The Inner Aspect of the Social Enigma
A Luciferic Past and an Ahrimanic Future
GA 193
13 September 1919, Berlin
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Der innere Aspekt des sozialen Rätsels
Siebenter Vortrag
Siebenter Vortrag
[ 1 ] Aus den Betrachtungen des gestrigen Abends sollte Ihnen hervorgehen, wie notwendig es für den Menschen der Gegenwart ist, sein Seelenauge hinzuwenden zu geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen, zu denjenigen Sphären des Daseins, der Wirklichkeit, in denen das Walten des Geistes innerhalb der Menschheitsentwicklung deutlich wahrnehmbar ist für den, der in diese Regionen der Wirklichkeit hineinzuschauen vermag.
[ 1 ] Aus den Betrachtungen des gestrigen Abends sollte Ihnen hervorgehen, wie notwendig es für den Menschen der Gegenwart ist, sein Seelenauge hinzuwenden zu geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen, zu denjenigen Sphären des Daseins, der Wirklichkeit, in denen das Walten des Geistes innerhalb der Menschheitsentwicklung deutlich wahrnehmbar ist für den, der in diese Regionen der Wirklichkeit hineinzuschauen vermag.
[ 2 ] Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts — das habe ich Ihnen sagen müssen — lebt die zivilisierte Menschheit in einer Periode, in welcher die alte Beziehung der Menschenseele zu den übergeordneten Wesenheiten der drei nächsthöheren Hierarchien, der Angeloi, der Archangeloi, der Archai, eine völlig andere wird als sie vorher war. Vorher war diese Beziehung so, daß die Wesenheiten dieser drei Hierarchien wegen ihres eigenen Interesses, also aus ihren eigenen Impulsen heraus, an der Menschheitsentwicklung arbeiteten. Jetzt leben wir in einer Zeitepoche, in der diese Arbeit jener Wesen der höheren Hierarchien abgeschlossen ist. Diese Wesen haben zunächst kein Interesse daran, diese Arbeit an der Entwicklung der Menschheit, die sie bisher ausgeübt haben, fortzusetzen. Sie werden eine neue Beziehung zur Menschheit nur dadurch eingehen, daß die Menschen von sich aus, aus freiem Willen, aus freiem Antriebe beginnen, sich mit den geistigen Welten zu befassen. Würden wir uns in der nächsten Zeit als Menschen nicht aus freiem Willen heraus zur geistigen Welt hinwenden, so würden wir unseren Zusammenhang mit den geistigen Welten verlieren müssen, weil die zu uns gehörigen Wesen der geistigen Welten von sich aus kein Interesse haben, sich mit uns zu befassen. Wir erregen erst wieder ihr Interesse, wenn wir aus unserer Seele heraus uns wieder mit der geistigen Welt befassen, das heißt, Gedanken, Empfindungen, Willensimpulse hegen, in welche geistige Kräfte einfließen können.
[ 2 ] Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts — das habe ich Ihnen sagen müssen — lebt die zivilisierte Menschheit in einer Periode, in welcher die alte Beziehung der Menschenseele zu den übergeordneten Wesenheiten der drei nächsthöheren Hierarchien, der Angeloi, der Archangeloi, der Archai, eine völlig andere wird als sie vorher war. Vorher war diese Beziehung so, daß die Wesenheiten dieser drei Hierarchien wegen ihres eigenen Interesses, also aus ihren eigenen Impulsen heraus, an der Menschheitsentwicklung arbeiteten. Jetzt leben wir in einer Zeitepoche, in der diese Arbeit jener Wesen der höheren Hierarchien abgeschlossen ist. Diese Wesen haben zunächst kein Interesse daran, diese Arbeit an der Entwicklung der Menschheit, die sie bisher ausgeübt haben, fortzusetzen. Sie werden eine neue Beziehung zur Menschheit nur dadurch eingehen, daß die Menschen von sich aus, aus freiem Willen, aus freiem Antriebe beginnen, sich mit den geistigen Welten zu befassen. Würden wir uns in der nächsten Zeit als Menschen nicht aus freiem Willen heraus zur geistigen Welt hinwenden, so würden wir unseren Zusammenhang mit den geistigen Welten verlieren müssen, weil die zu uns gehörigen Wesen der geistigen Welten von sich aus kein Interesse haben, sich mit uns zu befassen. Wir erregen erst wieder ihr Interesse, wenn wir aus unserer Seele heraus uns wieder mit der geistigen Welt befassen, das heißt, Gedanken, Empfindungen, Willensimpulse hegen, in welche geistige Kräfte einfließen können.
[ 3 ] Nun können Sie aber die Frage aufwerfen, und die muß im Anschluß an unsere gestrige Betrachtung aufgeworfen werden: Wie kommt der Mensch zunächst dazu, sich mit den geistigen Welten so zu befassen, daß er auch in der Zukunft der Erdenentwicklung seine Beziehungen zu den höheren Hierarchien aufrechterhalten kann? Da werde ich Ihnen Dinge zu sagen haben, die zunächst scheinbar mit dieser Frage nicht viel zu tun haben. Aber wir werden sehen, daß gerade diese Dinge uns die Grundlagen dafür schaffen, von der Gegenwart ab in die Zukunft hinein, unsere Beziehung zur geistigen Welt wieder neu herzustellen. Das erste, auf das wir da unseren Blick lenken müssen, ist die Wirksamkeit der verschiedenen Konfessionen, der verschiedenen konfessionellen Bekenntnisse, die es in der zivilisierten Menschheit gibt. Bis jetzt lag eine gewisse Notwendigkeit vor, daß die Konfessionen Herz und Sinn der Menschenseele so zur geistigen Welt hinlenkten, wie sie das getan haben. In Zukunft werden die Konfessionen entweder dazu beitragen, den Menschen von der geistigen Welt abzuschnüren, oder sie werden in ihre Bestrebungen etwas ganz Neues eintreten lassen müssen. Die Konfessionen der Gegenwart sind im Grunde genommen auf dem Egoismus der Menschen aufgebaut, und wir brauchen nur eine der allerwichtigsten Fragen vor unsere Seele hinzustellen, die das Leitmotiv für die konfessionellen Betrachtungen bildet und bilden muß: die Frage nach der Unsterblichkeit der Menschenseele — und wir können an der Art, wie diese Frage zumeist von den Konfessionen behandelt wird, ersehen, daß in dieser Behandlung stark auf den egoistischen Trieb der Menschen gerechnet wird. Reden doch die Konfessionen zumeist-allerdings aus tieferen Untergründen heraus, die wir heute nicht besprechen wollen —, indem sie über die Unsterblichkeit reden, von dem Fortleben der Seele nach dem Tode, das heißt, sie reden von der Fortsetzung des menschlichen Seelenlebens nach dem Tode. Man kann verhältnismäßig leicht zu den Menschen sprechen, wenn man von diesem Gesichtspunkte aus über die Unsterblichkeit spricht, denn der menschliche Egoismus macht sich in dieser Frage gerade im eminentesten Sinne geltend. Er kann es einfach nicht ertragen — jetzt ganz abgesehen von allen Wahrheiten auf diesem Gebiete —, nicht fortzuleben nach dem Tode, so daß wir immer eine gewisse verständnisvolle Seite in der menschlichen Seele finden, wenn wir vom Leben nach dem Tode sprechen. Und Sie können ganz sicher sein: diejenigen Menschen, welche der Unsterblichkeitsfrage, so wie sie heute zumeist behandelt wird, Interesse entgegenbringen, sie bringen ihr von diesem Gesichtspunkte aus ein egoistisches Interesse entgegen. Sie möchten nicht seelisch auch sterben. Selbstverständlich wird auch jede Zukunftsanschauung, die über die Unsterblichkeit der Seele sprechen wird, von dem Fortleben der Seele nach dem Tode zu sprechen haben, denn man hat es dabei, wie Sie alle aus der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft wissen, mit einer Tatsache der Wirklichkeit zu tun. Aber die Art, wie in der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft über das Fortleben der seele nach dem physischen Tode des Menschen gesprochen wird, ist von den Konfessionen noch längst nicht angenommen.
[ 3 ] Nun können Sie aber die Frage aufwerfen, und die muß im Anschluß an unsere gestrige Betrachtung aufgeworfen werden: Wie kommt der Mensch zunächst dazu, sich mit den geistigen Welten so zu befassen, daß er auch in der Zukunft der Erdenentwicklung seine Beziehungen zu den höheren Hierarchien aufrechterhalten kann? Da werde ich Ihnen Dinge zu sagen haben, die zunächst scheinbar mit dieser Frage nicht viel zu tun haben. Aber wir werden sehen, daß gerade diese Dinge uns die Grundlagen dafür schaffen, von der Gegenwart ab in die Zukunft hinein, unsere Beziehung zur geistigen Welt wieder neu herzustellen. Das erste, auf das wir da unseren Blick lenken müssen, ist die Wirksamkeit der verschiedenen Konfessionen, der verschiedenen konfessionellen Bekenntnisse, die es in der zivilisierten Menschheit gibt. Bis jetzt lag eine gewisse Notwendigkeit vor, daß die Konfessionen Herz und Sinn der Menschenseele so zur geistigen Welt hinlenkten, wie sie das getan haben. In Zukunft werden die Konfessionen entweder dazu beitragen, den Menschen von der geistigen Welt abzuschnüren, oder sie werden in ihre Bestrebungen etwas ganz Neues eintreten lassen müssen. Die Konfessionen der Gegenwart sind im Grunde genommen auf dem Egoismus der Menschen aufgebaut, und wir brauchen nur eine der allerwichtigsten Fragen vor unsere Seele hinzustellen, die das Leitmotiv für die konfessionellen Betrachtungen bildet und bilden muß: die Frage nach der Unsterblichkeit der Menschenseele — und wir können an der Art, wie diese Frage zumeist von den Konfessionen behandelt wird, ersehen, daß in dieser Behandlung stark auf den egoistischen Trieb der Menschen gerechnet wird. Reden doch die Konfessionen zumeist-allerdings aus tieferen Untergründen heraus, die wir heute nicht besprechen wollen —, indem sie über die Unsterblichkeit reden, von dem Fortleben der Seele nach dem Tode, das heißt, sie reden von der Fortsetzung des menschlichen Seelenlebens nach dem Tode. Man kann verhältnismäßig leicht zu den Menschen sprechen, wenn man von diesem Gesichtspunkte aus über die Unsterblichkeit spricht, denn der menschliche Egoismus macht sich in dieser Frage gerade im eminentesten Sinne geltend. Er kann es einfach nicht ertragen — jetzt ganz abgesehen von allen Wahrheiten auf diesem Gebiete —, nicht fortzuleben nach dem Tode, so daß wir immer eine gewisse verständnisvolle Seite in der menschlichen Seele finden, wenn wir vom Leben nach dem Tode sprechen. Und Sie können ganz sicher sein: diejenigen Menschen, welche der Unsterblichkeitsfrage, so wie sie heute zumeist behandelt wird, Interesse entgegenbringen, sie bringen ihr von diesem Gesichtspunkte aus ein egoistisches Interesse entgegen. Sie möchten nicht seelisch auch sterben. Selbstverständlich wird auch jede Zukunftsanschauung, die über die Unsterblichkeit der Seele sprechen wird, von dem Fortleben der Seele nach dem Tode zu sprechen haben, denn man hat es dabei, wie Sie alle aus der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft wissen, mit einer Tatsache der Wirklichkeit zu tun. Aber die Art, wie in der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft über das Fortleben der seele nach dem physischen Tode des Menschen gesprochen wird, ist von den Konfessionen noch längst nicht angenommen.
[ 4 ] Aber auch ein anderes ist wichtig: daß die Menschen der Gegenwart noch eine ganz andere Sprache über die Unsterblichkeit hören müssen, als sie bisher zu hören gewohnt gewesen sind. Nicht allein wird der, welcher die Unsterblichkeitsfrage besprechen wird, anführen dürfen das Leben nach dem Tode, sondern auch jenes Leben, welches hier in der physischen Welt gelebt wird von der Geburt bis zum Tode. Denn Sie wissen, dieses Leben ist ja auch eine Fortsetzung. Es ist die Fortsetzung desjenigen Lebens, welches wir zwischen unserem letzten Tode und jener Geburt zugebracht haben, durch die wir in dieses physische Dasein hereingetreten sind. Und die Menschheit wird dieses physische Leben zwischen Geburt und Tod anschauen lernen müssen als die Fortsetzung des geistigen Lebens vor der Geburt beziehungsweise vor der Empfängnis. Denn in jedem aufwachsenden Kinde werden wir von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Jahr zu Jahr aus dem Inneren aufsteigen sehen müssen, was als Kräfte herauskommt aus den geistigen Welten, was durch die Geburt tritt und arbeitet an der allmählichen Ausgestaltung des Menschenwesens von der Geburt in die späteren Jahre hinein. Enträtseln werden wir gewissermaßen müssen den Gott im Menschen, indem wir in das Leben des Kindes entwickelnd eingreifen. Soziale Beziehungen zwischen den Menschen werden in gewisser Weise etwas aufnehmen müssen von einem religiösen Impuls, der unser ganzes soziales Leben auch im Verkehr von Mensch zu Mensch durchzieht. Aber das Wichtigste, das Wesentliche wird sein, daß wir in die Lage kommen, dieses physische Leben als Fortsetzung eines geistigen, vorgeburtlichen Lebens fühlend anzuschauen, daß wir nicht in jedem Augenblick vergessen, wie der Mensch in diesem physischen Leben eine Fortsetzung hat seines vorgeburtlichen geistig-seelischen Lebens.
[ 4 ] Aber auch ein anderes ist wichtig: daß die Menschen der Gegenwart noch eine ganz andere Sprache über die Unsterblichkeit hören müssen, als sie bisher zu hören gewohnt gewesen sind. Nicht allein wird der, welcher die Unsterblichkeitsfrage besprechen wird, anführen dürfen das Leben nach dem Tode, sondern auch jenes Leben, welches hier in der physischen Welt gelebt wird von der Geburt bis zum Tode. Denn Sie wissen, dieses Leben ist ja auch eine Fortsetzung. Es ist die Fortsetzung desjenigen Lebens, welches wir zwischen unserem letzten Tode und jener Geburt zugebracht haben, durch die wir in dieses physische Dasein hereingetreten sind. Und die Menschheit wird dieses physische Leben zwischen Geburt und Tod anschauen lernen müssen als die Fortsetzung des geistigen Lebens vor der Geburt beziehungsweise vor der Empfängnis. Denn in jedem aufwachsenden Kinde werden wir von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Jahr zu Jahr aus dem Inneren aufsteigen sehen müssen, was als Kräfte herauskommt aus den geistigen Welten, was durch die Geburt tritt und arbeitet an der allmählichen Ausgestaltung des Menschenwesens von der Geburt in die späteren Jahre hinein. Enträtseln werden wir gewissermaßen müssen den Gott im Menschen, indem wir in das Leben des Kindes entwickelnd eingreifen. Soziale Beziehungen zwischen den Menschen werden in gewisser Weise etwas aufnehmen müssen von einem religiösen Impuls, der unser ganzes soziales Leben auch im Verkehr von Mensch zu Mensch durchzieht. Aber das Wichtigste, das Wesentliche wird sein, daß wir in die Lage kommen, dieses physische Leben als Fortsetzung eines geistigen, vorgeburtlichen Lebens fühlend anzuschauen, daß wir nicht in jedem Augenblick vergessen, wie der Mensch in diesem physischen Leben eine Fortsetzung hat seines vorgeburtlichen geistig-seelischen Lebens.
[ 5 ] Damit wird vieles andere verbunden sein. Damit wird verbunden sein, daß wir wieder erkennen, wie in den Tiefen unseres Wesens unsere eigentliche Menschlichkeit ruht und nach und nach herauskommt. Ich habe Sie einmal auf alte Zeiten der Menschheitsentwicklung hingewiesen, auf jene Zeiten, die wir vom anthroposophischen Standpunkte aus in der ersten, in der zweiten nachatlantischen Entwicklungsepoche der Menschheit und so weiter erkennen. Ich habe Sie darauf hingewiesen, wie damals die Menschen so entwicklungsfähig bis in ein höheres Alter hinein gewesen sind wie heute nur der ganz junge Mensch. Der ganz junge Mensch macht eine physische Entwicklung durch um das siebente Jahr, im Zahnwechsel. Er macht wieder eine in dem physischen Leben sich ausdrückende Metamorphose durch mit der Geschlechtsreife. Dann werden die Dinge, die in der Entwicklung vor sich gehen, im äußeren Leben weniger bemerkbar. So war es in alten Zeiten nicht. Da drückte sich das, was der Mensch geistig-seelisch durchmachte, bis in viel höhere Altersstufen hinauf aus. Jetzt ist das unbemerkbar. Jetzt werden wir einfach mit siebzehn, achtzehn Jahren schon alte Leute, und man erlebt es heute zu seinem Entsetzen, daß ganz junge Leute als alte Leute auftreten. Ein Beispiel: Wir haben in Stuttgart vor einiger Zeit eine Sitzung des Kulturrates gehabt, wo die Rede war über das Erziehungswesen der Gegenwart. Es wurde von den verschiedensten Gesichtspunkten aus gesprochen. Dann trat auch ein junger Mann auf, sagen wir, ein junger Mann, ich könnte auch sagen: ein älterer Knabe. Der sagte, er müsse die Gesellschaft belehren über die eigentlichen Erziehungsideale. Nun sprach er zunächst einige sehr phrasenhafte Worte, dann las er ein Programm einer gegenwärtigen Erziehungsgesellschaft vor, das nun allerdings so war, daß er fortwährend unterbrochen wurde. Er konnte nicht weiterreden, so daß er seine Rede abschloß, was er dann mit den Worten tat: Ich muß also konstatieren, daß jetzt das Alter seine eigene Jugend nicht mehr versteht. — Dann trat er ab. — Nun hatte ich darauf erwidert, daß ich ja allerdings begreife, daß man ihn nicht verstanden habe, aber aus dem einfachen Grunde, weil er viel zu senil geredet hat, weil er viel zu greisenhaft aufgetreten ist. Er ist nämlich aufgetreten mit Grundsätzen, die nun wirklich das Äußerste an Abstraktionen waren — greisenhaft! Denn was ist das Wesen des heutigen Greisenhaften? Das ist es, daß der Mensch gewöhnlich nur bis zu einem gewissen Lebensalter entwicklungsfähig ist; dann nimmt er allerlei auf, da schämt er sich auch noch nicht, sich zu entwickeln. Dann sind die Jahre da, wo es gegen die zwanzig Jahre hingeht, da schämt er sich, sich weiter zu entwickeln. Wir erleben es heute sehr selten, daß Menschen, die bereits graue Haare haben und Runzeln im Gesicht, sich freuen auf jedes kommende Jahr, aus dem Grunde, weil jedes kommende Jahr dem Organismus neue Entwicklungsmöglichkeiten bietet, so daß man in jedem neuen Jahr etwas Neues lernen könnte, was man früher einfach deshalb nicht lernen konnte, weil man den Organismus dazu nicht hatte. Aber die Menschen lassen heute nicht den Organismus sich entwickeln. Sie schämen sich, noch etwas zu lernen, sich entwicklungsfähig zu machen, wenn sie das jugendliche Alter von dreißig Jahren erreicht haben. Worauf es ankommt, das ist, daß der Mensch in der Tat die Möglichkeit behält, das ganze Leben hindurch sich auf jedes neue Jahr zu freuen, weil jedes Jahr die göttlich-geistigen Inhalte seines Inneren in neuen Gestalten hervorzaubert. Das ist etwas, was ich damit bezeichnen möchte, daß wir in Wahrheit und Wirklichkeit lernen müssen, nicht bloß unsere Jugend als entwicklungsfähig zu erleben, sondern das ganze Dasein zwischen Geburt und Tod. Dazu wird natürlich eine neue Erziehung notwendig sein. Indem unsere alten Leute an ihre Schuljahre zurückdenken, denken sie gewöhnlich an nichts Angenehmes zurück. Wir müssen in die Lage kommen, die Schuljahre so zu gestalten, daß sie, wenn wir uns an sie zurückerinnern, immer ein neuer Quell des Auflebens für uns sind. Sie sehen daraus, daß der Mensch sich auch in dieser Beziehung die Möglichkeit eröffnen kann, das Göttlich-Geistige in seinem Inneren wirklich wahrzunehmen, etwas in sich zu erleben, was über das von außen angeregte und erregte Leben hinausgeht.
[ 5 ] Damit wird vieles andere verbunden sein. Damit wird verbunden sein, daß wir wieder erkennen, wie in den Tiefen unseres Wesens unsere eigentliche Menschlichkeit ruht und nach und nach herauskommt. Ich habe Sie einmal auf alte Zeiten der Menschheitsentwicklung hingewiesen, auf jene Zeiten, die wir vom anthroposophischen Standpunkte aus in der ersten, in der zweiten nachatlantischen Entwicklungsepoche der Menschheit und so weiter erkennen. Ich habe Sie darauf hingewiesen, wie damals die Menschen so entwicklungsfähig bis in ein höheres Alter hinein gewesen sind wie heute nur der ganz junge Mensch. Der ganz junge Mensch macht eine physische Entwicklung durch um das siebente Jahr, im Zahnwechsel. Er macht wieder eine in dem physischen Leben sich ausdrückende Metamorphose durch mit der Geschlechtsreife. Dann werden die Dinge, die in der Entwicklung vor sich gehen, im äußeren Leben weniger bemerkbar. So war es in alten Zeiten nicht. Da drückte sich das, was der Mensch geistig-seelisch durchmachte, bis in viel höhere Altersstufen hinauf aus. Jetzt ist das unbemerkbar. Jetzt werden wir einfach mit siebzehn, achtzehn Jahren schon alte Leute, und man erlebt es heute zu seinem Entsetzen, daß ganz junge Leute als alte Leute auftreten. Ein Beispiel: Wir haben in Stuttgart vor einiger Zeit eine Sitzung des Kulturrates gehabt, wo die Rede war über das Erziehungswesen der Gegenwart. Es wurde von den verschiedensten Gesichtspunkten aus gesprochen. Dann trat auch ein junger Mann auf, sagen wir, ein junger Mann, ich könnte auch sagen: ein älterer Knabe. Der sagte, er müsse die Gesellschaft belehren über die eigentlichen Erziehungsideale. Nun sprach er zunächst einige sehr phrasenhafte Worte, dann las er ein Programm einer gegenwärtigen Erziehungsgesellschaft vor, das nun allerdings so war, daß er fortwährend unterbrochen wurde. Er konnte nicht weiterreden, so daß er seine Rede abschloß, was er dann mit den Worten tat: Ich muß also konstatieren, daß jetzt das Alter seine eigene Jugend nicht mehr versteht. — Dann trat er ab. — Nun hatte ich darauf erwidert, daß ich ja allerdings begreife, daß man ihn nicht verstanden habe, aber aus dem einfachen Grunde, weil er viel zu senil geredet hat, weil er viel zu greisenhaft aufgetreten ist. Er ist nämlich aufgetreten mit Grundsätzen, die nun wirklich das Äußerste an Abstraktionen waren — greisenhaft! Denn was ist das Wesen des heutigen Greisenhaften? Das ist es, daß der Mensch gewöhnlich nur bis zu einem gewissen Lebensalter entwicklungsfähig ist; dann nimmt er allerlei auf, da schämt er sich auch noch nicht, sich zu entwickeln. Dann sind die Jahre da, wo es gegen die zwanzig Jahre hingeht, da schämt er sich, sich weiter zu entwickeln. Wir erleben es heute sehr selten, daß Menschen, die bereits graue Haare haben und Runzeln im Gesicht, sich freuen auf jedes kommende Jahr, aus dem Grunde, weil jedes kommende Jahr dem Organismus neue Entwicklungsmöglichkeiten bietet, so daß man in jedem neuen Jahr etwas Neues lernen könnte, was man früher einfach deshalb nicht lernen konnte, weil man den Organismus dazu nicht hatte. Aber die Menschen lassen heute nicht den Organismus sich entwickeln. Sie schämen sich, noch etwas zu lernen, sich entwicklungsfähig zu machen, wenn sie das jugendliche Alter von dreißig Jahren erreicht haben. Worauf es ankommt, das ist, daß der Mensch in der Tat die Möglichkeit behält, das ganze Leben hindurch sich auf jedes neue Jahr zu freuen, weil jedes Jahr die göttlich-geistigen Inhalte seines Inneren in neuen Gestalten hervorzaubert. Das ist etwas, was ich damit bezeichnen möchte, daß wir in Wahrheit und Wirklichkeit lernen müssen, nicht bloß unsere Jugend als entwicklungsfähig zu erleben, sondern das ganze Dasein zwischen Geburt und Tod. Dazu wird natürlich eine neue Erziehung notwendig sein. Indem unsere alten Leute an ihre Schuljahre zurückdenken, denken sie gewöhnlich an nichts Angenehmes zurück. Wir müssen in die Lage kommen, die Schuljahre so zu gestalten, daß sie, wenn wir uns an sie zurückerinnern, immer ein neuer Quell des Auflebens für uns sind. Sie sehen daraus, daß der Mensch sich auch in dieser Beziehung die Möglichkeit eröffnen kann, das Göttlich-Geistige in seinem Inneren wirklich wahrzunehmen, etwas in sich zu erleben, was über das von außen angeregte und erregte Leben hinausgeht.
[ 6 ] Noch andere Dinge werden in der Gegenwart notwendig erkannt werden müssen. Die Menschen wissen heute noch nicht ein Geheimnis des Lebens, das mit dem gegenwärtigen Entwicklungszeitpunkt der Menschheit innig zusammenhängt. In älteren Zeiten, vor der Mitte des 15. Jahrhunderts, brauchte man auf dieses Geheimnis keine große Rücksicht zu nehmen. Heute ist es notwendig, darauf hinzuschauen. Dieses Geheimnis des Lebens besteht darin, daß der Mensch, wie er jetzt konstituiert ist — leiblich, seelisch, geistig —, in der Nacht in einer gewissen Weise jedesmal auf die Ereignisse des kommenden Tages blickt, aber so, daß er diese Ereignisse des kommenden Tages nicht immer braucht im vollen Tagesbewußtsein zu haben. Der es hat, das ist sein Angelos. Also, was in einer Nacht erlebt wird in der Gemeinschaft mit dem Wesen, das wir als Engel bezeichnen, ist eine Vorschau auf den kommenden Tag. Nun müssen Sie das nicht vom Standpunkte der menschlichen Neugier aus betrachten, das wäre ein ganz falscher Gesichtspunkt, sondern vom Standpunkt des praktischen Lebens aus. Nur dann, wenn der Mensch ganz innerlich durchdrungen ist von dieser Gesinnung, wird er in der richtigen Weise Entschlüsse fassen, wird er Gedanken herübernehmen in seinen Tageslauf hinein. Nehmen wir an, ganz konkret, der Mensch solle zu irgendeiner Tageszeit, zum Beispiel um zwölf Uhr, etwas tun. Über das, was er da tun soll, war schon Verhandlung zwischen ihm und seinem Angelos in der vorhergehenden Nacht. Das ist so mit dem Menschen seit der Mitte des 15. Jahrhunderts. Er braucht es nicht im Bewußtsein zu haben, es ist nicht auf seine Neugier abgesehen. Aber der Mensch sollte von dieser Gesinnung durchdrungen sein, daß er das, was er mit seinem Engelwesen in der vorhergehenden Nacht verhandelt hat, fruchtbar machen soll im Laufe des Tages.
[ 6 ] Noch andere Dinge werden in der Gegenwart notwendig erkannt werden müssen. Die Menschen wissen heute noch nicht ein Geheimnis des Lebens, das mit dem gegenwärtigen Entwicklungszeitpunkt der Menschheit innig zusammenhängt. In älteren Zeiten, vor der Mitte des 15. Jahrhunderts, brauchte man auf dieses Geheimnis keine große Rücksicht zu nehmen. Heute ist es notwendig, darauf hinzuschauen. Dieses Geheimnis des Lebens besteht darin, daß der Mensch, wie er jetzt konstituiert ist — leiblich, seelisch, geistig —, in der Nacht in einer gewissen Weise jedesmal auf die Ereignisse des kommenden Tages blickt, aber so, daß er diese Ereignisse des kommenden Tages nicht immer braucht im vollen Tagesbewußtsein zu haben. Der es hat, das ist sein Angelos. Also, was in einer Nacht erlebt wird in der Gemeinschaft mit dem Wesen, das wir als Engel bezeichnen, ist eine Vorschau auf den kommenden Tag. Nun müssen Sie das nicht vom Standpunkte der menschlichen Neugier aus betrachten, das wäre ein ganz falscher Gesichtspunkt, sondern vom Standpunkt des praktischen Lebens aus. Nur dann, wenn der Mensch ganz innerlich durchdrungen ist von dieser Gesinnung, wird er in der richtigen Weise Entschlüsse fassen, wird er Gedanken herübernehmen in seinen Tageslauf hinein. Nehmen wir an, ganz konkret, der Mensch solle zu irgendeiner Tageszeit, zum Beispiel um zwölf Uhr, etwas tun. Über das, was er da tun soll, war schon Verhandlung zwischen ihm und seinem Angelos in der vorhergehenden Nacht. Das ist so mit dem Menschen seit der Mitte des 15. Jahrhunderts. Er braucht es nicht im Bewußtsein zu haben, es ist nicht auf seine Neugier abgesehen. Aber der Mensch sollte von dieser Gesinnung durchdrungen sein, daß er das, was er mit seinem Engelwesen in der vorhergehenden Nacht verhandelt hat, fruchtbar machen soll im Laufe des Tages.
[ 7 ] Es gibt mancherlei in der Gegenwart, das in erschütternder Weise die Menschen auf dasjenige hinweisen kann, was ich jetzt zu Ihnen gesagt habe. Gerade die Schmerzensjahre, die letzten vier bis fünf Jahre, können diese große Lehre auch in die Menschheit hereinträufeln, daß dieses Bewußtsein von dem Verbundensein mit den höheren Wesenheiten an jedem Tag durch die Erlebnisse der vorhergehenden Nacht leider nicht vorhanden war. Was alles wäre anders geworden in den letzten vier bis fünf Jahren, wenn diese Gesinnung die Menschen durchdrungen hätte: Was du tust, das tust du im Einklange mit den Verhandlungen mit deinem Engelwesen im Laufe der letzten Nacht. — Das sind Dinge, von denen heute gesprochen werden muß. Es muß davon gesprochen werden, daß der Mensch wird lernen müssen, dieses Leben zwischen Geburt und Tod als eine Fortsetzung des geistig-seelischen Lebens anzusehen, das er vor der Geburt zugebracht hat. Davon muß gesprochen werden, daß der Mensch die Offenbarungen des Gottes in seinem Wesen durch sein ganzes Leben hindurch soll erfahren können. Und davon muß gesprochen werden, daß der Mensch ein starkes Bewußtsein durch das ganze Tagesleben tragen soll: Was du tust vom Morgen bis zum Abend, das hast du vorher in der Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen mit deinem Engelwesen verhandelt.
[ 7 ] Es gibt mancherlei in der Gegenwart, das in erschütternder Weise die Menschen auf dasjenige hinweisen kann, was ich jetzt zu Ihnen gesagt habe. Gerade die Schmerzensjahre, die letzten vier bis fünf Jahre, können diese große Lehre auch in die Menschheit hereinträufeln, daß dieses Bewußtsein von dem Verbundensein mit den höheren Wesenheiten an jedem Tag durch die Erlebnisse der vorhergehenden Nacht leider nicht vorhanden war. Was alles wäre anders geworden in den letzten vier bis fünf Jahren, wenn diese Gesinnung die Menschen durchdrungen hätte: Was du tust, das tust du im Einklange mit den Verhandlungen mit deinem Engelwesen im Laufe der letzten Nacht. — Das sind Dinge, von denen heute gesprochen werden muß. Es muß davon gesprochen werden, daß der Mensch wird lernen müssen, dieses Leben zwischen Geburt und Tod als eine Fortsetzung des geistig-seelischen Lebens anzusehen, das er vor der Geburt zugebracht hat. Davon muß gesprochen werden, daß der Mensch die Offenbarungen des Gottes in seinem Wesen durch sein ganzes Leben hindurch soll erfahren können. Und davon muß gesprochen werden, daß der Mensch ein starkes Bewußtsein durch das ganze Tagesleben tragen soll: Was du tust vom Morgen bis zum Abend, das hast du vorher in der Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen mit deinem Engelwesen verhandelt.
[ 8 ] Zu solchen Empfindungen, die viel konkretere Empfindungen gegenüber der geistigen Welt sind als die heutigen abstrakteren der Konfessionen, und die zu gleicher Zeit voraussetzen, daß nicht an die egoistischen, sondern an die unegoistischen Triebe der menschlichen Wesenheit appelliert werde, zu solchen Empfindungen müssen sich die Menschen wenden. Und aus solchen Empfindungen heraus wird das entstehen, was die notwendige Beziehung abgeben wird zu jenen Wesenheiten, die der Hierarchie der Angeloi angehören. Dann werden sich diese Wesenheiten wieder für den Menschen interessieren können. Die Gesinnung der Menschen gegenüber der geistigen Welt muß in dieser angegebenen Richtung sich bewegen.
[ 8 ] Zu solchen Empfindungen, die viel konkretere Empfindungen gegenüber der geistigen Welt sind als die heutigen abstrakteren der Konfessionen, und die zu gleicher Zeit voraussetzen, daß nicht an die egoistischen, sondern an die unegoistischen Triebe der menschlichen Wesenheit appelliert werde, zu solchen Empfindungen müssen sich die Menschen wenden. Und aus solchen Empfindungen heraus wird das entstehen, was die notwendige Beziehung abgeben wird zu jenen Wesenheiten, die der Hierarchie der Angeloi angehören. Dann werden sich diese Wesenheiten wieder für den Menschen interessieren können. Die Gesinnung der Menschen gegenüber der geistigen Welt muß in dieser angegebenen Richtung sich bewegen.
[ 9 ] Noch etwas muß durchschaut werden. Sie wissen, die gegenwärtigen Konfessionen reden viel von Gott und dem Göttlichen. Von was reden sie eigentlich? Sie reden natürlich nur von dem, wovon ein wenigstens ahnendes Bewußtsein in der Menschenseele vorhanden ist. Es kommt ja nicht darauf an, wie man eine Sache nennt, sondern was in der Menschenseele vorhanden ist. Die Menschen reden von Gott, sie reden von dem Christus, aber sie meinen immer nur den Engel. Denn das ist noch dasjenige, zu dem sich die Menschen wenden können, weil das noch einen verwandten Ton in ihren Seelen anschlägt. Gleichgültig, wovon heute die Konfessionen reden, ob von Gott oder Christus oder irgend etwas anderem, das Gedankenmaterial, aus dem heraus gesprochen wird, umfaßt nur die zu den Menschen gehörigen Engelwesen, die Angeloi. Höher kommt es heute nicht als bis in diese Hierarchie, weil die Menschen heute abgeneigt sind, in einer noch umfassenderen Weise als aus dem Egoismus heraus ihr Verhältnis zur geistigen Welt zu suchen. Das Verhältnis zu den Archangeloi, zu der Hierarchie der Erzengel, muß eben in anderer Weise gesucht werden. Die Interessen, welche die Menschen heute haben, müssen wesentlich erweitert werden. Ich will Ihnen eine Probe geben, wie die Interessen der Menschen erweitert werden müssen, so daß sie in ihren Empfindungen aufsteigen können von der Hinneigung zu den Angeloi bis hinauf zu den Archangeloi.
[ 9 ] Noch etwas muß durchschaut werden. Sie wissen, die gegenwärtigen Konfessionen reden viel von Gott und dem Göttlichen. Von was reden sie eigentlich? Sie reden natürlich nur von dem, wovon ein wenigstens ahnendes Bewußtsein in der Menschenseele vorhanden ist. Es kommt ja nicht darauf an, wie man eine Sache nennt, sondern was in der Menschenseele vorhanden ist. Die Menschen reden von Gott, sie reden von dem Christus, aber sie meinen immer nur den Engel. Denn das ist noch dasjenige, zu dem sich die Menschen wenden können, weil das noch einen verwandten Ton in ihren Seelen anschlägt. Gleichgültig, wovon heute die Konfessionen reden, ob von Gott oder Christus oder irgend etwas anderem, das Gedankenmaterial, aus dem heraus gesprochen wird, umfaßt nur die zu den Menschen gehörigen Engelwesen, die Angeloi. Höher kommt es heute nicht als bis in diese Hierarchie, weil die Menschen heute abgeneigt sind, in einer noch umfassenderen Weise als aus dem Egoismus heraus ihr Verhältnis zur geistigen Welt zu suchen. Das Verhältnis zu den Archangeloi, zu der Hierarchie der Erzengel, muß eben in anderer Weise gesucht werden. Die Interessen, welche die Menschen heute haben, müssen wesentlich erweitert werden. Ich will Ihnen eine Probe geben, wie die Interessen der Menschen erweitert werden müssen, so daß sie in ihren Empfindungen aufsteigen können von der Hinneigung zu den Angeloi bis hinauf zu den Archangeloi.
[ 10 ] Da müssen die Menschen ungefähr folgendes in ihren Seelen durchmachen und sich sagen: Wir haben in den letzten vier bis fünf Jahren furchtbare Ereignisse über die ganze zivilisierte Welt hin erlebt. Viele Menschen haben nach den Gründen dieser Ereignisse gefragt, viele haben sich gegenseitig angeklagt. Von Schuld und Unschuld hat man viel gesprochen. Und dennoch, man braucht nur die alleräußerste Oberflächlichkeit abzulegen, so wird man nicht viel Interesse haben können für solches Gerede von Ursachen, von Schuld und Unschuld, aus dem einfachen Grunde, weil man doch sehen kann, daß das, was in den letzten vier bis fünf Jahren an die Oberfläche getragen worden ist, sich ausnimmt wie die Wogen des Meeres, welche durch die Kräfte des Meeres aus den Untergründen an die Oberfläche heraufgetragen werden. Es war ja so, daß von Jahr zu Jahr die Kräfte der Menschheit mehr aufgewühlt wurden. Ein Volk nach dem anderen nahm teil an der großen Menschentorheit der letzten Jahre, und man konnte nur sagen: Da wühlt etwas an elementaren Kräften, wird an die Oberfläche geworfen. Das Meer des Menschenlebens ist unruhig geworden. Was ist das?
[ 10 ] Da müssen die Menschen ungefähr folgendes in ihren Seelen durchmachen und sich sagen: Wir haben in den letzten vier bis fünf Jahren furchtbare Ereignisse über die ganze zivilisierte Welt hin erlebt. Viele Menschen haben nach den Gründen dieser Ereignisse gefragt, viele haben sich gegenseitig angeklagt. Von Schuld und Unschuld hat man viel gesprochen. Und dennoch, man braucht nur die alleräußerste Oberflächlichkeit abzulegen, so wird man nicht viel Interesse haben können für solches Gerede von Ursachen, von Schuld und Unschuld, aus dem einfachen Grunde, weil man doch sehen kann, daß das, was in den letzten vier bis fünf Jahren an die Oberfläche getragen worden ist, sich ausnimmt wie die Wogen des Meeres, welche durch die Kräfte des Meeres aus den Untergründen an die Oberfläche heraufgetragen werden. Es war ja so, daß von Jahr zu Jahr die Kräfte der Menschheit mehr aufgewühlt wurden. Ein Volk nach dem anderen nahm teil an der großen Menschentorheit der letzten Jahre, und man konnte nur sagen: Da wühlt etwas an elementaren Kräften, wird an die Oberfläche geworfen. Das Meer des Menschenlebens ist unruhig geworden. Was ist das?
[ 11 ] Man wird nicht darüber zur Klarheit kommen, wenn man diese Tatsache, daß die Menschheit in eine solche Unruhe gekommen ist, nicht ausdehnt auf den Zeitraum, den man als Geschichte bezeichnet. Man wird sich sagen müssen: Was in den letzten vier bis fünf Jahren als Waffenkampf geschehen ist, das ist nur der Anfang von Ereignissen, die sich auf einem ganz anderen Gebiete abspielen werden, die aber in ihrer Art auch noch nicht in der Menschheit dagewesen sind. Wir stehen nicht am Ende — das sagt sich nur eine oberflächliche Betrachtung der Menschheitsentwicklung —, wir stehen am Ausgangspunkte der größten Kämpfe, der geistigen Kämpfe der zivilisierten Welt. Und alle Sorge müssen wir darauf wenden, diesen Kämpfen gewachsen zu sein. Orient und Okzident drohen immer mehr und mehr, in den nächsten Zeiten seelenhaft einander gegenüberzustehen. Denn Orient und Okzident haben sich nach zwei ganz verschiedenen Richtungen hin entwickelt. Will man in diese Dinge hineinschauen, dann muß man sich gewisse Erscheinungen der Gegenwart tief-gründlich als Rätsel vorlegen.
[ 11 ] Man wird nicht darüber zur Klarheit kommen, wenn man diese Tatsache, daß die Menschheit in eine solche Unruhe gekommen ist, nicht ausdehnt auf den Zeitraum, den man als Geschichte bezeichnet. Man wird sich sagen müssen: Was in den letzten vier bis fünf Jahren als Waffenkampf geschehen ist, das ist nur der Anfang von Ereignissen, die sich auf einem ganz anderen Gebiete abspielen werden, die aber in ihrer Art auch noch nicht in der Menschheit dagewesen sind. Wir stehen nicht am Ende — das sagt sich nur eine oberflächliche Betrachtung der Menschheitsentwicklung —, wir stehen am Ausgangspunkte der größten Kämpfe, der geistigen Kämpfe der zivilisierten Welt. Und alle Sorge müssen wir darauf wenden, diesen Kämpfen gewachsen zu sein. Orient und Okzident drohen immer mehr und mehr, in den nächsten Zeiten seelenhaft einander gegenüberzustehen. Denn Orient und Okzident haben sich nach zwei ganz verschiedenen Richtungen hin entwickelt. Will man in diese Dinge hineinschauen, dann muß man sich gewisse Erscheinungen der Gegenwart tief-gründlich als Rätsel vorlegen.
[ 12 ] Seit Jahrzehnten schon konnte man in sozialistischen Kreisen aus der Marxistischen Weltanschauung heraus hören, daß alles, was die Menschen als Kunst, Religion, als Sitte, Recht, Wissenschaft erleben, Ideologie ist. Ich habe das ausführlicher dargestellt in dem ersten Kapitel der «Kernpunkte der sozialen Frage». Das heißt, was in den bürgerlich führenden Kreisen seit drei bis vier Jahrhunderten als eine Lebensauffassung sich entwickelt hat, was aber aus einer gewissen Feigheit die bürgerlichen Kreise sich nicht gestanden haben, das haben sich aus einer Wahrheit heraus die sozialistischen Kreise des letzten halben Jahrhunderts gestanden. Sie haben gesagt: Die wahre Wirklichkeit des sozialen Lebens besteht nur in dem, was wirklich vor sich geht, in den ökonomischen Kräften der Wirtschaftliegtallein das Reale. Was sich in der Menschheit ausbildete als Kunst, Religion, Sitte, als Wissenschaft, als Recht, als Moral, das ist nur etwas wie ein aufsteigender Rauch aus der wahren Wirklichkeit. Das ist bloß Ideologie, das hat keine Wirklichkeit, das hat nur eine Scheinwirklichkeit. — Damit hängt ja für das soziale Streben der sozialistischen Parteien in der neueren Zeit das zusammen, daß diese Parteien sagen: Wir brauchen nur das Wirtschaftsleben umzuändern, dann ändert sich mit dem Wirtschaftsleben auch alles andere. Denn das andere, Moral, Sitte, Recht, Religion und so weiter ist ja nur etwas, was als Rauch aufsteigt, als ein Unwirkliches, als Ideologie, aus dem einzig Wirklichen, aus dem wirtschaftlichen Geschehen.
[ 12 ] Seit Jahrzehnten schon konnte man in sozialistischen Kreisen aus der Marxistischen Weltanschauung heraus hören, daß alles, was die Menschen als Kunst, Religion, als Sitte, Recht, Wissenschaft erleben, Ideologie ist. Ich habe das ausführlicher dargestellt in dem ersten Kapitel der «Kernpunkte der sozialen Frage». Das heißt, was in den bürgerlich führenden Kreisen seit drei bis vier Jahrhunderten als eine Lebensauffassung sich entwickelt hat, was aber aus einer gewissen Feigheit die bürgerlichen Kreise sich nicht gestanden haben, das haben sich aus einer Wahrheit heraus die sozialistischen Kreise des letzten halben Jahrhunderts gestanden. Sie haben gesagt: Die wahre Wirklichkeit des sozialen Lebens besteht nur in dem, was wirklich vor sich geht, in den ökonomischen Kräften der Wirtschaftliegtallein das Reale. Was sich in der Menschheit ausbildete als Kunst, Religion, Sitte, als Wissenschaft, als Recht, als Moral, das ist nur etwas wie ein aufsteigender Rauch aus der wahren Wirklichkeit. Das ist bloß Ideologie, das hat keine Wirklichkeit, das hat nur eine Scheinwirklichkeit. — Damit hängt ja für das soziale Streben der sozialistischen Parteien in der neueren Zeit das zusammen, daß diese Parteien sagen: Wir brauchen nur das Wirtschaftsleben umzuändern, dann ändert sich mit dem Wirtschaftsleben auch alles andere. Denn das andere, Moral, Sitte, Recht, Religion und so weiter ist ja nur etwas, was als Rauch aufsteigt, als ein Unwirkliches, als Ideologie, aus dem einzig Wirklichen, aus dem wirtschaftlichen Geschehen.
[ 13 ] Wer aber die Welt nicht im Kleinen, sondern im Großen betrachtet, der nimmt Stellung zu diesem Wort «Ideologie», das die bürgerlichen Kreise hätten sagen können seit drei bis vier Jahrhunderten. Sie waren nur zu feige dazu, sie haben gefühlt, daß das ökonomische Leben das einzig wirkliche ist und daß das, was als Wissenschaft, Kunst, Religion und so weiter herausgeholt ist, nur wie ein Rauch ist. Das ganze Leben war so, und nur die letzte Konsequenz ist von den Schülern dieser bürgerlichen Welt gezogen worden. Denn die Sozialisten sind nur die Schüler dieser bürgerlichen Welt, haben sie nur ins Extrem geführt. Was ich aber jetzt gesagt habe, ist die Anschauung, die sich im Okzident herausbildete, und die dort gerade in der zweiten Hälfte des 19. und im 20. Jahrhundert zu ihrem Gipfel gekommen ist.
[ 13 ] Wer aber die Welt nicht im Kleinen, sondern im Großen betrachtet, der nimmt Stellung zu diesem Wort «Ideologie», das die bürgerlichen Kreise hätten sagen können seit drei bis vier Jahrhunderten. Sie waren nur zu feige dazu, sie haben gefühlt, daß das ökonomische Leben das einzig wirkliche ist und daß das, was als Wissenschaft, Kunst, Religion und so weiter herausgeholt ist, nur wie ein Rauch ist. Das ganze Leben war so, und nur die letzte Konsequenz ist von den Schülern dieser bürgerlichen Welt gezogen worden. Denn die Sozialisten sind nur die Schüler dieser bürgerlichen Welt, haben sie nur ins Extrem geführt. Was ich aber jetzt gesagt habe, ist die Anschauung, die sich im Okzident herausbildete, und die dort gerade in der zweiten Hälfte des 19. und im 20. Jahrhundert zu ihrem Gipfel gekommen ist.
[ 14 ] Aus anderen Impulsen heraus stellt sich etwas hin im Orient, der eine Weltanschauung ausgebildet hat, die da sagt: Ich blicke hin auf das, was äußerlich in der Welt vorgeht. Ich sehe auf das, was meine Sinne mir als Eindrücke übermitteln, ich sehe auf das, was ich als Werkzeug benutze, um die Welt umzuändern, ich sehe auf das, was aus den Sternen herunterscheint zu mir, ich sehe auf das, was ich selbst leiblich bin. Was ist das alles? — Maja ist es. Was ist dagegen die wahre Wirklichkeit, was ist nicht Täuschung? Was im Inneren der menschlichen Seele erlebt wird, das ist die Wirklichkeit. — Wer nicht lexikographisch, wobei nichts herauskommt, sondern innerlich übersetzt, der weiß, dasselbe Wort, das im Orient Maja heißt, heißt im Okzident Ideologie. Der Orientale hat seit Jahrtausenden die Welt draußen, die auf unsere Sinne wirkt, auch die Wirtschaft, als Maja angesehen. Der Okzidentale dagegen sieht in dem, was äußerlich ist, was für den Orientalen Maja ist, die Wirklichkeit, und was in der Seele aufsteigt, das ist ihm Ideologie. Beide Weltanschauungen haben es bis zu einer gewissen Stufe gebracht. Fragen Sie heute noch die führenden Persönlichkeiten der sozialistischen Parteien, namentlich in denjenigen Gegenden, wo die erste Revolution noch nicht eingetreten ist — die man hier als die Novemberrevolution aufzufassen hat. Diese Revolution hat allerdings auch die Begriffe bei den sozialistischen Führern etwas umgeändert. Nicht die Empfindungen, aber die Begriffe —; bei ihnen hören Sie auch heute noch das, was man bis zur Kriegskatastrophe gehört hat, die Anschauung, daß man nicht aus dem Willen heraus etwas beizutragen brauche zur Umwandlung, zur Revolutionierung der Welt, sondern daß das von selbst eintreten werde. Etwas Fatalistisches war im Okzident eingetreten. Die Leute haben gesagt: Wir brauchen nur abzuwarten, bis sich die Produktionsmittel so entwickelt haben werden, daß das, was sich im Privatkapital konzentriert hat, von selbst in andere Formen übergehen wird. Das Denken war so geartet, daß man etwa sagte: Hier in diesem Zimmer ist schlechte Luft, ich kann nicht mehr atmen. Man könnte das Fenster aufmachen, aber ich mache es nicht auf. Ich warte ab, bis die Luft von selbst besser wird.
[ 14 ] Aus anderen Impulsen heraus stellt sich etwas hin im Orient, der eine Weltanschauung ausgebildet hat, die da sagt: Ich blicke hin auf das, was äußerlich in der Welt vorgeht. Ich sehe auf das, was meine Sinne mir als Eindrücke übermitteln, ich sehe auf das, was ich als Werkzeug benutze, um die Welt umzuändern, ich sehe auf das, was aus den Sternen herunterscheint zu mir, ich sehe auf das, was ich selbst leiblich bin. Was ist das alles? — Maja ist es. Was ist dagegen die wahre Wirklichkeit, was ist nicht Täuschung? Was im Inneren der menschlichen Seele erlebt wird, das ist die Wirklichkeit. — Wer nicht lexikographisch, wobei nichts herauskommt, sondern innerlich übersetzt, der weiß, dasselbe Wort, das im Orient Maja heißt, heißt im Okzident Ideologie. Der Orientale hat seit Jahrtausenden die Welt draußen, die auf unsere Sinne wirkt, auch die Wirtschaft, als Maja angesehen. Der Okzidentale dagegen sieht in dem, was äußerlich ist, was für den Orientalen Maja ist, die Wirklichkeit, und was in der Seele aufsteigt, das ist ihm Ideologie. Beide Weltanschauungen haben es bis zu einer gewissen Stufe gebracht. Fragen Sie heute noch die führenden Persönlichkeiten der sozialistischen Parteien, namentlich in denjenigen Gegenden, wo die erste Revolution noch nicht eingetreten ist — die man hier als die Novemberrevolution aufzufassen hat. Diese Revolution hat allerdings auch die Begriffe bei den sozialistischen Führern etwas umgeändert. Nicht die Empfindungen, aber die Begriffe —; bei ihnen hören Sie auch heute noch das, was man bis zur Kriegskatastrophe gehört hat, die Anschauung, daß man nicht aus dem Willen heraus etwas beizutragen brauche zur Umwandlung, zur Revolutionierung der Welt, sondern daß das von selbst eintreten werde. Etwas Fatalistisches war im Okzident eingetreten. Die Leute haben gesagt: Wir brauchen nur abzuwarten, bis sich die Produktionsmittel so entwickelt haben werden, daß das, was sich im Privatkapital konzentriert hat, von selbst in andere Formen übergehen wird. Das Denken war so geartet, daß man etwa sagte: Hier in diesem Zimmer ist schlechte Luft, ich kann nicht mehr atmen. Man könnte das Fenster aufmachen, aber ich mache es nicht auf. Ich warte ab, bis die Luft von selbst besser wird.
[ 15 ] Fatalismus des Okzidents, Fatalismus des Orients, wir kennen ihn gut. Die Menschen verfielen im Osten — nicht gleich im Anfange —, als sich die Weltanschauung der Maja herausgestaltete, in einen vollständigen Fatalismus. Jede Weltanschauung hat aus ihrer inneren Gesetzmäßigkeit heraus den Trieb, einmal fatalistisch zu werden. Aber heute stehen wir an dem Punkt, wo wir uns sagen müssen: Aus dem Fatalismus muß herausgekommen werden. Von der bloßen Betrachtung, der Kontemplation, muß der Übergang gefunden werden zum Willen, zum Wollen. Wir müssen unser Wollen dadurch impulsieren, daß wir solche Impulse entwickeln, wie ich sie gerade angegeben habe: gegenüber dem Geborenwerden als Fortsetzung des vorgeburtlichen Lebens, gegenüber dem Jungbleiben, bis man weiße Haare und Runzeln bekommt, gegenüber dem Hereinspielen der nächtlichen Arbeit des Angelos in das Tagesleben. Das ist notwendig. Es ist notwendig, daß der Mensch dadurch Impulse aufnimmt für sein Willensleben, indem er dann seinen Interessenkreis erweitert, in dem er nicht nur das sieht, was in sein eigenes persönliches individuelles Leben hereinspielt, sondern sieht, was in der zivilisierten Welt differenziert sich abspielt. Blicken wir nach Westen, wozu wir selbst gehören: wir sehen Ideologie — die innere Welt. Wirklichkeit — die äußere Welt. Blicken wir nach Osten: Ideologie, Maja — die äußere Welt. Wirklichkeit — die innere Welt. Und wir haben in dem Aufeinanderprallen der Menschen der Gegenwart die Aufgabe, willentlich herauszufinden den Weg aus dem, was schon Fatalismus geworden ist in dieser Weltanschauung. Wir müssen diesen Weg suchen; wir werden ihn nur finden, wenn wir Ernst machen können mit etwas, was die Menschen heute noch furchtbar ärgert.
[ 15 ] Fatalismus des Okzidents, Fatalismus des Orients, wir kennen ihn gut. Die Menschen verfielen im Osten — nicht gleich im Anfange —, als sich die Weltanschauung der Maja herausgestaltete, in einen vollständigen Fatalismus. Jede Weltanschauung hat aus ihrer inneren Gesetzmäßigkeit heraus den Trieb, einmal fatalistisch zu werden. Aber heute stehen wir an dem Punkt, wo wir uns sagen müssen: Aus dem Fatalismus muß herausgekommen werden. Von der bloßen Betrachtung, der Kontemplation, muß der Übergang gefunden werden zum Willen, zum Wollen. Wir müssen unser Wollen dadurch impulsieren, daß wir solche Impulse entwickeln, wie ich sie gerade angegeben habe: gegenüber dem Geborenwerden als Fortsetzung des vorgeburtlichen Lebens, gegenüber dem Jungbleiben, bis man weiße Haare und Runzeln bekommt, gegenüber dem Hereinspielen der nächtlichen Arbeit des Angelos in das Tagesleben. Das ist notwendig. Es ist notwendig, daß der Mensch dadurch Impulse aufnimmt für sein Willensleben, indem er dann seinen Interessenkreis erweitert, in dem er nicht nur das sieht, was in sein eigenes persönliches individuelles Leben hereinspielt, sondern sieht, was in der zivilisierten Welt differenziert sich abspielt. Blicken wir nach Westen, wozu wir selbst gehören: wir sehen Ideologie — die innere Welt. Wirklichkeit — die äußere Welt. Blicken wir nach Osten: Ideologie, Maja — die äußere Welt. Wirklichkeit — die innere Welt. Und wir haben in dem Aufeinanderprallen der Menschen der Gegenwart die Aufgabe, willentlich herauszufinden den Weg aus dem, was schon Fatalismus geworden ist in dieser Weltanschauung. Wir müssen diesen Weg suchen; wir werden ihn nur finden, wenn wir Ernst machen können mit etwas, was die Menschen heute noch furchtbar ärgert.
[ 16 ] Es kam ein merkwürdiges Echo einmal, als ich in einer süddeutschen Stadt in einem Vortrage etwas sagte, was die Leute recht ärgerte, aber es war eine der gegenwärtig notwendigen Wahrheiten. Man kann nicht die Dinge, die man ausspricht, so sagen, daß es die Leute erfreut, sondern man muß es so sagen, daß es Wahrheit ist. Ich mußte im Zusammenhange sagen: Gerade die führende Klasse der Gegenwart habe ein dekadentes physisches Gehirn. Es ist unangenehm, wenn man das aussprechen muß, es ist nicht bloß unangenehm, dies zu hören. Aber es ist notwendig, daß der Mensch es erfährt. Gerade die Menschen, welche die heutige Zeitkonfiguration herbeigeführt haben, sind dabei angekommen, ein dekadentes physisches Gehirn zu haben. Das ist so! Und wir sind in gewisser Beziehung heute in einem ähnlichen Falle, wie die Menschen Europas waren bei der Völkerwanderung und der Ausbreitung des Christentums. Vom Orient herüber kam der christliche Impuls, er ging zuerst durch Griechenland und Rom. Die griechische, die römische Welt war natürlich weit höher entwickelt als die germanische. Die Germanen waren Barbaren. Aber die Gehirne der Griechen und Römer waren dekadent. Daher wurde die christliche Welle in der griechischen und der römischen Welt nicht so aufgenommen, wie sie es wurde, als sie an die Germanen herankam. Das ist die Völkerwanderung, die horizontal gegangen ist. Heute ist sie vertikal. Heute kommt eine Welle geistigen Lebens aus der geistigen Welt. Wie das Christentum zuerst aufprallte auf die Griechen und Römer, so prallt die geistige Welt auf die gegenwärtige, auf die bürgerliche Welt auf, und die ist dekadent. Die Proletarier sind noch nicht dekadent; sie werden noch begreifen, was gemeint ist mit der spirituellen Welt. Aber die anderen werden die Vorbereitung durch Anthroposophie gebrauchen, das heißt, denjenigen Teil des Gehirns ausbilden müssen, der noch nicht physisch ist, das ätherische Gehirn. Wir stehen heute einmal vor der Notwendigkeit, daß die führenden Klassen nicht nur ein dekadentes Gehirn haben werden, sondern ganz in die Dekadenz kommen werden, wenn sie nicht begreifen, daß sie übersinnlich die spirituelle Weltanschauung erfassen müssen.
[ 16 ] Es kam ein merkwürdiges Echo einmal, als ich in einer süddeutschen Stadt in einem Vortrage etwas sagte, was die Leute recht ärgerte, aber es war eine der gegenwärtig notwendigen Wahrheiten. Man kann nicht die Dinge, die man ausspricht, so sagen, daß es die Leute erfreut, sondern man muß es so sagen, daß es Wahrheit ist. Ich mußte im Zusammenhange sagen: Gerade die führende Klasse der Gegenwart habe ein dekadentes physisches Gehirn. Es ist unangenehm, wenn man das aussprechen muß, es ist nicht bloß unangenehm, dies zu hören. Aber es ist notwendig, daß der Mensch es erfährt. Gerade die Menschen, welche die heutige Zeitkonfiguration herbeigeführt haben, sind dabei angekommen, ein dekadentes physisches Gehirn zu haben. Das ist so! Und wir sind in gewisser Beziehung heute in einem ähnlichen Falle, wie die Menschen Europas waren bei der Völkerwanderung und der Ausbreitung des Christentums. Vom Orient herüber kam der christliche Impuls, er ging zuerst durch Griechenland und Rom. Die griechische, die römische Welt war natürlich weit höher entwickelt als die germanische. Die Germanen waren Barbaren. Aber die Gehirne der Griechen und Römer waren dekadent. Daher wurde die christliche Welle in der griechischen und der römischen Welt nicht so aufgenommen, wie sie es wurde, als sie an die Germanen herankam. Das ist die Völkerwanderung, die horizontal gegangen ist. Heute ist sie vertikal. Heute kommt eine Welle geistigen Lebens aus der geistigen Welt. Wie das Christentum zuerst aufprallte auf die Griechen und Römer, so prallt die geistige Welt auf die gegenwärtige, auf die bürgerliche Welt auf, und die ist dekadent. Die Proletarier sind noch nicht dekadent; sie werden noch begreifen, was gemeint ist mit der spirituellen Welt. Aber die anderen werden die Vorbereitung durch Anthroposophie gebrauchen, das heißt, denjenigen Teil des Gehirns ausbilden müssen, der noch nicht physisch ist, das ätherische Gehirn. Wir stehen heute einmal vor der Notwendigkeit, daß die führenden Klassen nicht nur ein dekadentes Gehirn haben werden, sondern ganz in die Dekadenz kommen werden, wenn sie nicht begreifen, daß sie übersinnlich die spirituelle Weltanschauung erfassen müssen.
[ 17 ] Das ist die Tragik der bürgerlichen Weltordnung, daß sie alles physisch begreifen möchte, während man darauf angewiesen ist, heute mit dem Äthergehirn die Dinge zu erfassen, das heißt spirituelle Wahrheiten in sich aufzunehmen. Da hinein muß die Menschheit der Gegenwart steuern, und da muß der Westen die Führung in die Hand nehmen. Und hier müssen wir uns mit etwas sehr Wichtigem bekanntmachen.
[ 17 ] Das ist die Tragik der bürgerlichen Weltordnung, daß sie alles physisch begreifen möchte, während man darauf angewiesen ist, heute mit dem Äthergehirn die Dinge zu erfassen, das heißt spirituelle Wahrheiten in sich aufzunehmen. Da hinein muß die Menschheit der Gegenwart steuern, und da muß der Westen die Führung in die Hand nehmen. Und hier müssen wir uns mit etwas sehr Wichtigem bekanntmachen.
[ 18 ] Sehen Sie sich die Sprachentwicklung an, von Osten nach Westen gehend. Nehmen wir noch unsere deutsche Sprache. Sie wird ja heute furchtbar mißbraucht, aber wir wissen, daß sie die Eigentümlichkeit hat, wenn wir noch in die Goethesche, in die Lessingsche Sprache zurückblicken, daß vor noch nicht langer Zeit mit den Worten der deutschen Sprache das Kongruente bezeichnet werden konnte, was geistiges Leben ist. Heute haben wir die Sprache furchtbar negligiert, zur Phrase heruntergewürdigt. Aber da liegt es noch nicht in der Sprache allein, daß sie nicht spirituell sein kann. Je weiter wir aber zu den westlichen Sprachen gehen, desto mehr finden wir, daß diese Sprachen aus der Sprache selbst, aus den Lauten der Sprache, aus dem Ton der Sprache, auch aus der Grammatik der Sprache das eigentliche Geistige herausgeworfen haben. Und aus diesem Herausgeworfenhaben des Geistig-Seelischen aus dem anglo-amerikanischen Idiom, folgt die Weltmission der anglo-amerikanischen Völker. Diese Weltmission der anglo-amerikanischen Völker besteht darin, daß sie lernen — sie lernen es ganz instinktiv, aber sie werden es lernen, und im Ergreifen der Weltherrschaft lernen sie es —, indem sie den anderen Menschen zuhören, nicht nur den Laut zu vernehmen, sondern die Geste der Sprache zu deuten, mehr zu vernehmen als den bloß physischen Laut, etwas zu vernehmen, wenn gesprochen wird, was von Mensch zu Mensch zwar, aber doch über das Gesprochene hinaus, übergeht. Das wirkt von Ätherleib zu Ätherleib. Das ist das Geheimnis der westlichen Sprachen, daß der physische Ton seine Bedeutung verliert. Und das Geistige gewinnt an Bedeutung. Da liegt es schon in der Volksaufgabe, in die Sprache hinein den Geist träufeln zu lassen, nicht bloß physisch zu hören, sondern zu intuitieren, mehr zu empfinden als dasjenige, was in den Laut hineingeht. Das ist im Westen, da wird durch die Sprache selbst das Geistige gesucht werden müssen.
[ 18 ] Sehen Sie sich die Sprachentwicklung an, von Osten nach Westen gehend. Nehmen wir noch unsere deutsche Sprache. Sie wird ja heute furchtbar mißbraucht, aber wir wissen, daß sie die Eigentümlichkeit hat, wenn wir noch in die Goethesche, in die Lessingsche Sprache zurückblicken, daß vor noch nicht langer Zeit mit den Worten der deutschen Sprache das Kongruente bezeichnet werden konnte, was geistiges Leben ist. Heute haben wir die Sprache furchtbar negligiert, zur Phrase heruntergewürdigt. Aber da liegt es noch nicht in der Sprache allein, daß sie nicht spirituell sein kann. Je weiter wir aber zu den westlichen Sprachen gehen, desto mehr finden wir, daß diese Sprachen aus der Sprache selbst, aus den Lauten der Sprache, aus dem Ton der Sprache, auch aus der Grammatik der Sprache das eigentliche Geistige herausgeworfen haben. Und aus diesem Herausgeworfenhaben des Geistig-Seelischen aus dem anglo-amerikanischen Idiom, folgt die Weltmission der anglo-amerikanischen Völker. Diese Weltmission der anglo-amerikanischen Völker besteht darin, daß sie lernen — sie lernen es ganz instinktiv, aber sie werden es lernen, und im Ergreifen der Weltherrschaft lernen sie es —, indem sie den anderen Menschen zuhören, nicht nur den Laut zu vernehmen, sondern die Geste der Sprache zu deuten, mehr zu vernehmen als den bloß physischen Laut, etwas zu vernehmen, wenn gesprochen wird, was von Mensch zu Mensch zwar, aber doch über das Gesprochene hinaus, übergeht. Das wirkt von Ätherleib zu Ätherleib. Das ist das Geheimnis der westlichen Sprachen, daß der physische Ton seine Bedeutung verliert. Und das Geistige gewinnt an Bedeutung. Da liegt es schon in der Volksaufgabe, in die Sprache hinein den Geist träufeln zu lassen, nicht bloß physisch zu hören, sondern zu intuitieren, mehr zu empfinden als dasjenige, was in den Laut hineingeht. Das ist im Westen, da wird durch die Sprache selbst das Geistige gesucht werden müssen.
[ 19 ] Blicken wir nun nach dem Osten, so werden wir einen immer weiter und weitergehenden Drang bei den Völkern des Ostens verspüren, mit der Vertiefung in das Innere hinein nicht bei dem stehenzubleiben, was früher ausgestaltet worden ist an Karma, an Reinkarnation und so weiter, sondern hinauszuschauen in die Welt und in der Welt draußen Geistiges zu vernehmen, auch eine Art Naturanschauung zu begründen.
[ 19 ] Blicken wir nun nach dem Osten, so werden wir einen immer weiter und weitergehenden Drang bei den Völkern des Ostens verspüren, mit der Vertiefung in das Innere hinein nicht bei dem stehenzubleiben, was früher ausgestaltet worden ist an Karma, an Reinkarnation und so weiter, sondern hinauszuschauen in die Welt und in der Welt draußen Geistiges zu vernehmen, auch eine Art Naturanschauung zu begründen.
[ 20 ] Das sind nur kleine Proben, wie man seine Interessen erweitern kann von seiner Persönlichkeit und auch von seinem Volkstum aus auf die ganze Menschheit, wie man sich sagen kann: Wir blicken nach Westen und sehen dort Ideologie, aber andere Ideologie als im Osten. Wir sehen aber, wie aus diesen Gegensätzen heraus die elementaren Kräfte aufgewühlt werden innerhalb der Erdenmenschheit. Wir lernen erkennen, drinnen zu stehen in der ganzen zivilisierten Welt. Und wenn wir solche Erkenntnis des Drinnenstehens in der ganzen zivilisierten Welt in uns entwickeln, dann entwickeln wir in uns auch das Zeug, zu Empfindungen zu kommen, durch die wir über die Sphäre der Angeloi hinaufkommen. Es wird einfach unser Interessenkreis so erweitert, daß wir Begriffen geneigt gemacht werden, die in die Sphäre der Archangeloi hinaufgehen. Denn alles, was ich jetzt erzählt habe von dem Gegensatz von Ideologie und Maja und so weiter, das ist etwas, was sich in bezug auf seine Urkräfte abspielt in der Sphäre der Archangeloi, der Erzengel. Da kommen wir über die Sphäre der Angeloi hinaus. Sie sehen daraus, was dem Menschen der Gegenwart wirklich vonnöten ist. Wenn heute jemand redet von Maja, von Ideologie und so weiter, wie ich es auseinandergesetzt habe, und wenn er gar davon spricht: die Urkräfte dessen liegen in der Sphäre der Archangeloi, was ist er dann bei den gescheiten Leuten? Ein Narr, selbstverständlich, weil die Menschen durch die Geistigkeit, die sie gewonnen haben, so eingeengt sind, daß sie sich nicht interessieren für die großen Interessen der Menschheit. Das kann man nur von einem geistigen Gesichtspunkte aus, nur wenn man in das eindringt, was an den großen Interessen der Menschheit arbeitet.
[ 20 ] Das sind nur kleine Proben, wie man seine Interessen erweitern kann von seiner Persönlichkeit und auch von seinem Volkstum aus auf die ganze Menschheit, wie man sich sagen kann: Wir blicken nach Westen und sehen dort Ideologie, aber andere Ideologie als im Osten. Wir sehen aber, wie aus diesen Gegensätzen heraus die elementaren Kräfte aufgewühlt werden innerhalb der Erdenmenschheit. Wir lernen erkennen, drinnen zu stehen in der ganzen zivilisierten Welt. Und wenn wir solche Erkenntnis des Drinnenstehens in der ganzen zivilisierten Welt in uns entwickeln, dann entwickeln wir in uns auch das Zeug, zu Empfindungen zu kommen, durch die wir über die Sphäre der Angeloi hinaufkommen. Es wird einfach unser Interessenkreis so erweitert, daß wir Begriffen geneigt gemacht werden, die in die Sphäre der Archangeloi hinaufgehen. Denn alles, was ich jetzt erzählt habe von dem Gegensatz von Ideologie und Maja und so weiter, das ist etwas, was sich in bezug auf seine Urkräfte abspielt in der Sphäre der Archangeloi, der Erzengel. Da kommen wir über die Sphäre der Angeloi hinaus. Sie sehen daraus, was dem Menschen der Gegenwart wirklich vonnöten ist. Wenn heute jemand redet von Maja, von Ideologie und so weiter, wie ich es auseinandergesetzt habe, und wenn er gar davon spricht: die Urkräfte dessen liegen in der Sphäre der Archangeloi, was ist er dann bei den gescheiten Leuten? Ein Narr, selbstverständlich, weil die Menschen durch die Geistigkeit, die sie gewonnen haben, so eingeengt sind, daß sie sich nicht interessieren für die großen Interessen der Menschheit. Das kann man nur von einem geistigen Gesichtspunkte aus, nur wenn man in das eindringt, was an den großen Interessen der Menschheit arbeitet.
[ 21 ] Nun habe ich Ihnen einen Begriff gegeben, wie man hinaufarbeiten kann in die Sphäre der Archangeloi. Man kann noch höher hinaufarbeiten. Auch das muß die Menschheit der Gegenwart lernen. Unsere gebildeten Klassen mußten ja zurückblicken auf die griechische Zeit. Sie mußten ja, namentlich insofern sie Männer waren — und in der neueren Zeit übt man ja diese Prozedur auch an der Frauenjugend aus —, das Gymnasium durchmachen, griechische Bildung in sich aufnehmen, und dadurch hatten sie genügenden Impuls bekommen, immer mehr und mehr sich zurückzufühlen in die griechische Welt. Das hat eine große Bedeutung für unsere Zivilisation, denn wir machen es so, daß wir gerade in unseren wichtigsten Entwicklungsjahren dasjenige lernen, was die Griechen der Welt geleistet haben. Die Griechen haben es anders gemacht. Ihnen ist es natürlich nicht eingefallen, ihren Jungen etwa ägyptische Sprache beizubringen. Sie haben sich dem gewidmet, was ihre unmittelbare Wirklichkeit war. Sie waren von einem unmittelbaren Wirklichkeitssinn. Wir beschäftigen unsere Jugend damit, daß sie nicht etwas kennenlernt von der Umgebung und Wirklichkeitstriebe aufnimmt. Wir versetzen sie in eine alte Zeit. Wir ahnen gar nicht, was wir damit eigentlich tun. Denn wir bringen den Kindern — jungen Herren und jungen Damen muß man wohl sagen — nicht etwa bloß griechische Sprache bei. Sondern in der Sprache, in der Lautkonfiguration, in der Grammatik einer Sprache liegt auch der ganze Charakter eines ganzen Volkes. Indem der Mensch die griechische Sprache aufnimmt, wie es heute geschieht, nimmt auch das Drinnenstehen seiner Seele in der Welt eine ähnliche Konfiguration an, wie es in Griechenland der Fall war. Dort war alles Kulturleben so gestellt, daß nur eine kleine Schicht oben eigentlich teilnahm an der Kultur, die anderen waren Sklaven. Es war ja in Griechenland eines freien Mannes nur würdig, sich mit Wissenschaft, Politik und höchstens noch — aber nur mit der Aufsicht — in der Landwirtschaft zu beschäftigen. Alles andere war Sklavensache. Das liegt in der Sprache. Und indem wir die griechische Kultur mit der Sprache in uns vereinigen, vereinigen wir den Aristokratismus mit unserer Geistesbildung. Für den Griechen war es natürlich, den ganzen sozialen Organismus aufzubauen gemäß seiner Geistesrichtung, denn für ihn hing diese zusammen mit dem Blute. Da waren die Menschen, welche die breiten Massen waren. Dann gab es jene Menschen, die der höhere Typus waren, und die hatten schon durch ihr Blut das höhere Geistesleben in sich. Das kommt sogar in der griechischen Plastik zum Ausdruck. Vergleichen Sie den Merkurtypus, wie die Nase, wie die Ohren gestellt sind, mit dem Zeus- oder Athenetypus: andere Nasenstellung, andere Ohrenstellung. Der Grieche wußte genau, was er ausdrücken wollte, indem er den Merkurtypus auf der einen Seite, den arischen Zeustypus auf der anderen Seite aufbaute.
[ 21 ] Nun habe ich Ihnen einen Begriff gegeben, wie man hinaufarbeiten kann in die Sphäre der Archangeloi. Man kann noch höher hinaufarbeiten. Auch das muß die Menschheit der Gegenwart lernen. Unsere gebildeten Klassen mußten ja zurückblicken auf die griechische Zeit. Sie mußten ja, namentlich insofern sie Männer waren — und in der neueren Zeit übt man ja diese Prozedur auch an der Frauenjugend aus —, das Gymnasium durchmachen, griechische Bildung in sich aufnehmen, und dadurch hatten sie genügenden Impuls bekommen, immer mehr und mehr sich zurückzufühlen in die griechische Welt. Das hat eine große Bedeutung für unsere Zivilisation, denn wir machen es so, daß wir gerade in unseren wichtigsten Entwicklungsjahren dasjenige lernen, was die Griechen der Welt geleistet haben. Die Griechen haben es anders gemacht. Ihnen ist es natürlich nicht eingefallen, ihren Jungen etwa ägyptische Sprache beizubringen. Sie haben sich dem gewidmet, was ihre unmittelbare Wirklichkeit war. Sie waren von einem unmittelbaren Wirklichkeitssinn. Wir beschäftigen unsere Jugend damit, daß sie nicht etwas kennenlernt von der Umgebung und Wirklichkeitstriebe aufnimmt. Wir versetzen sie in eine alte Zeit. Wir ahnen gar nicht, was wir damit eigentlich tun. Denn wir bringen den Kindern — jungen Herren und jungen Damen muß man wohl sagen — nicht etwa bloß griechische Sprache bei. Sondern in der Sprache, in der Lautkonfiguration, in der Grammatik einer Sprache liegt auch der ganze Charakter eines ganzen Volkes. Indem der Mensch die griechische Sprache aufnimmt, wie es heute geschieht, nimmt auch das Drinnenstehen seiner Seele in der Welt eine ähnliche Konfiguration an, wie es in Griechenland der Fall war. Dort war alles Kulturleben so gestellt, daß nur eine kleine Schicht oben eigentlich teilnahm an der Kultur, die anderen waren Sklaven. Es war ja in Griechenland eines freien Mannes nur würdig, sich mit Wissenschaft, Politik und höchstens noch — aber nur mit der Aufsicht — in der Landwirtschaft zu beschäftigen. Alles andere war Sklavensache. Das liegt in der Sprache. Und indem wir die griechische Kultur mit der Sprache in uns vereinigen, vereinigen wir den Aristokratismus mit unserer Geistesbildung. Für den Griechen war es natürlich, den ganzen sozialen Organismus aufzubauen gemäß seiner Geistesrichtung, denn für ihn hing diese zusammen mit dem Blute. Da waren die Menschen, welche die breiten Massen waren. Dann gab es jene Menschen, die der höhere Typus waren, und die hatten schon durch ihr Blut das höhere Geistesleben in sich. Das kommt sogar in der griechischen Plastik zum Ausdruck. Vergleichen Sie den Merkurtypus, wie die Nase, wie die Ohren gestellt sind, mit dem Zeus- oder Athenetypus: andere Nasenstellung, andere Ohrenstellung. Der Grieche wußte genau, was er ausdrücken wollte, indem er den Merkurtypus auf der einen Seite, den arischen Zeustypus auf der anderen Seite aufbaute.
[ 22 ] Mehr als wir denken, sind wir von dem allem durchdrungen. Indem wir heute Weltanschauungsideen ausbilden, bilden wir im Grunde genommen solche Ideen aus, die noch dem angepaßt sind, was bei den Griechen aus dem Blute kam. Unser geistiges, unser kulturelles Leben ist durchdrungen von dem, was wir aus dem Griechentum aufnehmen. Das Griechentum ragt in unsere Zeit luziferisch herein. Das Griechentum metamorphosierte sich ins Römertum hinüber. Wir haben eine nächstfolgende Zeit im Römertum. Die Römer waren gegenüber den Griechen ein nüchternes, prosaisches Volk, und sie haben andere Seiten des Lebens ausgebildet. Was bei den Griechen aus dem Blute kam, haben sie abstrakt ausgelebt. Gegenüber den Griechen haben sie den Menschen selbst zu einem Abstraktum gemacht, zum Staatsbürger. Der Mensch ist eigentlich nicht Mensch im römischen Sinne, er ist Staatsbürger. Das ist eine dem Griechen unverständliche Sache. Man ist nicht das, was man ist als Mensch, indem man in die Menschheit eintritt, sondern man ist das, was man ist, indem man einregistriert ist in irgendeine Urkunde des Staates. Das tritt manchmal grotesk zutage. Ich hatte einen alten Freund, der war vierundsechzig Jahre alt. Eines Tages sagte er: Jetzt habe ich mir so viel erspart — er war immer ein armer Kerl gewesen —, daß ich jetzt die Geliebte meiner Jugend heiraten will. — Er hatte sich nämlich mit achtzehn Jahren verlobt, hatte aber damals kein Geld, um seine Verlobte zu heiraten. Und die beiden gelobten sich gegenseitig, so lange zu warten, bis sie sich heiraten könnten. Das war nun jetzt möglich geworden. Inzwischen war er vierundsechzig und sie zweiundsechzig Jahre geworden. Er zog also in seinen Heimatort und schrieb, nun wäre alles in Ordnung, das Geld hätte er. Aber sie konnten nun doch nicht heiraten, weil seine Gemeinde an seiner Existenz zweifelte. Es war nämlich vor Jahren das Pfarrhaus abgebrannt, damit auch alle Taufurkunden und so weiter, und es war niemand mehr da, der über seine Persönlichkeit hätte Angaben machen können. Er meinte zwar, daß es doch ein Beweis wäre, daß er selbst da wäre, aber er hatte keinen gesetzlichen Beweis! Die Heirat ist zwar schließlich doch zustande gekommen, aber es wurde ihm durch diese Schwierigkeiten klargemacht die viel größere Wichtigkeit des Taufscheines als die der eigenen Persönlichkeit. Man ist also Bürger.
[ 22 ] Mehr als wir denken, sind wir von dem allem durchdrungen. Indem wir heute Weltanschauungsideen ausbilden, bilden wir im Grunde genommen solche Ideen aus, die noch dem angepaßt sind, was bei den Griechen aus dem Blute kam. Unser geistiges, unser kulturelles Leben ist durchdrungen von dem, was wir aus dem Griechentum aufnehmen. Das Griechentum ragt in unsere Zeit luziferisch herein. Das Griechentum metamorphosierte sich ins Römertum hinüber. Wir haben eine nächstfolgende Zeit im Römertum. Die Römer waren gegenüber den Griechen ein nüchternes, prosaisches Volk, und sie haben andere Seiten des Lebens ausgebildet. Was bei den Griechen aus dem Blute kam, haben sie abstrakt ausgelebt. Gegenüber den Griechen haben sie den Menschen selbst zu einem Abstraktum gemacht, zum Staatsbürger. Der Mensch ist eigentlich nicht Mensch im römischen Sinne, er ist Staatsbürger. Das ist eine dem Griechen unverständliche Sache. Man ist nicht das, was man ist als Mensch, indem man in die Menschheit eintritt, sondern man ist das, was man ist, indem man einregistriert ist in irgendeine Urkunde des Staates. Das tritt manchmal grotesk zutage. Ich hatte einen alten Freund, der war vierundsechzig Jahre alt. Eines Tages sagte er: Jetzt habe ich mir so viel erspart — er war immer ein armer Kerl gewesen —, daß ich jetzt die Geliebte meiner Jugend heiraten will. — Er hatte sich nämlich mit achtzehn Jahren verlobt, hatte aber damals kein Geld, um seine Verlobte zu heiraten. Und die beiden gelobten sich gegenseitig, so lange zu warten, bis sie sich heiraten könnten. Das war nun jetzt möglich geworden. Inzwischen war er vierundsechzig und sie zweiundsechzig Jahre geworden. Er zog also in seinen Heimatort und schrieb, nun wäre alles in Ordnung, das Geld hätte er. Aber sie konnten nun doch nicht heiraten, weil seine Gemeinde an seiner Existenz zweifelte. Es war nämlich vor Jahren das Pfarrhaus abgebrannt, damit auch alle Taufurkunden und so weiter, und es war niemand mehr da, der über seine Persönlichkeit hätte Angaben machen können. Er meinte zwar, daß es doch ein Beweis wäre, daß er selbst da wäre, aber er hatte keinen gesetzlichen Beweis! Die Heirat ist zwar schließlich doch zustande gekommen, aber es wurde ihm durch diese Schwierigkeiten klargemacht die viel größere Wichtigkeit des Taufscheines als die der eigenen Persönlichkeit. Man ist also Bürger.
[ 23 ] Man ist das, was man ist, in einem abstrakten Zusammenhange. Diese Anschauung ist im wesentlichen römisch, und alles, was im gewöhnlichen Leben in dieser Art vorhanden ist, ist im wesentlichen römisch. Unsere Erziehung wird ja im wesentlichen in Anspruch genommen durch den Staat, der so abstrakt geworden ist und der unter der sozialistischen Einwirkung noch viel abstrakter werden wird. Die Menschen werden heute nicht erzogen, um als Menschen in die Welt hineingestellt zu werden, sondern um einen Staatsberuf zu haben und in diesen hineingestellt zu werden. Der Staat nimmt die jungen Menschen in die Hand — nicht gleich, denn da sind sie ihm noch zu unreinlich, da überläßt er sie einstweilen den Eltern. Dann aber breitet er seine Fangarme nach dem Menschen aus und dressiert ihn so, daß er für ihn geeignet ist. Und er weiß sehr gut, daß die Menschen dann für ihn geeignet sind. Denn, was gibt er ihnen alles? Er gibt ihnen ein wirtschaftliches Leben, gibt ihnen alles, was für sie vorgeschrieben ist, und dann pensioniert er sie. Und man soll nur einmal hören, was es für den Menschen bedeutet, wenn er sich sagen kann: er bekomme zu seiner Anstellung, für die er nicht nur bezahlt wird, nachher auch noch eine Pension! Das ist etwas ganz Großes und kettet die Menschen an den abstrakten Staat, und das ergreift dann auch die übrige Gesinnung. Auch da ist die romanische Gesinnung in den übrigen Menschen eingetreten. Sagt man heute dem Menschen: Du mußt, um an deiner Unsterblichkeit teilzunehmen, das, was in deiner Seele wirkt, aktiv machen, damit du selbst deine Seele aktiv durch die Todespforte trägst —, so versteht er das nicht. Man hat ihm gründlich abgewöhnt, auf so etwas sein Verständnis zu lenken. Man sagt ihm dafür, du brauchst nur an Christus zu glauben und an das, was der Staat tut. Und er weiß dann: erst wird er durch den Staat versorgt, und wenn er genug gearbeitet hat, wird er vom Staate pensioniert. Und die Kirche tut dann noch ein weiteres. Sie pensioniert nach dem Tode des Menschen seine seele, so daß er im Leben nicht mitarbeiten muß an seiner Scele und selbst etwas tun, wenn er seine Seele durch die Todespforte trägt. Registriert ist der Mensch heute, und die Politik des römischen Wesens, sie haben wir als zweites in unsere Wesenheit aufgenommen und nehmen sie immer mehr und mehr auf.
[ 23 ] Man ist das, was man ist, in einem abstrakten Zusammenhange. Diese Anschauung ist im wesentlichen römisch, und alles, was im gewöhnlichen Leben in dieser Art vorhanden ist, ist im wesentlichen römisch. Unsere Erziehung wird ja im wesentlichen in Anspruch genommen durch den Staat, der so abstrakt geworden ist und der unter der sozialistischen Einwirkung noch viel abstrakter werden wird. Die Menschen werden heute nicht erzogen, um als Menschen in die Welt hineingestellt zu werden, sondern um einen Staatsberuf zu haben und in diesen hineingestellt zu werden. Der Staat nimmt die jungen Menschen in die Hand — nicht gleich, denn da sind sie ihm noch zu unreinlich, da überläßt er sie einstweilen den Eltern. Dann aber breitet er seine Fangarme nach dem Menschen aus und dressiert ihn so, daß er für ihn geeignet ist. Und er weiß sehr gut, daß die Menschen dann für ihn geeignet sind. Denn, was gibt er ihnen alles? Er gibt ihnen ein wirtschaftliches Leben, gibt ihnen alles, was für sie vorgeschrieben ist, und dann pensioniert er sie. Und man soll nur einmal hören, was es für den Menschen bedeutet, wenn er sich sagen kann: er bekomme zu seiner Anstellung, für die er nicht nur bezahlt wird, nachher auch noch eine Pension! Das ist etwas ganz Großes und kettet die Menschen an den abstrakten Staat, und das ergreift dann auch die übrige Gesinnung. Auch da ist die romanische Gesinnung in den übrigen Menschen eingetreten. Sagt man heute dem Menschen: Du mußt, um an deiner Unsterblichkeit teilzunehmen, das, was in deiner Seele wirkt, aktiv machen, damit du selbst deine Seele aktiv durch die Todespforte trägst —, so versteht er das nicht. Man hat ihm gründlich abgewöhnt, auf so etwas sein Verständnis zu lenken. Man sagt ihm dafür, du brauchst nur an Christus zu glauben und an das, was der Staat tut. Und er weiß dann: erst wird er durch den Staat versorgt, und wenn er genug gearbeitet hat, wird er vom Staate pensioniert. Und die Kirche tut dann noch ein weiteres. Sie pensioniert nach dem Tode des Menschen seine seele, so daß er im Leben nicht mitarbeiten muß an seiner Scele und selbst etwas tun, wenn er seine Seele durch die Todespforte trägt. Registriert ist der Mensch heute, und die Politik des römischen Wesens, sie haben wir als zweites in unsere Wesenheit aufgenommen und nehmen sie immer mehr und mehr auf.
[ 24 ] Man kann auf diesem Gebiete furchtbare Erfahrungen machen. Ich habe jetzt in Stuttgart mitgewirkt bei der Einrichtung der Waldorfschule und mußte mir dabei auch die verschiedenen Lehrpläne vorlegen. Wenn ich an die siebziger, achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zurückdenke, so muß ich sagen, damals waren die Lehrpläne noch etwas klein; da enthielten sie das, was in jeder Klasse durchzunehmen war. Die Lehrziele und der Stoff waren angegeben; in bezug auf alles übrige war der Lehrer noch frei. Jetzt bekommt man Lehrpläne von großem Umfange vorgelegt, und auf der ersten Seite steht: Amtsblatt, Verordnung, und nun ist dann angegeben, so und so soll man beim Unterricht verfahren. Also, was aus der lebendigen Persönlichkeit allein auf die lebendige Persönlichkeit wirken soll, das steht in Gesetzen und Verordnungen, das ist amtlich geworden, das wird verfügt. Das ist der Tod des geistigen Lebens. Dieser Tod des geistigen Lebens führt direkt von Mitteleuropa nach Rom! Das ist das zweite, was wir in uns aufgenommen haben, das Politisch-Rechtliche mit dem Römertum.
[ 24 ] Man kann auf diesem Gebiete furchtbare Erfahrungen machen. Ich habe jetzt in Stuttgart mitgewirkt bei der Einrichtung der Waldorfschule und mußte mir dabei auch die verschiedenen Lehrpläne vorlegen. Wenn ich an die siebziger, achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zurückdenke, so muß ich sagen, damals waren die Lehrpläne noch etwas klein; da enthielten sie das, was in jeder Klasse durchzunehmen war. Die Lehrziele und der Stoff waren angegeben; in bezug auf alles übrige war der Lehrer noch frei. Jetzt bekommt man Lehrpläne von großem Umfange vorgelegt, und auf der ersten Seite steht: Amtsblatt, Verordnung, und nun ist dann angegeben, so und so soll man beim Unterricht verfahren. Also, was aus der lebendigen Persönlichkeit allein auf die lebendige Persönlichkeit wirken soll, das steht in Gesetzen und Verordnungen, das ist amtlich geworden, das wird verfügt. Das ist der Tod des geistigen Lebens. Dieser Tod des geistigen Lebens führt direkt von Mitteleuropa nach Rom! Das ist das zweite, was wir in uns aufgenommen haben, das Politisch-Rechtliche mit dem Römertum.
[ 25 ] Dazu kam das, was sich nicht von alten Zeiten in neue verpflanzen läßt, das Wirtschaftsleben. Das mußte modern sein. Denn man kann wiederkäuen, was die Griechen erkannt haben, man kann auf sich wirken lassen, was die Römer als Rechtsleben hatten, man kann aber nicht essen, was die Griechen und die Römer gegessen haben. Das Wirtschaftsleben muß modern sein. So haben wir es nach und nach dahin gebracht, daß wir unser Wirtschaftsleben durchkreuzt haben mit dem griechischen Geistesleben, mit dem römischen Rechtsleben, und wir haben jetzt die Aufgabe, diese Dinge wieder auseinanderzubringen, sich dafür Verständnis zu erwerben, daß diese drei Schichten, die wie aus verschiedenen Zeitaltern sich zusammenballen, auseinandergebracht werden müssen. Das heißt, sein Interesse ausdehnen — wie früher über Orient und Okzident im Raume — bis zur Gegenwart, das heißt, sich erheben, sich fähig machen zu Empfindungen, die uns erheben können zu den Archai. Aber wie viele Menschen wollen sich heute ein Interesse für diese Dinge entwikkeln, ein unbefangenes Interesse, wie der Zeitgeist spielt, indem er die Zeiten ineinanderschiebt, wie ich es geschildert habe. Ich habe in Stuttgart gesprochen von der Unnatur unserer Gymnasialbildung. Ich weiß nicht, ob es ein bloß zeitlicher Zusammenhang war, aber der zeitliche Zusammenhang war da. Ein paar Tage, nachdem ich darüber gesprochen hatte, erschienen in Stuttgarter Zeitungen große Annoncen, unterschrieben von allen möglichen Zöpfen, pardon Professoren und dergleichen; daß die Gymnasialbildung nicht unterschätzt werden dürfe, denn sie hätte ja für die Größe des deutschen Volkes, die so herrlich in der letzten Zeit hervorgetreten sei, das ihrige beigetragen. Buchstäblich war das zu lesen als die angebliche Meinung der Jugendbildner im April des Jahres 1919, nach dem Oktober 1918! Diese Dinge sind möglich in unserer Zeit. Es sind ja noch andere Dinge möglich.
[ 25 ] Dazu kam das, was sich nicht von alten Zeiten in neue verpflanzen läßt, das Wirtschaftsleben. Das mußte modern sein. Denn man kann wiederkäuen, was die Griechen erkannt haben, man kann auf sich wirken lassen, was die Römer als Rechtsleben hatten, man kann aber nicht essen, was die Griechen und die Römer gegessen haben. Das Wirtschaftsleben muß modern sein. So haben wir es nach und nach dahin gebracht, daß wir unser Wirtschaftsleben durchkreuzt haben mit dem griechischen Geistesleben, mit dem römischen Rechtsleben, und wir haben jetzt die Aufgabe, diese Dinge wieder auseinanderzubringen, sich dafür Verständnis zu erwerben, daß diese drei Schichten, die wie aus verschiedenen Zeitaltern sich zusammenballen, auseinandergebracht werden müssen. Das heißt, sein Interesse ausdehnen — wie früher über Orient und Okzident im Raume — bis zur Gegenwart, das heißt, sich erheben, sich fähig machen zu Empfindungen, die uns erheben können zu den Archai. Aber wie viele Menschen wollen sich heute ein Interesse für diese Dinge entwikkeln, ein unbefangenes Interesse, wie der Zeitgeist spielt, indem er die Zeiten ineinanderschiebt, wie ich es geschildert habe. Ich habe in Stuttgart gesprochen von der Unnatur unserer Gymnasialbildung. Ich weiß nicht, ob es ein bloß zeitlicher Zusammenhang war, aber der zeitliche Zusammenhang war da. Ein paar Tage, nachdem ich darüber gesprochen hatte, erschienen in Stuttgarter Zeitungen große Annoncen, unterschrieben von allen möglichen Zöpfen, pardon Professoren und dergleichen; daß die Gymnasialbildung nicht unterschätzt werden dürfe, denn sie hätte ja für die Größe des deutschen Volkes, die so herrlich in der letzten Zeit hervorgetreten sei, das ihrige beigetragen. Buchstäblich war das zu lesen als die angebliche Meinung der Jugendbildner im April des Jahres 1919, nach dem Oktober 1918! Diese Dinge sind möglich in unserer Zeit. Es sind ja noch andere Dinge möglich.
[ 26 ] Ehe wir nicht dazu kommen, diese Dinge so zu sehen, daß wir die Impulse aufnehmen, die aus der geistigen Welt in unsere physische Welt hereinwirken, ehe wir nicht einsehen werden, daß der Mensch ebenso, wie er durch seine Leibesorganisation mit dem Tierreich, Pflanzenreich und Mineralreich zusammenhängt, so auch mit seiner Geistesorganisation zusammenhängt mit den Hierarchien der Angeloi, Archangeloi und Archai — Persönlichkeitsgeister als die Schützer der persönlichen Entwicklung, Volksgeister als Schützer der Volksentwicklung im Raume hin, Zeitgeister, die Beschützer der Entwicklung über die Zeiten hin —, ehe wir nicht die Möglichkeit haben, diese Dinge aus den geistigen Fundamenten heraus zu verstehen, können wir nicht weiterkommen. Alles muß darauf hinauslaufen, daß der Mensch heute den Mut und die Kraft finde, in die geistige Welt hineinzuschauen. Am Anfang einer harten Kampfeswelle stehen wir, wo alle Instinkte werden aufgewühlt werden, die hervorgehen aus der einen Halbwahrheit: die ökonomische Wirklichkeit ist die einzige, alles Geistig-Seelische ist Ideologie —, und aus der anderen: die einzige Wirklichkeit ist das Geistig-Seelische, und alles Äußere ist Ideologie, ist Maja. — Diese Gegensätze werden solche Instinkte in der Menschennatur loslösen, daß lange, lange der geistige Kampf entbrennen wird in Formen, von denen die Menschheit heute keine Ahnung hat. Das werden wir wissen müssen, und wir werden weiter wissen müssen, wie wir uns im Sinne der Zeitbildung zu erheben haben zur Anschauung der geistigen Welt, so wie wir es auffassen.
[ 26 ] Ehe wir nicht dazu kommen, diese Dinge so zu sehen, daß wir die Impulse aufnehmen, die aus der geistigen Welt in unsere physische Welt hereinwirken, ehe wir nicht einsehen werden, daß der Mensch ebenso, wie er durch seine Leibesorganisation mit dem Tierreich, Pflanzenreich und Mineralreich zusammenhängt, so auch mit seiner Geistesorganisation zusammenhängt mit den Hierarchien der Angeloi, Archangeloi und Archai — Persönlichkeitsgeister als die Schützer der persönlichen Entwicklung, Volksgeister als Schützer der Volksentwicklung im Raume hin, Zeitgeister, die Beschützer der Entwicklung über die Zeiten hin —, ehe wir nicht die Möglichkeit haben, diese Dinge aus den geistigen Fundamenten heraus zu verstehen, können wir nicht weiterkommen. Alles muß darauf hinauslaufen, daß der Mensch heute den Mut und die Kraft finde, in die geistige Welt hineinzuschauen. Am Anfang einer harten Kampfeswelle stehen wir, wo alle Instinkte werden aufgewühlt werden, die hervorgehen aus der einen Halbwahrheit: die ökonomische Wirklichkeit ist die einzige, alles Geistig-Seelische ist Ideologie —, und aus der anderen: die einzige Wirklichkeit ist das Geistig-Seelische, und alles Äußere ist Ideologie, ist Maja. — Diese Gegensätze werden solche Instinkte in der Menschennatur loslösen, daß lange, lange der geistige Kampf entbrennen wird in Formen, von denen die Menschheit heute keine Ahnung hat. Das werden wir wissen müssen, und wir werden weiter wissen müssen, wie wir uns im Sinne der Zeitbildung zu erheben haben zur Anschauung der geistigen Welt, so wie wir es auffassen.
[ 27 ] Das ist es, was uns die Zeit selbst befiehlt, was aus ihr selbst gefordert wird. Ihm müssen wir uns zuwenden. Davon morgen weiter.
[ 27 ] Das ist es, was uns die Zeit selbst befiehlt, was aus ihr selbst gefordert wird. Ihm müssen wir uns zuwenden. Davon morgen weiter.
