The Inner Aspect of the Social Enigma
A Luciferic Past and an Ahrimanic Future
GA 193
12 September 1919, Berlin
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The Inner Aspect of the Social Enigma, tr. SOL
Sechster Vortrag
Sixth Lecture
[ 1 ] Heute, wo ich zum ersten Male hier in diesem Raume zu Ihnen über Anthroposophisches zu sprechen habe, ist es vor allen Dingen das Gefühl der Dankbarkeit, dem ich Ausdruck geben möchte denjenigen lieben Freunden gegenüber, welche in der Zeit, in der ich selbst nicht hier in Berlin verweilen konnte, hingebungsvoll sich gewidmet haben der Einrichtung dieser Räume, die unseren anthroposophischen Betrachtungen und Arbeiten dienen sollen. Es ist ja heute eine Zeit, in der die Menschenseele in der Hauptsache großen, umfassenden Ereignissen im Weltengeschehen und in der Menschheitsentwicklung zugeneigt sein muß. So sehr nehmen diese großen, umfassenden Ereignisse und Umwälzungen der Gegenwart unser Wollen in Anspruch, wenn wir unsere Stellung als Menschen innerhalb des Weltgeschehens verstehen wollen, daß wir nicht, wie manchmal in früheren, ruhigeren, wenigstens scheinbar ruhigeren Zeiten, mit gleicher Aufmerksamkeit solchen schönen äußeren Ereignissen zugewendet sein können wie der Einrichtung einer solchen Räumlichkeit, die idealen Zielen, geistigen Zielen gewidmet sein soll, so gewidmet sein soll, daß in ihnen zusammenwirken Menschen als in ihrem sozialen Leben. Es ist aber, wenn man die Sache richtig bedenkt, doch ein gewisser Zusammenhang zwischen den großen Ereignissen, welche gegenwärtig die Welt durchpulsen, und einer solchen Einrichtung. Wird es doch durch die bedeutungsvollen Forderungen der geschichtlichen Entwicklung der Menschheit selbst so sein müssen, daß dasjenige, was die Menschen gesucht haben an Schönem bisher, an künstlerischer Ausgestaltung für ihr einzelnes Privatleben, immer mehr und mehr sich wird hinziehen müssen nach denjenigen Räumen, welche die Menschen nicht einzelegoistisch für sich haben, sondern in denen sie sozial zusammenwirken. Man würde schlecht verstehen, was sich als Zukunftsziele in die Menschheitsentwicklung hineinstellen will, wenn man es beurteilen wollte nach dem, was sich heute zuweilen anzukündigen scheint. Die soziale Bewegung der Gegenwart trägt nicht nur vielfach einen «demokratischeren» Charakter — dessen vorübergehende Wesenheit man nur im richtigen Sinne zu durchschauen braucht, um das, was in dieser Bewegung steckt, ob dieses demokratischeren Charakters nicht zu verkennen —, sondern diese soziale Bewegung trägt auch etwas an sich, das schon den Menschen in die Furcht jagen könnte: das Schöne, das, was als Künstlerisches unsere Erdenkultur durchzieht, das würde in der Zukunft nicht das gleiche Verständnis finden wie in der Vergangenheit, da materiell bevorzugte Kreise dieser Pflege des Schönen sich widmen konnten!
[ 1 ] Today, as I speak to you for the first time in this room about anthroposophical matters, I would like above all to express my gratitude to those dear friends who, during the time when I myself was unable to be here in Berlin, devoted themselves wholeheartedly to setting up these rooms, which are intended to serve our anthroposophical reflections and work. After all, we are living in a time when the human soul must, for the most part, be attuned to the great, far-reaching events in world history and in the development of humanity. These great, far-reaching events and upheavals of the present engage our will so fully—if we wish to understand our place as human beings within world events—that we cannot, as we sometimes could in earlier, calmer, or at least seemingly calmer times, devote the same attention to such beautiful external events as to the creation of a space like this, which is dedicated to ideal goals, spiritual goals—so dedicated that people interact within them just as they do in their social lives. Yet, upon proper reflection, there is indeed a certain connection between the great events currently pulsing through the world and such a space. After all, the significant demands of humanity’s historical development itself will inevitably mean that what people have sought in beauty thus far—in artistic design for their individual private lives—will increasingly be drawn toward those spaces that people do not possess for their own selfish purposes, but rather in which they interact socially. One would have a poor understanding of what aims to set itself as future goals in human development if one were to judge it by what sometimes seems to be emerging today. The social movement of the present not only often has a “more democratic” character—the transient nature of which one need only see through in the right sense in order not to misjudge what lies at the heart of this movement, despite this more democratic character—but this social movement also carries within it something that could already strike fear into people’s hearts: beauty—that which, as art, permeates our earthly culture—would not find the same appreciation in the future as it did in the past, when materially privileged circles were able to devote themselves to the cultivation of beauty!
[ 2 ] Eine Übergangszeit mag dazu führen, daß die Empfänglichkeit für das Schöne etwas zurücktritt. Aber gerade wenn im Ernste eine sozialere Gestaltung unseres Lebens Platz greifen wird, dann wird es unerläßlich sein, daß auch das äußere räumliche, das zeitliche Geschehen angepaßt werde dem Geschmack, dem Schönen; sonst würde ja die Menschheit im Banausentum und in der Philistrosität verkommen. So dürfen wir in gewissem Sinne gerade die einfache Schönheit, die unsere Freunde hier in dieser Räumlichkeit dem anzupassen versuchten, was an ernsten Dingen des Lebens hier gepflegt werden soll, wir dürfen gerade dieses ansehen wie etwas Symbolisches für die großen Ereignisse, die unsere Zeit durchpulsen. Und aus solchen Gefühlen heraus glaube ich im Einklange mit Ihnen allen zu sprechen, wenn ich in dieser ernsten Zeit für eine Arbeit, wie sie hier verrichtet worden ist, auch in diesem Zeitensinne unseren Freunden den allerherzlichsten Dank abstatte. Es wäre auch ein falscher Glaube, wenn man das, was in der Gegenwart sich vorbereiten will, so beurteilen wollte, als ob durch die sogenannten «objektiven Ereignisse» in der Welt der Wert der Persönlichkeit und der Wert dessen, was aus dem Persönlichen, aus dem Individuellen stammt, zurückgehen könnte. Das wird nicht der Fall sein. Nur die Jahrhunderte bis zum Ende des 19., die drei bis vier letzten Jahrhunderte, haben gewissermaßen so gewirkt, daß es in der Gesamtentwicklung der Menschheit gerechtfertigt scheint, den Menschen mehr als ein Rad in den allgemeinen Weltenmechanismus hineinzustellen. Die Aufgabe für die nächste Zukunft schon wird sein, daß sich der Mensch aus diesem Weltenmechanismus herausarbeite. Deshalb darf schon gesagt werden: Zunächst trägt ja die große Bewegung der Gegenwart zumeist einen durch und durch egoistischen Charakter. Gewiß, man strebt Sozialismus an, aber aus lauter antisozialen Trieben und Instinkten heraus. Das darf man nicht verkennen, daß wir eigentlich heute aus dem Grunde Sozialismus anstreben, weil die Menschen so antisozial in ihrer Seelenentwicklung, in ihrer Seelenverfassung geworden sind. Wäre das soziale Fühlen selbstverständlicher, so brauchten nicht so viele sozialistische Programme zu existieren; die sind gewissermaßen nur durch die Reaktion auf das antisoziale Fühlen und Empfinden der Menschen hervorgerufen. Aber gerade in einer solchen Zeit, in welcher — weil die Dinge so ungeklärt sind — das Soziale aus dem Egoistischen und Antisozialen sich herausgebären will, gerade in einer solchen Zeit übt der Anblick desjenigen, was in edler, selbstloser Hingabe an eine ideale Sache zustande gebracht worden ist aus echten, wahren, unegoistischen Menschenempfindungen heraus, eine ganz besondere Wirkung aus. Und es wird gut sein, wenn wir nicht in einer äußerlichen Weise in dieser ernsten Zeit heute geradezu ein Fest feiern, sondern wenn wir unsere Gedanken zu solchem wenden, wie ich es eben ausgesprochen habe: wie wertvoll es ist, neben dem durchgreifenden egoistischen Streben in unserer Zeit die Möglichkeit zu finden, daß so etwas geschaffen werde, wie es hier geschaffen worden ist — wenn auch in sehr kleinem Maßstabe — für ideelle, spirituelle Arbeiten. Und so erscheint es mir auch heute das Allerfestlichste zu sein, hier Betrachtungen anzustellen, die auf der einen Seite zusammenhängen sollen mit dem Ernste der Zeit, damit wir aus diesem Ernste heraus diejenigen Empfindungen in unsere Seele hereinbekommen, die uns vielleicht begleiten können durch die Arbeiten, die hier in diesen Räumen gepflogen werden sollen, so lange wir sie in diesen Räumen durch die Zeitverhältnisse eben werden pflegen können, und wenn wir auf der anderen Seite Gedanken auf uns wirken lassen, die, weil mit der Menschheitsentwicklung innig zusammenhängend, wert und würdig sein können, wenn wir diese Räume betreten, aus den Aufgaben heraus, denen diese Räume dienen sollen, oft und oft uns durch die Seele zu ziehen.
[ 2 ] A transitional period may cause our receptivity to beauty to recede somewhat. But precisely when a more social organization of our lives begins to take hold in earnest, it will be essential that external spatial and temporal events also be adapted to good taste and beauty; otherwise, humanity would degenerate into philistinism and vulgarity. Thus, in a certain sense, we may regard precisely the simple beauty that our friends here in this space have sought to adapt to the serious matters of life that are to be cultivated here—we may regard precisely this as something symbolic of the great events pulsing through our time. And based on these sentiments, I believe I speak in harmony with all of you when, in these serious times, I express my most heartfelt thanks to our friends for a work such as that accomplished here—a work that also reflects the spirit of our times. It would also be a mistaken belief to judge what is being prepared in the present as if the so-called “objective events” in the world could diminish the value of the personality and the value of that which stems from the personal, from the individual. That will not be the case. It is only the centuries leading up to the end of the 19th—the last three or four centuries—that have, in a sense, had such an effect that, in the overall development of humanity, it seems justified to regard human beings as little more than a cog in the general machinery of the world. The task for the near future will be for human beings to work their way out of this world mechanism. That is why it can already be said: For the most part, the great movement of the present day is thoroughly egoistic in character. Certainly, people are striving for socialism, but out of purely antisocial drives and instincts. One must not fail to recognize that we are actually striving for socialism today precisely because people have become so antisocial in their spiritual development, in their spiritual disposition. If social feeling were more natural, there would be no need for so many socialist programs; these are, in a sense, brought about solely as a reaction to people’s antisocial feelings and sensibilities. But precisely in such a time—in which, because things are so unclear, the social is striving to emerge from the selfish and antisocial—precisely in such a time, the sight of what has been achieved through noble, selfless devotion to an ideal cause, born of genuine, true, unselfish human feelings, exerts a very special effect. And it would be good if, in these serious times, we did not simply celebrate a festival in an outward sense today, but rather turned our thoughts to what I have just expressed: how valuable it is, amidst the pervasive selfish striving of our time, to find the possibility of creating something like what has been created here—albeit on a very small scale—for idealistic, spiritual work. And so it seems to me that the most festive thing to do today is to offer some reflections here that, on the one hand, are connected to the gravity of the times, so that out of this gravity we may bring into our souls those feelings that may perhaps accompany us through the work to be carried out here in these rooms, as long as circumstances allow us to carry them out in these rooms, and, on the other hand, to allow thoughts to take effect upon us which, because they are intimately connected with the development of humanity, may be worthy and fitting—so that when we enter these rooms, arising from the tasks these rooms are meant to serve, they may move through our souls time and again.
[ 3 ] Wenn wir in einem kritischen Sinne — nicht böswillig kritisch, aber doch kritisch — unsere Zeit ansehen, dann würden wir ja nicht wahr sein, wenn wir uns täuschen wollten über die zahlreichen Niedergangsströmungen auf allen Gebieten des Lebens, die in dieser Zeit waltend sind. Wenn wir unsere heutige Zeit betrachten, dann dürfen wir, damit wir den Ernst des Lebens nicht verlieren, nicht vergessen, wie stark dasjenige, was der Mensch gewöhnlich in seinem Bewußtsein heute trägt — so trägt, daß er es in Worten ausspricht —, wie sehr entfernt dies zumeist steht von demjenigen, was innerlich wahr und wirklich ist. Sogar die Empfindung dafür, wie weit das Wort, das wir sprechen, sich heute oftmals entfernt von der Wahrheit, sogar die Empfindung dafür ist großen Kreisen unserer Zeitgenossen eigentlich verlorengegangen, und an die Stelle des elementaren Ausfließens der Wahrheit aus der Menschenseele ist getreten, wir dürfen sagen, die Weltenphrase. Denn worin charakterisiert sich am meisten die Phrase? Sie charakterisiert sich dadurch, daß die Menschen sprechen, ohne daß das Wort, welches aus ihrem Munde kommt, innerlich verbunden ist — nur innerlich kann es ja damit verbunden sein — mit dem Quell der Wahrheit. Wir brauchen nur auf das zu sehen, was im Laufe der letzten vier, fünf, sechs Jahre geleistet worden ist an Offenbarungen einer allgemeinen Unwahrheit durch die Welt hindurch, und wir werden nicht daran zweifeln können, daß dadurch jenes Entfernen der Welt von der wahrhaften Wirklichkeit groß geworden ist, zur Weltenphrase geführt hat und, würde nichts dagegen arbeiten, noch immer mehr und mehr führen würde. Und nichts hat eigentlich außer dem Großwerden der Phrase, der Unwahrhaftigkeit, so sehr in der neueren Zeit gedeihen können als die Nachsicht gegenüber dieser Unwahrhaftigkeit, als der Hang zur Unwahrhaftigkeit. Überall wo man heute der Phrase begegnet, trifft man auch auf diejenigen Menschen, die nachsichtig sind gegenüber dem Geltendmachen der Phrase, dieser Unwahrhaftigkeit. Denn diese Nachsichtigen fragen überall: Wie hat das der Betreffende gemeint? Hat er nicht überall die besten Absichten gehabt? Glaubte er nicht überall mit den besten Absichten vorzugehen? — Und wie wenig herrscht demgegenüber das gewissenhafte Wahrheitsgefühl, daß der, welcher den Mund aufmacht, dazu verpflichtet ist, die Gründe einer Behauptung ernst zu prüfen und zu unterlassen die Behauptung, che er geprüft hat. Die Zeit muß kommen, in der es nicht genügt, daß man von einem Menschen sagen kann: Er hat es gut gemeint —, wenn er eine Unwahrhaftigkeit gesagt hat. Die Zeit muß vielmehr kommen, in welcher die Menschen das intensivste Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber der Prüfung der Wahrheit empfinden, und daß sie selbst auch dann, wenn sie entdekken würden, daß sie etwas in gutem Glauben ausgesprochen haben, was nicht den Tatsachen entspricht, daß sie dies sich nicht würden verzeihen können, sondern eingedenk wären der Tatsache, daß es für die objektive Welterkenntnis gleichgültig ist, ob wir subjektiv glauben, wir hätten die Wahrheit gesagt oder nicht, daß es aber für die objektive Welterkenntnis durchaus nicht gleich ist, ob wir in einem einzelnen Falle etwas sagen, was im objektiven Sinne wahr ist, das heißt, den Tatsachen entspricht, oder etwas, das nicht den Tatsachen entspricht. Gerade dem Ernste der Zeit gegenüber wird man es lernen müssen, was wirklich Phrase ist.
[ 3 ] If we look at our times with a critical eye—not maliciously critical, but critical nonetheless—then we would not be being truthful if we tried to delude ourselves about the numerous trends of decline in all areas of life that are prevalent in this era. When we look at our present age, we must not forget—if we are not to lose sight of the seriousness of life—how far removed what people generally carry in their consciousness today—to the extent that they express it in words—is, for the most part, from what is truly and genuinely real within. Even the sense of how far the words we speak today often stray from the truth—even that sense has actually been lost to large segments of our contemporaries; and in place of the natural outpouring of truth from the human soul has come, we might say, worldly phraseology. For what is the defining characteristic of the cliché? It is characterized by the fact that people speak without the words that come from their mouths being inwardly connected—for they can only be connected inwardly—to the source of truth. We need only look at what has been revealed over the course of the last four, five, or six years in terms of widespread untruth throughout the world, and we cannot doubt that this has greatly increased the world’s estrangement from true reality, has led to “worldly clichés,” and—were nothing to counteract it—would continue to lead to them more and more. And nothing, in fact, has flourished as much in recent times—apart from the rise of empty rhetoric and untruthfulness—as tolerance toward this untruthfulness, as the tendency toward untruthfulness. Wherever one encounters empty rhetoric today, one also encounters those people who are lenient toward the use of such rhetoric, this untruthfulness. For these lenient people ask everywhere: What did the person in question mean by that? Did he not always have the best of intentions? Did he not always believe he was acting with the best of intentions? — And how little, in contrast, does the conscientious sense of truth prevail—that whoever opens their mouth is obligated to seriously examine the grounds for a claim and to refrain from making the claim unless they have examined it. The time must come when it is not enough to say of a person, “He meant well,” if he has spoken an untruth. Rather, the time must come when people feel the most intense sense of responsibility toward the verification of truth, and when—even if they were to discover that they had stated something in good faith that does not correspond to the facts—they would not be able to forgive themselves for it, but would be mindful of the fact that, for objective knowledge of the world, it is irrelevant whether we subjectively believe we have spoken the truth or not; but that for objective knowledge of the world, it is by no means the same whether, in a particular case, we say something that is true in the objective sense—that is, corresponds to the facts—or something that does not correspond to the facts. Precisely in the face of the gravity of the times, we will have to learn what is truly mere rhetoric.
[ 4 ] Heute haben viele Menschen eigentlich das Gefühl — sie sind sich dessen nicht klar bewußt —, daß man doch eigentlich das behaupten dürfe, was einem angenehm ist. Man hat das ganz besonders studicren können und kann es weiter studieren an der Stellung, die sehr viele Menschen zu den Zeitereignissen nehmen. Ernstes ist an uns vorübergegangen. Dieses Ernste beurteilen die Menschen doch nur so, wie es ihnen angenehm ist, nichtnach der Tragweite, welche dieses Ernste für die Gesamtentwicklung der Menschheit hat. Wir haben Menschen als Zeitgenossen gehabt, die im Mittelpunkte dessen standen, was in den letzten vier bis fünf Jahren geschehen ist, Menschen, welche durch die Verhältnisse hinaufgeschoben worden sind in erste Stellungen in bezug auf das Weltgeschehen. Diese Menschen, ihr Schicksal hat sie ereilt! Aber wie wenig Menschen sind geneigt, sich ein objektives Urteil anzueignen über das, was eigentlich geschehen ist. Wie wenig Menschen sind geneigt, danach zu fragen, durch welche Selektion, durch welche Auswahl in der entscheidenden Zeit gerade die führenden Persönlichkeiten in ihre führenden Stellungen zum Unheil der Menschen gekommen sind. Nichts anderes ist aber heute so notwendig, als sich gegenüber allen subjektiven Meinungen durchzuarbeiten zu einer gewissen Objektivität mit Bezug auf diese Dinge. Manche Menschen glauben, es sei heute leicht, die Wahrheit zu sagen. Es ist nicht leicht, die Wahrheit zu sagen, weil die Wahrheit heute so viele Feinde hat, und weil der, welcher die Wahrheit sagt, sich selbstverständlich heute sehr schnell abnutzt. Denn die Wahrheit wird heute vielfach übelgenommen.
[ 4 ] Today, many people actually feel—though they are not clearly aware of it—that one should be allowed to say whatever makes one feel comfortable. This has been particularly evident, and continues to be evident, in the stance that a great many people take toward current events. Something serious has passed us by. Yet people judge this seriousness only in terms of what is pleasant to them, not according to the significance it holds for the overall development of humanity. We have had contemporaries who stood at the center of what has happened over the last four to five years—people who, due to circumstances, have been propelled into leading positions with regard to world events. These people—their fate has overtaken them! But how few people are inclined to form an objective judgment about what actually happened. How few people are inclined to ask by what process of selection, by what criteria, at that decisive moment, the very leading figures came to occupy their positions of power—to the detriment of humanity. Yet nothing is more necessary today than to work through all subjective opinions to arrive at a certain objectivity regarding these matters. Some people believe it is easy to speak the truth today. It is not easy to speak the truth, because the truth has so many enemies today, and because, naturally, those who speak the truth quickly wear themselves out. For the truth is often taken amiss today.
[ 5 ] Ich mußte in den letzten Monaten, da mir oftmals gesagt worden ist, daß das, was ich auf sozialem Gebiete geltend mache, so schwer zu verstehen sei, man könne es nicht begreifen, ich mußte demgegenüber immer wieder geltend machen, daß allerdings das Begreifen gerade dieses sozialen Impulses eine andere Seelenstimmung notwendig mache, als jene Seelenstimmung war, die in Mitteleuropa, namentlich in den letzten vier bis fünf Jahren und auch schon lange vorher, geherrscht hat, aber in den letzten vier bis fünf Jahren besonders zu ihrem Höhepunkte gekommen ist. Da haben die Leute in diesen letzten vier bis fünf Jahren viel begriffen; da haben sie Dinge begriffen, die ich wahrhaftig nicht begriffen habe. Man konnte bei vielen Leuten, eingerahmt in schönen Rahmen, allerlei Aussprüche finden; die Leute haben sie begriffen. Mit einem geraden Wahrheitssinn konnte man solche Aussprüche nicht begreifen, aber die Menschen haben sie begriffen. Denn es war ihnen befohlen, daß sie sie begreifen: es kam der Befehl dazu aus dem Großen Hauptquartier. Da begriffen sie alles. Jetzt aber sind die Dinge notwendig, die man nicht aus Gehorsam begreift, sondern aus seiner eigenen freien Seele heraus. Das müssen sich vielleicht die Menschen erst wieder aneignen. Die letzten vier bis fünf Jahre haben in ernster Weise gezeigt, daß die Menschen sich dies wieder aneignen müssen. Und gegenüber dem, was sich die Menschen in den letzten vier bis fünf Jahren angewöhnt haben, ist es wahrhaftig keine angenehme Pflicht, die Wahrheit zu sagen, erstens, weil die Wahrheit ernst ist, und dann, weil die Menschen die Wahrheit so sehr übelnehmen.
[ 5 ] In recent months, since I have often been told that what I advocate in the social sphere is so difficult to understand that people cannot grasp it, I have had to insist time and again that, indeed, grasping this very social impulse requires a different state of mind than the one that has prevailed in Central Europe—particularly in the last four to five years, and even long before that, though it has reached its peak especially in the last four to five years. People have understood a great deal in these last four to five years; they have understood things that I truly have not understood. One could find all sorts of sayings framed beautifully in many people’s homes; people have understood them. With a straightforward sense of truth, one could not grasp such sayings, but people did grasp them. For they were commanded to grasp them: the order came from the Great Headquarters. Then they understood everything. Now, however, what is needed are things that one grasps not out of obedience, but from one’s own free soul. Perhaps people must first reacquire this ability. The last four to five years have seriously demonstrated that people must reclaim this ability. And compared to what people have become accustomed to over the last four to five years, telling the truth is truly no pleasant duty—first, because the truth is serious, and second, because people take the truth so badly.
[ 6 ] Es werden Zeiten kommen, die in ganz besonderer Art auf diese unsere Zeit sehen werden. Aber die Menschen haben in der Gegenwart noch manche andere Verpflichtung als in der jüngsten Vergangenheit. Daher muß man sich heute schon in gewissem Sinne eine Vorstellung machen, wie künftige Zeiten auf das sehen werden, was in unserer Zeit vorgeht.
[ 6 ] There will come times that will look back on our era in a very special way. But people today have many other obligations than they did in the recent past. Therefore, even now, we must, in a certain sense, try to imagine how future generations will view what is happening in our time.
[ 7 ] Die Menschen werden lernen müssen, in unserer Zeit den Blick, den geistigen Blick, wieder hinaufzulenken zu den großen Umschichtungen, zu den großen Impulsen des Menschenwerdens auf der Erde. Ein solcher großer Umschwung hat begonnen in der Mitte des 15. Jahrhunderts in der christlichen Zeitrechnung. Wir nennen ihn in unserer anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft den Beginn des fünften nachatlantischen Kulturzeitraumes, und wir wissen, daß er gegenüber dem früheren, dem griechisch-lateinischen Kulturzeitraume, der im 8. vorchristlichen Jahrhundert begann und im 15. Jahrhundert unserer Zeitrechnung endete, einen ganz anderen Charakter trägt. Die Menschen schauen durch das, was sie heute als Fable convenue gegeben haben und das sie Geschichte nennen, nicht auf den gewaltigen Unterschied der menschlichen Seelenstimmungen etwa des 10. Jahrhunderts und derjenigen Jahrhunderte hin, die mit der Mitte des 15. begonnen haben. Neue Seelenstimmungen und Seelenverfassungen sind in die Menschheit hereingebrochen, und wir können nur verstehen, was eigentlich in die Menschheitsentwicklung hereingekommen ist, wenn wir den Seelenblick hinaufwenden zu den Kräften, die im Menschheitsgeschehen selber walten, zu den Kräften, wie sie zum Beispiel indem Umschwung in der Mitte des 15. Jahrhunderts spielen. In unserer Zeit — es sind ja seit der Mitte des 15. Jahrhunderts wieder einige Jahrhunderte vergangen — kommt gewissermaßen das zu einer Krise, was in der Mitte des 15. Jahrhunderts über die zivilisierte Menschheit hereingebrochen ist, was sich langsam bis jetzt entwickelt hat und jetzt in einem entscheidenden Augenblicke steht, weil das menschliche Bewußtsein diesen entscheidenden Augenblick ergreifen muß.
[ 7 ] In our time, people will have to learn to turn their gaze—their spiritual gaze—back upward toward the great transformations, toward the great impulses of human evolution on Earth. Such a great transformation began in the middle of the 15th century according to the Christian calendar. In our anthroposophically oriented spiritual science, we call this the beginning of the fifth post-Atlantean cultural epoch, and we know that it has a completely different character compared to the earlier, Greco-Latin cultural epoch, which began in the 8th century B.C. and ended in the 15th century A.D. Through what people today have accepted as conventional wisdom—and call “history”—they fail to perceive the immense difference between the human soul states of, say, the 10th century and those of the centuries that began in the mid-15th century. New states of mind and spiritual dispositions have swept over humanity, and we can only understand what has actually entered into human development if we turn our spiritual gaze upward to the forces at work within human history itself—to the forces at play, for example, during the upheaval in the mid-15th century. In our time—several centuries have, after all, passed since the mid-15th century—what came upon civilized humanity in the mid-15th century is, in a sense, reaching a crisis; it has developed slowly up to now and now stands at a decisive moment, because human consciousness must seize this decisive moment.
[ 8 ] Heute ist die Zeit, in welcher der Mensch — auf welche Weise er das macht, davon werden wir noch sprechen — in sein Bewußtsein aufnehmen muß: Hier stehe ich innerhalb des Erdengeschehens als Mensch, und außer mir sind die drei Reiche der Natur, das Tierreich, das Pflanzenreich, das Mineralreich. Wenn aber der Mensch heute diesen Satz ausspricht, so sagt er damit vom Standpunkte des gegenwärtigen Bewußtseins, des Bewußtseins des fünften nachatlantischen Zeitraumes, nur eine halbe Wahrheit. Der Mensch, der vor diesem Zeitraume lebte, konnte noch sagen: Außer mir sind das Tierreich, das Pflanzenreich und das Mineralreich, weil er etwas anderes darunter verstand als das Bewußtsein von heute. Der Mensch der Vorzeit verstand das Tierreich, das Pflanzenreich und das Mineralreich noch so, daß Geistiges in diesen Reichen waltete. Dem heutigen Menschen ist das Bewußtsein dafür abhanden gekommen. Er muß es sich erst wieder aneignen, indem er auf die drei Reiche hinschaut und weiß: So wie wir nach unten angegliedert sind an die drei Reiche, an das Tierreich, Pflanzenreich und Mineralreich, so sind wir nach oben angegliedert an die drei Reiche der Angeloi, Archangeloi und Archai. Und erst dann sagen wir nicht eine halbe, sondern eine volle Wahrheit, wenn wir nicht nur sagen, wir blicken nach unten auf das Tierreich, Pflanzenreich und Mineralreich, sondern wenn wir auch nach oben hinblicken können auf das Reich der Angeloi, der Archangeloi und der Archai. So wie unser physischer Leib ein gewisses Verhältnis hat zu dem Tierreich, Pflanzenreich und dem Mineralreich, so auch unser Geistig-Seelisches zu dem, was die drei Hierarchien über uns ausmacht. Aber gerade in unserer Zeit ist es so, daß, während wir auf der einen Seite das Verhältnis zu den drei Reichen der Natur sehr ändern, wir auch das Verhältnis zu den drei Reichen der Hierarchien, die über dem Menschen stehen, ändern. Auf diese ernste Angelegenheit der Menschheitsentwicklung möchte ich Sie heute hinweisen, und indem wir dies festhalten, begehen wir am besten das Weihefest für diesen Zweigraum.
[ 8 ] Today is the time when human beings—we will discuss how they do this later—must take into their consciousness the fact that: Here I stand within the events of the Earth as a human being, and outside of me are the three kingdoms of nature: the animal kingdom, the plant kingdom, and the mineral kingdom. But when a human being utters this sentence today, he is, from the standpoint of present-day consciousness—the consciousness of the fifth post-Atlantean epoch—speaking only a half-truth. A human being who lived before this epoch could still say, “Outside of me are the animal kingdom, the plant kingdom, and the mineral kingdom,” because he understood something different by these terms than does today’s consciousness. People of ancient times still understood the animal kingdom, the plant kingdom, and the mineral kingdom in such a way that spiritual forces reigned within these kingdoms. Modern human beings have lost this awareness. They must first reclaim it by looking at the three kingdoms and knowing: Just as we are connected downward to the three kingdoms—the animal, plant, and mineral kingdoms—so are we connected upward to the three kingdoms of the Angeloi, Archangeloi, and Archai. And only then are we speaking not a half-truth but the full truth—not merely by saying that we look downward toward the animal, plant, and mineral kingdoms, but also by being able to look upward toward the realms of the Angeloi, the Archangeloi, and the Archai. Just as our physical body has a certain relationship to the animal, plant, and mineral kingdoms, so too does our spiritual-soul aspect have a relationship to what constitutes the three hierarchies above us. But especially in our time, it is the case that while, on the one hand, we are greatly altering our relationship to the three kingdoms of nature, we are also altering our relationship to the three kingdoms of the hierarchies that stand above humanity. Today I would like to draw your attention to this serious matter concerning human development, and by keeping this in mind, we can best celebrate the dedication ceremony for this branch hall.
[ 9 ] Wenn wir auf das zurückblicken, was sich in der Menschheitsentwicklung in den früheren Zeiträumen zugetragen hat, die gewissermaßen mit der Mitte des 15. Jahrhunderts ihren Abschluß finden, so müssen wir sagen, wenn wir von den höheren Hierarchien noch absehen: Die Wesen der Angeloi, der Archangeloi und der Archai haben sich immer mit dem Menschen beschäftigt, haben sich beschäftigt mit dem Menschen, insofern er sein Dasein durchmacht zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, haben sich aber auch mit ihm beschäftigt, insofern er sein Dasein durchmacht hier auf dem irdischen Plan. Aber die Beschäftigung der Wesen dieser drei Hierarchien mit dem Menschen hat in gewisser Beziehung einen Abschluß gefunden in unserem Zeitalter. Unter den mannigfaltigen Tätigkeiten, denen die Wesen dieser drei Hierarchien obgelegen haben, ist diese: mitzuarbeiten an dem Bilde, das dem physischen Erdenmenschen, der physischen Organisation des Erdenmenschen zugrunde liegt. Wir treten durch die Geburt in unser physisches Dasein, wachsen heran in diesem physischen Dasein: das Bild der Menschheit prägt sich in uns aus. Dieses Bild war in uralten Zeiten der Menschheitsentwicklung ganz anders: Es hat manchen Wandel durchgemacht. Sie brauchen sich nur an das zu erinnern, was herauskommt, wenn wir in die alte atlantische Zeit oder auch in die Zeit der ägyptischen Kultur zurückblicken: die Menschen waren in ihrem äußeren Bau noch anders. Das Bild der Menschheit hat sich geändert, und an diesem Bilde zu arbeiten, oblag den Wesenheiten dieser drei höheren Hierarchien. Man kann schon sagen, es gehörte zu den Aufgaben dieser Wesenheiten, das Bild des Menschen auszuarbeiten, so daß es zuerst die Gestalt hatte, die es in der alten lemurischen Zeit zeigte, dann jene Gestalt, die es in der atlantischen Zeit hatte und dann die, welche es in den nachatlantischen Perioden hatte. Damit sind die Wesen dieser drei höheren Hierarchien allmählich dazu gekommen, das Bild, welches heute dem Menschen zugrunde liegt, durch Umwandlung älterer Bildformen hervorgebracht zu haben.
[ 9 ] When we look back on what took place in the development of humanity during earlier periods—which, in a sense, came to a close around the middle of the 15th century—we must say, setting aside for the moment the higher hierarchies: The beings of the Angeloi, the Archangeloi, and the Archai have always been concerned with humanity—with humanity as it passes through its existence between death and a new birth, but also with humanity as it passes through its existence here on the earthly plane. But the involvement of the beings of these three hierarchies with humanity has, in a certain sense, come to an end in our age. Among the manifold activities to which the beings of these three hierarchies have been devoted is this: to collaborate in shaping the archetype that underlies the physical human being on Earth, the physical organization of the human being on Earth. We enter our physical existence through birth and grow up within this physical existence: the archetype of humanity is imprinted within us. In the most ancient times of human development, this image was quite different; it has undergone many changes. You need only recall what emerges when we look back to the ancient Atlantean era or even to the time of Egyptian culture: people were still different in their physical build. The image of humanity has changed, and it was the task of the beings of these three higher hierarchies to work on this image. One might even say that it was among the tasks of these beings to develop the image of the human being so that it first took the form it had in the ancient Lemurian era, then the form it had in the Atlantean era, and finally the form it had in the post-Atlantean periods. In this way, the beings of these three higher hierarchies gradually came to bring forth the image that underlies humanity today by transforming older forms.
[ 10 ] Aber nun liegt das Eigentümliche vor, und eine wirkliche geistige Beobachtung der Menschheitsentwicklung zeigt dies: mit der eigentlichen Ausbildung dieses Menschheitsbildes sind die Wesenheiten dieser drei Hierarchien in unserem Zeitalter im wesentlichen fertig. Dieses Menschheitsbild, insofern es der physischen Organisation des Menschen zugrunde liegt, ist eigentlich abgeschlossen. Fühlen Sie diese bedeutungsvolle Tatsache: Die Wesen der Hierarchien der Angeloi, der Archangeloi und der Archai haben durch Jahrtausende und aber Jahrtausende an der Ausarbeitung eines Bildes gewirkt, und dieses Bild ist dasjenige, nach welchem die physische Menschenorganisation sich vollzogen hat. Und wir leben in dem Zeitalter, in dem diese Wesenheiten der drei höheren Hierarchien sich sagen: Wir haben gearbeitet an dem Menschheitsbilde, aber wir sind fertiggeworden. Wir haben den Menschen hineingestellt in diese Erdenwelt als physischen Menschen, und wir sind nun fertig!
[ 10 ] But now we come to the peculiar aspect of the matter, and a genuine spiritual observation of human evolution reveals this: the beings of these three hierarchies have essentially completed the actual formation of this image of humanity in our age. This image of humanity, insofar as it underlies the physical organization of the human being, is in fact complete. Feel the significance of this fact: The beings of the hierarchies of the Angeloi, the Archangeloi, and the Archai have worked for millennia upon millennia to develop an image, and this image is the very one according to which the physical human organization has taken shape. And we are living in the age in which these beings of the three higher hierarchies say to one another: We have worked on the image of humanity, but we have finished. We have placed human beings into this earthly world as physical human beings, and we are now finished!
[ 11 ] Wer im geistigen Schauen diese Tatsache überblickt, der empfindet namentlich erschütternd die Tatsache, daß das Interesse der Wesenheiten dieser drei höheren Hierarchien in diesem Zeitalter nicht nur abgenommen hat, sondern geschwunden ist für die Herstellung des physischen Menschheitsbildes. Blickt man zurück noch in die griechisch-lateinische Zeit, so findet man bei den Wesen dieser höheren Hierarchien ein lebhaftes Interesse an dem Zustandebringen des physischen Menschheitsbildes auf der Erde. Heute haben diese Wesenheiten der höheren Hierarchien eigentlich dafür kein Interesse mehr. Sie haben das Gefühl, sie haben für den physischen Menschen auf der Erde das Ihrige getan. Ihr Interesse ist von diesem Gesichtspunkte aus geschwunden. Die Menschen könnten dies als eine besonders bedeutungsvolle, tief in die Menschennatur einschneidende Tatsache ansehen, wenn sie nur sich Zeit und Muße nehmen würden, heute auch die äußeren Tatsachen der Menschheitsentwicklung zu beobachten. Wir blicken zum Beispiel zurück auf frühere Zeiten. Aus manchem, was geschehen ist und was uns so überliefert ist, daß wir es beurteilen können, können wir uns sagen: In den Menschen der früheren Zeiten stiegen wie instinktiv gewisse Gedanken auf. Man bezeichnet ja gerade diejenigen Menschen als genial, in denen gewisse Gedanken instinktiv aufsteigen. Heute glaubt man höchstens, daß solche Gedanken in manchen Menschen aufsteigen. Heute ist wenig Geniales in den Menschen der Erde vorhanden. Denn es steigen nicht mehr aus der Leibesorganisation die Kräfte des Genialischen herauf, weil an dieser Leibesorganisation nicht mehr die Wesenheiten der drei höheren Hierarchien arbeiten. Sie haben ihr Interesse an der Leibesgestaltung des Menschen verloren.
[ 11 ] Anyone who contemplates this fact through spiritual insight finds it particularly shocking that the interest of the beings of these three higher hierarchies in the creation of the physical image of humanity has not only diminished in this age, but has vanished entirely. If one looks back to the Greco-Roman era, one finds that the beings of these higher hierarchies took a keen interest in bringing about the physical form of humanity on Earth. Today, these beings of the higher hierarchies actually have no interest in this anymore. They feel they have done their part for physical humanity on Earth. From this perspective, their interest has waned. People could regard this as a particularly significant fact, one that cuts deeply into human nature, if only they would take the time and make the effort to observe the external facts of human development today as well. Let us look back, for example, to earlier times. From much of what has happened and has been handed down to us in a way that allows us to judge it, we can say to ourselves: Certain thoughts arose almost instinctively in the people of earlier times. After all, it is precisely those people in whom certain thoughts arise instinctively who are described as geniuses. Today, at most, people believe that such thoughts arise in some individuals. Today, there is little genius to be found in the people of the Earth. For the forces of genius no longer rise up from the physical organism, because the beings of the three higher hierarchies no longer work on this physical organism. They have lost interest in the physical constitution of human beings.
[ 12 ] Das macht den Menschen der Gegenwart gerade in gewisser Beziehung so hochmütig, daß er eigentlich in bezug auf seine Leibesgestaltung fertig ist. Den Rest der Erdenentwicklung wird er nicht mehr in der Vervollkommnung seiner physischen Erdengestalt durchmachen können. Es wird sich aus dem Leibe selbst keine Vervollkommnung seiner Organisation mehr ergeben. Was früher instinktiv genial in der Menschenseele aufgestiegen ist, das war aus dem Leibe und das hatte zu gleicher Zeit, weil es Götterarbeit war, eine organisierende Kraft an dem Leibe. Wenn zum Beispiel Homer dichtete, so dichtete er mit einer Kraft, die im Griechen zugleich eine organisierende Kraft war, die den Griechenleib gestaltete. Was mit einer so konkreten Kraft auftritt, auftreten kann, das hat zu gleicher Zeit leibbildende Kräfte. Was dagegen heute bei uns auftritt als die von uns aufgestellten Naturgesetze, auf die wir so stolz sind, das sind im großen und ganzen Abstraktionen, das hat keine leibbildende Kraft. Wir bilden deshalb abstrakte Gedanken aus, die das soziale Leben nicht zu beherrschen vermögen, und abstrakte Naturgesetze, weil nicht mehr die Wesen der drei höheren Hierarchien an uns arbeiten, weil wir keine Gedanken mehr in uns aufsteigend haben, die organisierend sind. Unser Seelenwesen ist abstrakt geworden. Unsere Seele ist in der Tat so in uns, daß sie verlassen ist durch den Leib selber von der Tätigkeit der Wesen der drei höheren Hierarchien.
[ 12 ] This is precisely what makes modern humans so arrogant in a certain respect—that they actually consider their physical form to be complete. They will no longer be able to undergo the remainder of Earth’s evolution through the perfection of their physical earthly form. No further perfection of their organization will arise from the body itself. What once arose instinctively and brilliantly in the human soul came from the body and, at the same time—because it was the work of the gods—exerted an organizing force upon the body. When Homer composed poetry, for example, he did so with a force that was at the same time an organizing force within the Greeks, shaping the Greek body. Whatever arises—or can arise—with such a concrete force possesses, at the same time, body-forming powers. What, on the other hand, appears among us today as the laws of nature we have established—of which we are so proud—are, by and large, abstractions; they possess no body-forming power. We therefore form abstract thoughts that are incapable of governing social life, and abstract laws of nature, because the beings of the three higher hierarchies no longer work within us, because we no longer have thoughts rising within us that are organizing. Our soul being has become abstract. Our soul is, in fact, such within us that it has been abandoned—even by the body itself—to the activity of the beings of the three higher hierarchies.
[ 13 ] Und das ist nun das Wichtige, daß wir jetzt wieder suchen müssen, von uns aus, die Anknüpfung an die Tätigkeit der Wesen der drei höheren Hierarchien. Bis jetzt sind uns als Menschen diese Wesenheiten entgegengekommen, sie haben an uns gearbeitet. Jetzt müssen wir an unserem Seelisch-Geistigen selber arbeiten. Und was wir seelisch-geistig arbeiten, was wir durch geisteswissenschaftliche Forschung aus der geistigen Welt heraus offenbaren, das wird in unserer Menschenseele etwas werden, was die Wesenheiten der drei höheren Hierarchien wieder interessieren wird. Sie werden in den Gedanken und Empfindungen sein, die wir aus der geistigen Welt herausholen. Dadurch werden wir wieder die Beziehungen zu den Wesen dieser Hierarchien anknüpfen. So bedeutsam ist das, was in unserem Zeitabschnitt geschieht, daß wir es darstellen müssen als eine Veränderung in der Stellung der Götterwelt zu der Menschenwelt. Götter haben bis in unsere Zeit gearbeitet an der Vervollkommnung des physischen Menschenbildes. Der Mensch muß an seinem Seeleninhalt anfangen zu arbeiten, damit er wieder den Weg zurückfindet zu den drei höheren Hierarchien. Deshalb hat unsere Zeit es so schwierig, weil die Menschen so stolz sind auf ein zu einem Abschluß gekommenes äußeres Leibesbild und unabhängig von diesem Leibesbild, das heißt unabhängig von jeglicher höheren Welt, abstrakte Gedanken entwickeln, die keinen Zusammenhang haben mit der geistigen Welt, und weil eigentlich unsere richtige Aufgabe die ist, aus uns selbst diesen Zusammenhang nun zu suchen durch Hingabe an geistiges Wissen und Empfindungen über geistiges Wissen, und zu wollen aus geistigem Wissen heraus. Nur wer ganz eindringlich diesen großen Umschwung, der allerdings durch Jahrhunderte dauert, fühlt und empfindet, nur der kann heute zu einer richtigen Stellung innerhalb seiner Zeit kommen. Heute kann man nicht durch äußere Betrachtungen eine richtige Stellung zur Zeit gewinnen, heute muß man die Möglichkeit haben, diese Stellung durch innerliche Arbeit dessen, was innerlich ist, zu bekommen. Wir sind eben eingetreten in das Zeitalter der Bewußtseinsseele, sind herausgetreten aus dem Zeitalter der Verstandes- oder Gemütsseele, welches das griechisch-lateinische Zeitalter war. Und diese Bewußtseinsseele muß sich auch immer mehr und mehr so entwikkeln, daß nicht mehr in den Menschen hereinarbeiten — das würde ja sein Bewußtsein trüben — die Wesenheiten der höheren Hierarchien, sondern er muß sich bewußt zu ihnen hinaufarbeiten. Das macht sein volles, helles, klares Tagesbewußtsein aus, daß er sich zu den Wesen der höheren Hierarchien hinaufarbeitet. Geisteswissenschaft ist der Beginn eines solchen Hinaufarbeitens, denn sie ist nicht aus irgendeiner Willkür entsprungen, sondern aus der Einsicht in diesen Umschwung in unserer Zeit.
[ 13 ] And this is what is important now: that we must once again seek, on our own initiative, to reconnect with the activity of the beings of the three higher hierarchies. Until now, these beings have reached out to us as human beings; they have worked on us. Now we must work on our own soul-spiritual life. And what we accomplish in our soul-spiritual life—what we reveal from the spiritual world through spiritual scientific research—will become something within our human soul that will once again interest the beings of the three higher hierarchies. They will be present in the thoughts and feelings we draw from the spiritual world. Through this, we will reestablish our connections with the beings of these hierarchies. What is happening in our present era is so significant that we must describe it as a shift in the relationship between the world of the gods and the human world. The gods have been working right up to our time on perfecting the physical form of the human being. Human beings must begin to work on the content of their souls so that they may find their way back to the three higher hierarchies. This is why our time is so difficult: because people are so proud of an external physical form that has reached completion, and—independently of this physical form— that is, independent of any higher world, they develop abstract thoughts that have no connection to the spiritual world; and because our true task is actually to seek this connection within ourselves through devotion to spiritual knowledge and the feelings arising from spiritual knowledge, and to will from within spiritual knowledge. Only those who feel and sense this great transformation—which, admittedly, has been unfolding over centuries—with the utmost intensity can today attain a proper stance within their own time. Today, one cannot gain a proper stance toward the times through external observations; today, one must have the opportunity to attain this stance through inner work on what lies within. We have just entered the age of the soul of consciousness; we have emerged from the age of the soul of intellect or feeling, which was the Greco-Latin age. And this soul of consciousness must also develop more and more in such a way that the beings of the higher hierarchies no longer work their way into the human being—for that would cloud his consciousness—but rather he must consciously work his way up to them. What constitutes his full, bright, clear daytime consciousness is that he works his way up toward the beings of the higher hierarchies. Spiritual science is the beginning of such an ascent, for it has not arisen out of mere whim, but out of an insight into this turning point in our time.
[ 14 ] Aber bewußt muß der Mensch auch manches andere entwickeln. Der Mensch hat immer leben müssen nach dem Karma, nach dem großen Schicksalsgesetz, aber er hat nicht immer sich ein Wissen von diesem großen Schicksalsgesetz angeeignet. Wie war es eigentlich überraschend, als durch Lessings «Erziehung des Menschengeschlechts» heraussprang aus der neueren Geistesentwicklung das Bewußtsein von den wiederholten Erdenleben. Heute beginnt die Zeit, wo man nicht mehr in derselben Weise von Mensch zu Mensch leben kann wie früher. Wir haben gesehen, wie man nicht mehr in derselben Weise zu den Wesen der drei höheren Hierarchien lebt. Aber auch zu den Menschen selbst kann man nicht mehr in derselben Weise leben wie früher. Ihr Leben ragt allerdings, wie es früher gepflegt worden ist, in unsere Zeit herein, aber wir versäumen unsere Verpflichtungen gegenüber der Gegenwart, wenn wir nicht darauf aufmerksam machen, daß auch ein neues Verhältnis von Mensch zu Mensch eintreten muß. Es hat bis jetzt nichts gemacht, kann man sagen, weil die menschliche Bewußtheit nicht verpflichtet war, in der vorherigen Zeit sich zu entwickeln. So daß man in der früheren Zeit dem Menschen entgegengetreten ist ohne Bewußtsein: Du Mensch, in dir lebt eine Seele, die durchgemacht hat eine Zeit vor der Geburt und davor ein anderes Erdenleben. — Es wird eine Zeit kommen, und sie ist schon im Anbrechen, wo es ein Mangel der Seelenverfassung wäre, wenn wir bei einem anderen Menschen nicht wüßten, in seiner Seele lebt etwas, was sich herüberlebt aus einem früheren Erdenleben. Bisher hat es nichts gemacht, wenn man dies nicht wußte. Jetzt beginnt die Zeit, wo man das nicht außer acht lassen darf. Ich will das an einem konkreten Falle zeigen.
[ 14 ] But human beings must also consciously develop many other things. Human beings have always had to live according to karma, according to the great law of destiny, but they have not always acquired knowledge of this great law of destiny. How surprising it actually was when, through Lessing’s *The Education of the Human Race*, the awareness of repeated earthly lives emerged from recent spiritual development. Today marks the beginning of an era in which we can no longer relate to one another in the same way as before. We have seen how we can no longer relate to the beings of the three higher hierarchies in the same way. But we can no longer relate to human beings themselves in the same way as before either. Their lives do, of course, extend into our time as they were previously lived, but we are neglecting our obligations toward the present if we do not draw attention to the fact that a new relationship between human beings must also come into being. One might say that this has not mattered until now, because human consciousness was not obliged to develop in the past. Thus, in earlier times, people approached one another without the awareness: “You, human being, have a soul living within you that has gone through a time before birth and, before that, another earthly life.” — A time will come—and it is already dawning—when it would be a failure of spiritual awareness if we did not recognize in another person that something lives in their soul that has carried over from a previous earthly life. Until now, it did not matter if one was unaware of this. Now the time is beginning when we must not ignore this. I want to illustrate this with a specific example.
[ 15 ] Unter den Dingen, die wir im sozialen Leben zu erarbeiten begonnen haben, haben wir versucht, eine Schule aus wirklich neuem Menschheitsgeist heraus ins Leben zu setzen, die Schule, die zunächst an die Firma Waldorf-Astoria Zigarettenfabrik angegliedert ist: die Waldorfschule. Wir haben sie am letzten Sonntag feierlich eröffnet. Vorausgegangen ist ein Seminarkursus für Lehrer, den ich mir zu halten erlaubte. Da kam es vor allen Dingen darauf an, solch eine Pädagogik, solch eine Erziehungs- und Unterrichtskunst zu begründen, welche mit der Tatsache rechnet: in dem Kinde wächst eine Seele heran, die aus einem anderen Erdenleben kommt. Bisher konnte der Lehrer sich sagen, auch wenn er pädagogisch sehr fortgeschritten sich glaubte: Du hast eine Kinderseele vor dir, aus der kommen gewisse Fähigkeiten, die du zu entwickeln die Verpflichtung hast. — Aber er konnte mehr oder weniger nur auf das sehen, was aus dem Leibe herauskommen konnte. Damit wird der künftige Erzieher seiner Aufgabe nicht genügen können. Er wird ein feines Gefühl haben müssen für das, was sich aus den früheren Erdenleben herüberentwickelt in dem werdenden Kinde, und das wird das große Ergebnis sein in der künftigen Erziehung, daß dies wird herausentwickelt werden müssen. In diesem Verkehr muß sich zuerst das soziale Verhältnis ausgestalten, das gebaut ist auf der spirituellen Beziehung zu anderen Menschen in dem Bewußtsein: hast du einen Menschen vor dir, so hast du die wiederauferstandene Seele aus der vorhergehenden Inkarnation vor dir. Dies als eine Theorie aus einer begriffenen Weltanschauung zu haben, als Lehre von den wiederholten Erdenleben, das ist nicht genug, sondern es muß diese Lehre praktisch werden, so praktisch werden, daß sie der Untergrund werden könnte für so etwas wie eine Erziehungs- und Unterrichtskunst. Das ist es, was diese Lehre erst zur lebensfähigen macht. Es ist daher selbstverständlich, daß noch eine geringe Empfänglichkeit für solche Dinge herrscht, daß man diejenigen Menschen schief anschaut auf ihre geistige Verfassung, welche erkennen, was der heutigen Zeit not tut. Und not tut nicht bloß so, daß man es hinausplärrt in Form von irgendwelchen spirituellen Weltanschauungen, sondern daß man konkrete Verrichtungen des Lebens in die Sonne der Erkenntnis stellt, nicht bloß daß man sich bekennt zu dieser oder jener Formel, sondern diese Erkenntnis hineinträgt in das Leben der Menschheit selber. Dann merkt man gerade an einem solchen Punkte, wie es die Begründung einer neuen Pädagogik ist, wie die alte und die neue Zeit zusammenprallen in der Phrase.
[ 15 ] Among the initiatives we have begun to develop in our social life, we have sought to establish a school rooted in a truly new spirit of humanity—a school that is initially affiliated with the Waldorf-Astoria Cigarette Factory: the Waldorf School. We held a festive opening ceremony last Sunday. This was preceded by a seminar course for teachers, which I took the liberty of conducting. The primary aim there was to establish a pedagogy—an art of education and teaching—that takes into account the fact that a soul is growing within the child, a soul that comes from another earthly life. Until now, even if a teacher considered himself very advanced pedagogically, he could tell himself: “You have a child’s soul before you, from which certain abilities arise that you are obligated to develop.” — But he could, more or less, only observe what emerged from the physical body. The educator of the future will not be able to fulfill his task in this way. He will need to have a keen sense of what is developing within the growing child from its previous earthly lives, and the great achievement of future education will be that this must be brought to the fore. In this interaction, the social relationship must first take shape, one built upon the spiritual connection to other people in the awareness that: when you have a person before you, you have the reincarnated soul from the previous incarnation before you. To hold this merely as a theory derived from a conceptual worldview—as a doctrine of repeated earthly lives—is not enough; rather, this doctrine must become practical, so practical that it could serve as the foundation for something like an art of education and instruction. That is what makes this doctrine viable in the first place. It is therefore only natural that there is still little receptivity to such things, and that people look askance at the spiritual disposition of those who recognize what our times need. And what is needed is not merely to blare it out in the form of some spiritual worldview, but to place concrete life activities in the light of insight—not merely to profess adherence to this or that formula, but to carry this insight into the very life of humanity itself. It is precisely at such a point—as in the foundation of a new pedagogy—that one sees how the old and the new eras clash in rhetoric.
[ 16 ] Ich habe mich bemüht, viel kennenzulernen von dem, was von der einen oder anderen Seite heute pädagogisch zutage gefördert wird. Da wird oftmals — ich will nur ein Beispiel herausnehmen — die Frage erörtert: Soll man mehr formal oder mehr materiell erziehen? Soll man mehr darauf sehen, daß der Mensch erzogen werde für diesen oder jenen Beruf, so daß er sich richtig hineinstellt in das Staats- oder sonstige Leben, oder soll man mehr sehen auf das Wesen des Menschen, daß man heraushole, was das allgemein Menschliche ist im humanistischen Sinne? — Über diese Frage haben sich die Menschen des Erziehungswesens viel gestritten. Es ist eine Phrase in Wirklichkeit aus dem Grunde, weil der Unterschied so groß ist zwischen dem, was der Mensch sagt, und was innerlich erfaßte Wahrheit ist. Ist denn der Mensch etwas anderes als das, worin er hineinwächst? Nehmen Sie Menschen, die heute Berufe haben, die einem öffentlichen Leben hingegeben sind. Wodurch sind sie diesem Leben hingegeben? Dadurch sind sie es, daß die früheren Generationen dieses und jenes in die Welt gebracht haben. Das heutige öffentliche Leben ist nur das Ergebnis dessen, was die früheren Generationen gebracht haben. Haben daher die Lehrer der früheren Zeiten materiell erzogen, nicht formalistisch? Gewiß haben sie nicht formalistisch erzogen. Aber es ist ein und dasselbe! Man streitet sich über Dinge, die ein und dasselbe sind. Doch etwas anderes ist wichtig: daß wir in den Menschen, die heute als Kinder geboren werden, die Neigungen haben, welche in der nächsten und in der zweitnächsten Generation heranwachsen sollen, daß wir also prophetisch erziehen. Ob wir die Menschen materiell oder humanistisch erziehen, ist eine Phrase. Aber daß wir prophetisch erziehen müssen, daß wir voraussehen müssen, was die nächste Generation als Aufgaben hat, das ist ernst. Das steht in der Welt drinnen.
[ 16 ] I have made an effort to learn as much as possible about what is currently being emphasized in educational circles from one side or the other. Often—to give just one example—the question is discussed: Should education focus more on form or more on content? Should the focus be more on preparing a person for this or that profession, so that they can properly integrate into public or other aspects of life, or should the focus be more on the essence of the human being, so as to bring out what is universally human in the humanistic sense? — People in the field of education have argued a great deal about this question. In reality, it is a cliché precisely because the difference is so great between what a person says and what is the truth grasped inwardly. Is a person anything other than what they grow into? Take people today who have professions dedicated to public life. How did they come to be dedicated to this life? It is because earlier generations brought this and that into the world. Today’s public life is merely the result of what earlier generations have brought about. Did the teachers of earlier times, therefore, educate in a substantive way, rather than in a formalistic one? Certainly, they did not educate in a formalistic way. But it is one and the same thing! People argue over things that are one and the same. Yet something else is important: that we instill in the children born today the inclinations that are to develop in the next and the generation after that—that we, in other words, educate prophetically. Whether we educate people in a material or humanistic way is a mere phrase. But the fact that we must educate prophetically—that we must foresee the tasks facing the next generation—that is serious. This is part of the world itself.
[ 17 ] Die Menschen nennen so etwas heute noch schwer verständlich. Sie werden sich bequemen müssen, cs zu verstehen, sonst werden sie immer mehr und mehr herausfallen aus der Zeitentwicklung. Das ist wichtig, das ist außerordentlich wichtig. Bewußt müssen wir werden im ernstesten Sinne des Wortes, sowohl weil wir den Anschluß finden müssen an die Tätigkeit der Wesen der höheren Hierarchien, als auch, weil ein neues Verhältnis von Mensch zu Mensch selbst auf dem Gebiete des Erziehungswesens notwendig ist, weil wir in dem Menschen, der vor uns steht, anregen müssen nicht die Seele, die jetzt vor uns steht, sondern die Seele, die aus früheren Erdenverhältnissen herüberkommt. Das werden wir in unserem Bewußtsein tragen müssen. Es ist so wichtig, daß wir zu dem Geist ein konkretes Verhältnis finden. Wenn man nur etwas weiß über Karma, über wiederholte Erdenleben, über die Konstitution des Menschen, und dies als Begriffe im Kopfe trägt, so ist das gewiß eine Weltanschauung, ein Theoretisches. Aber mit diesem Theoretischen kommt man heute nicht besonders weit. Erst wenn diese theoretische Weltanschauung Leben wird, ist sie das, was die Menschheit für die nächste Zukunft braucht.
[ 17 ] People today still find such things difficult to understand. They will have to make the effort to understand them; otherwise, they will fall further and further behind the course of history. This is important—it is extraordinarily important. We must become conscious in the most serious sense of the word, both because we must connect with the activity of the beings of the higher hierarchies, and because a new relationship between human beings—even in the field of education—is necessary; for in the person standing before us, we must awaken not the soul that is now before us, but the soul that has come over from earlier earthly lives. We will have to carry this in our consciousness. It is so important that we establish a concrete relationship with the spirit. If one knows only a little about karma, about repeated earthly lives, about the constitution of the human being, and holds these as concepts in one’s mind, that is certainly a worldview, a theoretical one. But this theoretical understanding does not get us very far today. Only when this theoretical worldview comes to life will it be what humanity needs for the near future.
[ 18 ] Das wären Wahrheiten über das Verhältnis des Menschen zu den höheren Hierarchien, Wahrheiten über das Karma. Wir können noch ein drittes hinzufügen. Aus meiner Schilderung in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» wissen Sie, daß der Mensch, wenn er hineinschauen wird in die geistige Welt, in einer gewissen Beziehung das Erlebnis haben muß, welches man das Überschreiten der Schwelle nennt. Ich habe dieses Überschreiten der Schwelle in diesem Buche geschildert, indem ich darauf hingewiesen habe, wie die drei Gemütskräfte des Menschen, die in diesem physischen Leben ziemlich chaotisch durcheinanderwirken, sich gliedern, wie die Denkkraft, die Fühlkraft und die Willenskraft selbständig werden. Indem der Mensch die Schwelle überschreitet, werden diese Kräfte selbständig. In vieler Beziehung ist der ganze Lebensgang der Menschheitsentwicklung ähnlich dem Lebensgange des einzelnen Menschen. Nur verschoben sind die Dinge. Was der Mensch bewußt durchmacht, wenn er in der geistigen Welt zum Schauen kommen will, das Überschreiten der Schwelle, das muß in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum die ganze Menschheit unbewußt durchmachen. Sie hat darin keine Wahl, sie macht es unbewußt durch. Nicht der einzelne Mensch, sondern die Menschheit und der einzelne Mensch mit der Menschheit. Was heißt das?
[ 18 ] These would be truths about the relationship between human beings and the higher hierarchies, truths about karma. We can add a third one. From my description in the book *How Does One Gain Insight into the Higher Worlds?*, you know that when a person looks into the spiritual world, they must, in a certain sense, have the experience known as “crossing the threshold.” I described this crossing of the threshold in that book by pointing out how the three mental faculties of human beings—which interact in a rather chaotic jumble during this physical life—become structured, and how the powers of thought, feeling, and will become independent. As a person crosses the threshold, these faculties become independent. In many respects, the entire course of human development is similar to the life course of the individual human being. The only difference is that the timing is shifted. What a person consciously goes through when seeking to gain insight into the spiritual world—the crossing of the threshold—is what all of humanity must unconsciously go through in this fifth post-Atlantean epoch. Humanity has no choice in the matter; it goes through it unconsciously. Not the individual human being, but humanity—and the individual human being together with humanity. What does that mean?
[ 19 ] Was im Menschen zusammenwirkt im Denken, Fühlen und Wollen, das nimmt in der Zukunft einen getrennten Charakter an, macht sich auf verschiedenen Feldern geltend. Wir sind eben dabei, daß die Menschheit ein bedeutungsvolles Tor unbewußt durchschreitet, was die Seherkraft sehr gut wahrnehmen kann. Die Menschheit macht dieses Überschreiten der Schwelle so durch, daß die Gebiete des Denkens, Fühlens und Wollens auseinandergehen. Das aber legt uns Verpflichtungen auf, die Verpflichtung, das äußere Leben so zu gestalten, daß der Mensch diesen Umschwung seines Inneren auch im äußeren Leben durchmachen kann. Indem das Denken im Leben der Menschheit selbständiger wird, müssen wir einen Boden begründen, auf dem das Denken zu gesunderer Auswirkung kommen kann, müssen weiter einen Boden schaffen, auf dem das Fühlen selbständig zur Ausbildung kommen kann, und auch einen Boden, auf dem das Wollen zur besonderen Ausbildung kommen kann. Was bisher chaotisch im öffentlichen Leben durcheinanderwirkte, müssen wir jetzt in drei Gebiete gliedern. Diese drei Gebiete im öffentlichen Leben sind: das Wirtschaftsleben, das staatliche oder Rechtsleben und das Kulturleben oder geistige Leben. Diese Forderung der Dreigliederung hängt mit dem Geheimnis der Menschheitswerdung in diesem Zeitalter zusammen.
[ 19 ] What interacts within human beings in thinking, feeling, and willing will take on a distinct character in the future and assert itself in various spheres. We are in the very process of humanity unconsciously passing through a significant threshold, something that the power of clairvoyance can perceive very clearly. Humanity is experiencing this crossing of the threshold in such a way that the realms of thinking, feeling, and willing are diverging. But this imposes obligations on us—the obligation to shape our outer life in such a way that human beings can undergo this inner transformation in their outer lives as well. As thinking becomes more independent in human life, we must lay a foundation on which thinking can have a healthier effect; we must also create a foundation on which feeling can develop independently, and a foundation on which willing can be specifically cultivated. What has hitherto been chaotically intertwined in public life, we must now divide into three spheres. These three spheres of public life are: economic life, political or legal life, and cultural or spiritual life. This call for a threefold social order is connected to the mystery of humanity’s evolution in this age.
[ 20 ] Glauben Sie nicht, daß das, was als dreigliedriger sozialer Organismus geltend gemacht wird, eine beliebige Erfindung sei. Es ist herausgeboren aus der intimsten Erkenntnis der Menschheitsentwicklung, aus dem, was geschehen muß, wenn nicht das Ziel dieser Menschheitsentwicklung verleugnet werden soll. Deshalb steckten wir in dieser furchtbaren Weltkriegskatastrophe der letzten Jahre darinnen, weil die Schwierigkeit bestand, ein Ziel zu erkennen, welches spiritueller Art ist und weil die Menschen sich so weit entfernten, Ziele dieser Art auch nur anzuerkennen. Aus diesem Chaos müssen wir uns herausarbeiten. Es diktiert uns der Gang der Menschheitsentwicklung selbst, daß wir aus diesem Chaos uns herausarbeiten. Daher glaube ich allerdings, daß die Notwendigkeit einer sozialen Dreigliederung so recht gründlich nur diejenigen werden einsehen können, die von anthroposophischen Empfindungen ausgehen, von der Erkenntnis dessen, was in der Menschheitsentwicklung tatsächlich geschieht. Aber man liebt es in der Gegenwart nicht, solche Dinge anzuerkennen. Die Gegenwart liebt es, sich Aufgaben von dem Allernächstliegenden zuzuwenden, nicht sich auf das einzulassen, was die tieferen Geheimnisse des Daseins sind.
[ 20 ] Do not think that what is presented as the threefold social organism is some arbitrary invention. It has emerged from the deepest understanding of human development, from what must happen if the goal of this human development is not to be denied. That is why we found ourselves in the midst of this terrible catastrophe of the World War in recent years—because it was difficult to recognize a goal of a spiritual nature, and because people had strayed so far from even acknowledging goals of this kind. We must work our way out of this chaos. The course of human development itself dictates that we work our way out of this chaos. Therefore, I do believe, however, that the necessity of social threefolding can be truly and thoroughly understood only by those who proceed from anthroposophical insights, from the knowledge of what is actually happening in human development. But people today do not like to acknowledge such things. People today prefer to turn their attention to the most immediate tasks, rather than engaging with the deeper mysteries of existence.
[ 21 ] Das ist das, was dem in diese Geheimnisse hineinschauenden Menschen das Herz so schwer macht, weil die Menschheit am allermeisten demjenigen abgeneigt ist, was ihr am allernotwendigsten ist. Aber unmöglich ist es, bei den eben geäußerten Gedanken etwa stehenbleiben zu wollen. Man kann sagen, jeder Pessimismus ist falsch. Richtig ist deshalb natürlich auch nicht jeder Optimismus. Aber richtig ist der Appell an das Wollen. Es kommt gar nicht in Frage, ob etwas so oder so geschieht, sondern daß wir wollen sollen, wie es in der Richtung der Menschheitsentwicklung liegt. Das müssen wir uns immer wieder und wieder klarmachen. Die alte Zeit ist vorüber, mit ihr müssen wir abrechnen. Wir können zu einem richtigen Verständnis in der Gegenwart nur kommen, wenn wir mit der alten Zeit richtig abrechnen. Aber die neue Zeit gestattet uns nicht, anders als spirituell mit ihr zu rechnen. Wir dürfen uns nur nicht täuschen, daß wir das, was uns in der alten Zeit lieb geworden ist, in die neue hinübertragen wollen, sondern wir müssen anfangen, uns im äußeren Leben den wirksamen neuen Gedanken zuzuwenden. Die Menschheit hat heute zwei Wege. Der eine geht durch die Mechanisierung des Geistes. Der Geist ist sehr mechanisch geworden in der neueren Zeit, insbesondere in den abstrakten Naturgesetzen, die man dann auch als herrschende Gesetze in das soziale Leben hineingetragen hat. Mechanisierung des Geistes — Vegetabilisierung der Seele! Die Vegetabilien schlafen, die Menschenseele neigt auch zum Schlafen. Die wichtigsten Ereignisse werden schlafend durchgemacht. Die wichtigsten Ereignisse der letzten Jahre sind buchstäblich verschlafen worden. Auch heute werden wichtigste Ereignisse verschlafen.
[ 21 ] This is what weighs so heavily on the heart of the person who looks into these mysteries, because humanity is most averse to precisely what is most essential to it. But it is impossible to simply stop at the thoughts just expressed. One could say that all pessimism is wrong. Of course, that does not mean that all optimism is right either. But what is right is the call to will. It is not a question of whether something happens one way or another, but rather that we must will what is in the direction of humanity’s development. We must make this clear to ourselves again and again. The old era is over; we must settle accounts with it. We can only arrive at a true understanding of the present if we properly settle accounts with the old era. But the new era does not allow us to settle accounts with it in any way other than spiritually. We must not delude ourselves into thinking that we can carry over into the new era what we have come to love from the old; rather, we must begin to turn toward the effective new ideas in our outer lives. Humanity has two paths today. One leads through the mechanization of the spirit. The spirit has become very mechanical in recent times, especially in the abstract laws of nature, which have then been carried over into social life as governing laws. Mechanization of the spirit—vegetalization of the soul! Plants sleep; the human soul, too, tends to sleep. The most important events are experienced in a state of slumber. The most important events of recent years have literally been slept through. Even today, the most important events are being slept through.
[ 22 ] Von der Stelle, wo ich heute hier zu reden habe, möchte ich sagen: Die Menschen haben sich in Mitteleuropa über führende Persönlichkeiten von Tag zu Tag das Falsche sagen lassen, und jetzt fahren sie fort in diesem Geschäft, ohne aufmerksam darauf zu sein. Die Menschen sehen heute aus dem Kurszettel: die Mark ist schon heruntergesunken bis zu 2,15 Centimes. Ich habe bis heute keinen Menschen gefunden, der das Sinken des Markkurses im Zusammenhang mit anderen auf der Hand liegenden Ereignissen durchschaut. Man braucht heute eigentlich nur auf drei Silben hinzuweisen — ich werde sie jetzt nicht verraten —, dann kann man die Antwort finden auf die Frage nach den Gründen dieses Sinkens des Markkurses. Aber die Seelen lieben zu schlafen, so sehr zu schlafen, daß uns in der Gegenwart in Mitteleuropa die große Enttäuschung hat kommen können, daß man sich, ich möchte sagen, schon vorher darauf freute — wir haben es erleben können Die Frauen werden teilnehmen an den öffentlichen Parlamentswahlen, verdoppelt wird der Verstand gegenüber den alten Zeiten. Und dann haben wir die Nationalversammlung erlebt. Aber verdoppelt war der Verstand gegenüber dem alten deutschen Reichstag nicht. Die Fortsetzung der alten Parteien haben wir erlebt, in der Zeit, wo die Parteien hätten mit Stumpf und Stiel verschwinden müssen. Man ahnt gar nicht, was damit geschehen ist, denn die Seelen schlafen. Mechanisierung des Geistes — Vegetarisierung der Seelen!
[ 22 ] From the podium where I am speaking today, I would like to say: People in Central Europe have allowed themselves to be misled day after day by their leaders, and now they are continuing down this path without even realizing it. People see in today’s exchange rate list that the mark has already fallen to 2.15 centimes. To this day, I have not found a single person who understands the connection between the fall in the mark’s exchange rate and other obvious events. Today, one really only needs to point to three syllables—I won’t reveal them now—and then one can find the answer to the question of why the mark’s exchange rate is falling. But souls love to sleep—so much so that in present-day Central Europe we have been met with the great disappointment that people, I might say, had been looking forward to it even before it happened—we have witnessed it: women will participate in public parliamentary elections, and reason will be doubled compared to the old days. And then we witnessed the National Assembly. But reason had not doubled compared to the old German Reichstag. We witnessed the continuation of the old parties at a time when the parties should have disappeared completely. One has no idea what has become of them, for the souls are asleep. Mechanization of the mind—vegetation of the souls!
[ 23 ] Und blicken wir nach Osten, so sehen wir dort die Animalisierung der Leiber sehr stark im Aufgange. Geradeso wie man in der Amerikanisierung des Geistes eine Mechanisierung des Geisteslebens hat, so hat man in dem, was sich im Osten als Bolschewismus ausbreiten will, eine Animalisierung der Leiber. Aus ihren Emotionen heraus kritisieren diese Menschen dieses und jenes ab, aber sie wollen nicht das wahre Leben begreifen. Und so hat die Menschheit heute die Wahl: dort hinzugeben, wo sie auf der einen Seite die Mechanisierung des Geistes, die Vegetarisierung der Seelen, die Animalisierung der Leiber findet, oder sie kann auf der anderen Seite versuchen, den Weg zu finden zur Auferweckung des Geistes, diese Auferweckung des Geistes zu finden in den Impulsen, die dem Zeitalter der Bewußtseinsscele entsprechen, in der Anknüpfung der Menschenseele an die Tätigkeit der höheren Hierarchien, in dem Anerkennen der aus früheren Erdenverhältnissen kommenden bewußten Menschenseele, in der Dreigliederung des sozialen Lebens. Diese Dinge gehören zusammen. Und die Menschen, welche sich vereinigen in der Bewegung, die wir die Bewegung der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft nennen, sie sollten sich fühlen als einen Kern, von dem die Kraft zur sozialen Neugestaltung ausstrahlt. Denn was zur sozialen Umgestaltung von anderen Seiten her kommen kann, kann sehr nützlich sein. Aber es muß daran gearbeitet werden: Wahrhaftige soziale Umgestaltung kann nur aus spirituellen Impulsen kommen. Deshalb hätte man schon erwarten können, daß aus diesem Kreise, der dieser Bewegung angehört, das beste Verständnis für diese Bedingungen hätte erstehen können.
[ 23 ] And when we look to the East, we see the animalization of the body very much on the rise there. Just as the Americanization of the spirit entails a mechanization of spiritual life, so too does what is seeking to spread in the East as Bolshevism entail an animalization of the body. Driven by their emotions, these people criticize this and that, but they do not want to understand true life. And so humanity today has a choice: to succumb to what it finds on the one hand—the mechanization of the spirit, the vegetation of the soul, the animalization of the body—or, on the other hand, to try to find the path to the awakening of the spirit, to find this awakening of the spirit in the impulses corresponding to the age of the consciousness scale, in the connection of the human soul to the activity of the higher hierarchies, in the recognition of the conscious human soul arising from earlier earthly conditions, and in the threefold social order. These things belong together. And the people who unite in the movement we call the anthroposophically oriented spiritual science should see themselves as a core from which the power for social renewal radiates. For what may come from other quarters toward social renewal can be very useful. But work must be done on this: True social transformation can come only from spiritual impulses. That is why one might have expected that the best understanding of these conditions could have arisen from this circle, which belongs to this movement.
[ 24 ] Ich habe Ihnen jetzt einige Momente dargestellt, die Ihnen etwas von den Notwendigkeiten unseres gegenwärtigen Lebens zeigen können heute, wo ich hier in diesen neuen Räumen zu sprechen habe. Ich möchte, daß unsere Feier darin bestanden hat, daß wir uns bei jeglichem Verweilen in diesen Räumen das Bewußtsein bewahren an diese für die Menschheitsentwicklung so wichtigen Wahrheiten. Denn je mehr wir in unsere anthroposophische Arbeit ein solches Bewußtsein hereintragen, eine desto stärkere Weihe verleihen wir dieser Arbeit. Und diese Räume werden am besten dadurch geweiht sein, daß wir sie einweihen durch unsere Empfindungen, die aus solchen Quellen herausgeholt sind.
[ 24 ] I have now described a few moments that may give you some insight into the necessities of our present-day life, here today as I speak in these new rooms. I would like our celebration to consist of this: that whenever we spend time in these rooms, we maintain an awareness of these truths, which are so important for the development of humanity. For the more we bring such an awareness into our anthroposophical work, the more deeply we consecrate that work. And these rooms will be best consecrated when we dedicate them through our feelings, which are drawn from such sources.
