Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

The Inner Aspect of the Social Enigma
A Luciferic Past and an Ahrimanic Future
GA 193

13 September 1919, Berlin

Translate the original German text into any language:

Siebenter Vortrag

Seventh Lecture

[ 1 ] Aus den Betrachtungen des gestrigen Abends sollte Ihnen hervorgehen, wie notwendig es für den Menschen der Gegenwart ist, sein Seelenauge hinzuwenden zu geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen, zu denjenigen Sphären des Daseins, der Wirklichkeit, in denen das Walten des Geistes innerhalb der Menschheitsentwicklung deutlich wahrnehmbar ist für den, der in diese Regionen der Wirklichkeit hineinzuschauen vermag.

[ 1 ] From yesterday evening’s reflections, it should be clear to you how necessary it is for people today to turn the eye of their soul toward spiritual scientific insights—toward those spheres of existence and reality in which the workings of the spirit within human evolution are clearly perceptible to those who are able to look into these regions of reality.

[ 2 ] Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts — das habe ich Ihnen sagen müssen — lebt die zivilisierte Menschheit in einer Periode, in welcher die alte Beziehung der Menschenseele zu den übergeordneten Wesenheiten der drei nächsthöheren Hierarchien, der Angeloi, der Archangeloi, der Archai, eine völlig andere wird als sie vorher war. Vorher war diese Beziehung so, daß die Wesenheiten dieser drei Hierarchien wegen ihres eigenen Interesses, also aus ihren eigenen Impulsen heraus, an der Menschheitsentwicklung arbeiteten. Jetzt leben wir in einer Zeitepoche, in der diese Arbeit jener Wesen der höheren Hierarchien abgeschlossen ist. Diese Wesen haben zunächst kein Interesse daran, diese Arbeit an der Entwicklung der Menschheit, die sie bisher ausgeübt haben, fortzusetzen. Sie werden eine neue Beziehung zur Menschheit nur dadurch eingehen, daß die Menschen von sich aus, aus freiem Willen, aus freiem Antriebe beginnen, sich mit den geistigen Welten zu befassen. Würden wir uns in der nächsten Zeit als Menschen nicht aus freiem Willen heraus zur geistigen Welt hinwenden, so würden wir unseren Zusammenhang mit den geistigen Welten verlieren müssen, weil die zu uns gehörigen Wesen der geistigen Welten von sich aus kein Interesse haben, sich mit uns zu befassen. Wir erregen erst wieder ihr Interesse, wenn wir aus unserer Seele heraus uns wieder mit der geistigen Welt befassen, das heißt, Gedanken, Empfindungen, Willensimpulse hegen, in welche geistige Kräfte einfließen können.

[ 2 ] Since the middle of the 15th century—as I had to tell you—civilized humanity has been living in a period in which the old relationship between the human soul and the higher beings of the three immediately higher hierarchies—the Angeloi, the Archangeloi, and the Archai—has become completely different from what it was before. Previously, this relationship was such that the beings of these three hierarchies worked on human development out of their own interest—that is, driven by their own impulses. Now we are living in an epoch in which this work by the beings of the higher hierarchies has been completed. For the time being, these beings have no interest in continuing the work on human development that they have carried out until now. They will enter into a new relationship with humanity only if human beings, of their own accord, of their own free will, and out of their own initiative, begin to engage with the spiritual worlds. If, in the near future, we as human beings were not to turn toward the spiritual world of our own free will, we would lose our connection with the spiritual worlds, because the beings of the spiritual worlds who belong to us have no interest of their own in engaging with us. We will only rekindle their interest when we once again engage with the spiritual world from within our souls—that is, when we nurture thoughts, feelings, and impulses of will into which spiritual forces can flow.

[ 3 ] Nun können Sie aber die Frage aufwerfen, und die muß im Anschluß an unsere gestrige Betrachtung aufgeworfen werden: Wie kommt der Mensch zunächst dazu, sich mit den geistigen Welten so zu befassen, daß er auch in der Zukunft der Erdenentwicklung seine Beziehungen zu den höheren Hierarchien aufrechterhalten kann? Da werde ich Ihnen Dinge zu sagen haben, die zunächst scheinbar mit dieser Frage nicht viel zu tun haben. Aber wir werden sehen, daß gerade diese Dinge uns die Grundlagen dafür schaffen, von der Gegenwart ab in die Zukunft hinein, unsere Beziehung zur geistigen Welt wieder neu herzustellen. Das erste, auf das wir da unseren Blick lenken müssen, ist die Wirksamkeit der verschiedenen Konfessionen, der verschiedenen konfessionellen Bekenntnisse, die es in der zivilisierten Menschheit gibt. Bis jetzt lag eine gewisse Notwendigkeit vor, daß die Konfessionen Herz und Sinn der Menschenseele so zur geistigen Welt hinlenkten, wie sie das getan haben. In Zukunft werden die Konfessionen entweder dazu beitragen, den Menschen von der geistigen Welt abzuschnüren, oder sie werden in ihre Bestrebungen etwas ganz Neues eintreten lassen müssen. Die Konfessionen der Gegenwart sind im Grunde genommen auf dem Egoismus der Menschen aufgebaut, und wir brauchen nur eine der allerwichtigsten Fragen vor unsere Seele hinzustellen, die das Leitmotiv für die konfessionellen Betrachtungen bildet und bilden muß: die Frage nach der Unsterblichkeit der Menschenseele — und wir können an der Art, wie diese Frage zumeist von den Konfessionen behandelt wird, ersehen, daß in dieser Behandlung stark auf den egoistischen Trieb der Menschen gerechnet wird. Reden doch die Konfessionen zumeist-allerdings aus tieferen Untergründen heraus, die wir heute nicht besprechen wollen —, indem sie über die Unsterblichkeit reden, von dem Fortleben der Seele nach dem Tode, das heißt, sie reden von der Fortsetzung des menschlichen Seelenlebens nach dem Tode. Man kann verhältnismäßig leicht zu den Menschen sprechen, wenn man von diesem Gesichtspunkte aus über die Unsterblichkeit spricht, denn der menschliche Egoismus macht sich in dieser Frage gerade im eminentesten Sinne geltend. Er kann es einfach nicht ertragen — jetzt ganz abgesehen von allen Wahrheiten auf diesem Gebiete —, nicht fortzuleben nach dem Tode, so daß wir immer eine gewisse verständnisvolle Seite in der menschlichen Seele finden, wenn wir vom Leben nach dem Tode sprechen. Und Sie können ganz sicher sein: diejenigen Menschen, welche der Unsterblichkeitsfrage, so wie sie heute zumeist behandelt wird, Interesse entgegenbringen, sie bringen ihr von diesem Gesichtspunkte aus ein egoistisches Interesse entgegen. Sie möchten nicht seelisch auch sterben. Selbstverständlich wird auch jede Zukunftsanschauung, die über die Unsterblichkeit der Seele sprechen wird, von dem Fortleben der Seele nach dem Tode zu sprechen haben, denn man hat es dabei, wie Sie alle aus der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft wissen, mit einer Tatsache der Wirklichkeit zu tun. Aber die Art, wie in der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft über das Fortleben der seele nach dem physischen Tode des Menschen gesprochen wird, ist von den Konfessionen noch längst nicht angenommen.

[ 3 ] Now, however, you may raise the question—and it must be raised in light of our discussion yesterday: How does a human being first come to engage with the spiritual worlds in such a way that he or she can maintain a relationship with the higher hierarchies even in the future of Earth’s evolution? I will have things to say to you that, at first glance, may not seem to have much to do with this question. But we will see that it is precisely these things that lay the foundation for us to reestablish our relationship with the spiritual world, from the present into the future. The first thing we must turn our attention to is the influence of the various denominations—the various religious confessions—that exist within civilized humanity. Until now, there has been a certain necessity for these denominations to direct the heart and mind of the human soul toward the spiritual world in the way they have done. In the future, the denominations will either contribute to cutting people off from the spiritual world, or they will have to introduce something entirely new into their endeavors. The denominations of the present are, in essence, built upon human selfishness, and we need only set before our souls one of the most important questions, which forms—and must form—the guiding principle for our reflections on denominations: the question of the immortality of the human soul—and we can see from the way this question is usually treated by the religious denominations that their approach relies heavily on people’s egoistic impulses. For the most part—albeit for deeper underlying reasons that we do not wish to discuss today—when the denominations speak of immortality, they speak of the soul’s survival after death; that is, they speak of the continuation of human soul life after death. It is relatively easy to speak to people when discussing immortality from this perspective, for human egoism asserts itself in this matter in the most eminent sense. People simply cannot bear—leaving aside for the moment all truths in this realm—the thought of not living on after death, so that we always find a certain degree of receptiveness in the human soul when we speak of life after death. And you can be quite certain: those people who take an interest in the question of immortality, as it is mostly treated today, approach it from this perspective with a selfish interest. They do not want their souls to die as well. Of course, any future perspective that addresses the immortality of the soul will also have to speak of the soul’s continued existence after death, for—as you all know from anthroposophically oriented spiritual science—we are dealing here with a fact of reality. But the way in which anthroposophically oriented spiritual science speaks of the soul’s continued existence after a person’s physical death is still far from being accepted by the religious denominations.

[ 4 ] Aber auch ein anderes ist wichtig: daß die Menschen der Gegenwart noch eine ganz andere Sprache über die Unsterblichkeit hören müssen, als sie bisher zu hören gewohnt gewesen sind. Nicht allein wird der, welcher die Unsterblichkeitsfrage besprechen wird, anführen dürfen das Leben nach dem Tode, sondern auch jenes Leben, welches hier in der physischen Welt gelebt wird von der Geburt bis zum Tode. Denn Sie wissen, dieses Leben ist ja auch eine Fortsetzung. Es ist die Fortsetzung desjenigen Lebens, welches wir zwischen unserem letzten Tode und jener Geburt zugebracht haben, durch die wir in dieses physische Dasein hereingetreten sind. Und die Menschheit wird dieses physische Leben zwischen Geburt und Tod anschauen lernen müssen als die Fortsetzung des geistigen Lebens vor der Geburt beziehungsweise vor der Empfängnis. Denn in jedem aufwachsenden Kinde werden wir von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Jahr zu Jahr aus dem Inneren aufsteigen sehen müssen, was als Kräfte herauskommt aus den geistigen Welten, was durch die Geburt tritt und arbeitet an der allmählichen Ausgestaltung des Menschenwesens von der Geburt in die späteren Jahre hinein. Enträtseln werden wir gewissermaßen müssen den Gott im Menschen, indem wir in das Leben des Kindes entwickelnd eingreifen. Soziale Beziehungen zwischen den Menschen werden in gewisser Weise etwas aufnehmen müssen von einem religiösen Impuls, der unser ganzes soziales Leben auch im Verkehr von Mensch zu Mensch durchzieht. Aber das Wichtigste, das Wesentliche wird sein, daß wir in die Lage kommen, dieses physische Leben als Fortsetzung eines geistigen, vorgeburtlichen Lebens fühlend anzuschauen, daß wir nicht in jedem Augenblick vergessen, wie der Mensch in diesem physischen Leben eine Fortsetzung hat seines vorgeburtlichen geistig-seelischen Lebens.

[ 4 ] But there is another important point: that people today must hear a completely different discourse on immortality than they have been accustomed to hearing thus far. Whoever discusses the question of immortality must not only address life after death, but also the life lived here in the physical world from birth to death. For, as you know, this life is also a continuation. It is the continuation of the life we spent between our last death and the birth through which we entered this physical existence. And humanity will have to learn to view this physical life between birth and death as the continuation of the spiritual life before birth—or rather, before conception. For in every growing child, we will have to observe, day by day, week by week, year by year, what rises from within—the forces emerging from the spiritual worlds, which enter through birth and work toward the gradual shaping of the human being from birth into later years. In a sense, we will have to unravel the God within the human being by intervening in the child’s life in a way that fosters its development. Social relationships between people will, in a certain way, have to take on something of a religious impulse that permeates our entire social life, including our interactions from person to person. But the most important thing, the essential point, will be that we come to view this physical life as a continuation of a spiritual, pre-birth life—that we never forget, at any moment, how the human being’s physical life is a continuation of their pre-birth spiritual and soul life.

[ 5 ] Damit wird vieles andere verbunden sein. Damit wird verbunden sein, daß wir wieder erkennen, wie in den Tiefen unseres Wesens unsere eigentliche Menschlichkeit ruht und nach und nach herauskommt. Ich habe Sie einmal auf alte Zeiten der Menschheitsentwicklung hingewiesen, auf jene Zeiten, die wir vom anthroposophischen Standpunkte aus in der ersten, in der zweiten nachatlantischen Entwicklungsepoche der Menschheit und so weiter erkennen. Ich habe Sie darauf hingewiesen, wie damals die Menschen so entwicklungsfähig bis in ein höheres Alter hinein gewesen sind wie heute nur der ganz junge Mensch. Der ganz junge Mensch macht eine physische Entwicklung durch um das siebente Jahr, im Zahnwechsel. Er macht wieder eine in dem physischen Leben sich ausdrückende Metamorphose durch mit der Geschlechtsreife. Dann werden die Dinge, die in der Entwicklung vor sich gehen, im äußeren Leben weniger bemerkbar. So war es in alten Zeiten nicht. Da drückte sich das, was der Mensch geistig-seelisch durchmachte, bis in viel höhere Altersstufen hinauf aus. Jetzt ist das unbemerkbar. Jetzt werden wir einfach mit siebzehn, achtzehn Jahren schon alte Leute, und man erlebt es heute zu seinem Entsetzen, daß ganz junge Leute als alte Leute auftreten. Ein Beispiel: Wir haben in Stuttgart vor einiger Zeit eine Sitzung des Kulturrates gehabt, wo die Rede war über das Erziehungswesen der Gegenwart. Es wurde von den verschiedensten Gesichtspunkten aus gesprochen. Dann trat auch ein junger Mann auf, sagen wir, ein junger Mann, ich könnte auch sagen: ein älterer Knabe. Der sagte, er müsse die Gesellschaft belehren über die eigentlichen Erziehungsideale. Nun sprach er zunächst einige sehr phrasenhafte Worte, dann las er ein Programm einer gegenwärtigen Erziehungsgesellschaft vor, das nun allerdings so war, daß er fortwährend unterbrochen wurde. Er konnte nicht weiterreden, so daß er seine Rede abschloß, was er dann mit den Worten tat: Ich muß also konstatieren, daß jetzt das Alter seine eigene Jugend nicht mehr versteht. — Dann trat er ab. — Nun hatte ich darauf erwidert, daß ich ja allerdings begreife, daß man ihn nicht verstanden habe, aber aus dem einfachen Grunde, weil er viel zu senil geredet hat, weil er viel zu greisenhaft aufgetreten ist. Er ist nämlich aufgetreten mit Grundsätzen, die nun wirklich das Äußerste an Abstraktionen waren — greisenhaft! Denn was ist das Wesen des heutigen Greisenhaften? Das ist es, daß der Mensch gewöhnlich nur bis zu einem gewissen Lebensalter entwicklungsfähig ist; dann nimmt er allerlei auf, da schämt er sich auch noch nicht, sich zu entwickeln. Dann sind die Jahre da, wo es gegen die zwanzig Jahre hingeht, da schämt er sich, sich weiter zu entwickeln. Wir erleben es heute sehr selten, daß Menschen, die bereits graue Haare haben und Runzeln im Gesicht, sich freuen auf jedes kommende Jahr, aus dem Grunde, weil jedes kommende Jahr dem Organismus neue Entwicklungsmöglichkeiten bietet, so daß man in jedem neuen Jahr etwas Neues lernen könnte, was man früher einfach deshalb nicht lernen konnte, weil man den Organismus dazu nicht hatte. Aber die Menschen lassen heute nicht den Organismus sich entwickeln. Sie schämen sich, noch etwas zu lernen, sich entwicklungsfähig zu machen, wenn sie das jugendliche Alter von dreißig Jahren erreicht haben. Worauf es ankommt, das ist, daß der Mensch in der Tat die Möglichkeit behält, das ganze Leben hindurch sich auf jedes neue Jahr zu freuen, weil jedes Jahr die göttlich-geistigen Inhalte seines Inneren in neuen Gestalten hervorzaubert. Das ist etwas, was ich damit bezeichnen möchte, daß wir in Wahrheit und Wirklichkeit lernen müssen, nicht bloß unsere Jugend als entwicklungsfähig zu erleben, sondern das ganze Dasein zwischen Geburt und Tod. Dazu wird natürlich eine neue Erziehung notwendig sein. Indem unsere alten Leute an ihre Schuljahre zurückdenken, denken sie gewöhnlich an nichts Angenehmes zurück. Wir müssen in die Lage kommen, die Schuljahre so zu gestalten, daß sie, wenn wir uns an sie zurückerinnern, immer ein neuer Quell des Auflebens für uns sind. Sie sehen daraus, daß der Mensch sich auch in dieser Beziehung die Möglichkeit eröffnen kann, das Göttlich-Geistige in seinem Inneren wirklich wahrzunehmen, etwas in sich zu erleben, was über das von außen angeregte und erregte Leben hinausgeht.

[ 5 ] Many other things will be connected to this. It will involve our recognizing once again how our true humanity lies deep within our being and is gradually emerging. I once drew your attention to the early stages of human evolution—those periods that, from an anthroposophical perspective, we recognize as the first and second post-Atlantean epochs of human development, and so on. I have pointed out to you how, in those days, people were capable of development well into old age—a capacity that today is found only in very young people. Very young people undergo a physical development around the age of seven, during the change of teeth. They undergo another metamorphosis expressed in physical life with the onset of sexual maturity. Then the processes taking place in their development become less noticeable in their outer lives. It was not like that in ancient times. Back then, what a person experienced spiritually and emotionally was expressed well into much later stages of life. Now this goes unnoticed. Now we simply become “old people” as early as seventeen or eighteen, and today we are horrified to see very young people behaving like old people. An example: Some time ago, we had a meeting of the Cultural Council in Stuttgart where the topic of discussion was the current state of education. The subject was addressed from a wide variety of perspectives. Then a young man took the floor—let’s say a young man, though I could also call him an older boy. He said he had to instruct society about the true ideals of education. At first, he spoke a few very clichéd words; then he read aloud the program of a contemporary educational association—though he was constantly interrupted in the process. He was unable to continue speaking, so he concluded his remarks with the following words: “I must therefore conclude that the older generation no longer understands its own youth.”—Then he stepped down. — I had replied that I certainly understood that he had not been understood, but for the simple reason that he spoke in a far too senile manner, that he came across as far too old-fashioned. For he presented principles that were truly the height of abstraction—old-fashioned! For what is the essence of today’s old-fashioned mindset? It is this: that a person is usually capable of development only up to a certain age; then they take in all sorts of things, and they are not yet ashamed to continue developing. Then come the years around the age of twenty, when they become ashamed to continue developing. We very rarely see today that people who already have gray hair and wrinkles on their faces look forward to each coming year, for the reason that each coming year offers the organism new possibilities for development, so that in each new year one could learn something new that one simply could not learn before because one’s organism was not yet capable of it. But people today do not allow their organism to develop. They are ashamed to learn anything new or to make themselves capable of further development once they have reached the “youthful” age of thirty. What matters is that human beings truly retain the ability to look forward to each new year throughout their entire lives, because every year conjures up the divine-spiritual contents of their inner being in new forms. This is something I would like to emphasize: that we must learn, in truth and in reality, to experience not merely our youth as capable of development, but our entire existence between birth and death. Of course, this will require a new kind of education. When our older people look back on their school years, they usually do not recall anything pleasant. We must be able to shape the school years in such a way that, when we look back on them, they are always a new source of renewal for us. You can see from this that, in this regard as well, human beings can open up the possibility for themselves to truly perceive the divine-spiritual within their inner being—to experience something within themselves that goes beyond a life stimulated and stirred from the outside.

[ 6 ] Noch andere Dinge werden in der Gegenwart notwendig erkannt werden müssen. Die Menschen wissen heute noch nicht ein Geheimnis des Lebens, das mit dem gegenwärtigen Entwicklungszeitpunkt der Menschheit innig zusammenhängt. In älteren Zeiten, vor der Mitte des 15. Jahrhunderts, brauchte man auf dieses Geheimnis keine große Rücksicht zu nehmen. Heute ist es notwendig, darauf hinzuschauen. Dieses Geheimnis des Lebens besteht darin, daß der Mensch, wie er jetzt konstituiert ist — leiblich, seelisch, geistig —, in der Nacht in einer gewissen Weise jedesmal auf die Ereignisse des kommenden Tages blickt, aber so, daß er diese Ereignisse des kommenden Tages nicht immer braucht im vollen Tagesbewußtsein zu haben. Der es hat, das ist sein Angelos. Also, was in einer Nacht erlebt wird in der Gemeinschaft mit dem Wesen, das wir als Engel bezeichnen, ist eine Vorschau auf den kommenden Tag. Nun müssen Sie das nicht vom Standpunkte der menschlichen Neugier aus betrachten, das wäre ein ganz falscher Gesichtspunkt, sondern vom Standpunkt des praktischen Lebens aus. Nur dann, wenn der Mensch ganz innerlich durchdrungen ist von dieser Gesinnung, wird er in der richtigen Weise Entschlüsse fassen, wird er Gedanken herübernehmen in seinen Tageslauf hinein. Nehmen wir an, ganz konkret, der Mensch solle zu irgendeiner Tageszeit, zum Beispiel um zwölf Uhr, etwas tun. Über das, was er da tun soll, war schon Verhandlung zwischen ihm und seinem Angelos in der vorhergehenden Nacht. Das ist so mit dem Menschen seit der Mitte des 15. Jahrhunderts. Er braucht es nicht im Bewußtsein zu haben, es ist nicht auf seine Neugier abgesehen. Aber der Mensch sollte von dieser Gesinnung durchdrungen sein, daß er das, was er mit seinem Engelwesen in der vorhergehenden Nacht verhandelt hat, fruchtbar machen soll im Laufe des Tages.

[ 6 ] There are still other things that will need to be recognized as necessary in the present. People today are still unaware of a mystery of life that is intimately connected with the current stage of human development. In earlier times, before the middle of the 15th century, there was no need to pay much attention to this mystery. Today, it is necessary to pay attention to it. This mystery of life consists in the fact that human beings, as they are now constituted—physically, psychically, and spiritually—look in a certain way each night toward the events of the coming day, but in such a way that they do not always need to have these events of the coming day fully present in their daytime consciousness. For those who do, that is their Angelos. So, what is experienced during the night in communion with the being we call an angel is a preview of the coming day. Now, you must not view this from the standpoint of human curiosity—that would be an entirely wrong perspective—but rather from the standpoint of practical life. Only when a person is completely imbued with this attitude will they make decisions in the right way and incorporate these thoughts into their daily routine. Let’s take a concrete example: suppose a person is supposed to do something at a certain time of day, for example at noon. What they are to do has already been discussed between them and their Angelos the previous night. This has been the case with human beings since the mid-15th century. They do not need to be conscious of it; it is not intended to arouse their curiosity. But human beings should be imbued with this attitude, so that they may bring to fruition during the course of the day what they negotiated with their angelic being the previous night.

[ 7 ] Es gibt mancherlei in der Gegenwart, das in erschütternder Weise die Menschen auf dasjenige hinweisen kann, was ich jetzt zu Ihnen gesagt habe. Gerade die Schmerzensjahre, die letzten vier bis fünf Jahre, können diese große Lehre auch in die Menschheit hereinträufeln, daß dieses Bewußtsein von dem Verbundensein mit den höheren Wesenheiten an jedem Tag durch die Erlebnisse der vorhergehenden Nacht leider nicht vorhanden war. Was alles wäre anders geworden in den letzten vier bis fünf Jahren, wenn diese Gesinnung die Menschen durchdrungen hätte: Was du tust, das tust du im Einklange mit den Verhandlungen mit deinem Engelwesen im Laufe der letzten Nacht. — Das sind Dinge, von denen heute gesprochen werden muß. Es muß davon gesprochen werden, daß der Mensch wird lernen müssen, dieses Leben zwischen Geburt und Tod als eine Fortsetzung des geistig-seelischen Lebens anzusehen, das er vor der Geburt zugebracht hat. Davon muß gesprochen werden, daß der Mensch die Offenbarungen des Gottes in seinem Wesen durch sein ganzes Leben hindurch soll erfahren können. Und davon muß gesprochen werden, daß der Mensch ein starkes Bewußtsein durch das ganze Tagesleben tragen soll: Was du tust vom Morgen bis zum Abend, das hast du vorher in der Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen mit deinem Engelwesen verhandelt.

[ 7 ] There are many things in the present that can poignantly remind people of what I have just told you. It is precisely these years of suffering—the last four to five years—that can instill in humanity this great lesson: that, unfortunately, this awareness of our connection to the higher beings was not present each day through the experiences of the previous night. How different everything would have been in the last four to five years if this attitude had permeated people’s minds: What you do, you do in harmony with the consultations with your angelic being that took place during the course of the previous night. — These are things that must be spoken of today. It must be spoken of that human beings will have to learn to regard this life between birth and death as a continuation of the spiritual-soul life they lived before birth. We must speak of the fact that human beings should be able to experience the revelations of God within their being throughout their entire lives. And we must speak of the fact that human beings should carry a strong awareness through their entire daily life: What you do from morning until evening, you have previously negotiated with your angelic being during the time between falling asleep and waking up.

[ 8 ] Zu solchen Empfindungen, die viel konkretere Empfindungen gegenüber der geistigen Welt sind als die heutigen abstrakteren der Konfessionen, und die zu gleicher Zeit voraussetzen, daß nicht an die egoistischen, sondern an die unegoistischen Triebe der menschlichen Wesenheit appelliert werde, zu solchen Empfindungen müssen sich die Menschen wenden. Und aus solchen Empfindungen heraus wird das entstehen, was die notwendige Beziehung abgeben wird zu jenen Wesenheiten, die der Hierarchie der Angeloi angehören. Dann werden sich diese Wesenheiten wieder für den Menschen interessieren können. Die Gesinnung der Menschen gegenüber der geistigen Welt muß in dieser angegebenen Richtung sich bewegen.

[ 8 ] People must turn to such feelings—feelings that are far more concrete in relation to the spiritual world than the more abstract ones found in today’s religious denominations, and which at the same time require that we appeal not to the selfish but to the unselfish impulses of the human being. And from such feelings will arise what will constitute the necessary relationship to those beings who belong to the hierarchy of the Angeloi. Then these beings will once again be able to take an interest in humankind. People’s attitude toward the spiritual world must move in the direction indicated here.

[ 9 ] Noch etwas muß durchschaut werden. Sie wissen, die gegenwärtigen Konfessionen reden viel von Gott und dem Göttlichen. Von was reden sie eigentlich? Sie reden natürlich nur von dem, wovon ein wenigstens ahnendes Bewußtsein in der Menschenseele vorhanden ist. Es kommt ja nicht darauf an, wie man eine Sache nennt, sondern was in der Menschenseele vorhanden ist. Die Menschen reden von Gott, sie reden von dem Christus, aber sie meinen immer nur den Engel. Denn das ist noch dasjenige, zu dem sich die Menschen wenden können, weil das noch einen verwandten Ton in ihren Seelen anschlägt. Gleichgültig, wovon heute die Konfessionen reden, ob von Gott oder Christus oder irgend etwas anderem, das Gedankenmaterial, aus dem heraus gesprochen wird, umfaßt nur die zu den Menschen gehörigen Engelwesen, die Angeloi. Höher kommt es heute nicht als bis in diese Hierarchie, weil die Menschen heute abgeneigt sind, in einer noch umfassenderen Weise als aus dem Egoismus heraus ihr Verhältnis zur geistigen Welt zu suchen. Das Verhältnis zu den Archangeloi, zu der Hierarchie der Erzengel, muß eben in anderer Weise gesucht werden. Die Interessen, welche die Menschen heute haben, müssen wesentlich erweitert werden. Ich will Ihnen eine Probe geben, wie die Interessen der Menschen erweitert werden müssen, so daß sie in ihren Empfindungen aufsteigen können von der Hinneigung zu den Angeloi bis hinauf zu den Archangeloi.

[ 9 ] There is something else that must be understood. As you know, today’s denominations speak a great deal about God and the divine. What are they actually talking about? Of course, they speak only of that of which there is at least a vague awareness in the human soul. After all, it does not matter what one calls a thing, but rather what is present in the human soul. People speak of God; they speak of Christ—but they always mean only the angel. For that is still the entity to which people can turn, because it still strikes a familiar chord in their souls. No matter what the denominations speak of today—whether of God, Christ, or anything else—the mental material from which they speak encompasses only the angelic beings associated with humanity, the Angeloi. Today, people do not rise higher than this hierarchy, because they are averse to seeking their relationship to the spiritual world in a way that is more comprehensive than one rooted in selfishness. The relationship to the Archangeloi, to the hierarchy of the archangels, must simply be sought in a different way. The interests that people have today must be significantly expanded. I want to give you an example of how people’s interests must be expanded so that their feelings can rise from an inclination toward the Angeloi all the way up to the Archangeloi.

[ 10 ] Da müssen die Menschen ungefähr folgendes in ihren Seelen durchmachen und sich sagen: Wir haben in den letzten vier bis fünf Jahren furchtbare Ereignisse über die ganze zivilisierte Welt hin erlebt. Viele Menschen haben nach den Gründen dieser Ereignisse gefragt, viele haben sich gegenseitig angeklagt. Von Schuld und Unschuld hat man viel gesprochen. Und dennoch, man braucht nur die alleräußerste Oberflächlichkeit abzulegen, so wird man nicht viel Interesse haben können für solches Gerede von Ursachen, von Schuld und Unschuld, aus dem einfachen Grunde, weil man doch sehen kann, daß das, was in den letzten vier bis fünf Jahren an die Oberfläche getragen worden ist, sich ausnimmt wie die Wogen des Meeres, welche durch die Kräfte des Meeres aus den Untergründen an die Oberfläche heraufgetragen werden. Es war ja so, daß von Jahr zu Jahr die Kräfte der Menschheit mehr aufgewühlt wurden. Ein Volk nach dem anderen nahm teil an der großen Menschentorheit der letzten Jahre, und man konnte nur sagen: Da wühlt etwas an elementaren Kräften, wird an die Oberfläche geworfen. Das Meer des Menschenlebens ist unruhig geworden. Was ist das?

[ 10 ] People must go through something like this in their souls and say to themselves: Over the past four to five years, we have witnessed terrible events across the entire civilized world. Many people have asked about the reasons for these events; many have accused one another. There has been much talk of guilt and innocence. And yet, one need only set aside the most superficial of perspectives, and one will not be able to take much interest in such talk of causes, of guilt and innocence, for the simple reason that one can see that what has been brought to the surface over the past four to five years resembles the waves of the sea, which are carried up from the depths to the surface by the forces of the sea. It was indeed the case that, year after year, the forces of humanity were becoming more and more agitated. One nation after another took part in the great human folly of recent years, and one could only say: Something is stirring up elemental forces, which are being thrown to the surface. The sea of human life has become turbulent. What is this?

[ 11 ] Man wird nicht darüber zur Klarheit kommen, wenn man diese Tatsache, daß die Menschheit in eine solche Unruhe gekommen ist, nicht ausdehnt auf den Zeitraum, den man als Geschichte bezeichnet. Man wird sich sagen müssen: Was in den letzten vier bis fünf Jahren als Waffenkampf geschehen ist, das ist nur der Anfang von Ereignissen, die sich auf einem ganz anderen Gebiete abspielen werden, die aber in ihrer Art auch noch nicht in der Menschheit dagewesen sind. Wir stehen nicht am Ende — das sagt sich nur eine oberflächliche Betrachtung der Menschheitsentwicklung —, wir stehen am Ausgangspunkte der größten Kämpfe, der geistigen Kämpfe der zivilisierten Welt. Und alle Sorge müssen wir darauf wenden, diesen Kämpfen gewachsen zu sein. Orient und Okzident drohen immer mehr und mehr, in den nächsten Zeiten seelenhaft einander gegenüberzustehen. Denn Orient und Okzident haben sich nach zwei ganz verschiedenen Richtungen hin entwickelt. Will man in diese Dinge hineinschauen, dann muß man sich gewisse Erscheinungen der Gegenwart tief-gründlich als Rätsel vorlegen.

[ 11 ] One cannot gain clarity on this matter unless one extends the fact that humanity has fallen into such turmoil to encompass the entire period we call history. One will have to admit: What has taken place over the last four to five years in the form of armed conflict is only the beginning of events that will unfold in an entirely different realm—events that, in their nature, have never before been seen in human history. We are not at the end—that is merely the conclusion of a superficial view of human development—we are at the starting point of the greatest struggles, the spiritual struggles of the civilized world. And we must devote all our attention to ensuring that we are up to the task of these struggles. The East and the West threaten more and more to stand opposed to one another in a spiritual sense in the times to come. For the East and the West have developed in two entirely different directions. If one wishes to gain insight into these matters, one must regard certain phenomena of the present as profound mysteries.

[ 12 ] Seit Jahrzehnten schon konnte man in sozialistischen Kreisen aus der Marxistischen Weltanschauung heraus hören, daß alles, was die Menschen als Kunst, Religion, als Sitte, Recht, Wissenschaft erleben, Ideologie ist. Ich habe das ausführlicher dargestellt in dem ersten Kapitel der «Kernpunkte der sozialen Frage». Das heißt, was in den bürgerlich führenden Kreisen seit drei bis vier Jahrhunderten als eine Lebensauffassung sich entwickelt hat, was aber aus einer gewissen Feigheit die bürgerlichen Kreise sich nicht gestanden haben, das haben sich aus einer Wahrheit heraus die sozialistischen Kreise des letzten halben Jahrhunderts gestanden. Sie haben gesagt: Die wahre Wirklichkeit des sozialen Lebens besteht nur in dem, was wirklich vor sich geht, in den ökonomischen Kräften der Wirtschaftliegtallein das Reale. Was sich in der Menschheit ausbildete als Kunst, Religion, Sitte, als Wissenschaft, als Recht, als Moral, das ist nur etwas wie ein aufsteigender Rauch aus der wahren Wirklichkeit. Das ist bloß Ideologie, das hat keine Wirklichkeit, das hat nur eine Scheinwirklichkeit. — Damit hängt ja für das soziale Streben der sozialistischen Parteien in der neueren Zeit das zusammen, daß diese Parteien sagen: Wir brauchen nur das Wirtschaftsleben umzuändern, dann ändert sich mit dem Wirtschaftsleben auch alles andere. Denn das andere, Moral, Sitte, Recht, Religion und so weiter ist ja nur etwas, was als Rauch aufsteigt, als ein Unwirkliches, als Ideologie, aus dem einzig Wirklichen, aus dem wirtschaftlichen Geschehen.

[ 12 ] For decades now, one has heard in socialist circles—based on the Marxist worldview—that everything people experience as art, religion, customs, law, and science is ideology. I have discussed this in greater detail in the first chapter of *The Key Points of the Social Question*. In other words, what has developed over the past three to four centuries as a worldview among the leading bourgeois circles—but which, out of a certain cowardice, the bourgeois circles have not dared to acknowledge—has been acknowledged by socialist circles over the past half-century as a matter of truth. They have said: The true reality of social life consists solely in what is actually taking place; the economic forces of the economy alone constitute the real. What has developed in humanity as art, religion, custom, science, law, and morality is merely something like smoke rising from the true reality. That is merely ideology; it has no reality—it has only an illusory reality.” —This is precisely why the social aspirations of socialist parties in recent times are based on the belief that these parties say: “We need only transform economic life, and then everything else will change along with it.” For the rest—morality, customs, law, religion, and so on—is, after all, merely something that rises like smoke, as something unreal, as ideology, from the only reality: economic activity.

[ 13 ] Wer aber die Welt nicht im Kleinen, sondern im Großen betrachtet, der nimmt Stellung zu diesem Wort «Ideologie», das die bürgerlichen Kreise hätten sagen können seit drei bis vier Jahrhunderten. Sie waren nur zu feige dazu, sie haben gefühlt, daß das ökonomische Leben das einzig wirkliche ist und daß das, was als Wissenschaft, Kunst, Religion und so weiter herausgeholt ist, nur wie ein Rauch ist. Das ganze Leben war so, und nur die letzte Konsequenz ist von den Schülern dieser bürgerlichen Welt gezogen worden. Denn die Sozialisten sind nur die Schüler dieser bürgerlichen Welt, haben sie nur ins Extrem geführt. Was ich aber jetzt gesagt habe, ist die Anschauung, die sich im Okzident herausbildete, und die dort gerade in der zweiten Hälfte des 19. und im 20. Jahrhundert zu ihrem Gipfel gekommen ist.

[ 13 ] But anyone who views the world not on a small scale but on a large one takes a stand on this word “ideology,” which bourgeois circles could have been using for three or four centuries. They were simply too cowardly to do so; they sensed that economic life is the only real one, and that what is set apart as science, art, religion, and so on is merely like smoke. Life as a whole was like that, and only the final conclusion has been drawn by the disciples of this bourgeois world. For the socialists are merely the disciples of this bourgeois world; they have merely taken it to the extreme. But what I have just said is the worldview that took shape in the West and reached its peak there precisely in the second half of the 19th and in the 20th century.

[ 14 ] Aus anderen Impulsen heraus stellt sich etwas hin im Orient, der eine Weltanschauung ausgebildet hat, die da sagt: Ich blicke hin auf das, was äußerlich in der Welt vorgeht. Ich sehe auf das, was meine Sinne mir als Eindrücke übermitteln, ich sehe auf das, was ich als Werkzeug benutze, um die Welt umzuändern, ich sehe auf das, was aus den Sternen herunterscheint zu mir, ich sehe auf das, was ich selbst leiblich bin. Was ist das alles? — Maja ist es. Was ist dagegen die wahre Wirklichkeit, was ist nicht Täuschung? Was im Inneren der menschlichen Seele erlebt wird, das ist die Wirklichkeit. — Wer nicht lexikographisch, wobei nichts herauskommt, sondern innerlich übersetzt, der weiß, dasselbe Wort, das im Orient Maja heißt, heißt im Okzident Ideologie. Der Orientale hat seit Jahrtausenden die Welt draußen, die auf unsere Sinne wirkt, auch die Wirtschaft, als Maja angesehen. Der Okzidentale dagegen sieht in dem, was äußerlich ist, was für den Orientalen Maja ist, die Wirklichkeit, und was in der Seele aufsteigt, das ist ihm Ideologie. Beide Weltanschauungen haben es bis zu einer gewissen Stufe gebracht. Fragen Sie heute noch die führenden Persönlichkeiten der sozialistischen Parteien, namentlich in denjenigen Gegenden, wo die erste Revolution noch nicht eingetreten ist — die man hier als die Novemberrevolution aufzufassen hat. Diese Revolution hat allerdings auch die Begriffe bei den sozialistischen Führern etwas umgeändert. Nicht die Empfindungen, aber die Begriffe —; bei ihnen hören Sie auch heute noch das, was man bis zur Kriegskatastrophe gehört hat, die Anschauung, daß man nicht aus dem Willen heraus etwas beizutragen brauche zur Umwandlung, zur Revolutionierung der Welt, sondern daß das von selbst eintreten werde. Etwas Fatalistisches war im Okzident eingetreten. Die Leute haben gesagt: Wir brauchen nur abzuwarten, bis sich die Produktionsmittel so entwickelt haben werden, daß das, was sich im Privatkapital konzentriert hat, von selbst in andere Formen übergehen wird. Das Denken war so geartet, daß man etwa sagte: Hier in diesem Zimmer ist schlechte Luft, ich kann nicht mehr atmen. Man könnte das Fenster aufmachen, aber ich mache es nicht auf. Ich warte ab, bis die Luft von selbst besser wird.

[ 14 ] Driven by other impulses, a certain perspective has emerged in the Orient that has developed a worldview which says: I look at what is happening externally in the world. I look at what my senses convey to me as impressions; I look at what I use as a tool to transform the world; I look at what shines down to me from the stars; I look at what I myself am physically. What is all this? — It is Maya. What, then, is true reality; what is not illusion? What is experienced within the human soul—that is reality. — Whoever translates not in a lexicographical sense—which yields nothing—but inwardly, knows that the same word that is called Maya in the East is called ideology in the West. For millennia, the Easterners have regarded the external world—which acts upon our senses, including the economy—as Maya. The Westerners, on the other hand, see in what is external—what is Maya for the Easterners—reality, and what arises within the soul is, for them, ideology. Both worldviews have reached a certain level. Ask the leading figures of the socialist parties today—especially in those regions where the first revolution has not yet taken place—which here must be understood as the November Revolution. This revolution, however, has also somewhat altered the concepts held by socialist leaders. Not the feelings, but the concepts—; even today you still hear from them what was heard up until the catastrophe of the war: the view that one need not contribute anything out of one’s own will to the transformation, to the revolutionizing of the world, but that this will happen of its own accord. A certain fatalism had taken hold in the West. People said: We need only wait until the means of production have developed to such an extent that what has become concentrated in private capital will of its own accord take on other forms. The mindset was such that people would say, for example: The air in this room is bad; I can no longer breathe. I could open the window, but I won’t. I’ll wait until the air improves on its own.

[ 15 ] Fatalismus des Okzidents, Fatalismus des Orients, wir kennen ihn gut. Die Menschen verfielen im Osten — nicht gleich im Anfange —, als sich die Weltanschauung der Maja herausgestaltete, in einen vollständigen Fatalismus. Jede Weltanschauung hat aus ihrer inneren Gesetzmäßigkeit heraus den Trieb, einmal fatalistisch zu werden. Aber heute stehen wir an dem Punkt, wo wir uns sagen müssen: Aus dem Fatalismus muß herausgekommen werden. Von der bloßen Betrachtung, der Kontemplation, muß der Übergang gefunden werden zum Willen, zum Wollen. Wir müssen unser Wollen dadurch impulsieren, daß wir solche Impulse entwickeln, wie ich sie gerade angegeben habe: gegenüber dem Geborenwerden als Fortsetzung des vorgeburtlichen Lebens, gegenüber dem Jungbleiben, bis man weiße Haare und Runzeln bekommt, gegenüber dem Hereinspielen der nächtlichen Arbeit des Angelos in das Tagesleben. Das ist notwendig. Es ist notwendig, daß der Mensch dadurch Impulse aufnimmt für sein Willensleben, indem er dann seinen Interessenkreis erweitert, in dem er nicht nur das sieht, was in sein eigenes persönliches individuelles Leben hereinspielt, sondern sieht, was in der zivilisierten Welt differenziert sich abspielt. Blicken wir nach Westen, wozu wir selbst gehören: wir sehen Ideologie — die innere Welt. Wirklichkeit — die äußere Welt. Blicken wir nach Osten: Ideologie, Maja — die äußere Welt. Wirklichkeit — die innere Welt. Und wir haben in dem Aufeinanderprallen der Menschen der Gegenwart die Aufgabe, willentlich herauszufinden den Weg aus dem, was schon Fatalismus geworden ist in dieser Weltanschauung. Wir müssen diesen Weg suchen; wir werden ihn nur finden, wenn wir Ernst machen können mit etwas, was die Menschen heute noch furchtbar ärgert.

[ 15 ] Fatalism in the West, fatalism in the East—we know it well. In the East—though not right from the start—as the Maya worldview took shape, people fell into complete fatalism. Every worldview, by virtue of its inner laws, has the tendency to eventually become fatalistic. But today we have reached the point where we must tell ourselves: We must break free from fatalism. We must find the transition from mere observation, from contemplation, to the will, to the act of willing. We must stimulate our will by developing the kinds of impulses I have just described: regarding birth as a continuation of prenatal life, regarding remaining young until one gets white hair and wrinkles, and regarding the way the Angelos’s nocturnal work plays into daily life. This is necessary. It is necessary for a person to absorb impulses for their life of will in this way, by expanding their sphere of interest so that they see not only what plays into their own personal, individual life, but also what is taking place in a differentiated manner in the civilized world. Let us look to the West, to which we ourselves belong: we see ideology—the inner world. Reality—the outer world. Let us look to the East: ideology, Maya—the outer world. Reality—the inner world. And in the clash of people today, we have the task of consciously finding a way out of what has already become fatalism in this worldview. We must seek this path; we will find it only if we can take seriously something that still terribly annoys people today.

[ 16 ] Es kam ein merkwürdiges Echo einmal, als ich in einer süddeutschen Stadt in einem Vortrage etwas sagte, was die Leute recht ärgerte, aber es war eine der gegenwärtig notwendigen Wahrheiten. Man kann nicht die Dinge, die man ausspricht, so sagen, daß es die Leute erfreut, sondern man muß es so sagen, daß es Wahrheit ist. Ich mußte im Zusammenhange sagen: Gerade die führende Klasse der Gegenwart habe ein dekadentes physisches Gehirn. Es ist unangenehm, wenn man das aussprechen muß, es ist nicht bloß unangenehm, dies zu hören. Aber es ist notwendig, daß der Mensch es erfährt. Gerade die Menschen, welche die heutige Zeitkonfiguration herbeigeführt haben, sind dabei angekommen, ein dekadentes physisches Gehirn zu haben. Das ist so! Und wir sind in gewisser Beziehung heute in einem ähnlichen Falle, wie die Menschen Europas waren bei der Völkerwanderung und der Ausbreitung des Christentums. Vom Orient herüber kam der christliche Impuls, er ging zuerst durch Griechenland und Rom. Die griechische, die römische Welt war natürlich weit höher entwickelt als die germanische. Die Germanen waren Barbaren. Aber die Gehirne der Griechen und Römer waren dekadent. Daher wurde die christliche Welle in der griechischen und der römischen Welt nicht so aufgenommen, wie sie es wurde, als sie an die Germanen herankam. Das ist die Völkerwanderung, die horizontal gegangen ist. Heute ist sie vertikal. Heute kommt eine Welle geistigen Lebens aus der geistigen Welt. Wie das Christentum zuerst aufprallte auf die Griechen und Römer, so prallt die geistige Welt auf die gegenwärtige, auf die bürgerliche Welt auf, und die ist dekadent. Die Proletarier sind noch nicht dekadent; sie werden noch begreifen, was gemeint ist mit der spirituellen Welt. Aber die anderen werden die Vorbereitung durch Anthroposophie gebrauchen, das heißt, denjenigen Teil des Gehirns ausbilden müssen, der noch nicht physisch ist, das ätherische Gehirn. Wir stehen heute einmal vor der Notwendigkeit, daß die führenden Klassen nicht nur ein dekadentes Gehirn haben werden, sondern ganz in die Dekadenz kommen werden, wenn sie nicht begreifen, daß sie übersinnlich die spirituelle Weltanschauung erfassen müssen.

[ 16 ] There was a strange reaction once when, during a lecture in a city in southern Germany, I said something that really annoyed people, but it was one of the truths that are necessary at the present time. You cannot say the things you say in a way that pleases people; rather, you must say them in a way that is true. In that context, I had to say: It is precisely today’s ruling class that has a decadent physical brain. It is unpleasant to have to say this; it is not merely unpleasant to hear it. But it is necessary for people to learn this. It is precisely those people who have brought about the current state of affairs who have come to possess a decadent physical brain. That is the reality! And in a certain sense, we find ourselves today in a situation similar to that of the people of Europe during the Migration Period and the spread of Christianity. The Christian impulse came from the East; it first passed through Greece and Rome. The Greek and Roman worlds were, of course, far more highly developed than the Germanic world. The Germanic peoples were barbarians. But the minds of the Greeks and Romans were decadent. Therefore, the Christian wave was not received in the Greek and Roman worlds in the same way it was when it reached the Germanic peoples. That is the Migration Period, which proceeded horizontally. Today it is vertical. Today a wave of spiritual life is coming from the spiritual world. Just as Christianity first collided with the Greeks and Romans, so the spiritual world is colliding with the present-day, bourgeois world—and that world is decadent. The proletariat is not yet decadent; they will yet come to understand what is meant by the spiritual world. But the others will need the preparation offered by anthroposophy—that is, they will have to develop that part of the brain that is not yet physical: the etheric brain. Today we are faced with the necessity that the ruling classes will not only have a decadent brain, but will fall entirely into decadence if they do not realize that they must grasp the spiritual worldview through supersensible means.

[ 17 ] Das ist die Tragik der bürgerlichen Weltordnung, daß sie alles physisch begreifen möchte, während man darauf angewiesen ist, heute mit dem Äthergehirn die Dinge zu erfassen, das heißt spirituelle Wahrheiten in sich aufzunehmen. Da hinein muß die Menschheit der Gegenwart steuern, und da muß der Westen die Führung in die Hand nehmen. Und hier müssen wir uns mit etwas sehr Wichtigem bekanntmachen.

[ 17 ] This is the tragedy of the bourgeois world order: it seeks to understand everything physically, whereas today we are dependent on the etheric brain to grasp things—that is, to take spiritual truths into ourselves. That is the direction in which contemporary humanity must steer, and that is where the West must take the lead. And here we must familiarize ourselves with something very important.

[ 18 ] Sehen Sie sich die Sprachentwicklung an, von Osten nach Westen gehend. Nehmen wir noch unsere deutsche Sprache. Sie wird ja heute furchtbar mißbraucht, aber wir wissen, daß sie die Eigentümlichkeit hat, wenn wir noch in die Goethesche, in die Lessingsche Sprache zurückblicken, daß vor noch nicht langer Zeit mit den Worten der deutschen Sprache das Kongruente bezeichnet werden konnte, was geistiges Leben ist. Heute haben wir die Sprache furchtbar negligiert, zur Phrase heruntergewürdigt. Aber da liegt es noch nicht in der Sprache allein, daß sie nicht spirituell sein kann. Je weiter wir aber zu den westlichen Sprachen gehen, desto mehr finden wir, daß diese Sprachen aus der Sprache selbst, aus den Lauten der Sprache, aus dem Ton der Sprache, auch aus der Grammatik der Sprache das eigentliche Geistige herausgeworfen haben. Und aus diesem Herausgeworfenhaben des Geistig-Seelischen aus dem anglo-amerikanischen Idiom, folgt die Weltmission der anglo-amerikanischen Völker. Diese Weltmission der anglo-amerikanischen Völker besteht darin, daß sie lernen — sie lernen es ganz instinktiv, aber sie werden es lernen, und im Ergreifen der Weltherrschaft lernen sie es —, indem sie den anderen Menschen zuhören, nicht nur den Laut zu vernehmen, sondern die Geste der Sprache zu deuten, mehr zu vernehmen als den bloß physischen Laut, etwas zu vernehmen, wenn gesprochen wird, was von Mensch zu Mensch zwar, aber doch über das Gesprochene hinaus, übergeht. Das wirkt von Ätherleib zu Ätherleib. Das ist das Geheimnis der westlichen Sprachen, daß der physische Ton seine Bedeutung verliert. Und das Geistige gewinnt an Bedeutung. Da liegt es schon in der Volksaufgabe, in die Sprache hinein den Geist träufeln zu lassen, nicht bloß physisch zu hören, sondern zu intuitieren, mehr zu empfinden als dasjenige, was in den Laut hineingeht. Das ist im Westen, da wird durch die Sprache selbst das Geistige gesucht werden müssen.

[ 18 ] Take a look at the development of language, moving from east to west. Let’s take our German language as an example. It is, of course, terribly misused today, but we know that it has this distinctive feature—if we look back to the language of Goethe and Lessing—that not so long ago, the words of the German language could express the very essence of what spiritual life is. Today we have terribly neglected the language, reducing it to mere clichés. But the fact that it cannot be spiritual does not lie in the language alone. The further we move toward the Western languages, however, the more we find that these languages have expelled the very essence of the spiritual from the language itself—from its sounds, its tone, and even its grammar. And from this expulsion of the spiritual-soul aspect from the Anglo-American idiom follows the world mission of the Anglo-American peoples. This world mission of the Anglo-American peoples consists in their learning—they learn it quite instinctively, but they will learn it, and in seizing world domination they will learn it—by listening to other people, not merely to hear the sound, but to interpret the gesture of language, to perceive more than the mere physical sound, to perceive, when speech occurs, something that passes from person to person, yet transcends what is spoken. This works from etheric body to etheric body. This is the secret of Western languages: that the physical sound loses its meaning. And the spiritual gains in significance. It is therefore the task of the people to allow the spirit to permeate the language—not merely to hear physically, but to intuit, to perceive more than what is contained in the sound itself. In the West, the spiritual must be sought through language itself.

[ 19 ] Blicken wir nun nach dem Osten, so werden wir einen immer weiter und weitergehenden Drang bei den Völkern des Ostens verspüren, mit der Vertiefung in das Innere hinein nicht bei dem stehenzubleiben, was früher ausgestaltet worden ist an Karma, an Reinkarnation und so weiter, sondern hinauszuschauen in die Welt und in der Welt draußen Geistiges zu vernehmen, auch eine Art Naturanschauung zu begründen.

[ 19 ] Let us now turn our gaze to the East, we will sense an ever-increasing urge among the peoples of the East, as they delve deeper inward, not to stop at what has previously been elaborated upon regarding karma, reincarnation, and so on, but to look out into the world and perceive the spiritual in the world outside, and also to establish a kind of view of nature.

[ 20 ] Das sind nur kleine Proben, wie man seine Interessen erweitern kann von seiner Persönlichkeit und auch von seinem Volkstum aus auf die ganze Menschheit, wie man sich sagen kann: Wir blicken nach Westen und sehen dort Ideologie, aber andere Ideologie als im Osten. Wir sehen aber, wie aus diesen Gegensätzen heraus die elementaren Kräfte aufgewühlt werden innerhalb der Erdenmenschheit. Wir lernen erkennen, drinnen zu stehen in der ganzen zivilisierten Welt. Und wenn wir solche Erkenntnis des Drinnenstehens in der ganzen zivilisierten Welt in uns entwickeln, dann entwickeln wir in uns auch das Zeug, zu Empfindungen zu kommen, durch die wir über die Sphäre der Angeloi hinaufkommen. Es wird einfach unser Interessenkreis so erweitert, daß wir Begriffen geneigt gemacht werden, die in die Sphäre der Archangeloi hinaufgehen. Denn alles, was ich jetzt erzählt habe von dem Gegensatz von Ideologie und Maja und so weiter, das ist etwas, was sich in bezug auf seine Urkräfte abspielt in der Sphäre der Archangeloi, der Erzengel. Da kommen wir über die Sphäre der Angeloi hinaus. Sie sehen daraus, was dem Menschen der Gegenwart wirklich vonnöten ist. Wenn heute jemand redet von Maja, von Ideologie und so weiter, wie ich es auseinandergesetzt habe, und wenn er gar davon spricht: die Urkräfte dessen liegen in der Sphäre der Archangeloi, was ist er dann bei den gescheiten Leuten? Ein Narr, selbstverständlich, weil die Menschen durch die Geistigkeit, die sie gewonnen haben, so eingeengt sind, daß sie sich nicht interessieren für die großen Interessen der Menschheit. Das kann man nur von einem geistigen Gesichtspunkte aus, nur wenn man in das eindringt, was an den großen Interessen der Menschheit arbeitet.

[ 20 ] These are just small examples of how one can broaden one’s interests—starting from one’s own personality and cultural heritage—to encompass all of humanity, how one can say to oneself: We look to the West and see ideology there, but an ideology different from that of the East. But we see how, out of these opposites, the elemental forces are stirred up within humanity on Earth. We learn to recognize that we are at the very heart of the entire civilized world. And when we develop within ourselves this awareness of being at the very heart of the entire civilized world, then we also develop within ourselves the capacity to arrive at feelings through which we rise above the sphere of the Angeloi. Our sphere of interest is simply expanded in such a way that we are drawn toward concepts that ascend into the sphere of the Archangeloi. For everything I have just described regarding the contrast between ideology and Maya and so on—this is something that, in terms of its primal forces, takes place in the sphere of the Archangeloi, the Archangels. There we go beyond the sphere of the angels. From this you can see what is truly necessary for people today. If someone today speaks of Maya, of ideology, and so on, as I have explained, and if they even say that the primal forces behind these lie in the sphere of the archangels, what are they then in the eyes of intelligent people? A fool, of course, because people are so constrained by the spirituality they have acquired that they have no interest in the great concerns of humanity. This can only be understood from a spiritual perspective, only by delving into what is at work in the great concerns of humanity.

[ 21 ] Nun habe ich Ihnen einen Begriff gegeben, wie man hinaufarbeiten kann in die Sphäre der Archangeloi. Man kann noch höher hinaufarbeiten. Auch das muß die Menschheit der Gegenwart lernen. Unsere gebildeten Klassen mußten ja zurückblicken auf die griechische Zeit. Sie mußten ja, namentlich insofern sie Männer waren — und in der neueren Zeit übt man ja diese Prozedur auch an der Frauenjugend aus —, das Gymnasium durchmachen, griechische Bildung in sich aufnehmen, und dadurch hatten sie genügenden Impuls bekommen, immer mehr und mehr sich zurückzufühlen in die griechische Welt. Das hat eine große Bedeutung für unsere Zivilisation, denn wir machen es so, daß wir gerade in unseren wichtigsten Entwicklungsjahren dasjenige lernen, was die Griechen der Welt geleistet haben. Die Griechen haben es anders gemacht. Ihnen ist es natürlich nicht eingefallen, ihren Jungen etwa ägyptische Sprache beizubringen. Sie haben sich dem gewidmet, was ihre unmittelbare Wirklichkeit war. Sie waren von einem unmittelbaren Wirklichkeitssinn. Wir beschäftigen unsere Jugend damit, daß sie nicht etwas kennenlernt von der Umgebung und Wirklichkeitstriebe aufnimmt. Wir versetzen sie in eine alte Zeit. Wir ahnen gar nicht, was wir damit eigentlich tun. Denn wir bringen den Kindern — jungen Herren und jungen Damen muß man wohl sagen — nicht etwa bloß griechische Sprache bei. Sondern in der Sprache, in der Lautkonfiguration, in der Grammatik einer Sprache liegt auch der ganze Charakter eines ganzen Volkes. Indem der Mensch die griechische Sprache aufnimmt, wie es heute geschieht, nimmt auch das Drinnenstehen seiner Seele in der Welt eine ähnliche Konfiguration an, wie es in Griechenland der Fall war. Dort war alles Kulturleben so gestellt, daß nur eine kleine Schicht oben eigentlich teilnahm an der Kultur, die anderen waren Sklaven. Es war ja in Griechenland eines freien Mannes nur würdig, sich mit Wissenschaft, Politik und höchstens noch — aber nur mit der Aufsicht — in der Landwirtschaft zu beschäftigen. Alles andere war Sklavensache. Das liegt in der Sprache. Und indem wir die griechische Kultur mit der Sprache in uns vereinigen, vereinigen wir den Aristokratismus mit unserer Geistesbildung. Für den Griechen war es natürlich, den ganzen sozialen Organismus aufzubauen gemäß seiner Geistesrichtung, denn für ihn hing diese zusammen mit dem Blute. Da waren die Menschen, welche die breiten Massen waren. Dann gab es jene Menschen, die der höhere Typus waren, und die hatten schon durch ihr Blut das höhere Geistesleben in sich. Das kommt sogar in der griechischen Plastik zum Ausdruck. Vergleichen Sie den Merkurtypus, wie die Nase, wie die Ohren gestellt sind, mit dem Zeus- oder Athenetypus: andere Nasenstellung, andere Ohrenstellung. Der Grieche wußte genau, was er ausdrücken wollte, indem er den Merkurtypus auf der einen Seite, den arischen Zeustypus auf der anderen Seite aufbaute.

[ 21 ] Now I have given you an idea of how one can work one’s way up into the sphere of the Archangels. One can work one’s way up even higher. Humanity today must learn this as well. Our educated classes had to look back to the Greek era. They had to—especially insofar as they were men (and in more recent times this practice has also been applied to young women)—attend the gymnasium, absorb a Greek education, and through this they received sufficient impetus to feel themselves drawn more and more back into the Greek world. This is of great significance for our civilization, for we structure our education so that, precisely during our most crucial years of development, we learn what the Greeks contributed to the world. The Greeks did things differently. It naturally never occurred to them to teach their boys the Egyptian language, for example. They devoted themselves to what was their immediate reality. They possessed a direct sense of reality. We occupy our youth in a way that prevents them from getting to know their surroundings and absorbing the impulses of reality. We transport them to an ancient time. We have no idea what we are actually doing. For we are not merely teaching the children—young gentlemen and young ladies, one might say—the Greek language. Rather, the entire character of an entire people lies in the language, in its sound structure, and in its grammar. As people absorb the Greek language, as happens today, the innermost position of their soul in the world also takes on a similar structure to that which existed in Greece. There, all cultural life was arranged in such a way that only a small upper class actually participated in culture; the others were slaves. After all, in Greece it was only befitting of a free man to engage in science, politics, and at most—but only in a supervisory capacity—in agriculture. Everything else was the work of slaves. This is reflected in the language. And as we unite Greek culture with the language within ourselves, we unite aristocracy with our intellectual development. For the Greeks, it was natural to structure the entire social organism according to their spiritual orientation, for to them this was inextricably linked to blood. There were the people who constituted the broad masses. Then there were those who belonged to the higher type, and they already possessed the higher spiritual life within them by virtue of their blood. This is even expressed in Greek sculpture. Compare the Mercury type—the way the nose and ears are positioned—with the Zeus or Athena type: different nose positions, different ear positions. The Greeks knew exactly what they wanted to express by creating the Mercury type on the one hand and the Aryan Zeus type on the other.

[ 22 ] Mehr als wir denken, sind wir von dem allem durchdrungen. Indem wir heute Weltanschauungsideen ausbilden, bilden wir im Grunde genommen solche Ideen aus, die noch dem angepaßt sind, was bei den Griechen aus dem Blute kam. Unser geistiges, unser kulturelles Leben ist durchdrungen von dem, was wir aus dem Griechentum aufnehmen. Das Griechentum ragt in unsere Zeit luziferisch herein. Das Griechentum metamorphosierte sich ins Römertum hinüber. Wir haben eine nächstfolgende Zeit im Römertum. Die Römer waren gegenüber den Griechen ein nüchternes, prosaisches Volk, und sie haben andere Seiten des Lebens ausgebildet. Was bei den Griechen aus dem Blute kam, haben sie abstrakt ausgelebt. Gegenüber den Griechen haben sie den Menschen selbst zu einem Abstraktum gemacht, zum Staatsbürger. Der Mensch ist eigentlich nicht Mensch im römischen Sinne, er ist Staatsbürger. Das ist eine dem Griechen unverständliche Sache. Man ist nicht das, was man ist als Mensch, indem man in die Menschheit eintritt, sondern man ist das, was man ist, indem man einregistriert ist in irgendeine Urkunde des Staates. Das tritt manchmal grotesk zutage. Ich hatte einen alten Freund, der war vierundsechzig Jahre alt. Eines Tages sagte er: Jetzt habe ich mir so viel erspart — er war immer ein armer Kerl gewesen —, daß ich jetzt die Geliebte meiner Jugend heiraten will. — Er hatte sich nämlich mit achtzehn Jahren verlobt, hatte aber damals kein Geld, um seine Verlobte zu heiraten. Und die beiden gelobten sich gegenseitig, so lange zu warten, bis sie sich heiraten könnten. Das war nun jetzt möglich geworden. Inzwischen war er vierundsechzig und sie zweiundsechzig Jahre geworden. Er zog also in seinen Heimatort und schrieb, nun wäre alles in Ordnung, das Geld hätte er. Aber sie konnten nun doch nicht heiraten, weil seine Gemeinde an seiner Existenz zweifelte. Es war nämlich vor Jahren das Pfarrhaus abgebrannt, damit auch alle Taufurkunden und so weiter, und es war niemand mehr da, der über seine Persönlichkeit hätte Angaben machen können. Er meinte zwar, daß es doch ein Beweis wäre, daß er selbst da wäre, aber er hatte keinen gesetzlichen Beweis! Die Heirat ist zwar schließlich doch zustande gekommen, aber es wurde ihm durch diese Schwierigkeiten klargemacht die viel größere Wichtigkeit des Taufscheines als die der eigenen Persönlichkeit. Man ist also Bürger.

[ 22 ] We are permeated by all of this more than we realize. As we develop worldview ideas today, we are essentially developing ideas that are still adapted to what sprang from the very blood of the Greeks. Our spiritual and cultural life is permeated by what we absorb from Greek culture. Greek culture looms over our time in a Luciferic way. Greek culture underwent a metamorphosis into Roman culture. We have a subsequent era in Roman culture. Compared to the Greeks, the Romans were a sober, prosaic people, and they developed other aspects of life. What sprang from the blood of the Greeks, they lived out in an abstract way. In contrast to the Greeks, they turned the human being itself into an abstraction—the citizen. The human being is not really a human being in the Roman sense; he is a citizen. This is something incomprehensible to the Greeks. One is not what one is as a human being by entering into humanity, but one is what one is by being registered in some state document. This sometimes comes to light in a grotesque way. I had an old friend who was sixty-four years old. One day he said: “I’ve saved up so much now—he’d always been a poor fellow—that I want to marry the love of my youth.”—He had, in fact, become engaged at eighteen, but at the time he had no money to marry his fiancée. And the two of them promised each other to wait until they could marry. That had now become possible. By then, he was sixty-four and she was sixty-two. So he moved back to his hometown and wrote that everything was now in order—he had the money. But they couldn’t get married after all, because his parish doubted his identity. Years earlier, the parsonage had burned down, along with all the baptismal records and so on, and there was no one left who could verify his identity. He thought that his very presence was proof enough, but he had no legal proof! Although the marriage eventually took place, these difficulties made it clear to him that a baptismal certificate is far more important than one’s own identity. So one is a citizen.

[ 23 ] Man ist das, was man ist, in einem abstrakten Zusammenhange. Diese Anschauung ist im wesentlichen römisch, und alles, was im gewöhnlichen Leben in dieser Art vorhanden ist, ist im wesentlichen römisch. Unsere Erziehung wird ja im wesentlichen in Anspruch genommen durch den Staat, der so abstrakt geworden ist und der unter der sozialistischen Einwirkung noch viel abstrakter werden wird. Die Menschen werden heute nicht erzogen, um als Menschen in die Welt hineingestellt zu werden, sondern um einen Staatsberuf zu haben und in diesen hineingestellt zu werden. Der Staat nimmt die jungen Menschen in die Hand — nicht gleich, denn da sind sie ihm noch zu unreinlich, da überläßt er sie einstweilen den Eltern. Dann aber breitet er seine Fangarme nach dem Menschen aus und dressiert ihn so, daß er für ihn geeignet ist. Und er weiß sehr gut, daß die Menschen dann für ihn geeignet sind. Denn, was gibt er ihnen alles? Er gibt ihnen ein wirtschaftliches Leben, gibt ihnen alles, was für sie vorgeschrieben ist, und dann pensioniert er sie. Und man soll nur einmal hören, was es für den Menschen bedeutet, wenn er sich sagen kann: er bekomme zu seiner Anstellung, für die er nicht nur bezahlt wird, nachher auch noch eine Pension! Das ist etwas ganz Großes und kettet die Menschen an den abstrakten Staat, und das ergreift dann auch die übrige Gesinnung. Auch da ist die romanische Gesinnung in den übrigen Menschen eingetreten. Sagt man heute dem Menschen: Du mußt, um an deiner Unsterblichkeit teilzunehmen, das, was in deiner Seele wirkt, aktiv machen, damit du selbst deine Seele aktiv durch die Todespforte trägst —, so versteht er das nicht. Man hat ihm gründlich abgewöhnt, auf so etwas sein Verständnis zu lenken. Man sagt ihm dafür, du brauchst nur an Christus zu glauben und an das, was der Staat tut. Und er weiß dann: erst wird er durch den Staat versorgt, und wenn er genug gearbeitet hat, wird er vom Staate pensioniert. Und die Kirche tut dann noch ein weiteres. Sie pensioniert nach dem Tode des Menschen seine seele, so daß er im Leben nicht mitarbeiten muß an seiner Scele und selbst etwas tun, wenn er seine Seele durch die Todespforte trägt. Registriert ist der Mensch heute, und die Politik des römischen Wesens, sie haben wir als zweites in unsere Wesenheit aufgenommen und nehmen sie immer mehr und mehr auf.

[ 23 ] One is what one is in an abstract context. This view is essentially Roman, and everything of this nature that exists in everyday life is essentially Roman. Our education is, after all, essentially taken over by the state, which has become so abstract and which, under socialist influence, will become even more abstract. People today are not educated to be placed in the world as human beings, but to have a state-sanctioned profession and to be placed into it. The state takes young people under its wing—not right away, for at that stage they are still too unrefined for it, so it leaves them to their parents for the time being. But then it spreads its tentacles toward the individual and trains them so that they are suitable for it. And it knows very well that people are then suited to it. For what does it give them? It gives them an economic life, provides them with everything that is prescribed for them, and then it grants them a pension. And just consider what it means to a person when they can say to themselves: in addition to their job—for which they are not only paid—they will also receive a pension later on! That is something truly great, and it chains people to the abstract state; and this then permeates their entire mindset as well. Here, too, the Romanic mindset has taken hold in the rest of humanity. If you were to say to a person today: “In order to share in your immortality, you must activate what is at work in your soul, so that you yourself may carry your soul actively through the gate of death”—he would not understand it. He has been thoroughly weaned from directing his understanding toward such things. Instead, they tell him, “You need only believe in Christ and in what the state does.” And he then knows: first, the state will provide for him, and when he has worked enough, the state will grant him a pension. And the Church does something else as well. It “retires” a person’s soul after death, so that in life he does not have to work on his soul or do anything himself when he carries his soul through the gate of death. People today are registered, and the politics of the Roman essence—we have incorporated this as a second aspect into our very being and are absorbing it more and more.

[ 24 ] Man kann auf diesem Gebiete furchtbare Erfahrungen machen. Ich habe jetzt in Stuttgart mitgewirkt bei der Einrichtung der Waldorfschule und mußte mir dabei auch die verschiedenen Lehrpläne vorlegen. Wenn ich an die siebziger, achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zurückdenke, so muß ich sagen, damals waren die Lehrpläne noch etwas klein; da enthielten sie das, was in jeder Klasse durchzunehmen war. Die Lehrziele und der Stoff waren angegeben; in bezug auf alles übrige war der Lehrer noch frei. Jetzt bekommt man Lehrpläne von großem Umfange vorgelegt, und auf der ersten Seite steht: Amtsblatt, Verordnung, und nun ist dann angegeben, so und so soll man beim Unterricht verfahren. Also, was aus der lebendigen Persönlichkeit allein auf die lebendige Persönlichkeit wirken soll, das steht in Gesetzen und Verordnungen, das ist amtlich geworden, das wird verfügt. Das ist der Tod des geistigen Lebens. Dieser Tod des geistigen Lebens führt direkt von Mitteleuropa nach Rom! Das ist das zweite, was wir in uns aufgenommen haben, das Politisch-Rechtliche mit dem Römertum.

[ 24 ] One can have terrible experiences in this area. I have recently been involved in establishing the Waldorf School in Stuttgart, and in the process I had to review the various curricula. When I think back to the 1870s and 1880s, I have to say that back then the curricula were still somewhat limited; they contained what was to be covered in each grade. The learning objectives and the subject matter were specified; as for everything else, the teacher still had freedom. Now we are presented with curricula of great scope, and on the first page it says: Official Gazette, Regulation, and then it specifies exactly how one is to proceed in teaching. So, what was once meant to flow from one living personality to another is now enshrined in laws and regulations; it has become official; it is decreed. That is the death of spiritual life. This death of spiritual life leads directly from Central Europe to Rome! That is the second thing we have internalized: the political-legal system along with Romanism.

[ 25 ] Dazu kam das, was sich nicht von alten Zeiten in neue verpflanzen läßt, das Wirtschaftsleben. Das mußte modern sein. Denn man kann wiederkäuen, was die Griechen erkannt haben, man kann auf sich wirken lassen, was die Römer als Rechtsleben hatten, man kann aber nicht essen, was die Griechen und die Römer gegessen haben. Das Wirtschaftsleben muß modern sein. So haben wir es nach und nach dahin gebracht, daß wir unser Wirtschaftsleben durchkreuzt haben mit dem griechischen Geistesleben, mit dem römischen Rechtsleben, und wir haben jetzt die Aufgabe, diese Dinge wieder auseinanderzubringen, sich dafür Verständnis zu erwerben, daß diese drei Schichten, die wie aus verschiedenen Zeitaltern sich zusammenballen, auseinandergebracht werden müssen. Das heißt, sein Interesse ausdehnen — wie früher über Orient und Okzident im Raume — bis zur Gegenwart, das heißt, sich erheben, sich fähig machen zu Empfindungen, die uns erheben können zu den Archai. Aber wie viele Menschen wollen sich heute ein Interesse für diese Dinge entwikkeln, ein unbefangenes Interesse, wie der Zeitgeist spielt, indem er die Zeiten ineinanderschiebt, wie ich es geschildert habe. Ich habe in Stuttgart gesprochen von der Unnatur unserer Gymnasialbildung. Ich weiß nicht, ob es ein bloß zeitlicher Zusammenhang war, aber der zeitliche Zusammenhang war da. Ein paar Tage, nachdem ich darüber gesprochen hatte, erschienen in Stuttgarter Zeitungen große Annoncen, unterschrieben von allen möglichen Zöpfen, pardon Professoren und dergleichen; daß die Gymnasialbildung nicht unterschätzt werden dürfe, denn sie hätte ja für die Größe des deutschen Volkes, die so herrlich in der letzten Zeit hervorgetreten sei, das ihrige beigetragen. Buchstäblich war das zu lesen als die angebliche Meinung der Jugendbildner im April des Jahres 1919, nach dem Oktober 1918! Diese Dinge sind möglich in unserer Zeit. Es sind ja noch andere Dinge möglich.

[ 25 ] Added to this was something that cannot be transplanted from ancient times into the modern era: economic life. That had to be modern. For one can reflect on what the Greeks recognized; one can let the Roman legal system influence oneself; but one cannot eat what the Greeks and Romans ate. Economic life must be modern. Thus, we have gradually brought our economic life to the point where it has become intertwined with Greek spiritual life and Roman legal life, and we now face the task of separating these elements again, of gaining an understanding that these three layers—which have coalesced as if from different eras—must be disentangled. This means expanding one’s interest—as in the past across the Orient and the Occident in space—to the present; that is, to rise above, to make oneself capable of feelings that can elevate us to the Archai. But how many people today want to develop an interest in these things—an unbiased interest—given how the spirit of the times blurs the boundaries between eras, as I have described? I spoke in Stuttgart about the unnatural nature of our high school education. I do not know if it was merely a coincidence in timing, but the coincidence was there. A few days after I had spoken on this subject, large advertisements appeared in Stuttgart newspapers, signed by all sorts of old-fashioned figures—pardon me—professors and the like; stating that high school education must not be underestimated, for it had, after all, contributed its share to the greatness of the German people, which had so magnificently come to the fore in recent times. Literally, this was presented as the supposed opinion of the educators of the youth in April 1919—after October 1918! Such things are possible in our time. And there are, of course, other things that are possible as well.

[ 26 ] Ehe wir nicht dazu kommen, diese Dinge so zu sehen, daß wir die Impulse aufnehmen, die aus der geistigen Welt in unsere physische Welt hereinwirken, ehe wir nicht einsehen werden, daß der Mensch ebenso, wie er durch seine Leibesorganisation mit dem Tierreich, Pflanzenreich und Mineralreich zusammenhängt, so auch mit seiner Geistesorganisation zusammenhängt mit den Hierarchien der Angeloi, Archangeloi und Archai — Persönlichkeitsgeister als die Schützer der persönlichen Entwicklung, Volksgeister als Schützer der Volksentwicklung im Raume hin, Zeitgeister, die Beschützer der Entwicklung über die Zeiten hin —, ehe wir nicht die Möglichkeit haben, diese Dinge aus den geistigen Fundamenten heraus zu verstehen, können wir nicht weiterkommen. Alles muß darauf hinauslaufen, daß der Mensch heute den Mut und die Kraft finde, in die geistige Welt hineinzuschauen. Am Anfang einer harten Kampfeswelle stehen wir, wo alle Instinkte werden aufgewühlt werden, die hervorgehen aus der einen Halbwahrheit: die ökonomische Wirklichkeit ist die einzige, alles Geistig-Seelische ist Ideologie —, und aus der anderen: die einzige Wirklichkeit ist das Geistig-Seelische, und alles Äußere ist Ideologie, ist Maja. — Diese Gegensätze werden solche Instinkte in der Menschennatur loslösen, daß lange, lange der geistige Kampf entbrennen wird in Formen, von denen die Menschheit heute keine Ahnung hat. Das werden wir wissen müssen, und wir werden weiter wissen müssen, wie wir uns im Sinne der Zeitbildung zu erheben haben zur Anschauung der geistigen Welt, so wie wir es auffassen.

[ 26 ] Until we come to view these things in such a way that we perceive the impulses flowing from the spiritual world into our physical world, until we realize that just as human beings are connected through their physical constitution to the animal, plant, and mineral kingdoms, so too are they connected through their spiritual constitution to the hierarchies of the Angeloi, archangels, and archai—personalities as guardians of personal development, national spirits as guardians of national development in space, and spirits of the age as guardians of development across the ages—before we have the ability to understand these things from their spiritual foundations, we cannot make any progress. Everything must ultimately lead to humanity today finding the courage and strength to look into the spiritual world. We stand at the beginning of a fierce wave of struggle in which all instincts will be stirred up—instincts arising from one half-truth: that economic reality is the only reality, and everything spiritual and psychological is ideology—and from the other: that the only reality is the spiritual and psychological, and everything external is ideology, is Maya. — These opposites will unleash such instincts in human nature that the spiritual struggle will rage for a long, long time in forms of which humanity today has no inkling. We will have to know this, and we will also have to know how, in the spirit of the age, we must rise to the perception of the spiritual world, just as we understand it.

[ 27 ] Das ist es, was uns die Zeit selbst befiehlt, was aus ihr selbst gefordert wird. Ihm müssen wir uns zuwenden. Davon morgen weiter.

[ 27 ] This is what time itself commands of us, what is demanded of it. We must turn our attention to it. More on this tomorrow.