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The Inner Aspect of the Social Enigma
A Luciferic Past and an Ahrimanic Future
GA 193

12 September 1919, Berlin

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Sechster Vortrag

Lecture I

[ 1 ] Heute, wo ich zum ersten Male hier in diesem Raume zu Ihnen über Anthroposophisches zu sprechen habe, ist es vor allen Dingen das Gefühl der Dankbarkeit, dem ich Ausdruck geben möchte denjenigen lieben Freunden gegenüber, welche in der Zeit, in der ich selbst nicht hier in Berlin verweilen konnte, hingebungsvoll sich gewidmet haben der Einrichtung dieser Räume, die unseren anthroposophischen Betrachtungen und Arbeiten dienen sollen. Es ist ja heute eine Zeit, in der die Menschenseele in der Hauptsache großen, umfassenden Ereignissen im Weltengeschehen und in der Menschheitsentwicklung zugeneigt sein muß. So sehr nehmen diese großen, umfassenden Ereignisse und Umwälzungen der Gegenwart unser Wollen in Anspruch, wenn wir unsere Stellung als Menschen innerhalb des Weltgeschehens verstehen wollen, daß wir nicht, wie manchmal in früheren, ruhigeren, wenigstens scheinbar ruhigeren Zeiten, mit gleicher Aufmerksamkeit solchen schönen äußeren Ereignissen zugewendet sein können wie der Einrichtung einer solchen Räumlichkeit, die idealen Zielen, geistigen Zielen gewidmet sein soll, so gewidmet sein soll, daß in ihnen zusammenwirken Menschen als in ihrem sozialen Leben. Es ist aber, wenn man die Sache richtig bedenkt, doch ein gewisser Zusammenhang zwischen den großen Ereignissen, welche gegenwärtig die Welt durchpulsen, und einer solchen Einrichtung. Wird es doch durch die bedeutungsvollen Forderungen der geschichtlichen Entwicklung der Menschheit selbst so sein müssen, daß dasjenige, was die Menschen gesucht haben an Schönem bisher, an künstlerischer Ausgestaltung für ihr einzelnes Privatleben, immer mehr und mehr sich wird hinziehen müssen nach denjenigen Räumen, welche die Menschen nicht einzelegoistisch für sich haben, sondern in denen sie sozial zusammenwirken. Man würde schlecht verstehen, was sich als Zukunftsziele in die Menschheitsentwicklung hineinstellen will, wenn man es beurteilen wollte nach dem, was sich heute zuweilen anzukündigen scheint. Die soziale Bewegung der Gegenwart trägt nicht nur vielfach einen «demokratischeren» Charakter — dessen vorübergehende Wesenheit man nur im richtigen Sinne zu durchschauen braucht, um das, was in dieser Bewegung steckt, ob dieses demokratischeren Charakters nicht zu verkennen —, sondern diese soziale Bewegung trägt auch etwas an sich, das schon den Menschen in die Furcht jagen könnte: das Schöne, das, was als Künstlerisches unsere Erdenkultur durchzieht, das würde in der Zukunft nicht das gleiche Verständnis finden wie in der Vergangenheit, da materiell bevorzugte Kreise dieser Pflege des Schönen sich widmen konnten!

[ 1 ] Speaking to you here for the first time in these rooms on an Anthroposophical subject, I feel I must express gratitude first of all-gratitude to those friends who, in my unavoidable absence, have devoted themselves to the arrangement of these rooms, which are to be used for our work and discussions. At the present time man's soul is of, necessity involved in great and far-reaching events of world and human development. So strong is their demand upon our will and energy if we would understand our place as man within world-history, that we cannot as in earlier, more peaceful times, attend with so great care to such outward things of beauty as the arrangement of a place devoted to ideal spiritual aims, so devoted that men can work towards them together, co-operating as in social life. Rightly seen, there is a certain connection between the recent great events throbbing through the world and such a dedication. The vital claims of the historical development of mankind demand that what men have hitherto sought in the form of beauty, artistic adornment for their personal life, should be transferred from that egoistic realm and centred more and more where separateness gives way to social co-operation. It would argue a very poor understanding of the future if we judged it by what appear today as aims. The social movements of the present do, of course, wear a “democratic” look, but we need only observe their transitory nature in the right light to make no mistake as to their character. Yet these social movements contain a hint of menace lest the beautiful, which runs through our earthly civilization as artistic quality, may not find in the future the same comprehension as in the past, when only the better-endowed classes could devote themselves to its culture.

[ 2 ] Eine Übergangszeit mag dazu führen, daß die Empfänglichkeit für das Schöne etwas zurücktritt. Aber gerade wenn im Ernste eine sozialere Gestaltung unseres Lebens Platz greifen wird, dann wird es unerläßlich sein, daß auch das äußere räumliche, das zeitliche Geschehen angepaßt werde dem Geschmack, dem Schönen; sonst würde ja die Menschheit im Banausentum und in der Philistrosität verkommen. So dürfen wir in gewissem Sinne gerade die einfache Schönheit, die unsere Freunde hier in dieser Räumlichkeit dem anzupassen versuchten, was an ernsten Dingen des Lebens hier gepflegt werden soll, wir dürfen gerade dieses ansehen wie etwas Symbolisches für die großen Ereignisse, die unsere Zeit durchpulsen. Und aus solchen Gefühlen heraus glaube ich im Einklange mit Ihnen allen zu sprechen, wenn ich in dieser ernsten Zeit für eine Arbeit, wie sie hier verrichtet worden ist, auch in diesem Zeitensinne unseren Freunden den allerherzlichsten Dank abstatte. Es wäre auch ein falscher Glaube, wenn man das, was in der Gegenwart sich vorbereiten will, so beurteilen wollte, als ob durch die sogenannten «objektiven Ereignisse» in der Welt der Wert der Persönlichkeit und der Wert dessen, was aus dem Persönlichen, aus dem Individuellen stammt, zurückgehen könnte. Das wird nicht der Fall sein. Nur die Jahrhunderte bis zum Ende des 19., die drei bis vier letzten Jahrhunderte, haben gewissermaßen so gewirkt, daß es in der Gesamtentwicklung der Menschheit gerechtfertigt scheint, den Menschen mehr als ein Rad in den allgemeinen Weltenmechanismus hineinzustellen. Die Aufgabe für die nächste Zukunft schon wird sein, daß sich der Mensch aus diesem Weltenmechanismus herausarbeite. Deshalb darf schon gesagt werden: Zunächst trägt ja die große Bewegung der Gegenwart zumeist einen durch und durch egoistischen Charakter. Gewiß, man strebt Sozialismus an, aber aus lauter antisozialen Trieben und Instinkten heraus. Das darf man nicht verkennen, daß wir eigentlich heute aus dem Grunde Sozialismus anstreben, weil die Menschen so antisozial in ihrer Seelenentwicklung, in ihrer Seelenverfassung geworden sind. Wäre das soziale Fühlen selbstverständlicher, so brauchten nicht so viele sozialistische Programme zu existieren; die sind gewissermaßen nur durch die Reaktion auf das antisoziale Fühlen und Empfinden der Menschen hervorgerufen. Aber gerade in einer solchen Zeit, in welcher — weil die Dinge so ungeklärt sind — das Soziale aus dem Egoistischen und Antisozialen sich herausgebären will, gerade in einer solchen Zeit übt der Anblick desjenigen, was in edler, selbstloser Hingabe an eine ideale Sache zustande gebracht worden ist aus echten, wahren, unegoistischen Menschenempfindungen heraus, eine ganz besondere Wirkung aus. Und es wird gut sein, wenn wir nicht in einer äußerlichen Weise in dieser ernsten Zeit heute geradezu ein Fest feiern, sondern wenn wir unsere Gedanken zu solchem wenden, wie ich es eben ausgesprochen habe: wie wertvoll es ist, neben dem durchgreifenden egoistischen Streben in unserer Zeit die Möglichkeit zu finden, daß so etwas geschaffen werde, wie es hier geschaffen worden ist — wenn auch in sehr kleinem Maßstabe — für ideelle, spirituelle Arbeiten. Und so erscheint es mir auch heute das Allerfestlichste zu sein, hier Betrachtungen anzustellen, die auf der einen Seite zusammenhängen sollen mit dem Ernste der Zeit, damit wir aus diesem Ernste heraus diejenigen Empfindungen in unsere Seele hereinbekommen, die uns vielleicht begleiten können durch die Arbeiten, die hier in diesen Räumen gepflogen werden sollen, so lange wir sie in diesen Räumen durch die Zeitverhältnisse eben werden pflegen können, und wenn wir auf der anderen Seite Gedanken auf uns wirken lassen, die, weil mit der Menschheitsentwicklung innig zusammenhängend, wert und würdig sein können, wenn wir diese Räume betreten, aus den Aufgaben heraus, denen diese Räume dienen sollen, oft und oft uns durch die Seele zu ziehen.

[ 2 ] A time of transition may result in some dimming of the appreciation of beauty, but it is essential, if a really social kind of living is to come into being, that whatever occurs in space and time should tend to encourage appreciation of the beautiful: otherwise mankind will sink into mere philistinism. So the simple beauty of these rooms, which our friends have tried to make appropriate to the serious things of life to be fostered here, may be taken as symbolical of the great events throbbing through our time. Out of such feelings I speak, as from you all, to thank our friends most heartily for the work which they have accomplished in this time of stress. It would, further, be wrong to assume that the future will so develop that personality and all that has its origin in the personal and individual will diminish in value by reason of what men call the “objective events.” That will not be the case. The three or four centuries ending with the nineteenth have made it seem justifiable, in the general evolution of mankind, to regard man as a “cog” in the world-machine. The task of the immediate future will be for man to work himself out of this world-mechanism. We may say without hesitation that the great movement of the present day displays a thoroughly egoistic character. It is true, its aim is Socialism—but its basis is that of anti-social impulses and instincts. No mistake should be made. We see that the real reason in striving for Socialism is that men have become so anti-social in development and constitution of soul. If the social sense were more natural and obvious, fewer socialist “programmes” would be formed; they have been largely evoked by anti-social feeling and experience. In times like the present, filled with bewilderment, in which the basic cause, of social feeling is egoistic and anti-social, the moment comes when an immense impression is made by the sight of a noble, selfless devotion to an ideal, through genuine, unselfish human feeling. It was well if, in these serious times, we did not hold outward festival, but turned our thoughts to this—how valuable it is, amongst the vehement, egoistic strivings of our times, to find the opportunity to create, as has been done here, something for the furtherance of an ideal, spiritual task, even if it be on a small scale. So the highest festival we can hold is to consider subjects connected with the seriousness of the present time, drawing that seriousness into our souls, as well as fostering in our hearts thoughts deeply concerned with human evolution, thoughts of worth and value in the tasks to which these rooms are dedicated.

[ 3 ] Wenn wir in einem kritischen Sinne — nicht böswillig kritisch, aber doch kritisch — unsere Zeit ansehen, dann würden wir ja nicht wahr sein, wenn wir uns täuschen wollten über die zahlreichen Niedergangsströmungen auf allen Gebieten des Lebens, die in dieser Zeit waltend sind. Wenn wir unsere heutige Zeit betrachten, dann dürfen wir, damit wir den Ernst des Lebens nicht verlieren, nicht vergessen, wie stark dasjenige, was der Mensch gewöhnlich in seinem Bewußtsein heute trägt — so trägt, daß er es in Worten ausspricht —, wie sehr entfernt dies zumeist steht von demjenigen, was innerlich wahr und wirklich ist. Sogar die Empfindung dafür, wie weit das Wort, das wir sprechen, sich heute oftmals entfernt von der Wahrheit, sogar die Empfindung dafür ist großen Kreisen unserer Zeitgenossen eigentlich verlorengegangen, und an die Stelle des elementaren Ausfließens der Wahrheit aus der Menschenseele ist getreten, wir dürfen sagen, die Weltenphrase. Denn worin charakterisiert sich am meisten die Phrase? Sie charakterisiert sich dadurch, daß die Menschen sprechen, ohne daß das Wort, welches aus ihrem Munde kommt, innerlich verbunden ist — nur innerlich kann es ja damit verbunden sein — mit dem Quell der Wahrheit. Wir brauchen nur auf das zu sehen, was im Laufe der letzten vier, fünf, sechs Jahre geleistet worden ist an Offenbarungen einer allgemeinen Unwahrheit durch die Welt hindurch, und wir werden nicht daran zweifeln können, daß dadurch jenes Entfernen der Welt von der wahrhaften Wirklichkeit groß geworden ist, zur Weltenphrase geführt hat und, würde nichts dagegen arbeiten, noch immer mehr und mehr führen würde. Und nichts hat eigentlich außer dem Großwerden der Phrase, der Unwahrhaftigkeit, so sehr in der neueren Zeit gedeihen können als die Nachsicht gegenüber dieser Unwahrhaftigkeit, als der Hang zur Unwahrhaftigkeit. Überall wo man heute der Phrase begegnet, trifft man auch auf diejenigen Menschen, die nachsichtig sind gegenüber dem Geltendmachen der Phrase, dieser Unwahrhaftigkeit. Denn diese Nachsichtigen fragen überall: Wie hat das der Betreffende gemeint? Hat er nicht überall die besten Absichten gehabt? Glaubte er nicht überall mit den besten Absichten vorzugehen? — Und wie wenig herrscht demgegenüber das gewissenhafte Wahrheitsgefühl, daß der, welcher den Mund aufmacht, dazu verpflichtet ist, die Gründe einer Behauptung ernst zu prüfen und zu unterlassen die Behauptung, che er geprüft hat. Die Zeit muß kommen, in der es nicht genügt, daß man von einem Menschen sagen kann: Er hat es gut gemeint —, wenn er eine Unwahrhaftigkeit gesagt hat. Die Zeit muß vielmehr kommen, in welcher die Menschen das intensivste Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber der Prüfung der Wahrheit empfinden, und daß sie selbst auch dann, wenn sie entdekken würden, daß sie etwas in gutem Glauben ausgesprochen haben, was nicht den Tatsachen entspricht, daß sie dies sich nicht würden verzeihen können, sondern eingedenk wären der Tatsache, daß es für die objektive Welterkenntnis gleichgültig ist, ob wir subjektiv glauben, wir hätten die Wahrheit gesagt oder nicht, daß es aber für die objektive Welterkenntnis durchaus nicht gleich ist, ob wir in einem einzelnen Falle etwas sagen, was im objektiven Sinne wahr ist, das heißt, den Tatsachen entspricht, oder etwas, das nicht den Tatsachen entspricht. Gerade dem Ernste der Zeit gegenüber wird man es lernen müssen, was wirklich Phrase ist.

[ 3 ] Looking at our own time critically, yet not captiously, we should be dishonest if we shut our eyes to the many forces of decline prevalent in all spheres of life. If with due earnestness we consider the present day, we cannot forget how frequently what is present in, consciousness and finds expression in the spoken word stands far apart from truth and reality. Indeed, any feeling for the gulf yawning between words and the truth is lost in many of our contemporaries and in place of the elementary flow of truth out of the human soul we have the catchword, the “slogan!” What is the characteristic of a “catchword?” The lack of connection of the word used with the inner fount of truth. We need only look at the expressions of universal untruth which have been prevalent in the world during the last four, five, or six years, to be convinced that the estrangement of the world from genuine reality has led to the “empty phrase” and, if uncountered, it will become more dominant. Nor is there anything, outside of this growth of “the phrase,” which has flourished so much in the present age, as indulgence in face of untruth, as a definite bias towards falsity. Nowadays we can find plenty of people forbearing enough to make excuses for the “catch-saying” with its absence of truth. These “tolerant” talkers always ask: “How did the person mean this? Had he not the best intentions? Did he not think he was actuated by the best of motives?” And how little there is of the conscientious regard for truth which lays the duty on a speaker to test the ground of his assertion before he makes it! The time must, come when it will not be enough to say of a man “he meant well” when he has given expression to an untruth. Rather when men will feel the deepest responsibility for testing truth, when even in good faith to have said something which does not correspond with facts will not excuse it, when a man will realize that subjective belief in the truth of what he says matters nothing to the objective knowledge of the world. It does matter whether his speech corresponds to facts or not, is true, or is not, in the objective sense. The very seriousness of our times demands that we should learn what phrases and catchwords really are.

[ 4 ] Heute haben viele Menschen eigentlich das Gefühl — sie sind sich dessen nicht klar bewußt —, daß man doch eigentlich das behaupten dürfe, was einem angenehm ist. Man hat das ganz besonders studicren können und kann es weiter studieren an der Stellung, die sehr viele Menschen zu den Zeitereignissen nehmen. Ernstes ist an uns vorübergegangen. Dieses Ernste beurteilen die Menschen doch nur so, wie es ihnen angenehm ist, nichtnach der Tragweite, welche dieses Ernste für die Gesamtentwicklung der Menschheit hat. Wir haben Menschen als Zeitgenossen gehabt, die im Mittelpunkte dessen standen, was in den letzten vier bis fünf Jahren geschehen ist, Menschen, welche durch die Verhältnisse hinaufgeschoben worden sind in erste Stellungen in bezug auf das Weltgeschehen. Diese Menschen, ihr Schicksal hat sie ereilt! Aber wie wenig Menschen sind geneigt, sich ein objektives Urteil anzueignen über das, was eigentlich geschehen ist. Wie wenig Menschen sind geneigt, danach zu fragen, durch welche Selektion, durch welche Auswahl in der entscheidenden Zeit gerade die führenden Persönlichkeiten in ihre führenden Stellungen zum Unheil der Menschen gekommen sind. Nichts anderes ist aber heute so notwendig, als sich gegenüber allen subjektiven Meinungen durchzuarbeiten zu einer gewissen Objektivität mit Bezug auf diese Dinge. Manche Menschen glauben, es sei heute leicht, die Wahrheit zu sagen. Es ist nicht leicht, die Wahrheit zu sagen, weil die Wahrheit heute so viele Feinde hat, und weil der, welcher die Wahrheit sagt, sich selbstverständlich heute sehr schnell abnutzt. Denn die Wahrheit wird heute vielfach übelgenommen.

[ 4 ] Nowadays many people feel, although not altogether consciously, that we may hold any view if it is agreeable to us, a belief easily to be studied in the attitude they adopt towards current events. We have passed through a serious period, but men only judge of it as is agreeable to them, not according to its importance for the general development of humanity. We have seen some of our contemporaries, in the centre of the stage during the happenings of the last four or five years, thrust forwards into the first place in dealing with them. These men—their destiny has overtaken them—but how little are we inclined to acquire an objective judgment of what has really happened, or to ask by what method of selection, in these critical times, our leading men have been raised to their dominant position to the detriment of mankind! Nothing is so essential today as to work our own way through all subjective opinions and reach some sort of objectivity with regard to these things. An idea is prevalent that it is easy to speak the truth. Far from it: truth has many enemies and to speak it brings swift retribution on a man, since it is taken amiss in all sorts of ways.

[ 5 ] Ich mußte in den letzten Monaten, da mir oftmals gesagt worden ist, daß das, was ich auf sozialem Gebiete geltend mache, so schwer zu verstehen sei, man könne es nicht begreifen, ich mußte demgegenüber immer wieder geltend machen, daß allerdings das Begreifen gerade dieses sozialen Impulses eine andere Seelenstimmung notwendig mache, als jene Seelenstimmung war, die in Mitteleuropa, namentlich in den letzten vier bis fünf Jahren und auch schon lange vorher, geherrscht hat, aber in den letzten vier bis fünf Jahren besonders zu ihrem Höhepunkte gekommen ist. Da haben die Leute in diesen letzten vier bis fünf Jahren viel begriffen; da haben sie Dinge begriffen, die ich wahrhaftig nicht begriffen habe. Man konnte bei vielen Leuten, eingerahmt in schönen Rahmen, allerlei Aussprüche finden; die Leute haben sie begriffen. Mit einem geraden Wahrheitssinn konnte man solche Aussprüche nicht begreifen, aber die Menschen haben sie begriffen. Denn es war ihnen befohlen, daß sie sie begreifen: es kam der Befehl dazu aus dem Großen Hauptquartier. Da begriffen sie alles. Jetzt aber sind die Dinge notwendig, die man nicht aus Gehorsam begreift, sondern aus seiner eigenen freien Seele heraus. Das müssen sich vielleicht die Menschen erst wieder aneignen. Die letzten vier bis fünf Jahre haben in ernster Weise gezeigt, daß die Menschen sich dies wieder aneignen müssen. Und gegenüber dem, was sich die Menschen in den letzten vier bis fünf Jahren angewöhnt haben, ist es wahrhaftig keine angenehme Pflicht, die Wahrheit zu sagen, erstens, weil die Wahrheit ernst ist, und dann, weil die Menschen die Wahrheit so sehr übelnehmen.

[ 5 ] During the last few months I have often been told that what I have put forward on the subject of the social question is so hard to understand as to be incomprehensible, and I have had to assert over and over again that to grasp this social impulse requires a different frame of mind from that which has predominated in mid-Europe for a long time, coming to a climax within the last four or five years. In these recent years people managed to grasp a good deal which I honestly could not grasp. All sorts of statements, elegantly set forth, have been made and people have taken them in. They could not have done that if they had possessed, a straightforward sense of truth—yet, they did it “to order,” everything “commanded by headquarters” was received. today the essential things are not to be so acquired, out of “obedience,” but through man's own freedom of soul. Men must first regain that quality: the last four or five years have made that plain. In face of the delusions men have grown accustomed to during these last years, it is no pleasant duty to speak the truth now, for truth is so serious a matter and people resent it so deeply.

[ 6 ] Es werden Zeiten kommen, die in ganz besonderer Art auf diese unsere Zeit sehen werden. Aber die Menschen haben in der Gegenwart noch manche andere Verpflichtung als in der jüngsten Vergangenheit. Daher muß man sich heute schon in gewissem Sinne eine Vorstellung machen, wie künftige Zeiten auf das sehen werden, was in unserer Zeit vorgeht.

[ 6 ] In time to come our age will be envisaged in a quite peculiar way. Men's present duties differ from those of the immediate past. Therefore, we ought to get some idea how future ages will look at today's events.

[ 7 ] Die Menschen werden lernen müssen, in unserer Zeit den Blick, den geistigen Blick, wieder hinaufzulenken zu den großen Umschichtungen, zu den großen Impulsen des Menschenwerdens auf der Erde. Ein solcher großer Umschwung hat begonnen in der Mitte des 15. Jahrhunderts in der christlichen Zeitrechnung. Wir nennen ihn in unserer anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft den Beginn des fünften nachatlantischen Kulturzeitraumes, und wir wissen, daß er gegenüber dem früheren, dem griechisch-lateinischen Kulturzeitraume, der im 8. vorchristlichen Jahrhundert begann und im 15. Jahrhundert unserer Zeitrechnung endete, einen ganz anderen Charakter trägt. Die Menschen schauen durch das, was sie heute als Fable convenue gegeben haben und das sie Geschichte nennen, nicht auf den gewaltigen Unterschied der menschlichen Seelenstimmungen etwa des 10. Jahrhunderts und derjenigen Jahrhunderte hin, die mit der Mitte des 15. begonnen haben. Neue Seelenstimmungen und Seelenverfassungen sind in die Menschheit hereingebrochen, und wir können nur verstehen, was eigentlich in die Menschheitsentwicklung hereingekommen ist, wenn wir den Seelenblick hinaufwenden zu den Kräften, die im Menschheitsgeschehen selber walten, zu den Kräften, wie sie zum Beispiel indem Umschwung in der Mitte des 15. Jahrhunderts spielen. In unserer Zeit — es sind ja seit der Mitte des 15. Jahrhunderts wieder einige Jahrhunderte vergangen — kommt gewissermaßen das zu einer Krise, was in der Mitte des 15. Jahrhunderts über die zivilisierte Menschheit hereingebrochen ist, was sich langsam bis jetzt entwickelt hat und jetzt in einem entscheidenden Augenblicke steht, weil das menschliche Bewußtsein diesen entscheidenden Augenblick ergreifen muß.

[ 7 ] Men must learn to turn their eyes, their spiritual gaze, to the great and revolutionary impulses occurring in the earthly path of development. One such change took place in the middle of the fifteenth century A.D. According to Anthroposophical Spiritual Science, it is the beginning of the fifth postAtlantean epoch, which we know bears an entirely different character from the earlier Graeco-Latin one, which began in the eighth century B.C. The “fable convenue” usually called “history” gives no information regarding the vast difference in the qualities of the human soul in, for instance, the tenth century, and the centuries following the fifteenth. New soul-qualities and attitudes arose in humanity and we can really only understand what has entered its evolution if we turn our spiritual vision to the forces active within it and see, for instance, their effects in the revolution which occurred in the middle of the fifteenth century. Some time has passed since then, and we are now approaching the crisis due to what swept over civilized mankind at that point and has developed up to the present time—this critical moment, when man's full consciousness must be brought to bear upon it.

[ 8 ] Heute ist die Zeit, in welcher der Mensch — auf welche Weise er das macht, davon werden wir noch sprechen — in sein Bewußtsein aufnehmen muß: Hier stehe ich innerhalb des Erdengeschehens als Mensch, und außer mir sind die drei Reiche der Natur, das Tierreich, das Pflanzenreich, das Mineralreich. Wenn aber der Mensch heute diesen Satz ausspricht, so sagt er damit vom Standpunkte des gegenwärtigen Bewußtseins, des Bewußtseins des fünften nachatlantischen Zeitraumes, nur eine halbe Wahrheit. Der Mensch, der vor diesem Zeitraume lebte, konnte noch sagen: Außer mir sind das Tierreich, das Pflanzenreich und das Mineralreich, weil er etwas anderes darunter verstand als das Bewußtsein von heute. Der Mensch der Vorzeit verstand das Tierreich, das Pflanzenreich und das Mineralreich noch so, daß Geistiges in diesen Reichen waltete. Dem heutigen Menschen ist das Bewußtsein dafür abhanden gekommen. Er muß es sich erst wieder aneignen, indem er auf die drei Reiche hinschaut und weiß: So wie wir nach unten angegliedert sind an die drei Reiche, an das Tierreich, Pflanzenreich und Mineralreich, so sind wir nach oben angegliedert an die drei Reiche der Angeloi, Archangeloi und Archai. Und erst dann sagen wir nicht eine halbe, sondern eine volle Wahrheit, wenn wir nicht nur sagen, wir blicken nach unten auf das Tierreich, Pflanzenreich und Mineralreich, sondern wenn wir auch nach oben hinblicken können auf das Reich der Angeloi, der Archangeloi und der Archai. So wie unser physischer Leib ein gewisses Verhältnis hat zu dem Tierreich, Pflanzenreich und dem Mineralreich, so auch unser Geistig-Seelisches zu dem, was die drei Hierarchien über uns ausmacht. Aber gerade in unserer Zeit ist es so, daß, während wir auf der einen Seite das Verhältnis zu den drei Reichen der Natur sehr ändern, wir auch das Verhältnis zu den drei Reichen der Hierarchien, die über dem Menschen stehen, ändern. Auf diese ernste Angelegenheit der Menschheitsentwicklung möchte ich Sie heute hinweisen, und indem wir dies festhalten, begehen wir am besten das Weihefest für diesen Zweigraum.

[ 8 ] We have reached a time when man must awake to the consciousness that, as man, he has his position within the Earth's history, and that outside of him are the three natural kingdoms, the animal, plant and mineral. (We shall speak later of how this awakening is to be achieved.) To speak of this fact expresses only a half-truth from the standpoint of our modern consciousness, the consciousness, that is, of the fifth post Atlantean epoch. Before that epoch people could still speak of the three kingdoms as outside of themselves, because their view of the kingdoms of nature was essentially different. In earlier times people understood them as being spiritually controlled. Modern man has lost that; he must regain the consciousness in which he looks at the three kingdoms, knowing that, as he is related downwards to them, so he is related upwards to the three kingdoms of the Angeloi, Archangeloi and Archai. The half-truth becomes a whole truth when so completed, when we can look up to the realm of these three spiritual kingdoms. Our physical body has a relation to the three natural kingdoms, our soul-spiritual to what lives in the three Hierarchies; and while we change on the one side our relation to the three kingdoms of nature, so also, we alter our relation to the three kingdoms of Hierarchies which stand above us. I want to draw your attention today to this important fact in human evolution, for by holding fast to this thought we can best celebrate the inauguration of this Branch.

[ 9 ] Wenn wir auf das zurückblicken, was sich in der Menschheitsentwicklung in den früheren Zeiträumen zugetragen hat, die gewissermaßen mit der Mitte des 15. Jahrhunderts ihren Abschluß finden, so müssen wir sagen, wenn wir von den höheren Hierarchien noch absehen: Die Wesen der Angeloi, der Archangeloi und der Archai haben sich immer mit dem Menschen beschäftigt, haben sich beschäftigt mit dem Menschen, insofern er sein Dasein durchmacht zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, haben sich aber auch mit ihm beschäftigt, insofern er sein Dasein durchmacht hier auf dem irdischen Plan. Aber die Beschäftigung der Wesen dieser drei Hierarchien mit dem Menschen hat in gewisser Beziehung einen Abschluß gefunden in unserem Zeitalter. Unter den mannigfaltigen Tätigkeiten, denen die Wesen dieser drei Hierarchien obgelegen haben, ist diese: mitzuarbeiten an dem Bilde, das dem physischen Erdenmenschen, der physischen Organisation des Erdenmenschen zugrunde liegt. Wir treten durch die Geburt in unser physisches Dasein, wachsen heran in diesem physischen Dasein: das Bild der Menschheit prägt sich in uns aus. Dieses Bild war in uralten Zeiten der Menschheitsentwicklung ganz anders: Es hat manchen Wandel durchgemacht. Sie brauchen sich nur an das zu erinnern, was herauskommt, wenn wir in die alte atlantische Zeit oder auch in die Zeit der ägyptischen Kultur zurückblicken: die Menschen waren in ihrem äußeren Bau noch anders. Das Bild der Menschheit hat sich geändert, und an diesem Bilde zu arbeiten, oblag den Wesenheiten dieser drei höheren Hierarchien. Man kann schon sagen, es gehörte zu den Aufgaben dieser Wesenheiten, das Bild des Menschen auszuarbeiten, so daß es zuerst die Gestalt hatte, die es in der alten lemurischen Zeit zeigte, dann jene Gestalt, die es in der atlantischen Zeit hatte und dann die, welche es in den nachatlantischen Perioden hatte. Damit sind die Wesen dieser drei höheren Hierarchien allmählich dazu gekommen, das Bild, welches heute dem Menschen zugrunde liegt, durch Umwandlung älterer Bildformen hervorgebracht zu haben.

[ 9 ] If we look back to earlier epochs, which culminated in the middle of the fifteenth century, we must say, if we still keep in view the higher Hierarchies: the Beings belonging to the Angels, Archangels and Archai have always occupied themselves with man in so far as he goes through his existence between death and a new birth, but have also been occupied and concerned with him in so far as he goes through his existence here upon earth. In our age, however, this preoccupation with mankind has in a certain sense come to a conclusion. Among the many activities belonging to the beings of these three Hierarchies is this: to work together upon the pattern, or picture, which underlies the physical organization of earthly man. We enter physical existence, at birth and grow therein: the pattern or image of humanity is stamped upon us. In the primal times of human evolution this picture was quite different and it has passed through many changes. We need only call to mind what appears when we look back into the Atlantean period or even into the Egyptian: men were different even in their outer structure. The pattern of humanity has altered and it was the task of these three Hierarchies to work at it, giving it first the form it had in Lemurian times, then the form for the Atlantean, and lastly that of the post Atlantean age. The Beings of these higher Hierarchies gradually came to the point where, through transformation of older forms, they brought forth the model which today underlies the form of man.

[ 10 ] Aber nun liegt das Eigentümliche vor, und eine wirkliche geistige Beobachtung der Menschheitsentwicklung zeigt dies: mit der eigentlichen Ausbildung dieses Menschheitsbildes sind die Wesenheiten dieser drei Hierarchien in unserem Zeitalter im wesentlichen fertig. Dieses Menschheitsbild, insofern es der physischen Organisation des Menschen zugrunde liegt, ist eigentlich abgeschlossen. Fühlen Sie diese bedeutungsvolle Tatsache: Die Wesen der Hierarchien der Angeloi, der Archangeloi und der Archai haben durch Jahrtausende und aber Jahrtausende an der Ausarbeitung eines Bildes gewirkt, und dieses Bild ist dasjenige, nach welchem die physische Menschenorganisation sich vollzogen hat. Und wir leben in dem Zeitalter, in dem diese Wesenheiten der drei höheren Hierarchien sich sagen: Wir haben gearbeitet an dem Menschheitsbilde, aber wir sind fertiggeworden. Wir haben den Menschen hineingestellt in diese Erdenwelt als physischen Menschen, und wir sind nun fertig!

[ 10 ] Then is to be observed the peculiar fact, shown by true spiritual observation that, with the actual working out of this human model, the Beings of these three Hierarchies have essentially finished their task in our age. This picture of mankind, in so far as it underlies the physical organization of man, is really completed. Let this significant fact work on you—the Beings of the Hierarchy of Angeloi, Archangeloi and Archai have worked for thousands and thousands of years at the accomplishment of a picture as the basis on which man's physical organization has been achieved; and we live in the age in which these Beings of the higher Hierarchies say: we have laboured at the human picture, but we have finished; we have set man as physical man into this earthly world, and this part of our task is now completed.

[ 11 ] Wer im geistigen Schauen diese Tatsache überblickt, der empfindet namentlich erschütternd die Tatsache, daß das Interesse der Wesenheiten dieser drei höheren Hierarchien in diesem Zeitalter nicht nur abgenommen hat, sondern geschwunden ist für die Herstellung des physischen Menschheitsbildes. Blickt man zurück noch in die griechisch-lateinische Zeit, so findet man bei den Wesen dieser höheren Hierarchien ein lebhaftes Interesse an dem Zustandebringen des physischen Menschheitsbildes auf der Erde. Heute haben diese Wesenheiten der höheren Hierarchien eigentlich dafür kein Interesse mehr. Sie haben das Gefühl, sie haben für den physischen Menschen auf der Erde das Ihrige getan. Ihr Interesse ist von diesem Gesichtspunkte aus geschwunden. Die Menschen könnten dies als eine besonders bedeutungsvolle, tief in die Menschennatur einschneidende Tatsache ansehen, wenn sie nur sich Zeit und Muße nehmen würden, heute auch die äußeren Tatsachen der Menschheitsentwicklung zu beobachten. Wir blicken zum Beispiel zurück auf frühere Zeiten. Aus manchem, was geschehen ist und was uns so überliefert ist, daß wir es beurteilen können, können wir uns sagen: In den Menschen der früheren Zeiten stiegen wie instinktiv gewisse Gedanken auf. Man bezeichnet ja gerade diejenigen Menschen als genial, in denen gewisse Gedanken instinktiv aufsteigen. Heute glaubt man höchstens, daß solche Gedanken in manchen Menschen aufsteigen. Heute ist wenig Geniales in den Menschen der Erde vorhanden. Denn es steigen nicht mehr aus der Leibesorganisation die Kräfte des Genialischen herauf, weil an dieser Leibesorganisation nicht mehr die Wesenheiten der drei höheren Hierarchien arbeiten. Sie haben ihr Interesse an der Leibesgestaltung des Menschen verloren.

[ 11 ] If we survey this fact in spiritual vision, we shall feel with terrifying force that in these times the interest of the Beings of these three higher Hierarchies has not only waned—it has vanished as far as the production of the physical picture of man is concerned. Looking back into the Graeco-Latin age, we find that they had a lively interest in the bringingforth of the picture of humanity on Earth. today they really have no further interest in it. They feel that they have finished their task and their interest from that point of view has disappeared. Men might see this as a very important fact, piercing deeply' into human nature, if they would only take time and trouble to observe even the outer facts of human evolution. In earlier times, as we can see from what has been handed down to us so that we are able to judge of it, certain thoughts rose up in people instinctively. Those in whom this happened we call “geniuses.” today at best we “believe” that such thoughts arise in some men. There is little “genius” on Earth now, for the forces of genius no longer arise from the bodily organization because the Beings of the three higher Hierarchies no longer work on it. They have lost their interest in the bodily formation of man.

[ 12 ] Das macht den Menschen der Gegenwart gerade in gewisser Beziehung so hochmütig, daß er eigentlich in bezug auf seine Leibesgestaltung fertig ist. Den Rest der Erdenentwicklung wird er nicht mehr in der Vervollkommnung seiner physischen Erdengestalt durchmachen können. Es wird sich aus dem Leibe selbst keine Vervollkommnung seiner Organisation mehr ergeben. Was früher instinktiv genial in der Menschenseele aufgestiegen ist, das war aus dem Leibe und das hatte zu gleicher Zeit, weil es Götterarbeit war, eine organisierende Kraft an dem Leibe. Wenn zum Beispiel Homer dichtete, so dichtete er mit einer Kraft, die im Griechen zugleich eine organisierende Kraft war, die den Griechenleib gestaltete. Was mit einer so konkreten Kraft auftritt, auftreten kann, das hat zu gleicher Zeit leibbildende Kräfte. Was dagegen heute bei uns auftritt als die von uns aufgestellten Naturgesetze, auf die wir so stolz sind, das sind im großen und ganzen Abstraktionen, das hat keine leibbildende Kraft. Wir bilden deshalb abstrakte Gedanken aus, die das soziale Leben nicht zu beherrschen vermögen, und abstrakte Naturgesetze, weil nicht mehr die Wesen der drei höheren Hierarchien an uns arbeiten, weil wir keine Gedanken mehr in uns aufsteigend haben, die organisierend sind. Unser Seelenwesen ist abstrakt geworden. Unsere Seele ist in der Tat so in uns, daß sie verlassen ist durch den Leib selber von der Tätigkeit der Wesen der drei höheren Hierarchien.

[ 12 ] It is because modern man is complete, with reference to the formation of his body, that he is in a certain respect so arrogant. There will be no further perfecting of the physical earthly form as man passes through the remainder of our Earth-evolution; the body itself can contribute nothing more to its own perfection. What had arisen in earlier times as instinctive originality and genius in man's soul had come from the body; at the same time, because it was the work of divine beings, it had an organizing power on the body. Homer's poems, for instance, possessed an organizing force which formed the Greek body. That which arose, with such concrete force, possessed at the same time a body-building power. What we moderns proudly exhibit as our “laws of nature” are in the main abstractions and have no formative force at all. We construct abstract thoughts, unable to govern social life, and abstract “laws of nature,” because the Beings of the higher Hierarchies no longer work upon us and we have no organizing thoughts arising within us. The being of our soul has become abstract, dwelling in us in such a way that, through the body itself, it is forsaken by the activity of the beings of the three higher Hierarchies.

[ 13 ] Und das ist nun das Wichtige, daß wir jetzt wieder suchen müssen, von uns aus, die Anknüpfung an die Tätigkeit der Wesen der drei höheren Hierarchien. Bis jetzt sind uns als Menschen diese Wesenheiten entgegengekommen, sie haben an uns gearbeitet. Jetzt müssen wir an unserem Seelisch-Geistigen selber arbeiten. Und was wir seelisch-geistig arbeiten, was wir durch geisteswissenschaftliche Forschung aus der geistigen Welt heraus offenbaren, das wird in unserer Menschenseele etwas werden, was die Wesenheiten der drei höheren Hierarchien wieder interessieren wird. Sie werden in den Gedanken und Empfindungen sein, die wir aus der geistigen Welt herausholen. Dadurch werden wir wieder die Beziehungen zu den Wesen dieser Hierarchien anknüpfen. So bedeutsam ist das, was in unserem Zeitabschnitt geschieht, daß wir es darstellen müssen als eine Veränderung in der Stellung der Götterwelt zu der Menschenwelt. Götter haben bis in unsere Zeit gearbeitet an der Vervollkommnung des physischen Menschenbildes. Der Mensch muß an seinem Seeleninhalt anfangen zu arbeiten, damit er wieder den Weg zurückfindet zu den drei höheren Hierarchien. Deshalb hat unsere Zeit es so schwierig, weil die Menschen so stolz sind auf ein zu einem Abschluß gekommenes äußeres Leibesbild und unabhängig von diesem Leibesbild, das heißt unabhängig von jeglicher höheren Welt, abstrakte Gedanken entwickeln, die keinen Zusammenhang haben mit der geistigen Welt, und weil eigentlich unsere richtige Aufgabe die ist, aus uns selbst diesen Zusammenhang nun zu suchen durch Hingabe an geistiges Wissen und Empfindungen über geistiges Wissen, und zu wollen aus geistigem Wissen heraus. Nur wer ganz eindringlich diesen großen Umschwung, der allerdings durch Jahrhunderte dauert, fühlt und empfindet, nur der kann heute zu einer richtigen Stellung innerhalb seiner Zeit kommen. Heute kann man nicht durch äußere Betrachtungen eine richtige Stellung zur Zeit gewinnen, heute muß man die Möglichkeit haben, diese Stellung durch innerliche Arbeit dessen, was innerlich ist, zu bekommen. Wir sind eben eingetreten in das Zeitalter der Bewußtseinsseele, sind herausgetreten aus dem Zeitalter der Verstandes- oder Gemütsseele, welches das griechisch-lateinische Zeitalter war. Und diese Bewußtseinsseele muß sich auch immer mehr und mehr so entwikkeln, daß nicht mehr in den Menschen hereinarbeiten — das würde ja sein Bewußtsein trüben — die Wesenheiten der höheren Hierarchien, sondern er muß sich bewußt zu ihnen hinaufarbeiten. Das macht sein volles, helles, klares Tagesbewußtsein aus, daß er sich zu den Wesen der höheren Hierarchien hinaufarbeitet. Geisteswissenschaft ist der Beginn eines solchen Hinaufarbeitens, denn sie ist nicht aus irgendeiner Willkür entsprungen, sondern aus der Einsicht in diesen Umschwung in unserer Zeit.

[ 13 ] The important thing now is to seek afresh, from ourselves outwards, the connection with the activity of these Beings. Hitherto they have approached us; they have worked on us. Now we must work for ourselves on the soul-spiritual that is in us. The result of that work, what we unveil out of the spiritual world through spiritual investigation, will become something in our human soul which will restore the interest of the Beings of the three higher Hierarchies. They will be in the thoughts and feelings belonging to us, which we acquire out of the spiritual world. In this way we shall once again link our own being to that of the higher Hierarchies. So important is what is happening in our time that we must describe it as “a change in the attitude of the divine world to the human world.” Till now divine Beings have worked at the perfecting of the physical picture of humanity; man must now begin to work from his own soul-content, in order to find the way back to the higher Hierarchies. The difficulty of our time is that men are so proud of their external picture of a body, which has now reached its completion, and develop thoughts independently of the picture, thoughts having no connection with the spiritual world. Our real task, thus made so much the more difficult, is to seek this connection from out of ourselves, through devotion to spiritual knowledge, sensitiveness to it, and a will obedient to it. We can only acquire a right attitude to our times if we have felt and experienced this great revolution, which, of course, lasts through centuries. Outer observations will not help, us to this attitude; today we must have the possibility of achieving it by an inner work on our own being. We have entered the period of the Consciousness Soul, and have passed out of that of the Intellectual Soul—which was the Graeco-Latin age. The Consciousness Soul must develop more and more in such a way that the Beings of the higher Hierarchies no longer work into man, for that would darken man's consciousness—but that he may consciously raise himself to them. Man's full clear day-consciousness is established when he works his way upward to the Beings of the higher Hierarchies. Spiritual Science is the beginning of such work, for it has not sprung from any arbitrary choice or caprice, but from the recognition of this revolution in our time.

[ 14 ] Aber bewußt muß der Mensch auch manches andere entwickeln. Der Mensch hat immer leben müssen nach dem Karma, nach dem großen Schicksalsgesetz, aber er hat nicht immer sich ein Wissen von diesem großen Schicksalsgesetz angeeignet. Wie war es eigentlich überraschend, als durch Lessings «Erziehung des Menschengeschlechts» heraussprang aus der neueren Geistesentwicklung das Bewußtsein von den wiederholten Erdenleben. Heute beginnt die Zeit, wo man nicht mehr in derselben Weise von Mensch zu Mensch leben kann wie früher. Wir haben gesehen, wie man nicht mehr in derselben Weise zu den Wesen der drei höheren Hierarchien lebt. Aber auch zu den Menschen selbst kann man nicht mehr in derselben Weise leben wie früher. Ihr Leben ragt allerdings, wie es früher gepflegt worden ist, in unsere Zeit herein, aber wir versäumen unsere Verpflichtungen gegenüber der Gegenwart, wenn wir nicht darauf aufmerksam machen, daß auch ein neues Verhältnis von Mensch zu Mensch eintreten muß. Es hat bis jetzt nichts gemacht, kann man sagen, weil die menschliche Bewußtheit nicht verpflichtet war, in der vorherigen Zeit sich zu entwickeln. So daß man in der früheren Zeit dem Menschen entgegengetreten ist ohne Bewußtsein: Du Mensch, in dir lebt eine Seele, die durchgemacht hat eine Zeit vor der Geburt und davor ein anderes Erdenleben. — Es wird eine Zeit kommen, und sie ist schon im Anbrechen, wo es ein Mangel der Seelenverfassung wäre, wenn wir bei einem anderen Menschen nicht wüßten, in seiner Seele lebt etwas, was sich herüberlebt aus einem früheren Erdenleben. Bisher hat es nichts gemacht, wenn man dies nicht wußte. Jetzt beginnt die Zeit, wo man das nicht außer acht lassen darf. Ich will das an einem konkreten Falle zeigen.

[ 14 ] But man must consciously develop many other things as well. He has always had to live according to karma, the great law of destiny; but he has not always possessed a knowledge of it. How amazing it was when, in Lessing's Education of the Human Race, the consciousness of repeated Earth-lives sprang forth from the new spiritual evolution! We are at the beginning of a time of change in man's relationship to his fellows—that is changed, even as is his relationship to the Beings of the three higher Hierarchies. The way in which human life was nurtured in the past does indeed extend into our own, time; but we would fail in our, duty to the present if we did not emphasize that new relations between human beings must now enter. It was of no moment in earlier times, when the duty was not yet laid upon man to develop consciousness embracing previous Earth-lives, that he should have, in contact with his fellows, no realization that they stood before him as souls which had lived in the spiritual world before birth, and before that in another Earth-life. Now it is of moment—the time is beginning when we may not leave this out of consideration. I will show this in a concrete case.

[ 15 ] Unter den Dingen, die wir im sozialen Leben zu erarbeiten begonnen haben, haben wir versucht, eine Schule aus wirklich neuem Menschheitsgeist heraus ins Leben zu setzen, die Schule, die zunächst an die Firma Waldorf-Astoria Zigarettenfabrik angegliedert ist: die Waldorfschule. Wir haben sie am letzten Sonntag feierlich eröffnet. Vorausgegangen ist ein Seminarkursus für Lehrer, den ich mir zu halten erlaubte. Da kam es vor allen Dingen darauf an, solch eine Pädagogik, solch eine Erziehungs- und Unterrichtskunst zu begründen, welche mit der Tatsache rechnet: in dem Kinde wächst eine Seele heran, die aus einem anderen Erdenleben kommt. Bisher konnte der Lehrer sich sagen, auch wenn er pädagogisch sehr fortgeschritten sich glaubte: Du hast eine Kinderseele vor dir, aus der kommen gewisse Fähigkeiten, die du zu entwickeln die Verpflichtung hast. — Aber er konnte mehr oder weniger nur auf das sehen, was aus dem Leibe herauskommen konnte. Damit wird der künftige Erzieher seiner Aufgabe nicht genügen können. Er wird ein feines Gefühl haben müssen für das, was sich aus den früheren Erdenleben herüberentwickelt in dem werdenden Kinde, und das wird das große Ergebnis sein in der künftigen Erziehung, daß dies wird herausentwickelt werden müssen. In diesem Verkehr muß sich zuerst das soziale Verhältnis ausgestalten, das gebaut ist auf der spirituellen Beziehung zu anderen Menschen in dem Bewußtsein: hast du einen Menschen vor dir, so hast du die wiederauferstandene Seele aus der vorhergehenden Inkarnation vor dir. Dies als eine Theorie aus einer begriffenen Weltanschauung zu haben, als Lehre von den wiederholten Erdenleben, das ist nicht genug, sondern es muß diese Lehre praktisch werden, so praktisch werden, daß sie der Untergrund werden könnte für so etwas wie eine Erziehungs- und Unterrichtskunst. Das ist es, was diese Lehre erst zur lebensfähigen macht. Es ist daher selbstverständlich, daß noch eine geringe Empfänglichkeit für solche Dinge herrscht, daß man diejenigen Menschen schief anschaut auf ihre geistige Verfassung, welche erkennen, was der heutigen Zeit not tut. Und not tut nicht bloß so, daß man es hinausplärrt in Form von irgendwelchen spirituellen Weltanschauungen, sondern daß man konkrete Verrichtungen des Lebens in die Sonne der Erkenntnis stellt, nicht bloß daß man sich bekennt zu dieser oder jener Formel, sondern diese Erkenntnis hineinträgt in das Leben der Menschheit selber. Dann merkt man gerade an einem solchen Punkte, wie es die Begründung einer neuen Pädagogik ist, wie die alte und die neue Zeit zusammenprallen in der Phrase.

[ 15 ] Among the things we have tried to set up as a part of the life of human society, is a school based on a real new spirit of humanity, the Waldorf School, in the first instance connected with the Waldorf Astoria Cigarette Factory. The opening ceremony took place last Sunday, 7th September 1919, preceded by a course for teachers which I ventured to hold. The important thing was to establish a pedagogy, an art of teaching and education which would take into account the fact that in a child a soul is growing, which has been through other earth-lives. Hitherto the teacher, however advanced in educational ideas, has felt no more than that he was dealing with the soul of a child, whose capacities it was his duty to develop, but he could only, more or less, take note of what could be perceived through the bodily nature. That will not be enough for the teacher of the future. He will need a fine feeling for what is developing in the growing child as a result of earlier earth-lives, and this comprehension will be the great achievement in the education of the future. A social attitude must be created, built up upon a spiritual relation to other men in the consciousness that when a fellow-man stands before us, we have to deal with a soul which has been through a previous incarnation. To hold the theory, of repeated earth-lives, based on intellectual philosophy, is not enough. The theory must become so practical that it forms the foundation of something like a real art of teaching and education. That is what first gives theory a living quality. It is natural that there is as yet very little willingness to receive such things and that the spiritual attitude of men who do realize the need of the times should be looked at askance. Further, it is necessary not merely to converse in terms of some sort of spiritual view of the world, but to establish institutions concretely and in the full light of knowledge, not only to profess some formula but to carry this knowledge right into the lives of men. Then that attitude will make itself evident as the foundation for a new pedagogy; the old times and the new meet in that phrase.

[ 16 ] Ich habe mich bemüht, viel kennenzulernen von dem, was von der einen oder anderen Seite heute pädagogisch zutage gefördert wird. Da wird oftmals — ich will nur ein Beispiel herausnehmen — die Frage erörtert: Soll man mehr formal oder mehr materiell erziehen? Soll man mehr darauf sehen, daß der Mensch erzogen werde für diesen oder jenen Beruf, so daß er sich richtig hineinstellt in das Staats- oder sonstige Leben, oder soll man mehr sehen auf das Wesen des Menschen, daß man heraushole, was das allgemein Menschliche ist im humanistischen Sinne? — Über diese Frage haben sich die Menschen des Erziehungswesens viel gestritten. Es ist eine Phrase in Wirklichkeit aus dem Grunde, weil der Unterschied so groß ist zwischen dem, was der Mensch sagt, und was innerlich erfaßte Wahrheit ist. Ist denn der Mensch etwas anderes als das, worin er hineinwächst? Nehmen Sie Menschen, die heute Berufe haben, die einem öffentlichen Leben hingegeben sind. Wodurch sind sie diesem Leben hingegeben? Dadurch sind sie es, daß die früheren Generationen dieses und jenes in die Welt gebracht haben. Das heutige öffentliche Leben ist nur das Ergebnis dessen, was die früheren Generationen gebracht haben. Haben daher die Lehrer der früheren Zeiten materiell erzogen, nicht formalistisch? Gewiß haben sie nicht formalistisch erzogen. Aber es ist ein und dasselbe! Man streitet sich über Dinge, die ein und dasselbe sind. Doch etwas anderes ist wichtig: daß wir in den Menschen, die heute als Kinder geboren werden, die Neigungen haben, welche in der nächsten und in der zweitnächsten Generation heranwachsen sollen, daß wir also prophetisch erziehen. Ob wir die Menschen materiell oder humanistisch erziehen, ist eine Phrase. Aber daß wir prophetisch erziehen müssen, daß wir voraussehen müssen, was die nächste Generation als Aufgaben hat, das ist ernst. Das steht in der Welt drinnen.

[ 16 ] I have taken the trouble to find out a great deal about what is demanded in education on various sides. To give but one example: the question is often raised whether education should be more “formal” (classical) or “technical.” Should teaching be directed to fitting a pupil for this or that calling, so that he may be suited to serve the State or conduct other business; or should it aim at calling forth in him the common being of man and “developing what is universal in a humanistic sense?” All the arguments on the question are: simply words, words, because fundamentally what is said and what is the inwardly grasped truth have no correspondence at all. Is a man, then, anything but what he grows into? How is it, for instance, that men who follow certain callings in public life are fitted for them? It is due to the work of bygone generations; the public life of today is only the result of what they brought into being. How about the earlier teachers—did they educate “technically” not “formally?” Certainly not the latter. But it is all one and the same thing! Men dispute over things that are not really different. What is really important is this: that in the children of today we have the tendencies which will grow in the next generation and the one after that—which means that education is prophetic. “Technical” or “humanist” education are mere words. What matters is that we should educate prophetically, foreseeing the task of the next generation. That does concern the world, urgently.

[ 17 ] Die Menschen nennen so etwas heute noch schwer verständlich. Sie werden sich bequemen müssen, cs zu verstehen, sonst werden sie immer mehr und mehr herausfallen aus der Zeitentwicklung. Das ist wichtig, das ist außerordentlich wichtig. Bewußt müssen wir werden im ernstesten Sinne des Wortes, sowohl weil wir den Anschluß finden müssen an die Tätigkeit der Wesen der höheren Hierarchien, als auch, weil ein neues Verhältnis von Mensch zu Mensch selbst auf dem Gebiete des Erziehungswesens notwendig ist, weil wir in dem Menschen, der vor uns steht, anregen müssen nicht die Seele, die jetzt vor uns steht, sondern die Seele, die aus früheren Erdenverhältnissen herüberkommt. Das werden wir in unserem Bewußtsein tragen müssen. Es ist so wichtig, daß wir zu dem Geist ein konkretes Verhältnis finden. Wenn man nur etwas weiß über Karma, über wiederholte Erdenleben, über die Konstitution des Menschen, und dies als Begriffe im Kopfe trägt, so ist das gewiß eine Weltanschauung, ein Theoretisches. Aber mit diesem Theoretischen kommt man heute nicht besonders weit. Erst wenn diese theoretische Weltanschauung Leben wird, ist sie das, was die Menschheit für die nächste Zukunft braucht.

[ 17 ] “So difficult to understand,” people comment on all this! They must take the trouble to understand it, however, otherwise they will more and more fall out of the general evolution of the time—a momentous alternative, indeed! We must become conscious, in the most serious meaning of the word, of two necessities—first, the discovery of our connection with the activity of the Beings of the higher Hierarchies, and second, the establishment of a new relationship of man to man in the educational sphere. No longer must we contemplate mankind as simply the personalities standing before us, but as souls which have come over from earlier earth-conditions. We must keep that fact in our consciousness, but it is important to find a concrete relationship to the Spirit. Certainly what we know of karma, of repeated earth-lives and the constitution of man is a theoretic view of the world and mere theory will not carry us very far. Only when this theoretic view becomes “Life” is it what man needs for the immediate future—truths concerning the relation of man to the higher Hierarchies and about karma. A third thing may be added.

[ 18 ] Das wären Wahrheiten über das Verhältnis des Menschen zu den höheren Hierarchien, Wahrheiten über das Karma. Wir können noch ein drittes hinzufügen. Aus meiner Schilderung in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» wissen Sie, daß der Mensch, wenn er hineinschauen wird in die geistige Welt, in einer gewissen Beziehung das Erlebnis haben muß, welches man das Überschreiten der Schwelle nennt. Ich habe dieses Überschreiten der Schwelle in diesem Buche geschildert, indem ich darauf hingewiesen habe, wie die drei Gemütskräfte des Menschen, die in diesem physischen Leben ziemlich chaotisch durcheinanderwirken, sich gliedern, wie die Denkkraft, die Fühlkraft und die Willenskraft selbständig werden. Indem der Mensch die Schwelle überschreitet, werden diese Kräfte selbständig. In vieler Beziehung ist der ganze Lebensgang der Menschheitsentwicklung ähnlich dem Lebensgange des einzelnen Menschen. Nur verschoben sind die Dinge. Was der Mensch bewußt durchmacht, wenn er in der geistigen Welt zum Schauen kommen will, das Überschreiten der Schwelle, das muß in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum die ganze Menschheit unbewußt durchmachen. Sie hat darin keine Wahl, sie macht es unbewußt durch. Nicht der einzelne Mensch, sondern die Menschheit und der einzelne Mensch mit der Menschheit. Was heißt das?

[ 18 ] From my description in Knowledge of Higher Worlds you know that man, when he wishes to look into the spiritual world, must in some way pass through the experience, we call “the crossing of the Threshold.” It is described there by drawing attention to three forces of soul (or mind) in man, thinking, feeling and willing, and showing how the three, which in physical life work chaotically into each other, become ordered and self-dependent. This is the result of passing over the Threshold. In many ways the life-course of human evolution corresponds to that of the individual man, but not completely. This, the crossing of the Threshold, which a man must experience consciously if he wants to reach vision in the spiritual worlds, will be experienced unconsciously by the whole of humanity in this fifth post-Atlantean epoch. They have no choice, they go through it unconsciously—humanity, not the individual, but humanity in, general, and the individual together with the totality of human beings. What does that imply?

[ 19 ] Was im Menschen zusammenwirkt im Denken, Fühlen und Wollen, das nimmt in der Zukunft einen getrennten Charakter an, macht sich auf verschiedenen Feldern geltend. Wir sind eben dabei, daß die Menschheit ein bedeutungsvolles Tor unbewußt durchschreitet, was die Seherkraft sehr gut wahrnehmen kann. Die Menschheit macht dieses Überschreiten der Schwelle so durch, daß die Gebiete des Denkens, Fühlens und Wollens auseinandergehen. Das aber legt uns Verpflichtungen auf, die Verpflichtung, das äußere Leben so zu gestalten, daß der Mensch diesen Umschwung seines Inneren auch im äußeren Leben durchmachen kann. Indem das Denken im Leben der Menschheit selbständiger wird, müssen wir einen Boden begründen, auf dem das Denken zu gesunderer Auswirkung kommen kann, müssen weiter einen Boden schaffen, auf dem das Fühlen selbständig zur Ausbildung kommen kann, und auch einen Boden, auf dem das Wollen zur besonderen Ausbildung kommen kann. Was bisher chaotisch im öffentlichen Leben durcheinanderwirkte, müssen wir jetzt in drei Gebiete gliedern. Diese drei Gebiete im öffentlichen Leben sind: das Wirtschaftsleben, das staatliche oder Rechtsleben und das Kulturleben oder geistige Leben. Diese Forderung der Dreigliederung hängt mit dem Geheimnis der Menschheitswerdung in diesem Zeitalter zusammen.

[ 19 ] What now acts in man unitedly in thinking, feeling and willing, in the future will take on a separable character, and will assert itself in various fields. Man is just at the stage of passing unconsciously through a very significant gateway, easily perceived by the forces of seership. When a man goes through, this “crossing of the Threshold,” the spheres of thinking, feeling and willing fall apart. This imposes on us the obligation to shape the forms of external existence so that this revolution in our inner life may be carried through the external life as well. Since thought, feeling, and will, are to be more independent in the life of man, we must provide a basis on which that independence can be built up healthily. What has hitherto interacted chaotically in public life must be divided into three separate fields, those of economic life, political or juridical life, and the cultural or spiritual life. This demand for the “Threefold Order” is connected with the secret of man's development in this age.

[ 20 ] Glauben Sie nicht, daß das, was als dreigliedriger sozialer Organismus geltend gemacht wird, eine beliebige Erfindung sei. Es ist herausgeboren aus der intimsten Erkenntnis der Menschheitsentwicklung, aus dem, was geschehen muß, wenn nicht das Ziel dieser Menschheitsentwicklung verleugnet werden soll. Deshalb steckten wir in dieser furchtbaren Weltkriegskatastrophe der letzten Jahre darinnen, weil die Schwierigkeit bestand, ein Ziel zu erkennen, welches spiritueller Art ist und weil die Menschen sich so weit entfernten, Ziele dieser Art auch nur anzuerkennen. Aus diesem Chaos müssen wir uns herausarbeiten. Es diktiert uns der Gang der Menschheitsentwicklung selbst, daß wir aus diesem Chaos uns herausarbeiten. Daher glaube ich allerdings, daß die Notwendigkeit einer sozialen Dreigliederung so recht gründlich nur diejenigen werden einsehen können, die von anthroposophischen Empfindungen ausgehen, von der Erkenntnis dessen, was in der Menschheitsentwicklung tatsächlich geschieht. Aber man liebt es in der Gegenwart nicht, solche Dinge anzuerkennen. Die Gegenwart liebt es, sich Aufgaben von dem Allernächstliegenden zuzuwenden, nicht sich auf das einzulassen, was die tieferen Geheimnisse des Daseins sind.

[ 20 ] Do not imagine that what is to become effective as the Threefold Social Order is a capricious, invention. It is born from the most intimate knowledge of human evolution, of what must come to pass if the aim of this evolution is not to be belied. The difficulty of finding an aim of a spiritual kind, of even admitting such aims, is one of the reasons for our having been involved in the terrible worldcatastrophe of the last few years. From this chaos we must work our way out; the course of human evolution itself dictates that. For this reason, I think that the necessity for the Threefold Order will only be thoroughly recognized by those who start from an anthroposophical attitude, from knowledge of what is actually happening in human evolution. As yet there is no disposition to recognize such facts. Men like to attend to the problem immediately before them, to avoid involving themselves in aims of the deeper questions of existence.

[ 21 ] Das ist das, was dem in diese Geheimnisse hineinschauenden Menschen das Herz so schwer macht, weil die Menschheit am allermeisten demjenigen abgeneigt ist, was ihr am allernotwendigsten ist. Aber unmöglich ist es, bei den eben geäußerten Gedanken etwa stehenbleiben zu wollen. Man kann sagen, jeder Pessimismus ist falsch. Richtig ist deshalb natürlich auch nicht jeder Optimismus. Aber richtig ist der Appell an das Wollen. Es kommt gar nicht in Frage, ob etwas so oder so geschieht, sondern daß wir wollen sollen, wie es in der Richtung der Menschheitsentwicklung liegt. Das müssen wir uns immer wieder und wieder klarmachen. Die alte Zeit ist vorüber, mit ihr müssen wir abrechnen. Wir können zu einem richtigen Verständnis in der Gegenwart nur kommen, wenn wir mit der alten Zeit richtig abrechnen. Aber die neue Zeit gestattet uns nicht, anders als spirituell mit ihr zu rechnen. Wir dürfen uns nur nicht täuschen, daß wir das, was uns in der alten Zeit lieb geworden ist, in die neue hinübertragen wollen, sondern wir müssen anfangen, uns im äußeren Leben den wirksamen neuen Gedanken zuzuwenden. Die Menschheit hat heute zwei Wege. Der eine geht durch die Mechanisierung des Geistes. Der Geist ist sehr mechanisch geworden in der neueren Zeit, insbesondere in den abstrakten Naturgesetzen, die man dann auch als herrschende Gesetze in das soziale Leben hineingetragen hat. Mechanisierung des Geistes — Vegetabilisierung der Seele! Die Vegetabilien schlafen, die Menschenseele neigt auch zum Schlafen. Die wichtigsten Ereignisse werden schlafend durchgemacht. Die wichtigsten Ereignisse der letzten Jahre sind buchstäblich verschlafen worden. Auch heute werden wichtigste Ereignisse verschlafen.

[ 21 ] This, it is which weighs so heavily on the heart of a man who can see into these secrets—humanity is little disposed to heed what is most necessary for it. Yet it is impossible to wish to remain stationary in the forms of ideas already expressed. We may say that all pessimism is wrong; but it does not, therefore, follow that all optimism must be right. But it is right to appeal to the will. It is not a question of whether a thing happens this way or that, but that we use our forces of will in that direction where lies the true course of human evolution. Over and over again we must impress upon ourselves that; the old era is done with and that to reach a proper relation to the present we must close our account with the past. The new era will not allow us to reckon with it otherwise than spiritually. We dare not deceive ourselves into thinking it possible to carry over into the new what has been dear to us in the old; we must begin by turning to active new thoughts in outer life. Two paths stretch before mankind. One leads through the “mechanization” of the spirit; very mechanical has the spirit become, especially as abstract “Laws of Nature,” which man has also carried over as laws governing social life. Mechanization of the spirit and “vegetization” of the soul. The plant-world sleeps; the human soul, too, tends to sleep. The most important events of the last years have literally been “slept through.” And the same thing is true of the important occurrences of today.

[ 22 ] Von der Stelle, wo ich heute hier zu reden habe, möchte ich sagen: Die Menschen haben sich in Mitteleuropa über führende Persönlichkeiten von Tag zu Tag das Falsche sagen lassen, und jetzt fahren sie fort in diesem Geschäft, ohne aufmerksam darauf zu sein. Die Menschen sehen heute aus dem Kurszettel: die Mark ist schon heruntergesunken bis zu 2,15 Centimes. Ich habe bis heute keinen Menschen gefunden, der das Sinken des Markkurses im Zusammenhang mit anderen auf der Hand liegenden Ereignissen durchschaut. Man braucht heute eigentlich nur auf drei Silben hinzuweisen — ich werde sie jetzt nicht verraten —, dann kann man die Antwort finden auf die Frage nach den Gründen dieses Sinkens des Markkurses. Aber die Seelen lieben zu schlafen, so sehr zu schlafen, daß uns in der Gegenwart in Mitteleuropa die große Enttäuschung hat kommen können, daß man sich, ich möchte sagen, schon vorher darauf freute — wir haben es erleben können Die Frauen werden teilnehmen an den öffentlichen Parlamentswahlen, verdoppelt wird der Verstand gegenüber den alten Zeiten. Und dann haben wir die Nationalversammlung erlebt. Aber verdoppelt war der Verstand gegenüber dem alten deutschen Reichstag nicht. Die Fortsetzung der alten Parteien haben wir erlebt, in der Zeit, wo die Parteien hätten mit Stumpf und Stiel verschwinden müssen. Man ahnt gar nicht, was damit geschehen ist, denn die Seelen schlafen. Mechanisierung des Geistes — Vegetarisierung der Seelen!

[ 22 ] In Central Europe men have accepted the falsehoods told them from day to day about leading personalities in the world, and the same thing is being carried on now without their noticing it. They study the rate of exchange and find that the mark has fallen to 2.15 centimes, but I have not yet met anyone who sees the connection of the fall in the mark with other obvious events. Three syllables—I can only hint at them—would give the reason for the fall in the mark; but men's souls prefer to sleep, to sleep so soundly that in mid-Europe great disappointment has come over what we looked forward to with joyful anticipation. We were to have “double intelligence” in particular elections, because women were to take part in them. Then we had the “National Assembly”; but the intelligence, as compared with the old Reichstag, was not double. We have seen the old parties continuing in existence at a time when they should have vanished, root and branch—and men have no inkling of what has happened, for their souls are asleep. Mechanization of the spirit, and souls as much awake as a cabbage [Vegetarisierung der Seelen]!

[ 23 ] Und blicken wir nach Osten, so sehen wir dort die Animalisierung der Leiber sehr stark im Aufgange. Geradeso wie man in der Amerikanisierung des Geistes eine Mechanisierung des Geisteslebens hat, so hat man in dem, was sich im Osten als Bolschewismus ausbreiten will, eine Animalisierung der Leiber. Aus ihren Emotionen heraus kritisieren diese Menschen dieses und jenes ab, aber sie wollen nicht das wahre Leben begreifen. Und so hat die Menschheit heute die Wahl: dort hinzugeben, wo sie auf der einen Seite die Mechanisierung des Geistes, die Vegetarisierung der Seelen, die Animalisierung der Leiber findet, oder sie kann auf der anderen Seite versuchen, den Weg zu finden zur Auferweckung des Geistes, diese Auferweckung des Geistes zu finden in den Impulsen, die dem Zeitalter der Bewußtseinsscele entsprechen, in der Anknüpfung der Menschenseele an die Tätigkeit der höheren Hierarchien, in dem Anerkennen der aus früheren Erdenverhältnissen kommenden bewußten Menschenseele, in der Dreigliederung des sozialen Lebens. Diese Dinge gehören zusammen. Und die Menschen, welche sich vereinigen in der Bewegung, die wir die Bewegung der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft nennen, sie sollten sich fühlen als einen Kern, von dem die Kraft zur sozialen Neugestaltung ausstrahlt. Denn was zur sozialen Umgestaltung von anderen Seiten her kommen kann, kann sehr nützlich sein. Aber es muß daran gearbeitet werden: Wahrhaftige soziale Umgestaltung kann nur aus spirituellen Impulsen kommen. Deshalb hätte man schon erwarten können, daß aus diesem Kreise, der dieser Bewegung angehört, das beste Verständnis für diese Bedingungen hätte erstehen können.

[ 23 ] Look eastward. There we, see the active beginning of the “animalization” of bodies. The world of spirit is becoming mechanized in the American mechanical atmosphere, bodies are becoming animalized in the Bolshevism of the East. Criticism out of the emotions, comments on this and that; but what true life is, men will not grasp. So humanity has its choice today—to go along the path which leads to mechanization of the spirit, plant-like sleep of the soul, and animalization of the body. Or to seek, on the other hand, to discover the way to the re-awakening of the spirit through the impulses corresponding to the age of the consciousness soul; to find the re-awakening of the spirit in the connection between the human soul and the activity of the higher Hierarchies, in the recognition of the fact that the soul comes forth from earlier earth-conditions, in the threefold ordering of social life. These things are all intimately bound up with each other. Those who are united in the movement we know as Anthroposophical Spiritual Science should feel themselves as a centre from which may radiate the force for this new social edifice. Much that comes from other sides for the reorganization of social life may be useful, but it must be worked on, for only spiritual impulses can bring genuine social transformation. The best understanding of these conditions should be expected from circles belonging to this Movement.

[ 24 ] Ich habe Ihnen jetzt einige Momente dargestellt, die Ihnen etwas von den Notwendigkeiten unseres gegenwärtigen Lebens zeigen können heute, wo ich hier in diesen neuen Räumen zu sprechen habe. Ich möchte, daß unsere Feier darin bestanden hat, daß wir uns bei jeglichem Verweilen in diesen Räumen das Bewußtsein bewahren an diese für die Menschheitsentwicklung so wichtigen Wahrheiten. Denn je mehr wir in unsere anthroposophische Arbeit ein solches Bewußtsein hereintragen, eine desto stärkere Weihe verleihen wir dieser Arbeit. Und diese Räume werden am besten dadurch geweiht sein, daß wir sie einweihen durch unsere Empfindungen, die aus solchen Quellen herausgeholt sind.

[ 24 ] I have put before you some of the important things which may give you an idea of the necessities of our present age. I speak in these new rooms with the wish that in our work here we may always retain the consciousness of these truths, so important for human evolution. The more we carry such a consciousness into our anthroposophic work, the deeper is its consecration. And these rooms will be best consecrated through our feelings and perceptions, drawn forth from such deep sources of reality and truth.