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The Rudolf Steiner Archive

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World New Year's Eve and New Year's Reflections
GA 195

21 December 1919, Stuttgart

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Erster Vortrag

First Lecture

[ 1 ] Diejenigen von Ihnen, welche die letzten hier gehaltenen Vorträge gehört haben, werden aus den darin angestellten Betrachtungen entnommen haben, inwiefern es durchaus gegenwärtig eine Zeitforderung ist, die sogenannte Wissenschaft der Initiation, die wirkliche Wissenschaft vom geistigen Leben in unsere ganze Kulturentwickelung einfließen zu lassen. Und manches habe ich auch schon darüber gesprochen, welches die Hindernisse sind, die sich diesem Einfließen der Wissenschaft von der geistigen Welt in unser gegenwärtiges Kulturleben, und wohl auch noch in das Kulturleben der Zukunft, entgegenstellen. Da ist ja vor allen Dingen erstens dasjenige, was ich öfters charakterisiert habe als die Furcht vor der geistigen Erkenntnis. Man braucht dieses wohl nur auszusprechen und es wird in der Gegenwart von allen Seiten gewissermaßen «beleidigt» getan werden. Denn wie sollte es denn nach der Ansicht mancher Menschen zutreffend sein, daß in jener Zeit, in der man es so herrlich weit gebracht hat, die Menschen irgendwelche Furcht vor einer Erkenntnis _ haben? Die Menschen glauben ja heute, in der Lage zu sein, gewissermaßen alles, alles mit ihren Erkenntniskräften umfassen zu können. Die Furcht aber, von der ich spreche und von der ich öfter gesprochen habe, die sitzt zunächst nicht im Bewußtsein der Menschen. Im Bewußtsein machen sich die Menschen vor, daß sie mutig genug seien, um jede Art von Erkenntnis entgegenzunehmen. Aber tief in demjenigen in der Seele, wovon die Menschen nichts wissen und auch heute im Grunde genommen nichts wissen wollen, da sitzt diese unbewußte Furcht, und weil diese Menschen diese unbewußte Furcht haben, so steigt ihnen allerlei auf von der Art von Gründen, die sie logische Gründe nennen, von denen sie vorgeben, daß sie logische Einwände gegen die Geisteswissenschaft seien. Es sind keine logischen Einwendungen, es sind nur Ausflüsse der in den Menschenseelen unbewußt waltenden Furcht vor der Wissenschaft vom Geiste. In den Untergründen des Seelenlebens weiß nämlich eigentlich ein jeder Mensch viel mehr als er denkt. Er will dieses Wissen, das in den Untergründen des Seelenlebens wurzelt, nur nicht heraufsteigen lassen, weil er sich eben davor fürchtet. Vor allen Dingen ahnt der Mensch eines von den übersinnlichen Welten: Er ahnt, daß in all dem, was er sein Denken nennt, in all dem, was er als seine Gedankenwelt bezeichnet, doch etwas enthalten ist von der übersinnlichen Welt. Selbst materialistisch gesinnte Menschen der Gegenwart können sich nicht immer der Ahnung entschlagen, daß in dem Gedankenleben doch etwas enthalten sei, das irgendwie auf eine übersinnliche Welt hinweist. Aber zu gleicher Zeit ahnt der Mensch noch etwas anderes von dieser Gedankenwelt: Er ahnt, daß diese Gedankenwelt sich zu einer gewissen Wirklichkeit etwa so verhält wie das Bild, das man in einem Spiegel sieht, sich verhält zu der Wirklichkeit, die abgespiegelt wird. Und so wie eigentlich das Bild im Spiegel keine Wirklichkeit ist, so müßte sich der Mensch auch gestehen, daß seine Gedankenwelt keine Wirklichkeit ist. In dem Augenblick, wo der Mensch den Mut, die Furchtlosigkeit hätte, sich zu gestehen, daß die Gedankenwelt eben keine Wirklichkeit ist, in dem Augenblicke würde er auch fassen müssen die Sehnsucht nach einer Erkenntnis der geistigen Welt. Denn man möchte doch wissen, worauf es hinweist, was man als ein Spiegelbild nur sieht.

[ 1 ] Those of you who have heard the most recent lectures given here will have gathered from the observations made therein to what extent it is indeed a pressing need of our time to allow the so-called science of initiation—the true science of spiritual life—to flow into our entire cultural development. And I have already spoken at some length about the obstacles that stand in the way of this integration of the science of the spiritual world into our present cultural life—and indeed into the cultural life of the future as well. First and foremost, there is what I have often characterized as the fear of spiritual knowledge. One need only voice this, and in the present day it will, as it were, be met with “offense” from all sides. For how could it possibly be true, in the view of many people, that in this age—in which we have made such magnificent progress—people should have any fear of knowledge at all? People today believe they are capable, as it were, of comprehending everything—absolutely everything—with their powers of cognition. But the fear I am speaking of—and of which I have spoken often—does not, at first, reside in people’s consciousness. In their consciousness, people delude themselves into believing they are courageous enough to embrace any kind of insight. But deep within that part of the soul of which people know nothing—and, fundamentally, still do not wish to know anything even today—there lies this unconscious fear; and because these people harbor this unconscious fear, all sorts of so-called “reasons”—which they claim are logical objections to spiritual science—surface within them. These are not logical objections; they are merely outpourings of the fear of spiritual science that reigns unconsciously in human souls. For in the depths of the soul, every human being actually knows much more than they realize. They simply do not want to allow this knowledge—which is rooted in the depths of the soul—to rise to the surface, precisely because they fear it. Above all, human beings sense something of the supersensible worlds: they sense that in everything they call “thinking,” in everything they describe as their “world of thought,” there is indeed something contained that belongs to the supersensible world. Even materialistically minded people today cannot always shake off the sense that there is indeed something in their life of thought that somehow points to a supersensible world. But at the same time, human beings sense something else about this world of thought: they sense that this world of thought relates to a certain reality much as the image one sees in a mirror relates to the reality that is reflected. And just as the image in the mirror is not actually reality, so too must human beings admit to themselves that their world of thought is not reality. The moment a person had the courage, the fearlessness, to admit to themselves that the world of thought is indeed not reality, at that very moment they would also have to grasp the longing for knowledge of the spiritual world. For one would surely want to know what it points to—that which one sees only as a mirror image.

[ 2 ] Nun aber hat dasjenige, was ich eben gesagt habe, ich möchte sagen, einen wichtigen polarischen Gegensatz. Wenn man durch die Wissenschaft der Initiationen aufsteigt über die Schwelle zur übersinnlichen Welt hinweg in die geistige Welt, dann wird umgekehrt alles das, was man hier als sinnliche Wirklichkeit erlebt, zu einem bloßen Bilde, zu einem Scheinbilde. Man steigt auf in die übersinnliche Welt und gerade so, wie hier, sagen wir, auf Erden die übersinnliche Welt ein Spiegelbild ist, im Spiegelbild vorhanden ist, so ist die Erdenwelt in der übersinnlichen Welt nurmehr als ein Spiegelbild vorhanden. Und derjenige, der aus der Wissenschaft der Initiation heraus spricht, muß daher selbstverständlich von der sinnlichen Wirklichkeit wie von Bildern bloß sprechen. Das fühlen dann die Menschen, daß ihnen das, worauf sie so bequem stehen können, was sie so bequem einatmen können, was sie so bequem sehen können, ohne daß sie etwas dazu tun als höchstens am Morgen die Augen aufzumachen und sie sich auszureiben, daß das zu einem bloßen Bilde wird. Dies fühlen dann die Menschen, und sie beginnen sich unsicher zu fühlen; sie beginnen sich etwa so unsicher zu fühlen wie ein Mensch, den man bei einem Spaziergang geführt hat bis an den Rand eines Abgrundes, und den dann der Schwindel der Furcht ergreift. Auf der einen Seite also müßte der Mensch fühlen, wie sein Denken hier in der Sinnenwelt bloß eine Summe von Bildern ist, auf der anderen müßte er fühlen — und er fühlt es auch, aber täuscht sich durch die unbewußte Furcht darüber hinweg —, daß dasjenige, was von der übersinnlichen Welt erzählt, diese Welt hier zu einem Bilde macht. Das, wie gesagt, fühlen die Menschen. Daher sträuben sie sich gegen das, was von der Wissenschaft der Initiation kommt. Sie sträuben sich, weil sie meinen, daß ihnen der sichere Untergrund des Daseins dann fehle, wenn man ihnen die Sinneswelt gewissermaßen zu einem bloßen Bilde macht.

[ 2 ] But what I have just said has, I would say, an important polar opposite. When one ascends through the science of initiations across the threshold into the spiritual world, everything that is experienced here as sensory reality becomes, conversely, a mere image, an illusion. One ascends into the supersensible world, and just as here—let us say, on Earth—the supersensible world is a mirror image, existing as a reflection, so too does the earthly world exist in the supersensible world only as a mirror image. And anyone speaking from the science of initiation must therefore, of course, speak of sensory reality as if it were merely images. People then sense that what they can so comfortably stand upon, what they can so comfortably breathe in, what they can so comfortably see—without having to do anything more than, at most, open their eyes in the morning and rub them—becomes a mere image. People then feel this, and they begin to feel uncertain; they begin to feel about as uncertain as a person who has been led on a walk to the edge of an abyss and is then seized by the dizziness of fear. On the one hand, then, a person should feel how their thinking here in the sensory world is merely a sum of images; on the other hand, they should feel—and they do feel it, but they deceive themselves about it through an unconscious fear—that what is told of the supersensory world turns this world here into an image. As I said, people sense this. That is why they resist what comes from the science of initiation. They resist because they believe that the secure foundation of their existence would be lost if the sensory world were, so to speak, reduced to a mere image.

[ 3 ] Nun kann gewiß nicht jeder ohne weiteres in der Gegenwart durchmachen, was derjenige durchzumachen hat, der praktisch unmittelbar in die Welt der Initiation eintritt. Denn ein solcher, der eintritt in die Welt der Initiation, muß darinnen nicht nur erkennen, was sich heute alle Menschen bestreben sollten zu erkennen, sondern er muß darinnen auch leben; er muß darinnen leben, wie man mit seinem Leibe lebt in der physisch-sinnlichen Welt. Das heißt, er muß gewissermaßen stellvertretend wirklich das durchmachen, was in der physisch-sinnlichen Welt nur durchzumachen ist in dem Moment des Todes. Er muß die Möglichkeit gewinnen, in einer Welt zu leben, für die gar nicht eingestellt ist der physisch-sinnliche Mensch. Schon wenn wir uns nur in den Finger schneiden, fühlen wir einen gewissen Schmerz, fühlen wir etwas Unbequemes. Warum fühlen wir da etwas Unbequemes, wenn wir uns in den Finger schneiden? Nun, aus dem einfachen Grunde, weil das Messer wohl die Haut und den Muskel und den Nerv zerschneidet, aber nicht den übersinnlichen Ätherleib. Wenn wir den unzerschnittenen Finger haben, dann paßt unser übersinnlicher Ätherleib zu diesem unzerschnittenen Finger; wenn wir den Finger zerschnitten haben und wir den Ätherleib doch nicht zerschneiden können, dann paßt der unzerschnittene Ätherleib nicht zu dem zerschnittenen Finger, und das ist der Grund, warum der astralische Leib dann den Schmerz fühlt. Von dem Nichtangepaßstsein an die sinnliche Leiblichkeit kommt das. Wenn der Mensch über die Schwelle zur übersinnlichen Welt eintritt in diese übersinnliche Welt, dann ist er mit seinen ganzen Leibern nicht mehr angepaßt an den sinnlichen Leib, dann fühlt er nach und nach so etwas ähnliches, wie er lokal fühlt, wenn er sich den Finger zerschnitten hat. Und dieses, meine lieben Freunde, dieses ist in einer unbegrenzten Steigerung zu denken.

[ 3 ] Certainly, not everyone can readily undergo in the present what one who is practically entering the world of initiation must undergo. For one who enters the world of initiation must not only recognize within it what all people today should strive to recognize, but must also live within it; they must live within it just as one lives with one’s body in the physical-sensory world. That is to say, they must, in a sense, truly experience on behalf of others what in the physical-sensory world can only be experienced at the moment of death. They must gain the ability to live in a world for which the physical-sensory human being is not at all prepared. Even when we merely cut our finger, we feel a certain pain; we feel something unpleasant. Why do we feel something unpleasant when we cut our finger? Well, for the simple reason that the knife cuts through the skin, muscle, and nerve, but not the supersensible etheric body. When our finger is uncut, our supersensible etheric body fits this uncut finger; when we have cut our finger—yet cannot cut through the etheric body—the uncut etheric body no longer fits the cut finger, and that is why the astral body then feels the pain. This stems from the lack of adaptation to the physical body. When a person crosses the threshold into the supersensible world, all of their bodies are no longer attuned to the physical body; then, little by little, they feel something similar to what they feel locally when they have cut their finger. And this, my dear friends, is to be conceived of in an infinite progression.

[ 4 ] Nun ist natürlich gar nicht vorzustellen, was über die Menschen der Gegenwart, die in ihrem Bewußtsein oftmals so mutig, in ihrer Seele oftmals so wehleidig sind, was über sie kommen würde, wenn sie unmittelbar die Möglichkeit des Lebens in der übersinnlichen Welt empfangen würden, wenn sie durchmachen sollten all das, was von der Unangepaßtheit an diese übersinnliche Welt kommt. Aber nicht nur, daß die Menschheit der Gegenwart so weit ist, daß sie mit dem gesunden Menschenverstand alles das einsehen kann, was diejenigen erzählen, die das Leben im Übersinnlichen kennen, sondern es ist dieses Wissen vom Übersinnlichen, dieses Empfangen der Wissenschaft vom Übersinnlichen für den gesunden Menschenverstand der Gegenwart sogar eine unbedingte Notwendigkeit. Denn nur dieses Wissen vom Übersinnlichen kann heute aufklären über alles das, was uns so chaotisch, so verheerend in der Gegenwart umgibt. Wir leben ja, so muß man sagen, in einer Welt, in welcher Dinge zum Vorschein kommen, Dinge sich ausleben, von denen wir sagen müssen, sie können nicht so bleiben, sie müssen eine Umwandlung erfahren. Aber die Menschheit der Gegenwart durchschaut gar nicht, was da eigentlich um sie herum lebt. Durchschauen, was da um die Menschheit herum in der Gegenwart lebt, man kann es nur durch die Wissenschaft der Initiation, man kann es nur dadurch, daß man vor allen Dingen das Leben der Gegenwart vergleichen kann mit all den Lebenserscheinungen, die im Laufe der Jahrhunderte, Jahrtausende, in die Entwickelung der Menschheit eingegriffen haben.

[ 4 ] Now, of course, it is impossible to imagine what would become of the people of the present day—who are often so courageous in their consciousness yet so whiny in their souls—if they were to be given the immediate opportunity to live in the supersensible world, if they were to go through everything that comes from being ill-adapted to this supersensible world. But not only is humanity today at a stage where it can understand, through common sense, everything that those who know life in the supersensible world describe; rather, this knowledge of the supersensible—this reception of the science of the supersensible—is in fact an absolute necessity for the common sense of our time. For only this knowledge of the supersensible can shed light today on all that surrounds us so chaotically, so devastatingly in the present. We live, it must be said, in a world in which things come to light, things play out, about which we must say that they cannot remain as they are; they must undergo a transformation. But humanity today does not at all perceive what is actually at work around it. To understand what is actually at work around humanity today—this is possible only through the science of initiation; it is possible only by comparing, above all, the life of the present with all the manifestations of life that have intervened in the course of human development over the centuries and millennia.

[ 5 ] Es mußte in einem gewissen Zeitpunkt gesagt werden zur heutigen Öffentlichkeit: Will man irgendeinen fruchtbringenden Impuls hineinbringen in das Leben, das uns die heutigen zerstörenden Erscheinungen zeigt, so ist dieser kein anderer als der von der Dreigliederung des sozialen Organismus. Damit mußte der Seelenblick der Menschen hingewiesen werden auf die drei Grundströmungen unseres gegenwärtigen Kulturlebens. Diese Grundströmungen, sie sind ja, wie Sie wohl heute schon genügend wissen, die des eigentlichen geistigen Lebens, die des rechtlich-politischen Lebens, die des äußeren wirtschaftlichen Lebens.

[ 5 ] At a certain point, it had to be said to the public of today: If one wishes to introduce any fruitful impulse into the life that is marked by today’s destructive phenomena, this impulse is none other than that of the threefold social order. This was necessary to direct people’s spiritual gaze toward the three fundamental currents of our present cultural life. These fundamental currents—as you are no doubt already well aware—are those of spiritual life proper, those of legal and political life, and those of external economic life.

[ 6 ] Wenn man diese drei Grundströmungen des Lebens vor die menschliche Seele hinstellt, dann umfaßt man eigentlich, indem man die Worte für diese Grundströmungen ausspricht, eine große Summe von Erscheinungen des Lebens in jeder einzelnen dieser Grundströmungen. Wollen wir einmal, ich möchte sagen, der Reihe nach diese drei Grundströmungen vor unserem geistigen Blick ein wenig vorbeiziehen lassen.

[ 6 ] When we present these three fundamental currents of life to the human soul, we actually encompass—by uttering the words that describe these fundamental currents—a vast array of life’s manifestations within each of these fundamental currents. Let us, so to speak, allow these three fundamental currents to pass before our inner eye one by one.

[ 7 ] Wir haben heute ein Geistesleben. In der einen oder anderen Weise wird der Mensch in dieses Geistesleben hineingestellt. Der eine, indem er nach den wirtschaftlichen oder nach den rechtlichen Grundlagen, auf denen sein Dasein aufgebaut ist, vielleicht nur eine Volksschule besucht, ein anderer vielleicht weitergetrieben wird in unseren Bildungsanstalten. Dasjenige, was da von den Menschen aufgenommen wird, das lebt ja unter uns in unserem sozialen Leben. Mit dem verhalten wir uns zu unseren Mitmenschen. Heute ist die Zeit, wo gründlich muß aufgeworfen werden die Frage: Woher kommt denn gerade dieses ganze Geistesleben, und wodurch hat es im Verlaufe seines Herkommens, im Verlaufe seiner Entwickelung gerade denjenigen Charakter angenommen, den es heute hat? Geht man auf den wirklichen Ursprung dieses Geisteslebens zurück, so muß man gewissermaßen vorher gewisse Stationen durchmachen. Dasjenige, was heute unser Volksschulleben, unser höheres Schulleben durchdringt, das geht — aber in Zwischenstationen, die ich jedoch auslasse — doch alles zurück auf längst Vergangenes. Man erkennt nur gewöhnlich nicht, wie es zurückgeht, man erkennt im Volksschulwesen zum Beispiel nicht, wie es zurückgeht auf das, was hervorgetreten ist im alten Griechenland. Im Grunde genommen wird unser geistiges Leben von den Impulsen gespeist, die im alten Griechenland, in etwas anderer Form, gelebt haben, die sich nur umgewandelt haben seither. Aber sie sind auch nicht im alten Griechenland entsprungen. Sie sind entsprungen drüben im Orient und haben, allerdings vor Jahrtausenden, an ihrer Quelle im Orient eine andere Form gehabt, als sie schon im alten Griechenland hatten. Damals, im Orient, waren sie Mysterienweisheit. Wenn wir weglassen unser rechtlich-politisches Leben, das ja chaotisch wie in einem Knäuel verquickt ist mit dem geistigen Leben, und weglassen das Wirtschaftsleben, wenn wir herausschälen in Abstraktion unser Geistesleben, so können wir seinen Weg rückwärts verfolgen, hinaufsteigend bis zu gewissen Mysterien des Orients, deren Ursprung allerdings vor Jahrtausenden liegt, in denen aber das, was heute für uns in unseren Bildungsanstalten eine trockene, nüchterne Abstraktion ist, einen lebensfremden Charakter hat, etwas durchaus Lebendiges war. Versetzen wir uns zurück im Geiste nach jenen Mysterien des Orients, die ich damit eigentlich meine, so treffen wir als die Vorsteher dieser Mysterien Menschen, die wir bezeichnen können als eine Art von Zusammenfluß von Priester, von König und zu gleicher Zeit — so sonderbar es dem heutigen Menschen klingt — von Ökonom, von Wirtschafter. Denn in diesen Mysterien — ich möchte sie nennen die Mysterien des Lichts oder des Geistes — wurde eine umfassende Lebenserkenntnis getrieben, eine Lebenserkenntnis, die zunächst darauf ausging, aus den Tatsachen der Himmels- und Sternenwelt das Wesen des Menschen zu erforschen; aber auch eine Weisheit, welche darauf ausging, das rechtliche Zusammenleben der Menschen zu regeln im Sinne dieser gewonnenen Erkenntnisse. Und ausgegeben wurden aus diesen Mysterienstätten die Anweisungen, wie man das Vieh behüten soll, wie man den Acker bebauen soll, wie man Kanäle anlegen soll und so weiter. Diese Wissenschaft der Initiation eines grauen Altertums hatte eine soziale Stoßkraft, war etwas, was den ganzen Menschen erfüllte, war etwas, was in der Lage war, nicht bloß schöne Dinge zu sagen über das Gute und Wahre, sondern was in der Lage war, aus dem Geiste heraus das praktische Leben zu beherrschen, zu organisieren und zu gestalten. Der Weg, welchen diese Mysterienvorsteher gingen, und welchen sie, soweit ihnen das möglich war, den Völkern zeigten, die zu einem solchen Mysterium gehörten, war ein Weg von oben nach unten. Erst strebten diese Mysterienvorsteher nach der Offenbarung der geistigen Welten, dann arbeiteten sie herunter, indem sie den Geist in concreto umfaßten nach den Grundsätzen der atavistischen Hellseherkunst, dann arbeiteten sie herunter zum politischen Leben, zur politischen Gestaltung der sozialen Organismen und dann bis zur Ökonomie, bis zur Wirtschaft. Das war Weisheit mit Lebensstoßkraft. Wodurch war diese Weisheit mit Lebensstoßkraft eigentlich unter die Menschen gekommen?

[ 7 ] We have a spiritual life today. In one way or another, human beings are placed within this spiritual life. Some, depending on the economic or legal foundations upon which their existence is built, may attend only elementary school, while others may be guided further in our educational institutions. What people take in there lives on among us in our social life. It shapes how we relate to our fellow human beings. Today is the time to thoroughly raise the question: Where does this entire spiritual life come from, and how has it, in the course of its origins and development, come to assume precisely the character it has today? If one traces this spiritual life back to its true origin, one must, so to speak, first pass through certain stages. What permeates our elementary school life and our secondary school life today can be traced—albeit through intermediate stages that I will omit—all the way back to the distant past. People simply do not usually recognize how far back it goes; in the elementary school system, for example, they do not recognize how it traces back to what emerged in ancient Greece. Essentially, our spiritual life is nourished by the impulses that existed in ancient Greece—albeit in a somewhat different form—and that have merely been transformed since then. But they did not originate in ancient Greece either. They originated over in the Orient and, though millennia ago, took a different form at their source in the Orient than they did in ancient Greece. Back then, in the Orient, they were mystery wisdom. If we set aside our legal and political life—which is, after all, chaotically entangled with our spiritual life, like a tangled ball of yarn—and set aside economic life, and if we isolate our spiritual life in abstraction, then we can trace its path backward, ascending to certain mysteries of the Orient, whose origins, admittedly, lie millennia ago—but in which what is today, for us in our educational institutions, a dry, sober abstraction—something alien to life—was, in fact, something thoroughly alive. If we transport ourselves in spirit back to those mysteries of the East—which is what I actually mean—we encounter, as the leaders of these mysteries, people whom we can describe as a kind of fusion of priest, king, and at the same time—as strange as it may sound to people today—economist or steward. For in these mysteries—I would like to call them the mysteries of light or of the spirit—a comprehensive understanding of life was cultivated, an understanding that initially sought to explore the nature of the human being through the facts of the celestial and stellar world; but it was also a wisdom that sought to regulate the lawful coexistence of human beings in accordance with these insights. And from these mystery sites came instructions on how to tend livestock, how to cultivate the fields, how to build canals, and so on. This science of initiation from a distant antiquity had a social impact; it was something that filled the whole person, something that was capable not merely of speaking beautifully about the good and the true, but of mastering, organizing, and shaping practical life from within the spirit. The path that these leaders of the mysteries followed—and which they showed, as far as they were able, to the peoples who belonged to such a mystery—was a path from above to below. First, these leaders of the mysteries sought the revelation of the spiritual worlds; then they worked their way down, grasping the spirit in concrete terms according to the principles of the atavistic art of clairvoyance; then they worked their way down to political life, to the political structuring of social organisms; and finally to the economy, to economic life. That was wisdom with the power to inspire life. How, exactly, had this wisdom with the power to inspire life actually come among humanity?

[ 8 ] Wenn wir zurückgehen in die Zeiten, in denen diese Mysterien, die ich jetzt meine, noch nicht maßgebend waren, so haben wir über die Gegenden der damals zivilisierten Menschheit hin lauter Menschen mit einer gewissen ursprünglichen atavistischen Hellseherkraft, Menschen, die, wenn sie von dem, was sie für das Leben brauchten, sprachen, sich auf die Eindrücke ihres Herzens, ihrer Seele, ihres Schauens berufen konnten. Diese Menschen waren ausgebreitet über die Gegenden des heutigen Indiens, Persiens, Armeniens, Nordafrikas, Südeuropas und so weiter. Eines aber lebte nicht in den Seelen dieser Menschen. Das war dasjenige, was wir heute als unser stolzestes Seelengut betrachten: die Intelligenz, der Verstand. Verstand brauchte gewissermaßen die Bevölkerung der damals zivilisierten Welt noch nicht. Denn, was heute der Verstand tut, das wurde aus den Eingebungen der Seele heraus von den Menschen getan und das wurde geleitet und orientiert von den Führern, die diese Menschen hatten. Da aber breitete sich gerade in jene Gegenden hinein aus etwas, was wir nennen könnten eine andere Menschenrasse, was wir nennen könnten eine ganz andere Art von Menschenwesen, als diese Bevölkerung war, von der ich gesprochen habe. In den Sagen und Mythen und wohl auch in der Geschichte wird das so erzählt, daß herabstiegen aus den Hochländern Asiens gewisse Menschen, die in sehr alten Zeiten nach dem Süden und Südwesten hin eine gewisse Kultur brachten. Geisteswissenschaft muß ergründen, welcher Art diese Menschen waren, die da herabstiegen zu jenen Menschen, die nur aus ihrem Innern heraus, aus ihren Eingebungen heraus die Richtkraft für das Leben empfingen. Da finden wir, geisteswissenschaftlich untersucht, daß diese Menschen, die wie ein neues Bevölkerungselement hereinkamen in die damalige Zivilisation, zwei Dinge miteinander vereinigten, die die anderen nicht hatten. Die anderen Menschen hatten die atavistische Hellseherkraft ohne den Verstand, ohne die Intelligenz; die da herabstiegen hatten auch noch etwas von der Hellseherkraft, aber sie hatten zugleich in ihrer Seele die erste Anlage zur Intelligenz, zum Verstand empfangen. Und so brachten sie über die damalige Zivilisation ein verstandesdurchtränktes Hellsehertum. Das waren die ersten Arier, von denen die Geschichte erzählt. Und aus der Gegensätzlichkeit der alten atavistisch-seelenhaft lebenden Menschen und diesen die alte Seelenkraft mit dem Verstand durchdringenden Menschen entstand der erste Kastenunterschied äußerlich-physisch-empirisch, der jetzt noch nachwirkt in Asien, von dem zum Beispiel Tagore spricht. Die hervorragendsten dieser Menschen, die zu gleicher Zeit alte Seelenschau und den eben in der Menschheit aufgehenden Verstand, Intelligenz hatten, die wurden die Vorsteher jener Mysterien, von denen ich eben gesprochen habe, den Mysterien des orientalischen Lichts, und von denen ging aus, was dann später nach Griechenland herüber kam. So daß ich Ihnen, wenn ich es schematisch zeichnen soll, sagen kann: Von den Mysterien des Orients ging aus die Strömung des Geistes (siehe Zeichnung Seite 23). Sie war jene lebendige Weisheit mit lebenspraktischer Stoßkraft, von der ich Ihnen eben gesprochen habe. Im Laufe der Zeit kam sie herüber nach Griechenland. Wir verspüren ihre Nachwirkungen noch in der ältesten griechischen Kultur. Aber sie wird im Fortgang der griechischen Kultur gewissermaßen filtriert, verdünnt, indem die Träger die alte Seelenschau verlieren und immer mehr und mehr sich der Verstand herausarbeitet aus dieser Seelenschau. Dadurch verlieren aber die Träger dieser Kultur gewissermaßen ihren Sinn. Denn den Sinn haben sie nur dadurch, daß sie mit der Geistesseelenschau und mit der Intelligenz zugleich begabt sind. Aber in der Geschichte erhält sich das, was in alten Zeiten einen Sinn hat, noch in einer späteren Zeit, und so leben im griechischen Kulturleben gewissermaßen die Menschen noch so fort, gegliedert, wie es einen Sinn hatte für jene alte Zeit, wo wirklich die Vorsteher der Mysterien gewissermaßen Gesandte der Götter waren. Und es verwandelte sich das, was Weisheit mit Stoßkraft war, in griechische Logik und Dialektik, in die griechische Weisheit, die schon filtriert ist gegenüber diesem ihrem orientalischen Ursprung.

[ 8 ] If we go back to the times when the mysteries I am referring to were not yet dominant, we find that throughout the regions of what was then civilized humanity there were people endowed with a certain primal, atavistic clairvoyant power—people who, when speaking of what they needed for life, could draw upon the impressions of their hearts, their souls, and their vision. These people were spread across the regions of present-day India, Persia, Armenia, North Africa, Southern Europe, and so on. But one thing was absent from the souls of these people: that which we today regard as our proudest spiritual asset—intelligence, the intellect. In a sense, the population of the then-civilized world did not yet need the intellect. For what the intellect does today was done by people based on the soul’s inspirations, and this was guided and directed by the leaders these people had. But then, something began to spread into precisely those regions—something we might call a different human race, or a completely different kind of human being than the population I have been speaking of. In legends and myths—and likely in history as well—it is told that certain people descended from the highlands of Asia and, in very ancient times, brought a certain culture to the south and southwest. Spiritual science must investigate what kind of people these were who descended among those who received the guiding force for life solely from within themselves, from their intuitions. When examined through the lens of spiritual science, we find that these people, who entered the civilization of that time as a new element of the population, combined two qualities that the others lacked. The other people possessed atavistic clairvoyant powers without reason or intelligence; those who descended still retained some of these clairvoyant powers, but at the same time they had received within their souls the first seeds of intelligence and reason. And so they brought to the civilization of that time a form of clairvoyance imbued with reason. These were the first Aryans of whom history tells us. And out of the contrast between the ancient people, who lived in an atavistic, soul-centered way, and these people who infused the ancient soul power with reason, the first caste distinction arose—externally, physically, and empirically—which still has an effect in Asia today, as Tagore, for example, speaks of. The most outstanding of these people—who possessed both the ancient insight into the soul and the intellect and intelligence that were just beginning to dawn in humanity—became the leaders of those mysteries I have just spoken of, the mysteries of the Oriental Light, and from them sprang what later made its way to Greece. So, if I were to sketch it schematically, I can tell you: From the mysteries of the Orient emanated the current of the Spirit (see diagram on page 23). It was that living wisdom with practical, life-affirming momentum of which I have just spoken to you. Over time, it made its way to Greece. We can still sense its aftereffects in the oldest Greek culture. But as Greek culture developed, it was, so to speak, filtered and diluted, as its bearers lost the ancient spiritual vision and the intellect increasingly took precedence over this spiritual vision. As a result, however, the bearers of this culture lost their purpose, so to speak. For their purpose lies solely in the fact that they are endowed with both spiritual vision and intelligence. But in history, what had meaning in ancient times is preserved even in later periods, and so, in Greek cultural life, people continue to live, in a sense, in the same structured way that made sense for that ancient time, when the leaders of the mysteries were, in a sense, emissaries of the gods. And what was wisdom imbued with driving force was transformed into Greek logic and dialectic—into Greek wisdom, which had already been filtered in relation to its Eastern origins.

[ 9 ] Am orientalischen Ursprung wußte man genau, warum da Menschen sind, die hinhorchten, wenn die Vorsteher ihnen ihre ökonomischen Anleitungen gaben; in Griechenland hatte man die Teilung in die Herren und Sklaven. Die Teilung der Menschen war noch da; aber der Sinn verlor sich allmählich. Und was die Griechen noch gehabt haben mit viel mehr Sinn, wovon die Griechen wenigstens wußsten, daß es von den alten Mysterien kam, das wurde noch mehr filtriert auf dem Wege, den es dann in unser neuzeitliches Bildungsleben hinein machte. Denn da, in unserem neuzeitlichen Bildungsleben, ist es ganz abstrakt geworden. Wir treiben heute abstrakte Wis‚senschaft und finden keinen Zusammenhang mehr zwischen dieser abstrakten Wissenschaft und dem äußeren Leben. Denn die Strömung ist eben durch Griechenland weitergegangen in unsere Hochschulen, Gymnasien, Volksschulen und in das ganze populäre Geistesleben der modernen Menschheit hinein, und wir können heute eine eigenrümliche Erscheinung beobachten. Wir treffen heute unter den Menschen, die unter uns herumwandeln, solche an, die wir Adelige nennen, die wir Ariistokraten nennen. Vergeblich bemühen wir uns einen Sinn herauszufinden, warum der eine ein Aristokrat ist, der andere nicht; denn was den Aristokraten von dem Nichtaristokraten unterscheidet, das hat die Menschheit längst abgeschliffen, längst verloren. Der Aristokrat war der Vorsteher der orientalischen Mysterien des Lichts, und er konnte das sein, weil von ihm alles dasjenige ausging, was im Politischen und Ökonomischen wirkliche Lebensstoßkraft hatte. Die Weisheit ist filtriert worden. Die Gliederung, die sie bewirkt hat unter den Menschen, ist zu einem äußeren Abstraktum geworden, ohne Sinn für denjenigen, der in diesem Leben drinnensteht, und aus dieser Strömung ist hervorgegangen, was wir unseren Feudalismus nennen. Im äußeren sozialen Leben lebt dieser Feudalismus geduldet, vielleicht auch die anderen verärgernd, ohne Sinn. Man denkt nicht mehr nach über den Sinn, weil er auch heute nicht mehr im Leben zu finden ist, aber in unserer heutigen Zeit des Chaos zeigt sich noch ziemlich klar der feudale Ursprung unseres abstrakten Wissens und Erkennens. Als dann unser gegenwärtiges Geistesleben ganz das Geistesleben vom Journalistentum wurde, da, meine lieben Freunde, erfand man ein Wort, das eigentlich ein Wortungetüm ist, durch das man eine Umwandelung unseres Lebens bewirken möchte, das aber nur der Ausdruck des ganz rachitischen Geisteslebens geworden ist, da erfand man das Wort «Geistesaristokratie». Geistesaristokratie! Soll jemand Aufschluß darüber geben, was eigentlich damit gemeint ist, so könnte er nur sagen: Es ist das, was, ausgequetscht bis zum Äußersten, einmal in den Mysterien des Orients Stoßkraft hatte bis in die äußersten Ranken des praktischen Lebens hinein, was da einen Sinn hatte und was heute jeden Sinn verloren hat. Wollte man nun unser Geistesleben zeichnen, so müßte man einen recht verwirrten Wollknäuel zeichnen da unten, in dem alles so durcheinandergeknäuelt ist. Hauptsächlich drei Fäden sind durcheinandergeknäuelt. Einen der Fäden habe ich Ihnen jetzt gezeigt (siehe Zeichnung Seite 23).

[ 9 ] In the East, people knew exactly why there were those who listened when their leaders gave them economic guidance; in Greece, there was the division between masters and slaves. This division among people still existed, but its meaning was gradually lost. And what the Greeks still possessed with far greater meaning—something they at least knew stemmed from the ancient mysteries—was filtered even further along the path it then took into our modern educational life. For there, in our modern educational life, it has become entirely abstract. Today we pursue abstract science and can no longer find any connection between this abstract science and external life. For this current has flowed on through Greece into our universities, high schools, elementary schools, and into the entire popular intellectual life of modern humanity, and today we can observe a peculiar phenomenon. Among the people walking among us today, we encounter those whom we call nobles, whom we call aristocrats. We strive in vain to find a reason why one is an aristocrat and another is not; for what distinguishes the aristocrat from the non-aristocrat, humanity has long since worn away, long since lost. The aristocrat was the leader of the Eastern mysteries of light, and he could be so because everything that possessed real vital force in the political and economic spheres emanated from him. Wisdom has been filtered away. The social structure it once brought about among people has become an external abstraction, devoid of meaning for those living within it, and from this current emerged what we call our feudalism. In outward social life, this feudalism persists—tolerated, perhaps even to the annoyance of others—yet without meaning. People no longer reflect on its meaning, because even today it can no longer be found in life; yet in our present age of chaos, the feudal origin of our abstract knowledge and understanding is still quite clearly evident. When our present spiritual life became entirely the spiritual life of journalism, then, my dear friends, a word was invented—a word that is actually a monstrosity—through which one seeks to bring about a transformation of our lives, but which has become merely the expression of a thoroughly stunted spiritual life; then the word “spiritual aristocracy” was invented. Spiritual aristocracy! If someone were to explain what is actually meant by this, they could only say: It is that which, squeezed to the extreme, once had the power—in the mysteries of the Orient—to penetrate even the outermost tendrils of practical life; that which had meaning there and which today has lost all meaning. If one were to sketch our spiritual life, one would have to draw a rather tangled ball of yarn down there, in which everything is all tangled up. There are mainly three threads tangled together. I have just shown you one of these threads (see drawing on page 23).

[ 10 ] Das ist unsere wesentliche Aufgabe, daß wir diesen Knäuel entwirren, und wir wenden dazu unseren Seelenblick zu der zweiten Strömung. Diese zweite Strömung hat einen anderen Ursprung, der auch weit zurückliegt in der Entwickelung der Menschheit, der aber auch im eigentlichen Mysterienwesen liegt, und zwar in den Mysterien Ägyptens. Ich möchte diese Mysterien — wie ich die des Orients genannt habe die Mysterien des Lichts — die Mysterien des Menschen nennen. Diese Mysterien versuchten vor allen Dingen jene Weisheit zu gewinnen an ihrem ägyptischen Ursprung, welche die Kraft gibt, das menschliche Zusammenleben zu gestalten, ein Verhältnis zu begründen von einem Menschen zum andern. Aber diese Mysterienströmung verbreitete sich dann durch Südeuropa herauf und nahm ihren Weg — so wie jene durch das Griechentum ging durch das phantasielose römische Volk. Strömung des Rechtes möchte ich es nennen. Den Durchgang nahm es durch Rom. Alles, was nach und nach im Laufe der Menschheitsentwickelung eingeimpft ist an Jurisprudenz, an Rechtsbestimmungen, das ist das filtrierte Wissen, die filtrierte Erkenntnis dieser Mysterien des Menschen. Der zweite Faden in unserem Kulturknäuel ist darinnen bis zu uns gelangt, aber sehr, sehr verändert, sehr metamorphosiert, eben durchgegangen durch die Unphantasie des Römertums. Man versteht das gegenwärtige Leben nicht, wenn man nicht weiß, daß die Menschen heute zunächst noch unfruchtbar geblieben sind für das Geistesleben und für das Rechtsleben, wenn man nicht weiß, daß sie empfangen haben das eine, nachdem es den weiten Weg durchgemacht hat von den Mysterien des Orients durch Griechenland bis zu uns, das andere, indem es den weiten Weg von den Mysterien Ägyptens durch das Römertum bis zu uns durchgemacht hat. Unfruchtbar ist unsere gegenwärtige Menschheit in bezug auf beide Strömungen. Man könnte viele Erscheinungen anführen, die das erweisen würden; aber man braucht ja nur auf die Wege des Christentums hinzuweisen.

[ 10 ] This is our essential task: to untangle this knot, and to this end we turn the gaze of our souls toward the second current. This second current has a different origin, one that also lies far back in the development of humanity, but which also lies within the very essence of the mysteries—namely, in the mysteries of Egypt. I would like to call these mysteries—just as I have called those of the Orient the “mysteries of light”—the “mysteries of the human being.” Above all, these mysteries sought to gain, from their Egyptian origins, that wisdom which gives the power to shape human coexistence and to establish a relationship between one person and another. But this stream of mystery then spread northward through Southern Europe and made its way—just as the other stream passed through Greek civilization—through the unimaginative Roman people. I would like to call it the “current of law.” It passed through Rome. Everything that has gradually been instilled in the course of human development—in jurisprudence, in legal provisions—is the filtered knowledge, the filtered insight of these mysteries of humanity. The second thread in our cultural tapestry has reached us through this process, but it has been greatly, greatly altered, deeply transformed—having passed through the lack of imagination of Roman civilization. One cannot understand contemporary life unless one knows that people today have, for the time being, remained barren of spiritual life and legal life; unless one knows that they have received one aspect, after it had traveled the long path from the mysteries of the East through Greece to us, and the other after it had traveled the long path from the mysteries of Egypt through Roman civilization to us. Our present humanity is barren with regard to both of these currents. One could cite many examples that would prove this; but one need only point to the paths of Christianity.

[ 11 ] Als das Christentum in die Welt eintreten wollte, wo mußte der Christus Jesus erscheinen, damit das, was er der Welt zu geben hatte, einen Weg fand? Im Orient mußte er erscheinen, in dasjenige, was im Orient lebte, mußte er hineinlegen, was er der Menschheit zu geben hatte. Das Mysterium von Golgatha ist eine Tatsache; was die Menschen darüber wissen, ist in Entwickelung. Eingekleidet wurde das, was man über das Mysterium von Golgatha sagt, zunächst in alles das, was man noch hatte von den Mysterien des Orients. Mit der Wissenschaft und Weisheit der Mysterien des Orients wurde umgeben das Mysterium von Golgatha, und es wurde zu begreifen versucht mit dieser Weisheit. So finden wir das Christentum noch etwa bei den griechischen Kirchenlehrern.

[ 11 ] When Christianity sought to enter the world, where did Christ Jesus have to appear so that what he had to give the world could find a way? He had to appear in the East; he had to imbue the very fabric of life in the East with what he had to give to humanity. The Mystery of Golgotha is a fact; what people know about it is still evolving. What is said about the Mystery of Golgotha was initially clothed in all that remained of the mysteries of the East. The Mystery of Golgotha was enveloped in the science and wisdom of the mysteries of the East, and people sought to understand it through this wisdom. Thus we still find Christianity reflected, for example, in the writings of the Greek Church Fathers.

[ 12 ] Man kann auch noch auf eine andere Erscheinung hinweisen. Als die geistig gänzlich unfruchtbare westliche Kultur in einem ihrer Menschenvertreter nach einer geistigen Auffrischung suchte, was tat sie da? Da taten sich einige Leute Englands und Amerikas zusammen und entnahmen die Weisheit aus dem besiegten und geknechteten Indervolk. Das heißt, sie gingen neuerdings nach dem Orient hinüber, um da die geistige Strömung zu suchen, in dem zu suchen, was noch als letzter Rest da drüben im Orient geblieben war von jener geistigen Strömung. Daher die englisch-amerikanisch gefärbte Theosophie, die aus dieser Quelle schöpfen wollte, aber aus ihrer gegenwärtigen Gestaltung. Es ist die Unfruchtbarkeit des gegenwärtigen Geisteslebens, die am stärksten hervortritt gerade in westlichen Ländern. |

[ 12 ] One can also point to another phenomenon. When Western culture—intellectually utterly barren—sought intellectual renewal through one of its human representatives, what did it do? Some people in England and America joined forces and drew wisdom from the defeated and enslaved Indian people. That is to say, they recently traveled to the East to seek the spiritual current there, to seek what remained as the last remnant of that spiritual current over there in the East. Hence the Anglo-American-influenced Theosophy, which sought to draw from this source—but in its present form. It is the barrenness of contemporary spiritual life that stands out most strongly, particularly in Western countries. |

[ 13 ] Und die zweite Strömung ist diejenige, die politisch-rechtlichen Charakter trägt, die durch das Römertum gegangen ist. Darin liegt nun der Ursprung unseres rechtlich-politischen Lebens, und nur in. einem Seitenzweig ist diese Strömung hereingeflossen in das Rechtsleben und wirkt in ihm fort, so daß wir vielfach dasjenige, was in uns, in unsere Kultur eingeflossen ist an Geistesleben, auf dem Umweg durch das römisch-politisch-juristische System empfangen haben. Daher ist auch so vieles darin. Selbst das Christentum, das auf römischem Wege sich im Abendlande ausgebreitet hat, hat die Gestalt angenommen, die durch diese Erscheinung bedingt ist. Was ist da das religiöse Element durch diesen Durchgangspunkt durch das Römertum geworden? Es ist geworden jene große Jurisprudenz, die man römisch-katholische Religion nennt. Da ist der Gott mit seinen Nebengöttern durchaus ein Wesen, das nach römischen Rechtsbegriffen, nur in der übersinnlichen Welt, richtet; da stecken die Begriffe von Sünde und Schuld, die eigentlich juristische Begriffe sind, die nicht in den Mysterien des Orients und in der griechischen Lebensanschauung waren, da stecken die juristischen Begriffe des Römertums darinnen. Das ist eine durch und durch verjuristete religiöse Strömung. Alles das, was sich im Leben äußert, kann auch Schönheitsformen annehmen. Und wenn wir jene juristisch-politische Szene, in der der Weltengott zum Weltenrichter wird, und die ganze Erdenentwickelung abgeschlossen wird durch eine juristische Tat, wenn wir das schön verklärt in der sixtinischen Kapelle von Michelangelo gemalt sehen, so ist das der gloriose Ausdruck des verjuristeten Christentums; aber eben des «verjuristeten» Christentums, das seine Krönung im Weltgerichte findet.

[ 13 ] And the second current is the one of a political-legal nature that ran through Roman civilization. Therein lies the origin of our legal and political life, and it is only through a side branch that this current has flowed into our legal life and continues to exert its influence there, so that in many ways we have received the spiritual life that has flowed into us and into our culture via the detour through the Roman political-legal system. That is why so much of it is found there. Even Christianity, which spread throughout the West via the Roman path, has taken on the form determined by this phenomenon. What has become of the religious element through this passage through Roman civilization? It has become that great body of jurisprudence known as the Roman Catholic religion. There, God, along with his lesser gods, is entirely a being who, according to Roman legal concepts, judges only in the supernatural world; there lie the concepts of sin and guilt, which are actually legal concepts that were not present in the mysteries of the East or in the Greek worldview; there lie the legal concepts of Roman civilization within it. This is a thoroughly legalistic religious movement. Everything that manifests itself in life can also take on forms of beauty. And when we see that legal-political scene—in which the God of the world becomes the Judge of the world, and the entire development of the earth is brought to a close by a legal act—when we see it beautifully transfigured in Michelangelo’s paintings in the Sistine Chapel, this is the glorious expression of legalistic Christianity; but precisely of “juridified” Christianity, which finds its culmination in the Last Judgment.

[ 14 ] Wir müssen den Knäuel unseres Geisteslebens und unseres Rechts- und wirtschaftlichen Lebens auseinanderlösen, um zu sehen, was da drinnensteckt; denn wir leben in dem Kulturchaos darinnen. Die Strömungen wirken auf uns ein. Wir müssen sie auseinanderlösen. Aber noch eine dritte Strömung ist eingeflossen in diesen unseren Kulturknäuel, die ihren Ursprung mehr genommen hat vom Norden und die vorzugsweise sich bis heute — auch filtriert, aber in anderer Richtung filtriert — in der anglo-amerikanischen SozialOrganisation erhalten hat. Ich möchte das nennen die Mysterien des Nordens oder Mysterien der Erde. Was sich da zunächst an primitiver Geistigkeit aus den Mysterien der Erde entwickelt hat, das ist ein anderer Weg als der, den das Geistwesen im Orient genommen hat. Ich sagte: Dort hat es den Weg von oben nach unten genommen, zuerst sich offenbarend als die Mysterien der Himmel und des Lichts und dann heruntergetragen in das Politische und die Ökonomie. Hier im Norden gingen die Dinge von der Ökonomie aus. Dieser Ursprung ist allerdings von dem äußeren Leben schon verschwunden, man merkt ihn höchstens noch an alten Überbleibseln, die noch erhalten sind. Nehmen Sie zum Beispiel solche Bräuche, die noch beschrieben werden, wenn man von alter nordischer Kultur spricht, von der die englische eine Dependance ist. Da finden Sie zu einer gewissen Jahreszeit Züge durch die Dörfer mit dem gekrönten Stier, der eben die Kuhherde befruchten mußte. Das heißt, es wurde von unten nach oben herausgeholt eine Sehnsucht nach dem geistigen Leben; da wird der Weg von unten nach oben genommen. Da wird alles, selbst das, was an primitiver Geistigkeit da ist, aus dem Wirtschaftsleben heraus genommen, und alle Feste waren ursprünglich aufs Wirtschaftsleben bezügliche Feste, irgend etwas ausdrückend vom Sinn des Wirtschaftslebens. So wie von oben nach unten der Weg in der orientalischen Kultur gemacht wurde, so muß der Weg gemacht werden hier im Norden von unten nach oben. Erhoben muß werden die Menschheit von unten, von der Ökonomie hinauf durch das Rechtsleben in die Mysterien des Geistes hinein. Aber sehen Sie, dieser Weg von unten nach oben, er ist noch nicht sehr weit gediehen. Wenn wir das Juristische Leben prüfen, wie es in den Gegenden des Westens sich entwickelt hat, so finden wir es durchaus von Rom her orientiert; wenn wir das Geistesleben prüfen, so finden wir es zwar oft nicht so handgreiflich orientalisch orientiert wie jene indische Theosophie, von der ich vorhin gesprochen habe, aber wir finden doch dasjenige, was als ursprüngliches Geistesleben da enthalten ist, was nicht vom Orient herüber genommen wird oder verjuristet von Rom her bezogen wird, mit Mühe sich aus dem Wirtschaftsleben herauslösend. Nehmen wir einen charakteristischen Fall.

[ 14 ] We must untangle the knot of our spiritual life and our legal and economic life in order to see what lies within; for we live in the cultural chaos that lies there. These currents are influencing us. We must disentangle them. But a third current has also flowed into this cultural tangle of ours, one that originated more in the North and has, for the most part, persisted to this day—albeit filtered, but filtered in a different direction—in Anglo-American social organization. I would like to call this the Mysteries of the North or the Mysteries of the Earth. What initially developed there as primitive spirituality from the Mysteries of the Earth is a different path than the one taken by the spiritual being in the East. I said: There, it took the path from above to below, first revealing itself as the Mysteries of the Heavens and of Light, and then carried down into politics and the economy. Here in the North, things originated in the economy. This origin, however, has already disappeared from outward life; one can still discern it, at most, in old remnants that have been preserved. Take, for example, the customs that are still described when speaking of ancient Nordic culture, of which English culture is a branch. There, at a certain time of year, you’ll find processions through the villages featuring the crowned bull, which had just fertilized the herd of cows. In other words, a longing for spiritual life was drawn up from the bottom to the top; the path taken is from the bottom to the top. There, everything—even what remains of primitive spirituality—is drawn from economic life, and all festivals were originally festivals related to economic life, expressing something of the meaning of economic life. Just as the path was taken from the top down in Eastern culture, so must the path be taken here in the North from the bottom up. Humanity must be raised from below, from the economic sphere upward through legal life into the mysteries of the spirit. But you see, this path from below to above has not yet progressed very far. When we examine legal life as it has developed in the West, we find it thoroughly oriented toward Rome; if we examine spiritual life, we find that, while it is often not as tangibly oriented toward the East as that Indian theosophy I spoke of earlier, we nevertheless find that which is contained there as original spiritual life—that which is not borrowed from the East or derived from Rome in a legalistic form—struggling to detach itself from economic life. Let us take a characteristic example.

[ 15 ] Solche Philosophen, solche Naturforscher, wie Newton, Darwin, Mill, Spencer, Hume, man kann sie nur verstehen, wenn man sieht, wie sie sich aus dem Wirtschaftsleben herausentwickelten, wie sie versuchten, den Weg nach oben zu machen. Man kann zum Beispiel Mill auch nur nationalökonomisch verstehen, wenn man ihn heraus erklärt aus den ökonomischen Grundlagen, die um ihn herum waren, kann auch die englischen Philosophen nur verstehen, wenn man sie heraus erklärt aus den ökonomischen Grundlagen ihrer Umgebung. Das ist etwas, was dieser dritten Strömung anhaftet, dieser Strömung der Mysterien der Erde, die von unten nach oben strömt, und die, durchaus noch ungeklärt, sich in unser modernes Zivilisationsleben als der dritte Faden in den Knäuel hineinverwoben har.

[ 15 ] Philosophers and natural scientists such as Newton, Darwin, Mill, Spencer, and Hume can only be understood if one sees how they developed out of economic life, how they tried to make their way to the top. For example, one can only understand Mill from an economic perspective by explaining him in terms of the economic foundations that surrounded him; likewise, one can only understand the English philosophers by explaining them in terms of the economic foundations of their environment. This is something inherent in this third current—the current of the mysteries of the Earth, which flows from the bottom up and which, though still largely unexplained, has become woven into our modern civilized life as the third thread in the skein.

[ 16 ] Da haben Sie die drei Fäden, die chaotisch in einem Knäuel zusammen verwoben in unserer sogenannten Zivilisation leben. Man hat sich immer in einem gewissen Sinn dagegen aufgebäumt. Im Westen am wenigsten; da nahm man auf der eine Seite, auch in Amerika, das wirtschaftliche Leben, das man von den Mysterien des Nordens hatte, auf das man geistfremde und geistlose Theorien baute, wissenschaftlich baute; man nahm auf dem Umweg über Rom das juristisch-politisch-rechtliche Leben, nahm vom Orient das geistige Wesen. In Mitteleuropa bäumte sich manches auf dagegen. Da entstand vielfach das Streben, diese Dinge in ihrer Reinheit zu fassen; im geistigen Leben am eindringlichsten in dem, was ich Goetheanismus nennen möchte. Goethe, der die Jurisprudenz aus der Naturwissenschaft heraushaben wollte, er ist charakteristisch für das Sich aufbäumen gegen das bloß orientalische Geistesleben. Wir haben nämlich auch die Jurisprudenz in der Naturwissenschaft darinnen: wir sprechen von Naturgesetzen. Die Orientalen haben nicht von Naturgesetzen gesprochen, sondern vom Walten des Weltenwillens. Naturgesetz ist erst entstanden, als jener Nebenstrom aufgenommen worden ist. Da ist das juristische Gesetz eingeschlichen durch ein Fenster in das Naturerkennen und ist Naturgesetz geworden. Goethe wollte erfassen die reine Erscheinung, die reine Tatsache, ‘das reine Phänomen, das Urphänomen. Ohne daß man reinigt unsere Naturwissenschaft von den Anhängseln der Jurisprudenz, kommen wir nicht zu einem gereinigten Geistesleben. Geisteswissenschaft erfaßt daher überall Tatsachen und weist nur auf Gesetze hin als eine Sekundärerscheinung.

[ 16 ] There you have the three threads that live, chaotically woven together in a tangle, within our so-called civilization. In a certain sense, people have always rebelled against this. Least of all in the West; there, on the one hand—including in America—people adopted the economic life derived from the mysteries of the North, upon which they built theories that were alien to the spirit and devoid of spirit, constructing them scientifically; they adopted legal, political, and judicial life via the detour through Rome, and took the spiritual essence from the East. In Central Europe, many things rebelled against this. There arose, in many cases, the striving to grasp these things in their purity; in spiritual life, most forcefully in what I would like to call Goetheanism. Goethe, who wanted jurisprudence to be derived from the natural sciences, is characteristic of this rebellion against a purely Oriental spiritual life. For we, too, have jurisprudence embedded within the natural sciences: we speak of natural laws. The Orientals did not speak of natural laws, but rather of the workings of the world will. Natural law only came into being when that side current was incorporated. There, legal law crept in through a window into the understanding of nature and became natural law. Goethe wanted to grasp the pure appearance, the pure fact, “the pure phenomenon, the primordial phenomenon.” Unless we purify our natural science of the accretions of jurisprudence, we cannot attain a purified spiritual life. Spiritual science therefore grasps facts everywhere and refers to laws only as a secondary phenomenon.

[ 17 ] Dann haben wir auch ein gewisses Sichaufbäumen gegen das römische Rechtswesen, das in den Köpfen auch der sozialistisch Orientierten steckt, zum Beispiel bei — ja, es war sogar ein preußischer Unterrichtsminister — bei Wilhelm von Humboldt. Als er seine schöne Abhandlung schrieb über die Grenzen der Wirksamkeit des Staates, da lebte in ihm etwas von dem Drang, abzustoßen das Kulturleben und das Wirtschaftsleben von dem bloßen Staatsleben. Lesen Sie das schöne Reclambüchelchen — ich weiß nicht, was es heute kostet, aber früher war es um ein paar Pfennige zu haben — «Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen». Da lebt der Drang, das Rechtlich-Politische herauszuschälen aus den beiden anderen Richtekräften. Dann wiederum lebt dieses Sichaufbäumen gegen das Alte auch in der deutschen Philosophie. Aber nicht anders, als wenn eine gesunde Anschauung über dasjenige, was die Wissenschaft der Initiation über den Ursprung unseres Kulturlebens zu geben vermag, Platz greift, kann Heil, Gesundheit in diese Kulturentwickelung der Menschheit hineinkommen.

[ 17 ] Then there is also a certain resistance to the Roman legal system, which is present even in the minds of those with socialist leanings—for example, in the case of—yes, he was even a Prussian Minister of Education—Wilhelm von Humboldt. When he wrote his beautiful treatise on the limits of the state’s effectiveness, he was driven by a desire to separate cultural and economic life from mere state life. Read that lovely little Reclam booklet—I don’t know what it costs today, but it used to be available for a few pfennigs—“Ideas for an Attempt to Determine the Limits of the State’s Sphere of Influence.” Therein lies the urge to separate the legal-political from the other two guiding forces. This rebellion against the old is also alive in German philosophy. But only when a healthy perspective on what the science of initiation can offer regarding the origin of our cultural life takes hold can healing and health enter into this cultural development of humanity.

[ 18 ] Gefühlsmäßig empfindet man ja insbesondere im Östen Europas und empfand immer dort die Notwendigkeit des Zusammenlebens der drei Elemente in unserem gegenwärtigen Kulturleben. Denn von diesen drei Strömungen ist am charakteristischsten zum Ausdruck gekommen dasjenige, was vom Nordischen kommt für den Westen. Da ist alles übertönt vom Wirtschaftsleben. Was das Juristische betrifft, da ist namentlich viel davon in Mitteleuropa; und von dem, was die Mysterien des Orients, des Lichtes sind, finden wir vieles in Osteuropa und in Asien. Da, wo wir noch Kastenbildungen treffen, da finden wir noch etwas von dem Sinn des alten, aus dem Geist heraus kommenden Feudalismus. Das juristisch durchsetzte Leben, das hat gezüchtet die moderne Bourgeoisie. Die Bourgeoisie kommt von der Rechtsströmung. Diese Dinge müssen heute klar durchschaut werden. Ich möchte sagen: In dem Unbewußten der Menschen findet sich schon der Drang, solche Dinge klar zu durchschauen; aber nur die Geisteswissenschaft kann diese Sehnsucht, diesen Drang, zur wirklichen Klarheit bringen. Es hat sich auch im 19. Jahrhundert immer gezeigt, wie man durch ein Ineinandergehen der vielfach unklaren Strömungen zu Zukunftsidealen zu kommen bestrebt war. Man wollte das nämlich dadurch erreichen, daß die Menschen nicht so abstrakt einander gegenüberstehen, wie sie es heute tun dadurch, daß das Geistesleben filtriert worden ist und in seiner Abstraktion in uns hereinlebt, daß das Rechtsleben filtriert worden ist und auch in seiner Abstraktion in uns hereinlebt, und daß das Wirtschaftsleben nachkeucht, um den Weg von unten nach oben zu finden.

[ 18 ] Emotionally speaking, one feels—especially in Eastern Europe, and has always felt there—the necessity for the coexistence of these three elements in our present-day cultural life. For of these three currents, the one that has found its most characteristic expression in the West is the one that comes from the North. There, everything is overshadowed by economic life. As for the legal aspect, there is a great deal of it in Central Europe; and of what constitutes the mysteries of the Orient—the mysteries of light—we find much in Eastern Europe and Asia. Where we still encounter caste systems, we still find something of the spirit of the old feudalism that arose from the spirit. Life permeated by the legal system has bred the modern bourgeoisie. The bourgeoisie stems from the legal current. These things must be clearly understood today. I would like to say: In people’s unconscious there is already an urge to see through such things clearly; but only spiritual science can bring this longing, this urge, to true clarity. It was also evident throughout the 19th century how people strove to arrive at ideals for the future through the interplay of often unclear currents. The aim was to achieve this by ensuring that people do not face one another as abstractly as they do today—because spiritual life has been filtered and lives within us in its abstract form, because legal life has been filtered and also lives within us in its abstract form, and because economic life is struggling to find its way from the bottom up.

[ 19 ] In jenem Osteuropa, wo sich so viele Dinge von Bedeutung jetzt abspielen, so beunruhigende und verheerende Dinge sich abspielen, da zeigte es sich am ersten, wohl auch in dem vielfach unklaren 19. Jahrhundert, wie man versuchte, gerade mit dem Sichaufbäumen gegen diese Verknäuelung der Kultur fertig zu werden. Die russischen Revolutionäre vom zweiten und letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, die versuchten nämlich das zu befruchten, in dem noch zurückgeblieben ist im Osten eine gewisse Vorstufe des Geisteslebens, mit dem, was in Mitteleuropa schon an Sichaufbäumen gegen das Altüberlieferte hervorgetreten ist. Und so finden wir bei solchen russischen Revolutionären vom zweiten und letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, wenn sie miteinander Briefe wechseln, wie sie gewissermaßen darauf hinweisen, daß schon in Mitteleuropa der Intellekt, das reine, bloß abstrakte Verstandesleben, sich mit einer gewissen Geistigkeit zu durchdringen versucht hat. Und immer wieder und wiederum tritt auf unter diesen russischen Revolutionären so etwas, was etwa ähnlich ist dem Satz: Es ist in der deutschen Philosophie versucht worden, den Intellekt, der die alte Seelenschau verloren hat, wiederum zu erheben zu einer gewissen Geistigkeit. Intim bekanntmachen wollte man sich im Osten mit dem, was da in Mitteleuropa hervorgetreten ist, und die Intimität spiegelte sich ab in der Art, wie sich diese Revolutionäre schrieben. Sie verehrten sehr den Philosophen «Iwan Petrowitsch», und sprachen davon, wie dieser sich erhoben hat zum reinen Gedanken, wie er versucht hat, in das dialektische Gedankenspiel der abendländischen Kultur wieder Geist hineinzubringen; und sie versuchten, Konsequenz aus seiner Philosophie zu ziehen. Sie nennen ihn, um mehr ihr Gefühlsverhältnis zu ihm auszudrücken, nicht Hegel, sondern sagen «der Iwan Petrowitsch». Da sehen wir gerade in diesen Bestrebungen das, was später verheerend werden mußte, ich möchte sagen, vorspuken. In unserer Zeit muß Klarheit sein über die ganze Erde hinüber. Daher muß auch alles getan werden, um dieser Klarheit zum Siege zu verhelfen. Aber man muß sich dazu bewußt werden, was man heute alles gegen sich hat, wenn der Versuch gemacht wird, zu dieser Klarheit zu kommen, wie man auch gegen sich hat neben vielem anderem die Bequemlichkeit der Menschen. Die Nachsicht mit der Bequemlichkeit der Menschen müssen wir uns auch abgewöhnen, denn die Menschheit braucht den Geist, und der Geist wird auf den bequemen Wegen, die heute oftmals begangen werden, nicht zum Sieg zu bringen sein. Denn man kämpft heute gegen das Hereindringen der Wissenschaft der Initiation mit merkwürdigen Waffen.

[ 19 ] In that part of Eastern Europe where so many significant events are now unfolding—events that are so unsettling and devastating—it was there that it first became apparent, even in the often-confusing 19th century, how people attempted to cope with this entanglement of culture precisely by rebelling against it. The Russian revolutionaries of the second and final third of the 19th century, in fact, sought to enrich what in the East was still a certain preliminary stage of spiritual life with what had already emerged in Central Europe as a rebellion against traditional customs. And so, when these Russian revolutionaries of the second and final third of the 19th century exchanged letters, we find them pointing out, as it were, that in Central Europe the intellect—the pure, purely abstract life of reason—had already been attempting to permeate itself with a certain spirituality. And time and again, a sentiment emerges among these Russian revolutionaries that is roughly similar to the following statement: In German philosophy, an attempt had been made to raise the intellect—which had lost its former insight into the soul—back up to a certain spirituality. In the East, they sought to become intimately acquainted with what had emerged in Central Europe, and this intimacy was reflected in the way these revolutionaries wrote to one another. They greatly revered the philosopher “Ivan Petrovich” and spoke of how he had risen to pure thought, how he had attempted to reintroduce spirit into the dialectical interplay of ideas in Western culture; and they sought to draw logical conclusions from his philosophy. To better express their emotional connection to him, they do not call him Hegel, but rather “Ivan Petrovich.” It is precisely in these aspirations that we see what was later bound to become devastating—I would say, a specter haunting us. In our time, clarity must prevail across the entire earth. Therefore, everything must be done to help this clarity triumph. But to achieve this, one must become aware of all that stands against us today when we attempt to attain this clarity—including, among many other things, people’s desire for comfort. We must also break the habit of indulging people’s complacency, for humanity needs the Spirit, and the Spirit cannot be led to victory along the comfortable paths that are so often taken today. For today, the invasion of the science of initiation is being fought with strange weapons.

[ 20 ] Es war mir neulich eine tiefe Befriedigung, als unser lieber Freund Dr. Stein nach Dornach schrieb, wie er, ohne Nachsicht zu üben, einen Feind des menschlichen Geisteslebens hier in der Nachbarschaft rückhaltlos abgefertigt habe, allerdings bei einer Gelegenheit, die kulturhistorisch recht bedeutsam ist. Denn da wurde es doch zustande gebracht — Sie werden mich ja korrigieren, wenn ich irren sollte, ich war ja selbst nicht dabei —, daß der betreffende Pfarrer-Vorsitzende einer Versammlung, als Bibelsprüche von einem unserer Freunde zitiert wurden und dem Pfarrer die Wahrheit der Bibelsprüche nicht mehr gefiel, er das Wort gebrauchte, daß Christus hier irre. Ist das gesagt worden? [Zustimmung.] Wenn man heute sich auf jener Seite nicht mehr zu helfen weiß, dann ist man selber unfehlbar, aber der Christus irrt. Wir haben es weit gebracht!

[ 20 ] I felt a deep sense of satisfaction the other day when our dear friend Dr. Stein wrote from Dornach to describe how, without showing any leniency, he had unreservedly put an enemy of human spiritual life here in the neighborhood in his place—albeit on an occasion that is quite significant in terms of cultural history. For it did indeed come to pass—you will correct me if I am mistaken, since I was not there myself—that the pastor in question, who was presiding over a meeting, when Bible verses were quoted by one of our friends and the pastor no longer found the truth of those verses to his liking, used the words that Christ was mistaken here. Was that said? [Agreement.] If, today, one no longer knows how to help oneself on that side, then one is infallible oneself, but Christ is mistaken. We’ve come a long way!

[ 21 ] Sehen Sie, diese Dinge zeugen alle von dem Wahrheitscharakter dessen, was heute als Geistesleben durch die Menschheit pulsiert. Wo das Geistesleben zur äußersten Abstraktion geworden ist, da kann es sich nicht mehr in der Sphäre der Wahrheit halten. Aber man muß empfinden, was da eigentlich vorhanden ist. Die Zeitschrift «Dreigliederung des sozialen Organismus» brachte neulich eine Notiz von einer Versammlung, die hier in Stuttgart stattgefunden haben soll, wo nun von römisch-katholischer Seite in Einklang mit jener protestantischen Seite aufgetreten worden ist gegen das, was hier als Geisteswissenschaft verbreitet wird. Der betreffende Domkapitular soll gesagt haben, eine Diskussion sei ja nicht notwendig, weil sich die Menschen aus den gegnerischen Schriften unterrichten könnten, was die Lehre des Dr. Steiner sei. Die Schriften des Dr. Steiner dürften aber nicht gelesen werden, denn die habe der Papst verboten. In der Tat ist das die neueste Jesuitenlehre von der Kongregation des Heiligen Offiziums, die vor allen Dingen auf die Katholiken anzuwenden ist: die Lehre, daß den Katholiken verboten ist, die Schriften über Anthroposophie zu lesen. Daher werden die römischen Katholiken heute offiziell dazu angehalten, sich zu unterrichten über das, was ich lehre, aus den Schriften der Gegner, aus Schriften von Seiling und manchen anderen; denn die sind erlaubt, sind nicht verboten von der Heiligen Kongregation. Aber sie dürfen nicht lesen, was ich selber schreibe. Dagegen muß man, wenn man die ganze Verfassung der römisch-katholischen Kirche kennt und weiß, wie der einzelne, so wie er eingefügt ist, nur der Vertreter der gesamten Organisation ist, in allem Ernst die Frage nach den moralischen Qualitäten eines solchen Vorgehens in seiner tiefsten Seele aufwerfen und fragen: Ist ein solches Vorgehen überhaupt noch irgendwie mit Menschheitsmoral zu vereinigen? Ist es nicht tief unsittlich ? Solche Fragen müssen heute ohne Nachsicht gestellt werden. Wir leben eben in einer ernsten Zeit und dürfen nicht in leichter, bequemlicher und lässiger Weise fortschlafen. Wir müssen rückhaltlos diejenigen Dinge wirklich zum Ausdruck bringen, die geeignet sind, ein Heil herbeizuführen, indem wir zu gleicher Zeit die Unmoralität der heutigen Unwahrheit in das entsprechende Licht stellen. Und im Grunde genommen ist diese Unwahrheit gar nicht so wenig verbreitet.

[ 21 ] You see, all these things bear witness to the truthfulness of what pulsates through humanity today as spiritual life. Where spiritual life has become the utmost abstraction, it can no longer maintain itself within the sphere of truth. But one must sense what is actually present there. The journal *The Threefold Social Order* recently published a brief report on a meeting that is said to have taken place here in Stuttgart, where representatives of the Roman Catholic Church, in agreement with those of the Protestant side, spoke out against what is being taught here as spiritual science. The cathedral canon in question is said to have remarked that a discussion was unnecessary, since people could learn what Dr. Steiner’s teachings were from the opposing writings. However, Dr. Steiner’s writings are not to be read, for the Pope has banned them. In fact, this is the latest Jesuit doctrine from the Congregation of the Holy Office, which is to be applied above all to Catholics: the doctrine that Catholics are forbidden to read the writings on anthroposophy. Consequently, Roman Catholics today are officially urged to learn about what I teach from the writings of my opponents—from the writings of Seiling and certain others—since these are permitted and have not been banned by the Holy Congregation. But they are not allowed to read what I myself write. On the other hand, if one is familiar with the entire structure of the Roman Catholic Church and understands how the individual, as he is integrated into it, is merely a representative of the entire organization, one must in all seriousness raise the question in the depths of one’s soul regarding the moral qualities of such a course of action and ask: Is such a course of action still in any way compatible with human morality? Is it not profoundly immoral? Such questions must be asked today without leniency. We are living in serious times and must not continue to sleep through them in a light, complacent, and casual manner. We must unreservedly give voice to those things that are capable of bringing about salvation, while at the same time exposing the immorality of today’s falsehoods for what they are. And, when all is said and done, this falsehood is by no means uncommon.

[ 22 ] Neulich brachte mir Dr. Boos einen Aufsatz eines Docteur en sociologie. Der begann etwa mit den folgenden Worten: Welch ein Weg ist von den klaren Gedanken von Waxweiler bis zu den obskuren Gedanken von Rudolf Steiner! Aber dieser Herr ist ja auch gewesen der Intimus von Guillaume II. und es wird gesagt, daß er mit wichtigen Ratschlägen gerade in den letzten Jahren dem Wilhelm II. beigestanden hat, so daß man auch diesen Mann den Rasputin bei Wilhelm II. nennen kann. Wir wollen uns nicht zum Vermittler dieses Gerüchtes machen, heißt es im nächsten Satz.

[ 22 ] The other day, Dr. Boos brought me an essay by a Docteur en sociologie. It began with something like the following words: What a long way it is from the clear thoughts of Waxweiler to the obscure thoughts of Rudolf Steiner! But this gentleman was, after all, a close confidant of Wilhelm II, and it is said that he supported Wilhelm II with important advice, especially in his final years, so that one might even call this man the “Rasputin of Wilhelm II.” “We do not wish to act as the source of this rumor,” the next sentence states.

[ 23 ] Da können Sie zweierlei ersehen: Erstens die moralische Versumpftheit eines solchen Menschen, der sich zum Träger dieses Gerüchtes macht, und seine schöne Logik, indem er sagt: Indem ich dieses Gerücht hier vor meinen Lesern ausbreite, mache ich mich nicht zum Verbreiter dieses Gerüchtes. — So denken heute zahlreiche Menschen, verlassen von allen Geistern der Wirklichkeit, indem das, was sie sagen, schon außerhalb jeder Wirklichkeit steht. Denn ich kann nicht sagen: Ich sage etwas, indem ich es nicht sage. Denn das macht jenes Modell von einem Menschen, der Monsieur Ferriere, der dieses geschrieben hat. Man kann sich mit solch moralisch verkommenen Individuen nicht einlassen. Ich konnte nur feststellen und hoffe, daß ihm das entgegengeschleudert wird —, daß ich folgende Beziehungen zu jenem Wilhelm II. hatte. Erstens: ich saß einmal in einem Berliner Theater, vielleicht im Jahre 1897, im ersten Rang oben, und in der Mitte des Theaters saß Wilhelm II. in der Hofloge, und ich sah ihn in einer Entfernung etwa wie von hier bis zum Ende dieses Saales. Das zweite Mal sah ich ihn, als er hinter dem Sarge der Großherzogin von Weimar schritt, ganz von ferne. Das dritte Mal in der Friedrichstraße in Berlin, wo er mit seinem Gefolge mit dem Marschallstab in der Hand durch die Straßen ritt und die Leute Hurra schrieen. Das sind meine ganzen Beziehungen zu Wilhelm II, andere habe ich nie gehabt und nie gesucht. So entstehen heute Behauptungen, und manches von dem, was Sie lesen — mit Druckerschwärze auf das Papier hingebannt —, das ist nicht mehr wert als dieses Dreckgerücht, das heute dazu verwendet wird, um in romanischen Ländern Anthroposophie zu verketzern. Heute muß den Dingen auf den Ursprung gegangen werden, heute genügt es nicht, die Dinge bloß hinzunehmen, die gesagt werden, sondern es ist notwendig, daß die Menschen sich gewöhnen, an den Ursprung dessen zu gehen, was gesagt und behauptet wird. Der Sinn aber für den Wahrheitsursprung der äußeren Tatsachenwelt, er wird der Menschheit nur erblühen aus einer Vertiefung in wirkliche Geisteswissenschaft.

[ 23 ] Here you can see two things: First, the moral depravity of such a person who makes himself the bearer of this rumor, and his “beautiful” logic, in that he says: By spreading this rumor here before my readers, I am not making myself the spreader of this rumor. — This is how many people think today, cut off from all sense of reality, since what they say is already outside of any reality. For I cannot say: “I am saying something by not saying it.” For that is the kind of person Monsieur Ferriere is, the one who wrote this. One cannot get involved with such morally depraved individuals. I could only state—and I hope this will be thrown back in his face—that I had the following connections to that Wilhelm II. First: I was once sitting in a Berlin theater, perhaps in 1897, in the first tier up above, and in the center of the theater sat Wilhelm II in the royal box, and I saw him at a distance roughly equivalent to that from here to the end of this hall. The second time I saw him was when he was walking behind the coffin of the Grand Duchess of Weimar, from a great distance. The third time was on Friedrichstraße in Berlin, where he rode through the streets with his entourage, the marshal’s baton in hand, and the people were shouting “Hurrah!” Those are my only connections to Wilhelm II; I have never had any others and never sought them. This is how allegations arise today, and much of what you read—set in type on paper—is worth no more than this slanderous rumor, which is being used today to denounce anthroposophy in Romance-speaking countries. Today, we must trace things back to their source; today, it is not enough merely to accept what is said, but it is necessary for people to get into the habit of going to the source of what is said and claimed. But the sense for the true origin of the external world of facts will blossom within humanity only through a deepening into genuine spiritual science.