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The Rudolf Steiner Archive

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The Inner Aspect of the Social Enigma
A Luciferic Past and an Ahrimanic Future
GA 193

4 November 1919, Bern

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Zehnter Vortrag

Tenth Lecture

[ 1 ] Die Entwicklungsphase der Menschheit, die mit einem besonderen Charakter in unseren Zeiten beginnt — selbstverständlich kann man von jeder Zeit sagen, daß eine bestimmte Entwicklungsphase der Menschheit beginnt, man muß dann nur charakterisieren, wie geartet diese Entwicklungsphase ist —, läßt sich etwa so charakterisieren, daß in der Hauptsache alles, was die Menschheit zu erleben haben wird in der ferneren Erdenzeit, in der physischen Welt, eine Art Abstieg sein wird, ein Rückgang, eine rückläufige Entwicklung. Diejenige Zeit ist bereits überschritten, in welcher die Menschheit durch die immer veredelter und veredelter auftretenden physischen Kräfte vorwärtskommt. Die Menschheit wird in der nächsten Zeit auch vorwärtskommen, aber nur durch spirituelle Entwicklung, durch eine Entwicklung, welche sich erhebt über die Vorgänge des physischen Planes. Die Vorgänge des physischen Planes werden nicht solche sein, daß die Menschheit, wenn sie sich nur ihnen hingeben will, eine Befriedigung aus ihnen wird schöpfen können. Dasjenige, was ja innerhalb unserer Geisteswissenschaft längst angedeutet worden ist, was wir charakterisiert finden können in dem Vortragszyklus über die Apokalypse: daß zugesteuert wird dem «Krieg aller gegen alle», das sollte vom gegenwärtigen Zeitpunkt an durchaus als etwas sehr, sehr Ernstes und Bedeutsames aufgefaßt werden. Es sollte so aufgefaßt werden, daß es nicht bloß eine theoretische Wahrheit bleibt, sondern daß es auch im Handeln, im ganzen Verhalten der Menschen zum Ausdruck kommt. Gerade der Umstand, daß die Menschen — wenn ich mich trivial ausdrücken soll — von der Entwicklung des physischen Planes in der Zukunft wenig Freude haben werden, wird sie veranlassen, immer mehr und mehr einzusehen, wie die Weiterentwicklungen von den geistigen Kräften kommen müssen.

[ 1 ] The phase of human development that is beginning with a distinctive character in our time—of course, one can say of any era that a particular phase of human development is beginning; one need only characterize the nature of this phase of development—can be described roughly as follows: for the most part, everything humanity will experience in the future course of Earth’s history, in the physical world, will be a kind of descent, a regression, a regressive development. The time has already passed when humanity advanced through physical forces that appeared in ever more refined and elevated forms. Humanity will continue to progress in the time to come, but only through spiritual development—a development that rises above the processes of the physical plane. The processes of the physical plane will not be such that humanity, if it were to devote itself solely to them, would be able to derive satisfaction from them. What has long been hinted at within our spiritual science—and what we can find characterized in the lecture series on the Apocalypse—is that we are heading toward a “war of all against all”; this should be regarded, from this point forward, as something very, very serious and significant. It should be understood not merely as a theoretical truth, but as something that is also expressed in action, in the entire conduct of human beings. Precisely the fact that people—if I may put it simply—will derive little joy from the future development of the physical plane will lead them to realize more and more that further developments must come from the spiritual forces.

[ 2 ] Voll durchschauen wird man diese Tatsache nur, wenn man einen größeren Zeitraum der Menschheitsentwicklung ins Auge faßt und gewissermaßen die Nutzanwendung auf dasjenige macht, was in der Zukunft der Menschheit immer mehr und mehr wird begegnen müssen. Man wird einsehen, zu welchem Ziele diejenigen Kräfte der Menschheit hinsteuern, die sich da äußern werden in den, ich möchte sagen, wie rhythmisch auftretenden kriegerischen Verheerungsprozessen, von denen die gegenwärtige Kriegskatastrophe nur der Anfang ist. Es ist ja eine kindliche Vorstellung, wenn man glauben würde, daß durch irgend etwas, was sich anschließt an diese kriegerische Katastrophe, irgendwelche dauernden Friedenszeiten über die Menschheit auf dem physischen Plan kommen werden. Das wird nicht der Fall sein. Dasjenige aber, was kommen muß über die Erde, das muß eine spirituelle Entwicklung sein. Ihren Geist, ihre Richtung, ihren Sinn wird man einsehen, wenn man einen verhältnismäßig längeren Zeitraum vor dem Mysterium von Golgatha überblickt, wenn man dann ins Auge faßt einiges von dem Sinn des Mysteriums von Golgatha und wenn man dann versucht, die Weiterwirkung gerade des Mysteriums von Golgatha in der zukünftigen Entwicklung der Menschheit geistig etwas anzuschauen.

[ 2 ] One can only fully grasp this fact by considering a broader period of human development and, so to speak, applying it to what humanity will increasingly have to face in the future. One will come to understand the goal toward which those forces of humanity are heading—forces that will manifest themselves in what I might call rhythmically recurring processes of war and devastation, of which the current war catastrophe is only the beginning. It is, after all, a childish notion to believe that anything following this war catastrophe will bring about any lasting periods of peace for humanity on the physical plane. That will not be the case. But what must come upon the Earth must be a spiritual development. One will come to understand its spirit, its direction, and its meaning by surveying a relatively long period of time leading up to the Mystery of Golgotha, by grasping something of the meaning of the Mystery of Golgotha, and by attempting to spiritually contemplate the continuing influence of the Mystery of Golgotha in particular on the future development of humanity.

[ 3 ] Wir haben das Mysterium von Golgatha von den verschiedensten Gesichtspunkten aus betrachtet. Wir wollen heute zu diesen Gesichtspunkten einen anderen hinzufügen, indem wir ein wenig dasjenige charakterisieren, was an Menschheitszivilisation dem Mysterium von Golgatha, sagen wir, bis in das 3. Jahrtausend etwa vor unserer Zeitrechnung vorangegangen ist, was dann bis in die Zeit der christlichen Entwicklung hinein gedauert hat und was man, wie Sie ja wissen, bezeichnet als die heidnische Kultur. In diese heidnische Kultur hat sich wie eine Oase die ganz anders geartete jüdisch-hebräische Kultur hineingestellt, aus der dann das Christentum hervorgegangen ist.

[ 3 ] We have examined the Mystery of Golgotha from a wide variety of perspectives. Today we would like to add another perspective to these by briefly characterizing that aspect of human civilization which preceded the Mystery of Golgotha—let us say, up to about the third millennium before our era—which then continued into the era of Christian development, and which, as you know, is referred to as pagan culture. Within this pagan culture, the very different Jewish-Hebrew culture emerged like an oasis, from which Christianity then arose.

[ 4 ] Die heidnische Kultur können wir verstehen, wenn wir uns klar darüber werden, daß sie im wesentlichen eine Kultur war der Erkenntnis, der Anschauung, des Handelns aus umfassenderen Kräften heraus, als es die irdischen Kräfte sind. Man kann sagen: Durch die hebräisch-jüdische Kultur ist eigentlich erst der Menschheit das moralische Element eingeimpft worden. Das moralische Element führte kein abgesondertes Dasein in der heidnischen Kultur. Dafür aber war diese alte heidnische Kultur so beschaffen, daß der Mensch sich als ein Glied des ganzen Kosmos fühlte. Das muß man ganz besonders ins Auge fassen. Der Mensch, der als Angehöriger der alten heidnischen Kultur auf der Erde stand, fühlte sich als ein Glied des ganzen Kosmos. Er fühlte, wie die Kräfte, die in dem Sternenlauf wirken, sich fortsetzen in seine eigenen Handlungen hinein, oder besser gesagt, in die Kräfte, die in seinen Handlungen wirken. Was später als Astrologie galt, was bis in unsere Zeiten noch als Astrologie gilt, das ist nur, ich möchte sagen, ein Abglanz, sogar ein sehr irreführender Abglanz dessen, was alte Weisheit war, die heruntergeholt wurde aus Sternenläufen und die zu gleicher Zeit die Vorschriften für das menschliche Handeln abgab. Man versteht diese alten Kulturen nur dann, wenn man vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft aus ein wenig Licht auf das wirft, was eigentlich im äußeren Sinne Menschheitsentwicklung im 4., 5. vorchristlichen Jahrtausend war. Wir sprechen selbstverständlich bald vom zweiten, bald vom ersten nachatlantischen Zeitraum, aber wir tun nicht gut, wenn wir uns das Menschendasein auf der Erde in diesem 5., 6., 7. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung auch gar zu sehr ähnlich vorstellen unserem jetzigen Menschendasein. Es ist durchaus richtig, daß die Menschen in diesen alten Jahrtausenden, insofern sie auf der Erde herumwandelten, eine Art instinktiven Seelenlebens hatten, eine Art von Seelenleben, das schon in gewisser Beziehung näherstand dem tierischen Seelenleben als dem heutigen menschlichen. Aber es ist nur sehr einseitigdas Menschenleben erfaßt, wenn man etwa sagt: Ja, wenn man in diese alten Zeiten zurückgeht, so waren die Menschen tierähnlicher. Was hier auf der Erde herumwandelte, das war gewiß in der Seelenverfassung tierähnlicher, aber diese Tierleiber der Menschen wurden gebraucht von den geistig-seelischen Wesenheiten, die sich dafür sehr als Angehörige der übersinnlichen, vor allem der kosmischen Welten fühlten. Und man kann sagen: Wenn man nur weit genug zurückgeht, etwa in das 5. vorchristliche Jahrtausend, so waren die Menschen so, daß sie tierische Leiber mehr als Instrumente benützten, denn daß sie sich in ihnen drinnenfühlten. Will man jene Menschen genau charakterisieren, so müßte man sagen: Wenn diese Menschen wach waren, so gingen sie allerdings wie die Tiere mit einem instinktiven Seelenleben herum, aber es schien hinein in dieses instinktive Seelenleben etwas wie Träume aus ihrem Schlafzustand, wie Wachträume. Und in diesen Wachträumen erkannten sie, wie sie heruntergestiegen waren, um die Tierleiber nur zu benützen. Dasjenige, was da wirklich innere menschliche Seelenverfassung war, das ging dann über als Kultusanschauung, als Kultushandlung in den Mithrasdienst, wo wir sehen, daß das Hauptsymbolum der Mithrasgott ist, der auf einem Stier reitet, oben der Sternenhimmel, dem er angehört, unten das Irdische, dem der Stier angehört. Dieses Symbolum ist eigentlich für diese alten Menschen kein Symbolum gewesen, sondern es ist die Anschauung der Wirklichkeit gewesen. Der Mensch fühlte etwa seine Seelenverfassung so, daß er sich sagte: Bin ich nachts außerhalb meines Leibes, so gehöre ich dem an, was die Kräfte des Kosmos, des Sternenhimmels sind, wache ich des Morgens auf, so bediene ich mich des tierischen Instinktes in einem tierischen Leibe.

[ 4 ] We can understand pagan culture if we realize that it was essentially a culture of knowledge, of insight, and of action drawn from forces more comprehensive than earthly ones. One could say that it was actually through Hebrew-Jewish culture that the moral element was first instilled in humanity. The moral element did not exist as a separate entity in pagan culture. Instead, this ancient pagan culture was such that human beings felt themselves to be a part of the entire cosmos. This is something we must bear in mind very particularly. The human being who lived on Earth as a member of the ancient pagan culture felt himself to be a part of the entire cosmos. He sensed how the forces at work in the movements of the stars extended into his own actions—or rather, into the forces at work within his actions. What later came to be regarded as astrology—and what is still regarded as astrology to this day—is, I would say, merely a reflection, indeed a very misleading reflection, of what was ancient wisdom, which was derived from the movements of the stars and which at the same time provided the guidelines for human action. One can understand these ancient cultures only by shedding a little light, from the perspective of spiritual science, on what human development in the 4th and 5th millennia B.C.E. actually was in the outer sense. Of course, we speak sometimes of the second and sometimes of the first post-Atlantean epoch, but we do ourselves a disservice if we imagine human existence on Earth in the 5th, 6th, and 7th millennia B.C.E. as being all too similar to our present-day human existence. It is certainly true that people in those ancient millennia, insofar as they walked the earth, had a kind of instinctive soul life—a kind of soul life that, in a certain respect, was closer to the animal soul life than to today’s human soul life. But one’s understanding of human life is very one-sided if one were to say, for example: “Yes, if we go back to those ancient times, people were more animal-like.” What walked here on Earth was certainly more animal-like in its soul constitution, but these animal bodies of human beings were used by spiritual-soul entities who felt themselves to be very much members of the supersensible, and above all, the cosmic worlds. And one can say: If one goes back far enough—say, to the 5th millennium B.C.—people were such that they used animal bodies more as instruments than as vessels in which they felt at home. If one were to characterize those people precisely, one would have to say: When these people were awake, they certainly went about like animals with an instinctive soul life, but something like dreams from their sleeping state—like waking dreams—seemed to enter into this instinctive soul life. And in these waking dreams they recognized how they had descended merely to use the animal bodies. That which was truly an inner human state of mind was then transformed into a cultic vision, a cultic act, in the Mithras cult, where we see that the principal symbol is the god Mithras riding a bull, with the starry sky above—to which he belongs—and the earthly realm below—to which the bull belongs. For these ancient people, this symbol was not actually a symbol at all, but rather a perception of reality. People perceived the state of their souls in such a way that they said to themselves: When I am outside my body at night, I belong to the forces of the cosmos, of the starry sky; when I wake up in the morning, I make use of animal instinct in an animal body.

[ 5 ] Dann kam, man möchte sagen, in einer gewissen Weise eine Zeit der Dämmerung über die menschheitliche Entwicklung. Es war ein etwas dumpferes, stumpfes Menschheitsleben, indem die kosmischen Träume mehr zurückgingen, in dem das instinktive Leben die Oberhand gewann. Bewahrt wurde dasjenige, was früher menschliche Seelenverfassung war, durch die Mysterien, hauptsächlich durch die asiatischen Mysterien. Aber die allgemeine Menschheit, insofern sie nicht erfaßt wurde durch die Mysterienweisheit, lebte ein mehr oder weniger dämmerhaftes, stumpfes Leben dahin im 4. bis zum Beginn des 3. Jahrtausends. Man kann sagen: Das allgemeine Leben war in dieser Zeit, im 4., im Beginn des 3. Jahrtausends vor dem Mysterium von Golgatha über die asiatische und die damals bekannte Welt hin ein dämmeriges Seelenleben, ein instinktives Seelenleben. Aber es waren die Mysterien da, in denen durch die wirksamen Zeremonien die geistigen Welten wirklich hereinwirkten. Und von da aus wurden dann die Menschen wiederum erleuchtet.

[ 5 ] Then, one might say, a period of twilight descended, in a certain sense, upon human development. It was a somewhat duller, more subdued phase of human life, in which cosmic dreams receded and instinctive life gained the upper hand. What had previously been the human state of mind was preserved through the mysteries, primarily the Asian mysteries. But humanity at large—insofar as it was not touched by the wisdom of the mysteries—lived a more or less twilight-like, dull existence from the 4th to the beginning of the 3rd millennium. One could say: During this period—the 4th and the beginning of the 3rd millennium—before the Mystery of Golgotha, life throughout the Asian world and the world known at that time was a twilight state of the soul, an instinctive state of the soul. But the Mysteries were there, in which the spiritual worlds truly worked their influence through the effective ceremonies. And from there, people were once again enlightened.

[ 6 ] Nun aber trug sich etwa im Beginn des 3. Jahrtausends etwas sehr Bedeutsames zu. Will man charakterisieren, woher dieses dämmerige, mehr instinktive Leben kam, so kann man sagen: Die geistig-seelische Wesenheit der Menschen konnte sich dazumal noch nicht der eigentlichen menschlichen Verstandesorgane bedienen. Diese Verstandesorgane waren schon da, sie waren ausgebildet in der physischen Wesenheit der Menschen, aber die seelisch-geistige Wesenheit konnte sich dieser Verstandesorgane nicht bedienen. So daß die Menschen noch nicht etwa durch ihr Denken, durch ihre Urteilskräfte irgend etwas an Erkenntnissen haben gewinnen können. Nur dasjenige haben sie gewinnen können, was ihnen aus den Mysterien heraus gegeben wurde.

[ 6 ] But then, around the beginning of the 3rd millennium, something very significant took place. If one were to describe the origin of this dim, more instinctive form of life, one could say: At that time, the spiritual-soul nature of human beings was not yet able to make use of the actual human organs of intellect. These organs of intellect were already present; they were developed within the physical nature of human beings, but the spiritual-soul nature was unable to make use of them. Consequently, human beings were not yet able to gain any knowledge through their thinking or their powers of judgment. They could gain only what was given to them through the mysteries.

[ 7 ] Da trug sich eben etwa im Beginn des 3. Jahrtausends im Osten Asiens drüben ein bedeutsames Ereignis zu. Es wuchs heran, ohne daß man es wehrte, ein Kind aus einer der damaligen asiatischen vornehmen Familien in der Umgebung der Zeremoniendienste der Mysterien. Die Umstände boten sich so, daß dieses Kind eben teilnehmen durfte an den Zeremonien, wohl dadurch, daß die leitenden Mysterienpriester es als eine Inspiration empfanden, daß sie solch ein Kind einmal teilnehmen lassen sollten. Und als der Mensch, der in diesem Kinde lebte, etwa vierzig Jahre alt geworden war, so ungefähr, da stellte sich etwas Merkwürdiges heraus. Da zeigte es sich —und es muß durchaus gesagt werden, daß die Mysterienpriester das Ereignis gewissermaßen prophetisch vorausgesehen haben —, daß dieser Mensch, den man heranwachsen ließ in einem der ostasiatischen Mysterien, gegen sein vierzigstes Jahr hin plötzlich den Sinn desjenigen, was früher nur durch Offenbarung in die Mysterien hereingekommen war, durch die menschliche Urteilskraft zu erfassen begann. Er war gewissermaßen der erste, der sich der Organe des menschlichen Verstandes, aber nur in Anlehnung an die Mysterien, bedienen durfte.

[ 7 ] It was around the beginning of the 3rd millennium that a significant event took place over in East Asia. Unhindered, a child from one of the distinguished Asian families of that time grew up in the milieu of the mystery rites. Circumstances were such that this child was permitted to participate in the ceremonies—likely because the leading Mystery priests felt inspired to allow such a child to take part one day. And when the human being living within this child had reached the age of about forty, something remarkable came to light. It became apparent—and it must certainly be said that the Mystery priests had, in a sense, prophetically foreseen this event—that this person, who had been raised within one of the East Asian Mysteries, suddenly began, around the age of forty, to grasp through human reasoning the meaning of what had previously entered the Mysteries only through revelation. He was, in a sense, the first to be permitted to make use of the faculties of the human intellect, though only in accordance with the Mysteries.

[ 8 ] Wenn wir das, was die Priester der Mysterien über diese Angelegenheit sagten, in unsere heutige Sprache übersetzen, dann müssen wir sagen: In diesem Menschen war nicht mehr, nicht weniger als Luzifer selbst inkarniert. — Und das ist eine wichtige, eine bedeutsame Tatsache, daß es im 3. vorchristlichen Jahrtausend im Osten von Asien wirklich eine fleischliche Inkarnation Luzifers gegeben hat. Und von dieser fleischlichen Inkarnation Luzifers — denn diese Persönlichkeit lehrte dann — ging dasjenige aus, was man eigentlich als die vorchristliche, heidnische Kultur bezeichnet, was noch in der Gnosis der ersten christlichen Jahrhunderte lebte. Man darf durchaus nicht etwa bloß ein abfälliges Urteil über diese Luziferkultur sprechen. Denn dasjenige, was das Griechentum an Schönheit, selbst an philosophischer Einsicht hervorgebracht hat, was lebt ebenso in der alten griechischen Philosophie, in den Tragödien noch des Äschylos, all das wäre nicht möglich gewesen ohne diese luziferische Inkarnation. Diese luziferische Inkarnation war, wie gesagt, auch noch im Süden von Europa, im Norden von Afrika, im Westen von Asien mächtig in den ersten christlichen Jahrhunderten. Und als das Mysterium von Golgatha sich zugetragen hatte auf der Erde, da war es im wesentlichen die luziferische Weisheit, durch die das Mysterium von Golgatha begriffen werden konnte. Dasjenige, was als Gnosis zum Begreifen des Mysteriums von Golgatha sich zunächst anschickte, das war durchaus befruchtet von luziferischer Weisheit. So daß wir zunächst zu betonen haben: Es gab im Beginn des 3. Jahrtausends eine chinesische Luzifer-Inkarnation. Es gab im Beginn unserer Zeitrechnung die Inkarnation des Christus. Und zunächst wurde sogar die Inkarnation des Christus begriffen dadurch, daß noch die Kraft der alten Luzifer-Inkarnation da war, die eigentlich erst für die menschliche Einsicht, für die menschliche Eigenkraft verschwand im 4. nachchristlichen Jahrhundert. Aber sie hatte immerhin noch ihre Nachwirkungen, ihre Nachzügler.

[ 8 ] If we translate what the priests of the mysteries said about this matter into our modern language, we must say: In this human being, none other than Lucifer himself was incarnated—no more, no less. — And this is an important, a significant fact: that in the third millennium B.C. in Eastern Asia, there truly was a physical incarnation of Lucifer. And from this physical incarnation of Lucifer—for this figure then taught—arose what is actually referred to as pre-Christian, pagan culture, which still lived on in the Gnosticism of the first Christian centuries. One must by no means pass merely a disparaging judgment on this Luciferic culture. For what Greek civilization produced in terms of beauty, and even philosophical insight—what still lives on in ancient Greek philosophy and in the tragedies of Aeschylus—none of that would have been possible without this Luciferic incarnation. This Luciferic incarnation, as I said, was still powerful in the first Christian centuries in southern Europe, northern Africa, and western Asia. And when the Mystery of Golgotha had taken place on Earth, it was essentially Luciferic wisdom through which the Mystery of Golgotha could be understood. What initially emerged as Gnosis for understanding the Mystery of Golgotha was thoroughly imbued with Luciferic wisdom. Thus, we must first emphasize: At the beginning of the third millennium, there was a Chinese Luciferic incarnation. At the beginning of our era, there was the incarnation of Christ. And at first, even the incarnation of Christ was understood through the fact that the power of the old Lucifer incarnation was still present—a power that did not actually disappear from human insight and human inner strength until the 4th century A.D. But it still had its aftereffects, its lingering influences.

[ 9 ] Nun wird zu diesen beiden Inkarnationen, der luziferischen in alten Zeiten und der Inkarnation des Christus, die den eigentlichen Sinn der Erdenentwicklung abgibt, eine dritte kommen in einer nicht allzufernen Zeit. Und die Ereignisse der Gegenwart bewegen sich im wesentlichen schon so, daß diese dritte Inkarnation vorbereitet wird. Wenn man auf die Inkarnation Luzifers im Beginn des 3. vorchristlichen Jahrtausends hinweist, so muß man sagen: Durch ihn hat der Mensch die Fähigkeit bekommen, sich der Organe seines Verstandes, seiner Urteilskraft zu bedienen. Luzifer selber war es in einem menschlichen Leibe, der zuerst durch Urteilskraft aufgefaßt hat dasjenige, was früher nur durch Offenbarung in den Menschen hat hereinkommen können: den Sinn der Mysterien. Was sich jetzt vorbereiten und ganz bestimmt auf der Erde eintreten wird in einer nicht allzufernen Zukunft, ist eine wirkliche Inkarnation Ahrimans.

[ 9 ] Now, in addition to these two incarnations—the Luciferic one in ancient times and the incarnation of Christ, which embodies the true purpose of Earth’s evolution—a third will come in the not-too-distant future. And current events are essentially already unfolding in such a way that this third incarnation is being prepared. When referring to the incarnation of Lucifer at the beginning of the third millennium B.C., one must say: Through him, human beings gained the ability to make use of the faculties of their intellect and their power of judgment. It was Lucifer himself, in a human body, who first grasped through his power of judgment that which previously could only enter into human beings through revelation: the meaning of the mysteries. What is now being prepared and will most certainly take place on Earth in the not-too-distant future is a true incarnation of Ahriman.

[ 10 ] Nun leben wir, wie Sie wissen, seit der Mitte des 15. Jahrhunderts in einem Zeitalter, in dem die Menschheit immer mehr und mehr zum Besitze der vollen Bewußtseinskraft kommen soll. Das muß gerade das Bedeutsame sein im Entgegengehen dieser Ahriman-Inkarnation, daß die Menschen mit vollem Bewußtsein diesem Ereignisse entgegengehen. Die Inkarnation des Luzifer ist gekommen eigentlich nur durchschaubar für die prophetische Kraft der Mysterienpriester. Sehr unbewußt trat auch für die Menschen dasjenige auf, was die Christus-Inkarnation durch das Ereignis von Golgatha war. Bewußt muß die Menschheit entgegenleben der Ahriman-Inkarnation unter den Erschütterungen, die auf dem physischen Plan eintreten werden. Unter den fortwährenden Kriegs- und anderen Nöten der nächsten Menschenzukunft wird der menschliche Geist gerade sehr erfinderisch werden auf dem Gebiete des physischen Lebens. Und durch dieses Erfinderischwerden auf dem Gebiete des physischen Lebens, das nicht in irgendeiner Weise abgewendet werden kann durch dieses oder jenes Verhalten — es wird eintreten wie eine Notwendigkeit —, durch dieses wird möglich werden eine solche menschliche leibliche Individualität, daß in ihr sich Ahriman wird verkörpern können.

[ 10 ] As you know, since the middle of the 15th century we have been living in an age in which humanity is meant to increasingly come into possession of the full power of consciousness. This must be precisely what is significant in facing this Ahriman incarnation: that human beings approach this event with full consciousness. The incarnation of Lucifer was, in fact, only discernible to the prophetic power of the mystery priests. What the Christ incarnation represented through the event at Golgotha also occurred very unconsciously for human beings. Humanity must consciously prepare for the Ahriman incarnation amidst the upheavals that will occur on the physical plane. Amid the ongoing wars and other hardships of humanity’s near future, the human spirit will become particularly inventive in the realm of physical life. And through this growing inventiveness in the realm of physical life—which cannot be averted in any way by this or that behavior; it will occur as a necessity—it will become possible for a human physical individuality to emerge in which Ahriman will be able to incarnate.

[ 11 ] Aber diese ahrimanische Macht bereitet von der geistigen Welt her ihre Inkarnation auf der Erde vor. Und sie sucht sie möglichst so vorzubereiten, daß sie — also diese Inkarnation des Ahriman in menschlicher Gestalt — die Menschen auf der Erde in stärkstem Maße wird verführen und versuchen können. Eine Aufgabe der Menschen für die nächste Zivilisationsentwicklung wird es sein, so voll bewußt der Ahrimaninkarnation entgegenzuleben, daß diese Ahrimaninkarnation der Menschheit gerade dient in bezug auf die Förderung einer höheren geistigen, einer spirituellen Entwicklung dadurch, daß man gewahr wird gerade an Ahriman, was der Mensch durch das bloße physische Leben erlangen oder, sagen wir, nicht erlangen kann. Aber bewußt müssen die Menschen entgegengehen dieser Ahrimaninkarnation und die Dinge so einrichten, daß sie immer bewußter und bewußter werden auf allen Gebieten, daß sie immer mehr und mehr sehen, welche Strömungen im Leben sich entgegenbewegen dieser Ahrimaninkarnation. Deuten müssen die Menschen lernen aus geistiger Wissenschaft heraus das Leben, so daß sie erkennen die Strömungen, die der Ahrimaninkarnation entgegengehen, daß sie sie beherrschen lernen. Sie müssen wissen, daß Ahriman unter den Menschen auf der Erde leben wird, aber daß die Menschen ihm entgegentreten werden und selber bestimmen werden, was sie von ihm lernen mögen, was sie von ihm aufnehmen mögen. Das werden sie jedoch nicht können, wenn sie nicht von jetzt ab in die Hand nehmen gewisse geistige Strömungen oder auch ungeistige Strömungen, die sonst Ahriman benützt, um die Menschen möglichst im Unbewußten zu lassen über sein Kommen, so daß er einstmals auf der Erde würde erscheinen können und gewissermaßen die Menschen überfallen, versuchen, verführen, so daß sie die Erdenentwicklung verleugnen, daß die Erdenentwicklung nicht an ihr Ziel kommt. Gewisse geistige und ungeistige Strömungen muß man ihrem Wesen nach kennenlernen, wenn man den ganzen Vorgang, von dem ich sprach, eben verstehen will.

[ 11 ] But this Ahrimanic power is preparing its incarnation on Earth from the spiritual world. And it seeks to prepare it in such a way that—that is, this incarnation of Ahriman in human form—it will be able to seduce and tempt the people on Earth to the greatest possible extent. One task for humanity in the next phase of civilization’s development will be to live so fully and consciously toward the Ahrimanic incarnation that this incarnation will actually serve humanity in promoting a higher spiritual development—by making people aware, through Ahriman, of precisely what human beings can or, shall we say, cannot attain through mere physical life. But human beings must consciously meet this Ahriman incarnation head-on and arrange matters in such a way that they become ever more conscious in all areas, so that they see more and more clearly which currents in life are moving in opposition to this Ahriman incarnation. People must learn to interpret life from the perspective of spiritual science, so that they may recognize the currents that run counter to the Ahriman incarnation and learn to master them. They must know that Ahriman will live among people on Earth, but that people will stand up to him and determine for themselves what they may learn from him and what they may take in from him. However, they will not be able to do this unless, from now on, they take control of certain spiritual currents—or even non-spiritual currents—that Ahriman would otherwise use to keep people as unaware as possible of his coming, so that he might one day appear on Earth and, as it were, take people by surprise, attempting to seduce them so that they deny the development of the Earth and prevent it from reaching its goal. One must come to know the nature of certain spiritual and non-spiritual currents if one is to understand the entire process of which I have spoken.

[ 12 ] Sehen Sie denn nicht in der Gegenwart die Zahl der Menschen immer größer werden, die eigentlich nichts wissen will von einer Wissenschaft des Geistigen, von einer Erkenntnis des Geistigen? Sehen Sie denn nicht, wie zahlreich die Menschen werden, für die die alten religiösen Kräfte keine innere Impulsivität mehr haben? Die in die Kirche gehen oder nicht, darauf kommt es bei vielen Menschen der Gegenwart schon gar nicht mehr an. Aber die alten religiösen Wirkenskräfte haben für sie keine innerliche Bedeutung mehr. Sie entschließen sich aber auch nicht, dasjenige, was als neues Geistesleben hereinströmen kann in unsere Kultur, irgendwie zu berücksichtigen. Sie wehren sich dagegen, sie lehnen es ab, sie betrachten es als eine Torheit, als etwas ihnen Unbequemes, sie lassen sich nicht darauf ein. Aber, sehen Sie, der Mensch ist so, wie er auf der Erde lebt, eine wirkliche Einheit. Man kann nicht sein Geistiges von seinem Physischen trennen. Beides wirkt als eine Einheit zusammen zwischen Geburt und Tod. Und wenn der Mensch durch seine seelischen Fähigkeiten kein Geistiges aufnimmt, so ist das Geistige trotzdem da. Seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts umfließt uns ja das Geistige. Es fließt in die Erdenentwicklung herein. Und man kann sagen: Das Geistige ist da, die Menschen wollen es nur nicht aufnehmen.

[ 12 ] Don’t you see that, in the present day, the number of people who actually want nothing to do with a science of the spiritual, with an understanding of the spiritual, is growing ever larger? Do you not see how numerous the people are becoming for whom the old religious forces no longer hold any inner appeal? Whether they go to church or not is no longer at all important to many people today. But the old religious forces no longer hold any inner significance for them. Nor, however, do they resolve to take into account in any way that which can flow into our culture as a new spiritual life. They resist it, they reject it, they regard it as folly, as something that makes them uncomfortable; they do not engage with it. But, you see, human beings, as they live on Earth, are a true unity. One cannot separate one’s spiritual from one’s physical. Both work together as a unity between birth and death. And even if a person does not take in the spiritual through their soul’s faculties, the spiritual is there nonetheless. Since the last third of the 19th century, the spiritual has indeed been flowing around us. It is flowing into the development of the Earth. And one can say: The spiritual is there; people simply do not want to take it in.

[ 13 ] Aber wenn die Menschen auch nicht das Geistige aufnehmen, da ist es doch! Da ist es! Was wird denn aus diesem Geistigen? So paradox es erscheint — denn manches, was wahr ist und sehr wahr ist, erscheint den heutigen Menschen paradox —: Essen und trinken tun die Menschen, vielleicht diejenigen am allerliebsten, die das Spirituelle ablehnen. Bei solchen Menschen, die das Spirituelle ablehnen, dennoch aber essen und trinken, fließt das Geistige, ihnen unbewußt, in den Essens- und Verdauungsprozeß hinein. Das ist das Geheimnis jenes Weges in den Materialismus hinein, der etwa 1840 begonnen hat in seiner Stärke, oder sich vielmehr vorbereitet hat. Diejenigen Menschen, die Geistiges nicht aufnehmen durch ihre Seele, die nehmen heute doch Geistiges auf; indem sie essen und trinken, essen und trinken sie den Geist. Sie sind Seelen- und Geistesesser. Und auf diesem Wege geht der Geist, der hereinströmt in die Erdenentwicklung, in das luziferische Element hinein, wird Luzifer mitgeteilt. Die luziferische Kraft, die dann der ahrimanischen Kraft für ihre spätere Inkarnation helfen kann, wird dadurch immer stärker und stärker. Das wird schon eine Erkenntnis der Menschen werden müssen, derjenigen Menschen, die sich darauf einlassen, daß die Menschen der Zukunft entweder bewußt Geist-Erkenntnis aufnehmen werden oder unbewußt den Geist verzehren und ihn dadurch den Luzifermächten überliefern werden. Diese Strömung des Geist- und Seelenessens, die fördert Ahriman ganz besonders, weil er dadurch die Menschen immer mehr und mehr einlullen kann, so daß er dann durch seine Inkarnation unter die Menschen treten, sie überfallen kann, so daß sie ihm nicht bewußt entgegentreten.

[ 13 ] But even if people do not take in the spiritual, it is still there! It is still there! What then becomes of this spiritual? As paradoxical as it may seem—for many things that are true, and very true, seem paradoxical to people today—people eat and drink, perhaps most of all those who reject the spiritual. In such people—who reject the spiritual yet still eat and drink—the spiritual flows, unbeknownst to them, into the process of eating and digestion. This is the secret of that path into materialism, which began in earnest around 1840—or rather, was already in the making. Those people who do not take in the spiritual through their souls are, nevertheless, taking in the spiritual today; by eating and drinking, they are eating and drinking the spirit. They are eaters of soul and spirit. And in this way, the spirit that flows into the development of the Earth enters the Luciferic element and is communicated to Lucifer. The Luciferic force, which can then assist the Ahrimanic force in its later incarnation, grows ever stronger and stronger as a result. This will have to become a realization for people—for those who are open to the idea that the people of the future will either consciously absorb spiritual knowledge or unconsciously consume the spirit and thereby surrender it to the Luciferic powers. Ahriman particularly encourages this trend of spiritual and soul consumption because it allows him to lull people more and more into complacency, so that he can then, through his incarnation, enter among them and take them by surprise, preventing them from consciously resisting him.

[ 14 ] Aber auch direkt kann Ahriman seiner Inkarnation vorarbeiten und tut es. Die heutigen Menschen führen auch gewiß ein Geistesleben, aber ein rein intellektuelles, das nicht auf die geistige Welt sich bezieht. Immer mehr und mehr verbreitet sich unter den Menschen dieses bloß intellektuelle Leben, welches zuerst namentlich in den Wissenschaften Platz ergriffen hat, jetzt aber auch im sozialen Leben zu allen möglichen sozialen Exzessen führt. Welcher Art ist denn dieses intellektuelle Leben? Dieses intellektuelle Leben ist so wenig mit den wirklichen Interessen der Menschen verknüpft. Ich frage Sie: Wie viele lehrende Menschen sehen Sie heute in hohe und niedrige Lehranstalten hinein- und herausgehen, die eigentlich nicht aus innerem Enthusiasmus ihrer Wissenschaft dienen, sondern aus einem äußeren Berufe? Da ist nicht das unmittelbare Interesse der Seele verbunden mit dem, was getrieben wird. Es geht selbst bis in die Lernzeit herunter. Denken Sie, wieviel gelernt wird auf den verschiedensten Stufen des Lebens, ohne daß ein wirklicher Enthusiasmus, ein wirkliches Interesse bei diesem Lernen ist, wie äußerlich das intellektuelle Leben für viele Menschen wird, die sich ihm hingeben. Und wie viele Menschen müssen heute allerlei Geistiges produzieren, das dann in Bibliotheken konserviert wird, das nicht lebendig ist als geistiges Leben. All dies, was als intellektualistisches Geistesleben sich entwickelt, ohne daß menschliche Seelenwärme es durchglüht, ohne daß menschlicher Enthusiasmus dabei ist, fördert unmittelbar die Inkarnation Ahrimans in seinem eigenen Sinne. Das lullt die Menschen in der Weise ein, wie ich es charakterisiert habe, so daß es für Ahriman sehr günstig werden kann.

[ 14 ] But Ahriman can also prepare the way for his incarnation directly—and he does. People today certainly lead a spiritual life, but it is a purely intellectual one that has no connection to the spiritual world. This purely intellectual life is spreading more and more among people; it first took hold particularly in the sciences, but is now also leading to all manner of social excesses in social life. What, then, is the nature of this intellectual life? This intellectual life is so little connected to people’s real interests. I ask you: How many teachers do you see today entering and leaving educational institutions, both high and low, who do not actually serve their discipline out of inner enthusiasm, but rather out of an external profession? There is no direct interest of the soul connected to what is being pursued. This even extends down to the time spent learning. Consider how much is learned at the various stages of life without any real enthusiasm or genuine interest in that learning, and how external intellectual life has become for many people who devote themselves to it. And how many people today are compelled to produce all manner of intellectual material that is then preserved in libraries, material that is not alive as spiritual life. All of this—what develops as an intellectualistic spiritual life without being infused with human warmth, without human enthusiasm—directly promotes the incarnation of Ahriman in his own sense. This lulls people into complacency in the way I have described, so that it can become very favorable for Ahriman.

[ 15 ] Daneben gibt es zahlreiche andere Strömungen im geistigen oder ungeistigen Leben, die Ahriman benützen kann, wenn sie die Menschen nicht in richtigem Sinne benützen. Sie haben in der letzten Zeit durch die Welt gehen hören, tönen hören — hören es noch immer —, daß aufgerichtet werden müßten nationale Staaten, nationale Reiche. Von «Freiheit der einzelnen Völker» hört man viel. Nun, die Zeit, in der nach den Bluts- und Stammeszusammenhängen Reiche gegründet werden sollen, die ist in der Menschheitsentwicklung vorüber. Und wenn heute appelliert wird an Volks-, Stammes- und dergleichen Zusammenhänge, an Zusammenhänge, die nicht aus dem Intellekt oder aus dem Geist entspringen, dann wird Disharmonie unter der Menschheit gefördert. Und diese Disharmonie unter der Menschheit ist es dann, die ganz besonders die ahrimanische Macht benützen kann. Volkschauvinismen, allerlei verkehrte Patriotismen, die werden das Material sein, aus dem sich Ahriman das zurechtzimmert, was er gerade haben muß.

[ 15 ] In addition, there are numerous other currents in spiritual and non-spiritual life that Ahriman can exploit if people do not make proper use of them. You have heard them resound throughout the world in recent times—and you still hear them—that national states and national empires must be established. One hears a great deal about the “freedom of individual peoples.” Well, the era in which empires were to be founded on the basis of blood ties and tribal affiliations has passed in the development of humanity. And when appeals are made today to national, tribal, and similar ties—ties that do not spring from the intellect or the spirit—then disharmony among humanity is fostered. And it is precisely this disharmony among humanity that the Ahrimanic power can exploit. National chauvinism and all manner of perverted patriotism will be the material from which Ahriman crafts whatever he happens to need at the moment.

[ 16 ] Dann tritt aber noch etwas anderes hinzu. Wir sehen heute überall für dies oder jenes Parteien auftreten. Nun, in bezug auf diese Parteimeinungen und Parteiprogramme sehen die Menschen durchaus heute nicht klar und wollen nicht klarsehen. Man kann heute mit einem großen menschlichen Scharfsinn das Allerradikalste beweisen. Leninismus läßt sich sehr scharfsinnig beweisen, aber auch sein Gegenteil, und alles, was dazwischen liegt. Sie können heute jede menschliche Programmeinung streng beweisen. Nur hat derjenige, der die entgegengesetzte Programmeinung beweist, ebenso stark recht. Dasjenige, was intellektualistischer Geist ist, wie er heute unter den Menschen herrscht, das reicht keineswegs aus, um irgend etwas in seiner inneren Lebensfähigkeit, in seinem inneren Lebenswert zu zeigen. Es beweist. Aber was bewiesen ist, das sollten wir durchaus noch nicht für etwas Lebenswertes, Lebenskräftiges halten. Daher stehen sich heute die Menschen, einander bekämpfend, in Parteien gegenüber, weil sich jede Parteimeinung mit demselben Rechte oder wenigstens die wesentlichsten Parteimeinungen mit dem gleichen Rechte beweisen lassen. Dasjenige, was unser Intellekt ist, bleibt an der oberen Schicht des Verstehens der Dinge, dringt nicht in diejenige Schicht hinunter, wo die Wahrheit wirklich liegt. Das müßte auch nur tief und gründlich genug eingesehen werden. Die Menschen lieben es heute, gerade mit ihrem Verstande an der Oberfläche zu bleiben und nicht durch tiefere Geisteskräfte in weitere, dem Wesen der Dinge entsprechende Schichten des Seins vorzudringen. Obwohl man sich nur im äußeren Leben ein wenig umzusehen brauchte — schon das alleralleräußerste Leben zeigt oftmals, wie man durch das, was die Menschen heute lieben, getäuscht werden kann. Die Menschen lieben heute in der Wissenschaft die Zahl, sie lieben aber auch im sozialen Leben die Zahl. Sehen Sie einmal die sozialistische Wissenschaft an: sie besteht fast aus lauter Statistiken. Und aus Statistiken, das heißt aus Zahlen, werden die wichtigsten Dinge geschlossen, erschlossen. Nun, auch mit Zahlen läßt sich alles beweisen und alles glauben. Denn die Zahl ist nicht ein Mittel, etwas zu beweisen, sondern die Zahl ist gerade ein Mittel, die Menschen zu täuschen. Sobald man nicht von den Zahlen auf das Qualitative sieht, über die Zahl hinwegsieht und auf das Qualitative sieht, kann man durch die Zahl am meisten getäuscht werden.

[ 16 ] But there is something else to consider as well. Today we see parties springing up everywhere for one cause or another. Well, when it comes to these party views and party platforms, people today certainly do not see things clearly—and do not want to see them clearly. With great human acumen, one can prove even the most radical of positions today. Leninism can be proven with great acumen, but so can its opposite, and everything in between. Today, one can rigorously prove any political position. Yet the person who proves the opposing position is just as right. The intellectualist mindset that prevails among people today is by no means sufficient to demonstrate anything in terms of its inner vitality or intrinsic value. It proves. But what has been proven should by no means yet be regarded as something worthy of life or full of life. That is why people today stand opposed to one another in political parties, fighting each other, because every party position—or at least the most essential party positions—can be proven with equal validity. Our intellect remains on the surface level of understanding things; it does not penetrate to the layer where truth truly lies. This need only be recognized deeply and thoroughly enough. People today love to remain on the surface with their intellect and not to penetrate, through deeper spiritual powers, into further layers of being that correspond to the essence of things. Although one need only look around a little in external life—even the very, very outermost aspects of life often show how one can be deceived by what people love today. People today love numbers in science, but they also love numbers in social life. Just look at socialist science: it consists almost entirely of statistics. And from statistics—that is, from numbers—conclusions are drawn about the most important matters. Well, even with numbers, one can prove anything and believe anything. For the number is not a means of proving something; rather, the number is precisely a means of deceiving people. As soon as one fails to look beyond the numbers to the qualitative—to look past the numbers and focus on the qualitative—one can be most easily deceived by the numbers.

[ 17 ] Ein naheliegendes Beispiel ist dieses. Viel wird zum Beispiel oder wurde wenigstens über die Nationalität der Mazedonier gestritten. Vieles im politischen Leben der Balkanhalbinsel hing ab von den Statistiken, die da gemacht wurden. Nur hat man da die Zahlen, die so viel wert sind wie die Zahlen anderer Statistiken. Ob man also nun eine Weizen- und Roggenstatistik macht, oder ob man eine Statistik macht, wie viele Menschen griechischer, serbischer, bulgarischer Nationalität in Mazedonien leben: in bezug auf dasjenige, was die Statistik beweisen kann, ist das ja alles das gleiche. Da findet man eben die Zahlen, die für die Griechen, die Zahlen, die für die Bulgaren, für die Serben angeführt werden, und man kann aus diesen Zahlen die schönsten Schlüsse ziehen. Aber man kann auch nachsehen in das Qualitative hinein. Da zeigt sich, daß zum Beispiel oftmals angeführt sind: der Vater als Grieche, ein Sohn als Bulgare, ein Sohn als Serbe. Wie das zugeht, das mögen Sie sich selber ausmalen. Aber diese Statistik, die wird dann zu Rate gezogen, während die Statistik in diesem Falle nur etwas ist, was zur Begründung der Parteizwecke aufgestellt ist. Denn selbstverständlich, wenn der Vater wirklich ein Grieche ist, so sind die beiden Söhne auch Griechen. Aber das ist nur ein Beispiel für vieles, was da gemacht wird, und was unter Menschen überhaupt gemacht wird mit Zahlen. Zahlen sind dasjenige, wodurch Ahriman am meisten erreichen kann, wenn die Zahlen als Beweismittel angeführt, als Beweismittel angesehen werden.

[ 17 ] Here is an obvious example. There has been—or at least there used to be—a great deal of debate, for instance, about the nationality of Macedonians. Much of political life on the Balkan Peninsula depended on the statistics compiled there. But the figures there are worth just as much as those in any other set of statistics. So whether one compiles statistics on wheat and rye, or whether one compiles statistics on how many people of Greek, Serbian, or Bulgarian nationality live in Macedonia—in terms of what the statistics can prove, it’s all the same. You’ll find the figures cited for the Greeks, the figures cited for the Bulgarians, and the figures cited for the Serbs, and you can draw the most favorable conclusions from these figures. But you can also look into the qualitative aspects. There you’ll see that, for example, the following is often cited: the father is Greek, one son is Bulgarian, and another son is Serbian. You can imagine for yourself how that works. But these statistics are then consulted, even though in this case they are merely something fabricated to justify the party’s agenda. For of course, if the father is truly Greek, then the two sons are also Greek. But this is just one example of the many things that are done there—and of what people do with numbers in general. Numbers are the means through which Ahriman can achieve the most when they are cited as evidence and regarded as proof.

[ 18 ] Ein weiteres Mittel, dessen Ahriman sich bedienen kann, ist eines, das wiederum, wenn man es ausspricht, wahrscheinlich nicht gleich als ein solches angesehen wird, dessen Charakteristik vielmehr paradox klingen wird. Sie wissen, wir haben versucht, innerhalb unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung die Evangelien geisteswissenschaftlich zu vertiefen. Aber diese Vertiefung der Evangelien in unserer Zeit, die notwendiger und immer notwendiger wird, wird ebenso abgelehnt von zahlreichen Menschen, wie die Geisteswissenschaft überhaupt abgelehnt wird. Die Menschen, die auf diesem Gebiete oftmals glauben — wenigstens sie betonen es — bescheiden zu sein, sind eigentlich die hochmütigsten. Immer mehr muß man es hören, daß die Leute sagen, man solle sich vertiefen in die einfache Schlichtheit des Evangeliums und solle nicht auf den komplizierten Wegen der Geisteswissenschaft zum Beispiel das Mysterium von Golgatha suchen. Die Menschen, die vorgeben, schlicht zu suchen in den Evangelien, sind gerade die hochmütigsten, denn sie verachten in ihrem Hochmut das ehrliche und aufrichtige Suchen durch geisteswissenschaftliche Erkenntnisse. Sie sind so hochmütig, daß sie glauben, ohne irgendwie sich anzustrengen, nur indem sie naiv sich in die Evangelien vertiefen, die höchsten Erkenntnisse der geistigen Welt einheimsen zu können. Was sich heute oftmals als bescheiden, als schlicht aufspielt, ist gerade das Allerhochmütigste. In den Sekten, in den Konfessionen leben die hochmütigsten Menschen.

[ 18 ] Another means that Ahriman can employ is one that, when spoken of, is unlikely to be immediately recognized as such; rather, its nature will sound paradoxical. As you know, within our spiritual science movement, we have sought to delve deeper into the Gospels from a spiritual scientific perspective. But this deeper exploration of the Gospels in our time—which is becoming more and more necessary—is rejected by just as many people as spiritual science is rejected in general. The people who often believe themselves to be modest in this area—or at least emphasize that they are—are actually the most arrogant. More and more one hears people say that one should immerse oneself in the simple plainness of the Gospel and should not seek, for example, the Mystery of Golgotha along the complicated paths of spiritual science. The people who pretend to seek simply in the Gospels are precisely the most arrogant, for in their arrogance they despise the honest and sincere search through spiritual scientific insights. They are so arrogant that they believe they can reap the highest insights of the spiritual world without making any effort whatsoever, merely by naively immersing themselves in the Gospels. What often presents itself today as modest or simple is, in fact, the very height of arrogance. The most arrogant people live in the sects and denominations.

[ 19 ] Sehen Sie, die Evangelien sind ja in einer Zeit entstanden, als die luziferische Weisheit noch da war. In den ersten Jahrhunderten der christlichen Entwicklung hat man die Evangelien ganz anders verstanden als später. Heute geben die Leute, die sich nicht geisteswissenschaftlich vertiefen können, bloß vor, die Evangelien zu verstehen. In Wirklichkeit haben sie nicht einmal mehr den ursprünglichen Sinn der Worte. Denn dasjenige, was in die verschiedenen Sprachen übersetzt ist, sind eben nicht in Wahrheit die Evangelien, sondern es ist etwas, was gar nicht mehr im Grunde erinnert an den ursprünglichen Sinn der Worte, in denen die Evangelien abgefaßt waren. Heute kann man zur wirklichen Erkenntnis dessen, was als Christus-Wesen in die Erdenentwicklung eingegriffen hat, nur auf geisteswissenschaftlichem Wege kommen. Wer sich heute in die Evangelien nur «schlicht», wie oftmals gesagt wird, vertiefen möchte oder es tut, der kommt nicht zu einem innerlichen Ergreifen der wirklichen Christus-Wesenheit, sondern lediglich zu einer Illusion oder, alleräußerst, zu einer Vision oder Halluzination dieser Christus-Wesenheit. Ein wirklicher Zusammenhang mit dem Christlichen ist heute nicht mehr durch das bloße Lesen der Evangelien zu erlangen, sondern nur eine Art von verfeinerter Halluzination des Christus. Daher ist die theologische Anschauung so weit verbreitet, daß in dem Manne Jesus von Nazareth gar nicht der Christus enthalten war, sondern daß dieser eben auch nur eine historische Persönlichkeit, wie Sokrates oder wie Plato oder dergleichen war, nur vielleicht eine etwas höhere. «Der schlichte Mann aus Nazareth», er ist ein Ideal sogar der Theologen. Und mit so etwas wie der Erscheinung vor Damaskus für Paulus wissen natürlich die wenigsten heutigen Theologen mehr etwas anzufangen, weil aus den Evangelien heraus ohne geisteswissenschaftliche Vertiefung es nur zu einer Halluzination des Christus kommen kann, nicht zu der Anschauung des wirklichen Christus. Deshalb wird auch dasjenige, was dem Paulus vor Damaskus erschienen ist, nur als eine Halluzination aufgefaßt.

[ 19 ] You see, the Gospels were written at a time when Luciferic wisdom was still present. In the first centuries of Christian development, the Gospels were understood quite differently than they were later. Today, people who are unable to delve deeply into spiritual science merely pretend to understand the Gospels. In reality, they no longer even grasp the original meaning of the words. For what has been translated into the various languages is not, in truth, the Gospels themselves, but rather something that, at its core, bears no resemblance whatsoever to the original meaning of the words in which the Gospels were composed. Today, one can only arrive at a true understanding of what intervened in Earth’s evolution as the Christ-being through the path of spiritual science. Anyone who today wishes to immerse themselves in the Gospels merely “simply,” as is often said, or who does so, will not arrive at an inner grasp of the true Christ-essence, but merely at an illusion or, at most, a vision or hallucination of this Christ-essence. A genuine connection with Christianity can no longer be attained today simply by reading the Gospels; rather, one experiences only a kind of refined hallucination of the Christ. Hence, the theological view is so widespread that the man Jesus of Nazareth did not contain the Christ at all, but that he was merely a historical figure, like Socrates or Plato or the like—perhaps just a somewhat more exalted one. “The simple man from Nazareth”—he is an ideal even for theologians. And, of course, very few theologians today know what to make of something like Paul’s vision on the road to Damascus, because without a deeper study of the humanities, the Gospels can lead only to a hallucination of Christ, not to a vision of the real Christ. That is why what appeared to Paul on the road to Damascus is also understood merely as a hallucination.

[ 20 ] Es ist notwendig, daß die Evangelien heute nach Maßgabe der Geisteswissenschaft vertieft werden. Denn die Dumpfheit, welche diejenigen Menschen ergreift, die nur innerhalb der Konfessionen leben wollen, die wird gerade Ahriman am allermeisten benützen, um zu seinem Ziel zu kommen: die Menschen zu überfallen mit seiner Inkarnation. Und diejenigen, die glauben, am christlichsten zu sein, indem sie eine Fortentwicklung der Anschauung über das Christus-Mysterium ablehnen, sind in ihrem Hochmut gerade die, welche am allermeisten die Zwecke Ahrimans fördern. Die Konfessionen sind geradezu Förderungsgebiete, Förderungsböden für das ahrimanische Wesen. Es nützt nichts, sich über diese Dinge Irgendwie durch Illusionen heute hinwegzusetzen. Geradeso wie die materialistische Gesinnung, die alles Geistige abweist und den Menschen nur zu dem machen will, was er ißt und trinkt, gerade so wie diese materialistische Gesinnung die Zwecke Ahrimans fördert, so fördert die Zwecke Ahrimans — in seinem Sinne, nicht im Menschheitssinne — das starre Ablehnen alles Geistigen und das Bleiben bei dem wortwörtlichen, wie man oftmals sagt, schlichten Auffassen der Evangelien.

[ 20 ] It is necessary today to study the Gospels in greater depth in light of spiritual science. For the dullness that seizes those who wish to live solely within the confines of their denominations is precisely what Ahriman will exploit most of all to achieve his goal: to overwhelm humanity with his incarnation. And those who believe they are being most Christian by rejecting a further development of the understanding of the Christ Mystery are, in their arrogance, precisely the ones who most of all further Ahriman’s purposes. The denominations are veritable breeding grounds, fertile soil for the Ahrimanic being. It does no good to try to brush these things aside today through illusions of any kind. Just as the materialistic mindset, which rejects everything spiritual and seeks to reduce human beings to nothing more than what they eat and drink, promotes Ahriman’s purposes, so too does the rigid rejection of all that is spiritual and the adherence to what is often called the “literal,” “simple” interpretation of the Gospels promote the purposes of Ahriman—in his sense, not in the sense of humanity.

[ 21 ] Sehen Sie, es ist ein Damm aufgerichtet worden, damit die einzelnen Evangelien nicht allzusehr den Menschen einengen, dadurch, daß das Ereignis von Golgatha von vier Seiten beschrieben ist in den Evangelien, die sich — wenigstens scheinbar — widersprechen. So daß die Menschen bewahrt werden vor einer zu wörtlichen Auffassung, wenn sie nur ein klein wenig nachdenken. In denjenigen Sekten aber, die ein Evangelium nur zugrunde legen — solche gibt es auch, und zwar zahlreiche —, macht sich geltend das Verführerische, das Dumpfmachende, das Halluzinatorische, das hervorgerufen wird durch die bloße Vertiefung in die Evangelien. Die Evangelien mußten in ihrer Zeit als Gegengewicht gegen die luziferische Gnosis gegeben werden. Aber werden sie so genommen, wie sie dazumal gegeben worden sind, so dienen sie nicht dem Menschheitsfortschritt, sondern sie dienen dem Zwecke Ahrimans. Irgend etwas ist nicht bloß im absoluten Sinne gut durch sich selbst, sondern immer ist es gut oder schlimm, je nachdem die Menschen es gebrauchen. Das Beste kann am schlimmsten sein, wenn die Menschen es nicht im richtigen Sinne gebrauchen. Wenn die Evangelien ein Höchstes sind, so können sie gerade am schlimmsten wirken, wenn die Menschen zu bequem sind, um zu einer wirklichen geisteswissenschaftlichen Interpretation dieser Evangelien vorzudringen.

[ 21 ] You see, a barrier has been erected so that the individual Gospels do not constrain people too much, since the events at Golgotha are described from four different perspectives in the Gospels, which—at least on the surface—seem to contradict one another. This is so that people may be protected from an overly literal interpretation if they reflect even a little. But in those sects that base themselves on only one Gospel—and there are many such sects—the seductive, the numbing, and the hallucinatory effects brought about by mere immersion in the Gospels come to the fore. The Gospels had to be given in their time as a counterweight to Luciferic gnosis. But if they are taken as they were given back then, they do not serve the progress of humanity; rather, they serve the purposes of Ahriman. Nothing is good in and of itself in an absolute sense; rather, it is always good or bad, depending on how people use it. The best can be the worst if people do not use it in the right way. If the Gospels are the highest truth, they can have the worst possible effect precisely when people are too complacent to venture into a genuine spiritual-scientific interpretation of these Gospels.

[ 22 ] So ist vieles in den geistigen und ungeistigen Strömungen der Gegenwart, das nötig machen würde, daß die Menschen es genau ansehen und ihr Verhalten, namentlich das Verhalten ihrer Seele, entsprechend einrichten. Ob die Menschen so etwas durchschauen wollen, davon wird es abhängen, wie die Inkarnation des Ahriman die Menschen trifft, ob diese Inkarnation des Ahriman die Menschen dazu bringt, das Erdenziel ganz zu verlieren, oder ob diese Inkarnation Ahrimans die Menschen dazu bringt, gerade die ganz eingeschränkte Bedeutung des intellektuellen Lebens, des unspirituellen Lebens zu erkennen. Wenn die Menschen im richtigen Sinne, ich möchte sagen, dasjenige in die Hand nehmen, was ich Ihnen jetzt als zu Ahriman hinführende Strömungen charakterisiert habe, dann werden sie, einfach durch die Inkarnation des Ahriman im irdischen Leben, klar erkennen, was ahrimanisch auf der einen Seite ist und dadurch auch den polarischen Gegensatz, das Luziferische erkennen. Und dann werden die Menschen in die Lage kommen, gerade aus dem Gegensatz von Ahrimanischem und Luziferischem das zusammenfassende Dritte ins Seelenauge zu fassen. Bewußt müssen sich die Menschen durchringen zu dieser Trinität des Christlichen, des Ahrimanischen, des Luziferischen. Denn ohne dieses Bewußtsein werden die Menschen der Zukunft nicht so entgegenleben können, daß sie das Erdenziel wirklich erreichen.

[ 22 ] Thus, there is much in the spiritual and non-spiritual currents of the present day that would require people to examine it closely and adjust their behavior—particularly the behavior of their souls—accordingly. Whether people are willing to see through such things will determine how the incarnation of Ahriman affects them—whether this incarnation of Ahriman causes people to lose sight of the Earth’s purpose entirely, or whether it leads them to recognize precisely the very limited significance of intellectual life, of non-spiritual life. If people, in the proper sense—I would say—take hold of what I have now characterized as the currents leading toward Ahriman, then they will, simply through the incarnation of Ahriman in earthly life, clearly recognize what is Ahrimanic on the one hand and, through this, also recognize the polar opposite, the Luciferic. And then people will be able to grasp, in the eye of the soul, the unifying third element arising precisely from the contrast between the Ahrimanic and the Luciferic. People must consciously bring themselves to embrace this trinity of the Christian, the Ahrimanic, and the Luciferic. For without this consciousness, the people of the future will not be able to live in such a way as to truly attain the goal of the Earth.

[ 23 ] Sehen Sie, die Dinge, die mit der Geisteswissenschaft zusammenhängen, sind wahrhaftig nur richtig zu verstehen, wenn man sie mit völligem Ernst nimmt. Denn Geisteswissenschaft ist ja nicht irgend etwas, was aus der Schrulle irgendeines sektiererischen Geistes heute unter die Menschheit treten will, sondern Geisteswissenschaft ist wahrhaftig etwas, was abgelesen wird von den Notwendigkeiten der Menschheitsentwicklung. Wer diese Notwendigkeiten der Menschheitsentwicklung einsieht, der kann nicht Geisteswissenschaft treiben, oder auch nicht treiben, sondern der muß sich sagen: Es muß alles physische und geistige Leben der Menschen durchglänzt und durchzogen werden von geisteswissenschaftlicher Auffassung.

[ 23 ] You see, the things related to spiritual science can truly be understood correctly only if one takes them with complete seriousness. For spiritual science is not just some whim of a sectarian mind seeking to impose itself on humanity today; rather, spiritual science is truly something that is derived from the necessities of human development. Anyone who recognizes these necessities of human development cannot simply choose to practice spiritual science—or not to practice it—but must say to themselves: All physical and spiritual life of human beings must be permeated and infused by a spiritual-scientific perspective.

[ 24 ] Geradeso also, wie es einstmals im Osten eine luziferische Inkarnation gab, dann, man möchte sagen, in der Mitte der Weltentwicklung die Christus-Inkarnation, so wird im Westen stattfinden eine ahrimanische Inkarnation. Diese ahrimanische Inkarnation soll nicht etwa vermieden werden. Kommen muß sie, denn die Menschen müssen Ahriman, wenn ich so sagen will, Auge in Auge gegenübertreten. Er wird diejenige Individualität sein, die den Menschen zeigen wird, zu welchem ungeheuren Scharfsinn der Mensch eben kommen kann, wenn er alles, was von den Erdenkräften aus den Scharfsinn fördern kann, zu Hilfe ruft. In den Nöten, von denen ich gesprochen habe, die in der nächsten Zeit über die Menschen kommen werden, werden die Menschen sehr erfinderisch werden. Mancherlei wird entdeckt werden aus den Kräften und Substanzen der Welt heraus, das für den Menschen Nahrung abgeben wird. Aber was da gefunden wird, wird so gefunden, daß man zugleich erkennen wird, wie das Materielle zusammenhängt mit den Organen des Verstandes, nicht des Geistes, aber des Verstandes. Man wird lernen, was man essen und trinken muß, um recht gescheit zu werden. Man kann nicht geistig werden durch Essen und Trinken, aber man kann sehr gescheit, raffiniert gescheit werden dadurch.

[ 24 ] Just as there was once a Luciferic incarnation in the East, followed—one might say—by the Christ incarnation at the midpoint of world history, so too will an Ahrimanic incarnation take place in the West. This Ahrimanic incarnation is not to be avoided. It must come, for human beings must, so to speak, come face to face with Ahriman. He will be the individual who will show humanity just how immense a degree of intellectual acuity a human being can attain when he calls upon everything in the earthly forces that can foster such acuity. In the hardships I have spoken of—which will befall humanity in the near future—people will become very inventive. Many things will be discovered from the forces and substances of the world that will provide sustenance for humanity. But what is found there will be discovered in such a way that people will simultaneously recognize how the material world is connected to the faculties of the intellect—not of the spirit, but of the intellect. People will learn what they must eat and drink in order to become truly intelligent. One cannot become spiritual through eating and drinking, but one can become very intelligent—refinedly intelligent—through them.

[ 25 ] Die Menschen kennen nur diese Dinge noch nicht, aber diese Dinge werden nicht etwa nur angestrebt, sondern sie ergeben sich ganz von selbst durch die Nöte, die auftreten werden in der nächsten Zeit. Und, ich möchte sagen, durch gewisse Verwendung dieser Dinge werden gewisse Geheimgesellschaften, die heute schon ihre Vorbereitungen dazu machen, die da sind, vorbereiten dasjenige, wodurch dann die ahrimanische Inkarnation in der richtigen Weise auf der Erde wird da sein können. Und sie soll da sein; denn der Mensch soll während der Erdenzeit auch erkennen, wieviel aus rein materiellen Prozessen hervorgehen kann. Aber der Mensch soll zugleich einsehen, daß er solche geistige oder ungeistige Strömungen, die zum Ahrimanismus hinführen, beherrschen lernen soll.

[ 25 ] People simply do not know these things yet, but these things are not merely something to be strived for; rather, they will arise of their own accord as a result of the hardships that will arise in the near future. And, I would say, through the specific use of these things, certain secret societies—which are already making preparations for this today—will lay the groundwork for the Ahrimanic incarnation to be present on Earth in the proper way. And it is to be present; for during the Earth period, humanity is also to recognize how much can arise from purely material processes. But at the same time, human beings must realize that they must learn to master such spiritual or non-spiritual currents that lead to Ahrimanism.

[ 26 ] Wenn wir einsehen, daß Parteiprogramme bewiesen werden können, aber auch die entgegengesetzten, dann werden wir uns sagen müssen: Also müssen wir aufsteigen zu einer solchen Seelenstimmung, in der wir nicht beweisen, sondern erleben. Denn, was erlebt wird, das ist etwas anderes, als was bloß verstandesmäßig bewiesen wird. Ebenso werden wir uns sagen: Es muß immer mehr und mehr geisteswissenschaftliche Vertiefung der Evangelien eintreten. Das heute noch wortwörtliche Hinnehmen der Evangelien ist eine Förderung der ahrimanischen Kultur. Schon aus äußerlichen Gründen kann eingesehen werden, daß für den heutigen Menschen das bloße wortwörtliche Nehmen der Evangelien nicht mehr gelten kann, denn Sie wissen ja, was für eine Zeit richtig ist, ist nicht für jede andere richtig. Das, was für eine Zeit richtig ist, ist, in einer späteren Zeit geübt, luziferisch oder ahrimanisch. Das Lesen der Evangelien hatte seine Zeit. Heute handelt es sich darum, anhand der Evangelien eine geistige Erkenntnis des Mysteriums von Golgatha zu gewinnen.

[ 26 ] If we recognize that political party platforms can be proven—but so can their opposites—then we will have to say to ourselves: We must therefore rise to a state of mind in which we do not prove, but rather experience. For what is experienced is something different from what is merely proven by the intellect. Likewise, we will say to ourselves: There must be an ever-increasing spiritual-scientific deepening of the Gospels. The practice today of accepting the Gospels literally is a promotion of Ahrimanic culture. Even for external reasons, it can be seen that for people today, merely taking the Gospels literally can no longer apply, for, as you know, what is right for one time is not right for every other. What is right for one era, when practiced in a later era, becomes Luciferic or Ahrimanic. Reading the Gospels had its time. Today, the task is to gain a spiritual understanding of the Mystery of Golgotha through the Gospels.

[ 27 ] Es ist gewiß heute für viele Menschen außerordentlich unbequem, diese Dinge einzusehen. Aber derjenige, der anthroposophisch interessiert sein will, sollte wirklich kennenlernen, wie die Schichten der Kultur sich allmählich nebeneinandergelagert haben, ein Chaos hervorgerufen haben, und wie wiederum Licht in dieses Chaos hineinkommen muß.

[ 27 ] It is certainly extremely uncomfortable for many people today to recognize these things. But anyone who wishes to take an interest in anthroposophy should truly come to understand how the layers of culture have gradually accumulated alongside one another, creating chaos, and how light must once again shine into this chaos.

[ 28 ] Man sollte heute schon den Versuch machen, irgendeinen modernen, sehr radikal modernen Menschen zu hören oder zu lesen über diese oder jene Frage des heutigen Lebens und daneben, sagen wir, über dieselbe Frage die Kanzelreden zu hören eines Priesters einer Konfession, der noch ganz drinnensteht, auch in der Denkweise, in der Form der Gedanken der alten Zeit. Da haben Sie dann wirklich zwei Welten vor sich, die Sie nur dann konfundieren, vermischen werden, wenn Sie es vermeiden, der Wahrheit gemäß auf diese Dinge wirklich einzugehen. Hören Sie heute über die soziale Frage einen modernen Sozialisten, und hören Sie dann gleich darauf, sagen wir, einen katholischen Kanzelredner über die soziale Frage: es ist sehr interessant, wie nebeneinanderleben zwei Schichten von Kultur, die die Worte in ganz anderem Sinne gebrauchen. Dasselbe Wort bedeutet für den einen etwas ganz anderes als für den anderen.

[ 28 ] One should try today to listen to or read the views of any modern—indeed, very radically modern—person on this or that issue of contemporary life, and at the same time, let’s say, listen to the pulpit sermons on the same issue delivered by a priest of a denomination who is still fully immersed in the mindset and way of thinking of the old era. You will then truly have two worlds before you, which you will only confuse or mix together if you fail to truly engage with these matters in accordance with the truth. Listen today to a modern socialist speak on the social question, and then listen immediately afterward, say, to a Catholic preacher on the same topic: it is very interesting how two layers of culture coexist, each using words in entirely different senses. The same word means something completely different to one person than it does to another.

[ 29 ] Diese Dinge sollten in das Licht gerückt werden, das man bekommen kann, wenn man solche Betrachtungen ernst nimmt, wie wir sie heute gerade angestrebt haben. Schließlich kommen auch Menschen aus den positiven Religionsbekenntnissen zu einer Art, ich möchte sagen, von Sehnsucht nach geistiger Vertiefung. Es ist wirklich nicht eine unbedeutende Erscheinung, daß solch ein hervorragender Geist, aber positiver katholischer Geist, wie der Kardinal Newman, bei seiner Einkleidung zum Kardinal in Rom gesagt hat: Er sehe kein anderes Heil für das Christentum als eine neue Offenbarung.

[ 29 ] These matters should be brought into the light that one can attain by taking seriously the kind of reflections we have just been pursuing today. After all, even people from the positive religious traditions come to experience a kind of—I would say—longing for spiritual deepening. It is truly no insignificant phenomenon that such an outstanding mind—yet a positive Catholic mind—as Cardinal Newman said upon his elevation to the cardinalate in Rome: He saw no other salvation for Christianity than a new revelation.

[ 30 ] Ja, das hat der Kardinal Newman gesagt: Er sehe kein anderes Heil für das Christentum als eine neue Offenbarung. — Aber er hat natürlich nicht den Mut gehabt, irgendwie ernst zu nehmen eine neue geistige Offenbarung. Und so machen es die anderen auch. Sie können heute unzählige Schriften lesen über dasjenige, was der Menschheit not tut, sagen wir in bezug auf das soziale Leben. Jetzt ist wiederum eine Schrift erschienen: «Sozialismus» heißt sie, von Robert Wilbrandt, dem Sohne des Dichters Wilbrandt. Da wird zum Beispiel die soziale Frage erörtert auf Grundlage guter Einzelerkenntnisse. Und zuletzt wird gesagt: Ohne den Geist geht es nicht, und gerade der Verlauf, den die Dinge nehmen, zeigt, daß der Geist notwendig ist. — Ja, wozu kommt aber ein solcher Mensch? Er kommt dazu, das Wort Geist auszusprechen, das Abstraktum Geist zu sagen. Aber er lehnt es ab, weist es weit von sich, irgend etwas anzunehmen, was wirklich den Geist erarbeiten will. Dazu ist notwendig, vor allen Dingen einmal einzusehen, daß das Wühlen in Abstraktionen, wenn es noch so sehr nach Geist schreit, noch nicht etwas Spirituelles ist, noch nicht etwas, was Geist ist. Man sollte nicht verwechseln die dumpfe, abstrakte Rederei von Geist mit dem wirklichen positiven Suchen nach dem Inhalt der geistigen Welt, wie es gerade auch durch die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft geschehen soll.

[ 30 ] Yes, that is what Cardinal Newman said: He saw no other salvation for Christianity than a new revelation. — But of course he didn’t have the courage to take a new spiritual revelation seriously in any way. And that’s how the others are too. Today you can read countless writings about what humanity needs—let’s say, with regard to social life. Now another book has been published: it’s called *Socialism*, by Robert Wilbrandt, the son of the poet Wilbrandt. For example, the social question is discussed there on the basis of sound individual insights. And in the end, it is stated: It cannot be done without the spirit, and the very course that events are taking shows that the spirit is necessary. — Yes, but what does such a person actually achieve? He manages to utter the word “spirit,” to speak of the abstract concept of the spirit. But he refuses, rejects outright, any attempt to truly engage with the spirit. To do so, it is necessary, above all, to realize that delving into abstractions—no matter how much it cries out for the spirit—is not yet something spiritual, not yet something that is the spirit itself. One should not confuse the dull, abstract talk about “Spirit” with the genuine, active search for the content of the spiritual world, as is precisely the aim of anthroposophically oriented spiritual science.

[ 31 ] Von Geist reden heute viele Menschen. Sie aber, die Sie Geisteswissenschaft aufnehmen, sollten Menschen sein, die sich nicht betören lassen durch das bloße Geistgerede, sondern die einsehen sollten, daß ein Unterschied besteht zwischen diesem bloßen Geistgerede und den Schilderungen der geistigen Welt, wie sie versucht werden auf anthroposophischem Boden, wo die geistige Welt ebenso geschildert wird, wie die physisch-sinnliche Welt auf äußere Weise geschildert wird. Auf diese Unterschiede sollten Sie sich einlassen, sollten sich immer wieder und wiederum vor die Seele rücken, wie gerade eine Ablenkung vom wirklichen Geistesstreben das abstrakte Geistgerede ist, und wie heute viele Menschen von Geist reden, die eigentlich damit nur immer weiter vom Geist abbringen. Denn das bloße intellektuelle Hinweisen auf den Geist, das führt nicht zum Geist. Was ist denn Intelligenz? Was ist der Inhalt unserer menschlichen Intelligenz? Ich kann Ihnen das am besten sagen, wenn ich Ihnen folgendes Bild vor die Seele stelle. Denken Sie sich — es sind ja so viele Damen da, die werden das noch besser verstehen —, denken Sie sich, Sie stünden vor einem Spiegel, schauten hinein. Nehmen Sie dieses Bild, das Ihnen der Spiegel darbietet. Es ist ganz so, wie Sie selber sind, aber es ist doch gar nichts Wirkliches. Es entsteht durch das Spiegeln des Spiegels. Alles, was Sie als Intelligenz in Ihrer Seele haben, als Inhalt des Intellektuellen, ist nur ein Spiegelbild. Dadrinnen ist keine Wirklichkeit. Und so wie das Spiegelbild von Ihnen nur durch den Spiegel hervorgerufen wird, so wird das, was sich als Intelligenz spiegelt, nur durch den physischen Apparat Ihres Leibes, durch das Gehirn hervorgerufen. Intelligent ist der Mensch nur durch seinen Leib. Und so wenig Sie sich selbst streicheln können, wenn Sie nach Ihrem Spiegelbild greifen, so wenig können Sie den Geist erfassen, wenn Sie bloß an das Intellektualistische sich wenden, denn darin ist nicht der Geist. Das, was erfaßt wird, und sei es noch so scharfsinnig, durch die Intelligenz, enthält niemals den Geist, nur das Bild des Geistes. Sie können den Geist nicht erleben, wenn Sie bei der bloßen Intelligenz stehenbleiben. Daher ist. die Intelligenz so verführerisch, weil sie ein Bild gibt, jedoch ein Spiegelbild des Geistes, aber nicht den Geist. Man braucht sich dann nicht die Unbequemlichkeit zu machen, in den Geist sich hineinzuleben, weil man ihn ja hat — man meint wenigstens, ihn zu haben — im Spiegelbild; aber man kann sehr gut reden von dem Geist. Dieses zu unterscheiden, das bloße Bild des Geistes vom wirklichen Geiste, das ist die Aufgabe für jene Gesinnung, die nicht bloß theoretisiert im Geisteswissenschaftlichen, sondern in einer positiven Geistesanschauung wirklich drinnensteht.

[ 31 ] Many people talk about the spirit these days. But you, who are taking up spiritual science, should be people who do not allow yourselves to be beguiled by mere talk of the spirit, but who should recognize that there is a difference between this mere talk of the spirit and the descriptions of the spiritual world as attempted on an anthroposophical basis, where the spiritual world is described in the same way that the physical-sensory world is described in an external sense. You should engage with these distinctions and repeatedly bring to mind how abstract talk of the spirit is actually a distraction from genuine spiritual striving, and how many people today speak of the spirit while in fact only leading others further and further away from it. For mere intellectual references to the spirit do not lead to the spirit. What, then, is intelligence? What is the content of our human intelligence? I can best explain this to you by presenting the following image to your soul. Imagine—since there are so many ladies here, they will understand this even better—imagine that you are standing in front of a mirror, looking into it. Take this image that the mirror presents to you. It is exactly as you are yourself, yet it is not real at all. It arises through the reflection of the mirror. Everything you possess in your soul as intelligence—as the content of the intellectual—is merely a reflection. There is no reality within it. And just as your reflection is produced solely by the mirror, so too is what is reflected as intelligence produced solely by the physical apparatus of your body—by the brain. A person is intelligent only through his body. And just as you cannot touch yourself when you reach for your reflection in the mirror, so too can you not grasp the Spirit if you turn only to the intellectual, for the Spirit is not found there. What is grasped by the intellect—no matter how keenly—never contains the Spirit, only the image of the Spirit. You cannot experience the spirit if you stop at mere intelligence. That is why intelligence is so seductive: it provides an image—a reflection of the spirit, but not the spirit itself. You then do not need to go to the trouble of immersing yourself in the spirit, because you already have it—or at least you think you have it—in the reflection; but one can very well speak of the spirit. To distinguish between the mere image of the spirit and the real spirit—that is the task for those whose mindset does not merely theorize about spiritual science but is truly immersed in a positive view of the spirit.

[ 32 ] Das wollte ich heute zu Ihnen sprechen zur Bekräftigung des Ernstes, der durchdringen sollte unsere ganze Stellung zum anthroposophisch erfaßten Geistesleben. Denn davon, wie die Menschheit der Gegenwart diese Stellung auffaßt, wird die reale Entwicklung der Menschheit nach der Zukunft abhängen. Wird das, was ich heute charakterisiert habe, so genommen, wie cs heute noch von den weitaus meisten Menschen der Erde genommen wird, dann wird Ahriman für die Menschen ein schlimmer Gast werden, wenn er kommt. Können die Menschen sich aufraffen, diese Dinge, die wir heute betrachtet haben, in ihr Bewußtsein aufzunehmen, sie zu lenken und zu leiten so, wie es sein soll für eine freie Stellung der Menschheit gegenüber der ahrimanischen Macht, dann wird die Menschheit durch Ahriman, wenn er auftritt, gerade das Richtige lernen, um einzusehen, wie allerdings die Erde in ihren Verfall hineinkommen muß, wie aber die Menschheit gerade dadurch sich hinaushebt über das irdische Dasein. Wenn der Mensch ein gewisses Alter im physischen Leben erlangt hat, dann verfällt sein physischer Leib, und er klagt nicht, wenn er vernünftig ist, daß dieser physische Leib verfällt, sondern er weiß, daß er mit seiner Seele einem Leben entgegengeht, das nicht parallel etwa ist dem Verfall dieses physischen Leibes. In der Menschheit lebt etwas, was nicht zusammenhängt mit dem Verfall der physischen Erde, der schon eingetreten ist, sondern was gerade immer geistiger und geistiger wird dadurch, daß die Erde physisch in ihre Dekadenz kommt. Lernen wir es unbefangen sagen: Jawohl, die Erde ist in der Dekadenz, auch das Menschenleben in bezug auf seine physische Erscheinung. Aber fassen wir gerade dadurch die Kraft, dasjenige in unsere Zivilisation hereinzubekommen, was als Unsterbliches der ganzen Erdenentwicklung aus der Menschheit heraus weiterleben muß, wenn die Erde ihrem Untergange entgegengeht.

[ 32 ] This is what I wanted to speak to you about today to emphasize the seriousness that should permeate our entire attitude toward spiritual life as understood through anthroposophy. For the actual future development of humanity will depend on how humanity today understands this attitude. If what I have described today is taken in the same way that the vast majority of people on Earth still take it today, then Ahriman will be a terrible guest for humanity when he comes. If people can bring themselves to take these things we have considered today into their consciousness, and to direct and guide them as is proper for a free stance of humanity toward the Ahrimanic power, then, when Ahriman appears, humanity will, through him, learn exactly what is needed to understand how the Earth must indeed enter into its decline, but how humanity, precisely through this, rises above earthly existence. When a person has reached a certain age in physical life, their physical body begins to decay, and if they are reasonable, they do not lament that this physical body is decaying, but rather they know that, together with their soul, they are moving toward a life that is not, so to speak, parallel to the decay of this physical body. There lives within humanity something that is not connected to the decay of the physical Earth—which has already begun—but which, precisely because the Earth is physically entering its decline, is becoming ever more spiritual. Let us learn to say this without reservation: Yes, the Earth is in a state of decline, as is human life in terms of its physical appearance. But let us draw strength precisely from this to bring into our civilization that which, as the immortal essence of the entire development of the Earth, must live on from within humanity as the Earth heads toward its demise.

[ 33 ] Das ist es, was ich Ihnen heute sagen wollte.

[ 33 ] That is what I wanted to tell you today.