The Inner Aspect of the Social Enigma
A Luciferic Past and an Ahrimanic Future
GA 193
27 October 1919, Zurich
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The Inner Aspect of the Social Enigma, tr. SOL
Neunter Vortrag
Ninth Lecture
[ 1 ] Wenn man in der Gegenwart gerade über die wichtigsten Fragen unserer Zeit zu einem größeren Publikum redet, so ist man in einer verschiedenen Lage, je nachdem man entweder nichts weiß von den tieferen Kräften des weltgeschichtlichen Werdens — mit anderen Worten: von der Wissenschaft der Initiation —, oder wenn man etwas davon weiß. Es ist heute verhältnismäßig leicht, aus allerlei äußeren Erkenntnissen heraus, die man für wissenschaftlich, für praktisch und dergleichen hält, über Zeitfragen zu sprechen. Es ist aber außerordentlich schwierig, gerade über diese Zeitfragen in der Gegenwart zu sprechen, wenn man die Wissenschaft der sogenannten Initiation kennt, von der doch alles ausgeht, was wir gerade an solchen Orten zu verhandeln haben, wie der ist, an dem wir uns auch heute wiederum versammelt haben. Denn wer vom Gesichtspunkt der Initiationswissenschaft aus heute über die Zeitfragen spricht, der weiß, daß er nicht etwa bloß die subjektiven Zufallsmeinungen der Menschen, zu denen er spricht, zum größten Teil gegen sich hat, sondern er weiß auch, daß heute ein großer Teil der Menschheit schon nach der einen oder anderen Seite hin beherrscht ist von sehr starken und immer stärker werdenden ahrimanischen Weltwesenskräften. Was ich damit sagen will, kann ich Ihnen allerdings nur auseinandersetzen, wenn ich Ihnen eine Art geschichtlichen Überblick über einen größeren menschlichen Zeitraum gebe.
[ 1 ] When speaking to a wider audience today about the most important questions of our time, one finds oneself in a different situation depending on whether one knows nothing of the deeper forces of world-historical development—in other words, of the science of initiation—or whether one knows something about them. Today, it is relatively easy to speak about contemporary issues based on all sorts of external insights that are considered scientific, practical, and the like. It is, however, extraordinarily difficult to speak about precisely these contemporary issues today if one is familiar with the science of so-called initiation, from which everything stems that we are currently discussing in places such as the one where we have gathered once again today. For anyone who speaks today about questions of time from the standpoint of the science of initiation knows that they are not merely up against the subjective, haphazard opinions of the people to whom they are speaking, but also knows that a large part of humanity today is already dominated, in one way or another, by very strong and ever-increasing Ahrimanic forces of the world. However, I can only explain what I mean by this if I provide you with a kind of historical overview spanning a broader period of human history.
[ 2 ] Sie wissen aus verschiedenen Betrachtungen, die wir hier angestellt haben, die Sie auch verzeichnet finden in verschiedenen meiner Vortragszyklen, wie wir das Zeitalter, in dem wir uns als gegenwärtige Menschen drinnenstehend fühlen, beginnen lassen müssen mit der Mitte des 15. Jahrhunderts. Wir haben diesen Zeitraum, der in der Mitte des 15. Jahrhunderts begonnen hat, und an dessen Anfang wir im Grunde genommen noch stehen, immer bezeichnet als den fünften nachatlantischen Zeitraum, der den anderen, den griechisch-lateinischen Zeitraum abgelöst hat, welchen wir von der Mitte des 8. vorchristlichen Jahrhunderts bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts rechnen. Und dann kommen wir zum ägyptisch-chaldäischen Zeitraum zurück. Ich habe Ihnen das nur angedeutet, damit Sie sich erinnern, wie wir in das gesamte menschliche Werden eingliedern den Zeitraum, in dem wir uns als Gegenwartsmenschen drinnenstehend fühlen. Nun wissen Sie, daß, nachdem das erste Drittel des griechisch-lateinischen Zeitraums erfüllt war, das Mysterium von Golgatha stattfand. Und wir haben von den verschiedensten Gesichtspunkten aus charakterisiert, was durch dieses Mysterium von Golgatha eigentlich für die Menschheitsentwicklung, ja, für die ganze Erdenentwicklung geschehen ist. Heute wollen wir nun in diesen größeren geschichtlichen Zusammenhang mancherlei von dem hineinstellen, was sich für die Menschheit an dieses Mysterium von Golgatha anknüpft.
[ 2 ] You know from various observations we have made here—which you will also find documented in several of my lecture series—that we must date the beginning of the era in which we, as people of the present, feel we are living to the middle of the 15th century. We have always referred to this period—which began in the mid-15th century and at the very beginning of which we essentially still stand—as the fifth post-Atlantean epoch, which succeeded the other, the Greco-Latin epoch, which we date from the mid-8th century B.C. to the mid-15th century. And then we return to the Egyptian-Chaldean epoch. I have only hinted at this so that you may recall how we integrate the period in which we, as people of the present, feel ourselves to be living into the overall course of human development. Now you know that, after the first third of the Greco-Latin period had been fulfilled, the Mystery of Golgotha took place. And we have characterized from a wide variety of perspectives what this Mystery of Golgotha actually meant for human development—indeed, for the entire development of the Earth. Today we wish to place within this broader historical context various aspects of what is connected to this Mystery of Golgotha for humanity.
[ 3 ] Zu diesem Zweck blicken wir in viel ältere Zeiten zurück, sagen wir, in die Zeit etwa des Beginnes des 3. Jahrtausends der vorchristlichen Zeitrechnung. Sie wissen ja, wie wenig von den äußeren geschichtlichen Überlieferungen spricht von dieser frühen Entwicklung des Menschengeschlechts auf der Erde. Sie wissen auch, wie die äußeren Urkunden nach dem Orient, nach Asien hinüberweisen. Und Sie wissen aus mancherlei anthroposophischen Betrachtungen, daß, je weiter wir zurückgehen in der Menschheitsentwicklung, wir zu anderen und immer anderen Seelenverfassungen dieser Menschheit kommen und daß wir etwas wie eine alte Urweisheit gleichsam zugrunde liegend haben der ganzen Menschheitsentwicklung. Sie wissen, daß Überlieferungen bestanden haben, die in engeren Geheimzirkeln bis in das 19. Jahrhundert herein bewahrt worden sind, daß dann diese Überlieferungen größtenteils wenig treu, aber doch noch in gewissem Sinne bewahrt worden sind bis in unsere Zeit herein, Überlieferungen von einer uralten Weisheit der Menschheit. Wenn heute der Mensch noch das eine oder andere von dieser alten Urweisheit der Menschheit kennenlernt, ist er erstaunt über die Tiefen der Wirklichkeit, in welche solche alten Urweistümer hineinzeigen. Aber Sie werden aus den Betrachtungen, die wir im Laufe der Jahre angestellt haben, wissen, daß immer gegenübergestellt werden mußte dieser weitausgebreiteten Weisheitslehre in alten Zeiten die ganz andersartige Lebens- und Weltauffassung des alten hebräischen, des jüdischen Volkes, die einen völlig anderen Charakter trägt. So daß mit einem gewissen Rechte die weitausgebreitete uralte Weisheitslehre als das heidnische Element bezeichnet wird und diesem gegenübergestellt wird das hebräische, das jüdische Element. Sie wissen ja schon aus den äußeren Überlieferungen und Schriften, wie dann aus diesem jüdischen Element das christliche Element hervorgegangen ist.
[ 3 ] To this end, we look back to much earlier times—say, to the period around the beginning of the third millennium B.C.E. As you know, very little of the external historical record speaks of this early development of the human race on Earth. You also know how these external records point toward the East, toward Asia. And you know from various anthroposophical considerations that the further back we go in human development, the more we encounter different and ever-changing states of the human soul, and that there is, as it were, something like an ancient primordial wisdom underlying the entire development of humanity. You know that traditions existed which were preserved in close-knit secret circles right up into the 19th century, and that these traditions were then, for the most part, preserved—albeit not very faithfully, yet still in a certain sense—right up to our own time: traditions of an ancient wisdom of humanity. When people today learn one thing or another about this ancient primordial wisdom of humanity, they are astonished by the depths of reality into which such ancient wisdom points. But you will know from the reflections we have made over the years that this widespread wisdom teaching of ancient times always had to be contrasted with the entirely different view of life and the world held by the ancient Hebrew, the Jewish people, which has a completely different character. Thus, with some justification, the widespread, ancient wisdom teachings are described as the pagan element, and set in contrast to the Hebrew, or Jewish, element. You already know from external traditions and writings how the Christian element then emerged from this Jewish element.
[ 4 ] Nun können Sie schon aus diesen äußeren Tatsachen etwas entnehmen, auf das ich Sie bitte, heute zu achten: daß notwendig geworden ist in der Menschheitsentwicklung, dem alten heidnischen Element und seiner Urweisheit entgegenzustellen das jüdische Element, aus dem dann das Christentum sich herausentwickelt hat, wenigstens zum Teil. Das zeigt, daß diese alte heidnische Urweisheit in ihrer Ganzheit auf die weitere Entwicklung der Menschheit nicht den alleinigen Einfluß haben durfte. Und die Frage muß Ihnen daraus entstehen: Worin liegt denn der Grund, warum die alte heidnische Urweisheit, die in manchem so bewunderungswürdig ist, gewissermaßen eine neue Gestalt, eine Umwandlung erfahren mußte durch Judentum und Christentum? — Diese Frage muß einem entstehen.
[ 4 ] Now, from these external facts alone, you can already glean something that I ask you to pay attention to today: that it has become necessary in the development of humanity to counter the ancient pagan element and its primordial wisdom with the Jewish element, from which Christianity then developed, at least in part. This shows that this ancient pagan primordial wisdom, in its entirety, was not allowed to have the sole influence on the further development of humanity. And this must lead you to ask: What, then, is the reason why the ancient pagan primordial wisdom—which is so admirable in many respects—had to undergo, so to speak, a new form, a transformation, through Judaism and Christianity? — This question must arise.
[ 5 ] Diese Frage beantwortet sich aber für die Initiationsweisheit nur durch eine sehr, sehr gewichtige Tatsache, durch die Tatsache, die eben weit drüben in Asien sich vollzog im Beginn des 3. Jahrtausends der vorchristlichen Zeitrechnung. Da findet der zurückschauende seherische Blick, wie auch eine Inkarnation einer übersinnlichen Wesenheit in einem Menschen stattfand, so wie durch das Ereignis von Golgatha eine Inkarnation einer übersinnlichen Wesenheit, des Christus, in dem Menschen Jesus von Nazareth stattgefunden hat. Diejenige Inkarnation, die am Beginn des 3. vorchristlichen Jahrtausends stattgefunden hat, die außerordentlich schwierig zu verfolgen ist, auch mit der Wissenschaft des Schauens, der Initiationswissenschaft, gab der Menschheit außerordentlich Glanzvolles, außerordentlich Einschneidendes. Und was sie da der Menschheit gab, das ist im Grunde genommen wesentlich jene alte Urweisheit.
[ 5 ] For the wisdom of initiation, however, this question is answered only by a very, very significant fact—the fact that took place far away in Asia at the beginning of the third millennium B.C. There, the seer’s gaze, looking back, perceives how the incarnation of a supersensible being took place in a human being, just as, through the event at Golgotha, the incarnation of a supersensible being—Christ—took place in the human being Jesus of Nazareth. That incarnation, which took place at the beginning of the third millennium B.C.E.—and which is extraordinarily difficult to trace, even with the science of vision, the science of initiation—bestowed upon humanity something extraordinarily resplendent and profoundly transformative. And what it gave to humanity there is, in essence, that ancient primordial wisdom.
[ 6 ] Zunächst, äußerlich genommen, ist die Sache so, daß man sagen kann, es war eine tief in die Realitäten eindringende Weisheit, kalt, bloß auf Ideen gehend, wenig von Gemütsinhalt durchzogen. Das ist äußerlich genommen. Innerlich kann man erst beurteilen, was diese Weisheit eigentlich war, wenn man eben auf jene Inkarnation zurückgeht, die in Asien drüben im Beginn des 3. vorchristlichen Jahrtausends stattgefunden hat. Da war, so zeigt es sich dem zurückschauenden seherischen Blick, tatsächlich eine wirkliche Menschheitsinkarnation der luziferischen Macht. Und diese Inkarnation Luzifers in der Menschheit, die in einer gewissen Weise sich vollzogen hat, war der Ursprung der weit ausgebreiteten, auf dem Grunde der dritten nachatlantischen Menschenkultur liegenden Urweisheit.
[ 6 ] First of all, viewed from the outside, one could say that it was a wisdom that penetrated deeply into reality—cold, based solely on ideas, and imbued with little emotional content. That is the external view. Innerly, one can only judge what this wisdom actually was by going back to that very incarnation that took place in Asia at the beginning of the third millennium B.C. There, as the retrospective, clairvoyant gaze reveals, was indeed a genuine incarnation of the Luciferic power within humanity. And this incarnation of Lucifer in humanity, which took place in a certain way, was the origin of the widespread primordial wisdom that lies at the foundation of the third post-Atlantean human culture.
[ 7 ] Bis in die Griechenzeit herein wirkte noch dasjenige nach, was aus diesem Impuls, aus diesem Kulturimpuls des asiatisch-luziferischen Menschen sich unter der Menschheit verbreitete: Luziferische Weisheit, wie sie der Menschheit durchaus in jener Entwicklungsepoche nützlich war, glanzvoll in einer gewissen Weise, abgestuft, je nach den verschiedenen Völkern und Rassen, unter denen sie sich verbreitete, deutlich erkennbar durch ganz Asien hindurch, dann noch in der ägyptischen Kultur, in der babylonischen Kultur, aber wie gesagt, selbst noch auf dem Grunde der griechischen Kultur. Alles, was die Menschen denken, dichten, wollen konnten in der damaligen Zeit, war in einer gewissen Weise durch diesen luziferischen Einschlag in die Menschheitskultur bedingt.
[ 7 ] Well into the Greek era, the effects of what had spread among humanity from this impulse—this cultural impulse of the Asian-Luciferic human being—were still being felt: Luciferic wisdom, which was certainly useful to humanity during that epoch of development—in a certain sense resplendent, graded according to the various peoples and races among whom it spread, clearly recognizable throughout Asia, then still present in Egyptian culture, in Babylonian culture, but, as I said, even at the very foundation of Greek culture. Everything that people were able to think, create, or will at that time was, in a certain sense, conditioned by this Luciferic influence on human culture.
[ 8 ] Es wäre natürlich außerordentlich philiströs, wenn man nur sagen wollte: Das war eben eine Inkarnation Luzifers, man muß sie fliehen. — Aus solcher Philistrosität heraus könnte man auch alles dasjenige fliehen, was als Schönes und Großes für die Menschheit aus dieser Luziferströmung hervorgegangen ist, denn wie gesagt, auch die griechische Schönheit ist etwas, was aus dieser Entwicklungsströmung hervorgegangen ist. Das ganze gnostische Denken, das vorhanden war, als das Mysterium von Golgatha Platz griff, das eine eindringliche, tief in die Weltendinge hineinleuchtende Weisheit war, das ganze gnostische Erkennen war impulsiert von luziferischen Kräften. Man darf deshalb nicht sagen, dieses gnostische Denken sei falsch. Es ist eben nur seine Charakteristik, wenn man sagt: es ist von luziferischen Impulsen durchzogen.
[ 8 ] It would, of course, be extraordinarily philistine to simply say: “That was just an incarnation of Lucifer; we must flee from it.” — Out of such philistinism, one could also flee from everything that has emerged from this current of Lucifer as beautiful and great for humanity, for, as I said, Greek beauty, too, is something that has emerged from this current of development. The entire Gnostic thought that existed when the Mystery of Golgotha took place—which was a penetrating wisdom that shed light deep into the nature of things—the entire Gnostic insight was impelled by Luciferic forces. One must not therefore say that this Gnostic thinking is wrong. It is simply a characteristic of it to say: it is permeated by Luciferic impulses.
[ 9 ] Nun, viel mehr als zweitausend Jahre nach dieser luziferischen Inkarnation kam dann das Mysterium von Golgatha. Man kann sagen: Die Menschen, unter denen sich der Impuls des Mysteriums von Golgatha ausbreitete, waren in ihrem Denken, in ihrem Empfinden doch noch ganz durchdrungen von dem, was der Luziferimpuls in ihr Denken, Fühlen und Empfinden hineingetragen hatte. Und es kam jetzt das ganz anders Geartete, eben der Christus-Impuls, in die Entwicklung der zivilisierten Menschheit hinein. Was dieser Christus-Impuls innerhalb der zivilisierten Menschheit bedeutet, davon haben wir ja oftmals gesprochen. Der Christus-Impuls wurde — das will ich heute nur erwähnen — aufgenommen von den Gemütern, die so geartet waren, wie ich sie heute charakterisiert habe. Man möchte sagen: In dasjenige, was von Luzifer als das Beste den Menschen gegeben war, leuchtete der Christus-Impuls hinein. — Und aufgenommen wurde der Christus-Impuls in den ersten christlichen Jahrhunderten so, daß man sagen könnte: Mit dem, was die Menschen von Luzifer aufgenommen hatten, verstanden sie den Christus. — Solchen Dingen muß man unbefangen gegenüberstehen, sonst wird man nie die besondere Artung der Aufnahme des Christus-Impulses in den ersten Jahrhunderten wirklich verstehen können.
[ 9 ] Well, well over two thousand years after this Luciferic incarnation, the Mystery of Golgotha took place. One could say: The people among whom the impulse of the Mystery of Golgotha spread were, in their thinking and feeling, still entirely permeated by what the Luciferic impulse had brought into their thinking, feeling, and perception. And now something of a completely different nature—namely, the Christ impulse—entered into the development of civilized humanity. We have, of course, often spoken of what this Christ impulse means within civilized humanity. The Christ impulse was—and I just want to mention this today—received by minds that were of the nature I have described today. One might say: The Christ impulse shone into that which Lucifer had given to humanity as the very best. — And the Christ impulse was received in the early Christian centuries in such a way that one could say: With what people had received from Lucifer, they understood the Christ. — One must approach such matters with an open mind; otherwise, one will never truly be able to understand the particular nature of how the Christ impulse was received in the early centuries.
[ 10 ] Als dann der luziferische Impuls immer mehr und mehr aus den Gemütern der Menschen verschwand, da waren die Menschen auch immer weniger und weniger imstande, den Christus-Impuls wirklich richtig in sich aufzunehmen. Bedenken Sie doch nur, vieles ist materialistisch geworden im Lauf der neueren Zeit. Aber wenn Sie sich fragen: Was ist denn am meisten materialistisch geworden? — da bekommen Sie die Antwort: Ein großer Teil der modernen christlichen Theologie. —Denn es ist einfach der stärkste Materialismus,dem sich ein großer Teil der modernen christlichen Theologie hingibt, indem diese moderne christliche Theologie nicht mehr den Christus in dem Menschen Jesus von Nazareth sieht, sondern nur noch den Menschen Jesus von Nazareth, den «schlichten Mann aus Nazareth», den Mann, den man verstehen kann, wenn man wenig sich hinaufschwingen will zu irgendeinem höheren Verständnis. Je mehr man den Menschen Jesus von Nazareth als einen bloßen gewöhnlichen Menschen annehmen konnte, der nur eben in die Reihe der anderen berühmten historischen Persönlichkeiten gehört, desto mehr gefiel das einer gewissen materialistischen Richtung der modernen Theologie. Vom Übersinnlichen des Ereignisses von Golgatha will diese moderne Theologie wenig, recht wenig anerkennen.
[ 10 ] As the Luciferic impulse gradually faded from people’s minds, they became less and less able to truly take the Christ impulse into themselves. Just consider this: so much has become materialistic in recent times. But if you ask yourself, “What has become the most materialistic of all?”—the answer is: a large part of modern Christian theology. —For it is simply the most extreme form of materialism to which a large part of modern Christian theology has succumbed, in that this modern Christian theology no longer sees the Christ in the man Jesus of Nazareth, but only the man Jesus of Nazareth, the “simple man from Nazareth,” the man whom one can understand without having to elevate oneself to any higher level of understanding. The more one could accept the man Jesus of Nazareth as a mere ordinary human being, who simply belongs in the ranks of other famous historical figures, the more this appealed to a certain materialistic strand of modern theology. This modern theology is unwilling to acknowledge much—very little, in fact—of the supernatural aspect of the event at Golgotha.
[ 11 ] Die luziferischen Einschläge im Menschheitsempfinden gingen nach und nach in der menschlichen Seele unter. Dafür aber wird in der neueren Zeit immer stärker und stärker — und es wird stärker und stärker werden gegen die nächste Zukunft und auch gegen die weitere Zukunft hin — dasjenige, was wir den ahrimanischen Impuls nennen. Der ahrimanische Impuls ist herrührend von anderen übersinnlichen Wesenheiten als es die Christus-Wesenheit ist, als es die luziferische Wesenheit ist. Aber sie ist eben auch eine übersinnliche, wir könnten auch sagen eine untersinnliche Wesenheit — darauf kommt es nicht an —, und ihr Einfluß wurde insbesondere in dem fünften nachatlantischen Zeitraum mächtig und immer mächtiger. Und wenn wir die Verwirrungen der letzten Jahre ins Auge fassen, dann werden wir finden, daß die Menschen namentlich durch die ahrimanischen Mächte in solche Verwirrungen gebracht worden sind.
[ 11 ] The Luciferic influences on human consciousness gradually faded from the human soul. In recent times, however, what we call the Ahrimanic impulse has been growing ever stronger—and it will continue to grow stronger in the near future and well into the future. The Ahrimanic impulse originates from supersensible beings other than the Christ Being or the Luciferic Being. But it is also a supersensible being—we could even say a sub-sensible being—though that is not the point—and its influence became particularly powerful, and ever more powerful, during the fifth post-Atlantean epoch. And when we consider the confusion of recent years, we will find that human beings have been led into such confusion specifically by the Ahrimanic forces.
[ 12 ] Geradeso wie es eine Inkarnation Luzifers im Beginn des 3. vorchristlichen Jahrtausends gegeben hat, wie es die Christus-Inkarnation gegeben hat zur Zeit des Mysteriums von Golgatha, so wird es einige Zeit nach unserem jetzigen Erdendasein, etwa auch im 3. nachchristlichen Jahrtausend, eine westliche Inkarnation des Wesens Ahriman geben. So daß man diesen Verlauf der geschichtlichen Entwicklung der Menschheit zwischen nahezu sechs Jahrtausenden nur richtig versteht, wenn man ihn so auffaßt, daß an dem einen Pol eine luziferische Inkarnation steht, in der Mitte die Christus-Inkarnation, an dem anderen Pol die Ahriman-Inkarnation. Luzifer ist diejenige Macht, die im Menschen alle schwärmerischen Kräfte, alle falsch-mystischen Kräfte aufregt, alles dasjenige, was den Menschen über sich selber hinaufheben will, was gewissermaßen physiologisch das menschliche Blut in Unordnung bringen will, um den Menschen außer sich zu bringen. Ahriman ist diejenige Macht, die den Menschen nüchtern, prosaisch, philiströs macht, die den Menschen verknöchert, die den Menschen zum Aberglauben des Materialismus bringt. Und das menschliche Wesen ist ja im wesentlichen die Bemühung, das Gleichgewicht zu halten zwischen der luziferischen und der ahrimanischen Macht; und der gegenwärtigen Menschheit hilft der Christus-Impuls, um dieses Gleichgewicht herzustellen. Also im Menschen sind fortwährend diese zwei Pole vorhanden, der luziferische und der ahrimanische. Aber geschichtlich finden wir, daß das Luziferische überwog in gewissen Strömungen der Kulturentwicklung der vorchristlichen Zeit und bis in die ersten Jahrhunderte der nachchristlichen Zeit hinein, daß dagegen Ahriman seit der Mitte des 15. Jahrhunderts wirkt und immer stärker und stärker wird, bis eine wirkliche Inkarnation des Ahriman unter der westlichen Erdenmenschheit stattfinden wird.
[ 12 ] Just as there was an incarnation of Lucifer at the beginning of the third millennium B.C., and just as there was the incarnation of Christ at the time of the Mystery of Golgotha, so too will there be a Western incarnation of the being Ahriman some time after our present earthly existence, perhaps also in the third millennium A.D. Thus, one can only truly understand this course of humanity’s historical development spanning nearly six millennia by conceiving of it in such a way that at one pole stands a Luciferic incarnation, in the middle the Christ incarnation, and at the other pole the Ahrimanic incarnation. Lucifer is the power that stirs up in human beings all impetuous forces, all falsely mystical forces—everything that seeks to elevate human beings above themselves, that, so to speak, seeks to throw the human blood into disarray physiologically in order to drive human beings out of their minds. Ahriman is the power that makes human beings sober, prosaic, and philistine; that ossifies them; that leads them into the superstition of materialism. And the human being is, in essence, the effort to maintain a balance between the Luciferic and the Ahrimanic powers; and the Christ impulse helps present-day humanity to establish this balance. So these two poles—the Luciferic and the Ahrimanic—are constantly present within the human being. But historically we find that the Luciferic force predominated in certain currents of cultural development during the pre-Christian era and well into the first centuries of the Christian era, whereas Ahriman has been at work since the middle of the 15th century and is growing ever stronger, until a true incarnation of Ahriman will take place among Western humanity.
[ 13 ] Nun ist das Eigentümliche, daß solche Dinge lange vorbereitet werden. Die ahrimanischen Mächte bereiten die Entwicklung der Menschheit so vor, daß, wenn einstmals innerhalb der westlichen Zivilisation, die dann kaum noch Zivilisation zu nennen sein wird in unserem Sinne, Ahriman in Menschengestalt erscheint, so wie einstmals Luzifer in China in Menschengestalt erschienen ist, wie Christus Jesus in Menschengestalt erschienen ist in Vorderasien, die Menschheit Ahriman verfallen kann. Es hilft nichts, über diese Dinge sich Illusionen hinzugeben. Ahriman wird erscheinen in Menschengestalt. Es wird sich nur darum handeln, wie er die Menschen vorbereitet findet: ob seine Vorbereitungen dazu helfen, daß er die ganze Menschheit, die sich heute die zivilisierte nennt, zu seinen Anhängern hat, oder ob er die Menschheit so findet, daß sie ihm Widerstand leisten kann. Es hilft heute nichts, sich über diese Dinge Illusionen hinzugeben. Die Menschen fliehen heute gewissermaßen die Wahrheit, die man ihnen ja in ganz ungeschminkter Gestalt doch nicht geben kann, weil sie sie verlachen, verspotten, verhöhnen würden. Aber wenn man sie ihnen so gibt, wie es jetzt durch die Dreigliederung des sozialen Organismus versucht wird, dann wollen sie, in ihrer Masse wenigstens, sie auch noch nicht haben. Aber das, daß man die Dinge nicht haben will, das ist gerade eines der Mittel, deren sich die ahrimanischen Mächte bedienen können, damit Ahriman dann, wenn er in Menschengestalt erscheint, eine möglichst große Anhängerschaft auf der Erde haben werde. Gerade dieses Sich-Hinwegsetzen über die wichtigsten Wahrheiten, das wird Ahriman die beste Brücke bauen für das Gedeihliche seiner Inkarnation. Denn, sehen Sie, es hilft nichts anderes, die richtige Stellung zu finden gegenüber dem, was da in der Menschheitsentwicklung sich abspielen wird durch Ahriman, als unbefangen die Kräfte kennenzulernen, durch die das Ahrimanische wirkt, und auch die Kräfte kennenzulernen, durch welche die Menschheit sich wappnen kann, um nicht versucht und verführt zu werden durch die ahrimanischen Mächte. Und deshalb wollen wir heute einmal einen Blick wenigstens von einzelnen Ausgangspunkten aus auf diejenigen Dinge werfen, welche fördern würden die Anhängerschaft zu Ahriman, und die insbesondere jetzt benützt werden von den ahrimanischen Mächten aus der übersinnlichen Welt herunter, aber durch die Menschengemüter hindurch, um diese Anhängerschaft möglichst groß zu machen.
[ 13 ] Now, the peculiar thing is that such events are prepared for a long time. The Ahrimanic forces are preparing the course of human development in such a way that when Ahriman one day appears in human form within Western civilization—which by then will scarcely be worthy of the name “civilization” in our sense—just as Lucifer once appeared in human form in China and just as Christ Jesus appeared in human form in the Near East—humanity will be able to fall prey to Ahriman. It does no good to harbor illusions about these things. Ahriman will appear in human form. The only question will be what state he finds humanity in: whether his preparations will enable him to make all of humanity—which today calls itself civilized—his followers, or whether he will find humanity capable of resisting him. It does no good today to harbor illusions about these things. People today are, in a sense, fleeing from the truth—a truth that cannot be presented to them in its completely unvarnished form, because they would laugh at it, mock it, and deride it. But even when it is presented to them as is now being attempted through the threefold social order, they—at least the masses—still do not want it. But the very fact that people do not want to accept these truths is precisely one of the means the Ahrimanic forces can use to ensure that Ahriman, when he appears in human form, will have as large a following as possible on Earth. It is precisely this disregard for the most important truths that will build Ahriman the best bridge for the success of his incarnation. For, you see, there is no other way to find the right stance toward what will unfold in human evolution through Ahriman than to impartially come to know the forces through which the Ahrimanic works, and also to come to know the forces through which humanity can arm itself so as not to be tempted and seduced by the Ahrimanic forces. And that is why today we want to take a look—at least from a few starting points—at those things that would foster a following for Ahriman, and which are being used especially now by the Ahrimanic forces descending from the supersensible world, but working through human minds, to make this following as large as possible.
[ 14 ] Und da ist eines der Mittel: Nicht zu durchschauen, welche Bedeutung gewisse Denk- und Vorstellungsarten, die namentlich in der neueren Zeit herrschend geworden sind, für den Menschen eigentlich haben. Sie wissen, welch großer Unterschied zwischen der Art und Weise besteht, wie sich ein Mensch fühlte im ganzen Kosmos, sagen wir, in der ägyptischen Zeit, noch in der Griechenzeit, und wie er sich fühlt seit dem Beginne der Neuzeit, seit dem Ablauf des Mittelalters. Vergegenwärtigen Sie sich einen richtig unterrichteten alten ägyptischen Menschen. Er wußte, daß er nicht nur leiblich zusammengesetzt ist aus den Ingredienzien, die hier auf dieser Erde vorkommen und die verkörpert sind im Tierreich, Pflanzenreich und Mineralreich. Er wußte, daß in seine Wesenheit als Mensch hereinwirkten die Kräfte, die er oben in den Sternen sah. Er fühlte sich als ein Glied des ganzen Kosmos. Er fühlte den ganzen Kosmos nicht nur belebt, sondern beseelt und durchgeistigt, und in seinem Bewußtsein lebte etwas von den geistigen Wesenheiten des Kosmos, von der Seelenhaftigkeit des Kosmos, von dem Leben des Kosmos. Das alles ist im Laufe der neueren Menschheitsgeschichte verlorengegangen. Der Mensch blickt heute von seiner Erde auf zu der Sternenwelt, die ihm erfüllt ist von Fixsternen, Sonnen, Planeten, Kometen und so weiter. Aber womit verfolgt er all dasjenige, was da draußen im Weltenraum zu ihm herunterschaut? Er verfolgt es mit Mathematik, höchstens noch mit Mechanik. Dasjenige, was um die Erde herum liegt, ist entgeistigt, entseelt, sogar entlebendigt.
[ 14 ] And here is one of the ways: failing to grasp the true significance for human beings of certain ways of thinking and conceiving that have become dominant, particularly in more recent times. You know what a great difference there is between the way a person felt in relation to the entire cosmos—say, in Egyptian times or even in Greek times—and how they have felt since the beginning of the modern era, since the end of the Middle Ages. Imagine a well-educated ancient Egyptian. He knew that he was not merely physically composed of the elements found here on Earth and embodied in the animal, plant, and mineral kingdoms. He knew that the forces he saw up in the stars were at work within his being as a human being. He felt himself to be a part of the entire cosmos. He felt that the entire cosmos was not only animated but also imbued with soul and spirit, and in his consciousness lived something of the spiritual beings of the cosmos, of the soulfulness of the cosmos, of the life of the cosmos. All of this has been lost in the course of recent human history. Today, human beings look up from their Earth toward the world of the stars, which is filled for them with fixed stars, suns, planets, comets, and so on. But with what does he study all that which looks down upon him from out there in outer space? He studies it with mathematics, or at most with mechanics. That which lies around the Earth has been stripped of spirit, of soul, and even of life.
[ 15 ] Es ist im Grunde genommen ein großes Mechanisches, das nur begriffen wird mit Hilfe von mathematisch-mechanischen Gesetzen. Mit Hilfe von mathematisch-mechanischen Gesetzen begreifen wir es großartig! Gewiß wird gerade der Geisteswissenschafter gut würdigen können, was ein Galilei, was ein Kepler und andere geleistet haben. Aber dasjenige, was in das Menschenverständnis, in das Menschenbewußtsein eindringt durch die Lehren dieser Großen der Menschheitsentwicklung, das zeigt das Weltenall nur wie einen großen Mechanismus.
[ 15 ] It is, in essence, a vast mechanical system that can only be understood with the help of mathematical-mechanical laws. With the help of mathematical-mechanical laws, we understand it perfectly! Certainly, it is precisely the scholar of the humanities who will be able to fully appreciate the achievements of Galileo, Kepler, and others. But what penetrates human understanding and human consciousness through the teachings of these great figures in human development is that the universe reveals itself as nothing more than a vast mechanism.
[ 16 ] Was das heißt, kann nun eigentlich nur der den Tatsachen nach in Betracht ziehen, der in der Lage ist, den Menschen in seiner vollständigen Wesenheit zu verfolgen. Astronomen, Astrophysiker haben gutreden, indem sie das Weltenall als einen Mechanismus hinstellen, der durch mathematische Formeln sich begreifen und errechnen läßt. Das wird ja der Mensch glauben in der Zeit, da er vom Morgen an aufgewacht ist, und bis zum Abend, wo er wieder einschläft. Aber in jenen unterbewußten Tiefen, die der Mensch mit seinem Wachbewußtsein nicht erreicht, die aber doch zu seinem Dasein gehören, und in denen er zwischen dem Einschlafen und Aufwachen lebt, da fließt anderes in die Seele des Menschen ein über das Weltenall! Da lebt in der menschlichen Seele ein Wissen, das zwar dem wachen Bewußtsein nicht bewußt ist, das aber unten in den Tiefen der Seele lebt und die Seele gestaltet, ein Wissen vom Geiste, vom Leben der Seele, vom Leben des Kosmos. Und wenn der Mensch auch in seinem Wachbewußtsein nichts weiß von dem, was da in Gemeinschaft mit Geist, Seele und Leben des Weltalls vom Einschlafen bis zum Aufwachen vor sich geht — in der Seele sind die Dinge, sie leben darinnen. Und manches in den Zwiespalten des modernen Menschen, die so große sind, rührt von der Disharmonie her zwischen dem, was die Seele vom Einschlafen bis zum Aufwachen über das Weltenall erlebt, und dem, was das wache Bewußtsein heute anerkennen will als Weltanschauung über dieses Weltenall.
[ 16 ] Only those who are able to observe human beings in their entirety can truly grasp what this means. Astronomers and astrophysicists have a good case for presenting the universe as a mechanism that can be understood and calculated through mathematical formulas. This is what a person will believe during the time from when they wake up in the morning until the evening, when they fall asleep again. But in those subconscious depths that a person cannot reach with their waking consciousness—yet which are still part of their existence—and in which they live between falling asleep and waking up, something else flows into the human soul through the universe! There lives within the human soul a knowledge that, while not accessible to waking consciousness, dwells deep within the soul and shapes it—a knowledge of the spirit, of the life of the soul, and of the life of the cosmos. And even if a person, in their waking consciousness, knows nothing of what takes place there—in communion with the spirit, the soul, and the life of the universe—from the moment they fall asleep until they wake up—these things are present in the soul; they live within it. And much of the inner conflict within modern human beings—which is so profound—stems from the disharmony between what the soul experiences of the universe from the moment of falling asleep until waking, and what waking consciousness today is willing to accept as a worldview of this universe.
[ 17 ] Wenn Sie den ganzen Geist und Sinn der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft nehmen, was sagt er Ihnen über solche Dinge? Er sagt Ihnen: Ja, großartig und gewaltig ist dasjenige, was der Galileismus, der Kopernikanismus in die Menschheit hineingebracht haben, aber nicht eine absolute Wahrheit, ganz und gar nicht eine absolute Wahrheit, sondern ein Aspekt vom Weltenall, eine Seite von einem gewissen Gesichtspunkte aus! — Es ist nur auf den Hochmut des modernen Menschen zurückzuführen, daß die Leute heute sagen: Ptolemäisches Weltensystem — Kinderei; das haben die Menschen gehabt, wie sie noch Kinder waren. Wir haben es «so herrlich weit gebracht», «bis an die Sterne weit», und wir werten das nun für etwas Absolutes. — Es ist ebensowenig etwas Absolutes, wie das Ptolemäische System etwas Absolutes war, es ist ein Aspekt. Und nur dann wird man ihm gerecht — das sagt Ihnen die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft —, wenn man weiß, daß alles das, was der Mensch so, ich möchte sagen, an bloßer Weltmathematik, an bloßer Weltschematik mechanischer Art aufnimmt, ihm nicht absolute Wahrheit liefert, sondern Illusionen über das Weltenall. Die Illusionen brauchen wir, weil die Menschheit in ihren verschiedenen Entwicklungsstadien verschiedene Formen von Erziehung durchgeht. Zur neuzeitlichen Erziehung brauchen wir einfach diese Illusionen mathematischer Art über das Weltenall. Wir müssen sie uns aneignen, aber wir sollten wissen, es sind Illusionen. Und erst recht sind es Illusionen, wenn wir sie fortsetzen hinein in dasjenige, was uns alltäglich umgibt, wenn wir anstreben, nach der atomistischen Lehre oder der Molekularlehre selbst eine kleine Art von Astronomie in den Substanzen der Erde zu verfolgen. Gerade wenn man den richtigen Gesichtspunkt gegenüber der ganzen modernen Wissenschaft, soweit diese Wissenschaft so denkt, einnehmen will, muß man erkennen, daß das alles Illusionswissen ist.
[ 17 ] If you take the whole spirit and meaning of anthroposophically oriented spiritual science, what does it tell you about such things? It tells you: Yes, what Galileanism and Copernicanism have brought into humanity is magnificent and awe-inspiring, but it is not an absolute truth—not at all an absolute truth—rather, it is one aspect of the universe, one side of it viewed from a certain perspective! — It is solely due to the arrogance of modern humanity that people today say: the Ptolemaic world system—child’s play; that’s what people believed when they were still children. We have “come so wonderfully far,” “as far as the stars,” and we now regard that as something absolute. — It is no more an absolute than the Ptolemaic system was an absolute; it is an aspect. And only then does one do it justice—as anthroposophically oriented spiritual science tells you—when one knows that everything that humanity, I might say—takes in through mere world mathematics, through mere world schematics of a mechanical nature, does not provide him with absolute truth, but rather with illusions about the universe. We need these illusions because humanity goes through different forms of education in its various stages of development. For modern education, we simply need these mathematical illusions about the universe. We must make them our own, but we should know that they are illusions. And they are all the more illusions when we carry them over into what surrounds us in everyday life, when we strive, based on atomic or molecular theory, to pursue a sort of miniature astronomy within the substances of the Earth. Precisely if one wishes to adopt the correct perspective on modern science as a whole—insofar as this science thinks in this way—one must recognize that all of this is illusory knowledge.
[ 18 ] Nun hat Ahriman, damit sich für ihn am fruchtbarsten seine Inkarnation gestalten werde, das größte Interesse daran, daß die Menschen sich in dieser Illusionswissenschaft, die ja im Grunde genommen unsere ganze heutige Wissenschaft ist, vervollkommnen, daß sie aber nicht darauf kommen, daß es eine Illusionswissenschaft ist. Ahriman hat das allergrößte Interesse, den Menschen Mathematik beizubringen, aber ihnen nicht beizubringen, daß die mathematisch-mechanischen Anschauungen nur Illusionen über das Weltenall sind. Ahriman hat das größte Interesse daran, Chemie, Physik, Biologie und so weiter, so wie sie heute unter den Menschen vertreten und zur bewunderten Anschauung gemacht werden, dem Menschen beizubringen, aber ihn glauben zu machen, daß das absolute Wahrheiten sind, daß das nicht gleichsam nur Gesichtspunkte sind, Photographien von einer Seite. Wenn man einen Baum photographiert von einer Seite, so kann er richtig photographiert sein, aber man hat doch keine ganze Anschauung davon. Wenn Sie ihn von vier Seiten photographieren, so können sie allenfalls eine Anschauung von ihm bekommen. Dieses zu verbergen vor der Menschheit, daß man es in der heutigen intellektuell-rationalistischen Wissenschaft mit ihrem Anhängsel, einer abergläubischen Empirie, mit einer großen Illusion, mit einer Täuschung zu tun hat, dieses nicht anzuerkennen, daran hat Ahriman das allergrößte Interesse. Er würde den größten Erfolg haben können, den stärksten Triumph erleben können, wenn es zuwege gebracht werden könnte, daß jener wissenschaftliche Aberglaube, der heute alle Kreise ergreift, und nach dem die Menschen sogar ihre Sozialwissenschaft einrichten wollen, bis ins 3. Jahrtausend hinein herrschen würde, und wenn Ahriman dann als Mensch zur Welt kommen könnte innerhalb der westlichen Zivilisation und den wissenschaftlichen Aberglauben finden würde.
[ 18 ] Now, in order for his incarnation to be as fruitful as possible for him, Ahriman has the greatest interest in ensuring that people perfect themselves in this “science of illusion”—which, after all, is essentially our entire modern science—but that they do not realize that it is a science of illusion. Ahriman has the greatest interest in teaching people mathematics, but not in teaching them that mathematical-mechanical conceptions are merely illusions about the universe. Ahriman has the greatest interest in teaching people chemistry, physics, biology, and so on—as they are currently presented to humanity and elevated to the status of an admired worldview—but in making them believe that these are absolute truths, rather than, so to speak, merely perspectives or one-sided snapshots. If you photograph a tree from one side, it may be photographed correctly, but you still do not have a complete picture of it. If you photograph it from four sides, then you might at best gain a complete picture of it. Ahriman has the greatest interest in concealing this from humanity—that today’s intellectual-rationalist science, with its appendage of superstitious empiricism, is nothing but a great illusion, a deception—and in refusing to acknowledge this. He could achieve the greatest success, experience the greatest triumph, if it could be brought about that this scientific superstition—which is sweeping through all circles today and according to which people even wish to organize their social sciences—were to prevail well into the third millennium, and if Ahriman could then be born as a human being within Western civilization and find this scientific superstition.
[ 19 ] Aber ziehen Sie aus dem, was ich jetzt gesagt habe, nur ja keine falschen Schlüsse. Ein falscher Schluß wäre es, die Wissenschaft der Gegenwart zu meiden. Das ist der allerfalscheste Schluß, den Sie ziehen könnten. Man soll sie kennenlernen. Man soll gerade alles dasjenige, was von dieser Seite her kommt, kennenlernen, aber mit dem vollen Bewußtsein: ein Illusionsaspekt, ein für unsere Menschheitserziehung notwendiger Illusionsaspekt wird uns dadurch gegeben. Nicht dadurch, daß wir etwa meiden die Wissenschaft der Gegenwart, bewahren wir uns vor Ahriman, sondern dadurch, daß wir sie in ihrer wahren Gestalt kennenlernen. Denn diese Wissenschaft muß uns eine äußere Illusion geben von dem Weltenall. Wir brauchen diese äußere Illusion. Glauben Sie nur nicht, daß wir diese äußere Illusion nicht brauchen. Wir müssen sie dann nur von ganz anderer Seite her durch die Geistesforschung mit wahrer Wirklichkeit erfüllen, müssen von dem illusionären Charakter zu der wahren Wirklichkeit aufsteigen. sehen Sie sich zahlreiche meiner Vortragszyklen gerade auf das hin an, was ich heute Ihnen sage, so werden Sie finden, wie überall versucht worden ist, voll einzugehen auf die Wissenschaft unserer Zeit, aber das alles hinaufzuheben bis zu der Sphäre, wo man einsehen kann, wieviel das gilt. Sie können ja auch nicht wünschen, daß der Regenbogen vor Ihnen verschwindet, weil Sie ihn als eine Lichtillusion, als eine Farbenillusion erkennen. Sie werden ihn nicht verstehen, wenn Sie ihn nicht in seinem illusionären Charakter durchschauen. So ist es aber mit alledem, was Ihnen gegenwärtige Wissenschaft für Ihr Vorstellungsvermögen von der Welt gibt. Sie gibt nur Illusionen, und man muß den Illusionscharakter erkennen. Dann kommt man gerade dadurch, daß man sich durch diese Illusionen erzieht, zur Wirklichkeit der Welt. Das ist das eine Mittel, das Ahriman hat, um seine Inkarnation möglichst wirksam zu machen: die Menschen bei dem wissenschaftlichen Aberglauben zu halten. Das andere Mittel, das zweite Mittel, das er hat, ist: alles das zu schüren, was die Menschen heute in Gruppen, in kleine Gruppen zerteilt, die sich gegenseitig befehden. Sie brauchen bloß in der Gegenwart auf das Parteiwesen, auf das sich befehdende Parteiwesen hinzusehen, und Sie werden finden — wenn Sie nur unbefangen sind, können Sie das anerkennen —, daß diese sich befehdenden Parteien eigentlich aus der bloßen Menschennatur heraus wahrhaftig nicht zu erklären sind. Wenn die Menschen einmal ehrlich gerade diesen sogenannten Weltkrieg aus den menschlichen Disharmonien werden erklären wollen, dann werden sie eben einsehen, daß sie mit dem, was sie in der physischen Menschheit finden, ihn nicht erklären können. Gerade da zeigt es sich so deutlich, wie außersinnliche Mächte hereingewirkt haben, gerade ahrimanische Mächte!
[ 19 ] But please do not draw any false conclusions from what I have just said. It would be a false conclusion to avoid modern science. That is the very worst conclusion you could draw. One should get to know it. One should indeed get to know everything that comes from this side, but with the full awareness that it provides us with an aspect of illusion—an aspect of illusion necessary for the education of humanity. It is not by avoiding modern science, for example, that we protect ourselves from Ahriman, but by getting to know it in its true form. For this science must give us an outer illusion of the universe. We need this outer illusion. Do not think for a moment that we do not need this outer illusion. We must then simply fill it with true reality from a completely different perspective through spiritual research; we must rise from its illusory character to true reality. If you look at many of my lecture series—precisely in light of what I am telling you today—you will find that everywhere an effort has been made to engage fully with the science of our time, but to elevate it all to the sphere where one can see how much of it is valid. After all, you cannot wish for the rainbow to disappear before your eyes simply because you recognize it as an illusion of light, as an illusion of color. You will not understand it unless you see through its illusory nature. But this is true of everything that modern science offers you for your conception of the world. It offers only illusions, and one must recognize their illusory nature. Then, precisely by training oneself through these illusions, one arrives at the reality of the world. This is one of the means Ahriman has to make his incarnation as effective as possible: to keep people bound to scientific superstition. The other means, the second means he has, is to foment everything that divides people today into groups—into small groups that are at war with one another. You need only look at the current state of party politics—at the warring parties—and you will find—if you are only unbiased, you can acknowledge this—that these warring parties truly cannot be explained by human nature alone. Once people honestly set out to explain this so-called World War in terms of human disharmonies, they will realize that they cannot explain it with what they find in physical humanity. It is precisely here that it becomes so clear how supersensible forces have been at work—specifically, Ahrimanic forces!
[ 20 ] Aber diese ahrimanischen Mächte sind ja überall wirksam, wo sich Disharmonien zwischen Menschengruppen bilden. Worauf beruht denn das meiste, was hier in Betracht kommt? Gehen wir von einem ganz charakteristischen Beispiel aus. Das moderne Proletariat hat seinen Karl Marx gehabt. Lernen Sie genau erkennen, wie die Lehre von Karl Marx sich im modernen Proletariat ausgebreitet hat, und sehen Sie sich die schier ins Endlose gehende, ins Unermeßliche gehende Literatur des Marxismus an. Die heute sonst übliche Art von wissenschaftlicher Betrachtung finden Sie darin in ausgesprochenstem Maße angewendet, alles streng bewiesen, so streng bewiesen, daß auch schon manche Leute, von denen man es gar nicht angenommen hätte, auf den Marxismus hereingefallen sind. Wie war denn eigentlich das Schicksal des Marxismus? Zunächst, nicht wahr, breitete sich der Marxismus im Proletariat aus. Von der Universitätswissenschaft wurde er streng abgewiesen. Heute sind schon eine Anzahl von Universitätswissenschaftern da, die sich der Logik des Marxismus nicht mehr entziehen, die ihn anerkennen, die gar nicht mehr aus ihm herauskommen können, weil es sich in der Literatur allmählich herausgestellt hat, daß die Schlußfolgerungen sehr fein stimmen, daß man mit der gegenwärtigen wissenschaftlichen Gesinnung und Vorstellungsart diesen Marxismus ganz fein säuberlich beweisen kann. Die bürgerlichen Kreise haben nur keinen Karl Marx gehabt, der ihnen das Gegenteil bewiesen hätte; denn genau ebenso wie man beweisen kann den ideologischen Charakter von Recht, Sitte und so weiter, die Theorie vom Mehrwert und die materialistische Geschichtsforschung vom marxistischen Standpunkt aus, so kann man von allen diesen Dingen ganz genau ebenso exakt das Gegenteil beweisen. Es wäre durchaus möglich, daß ein bürgerlicher, ein Bourgeois-Marx genau das Gegenteil in derselben strengen Weise bewiesen hätte. Und da ist nicht einmal irgendein Humbug oder Schwindel dabei. Die Beweise würden restlos klappen.
[ 20 ] But these Ahrimanic forces are at work wherever disharmony arises between groups of people. What, then, is the basis for most of what is under consideration here? Let us take a very characteristic example. The modern proletariat has had its Karl Marx. Learn to recognize precisely how Karl Marx’s teachings have spread among the modern proletariat, and take a look at the seemingly endless, immeasurable body of Marxist literature. You will find the kind of scientific approach that is otherwise common today applied to the utmost degree in this literature; everything is rigorously proven—so rigorously, in fact, that even some people from whom one would never have expected it have fallen for Marxism. What, then, has actually been the fate of Marxism? At first, didn’t Marxism spread among the proletariat? It was strictly rejected by academic scholarship. Today there are already a number of university scholars who can no longer escape the logic of Marxism, who acknowledge it, who can no longer extricate themselves from it, because it has gradually become apparent in the literature that the conclusions are very precise, that with the current scientific mindset and way of thinking, this Marxism can be proven quite thoroughly. The bourgeois circles simply did not have a Karl Marx who could have proven the opposite to them; for just as one can prove the ideological character of law, customs, and so on, as well as the theory of surplus value and materialist historical research from the Marxist standpoint, so too can one prove the exact opposite of all these things with precisely the same degree of accuracy. It would be entirely possible that a bourgeois Marxist could have proven exactly the opposite in the same rigorous manner. And there is not even any humbug or deception involved. The proofs would hold up completely.
[ 21 ] Woher kommt denn das? Das kommt davon her, daß das gegenwärtige menschliche Denken, der gegenwärtige Intellekt in einer solchen Schicht des Seins liegt, daß er bis zu den Realitäten nicht herunterreicht. Und daher kann man das eine beweisen und sein Gegenteil beweisen, ganz streng das eine und sein Gegenteil beweisen. Es ist heute möglich, auf der einen Seite streng den Spiritualismus zu beweisen und ebenso streng den Materialismus zu beweisen. Und man kann gegeneinander kämpfen mit denselben guten Standpunkten, weil der heutige Intellektualismus in einer oberen Schicht der Wirklichkeit ist und nicht in die Tiefen des Seins hinuntergeht. Und so ist es auch mit den Parteimeinungen. Wer das nicht durchschaut, sondern sich einfach aufnehmen läßt durch seine Erziehung, Vererbung, durch seine Staats- und anderen Lebensverhältnisse in einen gewissen Parteikreis, der glaubt, wie er meint, ehrlich an die Beweiskraft desjenigen, was in dieser Partei ist, in die er hineingerutscht ist, hineingeschlittert ist, wie man in der deutschen Sprache zuweilen auch sagt. Und dann, dann kämpft er gegen einen anderen, der in eine andere Partei hineingeschlittert ist. Und der eine hat ebensogut recht wie der andere. Das ruft über die Menschheit hin ein Chaos und eine Verwirrung hervor, die nach und nach immer größer und größer werden können, wenn die Menschheit das nicht durchschaut. Und diese Verwirrung ist wiederum eine solche, die die ahrimanische Macht benützt, um den Triumph ihrer Inkarnation vorzubereiten, immer stärker und stärker die Menschen hineinzutreiben in das, was sie so schwer einsehen können, daß man heute etwas beweisen kann und ebenso das Gegenteil mit gleich guten intellektuellen oder heute wissenschaftlichen Gründen. Darauf kommt es heute an, daß wir anerkennen: beweisbar ist alles, und daß wir deshalb auf solche Beweise, wie sie heute in der Wissenschaft geschmiedet werden, hinsehen. Nur innerhalb der Naturwissenschaft, des strengen Naturwissens selbst, da zeigt sich an den Tatsachen die Wirklichkeit. Aber auf keinem anderen Felde darf man gelten lassen dasjenige, was sich intellektuell beweisen läßt. Nur dann, wenn wir dahinterkommen, daß das menschliche Wissen, die menschliche Erkenntnis tiefer gesucht werden müssen — wie es durch anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft geschieht — als in jener Schicht, in welcher die Kraft unserer Beweise entspringt, entrinnt man der Gefahr, in die man hineinkommt, wenn man die ahrimanische Verführung gelten läßt, die nun den Menschen gerade immer tiefer und tiefer in diese Dinge hineintreiben will. Daher benützt Ahriman in unserer Zeit, um die Menschen durcheinanderzubringen, auch alles dasjenige, was aus den alten Vererbungsverhältnissen stammt, denen der Mensch im Grunde genommen schon entwachsen ist im fünften nachatlantischen Zeitraum. Alles, was von alten Vererbungsverhältnissen stammt, das benützt die ahrimanische Macht, um die Menschen in Gruppen disharmonisch einander entgegenzustellen. Alles, was von alten Familien-, Rassen-, Stammes-, Volksunterschieden kommt, das benützt die ahrimanische Macht, um unter den Menschen Verwirrung zu stiften. Freiheit jedem einzelnen Volksstamm, auch dem kleinsten — es war ein schönes Wort. Aber die Worte sind immer schön, welche die den Menschen gegnerischen Mächte gebrauchen, um unter den Menschen Verwirrung zu stiften, um solche Dinge zu erreichen, wie sie Ahriman für seine Inkarnation erreichen will.
[ 21 ] Where does this come from? It comes from the fact that present-day human thinking—the present-day intellect—resides at such a level of existence that it does not reach down to the realities. And that is why one can prove one thing and prove its opposite—strictly prove one thing and its opposite. Today it is possible, on the one hand, to rigorously prove spiritualism and, just as rigorously, to prove materialism. And people can fight against one another from equally valid standpoints, because today’s intellectualism exists in an upper layer of reality and does not descend into the depths of being. And so it is with partisan opinions as well. Anyone who fails to see through this, but instead simply allows himself to be drawn—through his upbringing, heredity, and his political and other life circumstances—into a certain party circle, believes, as he thinks, honestly in the evidential force of what is in that party into which he has slipped, or “slid,” as one sometimes says in German. And then, then he fights against another who has slid into a different party. And one is just as right as the other. This brings about chaos and confusion throughout humanity, which can gradually grow larger and larger if humanity does not see through it. And this confusion, in turn, is precisely the kind that the Ahrimanic power exploits to prepare the way for the triumph of its incarnation, driving people ever more strongly into what they find so difficult to grasp: that today one can prove something, and yet prove the opposite just as well with equally sound intellectual—or, in today’s terms, scientific—reasons. What matters today is that we recognize: everything is provable, and that we therefore look to such proofs as are forged in science today. Only within the natural sciences, within rigorous scientific knowledge itself, does reality reveal itself through the facts. But in no other field should one accept what can be proven intellectually. Only when we realize that human knowledge and human understanding must be sought more deeply—as is done through anthroposophically oriented spiritual science — than in that realm from which the power of our evidence springs, can one escape the danger one faces when one accepts the Ahrimanic seduction, which now seeks to drive people ever deeper and deeper into these matters. That is why, in our time, Ahriman also uses everything that stems from the old hereditary conditions—conditions from which humanity has, in essence, already outgrown in the fifth post-Atlantean epoch—to throw people into confusion. The Ahrimanic power uses everything that stems from these old inherited conditions to set people against one another in groups, creating disharmony. The Ahrimanic power uses everything that arises from old distinctions of family, race, tribe, and nation to sow confusion among people. Freedom for every single tribe, even the smallest—it was a beautiful phrase. But the words used by the forces opposed to humanity to sow confusion among people—in order to achieve the very things Ahriman seeks to accomplish through his incarnation—are always beautiful.
[ 22 ] Wenn Sie heute fragen: Wer reizt denn die Völker gegeneinander? Wer bringt Fragen herauf, wie sie heute die Menschheit dirigieren? — so lautet die Antwort: Die ahrimanische Verführung, die in den Menschen hineinspielt! — Und die Menschen lassen sich auf diesem Gebiete sehr leicht täuschen. Sie wollen nicht eingehen auf jenes Hinuntersteigen in die Unterschichten, wo die Realitäten sind. Denn sehen Sie, Ahriman bereitet gut sein Ziel vor: Eben seit der Reformation und Renaissance stieg ja in der modernen Zivilisation als der tonangebende Herrschertypus der ökonomische Mensch herauf. Das ist eine wirklich geschichtliche Tatsache. Wenn Sie in alte Zeiten zurückgehen, sogar in diejenigen, die ich Ihnen heute als die luziferischen charakterisieren mußte, wer waren denn die Herrschertypen? Initiierte! Die ägyptischen Pharaonen, die babylonischen Herrscher, die Herrscher Asiens, sie waren Initiierte. Dann kam der Priestertypus herauf als Herrschertypus. Und der Priestertypus herrschte im Grunde genommen bis zur Reformation und Renaissance. Seit jener Zeit herrscht der ökonomische Typus Mensch. Die Herrscher, die sind ja nur die Handlanger der ökonomischen Menschen. Man soll durchaus nicht glauben, daß die Herrscher der modernen Zeit etwas anderes waren als die Handlanger der ökonomischen Menschen. Und alles das, was sich in Gesetz und Recht ergeben hat man studiere es nur durchgreifend —, das ist einfach eine Folge desjenigen, was ökonomische Menschen gedacht haben. Erst im 19. Jahrhundert kommt herauf an die Stelle des ökonomischen Menschen der bankiermäßig denkende Mensch, und erst im 19. Jahrhundert wird ganz und gar diejenige Ordnung geschaffen, die eigentlich durch die Geldwirtschaft alle übrigen Verhältnisse zudeckt. Man muß diese Dinge nur einsehen können, muß sie richtig empirisch, erfahrungsgemäß verfolgen können.
[ 22 ] If you ask today: Who is pitting the peoples against one another? Who is raising the issues that are shaping humanity today? — the answer is: The Ahrimanic seduction that works its way into people! — And people are very easily deceived in this area. They do not want to engage with that descent into the lower strata, where reality lies. For you see, Ahriman prepares his goal well: ever since the Reformation and the Renaissance, the “economic man” has risen in modern civilization as the dominant type of ruler. That is a true historical fact. If you go back to ancient times—even to those I had to characterize for you today as Luciferic—who were the ruling figures? Initiates! The Egyptian pharaohs, the Babylonian rulers, the rulers of Asia—they were initiates. Then the priestly type emerged as the ruling type. And the priestly type essentially ruled until the Reformation and the Renaissance. Since that time, the economic type of human has reigned. The rulers are, after all, merely the henchmen of the economic people. One should by no means believe that the rulers of modern times were anything other than the henchmen of the economic people. And everything that has emerged in law and justice—if one studies it thoroughly—is simply a consequence of what the economic people have thought. It was not until the 19th century that the banker-minded individual emerged to replace the economic human being, and it was not until the 19th century that the system was fully established which, through the monetary economy, actually overshadows all other conditions. One need only be able to understand these things, to trace them correctly through empirical observation and experience.
[ 23 ] Das alles, was ich im zweiten öffentlichen Vortrag hier gesagt habe, das ist tief wahr. Man möchte nur, daß das in allen Einzelheiten verfolgt würde. Gerade wenn man cs in allen Einzelheiten verfolgen wird, dann wird man sehen, wie gründlich wahr diese Dinge sind. Aber gerade indem die Herrschaft des bloßen «Zeichens für die gediegenen Güter» heraufgekommen ist, ist wiederum ein wesentliches Mittel für die ahrimanische Täuschung der Menschheit heraufgekommen. Und wenn der Mensch nicht durchschaut, daß er der durch den ökonomischen Menschen und der durch den Bankier hervorgerufenen ökonomischen Ordnung den Rechtsstaat und den Geistesorganismus entgegensetzen muß, dann wird wiederum in diesem Nichtdurchschauen Ahriman ein wesentliches Mittel finden, um seine Inkarnation, das heißt den Triumph seiner Inkarnation, die gewiß kommt, in der entsprechenden Weise vorzubereiten. Das sind solche Mittel, die Ahriman benützen kann bei einer gewissen Sorte von Menschen. Es gibt aber heute auch noch eine andere Sorte von Menschen — oftmals sind die beiden Sorten in einem Menschen vermischt —, die auch noch von einer anderen Seite her Ahriman seine Wege zum Triumphe erleichtert.
[ 23 ] Everything I said here in my second public lecture is profoundly true. One would simply like this to be examined in every detail. Precisely when one examines it in every detail, one will see how thoroughly true these things are. But precisely as the rule of the mere “symbol for tangible goods” has arisen, so too has an essential means for Ahriman’s deception of humanity arisen. And if people fail to realize that they must set the rule of law and the spiritual organism in opposition to the economic order brought about by the “economic man” and the banker, then in this very failure to realize it, Ahriman will find an essential means to prepare for his incarnation—that is, the triumph of his incarnation, which will certainly come—in the appropriate manner. These are the kinds of means Ahriman can use with a certain type of person. But there is also another type of person today—often the two types are mixed within a single individual—who, from another angle, also facilitates Ahriman’s path to triumph.
[ 24 ] Sehen Sie, es ist tatsächlich so, daß ganze Irrtümer im wirklichen Leben nicht so schlimm sind, wie halbe und Viertelwahrheiten. Denn ganze Irrtümer werden bald durchschaut. Halbe und Viertelwahrheiten aber verführen die Menschen, so daß sie mit ihnen leben und sich diese halben und Viertelwahrheiten ins Leben hineinfinden und im Leben die furchtbarsten Verheerungen anrichten.
[ 24 ] You see, the fact is that complete errors in real life are not as bad as half-truths and quarter-truths. For complete errors are soon seen through. Half-truths and quarter-truths, however, mislead people, so that they come to accept them; these half-truths and quarter-truths find their way into people’s lives and wreak the most terrible havoc.
[ 25 ] Es gibt heute Menschen, welche nicht die Einseitigkeit der galileisch-kopernikanischen Weltanschauung einsehen oder welche wenigstens den Illusionscharakter nicht durchschauen oder die zu bequem sind, sich auf sie einzulassen. Wir haben eben dargelegt, wie unrecht das ist. Aber es gibt heute auch Menschen, zahlreiche Menschen, die eine gewisse Halbwahrheit, eine sehr bedeutsame Halbwahrheit für sich bekennen und sich nicht einlassen auf die nur bedingte Berechtigung dieser Halbwahrheit. Denn so sonderbar es für viele Menschen ist: So wie es eine einseitige Art ist, die Welt kennenzulernen durch die galileisch-kopernikanische Wissenschaft, überhaupt durch die heutige Universitätswissenschaft materialistischer Art, so ist es auf der anderen Seite eine Einseitigkeit, die Welt kennenzulernen bloß durch das Evangelium und abzulehnen jedes andere Eindringen in die wahre Wirklichkeit als durch das Evangelium. Das Evangelium war jenen Menschen gegeben, die in den ersten Jahrhunderten des Christentums lebten.
[ 25 ] There are people today who do not recognize the one-sidedness of the Galilean-Copernican worldview, or who at least fail to see through its illusory nature, or who are too complacent to engage with it. We have just explained how wrong that is. But there are also people today—numerous people—who embrace a certain half-truth, a very significant half-truth, and refuse to acknowledge the only conditional validity of this half-truth. For as strange as it may seem to many people: just as it is a one-sided way of coming to know the world through Galilean-Copernican science—or, indeed, through today’s materialistic university science in general—so, on the other hand, it is a one-sidedness to come to know the world solely through the Gospel and to reject any other insight into true reality than that provided by the Gospel. The Gospel was given to those who lived in the first centuries of Christianity.
[ 26 ] Heute zu glauben, daß das Evangelium das ganze Christentum geben könne, das ist eben eine halbe Wahrheit, daher auch ein halber Irrtum, der die Menschen wiederum benebelt und der daher Ahriman die besten Mittel in die Hand liefert, um sein Ziel, den Triumph seiner Inkarnation, zu erreichen.
[ 26 ] To believe today that the Gospel alone can provide the entirety of Christianity is, in fact, only half the truth—and therefore also a half-error—which in turn clouds people’s minds and thus provides Ahriman with the best means to achieve his goal: the triumph of his incarnation.
[ 27 ] Wie zahlreich sind heute die Menschen, die glauben, aus christlicher Bescheidenheit heraus zu sprechen, aber in Wahrheit aus einem furchtbaren Hochmut heraus sagen: Oh, wir brauchen keine geistige Wissenschaft. Die Einfachheit, die Schlichtheit des Evangeliums, die führt uns zu dem, was der Mensch von der Ewigkeit braucht. — Es ist zumeist ein furchtbarer Hochmut, der in dieser scheinbaren Bescheidenheit sich ausspricht. Diesen Hochmut, ihn kann Ahriman im angedeuteten Sinne sehr gut benützen. Denn vergessen Sie nicht, was ich im Beginne dieser heutigen Betrachtungen auseinandergesetzt habe, daß in der Zeit, in die das Evangelium hineingefallen ist, die Menschen in ihrem Denken, Empfinden und Anschauen, in ihrem ganzen Anschauen noch luziferisch durchdrungen waren und daß sie mit einer gewissen luziferischen Gnosis das Evangelium verstehen konnten. Aber die Evangeliumauffassung in diesem alten Sinne ist heute nicht möglich. Heute auf das bloße Evangelium zu pochen, namentlich so, wie es den Menschen überliefert ist, das gibt keine wirkliche Christus-Auffassung. Daher ist heute nirgends weniger eine wahre Christus-Auffassung verbreitet als in den Glaubensbekenntnissen, in den Konfessionen. Man muß heute schon das Evangelium geisteswissenschaftlich vertiefen, wenn man zu einer wirklichen Auffassung des Christus kommen will. Da ist es interessant, die einzelnen Evangelien zu verfolgen und auf ihren wahren Inhalt zu kommen. Das Evangelium so zu nehmen, wie es ist, wie es heute zahlreiche Menschen nehmen und wie es namentlich zahlreichen Menschen gelehrt wird, es zu nehmen, das ist nicht ein Weg zu Christus, das ist ein Weg von Christus weg. Daher kommen die Konfessionen immer mehr und mehr weg von Christus. Wozu gelangt, wer heute das Evangelium und nur das Evangelium nehmen will, ohne geisteswissenschaftliche Vertiefung des Evangeliums, zu welcher Art von Christus-Auffassung gelangt er? Er kommt zuletzt zu einem Christus, wenn er wirklich das Evangelium nimmt. Aber was ist das Äußerste, wozu er kommt? Das ist nicht eine Realität des Christus, zu der heute eben nur die Geisteswissenschaft hinführen kann. Das, wozu das Evangelium führt, ist eine zwar richtige, aber doch nur eine Halluzination vom Christus, ein wirkliches inneres Bild — meinetwillen nennen Sie es auch Vision —, ein wirkliches, inneres Bild, aber nur ein Bild. Es gibt durch das Evangelium heute den Weg, zu einer wahren Halluzination, zu einer wahren Vision von dem Christus zu kommen, aber nicht zu der Realität des Christus. Das ist gerade der Grund, warum die moderne Theologie so materialistisch geworden ist. Die Leute, die sich mit dem Evangelium bloß theologisch befaßt haben, die haben geprüft: Was können wir aus diesem Evangelium herausbringen? Und sie sagten sich zuletzt doch: Nach unserer Anschauung so etwas ähnliches, wie das, was wir herausbringen, wenn wir den Paulus vor Damaskus prüfen. Und dann kommen diese Theologen, die eigentlich das Christentum begründen sollten, es aber untergraben, indem sie sagen: Nun, Paulus war eben krank, eine nervenkranke Person, die vor Damaskus eine Vision hatte.
[ 27 ] How many people today believe they are speaking out of Christian humility, but in truth, out of a terrible arrogance, say: “Oh, we don’t need spiritual science.” The simplicity, the plainness of the Gospel—that is what leads us to what human beings need from eternity. — It is mostly a terrible arrogance that expresses itself in this apparent modesty. Ahriman can make very good use of this arrogance in the sense I have indicated. For do not forget what I explained at the beginning of today’s reflections: that in the era into which the Gospel entered, people were still permeated by Luciferic influences in their thinking, feeling, and perception—in their entire way of perceiving the world—and that they were able to understand the Gospel through a certain Luciferic gnosis. But understanding the Gospel in this old sense is no longer possible today. Insisting today on the Gospel alone—especially as it has been handed down to people—does not lead to a true understanding of Christ. That is why nowhere today is a true understanding of Christ less widespread than in the creeds and denominations. Today, one must delve into the Gospel through spiritual science if one wishes to arrive at a true understanding of Christ. In this regard, it is interesting to examine the individual Gospels and uncover their true content. To take the Gospel as it is—as many people do today and as it is taught to many people in particular—is not a path to Christ; it is a path away from Christ. That is why the denominations are drifting further and further away from Christ. What does one arrive at today who wishes to take the Gospel—and only the Gospel—without a spiritual-scientific deepening of the Gospel? What kind of understanding of Christ does one arrive at? Ultimately, one arrives at a Christ—if one truly takes the Gospel. But what is the ultimate point to which they arrive? It is not the reality of Christ, to which only spiritual science can lead today. What the Gospel leads to is, though correct, merely a hallucination of Christ—a real inner image—call it a vision if you will—a real, inner image, but only an image. Through the Gospel today, there is a path to a true hallucination, to a true vision of Christ, but not to the reality of Christ. That is precisely why modern theology has become so materialistic. People who have dealt with the Gospel purely from a theological perspective have asked: What can we extract from this Gospel? And in the end, they told themselves: From our perspective, something similar to what we arrive at when we examine Paul on the road to Damascus. And then come these theologians, who were actually supposed to establish Christianity but instead undermine it by saying: Well, Paul was simply sick—a person with a nervous disorder who had a vision on the road to Damascus.
[ 28 ] Es handelt sich eben darum, daß gerade so, wie man durch das Evangelium selbst nur zu der Halluzination, nur zu der Vision kommen kann, die aber ein innerlich richtiges Bild ist, damit aber nicht eine Realität ergreift, man einzusehen hat, daß man durch das alleinige Evangelium nicht zu dem wirklichen Christus kommt, sondern zu einer Halluzination des Christus. Denn den wirklichen Christus muß man heute suchen durch alles das, was man aus der GeistErkenntnis der Welt gewinnen kann. Daher bilden für Ahriman, wenn er in der modernen Zivilisation in Menschengestalt erscheinen wird, gerade diejenigen den Anfang einer Herde, die heute nur auf das Evangelium schwören und jede Art von wirklicher GeistErkenntnis ablehnen möchten aus den Konfessionen und aus den Sekten heraus, die nicht lernen wollen, die abweisen wollen alles dasjenige, was geistige Anstrengung zu konkretem Erkennen verursacht. Aus diesen Kreisen heraus werden sich ganze Scharen für die Anhängerschaft des Ahriman entwickeln.
[ 28 ] The point is precisely this: just as one can, through the Gospel alone, arrive only at a hallucination, only at a vision—which is, however, an internally accurate image, yet does not grasp reality—one must realize that through the Gospel alone one does not arrive at the real Christ, but at a hallucination of Christ. For today one must seek the real Christ through everything that can be gained from spiritual knowledge of the world. Therefore, when Ahriman appears in human form in modern civilization, it is precisely those who today swear by the Gospel alone and wish to reject any kind of true spiritual knowledge—from the denominations and sects that refuse to learn and reject everything that requires spiritual effort for concrete understanding—who will form the nucleus of his following. From these circles, whole multitudes will emerge to become followers of Ahriman.
[ 29 ] Das beginnt alles zu werden. Das ist da, das wirkt in der heutigen Menschheit. In das spricht derjenige hinein, der heute mit der Erkenntnis der Initiationswissenschaft zu Menschen spricht, ob über soziale, ob über andere Fragen. Er weiß, wo die gegnerischen Mächte liegen, daß sie im Übersinnlichen vor allem leben, daß die Menschen die armen Verführten sind und daß im Grunde genommen der Appell an die Menschheit der ist: Man mache sich frei von all den Dingen, die eine so große Versuchung bilden, hin zum Triumphe des Ahriman beizutragen.
[ 29 ] All of this is beginning to take shape. It is already here, and it is at work in humanity today. This is what the person who speaks to people today with the insight of initiatory science addresses—whether on social issues or other matters. He knows where the opposing forces lie, that they dwell primarily in the supersensible realm, that human beings are the poor, deluded ones, and that, fundamentally, the appeal to humanity is this: Free yourselves from all the things that constitute such a great temptation to contribute to the triumph of Ahriman.
[ 30 ] Mancherlei Menschen haben so etwas gefühlt. Aber der Mut ist noch nicht überall vorhanden, wirklich mit dem Christus-, dem Luzifer- und Ahriman-Impuls, die historische Impulse sind, in jener durchdringenden Weise sich auseinanderzusetzen, wie es notwendig ist und wie es von anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft betont werden muß. Man möchte nicht weit genug gehen, auch wenn man ahnt, was notwendig ist. sehen Sie sich einmal an Beispielen an, wo einmal auftaucht irgendeine Erkenntnis davon, wie es notwendig ist, die weltliche materialistische Wissenschaft mit ihrem ahrimanischen Charakter zu durchdringen mit dem Christus-Impuls, wie es notwendig ist auf der anderen Seite, das Evangelium aufzuhellen dadurch, daß man es geisteswissenschaftlich erklärt. sehen Sie sich an, wie viele Menschen sich durchringen dazu, wirklich mit geisteswissenschaftlicher Erkenntnis nach der einen und nach der anderen Seite hinzuleuchten. Allein dadurch wird die Menschheit die richtige Stellung zu der irdischen Inkarnation Ahrimans gewinnen, daß sie diese Dinge durchschaut und daß sie auch den Mut und den Willen und die Energie hat, um auf der einen Seite in die weltliche Wissenschaft mit dem Geiste hineinzuleuchten und auf der anderen Seite das Evangelium aufzuhellen ebenfalls mit diesem Geiste. Sonst kommen immer die Halbheiten heraus. Denken Sie daran, wie zum Beispiel ein immerhin aufgeklärter Mensch, aber ein solcher, der hineinschaut in die moderne religiöse Entwicklung, wie der Kardinal Newman, als er in Rom als Kardinal eingekleidet wurde, es offen in seiner Rede aussprach, daß, wenn die christlich-katholische Lehre weiter bestehen solle, eine neue Offenbarung notwendig sei. Wir brauchen aber nicht eine neue Offenbarung. Die Zeit der Offenbarungen im alten Sinne ist vorüber. Wir brauchen eine neue Wissenschaft, die vom Geiste durchleuchtet ist. Aber den Mut müssen die Menschen haben zu einer solchen neuen Wissenschaft.
[ 30 ] Many people have felt something like this. But the courage is not yet widespread enough to truly engage with the Christ, Lucifer, and Ahriman impulses—which are historical impulses—in the profound way that is necessary and that must be emphasized by anthroposophically oriented spiritual science. People are reluctant to go far enough, even when they sense what is necessary. Take a look at examples where some insight emerges into how necessary it is to permeate secular, materialistic science—with its Ahrimanic character—with the Christ impulse, and how necessary it is, on the other hand, to shed new light on the Gospel by explaining it through spiritual science. Look at how many people bring themselves to truly shed light on both sides through spiritual scientific insight. Only by doing this will humanity gain the proper perspective on Ahriman’s earthly incarnation—by seeing through these things and by having the courage, the will, and the energy to, on the one hand, shed light on secular science with the Spirit, and on the other hand, to illuminate the Gospel with this same Spirit. Otherwise, half-measures will always prevail. Consider, for example, how an enlightened person—yet one who looked deeply into modern religious developments, such as Cardinal Newman—openly stated in his speech when he was invested as a cardinal in Rome that, if Christian-Catholic doctrine were to continue to exist, a new revelation would be necessary. But we do not need a new revelation. The era of revelations in the old sense is over. We need a new science, one illuminated by the Spirit. But people must have the courage to embrace such a new science.
[ 31 ] Denken Sie an eine literarische Erscheinung wie «Lux mundi», die am Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre ausgegangen ist von gewissen Mitgliedern der Englischen Hochkirche, von angesehenen Theologen der Englischen Hochkirche, Aufsätze, überall durchdrungen von dem Bestreben, eine Brücke zu bauen von der weltlichen Wissenschaft hinüber zu dem Dogmeninhalt. Überall, ich möchte sagen, ein Herüber- und Hinüberzappeln, nirgends ein kühnes Ergreifen der weltlichen Wissenschaft, nirgends ein Durchleuchten dieser Wissenschaft mit dem Geiste, ein unbefangenes Hinschauen auf das Evangelium und dann sagen: Das Evangelium allein tut es heute nicht, es muß aufgeklärt, es muß erhellt werden. — Das aber ist notwendig für die heutige Menschheit, nach beiden Seiten hin den Mut zu bewahren und zu sagen: Die weltliche Wissenschaft allein, sie führt zur Illusion, das Evangelium allein, es führt zur Halluzination. Der Mensch findet den Mittelweg zwischen Illusion und Halluzination allein in dem geistgemäßen Ergreifen der Wirklichkeit. Das ist dasjenige, worauf es ankommt.
[ 31 ] Consider a literary phenomenon such as “Lux mundi,” which emerged in the late 1980s and early 1990s from certain members of the English High Church—esteemed theologians of the English High Church—whose essays were permeated throughout by the endeavor to build a bridge from secular science to the content of dogma. Everywhere, I would say, there is a fumbling back and forth; nowhere is there a bold engagement with secular science, nowhere an examination of this science through the spirit, an unbiased look at the Gospel and then saying: The Gospel alone is not enough today; it must be clarified, it must be illuminated. — But this is necessary for humanity today: to maintain the courage on both sides and to say: Secular science alone leads to illusion; the Gospel alone leads to hallucination. Human beings find the middle path between illusion and hallucination only in a spiritual grasp of reality. That is what matters.
[ 32 ] Solche Dinge müßten heute durchschaut werden. Ganz illusionär würde die bloße weltliche Wissenschaft die Menschen machen. Sie würden zuletzt im Grunde genommen nur mehr Närrisches vollbringen. Es wird heute schon genügend Närrisches vollbracht, denn sicherlich war die Weltkriegskatastrophe eine große Narrheit. Aber viele Menschen waren dabei, die durchaus durchdrungen waren mit heutiger weltlicher Wissenschaft. Und wenn Sie sehen, wie sogleich merkwürdige Seelenerscheinungen zum Vorschein kommen, wenn durch irgendwelche Sekten zum Beispiel eines der vier Evangelien in den Vordergrund gestellt wird, dann werden Sie leichter begreifen, was ich heute auch über das Evangelium gesagt habe. sehen Sie einmal, wie stark hinneigt zu allerlei Halluzinatorischem und dergleichen solch eine Sekte wie die, die bloß auf das Johannes-Evangelium hört, oder eine andere, die bloß auf das Lukas-Evangelium hört. Das einzige Glück, daß jedes Evangelium in seiner Einseitigkeit noch nicht das große Unheil angerichtet hat, liegt darin, daß es vier Evangelien gibt, die äußerlich einander widersprechen. So daß die Menschen dadurch, daß sie vier Evangelien vor sich haben, nicht in die Richtung des einen verfallen, nicht in der Richtung des einen zu weit gehen, sondern das andere daneben haben. An einem Sonntag wird ihnen aus dem einen, am anderen Sonntag aus dem anderen Evangelium vorgelesen, und dadurch hebt sich die Kraft des einen durch die Kraft des anderen auf. Es liegt eine große Weisheit darin, daß diese vier Evangelien auf die Kulturwelt gekommen sind und die Menschen dadurch nicht, wie es bei vielen Anhängern von Sekten der Fall ist, dazu kommen, der Strömung zu verfallen, die den Menschen überkommt, wenn bloß ein Evangelium auf ihn wirkt. Wenn bloß ein Evangelium auf ihn wirkt, dann tritt es besonders klar hervor, daß zuletzt das Wirken des einen Evangeliums ausläuft in Halluzinatorisches. Ja, es ist notwendig, daß man heute manches von subjektiver Neigung abstreift, manches von dem, was man gern hat und von dem man glaubt, daß es fromm ist oder daß es gescheit ist. Es handelt sich heute für die Menschheit vor allen Dingen um Allseitigkeit und um den Mut zur Allseitigkeit.
[ 32 ] Such things must be seen through today. Mere secular science would make people completely deluded. Ultimately, they would, in essence, accomplish nothing but folly. Enough folly is already being committed today, for the catastrophe of the World War was certainly a great folly. But there were many people involved who were thoroughly imbued with today’s secular science. And when you see how strange psychological phenomena immediately come to the fore whenever, for example, a sect places one of the four Gospels in the foreground, then you will more easily understand what I have also said today about the Gospel. Just consider how strongly a sect—such as one that listens only to the Gospel of John, or another that listens only to the Gospel of Luke—is prone to all manner of hallucinatory experiences and the like. The only fortunate thing—that each Gospel, in its one-sidedness, has not yet caused great harm—is that there are four Gospels that outwardly contradict one another. Thus, because people have four Gospels before them, they do not fall into the trap of focusing on just one, do not go too far in the direction of just one, but have the others alongside it. One Sunday a passage is read from one Gospel, the next Sunday from another, and in this way the power of one is balanced by the power of the other. There is great wisdom in the fact that these four Gospels have come into the civilized world, preventing people—unlike many followers of sects—from succumbing to the current that overwhelms them when only one Gospel influences them. When only one Gospel influences a person, it becomes particularly clear that, in the end, the influence of that single Gospel degenerates into hallucination. Yes, it is necessary today to shed certain subjective inclinations, certain things that one likes and that one believes to be pious or sensible. What matters most for humanity today is comprehensiveness and the courage to embrace comprehensiveness.
[ 33 ] Das wollte ich heute einmal zu Ihnen sprechen, damit Sie sehen: Dasjenige, was versucht wird jetzt zu wirken innerhalb der Menschheit, hat wahrhaftig tiefere Gründe als etwa bloß irgendeine subjektive Voreingenommenheit. Man kann schon sagen, daß es abgelesen ist aus den Zeichen der Zeit und daß es gewirkt werden muß. Und wenn wir uns hier im Zweig auch erst nach einer relativ längeren Zeit sehen konnten, so war es mir ein tiefes Bedürfnis, Ihnen gerade in dieser Zeit diejenigen Worte zu sagen, die ich Ihnen heute hier gesagt habe. Hoffentlich haben wir in nicht zu ferner Zeit Gelegenheit, über solche Dinge auch hier wiederum weiter zu sprechen.
[ 33 ] I wanted to speak to you about this today so that you can see: What is now attempting to take effect within humanity truly has deeper reasons than, say, mere subjective bias. One can certainly say that it is evident from the signs of the times and that it must be brought about. And even though it took us a relatively long time to meet here in this branch, I felt a deep need to share with you, especially at this time, the words I have spoken to you here today. Hopefully, we will have the opportunity to discuss such matters further here again in the not-too-distant future.
