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Geistige und soziale Wandlungen
in der Menschheitsentwickelung
GA 196

13 Februar 1920, Dornach

Dreizehnter Vortrag

[ 1 ] Schon öfters habe ich darauf aufmerksam gemacht, wie eine in der Menschheit früher vorhandene Urweisheit gerade dadurch zu charakterisieren ist, daß die Menschen sich bewußt waren durch diese Urweisheit, Bürger des Weltenalls, nicht bloß der Erde zu sein. Werfen Sie einmal einen seelischen Blick über dasjenige, was heute im Bewußtsein der denkenden Menschheit vorhanden ist und was vorhanden ist im Bewußtsein derjenigen, die aus gewissen wissenschaftlichen Untergründen heraus über die Stellung des Menschen zur Welt nachdenken. Es ist beides eigentlich gleich. Denn gerade so, wie die Menschen in irdischen Urzeiten in ihrer breiten Masse dasjenige gedacht und empfunden haben, was in den Mysterien gelehrt worden ist, in den Mysterien, die die Mittelpunkte der umliegenden Kultur und Zivilisation waren, so nehmen heute die Menschen in weiten Kreisen das auf, was in den profanen Mysterien der Gegenwart, auf den Universitäten, auf den Hochschulen gelehrt und geforscht wird. Wie die Mysterien sich in Urzeiten verhielten zu dem, was die breiten Kreise der Bevölkerung glaubten, so verhalten sich zum heutigen großen Publikum die Hochschulen. Was die alten Lehrer in den Mysterien gedacht haben über das Verhältnis des Menschen zur Sonne, über das Verhältnis des Menschen zum Tierkreis, das glaubte selbstverständlich die große Masse. Was heute die Professoren der Universitäten, der Hochschulen über das Verhältnis des Menschen zur Sonne, über das Verhältnis des Menschen zum Monde sagen und auch nicht sagen, das glaubt die große Masse der Menschen. Daß die gesamte Weisheit über den Menschen dadurch erschöpft ist, daß man hinweist darauf, daß der Mensch sich physisch allmählich entwickelt habe aus den tierischen Vorfahren heraus, so etwas ist eine einseitige, eine sehr, sehr einseitige Wahrheit; sie erschöpft nicht die wirklichen Tatbestände. Aber die Menschen der neueren Zeit verhalten sich zu ihren Eingeweihten, zu den Universitätsprofessoren, wie sich die alten Menschen zu ihren Eingeweihten in den Mysterien verhalten haben. Psychologisch ist eigentlich in diesen beiden Verhältnissen kein besonderer Unterschied. Nur daß die Menschen der Vorzeit gewußt haben: Alles dasjenige, was im Menschen ist, das hängt nicht nur zusammen mit dem, was auf der Erde sich entwickelt, sondern das hängt zusammen mit dem, was das Auge erschaut bis in den Sternenraum hinein. Dasjenige, was im Menschen, auch physisch, vorgeht, sind Vorgänge, die zusammenhängen mit dem Geschehen der Sonne, mit dem Geschehen der andern, zum Sonnensystem gehörigen Planeten.

[ 2 ] Wenn Sie meine «Geheimwissenschaft im Umriß» lesen, so werden Sie sehen, daß durch jene anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, der diese «Geheimwissenschaft» dienen will, dieses Bewußtsein der Menschen wiederhergestellt werden soll, daß der Mensch nicht nur Beziehung habe zur Erde, sondern Beziehung habe zu außerirdischen Welten. Es wird da hingewiesen darauf, daß unsere Erde selber nur eine zeitliche Verkörperung ist desjenigen, was von ihrem Wesen vorher da war als Mond, als Sonne, als Saturn, und es wird darauf hingewiesen, dafß der Mensch sich weiterentwickelt und daß diese weiteren Entwickelungsformen des Menschenwesens zusammenhängen werden mit zukünftigen Entwickelungsformen des Erdenplaneten, mit Jupiter, Venus, Vulkan. Da wird also dasjenige, was zum Menschen gehört, herausgehoben aus dem bloß Irdischen. Der Blick des Menschen wird wiederum hingelenkt von der Erde zum Kosmos. Das ist eine derjenigen Tatsachen, die der Menschheit, wenn sie nicht verkommen soll auf der Erde, wiederum bewußt werden müssen: daß der Mensch gehört zum Kosmos, daß der Mensch zusammenhängt seinem inneren Wesen nach mit außerirdischen Sphären.

[ 3 ] Warum muß das gewußt werden? Gewußt muß es werden, weil Selbsterkenntnis notwendig ist; nicht jene Selbsterkenntnis, die im Bebrüten des eigenen lieben Ich besteht, sondern die Erkenntnis des Menschen als eines universellen Wesens. Diese Selbsterkenntnis muß sich ausbreiten, sie muß allgemein und immer allgemeiner werden. Denn ohne daß der Mensch sich selbst erfaßt, wird für ihn kein Halt sein, vor allen Dingen kein seelischer Halt in der Zukunft der Menschheitsentwickelung. Aber es kann sich nicht darum handeln, bloß das untergeordnete chaotische Menschenwesen ein wenig zu bebrüten, sondern es muß sich darum handeln, dieses innere Menschenwesen konkret in seiner Gliederung zu überschauen, wie man die äußere Natur nicht bloß dadurch charakterisiert, daß man sagt: Natur, Natur, Natur! —, sondern dadurch, daß man darauf hinweist: Da sind Pflanzen, da sind Tiere —, und wiederum in den einzelnen Pflanzen die einzelnen Gattungen und Sorten unterscheidet. So muß man innerhalb des Seelenwesens des Menschen unterscheiden vor allen Dingen die einzelnen Metamorphosen dieses Seelenlebens. Nun wollen wir einmal diese einzelnen Metamorphosen des Seelenlebens, ich möchte sagen, die eine Seite davon charakterisieren. Da haben wir zunächst diejenige Metamorphose unseres Seelenlebens, welche am allermeisten zusammenhängt mit unserer Leiblichkeit, welche am meisten abhängig ist von unserer Leiblichkeit. Es ist jene Seelenfähigkeit, die wir bezeichnen mit dem Ausdrucke Gedächtnis oder Erinnerungsfähigkeit. Durch das Gedächtnis sind wir in der Lage, zu erneuern die Erlebnisse unseres individuellen Einzellebens. Durch das Gedächtnis sind wir imstande, einen Faden zu ziehen von einem bestimmten Momente, der zwei, drei, vier Jahre oder auch länger nach der Geburt liegt, bis zu den Erscheinungen des jeweiligen gegenwärtigen Augenblicks, und der Mensch würde innerlich krank sein, wenn ihm dieser Faden zerrisse. Das habe ich ja schon öfters ausgeführt. Wenn wir zurückschauen müßten auf einen Teil unseres Lebenslaufes so, daß uns die Erinnerung an gewisse Vorgänge verlorengehen würde, so würde der Zusammenhang unserer Erlebnisse nicht da sein. Und das würde bedeuten, daß wir in unserem Selbstempfinden erkrankt wären. Aber auf der andern Seite wird der Mensch wissen können wenigstens, wie stark das Gedächtnis zusammenhängt mit seiner Leibeskonstitution. Man braucht sich nur an die Tatsache zu erinnern, die ich auch öfters erwähnt habe und die eigentlich ganz weithin bekannt ist, daß, wenn wir an Schlaflosigkeit leiden oder wenn wir durch äußere Ereignisse verhindert sind, ordentlich zu schlafen, unser Gedächtnis darunter leidet. Das schon und vieles andere, was in Krankheitsfällen eintreten kann, beweist, wie das Gedächtnis von der Leibeskonstitution abhängig ist.

[ 4 ] Weniger abhängig von dieser Leibeskonstitution, also mehr selbständig gegenüber der Leibeskonstitution ist dann dasjenige, was wir unsere Intelligenz nennen. Aber immer noch sehr stark abhängig von der Leibeskonstitution ist diese Intelligenz. Das Gedächtnis bezieht sich ja im Grunde nur auf das Individuelle. Die Intelligenz haben wir mit andern Menschen, wenigstens im hohen Grade, gemeinsam. Gewiß ist der eine intelligenter, der andere weniger intelligent; nach seiner eigenen Ansicht ist gewöhnlich ein jeder der Intelligenteste; aber im allgemeinen kann man doch sagen: Es liegt eben die Tatsache vor, daß der eine mehr, der andere weniger intelligent ist. Aber es breitet sich aus eine gewisse Uniformität über die menschliche Intelligenz. Während jeder seinen eigenen Erinnerungsinhalt hat, in den ihm kein anderer hineinschauen kann, während also dieser Erinnerungsinhalt sehr individuell ist, ist der Intelligenzinhalt etwas mehr der Menschheit Gemeinsames. Er ist eben schon weniger an die Leibeskonstitution des Menschen gebunden. Die Leibeskonstitution des Menschen verhält sich eigentlich nur wie ein Spiegel zu dem, was als Intelligenzvorgänge sich abwickelt. Wer behauptet, daß die Vorgänge im menschlichen Nervensystem, im Gehirn, die Gedanken bewirken, der sagt in Wahrheit nichts Gescheiteres als derjenige, der bemerkt, vor einem Spiegel stehend, in dem Spiegel drinnen Fräulein Scholl, Fräulein Laval, Herrn Dr. Grosheintz und sagen würde: Der Spiegel, der hat Fräulein Scholl, Fräulein Laval, Herrn Dr. Grosheintz hervorgebracht. — Geradeso wie der Spiegel sich verhält zu den Bildern der drei Genannten und wie die drei Genannten auch außerhalb des Spiegels sind und eigentlich gar nichts anderes damit zu tun haben, als daß sie sich spiegeln lassen durch den Spiegel, so hat die Intelligenz eben nur insofern zu tun mit dem Gehirn, als sie für unser Bewußtsein durch das Gehirn gespiegelt wird; aber die Vorgänge des intelligenten Wesens selbst sind außerhalb des Gehirns. Wir würden nichts wissen von den Vorgängen der Sinne, wenn wir kein Gehirn hätten. Es würden die Vorgänge der Intelligenz sich nicht in unserem Gehirn abspiegeln. Aber diese intelligenten Vorgänge selber sind ein Wesenhaftes außerhalb des Gehirns, das nur gespiegelt wird durch das Gehirn.

[ 5 ] Und dann kommen wir zur dritten Fähigkeit des Menschen, die wenigstens zum großen Teil am allerunabhängigsten ist von unserer Leibeskonstitution. Von dieser glauben es aber die Menschen am allerwenigsten, denn sie halten sie am allerabhängigsten von unserer Leibeskonstitution. Das ist die Sinnestätigkeit. Nehmen wir das Auge. Das Auge selbst als solches hat nichts zu tun mit den Vorgängen, die die Sehvorgänge sind. Viel weniger sind die Sehvorgänge an das Werkzeug des Auges gebunden als die intelligenten Vorgänge an das Werkzeug des Gehirns. Das, was das Auge zu tun hat mit dem Sehen, das ist nämlich etwas ganz anderes. Die Vorgänge, die in unserem Bewußtsein auftreten als Inhalt beim Sehen, diese Vorgänge haben mit dem Auge nichts zu tun. Was im Auge vorgeht, das bewirkt lediglich, daß wir mit unserem Bewußtsein, mit unserem Ich bei den Sehvorgängen dabei sind. Bitte, beachten Sie wohl diesen fundamentalen, aber nicht leicht zu fassenden Unterschied.

[ 6 ] Nehmen Sie zum Beispiel einen Menschen, der beide Augen durch irgendeine Krankheit verloren hat. Dadurch hat er nicht eingebüßt den Sehvorgang als solchen, sondern er hat eingebüßt die Wahrnehmung desjenigen, was der Sehvorgang ist, durch sein Ich. Sein Ich weiß nichts davon. Das Ich weiß nichts von dem, was der Sehvorgang ist. Es ist einfach das Ich ausgeschaltet vom Sehvorgang. Was da geschieht, kann man etwa mit dem Folgenden vergleichen.

[ 7 ] Nehmen Sie an, Sie haben drei Telegrafenstationen, A, B, C; auf jeder Telegrafenstation haben Sie einen Telegrafisten aufgestellt. Wenn nun der Mann in A nach € telegrafiert, so kann der in € ablesen, was da von A nach C hin telegrafiert wird. Es ist gar keine Rede, daß der Morseapparat in A den Inhalt des Telegramms hervorbringt. Er ist nur der Vermittler. Ebensogut kann der Morsetelegraf in C nicht lesen, aber er vermittelt. Wenn aber eingeschaltet ist in die Bahn A-C der Apparat B, dann kann der Mann, der B bedient, sich dazusetzen und kann mithören oder mitlesen; er braucht ja nur den Streifen laufen zu lassen, so kann er mitlesen. Es ist B dann eingeschaltet in den Gang des Stromes, der den Telegrafeninhalt vermittelt. Aber der Inhalt, der da von A nach C geht, der hat gar nichts zu tun mit den Vorgängen, die sich im Morsetelegrafen bei B abspielen. Sie werden nur wiederum dadurch, daß der Apparat eingeschaltet ist, wahrgenommen.

[ 8 ] Natürlich, wenn der Apparat nicht eingeschaltet ist, kann man die Vorgänge nicht wahrnehmen. So ist es mit dem menschlichen Auge. Dasjenige, was Vorgänge im Auge sind, das hat an innerer Wahrheit gar nichts mit dem Sehen zu tun. Das Auge ist nur eingeschaltet in die Vorgänge. Und weil das Auge eingeschaltet ist in die Vorgänge, so kann das Ich zusehen bei den Vorgängen des Sehens. Aber das Auge ist gar nicht dasjenige, was eigentlich den Inhalt der Sehvorgänge vermittelt oder bewirkt oder irgendwie etwas macht damit. Es ist nur der Auffangapparat für das Ich. Man könnte paradox sagen, wenn man sich nicht der Gefahr aussetzte, daß die heute mit einem etwas dicken Gehirn versehene Menschheit einen paradox fände: Unser Sinnesorgan des Auges hat mit dem Sehen gar nichts zu tun, aber alles damit zu tun, daß unser Ich von dem Sehen etwas weiß. — Sinnesorgane, wie wir sie heute haben, also die höheren Sinnesorgane, sind nicht zum Sehen da, sondern sie sind dazu da, daß das Ich vom Sehen wissen kann. Ich möchte sogar diesen Satz auf die Tafel schreiben: Höhere Sinnesorgane sind nicht dazu da, die Sinnesvorgänge zu vermitteln, sondern dazu, daß ein Ich von den Sinnesvorgängen weiß.

[ 9 ] Da haben wir die drei sogenannten oberen Seelentätigkeiten: Gedächtnis, Intelligenz, Sinneswahrnehmung-Sinnestätigkeit. Das Ich ist in sie eingeschaltet, ist am stärksten mit seinem Leiblichen eingeschaltet in das Gedächtnis, schwächer schon bei der Intelligenz, am allerschwächsten bei der Sinnestätigkeit.

[ 10 ] Was ich Ihnen jetzt geschildert habe, kommt von folgendem. Das Gedächtnis, das war nicht immer so im Menschen, wie es heute ist. Das hat sich entwickelt. Und was zugrunde gelegen hat der Entwickelung des Gedächtnisses, das war eine hauptsächliche Tätigkeit des Menschen während der letzten, unserer Erde vorangehenden Erdenverkörperung, der alten Mondenzeit. Damals war das Gedächtnis eine Art unbewußter, traumhafter Imagination. "Traumhafte Imagination war das Gedächtnis. Dadurch, daß unsere Leibesorganisation auf der Erde so geworden ist, wie sie eben geworden ist, ist die lebendige traumhafte Imagination, von der das Seelenwesen des Menschen während der alten Mondenzeit ganz erfüllt war, geworden zu dem, was jetzt unser Gedächtnis ist.

[ 11 ] Unsere Intelligenz war während der alten Sonnenzeit, als wir noch gar keine solche Leiblichkeit hatten wie jetzt, als wir noch jene Wesen waren, die ich in meiner «Geheimwissenschaft» beschrieben habe, schlafende Inspiration. Diese schlafende Inspiration hat sich dann weiter entwickelt und ist jetzt unsere Intelligenz. Die Sinnestätigkeit aber war während des alten Saturns ganz dumpfe Intuition. Wiederum können Sie die genauere Beschreibung in meiner «Geheimwissenschaft» finden. Und diese dumpfe Intuition hat sich heraufentwickelt zu unserer heutigen Sinnestätigkeit.

Mond Sonnenzeit Saturn
Sinnestätigkeit Dumpfe Intuition
Intelligenz Schlafende Inspiration
Gedächtnis Traumhafte Imagination

[ 12 ] Nun könnte man fragen: Warum kommen denn die Menschen so schwer auf solche außerordentlich wichtige Wahrheiten? — und wenn sie ihnen jemand vermittelt: Warum wehren sie sich denn so dagegen? — Ja, sehen Sie, dazu gibt es in der Natur der Dinge selber Gründe. Wir haben eine dumpfe Intuition gehabt während der alten Saturnzeit. Die hat sich allmählich immer weiter und weiter entwickelt und ist zu unserer Sinnestätigkeit geworden. Aber eigentlich können wir heute nur bei einer einzigen Sinnestätigkeit nachweisen, daß sie sich verhältnismäßig am vollkommensten aus der Anlage der alten Saturn-Sinnestätigkeit heraus entwickelt hat, das ist das Gehör. Das Gehör hat am allerdeutlichsten seine Anlage gehabt in der alten Saturnsphäre. Das Sehen ist schon etwas später entstanden — Sie können über diese Dinge auch in meiner «Geheimwissenschaft» nachlesen —, zum hauptsächlichsten Teile während der Sonnenzeit. Aber daraus sehen Sie schon, daß, während die erste Anlage auf der alten Saturnzeit in Form einer dumpfen Intuition gelegt worden ist, kommen später immer neue Sinnesanlagen dazu. Auf der Sonne kamen neue Sinnesanlagen dazu, die heute noch nicht so weit sind wie die vom Saturn her, auf dem Monde kamen wiederum neue Sinnesanlagen dazu und auf der Erde selbst wiederum. Auf der Erde kam dazu der Tastsinn, eigentlich erst der unvollkommenste der Sinne. Den Tastsinn, wenn wir ihn rein erkennen würden, würden wir heute noch beschreiben als eine dumpfe Intuition in der Leiblichkeit, eine niedrige, dumpfe Intuition.

[ 13 ] Ähnlich ist es mit dem Geruchssinn. Da tritt etwas außerordentlich Eigentümliches auf. Denjenigen von Ihnen, die so etwas tun mögen, würde ich empfehlen: Nehmen Sie einmal Psychologien oder Physiologien in die Hand, aber namentlich Psychologien, Seelenwissenschaften, wie sie heute geschrieben werden; da wird überall über die Sinnestätigkeit geschrieben. Was da über die Sinnestätigkeit geschrieben wird — für den Unbefangenen paßt es bloß auf den Tastsinn. Sie erinnern sich vielleicht an dasjenige, was ich in meiner «Theosophie» über die Verwandtschaft der höheren Sinne mit dem Tastsinn gesagt habe, was auch schon Goethe bemerkt hat. Unsere gelehrten Herren wollen die Sinne beschreiben, aber sie beschreiben nur das von den Sinnen, was unmittelbar auf der Erde entstanden ist, was auf der Erde seine erste Anlage erhalten hat. Das paßt nun zum Beispiel für das Sehen so wie — hier kann man fast wörtlich sagen — «die Faust auf das Auge», wenn Sie draufschlagen. Denn, was da beschrieben wird in den Psychologien, das ist nicht das Sehen, sondern das, was da beschrieben wird, würde entstehen, wenn Sie sich mit der Faust ins Auge hauen; daher auch die nette Lehre, die da aufgetreten ist von den sogenannten spezifischen Sinnesenergien, die beim Auge nicht vom Sehen ausgeht, sondern davon, daß, wenn man einen Schlag dem Auge versetzt, man da allerlei Funken sieht. Diese gelehrten Herren beschreiben wirklich etwas, was wie die Faust aufs Auge wirkt, ganz wörtlich. Und sie wollen dadurch das Sehen verstehen.

[ 14 ] Man versteht die Sinnestätigkeit nur, wenn man sie im Zusammenhange betrachtet mit dem, was jetzt gar nicht mehr da ist: Saturnentwickelung, Sonnenentwickelung, Mondenentwickelung. Man versteht die Intelligenz des Menschen nur, wenn man sie im Zusammenhange betrachtet mit dem, was jetzt gar nicht mehr da ist: Sonnenentwickelung, Mondenentwickelung. Man versteht das Gedächtnis nur, wenn man es betrachtet im Zusammenhange mit dem, was jetzt auch nicht mehr da ist: die alte Mondenentwickelung. Und von der Erde aus versteht man bloß die Aneignung von Sinnestätigkeit, von Intelligenz, von Gedächtnis durch das Ich, denn das Ich ist während der Erdenzeit erst dem Menschen einverleibt worden. Und die Organe, die dem Menschen angebildet worden sind während der Erdenzeit, sind gar nicht dazu da, seine höheren Seelenfähigkeiten zu vermitteln, sondern zu vermitteln, daß diese höheren Seelenfähigkeiten in einem Ich sich offenbaren. Wir haben Augen für ein Ich, Ohren für ein Ich, eine Nase für ein Ich, nicht eine Nase zum Riechen, was noch am allerrichtigsten wäre, weil sie während der Erdenzeit gebildet worden ist; aber es ist auch nicht mehr ganz richtig, da es sich ändern wird während der Erdenzeit. Wir haben aber nicht Augen zum Sehen, Ohren zum Hören, wir haben Ohren, damit ein Ich von dem, was im Ohr vorgeht, etwas wissen kann, wie hier ein Morsetelegraf eingeschaltet ist, damit irgend jemand, nicht der Morsetelegraf selber, etwas wissen kann von dem, was zwischen A und C verhandelt wird. Indem heute noch gesagt wird, wir haben Augen zum Sehen, Ohren zum Hören, und indem alles eingekleidet wird in diese Art der Ausdrucksweise, reden wir etwas, was gar keine Wirklichkeit, gar keine Realität hat. Wir reden fortwährend in Illusionen, wir reden in Unwahrheiten. Wir wissen nicht, wozu wir eigentlich unsere ganze Leibesorganisation haben. Wir haben sie nicht zur Vermittlung der höheren Seelentätigkeiten, sondern wir haben sie, damit das Ich von diesen höheren Seelentätigkeiten etwas erfährt. Unser ganzer leiblicher Mensch ist ein Abbild des Ich. Und wir sind so konstituiert, wie wir konstituiert sind, weil wir ein Ich sind. In unserer äußeren Gestalt sollen wir das äußere Bild des Ich gewahr werden. Denn unseren Leib, wie wir ihn jetzt an uns tragen, haben wir erst durch die Erde bekommen. Und es ist untunlich, daß man dasjenige, was uns nicht die Erde gegeben hat, ableitet von den Geschehnissen der Erde, daß man die Ursache dazu in den Geschehnissen der Erde sucht.

[ 15 ] So wie wir nun haben hinweisen können darauf, daß für unsere Gedächtnistätigkeit die alte Mondenentwickelung das Maßsgebende ist, weil darinnen die Anlagen sich ausgebildet haben, wie wir haben hinweisen können darauf, daß für unsere Intelligenz die alte Sonnenentwickelung das Maßgebende ist, weil da die ersten Anlagen sich ausgebildet haben und so weiter bis zur Saturntätigkeit, so müssen wir auch hinweisen darauf, daß diese höheren Seelenfähigkeiten etwas zu tun haben heute mit den Wesenheiten der höheren Hierarchien, und zwar so, daß unsere Gedächtnistätigkeit etwas zu tun hat mit der Hierarchie der Angeloi, unsere Intelligenz mit den Archangeloi, unsere Sinnestätigkeit mit den Archai.

Mond Sonnenzeit Saturn
Sinnestätigkeit Dumpfe Intuition Archai
Intelligenz Schlafende Intuition Archangeloi
Gedächtnis Traumhafte Imagination Angeloi

[ 16 ] Und damit komme ich auf ein bedeutsames Kapitel geistiger Erkenntnis. Nehmen Sie an, Sie reflektieren in menschlicher Selbsterkenntnis auf das Gedächtnis, auf die Erinnerungsfähigkeit. Sie sagen: Ich wende mein inneres Organ, mein Seelenorgan, auf die Erinnerungsfähigkeit. — Aber auf das, auf was Sie da hinschauen, müssen Sie, wenn Sie mit vollem Bewußtsein hinschauen, so hinschauen, daß Sie sich sagen: In dieser ganzen Tätigkeit, in diesem Vorgang des Erinnerns webt und lebt der Angelos drinnen. — Versuchen Sie jetzt in diesem Momente einmal, sich an etwas zu erinnern, was Sie gestern erlebt haben, an irgendein Ereignis. Da haben Sie einen inneren Seelenvorgang sich abspielen lassen. In dem, was sich da abspielt, und indem ein gestriger Gedanke in Ihnen auftaucht, ein gestriges Erlebnis sich Ihnen neu offenbart in der Erinnerung, darinnen ist ein Engel tätig. Und wenn Sie intelligent nachdenken — allerdings, es muß intelligent sein, das heißt mit innerer Aktivität, nicht ein bloßes Hinbrüten, nicht das, was die meisten Menschen intelligentes Denken nennen, das ist nämlich nur das Kochen der Erinnerungen, da lassen die Menschen aus ihrem Leibe heraus die Erinnerungen kochen, das Denken beginnt erst, wenn man die Gedanken aktiv innerlich auffaßt —, wenn man also eine innere Aktivität entwickelt, da ist ein Erzengel dabei. Und wenn Sie gar herumhören, herumschauen, dann müssen Sie sagen: In meinen Ohren, in meinen Augen, da sind die Thronsessel der Archai, der Zeitgeister. — Wenn Sie sich fragen: Wo sind die Zeitgeister, die Archai, welche die aufeinanderfolgenden Weltenalter der Erde regieren? — dann sollen Sie sie nicht suchen in ganz unbekannten Gegenden, Sie sollen sie suchen in den Sinnesorganen der Menschen. Da sitzen sie drinnen. Eine schon in bezug auf die Seelenfähigkeiten dekadente Zeit suchte ja die Götter da oben über dem Blauen, das gar nicht vorhanden ist, auch wohl die Zeitgeister da über dem Blau, das gar nicht vorhanden ist. Wenn der Mensch frägt: Wo sind denn die Zeitgeister? — sie sitzen in seinen Augen, in seinen Ohren, dort haben sie ihre Thronsessel.

[ 17 ] Das ist von einer andern Seite beleuchtet dasjenige, was ich Ihnen einmal klarmachte, indem ich Sie darauf hinwies, daß im Menschen selbst die Ortschaften sind, von denen aus die Ereignisse der Natur beherrscht werden. Wenn Sie in gewissen Geheimgesellschaften die Formeln sich sagen lassen und diese in der richtigen Weise deuten, dann werden Sie finden, daß diese aus sehr alten Zeiten überlieferten Formeln hinweisen auf solche Wahrheiten, wie ich sie jetzt vor Ihnen entwickelt habe; daß der Mensch der Tempel ist für Götter, die über ihm stehen, das heißt für die Wesen der höheren Hierarchien. Er ist es im allerwörtlichsten Sinne. Denn wenn man frägt: Wo halten sich die Angeloi, Archangeloi, Archai auf? — so muß ich sagen: In den Organen des menschlichen Gedächtnisses, der menschlichen Intelligenz und der menschlichen Sinnestätigkeit. — Der Mensch ist, wenn man in einer wirklichen Sprache redet, muß man das sagen, wirklich Geist-erfüllt, das heißt, mit Geistern angefüllt. Die Kirche wollte das nicht zum Bewußtsein der Menschen kommen lassen, daher hat sie 869 auf dem achten ökumenischen Konzil verboten, etwas zu wissen oder etwas zu glauben in bezug auf das Geistige, sie hat das Dogma aufgestellt, der Mensch bestehe nur aus Leib und Seele. — Dieser Mensch ist ein sehr, sehr kompliziertes Wesen, und wenn man, sagen wir, zum Beispiel auf einen fernen Stern sich stellen würde und von dort aus als von einem andern Gesichtspunkte aus die Vorgänge der Erde beobachten würde, würde das Mineralreich sofort verschwinden, das würde nur als Lichtglanz nach außen scheinen. Vom Pflanzenreich würde auch wenig wahrgenommen werden, vom Tierreich auch nicht sehr viel. Vom Menschen würden nicht die einzelnen Menschen von außen wahrgenommen werden, sondern da würden die Thronsessel im Weltenraume da sein und eingenommen von Angeloi, Archangeloi, Archai. Und solch ein Wesen, das dazu die nötige Anschauungsfähigkeit hat von einem fernen Stern, würde sagen: Die Erde ist ein Körper im Weltenraum, welcher der Wohnplatz ist von Archai, Archangeloi und Angeloi. — In der Sprache der Götter wäre das gesprochen, daß die Erde der Wohnplatz ist der Zeitgeister, Erzengel und Engel. In der alltäglichen Sprache der Menschen heißt das: Der Mensch hat Sinnesorgane, Intelligenzwerkzeuge und Gedächtniskonstitution. Aber die Menschheit ist dazu berufen, den Menschen wirklich kennenzulernen, die reale Beziehung dieses Menschen zu der geistigen Welt aufzusuchen.

[ 18 ] Der Pendelausschlag der Zivilisation war bisher anders. Man hat untersucht, aus welchen chemischen Stoffen die Nahrungsmittel bestehen, um dadurch zu wissen, was der Mensch an Nahrungsmitteln aufnimmt. Leiblichkeit gleich Materie der Nahrungsmittel und so weiter, diese Beziehungen hat man aufgesucht. Man hat gesagt: Was da draußen in den verschiedenen Pflanzen oder in den verschiedenen Tieren ist, das wandert in den Menschen ein; bald ist es draußen im Kohl, bald im Ochsen tätig, bald ist es drinnen im Menschen tätig und konstituiert ihn. — Man sieht also einen Ochsen draußen, man schaut ihn an. Man sieht nachher einen Menschen und weiß, der hat das Beefsteak, das aus diesem Ochsen gemacht worden ist, gegessen, und man verfolgt, welchen Anteil an den inneren Tätigkeiten des Menschen das Beefsteak hat, das er gegessen hat, das vor einer Anzahl von Tagen noch im Ochsen draußen tätig war; da hat man die Beziehung des Leiblichen zu der natürlichen Außenwelt. Da verfolgt man, wie das Beefsteak, das da saß in den Lenden des Ochsen, nachher im Menschen innerlich tätig ist.

[ 19 ] Das hat man nun genug verfolgt, daraus hat man eine Weltanschauung gebraut, welche den Pendelschlag der menschlichen Weltanschauung nach der einen Seite hin bewirkt hat. Jetzt muß der Pendel nach der andern Seite ausschlagen. Jetzt muß man wissen, das Seelische des Menschen steht ebenso in Beziehung zu der geistigen Welt, zu geistigen Substanzen. Und was geistige Substanzen sind, Erzengel, Archai, Engel, sie sind drinnen im Menschen, wie der Ochse im Menschen ist, wenn der Mensch sein Beefsteak ißt, in seinem Leibe. Das eine gibt die heutige Wissenschaft zu, das andere verlacht sie noch. Aber für die weitere Entwickelung der Menschheit ist es notwendig, daß der Mensch ebenso weiß, welche Beziehung er zum Engel hat, wie er heute weiß, welche Beziehung er zum Ochsen oder zum Kohl hat ich meine den physischen Kohl!

[ 20 ] An dieser Zeitenwende sind wir, daß tatsächlich für die Menschheitsentwickelung die Notwendigkeit vorliegt, sich hinzuwenden zu dem, was aus dem Geiste in die Seele hereinspielt, nachdem wir lange genug einseitig die Aufmerksamkeit hingelenkt haben auf dasjenige, was von der physischen Welt in die Leibesseite des Menschen hereinspielt. Für den Menschen, der heute sich zu entwickeln beginnt, genügt es nicht, daß man ihm aus den Bekenntnissen heraus dogmatisch abstrakt gewisse religiöse Wahrheiten vermittelt. Der heutige Mensch hat sich damit beschäftigt, nachzudenken, welche Beziehung sein Erdenleib zum Geistigen hat. Dieser Erdenleib hat zunächst nur Beziehung zum Ich. Wir werden morgen noch andere Beziehungen kennenlernen. Aber dasjenige, was an seinem Erdenleibe erscheint, die Konstitution für die Erinnerungsfähigkeit, das hat Beziehung zu der Hierarchie der Angeloi. Dasjenige, was in diesem Erdenleibe eingebettet ist als die Konstitution für die Intelligenz, das hat Beziehungen zu der Welt der Archangeloii. Dasjenige, was sich in unseren höheren Sinnen uns kundgibt, namentlich dasjenige, was sich in unserer höheren Kunst ergibt, das hat Beziehung zu der Welt der Archai, der Zeitgeister. Wir müssen fähig werden als Menschen, nicht bloß im allgemeinen zu schwätzen darüber, daß es eine geistige Welt gibt, sondern wir müssen fähig werden, die konkreten Beziehungen des Menschen zu dieser geistigen Welt zu empfinden. Wir müssen fähig werden, zu empfinden, wie dasjenige, was in uns widerhallt als Gehör, eine unsere Welt durchsetzende Tatsachenreihe ist, in der Archai drinnen tätig sind. Wir müssen fähig werden, das zu begreifen: Während wir denken, weilen wir in einer Welt, die durchwest und durchwebt wird von Archangeloi, während wir uns erinnern, weilen wir in einer Welt, die durchwebt und durchwest wird von Angeloi, und wenn wir unseres Ich uns bewußt werden, wozu wir am völligsten immer unseren Leib gebrauchen, so ist er eine Offenbarung unseres Ich. — Dann erst sind wir in der Welt, in der der Mensch webt und west. Noch in den griechischen Mysterien sagte man sich: Wenn man an den Hüter der Schwelle herankommt, dann lernt man, was im Menschen ist, auf eine höhere Art erkennen. — Diesseits der Schwelle lernt man nur Ge‚danken, die einen an vergangene Erlebnisse erinnern, kennen. Jenseits der Schwelle umhusehen einen die Wesen der Angeloiwelt. Diesseits der Schwelle lernt man erkennen das intelligente Wesen; jenseits der Schwelle nimmt man wahr, wie einen umhusehen die Archangeloi. Diesseits der Schwelle nimmt man die äußere Sinneswelt wahr; jenseits der Schwelle weiß man, wie durch unsere Augen, durch unsere Ohren aus- und einziehen die Zeitgeister.

[ 21 ] Es muß dafür gesorgt werden, daß dieses Bewußtsein im Menschen erweckt werde, er stehe einfach durch seine Konstitution in Beziehung zur geistigen Welt. Das aber muß für die einzelnen Organe konkret erweckt werden. Der Mensch muß sich fühlen lernen in einer geistigen Welt, während ihn diejenige Weltanschauung, die heute zu ihrem Höhepunkt gekommen ist, nur fühlen läßt, daß er in einer physischen Welt lebt. Dieses Gefühl, daß man in einer physischen Welt lebt, das würde den Menschen ganz beherrschen müssen, wenn nicht das Ereignis von Golgatha eingetreten wäre. Daß der Mensch wiederum zurück sich entwickeln kann zu einem Bewußtsein von seiner geistigen Beziehung, das verdankt man dem Mysterium von Golgatha. Aber man muß das, was man dem Mysterium von Golgatha verdankt, aus freiem innerem Antrieb heraus suchen. Das Christentum setzt Freiheit voraus.

[ 22 ] Was man da wissen kann als die Beziehung des Menschen zur geistigen Welt, das kann tatsächlich praktische Wirksamkeit im Menschen gewinnen. Und dasjenige, was wir als Pädagogik zugrunde legen wollen der Wirksamkeit in der Stuttgarter Waldorfschule, das ist herausgeboren aus diesem Bewußtsein, daß der Mensch noch etwas anderes ist als eine Synthese der äußeren Naturvorgänge. Da soll so erzogen und unterrichtet werden, daß man sich bewußt ist, man hat in sich nicht nur das Baby, das physisch heranwächst, und das, wenn es entwöhnt ist, allmählich nach und nach aufnimmt den Kohl und den Ochsen, sondern das ist das Seelenwesen, an dem nach und nach Anteil haben die Wesen der höheren Geistigkeit. Und indem wir erziehend unterrichten, leiten wir herein die Tätigkeit der Wesen der höheren Hierarchien in das sich entwickelnde Kind. Der Mensch soll nicht bloß lernen, sich hinzuknien an den Altar und zu beten für seinen Egoismus, der Mensch soll lernen, einen Gottesdienst zu machen aus alledem, was er in der Welt verrichtet. Heute ist dem Menschen das zu vermitteln, daß alles dasjenige, was der Mensch in der Welt verrichtet, ein Gottesdienst sein muß, eine dringende Aufgabe. Aber dem widersetzen sich diejenigen, die die Menschen nicht teilhaftig sein lassen wollen an diesen höheren Aufgaben der Menschheit.

[ 23 ] Während ich gestern in St. Gallen versuchte, mit Beziehung auf das Gebiet des Erziehungswesens die Tätigkeit, die Fruchtbarkeit desjenigen zu entwickeln, was aus der geistigen Erkenntnis fließen kann, wurde mir erzählt, daß wir nun schon so weit sind, daß die klerikalen Blätter in St. Gallen nicht nur keine Textnotiz, sondern auch kein Inserat mehr aufgenommen haben für diesen Vortrag, also auch verweigert haben die Inserataufnahme für diesen Vortrag. Diese Gegnerschaft wird immer mehr und mehr gut organisiert. Organisation versteht man auf jener Seite. Ich will Sie damit nur aufmerksam machen darauf, welcher Widerstand gegen das Einleben der Wahrheit in die Welt immer mehr und mehr sich geltend machen wird. Ich will Sie nach und nach unterrichten von diesen Dingen. Ich möchte Sie auch nicht unbekannt sein lassen mit diesem kleinen Faktum, damit Sie fühlen, daß es nach und nach keine Aufgabe für schlafende Seelen sein wird, für die Christus-Wahrheit einzutreten, sondern daß es immer mehr werden wird eine Aufgabe für wachende Seelen. Man braucht auch Organisationen, um der Organisation auf der andern Seite begegnen zu können. Davon wollen wir morgen weiter reden.