Michael's Message
The True Mysteries of Human Natur
GA 194
6 December 1919, Dornach
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Michael's Message: The True Mysteries of Human Nature, tr. SOL
Siebenter Vortrag
Seventh Lecture
[ 1 ] Sie haben in verschiedenen Betrachtungen gehört, wie zu einer wirklichen Erkenntnis der Menschenwesenheit es nötig ist, die Gliederung dieser Menschenwesenheit in drei Glieder wirklich zu verfolgen. Relativ selbständig organisiert sind innerhalb der menschlichen Wesenheit das Haupt — grob gesprochen natürlich —, die Brustorgane und die Gliedmaßenorgane; wobei wir uns allerdings vorzustellen haben, daß zu den Gliedmaßenorganen ein gut Teil von demjenigen gehört, was innerhalb des Rumpfes liegt. Nun haben Sie auch entnehmen können aus Vorträgen und aus meiner Darstellung in den «Seelenrätseln», wie zusammenhängt mit dem menschlichen Haupte das Denk- und Vorstellungsleben, wie zusammenhängt mit alldem, was die rhythmische Tätigkeit beim Menschen — also wie gesagt, grob gesprochen — das Brustsystem ist, alles dasjenige, was Fühlsphäre ist, und wie zusammenhängt die Willenssphäre, die aber beim Menschen das eigentliche Geistige darstellt, mit dem Gliedmaßensystem, mit der Gliedmaßenorganisation. Relativ selbständig sind diese drei Systeme des menschlichen Organismus. Relativ selbständig, nur eben zusammenwirkend, sind auch das Vorstellungsleben, das Gefühlsleben und das Willensleben. Nun wissen Sie ja, daß vom geistigen Gesichtspunkte aus am besten erfaßt wird, worin sich diese drei Systeme unterscheiden, wenn man sagt: Im gewöhnlichen Wachleben wacht der Mensch vollständig eigentlich nur durch sein Kopfsystem, durch all dasjenige, was, seelisch gesprochen, mit dem Vorstellungs- und Denkleben zusammenhängt. Dagegen ist alles dasjenige, was mit dem Gefühlsleben, also mit dem eigentlichen rhythmischen System, leiblich gesprochen, zusammenhängt, eigentlich auch während des wachen Lebens ein dieses Wachleben durchsetzendes Traumleben. Was in unserer Gefühlssphäre vor sich geht, wissen wir durch unsere wachen Vorstellungen mittelbar, aber niemals unmittelbar durch die Gefühle selbst. Und noch dunkler bleibt das Willensleben, das wirklich seinem eigentlichen Inhalte nach von uns nicht anders erfaßt wird als das Schlafesleben als solches. So daß wir genauer, als das gewöhnlich geschieht, aussprechen können, inwiefern dem menschlichen gewöhnlichen Bewußtsein unterbewußte Zustände zugrunde liegen: Unterbewußte Vorstellungen liegen zugrunde dem Gefühlsleben, und wenn ich den Komparativ bilden darf, noch unbewußtere Vorstellungen liegen zugrunde dem Willensleben.
[ 1 ] You have heard in various discussions how, in order to truly understand the human being, it is necessary to truly trace the division of this human being into three parts. Within the human being, the head—roughly speaking, of course—the chest organs, and the limb organs are organized relatively independently; though we must bear in mind that a good portion of what lies within the torso belongs to the limb organs. Now you have also been able to gather from lectures and from my exposition in The Mysteries of the Soul how the life of thought and imagination is connected to the human head; how everything that constitutes the sphere of feeling is connected to all that constitutes the rhythmic activity in humans—that is, as I said, roughly speaking, the chest system; and how the sphere of will, which in humans represents the actual spiritual aspect, is connected to the limb system, to the organization of the limbs. These three systems of the human organism are relatively independent. The life of imagination, the life of feeling, and the life of will are also relatively independent, yet they interact with one another. Now you know that, from a spiritual point of view, the best way to grasp how these three systems differ is to say: In ordinary waking life, a person is truly fully awake only through their head system—through everything that, in psychological terms, is connected to the life of imagination and thought. In contrast, everything connected to the life of feeling—that is, to the actual rhythmic system, in physical terms—is, even during waking life, a dream life that permeates that waking life. We know what is going on in our emotional sphere indirectly through our waking ideas, but never directly through the feelings themselves. And the life of the will remains even more obscure; in terms of its actual content, we do not grasp it any differently than we do the life of sleep as such. Thus, we can state more precisely than is usually done to what extent subconscious states underlie ordinary human consciousness: Subconscious representations underlie the emotional life, and—if I may use a comparative—even more unconscious representations underlie the life of the will.
[ 2 ] Es ist nun sehr wichtig, daß man sich klarmacht, daß eigentlich in jedem der drei menschlichen Systeme Denken, Fühlen und Wollen enthalten sind. Im Kopfsystem, im Denksystem ist durchaus auch Fühlleben und Willensleben vorhanden, nur sind diese viel schwächer entwickelt als das Vorstellungsleben. Ebenso sind Gedanken in der Gefühlssphäre vorhanden, traumhaft nur uns zum Bewußtsein kommend, schwächer eben als in der Kopfsphäre. Was aber gewöhnlich nicht berücksichtigt wird in unserer Zeit abstrakter Wissenschaftlichkeit, das ist, daß diese unterbewußten Glieder der menschlichen Wesenheit in demselben Maße objektiver sind, als sie uns subjektiv weniger zum Bewußtsein kommen. Was heißt das? Das heißt, dasjenige, was wir durch unser Vorstellungsleben, durch unser Hauptes- oder Kopfesleben haben, das sind Vorgänge, die verhältnismäßig in uns vorgehen. Dasjenige aber, was wir durch unser rhythmisches System, durch unser Brustsystem erleben, was in unserer Gefühlssphäre vor sich geht, das ist keineswegs bloß unser individuelles Eigentum, das ist etwas, was zu gleicher Zeit in uns vorgeht, aber objektive Weltvorgänge darstellt. Das heißt, wenn Sie etwas fühlen, so ist das ja allerdings ein Erlebnis in Ihnen selbst, aber es ist zu gleicher Zeit etwas, was in der Welt geschieht, was in der Welt eine Bedeutung hat. Und es ist gerade außerordentlich interessant, zu verfolgen, welche Weltvorgänge unserem Gefühlsleben zugrunde liegen. Nehmen wir an, Sie erleben irgend etwas, das Ihre Gefühle außerordentlich stark in Anspruch nimmt, ein Sie freudig oder traurig erregendes Ereignis. Sie wissen, das Gesamtleben des Menschen läuft so ab, daß wir einteilen können dieses Gesamtleben des Menschen in ungefähr siebenjährige Perioden. Die erste Periode geht ungefähr von der Geburt bis zum Zahnwechsel, die zweite Periode geht bis zur Geschlechtsreife, die dritte geht bis zum Beginn des einundzwanzigsten Jahres — alles das ist approximativ —, und so geht es weiter fort. Das ist eine Gliederung des menschlichen Lebenslaufes. (Siehe Zeichnung 5.124: waagrechte Linie mit senkrechten Markierungen.)
[ 2 ] It is now very important to realize that each of the three human systems—thinking, feeling, and willing—actually contains all three. In the head system, the system of thinking, there is certainly also a life of feeling and a life of willing; they are simply much less developed than the life of imagination. Likewise, thoughts are present in the sphere of feeling, though they come to our consciousness only in a dreamlike way—weaker, that is, than in the sphere of the head. But what is usually overlooked in our age of abstract scientific thinking is that these subconscious aspects of the human being are all the more objective to the extent that they come less subjectively to our consciousness. What does this mean? It means that what we experience through our life of imagination, through our head life, consists of processes that take place relatively within us. But what we experience through our rhythmic system, through our chest system—what takes place in our emotional sphere—is by no means merely our individual property; it is something that occurs within us at the same time but represents objective world processes. That is to say, when you feel something, it is certainly an experience within yourself, but at the same time it is something that happens in the world, something that has significance in the world. And it is particularly fascinating to trace which worldly processes underlie our emotional life. Let’s suppose you experience something that engages your emotions extremely strongly—an event that stirs you with joy or sadness. You know that a person’s entire life unfolds in such a way that we can divide it into periods of roughly seven years each. The first period extends roughly from birth to the loss of baby teeth; the second period extends to sexual maturity; the third extends to the beginning of the twenty-first year—all of this is approximate—and so it continues. This is a division of the course of human life. (See Figure 5.124: horizontal line with vertical markings.)
[ 3 ] Wenn wir diese Gliederung ins Auge fassen, so kommen wir zu Knotenpunkten der menschlichen Entwickelung, die im Beginn des menschlichen Erdenlebens ganz deutlich sich ausdrücken in dem Zahnwechsel, in der Geschlechtsreife, die dann mehr oder weniger sich verhüllen, für den, der aber beobachten kann, noch sehr deutlich sind später. (Es werden die Knotenpunkte skizziert.) Denn das, was so um das einundzwanzigste Jahr herum mit dem Seelisch-Leiblichen des Menschen vorgeht, das ist für den, der beobachten kann, ebenso deutlich wahrnehmbar, wie etwa die Geschlechtsreife für die äußere Physiologie wahrnehmbar ist. Aber es wird gewöhnlich weniger beobachtet. Nun, damit haben wir mehr eine allgemeine Gliederung des menschlichen Lebenslaufes. Wenn aber nun so etwas auftritt, wie ich gesagt habe, irgendein bedeutsames Ereignis, zum Beispiel zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife, das sehr erregend in der Gefühlssphäre wirkt (es wird die Spirale gezeichnet, rot), dann findet etwas sehr Eigentümliches statt, das — weil heute ja nur roh beobachtet wird — in der Wirklichkeit eben gewöhnlich nicht beobachtet wird. Aber dieses Ereignis findet doch statt. Gewissermaßen ist der Eindruck da, der Gefühlseindruck schwingt ab im Bewußtsein. Aber wenn es sich um einen Gefühlseindruck handelt, dann geht, ganz abgesehen von dem, was in Ihrem Bewußtsein, in Ihrem Seelenleben überhaupt sich abspielt, in der objektiven Welt etwas vor. Und wir können das, was in der objektiven Welt vorgeht, vergleichen wie mit einer Art von Schwingungserregung: es breitet sich aus in der Welt. Und das Merkwürdige ist, daß es sich nicht endlos ausbreitet, sondern wenn es sich genug ausgebreitet hat, wenn gewissermaßen seine Elastizität an einem Ende angekommen ist, dann schwingt es wieder zurück (linker Halbbogen), und es erscheint im nächsten siebenjährigen Zeitraum so, daß es wieder zurückkommt und in irgendeiner Weise ein von außen in Ihr Seelenleben eindringender Impuls ist. Ich will nicht sagen — weil das doch zusammenhängt mit der individuellen Lebensgestaltung —, daß ungefähr nach sieben Jahren immer solch ein Ereignis zurückkommt, das wäre nicht richtig. Aber es fällt in den nächsten siebenjährigen Zeitraum hinein, wird nur vom Menschen nicht beachtet. Wir gehen fortwährend mit unserem Seelenleben durch solche Dinge durch, die in unser Gefühlsleben hereinschlagen und die die Rückwirkung der Welt auf dasjenige sind, was wir in der vorhergehenden siebenjährigen Periode in der Gefühlssphäre irgendwie erlebt haben. Also ein solches Ereignis, das uns irgendwie gefühlsmäßig erregt, das tönt wiederum im nächsten Lebensabschnitte in unser Seelenleben herein. Die Menschen beachten solche Dinge gewöhnlich nicht. Wer sich ein wenig Mühe gibt, kann solche Dinge schon äußerlich beobachten.
[ 3 ] When we consider this structure, we arrive at key points in human development that are very clearly expressed at the beginning of human life on Earth in the change of teeth and in sexual maturity; these then become more or less concealed, yet remain very clear later on to those who are able to observe them. (The turning points are outlined.) For what takes place in a person’s soul and body around the age of twenty-one is just as clearly perceptible to the observant person as, for example, sexual maturity is perceptible in terms of external physiology. But it is usually observed less frequently. Well, this gives us more of a general outline of the course of human life. But when something like what I have described occurs—some significant event, for example, between the change of teeth and sexual maturity, that has a very stirring effect on the emotional sphere (the spiral is drawn in red)—then something very peculiar takes place, which—because it is observed only superficially today—is in reality usually not observed at all. But this event does take place. In a sense, the impression is there; the emotional impression resonates within consciousness. But if it is an emotional impression, then—quite apart from what is taking place in your consciousness or in your inner life in general—something is happening in the objective world. And we can compare what is happening in the objective world to a kind of vibrational excitation: it spreads out into the world. And the remarkable thing is that it does not spread endlessly; rather, once it has spread far enough—once, so to speak, its elasticity has reached its limit at one end—it oscillates back (left semicircle), and during the next seven-year period it appears as though it is returning and, in some way, is an impulse penetrating your inner life from the outside. I do not mean to say—since this is connected to the individual’s life path—that such an event always returns after about seven years; that would not be correct. But it does fall within the next seven-year period; it is simply not noticed by the person. We continually pass through such experiences in our soul life—experiences that strike our emotional life and are the world’s reaction to what we have somehow experienced in the emotional sphere during the preceding seven-year period. So an event of this kind, which stirs us emotionally in some way, resounds once more into our soul life in the next phase of life. People usually do not pay attention to such things. Anyone who makes a little effort can observe such things even from the outside.
[ 4 ] Wer hätte es denn noch nicht erlebt, daß bei irgendeinem Menschen, den man gut kennt, plötzlich vielleicht eine Mißstimmung auftritt, man weiß gar nicht, woher es kommt. Der Mensch verändert sich aus heiterem Himmel heraus, wie man oftmals sagt. Wenn man den Dingen nachgeht und wirklich ein Auge, ein Seelenauge haben kann für das besondere Verhalten eines Menschen, wenn man namentlich fühlen kann, was ein solcher Mensch zwischen den Worten sagt, oder was er in den Worten sagt, dann wird man zurückgehen können auf irgendein solches — wie ich es charakterisiert habe — früheres gefühlsmäßiges, ihn erregendes Ereignis. Und in der ganzen Zwischenzeit ist eigentlich etwas in der Welt vorgegangen, was nicht vorgegangen wäre, wenn der Mensch nicht jene Gefühlserregung gehabt hätte. Aber das Ganze ist ein Vorgang, der außer dem, daß ihn der Mensch erlebt, sich auch noch objektiv außer dem Menschen abspielt. Sie sehen, wie viele Gelegenheiten da sind, daß sich diese Dinge außerhalb des Menschen abspielen, die durch den Menschen da sind, und die einfach objektive Weltvorgänge sind.
[ 4 ] Who hasn’t experienced this: suddenly, someone you know well seems to be in a bad mood, and you have no idea where it’s coming from. The person changes out of the blue, as they often say. If you look into things and can truly keep an eye—an eye of the soul—on a person’s unusual behavior, if you can specifically sense what such a person is saying between the lines, or what they’re saying in their words, then you’ll be able to trace it back to some earlier emotional event—as I’ve described it—that stirred them. And in the meantime, something has actually happened in the world that would not have happened if the person had not experienced that emotional stir. But the whole thing is a process that, apart from the fact that the person experiences it, also takes place objectively outside of the person. You see how many occasions there are when these things take place outside of the person—things that exist because of the person, and that are simply objective world processes.
[ 5 ] In diese objektiven Weltvorgänge hinein mischt sich dasjenige, was unter den Elementarwesen geschieht, auch solchen Elementarwesen, wie ich sie neulich charakterisiert habe, außerhalb des Menschen. Ich habe sie ja in einer anderen Beziehung zusammengebracht mit dem Atmungs-, mit dem rhythmischen System. Hier sehen Sie sie auf dem Umwege durch die Gefühlserregungen mit dem rhythmischen System zusammenwirkend. Diese Dinge nötigen uns, wenn wir sie richtig verstehen, zu sagen: Der Mensch erzeugt fortwährend etwas um sich herum wie eine recht große Aura. Aber in das, was er da an Wellen aufwirft, in das mischen sich hinein Elementarwesen, welche, je nachdem der Mensch ist, das, was da zurückkommt, beeinflussen können. Denken Sie also, die Sache ist so: Sie haben eine Erregung; die strahlen Sie aus. Wenn sie Ihnen zurückkommt, ist sie nicht unbeeinflußt, sondern in der Zwischenzeit machen sich Elementarwesen mit dieser Erregung zu tun. Und wenn sie dann zurückwirkt auf den Menschen, dann bekommen Sie mit dem, was diese Elementarwesen angefangen haben mit dem, was außer Ihnen ist, die Wirkung der Elementarwesen zurück. (Der rechte Halbbogen wurde gezeichnet. Die Zeichnung ist nun vollständig.)
[ 5 ] Intermingled with these objective world processes are the events that take place among the elemental beings—including those elemental beings, as I recently characterized them, that exist outside of human beings. I have, after all, linked them in another context to the respiratory system and the rhythmic system. Here you see them interacting with the rhythmic system indirectly through emotional stirrings. If we understand these things correctly, they compel us to say: Human beings constantly generate something around themselves, like a rather large aura. But elemental beings intermingle with the waves they send out, and depending on the nature of the human being, these beings can influence what comes back. So think of it this way: You have an emotional state; you radiate it. When it returns to you, it is not unaffected; rather, in the meantime, elemental beings have been working with this emotional state. And when it then reacts back on the human being, you receive the effect of the elemental beings back—along with what these elemental beings have done with what lies outside of you. (The right half-arc has been drawn. The drawing is now complete.)


[ 6 ] Durch das, was der Mensch da als eine geistige Atmosphäre verbreitet, kommt er in Wechselwirkung mit Elementarwesen. Alles dasjenige, was sich für den Menschen schicksalsmäßig abspielt innerhalb des Lebenslaufes, hängt mit diesen Dingen zusammen. Wir haben ja auch innerhalb unseres Lebenslaufes eine Art Erfüllung unseres Schicksals. Nicht wahr, wenn wir heute irgend etwas erleben, so hat das eine Bedeutung für später. Das ist aber der Weg, wodurch uns tatsächlich unser Schicksal gezimmert wird. Und an dem Zimmern unseres Schicksals wirken solche Elementarwesen mit, die sich zu uns hingezogen fühlen durch unsere eigene Natur. Da fühlen sie sich angezogen, da wirken sie mit auf uns ein.
[ 6 ] Through the spiritual atmosphere that a person radiates, they interact with elemental beings. Everything that unfolds for a person as a matter of destiny throughout the course of their life is connected to these things. After all, we also experience a kind of fulfillment of our destiny within the course of our lives. Isn’t it true that when we experience something today, it has significance for the future? But this is the very process through which our destiny is actually shaped. And in the shaping of our destiny, elemental beings play a part—beings who are drawn to us by our own nature. They are drawn to us, and they influence us.
[ 7 ] Sie sehen da hinein in eine Wechselwirkung zwischen dem Menschen und seiner Umgebung, und Sie sehen gewissermaßen das Spielen von geistigen Kräften in der Umgebung. Wenn man dieses Spiel verfolgt, dann klärt sich vieles auf, was für den Menschen schicksalsmäßig wird. Die Einsicht in diese Verhältnisse, die ist unserer «aufgeklärten» Zeit — aufgeklärten muß man nämlich immer in Gänsefüßchen schreiben — sehr fernliegend, und es ragen, ich möchte sagen, nur die Traditionen früherer Zeiten, in denen der Mensch durch elementarere Bewußtseinsstufen mehr mit der Wirklichkeit zusammenhing als heute, in unsere Zeit herein. Diese Traditionen, die finden Sie sehr schön ausgedrückt in denjenigen Dichtungen der Vorzeit, in denen Schicksalsmäßiges für den Menschen geknüpft wird an das Eingreifen von elementaren Wesenheiten. Und wirklich eines der schönsten Gedichte, die uns erhalten sind, und die da handeln von solchem schicksalsmäßigen Eingreifen von Elementarwesenheiten in unserer Umgebung, ist dasjenige, das Sie jetzt in eurythmischer Darstellung oftmals bekommen. Sie sehen da, wiesschicksalsmäßig eingreifen die Elementarwesen aus Erlkönigs Reich. Sie wissen ja, das Gedicht heißt:
[ 7 ] There you see an interaction between human beings and their environment, and, in a sense, you see spiritual forces at work within that environment. If one follows this interplay, much of what becomes a matter of fate for human beings becomes clear. Insight into these relationships is very far removed from our “enlightened” age—and “enlightened” must always be written in quotation marks—and I would say that only the traditions of earlier times, in which human beings were more closely connected to reality through more elemental stages of consciousness than they are today, extend into our own time. You will find these traditions beautifully expressed in the poetry of antiquity, in which what is fateful for human beings is linked to the intervention of elemental beings. And indeed, one of the most beautiful poems that has come down to us—and which deals with such fateful intervention by elemental beings in our surroundings—is the one you now often see presented in eurythmy. There you see how the elemental beings from the realm of the Erl-King intervene in the course of destiny. As you know, the poem is called:
Erlkönigs Tochter
Herr Oluf reitet so spät und weit
Zu bieten auf seine Hochzeitsleut.Da tanzen die Elfen auf grünem Land,
Erlkönigs Tochter reicht ihm die Hand.«Willkommen Herr Oluf, was eilst von hier?
Tritt her in den Reihen und tanz mit mir!»«Ich darf nicht tanzen, nicht tanzen ich mag,
Frühmorgen ist mein Hochzeitstag.»«Hör an, Herr Oluf, tritt tanzen mit mir,
Zwei güldne Sporen schenk ich dir.Ein Hemdlein von Seide, so weiß und fein,
Meine Mutter bleicht’s mit Mondenschein.»«Ich darf nicht tanzen, nicht tanzen ich mag,
Frühmorgen ist mein Hochzeitstag.»«Hör an, Herr Oluf, tritt tanzen mit mir,
Einen Haufen Goldes schenk ich dir.»«Einen Haufen Goldes nähm ich wohl,
Doch tanzen ich nicht darf und soll!»«Und willt, Herr Oluf, nicht tanzen mit mir,
Soll Seuch und Krankheit folgen dir!»
The Erl-King’s Daughter
Mr. Oluf rides so late and so far
To invite his wedding guests.There the elves dance on green fields,
The Erl-King’s daughter offers him her hand.“Welcome, Sir Oluf, why are you hurrying away?
Step into the circle and dance with me!”“I must not dance, nor do I wish to dance,
For my wedding day is early tomorrow morning.”“Listen, Sir Oluf, come dance with me,
I’ll give you two golden spurs.A little silk shirt, so white and fine,
My mother bleached it in the moonlight.”“I must not dance, nor do I wish to dance,
Early tomorrow morning is my wedding day.”“Listen, Mr. Oluf, come dance with me,
I’ll give you a heap of gold.”“I’d gladly take a heap of gold,
But I must not and shall not dance!”“And if you won’t, Mr. Oluf, dance with me,
May plague and disease follow you!”
[ 8 ] Da haben Sie das Hineinweben der elementarischen Welt in das Schicksalsmäßige des Menschen, insofern dieses dann übergreift in die auffälligste Schicksalserscheinung: Krankheit und Tod.
[ 8 ] Here you have the interweaving of the elemental world into the fateful course of human life, insofar as this then extends into the most conspicuous manifestations of fate: illness and death.
Sie tät einen Schlag ihm auf sein Herz.
She would strike a blow to his heart.
[ 9 ] Ich bitte Sie, solche Dinge zu beachten. Diese Dinge, die sind nicht so in alten Dichtungen — von Herder ist ja das nur aus der Volksdichtung aufgenommen —, wie sie in neueren Dichtungen stehen. Unseren Kulturdichtungen gegenüber darf man wohl sagen, daß ungefähr neunundneunzig Prozent derselben zu viel sind. Die Dichtungen, die wirklich hervordringen aus dem alten Wissen, die sind immer so, daß sie dem Tatsächlichen, dem Wirklichen entsprechen. Niemals würde hier stehen: sie tät einen Schlag ihm auf den Kopf, oder auf den Mund, oder auf die Nase, sondern:
[ 9 ] I ask you to take such things into account. These things are not found in old poetry—Herder, after all, merely drew them from folk poetry—as they appear in more recent poetry. With regard to our literary poetry, one can safely say that about ninety-nine percent of it is excessive. The poems that truly spring from ancient knowledge are always such that they correspond to what is factual and real. It would never say here: “she would strike him on the head, or on the mouth, or on the nose,” but rather:
Sie tät einen Schlag ihm auf sein Herz,
Noch nimmer fühlt er solchen Schmerz.
She struck him a blow to his heart,
Never before has he felt such pain.
[ 10 ] Mit einem Rhythmusorgan muß das zusammenhängen, deshalb das Herz.
[ 10 ] This must be connected to a rhythmic organ—hence the heart.
Sie hob ihn bleichend auf sein Pferd.
«Reit heim zu deinem Fräulein wert.»Und als er kam vor Hauses Tür
Seine Mutter zitternd stand dafür.«Hör an, mein Sohn, sag an mir gleich,
Wie ist dein’ Farbe blaß und bleich?»«Und sollt sie nicht sein blaß und bleich,
Ich war in Erlenkönigs Reich.»«Hör an, mein Sohn, so lieb und traut,
Was soll ich sagen deiner Braut?»«Sag ihr, ich sei im Wald zur Stund
Zu proben da mein Pferd und Hund.» — —Frühmorgens, als der Tag kaum war,
Da kam die Braut mit der Hochzeitsschar.Sie schenkten Met, sie schenkten Wein.
«Wo ist Herr Oluf, der Bräutigam mein!»«Herr Oluf, er ritt in Wald zur Stund
Er probt allda sein Pferd und Hund.»Die Braut hub auf den Scharlach rot —
Da lag Herr Oluf, und er war tot.
She lifted him, pale, onto his horse.
“Ride home to your beloved.”And when he came to the door of his house
His mother stood there trembling.“Listen, my son, tell me at once,
Why are you so pale and wan?”“And if I were not pale and wan,
I was in the realm of the Alder King.”“Listen, my son, so dear and trusted,
What shall I tell your bride?”“Tell her I am in the forest at this hour
To train my horse and dog there.” — —Early in the morning, when the day had barely dawned,
The bride arrived with the wedding party.They served mead; they served wine.
“Where is Lord Oluf, my bridegroom!”“Sir Oluf has ridden into the forest at this hour
He is out there testing his horse and dog.”The bride lifted the scarlet cloth—
There lay Sir Oluf, and he was dead.
[ 11 ] Das, worauf ich Sie aufmerksam machen will, ist eben die dichterisch durchaus sachgemäße Wiedergabe dessen, was sich um den Menschen herum in einer solchen Schicksalsstunde abspielt, und was eigentlich immer um den Menschen herum sich abspielt, besonders stark aber hervortritt in jenen Zusammenhängen, die man wahrnehmen kann bei der periodischen Wiederkehr die Gefühlssphäre erregender Erlebnisse. Denn die kehren immer so wieder, daß sie in unser Schicksal eingreifen, aber nicht ganz unverändert, sondern nachdem sie hindurchgegangen sind durch dasjenige, was solche Elementarwesen mit ihnen angefangen haben. Genauso wie wir in der äußeren physischen Luft leben, wie wir unter den Ergebnissen des mineralischen, pflanzlichen, tierischen Reiches leben, genauso leben wir mit unseren zunächst unterbewußten Menschheitsteilen, mit unserem rhythmischen System in der geistigen Sphäre der Elementarwesen. Und da wird so viel von unserem Schicksal gezimmert, als gezimmert werden kann eben im Lebenslaufe zwischen Geburt und Tod.
[ 11 ] What I wish to draw your attention to is precisely the poetic—and entirely appropriate—depiction of what unfolds around a person at such a fateful moment, and what in fact is always unfolding around a person, though it becomes particularly pronounced in those contexts that can be perceived during the periodic recurrence of emotionally stirring experiences. For these experiences always return in such a way that they intervene in our destiny—not entirely unchanged, but after having passed through what such elemental beings have done with them. Just as we live in the outer physical air, just as we live amid the products of the mineral, plant, and animal kingdoms, so too do we live with those parts of our humanity that are initially subconscious, with our rhythmic system, in the spiritual sphere of the elemental beings. And there, as much of our destiny is shaped as can be shaped in the course of life between birth and death.
[ 12 ] Nur dadurch, daß wir mit dem Haupte voll wach sind, ragen wir heraus aus diesem Wechselspiel mit den Elementarwesen. Nicht eingegliedert in das Reich der Elementarwesen sind wir nur durch unser waches Hauptleben. Da ragen wir gewissermaßen über die Oberfläche des elementarischen Meeres, in dem wir als Menschen fortwährend schwimmen, heraus.
[ 12 ] It is only by being fully awake with our main life that we rise above this interplay with the elemental beings. It is only through our alert mental life that we are not integrated into the realm of the elemental beings. There we rise, as it were, above the surface of the elemental sea in which we, as human beings, are constantly swimming.
[ 13 ] Sie sehen hier die Wiederkehr der Ereignisse, die schicksalsmäßige Wiederkehr der Ereignisse schon innerhalb des gewöhnlichen Lebens durch dasjenige, was sich für unser rhythmisches System abspielt und für unser Gliedmaßensystem. Das geht auch Wechselwirkungen mit der Umgebung ein, aber kompliziertere, viel, viel kompliziertere, und auch die schwingen wieder zurück, nur haben sie eine weitere Schwingungsausbauchung. Sie kommen erst wiederum im nächsten Erdenleben oder in einem der nächsten Erdenleben zurück. So daß wir sagen können, es braucht dasjenige, was wir unser Schicksal, unser Karma nennen, für uns gar nicht so sehr etwas Rätselhaftes zu sein, wenn wir anschauen, wie es nur ist die Vergrößerung desjenigen, was wir innerhalb des Menschenlebens selbst studieren können in der Wiederkehr solcher Ereignisse. Sie kommen nämlich nicht unverändert zurück, diese Ereignisse, sie kommen ganz stark verändert zurück.
[ 13 ] Here you see the recurrence of events—the fateful recurrence of events—even within ordinary life, through what takes place in our rhythmic system and in our system of limbs. This also involves interactions with the environment, but more complex ones—much, much more complex—and these, too, oscillate back, only they have a further amplification of their oscillation. They do not return until the next earthly life or one of the subsequent earthly lives. So we can say that what we call our destiny, our karma, need not be all that mysterious to us when we consider that it is simply an amplification of what we can study within human life itself in the recurrence of such events. For these events do not return unchanged; they return greatly altered.
[ 14 ] Ich mache Sie auf eines aufmerksam. Ich habe in pädagogischen Vorträgen, wo ich sie auch gehalten habe, immer darauf aufmerksam gemacht, daß während der Volksschulzeit ein wichtiger Knotenpunkt des Lebens so um das neunte Lebensjahr herum da ist. Man sollte im Volksschulunterrichte diesen wichtigen Knotenpunkt des Menschenlebens sehr, sehr wohl beachten. Bis dahin sollte man zum Beispiel nicht anders die Naturkunde mit dem Menschen betreiben, als dadurch, daß man die Beschreibung der Naturvorgänge — fabelhaft, legendenhaft und dergleichen — anknüpft an das menschliche moralische Leben. Dann erst sollte man beginnen, weil erst jetzt der Mensch reif wird dazu, mit eigentlicher einfacher, elementarer Naturbeschreibung. Was man Lehrplan nennen kann, ergibt sich nämlich ganz aus einer wirklichen Beobachtung der menschlichen Wesenheit bis ins einzelne. Ich habe ja darauf schon aufmerksam gemacht in dem Aufsatz, den Sie über «Die pädagogische Grundlage der Waldorfschule» haben. Auch da habe ich auf diesen Zeitpunkt im ungefähr neunten Jahre hingewiesen. Dieser Zeitpunkt, man kann ihn so charakterisieren, daß man sagt: Das Ich-Bewußtsein bekommt eine neue Gestalt. Der Mensch wird fähig, die äußere Natur mehr objektiv zu betrachten. Früher verbindet er alles, was er in der äußeren Natur sieht, mit seinem eigenen Wesen. Nun entwickelt sich das Ich-Bewußtsein aber schon in dem ersten siebenjährigen Lebensabschnitt, mit zwei, zweieinhalb Jahren und so weiter. Aber im zweiten Lebensabschnitte, da kommt es ungefähr um das neunte Lebensjahr zurück. Das ist sozusagen eine der auffälligsten Rückkehrungen, dieses Zurückkehren des Ich-Bewußtseins um das neunte Lebensjahr herum. Das Ich-Bewußtsein kommt da in geistigerer Form zurück, während es mehr seelisch so im zweiten oder dritten Lebensjahr ist. Das ist nur eines der Ereignisse, die in ganz auffälliger Weise zurückkommen. Man kann das aber auch für unbedeutendere Ereignisse im Menschenleben durchaus erschauen.
[ 14 ] I would like to draw your attention to something. In my lectures on education—wherever I have given them—I have always emphasized that during elementary school, there is an important turning point in a child’s life around the age of nine. In elementary school instruction, one should pay very, very close attention to this important turning point in human life. Until then, for example, one should not teach natural history to children in any other way than by linking the description of natural processes—through myths, legends, and the like—to human moral life. Only then should one begin—because only now is the child ready—with a truly simple, elementary description of nature. What one might call a curriculum arises entirely from a genuine observation of the human being down to the smallest detail. I have already drawn attention to this in the essay you have on “The Pedagogical Foundation of the Waldorf School.” There, too, I pointed to this stage around the age of nine. This stage can be characterized by saying that self-consciousness takes on a new form. The child becomes capable of viewing the external world more objectively. Previously, the child connects everything they see in the external world with their own being. Now, ego-consciousness does develop during the first seven-year period of life, around the ages of two, two and a half, and so on. But in the second seven-year period, it returns around the age of nine. This is, so to speak, one of the most striking returns—this return of ego-consciousness around the age of nine. Self-consciousness returns there in a more spiritual form, whereas in the second or third year of life it is more of a psychological phenomenon. This is just one of the events that recur in a very noticeable way. But one can certainly perceive this in relation to less significant events in human life as well.
[ 15 ] Diese Intimitäten des Menschenlebens, die werden für die Zukunft der menschlichen Entwickelung dringend, ganz dringend notwendig sein. Die Einsicht in solche Dinge wird allmählich allgemeine Bildung werden müssen. Diese allgemeine Menschenbildung ändert sich ja von Zeitraum zu Zeitraum. Heutzutage, nicht wahr, sind wir schon unglücklich, wenn unsere Kinder zehn Jahre alt geworden sind und gewisse Dinge noch nicht rechnen können. Die Römer waren es noch gar nicht; aber sie waren unglücklich, wenn ein solcher Junge die Zwölftafelgesetze noch nicht gekannt hat, während wir wieder weniger Sorgfalt darauf verwenden, daß unsere Kinder die Gesetzesbestimmungen kennen. Es wäre auch mit unserer Seelenverfassung schlimm bestellt, wenn es noch geschähe. Aber dasjenige, wovon man glaubt, daß es allgemeines Bewußtsein sein muß, das ändert sich, und wir stehen jetzt am Ausgangspunkte einer Zeit, wo aus der Entwickelung der Erde, der Menschheit heraus solche Intimitäten des Seelenlebens zum allgemeinen Bewußtsein kommen müssen. Der Mensch muß dahin kommen, sich genauer kennenzulernen, als man das bis jetzt für nötig gehalten hat. Sonst würden diese Dinge in der ungünstigsten Weise auf die Verfassung des ganzen Menschenlebens zurückwirken.
[ 15 ] These intimate aspects of human life will be urgently—very urgently—necessary for the future of human development. An understanding of such things will gradually have to become part of general education. This general human education, of course, changes from one era to the next. Nowadays, aren’t we already unhappy when our children have turned ten and still cannot do certain calculations? The Romans were not at all like that; but they were unhappy if such a boy did not yet know the Twelve Tables, whereas we, in turn, pay less attention to ensuring that our children know the provisions of the law. Our spiritual constitution would also be in a sorry state if that were still the case. But what is believed to be general consciousness is changing, and we now stand at the starting point of an era in which, out of the development of the Earth and of humanity, such intimate aspects of spiritual life must enter into general consciousness. Human beings must come to know themselves more intimately than has been deemed necessary until now. Otherwise, these things would have the most adverse effect on the very fabric of human life.
[ 16 ] Daß wir nicht wissen, wo irgend etwas, das uns erregt, seinen Ursprung hat, das hat ja nicht zur Folge, daß es in unserem Seelenleben nicht vor sich geht. Die Dinge kommen zurück, sie üben ihren Einfluß auf unser Seelenleben aus. Wir können sie uns nicht erklären, wir nehmen sie gar nicht einmal in unser Bewußtsein auf. Die Folge davon ist, daß wir allerlei Zustände kriegen. Und die Leute leiden heute sehr unter solchen Zuständen, die man einfach hinnimmt, von denen man natürlich nicht weiß, daß sie zurückführen auf frühere Erlebnisse. Was gefühlsmäßig ist, kommt in irgendeiner Weise zurück. Sie können sich das, ich möchte sagen, gedächtnismäßig einfach durch das zusammenhalten, was ich öfter wie eine Art Repräsentanz für diese Dinge sage. Lehren wir ein Kind beten, das heißt, Gebetsstimmung gefühlsmäßig entwickeln, so schwingt das auch einmal zurück. Allerdings, es schwingt später zurück, nach sehr langer Zeit, es schwingt auch zwischendurch zurück, aber es schwingt wieder weiter und schwingt wiederum zurück. Nach sehr langer Zeit kommt das Beten dadurch zurück, daß wir die Seelenstimmung des Segnens entwickeln können. Deshalb sage ich so häufig: Kein bejahrter Mensch wird segnen können wirksam durch die Imponderabilien, der nicht in seiner Kindheit beten gelernt hat. Das Beten wandelt sich um ins Segnen. Das sind die Rückkehrungen des Lebens.
[ 16 ] The fact that we do not know where anything that stirs us originates does not mean that it does not take place in our inner life. These things return; they exert their influence on our inner life. We cannot explain them; we do not even bring them into our consciousness. The result is that we experience all sorts of states. And people today suffer greatly from such states, which they simply accept—states of which they naturally do not realize are rooted in earlier experiences. Whatever is emotional comes back in some way. You can understand this, I would say, in terms of memory simply by connecting it to what I often refer to as a kind of representation of these things. When we teach a child to pray—that is, to develop a prayerful mood emotionally—this also resonates back at some point. Admittedly, it resonates back later, after a very long time; it also resonates back in between, but it continues to resonate outward and then resonates back again. After a very long time, prayer returns through our ability to develop the spiritual disposition of blessing. That is why I so often say: No elderly person will be able to bless effectively through the imponderables unless they learned to pray in childhood. Prayer transforms into blessing. These are the cycles of life.
[ 17 ] Diese Dinge wird man nach und nach verstehen müssen. Daß diese Dinge heute noch nicht verstanden werden, das ist der Grund, warum auch nicht die große Bedeutung des Mysteriums von Golgatha von den Menschen durchschaut werden kann. Was hat es denn schließlich für die Menschen, die so ganz in der heutigen Bildung befangen sind, für eine Bedeutung, wenn man ihnen sagt: nachdem der Christus durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, verband er sich mit dem Leben der Erdenmenschheit? Die Menschen wollen sich ja gar keine Vorstellung davon machen, wie sie selbst in Wechselbeziehung stehen zu dem, worinnen der Christus ist. Für unsere Kopfvorstellung ist nicht viel bemerklich von dem Einfluß des Christus-Impulses. Sobald wir aber hinunterschauen ins Unbewußte, in die Fühlsphäre und Willenssphäre, dann leben wir erstens in der Sphäre der Elementarwesen, aber diese Sphäre der Elementarwesen, die wird für uns zu gleicher Zeit durchwoben von dem Christus-Impuls. Wir tauchen durch unser rhythmisches System, physiologisch gesprochen, durch unsere Fühlsphäre, in das Gebiet hinunter, mit dem sich der Christus für das Erdendasein vereinigt hat. Da finden wir also sozusagen den Ort, an dem der Christus real, nicht nur durch Tradition oder durch eine subjektive Mystik, sondern real, objektiv zu finden ist. Wir leben aber zu gleicher Zeit in der Epoche, von welcher an die Ereignisse, die von diesem Orte kommen, wie ich Ihnen neulich auseinandergesetzt habe, eine große objektive Bedeutung für das Menschenleben haben, denn sie gewinnen allmählich für die menschlichen Entschlüsse, für das, was die Menschen tun, wenn sie sich dagegen sträuben, einen unbewußten Einfluß. Wenn die Menschen eingehen darauf, können sie einen bewußten Einfluß erleben, das heißt, wir können mit ihnen rechnen, wir können gewissermaßen die geistigen Welten, die zu uns gehören, aufrufen, mit uns zu wirken.
[ 17 ] These things will have to be understood little by little. The fact that these things are not yet understood today is the reason why people cannot grasp the great significance of the Mystery of Golgotha. After all, what significance does it have for people who are so completely caught up in today’s education when they are told: after Christ had passed through the Mystery of Golgotha, he united himself with the life of humanity on Earth? People do not want to form any conception at all of how they themselves are interconnected with that in which Christ is present. To our intellectual understanding, little of the influence of the Christ impulse is apparent. But as soon as we look down into the unconscious, into the sphere of feeling and the sphere of will, we find ourselves first of all in the sphere of the elemental beings; yet this sphere of the elemental beings is, at the same time, interwoven with the Christ impulse. Through our rhythmic system—physiologically speaking, through our sphere of feeling—we descend into the realm with which Christ has united Himself for earthly existence. There, so to speak, we find the place where Christ can be found in reality—not merely through tradition or subjective mysticism, but in reality, objectively. At the same time, however, we are living in the epoch from which onward the events emanating from this place—as I explained to you recently—have great objective significance for human life, for they gradually exert an unconscious influence on human decisions and on what people do, even when they resist them. If people respond to this, they can experience a conscious influence; that is to say, we can count on them; we can, so to speak, call upon the spiritual worlds that belong to us to work with us.
[ 18 ] Auch äußerlich läßt sich erkennen, wie wir in dieser Beziehung an einem Wendepunkt der Menschheitsentwickelung stehen. Ich brauche ja nur auf eine Tatsache hinzuweisen, von der ich Ihnen von dem einen oder anderen Gesichtspunkte aus schon öfter einmal gesprochen habe. Wenn wir Geschichtsbetrachtungen nehmen, gewöhnliche, heute dargestellte Geschichte, so werden wir uns sagen: Diese Geschichtsbetrachtungen sind eigentlich noch nicht vorgedrungen zu dem Mysterium von Golgatha. Nehmen Sie einmal nur das, was Ihnen gewöhnlich vorgelegen hat als Weltgeschichte. Gewiß, es werden Ihnen da geschildert die Zeiten des alten assyrischen, babylonischen Reiches, des alten Perserreiches, des ägyptischen Reiches, Griechenlands, Roms. Dann wird vielleicht erwähnt, daß auch das Mysterium von Golgatha stattgefunden hat, dann wird aber weiter verfolgt die Geschichte über die Völkerwanderungen hin und so weiter, für die einen bis zu Ludwig XIV. oder bis zur Französischen Revolution oder Poincare, für die anderen bis zum Untergang der Hohenzollern und so weiter. Aber von dem Fortwalten des Christus-Impulses finden Sie in der gewöhnlichen Fable convenue, die man «Geschichte» nennt, nichts, gar nichts. Es ist für die geschichtliche Betrachtung eigentlich so, wie wenn für sie der ChristusImpuls ausgeschaltet würde. Es ist merkwürdig, wie zum Beispiel ein solcher Historiker wie Ranke, der ein gläubiger Christ war und auf den Christus-Impuls subjektiv sehr viel gegeben hat, als Historiker das Christus-Ereignis in die Geschichte nicht hereinbringen kann. Er kann nichts damit anfangen. Es spielt in der geschichtlichen Darstellung das Christus-Ereignis keine Rolle. So daß wir sagen können: Für diejenige Geisteserkenntnis des Menschen, die sich bisher in seiner Geschichte offenbart, ist das Christentum eigentlich noch nicht da. Und erst unsere anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft rechnet in positiver Weise, indem sie Geschichte darstellt, mit der Notwendigkeit des vierten nachatlantischen Zeitraums, durch die hereinbrechen mußte in die konkrete geschichtliche Entwickelung das Ereignis von Golgatha. Und wir stellen Geschichte so dar, wie Sie wissen, daß dieses Ereignis von Golgatha in unserer Geschichtsdarstellung drinnensteht. Ja, wir gehen weiter: Wir stellen nicht nur die Geschichtsentwickelung des Menschen dar, indem wir das Ereignis von Golgatha aufnehmen, sondern wir stellen auch die Weltentwickelung, die kosmische Entwickelung so dar, daß wir das Mysterium von Golgatha in der kosmischen Entwickelung drinnen haben.
[ 18 ] Even from an external perspective, it is evident that we are at a turning point in human development in this regard. I need only point to a fact that I have spoken to you about on more than one occasion from one perspective or another. When we consider historical accounts—the ordinary history as it is presented today—we will say to ourselves: These historical accounts have not yet truly penetrated to the mystery of Golgotha. Just take, for example, what has usually been presented to you as world history. Certainly, it describes the eras of the ancient Assyrian and Babylonian empires, the ancient Persian Empire, the Egyptian Empire, Greece, and Rome. Then it may be mentioned that the Mystery of Golgotha also took place, but then the narrative continues through the Migration Period and so on—for some, up to Louis XIV or the French Revolution or Poincaré; for others, up to the fall of the Hohenzollerns and so on. But in the ordinary “fable convenue” that is called “history,” you will find nothing—absolutely nothing—about the continued influence of the Christ impulse. From a historical perspective, it is actually as if the Christ impulse had been eliminated from the narrative. It is remarkable how, for example, a historian like Ranke—who was a devout Christian and who, subjectively, attached great importance to the Christ impulse—is, as a historian, unable to incorporate the Christ event into history. He cannot make sense of it. The Christ event plays no role in the historical narrative. So we can say: For the spiritual insight of humankind that has been revealed in its history thus far, Christianity is not yet truly present. And only our anthroposophically oriented spiritual science takes into account, in a positive way, the necessity of the fourth post-Atlantean epoch—through which the event of Golgotha had to break into concrete historical development—when presenting history. And we present history in such a way—as you know—that this event of Golgotha is at the very heart of our historical account. Indeed, we go further: We do not merely present the historical development of humanity by incorporating the event of Golgotha, but we also present world development—cosmic development—in such a way that the Mystery of Golgotha is embedded within cosmic development.
[ 19 ] Wenn Sie meine «Geheimwissenschaft im Umriß» auf sich wirken lassen, so werden Sie sehen, daß da nicht nur geredet wird von Sonnenfinsternissen, die vergangen sind, oder Mondenfinsternissen, die vergangen sind, oder irgendwelchen Explosionen oder Eruptionen im Weltenall, sondern da wird als von einem kosmischen Ereignis von dem Christus-Ereignis gesprochen. Und sonderbar: Wenn man von der Geschichte zunächst nur sagen kann, daß die Historiker, die sogenannten Historiker keine Möglichkeit finden, das Christus-Ereignis einzureihen in den Fortgang des historischen Werdens, da werden die offiziellen Vertreter der Bekenntnisse geradezu wild. Wenn sie hören: hier ist etwas wie anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, die von dem Christus-Ereignis als einem kosmischen Ereignis spricht, da beginnen die Leute, die die offiziellen Vertreter der Bekenntnisse sind, furchtbar zu schimpfen. Daraus ersehen Sie, wie wenig diese Bekenntnisse geneigt sind, die großen Anforderungen unserer Zeit wirklich zu erfüllen, das Christus-Ereignis in Zusammenhang zu bringen mit den Weltereignissen überhaupt. Man muß sagen: Leute, die heute oftmals von dem Christus sprechen, sogar Theologen, sie sprechen von diesem Christus gar nicht anders, als sie von irgendeinem allgemeinen göttlichen Wesen sprechen, nicht anders, als die alten Juden oder die Juden noch heute von ihrem Jahve oder Jehova sprechen. Und ich habe Ihnen ja neulich gesagt: Sie können das Buch von Harnack «Das Wesen des Christentums» nehmen und den Christus-Namen überall da, wo er ihn braucht, ausstreichen und den allgemeinen Gottes-Namen hinsetzen, dann ändert sich der Sinn nicht, weil der Mann gar keine Ahnung hat von dem Spezifischen des Christentums. Ja, das Buch «Das Wesen des Christentums» von Harnack, das ist Seite für Seite eine Schilderung des Gegenteiles des Wesens des Christentums, denn es handelt gar nicht vom Christentum, es handelt von einer allgemeinen Jahve-Lehre. Es ist sehr wichtig, auf diese Dinge hinzuweisen, denn diese Dinge hängen durchaus mit den notwendigsten Forderungen unserer Gegenwart zusammen. Und dasjenige, was einströmen muß in die menschliche Kulturentwickelung, das ist das Bewußtsein der Menschen von dem Vorhandensein nicht nur einer allgemeinen, abstrakten geistigen Welt, sondern der konkreten geistigen Welt, in der wir drinnen leben mit dem, was wir fühlen und wollen und tun, und aus der wir nur herausragen durch dasjenige, was wir denken, durch unser Haupt nur herausragen. Es ist schon so, daß in der Tat eine neue Art Weltanschauung dadurch gerechtfertigt wird, daß man anstrebt die wirkliche Durchdringung desjenigen, was wir fühlen und wollen und tun, mit dem Christus-Impuls.
[ 19 ] If you allow my Outline of Esoteric Science to sink in, you will see that it does not merely speak of solar eclipses that have passed, or lunar eclipses that have passed, or any explosions or eruptions in the cosmos, but rather speaks of the Christ event as a cosmic event. And it is strange: when one can initially say about history only that historians—the so-called historians—find no way to place the Christ Event within the course of historical development, the official representatives of the denominations become downright furious. When they hear about something like anthroposophically oriented spiritual science, which speaks of the Christ Event as a cosmic event, these people—who are the official representatives of the denominations—begin to rant and rave terribly. From this you can see how little these denominations are inclined to truly meet the great demands of our time—to relate the Christ event to world events in general. It must be said: People who speak of Christ today—even theologians—speak of this Christ in no different way than they speak of some general divine being, no different from the way the ancient Jews or the Jews of today speak of their Yahweh or Jehovah. And as I told you recently: You can take Harnack’s book The Essence of Christianity and cross out the name “Christ” wherever he uses it, replacing it with the general name for God, and the meaning will not change, because the man has absolutely no idea about what is specific to Christianity. Yes, Harnack’s book The Essence of Christianity is, page by page, a description of the very opposite of the essence of Christianity, for it is not about Christianity at all; it is about a general doctrine of Yahweh. It is very important to point out these things, for they are closely connected with the most essential demands of our present time. And what must flow into the development of human culture is people’s awareness of the existence not only of a general, abstract spiritual world, but of the concrete spiritual world in which we live with what we feel, will, and do—and from which we protrude only through what we think, protruding only with our heads. It is indeed the case that a new kind of worldview is justified by the striving for a genuine interpenetration of what we feel, will, and do with the Christ impulse.
[ 20 ] Daß unsere Astronomie, unsere Entwickelungslehre ganz in abstrakten Formeln sich entfaltet haben in der neueren Zeit, das ist nur dadurch möglich geworden, daß der Christus-Impuls zunächst nicht innerlich die Menschen ergriffen hat, sondern Tradition geblieben ist und höchst subjektiv die Menschen ergriffen hat, aber sie nicht ergriffen hat so innerlich, daß die innerlichen Erlebnisse solche sind, die zu gleicher Zeit objektive Weltenerlebnisse sind, das heißt, wo wir im Wechselspiel stehen mit dem, was geistig um uns herum vorgeht.
[ 20 ] The fact that our astronomy and our theory of evolution have developed entirely in the form of abstract formulas in recent times has only been possible because the Christ impulse did not initially take hold of people inwardly, but remained a tradition and affected people in a highly subjective way, but it did not move them so deeply that their inner experiences were at the same time objective experiences of the world—that is, where we are in interaction with what is happening spiritually around us.
[ 21 ] Man sieht heute da oder dort wohl ein starkes Bewußtsein davon auf dämmern, daß neue Impulse für die Menschheitsentwickelung notwendig sind. Aber dazu können sich die Menschen so schwer entschließen, zu einem konkreten Geistesleben zu greifen. Wenn sie vom Geiste sprechen, so haben sie immer doch mehr oder weniger die Sehnsucht, im Abstrakten drinnen zu leben.
[ 21 ] Here and there today, one can see a growing awareness dawning that new impulses are necessary for the development of humanity. But people find it so difficult to bring themselves to embrace a concrete spiritual life. When they speak of the spirit, they still have, to a greater or lesser extent, a longing to live within the abstract.
[ 22 ] Selbst das Bewußtsein von unserer Stellung zu unseren Gedanken muß sich in einer gewissen Weise ändern. Von dem einen oder dem anderen Gesichtspunkte aus habe ich ja schon aufmerksam gemacht auf das, was ich hiermit eigentlich meine, denn ich habe ja oftmals auch in öffentlichen Vorträgen darauf hingedeutet, daß das Vortragen von anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft gerade in unserer Gegenwart nicht unter irgendeinem Programmziel erfolgt, nicht aus der Vorliebe, sich gerade nach dieser Richtung hin für irgendein Ideal zu begeistern, sondern aus der Einsicht in dasjenige, was der Menschheit heute not tut. Und damit muß wieder angeknüpft werden an gewisse Seelenverfassungen früherer Zeiten, die auch vorhanden waren in Epochen, in denen die Menschen mehr zusammenhingen mit ihrer wirklichen geistigen Umgebung. In früheren Zeiten war das anders. Heute sollten wir aber das ganz besonders stark fühlen. Ich habe es öfters ausgeführt: Von außen kann uns eigentlich heute als Mensch nichts mehr blühen. Wir müssen die Fortschrittsimpulse für die Menschenentwickelung von innen heraus, von unserem Zusammenhang mit der geistigen Welt aus holen, und wir müssen eigentlich ein gutes Auge dafür haben, wie dasjenige, was wir erleben, ohne daß wir selber etwas dazu tun, eigentlich immer mehr und mehr Niedergangserlebnisse werden. Wir befinden uns gewissermaßen schon im Abstieg der Erdenentwickelung, und wir müssen als Menschen uns hinaufschwingen, damit wir über die Erdenentwickelung hinauskommen durch unseren Zusammenhang mit der geistigen Welt. Dadurch aber wird das, was wir erkenntnismäßig anstreben, empfunden werden müssen als eine Kraft, die uns möglich macht, als Gesamtheit des Menschentums so in nächste Entwickelungsstadien hinüberzugehen, wenn die Erde unter uns abstirbt, wie wir in andere Entwickelungsstadien im Kleinen übergehen, wenn der Leib abstirbt, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen. Wir gehen als einzelner Mensch durch die Pforte des Todes, das heißt, in die geistige Welt ein, der Leib stirbt unter uns ab. So wird es einstmals im Gesamten der Menschheit sein. Diese Menschheit wird sich in der Gesamtheit zum Jupiterdasein — ich nenne es Jupiterdasein hinüber entwickeln. Die Erde wird Leichnam. Wir sind jetzt schon in der Absterbe-Entwickelung. Der einzelne Mensch kriegt Runzeln, kriegt graue Haare. Die Erde hat heute für den Geologen, der wirklich beobachten kann — ich habe Ihnen erst neulich darüber gesprochen —, deutliche Zeichen ihres Altwerdens. Sie stirbt unter uns ab. Dasjenige, was wir heute geistig aufsuchen, das ist also in der Tat ein Entgegenarbeiten gegen den Prozeß des Alterns bei der Erde. Dieses Bewußtsein, das ist es, womit wir uns durchdringen sollen.
[ 22 ] Even our awareness of our relationship to our thoughts must change in a certain way. From one perspective or another, I have already drawn attention to what I actually mean by this, for I have often pointed out in public lectures that the presentation of anthroposophically oriented spiritual science—especially in our present time—does not take place as part of any programmatic goal, nor out of a preference for becoming enthusiastic about a particular ideal in this direction, but rather out of an understanding of what humanity needs today. And this requires reconnecting with certain spiritual dispositions of earlier times, which also existed in epochs when people were more closely connected to their true spiritual environment. Things were different in earlier times. Today, however, we should feel this particularly strongly. I have often explained: From the outside, nothing can truly blossom for us as human beings today. We must draw the impulses for human development from within, from our connection with the spiritual world, and we must actually be keenly aware of how what we experience—without any action on our part—is, in fact, increasingly becoming an experience of decline. In a sense, we are already in the downward phase of Earth’s evolution, and we as human beings must rise above it so that we can transcend Earth’s evolution through our connection to the spiritual world. Through this, however, what we strive for in terms of knowledge must be perceived as a force that enables us, as the entirety of humanity, to pass over into the next stages of development when the Earth dies beneath us—just as we pass over into other stages of development on a smaller scale when the body dies, when we pass through the gate of death. As individual human beings, we pass through the gate of death—that is, we enter the spiritual world—while the body dies away beneath us. So it will one day be for humanity as a whole. Humanity as a whole will evolve into a Jupiter-like existence—I call it a Jupiter-like existence. The Earth will become a corpse. We are already in the process of dying. The individual human being develops wrinkles and gray hair. For the geologist who can truly observe—I spoke to you about this just the other day—the Earth today shows clear signs of aging. It is dying away beneath us. What we seek spiritually today is, in fact, a counteraction to the Earth’s process of aging. This awareness is what we must allow to permeate us.
[ 23 ] Von einem anderen Gesichtspunkt aus haben frühere Zeiten ihr Mysterienwissen bezeichnet als etwas, was der Heilkraft, auch der physischen Heilkraft verwandt ist. Dieses Bewußtsein muß auch heute wiederum beginnen, die Menschheit zu durchdringen. Es muß das Streben nach der Erkenntnis das Bewußtsein erzeugen: man tut damit etwas für die Weiterentwickelung der ganzen Menschheit. Zu diesem Bewußtsein wird man natürlich niemals kommen, wenn man das Konkrete, das uns umspielt in der Weise, wie ich es beschrieben habe, nicht ins Auge faßt, denn da wird man dasjenige, was der Mensch fühlt und will und tut, eigentlich nur als seine eigene persönliche Angelegenheit ansehen. Man wird nicht wissen, daß das etwas ist, was sich da draußen auch abspielt. Aber es wird notwendig sein, daß — und da muß ich jetzt eine Anmerkung machen, die vielleicht nicht so ganz allgemein verständlich sein kann — auch die, ich will sagen, exakteren Seiten des menschlichen Wissens solchen Bestrebungen entgegenkommen. Die sind aber heute noch gar nicht auf der Höhe, wirklich gar nicht auf der Höhe. Sie können zum Beispiel heute noch immer die unmöglichsten Vorstellungen in der exakten Wissenschaft finden. Ich will nur einiges erwähnen, was vielleicht allgemein verständlich sein kann. Sagen wir, die Leute stellen sich gewöhnlich trivial vor (es wird gezeichnet): Irgendwo ist die Sonne. Von der Sonne geht Licht aus nach allen Seiten, wie von einer anderen Lichtquelle. Und Sie können es überall verfolgen, daß die Leute, die mit mathematischen Vorstellungen dieser Ausbreitung des Lichtes folgen, sagen: Na ja, das Licht breitet sich eben aus ins Unendliche, und dann verschwindet es irgendwie. An seiner eigenen Schwäche geht es, indem es sich ausbreitet ins Unendliche, dann verloren. — Aber so ist es nicht. Alles, was sich so ausbreitet, gelangt an eine Grenze, und von dieser Grenze schwingt es wiederum zurück, kommt als etwas anderes wiederum zu seinem Ursprung zurück. Das Sonnenlicht geht nicht in die Unendlichkeit, sondern schwingt in sich selbst wiederum zurück, nicht als Licht, jedoch als etwas anderes; aber es schwingt wiederum zurück.
[ 23 ] From another perspective, people in earlier times described their esoteric knowledge as something related to the power of healing, including physical healing. This awareness must once again begin to permeate humanity today. The striving for knowledge must give rise to the awareness that, in doing so, one is contributing to the further development of all humanity. Of course, one will never arrive at this awareness if one does not take into account the concrete realities that surround us in the way I have described, for then one will view what a person feels, wills, and does as nothing more than their own personal affair. One will not realize that this is something that is also taking place out there. But it will be necessary—and here I must make a remark that may not be entirely understandable to everyone—that even the, shall I say, more exact branches of human knowledge accommodate such endeavors. But today they are not yet up to the task—really not at all. For example, even today you can still find the most impossible notions in the exact sciences. I’ll just mention a few things that might be generally understandable. Let’s say people usually imagine it in a trivial way (it is drawn): Somewhere there is the sun. Light radiates from the sun in all directions, just like from any other light source. And you can see everywhere that people who follow this propagation of light using mathematical concepts say: Well, the light simply spreads out into infinity, and then it somehow disappears. As it spreads out into infinity, it is lost due to its own weakness. — But that is not how it is. Everything that spreads out in this way reaches a boundary, and from this boundary it oscillates back again, returning to its origin as something else. Sunlight does not go into infinity, but oscillates back into itself, not as light, but as something else; yet it does oscillate back.


[ 24 ] Und so ist es im Grunde genommen mit jedem Lichte. So ist es im Grunde genommen mit allen Wirkungen. Alle Wirkungen unterliegen im Grunde genommen dem Gesetze der Elastizität, die eine Elastizitätsgrenze hat. Solche Vorstellungen aber, die finden Sie heute gang und gäbe in unserer sogenannten exakten wissenschaftlichen Darstellung, und man rechnet heute viel zu wenig mit den Wirklichkeiten. Wenn Sie Physiker wären, würde ich Sie darauf aufmerksam machen, wie die Leute heute in der Physik rechnen mit Weg, der zurückgelegt wird, und mit Zeit. Und dann nennen sie die Geschwindigkeit, die man gewöhnlich mit c oder v bezeichnet, eine Funktion von Weg und Zeit, und stellen es als einen Quotienten dar (es wird an die Tafel geschrieben «Weg», «Zeit» und die Formel:)
[ 24 ] And that is essentially the case with every kind of light. That is essentially the case with all effects. All effects are, in essence, subject to the law of elasticity, which has a limit of elasticity. Such ideas, however, are commonplace today in our so-called exact scientific descriptions, and far too little account is taken of reality. If you were a physicist, I would point out to you how people in physics today calculate using distance traveled and time. And then they call the speed—usually denoted by c or v—a function of distance and time, and represent it as a quotient (it is written on the board: “distance,” “time,” and the formula:)
$$c = \frac{s}{t}$$$$c = \frac{s}{t}$$[ 25 ] Aber das ist durchaus falsch. Nicht die Geschwindigkeit ist ein Resultat, sondern die Geschwindigkeit ist das Elementare, das irgend etwas, sei es ein Materielles oder ein Geistiges, in sich trägt, und wir zerlegen die Geschwindigkeit in den Weg, in Raum und in die Zeit. Wir abstrahieren die zwei Dinge heraus. Raum und Zeit als solche sind nichts Reales. Geschwindigkeiten sind in der Welt etwas Reales, verschiedene Geschwindigkeiten. Das ist eine Anmerkung, die ich nur für Physiker mache, die Physiker werden mich aber verstehen, daß selbst in all den Dingen, die heute zugrunde gelegt werden theoretisch unserem Zeitwissen, brüchige Bedingungen walten. Überall sind Bedingungen drinnen, die nur dadurch darinnen stecken, daß wir nicht imstande sind, das Geistige als ein Konkretes zu erfassen.
[ 25 ] But that is entirely wrong. Speed is not a result; rather, speed is the fundamental element that anything—be it material or mental—contains within itself, and we break speed down into distance, space, and time. We abstract these two things out. Space and time as such are not real. Speeds are real in the world—different speeds. This is a remark I make only for physicists, but physicists will understand me when I say that even in all the things that today form the theoretical basis of our understanding of time, fragile conditions prevail. Everywhere there are conditions that exist solely because we are unable to grasp the spiritual as something concrete.
[ 26 ] Das ist das Erfordernis der Michael-Zeit, daß die Menschheit in die Lage komme, das Geistige in seiner Konkretheit zu erfassen, das heißt, mit der menschlichen Umgebung so zu rechnen, daß man ebenso, wie man sagt, Luft und Wasser ist in der Umgebung, die verschiedenen elementaren und höheren Wesenheiten in der Umgebung weiß. Das ist es, worauf es ankommt, und das ist etwas, was Menschenbildung wieder werden muß, wie es in alten Zeiten auch Menschenbildung war. Man will das nur nicht zugeben. Man will durchaus solche Umschwünge in der Menschheitsentwickelung, wie sie stattgefunden haben zum Beispiel in der Mitte des 15. Jahrhunderts, nicht zugeben. An Einzelheiten kann man aber nachweisen, daß das so ist.
[ 26 ] This is the requirement of the Michael era: that humanity be enabled to grasp the spiritual in its concreteness—that is, to relate to the human environment in such a way that, just as we say air and water are part of the environment, we recognize the various elemental and higher beings in the environment. That is what matters, and that is something that human education must once again become, just as it was in ancient times. People simply do not want to admit it. They are absolutely unwilling to acknowledge such turning points in human development as those that took place, for example, in the middle of the 15th century. Yet one can demonstrate from specific details that this is indeed the case.
[ 27 ] Irgendein, ich weiß nicht, Schwede oder Norweger, hat vor kurzer Zeit ein Buch geschrieben, worinnen er viel aus Alchimisten zitiert. Da zitiert er besonders eine Stelle aus einem Alchimisten, worinnen alles mögliche vorkommt, Merkur, Antimon und so weiter. Und nun sagt jener Schriftsteller von heute, der — wie man es seinem Buche ansieht — ein ganz exzellenter Chemiker von heute ist: er kann sich nichts vorstellen bei diesem chemischen Rezept, das da bei einem Alchimisten angegeben ist. — Er kann sich wirklich nichts darunter vorstellen, aus dem einfachen Grunde, weil, wenn der heutige Chemiker von Merkur redet, von Quecksilber, so ist ihm dies das Mineral Quecksilber; wenn der heutige Chemiker von Antimon redet, so ist ihm dies das Metall und so weiter. Die Worte bedeuten aber in dem Buche, das er zitiert, etwas ganz anderes, gar nicht das äußere Metall, sondern gewisse Vorgänge, die im menschlichen Organismus drinnen vorkommen. Es ist menschliche Innenerkenntnis. Schreibt man sie auf in dem Sinne, wie sie präsent, gegenwärtig war in dem Bewußtsein des Schriftstellers, den da der gute Herr von heute zitiert, so kann man sie heute lesen wie die Beschreibung eines Laboratoriumvorganges, der mit Retorten arbeitet und dergleichen beschreiben kann. Nur gewinnt man keinen Sinn daraus. Man kann die Dinge nur als Unsinn ansehen. Es hat aber einen Sinn, sobald man weiß, was in diesen alten Zeiten mit Antimon, mit Merkur und so weiter gemeint war, und daß da zwar sich auch ein Aspekt ergab für das äußere Mineral, daß aber vor allen Dingen mit diesen Vorgängen innere Vorgänge der menschlichen Natur gemeint waren, für die man aber andere Mittel hatte, als man sie heute hat. Daher muß derjenige, der die Literatur vor dem 15. Jahrhundert liest, mit ganz anderem Sinn lesen als der, der nachher liest. An solchen Dingen könnte man auch äußerlich das ganze Umwandeln der Seelenverfassung studieren. Nun leben wir heute eben in einer Zeit, in der man beginnen muß, auf solche Dinge, auf die die Menschheit durch Jahrhunderte keinen Wert gelegt hat, einen starken Wert zu legen.
[ 27 ] Some guy—I don’t know, a Swede or a Norwegian—recently wrote a book in which he quotes extensively from alchemists. In particular, he quotes a passage from an alchemist that mentions all sorts of things: mercury, antimony, and so on. And now this modern writer—who, as his book shows, is an excellent modern chemist—says he can’t make sense of this chemical formula given by an alchemist. — He really cannot make sense of it, for the simple reason that when today’s chemist speaks of “Mercury”—meaning quicksilver—he refers to the mineral quicksilver; when today’s chemist speaks of “antimony,” he refers to the metal, and so on. But in the book he is quoting, these words mean something entirely different—not the external metal at all, but certain processes that take place within the human organism. It is human inner knowledge. If one writes it down in the sense in which it was present in the consciousness of the author whom the good gentleman of today is quoting, one can read it today as a description of a laboratory process involving retorts and the like. But one derives no meaning from it. One can only regard these things as nonsense. Yet it does make sense once one understands what was meant in those ancient times by antimony, mercury, and so on—and that while an aspect of the external mineral was indeed involved, these processes primarily referred to inner processes of human nature, for which, however, people had different means than we do today. Therefore, anyone reading literature from before the 15th century must read it with a completely different understanding than someone reading it afterward. Through such things, one could also study, from an external perspective, the entire transformation of the soul’s constitution. Now, we live today in an age in which we must begin to place great value on such things—things to which humanity has attached no value for centuries.
