The Social Question as a
Question of Consciousness
GA 191
12 October 1919, Dornach
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Die soziale Frage als Bewußtseinsfrage
Sechster Vortrag
Sechster Vortrag
[ 1 ] Von den verschiedensten Gesichtspunkten aus habe ich in diesen Betrachtungen hier angedeutet, wie das, was sich so abspielt, daß man es gewöhnlich als Geschichte der Menschheit auffaßt, in vieler Beziehung eine Oberflächenanschauung der Dinge ist. Nun ist es zum Begreifen der Verhältnisse der Gegenwart ganz besonders nötig, sich über die Oberflächenanschauung gegenüber der neuen geschichtlichen Entwickelung der Menschheit keinen Illusionen hinzugeben. Wir dürfen durchaus nicht etwa annehmen, daß dasjenige, was gilt und was ich jetzt verzeichnen möchte als gewissermaßen die letzte Phase geschichtlicher Entwickelung, die, die in den fünften nachatlantischen Zeitraum hineinfällt, für den ganzen Verlauf der menschlichen Geschichte gilt. Das sollen wir uns nicht vorstellen. Aber für die letzte Phase gilt das, was ich nun sagen möchte.
[ 1 ] Von den verschiedensten Gesichtspunkten aus habe ich in diesen Betrachtungen hier angedeutet, wie das, was sich so abspielt, daß man es gewöhnlich als Geschichte der Menschheit auffaßt, in vieler Beziehung eine Oberflächenanschauung der Dinge ist. Nun ist es zum Begreifen der Verhältnisse der Gegenwart ganz besonders nötig, sich über die Oberflächenanschauung gegenüber der neuen geschichtlichen Entwickelung der Menschheit keinen Illusionen hinzugeben. Wir dürfen durchaus nicht etwa annehmen, daß dasjenige, was gilt und was ich jetzt verzeichnen möchte als gewissermaßen die letzte Phase geschichtlicher Entwickelung, die, die in den fünften nachatlantischen Zeitraum hineinfällt, für den ganzen Verlauf der menschlichen Geschichte gilt. Das sollen wir uns nicht vorstellen. Aber für die letzte Phase gilt das, was ich nun sagen möchte.
[ 2 ] Von sozialistischer Seite aus wird ja darauf hingewiesen, daß der ganze menschliche Geschichtsverlauf seiner Realität nach eigentlich nur zu suchen wäre in den ökonomischen Vorgängen, in den Vorgängen des wirtschaftlichen Lebens, in den Klassenkämpfen, die sich aus den Vorgängen des wirtschaftlichen Lebens ergeben. Auf der Grundlage dieser ökonomischen Tatsachenwelt würde sich gewissermaßen der Überbau herausbilden, den wir sich entwickeln sehen im Recht, in der Sitte, im geistigen Leben überhaupt, also auch in der Kunst, Religion, Wissenschaft und so weiter. Für den ganzen Verlauf der menschlichen Geschichte ist das natürlich ein Unsinn, allein man muß sich fragen: Wodurch ist es zu diesem Unsinn gekommen? — Es ist dadurch zu diesem Unsinn gekommen, daß in der Tat für die gekennzeichnete letzte Phase der menschlichen Entwickelung, für unsere neueste Zeit, der Sache etwas Wahres zugrunde liegt. Wir verzeichnen unter den Ereignissen, welche diese neuere Zeit eingeleitet haben, die schon gestern genannten Umwälzungen in der Erdenentwickelung, die eingetreten sind durch die Entdeckung Amerikas, durch die Entdeckung des Seeweges nach Ostindien. Aber wir bezeichnen diese neueste Phase der menschlichen Entwickelung auch dadurch, daß wir auf den großen geistigen Umschwung hinweisen, der sich im Beginne der neueren Zeit vollzogen hat und den wir die Reformation nennen.
[ 2 ] Von sozialistischer Seite aus wird ja darauf hingewiesen, daß der ganze menschliche Geschichtsverlauf seiner Realität nach eigentlich nur zu suchen wäre in den ökonomischen Vorgängen, in den Vorgängen des wirtschaftlichen Lebens, in den Klassenkämpfen, die sich aus den Vorgängen des wirtschaftlichen Lebens ergeben. Auf der Grundlage dieser ökonomischen Tatsachenwelt würde sich gewissermaßen der Überbau herausbilden, den wir sich entwickeln sehen im Recht, in der Sitte, im geistigen Leben überhaupt, also auch in der Kunst, Religion, Wissenschaft und so weiter. Für den ganzen Verlauf der menschlichen Geschichte ist das natürlich ein Unsinn, allein man muß sich fragen: Wodurch ist es zu diesem Unsinn gekommen? — Es ist dadurch zu diesem Unsinn gekommen, daß in der Tat für die gekennzeichnete letzte Phase der menschlichen Entwickelung, für unsere neueste Zeit, der Sache etwas Wahres zugrunde liegt. Wir verzeichnen unter den Ereignissen, welche diese neuere Zeit eingeleitet haben, die schon gestern genannten Umwälzungen in der Erdenentwickelung, die eingetreten sind durch die Entdeckung Amerikas, durch die Entdeckung des Seeweges nach Ostindien. Aber wir bezeichnen diese neueste Phase der menschlichen Entwickelung auch dadurch, daß wir auf den großen geistigen Umschwung hinweisen, der sich im Beginne der neueren Zeit vollzogen hat und den wir die Reformation nennen.
[ 3 ] Heute ist es notwendig, sich über dasjenige klar zu werden, was eigentlich diese Reformation war. Und gerade wenn man eingeht auf alles dasjenige, was wir gestern schon vorbereitet haben, und was uns eine tiefere, nicht eine Oberflächenbetrachtung der Geschichte liefert, dann findet man allerdings, daß das, was scheinbar ein geistiger Übergang ist im Beginne der neueren Zeit, die Reformation, eigentlich sehr stark beruht auf etwas, das im Grunde genommen doch wirtschaftlicher Natur ist. Und aus der Einsicht in die wirtschaftliche Grundlage gerade der Reformation hat sich, indem man einseitig die Betrachtung anstellte, für den Sozialismus ergeben, daß alle geschichtliche Entwickelung eigentlich nur das Ergebnis von Klassenkämpfen und ökonomischen Tatsachen sei.
[ 3 ] Heute ist es notwendig, sich über dasjenige klar zu werden, was eigentlich diese Reformation war. Und gerade wenn man eingeht auf alles dasjenige, was wir gestern schon vorbereitet haben, und was uns eine tiefere, nicht eine Oberflächenbetrachtung der Geschichte liefert, dann findet man allerdings, daß das, was scheinbar ein geistiger Übergang ist im Beginne der neueren Zeit, die Reformation, eigentlich sehr stark beruht auf etwas, das im Grunde genommen doch wirtschaftlicher Natur ist. Und aus der Einsicht in die wirtschaftliche Grundlage gerade der Reformation hat sich, indem man einseitig die Betrachtung anstellte, für den Sozialismus ergeben, daß alle geschichtliche Entwickelung eigentlich nur das Ergebnis von Klassenkämpfen und ökonomischen Tatsachen sei.
[ 4 ] Untersucht man im Lichte der Wahrheit, nicht im Lichte der Illusion, dasjenige, was geschehen ist und was durch die Reformation im Beginne der neueren geschichtlichen Entwickelung eine Metamorphose erlitten hat, so muß man sagen: Es hat allerdings eine mächtige Umschichtung der Bevölkerung stattgefunden, eine ziemlich rasch vor sich gehende Umschichtung der Bevölkerung im Beginne der neueren Zeit. Diese Umschichtung der Bevölkerung ist dadurch zustande gekommen, daß vor dem Eintritte der Reformation andere Menschen, namentlich in Westeuropa, Grund und Boden innegehabt haben als nach der Reformation. Denn die führenden Menschen, die gewissermaßen für die soziale Struktur vor der Reformation maßgebend waren, die haben ihre Herrschaft durch die Reformation verloren. Weit mehr als man denkt, war aller Grund- und Bodenbesitz vor der Reformation in umfassendstem Sinne abhängig von der Priesterherrschaft. Die Priesterherrschaft war vor der Reformation überhaupt für die ökonomischen Verhältnisse außerordentlich maßgebend. Diejenigen, die Grund und Boden besaßen, besaßen ihn zum großen Teile gewissermaßen im Auftrage und durch Überantwortung von irgendwie mit der Kirche zusammenhängenden Behörden.
[ 4 ] Untersucht man im Lichte der Wahrheit, nicht im Lichte der Illusion, dasjenige, was geschehen ist und was durch die Reformation im Beginne der neueren geschichtlichen Entwickelung eine Metamorphose erlitten hat, so muß man sagen: Es hat allerdings eine mächtige Umschichtung der Bevölkerung stattgefunden, eine ziemlich rasch vor sich gehende Umschichtung der Bevölkerung im Beginne der neueren Zeit. Diese Umschichtung der Bevölkerung ist dadurch zustande gekommen, daß vor dem Eintritte der Reformation andere Menschen, namentlich in Westeuropa, Grund und Boden innegehabt haben als nach der Reformation. Denn die führenden Menschen, die gewissermaßen für die soziale Struktur vor der Reformation maßgebend waren, die haben ihre Herrschaft durch die Reformation verloren. Weit mehr als man denkt, war aller Grund- und Bodenbesitz vor der Reformation in umfassendstem Sinne abhängig von der Priesterherrschaft. Die Priesterherrschaft war vor der Reformation überhaupt für die ökonomischen Verhältnisse außerordentlich maßgebend. Diejenigen, die Grund und Boden besaßen, besaßen ihn zum großen Teile gewissermaßen im Auftrage und durch Überantwortung von irgendwie mit der Kirche zusammenhängenden Behörden.
[ 5 ] Nun, wenn man vielleicht weniger idealistisch, aber dafür mehr wahr den geschichtlichen Hergang prüft, so findet man, daß fast über ganz Europa hin mit der Reformation der alte Kirchen- und Geistlichenbesitz den Inhabern entrissen und übertragen wird auf die weltlichen Herrscher. Das war in hohem Maße in England der Fall; das war auch in hohem Maße im späteren Deutschland der Fall. Im späteren Deutschland ist ja ein großer Teil der Territorialfürsten zur Reformation übergetreten. Aber es war nicht etwa überall — um mich nicht gar zu anzüglich auszudrücken — die Begeisterung für Luther oder für die anderen Reformatoren, sondern es war der Hunger nach den Kirchengütern, die Sehnsucht, die Kirchengüter zu säkularisieren. Unendliches Kirchengut des Mittelalters ging ja an die weltlichen, an die Territotialfürsten über. In England war es so, daß ein großer Teil derjenigen, die im Besitze von Grund und Boden waren, enteignet wurden, expropriiert wurden und auswanderten nach Amerika. Ein großer Teil der Einwanderer nach Amerika — wir haben . gestern von einem anderen Gesichtspunkte auf das hingewiesen, was hier zugrunde liegt — waren die expropriierten Besitzer von Grund und Boden in Europa. Also ökonomische Verhältnisse waren in hohem Grade maßgebend bei jener Metamorphose der neueren geschichtlichen Entwickelung, welche man gewöhnlich als Reformation bezeichnet. An der Oberfläche nimmt sich die Sache etwa so aus, daß man sagt, daß neuer Geist in die menschlichen Seelen einziehen müsse, daß die alte Kirchenverwaltung zu stark das weltliche Element mit dem geistigen Elemente verknüpft habe und daß man überhaupt einen geistlicheren Weg zu dem Christus finden müsse und so weiter. Etwas tiefer, etwas weniger an der Oberfläche betrachtet, findet eine ökonomische Umschichtung statt in dem Übertragen der geistlichen Güter an die weltlichen Menschen.
[ 5 ] Nun, wenn man vielleicht weniger idealistisch, aber dafür mehr wahr den geschichtlichen Hergang prüft, so findet man, daß fast über ganz Europa hin mit der Reformation der alte Kirchen- und Geistlichenbesitz den Inhabern entrissen und übertragen wird auf die weltlichen Herrscher. Das war in hohem Maße in England der Fall; das war auch in hohem Maße im späteren Deutschland der Fall. Im späteren Deutschland ist ja ein großer Teil der Territorialfürsten zur Reformation übergetreten. Aber es war nicht etwa überall — um mich nicht gar zu anzüglich auszudrücken — die Begeisterung für Luther oder für die anderen Reformatoren, sondern es war der Hunger nach den Kirchengütern, die Sehnsucht, die Kirchengüter zu säkularisieren. Unendliches Kirchengut des Mittelalters ging ja an die weltlichen, an die Territotialfürsten über. In England war es so, daß ein großer Teil derjenigen, die im Besitze von Grund und Boden waren, enteignet wurden, expropriiert wurden und auswanderten nach Amerika. Ein großer Teil der Einwanderer nach Amerika — wir haben . gestern von einem anderen Gesichtspunkte auf das hingewiesen, was hier zugrunde liegt — waren die expropriierten Besitzer von Grund und Boden in Europa. Also ökonomische Verhältnisse waren in hohem Grade maßgebend bei jener Metamorphose der neueren geschichtlichen Entwickelung, welche man gewöhnlich als Reformation bezeichnet. An der Oberfläche nimmt sich die Sache etwa so aus, daß man sagt, daß neuer Geist in die menschlichen Seelen einziehen müsse, daß die alte Kirchenverwaltung zu stark das weltliche Element mit dem geistigen Elemente verknüpft habe und daß man überhaupt einen geistlicheren Weg zu dem Christus finden müsse und so weiter. Etwas tiefer, etwas weniger an der Oberfläche betrachtet, findet eine ökonomische Umschichtung statt in dem Übertragen der geistlichen Güter an die weltlichen Menschen.
[ 6 ] Nun hängt das aber mit einer sehr weit ausgreifenden Tatsache der weltgeschichtlichen Entwickelung zusammen, und man begreift die eben angeführten Einzeltatsachen der neueren Geschichte nur, wenn man auf einen weiteren Umfang der menschlichen Entwickelung zurückblickt. Da brauchen wir nur zu derjenigen Phase menschlicher Entwickelung zurückzublicken, die wir bezeichnen als den ägyptisch-chaldäischen Zeitraum, der ja endete, wie Sie wissen, in der Mitte des 8. vorchristlichen Jahrhunderts, wo dann der griechisch-lateinische Zeitraum beginnt, der bis zu der Mitte des 15. Jahrhunderts ungefähr dauert.
[ 6 ] Nun hängt das aber mit einer sehr weit ausgreifenden Tatsache der weltgeschichtlichen Entwickelung zusammen, und man begreift die eben angeführten Einzeltatsachen der neueren Geschichte nur, wenn man auf einen weiteren Umfang der menschlichen Entwickelung zurückblickt. Da brauchen wir nur zu derjenigen Phase menschlicher Entwickelung zurückzublicken, die wir bezeichnen als den ägyptisch-chaldäischen Zeitraum, der ja endete, wie Sie wissen, in der Mitte des 8. vorchristlichen Jahrhunderts, wo dann der griechisch-lateinische Zeitraum beginnt, der bis zu der Mitte des 15. Jahrhunderts ungefähr dauert.
[ 7 ] Wenn wir zurückgehen in die altägyptische, altchaldäische Kultur, da haben wir als die eigentlich herrschenden Mächte etwas ganz anderes, als was später die herrschenden Mächte waren. Die Menschen geben sich heute nur sehr wenig Rechenschaft über die großen Umwälzungen, die im Laufe des geschichtlichen Werdens sich zugetragen haben. Die eigentlich herrschenden Mächte dieser alten Zeit, die ungefähr in der Mitte des 8. vorchristlichen Jahrhunderts geendet hat, das waren Menschen, die man, im alten Stil der Geisteswissenschaft gesprochen, Initiierte, Eingeweihte nennen konnte. Die ägyptischen Pharaonen waren ja bis zu einem gewissen Zeitpunkte durchaus initiierte Menschen. Sie waren eingeweiht in die Geheimnisse der Kosmologie und betrachteten dasjenige, was sie auf Erden zu tun hatten, im Sinne der Kosmologie. Für den heutigen Menschen ergeben sich, wenn man so etwas ausspricht, schon gewisse Schwierigkeiten des Verständnisses, aus dem einfachen Grunde, weil der heutige Mensch aus seinem Bewußtsein heraus sich sagt: Ja, aber die Pharaonen und schließlich auch die chaldäischen sogenannten Eingeweihten haben doch manches getan, was höchst anfechtbar ist! — Nun könnte man ja allerdings einwenden, daß auch moderne, uneingeweihte Herrscher manches tun, was nicht gerade den höchsten moralischen Begriffen entsprechend ist, aber das wäre natürlich hier nur ein ungeeigneter Einwand. Man muß aber darauf hinweisen, daß es jenseits der sinnlichen Welt durchaus nicht bloß gute Götter gibt, sondern daß es auch Götter gibt, welche den Interessen der Menschen, wie man sie so gewöhnlich ansieht, durchaus zuwider handeln. So daß man durchaus nicht glauben darf, daß derjenige, der ein wirklicher Eingeweihter ist, nur aus guten Motiven heraus zu handeln braucht. Wenn man in dem Sinne, wie ich es jetzt tue, darüber spricht, daß die Pharaonen Eingeweihte sind, so muß man sich eben nur klar sein darüber, daß sie aus geistig-spirituellen Impulsen heraus handelten. In ihrem Willen lebten geistig-spirituelle Impulse. Daß das manchmal recht schlechte sein konnten, das wird derjenige nicht bestreiten, der in unserem Sinne kennengelernt hat dasjenige, was da alles an göttlich-geistigen Mächten, Mächten übersinnlicher Natur hinter der sinnlichen Welt lag. Aber der eigentliche Eingeweihte, der in seinen Willen, nicht bloß in sein Bewußtsein, aufnehmen konnte dasjenige, was göttlich-geistige Mächte gaben, der war der eigentlich Herrschende bis in die Mitte des 8. vorchristlichen Jahrhunderts. Dann begann die Zeit, von der man sagen kann, wenn man sie entkleidet all der verschiedenen Illusionen, die unsere landläufige Geschichte durchtränken, daß der eigentlich Herrschende der Priester war. Die weltlichen Herrscher waren mehr oder weniger, selbst wenn sie Karl der Große waren, abhängig von der Priesterschaft. Viel mehr als man glaubt, war auch noch im Mittelalter der europäischen Zivilisation die Priesterherrschaft das eigentlich Maßgebende. Sie steckte überall drinnen, sie machte sich in allem geltend, und sie war vor allen Dingen dasjenige Element, das auch maßgebend war für die soziale Struktur. Und die Menschen, die Grund und Boden besaßen, hatten sie eigentlich in hohem Maße überantwortet erhalten von der Priesterschaft. Was Soldatentum in alten Zeiten vor der Mitte des 8. vorchristlichen Jahrhunderts war, war Soldatentum im Dienste der Eingeweihten. Was Soldatentum wurde in dem 4. nachatlantischen Zeitraum, in dem griechisch-lateinischen Zeitraum, von der Mitte des 8. vorchristlichen bis in die Mitte des 15. nachchristlichen Jahrhunderts, das war Söldner der Priesterherrschaft. Und im Grunde genommen waren auch solche Unternehmungen wie die Kreuzzüge im wesentlichen militärische Unternehmungen im Auftrage, wenn ich so sprechen darf, der Priesterherrschaft. In irgendeiner Weise hing das, was getan wurde, mit der Priesterherrschaft zusammen.
[ 7 ] Wenn wir zurückgehen in die altägyptische, altchaldäische Kultur, da haben wir als die eigentlich herrschenden Mächte etwas ganz anderes, als was später die herrschenden Mächte waren. Die Menschen geben sich heute nur sehr wenig Rechenschaft über die großen Umwälzungen, die im Laufe des geschichtlichen Werdens sich zugetragen haben. Die eigentlich herrschenden Mächte dieser alten Zeit, die ungefähr in der Mitte des 8. vorchristlichen Jahrhunderts geendet hat, das waren Menschen, die man, im alten Stil der Geisteswissenschaft gesprochen, Initiierte, Eingeweihte nennen konnte. Die ägyptischen Pharaonen waren ja bis zu einem gewissen Zeitpunkte durchaus initiierte Menschen. Sie waren eingeweiht in die Geheimnisse der Kosmologie und betrachteten dasjenige, was sie auf Erden zu tun hatten, im Sinne der Kosmologie. Für den heutigen Menschen ergeben sich, wenn man so etwas ausspricht, schon gewisse Schwierigkeiten des Verständnisses, aus dem einfachen Grunde, weil der heutige Mensch aus seinem Bewußtsein heraus sich sagt: Ja, aber die Pharaonen und schließlich auch die chaldäischen sogenannten Eingeweihten haben doch manches getan, was höchst anfechtbar ist! — Nun könnte man ja allerdings einwenden, daß auch moderne, uneingeweihte Herrscher manches tun, was nicht gerade den höchsten moralischen Begriffen entsprechend ist, aber das wäre natürlich hier nur ein ungeeigneter Einwand. Man muß aber darauf hinweisen, daß es jenseits der sinnlichen Welt durchaus nicht bloß gute Götter gibt, sondern daß es auch Götter gibt, welche den Interessen der Menschen, wie man sie so gewöhnlich ansieht, durchaus zuwider handeln. So daß man durchaus nicht glauben darf, daß derjenige, der ein wirklicher Eingeweihter ist, nur aus guten Motiven heraus zu handeln braucht. Wenn man in dem Sinne, wie ich es jetzt tue, darüber spricht, daß die Pharaonen Eingeweihte sind, so muß man sich eben nur klar sein darüber, daß sie aus geistig-spirituellen Impulsen heraus handelten. In ihrem Willen lebten geistig-spirituelle Impulse. Daß das manchmal recht schlechte sein konnten, das wird derjenige nicht bestreiten, der in unserem Sinne kennengelernt hat dasjenige, was da alles an göttlich-geistigen Mächten, Mächten übersinnlicher Natur hinter der sinnlichen Welt lag. Aber der eigentliche Eingeweihte, der in seinen Willen, nicht bloß in sein Bewußtsein, aufnehmen konnte dasjenige, was göttlich-geistige Mächte gaben, der war der eigentlich Herrschende bis in die Mitte des 8. vorchristlichen Jahrhunderts. Dann begann die Zeit, von der man sagen kann, wenn man sie entkleidet all der verschiedenen Illusionen, die unsere landläufige Geschichte durchtränken, daß der eigentlich Herrschende der Priester war. Die weltlichen Herrscher waren mehr oder weniger, selbst wenn sie Karl der Große waren, abhängig von der Priesterschaft. Viel mehr als man glaubt, war auch noch im Mittelalter der europäischen Zivilisation die Priesterherrschaft das eigentlich Maßgebende. Sie steckte überall drinnen, sie machte sich in allem geltend, und sie war vor allen Dingen dasjenige Element, das auch maßgebend war für die soziale Struktur. Und die Menschen, die Grund und Boden besaßen, hatten sie eigentlich in hohem Maße überantwortet erhalten von der Priesterschaft. Was Soldatentum in alten Zeiten vor der Mitte des 8. vorchristlichen Jahrhunderts war, war Soldatentum im Dienste der Eingeweihten. Was Soldatentum wurde in dem 4. nachatlantischen Zeitraum, in dem griechisch-lateinischen Zeitraum, von der Mitte des 8. vorchristlichen bis in die Mitte des 15. nachchristlichen Jahrhunderts, das war Söldner der Priesterherrschaft. Und im Grunde genommen waren auch solche Unternehmungen wie die Kreuzzüge im wesentlichen militärische Unternehmungen im Auftrage, wenn ich so sprechen darf, der Priesterherrschaft. In irgendeiner Weise hing das, was getan wurde, mit der Priesterherrschaft zusammen.
[ 8 ] Wir dürfen also sagen: Der Initiiertentypus war der herrschende in der ägyptisch-chaldäischen Zeit, der Priestertypus war der herrschende von der Mitte des 8. vorchristlichen Jahrhunderts bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts. Von dieser Zeit an wurde herrschend für das eigentliche geschichtliche Werden der ökonomische Typus Mensch. Auf die Namen kommt es schließlich nicht an. Je weiter man in der Geschichte der Menschen vorrückt, desto weniger kommt es auf Namen an. Aber dasjenige, was eine gewisse Grundlage des Herrschens gab, das war die Möglichkeit, ins Ökonomische sich hineinzumischen. Wie es beim Priester, beim Eingeweihten des Altertums das Wesentliche war, daß sich diese betreffenden herrschenden Typen von Menschen in die ökonomischen Verhältnisse mischen konnten — sie taten es aber von höheren Gesichtspunkten aus —, so konnte sich der ökonomische Typus Mensch in der neueren Zeit im Grunde genommen in alles, was soziale Struktur ist, hineinmischen.
[ 8 ] Wir dürfen also sagen: Der Initiiertentypus war der herrschende in der ägyptisch-chaldäischen Zeit, der Priestertypus war der herrschende von der Mitte des 8. vorchristlichen Jahrhunderts bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts. Von dieser Zeit an wurde herrschend für das eigentliche geschichtliche Werden der ökonomische Typus Mensch. Auf die Namen kommt es schließlich nicht an. Je weiter man in der Geschichte der Menschen vorrückt, desto weniger kommt es auf Namen an. Aber dasjenige, was eine gewisse Grundlage des Herrschens gab, das war die Möglichkeit, ins Ökonomische sich hineinzumischen. Wie es beim Priester, beim Eingeweihten des Altertums das Wesentliche war, daß sich diese betreffenden herrschenden Typen von Menschen in die ökonomischen Verhältnisse mischen konnten — sie taten es aber von höheren Gesichtspunkten aus —, so konnte sich der ökonomische Typus Mensch in der neueren Zeit im Grunde genommen in alles, was soziale Struktur ist, hineinmischen.
[ 9 ] Das ist aber noch mit etwas anderem verbunden. Für den initiierten Herrschertypus habe ich es Ihnen schon angedeutet. Der initiierte Herrschertypus arbeitet durch seinen Willen, indem er in diesen Willen aufnimmt die spirituellen Antriebe der höheren Welten. Beim Priestertypus ist das nicht mehr so. Der Priestertypus realisiert im Grunde genommen nicht spirituelles Leben; der Priestertypus realisiert intellektuelles Leben. Daher ist auch in derjenigen Zivilisation, wo der Priestertypus der vorherrschende ist, in der europäischen Zivilisation das Intellektuelle das Vorherrschende, Wesentliche.
[ 9 ] Das ist aber noch mit etwas anderem verbunden. Für den initiierten Herrschertypus habe ich es Ihnen schon angedeutet. Der initiierte Herrschertypus arbeitet durch seinen Willen, indem er in diesen Willen aufnimmt die spirituellen Antriebe der höheren Welten. Beim Priestertypus ist das nicht mehr so. Der Priestertypus realisiert im Grunde genommen nicht spirituelles Leben; der Priestertypus realisiert intellektuelles Leben. Daher ist auch in derjenigen Zivilisation, wo der Priestertypus der vorherrschende ist, in der europäischen Zivilisation das Intellektuelle das Vorherrschende, Wesentliche.
[ 10 ] In Asien, im Orient, ist nicht das Intellektuelle, sondern das spirituelle Leben das Wesentliche. Denn auch dasjenige, was dort heute noch Zivilisation ist, ist stark in die Dekadenz gekommen, aber immerhin, es ist der Überrest desjenigen, was einstmals Inititertenkultur war, was spirituelle Kultur war. Als nach Europa übertragen wurde der religiöse Impuls des Orients, ging er über in die intellektualistische Betrachtung des Priestertums. Aus der Einweihung in die wirklichen Tatsachen, in die geistige Welt, wurde die intellektuelle Verarbeitung der Tatsachen der geistigen Welt die Theologie. Die Theologie ist intellektualistische Verarbeitung der Tatsachen der geistigen Welt. Aber dieser Priestertypus, der intellektualistisch verarbeitete die Tatsachen der geistigen Welt und sie in intellektueller Form verkündete, so daß die Menschen eigentlich nur ein intellektualistisches religiöses Element bekamen, der wurde auch abgelöst in seiner eigentlichen Bedeutung im Beginne der neueren Zeit durch den ökonomischen Typus Mensch. Man kann in einzelnen Erscheinungen geradezu nachweisen, wie dieser ökonomische Typus Mensch heraufkommt. Davon wollen wir gleich noch sprechen.
[ 10 ] In Asien, im Orient, ist nicht das Intellektuelle, sondern das spirituelle Leben das Wesentliche. Denn auch dasjenige, was dort heute noch Zivilisation ist, ist stark in die Dekadenz gekommen, aber immerhin, es ist der Überrest desjenigen, was einstmals Inititertenkultur war, was spirituelle Kultur war. Als nach Europa übertragen wurde der religiöse Impuls des Orients, ging er über in die intellektualistische Betrachtung des Priestertums. Aus der Einweihung in die wirklichen Tatsachen, in die geistige Welt, wurde die intellektuelle Verarbeitung der Tatsachen der geistigen Welt die Theologie. Die Theologie ist intellektualistische Verarbeitung der Tatsachen der geistigen Welt. Aber dieser Priestertypus, der intellektualistisch verarbeitete die Tatsachen der geistigen Welt und sie in intellektueller Form verkündete, so daß die Menschen eigentlich nur ein intellektualistisches religiöses Element bekamen, der wurde auch abgelöst in seiner eigentlichen Bedeutung im Beginne der neueren Zeit durch den ökonomischen Typus Mensch. Man kann in einzelnen Erscheinungen geradezu nachweisen, wie dieser ökonomische Typus Mensch heraufkommt. Davon wollen wir gleich noch sprechen.
[ 11 ] Nun muß man sich aber natürlich zunächst fragen: Wie kommt es denn, daß solche beträchtlichen Umwandlungen im Laufe der geschichtlichen Entwickelung sich abspielen? Da liegt etwas zugrunde, was wiederum notwendig macht, daß man nicht bei Oberflächenbetrachtungen des geschichtlichen Lebens stehenbleibt, sondern tiefer dringt. Wenn man heute sich ein wenig ergeht in dem, was man Geschichte nennt, dann stellt sich heraus, daß die Geschichtsschreiber eigentlich annehmen, daß in der seelischen Entwickelung des Menschen im Grunde eine große Veränderung im Laufe der Geschichte gar nicht vorgegangen sei. Die materialistischen Denker meinen: Da ist einmal auf der Erde herumgewandelt der Affe, so ein affenartiges Wesen; dann ist aus diesem affenartigen Wesen durch allerlei Vorgänge, wenn auch recht langsam — aber mit Langsamkeit macht es ja die Wissenschaft heute —, hervorgegangen der Mensch. Sobald einmal der Mensch da war, hat er sich in bezug auf seine Bewußtseinszustände, in bezug auf seine Seelenverfassung nicht besonders geändert. Der heutige Mensch stellt sich den alten Ägypter vielleicht etwas kindlicher vor, weil der noch nicht so «gescheit» war, noch nicht so viel gewußt hat wie der heutige Mensch; aber im allgemeinen stellt sich der heutige Mensch beim alten Ägypter die Seelenverfassung schon so vor, wie bei sich selber. Dennoch, wenn wir zurückgehen in die Zeit, die vor dem 8. vorchristlichen Jahrhundert liegt, so ist diese Seelenverfassung des Menschen eine ganz, ganz andere, als sie auch später, nach der Mitte des 8. vorchristlichen Jahrhunderts war.
[ 11 ] Nun muß man sich aber natürlich zunächst fragen: Wie kommt es denn, daß solche beträchtlichen Umwandlungen im Laufe der geschichtlichen Entwickelung sich abspielen? Da liegt etwas zugrunde, was wiederum notwendig macht, daß man nicht bei Oberflächenbetrachtungen des geschichtlichen Lebens stehenbleibt, sondern tiefer dringt. Wenn man heute sich ein wenig ergeht in dem, was man Geschichte nennt, dann stellt sich heraus, daß die Geschichtsschreiber eigentlich annehmen, daß in der seelischen Entwickelung des Menschen im Grunde eine große Veränderung im Laufe der Geschichte gar nicht vorgegangen sei. Die materialistischen Denker meinen: Da ist einmal auf der Erde herumgewandelt der Affe, so ein affenartiges Wesen; dann ist aus diesem affenartigen Wesen durch allerlei Vorgänge, wenn auch recht langsam — aber mit Langsamkeit macht es ja die Wissenschaft heute —, hervorgegangen der Mensch. Sobald einmal der Mensch da war, hat er sich in bezug auf seine Bewußtseinszustände, in bezug auf seine Seelenverfassung nicht besonders geändert. Der heutige Mensch stellt sich den alten Ägypter vielleicht etwas kindlicher vor, weil der noch nicht so «gescheit» war, noch nicht so viel gewußt hat wie der heutige Mensch; aber im allgemeinen stellt sich der heutige Mensch beim alten Ägypter die Seelenverfassung schon so vor, wie bei sich selber. Dennoch, wenn wir zurückgehen in die Zeit, die vor dem 8. vorchristlichen Jahrhundert liegt, so ist diese Seelenverfassung des Menschen eine ganz, ganz andere, als sie auch später, nach der Mitte des 8. vorchristlichen Jahrhunderts war.
[ 12 ] Wenn man die Seelenkonfiguration des heutigen Menschen nimmt und nur diese kennt, so kann man sich eigentlich gar keine Vorstellung machen, was in der Seele eines solchen Menschen lebte, der vor dem 8. vorchristlichen Jahrhundert gelebt hat. Diese Menschen waren so, daß sie noch einen lebendigen Zusammenhang hatten mit ihrer vorhergehenden Inkarnation. Wenn sie nicht gerade zu den hebräischen Sprachstämmen gehörten — da war es etwas anders —, aber wenn sie zu dem weiten Kreise der sogenannten heidnischen Völker gehörten, so war es so, daß dasjenige, was sie in ihrer Seele erlebten, durchaus für sie das Ergebnis war vorhergehender Inkarnationen, vorhergehender Erdenleben, und daß ihnen deutlich bewußt war, daß, was sie in ihrer Seele erlebten, das spirituelle Erlebnis geistiger Welten war. Für solche Menschen war kein Zweifel darüber, daß der größte Teil dessen, was sie waren, nicht vererbt war von Vater und Mutter, sondern heruntergestiegen war aus geistigen Welten und sich mit dem vereinigt hatte, was von Vater und Mutter stammte. Es war eine durchaus auf spiritueller Kultur berubende Seelenverfassung in diesen Menschen. Daher konnte auch das, was bei ihnen soziales Leben war, dirigiert und orientiert werden von denjenigen, die Initiierte waren, die in gewissem Grade in die geistigen Tatsachen real, nicht intellektualistisch, nicht durch Gedanken eingeweiht waren. Man sprach dazumal zu dem Menschen, wenn man von spirituellen Tatsachen sprach, als von etwas, was ihm durchaus bekannt war. Eigentlich stellten alle Menschen sich als Kentauren vor. Das, was ihr physischer Leib war, das stellten sie sich vor, sei ja allerdings aus fleischlicher Vererbung entstanden; aber da hatte sich darüber gestülpt dasjenige, was heruntergestiegen war aus der geistigen Welt. Das wußte jeder; jeder stellte sich als eine Art Kentaur vor.
[ 12 ] Wenn man die Seelenkonfiguration des heutigen Menschen nimmt und nur diese kennt, so kann man sich eigentlich gar keine Vorstellung machen, was in der Seele eines solchen Menschen lebte, der vor dem 8. vorchristlichen Jahrhundert gelebt hat. Diese Menschen waren so, daß sie noch einen lebendigen Zusammenhang hatten mit ihrer vorhergehenden Inkarnation. Wenn sie nicht gerade zu den hebräischen Sprachstämmen gehörten — da war es etwas anders —, aber wenn sie zu dem weiten Kreise der sogenannten heidnischen Völker gehörten, so war es so, daß dasjenige, was sie in ihrer Seele erlebten, durchaus für sie das Ergebnis war vorhergehender Inkarnationen, vorhergehender Erdenleben, und daß ihnen deutlich bewußt war, daß, was sie in ihrer Seele erlebten, das spirituelle Erlebnis geistiger Welten war. Für solche Menschen war kein Zweifel darüber, daß der größte Teil dessen, was sie waren, nicht vererbt war von Vater und Mutter, sondern heruntergestiegen war aus geistigen Welten und sich mit dem vereinigt hatte, was von Vater und Mutter stammte. Es war eine durchaus auf spiritueller Kultur berubende Seelenverfassung in diesen Menschen. Daher konnte auch das, was bei ihnen soziales Leben war, dirigiert und orientiert werden von denjenigen, die Initiierte waren, die in gewissem Grade in die geistigen Tatsachen real, nicht intellektualistisch, nicht durch Gedanken eingeweiht waren. Man sprach dazumal zu dem Menschen, wenn man von spirituellen Tatsachen sprach, als von etwas, was ihm durchaus bekannt war. Eigentlich stellten alle Menschen sich als Kentauren vor. Das, was ihr physischer Leib war, das stellten sie sich vor, sei ja allerdings aus fleischlicher Vererbung entstanden; aber da hatte sich darüber gestülpt dasjenige, was heruntergestiegen war aus der geistigen Welt. Das wußte jeder; jeder stellte sich als eine Art Kentaur vor.
[ 13 ] Dann kam die Zeit, die da beginnt mit dem 8. vorchristlichen Jahrhundert, ungefähr mit der Begründung Roms. In dieser Zeit ging verloren — wir haben dieselbe Tatsache von anderen Gesichtspunkten aus ja schon betrachtet — der realspirituelle Zusammenhang. Aber es blieb noch immer für die Intelligenz des Menschen ein gewisser spiritueller Zusammenhang mit den geistigen Welten. Nicht mehr als eigentlicher Kentaur stellte sich der Mensch vor, nicht mehr so, daß wirklich eine spirituelle obere Wesenheit sich niedergesenkt hatte auf das, was durch die Blutsvererbung gekommen war; aber der Mensch hatte ein deutliches Bewußtsein, daß seine Intelligenz, seine Gedankenwelt, nicht an seinem Blute hing, nicht an seiner physischen Leiblichkeit hing, sondern daß sie geistigen Ursprungs war.
[ 13 ] Dann kam die Zeit, die da beginnt mit dem 8. vorchristlichen Jahrhundert, ungefähr mit der Begründung Roms. In dieser Zeit ging verloren — wir haben dieselbe Tatsache von anderen Gesichtspunkten aus ja schon betrachtet — der realspirituelle Zusammenhang. Aber es blieb noch immer für die Intelligenz des Menschen ein gewisser spiritueller Zusammenhang mit den geistigen Welten. Nicht mehr als eigentlicher Kentaur stellte sich der Mensch vor, nicht mehr so, daß wirklich eine spirituelle obere Wesenheit sich niedergesenkt hatte auf das, was durch die Blutsvererbung gekommen war; aber der Mensch hatte ein deutliches Bewußtsein, daß seine Intelligenz, seine Gedankenwelt, nicht an seinem Blute hing, nicht an seiner physischen Leiblichkeit hing, sondern daß sie geistigen Ursprungs war.
[ 14 ] Man versteht den großen Philosophen Arzstoteles schlecht, wenn man nicht weiß, daß Aristoteles, indem er den höchsten Teil der me schlichen Seele Dianoetikon nannte, sich klar bewußt ist: dieser höchste Teil der menschlichen Seele, der ein intellektueller ist, der ist heruntergeträufelt aus geistig-seelischen Welten. Das wußte Aristoteles genau. Ja, das wußten die Menschen auch noch in den ersten Zeiten des Christentums genau. Dieses Bewußtsein, daß die menschliche Intelligenz göttlichen, geistigen Ursprungs ist, ging erst im 4. nachchristlichen Jahrhundert verloren. Im 4. nachchristlichen Jahrhundert fingen die Menschen eigentlich erst an, nicht mehr zu glauben, daß das, was sie als Gedankenkraft in sich haben, von oben, aus den geistig-seelischen Welten bei ihrer Geburt auf sie herunterträufelt. Im Inneren der Seele der Menschen war da ein großer Umschwung. Wenn wir in das 1., 2., 3. christliche Jahrhundert zurücksehen, so finden wir durchaus die Menschen so, daß sie sich sagten: Gewiß, ich bin von Vater und Mutter geboren, aber so, wie ich weiß und es nicht bloß ergrübelt habe, daß mein Auge ein Licht sieht, so weiß ich, daß meine Intelligenz von den Göttern kommt. — Das war ein unmittelbares Bewußtsein, das die Menschen hatten, wie das Bewußtsein, das von einer Wahrnehmung herrührt. Erst seit dem 4. Jahrhundert hatte man immer mehr und mehr das Gefühl: Da oben, in diesem knöchernen Hohlraum — denn ein Hohlraum ist es ja, wie ich Ihnen in verschiedenen Betrachtungen auseinandergesetzt habe —, da sind die Organe für die Intelligenz, und diese Intelligenz hat etwas zu tun mit der Vererbung, mit der Blutsverwandtschaft. Nur in diesem Zeitalter, in dem dieser Übergang sich vollzog von dem Glauben an die Göttlichkeit der Intelligenz zu der Vererbung der Intelligenz auf physischem Wege, konnte sich das vollziehen, was man nennen möchte Intellektualisierung des religiösen Impulses durch die Priesterherrschaft. Und als die Intellektualisierung sehr weit fortgeschritten war und man über die Intelligenz nur die Anschauung hatte, daß sie an der menschlichen Leiblichkeit haftet, da war es auch aus mit der Priesterherrschaft. Die Priesterherrschaft konnte nur so lange bestehen, als man die alten Traditionen von der Göttlichkeit der Intelligenz dem Menschen klarmachen konnte. Der ökonomische Typus Mensch kam in dem weltgeschichtlichen Augenblicke herauf, als der Glaube geschwunden war an die Göttlichkeit der Intelligenz, als der Mensch immer mehr und mehr gefühlsmäßig überging zu dem Glauben, der physische Mensch sei im wesentlichen der Träger, das Organ für die Gedankenentwickelung.
[ 14 ] Man versteht den großen Philosophen Arzstoteles schlecht, wenn man nicht weiß, daß Aristoteles, indem er den höchsten Teil der me schlichen Seele Dianoetikon nannte, sich klar bewußt ist: dieser höchste Teil der menschlichen Seele, der ein intellektueller ist, der ist heruntergeträufelt aus geistig-seelischen Welten. Das wußte Aristoteles genau. Ja, das wußten die Menschen auch noch in den ersten Zeiten des Christentums genau. Dieses Bewußtsein, daß die menschliche Intelligenz göttlichen, geistigen Ursprungs ist, ging erst im 4. nachchristlichen Jahrhundert verloren. Im 4. nachchristlichen Jahrhundert fingen die Menschen eigentlich erst an, nicht mehr zu glauben, daß das, was sie als Gedankenkraft in sich haben, von oben, aus den geistig-seelischen Welten bei ihrer Geburt auf sie herunterträufelt. Im Inneren der Seele der Menschen war da ein großer Umschwung. Wenn wir in das 1., 2., 3. christliche Jahrhundert zurücksehen, so finden wir durchaus die Menschen so, daß sie sich sagten: Gewiß, ich bin von Vater und Mutter geboren, aber so, wie ich weiß und es nicht bloß ergrübelt habe, daß mein Auge ein Licht sieht, so weiß ich, daß meine Intelligenz von den Göttern kommt. — Das war ein unmittelbares Bewußtsein, das die Menschen hatten, wie das Bewußtsein, das von einer Wahrnehmung herrührt. Erst seit dem 4. Jahrhundert hatte man immer mehr und mehr das Gefühl: Da oben, in diesem knöchernen Hohlraum — denn ein Hohlraum ist es ja, wie ich Ihnen in verschiedenen Betrachtungen auseinandergesetzt habe —, da sind die Organe für die Intelligenz, und diese Intelligenz hat etwas zu tun mit der Vererbung, mit der Blutsverwandtschaft. Nur in diesem Zeitalter, in dem dieser Übergang sich vollzog von dem Glauben an die Göttlichkeit der Intelligenz zu der Vererbung der Intelligenz auf physischem Wege, konnte sich das vollziehen, was man nennen möchte Intellektualisierung des religiösen Impulses durch die Priesterherrschaft. Und als die Intellektualisierung sehr weit fortgeschritten war und man über die Intelligenz nur die Anschauung hatte, daß sie an der menschlichen Leiblichkeit haftet, da war es auch aus mit der Priesterherrschaft. Die Priesterherrschaft konnte nur so lange bestehen, als man die alten Traditionen von der Göttlichkeit der Intelligenz dem Menschen klarmachen konnte. Der ökonomische Typus Mensch kam in dem weltgeschichtlichen Augenblicke herauf, als der Glaube geschwunden war an die Göttlichkeit der Intelligenz, als der Mensch immer mehr und mehr gefühlsmäßig überging zu dem Glauben, der physische Mensch sei im wesentlichen der Träger, das Organ für die Gedankenentwickelung.
[ 15 ] Man muß nur wissen, wie die Priesterherrschaft immer kämpfte, ja bis heute noch kämpft. Wer zum Beispiel die katholisch-theologische Literatur kennt, der weiß, wie die Priesterherrschaft heute immer noch mit allen möglichen philosophischen Beweggründen kämpft dafür, daß die Intelligenz, die im Menschen sitzt, etwas ist, was hinzukommt zum Menschen. Lesen Sie etwas Beliebiges, was Sie gerade auffangen können aus der katholisch-theologischen Literatur, so werden Sie finden, wie das ja nicht mehr geleugnet wird, was für den gegenwärtigen Menschen sich gar nicht mehr wird verleugnen lassen: daß die übrigen Verrichtungen an dem menschlichen Leiblichen haften. Man will aber retten dasjenige, was die Intelligenz ist, als etwas Göttlich-Geistiges, das nichts zu tun hat mit dem Menschlich-Leiblichen. Für das allgemeine Menschheitsbewußtsein ist es aber nicht so. Für das allgemeine Menschheitsbewußtsein ist es so, daß immer mehr und mehr das Gefühl, die Empfindung entstanden ist: Der Leib ist dasjenige, was einen auch befähigt zu denken, was die Grundlage ist auch der Intelligenz. Und so ist immer mehr und mehr der Mensch zu dem Bewußtsein gekommen, daß er eigentlich nur ein physisches Wesen sei. Und nur unter dem Einfluß einer solchen Geistigkeit, die davon ausgeht, daß man nur ein physisches Wesen sei, konnte der ökonomische Typus Mensch an die Oberfläche dringen.
[ 15 ] Man muß nur wissen, wie die Priesterherrschaft immer kämpfte, ja bis heute noch kämpft. Wer zum Beispiel die katholisch-theologische Literatur kennt, der weiß, wie die Priesterherrschaft heute immer noch mit allen möglichen philosophischen Beweggründen kämpft dafür, daß die Intelligenz, die im Menschen sitzt, etwas ist, was hinzukommt zum Menschen. Lesen Sie etwas Beliebiges, was Sie gerade auffangen können aus der katholisch-theologischen Literatur, so werden Sie finden, wie das ja nicht mehr geleugnet wird, was für den gegenwärtigen Menschen sich gar nicht mehr wird verleugnen lassen: daß die übrigen Verrichtungen an dem menschlichen Leiblichen haften. Man will aber retten dasjenige, was die Intelligenz ist, als etwas Göttlich-Geistiges, das nichts zu tun hat mit dem Menschlich-Leiblichen. Für das allgemeine Menschheitsbewußtsein ist es aber nicht so. Für das allgemeine Menschheitsbewußtsein ist es so, daß immer mehr und mehr das Gefühl, die Empfindung entstanden ist: Der Leib ist dasjenige, was einen auch befähigt zu denken, was die Grundlage ist auch der Intelligenz. Und so ist immer mehr und mehr der Mensch zu dem Bewußtsein gekommen, daß er eigentlich nur ein physisches Wesen sei. Und nur unter dem Einfluß einer solchen Geistigkeit, die davon ausgeht, daß man nur ein physisches Wesen sei, konnte der ökonomische Typus Mensch an die Oberfläche dringen.
[ 16 ] Es hat also schon tiefere geistige Gründe, daß der ökonomische Typus Mensch an die Oberfläche gekommen ist. Aber er ist eben an die Oberfläche gekommen, und das wurde einseitig in sozialistischen Theorien dann ausgedeutet und ausgebeutet. Aber herrschend ist seit der Reformation der ökonomische Typus Mensch. Daher sehen Sie auch, welcher Geist in den Glaubensbekenntnissen, die seit der Reformation heraufgekommen sind, eigentlich herrscht. Machen Sie ihn sich nur unbefangen klar, diesen Geist: Auf der einen Seite die weltliche Wissenschaft, die durch ihre Technik eindringen soll in das äußere Leben des Alltags, die durchaus nicht abhängig sein will von dem Glauben: Man störe ja nicht die Kreise dieser äußeren Wissenschaft durch allerlei religiöse Dinge. Der Glaube, der soll hübsch in einem Extrakästchen bewahrt bleiben, möglichst fern den äußeren Tatsachen des Lebens! Wissenschaft: eine Sache für sich, Extrakassenbuch; Glaube: eine Sache für sich, Extrakassenbuch. Ja nicht die beiden miteinander verquicken! Wir wollen den Glauben, wir wollen sogar fromme Leute sein — so sagt der ökonomische Typus Mensch — je frömmer, desto besser. — Man sieht ihn des Sonntags möglichst sichtbar mit dem Gebetbuch nach der Kirche wandeln, gewiß; aber in das Kassenbuch, da darf die Religion nicht hineinspielen, da hat sie nichts zu tun, höchstens daß auf der ersten Seite «Mit Gott» steht, aber das ist ja nur eine Gotteslästerung, nicht wahr! — Man störe uns nicht unsere Kreise! Man könnte sonst darauf kommen, daß die Reformation eigentlich in vieler Beziehung nur ein Umweg war, die Kirchengüter zu säkularisieren und zu konfiszieren und für die weltlichen Herrscher in Anspruch zu nehmen. Ein deutscher Territorialfürst oder ein englischer Lord konnte doch nicht sagen: Wir machen eine neue weltgeschichtliche Epoche dadurch, daß wir denjenigen, die früher Grund und Boden besessen haben, den Grund und Boden abnehmen! Das sagen die modernen Sozialisten: Wir expropriieren die Besitzer von Grund und Boden! — Aber das sagten die Menschen am Beginne der modernen Zeit nicht. Die taten das und schoben über das ganze den Nebel: Wir begründen ein neues religiöses Bekenntnis. Die Menschen wissen dann nicht, warum sie eigentlich fromm sind. Aber das tut ihnen gut, diese Illusion, die sie ausbreiten über die eigentlichen Gründe dessen, warum sie eigentlich fromm sind. So ist der ökonomische Typus Mensch heraufgekommen.
[ 16 ] Es hat also schon tiefere geistige Gründe, daß der ökonomische Typus Mensch an die Oberfläche gekommen ist. Aber er ist eben an die Oberfläche gekommen, und das wurde einseitig in sozialistischen Theorien dann ausgedeutet und ausgebeutet. Aber herrschend ist seit der Reformation der ökonomische Typus Mensch. Daher sehen Sie auch, welcher Geist in den Glaubensbekenntnissen, die seit der Reformation heraufgekommen sind, eigentlich herrscht. Machen Sie ihn sich nur unbefangen klar, diesen Geist: Auf der einen Seite die weltliche Wissenschaft, die durch ihre Technik eindringen soll in das äußere Leben des Alltags, die durchaus nicht abhängig sein will von dem Glauben: Man störe ja nicht die Kreise dieser äußeren Wissenschaft durch allerlei religiöse Dinge. Der Glaube, der soll hübsch in einem Extrakästchen bewahrt bleiben, möglichst fern den äußeren Tatsachen des Lebens! Wissenschaft: eine Sache für sich, Extrakassenbuch; Glaube: eine Sache für sich, Extrakassenbuch. Ja nicht die beiden miteinander verquicken! Wir wollen den Glauben, wir wollen sogar fromme Leute sein — so sagt der ökonomische Typus Mensch — je frömmer, desto besser. — Man sieht ihn des Sonntags möglichst sichtbar mit dem Gebetbuch nach der Kirche wandeln, gewiß; aber in das Kassenbuch, da darf die Religion nicht hineinspielen, da hat sie nichts zu tun, höchstens daß auf der ersten Seite «Mit Gott» steht, aber das ist ja nur eine Gotteslästerung, nicht wahr! — Man störe uns nicht unsere Kreise! Man könnte sonst darauf kommen, daß die Reformation eigentlich in vieler Beziehung nur ein Umweg war, die Kirchengüter zu säkularisieren und zu konfiszieren und für die weltlichen Herrscher in Anspruch zu nehmen. Ein deutscher Territorialfürst oder ein englischer Lord konnte doch nicht sagen: Wir machen eine neue weltgeschichtliche Epoche dadurch, daß wir denjenigen, die früher Grund und Boden besessen haben, den Grund und Boden abnehmen! Das sagen die modernen Sozialisten: Wir expropriieren die Besitzer von Grund und Boden! — Aber das sagten die Menschen am Beginne der modernen Zeit nicht. Die taten das und schoben über das ganze den Nebel: Wir begründen ein neues religiöses Bekenntnis. Die Menschen wissen dann nicht, warum sie eigentlich fromm sind. Aber das tut ihnen gut, diese Illusion, die sie ausbreiten über die eigentlichen Gründe dessen, warum sie eigentlich fromm sind. So ist der ökonomische Typus Mensch heraufgekommen.
[ 17 ] Sehen Sie, das Bewußtsein, ein Geistiges in sich zu erleben, das ist allmählich verlorengegangen. Das ist der tiefere geistige Grund der Sache. Gehen wir weiter zurück, vor den dritten nachatlantischen Zeitraum, der also in der Mitte des 8. vorchristlichen Jahrhunderts schließt und im 3., 4. Jahrtausend beginnt, so kommen wir noch zu einer ganz anderen Struktur. So paradox es den heutigen Menschen erscheint, im 4. Jahrtausend oder gar im 5. Jahrtausend gab es keinen Erdenmenschen, der glaubte, das sei das Wesentliche, was an ihm von Vater und Mutter abstammt. Damals glaubten die Menschen durchaus noch, daß sie in bezug auf ihr Wesentliches vom Himmel heruntergestiegen seien, wenn ich mich so ausdrücken darf. Das war fester Glaube der Menschen. Sie sahen sich nicht als irdischen Ursprungs an, sie sahen sich als geistigen, als spirituellen Ursprungs an. Und die Juden verzeichnen denjenigen Zeitraum, wo die Menschen angefangen haben, sich als physische Menschen zu fühlen, als Menschen im Fleische zu fühlen, als den Sündenfall, als den Beginn, wo den Menschen die Erbsünde ergriffen hat. Aber eigentlich hat diese Erbsünde den Menschen mehrmals ergriffen. Zunächst hat sie ihn ergriffen im Beginne des dritten nachatlantischen Zeitraumes, als er einen Teil von sich auf Vater und Mutter, auf das Blut zurückgeführt hat und nur geglaubt hat, ein Spirituelles stülpe sich über ihn drüber. Das zweite Mal hat sie ihn ergriffen, als er begonnen hat, das Intellektuelle nurmehr als Erbliches anzusehen. Das war ungefähr im 4. nachchristlichen Jahrhundert, der zweite Sündenfall, denn von da an wurde die Intellektualität als etwas Erbliches angesehen, als etwas mit der Leiblichkeit Verknüpftes. Und in der Zukunft kommen noch andere Sündenfälle.
[ 17 ] Sehen Sie, das Bewußtsein, ein Geistiges in sich zu erleben, das ist allmählich verlorengegangen. Das ist der tiefere geistige Grund der Sache. Gehen wir weiter zurück, vor den dritten nachatlantischen Zeitraum, der also in der Mitte des 8. vorchristlichen Jahrhunderts schließt und im 3., 4. Jahrtausend beginnt, so kommen wir noch zu einer ganz anderen Struktur. So paradox es den heutigen Menschen erscheint, im 4. Jahrtausend oder gar im 5. Jahrtausend gab es keinen Erdenmenschen, der glaubte, das sei das Wesentliche, was an ihm von Vater und Mutter abstammt. Damals glaubten die Menschen durchaus noch, daß sie in bezug auf ihr Wesentliches vom Himmel heruntergestiegen seien, wenn ich mich so ausdrücken darf. Das war fester Glaube der Menschen. Sie sahen sich nicht als irdischen Ursprungs an, sie sahen sich als geistigen, als spirituellen Ursprungs an. Und die Juden verzeichnen denjenigen Zeitraum, wo die Menschen angefangen haben, sich als physische Menschen zu fühlen, als Menschen im Fleische zu fühlen, als den Sündenfall, als den Beginn, wo den Menschen die Erbsünde ergriffen hat. Aber eigentlich hat diese Erbsünde den Menschen mehrmals ergriffen. Zunächst hat sie ihn ergriffen im Beginne des dritten nachatlantischen Zeitraumes, als er einen Teil von sich auf Vater und Mutter, auf das Blut zurückgeführt hat und nur geglaubt hat, ein Spirituelles stülpe sich über ihn drüber. Das zweite Mal hat sie ihn ergriffen, als er begonnen hat, das Intellektuelle nurmehr als Erbliches anzusehen. Das war ungefähr im 4. nachchristlichen Jahrhundert, der zweite Sündenfall, denn von da an wurde die Intellektualität als etwas Erbliches angesehen, als etwas mit der Leiblichkeit Verknüpftes. Und in der Zukunft kommen noch andere Sündenfälle.
[ 18 ] Uns obliegt es in der Gegenwart, in anderer Weise wiederum zur Spiritualität zurückzukehren. Dazu müssen wir die Möglichkeit haben, zuerst zu einer spirituellen Intellektualität zurückzugelangen. Wir müssen die Möglichkeit haben, mit dem Erdenleben einen solchen Sinn zu verbinden, daß sich in diesem Sinne selber wiederum ein Spirituelles enthüllt. Wenn wir zum Beispiel die Dinge nehmen, die in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» stehen, so kann man nicht sagen, daß die Intellektualität, mit der das aufgefaßt wird, leiblichen Ursprungs ist, denn man kommt nicht durch den Leibesverstand auf dasjenige, was da über den Kosmos und über den Menschen gesagt wird. Das ist wiederum die Zurückerziehung des Menschen zur Auffassung von der Intellektualität, die spirituell ist. Dazu muß die gegenwärtige Menschheit sich bequemen: zunächst die Intellektualität selber wiederum als etwas Göttlich-Geistiges ansehen zu können. Dann wird der Rückweg zur Spiritualität überhaupt eingeschlagen werden können. Das ist eine Aufgabe, die bewußt von der Menschheit ergriffen werden muß: wiederum zur Spiritualität zurückzukehren, zunächst zu einer Spiritualisierung der Intelligenz. Die Menschen müssen lernen, wiederum so zu denken, daß dieses Denken durchdrungen ist von Spiritualität. Man kann den Anfang am besten dadurch machen, daß man auf das Ethische sieht und das Ethische zurückführt auf die moralische Phantasie, auf die moralischen Intuitionen, wie ich es in meiner «Philosophie der Freiheit» getan habe. Wenn man in dem Moralischen etwas sieht, was — wie ich in der «Philosophie der Freiheit» es ausgedrückt habe — seine Impulse unmittelbar aus der geistigen Welt heraus nimmt, dann ist das der Anfang dazu, den Intellekt zu spiritualisieren. Ich habe das behutsam und leise zuerst getan in meiner «Philosophie der Freiheit», weil ja dem 19. Jahrhundert wahrhaftig in bezug auf die Spiritualisierung nicht viel zuzumuten war. Aber es ist dieses der Weg, der eingeschlagen werden muß.
[ 18 ] Uns obliegt es in der Gegenwart, in anderer Weise wiederum zur Spiritualität zurückzukehren. Dazu müssen wir die Möglichkeit haben, zuerst zu einer spirituellen Intellektualität zurückzugelangen. Wir müssen die Möglichkeit haben, mit dem Erdenleben einen solchen Sinn zu verbinden, daß sich in diesem Sinne selber wiederum ein Spirituelles enthüllt. Wenn wir zum Beispiel die Dinge nehmen, die in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» stehen, so kann man nicht sagen, daß die Intellektualität, mit der das aufgefaßt wird, leiblichen Ursprungs ist, denn man kommt nicht durch den Leibesverstand auf dasjenige, was da über den Kosmos und über den Menschen gesagt wird. Das ist wiederum die Zurückerziehung des Menschen zur Auffassung von der Intellektualität, die spirituell ist. Dazu muß die gegenwärtige Menschheit sich bequemen: zunächst die Intellektualität selber wiederum als etwas Göttlich-Geistiges ansehen zu können. Dann wird der Rückweg zur Spiritualität überhaupt eingeschlagen werden können. Das ist eine Aufgabe, die bewußt von der Menschheit ergriffen werden muß: wiederum zur Spiritualität zurückzukehren, zunächst zu einer Spiritualisierung der Intelligenz. Die Menschen müssen lernen, wiederum so zu denken, daß dieses Denken durchdrungen ist von Spiritualität. Man kann den Anfang am besten dadurch machen, daß man auf das Ethische sieht und das Ethische zurückführt auf die moralische Phantasie, auf die moralischen Intuitionen, wie ich es in meiner «Philosophie der Freiheit» getan habe. Wenn man in dem Moralischen etwas sieht, was — wie ich in der «Philosophie der Freiheit» es ausgedrückt habe — seine Impulse unmittelbar aus der geistigen Welt heraus nimmt, dann ist das der Anfang dazu, den Intellekt zu spiritualisieren. Ich habe das behutsam und leise zuerst getan in meiner «Philosophie der Freiheit», weil ja dem 19. Jahrhundert wahrhaftig in bezug auf die Spiritualisierung nicht viel zuzumuten war. Aber es ist dieses der Weg, der eingeschlagen werden muß.
[ 19 ] Der ökonomische Typus Mensch, der mit der Reformation heraufgekommen ist, der sah eigentlich seine Aufgabe darin, alle Intellektualität zu einer bloßen Leibessache zu machen. Dieser ökonomische Typus Mensch, der riß sich eigentlich in der Zeit der Reformation rasch los von der spirituellen Grundlage des Menschenwesens auf Erden. Man kann das geradezu an einzelnen Beispielen zeigen. Im Beginne und in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts lebte in England ein Mann, Thomas Cromwell — zum Unterschiede von Oliver Cromwell —, Thomas Cromwell, der eine große Bedeutung hat für die Einführung des reformatorischen Prinzips in England. Jakob I. war ja diejenige Persönlichkeit, die noch retten wollte die alte Priesterherrschaft, und man versteht Jakob I. am besten, wenn man ihn als den Konservator, als den, der konservieren wollte die alte Priesterherrschaft, auffaßt. Aber diese Pläne wurden ja durchkreuzt von anderen. Und unter denjenigen, die da heraufkamen, die sozusagen die ersten Typen waren des ökonomischen Menschen, ist Thomas Cromwell. Thomas Cromwell kann nun nur verstanden werden, wenn man weiß: er gehört zu denjenigen Menschen, welche nach sehr kurzem Leben zwischen Tod und neuer Geburt wiederum auf der Erde hier verkörpert werden. Die Menschen sind gerade unter den Herrschertypen, die da heraufkommen in der neueren Zeit, außerordentlich häufig, die vor ihrem jetzigen Erdenleben nur ein kurzes Leben in der geistigen Welt gehabt haben. Sie wissen ja, ich habe oftmals hier davon gesprochen, daß eine der bedeutsamsten Erscheinungen in der neueren Geschichte die ist, daß für die Herrschertypen die Auslese der Schlechtesten nach oben sich vollzogen hat. Durch Jahre hindurch habe ich Ihnen das immer wieder bei verschiedenen Anlässen gesagt. Diejenigen, die eigentlich die Herrschenden, die Regierenden sind, sind eine Auslese nicht der Besten; die Zeiten bringen es so mit sich, daß die Besten gerade in der neueren Zeit unten geblieben sind, die nach oben ausgelesenen, namentlich die in Führerstellung, sind eben vielfach nicht die Besten. Es ist die Selektion oftmals der Minderwertigen gewesen. Und diese Selektion der Minderwertigen beruhte ihrer menschlichen Wesenheit nach darauf, daß sie ein Erdenleben entfalteten, das nur eine sehr kurze vorhergehende Zeit zwischen dem letzten Erdenleben und diesem Erdenleben hatte. Bei vielen führenden Persönlichkeiten der neueren Zeit findet man eben diese Tatsache ausgeprägt, daß sie nach kurzem geistigem Leben schon wiederum auf die Erde zurückkehren. Dadurch sind sie wenig imprägniert vom Geistigen. Sie haben wenig geistige Impulse in sich aufgenommen in ihrem vorhergehenden Leben zwischen Tod und einer neuen Geburt. Sie sind aber um so mehr imprägniert mit alldem, was nur von der Erde hier gegeben werden kann.
[ 19 ] Der ökonomische Typus Mensch, der mit der Reformation heraufgekommen ist, der sah eigentlich seine Aufgabe darin, alle Intellektualität zu einer bloßen Leibessache zu machen. Dieser ökonomische Typus Mensch, der riß sich eigentlich in der Zeit der Reformation rasch los von der spirituellen Grundlage des Menschenwesens auf Erden. Man kann das geradezu an einzelnen Beispielen zeigen. Im Beginne und in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts lebte in England ein Mann, Thomas Cromwell — zum Unterschiede von Oliver Cromwell —, Thomas Cromwell, der eine große Bedeutung hat für die Einführung des reformatorischen Prinzips in England. Jakob I. war ja diejenige Persönlichkeit, die noch retten wollte die alte Priesterherrschaft, und man versteht Jakob I. am besten, wenn man ihn als den Konservator, als den, der konservieren wollte die alte Priesterherrschaft, auffaßt. Aber diese Pläne wurden ja durchkreuzt von anderen. Und unter denjenigen, die da heraufkamen, die sozusagen die ersten Typen waren des ökonomischen Menschen, ist Thomas Cromwell. Thomas Cromwell kann nun nur verstanden werden, wenn man weiß: er gehört zu denjenigen Menschen, welche nach sehr kurzem Leben zwischen Tod und neuer Geburt wiederum auf der Erde hier verkörpert werden. Die Menschen sind gerade unter den Herrschertypen, die da heraufkommen in der neueren Zeit, außerordentlich häufig, die vor ihrem jetzigen Erdenleben nur ein kurzes Leben in der geistigen Welt gehabt haben. Sie wissen ja, ich habe oftmals hier davon gesprochen, daß eine der bedeutsamsten Erscheinungen in der neueren Geschichte die ist, daß für die Herrschertypen die Auslese der Schlechtesten nach oben sich vollzogen hat. Durch Jahre hindurch habe ich Ihnen das immer wieder bei verschiedenen Anlässen gesagt. Diejenigen, die eigentlich die Herrschenden, die Regierenden sind, sind eine Auslese nicht der Besten; die Zeiten bringen es so mit sich, daß die Besten gerade in der neueren Zeit unten geblieben sind, die nach oben ausgelesenen, namentlich die in Führerstellung, sind eben vielfach nicht die Besten. Es ist die Selektion oftmals der Minderwertigen gewesen. Und diese Selektion der Minderwertigen beruhte ihrer menschlichen Wesenheit nach darauf, daß sie ein Erdenleben entfalteten, das nur eine sehr kurze vorhergehende Zeit zwischen dem letzten Erdenleben und diesem Erdenleben hatte. Bei vielen führenden Persönlichkeiten der neueren Zeit findet man eben diese Tatsache ausgeprägt, daß sie nach kurzem geistigem Leben schon wiederum auf die Erde zurückkehren. Dadurch sind sie wenig imprägniert vom Geistigen. Sie haben wenig geistige Impulse in sich aufgenommen in ihrem vorhergehenden Leben zwischen Tod und einer neuen Geburt. Sie sind aber um so mehr imprägniert mit alldem, was nur von der Erde hier gegeben werden kann.
[ 20 ] Das waren insbesondere die ökonomischen Menschentypen, jene mit kurzen vorhergehenden geistigen Leben, die ganz durchdrungen waren von dem, was nur die Erde als solche geben kann. Nicht, als ob es nicht auch Menschen in der neueren Zeit gegeben hätte, die längere Zeiträume durchgemacht haben zwischen dem Tod und der Geburt, die für die neuere Zeit in Betracht kamen; aber sie wurden zurückgedrängt. Das brachte so das Schicksal der historischen Entwickelung der Menschheit mit sich, das allgemeine Menschheitskarma.
[ 20 ] Das waren insbesondere die ökonomischen Menschentypen, jene mit kurzen vorhergehenden geistigen Leben, die ganz durchdrungen waren von dem, was nur die Erde als solche geben kann. Nicht, als ob es nicht auch Menschen in der neueren Zeit gegeben hätte, die längere Zeiträume durchgemacht haben zwischen dem Tod und der Geburt, die für die neuere Zeit in Betracht kamen; aber sie wurden zurückgedrängt. Das brachte so das Schicksal der historischen Entwickelung der Menschheit mit sich, das allgemeine Menschheitskarma.
[ 21 ] Und unter diesen Tatsachen spielte sich das neuere Leben der Menschheit ab. Es ist ja eigentlich jammervoll, wenn man sieht, wie zahlreich die Erscheinung in der neueren Zeit ist, daß eigentlich ihrem inneren Wesen nach viel, viel bessere Menschen wie zu besonderen Autoritäten hinaufschauen zu viel, viel schlechteren. Das ist eine allgemeine Erscheinung. Die verehrten Autoritäten sind wahrhaft nicht diejenigen, die eine Auslese der besseren Menschentypen darstellen. Es ist eben einmal heute die Zeit gekommen, wo in unbefangener Art aufgehört werden muß, die Lobhudelei der neueren Zivilisation zu betreiben, wo ungeschminkt eingegangen werden muß auf die wirklichen Tatsachen. Denn die Menschen müssen sich angewöhnen, nach und nach das Leben nicht nur nach dem äußeren Oberflächenaperçu zu betrachten, sondern es zu betrachten nach der inneren Konfiguration der Seelen. Und eine der Tatsachen, die dabei in Betracht kommt, ist eben diese, daß man unterscheiden muß zwischen solchen Menschen, die ein längeres Geistesleben zwischen Tod und Geburt und solchen, die ein kürzeres Geistesleben hinter sich haben.
[ 21 ] Und unter diesen Tatsachen spielte sich das neuere Leben der Menschheit ab. Es ist ja eigentlich jammervoll, wenn man sieht, wie zahlreich die Erscheinung in der neueren Zeit ist, daß eigentlich ihrem inneren Wesen nach viel, viel bessere Menschen wie zu besonderen Autoritäten hinaufschauen zu viel, viel schlechteren. Das ist eine allgemeine Erscheinung. Die verehrten Autoritäten sind wahrhaft nicht diejenigen, die eine Auslese der besseren Menschentypen darstellen. Es ist eben einmal heute die Zeit gekommen, wo in unbefangener Art aufgehört werden muß, die Lobhudelei der neueren Zivilisation zu betreiben, wo ungeschminkt eingegangen werden muß auf die wirklichen Tatsachen. Denn die Menschen müssen sich angewöhnen, nach und nach das Leben nicht nur nach dem äußeren Oberflächenaperçu zu betrachten, sondern es zu betrachten nach der inneren Konfiguration der Seelen. Und eine der Tatsachen, die dabei in Betracht kommt, ist eben diese, daß man unterscheiden muß zwischen solchen Menschen, die ein längeres Geistesleben zwischen Tod und Geburt und solchen, die ein kürzeres Geistesleben hinter sich haben.
[ 22 ] Man muß die Menschen vom geistigen Gesichtspunkte aus betrachten. Erst diese Betrachtung der Menschen vom geistigen Gesichtspunkte aus, die wird es möglich machen, in bewußter Art die soziale Struktur in Ordnung zu bringen. Tieferes Verständnis für das, was notwendig ist in sozialer Beziehung heute, wird man nur gewinnen, wenn man dieses Verständnis auf Grund von spirituellen Erkenntnissen sucht.
[ 22 ] Man muß die Menschen vom geistigen Gesichtspunkte aus betrachten. Erst diese Betrachtung der Menschen vom geistigen Gesichtspunkte aus, die wird es möglich machen, in bewußter Art die soziale Struktur in Ordnung zu bringen. Tieferes Verständnis für das, was notwendig ist in sozialer Beziehung heute, wird man nur gewinnen, wenn man dieses Verständnis auf Grund von spirituellen Erkenntnissen sucht.
[ 23 ] Es war gerade meine Aufgabe in diesen drei Tagen, Sie darauf hinzuweisen, wie die Zivilisation der Gegenwart angesehen werden muß mit Bezug auf die mögliche Weiterentwickelung der Menschen. Sehen Sie, unsere Erde als Erde mit alldem, was darauf ist, ist bereits in ihre Verfallsperiode, in ihre Dekadenzperiode eingetreten. Ich habe das auch schon öfters erwähnt, daß selbst einsichtige Geologen dies ja schon verzeichnen. Man kann schon rein äußerlich, physisch nachweisen mit ganz strenger, exakter Geologie, daß die Erde bereits am Zerbrechen ist, daß die aufsteigende Entwickelung der Erde aufgehört hat, daß wir wirklich auf den zerbrechenden Erdschollen herumgehen. So ist aber nicht nur das mineralische Erdreich im Zerbrechen, so ist auch alles das, was organisch auf der Erde herumläuft, schon im Zerbrechen, schon im Zerfall. Auch die Leiber der Pflanzen, der Tiere, der Menschen, sind nicht mehr in aufsteigender Entwickelung, sind im Zerfall. Wir haben nicht mehr die Organisation, die man hatte bis zum 4. nachchristlichen Jahrhundert, oder die man hatte in der Zeit des alten Griechentums. Wir haben eine verfallende Organisation, und mit uns ist die Erde in der Dekadenz. Das Physische der Erde ist in der Dekadenz. Ich habe zum ersten Mal auf diese Erscheinung schon vor vielen Jahren bei einem Vortrag in Bonn aufmerksam gemacht, aber diese Dinge werden gewöhnlich nicht mit dem nötigen Gewichte genommen. Wir sind in brüchigen Leibern, aber das Gegenstück dazu müssen wir auch betrachten: Wir sind zwar in brüchigen Leibern, aber gerade aus unseren brüchigen Leibern entwickelt sich um so mehr die Geistigkeit, wenn wir uns ihr nur hingeben.
[ 23 ] Es war gerade meine Aufgabe in diesen drei Tagen, Sie darauf hinzuweisen, wie die Zivilisation der Gegenwart angesehen werden muß mit Bezug auf die mögliche Weiterentwickelung der Menschen. Sehen Sie, unsere Erde als Erde mit alldem, was darauf ist, ist bereits in ihre Verfallsperiode, in ihre Dekadenzperiode eingetreten. Ich habe das auch schon öfters erwähnt, daß selbst einsichtige Geologen dies ja schon verzeichnen. Man kann schon rein äußerlich, physisch nachweisen mit ganz strenger, exakter Geologie, daß die Erde bereits am Zerbrechen ist, daß die aufsteigende Entwickelung der Erde aufgehört hat, daß wir wirklich auf den zerbrechenden Erdschollen herumgehen. So ist aber nicht nur das mineralische Erdreich im Zerbrechen, so ist auch alles das, was organisch auf der Erde herumläuft, schon im Zerbrechen, schon im Zerfall. Auch die Leiber der Pflanzen, der Tiere, der Menschen, sind nicht mehr in aufsteigender Entwickelung, sind im Zerfall. Wir haben nicht mehr die Organisation, die man hatte bis zum 4. nachchristlichen Jahrhundert, oder die man hatte in der Zeit des alten Griechentums. Wir haben eine verfallende Organisation, und mit uns ist die Erde in der Dekadenz. Das Physische der Erde ist in der Dekadenz. Ich habe zum ersten Mal auf diese Erscheinung schon vor vielen Jahren bei einem Vortrag in Bonn aufmerksam gemacht, aber diese Dinge werden gewöhnlich nicht mit dem nötigen Gewichte genommen. Wir sind in brüchigen Leibern, aber das Gegenstück dazu müssen wir auch betrachten: Wir sind zwar in brüchigen Leibern, aber gerade aus unseren brüchigen Leibern entwickelt sich um so mehr die Geistigkeit, wenn wir uns ihr nur hingeben.
[ 24 ] Bei den alten Leibern war es so, wenn ich schematisch zeichnen darf, daß der Leib (Zeichnung links, weiß) überall durchdrungen wurde von seiner Geistigkeit (rot), der Leib sog überall die Geistigkeit auf. Heute ist es so, daß unser Leib vielfach brüchig ist. Er ist brüchig, er ist in der Dekadenz, und die Geistigkeit (Zeichnung rechts, rot) spritzt überall heraus, sie wird überall frei vom Leibe. Wenn wir nur eingehen darauf, so können wir innerlich in der Seele überall die Geistigkeit gerade wegen der Brüchigkeit unserer Leiber erfassen.
[ 24 ] Bei den alten Leibern war es so, wenn ich schematisch zeichnen darf, daß der Leib (Zeichnung links, weiß) überall durchdrungen wurde von seiner Geistigkeit (rot), der Leib sog überall die Geistigkeit auf. Heute ist es so, daß unser Leib vielfach brüchig ist. Er ist brüchig, er ist in der Dekadenz, und die Geistigkeit (Zeichnung rechts, rot) spritzt überall heraus, sie wird überall frei vom Leibe. Wenn wir nur eingehen darauf, so können wir innerlich in der Seele überall die Geistigkeit gerade wegen der Brüchigkeit unserer Leiber erfassen.


[ 25 ] Aber es ist nötig, daß wir uns nicht auf das Physische verlassen, sondern es ist notwendig, daß wir uns zum Geistigen wenden wegen unserer Brüchigkeit. Alles Physische wird brüchig, alles Physische auf der Erde ist schon im Verfall, und man darf nicht mehr auf die Physis hoffen, sondern man kann nur etwas erwarten von dem, was gerade dadurch — wenn ich mich trivial ausdrücken darf — zum Ausspritzen kommt, weil das Physische in Verfall ist: vom GeistigSeelischen.
[ 25 ] Aber es ist nötig, daß wir uns nicht auf das Physische verlassen, sondern es ist notwendig, daß wir uns zum Geistigen wenden wegen unserer Brüchigkeit. Alles Physische wird brüchig, alles Physische auf der Erde ist schon im Verfall, und man darf nicht mehr auf die Physis hoffen, sondern man kann nur etwas erwarten von dem, was gerade dadurch — wenn ich mich trivial ausdrücken darf — zum Ausspritzen kommt, weil das Physische in Verfall ist: vom GeistigSeelischen.
[ 26 ] Daraus sehen Sie eines ein. Wir hängen durch unsere Leiber zusammen mit den physischen Verhältnissen der Erde, und die Verhältnisse der Erde drücken sich sozial in den Wirtschaftsverhältnissen aus; indem alles brüchig ist, alles in der Dekadenz ist, sind auch in einer gewissen Beziehung die Wirtschaftsverhältnisse in der Dekadenz. Und ein Tor ist heute derjenige, der glaubt, daß man die Wirtschaftsverhältnisse ohne weiteres durch die Wirtschaftsverhältnisse regenerieren kann. Im Grunde genommen ist derjenige, der heute von einem Wirtschaftsparadies auf der Erde träumt durch rein wirtschaftliche Maßnahmen, wie einer, der einen Leichnam vor sich hätte und ihn’ galvanisieren wollte, ihn wiedererwecken wollte. Nehmen Sie daher all das, was heute an rein wirtschaftlichen Theorien existiert, lassen Sie sich erzählen von den Leuten, wie man das Wirtschaftsleben durch das Wirtschaftsleben einrichten soll nach seinen eigenen Gesetzen, lassen Sie sich erzählen von ihnen, wie man die Produktionsverhältnisse gestalten soll, wie man übergehen soll vom Privateigentum zum Gemeineigentum und so weiter: das alles beruht auf dem falschen Glauben, daß man das Wirtschaftsleben regenerieren könne aus dem Wirtschaftsleben selbst heraus, während die Wahrheit die ist, daß alles Physische auch im Wirtschaftsleben im Verfall ist durch sich selbst. Wenn etwas in Verfall ist durch sich selbst, dann kann es nur immer wieder periodenweise geheilt werden, das heißt, wir brauchen ein Heilmittel für das fortwährend in sich selbst zerfallende Wirtschaftsleben. Das Wirtschaftsleben würde, wenn es sich selbst überlassen wäre, wenn man das aus ihm machte, was Lenin und Trotzkij aus ihm machen wollen, fortwährend zerfallen, fortwährend krank werden. Daher muß auch fortwährend als Gegenpol des Wirtschaftslebens das Heilende da sein: Das ist das ihm gegenüberstehende selbständige Geistesleben. Haben Sie einen Kranken, oder den, der fortwährend krank werden kann, so müssen Sie daneben fortwährend den Arzt haben. Haben Sie das Wirtschaftsleben, das wegen der Erdenentwickelung durch sich selbst fortwährend für den Verfall reif ist, so brauchen Sie dagegen das fortwährende heilende innere Geistesleben. Das ist der innere Zusammenhang. Es hängt mit einer gesunden Kosmogonie zusammen, daß wir ein selbständiges Geistesleben bekommen. Und ohne selbständiges Geistesleben, das eine fortwährende Heilweisheit ist neben dem fortwährend mit der Tendenz zum Verfall ausgerüsteten Wirtschaftsleben, kommt die Menschheit nicht vorwärts. Denn Torheit ist es, das Wirtschaftsleben aus sich selber regenerieren zu wollen. Man muß die Heilkraft in einem selbständigen Geistesleben neben dieses Wirtschaftsleben hinstellen, und beide müssen überbrückt werden durch das neutrale Rechtsleben. Wir kommen gar nicht zum entsprechenden Verständnisse desjenigen, was notwendig ist für die Gegenwart, wenn wir nicht imstande sind, einzusehen, daß das physische Leben der Erde bereits im Verfall ist. Deshalb, weil man das nicht einsieht, gibt es so viele Menschen heute, die glauben, man könne aus dem Wirtschaftsleben selbst allerlei Regenerationsmittel dieses Wirtschaftslebens herauszaubern. Die gibt es nicht. Es gibt allein die Möglichkeit, fortdauernd das Wirtschaftsleben im Gang zu erhalten durch das selbständig danebengestellte Geistesleben. Ganz durchschauen wird diesen geheimnisvollen Zusammenhang unseres Lebens nur derjenige, der ihn eben vom Standpunkte einer wirklich modernen Kosmogonie durchschauen kann.
[ 26 ] Daraus sehen Sie eines ein. Wir hängen durch unsere Leiber zusammen mit den physischen Verhältnissen der Erde, und die Verhältnisse der Erde drücken sich sozial in den Wirtschaftsverhältnissen aus; indem alles brüchig ist, alles in der Dekadenz ist, sind auch in einer gewissen Beziehung die Wirtschaftsverhältnisse in der Dekadenz. Und ein Tor ist heute derjenige, der glaubt, daß man die Wirtschaftsverhältnisse ohne weiteres durch die Wirtschaftsverhältnisse regenerieren kann. Im Grunde genommen ist derjenige, der heute von einem Wirtschaftsparadies auf der Erde träumt durch rein wirtschaftliche Maßnahmen, wie einer, der einen Leichnam vor sich hätte und ihn’ galvanisieren wollte, ihn wiedererwecken wollte. Nehmen Sie daher all das, was heute an rein wirtschaftlichen Theorien existiert, lassen Sie sich erzählen von den Leuten, wie man das Wirtschaftsleben durch das Wirtschaftsleben einrichten soll nach seinen eigenen Gesetzen, lassen Sie sich erzählen von ihnen, wie man die Produktionsverhältnisse gestalten soll, wie man übergehen soll vom Privateigentum zum Gemeineigentum und so weiter: das alles beruht auf dem falschen Glauben, daß man das Wirtschaftsleben regenerieren könne aus dem Wirtschaftsleben selbst heraus, während die Wahrheit die ist, daß alles Physische auch im Wirtschaftsleben im Verfall ist durch sich selbst. Wenn etwas in Verfall ist durch sich selbst, dann kann es nur immer wieder periodenweise geheilt werden, das heißt, wir brauchen ein Heilmittel für das fortwährend in sich selbst zerfallende Wirtschaftsleben. Das Wirtschaftsleben würde, wenn es sich selbst überlassen wäre, wenn man das aus ihm machte, was Lenin und Trotzkij aus ihm machen wollen, fortwährend zerfallen, fortwährend krank werden. Daher muß auch fortwährend als Gegenpol des Wirtschaftslebens das Heilende da sein: Das ist das ihm gegenüberstehende selbständige Geistesleben. Haben Sie einen Kranken, oder den, der fortwährend krank werden kann, so müssen Sie daneben fortwährend den Arzt haben. Haben Sie das Wirtschaftsleben, das wegen der Erdenentwickelung durch sich selbst fortwährend für den Verfall reif ist, so brauchen Sie dagegen das fortwährende heilende innere Geistesleben. Das ist der innere Zusammenhang. Es hängt mit einer gesunden Kosmogonie zusammen, daß wir ein selbständiges Geistesleben bekommen. Und ohne selbständiges Geistesleben, das eine fortwährende Heilweisheit ist neben dem fortwährend mit der Tendenz zum Verfall ausgerüsteten Wirtschaftsleben, kommt die Menschheit nicht vorwärts. Denn Torheit ist es, das Wirtschaftsleben aus sich selber regenerieren zu wollen. Man muß die Heilkraft in einem selbständigen Geistesleben neben dieses Wirtschaftsleben hinstellen, und beide müssen überbrückt werden durch das neutrale Rechtsleben. Wir kommen gar nicht zum entsprechenden Verständnisse desjenigen, was notwendig ist für die Gegenwart, wenn wir nicht imstande sind, einzusehen, daß das physische Leben der Erde bereits im Verfall ist. Deshalb, weil man das nicht einsieht, gibt es so viele Menschen heute, die glauben, man könne aus dem Wirtschaftsleben selbst allerlei Regenerationsmittel dieses Wirtschaftslebens herauszaubern. Die gibt es nicht. Es gibt allein die Möglichkeit, fortdauernd das Wirtschaftsleben im Gang zu erhalten durch das selbständig danebengestellte Geistesleben. Ganz durchschauen wird diesen geheimnisvollen Zusammenhang unseres Lebens nur derjenige, der ihn eben vom Standpunkte einer wirklich modernen Kosmogonie durchschauen kann.
[ 27 ] Bedenken Sie, wie ernst die Dinge liegen, wie man einsehen muß, daß die Menschen ins Verderben hineinrennen, wenn sie heute noch glauben, das Wirtschaftsleben aus sich selber regenerieren zu können, wenn sie sich nicht bekennen zu dem, was aus dem brüchig-physischen Leben ausspritzt und selbständig werden kann und als fortwährende Heilkraft da sein kann. Die Menschen fragen: Welches sind die Mittel gegen Revolutionen? — Ja, wenn sich so viel in Krisen zusammengehäuft hat an Untergangsimpulsen, als zu einer Revolution notwendig ist, dann kommt die Revolution. Denn Revolutionen kann man nur dadurch entgegenarbeiten, daß man die Kraft, die der Revolution entgegenarbeitet, kontinuierlich, fortwährend anwendet. Wenn man dem Wirtschaftsleben nicht entgegenstellt ein fortwährend gesundendes Geistesleben, dann ballt sich das Wirtschaftsleben zu den Revolutionen zusammen.
[ 27 ] Bedenken Sie, wie ernst die Dinge liegen, wie man einsehen muß, daß die Menschen ins Verderben hineinrennen, wenn sie heute noch glauben, das Wirtschaftsleben aus sich selber regenerieren zu können, wenn sie sich nicht bekennen zu dem, was aus dem brüchig-physischen Leben ausspritzt und selbständig werden kann und als fortwährende Heilkraft da sein kann. Die Menschen fragen: Welches sind die Mittel gegen Revolutionen? — Ja, wenn sich so viel in Krisen zusammengehäuft hat an Untergangsimpulsen, als zu einer Revolution notwendig ist, dann kommt die Revolution. Denn Revolutionen kann man nur dadurch entgegenarbeiten, daß man die Kraft, die der Revolution entgegenarbeitet, kontinuierlich, fortwährend anwendet. Wenn man dem Wirtschaftsleben nicht entgegenstellt ein fortwährend gesundendes Geistesleben, dann ballt sich das Wirtschaftsleben zu den Revolutionen zusammen.
[ 28 ] Es ist schon notwendig, daß die Dinge, um die es sich hier handelt, in ihrer vollen Schwere, in ihrem ganzen Gewicht genommen werden, daß man nicht glaubt, man kann mit Geisteswissenschaft spielen. Man kann damit nicht spielen. Eine Sonntagnachmittag-Predigt läßt sich aus wirklicher Geisteswissenschaft nicht herauszimmern. Dasjenige, was sich die Menschen an Gewohnheiten aus den alten religiösen Bekenntnissen angeeignet haben, wo sie nur eine innere Seelenwollust entwickeln wollen durch allerlei Lehren von Reinkarnationen und Karma, das läßt sich aus diesen Lehren, wenn man sie ernst nimmt, nicht herausentwickeln. Diese Lehren wollen ins Leben eingreifen; diese Lehren wollen zu Taten werden durch das, was sie selber sind. Deshalb ist es nicht irgendeiner subjektiven Laune entsprechend, daß dasjenige, was in der Geisteswissenschaft lebt, auch sich in allerlei sozialen Ideen nunmehr ausgestalten muß, sondern es ist im Grunde genommen eine Selbstverständlichkeit. Es gehört zu dem allem. Wer freilich im modernen naturwissenschaftlichen Sinne von Entwickelung und Evolution redet und eigentlich keine Ahnung davon hat, daß in Evolution zuerst ein Aufstieg da ist und dann ein Verfall, der wird auch nicht verstehen wollen, daß wir in bezug auf die Erdenentwickelung schon in einem Verfall drinnen leben, und der wird aus dem, was verfällt, Kräfte herausarbeiten wollen zu einer Regeneration. Das ist nicht mehr möglich.
[ 28 ] Es ist schon notwendig, daß die Dinge, um die es sich hier handelt, in ihrer vollen Schwere, in ihrem ganzen Gewicht genommen werden, daß man nicht glaubt, man kann mit Geisteswissenschaft spielen. Man kann damit nicht spielen. Eine Sonntagnachmittag-Predigt läßt sich aus wirklicher Geisteswissenschaft nicht herauszimmern. Dasjenige, was sich die Menschen an Gewohnheiten aus den alten religiösen Bekenntnissen angeeignet haben, wo sie nur eine innere Seelenwollust entwickeln wollen durch allerlei Lehren von Reinkarnationen und Karma, das läßt sich aus diesen Lehren, wenn man sie ernst nimmt, nicht herausentwickeln. Diese Lehren wollen ins Leben eingreifen; diese Lehren wollen zu Taten werden durch das, was sie selber sind. Deshalb ist es nicht irgendeiner subjektiven Laune entsprechend, daß dasjenige, was in der Geisteswissenschaft lebt, auch sich in allerlei sozialen Ideen nunmehr ausgestalten muß, sondern es ist im Grunde genommen eine Selbstverständlichkeit. Es gehört zu dem allem. Wer freilich im modernen naturwissenschaftlichen Sinne von Entwickelung und Evolution redet und eigentlich keine Ahnung davon hat, daß in Evolution zuerst ein Aufstieg da ist und dann ein Verfall, der wird auch nicht verstehen wollen, daß wir in bezug auf die Erdenentwickelung schon in einem Verfall drinnen leben, und der wird aus dem, was verfällt, Kräfte herausarbeiten wollen zu einer Regeneration. Das ist nicht mehr möglich.
[ 29 ] Das, was ich vor allen Dingen Ihnen durch diese drei Vorträge nahegelegt haben wollte, das ist, daß wirklich voll eingesehen werde der tiefe Ernst desjenigen, was das Geisteswissenschaftliche ist. Mit dem Geisteswissenschaftlichen läßt sich nicht spielen; höchstens wenn man es verwässert zu allerlei mystischem Sektierertum, aber die Menschen tun sehr schlecht, die da glauben, es lasse sich doch damit spielen. Es läßt sich eben nicht spielen mit dem Geisteswissenschaftlichen. Es gibt viele Gegnerschaften für dasjenige, was in dieser anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft vertreten wird. Fast alle diejenigen Menschen werden Gegnerschaft üben, die spielen möchten — «mysteln», möchte ich es nennen — mit dem geisteswissenschaftlichen Leben. Mystik: mysteln. Diejenigen, die mysteln wollen, die werden zuletzt mit der Geisteswissenschaft nicht zurecht kommen, weil sie den Ernst des Lebens nicht eigentlich verspüren möchten. Daher gibt es so viele Gegner der Geisteswissenschaft, und insbesondere gibt es viele Gegner, welche aus allerlei Löchern des Mystelos heraus zu Gegnern werden. Neuerdings soll wieder ein Vorstoß losgehen gegen die Geisteswissenschaft, weil man sagt, sie trüge einen wissenschaftlichen Charakter, und dasjenige, was wirkliches Geisteswelten-Erleben ist, das müsse herauskommen aus unmittelbarem Erfahren des Geistigen, da dürfe nicht irgend etwas Wissenschaftliches hineinspielen und dergleichen. Ein neuerlicher Vorstoß kommt soeben aus der Ecke heraus, in der wir ja viel gearbeitet haben, wo aber nach und nach immer mehr mystelndes, schleimiges Zeug herauskommt, gerade nach dieser Richtung hin. Wiederum ist jetzt, wenn auch vielleicht in einem anderen Verlage, aus der Münchner Ecke ein Buch erschienen, das im Grunde einen solchen Vorstoß darstellen will und das sich nennt «Vom lebendigen Gotte», ein mystisches Buch.
[ 29 ] Das, was ich vor allen Dingen Ihnen durch diese drei Vorträge nahegelegt haben wollte, das ist, daß wirklich voll eingesehen werde der tiefe Ernst desjenigen, was das Geisteswissenschaftliche ist. Mit dem Geisteswissenschaftlichen läßt sich nicht spielen; höchstens wenn man es verwässert zu allerlei mystischem Sektierertum, aber die Menschen tun sehr schlecht, die da glauben, es lasse sich doch damit spielen. Es läßt sich eben nicht spielen mit dem Geisteswissenschaftlichen. Es gibt viele Gegnerschaften für dasjenige, was in dieser anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft vertreten wird. Fast alle diejenigen Menschen werden Gegnerschaft üben, die spielen möchten — «mysteln», möchte ich es nennen — mit dem geisteswissenschaftlichen Leben. Mystik: mysteln. Diejenigen, die mysteln wollen, die werden zuletzt mit der Geisteswissenschaft nicht zurecht kommen, weil sie den Ernst des Lebens nicht eigentlich verspüren möchten. Daher gibt es so viele Gegner der Geisteswissenschaft, und insbesondere gibt es viele Gegner, welche aus allerlei Löchern des Mystelos heraus zu Gegnern werden. Neuerdings soll wieder ein Vorstoß losgehen gegen die Geisteswissenschaft, weil man sagt, sie trüge einen wissenschaftlichen Charakter, und dasjenige, was wirkliches Geisteswelten-Erleben ist, das müsse herauskommen aus unmittelbarem Erfahren des Geistigen, da dürfe nicht irgend etwas Wissenschaftliches hineinspielen und dergleichen. Ein neuerlicher Vorstoß kommt soeben aus der Ecke heraus, in der wir ja viel gearbeitet haben, wo aber nach und nach immer mehr mystelndes, schleimiges Zeug herauskommt, gerade nach dieser Richtung hin. Wiederum ist jetzt, wenn auch vielleicht in einem anderen Verlage, aus der Münchner Ecke ein Buch erschienen, das im Grunde einen solchen Vorstoß darstellen will und das sich nennt «Vom lebendigen Gotte», ein mystisches Buch.
[ 30 ] Diese Dinge in unserer heutigen sozial ernsten Zeit zu sehen, das zeigt, wieviel geistige Frivolität und Zynismus geistiger Art in unserem Leben ist. Das muß heraus. Und ernst genommen werden muß Heraussaugung des geistigen Lebens aus der verfallenden Zeit. Man muß sich kühn und unbefangen entgegenstellen können dem Verfallen der Erde, denn dasjenige, was physisch stirbt, gebärt das geistig Lebendige. Aber jedes Spiel mit geistigen Dingen müßte gerade von dem wirklich das Geistige empfindenden anthroposophisch orientierten Geisteswissenschafter fein erfühlt werden, und nichts dürfte weniger unter uns Sympathie haben als irgendeine Art Sektierertum, irgendeine Art Mysteln. Denn das dringt nicht in die geistigen Welten hinein; im Gegenteil, es verlegt die Wege in die geistige Welt. Wir brauchen aber gerade die Wege in die geistigen Welten hinein, wenn wir auch sozial wirklich weiterkommen wollen. Deshalb ist heute die Zeit, wo wir ganz ernsthaftig uns die wichtigste Frage des Lebens vorlegen sollten und fragen sollten: Was können wir tun, tatkräftig tun, um aufzufangen die wirklich zeitgemäßen Impulse?
[ 30 ] Diese Dinge in unserer heutigen sozial ernsten Zeit zu sehen, das zeigt, wieviel geistige Frivolität und Zynismus geistiger Art in unserem Leben ist. Das muß heraus. Und ernst genommen werden muß Heraussaugung des geistigen Lebens aus der verfallenden Zeit. Man muß sich kühn und unbefangen entgegenstellen können dem Verfallen der Erde, denn dasjenige, was physisch stirbt, gebärt das geistig Lebendige. Aber jedes Spiel mit geistigen Dingen müßte gerade von dem wirklich das Geistige empfindenden anthroposophisch orientierten Geisteswissenschafter fein erfühlt werden, und nichts dürfte weniger unter uns Sympathie haben als irgendeine Art Sektierertum, irgendeine Art Mysteln. Denn das dringt nicht in die geistigen Welten hinein; im Gegenteil, es verlegt die Wege in die geistige Welt. Wir brauchen aber gerade die Wege in die geistigen Welten hinein, wenn wir auch sozial wirklich weiterkommen wollen. Deshalb ist heute die Zeit, wo wir ganz ernsthaftig uns die wichtigste Frage des Lebens vorlegen sollten und fragen sollten: Was können wir tun, tatkräftig tun, um aufzufangen die wirklich zeitgemäßen Impulse?
[ 31 ] Sehen Sie, dieser Bau steht nun hier. Er steht und wartet, daß er von der Welt ernst genommen werde, so von der Welt ernst genommen werde, daß man wirklich sieht: Er ist mit Bewußtsein hineingebaut in eine verfallende Zeit, aber um aus dieser verfallenden Zeit das Geistige aufzufangen. Kein Glaube sollte hier walten, daß man das Alte, das zum Verfalle, zur Dekadenz reif ist, halten könne. Der Glaube soll hier herrschen, daß aus dem hinrollenden Verfall das Geistige, das ganz unähnlich sein muß dem Alten, herausgeholt werde. Es ist nicht mit kleinen Kulturmetamorphosen zu machen. Es handelt sich darum, daß wir uns ernst der notwendigen Erkenntnis gegenüberstellen sollten, daß nur mit großen Kulturimpulsen dasjenige zu machen ist, was notwendiger Menschheitsfortschritt gegen die Zukunft ist. Mit uns sollten wir zu Rate gehen, um stark zu werden, die neuen Impulse wirklich aufzunehmen. Wir müssen den Mut haben, so viel wir können, den Menschen klarzumachen, was es heißt: Die Erde ist in der Dekadenz, und dasjenige, was sich als Zivilisation bis in unsere Tage herein erhalten hat, worin wir eingewöhnt sind, das geht mit dem Verfall. Man soll aber aus dem Verfall heraus eine neue Geistigkeit retten, die hinübergenommen werden kann in andere Welten, wenn die Erde völlig ihrem Untergange entgegengegangen ist.
[ 31 ] Sehen Sie, dieser Bau steht nun hier. Er steht und wartet, daß er von der Welt ernst genommen werde, so von der Welt ernst genommen werde, daß man wirklich sieht: Er ist mit Bewußtsein hineingebaut in eine verfallende Zeit, aber um aus dieser verfallenden Zeit das Geistige aufzufangen. Kein Glaube sollte hier walten, daß man das Alte, das zum Verfalle, zur Dekadenz reif ist, halten könne. Der Glaube soll hier herrschen, daß aus dem hinrollenden Verfall das Geistige, das ganz unähnlich sein muß dem Alten, herausgeholt werde. Es ist nicht mit kleinen Kulturmetamorphosen zu machen. Es handelt sich darum, daß wir uns ernst der notwendigen Erkenntnis gegenüberstellen sollten, daß nur mit großen Kulturimpulsen dasjenige zu machen ist, was notwendiger Menschheitsfortschritt gegen die Zukunft ist. Mit uns sollten wir zu Rate gehen, um stark zu werden, die neuen Impulse wirklich aufzunehmen. Wir müssen den Mut haben, so viel wir können, den Menschen klarzumachen, was es heißt: Die Erde ist in der Dekadenz, und dasjenige, was sich als Zivilisation bis in unsere Tage herein erhalten hat, worin wir eingewöhnt sind, das geht mit dem Verfall. Man soll aber aus dem Verfall heraus eine neue Geistigkeit retten, die hinübergenommen werden kann in andere Welten, wenn die Erde völlig ihrem Untergange entgegengegangen ist.
[ 32 ] Mit vollem Bewußtsein nach einer Erneuerung von Kunst, Wissenschaft und Freiheit hinzuarbeiten, das ist es, was sich gerade an diesen Bau knüpfen sollte. Man hat versucht, mit diesem Bau etwas hinzustellen, was in seinen Formen in einer gewissen Weise Hohn spricht aller Vergangenheit. So sollte man auch tatsächlich den Mut haben dazu, zu erfassen, was herausgeholt werden sollte aus der Tatsache, daß dieser Bau da steht. Wir kommen nicht zurecht, wenn wir uns auch ferner nur an kleine Mittel halten, wenn wir nicht daran arbeiten, mit Bewußtsein vor die Menschheit die Notwendigkeit einer neuen Geisteskultur hinzustellen. Denn die allein wird der wahre Ausgangspunkt sein für eine neue soziale Kultur. Das Soziale wird nicht mehr aus dem Wirtschaftlichen herausgeholt, sondern allein aus dem Geistigen in das Wirtschaftliche hineingesenkt werden können. Und wir müssen uns bewußt werden, daß der ökonomische Typus Mensch ausgespielt hat, daß ein anderer Typus Mensch kommen muß, der Weltmensch ist, der sich bewußt ist, nicht nur dasjenige lebe in ihm, was Erdenvererbung ist, sondern der sich bewußt ist, dasjenige lebe in ihm, was Kräfte der Sonne und des Mondes und des Sternenhimmels sind, was Kräfte der übersinnlichen Welt sind. In den Formen, in denen es die Menschen verstehen können, sollten wir ihnen das zum Bewußtsein bringen, dann allein können wir etwas zum wirklichen Fortschritt der Menschheit beitragen. Durch bloßes Übertragen von mystischen Lehren nützen wir gar nichts. Dasjenige, was unsere Mystik ist, muß wirkliches Geistesleben sein, tätiges Geistesleben.
[ 32 ] Mit vollem Bewußtsein nach einer Erneuerung von Kunst, Wissenschaft und Freiheit hinzuarbeiten, das ist es, was sich gerade an diesen Bau knüpfen sollte. Man hat versucht, mit diesem Bau etwas hinzustellen, was in seinen Formen in einer gewissen Weise Hohn spricht aller Vergangenheit. So sollte man auch tatsächlich den Mut haben dazu, zu erfassen, was herausgeholt werden sollte aus der Tatsache, daß dieser Bau da steht. Wir kommen nicht zurecht, wenn wir uns auch ferner nur an kleine Mittel halten, wenn wir nicht daran arbeiten, mit Bewußtsein vor die Menschheit die Notwendigkeit einer neuen Geisteskultur hinzustellen. Denn die allein wird der wahre Ausgangspunkt sein für eine neue soziale Kultur. Das Soziale wird nicht mehr aus dem Wirtschaftlichen herausgeholt, sondern allein aus dem Geistigen in das Wirtschaftliche hineingesenkt werden können. Und wir müssen uns bewußt werden, daß der ökonomische Typus Mensch ausgespielt hat, daß ein anderer Typus Mensch kommen muß, der Weltmensch ist, der sich bewußt ist, nicht nur dasjenige lebe in ihm, was Erdenvererbung ist, sondern der sich bewußt ist, dasjenige lebe in ihm, was Kräfte der Sonne und des Mondes und des Sternenhimmels sind, was Kräfte der übersinnlichen Welt sind. In den Formen, in denen es die Menschen verstehen können, sollten wir ihnen das zum Bewußtsein bringen, dann allein können wir etwas zum wirklichen Fortschritt der Menschheit beitragen. Durch bloßes Übertragen von mystischen Lehren nützen wir gar nichts. Dasjenige, was unsere Mystik ist, muß wirkliches Geistesleben sein, tätiges Geistesleben.
[ 33 ] Das ist es, was ich Ihnen heute zum Bewußtsein habe bringen wollen. Es müßte eigentlich dieser Dornacher Bau so angesehen werden, daß man ihn, ohne unbescheiden zu werden, wirklich als den Ausgangspunkt nimmt für eine große Weltbewegung, die völlig international ist, und die alle Gebiete des geistigen Lebens umfaßt. Es müßte dieser Dornacher Bau der Ausgangspunkt dafür sein, abzustreifen alle Vorliebe für das Untergehende und aufzunehmen den Impuls von etwas, das nach einer wirklichen Erneuerung des Menschheitsbewußtseins hinzielt. Könnten wir so etwas in die Welt setzen, was den Ausgangspunkt bilden würde für ein Auffangen des Geistigen aus dem Verfall der physischen Erde, und könnten wir sagen: Wir wollten das Monument für diesen Ausgangspunkt mit diesem Dornacher Bau hingestellt haben, wir wollten aufmerksam machen die Menschen, sie müssen sehen nach dem, was gewollt wird —, könnten wir so etwas schaffen, dann würden wir dasjenige erfüllen, was eigentlich in den Impulsen anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft liegt. Aber wir müssen uns aufraffen, etwas zu schaffen, was tatsächlich so zur Menschheit spricht, daß wir sie aufmerksam machen darauf: Seht, hier wird das gewollt, was im Sinne einer wirklichen Weiterentwickelung sowohl des wissenschaftlichen, wie des künstlerischen, wie des religiösen Bewußtseins liegt. Sind wir imstande, von diesem Positiven zu reden, werden wir viel mehr wirken, als wenn wir versuchen, uns in alles mögliche unterzuducken, was andere auch wollen. Wir sollten das Bewußtsein haben, daß etwas Neues zu wollen ist. Können wir das, dann werden wir eine würdige Aufgabe erfüllen. Aber wir sollten in dieser Beziehung einmal mit unseren Seelen sprechen, sollten versuchen, die Aufgabe der Anthroposophie in diesem Sinne gerade richtig in Angriff zu nehmen.
[ 33 ] Das ist es, was ich Ihnen heute zum Bewußtsein habe bringen wollen. Es müßte eigentlich dieser Dornacher Bau so angesehen werden, daß man ihn, ohne unbescheiden zu werden, wirklich als den Ausgangspunkt nimmt für eine große Weltbewegung, die völlig international ist, und die alle Gebiete des geistigen Lebens umfaßt. Es müßte dieser Dornacher Bau der Ausgangspunkt dafür sein, abzustreifen alle Vorliebe für das Untergehende und aufzunehmen den Impuls von etwas, das nach einer wirklichen Erneuerung des Menschheitsbewußtseins hinzielt. Könnten wir so etwas in die Welt setzen, was den Ausgangspunkt bilden würde für ein Auffangen des Geistigen aus dem Verfall der physischen Erde, und könnten wir sagen: Wir wollten das Monument für diesen Ausgangspunkt mit diesem Dornacher Bau hingestellt haben, wir wollten aufmerksam machen die Menschen, sie müssen sehen nach dem, was gewollt wird —, könnten wir so etwas schaffen, dann würden wir dasjenige erfüllen, was eigentlich in den Impulsen anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft liegt. Aber wir müssen uns aufraffen, etwas zu schaffen, was tatsächlich so zur Menschheit spricht, daß wir sie aufmerksam machen darauf: Seht, hier wird das gewollt, was im Sinne einer wirklichen Weiterentwickelung sowohl des wissenschaftlichen, wie des künstlerischen, wie des religiösen Bewußtseins liegt. Sind wir imstande, von diesem Positiven zu reden, werden wir viel mehr wirken, als wenn wir versuchen, uns in alles mögliche unterzuducken, was andere auch wollen. Wir sollten das Bewußtsein haben, daß etwas Neues zu wollen ist. Können wir das, dann werden wir eine würdige Aufgabe erfüllen. Aber wir sollten in dieser Beziehung einmal mit unseren Seelen sprechen, sollten versuchen, die Aufgabe der Anthroposophie in diesem Sinne gerade richtig in Angriff zu nehmen.
