durchaus ein Rückfall in frühere menschliche Empfindungsweisen, wenn man auf der einen Seite Materialist, auf der anderen Seite Spiritualist ist. Und wenn man beides sein kann, so daß beides sich ineinanderlebt, dann ist man erst den gegenwärtigen Menschheitsforderungen gewachsen.
[ 26 ] Das brauchen wir, wenn wir überhaupt über die Kluft hinwegkommen wollen, die aufgerichtet ist zwischen der heutigen Menschheit, die alle möglichen Erbschaften aus der früheren Zeit noch hat, und der künftigen Menschheit, die wirklich die Synthesis, die Zusammenfassung vollziehen muß zwischen dem Materiellen und dem Spirituellen. Es ist durchaus ein Rückfall in frühere menschliche Empfindungsweisen, wenn man auf der einen Seite Materialist, auf der anderen Seite Spiritualist ist. Und wenn man beides sein kann, so daß beides sich ineinanderlebt, dann ist man erst den gegenwärtigen Menschheitsforderungen gewachsen.
