World New Year's Eve and New Year's Reflections
GA 195
21 December 1919, Stuttgart
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Weltsilvester und Neujahrsgedanken
Erster Vortrag
Erster Vortrag
[ 1 ] Diejenigen von Ihnen, welche die letzten hier gehaltenen Vorträge gehört haben, werden aus den darin angestellten Betrachtungen entnommen haben, inwiefern es durchaus gegenwärtig eine Zeitforderung ist, die sogenannte Wissenschaft der Initiation, die wirkliche Wissenschaft vom geistigen Leben in unsere ganze Kulturentwickelung einfließen zu lassen. Und manches habe ich auch schon darüber gesprochen, welches die Hindernisse sind, die sich diesem Einfließen der Wissenschaft von der geistigen Welt in unser gegenwärtiges Kulturleben, und wohl auch noch in das Kulturleben der Zukunft, entgegenstellen. Da ist ja vor allen Dingen erstens dasjenige, was ich öfters charakterisiert habe als die Furcht vor der geistigen Erkenntnis. Man braucht dieses wohl nur auszusprechen und es wird in der Gegenwart von allen Seiten gewissermaßen «beleidigt» getan werden. Denn wie sollte es denn nach der Ansicht mancher Menschen zutreffend sein, daß in jener Zeit, in der man es so herrlich weit gebracht hat, die Menschen irgendwelche Furcht vor einer Erkenntnis _ haben? Die Menschen glauben ja heute, in der Lage zu sein, gewissermaßen alles, alles mit ihren Erkenntniskräften umfassen zu können. Die Furcht aber, von der ich spreche und von der ich öfter gesprochen habe, die sitzt zunächst nicht im Bewußtsein der Menschen. Im Bewußtsein machen sich die Menschen vor, daß sie mutig genug seien, um jede Art von Erkenntnis entgegenzunehmen. Aber tief in demjenigen in der Seele, wovon die Menschen nichts wissen und auch heute im Grunde genommen nichts wissen wollen, da sitzt diese unbewußte Furcht, und weil diese Menschen diese unbewußte Furcht haben, so steigt ihnen allerlei auf von der Art von Gründen, die sie logische Gründe nennen, von denen sie vorgeben, daß sie logische Einwände gegen die Geisteswissenschaft seien. Es sind keine logischen Einwendungen, es sind nur Ausflüsse der in den Menschenseelen unbewußt waltenden Furcht vor der Wissenschaft vom Geiste. In den Untergründen des Seelenlebens weiß nämlich eigentlich ein jeder Mensch viel mehr als er denkt. Er will dieses Wissen, das in den Untergründen des Seelenlebens wurzelt, nur nicht heraufsteigen lassen, weil er sich eben davor fürchtet. Vor allen Dingen ahnt der Mensch eines von den übersinnlichen Welten: Er ahnt, daß in all dem, was er sein Denken nennt, in all dem, was er als seine Gedankenwelt bezeichnet, doch etwas enthalten ist von der übersinnlichen Welt. Selbst materialistisch gesinnte Menschen der Gegenwart können sich nicht immer der Ahnung entschlagen, daß in dem Gedankenleben doch etwas enthalten sei, das irgendwie auf eine übersinnliche Welt hinweist. Aber zu gleicher Zeit ahnt der Mensch noch etwas anderes von dieser Gedankenwelt: Er ahnt, daß diese Gedankenwelt sich zu einer gewissen Wirklichkeit etwa so verhält wie das Bild, das man in einem Spiegel sieht, sich verhält zu der Wirklichkeit, die abgespiegelt wird. Und so wie eigentlich das Bild im Spiegel keine Wirklichkeit ist, so müßte sich der Mensch auch gestehen, daß seine Gedankenwelt keine Wirklichkeit ist. In dem Augenblick, wo der Mensch den Mut, die Furchtlosigkeit hätte, sich zu gestehen, daß die Gedankenwelt eben keine Wirklichkeit ist, in dem Augenblicke würde er auch fassen müssen die Sehnsucht nach einer Erkenntnis der geistigen Welt. Denn man möchte doch wissen, worauf es hinweist, was man als ein Spiegelbild nur sieht.
[ 1 ] Diejenigen von Ihnen, welche die letzten hier gehaltenen Vorträge gehört haben, werden aus den darin angestellten Betrachtungen entnommen haben, inwiefern es durchaus gegenwärtig eine Zeitforderung ist, die sogenannte Wissenschaft der Initiation, die wirkliche Wissenschaft vom geistigen Leben in unsere ganze Kulturentwickelung einfließen zu lassen. Und manches habe ich auch schon darüber gesprochen, welches die Hindernisse sind, die sich diesem Einfließen der Wissenschaft von der geistigen Welt in unser gegenwärtiges Kulturleben, und wohl auch noch in das Kulturleben der Zukunft, entgegenstellen. Da ist ja vor allen Dingen erstens dasjenige, was ich öfters charakterisiert habe als die Furcht vor der geistigen Erkenntnis. Man braucht dieses wohl nur auszusprechen und es wird in der Gegenwart von allen Seiten gewissermaßen «beleidigt» getan werden. Denn wie sollte es denn nach der Ansicht mancher Menschen zutreffend sein, daß in jener Zeit, in der man es so herrlich weit gebracht hat, die Menschen irgendwelche Furcht vor einer Erkenntnis _ haben? Die Menschen glauben ja heute, in der Lage zu sein, gewissermaßen alles, alles mit ihren Erkenntniskräften umfassen zu können. Die Furcht aber, von der ich spreche und von der ich öfter gesprochen habe, die sitzt zunächst nicht im Bewußtsein der Menschen. Im Bewußtsein machen sich die Menschen vor, daß sie mutig genug seien, um jede Art von Erkenntnis entgegenzunehmen. Aber tief in demjenigen in der Seele, wovon die Menschen nichts wissen und auch heute im Grunde genommen nichts wissen wollen, da sitzt diese unbewußte Furcht, und weil diese Menschen diese unbewußte Furcht haben, so steigt ihnen allerlei auf von der Art von Gründen, die sie logische Gründe nennen, von denen sie vorgeben, daß sie logische Einwände gegen die Geisteswissenschaft seien. Es sind keine logischen Einwendungen, es sind nur Ausflüsse der in den Menschenseelen unbewußt waltenden Furcht vor der Wissenschaft vom Geiste. In den Untergründen des Seelenlebens weiß nämlich eigentlich ein jeder Mensch viel mehr als er denkt. Er will dieses Wissen, das in den Untergründen des Seelenlebens wurzelt, nur nicht heraufsteigen lassen, weil er sich eben davor fürchtet. Vor allen Dingen ahnt der Mensch eines von den übersinnlichen Welten: Er ahnt, daß in all dem, was er sein Denken nennt, in all dem, was er als seine Gedankenwelt bezeichnet, doch etwas enthalten ist von der übersinnlichen Welt. Selbst materialistisch gesinnte Menschen der Gegenwart können sich nicht immer der Ahnung entschlagen, daß in dem Gedankenleben doch etwas enthalten sei, das irgendwie auf eine übersinnliche Welt hinweist. Aber zu gleicher Zeit ahnt der Mensch noch etwas anderes von dieser Gedankenwelt: Er ahnt, daß diese Gedankenwelt sich zu einer gewissen Wirklichkeit etwa so verhält wie das Bild, das man in einem Spiegel sieht, sich verhält zu der Wirklichkeit, die abgespiegelt wird. Und so wie eigentlich das Bild im Spiegel keine Wirklichkeit ist, so müßte sich der Mensch auch gestehen, daß seine Gedankenwelt keine Wirklichkeit ist. In dem Augenblick, wo der Mensch den Mut, die Furchtlosigkeit hätte, sich zu gestehen, daß die Gedankenwelt eben keine Wirklichkeit ist, in dem Augenblicke würde er auch fassen müssen die Sehnsucht nach einer Erkenntnis der geistigen Welt. Denn man möchte doch wissen, worauf es hinweist, was man als ein Spiegelbild nur sieht.
[ 2 ] Nun aber hat dasjenige, was ich eben gesagt habe, ich möchte sagen, einen wichtigen polarischen Gegensatz. Wenn man durch die Wissenschaft der Initiationen aufsteigt über die Schwelle zur übersinnlichen Welt hinweg in die geistige Welt, dann wird umgekehrt alles das, was man hier als sinnliche Wirklichkeit erlebt, zu einem bloßen Bilde, zu einem Scheinbilde. Man steigt auf in die übersinnliche Welt und gerade so, wie hier, sagen wir, auf Erden die übersinnliche Welt ein Spiegelbild ist, im Spiegelbild vorhanden ist, so ist die Erdenwelt in der übersinnlichen Welt nurmehr als ein Spiegelbild vorhanden. Und derjenige, der aus der Wissenschaft der Initiation heraus spricht, muß daher selbstverständlich von der sinnlichen Wirklichkeit wie von Bildern bloß sprechen. Das fühlen dann die Menschen, daß ihnen das, worauf sie so bequem stehen können, was sie so bequem einatmen können, was sie so bequem sehen können, ohne daß sie etwas dazu tun als höchstens am Morgen die Augen aufzumachen und sie sich auszureiben, daß das zu einem bloßen Bilde wird. Dies fühlen dann die Menschen, und sie beginnen sich unsicher zu fühlen; sie beginnen sich etwa so unsicher zu fühlen wie ein Mensch, den man bei einem Spaziergang geführt hat bis an den Rand eines Abgrundes, und den dann der Schwindel der Furcht ergreift. Auf der einen Seite also müßte der Mensch fühlen, wie sein Denken hier in der Sinnenwelt bloß eine Summe von Bildern ist, auf der anderen müßte er fühlen — und er fühlt es auch, aber täuscht sich durch die unbewußte Furcht darüber hinweg —, daß dasjenige, was von der übersinnlichen Welt erzählt, diese Welt hier zu einem Bilde macht. Das, wie gesagt, fühlen die Menschen. Daher sträuben sie sich gegen das, was von der Wissenschaft der Initiation kommt. Sie sträuben sich, weil sie meinen, daß ihnen der sichere Untergrund des Daseins dann fehle, wenn man ihnen die Sinneswelt gewissermaßen zu einem bloßen Bilde macht.
[ 2 ] Nun aber hat dasjenige, was ich eben gesagt habe, ich möchte sagen, einen wichtigen polarischen Gegensatz. Wenn man durch die Wissenschaft der Initiationen aufsteigt über die Schwelle zur übersinnlichen Welt hinweg in die geistige Welt, dann wird umgekehrt alles das, was man hier als sinnliche Wirklichkeit erlebt, zu einem bloßen Bilde, zu einem Scheinbilde. Man steigt auf in die übersinnliche Welt und gerade so, wie hier, sagen wir, auf Erden die übersinnliche Welt ein Spiegelbild ist, im Spiegelbild vorhanden ist, so ist die Erdenwelt in der übersinnlichen Welt nurmehr als ein Spiegelbild vorhanden. Und derjenige, der aus der Wissenschaft der Initiation heraus spricht, muß daher selbstverständlich von der sinnlichen Wirklichkeit wie von Bildern bloß sprechen. Das fühlen dann die Menschen, daß ihnen das, worauf sie so bequem stehen können, was sie so bequem einatmen können, was sie so bequem sehen können, ohne daß sie etwas dazu tun als höchstens am Morgen die Augen aufzumachen und sie sich auszureiben, daß das zu einem bloßen Bilde wird. Dies fühlen dann die Menschen, und sie beginnen sich unsicher zu fühlen; sie beginnen sich etwa so unsicher zu fühlen wie ein Mensch, den man bei einem Spaziergang geführt hat bis an den Rand eines Abgrundes, und den dann der Schwindel der Furcht ergreift. Auf der einen Seite also müßte der Mensch fühlen, wie sein Denken hier in der Sinnenwelt bloß eine Summe von Bildern ist, auf der anderen müßte er fühlen — und er fühlt es auch, aber täuscht sich durch die unbewußte Furcht darüber hinweg —, daß dasjenige, was von der übersinnlichen Welt erzählt, diese Welt hier zu einem Bilde macht. Das, wie gesagt, fühlen die Menschen. Daher sträuben sie sich gegen das, was von der Wissenschaft der Initiation kommt. Sie sträuben sich, weil sie meinen, daß ihnen der sichere Untergrund des Daseins dann fehle, wenn man ihnen die Sinneswelt gewissermaßen zu einem bloßen Bilde macht.
[ 3 ] Nun kann gewiß nicht jeder ohne weiteres in der Gegenwart durchmachen, was derjenige durchzumachen hat, der praktisch unmittelbar in die Welt der Initiation eintritt. Denn ein solcher, der eintritt in die Welt der Initiation, muß darinnen nicht nur erkennen, was sich heute alle Menschen bestreben sollten zu erkennen, sondern er muß darinnen auch leben; er muß darinnen leben, wie man mit seinem Leibe lebt in der physisch-sinnlichen Welt. Das heißt, er muß gewissermaßen stellvertretend wirklich das durchmachen, was in der physisch-sinnlichen Welt nur durchzumachen ist in dem Moment des Todes. Er muß die Möglichkeit gewinnen, in einer Welt zu leben, für die gar nicht eingestellt ist der physisch-sinnliche Mensch. Schon wenn wir uns nur in den Finger schneiden, fühlen wir einen gewissen Schmerz, fühlen wir etwas Unbequemes. Warum fühlen wir da etwas Unbequemes, wenn wir uns in den Finger schneiden? Nun, aus dem einfachen Grunde, weil das Messer wohl die Haut und den Muskel und den Nerv zerschneidet, aber nicht den übersinnlichen Ätherleib. Wenn wir den unzerschnittenen Finger haben, dann paßt unser übersinnlicher Ätherleib zu diesem unzerschnittenen Finger; wenn wir den Finger zerschnitten haben und wir den Ätherleib doch nicht zerschneiden können, dann paßt der unzerschnittene Ätherleib nicht zu dem zerschnittenen Finger, und das ist der Grund, warum der astralische Leib dann den Schmerz fühlt. Von dem Nichtangepaßstsein an die sinnliche Leiblichkeit kommt das. Wenn der Mensch über die Schwelle zur übersinnlichen Welt eintritt in diese übersinnliche Welt, dann ist er mit seinen ganzen Leibern nicht mehr angepaßt an den sinnlichen Leib, dann fühlt er nach und nach so etwas ähnliches, wie er lokal fühlt, wenn er sich den Finger zerschnitten hat. Und dieses, meine lieben Freunde, dieses ist in einer unbegrenzten Steigerung zu denken.
[ 3 ] Nun kann gewiß nicht jeder ohne weiteres in der Gegenwart durchmachen, was derjenige durchzumachen hat, der praktisch unmittelbar in die Welt der Initiation eintritt. Denn ein solcher, der eintritt in die Welt der Initiation, muß darinnen nicht nur erkennen, was sich heute alle Menschen bestreben sollten zu erkennen, sondern er muß darinnen auch leben; er muß darinnen leben, wie man mit seinem Leibe lebt in der physisch-sinnlichen Welt. Das heißt, er muß gewissermaßen stellvertretend wirklich das durchmachen, was in der physisch-sinnlichen Welt nur durchzumachen ist in dem Moment des Todes. Er muß die Möglichkeit gewinnen, in einer Welt zu leben, für die gar nicht eingestellt ist der physisch-sinnliche Mensch. Schon wenn wir uns nur in den Finger schneiden, fühlen wir einen gewissen Schmerz, fühlen wir etwas Unbequemes. Warum fühlen wir da etwas Unbequemes, wenn wir uns in den Finger schneiden? Nun, aus dem einfachen Grunde, weil das Messer wohl die Haut und den Muskel und den Nerv zerschneidet, aber nicht den übersinnlichen Ätherleib. Wenn wir den unzerschnittenen Finger haben, dann paßt unser übersinnlicher Ätherleib zu diesem unzerschnittenen Finger; wenn wir den Finger zerschnitten haben und wir den Ätherleib doch nicht zerschneiden können, dann paßt der unzerschnittene Ätherleib nicht zu dem zerschnittenen Finger, und das ist der Grund, warum der astralische Leib dann den Schmerz fühlt. Von dem Nichtangepaßstsein an die sinnliche Leiblichkeit kommt das. Wenn der Mensch über die Schwelle zur übersinnlichen Welt eintritt in diese übersinnliche Welt, dann ist er mit seinen ganzen Leibern nicht mehr angepaßt an den sinnlichen Leib, dann fühlt er nach und nach so etwas ähnliches, wie er lokal fühlt, wenn er sich den Finger zerschnitten hat. Und dieses, meine lieben Freunde, dieses ist in einer unbegrenzten Steigerung zu denken.
[ 4 ] Nun ist natürlich gar nicht vorzustellen, was über die Menschen der Gegenwart, die in ihrem Bewußtsein oftmals so mutig, in ihrer Seele oftmals so wehleidig sind, was über sie kommen würde, wenn sie unmittelbar die Möglichkeit des Lebens in der übersinnlichen Welt empfangen würden, wenn sie durchmachen sollten all das, was von der Unangepaßtheit an diese übersinnliche Welt kommt. Aber nicht nur, daß die Menschheit der Gegenwart so weit ist, daß sie mit dem gesunden Menschenverstand alles das einsehen kann, was diejenigen erzählen, die das Leben im Übersinnlichen kennen, sondern es ist dieses Wissen vom Übersinnlichen, dieses Empfangen der Wissenschaft vom Übersinnlichen für den gesunden Menschenverstand der Gegenwart sogar eine unbedingte Notwendigkeit. Denn nur dieses Wissen vom Übersinnlichen kann heute aufklären über alles das, was uns so chaotisch, so verheerend in der Gegenwart umgibt. Wir leben ja, so muß man sagen, in einer Welt, in welcher Dinge zum Vorschein kommen, Dinge sich ausleben, von denen wir sagen müssen, sie können nicht so bleiben, sie müssen eine Umwandlung erfahren. Aber die Menschheit der Gegenwart durchschaut gar nicht, was da eigentlich um sie herum lebt. Durchschauen, was da um die Menschheit herum in der Gegenwart lebt, man kann es nur durch die Wissenschaft der Initiation, man kann es nur dadurch, daß man vor allen Dingen das Leben der Gegenwart vergleichen kann mit all den Lebenserscheinungen, die im Laufe der Jahrhunderte, Jahrtausende, in die Entwickelung der Menschheit eingegriffen haben.
[ 4 ] Nun ist natürlich gar nicht vorzustellen, was über die Menschen der Gegenwart, die in ihrem Bewußtsein oftmals so mutig, in ihrer Seele oftmals so wehleidig sind, was über sie kommen würde, wenn sie unmittelbar die Möglichkeit des Lebens in der übersinnlichen Welt empfangen würden, wenn sie durchmachen sollten all das, was von der Unangepaßtheit an diese übersinnliche Welt kommt. Aber nicht nur, daß die Menschheit der Gegenwart so weit ist, daß sie mit dem gesunden Menschenverstand alles das einsehen kann, was diejenigen erzählen, die das Leben im Übersinnlichen kennen, sondern es ist dieses Wissen vom Übersinnlichen, dieses Empfangen der Wissenschaft vom Übersinnlichen für den gesunden Menschenverstand der Gegenwart sogar eine unbedingte Notwendigkeit. Denn nur dieses Wissen vom Übersinnlichen kann heute aufklären über alles das, was uns so chaotisch, so verheerend in der Gegenwart umgibt. Wir leben ja, so muß man sagen, in einer Welt, in welcher Dinge zum Vorschein kommen, Dinge sich ausleben, von denen wir sagen müssen, sie können nicht so bleiben, sie müssen eine Umwandlung erfahren. Aber die Menschheit der Gegenwart durchschaut gar nicht, was da eigentlich um sie herum lebt. Durchschauen, was da um die Menschheit herum in der Gegenwart lebt, man kann es nur durch die Wissenschaft der Initiation, man kann es nur dadurch, daß man vor allen Dingen das Leben der Gegenwart vergleichen kann mit all den Lebenserscheinungen, die im Laufe der Jahrhunderte, Jahrtausende, in die Entwickelung der Menschheit eingegriffen haben.
[ 5 ] Es mußte in einem gewissen Zeitpunkt gesagt werden zur heutigen Öffentlichkeit: Will man irgendeinen fruchtbringenden Impuls hineinbringen in das Leben, das uns die heutigen zerstörenden Erscheinungen zeigt, so ist dieser kein anderer als der von der Dreigliederung des sozialen Organismus. Damit mußte der Seelenblick der Menschen hingewiesen werden auf die drei Grundströmungen unseres gegenwärtigen Kulturlebens. Diese Grundströmungen, sie sind ja, wie Sie wohl heute schon genügend wissen, die des eigentlichen geistigen Lebens, die des rechtlich-politischen Lebens, die des äußeren wirtschaftlichen Lebens.
[ 5 ] Es mußte in einem gewissen Zeitpunkt gesagt werden zur heutigen Öffentlichkeit: Will man irgendeinen fruchtbringenden Impuls hineinbringen in das Leben, das uns die heutigen zerstörenden Erscheinungen zeigt, so ist dieser kein anderer als der von der Dreigliederung des sozialen Organismus. Damit mußte der Seelenblick der Menschen hingewiesen werden auf die drei Grundströmungen unseres gegenwärtigen Kulturlebens. Diese Grundströmungen, sie sind ja, wie Sie wohl heute schon genügend wissen, die des eigentlichen geistigen Lebens, die des rechtlich-politischen Lebens, die des äußeren wirtschaftlichen Lebens.
[ 6 ] Wenn man diese drei Grundströmungen des Lebens vor die menschliche Seele hinstellt, dann umfaßt man eigentlich, indem man die Worte für diese Grundströmungen ausspricht, eine große Summe von Erscheinungen des Lebens in jeder einzelnen dieser Grundströmungen. Wollen wir einmal, ich möchte sagen, der Reihe nach diese drei Grundströmungen vor unserem geistigen Blick ein wenig vorbeiziehen lassen.
[ 6 ] Wenn man diese drei Grundströmungen des Lebens vor die menschliche Seele hinstellt, dann umfaßt man eigentlich, indem man die Worte für diese Grundströmungen ausspricht, eine große Summe von Erscheinungen des Lebens in jeder einzelnen dieser Grundströmungen. Wollen wir einmal, ich möchte sagen, der Reihe nach diese drei Grundströmungen vor unserem geistigen Blick ein wenig vorbeiziehen lassen.
[ 7 ] Wir haben heute ein Geistesleben. In der einen oder anderen Weise wird der Mensch in dieses Geistesleben hineingestellt. Der eine, indem er nach den wirtschaftlichen oder nach den rechtlichen Grundlagen, auf denen sein Dasein aufgebaut ist, vielleicht nur eine Volksschule besucht, ein anderer vielleicht weitergetrieben wird in unseren Bildungsanstalten. Dasjenige, was da von den Menschen aufgenommen wird, das lebt ja unter uns in unserem sozialen Leben. Mit dem verhalten wir uns zu unseren Mitmenschen. Heute ist die Zeit, wo gründlich muß aufgeworfen werden die Frage: Woher kommt denn gerade dieses ganze Geistesleben, und wodurch hat es im Verlaufe seines Herkommens, im Verlaufe seiner Entwickelung gerade denjenigen Charakter angenommen, den es heute hat? Geht man auf den wirklichen Ursprung dieses Geisteslebens zurück, so muß man gewissermaßen vorher gewisse Stationen durchmachen. Dasjenige, was heute unser Volksschulleben, unser höheres Schulleben durchdringt, das geht — aber in Zwischenstationen, die ich jedoch auslasse — doch alles zurück auf längst Vergangenes. Man erkennt nur gewöhnlich nicht, wie es zurückgeht, man erkennt im Volksschulwesen zum Beispiel nicht, wie es zurückgeht auf das, was hervorgetreten ist im alten Griechenland. Im Grunde genommen wird unser geistiges Leben von den Impulsen gespeist, die im alten Griechenland, in etwas anderer Form, gelebt haben, die sich nur umgewandelt haben seither. Aber sie sind auch nicht im alten Griechenland entsprungen. Sie sind entsprungen drüben im Orient und haben, allerdings vor Jahrtausenden, an ihrer Quelle im Orient eine andere Form gehabt, als sie schon im alten Griechenland hatten. Damals, im Orient, waren sie Mysterienweisheit. Wenn wir weglassen unser rechtlich-politisches Leben, das ja chaotisch wie in einem Knäuel verquickt ist mit dem geistigen Leben, und weglassen das Wirtschaftsleben, wenn wir herausschälen in Abstraktion unser Geistesleben, so können wir seinen Weg rückwärts verfolgen, hinaufsteigend bis zu gewissen Mysterien des Orients, deren Ursprung allerdings vor Jahrtausenden liegt, in denen aber das, was heute für uns in unseren Bildungsanstalten eine trockene, nüchterne Abstraktion ist, einen lebensfremden Charakter hat, etwas durchaus Lebendiges war. Versetzen wir uns zurück im Geiste nach jenen Mysterien des Orients, die ich damit eigentlich meine, so treffen wir als die Vorsteher dieser Mysterien Menschen, die wir bezeichnen können als eine Art von Zusammenfluß von Priester, von König und zu gleicher Zeit — so sonderbar es dem heutigen Menschen klingt — von Ökonom, von Wirtschafter. Denn in diesen Mysterien — ich möchte sie nennen die Mysterien des Lichts oder des Geistes — wurde eine umfassende Lebenserkenntnis getrieben, eine Lebenserkenntnis, die zunächst darauf ausging, aus den Tatsachen der Himmels- und Sternenwelt das Wesen des Menschen zu erforschen; aber auch eine Weisheit, welche darauf ausging, das rechtliche Zusammenleben der Menschen zu regeln im Sinne dieser gewonnenen Erkenntnisse. Und ausgegeben wurden aus diesen Mysterienstätten die Anweisungen, wie man das Vieh behüten soll, wie man den Acker bebauen soll, wie man Kanäle anlegen soll und so weiter. Diese Wissenschaft der Initiation eines grauen Altertums hatte eine soziale Stoßkraft, war etwas, was den ganzen Menschen erfüllte, war etwas, was in der Lage war, nicht bloß schöne Dinge zu sagen über das Gute und Wahre, sondern was in der Lage war, aus dem Geiste heraus das praktische Leben zu beherrschen, zu organisieren und zu gestalten. Der Weg, welchen diese Mysterienvorsteher gingen, und welchen sie, soweit ihnen das möglich war, den Völkern zeigten, die zu einem solchen Mysterium gehörten, war ein Weg von oben nach unten. Erst strebten diese Mysterienvorsteher nach der Offenbarung der geistigen Welten, dann arbeiteten sie herunter, indem sie den Geist in concreto umfaßten nach den Grundsätzen der atavistischen Hellseherkunst, dann arbeiteten sie herunter zum politischen Leben, zur politischen Gestaltung der sozialen Organismen und dann bis zur Ökonomie, bis zur Wirtschaft. Das war Weisheit mit Lebensstoßkraft. Wodurch war diese Weisheit mit Lebensstoßkraft eigentlich unter die Menschen gekommen?
[ 7 ] Wir haben heute ein Geistesleben. In der einen oder anderen Weise wird der Mensch in dieses Geistesleben hineingestellt. Der eine, indem er nach den wirtschaftlichen oder nach den rechtlichen Grundlagen, auf denen sein Dasein aufgebaut ist, vielleicht nur eine Volksschule besucht, ein anderer vielleicht weitergetrieben wird in unseren Bildungsanstalten. Dasjenige, was da von den Menschen aufgenommen wird, das lebt ja unter uns in unserem sozialen Leben. Mit dem verhalten wir uns zu unseren Mitmenschen. Heute ist die Zeit, wo gründlich muß aufgeworfen werden die Frage: Woher kommt denn gerade dieses ganze Geistesleben, und wodurch hat es im Verlaufe seines Herkommens, im Verlaufe seiner Entwickelung gerade denjenigen Charakter angenommen, den es heute hat? Geht man auf den wirklichen Ursprung dieses Geisteslebens zurück, so muß man gewissermaßen vorher gewisse Stationen durchmachen. Dasjenige, was heute unser Volksschulleben, unser höheres Schulleben durchdringt, das geht — aber in Zwischenstationen, die ich jedoch auslasse — doch alles zurück auf längst Vergangenes. Man erkennt nur gewöhnlich nicht, wie es zurückgeht, man erkennt im Volksschulwesen zum Beispiel nicht, wie es zurückgeht auf das, was hervorgetreten ist im alten Griechenland. Im Grunde genommen wird unser geistiges Leben von den Impulsen gespeist, die im alten Griechenland, in etwas anderer Form, gelebt haben, die sich nur umgewandelt haben seither. Aber sie sind auch nicht im alten Griechenland entsprungen. Sie sind entsprungen drüben im Orient und haben, allerdings vor Jahrtausenden, an ihrer Quelle im Orient eine andere Form gehabt, als sie schon im alten Griechenland hatten. Damals, im Orient, waren sie Mysterienweisheit. Wenn wir weglassen unser rechtlich-politisches Leben, das ja chaotisch wie in einem Knäuel verquickt ist mit dem geistigen Leben, und weglassen das Wirtschaftsleben, wenn wir herausschälen in Abstraktion unser Geistesleben, so können wir seinen Weg rückwärts verfolgen, hinaufsteigend bis zu gewissen Mysterien des Orients, deren Ursprung allerdings vor Jahrtausenden liegt, in denen aber das, was heute für uns in unseren Bildungsanstalten eine trockene, nüchterne Abstraktion ist, einen lebensfremden Charakter hat, etwas durchaus Lebendiges war. Versetzen wir uns zurück im Geiste nach jenen Mysterien des Orients, die ich damit eigentlich meine, so treffen wir als die Vorsteher dieser Mysterien Menschen, die wir bezeichnen können als eine Art von Zusammenfluß von Priester, von König und zu gleicher Zeit — so sonderbar es dem heutigen Menschen klingt — von Ökonom, von Wirtschafter. Denn in diesen Mysterien — ich möchte sie nennen die Mysterien des Lichts oder des Geistes — wurde eine umfassende Lebenserkenntnis getrieben, eine Lebenserkenntnis, die zunächst darauf ausging, aus den Tatsachen der Himmels- und Sternenwelt das Wesen des Menschen zu erforschen; aber auch eine Weisheit, welche darauf ausging, das rechtliche Zusammenleben der Menschen zu regeln im Sinne dieser gewonnenen Erkenntnisse. Und ausgegeben wurden aus diesen Mysterienstätten die Anweisungen, wie man das Vieh behüten soll, wie man den Acker bebauen soll, wie man Kanäle anlegen soll und so weiter. Diese Wissenschaft der Initiation eines grauen Altertums hatte eine soziale Stoßkraft, war etwas, was den ganzen Menschen erfüllte, war etwas, was in der Lage war, nicht bloß schöne Dinge zu sagen über das Gute und Wahre, sondern was in der Lage war, aus dem Geiste heraus das praktische Leben zu beherrschen, zu organisieren und zu gestalten. Der Weg, welchen diese Mysterienvorsteher gingen, und welchen sie, soweit ihnen das möglich war, den Völkern zeigten, die zu einem solchen Mysterium gehörten, war ein Weg von oben nach unten. Erst strebten diese Mysterienvorsteher nach der Offenbarung der geistigen Welten, dann arbeiteten sie herunter, indem sie den Geist in concreto umfaßten nach den Grundsätzen der atavistischen Hellseherkunst, dann arbeiteten sie herunter zum politischen Leben, zur politischen Gestaltung der sozialen Organismen und dann bis zur Ökonomie, bis zur Wirtschaft. Das war Weisheit mit Lebensstoßkraft. Wodurch war diese Weisheit mit Lebensstoßkraft eigentlich unter die Menschen gekommen?
[ 8 ] Wenn wir zurückgehen in die Zeiten, in denen diese Mysterien, die ich jetzt meine, noch nicht maßgebend waren, so haben wir über die Gegenden der damals zivilisierten Menschheit hin lauter Menschen mit einer gewissen ursprünglichen atavistischen Hellseherkraft, Menschen, die, wenn sie von dem, was sie für das Leben brauchten, sprachen, sich auf die Eindrücke ihres Herzens, ihrer Seele, ihres Schauens berufen konnten. Diese Menschen waren ausgebreitet über die Gegenden des heutigen Indiens, Persiens, Armeniens, Nordafrikas, Südeuropas und so weiter. Eines aber lebte nicht in den Seelen dieser Menschen. Das war dasjenige, was wir heute als unser stolzestes Seelengut betrachten: die Intelligenz, der Verstand. Verstand brauchte gewissermaßen die Bevölkerung der damals zivilisierten Welt noch nicht. Denn, was heute der Verstand tut, das wurde aus den Eingebungen der Seele heraus von den Menschen getan und das wurde geleitet und orientiert von den Führern, die diese Menschen hatten. Da aber breitete sich gerade in jene Gegenden hinein aus etwas, was wir nennen könnten eine andere Menschenrasse, was wir nennen könnten eine ganz andere Art von Menschenwesen, als diese Bevölkerung war, von der ich gesprochen habe. In den Sagen und Mythen und wohl auch in der Geschichte wird das so erzählt, daß herabstiegen aus den Hochländern Asiens gewisse Menschen, die in sehr alten Zeiten nach dem Süden und Südwesten hin eine gewisse Kultur brachten. Geisteswissenschaft muß ergründen, welcher Art diese Menschen waren, die da herabstiegen zu jenen Menschen, die nur aus ihrem Innern heraus, aus ihren Eingebungen heraus die Richtkraft für das Leben empfingen. Da finden wir, geisteswissenschaftlich untersucht, daß diese Menschen, die wie ein neues Bevölkerungselement hereinkamen in die damalige Zivilisation, zwei Dinge miteinander vereinigten, die die anderen nicht hatten. Die anderen Menschen hatten die atavistische Hellseherkraft ohne den Verstand, ohne die Intelligenz; die da herabstiegen hatten auch noch etwas von der Hellseherkraft, aber sie hatten zugleich in ihrer Seele die erste Anlage zur Intelligenz, zum Verstand empfangen. Und so brachten sie über die damalige Zivilisation ein verstandesdurchtränktes Hellsehertum. Das waren die ersten Arier, von denen die Geschichte erzählt. Und aus der Gegensätzlichkeit der alten atavistisch-seelenhaft lebenden Menschen und diesen die alte Seelenkraft mit dem Verstand durchdringenden Menschen entstand der erste Kastenunterschied äußerlich-physisch-empirisch, der jetzt noch nachwirkt in Asien, von dem zum Beispiel Tagore spricht. Die hervorragendsten dieser Menschen, die zu gleicher Zeit alte Seelenschau und den eben in der Menschheit aufgehenden Verstand, Intelligenz hatten, die wurden die Vorsteher jener Mysterien, von denen ich eben gesprochen habe, den Mysterien des orientalischen Lichts, und von denen ging aus, was dann später nach Griechenland herüber kam. So daß ich Ihnen, wenn ich es schematisch zeichnen soll, sagen kann: Von den Mysterien des Orients ging aus die Strömung des Geistes (siehe Zeichnung Seite 23). Sie war jene lebendige Weisheit mit lebenspraktischer Stoßkraft, von der ich Ihnen eben gesprochen habe. Im Laufe der Zeit kam sie herüber nach Griechenland. Wir verspüren ihre Nachwirkungen noch in der ältesten griechischen Kultur. Aber sie wird im Fortgang der griechischen Kultur gewissermaßen filtriert, verdünnt, indem die Träger die alte Seelenschau verlieren und immer mehr und mehr sich der Verstand herausarbeitet aus dieser Seelenschau. Dadurch verlieren aber die Träger dieser Kultur gewissermaßen ihren Sinn. Denn den Sinn haben sie nur dadurch, daß sie mit der Geistesseelenschau und mit der Intelligenz zugleich begabt sind. Aber in der Geschichte erhält sich das, was in alten Zeiten einen Sinn hat, noch in einer späteren Zeit, und so leben im griechischen Kulturleben gewissermaßen die Menschen noch so fort, gegliedert, wie es einen Sinn hatte für jene alte Zeit, wo wirklich die Vorsteher der Mysterien gewissermaßen Gesandte der Götter waren. Und es verwandelte sich das, was Weisheit mit Stoßkraft war, in griechische Logik und Dialektik, in die griechische Weisheit, die schon filtriert ist gegenüber diesem ihrem orientalischen Ursprung.
[ 8 ] Wenn wir zurückgehen in die Zeiten, in denen diese Mysterien, die ich jetzt meine, noch nicht maßgebend waren, so haben wir über die Gegenden der damals zivilisierten Menschheit hin lauter Menschen mit einer gewissen ursprünglichen atavistischen Hellseherkraft, Menschen, die, wenn sie von dem, was sie für das Leben brauchten, sprachen, sich auf die Eindrücke ihres Herzens, ihrer Seele, ihres Schauens berufen konnten. Diese Menschen waren ausgebreitet über die Gegenden des heutigen Indiens, Persiens, Armeniens, Nordafrikas, Südeuropas und so weiter. Eines aber lebte nicht in den Seelen dieser Menschen. Das war dasjenige, was wir heute als unser stolzestes Seelengut betrachten: die Intelligenz, der Verstand. Verstand brauchte gewissermaßen die Bevölkerung der damals zivilisierten Welt noch nicht. Denn, was heute der Verstand tut, das wurde aus den Eingebungen der Seele heraus von den Menschen getan und das wurde geleitet und orientiert von den Führern, die diese Menschen hatten. Da aber breitete sich gerade in jene Gegenden hinein aus etwas, was wir nennen könnten eine andere Menschenrasse, was wir nennen könnten eine ganz andere Art von Menschenwesen, als diese Bevölkerung war, von der ich gesprochen habe. In den Sagen und Mythen und wohl auch in der Geschichte wird das so erzählt, daß herabstiegen aus den Hochländern Asiens gewisse Menschen, die in sehr alten Zeiten nach dem Süden und Südwesten hin eine gewisse Kultur brachten. Geisteswissenschaft muß ergründen, welcher Art diese Menschen waren, die da herabstiegen zu jenen Menschen, die nur aus ihrem Innern heraus, aus ihren Eingebungen heraus die Richtkraft für das Leben empfingen. Da finden wir, geisteswissenschaftlich untersucht, daß diese Menschen, die wie ein neues Bevölkerungselement hereinkamen in die damalige Zivilisation, zwei Dinge miteinander vereinigten, die die anderen nicht hatten. Die anderen Menschen hatten die atavistische Hellseherkraft ohne den Verstand, ohne die Intelligenz; die da herabstiegen hatten auch noch etwas von der Hellseherkraft, aber sie hatten zugleich in ihrer Seele die erste Anlage zur Intelligenz, zum Verstand empfangen. Und so brachten sie über die damalige Zivilisation ein verstandesdurchtränktes Hellsehertum. Das waren die ersten Arier, von denen die Geschichte erzählt. Und aus der Gegensätzlichkeit der alten atavistisch-seelenhaft lebenden Menschen und diesen die alte Seelenkraft mit dem Verstand durchdringenden Menschen entstand der erste Kastenunterschied äußerlich-physisch-empirisch, der jetzt noch nachwirkt in Asien, von dem zum Beispiel Tagore spricht. Die hervorragendsten dieser Menschen, die zu gleicher Zeit alte Seelenschau und den eben in der Menschheit aufgehenden Verstand, Intelligenz hatten, die wurden die Vorsteher jener Mysterien, von denen ich eben gesprochen habe, den Mysterien des orientalischen Lichts, und von denen ging aus, was dann später nach Griechenland herüber kam. So daß ich Ihnen, wenn ich es schematisch zeichnen soll, sagen kann: Von den Mysterien des Orients ging aus die Strömung des Geistes (siehe Zeichnung Seite 23). Sie war jene lebendige Weisheit mit lebenspraktischer Stoßkraft, von der ich Ihnen eben gesprochen habe. Im Laufe der Zeit kam sie herüber nach Griechenland. Wir verspüren ihre Nachwirkungen noch in der ältesten griechischen Kultur. Aber sie wird im Fortgang der griechischen Kultur gewissermaßen filtriert, verdünnt, indem die Träger die alte Seelenschau verlieren und immer mehr und mehr sich der Verstand herausarbeitet aus dieser Seelenschau. Dadurch verlieren aber die Träger dieser Kultur gewissermaßen ihren Sinn. Denn den Sinn haben sie nur dadurch, daß sie mit der Geistesseelenschau und mit der Intelligenz zugleich begabt sind. Aber in der Geschichte erhält sich das, was in alten Zeiten einen Sinn hat, noch in einer späteren Zeit, und so leben im griechischen Kulturleben gewissermaßen die Menschen noch so fort, gegliedert, wie es einen Sinn hatte für jene alte Zeit, wo wirklich die Vorsteher der Mysterien gewissermaßen Gesandte der Götter waren. Und es verwandelte sich das, was Weisheit mit Stoßkraft war, in griechische Logik und Dialektik, in die griechische Weisheit, die schon filtriert ist gegenüber diesem ihrem orientalischen Ursprung.
[ 9 ] Am orientalischen Ursprung wußte man genau, warum da Menschen sind, die hinhorchten, wenn die Vorsteher ihnen ihre ökonomischen Anleitungen gaben; in Griechenland hatte man die Teilung in die Herren und Sklaven. Die Teilung der Menschen war noch da; aber der Sinn verlor sich allmählich. Und was die Griechen noch gehabt haben mit viel mehr Sinn, wovon die Griechen wenigstens wußsten, daß es von den alten Mysterien kam, das wurde noch mehr filtriert auf dem Wege, den es dann in unser neuzeitliches Bildungsleben hinein machte. Denn da, in unserem neuzeitlichen Bildungsleben, ist es ganz abstrakt geworden. Wir treiben heute abstrakte Wis‚senschaft und finden keinen Zusammenhang mehr zwischen dieser abstrakten Wissenschaft und dem äußeren Leben. Denn die Strömung ist eben durch Griechenland weitergegangen in unsere Hochschulen, Gymnasien, Volksschulen und in das ganze populäre Geistesleben der modernen Menschheit hinein, und wir können heute eine eigenrümliche Erscheinung beobachten. Wir treffen heute unter den Menschen, die unter uns herumwandeln, solche an, die wir Adelige nennen, die wir Ariistokraten nennen. Vergeblich bemühen wir uns einen Sinn herauszufinden, warum der eine ein Aristokrat ist, der andere nicht; denn was den Aristokraten von dem Nichtaristokraten unterscheidet, das hat die Menschheit längst abgeschliffen, längst verloren. Der Aristokrat war der Vorsteher der orientalischen Mysterien des Lichts, und er konnte das sein, weil von ihm alles dasjenige ausging, was im Politischen und Ökonomischen wirkliche Lebensstoßkraft hatte. Die Weisheit ist filtriert worden. Die Gliederung, die sie bewirkt hat unter den Menschen, ist zu einem äußeren Abstraktum geworden, ohne Sinn für denjenigen, der in diesem Leben drinnensteht, und aus dieser Strömung ist hervorgegangen, was wir unseren Feudalismus nennen. Im äußeren sozialen Leben lebt dieser Feudalismus geduldet, vielleicht auch die anderen verärgernd, ohne Sinn. Man denkt nicht mehr nach über den Sinn, weil er auch heute nicht mehr im Leben zu finden ist, aber in unserer heutigen Zeit des Chaos zeigt sich noch ziemlich klar der feudale Ursprung unseres abstrakten Wissens und Erkennens. Als dann unser gegenwärtiges Geistesleben ganz das Geistesleben vom Journalistentum wurde, da, meine lieben Freunde, erfand man ein Wort, das eigentlich ein Wortungetüm ist, durch das man eine Umwandelung unseres Lebens bewirken möchte, das aber nur der Ausdruck des ganz rachitischen Geisteslebens geworden ist, da erfand man das Wort «Geistesaristokratie». Geistesaristokratie! Soll jemand Aufschluß darüber geben, was eigentlich damit gemeint ist, so könnte er nur sagen: Es ist das, was, ausgequetscht bis zum Äußersten, einmal in den Mysterien des Orients Stoßkraft hatte bis in die äußersten Ranken des praktischen Lebens hinein, was da einen Sinn hatte und was heute jeden Sinn verloren hat. Wollte man nun unser Geistesleben zeichnen, so müßte man einen recht verwirrten Wollknäuel zeichnen da unten, in dem alles so durcheinandergeknäuelt ist. Hauptsächlich drei Fäden sind durcheinandergeknäuelt. Einen der Fäden habe ich Ihnen jetzt gezeigt (siehe Zeichnung Seite 23).
[ 9 ] Am orientalischen Ursprung wußte man genau, warum da Menschen sind, die hinhorchten, wenn die Vorsteher ihnen ihre ökonomischen Anleitungen gaben; in Griechenland hatte man die Teilung in die Herren und Sklaven. Die Teilung der Menschen war noch da; aber der Sinn verlor sich allmählich. Und was die Griechen noch gehabt haben mit viel mehr Sinn, wovon die Griechen wenigstens wußsten, daß es von den alten Mysterien kam, das wurde noch mehr filtriert auf dem Wege, den es dann in unser neuzeitliches Bildungsleben hinein machte. Denn da, in unserem neuzeitlichen Bildungsleben, ist es ganz abstrakt geworden. Wir treiben heute abstrakte Wis‚senschaft und finden keinen Zusammenhang mehr zwischen dieser abstrakten Wissenschaft und dem äußeren Leben. Denn die Strömung ist eben durch Griechenland weitergegangen in unsere Hochschulen, Gymnasien, Volksschulen und in das ganze populäre Geistesleben der modernen Menschheit hinein, und wir können heute eine eigenrümliche Erscheinung beobachten. Wir treffen heute unter den Menschen, die unter uns herumwandeln, solche an, die wir Adelige nennen, die wir Ariistokraten nennen. Vergeblich bemühen wir uns einen Sinn herauszufinden, warum der eine ein Aristokrat ist, der andere nicht; denn was den Aristokraten von dem Nichtaristokraten unterscheidet, das hat die Menschheit längst abgeschliffen, längst verloren. Der Aristokrat war der Vorsteher der orientalischen Mysterien des Lichts, und er konnte das sein, weil von ihm alles dasjenige ausging, was im Politischen und Ökonomischen wirkliche Lebensstoßkraft hatte. Die Weisheit ist filtriert worden. Die Gliederung, die sie bewirkt hat unter den Menschen, ist zu einem äußeren Abstraktum geworden, ohne Sinn für denjenigen, der in diesem Leben drinnensteht, und aus dieser Strömung ist hervorgegangen, was wir unseren Feudalismus nennen. Im äußeren sozialen Leben lebt dieser Feudalismus geduldet, vielleicht auch die anderen verärgernd, ohne Sinn. Man denkt nicht mehr nach über den Sinn, weil er auch heute nicht mehr im Leben zu finden ist, aber in unserer heutigen Zeit des Chaos zeigt sich noch ziemlich klar der feudale Ursprung unseres abstrakten Wissens und Erkennens. Als dann unser gegenwärtiges Geistesleben ganz das Geistesleben vom Journalistentum wurde, da, meine lieben Freunde, erfand man ein Wort, das eigentlich ein Wortungetüm ist, durch das man eine Umwandelung unseres Lebens bewirken möchte, das aber nur der Ausdruck des ganz rachitischen Geisteslebens geworden ist, da erfand man das Wort «Geistesaristokratie». Geistesaristokratie! Soll jemand Aufschluß darüber geben, was eigentlich damit gemeint ist, so könnte er nur sagen: Es ist das, was, ausgequetscht bis zum Äußersten, einmal in den Mysterien des Orients Stoßkraft hatte bis in die äußersten Ranken des praktischen Lebens hinein, was da einen Sinn hatte und was heute jeden Sinn verloren hat. Wollte man nun unser Geistesleben zeichnen, so müßte man einen recht verwirrten Wollknäuel zeichnen da unten, in dem alles so durcheinandergeknäuelt ist. Hauptsächlich drei Fäden sind durcheinandergeknäuelt. Einen der Fäden habe ich Ihnen jetzt gezeigt (siehe Zeichnung Seite 23).
[ 10 ] Das ist unsere wesentliche Aufgabe, daß wir diesen Knäuel entwirren, und wir wenden dazu unseren Seelenblick zu der zweiten Strömung. Diese zweite Strömung hat einen anderen Ursprung, der auch weit zurückliegt in der Entwickelung der Menschheit, der aber auch im eigentlichen Mysterienwesen liegt, und zwar in den Mysterien Ägyptens. Ich möchte diese Mysterien — wie ich die des Orients genannt habe die Mysterien des Lichts — die Mysterien des Menschen nennen. Diese Mysterien versuchten vor allen Dingen jene Weisheit zu gewinnen an ihrem ägyptischen Ursprung, welche die Kraft gibt, das menschliche Zusammenleben zu gestalten, ein Verhältnis zu begründen von einem Menschen zum andern. Aber diese Mysterienströmung verbreitete sich dann durch Südeuropa herauf und nahm ihren Weg — so wie jene durch das Griechentum ging durch das phantasielose römische Volk. Strömung des Rechtes möchte ich es nennen. Den Durchgang nahm es durch Rom. Alles, was nach und nach im Laufe der Menschheitsentwickelung eingeimpft ist an Jurisprudenz, an Rechtsbestimmungen, das ist das filtrierte Wissen, die filtrierte Erkenntnis dieser Mysterien des Menschen. Der zweite Faden in unserem Kulturknäuel ist darinnen bis zu uns gelangt, aber sehr, sehr verändert, sehr metamorphosiert, eben durchgegangen durch die Unphantasie des Römertums. Man versteht das gegenwärtige Leben nicht, wenn man nicht weiß, daß die Menschen heute zunächst noch unfruchtbar geblieben sind für das Geistesleben und für das Rechtsleben, wenn man nicht weiß, daß sie empfangen haben das eine, nachdem es den weiten Weg durchgemacht hat von den Mysterien des Orients durch Griechenland bis zu uns, das andere, indem es den weiten Weg von den Mysterien Ägyptens durch das Römertum bis zu uns durchgemacht hat. Unfruchtbar ist unsere gegenwärtige Menschheit in bezug auf beide Strömungen. Man könnte viele Erscheinungen anführen, die das erweisen würden; aber man braucht ja nur auf die Wege des Christentums hinzuweisen.
[ 10 ] Das ist unsere wesentliche Aufgabe, daß wir diesen Knäuel entwirren, und wir wenden dazu unseren Seelenblick zu der zweiten Strömung. Diese zweite Strömung hat einen anderen Ursprung, der auch weit zurückliegt in der Entwickelung der Menschheit, der aber auch im eigentlichen Mysterienwesen liegt, und zwar in den Mysterien Ägyptens. Ich möchte diese Mysterien — wie ich die des Orients genannt habe die Mysterien des Lichts — die Mysterien des Menschen nennen. Diese Mysterien versuchten vor allen Dingen jene Weisheit zu gewinnen an ihrem ägyptischen Ursprung, welche die Kraft gibt, das menschliche Zusammenleben zu gestalten, ein Verhältnis zu begründen von einem Menschen zum andern. Aber diese Mysterienströmung verbreitete sich dann durch Südeuropa herauf und nahm ihren Weg — so wie jene durch das Griechentum ging durch das phantasielose römische Volk. Strömung des Rechtes möchte ich es nennen. Den Durchgang nahm es durch Rom. Alles, was nach und nach im Laufe der Menschheitsentwickelung eingeimpft ist an Jurisprudenz, an Rechtsbestimmungen, das ist das filtrierte Wissen, die filtrierte Erkenntnis dieser Mysterien des Menschen. Der zweite Faden in unserem Kulturknäuel ist darinnen bis zu uns gelangt, aber sehr, sehr verändert, sehr metamorphosiert, eben durchgegangen durch die Unphantasie des Römertums. Man versteht das gegenwärtige Leben nicht, wenn man nicht weiß, daß die Menschen heute zunächst noch unfruchtbar geblieben sind für das Geistesleben und für das Rechtsleben, wenn man nicht weiß, daß sie empfangen haben das eine, nachdem es den weiten Weg durchgemacht hat von den Mysterien des Orients durch Griechenland bis zu uns, das andere, indem es den weiten Weg von den Mysterien Ägyptens durch das Römertum bis zu uns durchgemacht hat. Unfruchtbar ist unsere gegenwärtige Menschheit in bezug auf beide Strömungen. Man könnte viele Erscheinungen anführen, die das erweisen würden; aber man braucht ja nur auf die Wege des Christentums hinzuweisen.
[ 11 ] Als das Christentum in die Welt eintreten wollte, wo mußte der Christus Jesus erscheinen, damit das, was er der Welt zu geben hatte, einen Weg fand? Im Orient mußte er erscheinen, in dasjenige, was im Orient lebte, mußte er hineinlegen, was er der Menschheit zu geben hatte. Das Mysterium von Golgatha ist eine Tatsache; was die Menschen darüber wissen, ist in Entwickelung. Eingekleidet wurde das, was man über das Mysterium von Golgatha sagt, zunächst in alles das, was man noch hatte von den Mysterien des Orients. Mit der Wissenschaft und Weisheit der Mysterien des Orients wurde umgeben das Mysterium von Golgatha, und es wurde zu begreifen versucht mit dieser Weisheit. So finden wir das Christentum noch etwa bei den griechischen Kirchenlehrern.
[ 11 ] Als das Christentum in die Welt eintreten wollte, wo mußte der Christus Jesus erscheinen, damit das, was er der Welt zu geben hatte, einen Weg fand? Im Orient mußte er erscheinen, in dasjenige, was im Orient lebte, mußte er hineinlegen, was er der Menschheit zu geben hatte. Das Mysterium von Golgatha ist eine Tatsache; was die Menschen darüber wissen, ist in Entwickelung. Eingekleidet wurde das, was man über das Mysterium von Golgatha sagt, zunächst in alles das, was man noch hatte von den Mysterien des Orients. Mit der Wissenschaft und Weisheit der Mysterien des Orients wurde umgeben das Mysterium von Golgatha, und es wurde zu begreifen versucht mit dieser Weisheit. So finden wir das Christentum noch etwa bei den griechischen Kirchenlehrern.
[ 12 ] Man kann auch noch auf eine andere Erscheinung hinweisen. Als die geistig gänzlich unfruchtbare westliche Kultur in einem ihrer Menschenvertreter nach einer geistigen Auffrischung suchte, was tat sie da? Da taten sich einige Leute Englands und Amerikas zusammen und entnahmen die Weisheit aus dem besiegten und geknechteten Indervolk. Das heißt, sie gingen neuerdings nach dem Orient hinüber, um da die geistige Strömung zu suchen, in dem zu suchen, was noch als letzter Rest da drüben im Orient geblieben war von jener geistigen Strömung. Daher die englisch-amerikanisch gefärbte Theosophie, die aus dieser Quelle schöpfen wollte, aber aus ihrer gegenwärtigen Gestaltung. Es ist die Unfruchtbarkeit des gegenwärtigen Geisteslebens, die am stärksten hervortritt gerade in westlichen Ländern. |
[ 12 ] Man kann auch noch auf eine andere Erscheinung hinweisen. Als die geistig gänzlich unfruchtbare westliche Kultur in einem ihrer Menschenvertreter nach einer geistigen Auffrischung suchte, was tat sie da? Da taten sich einige Leute Englands und Amerikas zusammen und entnahmen die Weisheit aus dem besiegten und geknechteten Indervolk. Das heißt, sie gingen neuerdings nach dem Orient hinüber, um da die geistige Strömung zu suchen, in dem zu suchen, was noch als letzter Rest da drüben im Orient geblieben war von jener geistigen Strömung. Daher die englisch-amerikanisch gefärbte Theosophie, die aus dieser Quelle schöpfen wollte, aber aus ihrer gegenwärtigen Gestaltung. Es ist die Unfruchtbarkeit des gegenwärtigen Geisteslebens, die am stärksten hervortritt gerade in westlichen Ländern. |
[ 13 ] Und die zweite Strömung ist diejenige, die politisch-rechtlichen Charakter trägt, die durch das Römertum gegangen ist. Darin liegt nun der Ursprung unseres rechtlich-politischen Lebens, und nur in. einem Seitenzweig ist diese Strömung hereingeflossen in das Rechtsleben und wirkt in ihm fort, so daß wir vielfach dasjenige, was in uns, in unsere Kultur eingeflossen ist an Geistesleben, auf dem Umweg durch das römisch-politisch-juristische System empfangen haben. Daher ist auch so vieles darin. Selbst das Christentum, das auf römischem Wege sich im Abendlande ausgebreitet hat, hat die Gestalt angenommen, die durch diese Erscheinung bedingt ist. Was ist da das religiöse Element durch diesen Durchgangspunkt durch das Römertum geworden? Es ist geworden jene große Jurisprudenz, die man römisch-katholische Religion nennt. Da ist der Gott mit seinen Nebengöttern durchaus ein Wesen, das nach römischen Rechtsbegriffen, nur in der übersinnlichen Welt, richtet; da stecken die Begriffe von Sünde und Schuld, die eigentlich juristische Begriffe sind, die nicht in den Mysterien des Orients und in der griechischen Lebensanschauung waren, da stecken die juristischen Begriffe des Römertums darinnen. Das ist eine durch und durch verjuristete religiöse Strömung. Alles das, was sich im Leben äußert, kann auch Schönheitsformen annehmen. Und wenn wir jene juristisch-politische Szene, in der der Weltengott zum Weltenrichter wird, und die ganze Erdenentwickelung abgeschlossen wird durch eine juristische Tat, wenn wir das schön verklärt in der sixtinischen Kapelle von Michelangelo gemalt sehen, so ist das der gloriose Ausdruck des verjuristeten Christentums; aber eben des «verjuristeten» Christentums, das seine Krönung im Weltgerichte findet.
[ 13 ] Und die zweite Strömung ist diejenige, die politisch-rechtlichen Charakter trägt, die durch das Römertum gegangen ist. Darin liegt nun der Ursprung unseres rechtlich-politischen Lebens, und nur in. einem Seitenzweig ist diese Strömung hereingeflossen in das Rechtsleben und wirkt in ihm fort, so daß wir vielfach dasjenige, was in uns, in unsere Kultur eingeflossen ist an Geistesleben, auf dem Umweg durch das römisch-politisch-juristische System empfangen haben. Daher ist auch so vieles darin. Selbst das Christentum, das auf römischem Wege sich im Abendlande ausgebreitet hat, hat die Gestalt angenommen, die durch diese Erscheinung bedingt ist. Was ist da das religiöse Element durch diesen Durchgangspunkt durch das Römertum geworden? Es ist geworden jene große Jurisprudenz, die man römisch-katholische Religion nennt. Da ist der Gott mit seinen Nebengöttern durchaus ein Wesen, das nach römischen Rechtsbegriffen, nur in der übersinnlichen Welt, richtet; da stecken die Begriffe von Sünde und Schuld, die eigentlich juristische Begriffe sind, die nicht in den Mysterien des Orients und in der griechischen Lebensanschauung waren, da stecken die juristischen Begriffe des Römertums darinnen. Das ist eine durch und durch verjuristete religiöse Strömung. Alles das, was sich im Leben äußert, kann auch Schönheitsformen annehmen. Und wenn wir jene juristisch-politische Szene, in der der Weltengott zum Weltenrichter wird, und die ganze Erdenentwickelung abgeschlossen wird durch eine juristische Tat, wenn wir das schön verklärt in der sixtinischen Kapelle von Michelangelo gemalt sehen, so ist das der gloriose Ausdruck des verjuristeten Christentums; aber eben des «verjuristeten» Christentums, das seine Krönung im Weltgerichte findet.
[ 14 ] Wir müssen den Knäuel unseres Geisteslebens und unseres Rechts- und wirtschaftlichen Lebens auseinanderlösen, um zu sehen, was da drinnensteckt; denn wir leben in dem Kulturchaos darinnen. Die Strömungen wirken auf uns ein. Wir müssen sie auseinanderlösen. Aber noch eine dritte Strömung ist eingeflossen in diesen unseren Kulturknäuel, die ihren Ursprung mehr genommen hat vom Norden und die vorzugsweise sich bis heute — auch filtriert, aber in anderer Richtung filtriert — in der anglo-amerikanischen SozialOrganisation erhalten hat. Ich möchte das nennen die Mysterien des Nordens oder Mysterien der Erde. Was sich da zunächst an primitiver Geistigkeit aus den Mysterien der Erde entwickelt hat, das ist ein anderer Weg als der, den das Geistwesen im Orient genommen hat. Ich sagte: Dort hat es den Weg von oben nach unten genommen, zuerst sich offenbarend als die Mysterien der Himmel und des Lichts und dann heruntergetragen in das Politische und die Ökonomie. Hier im Norden gingen die Dinge von der Ökonomie aus. Dieser Ursprung ist allerdings von dem äußeren Leben schon verschwunden, man merkt ihn höchstens noch an alten Überbleibseln, die noch erhalten sind. Nehmen Sie zum Beispiel solche Bräuche, die noch beschrieben werden, wenn man von alter nordischer Kultur spricht, von der die englische eine Dependance ist. Da finden Sie zu einer gewissen Jahreszeit Züge durch die Dörfer mit dem gekrönten Stier, der eben die Kuhherde befruchten mußte. Das heißt, es wurde von unten nach oben herausgeholt eine Sehnsucht nach dem geistigen Leben; da wird der Weg von unten nach oben genommen. Da wird alles, selbst das, was an primitiver Geistigkeit da ist, aus dem Wirtschaftsleben heraus genommen, und alle Feste waren ursprünglich aufs Wirtschaftsleben bezügliche Feste, irgend etwas ausdrückend vom Sinn des Wirtschaftslebens. So wie von oben nach unten der Weg in der orientalischen Kultur gemacht wurde, so muß der Weg gemacht werden hier im Norden von unten nach oben. Erhoben muß werden die Menschheit von unten, von der Ökonomie hinauf durch das Rechtsleben in die Mysterien des Geistes hinein. Aber sehen Sie, dieser Weg von unten nach oben, er ist noch nicht sehr weit gediehen. Wenn wir das Juristische Leben prüfen, wie es in den Gegenden des Westens sich entwickelt hat, so finden wir es durchaus von Rom her orientiert; wenn wir das Geistesleben prüfen, so finden wir es zwar oft nicht so handgreiflich orientalisch orientiert wie jene indische Theosophie, von der ich vorhin gesprochen habe, aber wir finden doch dasjenige, was als ursprüngliches Geistesleben da enthalten ist, was nicht vom Orient herüber genommen wird oder verjuristet von Rom her bezogen wird, mit Mühe sich aus dem Wirtschaftsleben herauslösend. Nehmen wir einen charakteristischen Fall.
[ 14 ] Wir müssen den Knäuel unseres Geisteslebens und unseres Rechts- und wirtschaftlichen Lebens auseinanderlösen, um zu sehen, was da drinnensteckt; denn wir leben in dem Kulturchaos darinnen. Die Strömungen wirken auf uns ein. Wir müssen sie auseinanderlösen. Aber noch eine dritte Strömung ist eingeflossen in diesen unseren Kulturknäuel, die ihren Ursprung mehr genommen hat vom Norden und die vorzugsweise sich bis heute — auch filtriert, aber in anderer Richtung filtriert — in der anglo-amerikanischen SozialOrganisation erhalten hat. Ich möchte das nennen die Mysterien des Nordens oder Mysterien der Erde. Was sich da zunächst an primitiver Geistigkeit aus den Mysterien der Erde entwickelt hat, das ist ein anderer Weg als der, den das Geistwesen im Orient genommen hat. Ich sagte: Dort hat es den Weg von oben nach unten genommen, zuerst sich offenbarend als die Mysterien der Himmel und des Lichts und dann heruntergetragen in das Politische und die Ökonomie. Hier im Norden gingen die Dinge von der Ökonomie aus. Dieser Ursprung ist allerdings von dem äußeren Leben schon verschwunden, man merkt ihn höchstens noch an alten Überbleibseln, die noch erhalten sind. Nehmen Sie zum Beispiel solche Bräuche, die noch beschrieben werden, wenn man von alter nordischer Kultur spricht, von der die englische eine Dependance ist. Da finden Sie zu einer gewissen Jahreszeit Züge durch die Dörfer mit dem gekrönten Stier, der eben die Kuhherde befruchten mußte. Das heißt, es wurde von unten nach oben herausgeholt eine Sehnsucht nach dem geistigen Leben; da wird der Weg von unten nach oben genommen. Da wird alles, selbst das, was an primitiver Geistigkeit da ist, aus dem Wirtschaftsleben heraus genommen, und alle Feste waren ursprünglich aufs Wirtschaftsleben bezügliche Feste, irgend etwas ausdrückend vom Sinn des Wirtschaftslebens. So wie von oben nach unten der Weg in der orientalischen Kultur gemacht wurde, so muß der Weg gemacht werden hier im Norden von unten nach oben. Erhoben muß werden die Menschheit von unten, von der Ökonomie hinauf durch das Rechtsleben in die Mysterien des Geistes hinein. Aber sehen Sie, dieser Weg von unten nach oben, er ist noch nicht sehr weit gediehen. Wenn wir das Juristische Leben prüfen, wie es in den Gegenden des Westens sich entwickelt hat, so finden wir es durchaus von Rom her orientiert; wenn wir das Geistesleben prüfen, so finden wir es zwar oft nicht so handgreiflich orientalisch orientiert wie jene indische Theosophie, von der ich vorhin gesprochen habe, aber wir finden doch dasjenige, was als ursprüngliches Geistesleben da enthalten ist, was nicht vom Orient herüber genommen wird oder verjuristet von Rom her bezogen wird, mit Mühe sich aus dem Wirtschaftsleben herauslösend. Nehmen wir einen charakteristischen Fall.
[ 15 ] Solche Philosophen, solche Naturforscher, wie Newton, Darwin, Mill, Spencer, Hume, man kann sie nur verstehen, wenn man sieht, wie sie sich aus dem Wirtschaftsleben herausentwickelten, wie sie versuchten, den Weg nach oben zu machen. Man kann zum Beispiel Mill auch nur nationalökonomisch verstehen, wenn man ihn heraus erklärt aus den ökonomischen Grundlagen, die um ihn herum waren, kann auch die englischen Philosophen nur verstehen, wenn man sie heraus erklärt aus den ökonomischen Grundlagen ihrer Umgebung. Das ist etwas, was dieser dritten Strömung anhaftet, dieser Strömung der Mysterien der Erde, die von unten nach oben strömt, und die, durchaus noch ungeklärt, sich in unser modernes Zivilisationsleben als der dritte Faden in den Knäuel hineinverwoben har.
[ 15 ] Solche Philosophen, solche Naturforscher, wie Newton, Darwin, Mill, Spencer, Hume, man kann sie nur verstehen, wenn man sieht, wie sie sich aus dem Wirtschaftsleben herausentwickelten, wie sie versuchten, den Weg nach oben zu machen. Man kann zum Beispiel Mill auch nur nationalökonomisch verstehen, wenn man ihn heraus erklärt aus den ökonomischen Grundlagen, die um ihn herum waren, kann auch die englischen Philosophen nur verstehen, wenn man sie heraus erklärt aus den ökonomischen Grundlagen ihrer Umgebung. Das ist etwas, was dieser dritten Strömung anhaftet, dieser Strömung der Mysterien der Erde, die von unten nach oben strömt, und die, durchaus noch ungeklärt, sich in unser modernes Zivilisationsleben als der dritte Faden in den Knäuel hineinverwoben har.
[ 16 ] Da haben Sie die drei Fäden, die chaotisch in einem Knäuel zusammen verwoben in unserer sogenannten Zivilisation leben. Man hat sich immer in einem gewissen Sinn dagegen aufgebäumt. Im Westen am wenigsten; da nahm man auf der eine Seite, auch in Amerika, das wirtschaftliche Leben, das man von den Mysterien des Nordens hatte, auf das man geistfremde und geistlose Theorien baute, wissenschaftlich baute; man nahm auf dem Umweg über Rom das juristisch-politisch-rechtliche Leben, nahm vom Orient das geistige Wesen. In Mitteleuropa bäumte sich manches auf dagegen. Da entstand vielfach das Streben, diese Dinge in ihrer Reinheit zu fassen; im geistigen Leben am eindringlichsten in dem, was ich Goetheanismus nennen möchte. Goethe, der die Jurisprudenz aus der Naturwissenschaft heraushaben wollte, er ist charakteristisch für das Sich aufbäumen gegen das bloß orientalische Geistesleben. Wir haben nämlich auch die Jurisprudenz in der Naturwissenschaft darinnen: wir sprechen von Naturgesetzen. Die Orientalen haben nicht von Naturgesetzen gesprochen, sondern vom Walten des Weltenwillens. Naturgesetz ist erst entstanden, als jener Nebenstrom aufgenommen worden ist. Da ist das juristische Gesetz eingeschlichen durch ein Fenster in das Naturerkennen und ist Naturgesetz geworden. Goethe wollte erfassen die reine Erscheinung, die reine Tatsache, ‘das reine Phänomen, das Urphänomen. Ohne daß man reinigt unsere Naturwissenschaft von den Anhängseln der Jurisprudenz, kommen wir nicht zu einem gereinigten Geistesleben. Geisteswissenschaft erfaßt daher überall Tatsachen und weist nur auf Gesetze hin als eine Sekundärerscheinung.
[ 16 ] Da haben Sie die drei Fäden, die chaotisch in einem Knäuel zusammen verwoben in unserer sogenannten Zivilisation leben. Man hat sich immer in einem gewissen Sinn dagegen aufgebäumt. Im Westen am wenigsten; da nahm man auf der eine Seite, auch in Amerika, das wirtschaftliche Leben, das man von den Mysterien des Nordens hatte, auf das man geistfremde und geistlose Theorien baute, wissenschaftlich baute; man nahm auf dem Umweg über Rom das juristisch-politisch-rechtliche Leben, nahm vom Orient das geistige Wesen. In Mitteleuropa bäumte sich manches auf dagegen. Da entstand vielfach das Streben, diese Dinge in ihrer Reinheit zu fassen; im geistigen Leben am eindringlichsten in dem, was ich Goetheanismus nennen möchte. Goethe, der die Jurisprudenz aus der Naturwissenschaft heraushaben wollte, er ist charakteristisch für das Sich aufbäumen gegen das bloß orientalische Geistesleben. Wir haben nämlich auch die Jurisprudenz in der Naturwissenschaft darinnen: wir sprechen von Naturgesetzen. Die Orientalen haben nicht von Naturgesetzen gesprochen, sondern vom Walten des Weltenwillens. Naturgesetz ist erst entstanden, als jener Nebenstrom aufgenommen worden ist. Da ist das juristische Gesetz eingeschlichen durch ein Fenster in das Naturerkennen und ist Naturgesetz geworden. Goethe wollte erfassen die reine Erscheinung, die reine Tatsache, ‘das reine Phänomen, das Urphänomen. Ohne daß man reinigt unsere Naturwissenschaft von den Anhängseln der Jurisprudenz, kommen wir nicht zu einem gereinigten Geistesleben. Geisteswissenschaft erfaßt daher überall Tatsachen und weist nur auf Gesetze hin als eine Sekundärerscheinung.
[ 17 ] Dann haben wir auch ein gewisses Sichaufbäumen gegen das römische Rechtswesen, das in den Köpfen auch der sozialistisch Orientierten steckt, zum Beispiel bei — ja, es war sogar ein preußischer Unterrichtsminister — bei Wilhelm von Humboldt. Als er seine schöne Abhandlung schrieb über die Grenzen der Wirksamkeit des Staates, da lebte in ihm etwas von dem Drang, abzustoßen das Kulturleben und das Wirtschaftsleben von dem bloßen Staatsleben. Lesen Sie das schöne Reclambüchelchen — ich weiß nicht, was es heute kostet, aber früher war es um ein paar Pfennige zu haben — «Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen». Da lebt der Drang, das Rechtlich-Politische herauszuschälen aus den beiden anderen Richtekräften. Dann wiederum lebt dieses Sichaufbäumen gegen das Alte auch in der deutschen Philosophie. Aber nicht anders, als wenn eine gesunde Anschauung über dasjenige, was die Wissenschaft der Initiation über den Ursprung unseres Kulturlebens zu geben vermag, Platz greift, kann Heil, Gesundheit in diese Kulturentwickelung der Menschheit hineinkommen.
[ 17 ] Dann haben wir auch ein gewisses Sichaufbäumen gegen das römische Rechtswesen, das in den Köpfen auch der sozialistisch Orientierten steckt, zum Beispiel bei — ja, es war sogar ein preußischer Unterrichtsminister — bei Wilhelm von Humboldt. Als er seine schöne Abhandlung schrieb über die Grenzen der Wirksamkeit des Staates, da lebte in ihm etwas von dem Drang, abzustoßen das Kulturleben und das Wirtschaftsleben von dem bloßen Staatsleben. Lesen Sie das schöne Reclambüchelchen — ich weiß nicht, was es heute kostet, aber früher war es um ein paar Pfennige zu haben — «Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen». Da lebt der Drang, das Rechtlich-Politische herauszuschälen aus den beiden anderen Richtekräften. Dann wiederum lebt dieses Sichaufbäumen gegen das Alte auch in der deutschen Philosophie. Aber nicht anders, als wenn eine gesunde Anschauung über dasjenige, was die Wissenschaft der Initiation über den Ursprung unseres Kulturlebens zu geben vermag, Platz greift, kann Heil, Gesundheit in diese Kulturentwickelung der Menschheit hineinkommen.
[ 18 ] Gefühlsmäßig empfindet man ja insbesondere im Östen Europas und empfand immer dort die Notwendigkeit des Zusammenlebens der drei Elemente in unserem gegenwärtigen Kulturleben. Denn von diesen drei Strömungen ist am charakteristischsten zum Ausdruck gekommen dasjenige, was vom Nordischen kommt für den Westen. Da ist alles übertönt vom Wirtschaftsleben. Was das Juristische betrifft, da ist namentlich viel davon in Mitteleuropa; und von dem, was die Mysterien des Orients, des Lichtes sind, finden wir vieles in Osteuropa und in Asien. Da, wo wir noch Kastenbildungen treffen, da finden wir noch etwas von dem Sinn des alten, aus dem Geist heraus kommenden Feudalismus. Das juristisch durchsetzte Leben, das hat gezüchtet die moderne Bourgeoisie. Die Bourgeoisie kommt von der Rechtsströmung. Diese Dinge müssen heute klar durchschaut werden. Ich möchte sagen: In dem Unbewußten der Menschen findet sich schon der Drang, solche Dinge klar zu durchschauen; aber nur die Geisteswissenschaft kann diese Sehnsucht, diesen Drang, zur wirklichen Klarheit bringen. Es hat sich auch im 19. Jahrhundert immer gezeigt, wie man durch ein Ineinandergehen der vielfach unklaren Strömungen zu Zukunftsidealen zu kommen bestrebt war. Man wollte das nämlich dadurch erreichen, daß die Menschen nicht so abstrakt einander gegenüberstehen, wie sie es heute tun dadurch, daß das Geistesleben filtriert worden ist und in seiner Abstraktion in uns hereinlebt, daß das Rechtsleben filtriert worden ist und auch in seiner Abstraktion in uns hereinlebt, und daß das Wirtschaftsleben nachkeucht, um den Weg von unten nach oben zu finden.
[ 18 ] Gefühlsmäßig empfindet man ja insbesondere im Östen Europas und empfand immer dort die Notwendigkeit des Zusammenlebens der drei Elemente in unserem gegenwärtigen Kulturleben. Denn von diesen drei Strömungen ist am charakteristischsten zum Ausdruck gekommen dasjenige, was vom Nordischen kommt für den Westen. Da ist alles übertönt vom Wirtschaftsleben. Was das Juristische betrifft, da ist namentlich viel davon in Mitteleuropa; und von dem, was die Mysterien des Orients, des Lichtes sind, finden wir vieles in Osteuropa und in Asien. Da, wo wir noch Kastenbildungen treffen, da finden wir noch etwas von dem Sinn des alten, aus dem Geist heraus kommenden Feudalismus. Das juristisch durchsetzte Leben, das hat gezüchtet die moderne Bourgeoisie. Die Bourgeoisie kommt von der Rechtsströmung. Diese Dinge müssen heute klar durchschaut werden. Ich möchte sagen: In dem Unbewußten der Menschen findet sich schon der Drang, solche Dinge klar zu durchschauen; aber nur die Geisteswissenschaft kann diese Sehnsucht, diesen Drang, zur wirklichen Klarheit bringen. Es hat sich auch im 19. Jahrhundert immer gezeigt, wie man durch ein Ineinandergehen der vielfach unklaren Strömungen zu Zukunftsidealen zu kommen bestrebt war. Man wollte das nämlich dadurch erreichen, daß die Menschen nicht so abstrakt einander gegenüberstehen, wie sie es heute tun dadurch, daß das Geistesleben filtriert worden ist und in seiner Abstraktion in uns hereinlebt, daß das Rechtsleben filtriert worden ist und auch in seiner Abstraktion in uns hereinlebt, und daß das Wirtschaftsleben nachkeucht, um den Weg von unten nach oben zu finden.
[ 19 ] In jenem Osteuropa, wo sich so viele Dinge von Bedeutung jetzt abspielen, so beunruhigende und verheerende Dinge sich abspielen, da zeigte es sich am ersten, wohl auch in dem vielfach unklaren 19. Jahrhundert, wie man versuchte, gerade mit dem Sichaufbäumen gegen diese Verknäuelung der Kultur fertig zu werden. Die russischen Revolutionäre vom zweiten und letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, die versuchten nämlich das zu befruchten, in dem noch zurückgeblieben ist im Osten eine gewisse Vorstufe des Geisteslebens, mit dem, was in Mitteleuropa schon an Sichaufbäumen gegen das Altüberlieferte hervorgetreten ist. Und so finden wir bei solchen russischen Revolutionären vom zweiten und letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, wenn sie miteinander Briefe wechseln, wie sie gewissermaßen darauf hinweisen, daß schon in Mitteleuropa der Intellekt, das reine, bloß abstrakte Verstandesleben, sich mit einer gewissen Geistigkeit zu durchdringen versucht hat. Und immer wieder und wiederum tritt auf unter diesen russischen Revolutionären so etwas, was etwa ähnlich ist dem Satz: Es ist in der deutschen Philosophie versucht worden, den Intellekt, der die alte Seelenschau verloren hat, wiederum zu erheben zu einer gewissen Geistigkeit. Intim bekanntmachen wollte man sich im Osten mit dem, was da in Mitteleuropa hervorgetreten ist, und die Intimität spiegelte sich ab in der Art, wie sich diese Revolutionäre schrieben. Sie verehrten sehr den Philosophen «Iwan Petrowitsch», und sprachen davon, wie dieser sich erhoben hat zum reinen Gedanken, wie er versucht hat, in das dialektische Gedankenspiel der abendländischen Kultur wieder Geist hineinzubringen; und sie versuchten, Konsequenz aus seiner Philosophie zu ziehen. Sie nennen ihn, um mehr ihr Gefühlsverhältnis zu ihm auszudrücken, nicht Hegel, sondern sagen «der Iwan Petrowitsch». Da sehen wir gerade in diesen Bestrebungen das, was später verheerend werden mußte, ich möchte sagen, vorspuken. In unserer Zeit muß Klarheit sein über die ganze Erde hinüber. Daher muß auch alles getan werden, um dieser Klarheit zum Siege zu verhelfen. Aber man muß sich dazu bewußt werden, was man heute alles gegen sich hat, wenn der Versuch gemacht wird, zu dieser Klarheit zu kommen, wie man auch gegen sich hat neben vielem anderem die Bequemlichkeit der Menschen. Die Nachsicht mit der Bequemlichkeit der Menschen müssen wir uns auch abgewöhnen, denn die Menschheit braucht den Geist, und der Geist wird auf den bequemen Wegen, die heute oftmals begangen werden, nicht zum Sieg zu bringen sein. Denn man kämpft heute gegen das Hereindringen der Wissenschaft der Initiation mit merkwürdigen Waffen.
[ 19 ] In jenem Osteuropa, wo sich so viele Dinge von Bedeutung jetzt abspielen, so beunruhigende und verheerende Dinge sich abspielen, da zeigte es sich am ersten, wohl auch in dem vielfach unklaren 19. Jahrhundert, wie man versuchte, gerade mit dem Sichaufbäumen gegen diese Verknäuelung der Kultur fertig zu werden. Die russischen Revolutionäre vom zweiten und letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, die versuchten nämlich das zu befruchten, in dem noch zurückgeblieben ist im Osten eine gewisse Vorstufe des Geisteslebens, mit dem, was in Mitteleuropa schon an Sichaufbäumen gegen das Altüberlieferte hervorgetreten ist. Und so finden wir bei solchen russischen Revolutionären vom zweiten und letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, wenn sie miteinander Briefe wechseln, wie sie gewissermaßen darauf hinweisen, daß schon in Mitteleuropa der Intellekt, das reine, bloß abstrakte Verstandesleben, sich mit einer gewissen Geistigkeit zu durchdringen versucht hat. Und immer wieder und wiederum tritt auf unter diesen russischen Revolutionären so etwas, was etwa ähnlich ist dem Satz: Es ist in der deutschen Philosophie versucht worden, den Intellekt, der die alte Seelenschau verloren hat, wiederum zu erheben zu einer gewissen Geistigkeit. Intim bekanntmachen wollte man sich im Osten mit dem, was da in Mitteleuropa hervorgetreten ist, und die Intimität spiegelte sich ab in der Art, wie sich diese Revolutionäre schrieben. Sie verehrten sehr den Philosophen «Iwan Petrowitsch», und sprachen davon, wie dieser sich erhoben hat zum reinen Gedanken, wie er versucht hat, in das dialektische Gedankenspiel der abendländischen Kultur wieder Geist hineinzubringen; und sie versuchten, Konsequenz aus seiner Philosophie zu ziehen. Sie nennen ihn, um mehr ihr Gefühlsverhältnis zu ihm auszudrücken, nicht Hegel, sondern sagen «der Iwan Petrowitsch». Da sehen wir gerade in diesen Bestrebungen das, was später verheerend werden mußte, ich möchte sagen, vorspuken. In unserer Zeit muß Klarheit sein über die ganze Erde hinüber. Daher muß auch alles getan werden, um dieser Klarheit zum Siege zu verhelfen. Aber man muß sich dazu bewußt werden, was man heute alles gegen sich hat, wenn der Versuch gemacht wird, zu dieser Klarheit zu kommen, wie man auch gegen sich hat neben vielem anderem die Bequemlichkeit der Menschen. Die Nachsicht mit der Bequemlichkeit der Menschen müssen wir uns auch abgewöhnen, denn die Menschheit braucht den Geist, und der Geist wird auf den bequemen Wegen, die heute oftmals begangen werden, nicht zum Sieg zu bringen sein. Denn man kämpft heute gegen das Hereindringen der Wissenschaft der Initiation mit merkwürdigen Waffen.
[ 20 ] Es war mir neulich eine tiefe Befriedigung, als unser lieber Freund Dr. Stein nach Dornach schrieb, wie er, ohne Nachsicht zu üben, einen Feind des menschlichen Geisteslebens hier in der Nachbarschaft rückhaltlos abgefertigt habe, allerdings bei einer Gelegenheit, die kulturhistorisch recht bedeutsam ist. Denn da wurde es doch zustande gebracht — Sie werden mich ja korrigieren, wenn ich irren sollte, ich war ja selbst nicht dabei —, daß der betreffende Pfarrer-Vorsitzende einer Versammlung, als Bibelsprüche von einem unserer Freunde zitiert wurden und dem Pfarrer die Wahrheit der Bibelsprüche nicht mehr gefiel, er das Wort gebrauchte, daß Christus hier irre. Ist das gesagt worden? [Zustimmung.] Wenn man heute sich auf jener Seite nicht mehr zu helfen weiß, dann ist man selber unfehlbar, aber der Christus irrt. Wir haben es weit gebracht!
[ 20 ] Es war mir neulich eine tiefe Befriedigung, als unser lieber Freund Dr. Stein nach Dornach schrieb, wie er, ohne Nachsicht zu üben, einen Feind des menschlichen Geisteslebens hier in der Nachbarschaft rückhaltlos abgefertigt habe, allerdings bei einer Gelegenheit, die kulturhistorisch recht bedeutsam ist. Denn da wurde es doch zustande gebracht — Sie werden mich ja korrigieren, wenn ich irren sollte, ich war ja selbst nicht dabei —, daß der betreffende Pfarrer-Vorsitzende einer Versammlung, als Bibelsprüche von einem unserer Freunde zitiert wurden und dem Pfarrer die Wahrheit der Bibelsprüche nicht mehr gefiel, er das Wort gebrauchte, daß Christus hier irre. Ist das gesagt worden? [Zustimmung.] Wenn man heute sich auf jener Seite nicht mehr zu helfen weiß, dann ist man selber unfehlbar, aber der Christus irrt. Wir haben es weit gebracht!
[ 21 ] Sehen Sie, diese Dinge zeugen alle von dem Wahrheitscharakter dessen, was heute als Geistesleben durch die Menschheit pulsiert. Wo das Geistesleben zur äußersten Abstraktion geworden ist, da kann es sich nicht mehr in der Sphäre der Wahrheit halten. Aber man muß empfinden, was da eigentlich vorhanden ist. Die Zeitschrift «Dreigliederung des sozialen Organismus» brachte neulich eine Notiz von einer Versammlung, die hier in Stuttgart stattgefunden haben soll, wo nun von römisch-katholischer Seite in Einklang mit jener protestantischen Seite aufgetreten worden ist gegen das, was hier als Geisteswissenschaft verbreitet wird. Der betreffende Domkapitular soll gesagt haben, eine Diskussion sei ja nicht notwendig, weil sich die Menschen aus den gegnerischen Schriften unterrichten könnten, was die Lehre des Dr. Steiner sei. Die Schriften des Dr. Steiner dürften aber nicht gelesen werden, denn die habe der Papst verboten. In der Tat ist das die neueste Jesuitenlehre von der Kongregation des Heiligen Offiziums, die vor allen Dingen auf die Katholiken anzuwenden ist: die Lehre, daß den Katholiken verboten ist, die Schriften über Anthroposophie zu lesen. Daher werden die römischen Katholiken heute offiziell dazu angehalten, sich zu unterrichten über das, was ich lehre, aus den Schriften der Gegner, aus Schriften von Seiling und manchen anderen; denn die sind erlaubt, sind nicht verboten von der Heiligen Kongregation. Aber sie dürfen nicht lesen, was ich selber schreibe. Dagegen muß man, wenn man die ganze Verfassung der römisch-katholischen Kirche kennt und weiß, wie der einzelne, so wie er eingefügt ist, nur der Vertreter der gesamten Organisation ist, in allem Ernst die Frage nach den moralischen Qualitäten eines solchen Vorgehens in seiner tiefsten Seele aufwerfen und fragen: Ist ein solches Vorgehen überhaupt noch irgendwie mit Menschheitsmoral zu vereinigen? Ist es nicht tief unsittlich ? Solche Fragen müssen heute ohne Nachsicht gestellt werden. Wir leben eben in einer ernsten Zeit und dürfen nicht in leichter, bequemlicher und lässiger Weise fortschlafen. Wir müssen rückhaltlos diejenigen Dinge wirklich zum Ausdruck bringen, die geeignet sind, ein Heil herbeizuführen, indem wir zu gleicher Zeit die Unmoralität der heutigen Unwahrheit in das entsprechende Licht stellen. Und im Grunde genommen ist diese Unwahrheit gar nicht so wenig verbreitet.
[ 21 ] Sehen Sie, diese Dinge zeugen alle von dem Wahrheitscharakter dessen, was heute als Geistesleben durch die Menschheit pulsiert. Wo das Geistesleben zur äußersten Abstraktion geworden ist, da kann es sich nicht mehr in der Sphäre der Wahrheit halten. Aber man muß empfinden, was da eigentlich vorhanden ist. Die Zeitschrift «Dreigliederung des sozialen Organismus» brachte neulich eine Notiz von einer Versammlung, die hier in Stuttgart stattgefunden haben soll, wo nun von römisch-katholischer Seite in Einklang mit jener protestantischen Seite aufgetreten worden ist gegen das, was hier als Geisteswissenschaft verbreitet wird. Der betreffende Domkapitular soll gesagt haben, eine Diskussion sei ja nicht notwendig, weil sich die Menschen aus den gegnerischen Schriften unterrichten könnten, was die Lehre des Dr. Steiner sei. Die Schriften des Dr. Steiner dürften aber nicht gelesen werden, denn die habe der Papst verboten. In der Tat ist das die neueste Jesuitenlehre von der Kongregation des Heiligen Offiziums, die vor allen Dingen auf die Katholiken anzuwenden ist: die Lehre, daß den Katholiken verboten ist, die Schriften über Anthroposophie zu lesen. Daher werden die römischen Katholiken heute offiziell dazu angehalten, sich zu unterrichten über das, was ich lehre, aus den Schriften der Gegner, aus Schriften von Seiling und manchen anderen; denn die sind erlaubt, sind nicht verboten von der Heiligen Kongregation. Aber sie dürfen nicht lesen, was ich selber schreibe. Dagegen muß man, wenn man die ganze Verfassung der römisch-katholischen Kirche kennt und weiß, wie der einzelne, so wie er eingefügt ist, nur der Vertreter der gesamten Organisation ist, in allem Ernst die Frage nach den moralischen Qualitäten eines solchen Vorgehens in seiner tiefsten Seele aufwerfen und fragen: Ist ein solches Vorgehen überhaupt noch irgendwie mit Menschheitsmoral zu vereinigen? Ist es nicht tief unsittlich ? Solche Fragen müssen heute ohne Nachsicht gestellt werden. Wir leben eben in einer ernsten Zeit und dürfen nicht in leichter, bequemlicher und lässiger Weise fortschlafen. Wir müssen rückhaltlos diejenigen Dinge wirklich zum Ausdruck bringen, die geeignet sind, ein Heil herbeizuführen, indem wir zu gleicher Zeit die Unmoralität der heutigen Unwahrheit in das entsprechende Licht stellen. Und im Grunde genommen ist diese Unwahrheit gar nicht so wenig verbreitet.
[ 22 ] Neulich brachte mir Dr. Boos einen Aufsatz eines Docteur en sociologie. Der begann etwa mit den folgenden Worten: Welch ein Weg ist von den klaren Gedanken von Waxweiler bis zu den obskuren Gedanken von Rudolf Steiner! Aber dieser Herr ist ja auch gewesen der Intimus von Guillaume II. und es wird gesagt, daß er mit wichtigen Ratschlägen gerade in den letzten Jahren dem Wilhelm II. beigestanden hat, so daß man auch diesen Mann den Rasputin bei Wilhelm II. nennen kann. Wir wollen uns nicht zum Vermittler dieses Gerüchtes machen, heißt es im nächsten Satz.
[ 22 ] Neulich brachte mir Dr. Boos einen Aufsatz eines Docteur en sociologie. Der begann etwa mit den folgenden Worten: Welch ein Weg ist von den klaren Gedanken von Waxweiler bis zu den obskuren Gedanken von Rudolf Steiner! Aber dieser Herr ist ja auch gewesen der Intimus von Guillaume II. und es wird gesagt, daß er mit wichtigen Ratschlägen gerade in den letzten Jahren dem Wilhelm II. beigestanden hat, so daß man auch diesen Mann den Rasputin bei Wilhelm II. nennen kann. Wir wollen uns nicht zum Vermittler dieses Gerüchtes machen, heißt es im nächsten Satz.
[ 23 ] Da können Sie zweierlei ersehen: Erstens die moralische Versumpftheit eines solchen Menschen, der sich zum Träger dieses Gerüchtes macht, und seine schöne Logik, indem er sagt: Indem ich dieses Gerücht hier vor meinen Lesern ausbreite, mache ich mich nicht zum Verbreiter dieses Gerüchtes. — So denken heute zahlreiche Menschen, verlassen von allen Geistern der Wirklichkeit, indem das, was sie sagen, schon außerhalb jeder Wirklichkeit steht. Denn ich kann nicht sagen: Ich sage etwas, indem ich es nicht sage. Denn das macht jenes Modell von einem Menschen, der Monsieur Ferriere, der dieses geschrieben hat. Man kann sich mit solch moralisch verkommenen Individuen nicht einlassen. Ich konnte nur feststellen und hoffe, daß ihm das entgegengeschleudert wird —, daß ich folgende Beziehungen zu jenem Wilhelm II. hatte. Erstens: ich saß einmal in einem Berliner Theater, vielleicht im Jahre 1897, im ersten Rang oben, und in der Mitte des Theaters saß Wilhelm II. in der Hofloge, und ich sah ihn in einer Entfernung etwa wie von hier bis zum Ende dieses Saales. Das zweite Mal sah ich ihn, als er hinter dem Sarge der Großherzogin von Weimar schritt, ganz von ferne. Das dritte Mal in der Friedrichstraße in Berlin, wo er mit seinem Gefolge mit dem Marschallstab in der Hand durch die Straßen ritt und die Leute Hurra schrieen. Das sind meine ganzen Beziehungen zu Wilhelm II, andere habe ich nie gehabt und nie gesucht. So entstehen heute Behauptungen, und manches von dem, was Sie lesen — mit Druckerschwärze auf das Papier hingebannt —, das ist nicht mehr wert als dieses Dreckgerücht, das heute dazu verwendet wird, um in romanischen Ländern Anthroposophie zu verketzern. Heute muß den Dingen auf den Ursprung gegangen werden, heute genügt es nicht, die Dinge bloß hinzunehmen, die gesagt werden, sondern es ist notwendig, daß die Menschen sich gewöhnen, an den Ursprung dessen zu gehen, was gesagt und behauptet wird. Der Sinn aber für den Wahrheitsursprung der äußeren Tatsachenwelt, er wird der Menschheit nur erblühen aus einer Vertiefung in wirkliche Geisteswissenschaft.
[ 23 ] Da können Sie zweierlei ersehen: Erstens die moralische Versumpftheit eines solchen Menschen, der sich zum Träger dieses Gerüchtes macht, und seine schöne Logik, indem er sagt: Indem ich dieses Gerücht hier vor meinen Lesern ausbreite, mache ich mich nicht zum Verbreiter dieses Gerüchtes. — So denken heute zahlreiche Menschen, verlassen von allen Geistern der Wirklichkeit, indem das, was sie sagen, schon außerhalb jeder Wirklichkeit steht. Denn ich kann nicht sagen: Ich sage etwas, indem ich es nicht sage. Denn das macht jenes Modell von einem Menschen, der Monsieur Ferriere, der dieses geschrieben hat. Man kann sich mit solch moralisch verkommenen Individuen nicht einlassen. Ich konnte nur feststellen und hoffe, daß ihm das entgegengeschleudert wird —, daß ich folgende Beziehungen zu jenem Wilhelm II. hatte. Erstens: ich saß einmal in einem Berliner Theater, vielleicht im Jahre 1897, im ersten Rang oben, und in der Mitte des Theaters saß Wilhelm II. in der Hofloge, und ich sah ihn in einer Entfernung etwa wie von hier bis zum Ende dieses Saales. Das zweite Mal sah ich ihn, als er hinter dem Sarge der Großherzogin von Weimar schritt, ganz von ferne. Das dritte Mal in der Friedrichstraße in Berlin, wo er mit seinem Gefolge mit dem Marschallstab in der Hand durch die Straßen ritt und die Leute Hurra schrieen. Das sind meine ganzen Beziehungen zu Wilhelm II, andere habe ich nie gehabt und nie gesucht. So entstehen heute Behauptungen, und manches von dem, was Sie lesen — mit Druckerschwärze auf das Papier hingebannt —, das ist nicht mehr wert als dieses Dreckgerücht, das heute dazu verwendet wird, um in romanischen Ländern Anthroposophie zu verketzern. Heute muß den Dingen auf den Ursprung gegangen werden, heute genügt es nicht, die Dinge bloß hinzunehmen, die gesagt werden, sondern es ist notwendig, daß die Menschen sich gewöhnen, an den Ursprung dessen zu gehen, was gesagt und behauptet wird. Der Sinn aber für den Wahrheitsursprung der äußeren Tatsachenwelt, er wird der Menschheit nur erblühen aus einer Vertiefung in wirkliche Geisteswissenschaft.
