World New Year's Eve and New Year's Reflections
GA 195
1 January 1920, Stuttgart
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Weltsilvester und Neujahrsgedanken
Fünfter Vortrag
Fünfter Vortrag
[ 1 ] Heute möchte ich vor Ihnen erscheinen mit jenen Neujahrsgrüßen, welche dasjenige enthalten, was ich Ihnen hineinwünschen möchte in Ihre Seelen, damit Sie in unserer Zeit, die so sehr dessen bedarf, die großen dringenden Forderungen sehen für die Entwickelung der Menschheit, und damit Sie, jeder an seinem Platze, mitwirken mögen, soviel Sie eben können, zu der Erfüllung dessen, was in unserer Gegenwart der Menschheit so sehr nötig ist. In einer solchen Zeit, die symbolisch ausdrückt den Zusammenfluß von Vergangenheit und Zukunft, wird es vielleicht gestattet sein, daß ich anknüpfe an etwas, von dem ich, obzwar es mit persönlichen Erlebnissen zusammenhängt, doch glaube, daß es eine gewisse Bedeutung hat für das Hineinschauen in die ganze geistige Gestaltung der Gegenwart. Meine lieben Freunde, in der nächsten Zeit sollen Aufsätze von mir erscheinen, die vor langer Zeit — einige davon vor mehr als dreißig Jahren — von mir geschrieben worden sind. Diejenigen Aufsätze, die ich vor mehr als dreißig Jahren, damals noch in Österreich, geschrieben habe, sind gesammelt worden durch die Liebe, mit der sich dieser Sammlung unser Freund Dr. Kolisko unterzogen hat, und ich darf heute in dieser Neujahrsbetrachtung, die ja eben als solche mit Recht eine Zeitbetrachtung ist, einleitend auf einiges hinweisen, was von mir vor mehr als dreißig Jahren geschrieben worden ist; was damals geschrieben worden ist, wie Sie gleich erkennen werden, um dem deutschen Volke, man kann schon sagen, ins Gewissen zu reden, um Ausdruck zu geben dem, was man dazumal wahrnehmen konnte als einen Grundmangel in dem geistigen Leben dieses deutschen Volkes. Gestatten Sie, daß ich ein paar von diesen, nunmehr mehr als dreißig Jahre alten Sätzen vorlese. Sie stehen in dem Artikel, den ich überschrieben habe «Die geistige Signatur der Gegenwart». Also, sie weisen auf eine mehr als dreißig Jahre alte Vergangenheit jetzt hin, die dazumal Gegenwart war. Ich schrieb dazumal, drinnenstehend in jenen Symptomen des allgemeinen geistigen Lebens, das sich mehr im Gedankenleben der Nation offenbarte: «Achselzuckend gedenkt unser heutiges Geschlecht jener Zeit, in der ein philosophischer Zug durch das ganze deutsche Geistesleben ging. Die gewaltige Zeitströmung, die am Ende des vorigen und am Anfang dieses Jahrhunderts die Geister ergriff und kühn sich die denkbar höchsten Aufgaben stellte, gilt gegenwärtig als eine bedauerliche Verirrung. Wer es wagt, zu widersprechen, wenn von den «Phantastereien Fichtes», von den «wesenlosen Gedanken- und Wortspielen» Hegels die Rede ist, wird einfach als Dilettant hingestellt, «der von dem Geiste der heutigen Naturforschung ebenso wenig wie von der Gediegenheit und Strenge der philosophischen Methode eine Ahnung hat». Höchstens Kant und Schopenhauer finden Gnade bei unseren Zeitgenossen. Bei dem ersteren gelingt es nämlich, die etwas spärlichen philosophischen Brocken, die sich die moderne Forschung zugrunde legt, scheinbar aus seinen Lehren abzuleiten; der letztere hat neben seinen streng wissenschaftlichen Leistungen auch Arbeiten im leichten Stile und über Dinge geschrieben, die auch dem Menschen mit dem bescheidensten geistigen Horizonte nicht zu entlegen zu sein brauchen. Für jenes Streben nach den höchsten Spitzen der Gedankenwelt aber, für jenen Schwung des Geistes, der auf wissenschaftlichem Gebiet unserer klassischen Kulturepoche parallel ging, fehlt jetzt der Sinn und das Verständnis. Das Bedenkliche dieser Erscheinung tritt erst hervor, wenn man in Erwägung zieht, daß ein dauerndes Abwenden von jener Geistesrichtung für die Deutschen ein Verlieren ihres Selbsts, ein Bruch mit dem Volksgeiste wäre. Denn jenes Streben entsprang einem tiefen Bedürfnisse des deutschen Wesens. Es fällt uns nicht ein, die mannigfachen Irrtümer und Einseitigkeiten, die Fichte, Hegel, Schelling, Oken u. a. auf ihren kühnen Unternehmungen im Reiche des Idealismus begangen haben, leugnen zu wollen; aber die Tendenz, von der sie beseelt waren, sollte in ihrer Großartigkeit nicht verkannt werden. Sie ist so recht dem Volk der Denker angemessen. Nicht der lebendige Sinn für die unmitelbare Wirklichkeit, für die Außenseite der Natur, der die Griechen zu ihren herrlichen, unvergänglichen Schöpfungen befähigte, eignet dem Deutschen, dafür aber ein unablässiges Drängen des Geistes nach dem Grund der Dinge, nach den scheinbar verborgenen tieferen Ursachen der uns umgebenden Natur. Lebte sich der griechische Geist in seiner wunderbaren Welt von Formen und Gestalten aus, so mußte der auf sich selbst zurückgezogene Deutsche, der weniger mit der Natur, dafür aber mehr mit seinem Herzen, mit seinem eigenen Inneren Umgang pflegt, auch seine Eroberungen auf dem Gebiet der reinen Gedankenwelt suchen. Und darum war es deutsche Art, wie sich Fichte und seine Nachfolger der Welt und dem Leben gegenüberstellten, darum fanden ihre Lehren so begeisterte Aufnahme, darum wurde eine Zeitlang das ganze Leben der Nation davon ergriffen. Darum aber auch dürfen wir mit dieser Richtung des Geistes nicht brechen. Überwindung der Fehler, aber naturgemäße Entwickelung auf dem Grunde, der damals gelegt wurde, muß unsere Losung werden. Nicht was diese Geister fanden oder zu finden glaubten, aber wie sie sich den Aufgaben der Forschung gegenüberstellten, das ist das bleibende Wertvolle.»
[ 1 ] Heute möchte ich vor Ihnen erscheinen mit jenen Neujahrsgrüßen, welche dasjenige enthalten, was ich Ihnen hineinwünschen möchte in Ihre Seelen, damit Sie in unserer Zeit, die so sehr dessen bedarf, die großen dringenden Forderungen sehen für die Entwickelung der Menschheit, und damit Sie, jeder an seinem Platze, mitwirken mögen, soviel Sie eben können, zu der Erfüllung dessen, was in unserer Gegenwart der Menschheit so sehr nötig ist. In einer solchen Zeit, die symbolisch ausdrückt den Zusammenfluß von Vergangenheit und Zukunft, wird es vielleicht gestattet sein, daß ich anknüpfe an etwas, von dem ich, obzwar es mit persönlichen Erlebnissen zusammenhängt, doch glaube, daß es eine gewisse Bedeutung hat für das Hineinschauen in die ganze geistige Gestaltung der Gegenwart. Meine lieben Freunde, in der nächsten Zeit sollen Aufsätze von mir erscheinen, die vor langer Zeit — einige davon vor mehr als dreißig Jahren — von mir geschrieben worden sind. Diejenigen Aufsätze, die ich vor mehr als dreißig Jahren, damals noch in Österreich, geschrieben habe, sind gesammelt worden durch die Liebe, mit der sich dieser Sammlung unser Freund Dr. Kolisko unterzogen hat, und ich darf heute in dieser Neujahrsbetrachtung, die ja eben als solche mit Recht eine Zeitbetrachtung ist, einleitend auf einiges hinweisen, was von mir vor mehr als dreißig Jahren geschrieben worden ist; was damals geschrieben worden ist, wie Sie gleich erkennen werden, um dem deutschen Volke, man kann schon sagen, ins Gewissen zu reden, um Ausdruck zu geben dem, was man dazumal wahrnehmen konnte als einen Grundmangel in dem geistigen Leben dieses deutschen Volkes. Gestatten Sie, daß ich ein paar von diesen, nunmehr mehr als dreißig Jahre alten Sätzen vorlese. Sie stehen in dem Artikel, den ich überschrieben habe «Die geistige Signatur der Gegenwart». Also, sie weisen auf eine mehr als dreißig Jahre alte Vergangenheit jetzt hin, die dazumal Gegenwart war. Ich schrieb dazumal, drinnenstehend in jenen Symptomen des allgemeinen geistigen Lebens, das sich mehr im Gedankenleben der Nation offenbarte: «Achselzuckend gedenkt unser heutiges Geschlecht jener Zeit, in der ein philosophischer Zug durch das ganze deutsche Geistesleben ging. Die gewaltige Zeitströmung, die am Ende des vorigen und am Anfang dieses Jahrhunderts die Geister ergriff und kühn sich die denkbar höchsten Aufgaben stellte, gilt gegenwärtig als eine bedauerliche Verirrung. Wer es wagt, zu widersprechen, wenn von den «Phantastereien Fichtes», von den «wesenlosen Gedanken- und Wortspielen» Hegels die Rede ist, wird einfach als Dilettant hingestellt, «der von dem Geiste der heutigen Naturforschung ebenso wenig wie von der Gediegenheit und Strenge der philosophischen Methode eine Ahnung hat». Höchstens Kant und Schopenhauer finden Gnade bei unseren Zeitgenossen. Bei dem ersteren gelingt es nämlich, die etwas spärlichen philosophischen Brocken, die sich die moderne Forschung zugrunde legt, scheinbar aus seinen Lehren abzuleiten; der letztere hat neben seinen streng wissenschaftlichen Leistungen auch Arbeiten im leichten Stile und über Dinge geschrieben, die auch dem Menschen mit dem bescheidensten geistigen Horizonte nicht zu entlegen zu sein brauchen. Für jenes Streben nach den höchsten Spitzen der Gedankenwelt aber, für jenen Schwung des Geistes, der auf wissenschaftlichem Gebiet unserer klassischen Kulturepoche parallel ging, fehlt jetzt der Sinn und das Verständnis. Das Bedenkliche dieser Erscheinung tritt erst hervor, wenn man in Erwägung zieht, daß ein dauerndes Abwenden von jener Geistesrichtung für die Deutschen ein Verlieren ihres Selbsts, ein Bruch mit dem Volksgeiste wäre. Denn jenes Streben entsprang einem tiefen Bedürfnisse des deutschen Wesens. Es fällt uns nicht ein, die mannigfachen Irrtümer und Einseitigkeiten, die Fichte, Hegel, Schelling, Oken u. a. auf ihren kühnen Unternehmungen im Reiche des Idealismus begangen haben, leugnen zu wollen; aber die Tendenz, von der sie beseelt waren, sollte in ihrer Großartigkeit nicht verkannt werden. Sie ist so recht dem Volk der Denker angemessen. Nicht der lebendige Sinn für die unmitelbare Wirklichkeit, für die Außenseite der Natur, der die Griechen zu ihren herrlichen, unvergänglichen Schöpfungen befähigte, eignet dem Deutschen, dafür aber ein unablässiges Drängen des Geistes nach dem Grund der Dinge, nach den scheinbar verborgenen tieferen Ursachen der uns umgebenden Natur. Lebte sich der griechische Geist in seiner wunderbaren Welt von Formen und Gestalten aus, so mußte der auf sich selbst zurückgezogene Deutsche, der weniger mit der Natur, dafür aber mehr mit seinem Herzen, mit seinem eigenen Inneren Umgang pflegt, auch seine Eroberungen auf dem Gebiet der reinen Gedankenwelt suchen. Und darum war es deutsche Art, wie sich Fichte und seine Nachfolger der Welt und dem Leben gegenüberstellten, darum fanden ihre Lehren so begeisterte Aufnahme, darum wurde eine Zeitlang das ganze Leben der Nation davon ergriffen. Darum aber auch dürfen wir mit dieser Richtung des Geistes nicht brechen. Überwindung der Fehler, aber naturgemäße Entwickelung auf dem Grunde, der damals gelegt wurde, muß unsere Losung werden. Nicht was diese Geister fanden oder zu finden glaubten, aber wie sie sich den Aufgaben der Forschung gegenüberstellten, das ist das bleibende Wertvolle.»
[ 2 ] Es sollte dazumal dieses deutsche Volk hingewiesen werden auf das, was eben drohte aus dem Gesichtskreis dieses Volkes zu verschwinden. Man lebte damals noch in einer anderen Zeit als heute; man lebte in der Zeit, in welcher, wenn man gewollt hätte, für gewisse Kreise es noch möglich gewesen wäre, sich mit dem im Beginne seines Niederganges befindlichen Geiste zu verbinden und Durchgreifendes für eine Neuentwickelung menschlicher Impulse anzubahnen. Allerdings, dazumal hätten sich finden müssen Menschen unter denen, die sich Führer des Volkes nannten, Menschen unter denen, die die Jugend anleiteten für das spätere Leben. Damals gab es noch nicht Experimente solcher Art, wie sie jetzt in Rußland hervortreten; damals hätten diejenigen, welche die Bildner der Jugend waren, noch die Möglichkeit gehabt, zu den Intentionen dieses alten Geisteslebens zurückzukehren und es im neuen Sinne wiederum auferstehen zu lassen. Damals aber wollte man nicht im geringsten auf irgendeine Stimme hören, welche sich erhob für dieses Wiederauferstehenlassen eines wirklich spirituellen Strebens der Menschheit. Und alles, was insbesondere in den Kreisen der niederen oder höheren Volkserzieher sich in diesen letzten dreißig Jahren festgelegt hat, war ein Sturmlaufen gegen die Intentionen spiritueller Weltanschauung. Ich muß heute gedenken, daß damals, als ich diese Worte schrieb, von mir ja bereits meine Interpretationen zu Goethes Weltanschauung, zu Goethes naturwissenschaftlichen Ideen veröffentlicht waren; ich muß gedenken, wie ich dazumal gerade die.auf dem Gebiete des Gedankens, des wissenschaftlichen Forschens Tätigen aufmerksam gemacht habe auf zwei große Gefahren. Ich habe dazumal zwei Ausdrücke geprägt, die hinweisen sollten auf die beiden großen Feinde menschlichen Geistesfortschrittes. Ich sprach auf der einen Seite von dem Dogma der Offenbarung und ich sprach auf der anderen Seite von dem Dogma der bloßen Erfahrung. Und ich wollte zeigen, daß die einseitige Pflege des Dogmas der Offenbarung, wie sie sich heraufentwickelte in den Bekenntniskreisen, ebenso schädlich ist, wie das Pochen auf die sogenannten Dogmen der Erfahrung, das heißt auf alles das, was nur die äußere Sinneswelt und die materielle Tatsachenwelt bei den Naturforschern und Soziologen liefert. Es war dann die Aufgabe im Laufe der Zeit, diese Ideen, ich möchte sagen, konkreter zu fassen, hinzuweisen auf die realen Kräfte, die hinter der einen und hinter der anderen Erscheinung stecken.
[ 2 ] Es sollte dazumal dieses deutsche Volk hingewiesen werden auf das, was eben drohte aus dem Gesichtskreis dieses Volkes zu verschwinden. Man lebte damals noch in einer anderen Zeit als heute; man lebte in der Zeit, in welcher, wenn man gewollt hätte, für gewisse Kreise es noch möglich gewesen wäre, sich mit dem im Beginne seines Niederganges befindlichen Geiste zu verbinden und Durchgreifendes für eine Neuentwickelung menschlicher Impulse anzubahnen. Allerdings, dazumal hätten sich finden müssen Menschen unter denen, die sich Führer des Volkes nannten, Menschen unter denen, die die Jugend anleiteten für das spätere Leben. Damals gab es noch nicht Experimente solcher Art, wie sie jetzt in Rußland hervortreten; damals hätten diejenigen, welche die Bildner der Jugend waren, noch die Möglichkeit gehabt, zu den Intentionen dieses alten Geisteslebens zurückzukehren und es im neuen Sinne wiederum auferstehen zu lassen. Damals aber wollte man nicht im geringsten auf irgendeine Stimme hören, welche sich erhob für dieses Wiederauferstehenlassen eines wirklich spirituellen Strebens der Menschheit. Und alles, was insbesondere in den Kreisen der niederen oder höheren Volkserzieher sich in diesen letzten dreißig Jahren festgelegt hat, war ein Sturmlaufen gegen die Intentionen spiritueller Weltanschauung. Ich muß heute gedenken, daß damals, als ich diese Worte schrieb, von mir ja bereits meine Interpretationen zu Goethes Weltanschauung, zu Goethes naturwissenschaftlichen Ideen veröffentlicht waren; ich muß gedenken, wie ich dazumal gerade die.auf dem Gebiete des Gedankens, des wissenschaftlichen Forschens Tätigen aufmerksam gemacht habe auf zwei große Gefahren. Ich habe dazumal zwei Ausdrücke geprägt, die hinweisen sollten auf die beiden großen Feinde menschlichen Geistesfortschrittes. Ich sprach auf der einen Seite von dem Dogma der Offenbarung und ich sprach auf der anderen Seite von dem Dogma der bloßen Erfahrung. Und ich wollte zeigen, daß die einseitige Pflege des Dogmas der Offenbarung, wie sie sich heraufentwickelte in den Bekenntniskreisen, ebenso schädlich ist, wie das Pochen auf die sogenannten Dogmen der Erfahrung, das heißt auf alles das, was nur die äußere Sinneswelt und die materielle Tatsachenwelt bei den Naturforschern und Soziologen liefert. Es war dann die Aufgabe im Laufe der Zeit, diese Ideen, ich möchte sagen, konkreter zu fassen, hinzuweisen auf die realen Kräfte, die hinter der einen und hinter der anderen Erscheinung stecken.
[ 3 ] Was steckt hinter all dem, worauf man hinweist, wenn man von dem Dogma der Offenbarung spricht? Darinnen steckt alles das, was wir heute im umfassenden Sinn als die luziferischen Einflüsse auf den Gang der Menschheitsentwickelung nennen. Und hinter dem Dogma der Erfahrung steckt alles das, was wir, wiederum in umfassendem Sinne, die ahrimanischen Einflüsse auf die Menschheitsentwickelung nennen. Derjenige, der in unserer heutigen Zeit die Menschheit bloß führen will unter dem Einflusse des Dogmas der Offenbarung, der leitet sie im luziferischen Sinne; wer sie, wie etwa die Naturforscher, nur leiten möchte im Sinne des Dogmas der äußeren sinnlichen Erfahrung, der leitet sie im ahrimanischen Sinne. Darf es nicht heute in unserer ernsten Zeit eine Neujahrsbetrachtung sein, diese letzten drei bis vier Jahrzehnte zu überblicken, hinzuweisen darauf, wie man heute ebenso noch notwendig har, den damals erhobenen Ruf wieder zu erheben, nur in vielfach verstärkter Art?
[ 3 ] Was steckt hinter all dem, worauf man hinweist, wenn man von dem Dogma der Offenbarung spricht? Darinnen steckt alles das, was wir heute im umfassenden Sinn als die luziferischen Einflüsse auf den Gang der Menschheitsentwickelung nennen. Und hinter dem Dogma der Erfahrung steckt alles das, was wir, wiederum in umfassendem Sinne, die ahrimanischen Einflüsse auf die Menschheitsentwickelung nennen. Derjenige, der in unserer heutigen Zeit die Menschheit bloß führen will unter dem Einflusse des Dogmas der Offenbarung, der leitet sie im luziferischen Sinne; wer sie, wie etwa die Naturforscher, nur leiten möchte im Sinne des Dogmas der äußeren sinnlichen Erfahrung, der leitet sie im ahrimanischen Sinne. Darf es nicht heute in unserer ernsten Zeit eine Neujahrsbetrachtung sein, diese letzten drei bis vier Jahrzehnte zu überblicken, hinzuweisen darauf, wie man heute ebenso noch notwendig har, den damals erhobenen Ruf wieder zu erheben, nur in vielfach verstärkter Art?
[ 4 ] Meine lieben Freunde, diese dreißig bis vierzig Jahre, sie haben durch den Verlauf der äußeren Tatsachen klar gezeigt, wie berechtigt jener Ruf dazumal war; denn wer unbefangen durchblickt, was geschehen ist, der muß sich sagen: Wäre dazumal ein solcher Ruf etwas Reales geworden in den Gemütern der Menschen von Mitteleuropa: das, was wir heute als Elend und Not erleben, es wäre nicht gekommen. Dazumal verhallte jener Ruf; jetzt begegnet man ihm von Seite der römischen heiligen Kongregation mit dem Dekret vom 18. Juli 1919; und die Domkapitulare verkündigen, daß dasjenige, was Anthroposophie ist, nicht aus meinen Schriften gelesen werden darf, weil der Papst es verboten hat, sondern daß man sich unterrichten müsse aus den Schriften der Gegner. Die Domkapitulare weisen also zu der Erkenntnis der Anthroposophie nicht auf meine Schriften, sondern auf Seiling und Genossen hin. Das geschieht in derselben Zeit, wo unter den Auspizien einer sich sozialistisch aufspielenden Berliner Regierung über die Errichtung einer römisch-katholischen Nuntiatur in Berlin verhandelt wird. Das ist auch etwas, was hinweist auf die geistige Signatur der jetzigen Gegenwart. Und heute möchte man schon wirklich appellieren an die tiefsten Herzenskräfte derjenigen, die noch fähig sind, etwas von geistigen Impulsen innerhalb der Menschheitsentwickelung zu fühlen, damit sie aufwachen, um doch einmal zu sehen, wie die Dinge eigentlich gehen. Denn sehen Sie, heute handelt es sich vor allen Dingen darum, daß die Menschen die Möglichkeit finden, zu ihrem Selbst zu kommen. Und zum Selbst zu kommen, dazu bedarf es des Vertrauens in die eigene Seelenkraft. Gerade mit dem Appell an dieses Vertrauen in die eigene Seelenkraft kommt man den Menschen heute nicht recht bei. Die Menschen möchten auf der einen Seite sich anlehnen an irgend etwas, was sie von innen heraus zwingt, das Richtige zu denken und zu wollen, und sie möchten auf der anderen Seite sich anlehnen an irgend etwas, was sie von außen her zwingt, das Richtige zu denken und zu wollen.
[ 4 ] Meine lieben Freunde, diese dreißig bis vierzig Jahre, sie haben durch den Verlauf der äußeren Tatsachen klar gezeigt, wie berechtigt jener Ruf dazumal war; denn wer unbefangen durchblickt, was geschehen ist, der muß sich sagen: Wäre dazumal ein solcher Ruf etwas Reales geworden in den Gemütern der Menschen von Mitteleuropa: das, was wir heute als Elend und Not erleben, es wäre nicht gekommen. Dazumal verhallte jener Ruf; jetzt begegnet man ihm von Seite der römischen heiligen Kongregation mit dem Dekret vom 18. Juli 1919; und die Domkapitulare verkündigen, daß dasjenige, was Anthroposophie ist, nicht aus meinen Schriften gelesen werden darf, weil der Papst es verboten hat, sondern daß man sich unterrichten müsse aus den Schriften der Gegner. Die Domkapitulare weisen also zu der Erkenntnis der Anthroposophie nicht auf meine Schriften, sondern auf Seiling und Genossen hin. Das geschieht in derselben Zeit, wo unter den Auspizien einer sich sozialistisch aufspielenden Berliner Regierung über die Errichtung einer römisch-katholischen Nuntiatur in Berlin verhandelt wird. Das ist auch etwas, was hinweist auf die geistige Signatur der jetzigen Gegenwart. Und heute möchte man schon wirklich appellieren an die tiefsten Herzenskräfte derjenigen, die noch fähig sind, etwas von geistigen Impulsen innerhalb der Menschheitsentwickelung zu fühlen, damit sie aufwachen, um doch einmal zu sehen, wie die Dinge eigentlich gehen. Denn sehen Sie, heute handelt es sich vor allen Dingen darum, daß die Menschen die Möglichkeit finden, zu ihrem Selbst zu kommen. Und zum Selbst zu kommen, dazu bedarf es des Vertrauens in die eigene Seelenkraft. Gerade mit dem Appell an dieses Vertrauen in die eigene Seelenkraft kommt man den Menschen heute nicht recht bei. Die Menschen möchten auf der einen Seite sich anlehnen an irgend etwas, was sie von innen heraus zwingt, das Richtige zu denken und zu wollen, und sie möchten auf der anderen Seite sich anlehnen an irgend etwas, was sie von außen her zwingt, das Richtige zu denken und zu wollen.
[ 5 ] Immer weisen die Menschen irgendwie auf zwei solche Pole hin und niemals möchten sie sich aufraffen, nach dem Gleichgewicht zwischen den von diesen zwei Polen aus wirkenden Kräften zu streben. Führen wir uns noch einmal etwas von der geistigen Signatur der Gegenwart, die aber heute im Begriffe ist soziale und materielle Signatur zu werden, führen wir uns wiederum etwas davon vor Augen! Da hören wir im Osten Europas den alten marxistischen Ruf sich erheben, es müsse eine soziale Ordnung unter den Menschen eintreten, in der jeder Mensch leben könne nach seinen Fähigkeiten und nach seinen Bedürfnissen; es müsse eine soziale Ordnung entwickelt sein, in welcher die individuellen Fähigkeiten jedes einzelnen Menschen zur Geltung kommen können, und in welcher befriedigt werden können die berechtigten Bedürfnisse jedes einzelnen Menschen. So wie das abstrakt ausgesprochen wird, kann nicht das Allergeringste gegen diese Abstraktion eingewendet werden; auf der anderen Seite aber wiederum hören wir eine Persönlichkeit wie Lenin sagen: Mit den Menschen der Gegenwart läßt sich eine solche soziale Ordnung nicht begründen, mit ihnen kann man nur eine Übergangs-Sozial-Ordnung begründen. — Man kann nur begründen irgend etwas, was Ungerechtigkeit im weitesten Sinne selbstverständlich in sich schließt. Sie ist ja auch in lächerlichem Maße in alle dem vorhanden, was Lenin und seine Anhänger begründen; denn er und seine Anhänger meinen, man könne nur durch den Durchgang durch dieses Übergangsstadium eine neue Menschenrasse erzeugen, die jetzt noch nicht da ist; und wenn sie kommt, dann wird man in ihr jene soziale Ordnung einführen können, in der jeder seine Fähigkeiten wird verwenden können, in der jeder nach seinen Bedürfnissen wird leben können. Also die Erfindung einer nicht vorhandenen Menschenrasse, um eine Idee zu verwirklichen, die ja, wie ich gesagt habe, im abstrakten Sinne sogar berechtigt ist.
[ 5 ] Immer weisen die Menschen irgendwie auf zwei solche Pole hin und niemals möchten sie sich aufraffen, nach dem Gleichgewicht zwischen den von diesen zwei Polen aus wirkenden Kräften zu streben. Führen wir uns noch einmal etwas von der geistigen Signatur der Gegenwart, die aber heute im Begriffe ist soziale und materielle Signatur zu werden, führen wir uns wiederum etwas davon vor Augen! Da hören wir im Osten Europas den alten marxistischen Ruf sich erheben, es müsse eine soziale Ordnung unter den Menschen eintreten, in der jeder Mensch leben könne nach seinen Fähigkeiten und nach seinen Bedürfnissen; es müsse eine soziale Ordnung entwickelt sein, in welcher die individuellen Fähigkeiten jedes einzelnen Menschen zur Geltung kommen können, und in welcher befriedigt werden können die berechtigten Bedürfnisse jedes einzelnen Menschen. So wie das abstrakt ausgesprochen wird, kann nicht das Allergeringste gegen diese Abstraktion eingewendet werden; auf der anderen Seite aber wiederum hören wir eine Persönlichkeit wie Lenin sagen: Mit den Menschen der Gegenwart läßt sich eine solche soziale Ordnung nicht begründen, mit ihnen kann man nur eine Übergangs-Sozial-Ordnung begründen. — Man kann nur begründen irgend etwas, was Ungerechtigkeit im weitesten Sinne selbstverständlich in sich schließt. Sie ist ja auch in lächerlichem Maße in alle dem vorhanden, was Lenin und seine Anhänger begründen; denn er und seine Anhänger meinen, man könne nur durch den Durchgang durch dieses Übergangsstadium eine neue Menschenrasse erzeugen, die jetzt noch nicht da ist; und wenn sie kommt, dann wird man in ihr jene soziale Ordnung einführen können, in der jeder seine Fähigkeiten wird verwenden können, in der jeder nach seinen Bedürfnissen wird leben können. Also die Erfindung einer nicht vorhandenen Menschenrasse, um eine Idee zu verwirklichen, die ja, wie ich gesagt habe, im abstrakten Sinne sogar berechtigt ist.
[ 6 ] Sollten nicht doch genügend Menschen sich finden können, welche den ganzen Ernst dieser gegenwärtigen Weltsituation erfassen, wenn sie so etwas vernehmen? Sollte es nicht an der Zeit sein, daß aufhöre jene Schläfrigkeit, die sich, wenn so etwas auftritt, was gerade im tiefsten Sinne hinweist auf die Signatur der Gegenwart, sich ein wenig die Augen zumacht, um ja nicht die ganze Bedeutung einer solchen Sache ins Auge zu fassen? Es hilft nichts anderes, um zur konkreten Einsicht über diese Dinge zu kommen, als die Wege der Abstraktion ins geistige Leben hinein zu verlassen. Aber dazu muß man erst wirklich ein Gefühl dafür erhalten, wo Abstraktion vorhanden ist, wo nur geredet wird im Sinne einer Phraseologie vom Geiste und von der Seele, und man muß fühlen, wo vom Geist und von der Seele als von einer Wirklichkeit geredet wird. Sehen Sie, wenn man spricht von den menschlichen Fähigkeiten: sie treten auf als die Offenbarungen aus des Menschen innerer Wesenheit, wenn der Mensch heranwächst. Die Menschheit fühlt sich durch eine Anzahl ihrer Vertreter veranlaßt, diese Fähigkeiten und Kräfte, die in dem werdenden Menschen zutage treten, in entsprechender Weise zu entwickeln. Richtig empfindet man auf diesem Gebiete nur, wenn man in einer gewissen Weise eine Offenbarung des Göttlichen in der Offenbarung dieser Kräfte und Fähigkeiten wahrnimmt, wenn man sich sagt: Der Mensch ist hereingekommen aus einer geistig-seelischen Wesenswelt in diese sinnlich-wirkliche Welt, und was sich da als seine Kräfte und Fähigkeiten äußert, was wir selber entwickelt haben in uns und anderen, das rührt aus einer geistigen Welt her, das ist, indem es aus einer geistigen Welt heruntergestiegen ist in diesen physischen Menschenleib, nunmehr in diesen physischen Menschenleib hineingestellt. Aber nehmen Sie den Geist und Sinn dessen, was hier seit Jahrzehnten auseinandergesetzt wird: dieser Geist und Sinn weist Sie darauf hin, daß mit der Einkörperung der menschlichen Fähigkeiten und Kräfte in den physischen Menschenleib den luziferischen Wesenheiten die Möglichkeit gegeben wird, an diese Fähigkeiten und Kräfte heranzukommen.
[ 6 ] Sollten nicht doch genügend Menschen sich finden können, welche den ganzen Ernst dieser gegenwärtigen Weltsituation erfassen, wenn sie so etwas vernehmen? Sollte es nicht an der Zeit sein, daß aufhöre jene Schläfrigkeit, die sich, wenn so etwas auftritt, was gerade im tiefsten Sinne hinweist auf die Signatur der Gegenwart, sich ein wenig die Augen zumacht, um ja nicht die ganze Bedeutung einer solchen Sache ins Auge zu fassen? Es hilft nichts anderes, um zur konkreten Einsicht über diese Dinge zu kommen, als die Wege der Abstraktion ins geistige Leben hinein zu verlassen. Aber dazu muß man erst wirklich ein Gefühl dafür erhalten, wo Abstraktion vorhanden ist, wo nur geredet wird im Sinne einer Phraseologie vom Geiste und von der Seele, und man muß fühlen, wo vom Geist und von der Seele als von einer Wirklichkeit geredet wird. Sehen Sie, wenn man spricht von den menschlichen Fähigkeiten: sie treten auf als die Offenbarungen aus des Menschen innerer Wesenheit, wenn der Mensch heranwächst. Die Menschheit fühlt sich durch eine Anzahl ihrer Vertreter veranlaßt, diese Fähigkeiten und Kräfte, die in dem werdenden Menschen zutage treten, in entsprechender Weise zu entwickeln. Richtig empfindet man auf diesem Gebiete nur, wenn man in einer gewissen Weise eine Offenbarung des Göttlichen in der Offenbarung dieser Kräfte und Fähigkeiten wahrnimmt, wenn man sich sagt: Der Mensch ist hereingekommen aus einer geistig-seelischen Wesenswelt in diese sinnlich-wirkliche Welt, und was sich da als seine Kräfte und Fähigkeiten äußert, was wir selber entwickelt haben in uns und anderen, das rührt aus einer geistigen Welt her, das ist, indem es aus einer geistigen Welt heruntergestiegen ist in diesen physischen Menschenleib, nunmehr in diesen physischen Menschenleib hineingestellt. Aber nehmen Sie den Geist und Sinn dessen, was hier seit Jahrzehnten auseinandergesetzt wird: dieser Geist und Sinn weist Sie darauf hin, daß mit der Einkörperung der menschlichen Fähigkeiten und Kräfte in den physischen Menschenleib den luziferischen Wesenheiten die Möglichkeit gegeben wird, an diese Fähigkeiten und Kräfte heranzukommen.
[ 7 ] Man kann nicht irgend etwas in Selbsttätigkeit oder in erzieherischer oder in kulturfördernder Tätigkeit in den menschlichen individuellen Fähigkeiten und Kräften tun, ohne daß man mit den luziferischen Kräften in Berührung kommt. In denjenigen Regionen, die der Mensch durchlaufen hat, bevor er durch die Geburt oder Empfängnis ins physische Dasein eingetreten ist, da konnte die luziferische Macht nicht an die menschlichen Fähigkeiten und Kräfte unmittelbar heran. Die Einkörperung in die physische menschliche Leiblichkeit, das ist das Mittel, durch das die luziferischen Mächte an die menschlichen Fähigkeiten und Kräfte herankommen können. Nur dadurch, daß man dieser Tatsache unbefangen ins Auge schaut, kommt man zu einer richtigen Stellung im Leben zu all dem, was als individuelle Fähigkeiten und Kräfte aus der menschlichen Natur hervorquillt. Wenn man das Luziferische nicht sehen will, wenn man es ableugnet, dann verfällt man ihm. Dann aber gerät man gerade in jene Seelenstimmung, welche sich durchaus an etwas Zwingendes im Innern überliefern möchte, um da durch allerlei mystische oder religiöse Kräfte sich zu entlasten von der Notwendigkeit, an das freie Selbst des Menschen zu appellieren und in der Entfaltung des eigenen freien Selbstes in der Welt das Göttliche zu suchen. Die Menschen möchten nicht selber denken, sie möchten, daß eine unbestimmte Kraft in ihrem Innern sich äußere, nach der sie logisch beweisen können. Sie möchten die Wahrheit nicht erleben, sie möchten sich nicht aufraffen zu jenem inneren freien Erleben, das auch die Wahrheit erlebt; sie möchten jenen inneren Zwang erleben, der von innen heraus sie zwingt und sich ausdrückt in dem Beweise, der nicht an das Erlebnis appelliert, sondern an die Macht eines Geistigen, das den Menschen überwältigen, zwingen soll, so oder so zu denken über die Natur und über den Menschen selber. Damit aber, daß die Menschen an diesen inneren Zwang appellieren, an diese innere Macht, damit liefern sich die Menschen den luziferischen Mächten aus. Das Mittel, das man ergreifen kann, damit die Menschen also an diesen Zwang appellieren, damit sie sich nicht erheben zum freien Drinnenstehen in der geistigen Welt, das ist, daß man sie zwingt, zu denken, daß es keine drei Glieder der menschlichen Natur gibt: Leib, Seele und Geist, sondern wenn man ihnen, wie das auf dem achten allgemeinen Konstantinopeler Konzil geschehen ist, verbietet zu denken, daß der Mensch aus Leib, Seele und Geist bestehe, wenn man es abschafft, sich mit dem Geiste zu beschäftigen. Das sind innere Zusammenhänge, die heute nicht mehr übersehen werden dürfen, die heute klar und unbefangen ins Auge gefaßt werden müssen. Damals, im Jahre 869, als bestimmt wurde, daß man an den Geist im Menschen nicht glauben dürfe, damals zog der luziferische Hang in die europäische Zivilisation ein. Und heute haben wir die Erfüllung davon. Die Menschen haben sich lange genug hingegeben dem Hang, nicht die Wahrheit zu erleben, sondern den Zwang des Beweises, des unpersönlichen Beweises auf sich wirken zu lassen. Das hat sie hinübergeworfen nach dem anderen Extrem. Man hat sich nicht in sachgemäßer Weise zu beschäftigen verstanden mit den menschlichen Fähigkeiten und Kräften, man hat sich nicht zugeben wollen, daß auf die Art, wie ich es eben auseinandergesetzt habe, in den menschlichen Fähigkeiten und Kräften, wenn diese im physischen Leibe verkörpert sind, luziferische Mächte leben. Dadurch hat man erfahren jene schiefe Stellung, in die die moderne Menschheit zu den individuellen Fähigkeiten und Kräften in der menschlichen Natur gekommen ist, die heute an der Tagesordnung ist.
[ 7 ] Man kann nicht irgend etwas in Selbsttätigkeit oder in erzieherischer oder in kulturfördernder Tätigkeit in den menschlichen individuellen Fähigkeiten und Kräften tun, ohne daß man mit den luziferischen Kräften in Berührung kommt. In denjenigen Regionen, die der Mensch durchlaufen hat, bevor er durch die Geburt oder Empfängnis ins physische Dasein eingetreten ist, da konnte die luziferische Macht nicht an die menschlichen Fähigkeiten und Kräfte unmittelbar heran. Die Einkörperung in die physische menschliche Leiblichkeit, das ist das Mittel, durch das die luziferischen Mächte an die menschlichen Fähigkeiten und Kräfte herankommen können. Nur dadurch, daß man dieser Tatsache unbefangen ins Auge schaut, kommt man zu einer richtigen Stellung im Leben zu all dem, was als individuelle Fähigkeiten und Kräfte aus der menschlichen Natur hervorquillt. Wenn man das Luziferische nicht sehen will, wenn man es ableugnet, dann verfällt man ihm. Dann aber gerät man gerade in jene Seelenstimmung, welche sich durchaus an etwas Zwingendes im Innern überliefern möchte, um da durch allerlei mystische oder religiöse Kräfte sich zu entlasten von der Notwendigkeit, an das freie Selbst des Menschen zu appellieren und in der Entfaltung des eigenen freien Selbstes in der Welt das Göttliche zu suchen. Die Menschen möchten nicht selber denken, sie möchten, daß eine unbestimmte Kraft in ihrem Innern sich äußere, nach der sie logisch beweisen können. Sie möchten die Wahrheit nicht erleben, sie möchten sich nicht aufraffen zu jenem inneren freien Erleben, das auch die Wahrheit erlebt; sie möchten jenen inneren Zwang erleben, der von innen heraus sie zwingt und sich ausdrückt in dem Beweise, der nicht an das Erlebnis appelliert, sondern an die Macht eines Geistigen, das den Menschen überwältigen, zwingen soll, so oder so zu denken über die Natur und über den Menschen selber. Damit aber, daß die Menschen an diesen inneren Zwang appellieren, an diese innere Macht, damit liefern sich die Menschen den luziferischen Mächten aus. Das Mittel, das man ergreifen kann, damit die Menschen also an diesen Zwang appellieren, damit sie sich nicht erheben zum freien Drinnenstehen in der geistigen Welt, das ist, daß man sie zwingt, zu denken, daß es keine drei Glieder der menschlichen Natur gibt: Leib, Seele und Geist, sondern wenn man ihnen, wie das auf dem achten allgemeinen Konstantinopeler Konzil geschehen ist, verbietet zu denken, daß der Mensch aus Leib, Seele und Geist bestehe, wenn man es abschafft, sich mit dem Geiste zu beschäftigen. Das sind innere Zusammenhänge, die heute nicht mehr übersehen werden dürfen, die heute klar und unbefangen ins Auge gefaßt werden müssen. Damals, im Jahre 869, als bestimmt wurde, daß man an den Geist im Menschen nicht glauben dürfe, damals zog der luziferische Hang in die europäische Zivilisation ein. Und heute haben wir die Erfüllung davon. Die Menschen haben sich lange genug hingegeben dem Hang, nicht die Wahrheit zu erleben, sondern den Zwang des Beweises, des unpersönlichen Beweises auf sich wirken zu lassen. Das hat sie hinübergeworfen nach dem anderen Extrem. Man hat sich nicht in sachgemäßer Weise zu beschäftigen verstanden mit den menschlichen Fähigkeiten und Kräften, man hat sich nicht zugeben wollen, daß auf die Art, wie ich es eben auseinandergesetzt habe, in den menschlichen Fähigkeiten und Kräften, wenn diese im physischen Leibe verkörpert sind, luziferische Mächte leben. Dadurch hat man erfahren jene schiefe Stellung, in die die moderne Menschheit zu den individuellen Fähigkeiten und Kräften in der menschlichen Natur gekommen ist, die heute an der Tagesordnung ist.
[ 8 ] Der andere Pol des Menschen, das sind seine Bedürfnisse, diese Bedürfnisse, die sich zuerst in der rein physischen Natur aussprechen. Diese Bedürfnisse, die Schiller in seinen «Ästhetischen Briefen» so schön gegenübergestellt hat der abstrakt logischen Macht und die er genannt hat die Notdurft, während er den logischen Zwang als die andere Macht, als die ins Geistige abirrende Macht charakterisiert hat. Damals war während der großen Periode der deutschen Entwickelung eine solche Persönlichkeit wie Schiller auf dem Wege, den polarischen Gegensatz des Menschen richtig zu erfassen. Die Zeit war damals noch nicht reif, mehr zu sagen, als Schiller und Goethe und die ihnen Gleichgesinnten gesagt haben. Unsere neue Zeit ist in die Notwendigkeit versetzt, diese Dinge weiterzubauen. Baut man weiter, dann wird anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft daraus. Derjenige, der nur die einseitige Macht des Beweisens auf dem geistigen Gebiet kennt, der lernt im Leben auch nur kennen die einseitige Naturtriebmacht der menschlichen Bedürfnisse. Sie können sich leicht vorstellen: Wenn der Mensch mit seinen Fähigkeiten und Kräften in die physisch-sinnliche Welt eintritt durch Konzeption oder Geburt, und Luzifer über ihn kommt und von dem, was der Mensch selbst haben sollte, auf der einen Seite, auf der Kopfseite gewissermaßen des menschlichen Wesens etwas nimmt, dann bleibt auch im Menschen selbst eine geringere Macht, um seine Selbständigkeit auf dem Gebiete der Bedürfnisse geltend zu ‚machen. Durch das, was sich Luzifer auf der einen Seite aneignet, erlangt Ahriman auf der anderen Seite die Möglichkeit, sich anzueignen, was in den Bedürfnissen der menschlichen Natur wirkt. Und so ist eingezogen auf der anderen Seite mit dem Dogma der bloß äußeren sinnlichen Erfahrung die Durch-Ahrimanisierung des sinnlichen Trieblebens der Menschheit im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Und so steht die moderne Menschheit, indem sie verkennt, daß in der Gleichgewichtslage zwischen den beiden Extremen, zwischen den Fähigkeiten einerseits und den Bedürfnissen auf der anderen Seite, das Heil liegt, heute einer furchtbaren Tatsache gegenüber. Sie sieht nur hin aus ihrem materialistischen Geiste heraus auf den Leib, der die Fähigkeiten erzeugt, daß heißt bloß auf die luziferische Urkraft der Fähigkeiten; denn dadurch, daß die Fähigkeiten in den Leib einziehen, dadurch werden sie luziferisch, und wenn man glaubt, aus dem Leib entspringen die Fähigkeiten, so glaubt man an Luzifer. Und wenn man glaubt, aus dem menschlichen Leibe heraus entspringen die Bedürfnisse, so glaubt man nur an das Ahrimanische dieser Bedürfnisse.
[ 8 ] Der andere Pol des Menschen, das sind seine Bedürfnisse, diese Bedürfnisse, die sich zuerst in der rein physischen Natur aussprechen. Diese Bedürfnisse, die Schiller in seinen «Ästhetischen Briefen» so schön gegenübergestellt hat der abstrakt logischen Macht und die er genannt hat die Notdurft, während er den logischen Zwang als die andere Macht, als die ins Geistige abirrende Macht charakterisiert hat. Damals war während der großen Periode der deutschen Entwickelung eine solche Persönlichkeit wie Schiller auf dem Wege, den polarischen Gegensatz des Menschen richtig zu erfassen. Die Zeit war damals noch nicht reif, mehr zu sagen, als Schiller und Goethe und die ihnen Gleichgesinnten gesagt haben. Unsere neue Zeit ist in die Notwendigkeit versetzt, diese Dinge weiterzubauen. Baut man weiter, dann wird anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft daraus. Derjenige, der nur die einseitige Macht des Beweisens auf dem geistigen Gebiet kennt, der lernt im Leben auch nur kennen die einseitige Naturtriebmacht der menschlichen Bedürfnisse. Sie können sich leicht vorstellen: Wenn der Mensch mit seinen Fähigkeiten und Kräften in die physisch-sinnliche Welt eintritt durch Konzeption oder Geburt, und Luzifer über ihn kommt und von dem, was der Mensch selbst haben sollte, auf der einen Seite, auf der Kopfseite gewissermaßen des menschlichen Wesens etwas nimmt, dann bleibt auch im Menschen selbst eine geringere Macht, um seine Selbständigkeit auf dem Gebiete der Bedürfnisse geltend zu ‚machen. Durch das, was sich Luzifer auf der einen Seite aneignet, erlangt Ahriman auf der anderen Seite die Möglichkeit, sich anzueignen, was in den Bedürfnissen der menschlichen Natur wirkt. Und so ist eingezogen auf der anderen Seite mit dem Dogma der bloß äußeren sinnlichen Erfahrung die Durch-Ahrimanisierung des sinnlichen Trieblebens der Menschheit im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Und so steht die moderne Menschheit, indem sie verkennt, daß in der Gleichgewichtslage zwischen den beiden Extremen, zwischen den Fähigkeiten einerseits und den Bedürfnissen auf der anderen Seite, das Heil liegt, heute einer furchtbaren Tatsache gegenüber. Sie sieht nur hin aus ihrem materialistischen Geiste heraus auf den Leib, der die Fähigkeiten erzeugt, daß heißt bloß auf die luziferische Urkraft der Fähigkeiten; denn dadurch, daß die Fähigkeiten in den Leib einziehen, dadurch werden sie luziferisch, und wenn man glaubt, aus dem Leib entspringen die Fähigkeiten, so glaubt man an Luzifer. Und wenn man glaubt, aus dem menschlichen Leibe heraus entspringen die Bedürfnisse, so glaubt man nur an das Ahrimanische dieser Bedürfnisse.
[ 9 ] Und welches Experiment wird gegenwärtig drüben im Osten Europas unter der Anleitung des Westens gemacht? Diese Anleitung des Westens tritt so handgreiflich nicht nur dadurch hervor, daß Lenin und Trotzki die Geistesschüler des Westens sind, sondern auch dadurch, daß Lenin im plombierten Wagen durch den Dr. Helphand, der ihn begleitete, nach Rußland hineinspediert worden ist, so daß dasjenige, was Bolschewismus genannt wird, als eine Importware besorgt wurde durch die deutsche Regierung und die deutsche Heeresleitung. Was wird da versucht in der osteuropäischen Kultur? Da wird versucht, alles, was Menschliches ist, was als Menschliches sich in der menschlichen Leiblichkeit verkörpert, auszuschalten, und Luzifer mit Ahriman in ihrer Reinkultur zusammenzuspannen. Würde dies heute verwirklicht im Osten, so würde eine Schöpfung aus der Kompanie-Arbeit von Luzifer und Ahriman auftreten, mit Ausschluß alles dessen, was dem individuellen Menschen frommt; und dieser würde in diese luziferisch-ahrimanische Kultur hineingespannt wie das Glied einer Maschine in den ganzen Gang dieser Maschine, nur daß das Glied einer Maschine leblos ist und sich daher einspannen läßt, während die menschliche Natur innerlich lebendig, durchseelt, durchgeistigt ist und in eine bloß luziferischahrimanische Organisation nicht hineinpaßt, sondern dabei zugrunde gehen muß.
[ 9 ] Und welches Experiment wird gegenwärtig drüben im Osten Europas unter der Anleitung des Westens gemacht? Diese Anleitung des Westens tritt so handgreiflich nicht nur dadurch hervor, daß Lenin und Trotzki die Geistesschüler des Westens sind, sondern auch dadurch, daß Lenin im plombierten Wagen durch den Dr. Helphand, der ihn begleitete, nach Rußland hineinspediert worden ist, so daß dasjenige, was Bolschewismus genannt wird, als eine Importware besorgt wurde durch die deutsche Regierung und die deutsche Heeresleitung. Was wird da versucht in der osteuropäischen Kultur? Da wird versucht, alles, was Menschliches ist, was als Menschliches sich in der menschlichen Leiblichkeit verkörpert, auszuschalten, und Luzifer mit Ahriman in ihrer Reinkultur zusammenzuspannen. Würde dies heute verwirklicht im Osten, so würde eine Schöpfung aus der Kompanie-Arbeit von Luzifer und Ahriman auftreten, mit Ausschluß alles dessen, was dem individuellen Menschen frommt; und dieser würde in diese luziferisch-ahrimanische Kultur hineingespannt wie das Glied einer Maschine in den ganzen Gang dieser Maschine, nur daß das Glied einer Maschine leblos ist und sich daher einspannen läßt, während die menschliche Natur innerlich lebendig, durchseelt, durchgeistigt ist und in eine bloß luziferischahrimanische Organisation nicht hineinpaßt, sondern dabei zugrunde gehen muß.
[ 10 ] Nur aus demjenigen heraus, was Geisteswissenschaft begreifen kann, kann auch begriffen werden, was heute in dieser geistig nebulosesten materialistischen Welt eigentlich geschieht. Nur aus dieser geisteswissenschaftlichen Anschauung und aus dem in ihr lebenden Ernst kann aber auch begriffen werden, was es heißt, daß man in den letzten dreißig bis vierzig Jahren nicht sich zurückwenden wollte innerhalb des deutschen Wesens zu der deutschen Geistigkeit, auf die hier in meinem Aufsatze hingedeutet ist, sondern daß man endlich in dieser deutschen Kulturwelt soweit gekommen ist, daß diejenigen maßgebend geworden sind, die als das Richtige befunden haben, die Inauguratoren Luzifers und Ahrimans im plombierten Wagen nach Rußland befördern zu lassen; und zwar durch einen Menschen, der in ihrem Dienste stand und der dadurch von einem armen Schlucker, der er war, durch all die Dienste, die er geleistet hat, um in solcher Weise zwischen dem Osten und Westen zu vermitteln, ein Mensch geworden ist, der sich in dieser Zeit eine Villa in Konstantinopel, eine andere in der Schweiz, eine dritte in Kopenhagen gebaut hat. Es geht heute nicht, mit dem Blick nur so herumzuschweifen, um beruhigt schlafen zu können gegenüber dem, was in den Tiefen dieses heutigen Zeitwesens eigentlich geschieht. Es sollte heute empfunden werden, wie notwendig es ist zu sagen: Wir haben verleugnet und mit Füßen getreten, was in der Zeit Schillers und Goethes geschaffen worden ist an deutschem Geistesleben. Und wir haben die Aufgabe, dort zu beginnen und weiter aufzubauen. Wir können keine besseren Neujahrsgedanken in unsere Seelen hereinergießen, als den Vorsatz, an das wieder anzuknüpfen.
[ 10 ] Nur aus demjenigen heraus, was Geisteswissenschaft begreifen kann, kann auch begriffen werden, was heute in dieser geistig nebulosesten materialistischen Welt eigentlich geschieht. Nur aus dieser geisteswissenschaftlichen Anschauung und aus dem in ihr lebenden Ernst kann aber auch begriffen werden, was es heißt, daß man in den letzten dreißig bis vierzig Jahren nicht sich zurückwenden wollte innerhalb des deutschen Wesens zu der deutschen Geistigkeit, auf die hier in meinem Aufsatze hingedeutet ist, sondern daß man endlich in dieser deutschen Kulturwelt soweit gekommen ist, daß diejenigen maßgebend geworden sind, die als das Richtige befunden haben, die Inauguratoren Luzifers und Ahrimans im plombierten Wagen nach Rußland befördern zu lassen; und zwar durch einen Menschen, der in ihrem Dienste stand und der dadurch von einem armen Schlucker, der er war, durch all die Dienste, die er geleistet hat, um in solcher Weise zwischen dem Osten und Westen zu vermitteln, ein Mensch geworden ist, der sich in dieser Zeit eine Villa in Konstantinopel, eine andere in der Schweiz, eine dritte in Kopenhagen gebaut hat. Es geht heute nicht, mit dem Blick nur so herumzuschweifen, um beruhigt schlafen zu können gegenüber dem, was in den Tiefen dieses heutigen Zeitwesens eigentlich geschieht. Es sollte heute empfunden werden, wie notwendig es ist zu sagen: Wir haben verleugnet und mit Füßen getreten, was in der Zeit Schillers und Goethes geschaffen worden ist an deutschem Geistesleben. Und wir haben die Aufgabe, dort zu beginnen und weiter aufzubauen. Wir können keine besseren Neujahrsgedanken in unsere Seelen hereinergießen, als den Vorsatz, an das wieder anzuknüpfen.
[ 11 ] An derjenigen Stätte — und ich habe es auch hier schon erzählt vor Jahren —, wo jetzt unser Freund Dr. Kolisko meine Aufsätze gesammelt hat, da lebte in den siebziger und sechziger Jahren ein Mensch, der hieß Heinrich Deinhardt, der war ein Wiener Pädagoge. Er hatte in sich den Geist, von dem Standpunkt der Schillerschen Ästhetischen Briefe aus in seinem in den Materialismus hineinsegelnden Zeitalter in die Pädagogik einzugreifen. Er hat schöne Erklärungsbriefe geschrieben über Schillers Ästhetische Briefe, die dazumal gedruckt worden sind, darüber, wie der Mensch erzogen werden solle, sich von der zwingenden logischen Notwendigkeit und der Nortdurft, die nur in den Trieben lebt, zu befreien. Der war einer der Warner, die gesagt haben: Auf den Erziehungswegen muß verhindert werden, was sonst kommen muß. Er hat nicht schon mit geisteswissenschaftlichen Begriffen reden können, aber er hat dazumal darauf hingewiesen mit seinen Worten, wie die luziferisch-ahrimanische Kultur kommen müsse, wenn man nicht in dieser Gleichgewichtslage die Erziehungswissenschaft gestalte, die Erziehungskunst gestalte. Dieser Mann, Heinrich Deinhardt, hatte dazumal in Wien den Unfall, auf der Straße umgestoßen zu werden und sich das Bein zu brechen, eine Sache, die mit einer leichten Operation hätte geheilt werden können; aber dieser Mann war nach der Aussage seiner Ärzte so schlecht ernährt, daß der Heilungsprozeß sich nicht vollziehen konnte. Und so starb an dem kleinen Unfall dieser eine Mann, der in das Getriebe der Zeit schon ganz tief hineingeschaut hat. Ja, so behandelte man in Mitteleuropa diejenigen, die aus der Spiritualität heraus etwas wollten. Dieses Beispiel, es könnte vervielfältigt werden.
[ 11 ] An derjenigen Stätte — und ich habe es auch hier schon erzählt vor Jahren —, wo jetzt unser Freund Dr. Kolisko meine Aufsätze gesammelt hat, da lebte in den siebziger und sechziger Jahren ein Mensch, der hieß Heinrich Deinhardt, der war ein Wiener Pädagoge. Er hatte in sich den Geist, von dem Standpunkt der Schillerschen Ästhetischen Briefe aus in seinem in den Materialismus hineinsegelnden Zeitalter in die Pädagogik einzugreifen. Er hat schöne Erklärungsbriefe geschrieben über Schillers Ästhetische Briefe, die dazumal gedruckt worden sind, darüber, wie der Mensch erzogen werden solle, sich von der zwingenden logischen Notwendigkeit und der Nortdurft, die nur in den Trieben lebt, zu befreien. Der war einer der Warner, die gesagt haben: Auf den Erziehungswegen muß verhindert werden, was sonst kommen muß. Er hat nicht schon mit geisteswissenschaftlichen Begriffen reden können, aber er hat dazumal darauf hingewiesen mit seinen Worten, wie die luziferisch-ahrimanische Kultur kommen müsse, wenn man nicht in dieser Gleichgewichtslage die Erziehungswissenschaft gestalte, die Erziehungskunst gestalte. Dieser Mann, Heinrich Deinhardt, hatte dazumal in Wien den Unfall, auf der Straße umgestoßen zu werden und sich das Bein zu brechen, eine Sache, die mit einer leichten Operation hätte geheilt werden können; aber dieser Mann war nach der Aussage seiner Ärzte so schlecht ernährt, daß der Heilungsprozeß sich nicht vollziehen konnte. Und so starb an dem kleinen Unfall dieser eine Mann, der in das Getriebe der Zeit schon ganz tief hineingeschaut hat. Ja, so behandelte man in Mitteleuropa diejenigen, die aus der Spiritualität heraus etwas wollten. Dieses Beispiel, es könnte vervielfältigt werden.
[ 12 ] Nun, diejenigen werden wahrscheinlich nicht Hungers sterben, die so schreiben, wie der Ihnen gestern genannte Jesuitenpater Zimmermann: «Auch wird gerühmt z.B. in dem Wochenblatt ‹Dreigliederung des sozialen Organismus›, Nr. 6, daß der «neue Impuls» (ein Lieblingswort der Anthroposophen und der ‹Dreigliederungsleute›) sich auf der ‹Fülle der Steinerschen Geist-Erkenntnis› aufbaue. Der Leiter der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik zu Stuttgart hat für die Kinder der Angestellten und Arbeiter des Unternehmens ‹die freie Waldorfschule› begründet, ‹impulsiert von all dem, was ihm ertlossen ist aus den Gedanken der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft Dr. Steiners›. Dort soll ‹Anthroposophie künstlerische Erziehungsmethode sein.› » Diejenigen, die spotten und in den Staub treten möchten, was aus dem Geist der Zeit heraus gewollt wird, die werden auch in unserer heutigen harten Zeit nicht Hungers sterben. Aber es wird gar sehr notwendig sein, daß wir uns solche Neujahrsimpulse in die Seele hineinschreiben, die bewirken, daß wir nicht schläfrig und unachtsam an dem vorübergehen, was wirklich geschieht: daß wir vor allen Dingen stark aufnehmen das stark Gemeinte der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft. Oh, ich sehe gar manchen gerade in unseren Reihen, der am liebsten gerade diejenigen Dinge verschlafen möchte, die aus dem vollen Mitleid heraus sich offenbaren, aus dem Mitleid mit demjenigen in unserer Zeit, was, wenn es sich selbst überlassen bleibt, dem Untergange zuführen muß! Es gibt Schwachmütige, die sich einschreiben lassen in diese Anthroposophische Gesellschaft und die da sagen: Ja, Geisteswissenschaft, das mag ich; aber von der sozialen Tätigkeit will ich nichts wissen, die gehört da nicht herein. Die könnten sich ein Beispiel nehmen an den Gegnern. Der Jesuitenpater Zimmermann, der verfolgt alles, was bei uns geschieht! Er endet seinen Artikel damit, daß er sagt: «Das Wochenblatt «Dreigliederung des sozialen Organismus meint freilich (Nr. 8), daß hier ein «Attentat der Kirche gegen die geschichtliche Aufgabe der Selbstbestimmung des Individuums vorliege.» Und auch in anderen Artikeln hat der Jesuitenpater Zimmermann gezeigt, wie er sich um alles kümmert, was bei uns vorgeht.
[ 12 ] Nun, diejenigen werden wahrscheinlich nicht Hungers sterben, die so schreiben, wie der Ihnen gestern genannte Jesuitenpater Zimmermann: «Auch wird gerühmt z.B. in dem Wochenblatt ‹Dreigliederung des sozialen Organismus›, Nr. 6, daß der «neue Impuls» (ein Lieblingswort der Anthroposophen und der ‹Dreigliederungsleute›) sich auf der ‹Fülle der Steinerschen Geist-Erkenntnis› aufbaue. Der Leiter der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik zu Stuttgart hat für die Kinder der Angestellten und Arbeiter des Unternehmens ‹die freie Waldorfschule› begründet, ‹impulsiert von all dem, was ihm ertlossen ist aus den Gedanken der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft Dr. Steiners›. Dort soll ‹Anthroposophie künstlerische Erziehungsmethode sein.› » Diejenigen, die spotten und in den Staub treten möchten, was aus dem Geist der Zeit heraus gewollt wird, die werden auch in unserer heutigen harten Zeit nicht Hungers sterben. Aber es wird gar sehr notwendig sein, daß wir uns solche Neujahrsimpulse in die Seele hineinschreiben, die bewirken, daß wir nicht schläfrig und unachtsam an dem vorübergehen, was wirklich geschieht: daß wir vor allen Dingen stark aufnehmen das stark Gemeinte der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft. Oh, ich sehe gar manchen gerade in unseren Reihen, der am liebsten gerade diejenigen Dinge verschlafen möchte, die aus dem vollen Mitleid heraus sich offenbaren, aus dem Mitleid mit demjenigen in unserer Zeit, was, wenn es sich selbst überlassen bleibt, dem Untergange zuführen muß! Es gibt Schwachmütige, die sich einschreiben lassen in diese Anthroposophische Gesellschaft und die da sagen: Ja, Geisteswissenschaft, das mag ich; aber von der sozialen Tätigkeit will ich nichts wissen, die gehört da nicht herein. Die könnten sich ein Beispiel nehmen an den Gegnern. Der Jesuitenpater Zimmermann, der verfolgt alles, was bei uns geschieht! Er endet seinen Artikel damit, daß er sagt: «Das Wochenblatt «Dreigliederung des sozialen Organismus meint freilich (Nr. 8), daß hier ein «Attentat der Kirche gegen die geschichtliche Aufgabe der Selbstbestimmung des Individuums vorliege.» Und auch in anderen Artikeln hat der Jesuitenpater Zimmermann gezeigt, wie er sich um alles kümmert, was bei uns vorgeht.
[ 13 ] So möchte man wünschen, daß auch diejenigen, die in unseren Reihen stehen, sich in gutem Sinne um die Dinge kümmern. Sehen Sie, ich möchte sagen, der Aufpasser, die da sehen, wie sie nur irgendeine Schwäche auf dem Gebiet der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft und dessen, was aus ihr hervorgeht, entdecken können, dieser Aufpasser sind gar nicht wenige; aber ich glaube, Sie wissen, daß ich nicht so albern bin, um auf so etwas, wie ich es jetzt anführen werde, aus einer gewissen Eitelkeit hinzuweisen, und daher kann ich auch diesen Hinweis auch wagen. Man möchte natürlich sehr leicht auf gegnerischer Seite, daß man da und dort einen Angriffspunkt finden könnte. Da ist es doch gut, wenn in dem Aufsatz, den Dr. Rittelmeyer geschrieben hat über «Steiner, Krieg und Revolution», zu lesen ist: «Ich habe auch gerade in diesen Tagen mit einem jungen schwedischen volkswirtschaftlichen Gelehrten gesprochen aus der Schule des strengen Nationalökonomen Cassel, der mir sagte, er habe das Buch Steiners durchgelesen von Seite zu Seite mit der Erwartung, er werde ihn als Dilettanten entlarven können; es sei ihm aber nicht gelungen, ihm einen Fehler nachzuweisen.» Ja, es sollten solche Dinge besser berücksichtigt werden in unseren Kreisen, es sollte gebaut werden auf der Grundlage der Erkenntnis, daß hier etwas gewollt wird, was nichts zu tun hat mit dem landläufigen Gewäsche von Theosophie, das da und dort herrscht, sondern das auf ebenso strenge Einsicht in die Dinge baut, wie nur irgendeine Wissenschaft, die sich je einmal geltend gemacht hat. Würde so etwas gründlich gefühlt werden, so würde man auch wissen, warum das erfolgt ist, was jetzt der Pater Zimmermann als einen Abfall bezeichnet. Sie wissen, daß es das nicht war, sondern daß wir herausgeworfen worden sind, weil es nicht gelungen ist, in diese Gesellschaft des mystischen Wischi-waschi-Herumredens wirklichen Ernst hineinzutragen; weil man wirklichen Ernst dort nicht wollte, weil man dort fortschwätzen wollte in derselben Art, wie man geschwätzt hat durch Jahre hindurch höchstens in Anknüpfung an irgend etwas, worüber man ohne Erkenntnis der geistigen Welt alles mögliche sagen kann. Das, was unserer Zeit so nötig ist, das ist voller Ernst auf dem Gebiete des Geisteslebens. Von diesem vollen Ernst wollte ich Ihnen heute, da ja mein diesmaliges Hiersein in diesen Tagen zu Ende geht, am Neujahrstage nochmals sprechen, und ich hätte recht sehr den Wunsch, daß in unsere Reihen einziehe der Neujahrswunsch, den sich jeder einzelne nur selber von sich gestalten könnte: daß durch die Seelen und die Herzen unserer Freunde etwas geöffnet würde der Blick für das, was nottut, geöffnet würde für das, was aus dem Geiste heraus einzig und allein der Menschheit helfen kann. Wir können heute nicht aus demjenigen, was außen an Einrichtungen erhalten ist, etwas Heilsames bilden, wir müssen ein Neues einprägen dieser Menschheitsentwickelung. Das muß erkannt werden. Und das zu fühlen, daß es erkannt werden müsse, das ist wohl der würdigste Neujahrsgedanke, der in Ihren Herzen entstehen kann heute, im Beginne des Jahres 1920, das manche wichtige Entscheidung bringen wird, wenn sich Menschen finden, die das für die Menschheit Notwendige, so wie es heute angedeutet wurde, erkennen. Erkannt muß werden, daß das Jahr 1920 Not und Elend bringen wird, wenn solche Menschen sich nicht finden, und einzig und allein diejenigen den Ton angeben, die im Alten so weiterwirken möchten.
[ 13 ] So möchte man wünschen, daß auch diejenigen, die in unseren Reihen stehen, sich in gutem Sinne um die Dinge kümmern. Sehen Sie, ich möchte sagen, der Aufpasser, die da sehen, wie sie nur irgendeine Schwäche auf dem Gebiet der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft und dessen, was aus ihr hervorgeht, entdecken können, dieser Aufpasser sind gar nicht wenige; aber ich glaube, Sie wissen, daß ich nicht so albern bin, um auf so etwas, wie ich es jetzt anführen werde, aus einer gewissen Eitelkeit hinzuweisen, und daher kann ich auch diesen Hinweis auch wagen. Man möchte natürlich sehr leicht auf gegnerischer Seite, daß man da und dort einen Angriffspunkt finden könnte. Da ist es doch gut, wenn in dem Aufsatz, den Dr. Rittelmeyer geschrieben hat über «Steiner, Krieg und Revolution», zu lesen ist: «Ich habe auch gerade in diesen Tagen mit einem jungen schwedischen volkswirtschaftlichen Gelehrten gesprochen aus der Schule des strengen Nationalökonomen Cassel, der mir sagte, er habe das Buch Steiners durchgelesen von Seite zu Seite mit der Erwartung, er werde ihn als Dilettanten entlarven können; es sei ihm aber nicht gelungen, ihm einen Fehler nachzuweisen.» Ja, es sollten solche Dinge besser berücksichtigt werden in unseren Kreisen, es sollte gebaut werden auf der Grundlage der Erkenntnis, daß hier etwas gewollt wird, was nichts zu tun hat mit dem landläufigen Gewäsche von Theosophie, das da und dort herrscht, sondern das auf ebenso strenge Einsicht in die Dinge baut, wie nur irgendeine Wissenschaft, die sich je einmal geltend gemacht hat. Würde so etwas gründlich gefühlt werden, so würde man auch wissen, warum das erfolgt ist, was jetzt der Pater Zimmermann als einen Abfall bezeichnet. Sie wissen, daß es das nicht war, sondern daß wir herausgeworfen worden sind, weil es nicht gelungen ist, in diese Gesellschaft des mystischen Wischi-waschi-Herumredens wirklichen Ernst hineinzutragen; weil man wirklichen Ernst dort nicht wollte, weil man dort fortschwätzen wollte in derselben Art, wie man geschwätzt hat durch Jahre hindurch höchstens in Anknüpfung an irgend etwas, worüber man ohne Erkenntnis der geistigen Welt alles mögliche sagen kann. Das, was unserer Zeit so nötig ist, das ist voller Ernst auf dem Gebiete des Geisteslebens. Von diesem vollen Ernst wollte ich Ihnen heute, da ja mein diesmaliges Hiersein in diesen Tagen zu Ende geht, am Neujahrstage nochmals sprechen, und ich hätte recht sehr den Wunsch, daß in unsere Reihen einziehe der Neujahrswunsch, den sich jeder einzelne nur selber von sich gestalten könnte: daß durch die Seelen und die Herzen unserer Freunde etwas geöffnet würde der Blick für das, was nottut, geöffnet würde für das, was aus dem Geiste heraus einzig und allein der Menschheit helfen kann. Wir können heute nicht aus demjenigen, was außen an Einrichtungen erhalten ist, etwas Heilsames bilden, wir müssen ein Neues einprägen dieser Menschheitsentwickelung. Das muß erkannt werden. Und das zu fühlen, daß es erkannt werden müsse, das ist wohl der würdigste Neujahrsgedanke, der in Ihren Herzen entstehen kann heute, im Beginne des Jahres 1920, das manche wichtige Entscheidung bringen wird, wenn sich Menschen finden, die das für die Menschheit Notwendige, so wie es heute angedeutet wurde, erkennen. Erkannt muß werden, daß das Jahr 1920 Not und Elend bringen wird, wenn solche Menschen sich nicht finden, und einzig und allein diejenigen den Ton angeben, die im Alten so weiterwirken möchten.
